Author Topic: [Information und Geistiges Eigentum [?]... ]  (Read 31177 times)

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Offline Textaris(txt*bot)

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[Internetsperren bei Urheberrechtsverstößen (France)... ]
« Reply #15 on: April 04, 2009, 10:26:51 PM »
Quote
[...]  Mit den Stimmen des konservativen Regierungsbündnisses UMP hat die französische Nationalversammlung in der Nacht zum Freitag den heftig umstrittenen Gesetzesentwurf verabschiedet, der bei wiederholten Urheberrechtsverletzungen auch das Kappen der Internetverbindung erlaubt. Die Mehrheit der Abgeordneten folgte damit in Grundzügen den Vorschlägen der Regierung und des Senats. Die Sozialisten und andere oppositionelle Parteimitglieder stimmten gegen das Vorhaben mit dem Titel "Schöpfung und Internet". Französischen Medienberichten zufolge waren beim abschließenden Votum kurz vor Mitternacht nach einer rund 40-stündigen, über mehrere Woche verteilten heftigen Debatte aber nur noch rund 16 Parlamentarier anwesend.

Internetnutzer riskieren in Frankreich künftig gemäß dem auch in Großbritannien diskutierten "Three Strikes"-Ansatz die Abschaltung ihres Anschlusses, wenn sie wiederholt illegal geschützte Werke etwa aus Tauschbörsen herunterladen. Nach zwei Warnungen per E-Mail oder per Brief soll ein Surfer, dem die geplante Kontrollbehörde Haute Autorité pour la Diffusion des Oeuvres et la Protection des Droits sur l'Internet (HADOPI) bei Rechtsverletzungen auf die Schliche kommt, zunächst zwei Monate –und gegebenenfalls bei weiteren Verstößen ein Jahr lang – vom Internet abgekoppelt werden. Ein auch von UMP-Abgeordneten unterstützter Antrag, statt einer Abschaltung eine Geldstrafe zu verhängen, fand keine Mehrheit.

Bevor das Gesetz in Kraft treten kann, muss es noch vom Conseil Constitutionnel, dem französischen Verfassungsgericht, geprüft werden. Die Bürgerrechtsorganisation La Quadrature du Net hofft, dass das "ungenaue, absurde, gefährliche und nicht durchsetzbare Gesetz" dabei durchfällt und die "Monsterbehörde" HADOPI noch verhindert werden kann. Gegner des Vorstoßes setzen auch auf das EU-Parlament, das im Rahmen der Novellierung des Telecom-Pakets bisher gegen Internetsperren ohne Richterbeschluss kämpft.

Das "Forum der Rechteinhaber", ein Zusammenschluss der Buch-, Film-, Spiele- und Musikwirtschaft, begrüßte den Parlamentsbeschluss. "Damit vollendet Frankreich den nächsten Schritt zu einem effektiven Vorgehen gegen illegales Downloaden auf technischer Ebene als sinnvolle Ergänzung einer straf- oder zivilrechtlichen Ahndung von Urheberrechtsverletzungen im Internet", erklärte Christian Sommer, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU). An dem verabschiedeten Warnverfahren sollte sich die deutsche Politik ein Bespiel nehmen, ergänzte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. (Stefan Krempl) / (vbr/c't)


Aus: "Französisches Parlament stimmt für Internetsperren bei Urheberrechtsverstößen" (03.04.2009)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Franzoesisches-Parlament-stimmt-fuer-Internetsperren-bei-Urheberrechtsverstoessen--/meldung/135766

« Last Edit: March 25, 2010, 11:20:13 AM by Textaris(txt*bot) »

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[Französisches Filesharing-Gesetz soll verschärft werden... ]
« Reply #16 on: June 25, 2009, 09:46:14 AM »
Quote
[...] Der Ministerrat der französischen Republik hat sich am heutigen Mittwoch mit der geplanten Ergänzung des Gesetzes über den Schutz literarischen und künstlerischen Eigentums im Internet ("Loi Hadopi") beschäftigt. Die vom Justizministerium vorgestellten fünf neuen Artikel sollen auch den Bedenken des Verfassungsgerichts Rechnung tragen, das Teile des Gesetzes zuvor kassiert hatte. Französische Medienberichte sprechen dennoch von einer Verschärfung.

Einzelheiten des Vorhabens wurden nicht veröffentlicht. Doch die Regierung Sarkozy hält an ihrem Ziel, bei Urheberrechtsverletzungen im Wiederholungsfalle auch Netzsperren zu verhängen, französischen Agenturberichten zufolge fest. Laut der neuen Fassung sollen Sanktionen nun nicht mehr von einer Behörde, sondern auf richterliche Anordnung verhängt werden. Darüber hinaus sehe die neue Regelung nun Bußgelder von bis zu 1500 und im Wiederholungsfall 3000 Euro für Anschlussinhaber vor, über deren Zugang Urheberrechtsverletzungen begangen wurden, berichtet die Tageszeitung La Tribune.

Anderen Berichten zufolge soll die Ergänzung unter Bezug auf bestehende Gesetze gegen Fälschungen auch höhere Bußgelder oder sogar Haftstrafen vorsehen. Zudem ist von massiven Geldstrafen von bis zu 30.000 Euro die Rede, wenn sich Anschlussinhaber über einen Richterbeschluss hinwegsetzen und sich einen neuen Internetzugang bei einem anderen Provider verschaffen. Das neue Gesetz sei weitaus abschreckender als in der ursprünglichen Form, heißt es laut Le Parisien aus dem Justizministerium. So könnten die Strafen im vereinfachten Verfahren verhängt werden.

Die Ergänzung wurde von der neuen Justizministerin Michèle Alliot-Marie eingebracht, die nach einer umfassenden Kabinettsumbildung diese Woche in die Regierung aufgerückt war. Das Vorhaben war zuvor maßgeblich von der früheren Kulturministerin Christine Albanel vorangetrieben worden. Unter ihrer Ägide wurde vor gut einer Woche eine gekürzte Fassung des Gesetzes in Kraft gesetzt, nachdem der Verfassungsrat Teile des Gesetzes als nicht verfassungskonform gekippt hatte.

Die "Verfassungsweisen" hatten sich vor allem an den geplanten Kompetenzen der vom Gesetz vorgesehenen Behörde "Hadopi" gestoßen. Die Behörde sollte im Falle von wiederholten Verstößen ursprünglich Internetsperren direkt anordnen können. In den französischen Medien gilt das Scheitern des Vorhabens vor dem Verfassungsrat als Hauptursache für die Demission Albanels. Ihr Nachfolger Frédéric Mitterrand, Neffe des ehemaligen Staatspräsidenten François Mitterand, musste die Federführung an das Justizressort abgeben.

Wie das französische Nachrichtenmagazin L'Express berichtet, sollen sich beide Parlamentskammern voraussichtlich am 20. Juli während einer Sondersitzung in den Parlamentsferien mit dem Gesetz befassen. Dann soll laut Medienberichten auch der Gesetzentwurf veröffentlicht werden. Staatspräsident Nikolas Sarkozy hatte am Montag in einer Rede vor beiden Kammern des Parlaments betont, dass er das Vorhaben bis zum Ende verfolgen werde.

Nach den nun bekannt gewordenen Passagen müssten beispielsweise Betreiber eines ungesicherten WLANs haften, wenn darüber illegales Filesharing betrieben wurde. In Deutschland ist diese Problematik nicht ausdrücklich gesetzlich geregelt, bislang gibt es eine unterschiedliche Rechtsprechung. Während das Oberlandesgericht Frankfurt am Main voriges Jahr die Haftung eines WLAN-Betreibers für die missbräuchliche Nutzung seines Anschlusses durch unbekannte Dritte deutlich einschränkte, siegte der Musiker Bushido in einem Rechtsstreit um Urheberrechtsverletzungen über ein offenes WLAN vor den Landgericht Düsseldorf. (vbr/c't) / (anw/c't)

Quote
24. Juni 2009 21:21
anstatt hier rumzujaulen...
Xpw (mehr als 1000 Beiträge seit 05.11.02)

...einfach mal eine kleine machtdemonstration:
kein geld für multimedia, absolut null (wenigstens für einen monat)!

ich mache das seit jahren. ob kopieren erlaub oder verboten ist, ob
download illegal oder scheißegal ist, ob der anschluß gesperrt wird
oder
nicht, alles scheißegal!

eine konstante bleibt (bei mir jedenfalls): mein portemonaie bleibt
zu!

oder anders gesagt: FUCK U!


Quote
24. Juni 2009 21:42
Wenn jetzt auch noch für USB-Sticks "Urheberrechtsabgaben" bezahlt werden...
irgendweranders (mehr als 1000 Beiträge seit 27.10.01)

... dann kann ich doch ganz legal kopieren was ich will? Hab doch
dann genau für diesen Grund bezahlt!

???


Quote
25. Juni 2009 09:01
Die Franzosen sind trotzdem min. 2000 IQ Punkte über den Deutschen (Editiert vom Verfasser am 25.06.09 um 09:02)
Ralf.D.Muller, Ralf Müller, RalfDMuller@googlemail.com (72 Beiträge seit 16.04.09)

Klassischer Fall: "Regierung handelt gegen Bürger"

--) Franzosen wehren sich und benutzen anonymes P2P
(www.stealhnet.de)

Deutsche Regierung handelt gegen Bürger

--) Die meisten deutschen klatschen Beifall (einmal mehr in der
Geschichte klatschen sie zu ihrem eigenen Untergang). Eine kleine
Hand voll fängt an zu weinen und versinkt in Lethargie und eine noch
kleinere Hand voll versucht sogar ihre Feigheit nichts zu tun, noch
rechtfertigen.

Die deutsche Revolution findet halt immer erst nach der Revolution
statt. Oder wie hier schon einige im Forum treffend analysiert haben,
wenns nichts mehr zu verlieren gibt.

Die Evolution wird sich hier bitter zeigen, wenn sich dieses dumme,
feige und opertunistische Volk irgendwann selbst zersetzt hat. Eine
Frage der Zeit. Nur eine Frage der Zeit. Die Befähigung ist
implementiert.


Quote
25. Juni 2009 09:33
Absurd
ADie (mehr als 1000 Beiträge seit 09.05.01)

Ralf.D.Muller schrieb am 25. Juni 2009 09:01

> Klassischer Fall: "Regierung handelt gegen Bürger"
Sie handelt nur gegen einen Teil der Bürger. Und zwar gegen
diejenigen, die P2P vollkommenn hirnlos benutzen. Wer P2P
unreflektiert benutzt, betrügt die Künstler auch. Eine Begründung im
Stil "Das Geschäftsmodell der Musikverwerter ist eben veraltet,
deswegen können wir alle Kulturschaffenden hemmungslos bescheißen"
ist auch nicht wirklich stichhaltig.

>
> Deutsche Regierung handelt gegen Bürger
>
s.o.

> --) Die meisten deutschen klatschen Beifall (einmal mehr in der
> Geschichte klatschen sie zu ihrem eigenen Untergang).
Das ist einmal mehr ein vollkommen überzogener Vergleich von
irgendwas mit dem Hitlerregime.




Quote
25. Juni 2009 09:41
**FT** CDU/CSU: Digitale Todesstrafe? Das können wir über!
Taleteller (mehr als 1000 Beiträge seit 31.07.07)

**FAKETICKER**

Als Reaktion auf die Verschärfung der "Filesharing-Gesetzes" der
Franzosen haben die Vertreter von CDU/CSU Ihr Programm geändert.
Thomas Strobl (CDU) kommentierte: "Die Pläne Frankreichs gehen in die
richtige Richtung, sind aber einfach nicht abschreckend genug." Er
plädierte für die Wiedereinführung der Todesstrafe um, so wörtlich
"Diese drogensüchtigen pädophilen Raubmordkopier-Terroristen
standrechtlich erschießen lassen zu können."

Da nach Meinung der Union in Deutschland Millionen dieser
Schwerverbrecher wohnen will man aus Gründen der Effizienz auf
Gerichtsverfahren verzichten, da das "Nur Zeit und Geld kostet, wo
das Urteil sowieso schon fest steht".

