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Author Topic: [Film, Zensur und Tabu... (Notizen)]  (Read 24453 times)

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[Dietrich kam auf den Gedanken... ]
« Reply #15 on: September 13, 2009, 05:04:01 PM »

Quote
[...] 

Anekdoten:

    * Die berühmte Szene, in der Marlene Dietrich als Mann gekleidet eine andere Frau küsst, wurde auf Vorschlag der Schauspielerin selbst ins Drehbuch geschrieben. Diese weckte den Groll US-amerikanischer Zensoren, und nur dem Einfallsreichtum der Hauptdarstellerin ist es zu verdanken, dass die Kussszene nicht der Schere zum Opfer fiel. Dietrich kam auf den Gedanken, eine Blume der geküssten Frau anzunehmen, die sie dann Gary Cooper überreichte. Sie appellierte an die Zensoren, wenn man den Filmkuss entferne, würde die Blume in Dietrichs Hand keinen Sinn mehr haben. Tatsächlich hatte sie mit dieser Argumentation Erfolg.

...


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Marokko_(Film) (14. August 2009)

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[Das B-Movie wurde unter Gewaltandrohung daran gehindert... ]
« Reply #16 on: November 04, 2009, 10:37:11 AM »

Quote
Über uns

Das "B-Movie, Kulturinitiative auf St. Pauli e.V." ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein. Die Vereinsmitglieder sind gleichzeitig KinobetreiberInnen, OrganisatorInnen, ProgrammplanerInnen, VorführerInnen, Tresenkräfte und Ausführende aller anderen, im Kino anfallenden Arbeiten. Dabei arbeiten alle Mitglieder ehrenamtlich und mit einem hohen persönlichen und zeitlichen Aufwand.

Das B-Movie bildet seit 1987 einen festen Bestandteil im kulturellen Angebot des Hamburger Stadtteils St. Pauli und bietet ein abwechslungsreiches, innovatives und vor allem einmaliges Kinoangebot. Jeden Monat wird eine thematische Filmreihe präsentiert, die entweder das filmische Schaffen einer cineastisch relevanten Persönlichkeit vorstellt oder sich mit einem bestimmten künstlerischen, politischen, sozialen oder kulturellen Thema auseinander setzt.

Hinzu kommen regelmäßig stattfindende Veranstaltungen, die aus dem Verein heraus oder in Zusammenarbeit mit anderen Hamburger Initiativen und Institutionen aus dem Filmbereich entstehen, dazu gehören das Gehörlosenkino, die DIEnstagsDOKU und das DienstagsKino der KurzFilmagentur und das Open Air Kino auf dem Stintfang. Auch finden zahlreiche Einzelveranstaltungen vereinsexterner Gruppen statt. Darunter als prominenteste die Hörbar, welche sich als "Treffpunkt für ProduzentInnen und KonsumentInnen experimenteller Musik" wöchentlich im B-Movie trifft und monatlich ein Konzert im Kinosaal veranstaltet. Die Veranstaltungen werden dabei häufig mit einer Filmvorführung verbunden. Zudem kann man das B-Movie auch für private Veranstaltungen mieten.

Außerdem hat sich das Kino als Festivalkino etabliert. So finden jedes Jahr das Internationale KurzFilmFestival Hamburg, das Japan Filmfestival und die Lesbisch-Schwulen Filmtage zum Teil im B-Movie statt.

Daneben zeichnet sich das Kino durch seinen sozial verträglichen Eintrittspreis von 3,50 Euro aus (das einmal im Monat stattfindende DienstagsKino der KurzFilmAgentur ist sogar kostenlos). Seit März 2008 kann man auch eine Jahreskarte zum Preis von 50 Euro bei uns im Kino erwerben.
   

Quelle: http://www.b-movie.de/info/info_selbst.php3 (Stand 11/2009)


-.-

Quote
[...]  Das Kino auf St. Pauli
ohne Werbung,
im Hinterhof
und in Stereo!

...


Verbotsfilme aus der DDR

Die bereits im Oktober begonnene Reihe setzen wir mit sechs weiteren verbotenen und gegenwartskritischen Filmen fort. Protagonisten aller Filme sind Randgruppen und Außenseiter der Gesellschaft, die es in der DDR offiziell aber nicht gegeben hat und die deshalb auch nicht porträtiert werden durften. Einige mutige Regisseure haben sich dennoch dieses Sujets angenommen und erstklassige sowie sehr seltene Zeitdokumente der DDR der 80er Jahre geschaffen.

...

------------------


Was war heute Mittag hier los?

Stellungnahme zu Sonntag, den 25.10.09

Das B-Movie wurde unter Gewaltandrohung daran gehindert, den Film "Warum Israel" von Claude Lanzmann zu zeigen. "Warum Israel" sollte im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung in Kooperation mit Kritikmaximierung Hamburg um 15 Uhr in unserem Kino aufgeführt werden. Personen aus dem Spektrum des internationalen Zentrums B5 hatten den Zugang zum B-Movie versperrt.
Trotz mehrmaliger Kommunikationsversuche wurde uns unmissverständlich klar gemacht, dass die Veranstaltung auf keinen Fall zugelassen werde. Um eine gewalttätige Auseinandersetzung zu verhindern, sahen wir uns gezwungen, die Veranstaltung abzusagen und auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

Einen derartigen Eingriff in unsere Programmgestaltung lehnen wir prinzipiell ab.

