Pages: 1 [2]   Go Down

Author Topic: [Blindwütig angreifen und töten... (Amok Notizen)]  (Read 14162 times)

0 Members and 1 Guest are viewing this topic.

Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Posts: 8498
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Ermittler fanden in seinem Zimmer Dokumente... ]
« Reply #15 on: September 18, 2009, 10:38:06 AM »

Quote
[...] Ansbach (dpa) - Nach dem Amoklauf in Ansbach schwebt eine verletzte Schülerin noch immer in Lebensgefahr. Der 18 Jahre alte Abiturient hatte den Anschlag an seinem Gymnasium möglicherweise seit längerem geplant. Ermittler fanden in seinem Zimmer Dokumente, die eine bevorstehende «Apokalypse» ankündigten, so der Bayerische Rundfunk. ...


Aus: "Opfer des Amokläufers weiter in Lebensgefahr" dpa (18.9.2009)
Quelle: http://www.zeit.de/newsticker/2009/9/18/iptc-hfk-20090918-41-22428396xml


-.-

Quote
[...] Mit einer Axt, zwei Messern und drei Molotow-Cocktails bewaffnet betritt er seine Schule, stürmt die Treppen hinauf in den dritten Stock. In eine neunte und eine elfte Klasse wirft er je einen Brandsatz, doch nur der letzte zündet. Die Schüler rennen aus den Zimmern, Georg R. wartet mit der Axt. Er trifft ein Mädchen mit einem Hieb auf den Kopf. Stundenlang schwebt sie in Lebensgefahr. Sieben Mitschüler und ein Lehrer ziehen sich schwere Verbrennungen zu.

Was ist in Georg R. vorgegangen? Warum wollte er töten?

"Was ihn letztendlich bewegt hat auszurasten, das wissen wir schlicht und einfach noch nicht", sagt Generalstaatsanwalt Klaus Hubmann. Georg R. sei nicht auffällig gewesen, keine Vorstrafen, nichts. Ratlos sind auch jene Schüler des Carolinums, die ihn kennen. Ein Einzelgänger sei er, ohne Freunde. Einer, mit dem niemand etwas zu tun haben wollte, heißt es.

In den Schulpausen und auf Klassenfahrten habe er meist abseits gestanden, berichtet der 19-jährige Tobias, der Georg R. von früher kennt, SPIEGEL ONLINE. Offenbar aber hatte dieser ein ganz anderes Bild von sich selbst: "Der wollte immer alles bestimmen, immer der Anführer sein - aber Freunde hatte der keine."

R. war in psychotherapeutischer Behandlung, skizzierte Endzeitszenarien

Auch R.s jüngere Schwester besucht das Carolinum. Die 17-Jährige ist in der elften Jahrgangsstufe. Über ihren Aufenthaltsort zur Tatzeit wollen die Behörden am Donnerstag keine Auskunft geben. R.s andere, zwei Jahre ältere Schwester hat früher ebenfalls das "Caro" besucht, wie sie das Gymnasium in Ansbach nennen.

Aus welchen Verhältnissen stammt R.? Die Eltern leben getrennt, der Vater hat ein Künstleratelier, malt Aquarelle. Es ist ein unscheinbares Einfamilienhaus direkt an einer der Einfallstraßen in die mittelfränkische Bezirkshauptstadt, an der Türklingel stehen auch die Namen von Georg und seinen beiden Schwestern. R. allerdings habe hauptsächlich bei seiner Mutter gelebt, sagen Mitschüler.

Der "Bayerische Rundfunk" berichtet, dass sich R. schon seit längerem in psychotherapeutischer Behandlung befinde. Im Zimmer des Täters hätten die Ermittler Briefe gefunden, in denen von einer bevorstehenden "Apokalypse" die Rede sei. Eine Polizeisprecherin sagte, bei der Durchsuchung von R.s Zimmer seien Schriftstücke gefunden worden, "die auf eine geplante Tat schließen lassen". Laptop und PC des Schülers seien sichergestellt worden.

