Author Topic: [Information und Geistiges Eigentum [?]... ]  (Read 31192 times)

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[Freiheit für Dokumente... ]
« Reply #45 on: March 27, 2013, 10:59:39 AM »
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[...]  Die deutsche Piratenpartei fordert von Behörden und Regierung mehr Offenheit bei Informationen und Computerprogrammen.Diesen Anspruch bekräftigten die Piraten anlässlich des "Document Freedom Day", der am Mittwoch stattfindet.

In der Verwaltung sollten etwa Dateiformate genutzt werden, die auf offenen Standards basierten. „Wichtige, zentrale Verwaltungsprogramme wie `ElsterFormular` laufen weiterhin nur auf einem der gängigen Betriebssysteme“, kritisiert Anke Domscheit-Berg, die für die Piraten in den Bundestag einziehen will.

Elster ist das elektronische System zur Abgabe von Steuererklärungen. Die vom Staat kostenfrei zur Verfügung gestellte Software „ElsterFormular“ läuft nur auf PCs mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows. Nutzer anderer Betriebssysteme werden auf das ElsterOnline-Portal verwiesen, wo allerdings derzeit noch die sicherheitsanfällige Java-Technologie eingesetzt wird.

Domscheit-Berg forderte, die Behörden sollten den Bürgern grundsätzlich mehr Informationen zur Verfügung stellen, etwa Dokumente und Daten. „Wir brauchen ein Transparenzgesetz, das den Rechtsanspruch aller Bürger auf diese Informationen garantiert“. Behörden sollten Daten, so sie keine personenbezogenen Informationen enthielten, von sich aus veröffentlichen. Domscheit-Berg kritisierte das Datenportal der Bundesregierung www.Daten-Deutschland.de, das im Februar freigeschaltet wurde. Die dort gesammelten Informationen könnten nur eingeschränkt und nicht kommerziell genutzt werden.

Der Document Freedom Day wurde am 26. März 2008 von der Stiftung Free Software Foundation Europe ins Leben gerufen. In diesem Jahr wird der Tag am 27. März begangenen.


Aus: "Piraten wollen Freiheit für Dokumente" (26.03.13)
Quelle: http://futurezone.at/netzpolitik/14881-piraten-wollen-freiheit-fuer-dokumente.php


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[Übersetzungen von Filmdialogen... ]
« Reply #46 on: July 12, 2013, 10:13:42 AM »
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[...]  Die schwedische Polizei ist am Dienstag mit harten Bandagen gegen die Betreiber der Webseite Undertexter.se vorgegangen. Im Rahmen einer Razzia beschlagnahmten die Strafverfolger offenbar wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen neben Desktop-Rechnern die beiden Server der Plattform, auf der Fans eigene Übersetzungen von Filmdialogen bereitstellten. Die entsprechenden Untertitel konnten dabei als Textdateien heruntergeladen und in zugehörige Videos integriert werden.

Der Gründer des Angebots, Eugen Archy, sieht laut einer Mitteilung auf der derzeit nicht funktionsfähigen Seite den schwedischen "Piratenjäger" Henrik Pontén hinter der Aktion, den Rechtsanwalt der "Rechteallianz" des skandinavischen Landes. Er wirft "Hollywood" bei diesem "Überfall" aber vor, die falsche Karte gespielt zu haben.

Die Nutzer, die viel Arbeit in die Übersetzungen gesteckt hätten, betrachten Archy zufolge ihre eigenen Interpretationen von Dialogen in Kinofilmen oder Fernsehsendungen keineswegs als illegal, sondern als Ausdruck der Rede- und Meinungsfreiheit. Ferner sei zu bedenken, dass sie die Texte ohne Entgelt zur Verfügung gestellt hätten. Archy will daher "niemals aufgeben" und sich rechtlich zur Wehr setzen.

Scharfe Kritik an dem Vorgehen kommt auch von den Piraten. Die Unterhaltungsindustrie greife zu immer verzweifelteren Maßnahmen, um ein "obsolet gewordenes Copyright-Monopol" zu verteidigen, moniert die Chefin der schwedischen Piratenpartei, Anna Troberg. Damit werde Kreativität in gänzlich unverhältnismäßiger Form behindert. Sie wertet die Razzia gegen die Untertitel-Seite als weiteren Beweis dafür, dass das Urheberrechtssystem "von Grund auf" reformiert werden müsse.