Verfassungsrechtliche bedenken hat man keine, die militanten Richter
aus Karlsruhe stehen schon seit längerem beim BKA unter Beobachtung,
ein abweisendes Urteil des BVerfG würde zeigen das die Richter
voreingenommen wären und als Terroristen-Sympathisanten entschieden
hätten.

Das "Three Strikes and your Death" Gesetz soll noch im Herbst in
Kraft treten. Die SPD hat bereits Ihren Willen zum Umfallen
signalisiert, sofern die Union Ihr über die 5% Hürde hilft. Das
Gesetz gilt Bundesweit, ausgenommen sind Staatsbedienstete und
Leistungsträger mit mehr als 100,000€ Brutto.

Unbestätigt ist bisher das Gerücht das Dieter Gorny als Reaktion auf
das Vorhaben nackt auf einer Veranstaltung der GEMA getanzt haben
soll. In England plant man eine Ausweitung der Deutschen Pläne mit
dem verpflichtenden Einbau von Selbstschußanlagen in Monitoren.



Aus: "Französisches Filesharing-Gesetz soll verschärft werden" (24.06.2009)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Franzoesisches-Filesharing-Gesetz-soll-verschaerft-werden--/meldung/141027


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[Provider als Hilfssheriffs... ]
« Reply #17 on: July 30, 2009, 08:32:22 PM »
Quote
[...] Versailles (pte/23.07.2008/11:58) - Internetprovider sollen künftig noch stärker als bisher zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen im Web herangezogen werden. Zu dieser Übereinkunft kamen gestern, Dienstag, die Minister für Kultur und Medien der 27 EU-Mitgliedsstaaten bei einem informellen Treffen in Versailles. Entsprechende Vorschläge, die derartige Richtlinien vorsehen, seien deshalb im Zuge der geplanten Reform des Telekompaketes von der EU-Kommission zu unterstützen, fasste die französische Kulturministerin Christine Albane zusammen. Es sei bedauerlich, dass im bisherigen Telekom-Richtlinienpaket der EU noch keinerlei Regelungen zum Schutz des geistigen Eigentums verankert seien. Dies solle sich spätestens mit der bevorstehenden Novellierung ändern. "Eine Verpflichtung der Serviceprovider, Nutzer auf urheberrechtliche Pflichten und Verstöße hinzuweisen, ist ein Schritt in die richtige Richtung", meinte auch der deutsche Kulturstaatsminister Bernd Neumann.

Heftige Kritik an den Plänen und Ansichten der EU-Kulturminister kommt hingegen vom Verband der deutschen Internetwirtschaft (ECO) http://www.eco.de. "Diese Form der Privatisierung der Rechtsdurchsetzung bedeutet, dass die Internetwirtschaft bei der Durchsetzung von Urheberrechten ständig Dienste als Hilfssheriff leisten soll", stellt Oliver Süme, Vorstand im Bereich Recht und Regulierung beim ECO, fest. Die Unternehmen seien für Urheberrechtsverletzungen im Internet nicht verantwortlich. "Sie stellen eine für Wirtschaft und Gesellschaft unverzichtbare Infrastruktur zur Verfügung, und sie haben nicht den Hauch einer Chance zu beurteilen, wo die Grenze zwischen erlaubtem und unerlaubtem Handeln ihrer Kunden jeweils genau verläuft", betont Süme.

Insbesondere die von der französischen Regierung unterstützte Idee der Musik- und Filmwirtschaft, als Reaktion auf mutmaßliche Urheberrechtsverletzungen den Internetzugang zwangsweise stillzulegen, wird vom ECO abgelehnt. "Dieses System zur Sanktionierung nach französischem Vorbild würde nicht nur massive Grundrechtseingriffe bedeuten, sondern zugleich auch der wirtschaftlichen Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien Schaden zufügen", heißt es vom ECO. Der Zugang zum Internet sei für viele Menschen heute unverzichtbar. "Das Internet ist für uns alle zu wichtig, um es mit einseitig die Musik- und Filmindustrie bevorzugenden Regeln, die jedes Maß verloren haben, in Gefahr zu bringen", erklärt Süme. Ein derartiges Vorgehen sei zudem unverhältnismäßig, weil die Sanktion stets den Anschlussinhaber treffe, der oftmals gar nicht der Rechtsverletzer ist.

Auch in Deutschland hat die Musikindustrie erst kürzlich wieder ihre Forderung bekräftigt, dass Internetprovider beim Schutz geistigen Eigentums in der digitalen Welt stärker eingebunden werden sollen (pressetext berichtete: http://www.pte.at/pte.mc?pte=080314023). Während die Anbieter von Internetzugängen von der Musik- und Filmindustrie profitieren, entzögen sie sich beim Kampf gegen die Internetpiraterie der Verantwortung, so der Vorwurf. "Internetprovider sind für die Inhalte von Drittanbietern nicht selbst verantwortlich", kontert Kurt Einzinger, Präsident des europäischen Verbandes der Internet Service Provider EuroISPA http://www.euroispa.org, auf Anfrage von pressetext. Ihre Rolle könne zudem nicht generell festgelegt werden. "Es muss bei dieser Frage klar zwischen Access- und Host-Providern unterschieden werden. Letztgenannte haben datenschutzrechtlich gar keine Möglichkeit, konkrete Webinhalte einzusehen, da sie lediglich eine Durchleitungsaufgabe wahrnehmen", so Einziger.





Aus: "Online-Piraterie: EU will Provider als "Hilfssheriffs"" (23.07.2008)
Quelle: http://pressetext.at/news/080723016/online-piraterie-eu-will-provider-als-hilfssheriffs/


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[Zur Geschichte des Urheberrechts... ]
« Reply #18 on: September 08, 2009, 12:05:33 PM »
Quote
[...] Mit der Erfindung des Buchdrucks mittels beweglicher, metallischer Lettern durch Johannes von Gutenberg um 1440 in Mainz änderte sich nicht nur die Technik der Vervielfältigung von Texten radikal. Auch die Rechtslage änderte sich. Denn die neue Technik erlaubte eine viel größere Zahl von Kopien. Das Bücherdrucken wurde daher zu einem Wirtschaftsfaktor. Das Interesse der Buchdrucker, ihre Bücher vor Nachdrucken zu schützen, traf sich mit dem politischen Interesse der Landesherren, möglichst zu kontrollieren, was gedruckt wurde. So erhielten die Drucker obrigkeitliche Druckerlaubnisse ("Druckprivilegien"), die Landesherren kassierten dafür Gebühren und überwachten zugleich den Buchmarkt. Sie konnten so eine Art Zensur ausüben.

 Die Druckprivilegien hatten aber den Nachteil, dass sie nur in einem Land galten, was in den kleinen deutschen Staaten der frühen Neuzeit keinen wirksamen Schutz vor Nachdrucken bot. Bücherschmuggel war während Jahrhunderten ein ebenso lukratives Geschäft wie in neuerer Zeit der Schmuggel von hoch besteuerten Zigaretten. An den Schutz der Rechte von Autoren dachte auch zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert niemand.

Noch der Naturwissenschaftler Isaac Newton (1643-1727) schrieb seinem Kollegen Robert Hooke am 5. Februar des Jahres 1675 fast wörtlich dasselbe wie Johannes von Salisbury 500 Jahre zuvor: "Wenn ich weitergehen konnte als Du und Descartes, so deshalb, weil ich auf den Schultern von Giganten stand." Urheberrechtlich relevante Ansprüche leitete er daraus aber so wenig ab wie der Philosoph John Locke (1632-1704). Dieser schrieb in seiner zweiten "Abhandlung über die Regierung" (1690) zum Zusammenhang von Arbeit und Eigentum: "Obwohl die Erde und alle niederen Lebewesen allen Menschen gemeinsam gehören, so hat doch jeder Mensch ein Eigentum an seiner eigenen Person. Auf diese hat niemand ein Recht als nur er allein. Die Arbeit seines Körpers und das Werk seiner Hände sind, so können wir sagen, im eigentlichen Sinne sein Eigentum. (...) Denn da diese Arbeit das unbestreitbare Eigentum des Arbeiters ist, kann niemand außer ihm ein Recht auf etwas haben, was einmal mit seiner Arbeit verbunden ist." Für seine eigene intellektuelle Arbeit beanspruchte Locke dieses Eigentumsrecht aber noch nicht, obwohl die Logik seiner Argumentation zwingend in diese Richtung wies.

Das Recht von Autoren, Bücher drucken zu lassen, wurde in England erstmals 1710 im "Statute of Anne" gesetzlich festgeschrieben. Der volle Titel des Statuts belegt, dass man damit mehrere Zwecke verfolgte und unterschiedliche Interessen schützte: "An Act for the Encouragement of Learning, by Vesting the Copies of Printed Books, in the Authors or Purchasers of such Copies during the Times therein Mentioned." Die Regierung wollte demnach Wissen und Lernen fördern, abern auch Autoren und Käufer der Bücher für bestimmte Zeit vor illegalen Nachdrucken schützen. Die "Ermunterung" galt "gelehrten Männern, nützliche Bücher zu planen und zu schreiben", aber von Autorenrechten war nirgends die Rede. Die Schutzfrist für Bücher betrug nach dem Statut 14 Jahre und konnte um 14 weitere verlängert werden, sofern der Autor noch lebte. Als geschützt galten Bücher, die in das Register der Londoner Buchhändlergilde eingetragen waren. "Unerwünschten" Büchern konnte die Obrigkeit den Eintrag verweigern. Sie machte so Autor und Drucker recht- bzw. brotlos.

In der Französischen Revolution entstand 1791 zunächst die Rechtsfigur des "geistigen Eigentums" ("propriété littéraire et artistique") und zwei Jahre später das erste explizite Autorenrecht. Der Autor erhielt nun das Recht, den Druck und die Gestaltung seines Werks zu kontrollieren und wurde so zum Träger eines zivil- und strafrechtlich geschützten Eigentumstitels. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schufen fast alle europäischen Staaten einen ähnlichen Urheberrechtsschutz. Der Nachteil dabei: der Schutz blieb beschränkt auf einen mehr oder weniger großen Staat. Gegen Nachdrucke im Ausland konnten weder Autoren noch Verleger etwas unternehmen.

Erst 1886 kam es zur "Berner Konvention" über das Copyright-Zeichen © und damit zu einem international, aber noch keineswegs global geltenden Urheberrechtsschutz für Bücher (zunächst für 50 Jahre, später für 70 Jahre). Mit relativ kleinen Korrekturen und Anpassungen hatte dieser Urheberrechtsschutz fast hundert Jahre Bestand. Ein weltweit geltendes Urheberrechtsabkommen trat erst am 6. September 1952 in Kraft.

Die "Berner Konvention" galt noch nicht für Fotos. Die Fotografie wurde zwar zwischen 1826 und 1839 erfunden, aber erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem Massenphänomen. Unter Urheberrechtsschutz kam sie 1907. Kurz zuvor entstanden der Urheberschutz für musikalische Werke (1903) und kurz danach der Verwertungsschutz (1915) für diese.

Alle medientechnischen Innovationsschübe nach dem Zweiten Weltkrieg von den Tonbandgeräten, Kleinfilmkameras, Tonkassetten, Fotokopiergeräten, Videorecordern, CD-Brennern und Handy-Videos bis zum Internet zogen und ziehen zwangsläufig Diskussionen über den Schutz von Urheberrechten nach sich, weil damit immer auch Kopiermöglichkeiten erweitert oder erleichtert werden.

Exemplarisch dafür war der Streit nach dem Aufkommen von relativ billigen Tonbandgeräten für den Hausgebrauch in den 50er Jahren. Zunächst versuchte die "Genossenschaft zur Verwertung musikalischer Aufführungsrechte" (Gema), die Herstellung und den Verkauf solcher Geräte juristisch verbieten zu lassen. Der Bundesgerichtshof (BGH) fand einen Weg aus dem Dilemma der konkurrierenden Rechte von Urhebern und der Gewerbefreiheit von Unternehmern - und zwar mit der Rechtsfigur der "Kopie zum privaten Gebrauch". Beim Verkauf von Tonbandgeräten wurde eine Geräteabgabe erhoben, die von einer neutralen Verwertungsgesellschaft unter die Rechtinhaber musikalischer Werke verteilt wird. Genauso verfuhr man auch im Falle der Ende der 60er Jahre aufkommenden Fotokopiergeräte und jüngst bei der Einführung einer Abgabe für CD-Rohlinge.