Eine ausführliche Stellungnahme folgt.



Quelle: http://www.b-movie.de/ (Stand 04.11.2009)

-.-

Quote
[...] Stellungnahme zu den Vorfällen am 25.10.2009

Das B-Movie wurde am 25.10.2009 daran gehindert, den Film "Warum
Israel" von Claude Lanzmann zu zeigen. "Warum Israel" sollte im Rahmen
einer Diskussionsveranstaltung in Kooperation mit Kritikmaximierung
Hamburg um 15 Uhr in unserem Kino aufgeführt werden. Personen aus dem
Spektrum des benachbarten internationalen Zentrums B5 hatten den
Zugang zum B-Movie abgesperrt. In einer Agitprop-Vorstellung wurde ein
"israelischer Checkpoint" errichtet. Die dargestellten israelischen
Soldaten waren mit selbstgeschnitzten Holzgewehren ausgerüstet. Andere
an der Blockade beteiligte Personen waren mit Fahrradschlössern und
Schlaghandschuhen bewaffnet. Bei mehrfachen Gesprächsversuchen wurde
uns unter Gewaltandrohung deutlich gemacht, dass die Veranstaltung auf
keinen Fall zugelassen werde. Um eine Eskalation zu verhindern, sahen
wir uns gezwungen, die Veranstaltung abzusagen. Dennoch kam es zu
nicht tolerierbaren Beschimpfungen und mindestens drei unserer Gäste
wurden durch Faustschläge ins Gesicht verletzt.

Bereits im Vorfeld wurden wir von Vertretern der B5 besucht, die sich
gegen die Veranstaltung aussprachen, da sie sich als unsere Nachbarn
durch den Film und unsere Gäste gestört fühlen würden. Unser Angebot,
sich die Filmvorführung anzuschauen und an der Diskussion
teilzunehmen, wurde abgelehnt. Wie sich dabei herausstellte, hatten
weder die Vertreter noch die restlichen Kritiker aus der B5 den Film
überhaupt gesehen.

Das B-Movie ist ein selbstverwaltetes und unkommerzielles Kino. Wir
zeigen die Filme, die wir zeigen wollen und machen Veranstaltungen mit
unterschiedlichen Partnern. Dabei sind wir offen für viele Meinungen
und Überzeugungen, für Diskussion, Kritik oder auch Streit. Aber nicht
für Gewalt.

Die Veranstaltung "Warum Israel" ist in Absprache mit
Kritikmaximierung Hamburg auf Sonntag, den 13.12.09 um 16:00 Uhr
verlegt worden.

Wir appellieren an alle, einen gewaltfreien Ablauf der Aufführung und
der anschließenden Diskussion zu ermöglichen.

...


Aus: "Stellungnahme zu den Vorfällen am 25.10.2009"
Email: B-Movie Programm im November

-.-


Nachtrag:

Regisseur Lanzmann "schockiert" über Krawalle bei Israel-Film
Von Sebastian Hammelehle (19.11.2009)
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,661980,00.html

-.-


Quote
[...] Eine Filmaufführung zu verhindern, Bilder zu verbieten, war eine bewährte Methode der Nationalsozialisten.


"Israel-Film blockiert - Antifas als Antisemiten" Christiane Peitz (22.11.2009)
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 22.11.2009)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/kultur/Claude-Lanzmann;art772,2956204

« Last Edit: November 23, 2009, 10:06:48 AM by Textaris(txt*bot) »
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[Der Untertan... (Notizen)]
« Reply #17 on: November 07, 2009, 11:30:34 AM »

Quote
[...] Der Untertan ist ein Roman von Heinrich Mann. Das Manuskript wurde zwei Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 abgeschlossen. Der Roman erschien aber erst 1918 und provozierte nach seiner Veröffentlichung heftige Kontroversen.

... In der ganzen Welt erhielt der Film hohe Anerkennung. Lediglich in der Bundesrepublik Deutschland wurde er für 6 Jahre verboten, da man den Film als Angriff auf die Bundesrepublik betrachtete, in der viele Ansätze eines erneuten Untertanenstaates sahen. Der „Interministerielle Filmausschuss“, die für die Filmeinfuhr hauptverantwortliche Stelle, untersagte die Veröffentlichung aufgrund § 93 des StGB, der Herstellung von verfassungsfeindlichen Publikationen verbot. 1956 kam es dennoch zu einer einmaligen Aufführung in Westberlin. Eine Prüfung durch das bundesdeutsche Wirtschaftsministerium ergab schließlich, dass bei dem Film augenscheinlich kein Verstoß gegen geltende Gesetze vorlag und man gab ihn frei. Dennoch wurde er im Januar 1957 erneut durch die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) verboten. Nach einer Kürzung von 11 Minuten erfolgte dann die endgültige Freigabe im Februar 1957. Allerdings wurde auch jetzt noch dem Film ein Text vorangestellt, der den dargestellten Fall ausdrücklich als Einzelbeispiel kennzeichnete.

