Author Topic: [Information und Geistiges Eigentum [?]... ]  (Read 29631 times)

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[Sie sind illegal... ]
« Reply #30 on: November 09, 2010, 09:56:15 AM »
Quote
[...] Am Wuppertaler Zentrum für Informations- und Medienverarbeitung soll ein Jahrzehnte altes Medienarchiv gelöscht werden, weil nach geltender Rechtsauffassung allein der Besitz solcher Bestände strafbar sei

In Universitäten – nicht nur deutschen – ist es seit Einführung des Videorekorders Praxis geworden, Fernsehprogramminhalte mitzuschneiden und zu archivieren; teilweise, weil darin das Wirken der eigenen Hochschule und deren Mitarbeiter darstellt wird; häufiger aber um der Medienforschung und -ausbildung eine inhaltliche Grundlage zu bieten. So finden sich insbesondere in film- und medienwissenschaftlichen Instituten mittlerweile beachtliche Sammlungen von Fernseh-, Spiel- und Dokumentarfilmen, die es Studenten und Forschern an diesen Instituten ermöglichen, medienarchäologisch und -historisch zu arbeiten. Nicht selten sind diese Archive die einzigen Zugangsquellen für rare und ansonsten unauffindbare Medieninhalten geworden.

Bislang waren solche Sammlungen vor allem durch die Personal- und Raumknappheit der Universitäten bedroht: Die Aufzeichnungen und Geräte müssen verwaltet und gepflegt werden (was insbesondere bei VHS-Kassetten eine Herausforderung ist). Das könnte nun jedoch bald überflüssig werden, denn das deutsche Urheber- und Verwertungsrecht trifft eine recht eindeutige Aussage über solche Bestände: Sie sind illegal. Das hat die Verwaltung der Universität Wuppertal nach Auffassung ihrer Justiziarin nun dazu gebracht, in vorauseilendem Gehorsam das universitätseigene Zentrum für Informations- und Medienverarbeitung (ZIM) aufzufordern, sein umfangreiches Aufzeichnungsarchiv zu vernichten.

Nachdem die Angelegenheit jetzt öffentlich wurde, hat das Aktionsbündnis "Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft" eine Pressemitteilung herausgegeben und im Anschluss daran die „Gesellschaft für Medienwissenschaften“ (GfM) in einem Protestbrief an den Universitätsrektor Lambert Koch diese dazu aufgefordert, von dem Vorhaben abstand zu nehmen. Auf ihrer Webseite argumentiert die GfM:

"Einmal ganz abgesehen davon, dass insbesondere die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender in Deutschland einen Bildungsauftrag haben, der in der Verwendung von Mitschnitten ihrer Sendungen in Lehre und Forschung eine Fortsetzung im Sinne des Gesetzgebers findet, verweist das groteske Ansinnen der Rechtsabteilung der Wuppertaler Universität auf einen eigentlichen Notstand im Bereich der medienwissenschaftlichen Forschung: Es bedarf dringend einer klaren und zuverlässigen Regelung des Zugangs zu und der Verwendungsmodalitäten von urheberrechtlich geschütztem audiovisuellem Material für Forschung und Lehre."

Die Angelegenheit könnte angesichts der in den Uni-Archiven schlummernden Mitschnitt-Schätze noch weiterreichende Konsequenzen bekommen. Bislang wurden solche Archive stillschweigend geduldet – wie auch die Vorführung des Materials zu Lehr- und Forschungszwecken. Durch weitere Verschärfung des Urheberrechts sollen solche Grauzonen künftig ebenfalls abgedeckt werden, weswegen sich das Aktionsbündnis im Juli für eine "Wissenschaftsschranke" ausgesprochen hatte, nach der Literatur (und andere Forschungsquellen) einer genehmigungsfreien Nutzung unterliegen sollen.


Quote
BummelHummel, 9. November 2010 09:06

Ein besonders anschauliches Beispiel, wie ...

... ein ausguferndes, pervertiertes Urheberrecht Forschung und
Bildung behindern.


Quote
kulinux, 9. November 2010 08:42

Innovative Juristen!


Mensch Klasse!
Da zerbrechen sich Bibliothekare, Archivare und alle, die mit
digital(isiert)em Kulturgut im weitesten Sinne zu tun haben, seit
Jahrzehnten den Kopf, wie man das Zeugs dauerhaft speichern kann ...
und dann haben die Juristen die Lösung: Nix speichern! Löschen!
Da lassen sich ja noch ungeahnte Anwendungsmöglichkeiten absehen:
Frage des Grundeigentums für die Cheops-Pyramide nicht mehr eindeutig
klärbar? - Abreißen!
Keine Erben für die Tantiemen aus Beethovens Musik, Goethes Schriften
oder Rembrandt Gemälden mehr auffindbar? - Vernichten!
Eine völlig neue Anwendung des alten DDR-Spruchs "wir bauen auf und
reißen nieder / so ham wir Arbeit immer wieder" tut sich da auf , die
zudem ungeahnte Entfaltungsmöglichkeiten für die ansonsten ja schon
arg gebremste Kreativität der Leute bietet: Bisher musste sich jeder
Künstler doch irgendwie immer sagen lassen: "War schon mal da, gibt's
schon, nix Neues!" Und nun werden die Werke und alle ihre Spuren
regelmäßig vernichtet - und Platz is'!
Hm, das ließe sich ja auch auf Gesetze anwenden. Wer sagt denn, dass
wir z.B. alte Grundsätze des römischen Rechts (keine Strafe ohne
Gesetz, im Zweifelsfalle zugunsten des Angeklagten etc. pp.) einfach
beibehalten müssen: Lassen wir die findigen Juristen doch das
Rechtssystem immer wieder neu erfinden! Das bleibt spannend und
sichert UNMENGEN von Arbeitsplätzen: Vollbeschäftigung für alle mit
IQ über 35, die daher geeignet sind, als Juristen zu arbeiten!

Hurra!
SCNR

Kuli, kopfschüttelnd


Quote
perpetuum, 9. November 2010 08:59

Was soll's

wir sind hier schließlich im Mutterland der hirnlosen Bürokratie, wo
vor der Vernichtung von Unterlagen stets eine Sicherheitskopie
anzufertigen ist! :D



Quote
BuchstabenUndZahlen, 9. November 2010 08:38

Geschäftsschädigend!

Diese Kostenlosmentalität der Intelektüllen ist geschäftsschädigend
für unsere gebeutelte Wirtschaft. Da sammeln sich Milliarden in
irgendwelchen profitfreien Archiven ohne irgendeinen Beitrag zum
Wachstum zu liefern. Wo kämen wir denn hin, wenn Informationen von
jedem einfach so verbraucht würden ohne Gegenleistung? Diese
langbärtigen Medienwissenschaftler saugen am Hals der
Verwertungsgesellschaften und ihre Analysen verderben dem
unbescholtenen Bürger den Genuß an den brandneuen Erzeugnissen
unserer Inhaltsindustrie.

Denkt denn niemand an den Wirtschaftsstandort?




Aus: "Löschen statt speichern" Von Stefan Höltgen (09.11.2010)
Quelle: http://www.heise.de/tp/blogs/6/148709


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[Schlecht ausgerichtet auf das Wesen der Kunst... ]
« Reply #31 on: November 09, 2010, 10:07:48 AM »
Quote
[...] Neelie Kroes, EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, will sicherstellen, dass das Urheberrecht nicht zum Hindernis in der vernetzten Welt wird. "Copyright ist kein Zweck an sich", betonte die Niederländerin Ende vergangener Woche in einer Rede auf einem Kultur- und Medienforum in Avignon. Es gehe vielmehr darum, Künstlern weiterhin Schaffensmöglichkeiten zu erhalten. Immer öfter werde das Urheberrecht aber nicht respektiert. In einigen Bereichen sei die "Piraterienachfrage" so hoch, "dass wir uns fragen müssen, was wir falsch machen".

