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Author Topic: [Film, Zensur und Tabu... (Notizen)]  (Read 37498 times)

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Textaris(txt*bot)

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[Film, Zensur und Tabu... (Notizen)]
« on: November 13, 2006, 12:05:01 AM »

Gerade der Aufschrei der Tugendwächter lockt das Publikum in die Kinosäle.

Aus: "Anzügliche Filmplakate aus den Fünfzigern Und ewig lockt die Sünde" Von Johannes Schnös (25.09.2011)


Quote
[...] Der Hays Code (oder Production Code) war eine Zusammenstellung von Richtlinien zur Herstellung von US-amerikanischen Spielfilmen im Hinblick auf die moralisch akzeptable Darstellung von Kriminalität und Geschlechtsverkehr.

Die Motion Picture Producers and Distributors of America, Inc. (MPPDA), der Dachverband der US-amerikanischen Filmproduktionsfirmen, übernahm den Kodex 1930 zunächst auf freiwilliger Basis; angesichts drohender Zensurgesetze von Seiten der Regierung wurde er jedoch ab 1934 zur Pflicht für Filmschaffende. Erst 1967 wurde er abgeschafft.


Aus: "Hays Code" (11/2006)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Hays_Code

"The Motion Picture Production Code of 1930 (Hays Code)"
Quelle #2: http://www.artsreformation.com/a001/hays-code.html

-.-

Quote
[...] Die Aktion saubere Leinwand – gemeint war damit die Kinoleinwand – war eine in den 1960er Jahren gestartete Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hatte, die sich nach zaghaftem Beginn immer rascher ausbreitende Sexualisierung der Medien durch Zensur- und Kontrollmaßnahmen, nicht zuletzt aber auch durch eine Änderung des Grundgesetzes zu unterbinden.

Maßgeblicher Initiator war der Jurist Adolf Süsterhenn, der sich der „allgemeinen sittlichen Ordnung“ verpflichtet sah und mit seiner Aktion die Jugend vor den Gefahren von „Schmutz und Schund“ schützen und vor allem Unsittliches aus dem Kino verbannen wollte. Wegen zeitgenössischer Filme wie Die Sünderin, Das Schweigen oder Geschichten hinter Wänden mit einigen - aus heutiger Sicht eher belanglosen, damals jedoch Aufsehen erregenden - freizügigen Szenen sah er die sittliche Ordnung in Gefahr.

Süsterhenn handelte sich mit seinen Bemühungen allerdings hauptsächlich Spott und Kritik von Künstlern und Kulturschaffenden ein, so soll ihn Heinrich Böll als „Professor Lüsterhahn" tituliert haben.


Aus: "Aktion Saubere Leinwand" (23. Mai 2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_Saubere_Leinwand


« Last Edit: September 26, 2011, 09:48:35 AM by Textaris(txt*bot) »
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[ob ein Filmentwurf, Manuskript oder Drehbuch überhaupt...]
« Reply #1 on: November 28, 2006, 01:59:49 PM »

Quote
[...] Im nationalsozialistischen Deutschland wurde jedes Filmprojekt bzw. jeder Film gleich zweimal einer Zensurprüfung unterzogen: Erstens entschied der Reichsfilmdramaturg bereits vorab, ob ein Filmentwurf, Manuskript oder Drehbuch überhaupt verfilmt werden durfte; zweitens entschied nach Fertigstellung des Films die Filmprüfstelle, ob der Film in die Kinos gelangen durfte. Unter anderem an dieser Vorprüfung dürfte es gelegen haben, dass im nationalsozialistischen Deutschland nur relativ wenige Filme entstanden, die schließlich an der Zensur scheiterten. So wurde auch nur eine Minderzahl der unten genannten Filme deshalb verboten, weil sie mit der nationalsozialistischen Ideologie im Widerspruch gestanden hätten. Häufiger kam es vor, dass Filme etwas zeigten, das durch den Verlauf der Geschichte - z. B. die deutsche Bündnispolitik oder das Kriegsgeschehen - überlebt war und beim Publikum darum zu Heiterkeit, Verwirrung oder Bedauern über die Zeitläufte geführt hätte.


Aus: "Liste der im Nationalsozialismus verbotenen Filme" (11/2006)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_im_Nationalsozialismus_verbotenen_Filme

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[Liste der im Nationalsozialismus verbotenen Filme...]
« Reply #2 on: January 25, 2007, 04:43:42 PM »

Quote
[...] Mit dem Reichskulturkammergesetz vom 22. September 1933 wurden die Journalisten in Deutschland unter die persönliche Kontrolle des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels, gestellt. Es folgte das Schriftleitergesetz vom 4. Oktober 1934, das die Journalisten zu "Dienern der Volksgemeinschaft" und damit zu Befehlsempfängern des Propagandaministeriums erklärte.

Noch einen Schritt weiter ging Goebbels am 26. November 1936, als er den Begriff "Filmkritik" durch "Filmbeobachtung" ersetzte. Die "Filmbeobachter" durften nur noch Inhaltsbeschreibungen und keine Beurteilungen von Filmen liefern. Individuelle Bewertung war nur noch der NSDAP, dem Staat und seinen Behörden erlaubt.

Die wichtigen Fachzeitschriften Der Kinematograph und Lichtbildbühne stellten 1935 bzw. 1939 ihr Erscheinen ein. Die einflussreichste deutsche Filmzeitschrift war dann der bis 1944 der täglich erscheinende Illustrierte Filmkurier.


Aus: "Filmkritik" (11/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Filmkritik

-.-

Quote
[...] Goebbels ernannte sich selbst zum „Schirmherrn des deutschen Films“, der durch eine Vielzahl von Maßnahmen wie Steuerung und Kontrolle der Filmproduktion, Zensur, „Arisierung“, Repressionen sowie Förderung einzelner Künstler und Unternehmer die deutsche Filmindustrie zu einem wichtigen Teil des NS-Propagandaapparates machte. Da Unterhaltung im Nationalsozialismus eine politische Funktion hatte, ist es kein Widerspruch, dass die Mehrzahl der Spielfilme scheinbar unpolitischer Natur war.

[...] Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, dem Tod des Diktators und der Zerschlagung der NS-Diktatur leiteten die alliierten Siegermächte im Rahmen der Entmilitarisierung, Demokratisierung und Entnazifizierung des besetzten Landes verschiedene Programme zur Ausschaltung der noch verbliebenen nationalsozialistischen Ideologie ein. Unter anderem unterzog das Oberkommando der Alliierten alle im Umlauf befindlichen deutschen Filme einer Zensur und stellte dabei 19 % der Spielfilme unter Aufführungsverbot, weil ihre Prüfungskommission sie als NS-Propaganda einstufte.