...


    Aus: Der Untertan (Film)
    * Herausgeber: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
    * Autor(en): Wikipedia-Autoren, siehe Versionsgeschichte
    * Datum der letzten Bearbeitung: 14. August 2009, 14:17 UTC
    * Versions-ID der Seite: 63375259
    * Permanentlink: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Der_Untertan_(Film)&oldid=63375259
    * Datum des Abrufs: 7. November 2009, 10:29 UTC

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[Schroff ist ein Riff, und schnell geht ein Schiff zugrunde... ]
« Reply #18 on: December 02, 2009, 08:46:13 AM »

Quote
[...] Obwohl Käutner nicht zum Widerstand gehörte, hat er sich während der Nazizeit eine gewisse Unabhängigkeit in seinem Schaffen bewahren können. Er drehte mit Kitty und die Weltkonferenz einen Film, der von der Zensur als probritisch verboten wurde. Mit Große Freiheit Nr. 7 (vgl. Hamburg-Hymne) und Unter den Brücken schuf er zwei Filme, die in ihrer Betonung des Individuellen stark dem Weltbild der Nazis widersprachen. Mit Kleider machen Leute veralberte er insgeheim den Uniformenwahn der Zeit. In dieser Zeit entstand auch Romanze in Moll.

1954 feierte er mit dem Antikriegsfilm Die letzte Brücke einen großen Erfolg.

...


Aus: „Helmut Käutner“ Bearbeitungsstand: 27. Oktober 2009, 22:28 UTC.
(Abgerufen: 2. Dezember 2009, 07:44 UTC)
URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Helmut_K%C3%A4utner&oldid=66099008

-.-

Quote

Quote
... Helmut Käutners Film "Große Freiheit Nr. 7", der von 1943 bis 1944 gedreht wurde, kam erst nach dem Krieg in Westdeutschland in die Kinos. Es war der erste große Leinwanderfolg der Nachkriegszeit, Hans Albers' Titelsong "La Paloma" war in allen Rundfunksendern zu hören.

[1944:]

[...] Käutner und Albers stehen unter ständiger Beobachtung des Propagandaministeriums, weil sie schon etliche Male durch mangelnde Linientreue aufgefallen waren. Seinen Filmtitel "Große Freiheit" konnte Käutner 1943 nur retten, indem er zur Tarnung seiner Absichten die Hausnummer 7 anhängte. Ursprünglich sollte der St.-Pauli-Streifen dem deutschen Volkslied ein Denkmal setzen - so Goebbels’ ausdrücklicher Wunsch. Und so gab Regissuer Käutner dem Minister zwar "Muss i denn", aber das war auch schon das Ende der Konzessionen. Sein Text für "La Paloma" war eine Kampfansage an jeden Zensoren.

Ein Schlager als Kampansage gegen die Nazis

Den von Hans Albers gespielten Hannes lässt er singen:
"Einmal muß es vorbei sein." Und: "Dann winkt mir der Großen Freiheit Glück".

Und ähnlich subversiv geht es weiter:
"Jetzt heißt es auf Gott vertraun.
Seemann gib acht, dann strahlt auch als Gruß des Friedens,
hell in der Nacht das leuchtende Kreuz des Südens.
Schroff ist ein Riff, und schnell geht ein Schiff zugrunde,
früh oder spät schlägt jedem von uns die Stunde."

[...] In den Kriegsjahren 43/44 von Frieden zu singen und auf Gott statt auf den "Führer" zu vertrauen war schon ein starkes Stück. Dann auch noch anzufügen, wie schnell ein Schiff zugrunde geht, ein Szenario, von dem Admiral Dönitz mit seiner Flotte im Nordatlantik ebenfalls ein Lied hätte singen können, das war kaum zu überbieten. Es sei denn, man gibt Hans Albers im Jahr des Falls von Stalingrad einen Text zum Einstudieren, in dem es heißt: "Früh oder spät schlägt jedem von uns die Stunde." Eine gezielte Provokation.

So verwundert es nicht, dass Goebbels seinen Großadmiral Dönitz zur Vorbesichtigung schickte, als die "Große Freiheit Nr. 7" in Prag im Dezember 1944 erstmals vorgeführt wurde - die Dreharbeiten waren aus dem zerbombten Berlin und Hamburg dorthin verlegt worden. Der Großadmiral reagierte erwartungsgemäß entsetzt auf das, was er über die Leinwand flimmern sah. Von "dauernd besoffenen Matrosen" berichtete er Goebbels am Telefon und von einem "wehrkraftzersetzenden Machwerk". Goebbels, Herrscher über die Ufa, entschied, dass die "Große Freiheit Nr. 7" zwar am 15. Dezember in Prag uraufgeführt werden dürfe, aber nicht im Deutschen Reich. Für Berlin ordnete er eine geschnittene Fassung an. Im März 1945 befahl er schließlich, den Film nicht für die Kinos freizugeben. Da blieben ihm gerade mal noch zwei Monate der Kulturherrschaft über Deutschland.