Als Beispiel nannte Kroes die Digitalisierung von Werken wie zum Beispiel für die Europeana, die als Online-Portal für Bibliotheken, Museen und Archive gelten soll. Sie warf die Frage auf, ob diese "12 Millionen Bücher, Bilder, Karten, Musikstücke und Videos umfassende Sammlung von einem Stillstand bedroht ist, weil das Copyright ihr Steine in den Weg legt". Es gebe Probleme bei der Erschließung "verwaister Werke", für die kein Urheber mehr auszumachen sei, sowie für vergriffene Bücher. Die Europeana könnte zu einem Nischendasein verdammt sein, wenn ihr keine Lizenzen für den vollen Katalog europäischer Einrichtungen erteilt werden könnten. Es sei auch frustrierend, wenn für die Vermarktung keine Partnerschaften mit Unternehmen eingegangen werden könnten.

"Unser heutiges fragmentiertes Copyright-System ist schlecht ausgerichtet auf das Wesen der Kunst, die keine Grenzen kennt", so Kroes. Es begünstige, dass die Rechteinhaber und Vermittler eine wichtigere Rolle spielten als die Künstler. "Das irritiert die Öffentlichkeit, die oft nicht auf das zugreifen kann, was ihr die Kreativen anbieten möchten." Zugleich entstehe ein "Vakuum, das durch illegale Inhalte gefüllt wird". So würden die Werkschaffenden ihrer wohlverdienten Vergütung beraubt. Gleichzeitig sei die Copyright-Durchsetzung häufig eingebettet in "sensible Fragen über die Privatsphäre, Datenschutz oder sogar die Netzneutralität".

In diesem Zusammenhang komme es einigen möglicherweise gelegen, eine Debatte zu vermeiden oder "sie in moralistische Begriffe zu verpacken, die Millionen Bürger nur dämonisiert", erklärte Kroes. Der Ansatz könne aber nicht aufrechterhalten werden. Eine Copyright-Reform müsse diskutiert werden, um den digitalen Binnenmarkt in Europa zu befördern. Es müsse über Eigeninteressen von Nationen sowie Unternehmen hinausgeblickt und einen "neuen Ansatz fürs Urheberrecht" etabliert werden.

Kroes kündigte Gesetzesentwürfe für "verwaiste Werke" zur Erhöhung der Transparenz von Verwertungsgesellschaften an. "Wir werden erneut die unterschiedlichen nationalen Vergütungssysteme für Privatkopien untersuchen", sagte sie weiter. Die EU-Kommission werde verfolgen, ob multi-territoriale beziehungsweise gesamteuropäische Lizenzen geschaffen werden. Es sollen zusätzliche Ideen gesammelt werden, "bis das System richtig funktioniert". Zuvor hatte bereits der britische Premierminister David Cameron von den Konservativen in Aussicht gestellt, das Copyright für das Internet-Zeitalter fit machen zu wollen, und dabei Lockerungen des Rechtsrahmens ins Auge gefasst. (Stefan Krempl) / (anw)

Quote
devil2k7, 8. November 2010 16:20

Was geht denn jetzt ab?

Ist das eine Nebelkerze, oder haben die was begriffen und meinen das ernst?





Aus: "EU-Kommissarin fordert "neuen Ansatz fürs Copyright"" (08.11.2010)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/EU-Kommissarin-fordert-neuen-Ansatz-fuers-Copyright-1132168.html


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[Die Nutzung des Wortes 'Face'... ]
« Reply #32 on: November 25, 2010, 01:01:06 PM »
Quote
[...] Palo Alto/Berlin - Das Online-Netzwerk Facebook hat das englische Wort 'Face' (Gesicht) in den USA als Marke schützen lassen. Das US-Patentamt stellte dem kalifornischen Unternehmen eine vorläufige Bescheinigung ('Notice of Allowance') aus, dass der Antrag auf Markenschutz erteilt wird. Der Antrag von Facebook auf die Nutzung des Wortes 'Face' wurde für Telekommunikationsdienstleitungen, Chat-Räume und andere computer-gestützte Mitteilungsformen bewilligt. Der Markenschutz von Alltagsbegriffen ist umstritten.

...


Aus: "Marke 'Face' geschützt" (25.11.2010 )
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/b5y38q/3743384/Marke-Face-geschuetzt.html

-.-

Quote
[..] Das US-amerikanische Unternehmen Walker Digital LLC hat den Social-Network-Betreiber Facebook wegen angeblicher Patentverletzung verklagt. Laut einem Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg geht es vor einem Bundesbezirksgericht im US-Bundesstaat Delaware um eine Technik, die anonyme Kommunikation über Netzwerke zwischen zwei oder mehr Beteiligten und Kontrolle über die Herausgabe vertraulicher Informationen ermöglicht. Einer der drei Erfinder der Technik ist laut Patentschrift neben dem Kläger Jay Walker der bekannte Computersicherheitsexperte Bruce Schneier.

Facebook-Sprecher Andrew Noyes wies die Vorwürfe laut dem Bericht als unseriös zurück. Sein Unternehmen werde sich mit allen Mittel wehren. Walker Digital verfügt über eine Reihe an Patenten, die das Unternehmen auch rigoros vor Gericht durchsetzt. Walker Digital hat außerdem 1998 das Online-Reiseportal priceline.com in die Welt gesetzt. (anw)


Aus: "Facebook wegen angeblicher Patentverletzung verklagt" (25.11.2010)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Facebook-wegen-angeblicher-Patentverletzung-verklagt-1142020.html


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[Urheberschutz gegen Rechteverwerter... ]
« Reply #33 on: June 22, 2011, 09:25:00 AM »
Quote
[...] "Aus Sicht des heutigen Urheberrechts wäre Goethe als einer der wohl größten Plagiatoren in der Geschichte einzustufen", sagte Till Kreutzer, Rechtsanwalt und Urheberrechtsexperte bei einer Veranstaltung der österreichischen Wirtschaftskammer.

"Urheberrechtliche Herausforderungen im digitalen Zeitalter" war denn auch der Titel der Veranstaltung. Kreutzers im Vortrag geäußerten Thesen waren aber schon deutlich anders geartet, als man es bei Veranstaltungen zum Thema Urheberrecht gemeinhin hört.

Nach einem Streifzug durch die Kulturgeschichte von Goethe über Brecht zur frühen Remix-Kultur der Siebzigerjahre und Video-Remixes auf YouTube, schloß Kreutzer, dass es nun langsam Zeit werde, sich vom "romantischen Bild des einsamen Schöpfers" zu verabschieden.

Im Grunde habe das nämlich noch nie gestimmt. Und während bei anderen Veranstaltungen zum Thema meist stereotyp wiederholt wird, wie unerläßlich Copyright für die kulturelle Weiterentwicklung sei, sagte Kreutzer: "Im Urheberrecht geht es überhaupt nicht um Kultur, sondern um den Schutz eines Individuumѕ." In erster Linie würden allerdings "die Interessen der Wirtschaft dahinter geschützt, nicht jene des eigentlichen Urhebers."

Als Beispiel dafür nannte Kreutzer, dass es EU-weit bis jetzt nicht einmal einen Ansatz für ein europaweit einheitliches Urhebervertragsrecht zum Schutz der Kreativen gebe.

An Richtlinien und Verordnungen zum Schutz der "kreativen Industrien" mangelt es hingegen keineswegs. Aktuell wird wieder einmal versucht, die "Richtlinie zum Ѕchutz geistigen Eigentums" (IPRED) so zu ändern oder zu ergänzen, dass Tauschbörsenbenutzer auch strafrechtlich verfolgt werden können, "Internetsperren" sind ebenso wieder drin.