Von einer "Eskalation im Krieg gegen das Teilen von Kultur und Wissen" spricht Rick Falkvinge, Gründer der "Piratpartiet". Er warnt in seinem Blog vor dem Aufkommen eines zweischichtigen Justizsystems, in dem der Copyright-Industrie zunächst von Anfang an standardmäßig das Recht nebst zugehörigen Privilegien und Durchsetzungsbefugnissen über die Staatsmacht zuerkannt werde. Für den Rest der Bevölkerung gelte nur noch ein Rechtsschutz zweiter Klasse. Die Polizei oder die Rechteallianz haben sich bislang nicht zu dem Fall geäußert.

Falkvinge verweist ferner auf einen Hinweis eines Lesers, wonach es in Polen jüngst einen ähnlichen Fall gegeben habe. Dabei seien sich juristische Experten einig gewesen, dass eine Übersetzung abgehörter Filmkonversationen und das Tauschen entsprechender Aufzeichnungen keinen Urheberrechtsverstoß darstelle. (Stefan Krempl) / (mho)

Quote
11. Juli 2013 15:10
Richtig so!
Rote_Gruetze

Angesichts dieses mit enormer krimineller Energie geführten, in
seiner Hinterhältigkeit seinesgleichen suchenden Attentats auf das
geistige Eigentum  kann nicht hart genug durchgegriffen werden!

Wehret den Anfängen des Untertitel-Raubes!

Quote
11. Juli 2013 21:58
Re: Richtig so!
fr.osch

> Angesichts dieses mit enormer krimineller Energie geführten, in
> seiner Hinterhältigkeit seinesgleichen suchenden Attentats auf das
> geistige Eigentum  kann nicht hart genug durchgegriffen werden!
>
> Wehret den Anfängen des Untertitel-Raubes!

Das Schlimme ist ja, dass jetzt so mancher Film nicht mehr verkauft
wird, weil er nicht auf schwedisch verfügbar ist und er ohne
Untertitel für manche potentielle Kunden nicht verständlich ist. Wie
doof kann man sein... eine Seite dicht zu machen, die es den eigenen
Kunden erleichtert, die eigenen Produkte komfortabel zu nutzen.

    fr.osch



Aus: "Schwedische Polizei beschlagnahmt Server von Untertitel-Webseite" (11.07.2013)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Schwedische-Polizei-beschlagnahmt-Server-von-Untertitel-Webseite-1915924.html


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[Center for Copyright Information... ]
« Reply #47 on: June 03, 2014, 09:28:24 AM »
Quote
[...] Knapp anderthalb Jahre nach der Aufnahme des Betriebs des umstrittenen "Copyright Alert System" in den USA hat das zuständige Center for Copyright Information (CCI) seinen ersten Jahresbericht herausgegeben. Der Tätigkeitsstatistik zufolge haben die fünf beteiligten Provider bereits in den ersten zehn Monaten 1,3 Millionen Hinweise an auffällig gewordene Nutzer in den Vereinigten Staaten verschickt. Das CCI geht davon aus, dass sich diese Aktivität im Laufe des zweiten Operationsjahres in etwa verdoppeln wird.

Die meisten Mitteilungen haben sich dem Report zufolge auf die erste Warnstufe beschränkt. Es sei also bei einer einmaligen Aufklärung geblieben. Knapp drei Prozent der Verwarnungen hätten aber auch die letzte von sechs Stufen erreicht. Verzeichnen die beteiligten Zugangsanbieter danach weitere Copyrightverstöße, drohen Maßnahmen wie das Drosseln der Internetverbindung.

Das CCI bezeichnet das Six-Strikes-System als weitgehend akzeptiert, da es nur 265 Beschwerden gegeben habe. So sei nur in 0,27 Prozent der Fälle hätten Betroffene eine unabhängige Überprüfung der Vorwürfe erbeten. In einer gesonderten Untersuchung habe man herausgefunden, dass die Mehrheit der Angeschriebenen erklärt habe, von weiteren rechtsverletzenden Tätigkeiten künftig die Finger zu lassen. 62 Prozent teile die Überzeugung, dass Copyright-Verstöße inakzeptabel seien. Die CCI-Leiterin Jill Lesser freute sich, dass das Programm offenbar das Potenzial habe, eine weitreichende abschreckende Wirkung auf Urheberrechtssünder auszuüben. Betroffene würden parallel auf legale Inhaltequellen aufmerksam gemacht.