...


Aus: "Subversiver Schlager - Hit gegen Hitler" Rüdiger Bloemeke  (1.12.2009)
Quelle: http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/5583/hit_gegen_hitler.html

« Last Edit: December 02, 2009, 08:48:03 AM by Textaris(txt*bot) »
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[Von Zombies und Zensoren... ]
« Reply #19 on: December 10, 2009, 01:23:38 PM »

Quote
[...] Lebende Tote wühlen in den Eingeweiden ihrer Opfer, fressen Menschen bei lebendigen Leib auf. Vernichtet werden konnten die Ungeheuer nur, wenn man ihnen den Kopf wegschoss. „Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kehren die Toten auf die Erde zurück.“ Auf diese griffige Formel brachte es der Werbespruch des Films „Zombie“ (1978) von George A. Romero, der nicht nur das Publikum schockte, sondern auch Jugendschützer auf den Plan rief.

Fraglos: So explizit brutal wurde selten auf der Leinwand gemordet. War das das Ende des Darstellbaren? Der Untergang des Abendlandes gar? Dieses düstere Szenario zumindest malten nicht wenige Jugendschützer an die Wand. Und auch die Boulevardmedien empörten sich, vermuteten oftmals einen direkten Zusammenhang zwischen Gewalttaten und Horrorfilmkonsum. In der Folge erschien der Film nicht nur in ständig veränderten Schnittfassungen, egal ob auf Video, Super-8 oder DVD, sondern wurde von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien immer wieder beschlagnahmt. Die Folge: Bis heute ist es in Deutschland nahezu unmöglich, den Film in seiner ursprünglichen Fassung zu erleben. Fans und Cineasten müssen dafür entweder in Ausland fahren – in den Niederlanden ist der Film ab 16 Jahren freigegeben – oder im Internet forschen.

Dabei stimmen Filmwissenschaftler und Kritiker längst darüber ein, dass „Zombie“ kein übles Machwerk, sondern im Gegenteil ein intelligenter und verstörender Beitrag zu gesellschaftlichen Themen wie Konsumterror und Kapitalismus. Und selbst der katholische „Filmdienst“, der noch 1979 vom Besuch abriet, bezeichnete den Film 1997 als „perfekt inszeniert“ und als „raffinierte Publikumslenkung“.

Und die Geschichte wiederholt sich. Denn George A. Romeros 1968 entstandener „Zombie“-Vorläufer „Die Nacht der lebenden Toten“ wurde vom Branchenblatt „Variety“ noch als Maßstab für den Begriff „Gewaltpornografie“ bezeichnet. Was das New Yorker Museum of Modern Art allerdings schon 1970 anders sah, als es den Film in sein Programm aufnahm.

Neue Erzählmuster – der Held ist ein Schwarzer, es gibt kein Happy End – verstörten die Zuschauer ebenso sehr wie die explizite Gewalt. Es schien, als seien alle alten Regeln über den Haufen gestoßen worden. Es ist für viele die Geburtsstunde des modernen Horrorfilms. Grund genug also für das Museum, den Film in seine ständige Sammlung aufzunehmen.

Die Zeiten und die Sicht auf das, was Kunst ist oder schädlich sein könnte, ändern sich also. Da scheint es besonders absurd, dass der Original-„Zombie“ von 1979 in Deutschland noch immer beschlagnahmt ist, das gleichfalls brutale Remake „Dawn of the Dead“ (2004) aber frei erhältlich bleibt. Oder sollte der Originalfilm noch immer so verstörend sein?


Aus: "Zombies und Zensoren" Von Tobias Sunderdiek, Osnabrück (10.12.2009)
Quelle: http://www.neue-oz.de/information/noz_print/feuilleton/24215432.html

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[In Deutschland kam der Film übrigens... (Rififi)]
« Reply #20 on: February 01, 2010, 12:42:57 PM »

Quote
[...] „Rififi“. Über eine halbe Stunde wird kein Wort gesprochen. Wenn Dieb Tony (Jean Servais) und seine drei Kumpanen ihren großen Coup durchführen, den sie vorher minutiös geplant haben, sprechen nur die Bilder. Selten sieht man so exemplarisch, welche Kraft diese allein haben. Es ist sicher die denkwürdigste Szene von Dassins genreprägendem Heist-Movie, aber natürlich nicht die einzige denkwürdige. Nein, „Rififi“ ist von der ersten bis zur letzten Minute ein hoch spannendes und dramatisches Kunstwerk, an dessen Ende nur Verlierer stehen - mit einer Ausnahme: der Zuschauer.

...

[...] In Deutschland kam der Film übrigens um sieben Minuten gekürzt mit einer Freigabe ab 18 Jahren in die Kinos. Anfang 2008 erfolgte die längst überfällige ungeschnittene deutsche DVD-Veröffentlichung des Klassikers (neue Freigabe: ab 12), die übrigens daneben auch die alte gekürzte Version bietet. Die dürfte allerdings nur noch aus nostalgischen Gründen von Interesse sein.