Davor hatte die Content-Industrie bereits versucht, eine "Kooperationspflicht" für Provider bei mutmaßlichen Urheberrechtsverletzungen im Telekomrichtlinien-Paket festzuschreiben.

"Eigentlich bräuchten die Urheber eher einen Schutz vor dem Verwerter", denn in der Regel sei es so, dass Urheber die Verwertungsrechte pauschal an Verlage abtreten, zum Beispiel Autoren oder Journalisten.

So sei es mittlerweile längst die Regel, dass etwa die Texte von Printjournalisten in den Online-Ausgaben ein zweitesmal verwertet werden, die Urheber aber an diesen Erlösen nicht beteiligt seien.

Und schon immer falsch gewesen sei die Annahme, dass Urheber per se ein Interesse daran hätten, ihre Werke möglichst lang schützen, wohl aber die Verwerter.

"Eine überlange, pauschale Schutzdauer von 70 Jahren ist weder nützlich noch zielführend". Vor allem, wenn es ausschließliche Nutzungsrechte betreffe, sollten die sich an an den durchschnittlichen Verwertungszyklen der Teilbranche orientieren, so Kreutzer.

Gemeint ist damit unter anderem die riesige Zahl sogenannter verwaister Werke ("orphan works"), die nicht wieder publiziert werden können, weil die Verwertungsrechte unklar sind.

In der anschließenden Podiumsdiskussion stießen Kreutzers Thesen bei Andreas Manak vom Verein für Antipiraterie (VAP), der die Interessen der Filmindustrie vertritt, naturgemäß auf wenig Zustimmung.

Manak warf den Internetprovidern mangelnde Kooperationsbereitschaft vor, was sich zum Beispiel in der Vergabe dynamischer IP-Adressen äußere, die in Österreich unverständlicherweise nicht zu den (auskunftspflichtigen) Stammdaten zählten. Und soviel Aufwand sei es doch nicht, wenn die Provider diese dynamischen IP-Adressen eine Zeitlang speichern würden anstatt sie zu löschen.

"Aber das dürfen wir doch nicht laut Datenschutzgesetz" wandte Michael Czermak, Leiter der Rechtsabteilung von UPC Telekabel, ein.

Das war das Stichwort für Franz Medwenitsch, Direktor von IFPI Austria, dem österreichischen Ableger der International Federation of the Phonographic Industry: In puncto "Urheberrechtsdurchsetzung hat Österreich das Niveau eines Entwicklungslands." Es sei einfach "ein Defekt des Internet, dass es keine Identitätsfeststellung gibt", sekundierte Manak.

Was die Thesen Kreutzers angehe, so müsse festgehalten werden, dass die Content-Industrie keineswegs den technischen Fortschritt behindere, oder gar Kreativität verhindere. In der Frage von Remixen sei es für die Wirtschaft eben von bleibender Bedeutung, dass ihre Contents steuerbar seien, so Medwenitsch.

Als internationales Unternehmen, das in mehreren europäischen Ländern tätig ist, warte die UPC natürlich auf europäische Harmonisierung in Sachen Urheberrechtsabgaben sagte Czermak.

Als Kabel-TV-Betreiber, also Content-Anbieter, sei man in jedem Land mit einer anderen Regelung konfrontiert, anders gestaffelten Abgaben, "das ist zu teuer und komplex. Aus unserer Sicht haben die Musik- und Filmindustrie schlicht verschlafen," für eine EU-weit einheitliche Regelung Druck zu machern.

Gegen Ende der Diskussion meldete sich noch ein Vertreter des Verbands österreichischer Zeitungsverleger, der erklärte, warum es den Verlagen leider nicht möglich sei, die Printjournalisten an der Online-Zweitverwertung ihrer Artikel zu beteiligen.




Aus: "Urheberschutz gegen Rechteverwerter" Erich Moechel  (22. 6. 2011)
Quelle: http://fm4.orf.at/stories/1684322/


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[Offener Brief von 51 Tatort-Autoren... ]
« Reply #34 on: April 01, 2012, 05:05:15 PM »
Offener Brief von 51 Tatort-Autoren
29. März 2012 - 14:11
http://www.drehbuchautoren.de/nachrichten/2012/03/offener-brief-von-51-tatort-autoren-0

Antwort auf den offenen Brief der Tatort-Drehbuchschreiber
2012-03-29 17:30:00, zas
http://ccc.de/updates/2012/drehbuchautoren

CCC antwortet auf Demagogie-Vorwurf der "Tatort"-Autoren
http://www.heise.de/newsticker/meldung/CCC-antwortet-auf-Demagogie-Vorwurf-der-Tatort-Autoren-1487084.html




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[Mein Betonkopf gehört mir... ]
« Reply #35 on: April 07, 2012, 12:42:13 PM »
Die Piraten als politische Bewegung sind nicht das erste asoziale Kollektiv, das die Geschichte kennt. Ihr Versuch, sich mit dem positiv besetzten Begriff der Schwarmintelligenz zu legitimieren, ist klassische Demagogie, denn auf dem Feld des geistigen Eigentums, und nicht nur dort, favorisieren sie keine Verteidigungs-, sondern eine pure Raubzugsphilosophie. Ihr Verhalten muss man deshalb als Dschingiskanisierung des Politischen wie Sozialen begreifen. Der demokratisch legitimierte Rechtsstaat ist darum aufgefordert, nichts anderes zu tun, als hier die Anerkennung des Rechts auf geistiges Eigentum rigoros zu erzwingen. Für einen Schriftsteller, der von den Früchten eben dieses Eigentums lebt, versteht sich eine solche Position von selbst.
ULRICH SCHACHT, Schriftsteller (2012)
http://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/mein-kopf-gehoert-mir-ulrich-schacht-frauke-scheunemann-rayk-wieland-thomas-weymar-juli-zeh/6483554-7.html

-.-

Da haben sich die Verleger aber eine hübsche Kampagne ausgedacht, die jetzt in Etappen über die klassischen Massenmedien ausgegossen wird. Nach der Wutrede von Sveni Regner und dem offenen Brief der GEZ-beseelten Tatort-Autoren werden nun im Handelsblatt 100 “kreative” Schriftsteller, Sänger, Künstler, Werber, Softwareentwickler und Unternehmer in Szene gesetzt, um gegen die “Umsonstkultur” im Internet und deren politischen Protagonisten, die Piraten, zu protestieren. Das ist wohl ein bislang einmaliger Vorgang in der Untergangsgeschichte des medialen Establishments, dass sich Meinungsbildner nicht nur vor den Karren von Lobbyinteressen spannen lassen, sondern expliziert gegen eine politische Partei lamentieren, die in Deutschland noch nirgendwo in der politischen Verantwortung steht. ...
Mein Betonkopf gehört mir, Gunnar Sohn (Netzkultur, Netztheorie | 05.04.12)
http://www.netzpiloten.de/2012/04/05/mein-betonkopf-gehort-mir/


-.-

Über 160 Statements zum Urheberrecht (06.04.2012)
Mehr als 160 Vertreter aus Kunst, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben sich für die Aktion „Mein Kopf gehört mir“ zu Wort gemeldet. Hier eine Übersicht über die Statements.
http://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/mein-kopf-gehoert-mir-ueber-160-statements-zum-urheberrecht/6484234.html