Gerd Albrecht hat den Anteil der Propagandafilme an der gesamten Spielfilmproduktion auf 14,1 % beziffert. Während der Anteil bis 1939 11 % betrug, stieg er im Zeitraum 1940–42 – also nach Beginn des Zweiten Weltkrieges – auf 24 % an und ging in der zweiten Hälfte des Krieges auf 6 % zurück. Die Erklärungsansätze für den 1942 erfolgten Umschwung in der Filmpolitik konzentrieren sich auf die Vermutung, dass das Publikum inzwischen propagandamüde war und dass ein Kino, das gute Laune verbreitete, unter den Lebensbedingungen des beginnenden Bombenkrieges selbst eine bessere Werbung für das NS-Regime darstellte als jeder Propagandafilm.

Die meisten der von den alliierten Besatzungsbehörden verbotenen Filme erhielten in der 1949 neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland eine FSK-Freigabe. Eine kleine Zahl so genannter Vorbehaltsfilme – darunter viele Kriegsfilme und alle antisemitischen Propagandafilme – ist der Öffentlichkeit weiterhin nur eingeschränkt zugänglich.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Filmpolitik (11/2007)


-.-

Quote
[...] Liste der im Nationalsozialismus verbotenen Filme:
vor 1933 fertiggestellte Filme (Auswahl):
    * Die Büchse der Pandora (Georg Wilhelm Pabst, 1929)
    * Die Drei von der Tankstelle (Wilhelm Thiele, 1930)
    * Die Dreigroschenoper (Georg Wilhelm Pabst, 1931)
    * Frau im Mond (Fritz Lang, 1929)
    * Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt (Slatan Dudow, 1932)
    * M (Fritz Lang, 1931)
    * Mutter Krausens Fahrt ins Glück (Phil Jutzi, 1929)
    * Voruntersuchung (Robert Siodmak, 1931)
    * Westfront 1918 (Georg Wilhelm Pabst, 1930)
    * Das erste Recht des Kindes (Fritz Wendhausen, 1932)

ab 1933 fertiggestellte Filme:
Jahr des Verbots durch die Filmprüfstelle:

1933

    * Ganovenehre (Regie: Richard Oswald, Herstellungsjahr: 1933)
    * Hans Westmar (Franz Wenzler, 1933; erst nach völliger Umarbeitung zugelassen)
    * Moral und Liebe (Georg Jacoby, 1933)
    * Taifun (Robert Wiene, 1933; unter dem Titel "Polizeiakte 999" 1934 wieder zugelassen; die ursprüngliche Fassung war nur zur Vorführung im Ausland zugelassen)
    * Das Testament des Dr. Mabuse (Fritz Lang, 1932/33; deutsche Erstaufführung 1951)

1934

    * Der Adjutant seiner Hoheit (Martin Frič, 1933)
    * Zwei Genies (Detlef Sierck, 1934)

1935

    * Ein Kind, ein Hund, ein Vagabund (Arthur Maria Rabenalt, 1934)
    * Die Liebe siegt (Georg Zoch, 1934)
    * Spione am Werk (Gerhard Lamprecht, 1933)
    * Das Stahltier (Willy Zielke, 1935)

1936

    * Hände aus dem Dunkel (Erich Waschneck, 1933)
    * Wege zur guten Ehe (Adolf Trotz, 1933)

1937

    * Ein Lied geht um die Welt (Richard Oswald, 1933)
    * Lachende Erben (Max Ophüls, 1933)
    * Starke Herzen (Herbert Maisch, 1937, deutsche Uraufführung 1953 unter dem Titel "Starke Herzen im Sturm"), verboten wegen seines nach Ansicht von Goebbels zu traditionellen, bürgerlichen, nicht dem völkischen Zerrbild der jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung verpflichteten Antikommunismus

1938

    * Altes Herz geht auf die Reise (Carl Junghans, 1938), verboten wegen Darstellung ländlichen Elends
    * Das Leben kann so schön sein/Ultimo (Rolf Hansen, 1938), verboten wegen Darstellung der Wohnungsnot (deutsche Uraufführung 1950 unter dem Titel "Eine Frau fürs Leben")
    * Preußische Liebesgeschichte (Paul Martin, 1938, deutsche Uraufführung 1950 unter dem Titel "Liebeslegende")
    * Der Spieler (Gerhard Lamprecht, 1938)

1939

    * Ab Mitternacht (Carl Hoffmann, 1938)
    * Abenteuer in Marokko (Leo Lapaire, 1939)
    * Abenteuer in Warschau (Carl Boese, 1937)
    * Andere Welt (Marc Allégret, 1937)
    * August der Starke (Paul Wegener, 1936)
    * Friesennot (Peter Hagen = Willi Krause, 1935; 1941 unter dem Titel "Dorf im roten Sturm" wieder zugelassen)
    * Die Katz' im Sack (Richard Eichberg, 1935)
    * Kitty und die Weltkonferenz (Helmut Käutner, 1939)
    * Die klugen Frauen (Jacques Feyder, 1935)
    * Der Kurier des Zaren (Richard Eichberg, 1936)
    * Die Reiter von Deutsch-Ostafrika (Herbert Selpin, 1934)
    * Varieté (Nikolaus Farkas, 1935)

1941

    * Dreimal Hochzeit (Géza von Bolváry, 1941)
    * Wer küsst Madeleine? (Viktor Janson, 1939)

1942

    * Der 5. Juni (Fritz Kirchhoff, 1942)
    * Mit den Augen einer Frau (Karl Georg Külb, 1942)
    * Die See ruft (H. F. Köllner, 1942)

1943

    * Alles aus Liebe (Hubert Marischka, 1942, deutsche Uraufführung 1949)
    * Am Ende der Welt (Gustav Ucicky, 1943, deutsche Uraufführung 1956 unter dem Titel "Die Erbin der W")
    * Besatzung Dora (Karl Ritter, 1943)
    * Panik (Harry Piel, 1943)
    * Titanic (Herbert Selpin, Werner Klingler, 1943), nur zur Vorführung im Ausland zugelassen; deutsche Erstaufführung 1950

