Author Topic: [A giant database of people's personal details... ]  (Read 10555 times)

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Offline Textaris(txt*bot)

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[Utah Data Center... ]
« Reply #15 on: May 15, 2012, 04:55:03 PM »
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[..] Es soll einer der größten Datenspeicher der Welt werden, das "Utah Data Center" in der Salzwüste nahe Bluffdale im Südwesten der USA. Bauherr ist die National Security Agency (NSA), und gespeichert werden soll dort einfach alles: Weltweit eingefangener E-Mail-Verkehr, Telefonate, Google-Suchen, Facebook-Einträge, Navigationsdaten, Finanzverkehr – alles, was in digitaler oder analoger Form rund um den Erball schwirrt.

Zwei Milliarden Dollar kostet der Komplex die USA, der ein weltweites Spionagesystem vervollständigen soll. Das Datenvolumen der Einrichtung soll in der Größenordnung von Yottabytes bemessen sein. Ein Yottabyte ist eine Billiarde Gigabyte (Handelsübliche Laptops haben derzeit etwa 500 Gigabyte). Ende 2013 soll der Datenspeicher fertig sein.

Doch das ist nur die eine Seite dieses gigantischen Projektes der "N(o) S(uch) A(gency)", wie Mitarbeiter gern die extreme Geheimhaltung ihres Arbeitgebers ironisieren. Denn ohne gigantische Rechenkapazitäten zur Entschlüsselung geschützter Datenbestände ist auch der größte Geheimdienstspeicher nichts wert.

Ab 2018 sollen eine Batterie Supercomputer zur Analyse der Datenmassen funktionstüchtig sein. Denn wer die weltweit eingesammelten Datenschätze tatsächlich heben will, muss über avancierte Entschlüsselungsmethoden und ungeheure Rechenkapazitäten verfügen.

Technisch stellt der Komplex dann die modernste Spionagemaschine der Welt dar, politisch ist sie aber für viele ein Albtraum – zumindest für Datenschützer und Bürgerrechtler und sogar für einige Spionage-Experten selbst.

"Wir stehen unmittelbar vor einem schlüsselfertigen totalitären Staat", so formulierte es der ehemalige NSA-Beamte William Binney, einst ein hochrangiger Verschlüsselungsexperte der Agency, der jetzt wesentliche Informationen über das Utah Data Center im amerikanischen Magazin "Wired" preisgab.

Eine parlamentarische Kontrolle der NSA scheint tatsächlich kaum zu greifen. Die Befugnisse der US-Sicherheitsdienste sind nach 9/11 (Homeland Security Act) ohnehin nahezu unbegrenzt. ....

...


Aus: "USA arbeiten am größten Datenstaubsauger der Welt" (15. Mai. 2012)
Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article106315727/USA-arbeiten-am-groessten-Datenstaubsauger-der-Welt.html

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[...] Washington (dapd). Der US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) muss seine Aufzeichnungen im Zusammenhang mit einem Cyberangriff auf chinesische Google-Nutzer in China laut einem Gerichtsurteil nicht offenlegen. Die Bürgerrechtsorganisation Electronic Privacy Information Center (EPIC) hatte gefordert, dass die Kommunikation zwischen dem Suchmaschinenbetreiber und der NSA veröffentlicht wird. Allerdings lehnte der Geheimdienst es ab, eine Beziehung zu Google zu bestätigen oder zu dementieren. Begründet wurde dies damit, dass dies die Informationssysteme der US-Regierung anfälliger

für Angriffe mache könne. Nachdem bereits im vergangenen Jahr ein Bundesbezirksgericht dem stattgegeben hatte, folgte am Freitag nun das Bundesberufungsgericht für den Hauptstadtbezirk Washington der Argumentation.

Google hatte 2010 von Großangriffen auf seine Webseite durch chinesische Hacker berichtet. Der US-Konzern deutete an, dass diese möglicherweise von der Regierung in Peking angestiftet worden seien. Die chinesische Regierung bestritt dies. Kurz darauf tauchten Berichte auf, dass Google und die NSA sich verbündet hätten, um den Angriff zu analysieren und zukünftige Attacken zu verhindern. Die NSA beschäftigt sich vor allem mit der Auswertung von Kommunikationsdaten.

...


Aus: "US-Geheimdienst muss Beziehungen zu Google nicht offen legen" (15.05.2012)
Quelle: http://www.derwesten.de/nachrichten/us-geheimdienst-muss-beziehungen-zu-google-nicht-offen-legen-id6648519.html

-.-

Quote
[...] 30 Jahre diente William Binney im US-Geheimdienst National Security Agency (NSA), zeitweise als Direktor für internationale geopolitische und militärische Analyse. 2001 verließ er die Organisation. Mittlerweile warnt Binney vor der ausufernden Macht der US-Geheimdienste. Mit dem data-mining Programm könne die NSA einen "orwellschen Staat errichten", so der Insinder.  ....