-.-

Offener Brief an die Contentindustrie
von Anatol Stefanowitsch, 06. April 2012, 02:50
Liebe Schreiberinnen und Schreiber offener Briefe, liebe an der Nadel des Staates hängende Subventionsjunkies, liebe Leibeigene der Contentindustrie, liebe schlipstragende Verwalter und Verkäufer kultureller „Güter“,
Ihr habt in den letzten Wochen soviel Unfug von euch gegeben, dass es hundert offener Briefe bedürfte, um auch nur das Fundament für eine angemessene Antwort zu legen. ...
http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/sprachwandel/2012-04-06/offener-brief-an-die-contentindustrie

-.-

Dass die Kampagne der letzten Wochen (Regener, Tatort, Handelsblatt) nur der Anfang sein soll, will Netzpolitik erfahren haben. Den Stellungskriegern in der Verwertungsindustrie und denjenigen Urhebern, die nicht verstanden haben, dass sie von ersterer nur instrumentalisiert werden, sei schon einmal gesagt: so ein Schützengrabenkrieg ist die falsche Strategie, wenn man gegen einen Gegner kämpft, der mobil, kreativ, kompromissbereit und in der Überzahl ist. ...
http://www.metronaut.de/2012/04/urheberrecht-handelsblatt-im-schuetzengraben/

-.-

Quote
[...] Unter der Überschrift "Mein K©pf gehört mir" wenden sich in der heutigen Ausgabe des Handelsblatts 100 Kreative gegen die "Umsonstkultur" im Internet sowie deren Protagonisten in Gestalt der Piratenpartei. Die Kreativen nehmen dabei Bezug auf die laufende Debatte über das Urheberrecht, an der sich unter anderem Tatort-Drehbuchautoren und der CCC beteiligten. In einem Begleitartikel unter dem Titel "Kreative, hört die Signale!" wird an Deutschland als das "Land der Dichter und Denker" erinnert, das nur dank der Ideen in der Weltwirtschaft vorne mitspiele. Erst die Anerkennung des Urheberrechts habe Künstler unabhängig gemacht und die Zeiten der Staatskünstler beendet. Deshalb sei der Schutz des geistigen Eigentums auch Freiheitspolitik.

Die Schriftstellerin Julia Franck beispielsweise meint, "ohne die Wertschätzung geistiger Schöpfungskraft, deren Förderung und Schutz hätten sich die europäischen Kulturen nicht so entwickeln können". Die Schauspielerin Franka Potente fügt hinzu, "auch im Youtube-Zeitalter gilt: Ohne Urheberrechte gibt es in Film und Fernsehen keine Qualität". Deshalb seien sie unverzichtbar. Immer wieder wird darauf verwiesen, dass eine Aufhebung des Schutzes von geistigem Eigentum das Ende für die Weiterentwicklung von Ideen sei. Das Denken würde dann nivelliert, formuliert der Autor Anselm Grün.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Renate Künast, meint, "der Status Quo des Urheberrechts ist ein einziges Ärgernis". Es schaffe keinen Interessensausgleich und lasse alle unzufrieden zurück. Eine Reform sei deshalb lange überfällig. Martin C. Wittig, der Chef von Roland Berger, erkennt an, dass Open-Source-Programme sehr erfolgreich sein können. Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger erklärt, "fertige Antworten gibt es angesichts der Dynamik nicht". Nur eines sei klar: "Es liegt auch an der Wirtschaft, Geschäftsmodelle für morgen zu entwickeln, die von vorneherein Piraterie verhindern."

Eine Gesellschaft, die ihre Kreativen vernachlässige, beraube sich ihrer Zukunft, argumentiert das Handelsblatt in dem Begleitartikel. Unterschieden werden sollte zwischen dem Bedürfnis, kreativ zu sein und der professionellen Produktion von Kunst und Kultur. Für Spitzenleistungen brauche es Freiraum und Kapital. Die Alternative sei eine Wissensgesellschaft, geformt aus Amateuren. Weiterhin wird in dem Artikel darauf verwiesen, dass jeder Software-Programmierer einen Aufstand machen würde, wenn jemand seine Idee klaue. (mho)

Quote
5. April 2012 16:14
www.handelsblatt.com: Apache/Coyote auf Linux
Bernd Paysan, Bernd Paysan (mehr als 1000 Beiträge seit 11.01.00)

Sagt zumindest netcraft. Also, alles nur geklaut, ihr
Software-Piraten. Oder habt ihr von dem Aufstand nichts mitbekommen,
den die Urheber von Apache und Linux veranstalten, weil sich alle da
kostenlos bedienen?

Stimmt, ich auch nicht. Die stellen das sogar extra unter ein
Copyleft, damit das so bleibt - und laut Statistik verdienen über 80%
ihre Brötchen damit, am Linux-Kernel zu arbeiten. Trotz
Kostenloskultur. Aber genau deshalb, weil das so ist, kann man nur
fassungslos dastehen, vor der Dummheit, die von so einem Artikel
ausgeht.



Aus: "Kreative wenden sich gegen "Umsonstkultur" und Piratenpartei" (05.04.2012)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Kreative-wenden-sich-gegen-Umsonstkultur-und-Piratenpartei-1516832.html

« Last Edit: April 07, 2012, 12:46:26 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Knapp vier Jahre Haft für... ]
« Reply #36 on: April 12, 2012, 09:50:07 AM »
Quote
[...] Der Chef-Programmierer des illegalen Filmportals Kino.to muss für mehrere Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Leipzig verurteilte den 29-Jährigen aus Hamburg am Mittwoch zu drei Jahren und zehn Monaten Haft. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Verteidigung und Anklage sowie Nebenklage verzichteten noch im Gerichtssaal darauf, Rechtsmittel einzulegen.

Das Landgericht Leipzig sprach den Mann am zweiten Verhandlungstag der massenhaften Verletzung des Urheberrechts schuldig.

... Der Programmierer hatte zum Prozessauftakt am 30. März eingeräumt, die technische Infrastruktur hinter der Website von Anfang an programmiert zu haben. Das Geständnis legten die Richter zu seinen Gunsten aus. Die Generalstaatsanwaltschaft hatte vier Jahre und zwei Monate Gefängnis gefordert, die Verteidigung lediglich ein "angemessenes Strafmaß".

Die Begründung des 29-Jährigen, er meinte sich in einer Grauzone bewegt zu haben und sei sich der Strafbarkeit seiner Taten nicht bewusst gewesen, ließ das Gericht indessen nicht gelten. "Man kann sich nicht auf eine Grauzone zurückziehen", sagte der Vorsitzende Richter Carsten Nickel. Der Programmierer habe dafür gesorgt, das Kino.to funktioniert. Bei dem Filmportal handele es sich um die schwerste bisher bekanntgewordene Straftat zum Nachteil von Urheberrechten. Der Verurteilte sei neben dem Leipziger Gründer des illegalen Portals der höchstbezahlte Mitarbeiter der Firma gewesen.

Allerdings hätten das umfassende und vollständige Geständnis des Angeklagten und seine Bereitschaft zur weiteren Mitarbeit wesentlichen Einfluss auf die Höhe des Strafmaßes gehabt. Das Gericht sprach sich für die Unterbringung im offenen Vollzug aus. Nach zehn Monaten Untersuchungshaft wurde der 29-Jährige unter Auflagen bis zum Haftantritt auf freien Fuß gesetzt. Sein Anwalt zeigte sich zufrieden mit dem Richterspruch. Das frühzeitige Geständnis habe sich ausgezahlt. Staatsanwalt Dietmar Bluhm sprach von einem gerechten Urteil.

Kino.to war im Juni 2011 aufgeflogen. Über die Seite waren zeitweise hunderttausende Filme, Serien und Dokumentationen zu erreichen, die bei Filehostern lagerten. Zeitweise verzeichnete das Portal bis zu vier Millionen Nutzer täglich. Geld wurde mit Werbung verdient. Wann der Kino.to-Gründer vor Gericht kommt, ist noch nicht klar.