Während das Urheberrechtsgesetz von 1870 mit wenigen Ergänzungen bis 1966 praktisch unverändert blieb, musste es seit 1973 nicht weniger als sieben Mal angepasst werden an die medientechnologisch veränderten Produktions-, Kopier- und Verwertungsbedingungen. Die Intervalle, in denen solche Anpassungen - je nach Interessenlage - vorgenommen oder verhindert werden sollen, werden immer kürzer. Daraus erklärt sich auch eine gewisse Hektik der aktuellen Debatte, in der je nach Stimmungs- und Interessenlage der Untergang der Musikbranche, der Beginn unbeschränkter Gratiskultur oder das Ende des Urheberrechts beschworen werden.

Quote

08.09.2009 02:18 Uhr:
Von Schmusebauch:

Leute die eine Kulturflatrate fordern sind für mich solange kleingeistige hedonistische Arschlöcher, bis sie im gleichen Atemzug eine Brot und Wasser Flatrate für Kultur / Medienschaffende fordern.



Quote
07.09.2009 20:58 Uhr:
Von Frank Rademacher:

Das Urheberrecht ist die geistige Versklavung der Gesellschaft –
Urheberrechtsverletzung strafrechtlich bis zu 5 Jahren Haft zu sanktionieren, ist reiner Irrsinn. Reine Lobbypolitik-Politik, mehr nicht.
Genauso die einseitige Berichtserstattung in den gängigen Medien. Da spricht man unisono von sog. Piraten, Raubkopierer, Diebe usw. Wieso klagt den keiner Google an? Das Urheberrecht ist das Recht des Stärkeren. Ohne Macht, kein wirkliches Urheberrecht.
Mit Hinblick auf Urheberrechte (Patente) der Pharmafirmen, verhindert man die Lieferung von lebensnotwendigen Medikamenten in sog. Entwicklungsländer. Folge: Tod zigtausender Menschen.
Ich plädiere für eine bedingungslose Aufhebung des Urheberrechts. Anschließend sollte, der Jene der Rechte aus Urheberschaften gegen die breite Schicht der Bevölkerung geltend macht, zu 10 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt werden.


Quote
08.09.2009 09:22 Uhr:
Von dietah:

Kruzifix!
Auf diesen Artikel warte ich seit 3 Jahren.

Genau darum gehts es, wenn durchgeknallte FrauInnen ...ähhm tschuldigung... FamilienministerInnen und rollstuhlfahrende Grundgesetzamokläufer vom Untergange des Abendlandes faseln.
Die schwabbelige Großindustrie, die vom Zäunebauen und Danachabkassieren lebt, gießt ihren klebrigen Sermon drüber... Und schon sind wir da, wo wir gerade sind.

Hier gehts nur um den möglichst billigen Versuch der restaurativen Kräfte ihr Macht- bzw. Profitmonopol zu sichern und auf neue Technologien auszuweiten.
Damit der Rubel auch noch morgen rollt, ohne sich anstrengen zu müssen bzw. der erneute und kümmerliche Versuch den Menschen kontrollieren zu wollen.

...



Aus: "Geschichte des Urheberrechts - Kopieren verboten" VON RUDOLF WALTHER (08.09.2009)
Quelle: http://www.taz.de/1/debatte/theorie/artikel/1/kopieren-verboten/


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[Harte Strafen für Urheberrechtsverletzung per Filesharing... (FR)]
« Reply #19 on: September 24, 2009, 03:58:03 PM »
Quote
[...]  Die französische Nationalversammlung hat die lange umkämpften Strafvorschriften des "Gesetzes zur Verbreitung und zum Schutz kreativer Inhalte im Internet" am gestrigen Dienstag endgültig abgesegnet. Das Gesamtvorhaben will in Frankreich das auch hierzulande viel diskutierte Verfahren zur "abgestuften Erwiderung" auf Urheberrechtsverstöße im Netz aufsetzen. Von Anfang 2010 an drohen Rechtsverletzern damit nach zwei Verwarnungen per E-Mail und Brief einjährige Sperren ihres Internetzugangs. Dazu kommen gegebenenfalls Geldbußen in Höhe von bis zu 300.000 Euro und eine dreijährige Gefängnisstrafe.

Für den entsprechenden Gesetzestext auf Basis eines Entwurfs der konservativen Regierung stimmten 258 Abgeordnete, 131 votierten dagegen. Von den 307 Volksvertretern der Regierungspartei UMP enthielten sich 55, sechs lehnten die Initiative ab. Von den 204 Delegierten der Sozialisten erteilten 113 dem Entwurf eine Absage. Die Oppositionspartei hat angekündigt, gegen das Gesetz erneut vor den Verfassungsrat zu ziehen. Sie hatte bereits den ersten Vorstoß vor dem französischen Verfassungsgericht zu Fall gebracht. Insgesamt zieht sich der Marathon über die Verabschiedung des Vorhabens bereits über mehr als ein Jahr hin.

Ursprünglich sollte eine Verwaltungsbehörde, die Haute autorité pour la diffusion des oeuvres et la protection des droits sur internet (Hadopi), die weitgehenden Sanktionen verhängen. Hier haben Regierung und UMP nun etwas nachgebessert: Über das Kappen des Internetzugangs und weitere Strafen soll nun ein Gericht entscheiden, allerdings in einem Schnellverfahren.

Die Opposition und Bürgerrechtsorganisationen wie La Quadrature du Net monieren daher, dass den Betroffenen ein anständiges Verfahren verweigert werden solle. Zudem würden als Basis für die Verurteilung illegaler Filesharing-Aktivitäten allein IP-Adressen der Nutzer herangezogen, die nicht als gültige Beweismittel zu werten seien. "Hadopi 2 ist genauso gefährlich wie der erste Streich", betont ein Sprecher von La Quadrature du Net. Das dahinterstehende "Three Strikes"-Modell greife tief in die Grundrechte auf Meinungs- und Kommunikationsfreiheit ein und sei nicht vereinbar mit neuen Ansätzen zur Vergütung von Künstlern etwa über eine Pauschalvergütung und globale Internetlizenzen.

Die verabschiedeten Sanktionen beziehen sich nicht nur auf die eigentlichen Rechtsverletzer, sondern auch auf "nachlässige" Inhaber von Internetanschlüssen. Wer Urheberrechtsverstöße über sein Netzwerk nicht verhindert, kann als Mitschuldiger mit einem einmonatigen Internetentzug und einer Geldstrafe in Höhe von 3750 Euro belegt werden. Versucht ein Verurteilter, sich vorzeitig wieder einen Netzzugang zu verschaffen, droht ihm auch noch einmal eine Geldbuße von 3750 Euro. Während der Auszeit muss er zudem die Providergebühren weiter bezahlen.

(Stefan Krempl) / (jk/c't)

Quote
23. September 2009 13:56
Sowas brauchen wir auch
FrogmasterL (mehr als 1000 Beiträge seit 02.11.05)

für bürgerfeindliche Politiker.

1. Stufe: Vier Wochen Rede- und Publikationsverbot.

2. Stufe: Entzug des Wahlkreises und Listenplatzverbot für die ersten
200 Plätze

3. Stufe: Endgültige Herabstufung zum einfachen Bürger

Entschieden wird per Volksentscheid mit einfacher Mehrheit.


Quote
23. September 2009 15:58
Das Internet ist kein rechtsfreier Raum!
benny 'The_Benny' walter (mehr als 1000 Beiträge seit 23.05.01)

Auch die Franzosen haben das endlich begriffen!

benny

Quote
23. September 2009 21:29
wenn es wenigstens "benny"-frei wäre ...(kT)
Chipotl (248 Beiträge seit 29.08.07)

kT


Quote
23. September 2009 16:30
Bürger sollten keine denkfreien Räume sein...
Mr.Wartung (mehr als 1000 Beiträge seit 20.02.02)

und ungefiltert falsche Argumente von Politikern übernehmen - oder
von Lobbyisten, oder von...

Mr. Wartung



Quote
23. September 2009 16:35
Erst, wenn der letzte Raubkopierer verklagt...
Marsupilami72 (233 Beiträge seit 09.08.06)

Erst,
wenn der letzte Raubkopierer verklagt,
der letzte Computer beschlagnahmt,
der letzte Internetanschluss gekappt
und die letzte Datei kopiergeschützt ist
werdet ihr feststellen,
dass trotzdem keiner eure Musik kauft...


Quote
23. September 2009 23:37
Die Urheberrechts-Kriminalität fängt doch schon im Kindergarten an!
REPNZ (mehr als 1000 Beiträge seit 13.06.00)

Einladungen für Geburtstage werden -einfach so- mit Diddl(c) Grafiken
aus dem Internet verziert. Da werden Las-Ketchup(c) Nena(c) und
Juli(c) Songs geträllert, ohne GEMA\Vervielfältigungsrechte
abzuführen! Die Fensterscheiben werden mit Micky-Mouse(c) Motiven
bemalt. Zum Fasching sieht man reihenweise nachgemachte Batman(c),
Schlumpf(c) und Sponge-Bob(c) Kostüme.

Wenn der Ort sich auch noch Kinder(c)! garten nennt, wundert einen
nichts mehr...



Aus: "Frankreich: Harte Strafen für Urheberrechtsverletzung per Filesharing"  (23.09.2009)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Frankreich-Harte-Strafen-fuer-Urheberrechtsverletzung-per-Filesharing--/meldung/145766


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[Wollen wir den digitalen Gesellschaftsausschluss?... ]
« Reply #20 on: October 23, 2009, 10:15:40 AM »
Quote
[...] Die Digitalisierung stellt das traditionelle Urheberrecht vor eine große Herausforderung. Seit Jahren tobt daher ein politischer Krieg um die richtigen Rahmenbedingungen. Zehn Jahre nach Start der ersten Tauschbörse Napster ist immer noch keine Lösung in Sicht. Vielleicht liegt das auch daran, dass man immer nur gehofft hat, der Geist des Kopierens würde wieder zurück in die Flasche gehen? Was gab es nicht alles für Verschärfungen: Alleine in Deutschland wurde in den letzten Jahren das Urheberrecht gleich zweimal an das “digitale Zeitalter” angepasst. Dazu kam das Durchsetzungsgesetz, was Rechteinhabern mehr zivilrechtliche Sanktionsmöglichkeiten gebracht hat. Wovon auch gerne Gebrauch gemacht wird, um neue Geschäftsmodelle auf der Grundlage von Massenabmahnungen zu entwickeln.

Einen Schritt weiter geht Frankreich. In einem erneuten Anlauf hat das französische Parlament das umstrittene HADOPI 2 – Gesetz beschlossen. Das Verfassungsgericht hatte den ersten Versuch zurück gewiesen. Mit dem HADOPI 2 Gesetz soll ein “zivilisiertes Internet” durchgesetzt werden, was Nicolas Sarkozy als Zielrichtung definierte. Die neue zu schaffende HADOPI-Überwachungsbehörde (Haute autorité pour la diffusion des oeuvres et la protection des droits sur Internet) soll zukünftig in Zusammenarbeit mit den Rechteinhabern Tauschbörsennutzer verfolgen. Beim ersten Mal erwischen gibt es eine Warn-E-Mail, bei der Wiederholung einen blauen Brief und beim dritten Mal soll dann das Internet gekappt werden. Das Internetverbot soll bis zu einem Jahr gelten, dazu sind Geldstrafen von bis zu 300.000 Euro und maximal zwei Jahre Gefängnisstrafe geplant.

Das muss man sich mal vorstellen: Für das nicht-kommerzielle Tauschen von Musik oder Filmen soll französischen Bürgern bei einer Wiederholung für bis zu einem Jahr das Internet entzogen werden. Natürlich gilt das für den Anschlussinhaber. Wenn die Kinder Tauschbörsen nutzen und dabei erwischt werden, kommt eben die ganze Familie in den fragwürdigen Genuss, gemeinsam vom digitalen Leben ausgeschlossen zu werden.