1944

    * Freunde (E. W. Emo, 1944, deutsche Uraufführung 1950)
    * Große Freiheit Nr. 7 (Helmut Käutner, 1944), nur zur Vorführung im Ausland zugelassen (Uraufführung in Prag; deutsche Erstaufführung 1953)
    * Die heimlichen Bräute (Johannes Meyer, 1944)
    * Intimitäten (Paul Martin, 1944)
    * Jan und die Schwindlerin (Hans Weißbach, 1944)
    * Jugendliebe/Übers Jahr, wenn die Kornblumen blühen (Eduard von Borsody, 1944, deutsche Uraufführung 1947)
    * Eine kleine Sommermelodie (Volker von Collande, 1944)
    * Melusine (Hans Steinhoff, 1944, unaufgef)
    * Moselfahrt mit Monika (Roger von Norman, 1944)
    * Der verzauberte Tag (Peter Pewas, 1944), verboten wegen Beamtenkritik (deutsche Uraufführung 1952)

1945

    * Erzieherin gesucht (Ulrich Erfurth, 1945), Uraufführung 1950
    * Der Mann, dem man den Namen stahl (Wolfgang Staudte, 1945)
    * Via mala/Die Straße des Bösen (Josef von Báky, 1945), nur für die Vorführung im Ausland zugelassen; deutsche Erstaufführung 1948



Bruchstück aus: "Liste der im Nationalsozialismus verbotenen Filme" (01/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_im_Nationalsozialismus_verbotenen_Filme

« Last Edit: November 27, 2007, 04:26:52 PM by Textaris(txt*bot) »
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[Stille Tage in Clichy... (Zensur und Tabu)]
« Reply #3 on: January 25, 2007, 04:58:24 PM »

Quote
[...] Der Film Stille Tage in Clichy wurde von einem dänischen Team in englischer Sprache gedreht. Sicherlich war er der erotischste Film seines Jahres – denn die Zensur war damals schon sehr schnell. 1970 wurde die englische (unzensierte) Fassung von der Regierung der Vereinigten Staaten als „obszön“ eingestuft und beschlagnahmt. Es dauerte mehr als 30 Jahre, bis „Quiet Day in Clichy“ dort unzensiert auf DVD erscheinen konnten.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Henry Miller, angereichert durch kleine „Effekte“, wie beispielsweise Sprechblasen, welche die Gedanken der Protagonisten darzustellen. Heutzutage stuft man diesen Film als Erotikfilm ein – für die damalige Zeit war es aber ein waschechter Porno, der keine Phantasie erforderte, sondern freizügig viele Details zeigte.


Aus: "Review zu Stille Tage in Clichy" Von Sonja (Stand: 01/2007)
Quelle: http://www.dvd-sucht.de/movie.php?id=3512
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[Visuelle Medien...]
« Reply #4 on: February 01, 2007, 02:00:22 PM »

Quote

Visuelle Medien:
[...] In der Bundesrepublik Deutschland verboten (Auszug):

    * Blood Feast (Herschell Gordon Lewis, 1963). Der über 40 Jahre alte Film wurde 2004 beschlagnahmt. Die Beschlagnahmung des Films wurde durch das Amtsgericht Karlsruhe am 20. Januar 2004 (Az: 31 Gs 134/04) angeordnet.
    * Der nationalsozialistische Propagandafilm Der Ewige Jude von 1940 (Regie von Fritz Hippler) ist in der BRD in der Originalfassung verboten; zulässig ist eine ausschnittsweise Version mit erläuternden Unterbrechungen.
    * Braindead (Peter Jackson, 1992) wurde vom Amtsgericht Tiergarten in mehreren Veröffentlichungen beschlagnahmt. Auf die ungeschnittene Fassung folgte einige Jahre später die Beschlagnahmung einer gekürzten, zuvor von der Freiwilligen Selbstkontrolle freigegeben Version des Films.
    * The Texas Chainsaw Massacre (Tobe Hooper, 1974) wurde 1985 durch das Landgericht München bundesweit beschlagnahmt. Dies betraf die VHS-Kassette des Anbieters VPS. Die im Jahr 2003 publizierte und um ca. 4 Minuten gekürzte Fassung betrifft diese Beschlagnahme nicht. Diese Fassung wurde von der Juristenkommission (JK) der SPIO begutachtet und als strafrechtlich unbedenklich eingestuft. Die geschnittenen Szenen sind als Bonus dennoch auf der DVD anwählbar.
    * Maniac (William Lustig, 1980) wurde 1983 vom Landgericht München als erster Film wegen des Verstoßes gegen den § 131 StGB bundesweit beschlagnahmt. Die Videofassung war in einer Szene leicht gekürzt und nicht von der FSK geprüft. Die Beschlagnahmung rief kontroverse Diskussionen um Gewaltdarstellungen in Film und Fernsehen aus.
    * Man Eater
    * Muttertag (Horrorfilm)
    * Tanz der Teufel
    * Freitag der 13. und Freitag der 13. Teil IV – Das letzte Kapitel wurden seiner Zeit verboten. Die Verbote zu Teil 1 unterliegen mittlerweile der Verjährung. Die DVD zu Teil 4 wurde 2005 erneut eingezogen und verboten (Beschluss vom 9. Mai 2005, AG Tiergarten). Andere Teile der Reihe sind frei erhältlich ab 18 Jahren.
    * Ein Zombie hing am Glockenseil - Urteile unterliegen mittlerweile der Verjährung. Eine gekürzte Fassung ist freigegeben "nicht unter 18 Jahren".
    * 1976 wurden in vielen deutschen Kinos die Filmrollen von Pasolinis de-Sade-Bearbeitung mit dem deutschsprachigen Verleihtitel Die 120 Tage von Sodom aufgrund von Anweisungen durch die Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft erhob damals den Vorwurf der Gewaltpornografie. Später wurde der Film wieder freigegeben.
    * Rohtenburg Der Kinostart des Kannibalen-Films wurde vom Landgericht Frankfurt untersagt.


Bruchstücke aus: "Verbotenes oder indiziertes Medium" (Stand: 01/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Verbotene_oder_indizierte_Medien
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["Salò oder die 120 Tage von Sodom"... (Pasolini)]
« Reply #5 on: February 17, 2007, 06:18:29 PM »

Quote
[...] Den Passanten beim Stauffacher bot sich gestern ein Schauspiel seltsamer Art. Vor der Kirche St. Jakob postierten sich zwei Securitas-Männer. Rund 30 Demonstranten sangen und beteten mit gefalteten Broschüren statt Bibeln in den Händen und verkündeten ihre Botschaft: «Wir wollen dem Missbrauch unserer Kirche den Riegel schieben.»