[Update: Nach Bekanntgabe des Urteils waren die Websites des Bundesjustizministeriums und der sächsischen Justiz vorübergehend nicht erreichbar. Das BMJ bestätigte eine dDoS-Attacke auf den Server. Auf Twitter haben sich Unbekannte, die sich der österreichischen Anonymous-Bewegung zuordnen, zu den Angriffen aus "Rache für kino.to" bekannt.] (mit Material von dpa) / (vbr)

Quote
11. April 2012 20:36
Die Troll-Nanny
Besser Leute mit Abmahnungen, Schneeballsystemen, Kaffeefahrten betrügen.
Oder als Bauunternehmer eine Schrottbude hinstellen und
alle paar Jahre eine neue Baufirma gründen. So kann man Geld
scheffeln ohne Strafe.



Aus: "Knapp vier Jahre Haft für Kino.to-Programmierer" (11.04.2012)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Knapp-vier-Jahre-Haft-fuer-Kino-to-Programmierer-1519229.html

« Last Edit: May 11, 2012, 02:39:43 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Piratenpartei gefährdet deutsche Außenpolitik... ]
« Reply #37 on: April 15, 2012, 10:44:22 PM »
Quote
[...] Bundesaußenminister Guido Westerwelle wirft der Piratenpartei vor, mit der Forderung nach einer Aufweichung des Urheberrechts die deutsche Außenpolitik zu gefährden: "Wenn wir den Schutz des geistigen Eigentums in unserem eigenen Land infrage stellen, können wir anderswo auf der Welt kaum glaubwürdig für die Einhaltung des Urheberrechts kämpfen", sagte der FDP-Politiker im Interview mit dem "Handelsblatt" (Montagsausgabe). Seine Politik des Kampfs gegen die weltweite Produktpiraterie, die der deutschen Exportwirtschaft jährlich Milliardenschäden zufüge, werde dadurch hintertrieben Wirtschaft, Kultur und Intellektuelle sollten "sich dem Zeitgeist der Infragestellung des geistigen Eigentums entgegenstellen". Deutschland habe keine Rohstoffe und sei als Exportnation auf den weltweiten Verkauf seiner Erfindungen und dabei auf den Schutz geistigen Eigentums angewiesen.

"Wenn Deutschland in der Welt den Schutz des geistigen Eigentums zu Recht verlangt und gegen Produktpiraterie antritt, ist es kaum nachvollziehbar, wenn im eigenen Land die Forderung nach Aufgabe des geistigen Eigentums neumodischen Zulauf bekommt", sagte Westerwelle ...


Aus: "Westerwelle: Piratenpartei gefährdet deutsche Außenpolitik" (15.04.2012)
Quelle: http://www.berlinerumschau.com/news.php?id=49418&title=Westerwelle%3A+Piratenpartei+gef%E4hrdet+deutsche+Au%DFenpolitik&storyid=1334507515876


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[Nur ein rechtmäßiger Besitzer könne... ]
« Reply #38 on: May 10, 2012, 09:17:18 AM »
Quote
[...] Der Microblogging-Dienst Twitter setzt sich dagegen zur Wehr, für den Prozess gegen einen Occupy-Aktivisten dessen gelöschte Tweets herauszugeben.  ... Zuvor hatte der Angeklagte selbst Widerspruch einlegen wollen, was das Gericht in einer Entscheidung im April abgelehnt hatte. Nur ein rechtmäßiger Besitzer könne der Maßnahme widersprechen – und die Tweets des Angeklagten gehörten laut Auffassung des Gerichts nicht ihm, sondern Twitter.

...

Quote
9. Mai 2012 16:10
tafkad

Interessant, die gelöschten Tweets gehören
nicht demjenigen der Sie erstellt hat sondern Twitter. Umgekehrt
heißt das dann auch jemand Musik auf eine Sharingplatform lädt gehört
die Musik der Plattform und nicht demjenigen der den Account hat und
somit ist derjenige fein aus der Sache raus.

Oder sind wir wieder beim Fähnchen Wind Problem angekommen



Aus: "Twitter wehrt sich gegen Tweet-Herausgabe an US-Gericht" (09.05.2012)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Twitter-wehrt-sich-gegen-Tweet-Herausgabe-an-US-Gericht-1571038.html





« Last Edit: May 10, 2012, 09:22:13 AM by Textaris(txt*bot) »

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[Ermüdend... ]
« Reply #39 on: May 11, 2012, 12:20:57 PM »
http://www.zeit.de/kultur/2012-05/urheberrecht-aufruf-reaktionen

Quote
   Ranjit
    11.05.2012 um 11:35 Uhr

Ermüdend

Der Aufruf ist eine Farce.

Keine ernsthaften inhaltlichen Argumente, keine empirische Evidenz, keine konstruktiven Vorschläge. Stattdessen wird suggeriert, Verwerter und Künstler stehen auf der selben Seite.

Dabei bietet das Internet den Künstlern endlich die Chance direkt für ihre Arbeit entlohnt zu werden und nicht erst nach eine Reihe an Juristen, Managern und Marketingleuten die Reste zu bekommen.

Ebenso ist der Aufruf ein Schlag ins Gesicht der meisten Kreativen, die die Verwertungsrechte an ihren Werken abgeben müssen. Auch all die Künstler, die die Möglichkeiten des Internets nutzen werden hier beiseite gewischt. Was ist mit all den Autoren, deren Werke frei herunter zu laden sind und die trotzdem ihren Lebensunterhalt damit bestreiten? Was ist mit Musikern, die erst durch das Internet erfolgreich wurden? Was ist mit all den Werken, die kollaborativ entstehen? Und all den Werken von Laien?

... Analog sehen wir derzeit das aufbegehren von Organisationen die nicht mehr benötigt werden und den Personen die von ihnen abhängig sind. Verständlich, aber keinesfalls der Ausgangspunkt konstruktiver Politik.

http://www.zeit.de/kultur/2012-05/urheberrecht-aufruf-reaktionen?commentstart=9#cid-2053305


Quote
   Sonderseite
    11.05.2012 um 12:32 Uhr

Das Heil iegt in der Wiederholung

... von falschen Inhalten. ... Ziel dieser Kampagnen sind die Menschen, die am Spielfeldrand stehen und das Falschwissen durch Wiederholung als wahrhaftig aufnehmen sollen.

...

http://www.zeit.de/kultur/2012-05/urheberrecht-aufruf-reaktionen?commentstart=33#cid-2053467


Quote
   mockingbird
    11.05.2012 um 12:51 Uhr

Verwerter ist ein obsoleter Beruf wie Hufschmied. Jeder kann heute selbst ein Studio anmieten, vervielfältigen, werben, vertreiben. Alles was einen Verwerter ausmacht, wird heute auch do it yourself durchgeführt. Hufschmiede verlangen auch keine Anbringung von Hufeisen an Autos.

http://www.zeit.de/kultur/2012-05/urheberrecht-aufruf-reaktionen?commentstart=41#cid-2053505



https://netzpolitik.org/2012/nochmal-100-kopfe-diesmal-in-der-zeit/

http://www.internet-law.de/2012/05/wir-sind-die-burger.html

http://www.wir-sind-die-urheber.de/

http://wir-sind-die-buerger.de/


http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/kuenstler-schreiben-offenen-brief-fuer-das-urheberrecht-a-832538.html

Quote
... 1500 Autoren protestieren. Aber diese 1500 Autoren protestieren nicht gegen die Verletzung der Menschenrechte in China. Diese 1500 Autoren protestieren nicht gegen die Demokratievernichtungsmaschine EU. Und diese 1500 Autoren protestieren auch nicht gegen eine Wirtschafts- und Wachstumspolitik, die die Welt in den Untergang treibt, wie es gerade der Club of Rome beschrieben hat. Nein, wenn 1500 Autoren protestieren, dann denken sie an ihr eigenes Frühstück. ...