[...] Die Forderung, Tauschbörsennutzern das Internet zu sperren, ist irrsinnig, unverhältnismässig und unvernünftig. Und darüber hinaus gibt es zahlreiche ungelöste Problemstellungen:

1. Hier wird eine Privatisierung der Rechtsdurchsetzung gefordert, ohne jegliche Überprüfung auf Rechtsstaatlichkeit und mit Umgehung jeglicher rechtsstaatlicher Instanzen.
2. Die von den privaten Ermittlern übermittelte IP-Adresse muss nicht unbedingt die richtige sein.
3. Die Sanktion trifft den Anschlussinhaber und nicht unbedingt den Rechtsverletzter.
4. Es gibt bereits strafrechtliche und zivilrechtliche Ansprüche für Rechteinhaber. Ohne jegliche Evaluation der neuen Maßnahmen soll jetzt sofort noch mehr durchgesetzt werden.
5. Kunden verlieren das Vertrauen in ihre Provider. Provider werden zur Verantwortung gezogen und sollen als Kontrollinstanz agieren.
6. Was ist mit Triple- und Quadruple-Play-Anschlüssen? Wird dann auch das Telefon gekappt?
7. Was ist bei Irrtümern? Falsche Zuordnungen von IP-Adressen zu Anschlussinhabern kommen vor, Zahlendreher passieren. Wer haftet? Wer ist Ansprechpartner?
8. Die Eskalationsstufe trägt nicht dazu bei, dass die Frage gelöst wird, wie Kreative im digitalen Zeitalter vergütet werden können.

Im Jahre 2009 vom Internet ausgeschlossen zu werden, kommt einer digitalen Todesstrafe gleich.

[...]

Quote
     *  29. September 2009 um 10:19 Uhr
    * —cure


Die Musikindustrie hat einfach eine Entwicklung verschlafen und will jetzt mit aller Macht am Status Quo festhalten. Technischer Fortschritt lässt sich aber nicht aufhalten.

Das die Künstler unter Tauschbörsen leiden ist meiner Meinung nach ein vorgeschobenes Argument der Musikindustrie. Die Künstler sind meist selbst nicht mehr die Rechteinhaber ihrer eigenen Musik, sondern müssen diese vertraglich an die Labels verkaufen.

Die Industrie hätte früher neue Vertriebswege und Geschäftsmodelle erarbeiten sollen. Ich würde mir wünschen, dass viele junge Künstler auf eigene Faust produzieren und veröffentlichen würden. Die technischen Gegebenheiten sind dafür ja schon mit einem Laptop gegeben. Dann würde sich auf wieder Qualität durchsetzten, da die Hörer bestimmen würden, was sie hören wollen, und nicht allein auf die für den Massenmarkt aufbereiteten Musikkonserven der Majorlabels ertragen müssten.

Fazit: Nicht die Tauschbörsen, sondern eine falsche Strategie gepaart mit schlechtem Output hat die Musikindustrie dahin geführt, wo sie sich jetzt befindet. Allerdings ist es einfacher zu Jammern und nach dem Gesetzgeber zu schreien, als eigene Fehler zuzugeben und den Kurs zu korrigieren.





Aus: "Wollen wir den digitalen Gesellschaftsausschluss?"
Von Markus Beckedahl 28. September 2009 um 14:32 Uhr
Quelle: http://blog.zeit.de/kulturkampf/2009/09/28/wollen-wir-die-digitale-todesstrafe/


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[Wer das sagt, hat nicht genau hingehört... ]
« Reply #21 on: November 03, 2009, 11:35:19 AM »
Quote

Sie covern Radiohead, White Stripes oder Massive Attack. Was sagen Sie zum Vorwurf, das sei eine Masche?

Jamie Cullum: Wer das sagt, hat nicht genau hingehört. Alle diese Popsongs habe ich neu durchgearbeitet, mit neuen Harmonien – es sind keine Coverversionen, sondern Neu-Interpretationen.


Aus: "Jamie Cullum im Interview: “Ich schieße aus der Hüfte”" (2. November 2009)
Quelle: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/musikblog/jamie-cullum-im-interview-ich-schiese-aus-der-hufte/

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[Moral Panics and the Copyright Wars... ]
« Reply #22 on: November 08, 2009, 01:00:07 PM »
Quote
[...] Ars Technica hat einen interessanten Artikel über Moral Panics and the Copyright Wars, das neue Buch von William F. Patry. Patry ist US-amerikanischer Copyright-Anwalt, hat maßgeblich am amerikanischen Copyright-Law mitgeschrieben und berät Google in Urheberrechtsfragen. In diesem Zusammenhang ist es gut zu wissen, dass von ihm Sätze stammen wie dieser:

„The Copyright Wars and the recent grotesque expansion of rights and remedies should be regarded as a legal equivalent of the subprime mortgage crisis: cancers on our system that were foreseeable and preventable but for greed, a failed ideology that the unregulated private pursuit of profit is also in the best interest of the public, and worldwide lack of political courage to admit to and take responsibility for the damage caused by copyright laws that harm rather than serve the public.“

...


Aus: "William Patry: Moral Panics and the Copyright Wars | Spreeblick"
(Johnny Haeusler 04.11.2009 um 10:02)
Quelle: http://www.spreeblick.com/2009/11/04/william-patry-moral-panics-and-the-copyright-wars/


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[Kulturstaatsminister: "Es gibt kein Recht auf Privatkopie"... ]
« Reply #23 on: November 28, 2009, 10:25:37 AM »
Quote
[...] Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hat sich in einem Interview mit dem Magazin Promedia für ein Urheberrecht ausgesprochen, "das mit der Digitalisierung kompatibel ist". Nach der Novelle des Urheberrechts ("2. Korb") 2008 müsse der weitere Handlungsbedarf für den anstehenden "3. Korb" geprüft werden. Ein Anti-Piraterie-Gesetz nach französischem oder britischem Vorbild, das Rechtsverstöße mit Zugangssperren ahnden kann, schließt Neumann zudem nicht grundsätzlich aus. "Wir werden sehen, wie sich die Praxis in Frankreich entwickelt", sagte der Unions-Politiker.

Für eine Lösung nach französischem Vorbild lässt die aufgeweichte Sprachregelung zu Internetsperren im verabschiedeten EU-Telecom-Paket einigen Spielraum. Zwar sei im Koalitionsvertrag vereinbart, "keine Initiativen für gesetzliche Internetsperren bei Urheberrechtsverletzungen" zu ergreifen, sagte Neumann. Stattdessen solle die Selbstregulierung unter Beteiligung von Rechteinhabern und Providern gefördert werden. "Wir müssen hier zu einer Lösung kommen, denn ansonsten wird es schwierig, einer weiteren Aufgabe aus dem Koalitionsvertrag, der wirksamen Durchsetzung des Urheberrechts, gerecht zu werden."

Neumann versteht sich "als Vorkämpfer für den Schutz geistigen Eigentums" und "Anwalt der Kreativen". Dazu will der die Diskussion über ein "Leistungsschutzrecht für Presseverleger" ebenso führen wie über die Privatkopie. "Man sollte sich aber vor Augen halten, dass es kein 'Recht auf Privatkopie‘ gibt", sagte Neumann dem Magazin. Es müsse aber diskutiert werden, "ob weitere Einschränkungen der Privatkopie wirklich effektiv und mit Rücksicht auf die Verbraucher durchsetzbar wären". (vbr/c't)

Quote
27. November 2009 17:36
Es GIBT ein Recht auf Privatkopie!
fuzzy.barnes (367 Beiträge seit 17.01.07)

§53 UrhG
> http://bundesrecht.juris.de/urhg/__53.html

> (1) Zulässig sind einzelne Vervielfältigungen eines Werkes durch
> eine natürliche Person zum privaten Gebrauch auf beliebigen
> Trägern, sofern sie weder unmittelbar noch mittelbar Erwerbszwecken
> dienen, soweit nicht zur Vervielfältigung eine offensichtlich
> rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte
> Vorlage verwendet wird.

So Herr Neunmalklug. Wie wärs mal damit, den Kopf aus dem
Verdauungsendtrakt der Musikverwurster zu nehmen, damit man wieder
selber Lesen kann.

Oder muss man Ihnen das auch noch beibringen?


Quote
27. November 2009 17:15
Es gibt kein Recht auf Kulturstaatsminister
Prokrastes (mehr als 1000 Beiträge seit 06.07.05)

Auch nicht auf müde Kopien von Marionetten der Rechteverwertermafia.


Quote
27. November 2009 17:06
Bürger: „Es gibt kein Recht auf Ministerrente"
Der Silver Surfer (mehr als 1000 Beiträge seit 20.07.07)

Dafür denke ich sollte man vorher was leisten. Z.B. dem Bürger
dienen.


Quote
27. November 2009 16:59
Es gibt kein Recht auf Kultursubventionen (Editiert vom Verfasser am 27.11.09 um 16:59)
Ninh (544 Beiträge seit 17.01.00)

Deshalb bitte komplett streichen. Inklusive des
Staatsministerpostens. Danke.


Quote
27. November 2009 17:03
Dann bitte auch die Pauschalabgaben abschaffen!
rainer_d (mehr als 1000 Beiträge seit 04.02.00)

http://de.wikipedia.org/wiki/Gema

...


Quote
27. November 2009 17:10
Es gibt kein Recht darauf wiedergewählt zu werden
wahrheit (mehr als 1000 Beiträge seit 10.01.00)

...


Quote
27. November 2009 17:12
Es gibt ein Recht auf Privatkopie
G. Threepwood (mehr als 1000 Beiträge seit 14.04.04)

Ich soll mir also eine CD sogar zweimal kaufen, wenn ich sie im Auto
*und* im Wohnzimmer hören will - oder ein CD-Mäppchen permanent hin
und her schleppen?

Und wenn mein Tochter sagt: Ey Papa, coole Musik, die will ich auch
hören, dann stiefel ich in den Laden und kauf für sie ne dritte CD,
weil sie die Musik ja vielleicht hören möchte, während ich mit dem
Auto unterwegs bin?

Ja nee - is klar. Mach ich, Herr Kulturstaatsminister. Kein Thema.
Für unsere Kreativen tu ich doch alles. Und weil die von jeder CD ja
nur einen Bruchteil abbekommen (mmh - wer kriegt eigentlich den
Rest?), kauf ich CDs ab sofort nur noch im Dutzend. Hätte ich auch
von selbst drauf kommen können. Danke noch mal Herr Kulturdingens -
und schönen Freitach noch...


Quote
27. November 2009 17:20
Privatkopie: "Es gibt keinen Kulturstaatsminister"
proforma (mehr als 1000 Beiträge seit 12.06.03)

...



Quote
27. November 2009 17:29
3 strikes im Bundestag
evilk666 (mehr als 1000 Beiträge seit 11.01.02)


wer dreimal "in Verdacht gerät" das Grundgesetz missachtet zu haben,
soll aus dem Bundesparlament ausgeschlossen werden.

Das ganze "soll" von einer unparteiischen Gruppe beschlossen werden.
Er "soll" auch dazu angehört werden. Den Rechtsweg zum Beweis seiner
Unschuld darf er selber einschlagen. Solange er seine Unschuld nicht
bewiesen hat, gilt er als schuldig und die Bundestagssperre wird
umgesetzt.

Das wäre 1:1 die Umsetzung der geforderten Internetsperre. Dann bitte
auch noch aufs Telefonieren ausdehnen (Stichwort Betrüger-Callcenter,
Cold Calls).


Quote
27. November 2009 17:49
Artikel 22 der universellen Menschenrechtserklärung
Oliver Fels, Oliver Fels (mehr als 1000 Beiträge seit 07.01.00)

"Artikel 22

Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht [...] in den Genuß
der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen,
die für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit
unentbehrlich sind."

Mit der Neumann-Ergänzung: "Wenn er es sich leisten kann."

Oliver

Quote
27. November 2009 18:37
Re: Artikel 22 der universellen Menschenrechtserklärung
Haskell Mustard (mehr als 1000 Beiträge seit 04.09.08)

...