Aus: "Rififi" von Björn Becher (Datum?)
Originaltitel: Du Rififi Chez Les Hommes
Krimi, Frankreich 1955
Quelle: http://www.filmstarts.de/kritiken/96741-Rififi.html

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[Chaos im Kinosaal... ]
« Reply #21 on: January 19, 2011, 11:14:58 AM »

Quote
[...] Warum aber führt ein kurzer Blick unter die Gürtellinie eines Hollywood-Stars schon zum Eklat, Porno- oder Horrorstreifen aber bleiben ohne Medienecho? Volk stellt für die Zutaten eines Skandalfilm eins simple Formel auf: "Je höher der soziale Status eines Films, je prominenter seine Besetzung, sein Regisseur, je höher sein Kunstwert gehandelt wird, desto tiefer kann er fallen." Und: "Je bekannter ein Film ist, desto schneller wird er zum Skandal."

Deshalb wurde Pasolinis höllische Faschismus-Parabel "Salò oder Die 120 Tage von Sodom" von 1975 zeitweilig von der italienischen Regierung verboten, in Frankreich in Pornokinos abgeschoben und in Deutschland von vielen Kritikern auf das schärfste verurteilt. Der provokante US-Nischenstreifen "Ilsa - She Wolf Of The SS", der mit KZ-Sex und Erotik-Folterszenen durchaus das Potential zu einem weltweiten Skandal gehabt hätte, blieb dagegen unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung.

Und deshalb wurde die Kopie von Nagisa Oshimas "Im Reich der Sinne", der 1976, erstmals echten Sex außerhalb eines Pornofilms zeigte, damals auf der Berlinale beschlagnahmt. Dass die deutschen Kinos zeitgleich mit pseudoaufklärerischen Sexfilmchen à la "Schulmädchenreport" überschwemmt wurden, in denen unter anderem mehrfach minutenlang Vergewaltigungen von minderjährigen Mädchen nachgestellt wurden, schien hingegen vollkommen okay.

...

Stefan Volk: "Skandalfilme: Cineastische Aufreger gestern und heute". Schüren Verlag, Marburg 2011, 320 Seiten.

Quote

Josef Tura
19. Januar 2011, 09:34
Ingmar Bergmans Das Schweigen hat damals die Klerikalen auch auf die Palme gebracht.

Rudi Kant
18. Januar 2011, 14:31
Ich vermisse bei dieser Top-of-Liste den Film Clockwork Orange, der ebenfalls in vielen Ländern jahrzehntelang verboten war.

Christian Albert
18. Januar 2011, 14:53
Die letzte Versuchung Christi
Das war damals auch ein großer Skandal. Vor dem Kino standen damals Pfarrer, Nonnen und andere Katholiken und haben uns Besucher aufs übelste beschimpft. Dabei war der Film ansich ziemlich langweilig.

Kai Hessing
18. Januar 2011, 17:38
*hmm* 'a cruel picture' zeigt auch echten Sex ohne ein Porno zu sein und ist von 1973. Wobei heute wohl keiner mehr weiß, ob diese Szenen damals irgendwo ungeschnitten gezeigt wurden. Er hat auch so genug Aufruhr erzeugt...

http://de.wikipedia.org/wiki/Thriller_%E2%80%93_ein_unbarmherziger_Film


Carl-Ernst Müller
18. Januar 2011, 18:41
Sehr interessant!

Ein Film fehlt, wie ich denke:
www.earthlings.com


Jörg Daehn
18. Januar 2011, 22:31
Und es fehlt die erste Nacktszene in einem Kinofilm:

http://de.wikipedia.org/wiki/Ekstase_%28Film%29


...

http://einestages.spiegel.de/external/ShowTopicAlbumDiscussion/a19901/l0.html#50981





Aus: "Skandalfilme - Chaos im Kinosaal" Benjamin Maack (18.1.2011)
Quelle: http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/19901/chaos_im_kinosaal.html


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[Ein bewaffnetes Polizeiaufgebot drängte die Zuschauer... ]
« Reply #22 on: February 21, 2011, 12:23:56 PM »

Quote
[...] Die Demonstranten warfen Stinkbomben, skandierten Parolen, schmähten den Bischof und die Geistlichkeit. Heute vor 60 Jahren, am 21. Februar 1951, stand Regensburg am Rande eines Bürgerkriegs. Ausgelöst wurden die Tumulte von einem Kinofilm, der die Bevölkerung in Befürworter und Gegner entzweite. "Die Sünderin" lautete der Titel des Skandalstreifens, in dem die damals 25-jährige Hildegard Knef für wenige Sekunden ihre nackte Brust zeigte.

Aber nicht diese Szene löste einen Proteststurm aus, wie fälschlicherweise oft angenommen wird. Vielmehr kritisierten die Gegner des Films, dass er die Prostitution ebenso als Selbstverständlichkeit darstellt wie den Suizid und die Tötung auf Verlangen. Die Knef war in der Rolle einer Prostituierten zu sehen, die Sterbehilfe für ihren kranken Freund leistet und anschließend Selbstmord begeht.