Aus: "Aufgeblasener Protest" Eine Kolumne von Georg Diez (11.05.2012)
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/georg-diez-zur-urheberrechtsdebatte-und-wir-sind-die-urheber-a-832665.html


« Last Edit: May 12, 2012, 12:29:46 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Der frühere Polizist der Discogruppe Village People... ]
« Reply #40 on: May 11, 2012, 02:45:24 PM »
Quote
[...] Victor Willis ist bekannt streitlustig: Der frühere „Polizist“ der Discogruppe Village People hat in der Vergangenheit auch seine ehemaligen Band-Kollegen mit Klagen eingedeckt. In seinem jüngsten Prozess hatte er es auf scheinbar aussichtsloser Position mit der Musikindustrie aufgenommen. Doch zur Überraschung aller trug Willis den Sieg davon - und versetzt damit die Branche in helle Aufregung.

Willis hatte aufgrund der US-Urheberrechtsnovelle des Jahres 1976 geklagt. Damals wurden nach heftigem Lobbying der Musikindustrie die Schutzfristen für Tantiemenpflichten verlängert. Als Trostpflaster für die Künstler wurde damals die kaum beachtete Nebenbestimmung eingefügt, dass sich Urheber von Werken unter bestimmten Auflagen nach 35 Jahren aus ihren Verträgen lösen könnten. Willis wartete - und brachte zum frühestmöglichen Zeitpunkt die Klage gegen die Verlagsfirmen Scorpio und Can’t Stop ein.

Willis wollte die Rechte an Hits wie „Y.M.C.A.“, „Macho Man“ und „In The Navy“ zurück. Insgesamt ging es um 33 Songs, die er damals für die Gruppe mitverfasst hatte, und die er nun wieder haben wollte. Wie unzählige andere Künstler am Beginn ihrer Karrieren hatte Willis in den 70ern einen Vertrag unterschrieben, der ihm nur einen geringen Anteil der Tantiemen an seinen eigenen Songs ließ und damit vor allem - jedes Mal, wenn der Song gespielt oder gekauft wird - bei Verlegern und Plattenfirmen die Kassen klingeln lässt.

Es war ein „David gegen Goliath“-Szenario: Die Anwälte der Gegenseite deckten Willis mit einem Sperrfeuer aus spitzfindigen Argumenten ein, warum die Klage nicht zulässig sein solle. Genau das erwies sich jedoch als gewaltiger Bumerang: Richter Barry Ted Moskowitz entschied in jeder einzelner dieser Detailfragen zugunsten von Willis. Damit wurden - zumindest für die USA - mit einem Schlag die über Jahrzehnte lang beliebtesten Tricks, mit denen die Unterhaltungsindustrie Künstler übers Ohr gehauen hat, vom Tisch gewischt.

Die Vertreter der Industrie hatten etwa argumentiert, die Village People seien eine Castingband gewesen und Willis hätte allein keinen einzigen Song verkauft, sei also nur musikalischer „Lohnarbeiter“ gewesen. Irrelevant, urteilte der Richter: Die Songs hätten sich eben gut verkauft und Willis habe sie eben geschrieben. Außerdem brachten die Anwälte vor, die Songs seien erst durch den Beitrag der Industrie zu Hits geworden. Irrelevant, befand der Richter: Willis sei der Autor, die Entlohnung der Industrie basiere auf anderen Faktoren.

Schließlich brachten die Verlegeranwälte ins Spiel, dass alle Beteiligten damals die gleichen Verträge unterschrieben hätten und also auch gemeinsam wieder aus den Verträgen aussteigen müssten. Das Kalkül dahinter war klar: Niemals würde Willis oder sonst jemand alle Beteiligten an einer Plattenproduktion, bis hin zum Tontechniker, für eine aussichtslos scheinende Klage hinter sich versammeln können. Irrelevant, urteilte der Richter jedoch auch da: Willis sei Urheber und müsse damit die Möglichkeit haben, mit seinen Rechten nach eigenem Gutdünken umzugehen.

Der wahre K.-o.-Schlag gegen die bisherige Übermachtposition der Industrie versteckt sich jedoch in der zehnseitigen Begründung des Urteils. Darin heißt es, Sinn des US-Urheberrechts sei es gerade auch, Künstler vor „wenig einträglichen“ Tantiemenvereinbarungen zu schützen. Eigens wird dabei auf die oft „ungleiche Verhandlungsposition“ des Künstlers gegenüber Unterhaltungskonzernen hingewiesen, die auch an der „Unmöglichkeit“ liege, „den Wert eines Werks zu bestimmen, bevor es verwertet wird“.

Willis bekam damit als erster Künstler der USA das Recht, gemäß der Urheberrechtsnovelle des Jahres 1976 aus seinem alten Vertrag auszusteigen. Künftig bekommt er ein Drittel aller Tantiemen seiner Village-People-Hits. Bisher waren es nur ein bisschen mehr als zwölf Prozent. Und es könnte noch weitergehen: Willis will noch einmal klagen, weil er argumentiert, dass sich sein damaliger Verleger als Mitautor eingetragen hatte, ohne je an den Songs mitgeschrieben zu haben - eine ebenso seit Jahrzehnten übliche Praxis.

Richter Moskowitz zeigte sich zuversichtlich, dass Willis auch diese Klage gewinnen könne. Es wäre eine weitere Revolution: In einem Prozess müsste dann geklärt werden, wie wichtig der Anteil einzelner Beteiligter für den Wert eines Werks wäre. Bisher müssen sich im Normalfall alle als Urheber angegebenen Personen die Tantiemen zu gleichen Teilen aufteilen - etwa auch bei Hits mit blödsinnigen Texten, die ihren Erfolg ausschließlich der zugkräftigen Melodie verdanken. Nicht umsonst ist der Texter bei gerade solchen Liedern „zufällig“ auch sehr oft der Verleger.

Laut internationalen Medienberichten wollen weitaus bekanntere Künstler nun jedenfalls auf Willis’ Pfaden wandeln: Bob Dylan, Bruce Springsteen, Billy Joel, Tom Waits, Tom Petty und andere mehr sollen ebenfalls Klagen gegen ihre früheren Verleger und Rechtehalter vorbereiten. Viele Künstler haben die Chance jedoch nicht: Zu den Lobbying-Erfolgen der US-Musikindustrie im Jahr 1976 gehörte auch, dass de facto alle Künstler mit Erfolgen vor den 70er Jahren - man denke an Rock ’n’ Roll und Soul - auf ewig in Knebelverträgen gefangen sind.

Lukas Zimmer, ORF.at




Aus: "Künstler sind keine „Lohnarbeiter“" (Publiziert am 10.05.2012)
Quelle: http://orf.at/stories/2119654/2119662/

http://www.guardian.co.uk/music/2012/may/09/village-people-policeman-royalties

http://artsbeat.blogs.nytimes.com/2012/05/08/village-people-singer-wins-a-legal-battle-in-fight-to-reclaim-song-rights/?ref=music

http://www.guardian.co.uk/music/2012/may/09/village-people-policeman-royalties


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[Die Unternehmen bräuchten... ]
« Reply #41 on: June 21, 2012, 04:00:36 PM »
Quote
[...] EU-Handelskommissar und Acta-Befürworter Karel De Gucht hatte noch am Mittwoch vergeblich versucht, die Abstimmung im Handelsausschuss zu verschieben. "Acta ist kein Angriff auf unsere Freiheiten, es ist die Verteidigung unserer Lebensgrundlage", sagte er. Die Unternehmen bräuchten gerade in Zeiten der Krise den Schutz des Urheberrechts, um sich im Wettbewerb durchzusetzen.