Jeder hat das Recht sich das Geld zu verdienen um es sich leisten zu
können.



Quote
27. November 2009 18:14
Recht auf Privatkopie: §53 UrhG Abs. 1-3
Angstroem (mehr als 1000 Beiträge seit 29.06.00)

...regelt sogar das Recht der *Weitergabe* im privaten Lebensumfeld,
nicht nur die eigengenutzte Kopie.

Vielleicht sollte der Herr Kulturstaatsminister einfach mal für seine
monatlichen 7000 Euro, die *WIR* ihm letztendlich zahlen, ins
Gesetzbuch gucken, bevor er derartige Malmots (von Bonmot kann hier
ja keine Rede sein...) in Umlauf bringt.

Aber vermutlich ist der schwarze Koffer einfach besser gefüllt, so
daß das Ministergehalt dagegen verblaßt...

Quote
27. November 2009 18:17
Fehlinterpretation...
GMailUser (919 Beiträge seit 05.03.08)

der gute Mann zeigt doch nur, dass das Gesetz fehlerhaft ist und
entsprechend angepasst werden muss.

Für die Politiker ist nicht das aktuelle Gesetz maßgebend, es ist nur
der steinige Weg der für die eigenen Bedürfnisse geebnet werden muss.



Quote
27. November 2009 20:22
Kann dem geistig Verwirrten mal wer verklickern
irgendwo auf arbeit (mehr als 1000 Beiträge seit 22.04.02)

dass sich ein Recht auf Privatkopie schon alleine aus der Tatsache
ableitet, dass jeder beim Kauf von Leermedien und Geräten eine
Pauschale dafür zahlt? Oder wollte der Hein gerade erzählen, dass
diese Abgabe illegalerweise erhoben wird?


Quote
27. November 2009 21:39
Demokratie: Es gibt ein Recht auf dumm daherreden..
DerExperte (mehr als 1000 Beiträge seit 12.02.02)

Das ist der Unterschied zwischen einer Demokratie und dem
Kulturstaatsminister.

mfg.de



Aus: "Kulturstaatsminister: "Es gibt kein Recht auf Privatkopie"" (27.11.2009)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Kulturstaatsminister-Es-gibt-kein-Recht-auf-Privatkopie-871314.html


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[We were just messing around... ]
« Reply #24 on: December 06, 2009, 01:29:53 PM »
Quote
[...] Now, the 22-year-old Chicago woman faces up to three years in prison after being charged with a rarely invoked felony designed to prevent movie patrons from recording hot new movies and selling bootleg copies.

But Tumpach insisted Wednesday that’s not what she was doing — she was actually taping parts of her sister’s surprise birthday party celebrated at the Muvico Theater in Rosemont.

While she acknowledged there are short bits of the movie on her digital camera, there are other images that have nothing to do with the new film — including she and a few other family members singing “Happy Birthday” to her 29-year-old sister at the theater.

“It was a big thing over nothing,” Tumpach said of her Saturday afternoon arrest. “We were just messing around. Everyone is so surprised it got this far.”

...


From: "Woman arrested for trying to record 'Twilight' on digital camera"  BY DAN ROZEK Staff Reporter (December 2, 2009)
Source: http://www.suntimes.com/news/metro/1916606,twilight-taping-arrest-movie-120209.article

-.-
Quote
Der Begriff der Relation steht im engen Zusammenhang mit den Begriffen Struktur und System. In der Systemtheorie versteht man unter der Struktur eines Systems die Menge aller Relationen zwischen den einzelnen Elementen des Systems. ...


    * Seitentitel: Relation
    * Herausgeber: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
    * Autor(en): Wikipedia-Autoren, siehe Versionsgeschichte
    * Datum der letzten Bearbeitung: 24. November 2009, 17:58 UTC
    * Versions-ID der Seite: 67220762
    * Permanentlink: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Relation&oldid=67220762
    * Datum des Abrufs: 6. Dezember 2009, 12:29 UTC


-.-

Quote
[...·] Am Donnerstag nämlich trat der Strafbefehl eines Gerichtes in Münster gegen den Lehrer Benjamin Thomas H. in Kraft, der in Moskau zwei Menschen totgefahren hat.

[...] Als Botschaftsangehöriger genoss er strafrechtliche Immunität, konnte deshalb in Russland nicht verurteilt werden, sondern reiste nach Deutschland aus. Das russische Außenministerium war informiert. Es legte keinen Protest ein.

Der Antrag der Staatsanwaltschaft in Münster ist den Akten der russischen Behörden gefolgt und stellte einen Strafbefehl aus, dem das Gericht gefolgt ist: Ein Jahr auf Bewährung, 5000 Euro Geldstrafe, ein Monat Führerscheinentzug. H. legte keinen Widerspruch ein. Seit Donnerstag wird der Strafbefehl vollstreckt.

Die deutsche Justiz habe "die Mindeststrafe" für einen "Doppelmord" verhängt, schrieben russische Medien. Das russische Außenministerium äußerte "Erstaunen" und "Unverständnis". In Russland hätten H. 15 Jahre Haft gedroht.



...

(SZ vom 20.11.2009/jab)


Aus: "Der Raser mit dem roten Nummernschild" Von Sonja Zekri, Moskau (19.11.2009)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/panorama/676/495007/text/

-.-

...

Quote
[...] Die 22jährige Sam knipste Fotos von der Geburtstagsüberraschungsparty für ihre ältere Schwester, nahm dabei wohl auch ein paar Sekunden Video auf, und wurde, weil das in einem Kino passierte, vom Chef des Hauses angezeigt.

Die Polizei nahm sie mit, behielt sie zwei Tage lang (!), bis ein Richter ihre Freilassung anordnete (ich dachte, das Prinzip wäre andersrum…). Jetzt hat der zuständige Stastsanwalt das Verfahren wegen Nichtigkeit eingestellt. Zuvor hatte sich der Regisseur des Abendfilms (pic: Twilight: New Moon), Chris Weitz, öffentlich für Sam eingesetzt, das Filmstudio liess die Anklage gegen Samantha Tumpach fallen.

Die Geschichte ist also nochmal glimpflich ausgegangen. Wir sehen aber, dass die Gehirnwäsche der MPAA bereits schlimme Folgen zeigt; der Kinomanager hatte auf einer Verhaftung bestanden.

In anderen News vom selben Tag erfahren wir, dass die US-Filmindustrie „a.k.a. „Hollywood“) das beste Jahr ihrer Geschichte erlebt, der Jahresumsatz wird 2009 erstmal die 10-Milliarden-Dollar-Marke übersteigen. Diese verdammten, dreckigen Piraten: Erst stehlen sie die Filme aus dem Internet, und anschliessend gehen sie auch noch ins Kino und kaufen die DVD. Unerhört.


Aus: "Samantha muss nicht wegen Fotos im Kino in den Knast" 11k2 (2009/12/12/)
Quelle: http://11k2.wordpress.com/2009/12/12/samantha-muss-nicht-wegen-fotos-im-kino-in-den-knast/

« Last Edit: December 14, 2009, 04:56:38 PM by Textaris(txt*bot) »

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[EU will Anstiftung zu Copyright-Verstößen... ]
« Reply #25 on: March 20, 2010, 04:07:49 PM »
Quote
3-plus-1 (20. März 2010 07:16)
Nur wenige Tage seit der Wiederaufführung der Metropolis-Originalfassung ...

... wo alle Laudatoren einen Kniefall vor dem "Raubkopierer" gemacht
haben, der überhaupt ermöglichte, dass der Film nicht vernichtet
wurde und nun dies.

Nun ja, auch ich bin schuldig und stifte wo ich kann zu
Copyright-Verstößen an. Genauer bei Software die auf Vintage-Systemen
nur auf Kassette erschienen ist. Was da nicht bald auf andere,
emulatorlesbare Formate übertragen ist, wird für immer verloren sein!

http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Nur-wenige-Tage-seit-der-Wiederauffuehrung-der-Metropolis-Originalfassung/forum-176514/msg-18270546/read/

-.-

EU will "Anstiftung" zu Copyright-Verstößen international strafbar machen (19.03.2010)
http://www.heise.de/newsticker/meldung/EU-will-Anstiftung-zu-Copyright-Verstoessen-international-strafbar-machen-959592.html



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[Markenrechte, Schadensersatz und geschützte Tonfolgen... ]
« Reply #26 on: March 25, 2010, 11:19:42 AM »
Quote
[...] Skandälchen um Jüngst-Autorin Helene Hegemann noch mal aufgewärmt. Eigentlich war da nicht viel mehr als eine Schulabbrecherin, die Teile ihres Romans „Axolotl Roadkill“ kurzerhand beim Internet-Blogger Airen abschrieb. Der hätte das gar nicht bemerkt, findige Feuilletonisten aber schon. Die fühlten sich hintergangen, hatten sie doch eben die 17-jährige Hegemann zum literarischen Wunderkind hochgelobt. Und jetzt: alles nur geklaut?

Der Entrüstung schließt sich nun der Verband deutscher Schriftsteller an. Der hat eine „Leipziger Erklärung“ aufgesetzt und namhafte Unterzeichner gefunden: Günter Grass, Erich Loest, Gunter Kunert, Christa Wolf und Sybille Lewitscharoff. Im Mecker-Papier steht dann: „Wenn ein Plagiat als preiswürdig erachtet wird, wenn geistiger Diebstahl und Verfälschung der Kunst hingenommen werden, demonstriert diese Einstellung eine fahrlässige Akzeptanz von Rechtsverstößen im etablierten Literaturbetrieb.“ Bingo. Gewonnen haben alle.

[...] Die Messe Leipzig tat gut daran, die Nominierung Hegemanns für den Preis der Leipziger Buchmesse aufrechtzuerhalten – auch nach den Plagiatsvorwürfen. Sie hat die etablierten Grantler provoziert, die befürchten, dass ihre Bücher bald E-Books heißen und genauso illegal heruntergeladen werden wie die Musik von Michael Jackson. Es sind die Besitzstandswahrer, die Googles Bücher-Scan fürchten und überhaupt dieses ganze ominöse „Internet“. Leipzig hat sich auf die andere Seite geschlagen, auf die der Jungen. Auf die des Bloggers Airen, für den „geistiges Eigentum“ vermutlich ein Unwort ist und der am Messe-Samstag auf der Literaturparty „Litpop“ seinen Roman „Strobo“ präsentiert. Leipzig will die Messe der Leser sein, nicht die der biederen Bücher-Händler, als die Frankfurt sich präsentiert. Also lockt das Bücher-Mekka des Ostens mit Manga-Halle, Hörbuchnacht und Lesungen an 350 Orten in der ganzen Stadt. Die gerade volljährig gewordene Hegemann muss darüber hinweg helfen, dass 2010 nur 2100 Aussteller kamen, gut 200 weniger als 2008, aber noch genauso viele wie 2009. „Konsolidierung“ nennt man die Stagnation in Leipzig und gibt sich zufrieden.

[...] Neben der traditionellen Ausrichtung auf osteuropäische Literatur gibt es erstmals einen Gemeinschaftsstand Lateinamerika. Neu ist außerdem ein eigener Messebereich für Musik. Da gibt es nicht nur Notenhefte, sondern auch eine Reihe musikalischer Veranstaltungen. Neben der literarischen Prominenz um Günter Grass, Martin Walser, Herta Müller, Clemens Meyer oder Martin Suter haben sich auch Nina Hagen, Ben Becker, Marianne Sägebrecht, Katharina Thalbach und Karel Gott angesagt.


Aus: "Haue für Helene Hegemann" Von André Weikard, Leipzig (17.03.2010)
Quelle: http://www.focus.de/kultur/buecher/buchmesse-haue-fuer-helene-hegemann_aid_490629.html

-.-

Quote
[...] An ihrem 18. Geburtstag am kommenden Freitag (19. Februar) stellt Hegemann ihren durchaus frei zusammengemixten Roman offiziell vor. Dabei ist die Einstellung der jungen Autorin nicht ungewöhnlich – zumindest nicht für die „Generation Internet“. Das Kopieren liegt vielen Nutzern quasi im Blut, und auf ihren Rechnern zu Hause entsteht aus Texten, Bildern und Videos etwas Neues: ein Remix.