Es war starker Tobak, der dem Kinopublikum serviert wurde. Als der Film am 18. Januar 1951 Premiere feierte, war der Skandal programmiert. Aber nirgendwo kam es zu so heftigen Reaktionen wie im Freistaat. Die Widersprüchlichkeit von Tradition und Moderne, die Bayern heute noch prägt, öffnete sechs Jahre nach Kriegsende den Weg für einen Wertewandel im deutschen Filmgeschäft.

Ähnlich sieht das die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK): "Wir waren eine verklemmte, postfaschistische Gesellschaft mit einem prüden Frauenbild und einem heldenhaft verklärten Männerbild", sagt FSK-Geschäftsführerin Christiane von Wahlers. " Dem Film ist eine klärende Debatte über die Freiheit der Kunst im Kino zu verdanken, von der wir bis heute profitieren."

Kurz vor der Veröffentlichung hatte die FSK die Freigabe verweigert, die Vorführung dann aber doch gestattet. Der katholische Film-Dienst rief sofort zum Boykott auf. Flugblätter wurden verteilt: "Die Sünderin - Ein Faustschlag ins Gesicht jeder anständigen deutschen Frau! Hurerei und Selbstmord! Sollen das die Ideale eines Volkes sein?"

In Regensburg hatten sich am Abend des 21. Februar 1951 mehrere tausend Menschen auf dem Rathausplatz versammelt. Der Historiker Christian Kuchler, der die Ereignisse in einer Dissertation aufgearbeitet hat, sagt, dass unter den Teilnehmern nur etwa 400 Menschen ein Filmverbot gefordert hätten. Die Mehrheit sei erschienen, um für die Freiheit der Kunst zu demonstrieren.

Als Stinkbomben gezündet wurden und ein Polizist verletzt am Boden lag, spitzte sich die Lage zu. In Rücksprache mit dem Innenministerium verhängte der Regensburger Oberbürgermeister Georg Zitzler ein Verbot des Films. Ein bewaffnetes Polizeiaufgebot drängte die Zuschauer aus dem Kino und beschlagnahmte die Filmrollen.

Nun marschierten empörte Regensburger vor das Rathaus. Das liberale Bürgertum wehrte sich gegen die Absetzung der "Sünderin", aber die Polizei ging mit Wasserwerfern und Knüppeln gegen die aufgebrachte Menge vor. Die Regensburger Feuerwehr, so überliefert es die Lokalpresse, habe sich geweigert, auf die Bürger zu spritzen - daraufhin habe die Polizei die Spritze beschlagnahmt. Vor dem bischöflichen Palais äußerten Demonstranten massive Beschimpfungen gegen die Geistlichkeit, außerdem beschädigten sie das Gebäude.

Erst der dritte Tag brachte die Wende. Wieder fanden sich Tausende vor dem Rathaus zusammen, wo der Stadtrat schließlich in einer Sondersitzung mit einer Stimme Mehrheit für die Freigabe des Streifens votierte. Ganz Deutschland blickte gebannt auf die Wirren, die der Knef-Film in Bayern ausgelöst hatte. Im ganzen Land hatten sich zwar Aktionskomitees gebildet, aber die bayerischen Bischöfe standen an der Spitze des Protests.

Die schärfsten Worte fand der Regensburger Erzbischof Michael Buchberger. Er sprach von einem "Vorgeschmack auf einen bolschewistischen Angriff, der die christliche Grundordnung zerstören" wolle. Seine Äußerungen zeigen, so Kuchler, dass man im katholischen Milieu das Ringen nicht nur als eine Konfrontation um einen Film ansah. Gerade im Bistum Regensburg war man erschüttert, welch hohe Mobilisierungskraft die antiklerikalen Kräfte entfalteten. Nur der Speyerer Bischof Joseph Wendel und der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Michael Faulhaber, schwiegen.

Der von der Kritik überwiegend als künstlerisch belanglos bewertete Streifen entwickelte sich dank der Aufführungsverbote und der Proteste zu einem Kassenerfolg. Vier Millionen Zuschauer sahen ihn, bevor er im Sommer 1951 wieder aus den Kinos verschwand.

Die Tumulte vor 60 Jahren sind Gegenstand einer Ausstellung, die von Regensburger Schülern und Studenten erarbeitet wurde und an diesem Montag (19 Uhr) in der Aula des Von-Müller-Gymnasiums in Regensburg (Erzbischof-Buchberger-Allee 23) eröffnet wird.