Für Zündstoff sorgte Pier Paolo Pasolinis Skandalfilm «Salò oder die 120 Tage von Sodom», den das Kino Xenix in der Kirche St. Jakob zeigen wollte. Pfarrer Anselm Burr hatte seinen Segen dazu gegeben. Für den SVP-Politiker, Historiker und Buchautor Daniel Regli, der die gestrige Mahnwache organisierte, völlig unverständlich: «Eine Orgie von Sex, Gewalt, Erniedrigung und Kindermord gehört nicht in eine Kirche.» Sollte sich Burr nicht besinnen, empfehle er ihm, den Beruf zu wechseln.

Gezeigt wurde «Salò» gestern nicht, dafür fand um 17.15 Uhr eine Podiumsdiskussion statt. Die Veranstalter hielten sich damit an das erlassene Verbot der Stadtpolizei, die befand, der Film sei zu brutal. «Salò» in der Kirche hat nicht nur Zürcher Christen erzürnt. «Gegen die Verantwortlichen des Xenix ist am Samstag aus dem benachbarten Ausland Strafanzeige eingereicht worden», bestätigte Stapo-Sprecher Marco Cortesi.


Aus: "Pasolini-Film nicht in Kirche gezeigt – dennoch Mahnwache" Von Alexandra Roder (11.02.2007)
Quelle: http://www.20min.ch/news/zuerich/story/31243338

-.-

Quote
[...] In zwei Genfer Kinos wird der Film aus Protest gegen die Zensur der Zürcher Polizei ausgestrahlt.

Gleichzeitig habe die Cineasten zusammen mit anderen Personen aus dem Künstlermillieu ein Komitee gegen die Zensur gegründet, bestätigte die frühere Genfer Grossrätin Salika Wenger einen Bericht der Zeitung «Le Matin Bleu» vom Dienstag.

Zurzeit sammelt das Komitee Unterschriften für eine Petition. Darin fordern sie die Zürcher Behörden auf, die Zensurmassnahme gegen den Film des italienischen Regisseurs Pier Paolo Pasolini aufzuheben. Die Stadtpolizei Zürich hatte die Filmvorführung letzte Woche verboten.

Noch letzte Woche konnte der umstrittene Film bei einigen DVD-Shops und Videotheken ausgeliehen oder gekauft werden. Nachdem aber die Stadtpolizei Zürich die Vorführung in der Kirche St. Jakob verboten hatte, bekamen viele Verleiher und Verkäufer kalte Füsse.

[...] Der Film «Salò» gilt seit seinem Erscheinen im Jahr 1975 als eines der umstrittensten Werke der Filmgeschichte. Wegen seiner Darstellung von Vergewaltigung, Folter und Mord wurde der Film in vielen Ländern verboten.


Aus: "Pasolini-Film: Welsches Komitee gegen Zürcher Intoleranz" (13.02.07)
Quelle: http://www.20min.ch/news/zuerich/story/23747851

-.-

Quote
[...]  Letzte Woche konnte der umstrittene Pasolini-Film noch bei wenigen DVD-Shops ausgeliehen oder gekauft werden. Nachdem die Stadtpolizei am Samstag die «Salò»-Vorführung in der Kirche St. Jakob de facto verbot, bekommen die Verleiher und Verkäufer jetzt kalte Füsse.

Die Firma Laserzone war die einzige, welche den Skandalfilm von 1975 bisher noch verkaufte. Weil man auf einen teuren Prozess verzichten wolle, nehme man den Titel aus dem Programm, sagt Geschäftsführer Eduardo Bagnoli. Auch beim 1a-DVD-Shop ist der Titel seit gestern nicht mehr im Verleih. Seit Dezember 2004 wurde der Film 17-mal ausgeliehen und bis im Frühjahr 2005 über 100-mal verkauft. Für einen Studiofilm seien dies gute Zahlen, meint Geschäftsführer Fernando Pérez. Weil er Klagen von christlichen Fundamentalisten befürchtete, gab er klein bei. Auch die Videothek Les Videos hat am Wochenende die einzige Mietkopie vorderhand aus dem Regal genommen.

AdLINK Internet Media AG
Christliche Bürgerinitiativen aus Deutschland und Österreich haben am Wochenende Strafanzeige gegen die Verantwortlichen des Xenix eingereicht. Die Anzeige stützt sich auf den Artikel 197.3 im Strafgesetzbuch: Darin wird schon der Besitz eines Films, in dem menschliche Ausscheidungen und Gewalttätigkeiten zu sehen sind, unter Strafe gestellt. Laut Polizeisprecher Marco Cortesi wird geprüft, ob die Anzeige zulässig ist. Die Polizei werde aber Videotheken auch künftig nicht nach «Salò»-Filmen durchsuchen, sondern nur bei Anzeigen aktiv werden.

Der frühere «Salò»-Importeur Impuls hat im Frühjahr 2005 die Videotheken dazu aufgerufen, die besagten Pasolini-Filme zu retournieren. Seither importierten die Händler diese DVDs aus Deutschland. Anfang Jahr übernahm Rainbow Video das Vertriebsrecht von «Salò» - allerdings auch die Import-Sperre. Doch sobald Zeit dafür ist, will man über die Bücher: «Wir wollen prüfen, ob der Film wieder vertrieben werden kann», sagt Kurt Schenker. Der vorauseilende Gehorsam der Videotheken erstaunt insofern, weil «Salò» sich nicht auf der schwarzen Liste des Videoverbands befindet. Darauf stehen vor allem brutale Horrorfilme, die in Deutschland verboten sind.


Aus: "Videotheken nehmen Pasolini-Film aus dem Regal - Das faktische Vorführverbot von «Salò oder die 120 Tage von Sodom» zeigt Wirkung: Die Videotheken streichen den Titel aus dem Angebot." Von Benno Gasser (Tages-Anzeiger vom 13.02.2007)
Quelle: http://tages-anzeiger.ch/dyn/news/zuerich/719136.html

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Quote
[...] Zürich. SDA/baz. Christliche Fundamentalisten haben eine Strafanzeige gegen die Betreiber des Zürcher Kinos Xenix eingereicht. Grund ist der Film «Salò oder Die 120 Tage von Sodom» des italienischen Regisseurs Pier Paolo Pasolini.