...


Aus: "Acta steht kurz vor dem endgültigen Aus" Von Patrick Beuth (21.06.2012)
Quelle: http://www.zeit.de/digital/internet/2012-06/acta-handelsausschuss

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[Es wird dauernd von (geistigem) Eigentum geredet... ]
« Reply #42 on: June 24, 2012, 05:04:46 PM »
Quote
[...] 1. Es wird dauernd von (geistigem) Eigentum geredet, wo von Arbeit gesprochen werden müsste.

2. Verwertungsgesellschaften wie die GEMA verdienen Millionen am Verkauf von Computern und Speichermedien, werden aber nicht müde, deren Nutzung als Diebstahl zu verleumden.

3. Analoges lässt sich am Verhältnis von Großverlegern zum Internet konstatieren. Ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger ist ein demokratiefeindliches Monopolrecht.

4. Fernsehen ist das zentrale Propagandamedium der neoliberalen Elite; seine zensierten Erzählungen arbeiten an der Etablierung und Zementierung des Mangels. Die Tatort-Autoren sollten sich besser nicht so weit aus dem Fenster lehnen.

5. Es gibt kein Recht auf Reichtum. Sven Regener nagt nicht am Hungertuch. Ich schon.

6. Mit dem Budget eines 100-Millionen-Dollar-Films ließen sich 100 Eine-Million-Dollar-Filme oder 1000 Hunderttausend-Dollar-Filme drehen.

7. Aufgeklärte Menschen können nur ein Interesse an der Vernichtung, nicht aber am Bestand einer solchen Kulturindustie haben.


The Revolver Shoots # 9: Sieben Sätze zur Befindlichkeit der Kulturindustrie
Eingestellt von The Revolver um 2:17 PM
http://welteninwelten.blogspot.de/2012/06/revolver-shoots-9-sieben-satze-zur.html


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[Das heutige System ist nicht naturgegeben... ]
« Reply #43 on: October 08, 2012, 11:26:24 AM »
Quote
[....] Prof. Dr. Joost Smiers ist Politikwissenschaftler (Research Fellow) an der Forschungsstelle für Kunst und Ökonomie an der Kunsthochschule Utrecht (HKU). Er war Gastprofessor an der University of California Los Angeles (UCLA) und hält Vorträge in zahlreichen Ländern zu Themen der Entwicklung der Kulturindustrien, des geistigen Eigentums und der Gemeinfreiheit, des Wettbewerbsrechts im Kulturbereich, der Europäischen Kulturpolitik, der kulturellen Vielfalt und Identität.

...


Aus: "„No Copyright“ mit Joost Smiers [Buchvorstellung]" Valie Djordjevic  (12.06.2012)
NO COPYRIGHT. Vom Machtkampf der Kulturkonzerne um das Urheberrecht. Eine Streitschrift
Aus dem Niederländischen von Ilja Braun. Mit einem Nachwort von Jürgen Marten
168 Seiten, 2012, Broschur, Fadenheftung, ISBN 978-3-89581-275-0
Quelle: http://irights.info/?q=content/no-copyright-mit-joost-smiers

http://soundcloud.com/irightsinfo/buchvorstellung-no-copyright-joost-smiers-2012-06-26

-.-

Quote
[...] futurzeone: Sie sprechen sich dafür aus, das Urheberrecht abzuschaffen. Warum hat das Urheberrecht seine Legitimität verloren?

Joost Smiers: Die Kultur wird von großen Konzernen dominiert. Das hat ein System von Blockbustern zur Folge, das für die meisten anderen Künstler ein Problem ist. Sie werden kaum wahrgenommen. Kulturelle Vielfalt ist nicht möglich. Die Investitionen der großen Unternehmen werden durch das Urheberrecht geschützt. Bei großen Produktionen werden bis zu 60 Prozent des Budgets in Werbung und Marketing gesteckt. Darunter leidet der Wettbewerb. Das ist nicht die Welt, die wir brauchen. Wir müssen gleiche Rahmenbedingungen für alle schaffen - ein "level playing field". Dazu ist es notwendig, das Urheberrecht abzuschaffen und mit dem Wettbewerbsrecht große Unternehmen zu verkleinern. Wir brauchen diese Konzerne nicht. Dieses System ist für die meisten Künstler schlecht und es ist auch schlecht für die Demokratie.

Warum ist dieses System nicht gut für die Demokratie?

Weil ein wesentlicher Teil unserer Kommunikation privatisiert wird. Ich kann auf Werke nicht reagieren. Ich kann zwar eine Kritik schreiben, aber ich kann das Werk nicht ändern. In vielen Kulturen war und ist es etwa üblich, dass Musik nachgespielt und verändert wurde. Das ist lebendige Kultur. Das Urheberrecht friert die Kultur ein. In unserer Gesellschaft sind wir dazu verurteilt, passive Konsumenten zu sein. Wir müssen die Arbeit von anderen ändern dürfen und darauf aufbauend arbeiten können. Wenn das nicht möglich ist, verlieren wir unsere Kultur. Wenn ich aber heute kulturelle Werke auf andere Art nutze oder verändere, bekomme ich einen Brief von einem Rechtsanwalt oder habe es gleich mit der Polizei zu tun. Um Urheberrechtsvergehen zu unterbinden, wird in die Privatsphäre der Leute eingegriffen. Das kann doch nicht sein.

Warum genügen Reformen nicht? Kritiker ihres Buches meinen, dass es auch genügen würde Fair-Use-Regelungen zu erweitern oder die Schutzfristen zu verkürzen, um das demokratische Verarbeiten von Inhalten und die Rede- und Meinungsfreiheit zu gewährleisten.

Natürlich ist es besser, die Schutzfristen zu verkürzen. Aber solche Argumente, wie sie etwa von der Piratenpartei vorgebracht werden, übersehen die Marktbedingungen. Sie haben keine Vision für die Zukunft. Die Frage ist, welche Wirtschaft wir haben wollen. Es muss nicht so sein, dass der Markt von großen Unternehmen dominiert wird, die dabei auf geistige Eigentumsrechte zurückgreifen. Es ist auch ein Markt möglich, an dem alle teilhaben können und der es ermöglicht, Dinge gemeinschaftlich zu entwickeln.

Welche Auswirkungen hätte das für Künstler und Kreative?

Ich bin überzeugt, dass die meisten Künstler ein bisschen mehr verdienen werden. Es wird mehr Vielfalt geben, die auch ihr Publikum finden wird. Das Publikum wird nicht mehr durch die Werbung der großen Industrie beeinflusst.

Sie gehen davon aus, dass für kulturelle Werke bezahlt wird - Micropayment-Modelle gibt es auch schon heute und sie funktionieren für viele Kreative sehr unbefriedigend. Was macht Sie zuversichtlich, dass es unter geänderten Bedingungen funktioniert?

Micropayment-Systeme müssen weiterentwickelt werden. Natürlich wird es Leute geben, die nicht bezahlen wollen. Aber wenn es einfach ist, zu bezahlen, werden die meisten das auch tun. Auch Pauschalabgaben können weiterentwickelt werden. Sie funktionieren aber nicht, solange der Markt von großen Unternehmen dominiert wird.

Wie soll verhindert werden, dass Dritte Werke zu ihrem Vorteil nutzen?