Aus: "Der Filmkrieg" Von Hans Kratzer (21.02.2011)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/bayern/die-suenderin-in-regensburg-der-filmkrieg-1.1062499

-.-

Die Sünderin ist ein deutscher Film aus dem Jahr 1951. Er war auch wegen des nachfolgenden Skandals der Durchbruch der Schauspielerin Hildegard Knef. Der Film feierte seine Erstaufführung am 18. Januar 1951.
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_S%C3%BCnderin

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[Nach Meinung der zuständigen... ]
« Reply #23 on: May 27, 2015, 07:47:41 AM »

Quote
[...] Ein Spielfilm über Prostitution in der marokkanischen Stadt Marrakesch darf in Marokko selbst nicht gezeigt werden. Das Kommunikationsministerium in Rabat teilte mit, dass das Drama mit dem Titel "Much Loved" des französisch-marokkanischen Filmemachers Nabil Ayouch nicht in die Kinos kommen werde. Der Film war beim internationalen Festival in Cannes bereits gezeigt worden.

Nach Meinung der zuständigen Behörde schade der Film marokkanischen Frauen sowie dem Ruf des nordafrikanischen Königreichs insgesamt. Gegen den Regisseur und die Hauptdarstellerin sind bereits Morddrohungen und Klagen eingegangen. Prostitution ist im islamischen Marokko ein Tabuthema - obwohl sie häufig vorkommt.

Ende 2014 hatte die marokkanische Filmkommission schon einmal die Aufführung eines Films untersagt: Ridley Scotts alttestamentarisches Werk "Exodus" durfte nicht gezeigt werden, da es sich angeblich um Geschichtsfälschung handelte. Der Film, der die Geschichte von Moses und Ramses erzählt, wurde anschließend noch in anderen islamischen Ländern verboten.

cri/dpa


Aus: "Zensur: Film über Prostitution darf in Marokko nicht gezeigt werden" (26.05.2015)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/marokko-verbietet-film-ueber-prostitution-in-marrakesch-a-1035642.html

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[Welche Filminhalte wurden hier... ]
« Reply #24 on: November 02, 2015, 02:57:47 PM »

Quote
[...]  Matthias Uhlmann untersucht die Geschichte der Filmzensur im Kanton Zürich. Er verrät, welche Filme zu anstössig waren – und gerade darum oft auch erfolgreich.

Sie schreiben Ihre Dissertation über die Zürcher Filmzensur. Welche Filminhalte wurden hier verboten?

Matthias Uhlmann: Hauptsächlich Nackt- und Gewalt­darstellungen; Erstere in Nudisten- und später in Sexfilmen. Da die Produzenten nackte Haut, sexuelle Handlungen oder Geburtsdarstellungen oft auch in Auf­klärungs­filmen unterbrachten, stand dieses Genre ebenfalls im Blick der Filmzensur. In Expeditions- und Reisefilmen waren exotische Frauen oben ohne seit den Anfängen des Films zu sehen, europäische oder hiesige Nackedeis durfte man aber nicht zeigen.

Wer war damals verantwortlich für die Filmzensur?
Matthias Uhlmann: Seit Beginn die Polizeidirektion, die auf der Grundlage der Gutachten einer sogenannten Filmkontrollkommission entschied; Rekursinstanz war der Regierungsrat. Erst 1960 wurde das Ver­waltungs­gericht eingesetzt – endlich eine unabhängige, gerichtliche Instanz, bei der die Entscheidungen der Ver­waltung angefochten werden konnten.

Wie viele Leute sassen in dieser Kommission, und wer waren sie?
Matthias Uhlmann: Rund ein Dutzend. Die Zensur musste basisdemokratisch abgestützt sein, denn sie beanspruchte für sich, für den Durchschnitt der Bevölkerung zu ­sprechen. Neben der obligaten Frauen­beteiligung waren es meist gestandene Herren aus der Verwaltung, Richter und Staatsanwälte.

Wie wurde zensiert?
Matthias Uhlmann: Die Filme wurden entweder ganz ver­boten oder mit Schnittauflagen belegt. Letzteres ist für meine Arbeit aufschlussreich, weil die Kürzungen in der Regel beschrieben wurden und man nachvollziehen kann, was in einem bestimmten Jahrzehnt herausgeschnitten werden musste. Oft wurde akribisch festgehalten, ab welchem Filmbild der Schnitt anzusetzen hatte; im Falle des italienischen Films «Europa di notte» von 1959, der verschiedene Variété-Nummern zeigte, wurde etwa verfügt: «Der zweite und der dritte im ‹Crazy-Horse-Saloon› gezeigte Striptease sind wegzulassen. Es darf nur der erste Striptease (Tänzerin im roten Kleid) gezeigt werden.»

Welche Filme machten viel Arbeit?
Matthias Uhlmann: Dem Kantonsparlament sicherlich die Nudistenfilme von Werner Kunz Mitte der Fünfzigerjahre. Betreffend Nacktdarstellungen waren sie die erste Wegscheide. Im Kantonsrat wurde damals tagelang darüber debattiert – über einen Film, der heutzutage nur noch durch seine Harmlosigkeit schockiert. Der Zürcher Polizeidirektor zog damals das Fazit, «dass bei zahlreichen Kantonsräten der Wunsch besteht, bei der Freigabe von Nudistenfilmen etwas grosszügiger zu sein». Es dauerte nicht lang, bis verschiedene Nudistenfilme aus dem Ausland importiert wurden. Das Kino Stüssi­hof zeigte sie oft monatelang.