"Zurückweisungen und persönliche Krisen"

Schulleiter Franz Stark steht am frühen Nachmittag ratlos am Rande einer eilig einberufenen Pressekonferenz im Landgericht, ein paar hundert Meter von seinem Carolinum entfernt. Es ist eine kleine Schulgemeinde, nur rund 650 Schüler besuchen das zweitälteste staatliche Gymnasium Bayerns. Natürlich kennt der Schulleiter jeden. Ob Georg R. irgendwie auffällig gewesen sei? Der Direktor schüttelt den Kopf. Ein Journalist fragt nach: Heißt dies, dass er nicht auffällig sei oder dass Stark nichts sagen wolle? "Ich sage dazu nichts."

So bleiben nur Mutmaßungen und Spekulationen. Amokläufer würden häufig von einer "Mischung aus kalter Wut und Verzweiflung" getrieben, sagt der Kriminalpsychologe Jens Hoffmann: "Wir sehen in solchen Fällen immer wieder Zurückweisungen von Mädchen und persönliche Krisen."

Derweil hofft der Kriminologe Christian Pfeiffer, dass die Vernehmung des Jungen Aufschluss über die Motive von Amokläufern gibt: "Das ist der erste überlebende Amokläufer, an den ich mich überhaupt erinnern kann", sagte er dem TV-Sender "n-tv". Georg R. habe die Chance, "uns Auskunft zu geben, was in ihm vorgegangen ist".

Schüsse der Polizei stoppten den Amoklauf

Inwieweit er das Geschehen erklären kann, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass das schnelle Eingreifen der Polizei am Donnerstagmorgen Schlimmeres verhindert.

Ein Jahrgangskamerad von Georg R. setzt um 8.35 Uhr über das Handy einen Notruf ab, zwei andere Schüler laufen ins Direktorat, alarmieren Schulleitung und Polizei. Es wird Feueralarm ausgelöst.

Statt sich vor dem Amokläufer in den Klassenzimmern zu verbarrikadieren, strömen die Schüler auf die Flure. Es droht ein Amoklauf wie im schwäbischen Winnenden vor sechs Monaten. Zu diesem Zeitpunkt hat Georg R. noch einen letzten seiner insgesamt drei Molotow-Cocktails dabei - zwei hat er bereits in Klassenräume geworfen. Doch es geschieht, was Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) später als "wirklich mehr als vorbildlich" loben wird: Zwei Polizisten sind nach dem Notruf binnen Minuten am Tatort, finden Georg R. im dritten Stock vor den Toilettenräumen.

Er will nicht aufgeben, richtet seine Waffen gegen die Beamten.

Die Polizisten greifen zur Maschinenpistole. Um 8.46 Uhr liegt der Täter am Boden, getroffen und schwer verletzt von fünf Kugeln. "Nur elf Minuten hat das gedauert", sagt Generalstaatsanwalt Hubmann später, man möge "sich nicht ausmalen, was geschehen wäre, wenn es länger gedauert hätte".

Mit Material von dpa und AP


Aus: "Bluttat an Gymnasium - Ansbach rätselt über die Motive des Amokläufers" (17.09.2009)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,649757,00.html

-.-

Quote
[...] Chronologie des Amoklaufs von Ansbach

Am 17. September 2009 wird das fränkische Ansbach von einem Amoklauf am Carolinum Gymnasium erschüttert. Neun Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Nur elf Minuten nach dem Notruf aus der Schule hat die Polizei in Ansbach am Donnerstag den 18-jährigen Amokläufer festgenommen. Zuvor hatte dieser acht Mitschüler und einen Lehrer verletzt. Hier der Ablauf der Tat nach Darstellung der Polizei:

Kurz nach 08.30 Uhr: Der 18-jährige Täter aus der 13. Klasse betritt mit einer Axt, mehreren Messern sowie Molotow-Cocktails das Gymnasium Carolinum in Ansbach. In einer elften Klasse zündet er einen Molotow-Cocktail und geht mit der Axt auf Schülerinnen los. Einen weiteren Brandsatz schleudert er in das schräg gegenüber liegende Zimmer der neunten Klasse, dieser zündet aber nicht.