Dass Künstler sich bei anderen Kreativen Inspiration holen oder gar ganze Textpassagen übernehmen, ist nichts Neues. „Kopieren ist gängige kulturelle Praxis“, sagt der Mediensoziologe Volker Grassmuck. Auch Geistesgrößen wie Goethe und Beethoven klauten ungeniert. Aus Alt mach Neu einige Künstler haben dieses Prinzip längst zur Kunstform erhoben, indem sie Collagen aus anderen Werken machten

Heute ist das Kopieren und Bearbeiten jedoch einfacher denn je. „Im Internet entsteht eine virtuelle, multimediale, globale Gesamt- Bibliothek“, sagt Grassmuck, der als Gast-Professor im brasilianischen São Paulo arbeitet. Immer mehr Texte, Bilder und Videos sind nur noch einen Klick entfernt. Und dank dem Computer als Universal-Werkzeug könne jeder Laie am Schreibtisch Texte, Musik und Videos erstellen oder eben herunterladen und bearbeiten. Dafür hat sich ein Begriff etabliert, der aus der lauten Welt der DJs stammt: Remix.

Der Remix hat die Diskotheken und Ateliers dieser Welt längst verlassen. „Für die neue Generation von Internet-Nutzern ist kennzeichnend, dass sie Inhalte mit großer Selbstverständlichkeit zusammenwürfelt und rekonfiguriert“, sagt der Forscher Urs Gasser, der an der Universität Harvard das Zentrum für Internetforschung leitet. An den Rechnern weltweit wird gemixt, was Tastatur und Maus hergeben.

Manchmal entstehen dabei echte Kunstwerke. Der Hip-Hop-Produzent Danger Mouse mischte 2004 das „White Album“ der Beatles mit dem „Black Album“ des Rappers Jay-Z zum „Grey Album“ – urheberrechtlich nicht sauber, aber künstlerisch auf höchstem Niveau. Der israelische Musiker Kutiman spielte virtuos mit privat erstellten Musik-Videos von YouTube und erstellte daraus neue funkige Songs, die auf dem Portal thru-you.com zu finden sind.

Viele Mischer sind nicht unbedingt Künstler, sondern Liebhaber. Fans der „Star Wars“-Saga schnitten etwa den Film „Episode I – Die dunkle Bedrohung“ (original: „Phantom Menace“) neu. Begründung: Das Original habe sich vom ursprünglichen Stil des Regisseurs George Lucas entfernt. Andere dichten ihren fiktiven Stars ein Sexualleben an was die Originalautoren oft aussparen. Selbst der düstere Zauberlehrer Severus Snape aus den „Harry Potter“-Büchern kommt so zu romantischen Momenten.

Oft dient der Remix auch als politisches Kampfmittel. Das erlebte beispielsweise Wolfgang Schäuble, heute Finanzminister, in seiner Zeit als Chef des Innenressorts. Als ein Wahlkampfplakat mit dem CDU- Politiker erschien, rief der Blog Netzpolitik.org dazu auf, „schönere Slogans abseits der Partei-PR zu bauen“. Einer der rund 1000 Vorschläge: „Wir zur Vorratsdatenspeicherung: Yes, We Scan!“

Längst nicht alle „Mashups“ – so der gängige Begriffe für die Mix- Inhalte sind aber künstlerisch oder kreativ. Zahlreiche YouTube- Videos haben einen neuen Soundtrack verpasst bekommen – mehr nicht. Und im berüchtigten Internetforum 4chan montieren die Besucher hin und wieder im Schutz der Anonymität die Köpfe bekannter Menschen auf die Körper von Pornodarstellern.

Die Gesetze sind den meisten Mischern entweder egal oder nicht bekannt.

...


Aus: "Aus Alt mach Neu: Helene Hegemann und der Remix" dpa (17.02.2010)
Quelle: http://www.focus.de/digital/computer/computer-aus-alt-mach-neu-helene-hegemann-und-der-remix_aid_481220.html

-.-

Quote
[...] Die Pioniere der elektronischen Musik "Kraftwerk" verklagten 3p-Chef Moses Pelham, weil er für Sabrina Setlur einen ihrer Drum-Loops verwendet hatte, ohne vorher zu fragen. Der Bundesgerichtshof entschied damals, dass auch beim Einsatz von noch so kleinen Sound-Fetzen aus fremden Werken der betroffene Tonträger geschützt werden muss, und gab somit Kraftwerk zunächst Recht.

...


Aus: "Bushido hat geklaut - So what?" (24.03.2010)
Quelle: http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/suedwild/kommentar-bushido-dark-sanctuary-ID1269441887354.xml

-.-

Quote
[...] Der "Gangsta-Rapper" Bushido hat sich vor Gericht in Verfahren um Urheberrechtsverletzungen durchgesetzt. Der Musiker war gegen drei Computerbesitzer vorgegangen, die seine Musik aus einer Internet-Tauschbörse heruntergeladen haben sollen. Das Düsseldorfer Landgericht bestätigte gestern laut Mitteilung einstweilige Verfügungen gegen die Beklagten (u. a. Az.: 12 O 195/08). Die Prozessgegner hatten versichert, keine Musik illegal aus dem Internet zu holen.

Ein Rentner hatte erklärt, er wisse gar nicht, wer oder was Bushido sei und habe auch kein Programm, um Musik aus dem Internet herunterzuladen. Ein Ehepaar hatte angegeben, zur fraglichen Zeit sei nachweisbar niemand an ihrem Computer gewesen. Das Gericht befand, dass es darauf nicht ankommt und wendete den Grundsatz der "Störerhaftung" an.

...


Aus: "Bushido siegt in Rechtsstreit um Urheberrechtsverletzungen über offenes WLAN" (17.07.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Bushido-siegt-in-Rechtsstreit-um-Urheberrechtsverletzungen-ueber-offenes-WLAN--/meldung/112925

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Quote
[...] Erst kürzlich hatte die IT-Recht Kanzlei von einer Abmahnwelle, ausgelöst durch Abercrombie & Fitch berichtet. eBay-Verkäufer, die Artikel von Abercrombie & Fitch verkauften, wurden wegen angeblicher Verletzungen der Markenrechte von Abercrombie & Fitch abgemahnt.. Nun wehrt sich der als Rap-Künstler bekannte Bushido gegen Konkurrenz auf dem Textilsektor.

Bushido ist seit sieben Jahren als Rap-Künstler in Deutschland bekannt und tätig, sowohl durch Konzerte als auch den Verkauf von um 800.000 Tonträgern hat er Bekanntheit erlangt. Er ist zudem Inhaber der deutschen Marke BUSHIDO Nr. 30428333. Die Marke ist neben Produkten, die im Zusammenhang mit dem Musikgeschäft stehen, auch für Kleidung eingetragen.

Aus dieser Marke macht Bushido nun seine Rechte an dem Namen „BUSHIDO“ gegenüber Benutzern geltend, die diesen für ihre Zwecke verwenden. In einem der IT-Recht Kanzlei bekannten Fall wurden Verkäufe von Textilien, die über die eBay-Plattform getätigt wurden und mit „BUSHIDO“ bezeichnet worden waren, abgemahnt.

...


Aus: "Rapper Bushido geht gegen Markenrechtsverletzungen vor"
veröffentlicht von Rechtsanwältin Verena Eckert (08. Oktober 2007)
Quelle: http://www.it-recht-kanzlei.de/index.php?id=%2Fview&cid=2344&title=Rapper+Bushido+geht+gegen+Markenrechtsverletzungen+vor

-.-

Quote
[...] Bushido hat ein Modell entwickelt, um die Filesharer abzukassieren. [...]

Bushido lässt über seinen Anwalt [ ] Abmahnungen verschicken. Soweit nichts Ungewöhnliches. Darin lässt er jedoch das Angebot unterbreiten, einen Vergleich abzuschließen: Wenn der Filesharer 400 EUR zahlt, ist die Sache für ihn erledigt. Die 400 EUR setzen sich laut Abmahnung zusammen aus 200 EUR als Ersatz für die entstandenen Anwaltskosten und 200 EUR als Schadenersatz für Bushido. Für den Fall, dass der Filesharer auf diesen Vorschlag nicht eingeht, werden die vollen Anwaltskosten in Höhe von gut 600 EUR und ein nicht näher bezifferter Schadensersatz fällig.

Für den Filesharer ist dieses Angebot ein gutes Geschäft. Denn er „spart” gut 200 EUR. Doch auch für Bushido ist das wohl auch kein Verlustgeschäft.

Denn: Er kassiert pro verglichenem Fall 200 EUR als Schadensersatz, der ihm in vielen dieser Fälle wohl gar nicht zustehen würde. Doch die Eltern, Großeltern oder Freunde der Filesharer zahlen freiwillig Schadensersatz, um so den 400 EUR-Rabatt bei den Anwaltskosten zu erlangen. Und für Bushido ist die Höhe der Anwaltsvergütung eigentlich egal, denn er profitiert hiervon ja schließlich nicht. Nur für den Fall, dass Bushido tatsächlich seinen Anwälten in jedem so vergleichsweise geeinigten Fall die Differenz zwischen den geforderten gut 600 EUR und den vom Filesharer gezahlten 200 EUR ersetzen würde, wäre es tatsächlich ein „Vergleich” – also eine Regelung, bei der beide Seiten nachgeben.

Es ist aber auch möglich, dass die Anwälte im Vergleichsfall für ihr Abmahnschreiben tatsächlich nur die 200 EUR bekommen. Dann würde Bushido an jedem Filesharer, der von diesem „guten Angebot” Gebrauch macht, 200 EUR verdienen. So lohnt sich Filesharing auch für das Opfer!

Der Fairness halber: Wir wissen nicht, ob Bushido dieses Vorgehen tatsächlich erfunden hat. Denn auch einige der Porno-Abmahner arbeiten nach diesem Modell. Und scheinbar funktioniert’s ganz gut!


Aus: "Das Bushido-Modell der Tauschbörsen-Bekämpfung"
veröffentlicht von Rechtsanwältin Verena Eckert (17.03.2008)
Quelle: http://www.it-recht-kanzlei.de/bushido-modell-filesharing.html

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Quote
[...] "Bushido hat sich mit fremden Federn geschmückt", sagte der Vorsitzende Richter Bolko Rachow. Bushido hat nach Überzeugung der Richter in 13 der 16 umstrittenen Titel sogenannte "urheberrechtlich geschützte Tonfolgen" benutzt, unter Musikern Loops genannt. Die Loops hat Bushido laut Gericht dann mehrfach hintereinander geschnitten und einen neuen Text darübergelegt. Die Richter sprachen den französischen Künstlern auch deshalb Schadensersatz zu, weil Bushido ungefragt seine teils brutalen Texte über ihre Musik gelegt hatte. "Da hätte man fünfmal fragen müssen", sagte Richter Rachow.

Das Urteil des Hamburger Landgerichts gegen Bushido ist noch nicht rechtskräftig. Der Musiker und seine Verteidiger können vor dem Hamburger Oberlandesgericht in Berufung gehen.

Im November 2008 hatte der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass bereits derjenige in die Urheberrechte eingreift, "der einem fremden Tonträger kleinste Tonfetzen entnimmt". Allerdings könne die Benutzung fremder Tonträger ohne Zustimmung erlaubt sein, wenn ein eigenständiges Werk mit großem musikalischem Abstand zur ursprünglichen Tonfolge entstehe.

Schon 2007 hatte Bushido Ärger in Urheberrechtsfragen: Die norwegische Metalband Dimmu Borgir hatte seinerzeit Passagen ihrer Musik bei Bushido entdeckt. Der Streit wurde seinerzeit außergerichtlich geklärt.

Quote

Abmahnungen...

Was ist eigentlich mit den sogenannten "Abgemahnten"?

Ist einer von den Dreizehn "geklauten" Songs mal von Bushido abgemahnt worden?

Wenn ja, wie sieht dann da die rechtliche Grundlage aus, wenn "Abgemahnte" für Uhrheberrechte "geblecht" haben, auf Songs, auf denen Bushido nie selber, wie sich jetzt zeigt, ein Uhrheberrecht besaß.