Der Film hätte eine Pasolini-Retrospektive beschliessen sollen, die in der Kirche St. Jakob beim Stauffacher gezeigt wurde. Nach einer Intervention der Polizei entschlossen sich die Veranstalter aber schon am Freitag, auf die Filmvorführung zu verzichten.

Trotzdem ging am Wochenende eine Strafanzeige bei der Zürcher Stadtpolizei ein, wie diese auf Anfrage entsprechende Berichte von «20 Minuten» und «Tages-Anzeiger» vom Montag bestätigte. Anzeige


Auch «die Vorratshaltung» von gewaltverherrlichenden und pornografischen Machwerken sei strafbar, meinen die christlichen Bürgerinitiativen aus Deutschland und Österreich.

Pasolinis letzter Film «Salò» (1975) über den Faschismus gilt als eines der umstrittensten Werke der Filmgeschichte. Wegen seiner Darstellung von Vergewaltigung, Folter und Mord wurde der Film in vielen Ländern verboten. «Salò oder Die 120 Tage von Sodom» wurde in Zürich schon mehrmals gezeigt und ist in Videotheken erhältlich.


Aus: "Strafanzeige gegen Kino-Betreiber wegen Pasolini-Film" (baz.ch; 2007)
Quelle: http://www.baz.ch/news/index.cfm?ObjectID=B55A5CBB-1422-0CEF-703873DCD26158D9

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Quote
[...] Zürich. SDA/baz. Im Zusammenhang mit dem umstrittenen Pasolini-Film «Salò oder Die 120 Tage von Sodom» krebst die Zürcher Stadtpolizei zurück: Der zuerst verbotene Film darf nun doch gezeigt werden. Man habe den künstlerischen Wert zu wenig gewürdigt, sagt die Polizei.

Sie komme heute zum Schluss, dass der Film des italienischen Regisseurs Pier Paolo Pasolini gezeigt werden darf, sofern die gängigen Altersvorschriften betreffend Jugendschutz eingehalten werden. Dies schreibt die Stadtpolizei in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Verschiedene Gespräche und Reaktionen, aber auch Gerichtsurteile in den Nachbarländern hätten gezeigt, dass die Polizei den künstlerischen Wert offenbar zuwenig gewürdigt hat, heisst es weiter.
Anzeige

Die Stadtpolizei hatte den Film, der in der St. Jakob-Kirche beim Stauffacher eine Pasolini-Retrospektive hätte beschliessen sollen, verboten. Wegen seiner relevanten Darstellungen von Vergewaltigung, Folter und Szenen mit menschlichen Ausscheidungen stufte sie ihn gemäss Strafgesetzbuch Artikel 197.3 als gewaltverherrlichend und pornografisch ein.

Obwohl die Betreiber auf eine Vorführung am Sonntagabend verzichtet hatten, ging von christlichen Fundamentalisten eine Strafanzeige gegen das Kino Xenix ein. Dieses organisierte die Pasolini-Wochen in der Kirche, weil ihr Stammhaus gerade renoviert wird.


Aus: "Umstrittener Pasolini-Film darf nun doch gezeigt werden" (14.02.07)
Quelle: http://www.baz.ch/news/index.cfm?keyID=17cd2e0a-df54-4cbb-95ff9e386784539b&startpage=1&ObjectID=C0199188-1422-0CEF-702CC732C51E1D1C

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Quote
[...] Spaceman Spiff   
12.02.2007 11:50   

Ist das eine Meldung aus den 70'ern? Unglaublich.
Habe gestern Taxidermia im Votivkino gesehen. Da ist Salo direkt harmlos dagegen.

http://derstandard.at/?url=/?id=2764022


-.-


Quote
[...] "Wer das Kino nicht kennt, hat nicht die Distanz, die für seine Erfahrung nötig ist. Und die Gefahr der Manipulation ist somit viel größer. Das ist das Thema" beschreibt Haneke seine Position dem Kino gegenüber. "Nur über den Schock" könne man diese Haltung verändern.

"Filme müssen einen Nerv treffen. Je schmerzhafter die Wunde ist, um so mehr werden sich die Leute auch dafür und dagegen entscheiden. Und das ist es schon, was ich als Filmemacher will, denn das ist auch das, was ich selber will, wenn ich ins Kino gehe. Der Film, der mich in meinem Leben am meisten weiter gebracht hat, war seinerzeit "Saló oder die 120 Tage von Sodom" von Pasolini. Der zeigte Gewalt als das, was sie wirklich ist: Leiden der Opfer. Das fand ich unerträglich.
Das ist bis heute der Film, der mich am meisten aus der Bahn geworfen hat. Damals habe ich mich ununterbrochen gefragt: Halte ich das noch aus? Muss ich jetzt kotzen?
Aber der hat mich wirklich über sehr sehr viel nachdenken lassen. In einer Gesellschaft wie der unserigen kann man Kino oder dramatische Kunst im weitesten Sinn nur so machen. Man kann sie nicht konsensuell machen. Dann ist man dumm. Oder feig, oder zynisch."


Aus: "Kultur der Angst" - Die Rückkehr der Repression, Überwachung und das Wiedereindringen der Gewalt in den Alltag des Westens: Michael Hanekes "Caché" Von Rüdiger Suchsland (30.01.2006)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/html/result.xhtml?url=/tp/r4/artikel/21/21894/1.html

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Quote
[...] Heute vor 30 Jahren wurde Pier Paolo Pasolini ermordet. Wer dahinter steht, ist immer noch fraglich. Der damals verurteilte Täter hat erst vor wenigen Monaten sein Schuldeingeständnis öffentlich widerrufen, seine Aussagen legen einen politisch motivierten Mord nahe. Tatsächlich stand Italien Anfang der 70er Jahre am Rande eines Staatsstreichs und der Schriftsteller und Filmemacher griff seine mächtigen Gegner unverblümt an. Es war sein Selbstverständnis als Intellektueller, sich "mit dem ganzen Körper, mit allen Sinnen" in den Kampf zu werfen. Von heute aus betrachtet muten diese öffentlichen Interventionen anachronistisch an. Unter deutschen Künstlern und Intellektuellen gilt ja bereits die Unterzeichnung eines Wahlaufrufs als beherzte Tat. Dabei gäbe es genug zu tun.

[...] "Ich gehöre zu einer Generation, die politisch gelähmt ist. Wir sind von den Achtundsechzigern erzogen und mit dem Engagement-Befehl in die Welt geschickt worden: Seid für die Schwachen, für die Opfer, gegen den Faschismus und so weiter. Viele haben da schwere Allergien bekommen: Das war ja eine Hybris des Gutmeinens."