Aus: "Ex-NSA-Mitarbeiter warnt vor "orwellschem Staat"" (BERLINER UMSCHAU-Meldung vom 23.04.2012)
Quelle: http://www.berlinerumschau.com/news.php?id=50106&title=Ex-NSA-Mitarbeiter+warnt+vor+%22orwellschem+Staat%22&storyid=1001335172439

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« Last Edit: May 15, 2012, 04:59:39 PM by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #16 on: April 14, 2018, 08:08:08 PM »
Quote
[...] Facebook hat sich offenbar von dem Film "Minority Report" inspirieren lassen und verwendet seinen reichhaltigen Datenschatz über die Aktivitäten der Mitglieder seiner Plattform, um mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) vorherzusagen, wie sich Nutzer künftig verhalten werden, welche Produkte sie kaufen und welche Einstellungen sie entwickeln.

Die Ergebnisse der Analysen, für die der Betreiber des sozialen Netzwerks die eigene KI-Technik "FBLearner Flow" einsetzt, werden "anonymisiert" auch an Werbekunden verkauft, damit diese noch zielgerichteter für einzelne Gruppen von Nutzern Anzeigen schalten können. Dies geht aus vertraulichen Dokumenten hervor, über die das Online-Magazin "The Intercept" berichtet. https://theintercept.com/2018/04/13/facebook-advertising-data-artificial-intelligence-ai/

Das System funktioniert demnach ähnlich wie "Predictive Policing", also die umstrittene vorausschauende Polizeiarbeit. Bei "Predictive Advertising" à la Facebook können die Werbepartner Verbraucher nicht nur auf Basis demografischer Daten oder persönlicher Präferenzen passgenau ansprechen, sondern auch auf der Grundlage der automatisierten Voraussage künftigen Verhaltens. Dazu fließen laut dem Bericht Facebook direkt zur Verfügung stehende Informationen über den Nutzer ein wie sein Aufenthaltsort, das verwendete Gerät, Details über eine mögliche WLAN-Verbindung, angeschaute Videos, Vorlieben sowie Details zur Freundesliste einschließlich der Ähnlichkeit miteinander verknüpfter Profile.

Der Plattformbetreiber hat FBLearner Flow offiziell schon im Mai 2016 vorgestellt und eingeführt als ein Werkzeug, um durch KI und Maschinenlernen "jede[m] die am meisten relevanten Inhalte zu liefern". Von Werbung war dabei aber nicht die Rede, nur allgemein von einem verbesserten "Nutzererlebnis". Das System sei imstande, Algorithmen in verschiedenen Produkten einzusetzen und gleichzeitig tausende angepasste "Experimente" laufen zu lassen und einfach zu handhaben.

Die Technik werde schon von über 25 Prozent des Entwicklungsteams von Facebook verwendet, hieß es damals. Es seien bereits über eine Million einschlägige Modelle trainiert worden, sodass das System mehr als sechs Millionen Vorhersagen pro Sekunde ausspucken könne und sich damit viel Handarbeit erübrige. Auch später machte die Firma nur vage Andeutungen dazu, dass "Maschinenlernen auch für Anzeigen" verwendet werde.

Auf einer der jetzt ins Spiel gekommenen Folien erläutert Facebook dem Magazin zufolge, wie es seine gesamte Nutzerbasis von über zwei Milliarden Individuen durchgehen und Millionen von Mitgliedern herauspicken könne, die gerade kurz davor seien, "von einer Marke zu einem Wettbewerber zu wechseln". Diese könnten dann massiv mit Anzeigen bearbeitet werden, um ihre drohende Entscheidung in letzter Minute zu ändern. Facebook spreche hier von einer "verbesserten Marketingeffizienz" dank einer "Loyalitätsvorhersage".

Es gehe also nicht mehr nur darum, einem Nutzer eine "Golf"-Reklame zu zeigen, weil er längere Zeit Informationen über Volkswagen konsumiert habe. Vielmehr nutze der Betreiber Anhaltspunkte aus der persönlichen Lebensumwelt um herauszufinden, ob ein Anwender die Nase von seinem derzeit gefahrenen Auto voll habe.

Prinzipiell funktioniert Facebooks KI-Werbung so ähnlich wie die Profilerstellung auf Basis der Psychometrik, die ein Markenzeichen der Big-Data-Firma Cambridge Analytica ist. Diese steht im Mittelpunkt des aktuellen Datenskandals rund um die beiden Unternehmen. Ziel dieses Teilgebiets der Psychologie ist es, die menschliche Persönlichkeit mithilfe mathematischer Verfahren und KI anhand bestimmter Merkmale wie Offenheit, Gewissenhaftigkeit oder Extraversion auszumessen.