Oder wurde keiner der Dreizehn Songs abgemahnt? Wenn das so wäre, dann stinkt das ja schon förmlich gegen den Wind, wenn Bushido nur das abmahnt, was er bzw. seine Produzenten wirklich selber "produziert" haben.



Quote
Cedric Noles, 23.03.2010

"Internotation"

Hätte Bushido besser einmal Rat bei Helene Hegemann und dem Ullstein-Verlag geholt.
Die verkauft ihre Plagiate als "Intertextualität" genannte Kunst weiterhin unbehelligt.
Mensch Bushido, bisschen mehr Phantasie, dann hättest du das als "Internotation" und neue Kunstform verkauft und wärst noch in die Musikgeschichte eingegangen.



Quote
23.03.2010, Leberwurstpizza

bushido klaut?

hält wirklich jemand den typen für was anderes als die reinkarnation von Milli Vanilli?



Aus: "Plagiatsurteil - Gericht lässt Bushido-Alben schreddern" (23.03.2010)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,685251,00.html

-.-

Quote
[...] Hamburg (msd) - Einen Tag nach dem spektakulären Urteil, mit dem das Landgericht Hamburg dem Rapper Bushido praktisch die Urheberrechte an seinen Songs entzogen hat, scheinen die Betroffenen in eine Art Schockstarre verfallen zu sein. Des Rappers Webseite tut so, als sei nix gewesen, Anfragen bei Label und Vertrieb bleiben unbeantwortet.

Nicht dass die Begründung für das Urteil überraschen würde. Die frappanten Gemeinsamkeiten zwischen den Songs von Dark Sanctuary und Bushido kann jeder hören, der Ohren hat.

Überraschend an der gestrigen Gerichtsentscheidung ist vor allem, dass es Bushido bzw. seinen Anwälten nicht gelungen ist, das Urteil - wie in früheren Fällen auch - mit einem Vergleich abzuwenden, koste es, was es wolle. Zumal zumindest derzeit nicht ersichtlich ist, warum die von Bushido angestrebte Berufungsverhandlung ein anderes Ergebnis erbringen sollte.

[...] Da die beanstandeten Titel auch auf diversen Samplern gelandet sind, ist aber nicht nur der Major Universal betroffen. Auch bei Sonymusic etwa wird man nicht erfreut sein, dass man nun etwa die "Bravo Hits 56" aus dem Verkehr ziehen muss. Auch hier sind Schadensersatzforderungen denkbar.

Wer keine Urheberrechte hat, kann diese auch nicht einfordern. Und so stehen auch die vielen von Bushido wegen illegaler Downloads abgemahnten Fans juristisch gesehen plötzlich viel besser da. Wenn sie wegen der vom Gericht genannten Titel abgemahnt wurden oder Schadensersatz bezahlt haben, können sie ihr Geld und vermutlich auch ihre Anwaltskosten zurück fordern.

Unterdessen meldete sich heute auch die bestohlene Band zu Wort. Ihre deutschen Anwälte zeigten sich zufrieden mit dem Urteil: ""Dieser ungewöhnlich große Plagiatsfall dürfte in der Geschichte der deutschen populären Musik bisher einzigartig sein", zitiert motor.de Anwältin Katrin Busch. Der Versuch, sich mit Bushido außergerichtlich zu einigen, sei schief gegangen. Die Vorstellungen hätten zu weit auseinandergelegen.

Insgesamt hatten die Richter in ihrem gestrigen Urteil 13 der ursprünglich 16 Titel beanstandet, die Dark Sanctuary als ihre eigene Musik wiedererkannten. Der Rapper habe bei Liedern "urheberrechtlich geschützte Tonfolgen", sogenannte Loops, verwendet. Bolko Rachow, der vorsitzende Richter, gab zu Protokoll, Bushido habe sich mit fremden Federn geschmückt. Bushido stellte die Loops einfach mehrmals hintereinander und unterlegte so den jeweiligen Song.

...


Aus: "Urteil gegen Bushido: Nach dem Super-GAU" (24.03.2010)
Quelle: http://www.laut.de/Urteil-gegen-Bushido/Nach-dem-Super-GAU/24-03-2010

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Quote
[...] Die Plagiatsmeldungen reißen nicht ab. Kaum ist die Aufregung um Helene Hegemanns Buch "Axolotl Roadkill" abgeklungen, geht es mit dem Gesamtwerk Bushidos weiter.

[...] Im Detail ging es um 28 Tonfolgen aus vier Alben der inzwischen aufgelösten französischen Band aus den Jahren 1999 bis 2004, die leicht verändert in 16 Bushido-Titeln als sich ständig wiederholende Tonschleifen eingearbeitet worden sein sollen.

Große Sample-Kunst darf man sich darunter in den meisten Fällen eher nicht vorstellen. Vergleicht man etwa den Dark-Sanctuary-Song "Les Memoires Blessees" mit Bushidos Ballade "Nadine", ist unüberhörbar, dass das elegische Klaviermotiv, das beiden Werken zugrunde liegt, beinahe exakt dasselbe ist. Allenfalls lässt sich eine minimale Frequenzmanipulation feststellen.

[...] Im November 2008 hatte der Bundesgerichtshof entschieden, dass bereits derjenige in die Urheberrechte eingreift, "der einem fremden Tonträger kleinste Tonfetzen entnimmt". Die Benutzung fremder Tonträger ohne Zustimmung könne allenfalls erlaubt sein, wenn ein eigenständiges Werk mit großem musikalischen Abstand zur ursprünglichen Tonfolge entstehe.

Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden. Gegenüber der SZ waren weder Bushido selbst noch sein Label zu einer Stellungnahme bereit.

AP/ddp/crab

Quote

24.03.2010 17:40:21

contrapasso:

copy paste jeder machts und der mainstream verdient das geld...

ey. ist ja alles so schön bunt hier.


Quote
24.03.2010  11:56:54

Inorbit:

Bushido, der Lümmel.

...


Quote

24.03.2010 13:02:57

plastikfinken: haha

französische gruftis nachklimpern - wie arm ist das denn? echt böse und so. das würstchen!

na mal schauen wie sein management versucht das image vom echt provokanten gulliprinzen wieder glattzubügeln. die ghetto gymnasiasten sind auch nicht mehr, was sie mal waren.






Aus: "Der Rapper als Hegemann" (24.03.2010)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/kultur/683/506850/text/

-.-

Quote
[...] BERLIN taz | Was in der Branche schon lange als offenes Geheimnis gehandelt wurde, ist seit Dienstag endlich aktenkundig: Der Rapper Bushido hat über Jahre so viele seiner Songs ganz ordinär aus musikalischen Versatzstücken anderer Künstler zusammengeschraubt, dass sich schwer tut, wer überhaupt etwas Originäres in dieser Musik entdecken will.

2007 gabs deswegen schon eine rechtliche Auseinandersetzung mit der norwegischen Band Dimmu Borgir, am Dienstag kam es dann knüppeldicke: Die französische Gothic-Band Dark Sanctuary hatte Bushido in einem Zivilprozess verklagt, weil er unerlaubt gleich 16 Titel von ihr verwendet und als seine eigenen ausgegeben hatte. Das Landgericht Hamburg verurteilte den 31-jährigen Musiker nun zur Zahlung von 63.000 Euro Schadensersatz. Überdies ordnete es an, elf Tonträger müssten aus dem Verkauf genommen und geschreddert werden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, eine außergerichtliche Einigung aber unwahrscheinlich. Peinlich, zumal Bushido selbst eifersüchtig über seine Rechte wacht.

Nun gehört das Sample, der Loop, also die "urheberrechtlich geschützte Tonfolge" im Hiphop nicht nur zum guten Ton, sondern ist konstitutiv für das ganze Genre. Die größten Fans von Bushido sitzen ohnehin im bürgerlichen Feuilleton, wo man Geschichten vom "bösen Jungen" liebt, der "es schaffen kann, wenn er sich nur richtig anstrengt" – auch wenn der bürgerliche Junge nicht "von unten" kommt, sondern aus einem Gymnasium in Berlin-Tempelhof. Homophobie, Rassismus und Frauenfeindlichkeit werden dann zugunsten der rührenden Karriere gerne mal als "gossenlyrischer Realismus" durchgewunken und sanktioniert – von exakt denselben Leuten, die auch im Fall einer Helene Hegemann nicht von Diebstahl sprechen, sondern lieber vornehm über "Intertextualität" schwadronieren. Seis drum.

Wirklich seltsam ist, dass sich der "Rapper" Bushido offenbar mit Vorliebe ausgerechnet bei absolut Hiphop-fernem Kitsch-Metal mit satanischem Einschlag bedient hat. Uncooler gehts nun wirklich nicht.


Aus: "Über seine eigenen Rechte wacht Bushido eifersüchtig - Haltet den Depp!"
KOMMENTAR VON ARNO FRANK  (25.03.2010)
Quelle: http://www.taz.de/1/leben/musik/artikel/1/haltet-den-depp/

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[Netzsperren bei Copyright-Verstößen... ]
« Reply #27 on: May 25, 2010, 09:29:33 AM »
Quote
[...] Der größte irische Provider, Eircom, hat am heutigen Montag den Pilotbetrieb für sein bereits seit Längerem geplantes  System zur "abgestuften Erwiderung" auf Urheberrechtsverletzungen gestartet. Dies berichtet die Irish Times. Nach drei Verwarnungen soll demnach gemäß dem umkämpften "Three Strikes"-Verfahren ("drei Urheberrechtsverletzungen, und du bist raus ...") der Netzzugang zunächst kurzzeitig für eine Woche, beim vierten Mal für ein Jahr gekappt werden. Der erste Hinweis werde telefonisch erfolgen, danach setzte man auf E-Mails und Briefe.

Eircom hat sich der Meldung nach darauf eingelassen, während der Testphase zunächst die Benutzer, denen sich 50 von der Musikindustrie ausfindig gemachte IP-Adressen zuordnen lassen, auf illegale Download-Aktivitäten hinzuweisen. Der Platzhirsch unter den irischen Zugangsanbietern willigte Anfang Januar 2009 prinzipiell in das Aufsetzen eines Warn- und Sperrsystems zur Bekämpfung von Copyright-Verstößen für seine rund 750.000 Breitbandkunden ein. Hintergrund war ein Rechtsstreit mit den großen Plattenfirmen EMI, Sony BMG, Universal und Warner sowie der Industrievereinigung Irish Recorded Music Association (IRMA). Dabei hatten die Labels zunächst darauf gedrungen, dass Eircom illegale Downloads mithilfe technischer Lösungen wie Filtersoftware unterbindet und dazu die Netzkommunikation großflächig überwacht.

IRMA-Chef Dick Doyle kündigte an, dass seine Organisation Eircom jede Woche mit tausenden IP-Adressen von Copyright-Sündern versorgen könne. Man wolle aber erst sehen, inwieweit der Provider imstande sei, die Eingaben in dem neuen Prozess abzuarbeiten. Doyle verwies zugleich auf Studien, wonach 80 Prozent der verwarnten Nutzer ihre Finger von weiteren rechtswidrigen Filesharing-Aktivitäten ließen. Die Musikindustrie versuche so, die Surfer zur Inanspruchnahme legaler Alternativen zu bewegen. Der irische Kabelanbieter UPC widersetzt sich unterdessen nach wie vor den Forderungen der IRMA zur Einrichtung eines "Three Strikes"-System, da er dafür keine rechtliche Grundlage sieht. Der Provider setzt auf eine gerichtliche Klärung der Frage.