Diese Argumentation wird ja schon seit Jahren erfolgreich eingesetzt, wenn es darum geht, die eigene Passivität zu erklären.

[...] Im Gegensatz zu den heutigen Intellektuellen hatte Pasolini durch seine Herkunft und seine Lebensstationen andere Erfahrungen gemacht. Das brachte ihn in seinen Kunstwerken und seinen öffentlichen Äußerungen zu einer klaren Haltung. Schon früh machte er die schmerzliche Erfahrung, als ausgeschlossener Außenseiter behandelt zu werden und bekennt in einem Interview 1970:

Wenn ich Ihnen sage, dass ich die Empfindung eines verwundeten Tieres habe, das sich hinter der Herde herschleppt, so sage ich die Wahrheit.

Als offen bekennender Homosexueller wurde er bereits als 27-Jähriger in seiner Heimatstadt Casarsa wegen "Unzucht mit Minderjährigen" angeklagt. Die Anzeige war politisch motiviert. Pasolini attackierte damals als junger Parteisekretär der KPI in Casarsa die Kirche und die mächtige Democrazia Christiana mit klugen Wandzeitungen. Er sollte zum Schweigen gebracht werden und dieses eine Mal gelang es seinen Gegnern. Obwohl Pasolini den Prozess in zweiter Instanz gewann und vom Vorwurf freigesprochen wurde, hatte er sein öffentliches Ansehen verloren. Auch seine Anstellung als Lehrer wurde gekündigt und der junge Autor war gezwungen die Stadt zu verlassen.

Pasolini zog im Dezember 1959 nach Rom und lebte mehrere Jahre mit enormen finanziellen Problemen und unter schwierigen Lebensverhältnissen in einem Armenviertel. Dort lernte er das Subproletariat kennen, gewalttätige junge Männer, die von Gelegenheitsjobs und Kriminalität leben. Sie leben in Slums am Rande der Gesellschaft ohne Aussicht auf ein besseres Leben. Ihnen verleiht Pasolini in seinem Roman "Vita violenta" eine literarische Stimme und hofft auf ihre ungebrochene Kraft, sich ihren Teil vom Glück und Wohlstand zu nehmen, wenn nötig mit Gewalt. Die Bilder von den brennenden Pariser Vorstädten ([local] Unruhen in Pariser Trabantenstädten), die gerade durch die Medien gehen, erinnern an dieses Potenzial.

Pasolini war ein leidenschaftlicher und radikaler Kritiker der politischen und sozialen Zustände. Er provozierte, warf sich in die Debatten und griff die Mächtigen in zahllosen Texten und Interviews direkt an. Sein Einfluss war so groß, dass sich selbst Ministerpräsident Andreotti genötigt sah, ihm öffentlich zu antworten.

[...] Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichtsgutachter arbeiteten massiv an Pasolinis Stigmatisierung. Die öffentliche Verleumdung und Demütigung ging auch in den Gerichtssälen weiter. Genüsslich zitierte die Presse damals aus einem psychiatrischen Gutachten: "Pasolini ist ein triebhafter Psychopath, ein sexuell Anormaler, ein Homophiler im absoluten Sinn des Wortes." Der Schriftsteller und Filmemacher hat für sein Engagement einen hohen Preis gezahlt. Maria-Antonetta Macciocchi schrieb kurz nach Pasolinis Tod:

"Pasolini ist von einer Welt ermordet worden, die sich entschieden gegen ihn sträubte, die seine Übertretung sexueller, politischer und künstlerischer Tabus einfach nicht ertrug, diese nahtlose, öffentlich zur Schau getragene Einheit von Engagement und Leben." (Maria-Antonetta Macciocchi: Pasolini: Die Ermordung eines Dissidenten)

[...] Wenige Stunden vor seinem Tod verfasste Pasolini seinen letzten Text, eine Rede, die er am 04.11.1975 vor dem Kongress der Radikalen Partei halten wollte. Mit dieser vielgestaltigen politischen Kraft, die Witz und Phantasie als Werkzeuge nutzte, stand Pasolini schon seit vielen Jahren in Kontakt. Die Radikale Partei hatte damals den autoritären Parteigedanken aufgeweicht und wurde von autonom agierenden Bürgerinitiativen sowie lokalen Gruppen getragen. Er gab ihnen ein Vermächtnis mit auf den Weg, das auch heute Intellektuellen helfen könnte, den Weg aus ihrem Elfenbeinturm zu finden:

"Vergesst unverzüglich die großen Siege und fahrt fort, unerschütterlich, hartnäckig, ewig in Opposition, zu fordern: fahrt fort, euch mit dem Andersartigen zu identifizieren, Skandal zu machen, zu lästern!"


Aus: "Ewig in Opposition" Von Jörn Hagenloch (TP; 02.11.2005)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/html/result.xhtml?url=/tp/r4/artikel/21/21264/1.html

-.-

Quote
[...] Wenn die Perversionen der Macht einmal die Medien beschäftigen, fällt also der Name Pasolinis. Immerhin. Wirklich Gelegenheit den Film zu sehen, hatten wohl die wenigsten. „Salo oder die 120 Tage von Sodom“ ist bis heute nur kleinen Zuschauerkreisen zugänglich geblieben. Zuletzt war er 2003 in einigen Programmkinos zu sehen. „Salo ist ein beinahe ungesehener Film; ein Film, der fast nur in Büchern existiert. Und von dort aus in Köpfen geistert, ein unbestatteter Untoter, eine gequälte Seele zwischen den Welten von de Sade und Kurt Cobain; sie treffen sich bei Bill Burroughs und hören Platten von Nirvana, und diskutieren die Menschen und ihr Gewaltproblem“ (Theweleit, S. 151). Theweleit ist es zu danken, dass der verbotene Film überhaupt als ernst zu nehmendes Werk der Faschismusbetrachtung und der Filmkunst ins Gespräch gekommen ist. „Salo“ gilt Theweleit als eines der wenigen Oeuvres der Filmgeschichte, dass eine universelle – politisch ausgedrückt: faschistische Form der Gewaltausübung – reflektiert. „Mir blätterte sich Pasolinis Film jetzt auf wie ein überreiches Theoriekompendium der schrecklichsten Formen von Gewaltausübung durch Herrscherschichten; der Film, der es fertig bringt, dem Lachen des Folterers ins Gesicht zu sehen...“.