Während Cambridge Analytica und vergleichbare Big-Data-Häuser aber auf die Nutzerdaten angewiesen sind, die sie über die öffentlichen Schnittstellen der Plattform absaugen können, sitzt Facebook auf dem vollständigen Informationsbestand mit unbegrenztem Zugang zu umfangreichen Datenbanken über das Verhalten und die Präferenzen der Mitglieder. Der Betreiber unterscheidet dabei zwischen rund 29.000 verschiedenen Kriterien über jeden einzelnen Nutzer.

Facebook selbst betont immer wieder, keine Nutzerdaten an Dritte zu verscherbeln. Konzernchef Mark Zuckerberg unterstrich dies gerade wieder bei den Anhörungen im US-Kongress zur jüngsten Datenaffäre. Was die Plattform verkauft, ist aber viel wertvoller, nämlich die bereits ausgewerteten Erkenntnisse über das Nutzerverhalten. Im Geheimdienstjargon spricht man hier von "Finished Intelligence", also den Endprodukten der Überwachung und Aufklärung in einfach verständlichen Informationen und Hinweisen an die Leitungsebene, im Gegensatz zu den schier unzähligen Roh- und Metadaten.

Experten zufolge kann Facebook so weite Teile des Lebens aktiver Nutzer simulieren, was zahlreiche ethische Fragen aufwerfe. So sei der Konzern eigentlich verpflichtet, den Nutzern zu offenbaren, dass er mit KI ihre elektronischen Spuren in bare Münze umwandle. Besonders "unheimlich" sei es, dass die Firma dank der Methode eine Art sich selbst erfüllende Prophezeiung anstoßen und diese nicht nur für klassische Produktwerbung, sondern etwa auch für Anzeigen in einem Wahlkampf einsetzen könne.

Die neuen Facetten über das Datengebaren des Konzern dürften so den Druck auf die Politik erhöhen, Facebook und andere Internetgrößen stärker zu regulieren. Gegenüber "The Intercept" wollten die Kalifornier sich nicht dazu äußern, welche Nutzerdaten sie konkret für die Verhaltensvorhersagen heranziehen. (Stefan Krempl) / (tiw)

Quote
     der-andere, 14.04.2018 18:55

Erschreckender als die Auswertung ist das Desinteresse der Nutzer - Nach intensiver Diskussion in der Familie mit dem Nachwuchs: "Mein Gottt, dann wissen die halt alles, ich habe nichts zu verbergen. Ich entscheide eh selbst, was ich kaufe oder mache!"

Überhaupt keine Angst, manipuliert zu werden. Kein Gespür dafür, dass diese unterschwellige Manipulation tatsächlich wirken kann und jemanden in eine Richtung führt, die er/sie ohne diesen Einfluss nicht eingeschlagen hätte.

Keine Angst davor, dass die Information über die geschlechtliche Ausrichtung (homo oder hetero) einmal gegen einen verwendet werden kann.

Mein Hinweis auf einen ct-Artikel vor einigen Jahren im Bezug auf das Vorgehen der Nazis in den besetzten Niederlanden (mal eben das gut geführte Personenregister auswerten und nach Religion filtern) wird nur achselzuckend quittiert mit "Das war damals, das passiert nicht mehr, wir leben heute in einer viel freieren Welt."

Wie sagte doch ein Sänger auf einem Konzert: "Die Freiheit wird gehen unter dem donnernden Applaus des jubelnden Volkes."

Solange sich an dieser Einstellung nichts ändert, werden Facebook, Google und Co weitermachen dürfen wie bisher. Einziger Unterschied: die Politik wird eine Schnittstelle zu den Daten fordern, deren Nutzung natürlich nicht überwacht werden darf....


Quote
     Broeselmeier, 14.04.2018 19:08

Re: Erschreckender als die Auswertung ist das Desinteresse der Nutzer

der-andere schrieb am 14.04.2018 18:55:

    die Politik wird eine Schnittstelle zu den Daten fordern, deren Nutzung natürlich nicht überwacht werden darf....

Nach allem, was man von FB zu fragwürdigen Kooperationen mit diktatorischen Regimes unter dem Vorwand "wir halten uns an die lokalen Gesetze" hört, ist mit großer Sicherheit davon auszugehen, dass deutsche Staatsorgane diese Schnittstelle längst haben. So wie sie eben jeder andere auch hat, der ein wenig Geld und Grips investiert.


...


Aus: "Künstliche Intelligenz: Facebook sagt Nutzerverhalten voraus und verkauft damit Anzeigen"  Stefan Krempl (14.04.2018)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Kuenstliche-Intelligenz-Facebook-sagt-Nutzerverhalten-voraus-und-verkauft-damit-Anzeigen-4024377.html