Unklar ist auch noch, inwieweit das von Eircom implementierte Verfahren mit den Vorgaben der EU zur Regulierung des Telekommunikationsmarktes im Einklang steht. Gemäß dem novellierten Telecom-Paket sollen die Mitgliedsstaaten vor der Einrichtung von Systemen für Internetsperren den Nutzern ein "faires und unparteiisches Verfahren" garantieren. Entsprechende Maßnahmen müssen effektiv sein und schnell überprüft werden können. Gesetzliche Regelungen für Verfahren zur abgestuften Erwiderung auf Urheberrechtsverletzungen existieren unter anderem bereits in Frankreich und in Großbritannien. Eircom soll dem Bericht der Irish Times zufolge aber der erste Provider sein, der ein entsprechendes System trotz der Bedenken von Datenschützern tatsächlich in Betrieb nimmt. (Stefan Krempl) / (odi)

Quote
24. Mai 2010 15:56
Lustiger Verein diese MI (Editiert vom Verfasser am 24.05.10 um 15:58)
abracadaboum (652 Beiträge seit 16.10.04)

Die wollen also buchstäblich tausenden Nutzern das Netz kappen, indem
sie IP-Adressen sammeln und diese dann weitergeben und bilden sich
ein, dass die Kunden dann ganz brav zum Laden um die Ecke gehen, um
sich dort nen stapel Musik-CDs zu kaufen.
Nicht der Kunde ist König, sonder der Kunde ist dämlich! Oder wie
denken die sich das?

Wenn das Konzept aufgeht esse ich nen Besen.


Quote
24. Mai 2010 17:35
Probleme, die sich von selbst lösen
nerventanz (mehr als 1000 Beiträge seit 28.02.09)


Ein Provider, der den Netzverkehr ausspioniert, ist eine Gefahr.
Egal, ob man was illegales macht oder nicht, es ist ein Risiko, in so
einem Netz eingewählt zu sein.

Jeder sicherheitsbewusste Internet-Nutzer wird somit den Anschluss
sofort kündigen. Vom Vertrag her geht das sowieso nicht, dass ein
Vertragspartner nachträglich einseitig den Vertrag ändert. Deswegen
hat man logischerweise sowieso das Recht auf Kündigung. Evtl sogar
mit Schadenersatz (Zeit ohne Internetanschluss), in bestimmten
Fällen.

Gut ist wenigstens, wie man sehen kann, wie Lobbys und
Bestechungsgelder mal wieder die Welt regieren. Manchmal ist es nicht
so offensichtlich, dass da jemand schon seit geraumer Zeit die
Politik vergiftet und die Meinung der Leute total verdreht.

Naja... wenigstens können sich die Bestochenen mit dem Geld legal ein
paar CDs kaufen. Die normalen Leute sind sowieso immer die Ärsche,
deswegen... wen kümmert's?



Quote
24. Mai 2010 18:10
Wann kommt das nach DE?
Todd.Outsourced, ToddOutsourced@googlemail.com (42 Beiträge seit 14.05.10)

Das wäre genau die richtige Maßnahme um hiesige Raubkopierer
abzuschrecken.

Quote
24. Mai 2010 22:17
Re: Wann kommt das nach DE?
dreadsoul (55 Beiträge seit 01.12.03)

Todd.Outsourced schrieb am 24. Mai 2010 18:10

> Das wäre genau die richtige Maßnahme um hiesige Raubkopierer
> abzuschrecken.

Es gibt im juristischen Sinne auch jetzt noch keine "Raub"kopien,
auch wenn manche das gerne hätten.



Quote
25. Mai 2010 09:18
Analog zum Briefverkehr:
NetReaper (mehr als 1000 Beiträge seit 13.01.00)

"Dabei hatten die Labels zunächst darauf gedrungen, dass Eircom
illegale Downloads mithilfe technischer Lösungen wie Filtersoftware
unterbindet und dazu die Netzkommunikation großflächig überwacht."

Also beim Briefverkehr wäre das auf folgendes herausgelaufen:

"Dabei hatten die Labels zunächst darauf gedrungen, dass Eircom
illegale Briefsendungen mithilfe technischer Lösungen wie
automatischem Briefeöffnen und -scannen unterbindet und dazu die
Briefkommunikation großflächig überwacht."

Merkt eigentlich einer noch was?
Meine Kommunikation gehört mir! Und wer sie filtert oder überwacht,
der hat bereits ein Verbrechen (!) begangen.


...


Aus: "Irischer Provider Eircom beginnt mit Netzsperren bei Copyright-Verstößen" (24.05.2010)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Irischer-Provider-Eircom-beginnt-mit-Netzsperren-bei-Copyright-Verstoessen-1006112.html




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[Jean-Luc Godard unterstützt... ]
« Reply #28 on: September 15, 2010, 09:21:57 AM »
Quote
[...] Der französisch-schweizerische Filmregisseur Jean-Luc Godard hat sich in einem Rechtsstreit um den illegalen Download und den Austausch von tausenden Musikstücken auf die Seite des Beschuldigten gestellt. Die 79 Jahre alte Filmlegende war durch einen Artikel in der französischen Tageszeitung Libération  auf den Fotografen James Climent aufmerksam geworden. Dieser war von den Verwertungsgesellschaften SACEM und SDRM beschuldigt worden, knapp 14.000 Musikstücke aus dem Internet geladen zu haben. Sie erstritten vor Gericht eine Strafe von 20.000 Euro. Godard habe daraufhin angeboten, 1000 Euro für Rechtskosten bereitzustellen, schreibt Climent in seinem Weblog.

Godard, der mitunter als "Bertolt Brecht der Nouvelle Vague" bezeichnet wird, hatte sich schon bei früherer Gelegenheit gegen die französische Aufsichtsbehörde Hadopi (Haute Autorité pour la diffusion des Oeuvres et la protection des droits sur Internet) gewandt, die in Frankreich für Urheberrechtsverletzungen im Internet zuständig ist. Im Mai bezweifelte Godard in einem Interview die Möglichkeit eines Urheberrechts. Es gebe kein geistiges Eigentum. Die Kinder eines Künstlers könnten von dessen Werken höchstens bis zu ihrer Volljährigkeit profitieren.

Climent hatte sich in dem Urheberrechtsverfahren gegen die Verwertungsgesellschaften 2007 auf Anraten seines Rechtsanwalts für schuldig erklärt. Zwei Jahre später wurde über ihn die Geldstrafe verhängt. Climent strebt nun ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte an. Dafür müsste er 5000 Euro Anwaltskosten zusammenbekommen. Neben den 1000 Euro vom Regisseur hat Climent 104,38 Euro über Paypal eingesammelt, 19,34 über den Belohnungsdienst Flattr sowie einen Betrag von bis zu 1200 Euro. Von dem europäischen Gericht will Climent unter anderem den freien Zugang zur Kultur als Grundrecht bestätigt sehen. Dieses werde durch das seit Anfang dieses Jahres geltende Gesetz für Internetsperren gefährdet. (anw)

Quote
14. September 2010 14:02
Mit Chabrol wäre das nicht passiert
Geripptes (114 Beiträge seit 09.08.10)

der ist vorgestern gestorben.

Quote
14. September 2010 14:29
Leider -kwt
Soulsaver (mehr als 1000 Beiträge seit 08.08.06)

kwt




Quote
14. September 2010 16:23
Godard hat recht - es gibt kein geistiges Eigentum!

OskarMaria

Die Angelegenheit ist ein Witz - niemand kann an immateriellen Dingen
Eigentum erlangen. Jeder Gedanke, jedes Gedicht, jedes Musikwerk
bekommt nur dann einen Wert, wenn diese sich von ihrem Verfasser
loslösen und hinaus in die Welt wandern. Wenn sie von Anderen für
goutiert und konsumiert werden. Eingesperrt in Tresorräumen und
unzugänglichen Bibliotheken sind sie völlig wertlos.
Doch wenn diese flüchtigen Ideen durch die Gesellschaft wandern,
werden sie zum Allgemeingut - zum Teil unserer intellektuellen und
kulturellen Identität, auf der letztlich alles Neue auch aufbaut.

Selbst unser Staat ist -bisher- nicht auf die Idee gekommen, diese
virtuellen Dinge mit einem Eigentumsstempel zu versehen. Wäre auch
nur schwer möglich. So wurde das Urheberrecht als Recht zur
ausschließlichen Verwertung konzipiert. Will sagen - nur dem Urheber
soll der wirtschaftliche Profit an jenen virtuellen Dingen zustehen.

Geistiges Eigentum ist inhaltlicher Schwachsinn, ein Produkt unserer
dreisten Content-Industrie, die damit ihre Pfründe sichern will.

Gruß OskarMaria

Quote
14. September 2010 16:38
Re: Godard hat recht - es gibt kein geistiges Eigentum!
Edna Krabappel (mehr als 1000 Beiträge seit 22.04.04)

OskarMaria schrieb am 14. September 2010 16:23

> So wurde das Urheberrecht als Recht zur
> ausschließlichen Verwertung konzipiert.

Nein, wie kommst Du darauf? Die Verwertungsrechte sind nur ein Teil
unseres Urheberrechts, auch Deine philosophischen Überlegungen haben
einfach nichts mit den rechtsethischen Grundlagen unseres
Urheberrechts zu tun, siehe dazu meine Antwort im anderen Thread:


http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Re-Woher-hat-Godard-sein-Geld/forum-185851/msg-19139931/read/


Es gibt in anderen Kulturräumen auch andere rechtsethische
Rechtfertigungen eines Urheberrechts.

Tut mir leid, aber dieser Diskurs wird schon seit Jahrhunderten
geführt, und da kannst Du nicht einfach mit deinen persönlichen
Ansichten als "grundlegende Wahrheiten" kommen.



...


Aus: "Jean-Luc Godard unterstützt Beschuldigten in Filesharing-Rechtsstreit" (14.09.2010)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Jean-Luc-Godard-unterstuetzt-Beschuldigten-in-Filesharing-Rechtsstreit-1078534.html


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[HADOPI bestätigte laut dpa... ]
« Reply #29 on: October 06, 2010, 09:04:48 AM »
Quote
[...] Ein Jahr nach Verabschiedung eines umstrittenen französischen Gesetzes gegen Urheberrechtsverletzungen im Internet sind die ersten Warnungen an Verdächtige verschickt worden. Die zuständige Aufsichtsbehörde HADOPI bestätigte laut dpa entsprechende Berichte.

Die Haute autorité pour la diffusion des œuvres et la protection des droits sur internet, wie die aus dem "Gesetz zur Verbreitung und zum Schutz kreativer Inhalte im Internet" hervorgegangene Behörde in voller Länge heißt, ist mit der Umsetzung des Systems der "abgestuften Erwiderung" auf wiederholte Urheberrechtsverletzungen beauftragt. Copyright-Sündern drohen nach dem am 1. Janur 2010 in Kraft getretenen HADOPI-Gesetz nach zwei Verwarnungen per E-Mail und Brief bis zu ein Jahr dauernde Sperren ihres Internetzugangs. Dazu kommen gegebenenfalls Geldbußen in Höhe von bis zu 300.000 Euro und eine dreijährige Gefängnisstrafe.

Nutzer, die entsprechende Sanktionen von vornherein vermeiden wollen, sollen dies nach jüngst bekannt gewordenen Vorstellungen der Behörde mit der Installation einer Art digitalen Wanze auf ihrem Rechner tun können. HADOPI hatte dazu in einem nicht zur Veröffentlichung gedachten Papier Anforderungen an eine "Sicherheitssoftware" aufgestellt, mit der die Nutzer beim Verdacht auf Urheberrechtsverletzungen ihre Unschuld beweisen können sollen. Umschrieben hat das Amt zudem bereits den Wunsch, dass entsprechende Überwachungsprogramme auch direkt auf den Routern von Nutzern ihren Platz finden. Derzeit verwarnt die Behörde Internet-Nutzer, die illegal Filme oder Musik herunterladen, auf Basis der IP-Adresse.

Vergleichbare "Three-Strikes"-Regelungen sind auch in anderen Ländern in der Diskussion beziehungsweise bereits umgesetzt, darunter Neuseeland und Großbritannien. Auch auf EU-Ebene oder in den Verhandlungen um das Antipiraterie-Abkommen ACTA gab es immer wieder Vorstöße, solche Regelungen in internationalen Vereinbarungen ebenfalls zu verankern. In Deutschland liegen entsprechende Pläne immer wieder einmal auf dem Tisch, bislang aber werden sie von der Bundesregierung abgelehnt. (jk)


Aus: "Erste Warnungen an mutmaßliche Urheberrechtsverletzer in Frankreich" (05.10.2010)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Erste-Warnungen-an-mutmassliche-Urheberrechtsverletzer-in-Frankreich-1101512.html