Das CAS wird als freiwillige Aufklärungsmaßnahme von AT&T, Cablevision, Comcast, Time Warner Cable und Verizon sowie den Verbänden der Musik- und Filmindustrie RIAA und MPAA getragen und soll jährlich rund zwei Millionen US-Dollar kosten. Eine französische Studie hat derweil die Wirksamkeit vergleichbarer Abschreckungsmodellen in Frage gestellt. Das Pariser staatliche Pendant zum CCI, die zur Disposition stehende und auch Netzsperren verhängende Behörde Hadopi, verteilte in den ersten beiden Betriebsjahren gut 1,15 Millionen Warnhinweise. (Stefan Krempl) / (axk)

Quote
epp4, 3. Juni 2014 06:57

Gibt es einen anschaulicheren Beweis, dass das Internet umfassend überwacht wird?


Quote
Rubbel Die Katz, 2. Juni 2014 19:18

Und dafür brauchen wir die totale Überwachung
Irgendwie habe ich in letzter Zeit häufiger das Gefühl in einem
falschen Film zu sein!

Ich warte immer auf den Typen der mir eine rote und blaue pille
anbietet.

Das kann einfach nicht war sein das die Leute dass die Menschen schon
so auf Linie gebracht wurden.



Aus: "USA: Schon 1,3 Millionen Hinweise wegen Copyright-Verletzungen" (02.06.2014)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/USA-Schon-1-3-Millionen-Hinweise-wegen-Copyright-Verletzungen-2214569.html

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« Reply #48 on: September 18, 2018, 01:50:07 PM »
Quote
[...] Wer derzeit als europäischer Nutzer über das Internet die Los Angeles Times lesen möchte, wird leider ausgesperrt. Grund dafür ist der europäische Datenschutz, der viele US-Zeitungen davon abhält, ihr Angebot den Europäern zur Verfügung zu stellen. Ein solches Geoblocking könnte künftig noch viel häufiger vorkommen. Ein seriöser außereuropäischer Dienst, der keine Uploadfilter gegen Terrorinhalte oder Urheberrechtsverletzungen installieren will, hat kaum eine andere Wahl, als den hiesigen Markt zu verlassen. Willkommen im rein europäischen Internet!

Es war wohl bloßer Zufall: Am 12. September 2018 hat das Europaparlament mittags für ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger und Uploadfilter gestimmt, am Morgen hatte die EU-Kommission ihre Pläne für eine gesetzliche Schnelllöschung von Terrorinhalten präsentiert. Zudem sollen alle Internetanbieter weltweit dazu verpflichtet werden können, Uploadfilter zu installieren, um das Hochladen von bereits gelöschten Inhalten zu verhindern.

Die Europäische Union ist damit dabei, im vorgeblichen Interesse von Sicherheit und Urheberrecht die Struktur des Internets stark zu verändern. Bisherige Mechanismen sollen immer stärker durch automatisierte Verfahren ersetzt werden, die jegliche Rechtsverstöße schon unterbinden, bevor sie überhaupt begangen werden können. Ein solches Vorgehen kann in manchen Bereichen sinnvoll sein, doch gerade im Urheberrecht erscheint dies völlig unverhältnismäßig. Dies alles führe dazu, "dass das Internet kaputtgefiltert wird", kommentierte der IT-Branchenverband Eco frustriert.

Die Gefahr ist aber nicht nur, dass die Filter nicht funktionieren und legale Inhalte zurückhalten, was vielfach als Zensur bezeichnet wird. Ganz zu schweigen von der Ausweitung auf politische Inhalte wie in Katalonien. Den Anbietern werden auch immer mehr technische und administrative Auflagen gemacht, die vor allem von kleinen Firmen kaum zu stemmen sein werden. So stellt die EU-Kommission in ihrem vorgelegten Entwurf ausdrücklich klar, dass es keine Ausnahmen für kleine oder kleinste Unternehmen geben soll. Betroffen ist im Grunde jede Website, die über eine Kommentarfunktion verfügt oder nutzergenerierte Inhalte ermöglicht. Kriminelle Anbieter stören sich daran ohnehin nicht, Filesharing-Dienste werden gar nicht davon erfasst.

Seriösen Anbietern von außerhalb der EU könnte daher keine andere Wahl bleiben, als europäische Nutzer mit Hilfe von Geoblocking prinzipiell auszuschließen. Immerhin drohen ihnen bei Verstößen happige Bußgelder in Höhe bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes. Und welcher kleine Anbieter kann schon sicherstellen, dass er rund um die Uhr die Löschanordnungen erfüllen kann? Schon die Benennung eines rechtlichen Vertreters in der EU könnte viele überfordern.