Dass er bislang sowenig beachtet wurde, kann als Indiz dafür gelten, dass Pasolini schwer auszuhaltende Einblicke in bestimmte Eingeweide der Macht gelungen sind. Hinzu kommt, dass der Pasolini-Essay in „Deutschlandfilme“ von außergewöhnlicher Aktualität ist, gerade in einem Jahrhundert, wo die Nationalstaaten das Monopol staatlicher Gewalt zunehmend Unternehmern oder aber Warlords überlassen und das Foltergeschäft allem Anschein nach boomt.

[...] Als Homosexueller, Antifaschist und Kommunist ist der 1922 geborene Pasolini ein hohes Wagnis eingegangen, als er 1975 inspiriert von dem Roman des Marquis de Sade ein Tableau des italienischen Faschismus und Neokapitalismus wie des deutschen Faschismus entworfen hat. Theweleit beleuchtet in eindrucksvoller Genauigkeit die biographischen, künstlerischen und politischen Kontexte eines weiteren Künstlerkönigs, dessen letztes Werk wohl auch sein Todesurteil besiegelte, zu groß und mächtig war nun das Heer seiner Feinde geworden. Pasolini schlug beinahe der gleiche Gegenwind um die Ohren, wie dem Marquis de Sade nach der Veröffentlichung seines Romans die „Die 120 Tage von Sodom“. „Ist das nicht Grund genug sich damit zu befassen?“ fragte Maurice Blanchot in Bezug auf de Sade.

Für Theweleit ist es ein Grund Gemeinsamkeiten zwischen de Sade und Pasolini nachzuspüren. Beide sind radikale Herrschaftskritiker. Sie holen die kriminellen Machenschaften, die mörderischen Gelüste und Orgien der Herrschenden ans öffentliche Licht und dekodieren die darunter liegenden Gewaltmuster. Das kann nur funktionieren, indem sich das Kunsthandwerk beim Anblick des lachenden Folterergesichts selber beschmutzt: "Man bekommt keine Beschreibung der faschistischen Gewalt-Systeme hin, ohne sich die Finger mit Details der Substanz zu beschmutzen", schreibt Theweleit.


Aus: "Die Aktualität Pasolinis: Deutschlandfilme unter Theweleit-Lupe Teil 3" Von Peer Zickgraf (12.08.2004Diesen Artikel ausdrucken)
Quelle: http://www.einseitig.info/html/content.php?txtid=196&print=1

-.-

Quote
[...] Folter hat diesen Inszenierungscharakter. Pasolini hat diesen Genussanteil, der stets im Wesen der Folter liegt, verdeutlicht, indem er in den „120 Tagen von Sodom“ die Verbindung von Sexualität und Folter zeigt: Dort haben die Folterer immer eine Hand in der Hose. Der Skandal der Wehrmachtsausstellung lag ja gerade darin, dass sie die Freude der deutschen Soldaten an ungeheuerlichen Verbrechen gezeigt hat. Folter braucht Zeugen. Wenn man sie nicht nach außen bringen kann, dann wird sie im Inneren verbreitet.

Natürlich liegt in den Bildern von der Enthauptung Nick Bergs auch ein demonstrativer Moment: Wir zeigen euch, dass wir es genauso gut können, ähnlich wie bei den Fotos der Schleyer-Entführung.

SZ: Alles nicht neu?

Theweleit: Wenn man sich die Linie ansieht, die Pasolini gezogen hat von Sodom über de Sade, den französischen Adel, die Salò und die SS bis zur italienischen Großbourgeoisie, dann liegt darin die Behauptung eines Universalismus der Folter, die schlicht zutrifft. Jede Gesellschaft hat einen bestimmten Prozentsatz von Menschen wie die US-Soldatin Lynndie England, die sich vor gefolterten Irakern ablichten ließ, Menschen, bei denen Sexualität umschlägt in Gewalt, in die Zerstörung des anderen. Unter den Bedingungen des Krieges darf sich diese Neigung endlich Bahn brechen.

SZ: Die Kontinuität der Folter reicht zurück bis in die Antike, wo sie Herrschaft legitimierte. Auf den Basaren in Tschetschenien kursieren grausame Videos. Ist also unser Abscheu vor den Bildern aus dem Irak nur die Reaktion friedensverwöhnter Mitteleuropäer, wie der Soziologe Wolfgang Sofsky sagt?

Theweleit: Es mag hart klingen, aber mich haben diese Bilder nicht besonders entsetzt. Ich habe solche Szenen im Kopf, etwa aus den KZ’s, aus Splatter- und Pornofilmen. Wir können diese Bilder verdrängen, aber dann geben wir uns jener Illusion hin, die die harmlosen Ausgaben der Tagesschau verbreiten: dass wir in einer halbwegs zivilisierten Welt leben. Aber eine Öffentlichkeit, die immer noch so tut, als hätte sie nicht gewusst, welche Verwüstungen der Krieg anrichtet, ist scheinheilig. Neu ist einzig die Zirkulation im Internet, in den elektronischen Medien, in Zeitungen.

SZ: Muss man diese Bilder zeigen?

Theweleit: Ich bin dafür, dass man sie zeigt. Wenn man sie in einem Kontext nach dem Motto „Oh, wie entsetzlich“ sieht, dann bleiben sie belanglos. Wenn man sich aber klarmacht, dass das ein Strang unserer Zivilisation ist, dass unsere Gesellschaft dieses ökonomisch-militärische Gewaltpotenzial hat, dass es global angewandt wird, dann können sie eine politische Diskussion in Gang setzen.

SZ: Ausgerechnet in der Region, wo der erste Golfkrieg klinisch saubere Bilder lieferte, dringt nun der Körper des Soldaten in seiner Sinnlichkeit und Verletzlichkeit über die Bilder seiner Zerstörung wieder ins Bewusstsein.

Theweleit: Für mich hat der Krieg diese Dimension der Sinnlichkeit und der Zerstörung nie verloren. Mit welchem Recht konnten wir sie auch verdrängen?