Wurde danach die Zensur gelockert?
Matthias Uhlmann: Nach den Nudistenfilmen forderten einige Pin-up-Filme, ab 1968 dann die Aufklärungsfilme von Oswalt Kolle die Zensur heraus. Diese waren ebenfalls hoch umstritten. Irgendwann musste die Behörde aber erkennen – auch aufgrund der kritischen Berichterstattung in den Zeitungen –, dass sie solche Filme ernst nehmen musste, weil das Publikum sie sehen wollte. 1971 entschied das Stimmvolk dann, dass der Verbotsgrund des «unsittlichen Films» gestrichen wird.

Gibt es Filme, die nicht in Zürich, aber anderswo zu sehen waren?
Matthias Uhlmann: Ganz viele sogar. Während Zürich Monate dafür brauchte, um den ersten Oswalt-Kolle-Film «Das Wunder der Liebe» zu beurteilen, lief er im Kanton Aargau bereits. Die Zürcher gingen dann einfach nach Spreitenbach. Umgekehrt konnten Luzerner Filmfreunde in den Fünfzigerjahren in der Zeitung Annoncen von Werner Kunz lesen: «Kommt nach Zürich, hier ist der Film erlaubt!»

Nutzte man die Zensur auch für die Promotion der Filme?
Matthias Uhlmann: Als die Zensur gelockert wurde, hiess es im Kinoprogramm oft: «Jetzt vom Verwaltungsgericht freigegeben!» Das war die allerbeste Werbung. Was die sogenannten Brutalos betrifft, so existiert seit dem Inkrafttreten des entsprechenden Artikels des Strafgesetzbuches Anfang 1990 eine mittlerweile online verfügbare «Liste problematischer Filme» des Schweizerischen Videoverbands. Sie dient – entgegen ihrer Zielsetzung – den Fans von Splatter-, Zombie- und Kannibalenfilmen als Einkaufsliste.

Gibt es eine geheime Kammer mit Filmen, die Zürich nie gesehen hat?
Matthias Uhlmann: Die wohl vollständigste Sammlung befindet sich in meinem Büro (lacht).

Gibt es heute noch eine Zensur?
Matthias Uhlmann: Das Zürcher Filmgesetz von 1971 gilt nach wie vor und verbietet die Vorführung «verrohender» Filme oder solcher, die «Menschen oder Menschengruppen verächtlich machen». Sexfilme hingegen hat man aus dem kantonalen Gesetz gestrichen, im Vertrauen auf das schweizerische Strafgesetzbuch. Dieses reguliert erstens die Pornografie, indem es den Jugendschutz gewährleistet und namentlich Gewalt- und Kinderpornografie verbietet. Der Brutaloartikel verbietet Filme mit «grausamen Gewalt­tätig­keiten gegen Menschen oder Tiere».

Wer kann Filme melden, und wie wird ein Film heute beurteilt?
Matthias Uhlmann: Jeder kann bei der Polizei einen Film mit mutmasslich verbotenen Gewaltdarstellungen melden. Findet man den Film auf der Liste problematischer Filme, geht die Sache an die Staatsanwaltschaft und es kann zu einer Anklage kommen. Filme werden heute jedoch kaum mehr gemeldet. Die Aufmerksamkeit der besorgten Leute liegt eher bei den sogenannten Killerspielen und dem Internet.

Was sollte sich Ihrer Meinung nach in der Filmzensur ändern?
Matthias Uhlmann: Fiktionale Filme sollten nicht länger ­unter den Brutaloartikel fallen. Der ursprüngliche Zweck der Strafbestimmung ist längst überholt; volljährige Filmfreunde wegen des Kaufs etwa von Zombie- oder Slasherfilmen vor Gericht zu zerren, mutet nur noch grotesk an in ­einer Zeit, in der echte Folter- oder Mordszenen, wie beispielsweise Enthauptungsvideos des IS, frei online angeschaut werden können. (Tages-Anzeiger)


Aus: "«Zahlreiche Kantonsräte wollten Freigabe von Nudistenfilmen»" (30.10.2015)
Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/kino/die-zensur-war-allerbeste-werbung/story/12847084
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[Film, Zensur und Tabu... (Notizen)]
« Reply #25 on: November 02, 2017, 01:30:30 PM »

Quote
[...] Die neunschwänzige Katze ist der einzige Film des Regisseurs, der weltweit nicht der Zensur unterlag, also nicht aufgrund Verfehlungen der Moral, der Sitte oder anderer Verbote geschnitten werden musste. Der Film nimmt daher eine Sonderstellung in Argentos Filmografie ein.

Dennoch fehlen beispielsweise in der deutschen Kinofassung wie auch in der späteren DVD-Version einige Filmszenen, die einer alternativen Produzentenfassung zum Opfer fielen. Je nach Schnittfassung ist die deutsche DVD nur 90 Minuten lang und somit knapp 20 Minuten kürzer als die ungeschnittene Version.


Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_neunschw%C3%A4nzige_Katze_(Film) (2. März 2017)

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