Wenn ich ein Buch schreibe und Sie setzen Ihren Namen darunter und verkaufen es, dann gibt es auch heute Möglichkeiten dagegen vorzugehen. Dazu brauch ich kein Urheberrecht. Wenn es das Urheberrecht nicht mehr gibt, wird es einfacher sein, zu sagen, meine Arbeit basiert auf diesem und jenem Werk. Dann kann eine öffentliche Diskussion entstehen, die jetzt nicht möglich ist. Man kann darüber diskutieren, ob die Änderung mit Respekt gemacht wurde, ob sie interessant ist oder dem Werk etwas hinzufügt. Es kann frei darüber gesprochen werden. Heute ist das einzige, das ich erwarten kann, ein Brief von einem Rechtsanwalt. Aber das ist nicht die Form von Diskussion, die wir in unserer Gesellschaft brauchen.

Ich kann aber nicht verhindern, dass Sie mein Werk verkaufen und damit Geld verdienen?

Natürlich besteht die Möglichkeit von Trittbrettfahrern, die mein Werk verkaufen. Das kann passieren, aber es führt dazu, dass ich mein Werk selbst wieder besser verkaufen kann. Das trägt auch zu meiner Berühmtheit bei. Für die meisten Künstler wird das aber kein Problem sein, da sie nicht berühmt genug sein werden, um Trittbrettfahrer anzulocken.

Würden solche Rahmenbedingungen nicht Technologiekonzernen helfen, die schon heute kulturelle Angebote aggregieren und gebündelt zugänglich machen?

Ich denke, dass die Zukunft so aussehen wird, dass Künstler ihre Werke selbst anbieten. Sie werden besser verdienen als mit YouTube oder Spotify.

Müssen Künstler auch Verkäufer werden?

Nicht unbedingt. Sie können auch jemanden finden, der das für sie macht. Aber die Unternehmen werden kleiner. Der Charakter von Unternehmen wird sich ändern. Wir brauchen keine Industrie mehr. Es werden mittelgroße oder kleine Unternehmen sein, bei denen Künstler mehr Einfluss haben und direkter mit dem Publikum in Verbindung stehen, das für ihre Werke bezahlt oder sie etwa mittels Crowdfunding finanzieren wird. Es werden auch andere ästhetische Formen entwickelt werden, die andere Geschäftsmodelle haben. Auch das heutige System ist nicht naturgegeben. Durch die Digitalisierung wird die kulturelle Landschaft ganz anders. Wir müssen den Mut haben auch die wirtschaftlichen Grundbedingungen zu ändern. Wir können dabei nur gewinnen.

Quote

ebolah 08.10.2012

>>Die Kultur wird von großen Konzernen dominiert

... und vorallem von Konzernen eines einzigen Landes. Das über diesen Weg massiv versucht, Einfluss auf unsere Gesellschaft und Gesetzgebung zu nehmen. Und diesen Einfluss wird es mit Zähnen und Klauen verteidigen, selbst wenn die EU über Nacht plötzlich in einem Anfall von Vernunft das Urheberrecht abschaffen würde.



Aus: ""Interview: Urheberrecht ist schlecht für die Demokratie"" Patrick Dax (08.10.12)
Quelle: http://futurezone.at/netzpolitik/11733-urheberrecht-ist-schlecht-fuer-die-demokratie.php



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[Protestmarsch für eine Festplattenabgabe... ]
« Reply #44 on: October 18, 2012, 09:59:03 AM »
Quote
[...]  Rund 350 Demonstranten, darunter viele Künstler, nahmen am Mittwochnachmittag an einem Protestmarsch für eine Festplattenabgabe teil. Sie fordern die gesetzliche Verankerung der Festplattenabgabe. In den Abendstunden hielten auch die Abgabe-Gegner und Befürworter einer Urheberrechtsreform einen Protestmarsch ab. Die Abgabe gilt als heiß umstritten.

"Wer Kunst will, soll sie bezahlen" oder auch "Festplattenabgabe jetzt", war am Mittwoch auf Transparenten zu lesen. Die Befürworter der Festplattenabgabe - insgesamt riefen 27 Künstler- und Interessenverbände zur Teilnahme an der Demonstration auf - machten sich für ihr Anliegen stark. Vom Schwarzenbergplatz über das ORF-Funkhaus, dem Bildungszentrum der Arbeiterkammer (AK) bis zur Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) wanderten die rund 350 Demonstranten. „Die Lage ist ernst, aber nicht unabänderlich ernst", sagte Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autoren Autorinnen und einer der Organisatoren der Kundgebung.

Viele prominente Autoren wie Marlene Streeruwitz, Robert Schindel, Heinz R. Unger, Barbara Neuwirth, Sabine Gruber oder Gustav Ernst und Künstler und Kulturschaffende wie der Schauspieler Erwin Leder, der Musiker Wolfgang „Fadi" Dorninger oder der Regisseur Peter Gruber nahmen am Protestzug teil. Den Befürwortern der Abgabe geht es wie berichtet darum, dass die Erlöse der Leerkassettenvergütung, die es seit 1980 gibt, in den vergangenen Jahren von 18 Millionen Euro auf acht Millionen Euro geschrumpft sind. Als Kompensation fordern sie eine Abgabe auf Festplatten, denn der "heutige Konsument habe etwa 4300 urheberrechtlich geschützte Werke auf seiner Festplatte gespeichert", so Ruiss.

Der Protestzug führte nicht ohne Grund zur Arbeitkammer (dort wurde eine Steinskulptur mit einem Kran aufgestellt) und zur Wirtschaftskammer (wo aus Protest Elektroschrott deponiert wurde), denn die beiden Organisationen lehnen eine gesetzliche Festschreibung der Festplattenabgabe ab. Die Arbeiterkammer betonte am Mittwoch, dass es eine gerechte Bezahlung für Künstler, genauso wie für alle anderen Ewerbstätigen, geben müsse, aber dass die Festplattenabgabe nicht der richtige Weg sei. "Es kann nicht sein, immer nur Tarife auf „neue" Speichermedien auszudehnen und nichts an zugrundeliegenden Strukturproblemen zu ändern. Das derzeitige Vergütungsmodell passt nicht mehr in unser digitales Zeitalter", heißt es seitens der Arbeiterkammer.

Am Abend zog eine Gegendemo der „Initiative für Netzfreiheit", die vom Sitz der AustroMechana zum Justizministerium. Daran nahmen rund 50 bis 70 Personen teil. Ein Demonstrant berichtete auf Twitter: "Es herrscht eine friedliche, angepasst-unterwürfige, anonymous-occupy-artige Stimmung." Ein anderer Twitter-Nutzer fragte sich während des Demonstrationszugs: "Gilt die "Festplattenabgabe" auch fuer SSDs? Dann muesste sich auch für RAM gelten ..." Auch das Justizministerium, das von den Demonstranten gegen 19.30 Uhr erreicht wurde, wurde nicht zufällig als Ort für die Demonstration ausgewählt: Dort wird derzeit in Arbeitsgruppen eine Novelle des Urheberrechtsgesetzes erarbeitet.

Die Festplattenabgabe sei einseitig, nicht treffsicher und löse keine Probleme, argumentieren die Gegner. Man protestiere „gegen unausgegorene politische Schnellschüsse zugunsten von Partikularinteressen einzelner Interessensvertretungen. Eine Festplattenabgabe ist der falsche Weg, künstlerische Leistungen wertzuschätzen und künstlerische Existenz materiell abzusichern", so Markus Stoff von der "Initiative für Netzfreiheit".

Der Zwischenstand der Umfrage unter futurezone.at-Lesern: Sieben Prozent der futurezone.at-Leser sprechen sich für eine Festplattenabgabe aus, 82 Prozent dagegen. Eine Abgabe auf Internetanschlüsse fänden neun Prozent besser. Nur einen Prozent der Leser lässt die Diskussion um die Festplattenabgabe kalt.



Aus: "Demos für und gegen Festplattenabgabe" Barbara Wimmer (17.10.12)
Quelle: http://futurezone.at/netzpolitik/11975-demos-fuer-und-gegen-festplattenabgabe.php