08.35 Uhr: Ein anderer Schüler der 13. Klasse - ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr - löst Feueralarm aus und ruft die Polizei. Er löscht selbst das Feuer in einem Klassenzimmer.

08.43 Uhr: Die erste Polizeistreife trifft in dem Gymnasium ein, registriert im Treppenhaus Brandgeruch und stellt den Täter im Toilettenbereich. Der 18-Jährige will sich nicht ergeben, die Polizisten machen ihn mit fünf Schüssen unschädlich.

08.46 Uhr: Festnahme des angeschossenen Täters. Lehrer bringen verletzte Schüler aus der Schule. Die benachbarte Agentur für Arbeit bietet allen Angehörigen der Schule sofort Zuflucht. Die Schule wird abgesperrt, Spezialeinheiten der Polizei durchsuchen noch stundenlang das Gebäude.

Kurz nach 09.00 Uhr: Der Student Julius Kramer informiert offenbar als erster über den Kurznachrichtendienst Twitter über den Amoklauf. Ein Freund vor Ort hatte ihn informiert.

Im weiteren Verlauf des Vormittags: Kriseninterventionsteams, Psychologen und Seelsorger betreuen Schüler und Eltern in den Räumen der Arbeitsagentur. Die Schwerverletzten werden operiert, eines der Opfer ist am Nachmittag noch in Lebensgefahr. Der Täter ist nach seiner Operation zunächst nicht ansprechbar.


Aus: "Chronologie des Amoklaufs von Ansbach" (09/2009)
Quelle: http://www.rp-online.de/public/bildershowinline/aktuelles/panorama/deutschland/48294

-.-

Quote
[...] Georg R. befand sich in psychotherapeutischer Behandlung bei einem Psychologen, der in Ansbach praktiziert. Den angehenden Abiturienten plagten wohl Konzentrations- und Wahrnehmungsstörungen. Zudem gehen die Ermittler Hinweisen nach, dass er in den Tagen vor der Tat Medikamente eingenommen habe.

[...] Um die Warnsignale zu erkennen, die es vor jedem Amoklauf gebe, müssten Lehrer geschult und mit Polizei und Psychologen vernetzt werden. Oft würden die Warnsignale nicht ernst genommen oder es sei nicht klar, an wen man sie weitergeben solle.

Der Bielefelder Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer warnt hingegen davor, eine Liste mit Risikofaktoren aufzustellen: "Die Folgekosten für das soziale Zusammenleben sind immens." Alle Amokläufer litten unter Anerkennungsverlusten, deshalb müsste sich an den Schulen "eine neue Anerkennungskultur entwickeln".

Es dürfe nicht nur auf die Leistungen in Mathematik oder Deutsch ankommen, es müssten auch andere Präsentationsmöglichkeiten gegeben sein. Die Schule solle die Persönlichkeitsentwicklung fördern, nicht zerstören. "Gewaltexplosionen finden wir vor allem an weiterführenden Schulen", sagt Heitmeyer, hinter diesem Phänomen stecke vermutlich ein strukturelles Problem.


Aus: "Ermittler finden Gedichte, Gewaltvideos und ein Testament" (19.09.2009)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,650036,00.html



« Last Edit: September 19, 2009, 03:46:55 PM by Textaris(txt*bot) »
Logged

Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Posts: 8498
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Auf dem Laptop des 18-Jährigen fanden die Ermittler... ]
« Reply #16 on: September 22, 2009, 11:00:15 AM »

Quote
[...]
Quote
Schreiben der Familie

Beim Gedenkgottesdienst anlässlich des Amoklaufs ist ein Schreiben der Familie des 18 Jahre alten Täters verlesen worden. Darin äußern sich die Eltern des Amokläufers erstmals zu der Tat, bei der am Donnerstag neun Schüler und ein Lehrer verletzt worden waren, darunter zwei Mädchen schwer. Der Brief im Wortlaut:

"Liebe Schülerinnen, liebe Schüler, sehr geehrter Herr Direktor Stark, sehr geehrtes Lehrerkollegium, sehr geehrte Anwesende, es ist unmöglich, in Tagen wie diesen einen klaren Gedanken zu fassen, seine Gefühle zu beschreiben, die richtigen Worte zu finden. Gerade deswegen ist es uns, den Eltern, den Schwestern und unseren Familien ein großes Bedürfnis, uns mit diesen Worten persönlich an Euch zu wenden. Wir sind fassungslos und entsetzt über das Geschehene und das unvorstellbare Leid, das Ihr erfahren habt beziehungsweise Sie erfahren haben. Dies bedauern wir aus tiefstem Herzen. Unsere Gedanken sind bei allen Verletzten und Betroffenen, ganz besonders jedoch bei Mareike und Annika mit ihren Familien. Wir fühlen in diesen Tagen mit ihnen.  Diese Gelegenheit möchten wir auch nutzen, uns bei allen Beteiligten für ihr schnelles, besonnenes und couragiertes Verhalten an diesem Tag herzlichst zu bedanken. Unser Dank gilt vor allem Herrn Direktor Stark mit dem gesamten Lehrerkollegium, den Schülerinnen und Schülern sowie der Polizei und allen Rettungskräften. Die nicht selbstverständliche und liebevolle Unterstützung, die wir in den letzten Tagen von vielen erfahren haben, hat uns sehr gut getan und uns geholfen. Wir hoffen und wünschen, dass es ihnen und ihren Angehörigen gelingt, diese schwere Zeit gemeinsam zu bewältigen."


[...] Der 18-Jährige, der von Polizeibeamten angeschossen worden war und daraufhin in ein künstliches Koma versetzt wurde, war am Montag zunächst noch nicht vollständig wieder erwacht. Der Haftbefehl gegen ihn konnte noch nicht eröffnet werden, weil er "noch nicht ausreichend orientiert" gewesen sei, sagte Lehnberger.

Auf dem beschlagnahmten Laptop des 18-Jährigen fanden die Ermittler demnach mehr als 80 Seiten Texte, die "deutliche Hinweise auf die Tat und die Gedanken des Täters" liefern. Experten gelang es, die gelöschten Dokumente zu rekonstruieren. Daraus gehe hervor, das der Täter aus "Hass gegen die Menschheit im Allgemeinen und gegen die Institution Schule" handelte, sagte Lehnberger vor Journalisten in Ansbach. Bei der Tat habe er eigens ein T-Shirt mit der Aufschrift "made in school" getragen und sich damit als Produkt der Schule verstanden.

Aus den Texten des 18-Jährigen, die laut Staatsanwaltschaft alle an eine "fiktive Ansprechpartnerin" gerichtet waren, geht zudem weiter hervor, dass er sich ungerecht behandelt, ausgegrenzt und nicht anerkannt fühlt. Zudem habe er die Angst geäußert zu erkranken, sein Abitur nicht zu bestehen und keine Zukunft zu haben. Laut Lehnberger erwähnte er auch ein Erlebnis in der sechsten Klasse, als er in einem Bus verprügelt worden sei und keiner geholfen habe.

Der 18-Jährige "wollte nicht mehr leben", sagte Lehnberger. Er habe damit gerechnet, von der Polizei getötet zu werden. Ein jugendpsychiatrischer Gutachter solle seine Schuldfähigkeit untersuchen. Der Täter hatte am Donnerstag in Ansbach mit Axt und Molotow-Cocktails bewaffnet neun Schüler und einen Lehrer zum Teil lebensgefährlich verletzt. Der Gesundheitszustand von zwei schwerverletzten Mädchen hat sich stabilisiert, sie sind außer Lebensgefahr. Mehr als 60 Zeugen wurden bislang zu dem Amoklauf vernommen, so dass die Ermittler den genauen Tathergang rekonstruieren konnten. Hinweise auf einen Mittäter gebe es nicht.

Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte der 18-Jährige bereits Anfang April in den gefundenen Schriftstücken erste Andeutungen zu der Tat gemacht und im Mai und Juni konkrete Pläne ausgearbeitet, bis hin zur Bewaffnung, der Tatzeit und zur Etage des Schulgebäudes. Sein Ziel sei es gewesen, möglichst viele Schüler zu töten. Den Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium mit 16 Todesopfern 2002 habe er als "eine Möglichkeit" benannt, die ihn vielleicht beeinflusst haben könnte, sagte der zuständige Staatsanwalt Jürgen Krach. Gewalt- oder Killerspiele seien bislang nicht gefunden worden.

...


Aus: "Bluttat von Ansbach - Amokläufer handelte aus Menschenhass" (Ansbach (RPO), 21.09.2009)
Quelle: http://www.rp-online.de/public/article/panorama/deutschland/760571/Amoklaeufer-handelte-aus-Menschenhass.html

Logged

Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Posts: 8498
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Nach einem Streit... ]
« Reply #17 on: January 20, 2010, 10:52:22 AM »

Quote
[...] Laut "Washington Post" hat der Schütze in seinem Haus nach einem Streit zunächst seine Ehefrau und den Sohn erschossen. Auch Kreissprecher Samuel E. Carter ging dem Blatt zufolge von einer Familientragödie aus. Bisher hätten keine Beschwerden aus oder über die Familie vorgelegen. Es seien "gute Bürger", die bisher in keiner Weise auffällig geworden seien. Die Polizei wollte sich zunächst nicht zu einem Motiv für die Tat äußern.

...


Aus: "Virginia - Bewaffneter erschießt mindestens acht Menschen" (20.01.2010)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,672894,00.html

Logged

Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Posts: 8498
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Blindwütig angreifen und töten... (Amok Notizen)]
« Reply #18 on: November 06, 2017, 10:13:39 AM »

Quote
[...] 1930 hatte André Breton schon formuliert: "Die einfachste surrealistische Tat besteht darin, mit Revolvern in den Fäusten auf die Straße zu gehen und blindlings, solange man kann, in die Menge zu schießen."

Die amerikanischen Medien sprechen von einem "Gunman", nicht von einem Terroristen, der mittags in eine Kirche in Sutherland Springs eingedrungen war und mindestens 27 Menschen tötete, darunter Kinder und eine schwangere Frau. Er wurde nach einer kurzen Jagd erschossen, was vermutlich auch der Sinn der Aktion war. Die Polizei wird damit zum Partner der Selbstmordattentäter. Allerdings ist noch unklar, ob er sich nicht selbst umgebracht hat.

27 Tote und ebenso viele Verletzte sind weit unter dem Rekord, den im Oktober ein anderer Amerikaner mit der Tötung von 58 Menschen und der Verletzung von mehr als 500 erzielt hat. Zynisch gesprochen, hat der Glücksspieler damit die Latte hoch gesetzt, aber vermutlich einen Rekord gesetzt, der andere Selbstmordattentäter, die einen finalen Aufmerksamkeitscoup landen wollen, anspornen dürfte. Allerdings ist in einem Dorf mit wenigen hunderten Einwohnern die Verlustrate hoch. Und einen Rekord hat er doch eingestellt: "worst shooting at a place of worship in American history". Ranking ist alles, auch wenn es um den Tod geht.

... Devin P. Kelley soll der Täter sein, er kam nicht aus dem Dorf. Die Motive sind wie beim Massenkiller in Las Vegas unklar. Die Vermutung liegt nahe, dass die Motive, mit einem finalen und blutigen Aufmerksamkeitsspektakel aus dem Leben zu gehen, etwas mit dem amerikanischen Lebensstil zu tun. Dann würden auch Verschärfungen der Waffengesetze wenig bewirken. Aber an die Ursachenforschung wollen werden demokratische noch republikanische Abgeordnete hin.

...


Aus: "Die Attraktivität der surrealistischen Tat, wahllos zu töten" Florian Rötzer (06. November 2017)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Die-Attraktivitaet-der-surrealistischen-Tat-wahllos-zu-toeten-3879565.html
Logged
Pages: 1 [2]   Go Up