Nicht anders sieht es bei den Uploadfiltern für urheberrechtlich geschützte Inhalte aus. Die aktuellen Vorschläge machen die Plattformen direkt für Urheberrechtsverletzungen ihrer Nutzer verantwortlich. Die Anforderung, mit allen Rechteinhabern Lizenzverträge abzuschließen, ist völlig inpraktikabel. Zwar soll es hier Ausnahmen für Mikro-Unternehmen geben, doch schon ein mittleres Startup müsste vermutlich die Auflagen erfüllen. Das Resultat könnte sein: Uploadmöglichkeiten werden stark eingeschränkt oder deaktiviert, europäische Nutzer wieder ausgesperrt.

Das könnte selbst für Seiten gelten, die auch künftig ohne Lizenz auf Zeitungsartikel verlinken möchten. Da es hier praktisch keinerlei Ausnahmen gibt, ist jeder Internetanbieter vom Leistungsschutzrecht für Presseverleger betroffen. Auch hier droht ein Geoblocking, wenn ein Dienst europäische Verlage seinen Nutzern zugänglich machen will.

Sollte der Vorschlag des Europaparlaments beschlossen werden, droht eine massenhafte Auslistung von Medientexten in allen Suchmaschinen und Newsaggregatoren. Den Verlagen würde die Regelung eine Art "legales Kartell" erlauben, in dem sie ihre Angebote beispielsweise in einer eigenen Suchmaschine bündeln würden. Alle anderen Dienste müssten dann hohe Lizenzgebühren zahlen oder sämtliche Medien ausschließen, die Geld für die Verlinkung haben wollen. Welche Folgen dies alles haben wird, ist völlig unklar.

Auch hier dürften vermutlich die großen Verlage wie Axel Springer und die großen IT-Konzerne wie Google und Facebook am meisten davon profitieren, ganz gleich, wie die Debatte am Ende ausgehen wird. Eine einvernehmliche Lösung im Sinne von Nutzern und Anbietern scheint derzeit kaum möglich.

Einen kleinen Lichtblick hat es an diesem schwarzen Tag für das Internet aber dennoch gegeben. So wiesen die Zeitungsverleger darauf hin, dass die jahrelangen Debatten "zum Teil durch die massenhafte Verbreitung falscher Tatsachen begleitet wurden". Diese Selbsterkenntnis hätte man den Verbänden am Ende wirklich nicht mehr zugetraut.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)


Aus: "Netzpolitik: Willkommen im europäischen Filternet" Ein IMHO von Friedhelm Greis (12. September 2018)
Quelle: https://www.golem.de/news/netzpolitik-willkommen-im-europaeischen-filternet-1809-136538.html

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« Reply #49 on: September 18, 2018, 01:56:36 PM »
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[...] Mit dem gerade verabschiedeten Entwurf zur Änderung des Urheberrechts im EU-Parlament dürfen in Zukunft nur noch kürzeste Ausschnitte aus Nachrichtenartikeln oder Überschriften im Internet weiterverbreitet werden. Auch müssen große Plattformen Urheberrechtsverstöße künftig schon vor dem Hochladen ahnden. Eine Mehrheit der Abgeordneten stimmte am Mittwoch dafür. Die abgesegnete Version geht jetzt noch in den Trilog, wird also von Rat der EU, EU-Kommission und Parlament verhandelt. Im Frühjahr muss die Reform dann endgültig vom EU-Parlament verabschiedet werden.

Eine katastrophale Entwicklung, die völlig an der Zeit vorbeigeht: Menschen teilen millionenfach Links, sie laden Bilder und Videos hoch, basteln an Gifs und Memes. Diese Kultur regulieren zu wollen, konterkariert die Idee eines freien Internets.

Dabei war ein Update der Regelungen grundsätzlich richtig: Das derzeitige europäische Urheberrecht stammt noch aus dem Jahr 2001, damals gab es weder Google News noch Facebook noch Twitter noch YouTube. Veränderungen waren dringend notwendig, das ist klar.

Nur ist der verabschiedete Entwurf immer noch nicht besser als der schon im Juli zur Debatte gestellte. Trotz Überarbeitung liest er sich, als wäre er von Menschen geschrieben worden, die noch nie auch nur einen Browser geöffnet haben. Was da auf jeden, der im Netz unterwegs ist, zukommt, gefährdet nicht weniger als die freie Verteilung von Informationen.

Der Artikel 11 zum Leistungsschutzrecht sieht etwa vor, dass News-Aggregatoren wie Google nur noch einzelne Wörter von Artikeln aus Magazinen und Onlinemedien teilen dürfen. Bisher galt das Urheberrecht für gesamte Texte, nicht für einzelne Sätze oder Abschnitte. Kommt die Reform durch, könnte künftig schon das Teilen einer Überschrift abgestraft werden. Freies Teilen von Informationen und Nachrichten wird so zum Ratespiel: Wer schafft es, aus einer halben Überschrift auf den Inhalt eines Artikels zu schließen? Für Leserinnen und Leser von Nachrichtenseiten bringt das Leistungsschutzrecht somit absolut nichts. Es schränkt sie im Gegenteil weitreichend ein. Wenn eine Plattform keine Lizenzen an einem Artikel hat, könnte es sogar sein, dass schon die Linkvorschau auf Twitter oder bei WhatsApp nur noch einzelne Wörter enthalten darf.

Natürlich können private Nutzerinnen und Nutzer weiterhin Links verbreiten, heißt es fast schon großzügig in dem geänderten Entwurf. Doch was ist, wenn sie diese Links zum Beispiel auf ihrer Facebook-Seite teilen? Das soziale Netzwerk ist eine kommerzielle Plattform – müssen die Nutzerinnen dann dafür zahlen? Oder das Netzwerk? Und wie liegt der Fall, wenn sie auf ihrer privaten Internetseite eine Presseschau erstellen? Die schwammigen Formulierungen in dem verabschiedeten Entwurf machen einen Ausschluss jedweder Verantwortung unmöglich. Die Angst vor einer Abmahnung wird die Verbreitung von Links eindämmen. Und damit auch die Verbreitung von Nachrichten und Wissen.

Damit nicht genug. Auch Uploadfilter würden mit den Änderungen praktisch eingeführt. Sie fischen dann möglicherweise auch Bilder heraus, die gar keine Urheberrechtsverletzungen begehen – zum Beispiel Memes, Gifs oder andere Formen der Satire, die auf urheberrechtlich geschützten Werken beruhen. Dass Kritiker wie Bitkom-Präsident Achim Berg schon von Zensur sprechen, klingt übertrieben, ist aber berechtigt: De facto entscheiden künftig die Plattformen, auf denen Inhalte geteilt werden, was erlaubt ist und was nicht. Dadurch erhalten die Unternehmen wie schon beim in Deutschland geltenden Netzwerkdurchsetzungsgesetz zu viel Entscheidungsgewalt.

Wem bringt die Reform also überhaupt etwas? Befürworter sagen natürlich: den Urheberinnen und Urhebern. Aber tatsächlich dürften vor allem die Verlage profitieren. Wenn auf Google News nur der Titel eines Textes angezeigt würde, könnten sie dafür eine Lizenzgebühr verlangen. Die europäischen Verleger wollen dadurch einen Teil der Erlöse erhalten, die etwa Google News mit ihren Inhalten verdient. Auch wenn das schon in Deutschland nicht geklappt hat.

Für die Uploadfilter hat vor allem die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) fleißig geworben. Auch sie will Plattformen wie YouTube oder Wikipedia dazu bringen, kommerzielle Lizensierungen zu erwerben. Das schreibt die Public-Relations-Abteilung der Gesellschaft auch ganz offen. Aus Gema-Sicht soll mit den neuen Regelungen praktisch ein Rechtsbruch verhindert werden, ehe er begangen wurde: YouTube müsste ein Video etwa auf eine Urheberrechtsverletzung überprüfen, bevor sie überhaupt stattgefunden hat.

Dass etwa YouTube dafür Technologien einsetzen müsste, die Inhalte prüfen, das verschleiern die Befürworter gerne: Der Begriff Uploadfilter selbst sei ja nirgends im Entwurf zu finden. Aber wie sollen sich die 450 Stunden Videomaterial, die allein auf YouTube pro Minute hochgeladen werden, sonst auf Urheberrechtsverstöße automatisiert überprüfen lassen?

Dass die Urheberrechtsreform nun trotz all dieser unbeantworteten Fragen durchgekommen ist, verdankt sie der exzellenten Lobbyarbeit von einzelnen Interessenvertretern. Und Politikerinnen und Politikern, die sich offenbar viel zu oft von deren Positionen blenden lassen, anstatt mit denen zu sprechen, die die Reform wirklich betrifft: uns Internetnutzer.


Aus: "Urheberrechtsreform: Diese Überschrift dürfen Sie künftig nicht mehr zitieren" Ein Kommentar von Lisa Hegemann (12. September 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/digital/internet/2018-09/urheberrechtsreform-eu-parlament-abstimmung-uploadfilter-leistungsschutzrecht-lobbyismus