Aus: "Philosoph Theweleit im Interview: "Wir müssen diese Bilder zeigen""  Interview von Sonja Zekri (SZ vom 13. Mai 2004)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/720/31689/

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[Beschlagnahme eines "blasphemischen" Films... (Notizen)]
« Reply #6 on: July 09, 2007, 09:42:27 AM »

Quote
[...] In seinem Urteil vom 20. September 1994 entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, daß die Beschlagnahme und Einziehung des Films Das Liebeskonzil im Mai 1985 durch die österreichischen Behörden keinen Verstoß gegen Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention darstellt. In diesem Fall hatte der Antragsteller - das Otto-Preminger-Institut für audiovisuelle Mediengestaltung (OPI) - geplant, den Film zu zeigen, der Gottvater als alt, gebrechlich und unfähig, Jesus Christus als Muttersöhnchen von geringer Intelligenz und die Jungfrau Maria - die offensichtlich das Sagen hat - als charakterlose Schlampe darstellt. Sie verschwören sich mit dem Teufel, um die Menschheit für ihre Sittenlosigkeit zu bestrafen. Auf Wunsch der Diözese Innsbruck der römisch-katholischen Kirche leitete der Staatsanwalt ein Verfahren gegen den Leiter des OPI wegen "Verunglimpfung religiöser Lehren" ein und beschlagnahmte den Film nach §36 des österreichischen Mediengesetzes. Am 10. Oktober 1986 entschied das österreichische Landgericht, daß - da die künstlerische Freiheit nicht unbegrenzt sein könne - angesichts "der besonderen Schwere des vorliegenden Falles - der einen Film betraf, der primär provozieren soll und gegen die Kirche gerichtet ist, - der mehrfachen und fortgesetzten Verletzung rechtlich geschützter Interessen das Grundrecht der künstlerischen Freiheit im vorliegenden Fall zurückstehen muß".

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte akzeptierte, daß die angefochtenen Maßnahmen ein legitimes Ziel nach Artikel 10 Abs. 2 verfolgten, nämlich den "Schutz der Rechte anderer", also den Schutz der Rechte von Bürgern, die durch die öffentliche Äußerung der Meinungen anderer nicht in ihren religiösen Gefühlen verletzt werden dürfen. Der Gerichtshof entschied, daß die österreichischen Gerichte bei der Anordnung der Beschlagnahme und späteren Einziehung des Films vertretbarerweise der Meinung waren, daß es sich nach Auffassung der Tiroler Öffentlichkeit um eine Schmähung der römisch-katholischen Religion handele. Da die Urteile der österreichischen Gerichte zeigten, daß sie die künstlerische Freiheit angemessen berücksichtigt hätten und der Inhalt des Films die Schlußfolgerungen der nationalen Gerichte trage, entschied der Gerichtshof, daß die Beschlagnahme keinen Verstoß gegen Artikel 10 darstelle. Angesichts der Umstände in diesem Fall war das Gericht der Auffassung, daß das Verhalten der österreichischen Behörden nicht als überschreitung ihres Ermessensspielraums zu betrachten sei. Diese Argumentation wurde auch auf die Einziehung des Films angewandt, die eine normale Folge der Beschlagnahme sei.

Referenzen:
Originalsprache :EN European Court of Human Rights, Case of Otto-Preminger-Institut v. Austria (11/1993/406/485), 20 September 1994, Series A vol. 295-A.     
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Fall Otto-Preminger-Institut gegen Österreich (11/1993/406/485), 20. September 1994, Series A vol. 295-A.


Aus: "Europäische Audiovisuelle Informationsstelle: Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte: Beschlagnahme eines "blasphemischen" Films verletzt nicht Artikel 10 EMRK" Von Francisco Javier Cabrera Blazquez (1994)
Quelle: http://merlin.obs.coe.int/iris/1995/1/article1.de.html

-.-

Blasphemie:
http://de.wikipedia.org/wiki/Blasphemie

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[Victor László wurde zu Victor Larsen... (Casablanca: USA 1942, BRD 1952)]
« Reply #7 on: November 13, 2007, 09:08:57 PM »

Quote
[...] Als Casablanca am 29. August 1952 in die deutschen Kinos kam, enthielt der Film kaum noch Hinweise auf den Zweiten Weltkrieg. Alle Szenen mit Major Strasser und anderen Nazis waren herausgeschnitten worden. Victor László wurde zu Victor Larsen, einem norwegischen Atomphysiker, der die rätselhaften Delta-Strahlen entdeckt hat. Captain Renault wurde in Monsieur Laponte umbenannt und war nun ein Mitglied der Interpol. Casablanca war in dieser, um 25 Minuten gekürzten Version eher eine harmlose Romanze als ein Propagandafilm gegen die Nationalsozialisten und das Vichy-Regime. Erst im Oktober 1975 strahlte die ARD die neu synchronisierte Fassung aus, die bis heute bekannt ist.


Aus: "Casablanca (Film) - Die Rezeption des Films in der Bundesrepublik" (11/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Casablanca_%28Film%29
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[smugglers instead of communists... (Note, Big Jim McLain)]
« Reply #8 on: November 22, 2007, 02:48:14 PM »

Quote
Alternate versions for "Big Jim McLain" (1952)


[...] The version released in Italy and some other European countries is retitled Marijuana and has John Wayne chasing drug smugglers instead of communists.


Source: http://www.imdb.com/title/tt0044418/alternateversions (11/2007)
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[Vorbehaltsfilme... (BRD, Film, Zensur und Tabu)]
« Reply #9 on: May 26, 2008, 11:26:52 AM »

Quote
[...] Als Vorbehaltsfilme werden diejenigen Filme aus nationalsozialistischer Produktion bezeichnet, deren Aufführung in Deutschland wegen ihres starken propagandistischen Gehalts bis auf den heutigen Tag Einschränkungen unterliegt. So dürfen diese Filme nur in geschlossenen Bildungsveranstaltungen mit sachkundiger Einführung aufgeführt werden.

Die Rechte an den Vorbehaltsfilmen sind vom Bundesarchiv an die Wiesbadener Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung gegeben worden. Dort entscheidet man von Anfrage zu Anfrage, ob der geeignete Rahmen für die Aufführung eines NS-Propagandafilms vorliegt. Einen Vertrieb dieser Filme erlaubt die Stiftung grundsätzlich nicht, aber es zirkulieren illegale Kopien dieser Filme.

Betroffen sind über 40 Filmtitel, darunter z. B.:

    * Hitlerjunge Quex (Hans Steinhoff, 1933)
    * Hans Westmar (Franz Wenzler, 1933)
    * Triumph des Willens (Leni Riefenstahl, 1935)
    * Die Rothschilds (Film) (Erich Waschneck, 1940)
    * Der ewige Jude (Fritz Hippler, 1940)
    * Jud Süß (Veit Harlan, 1940)
    * Stukas (Karl Ritter, 1941)
    * Ohm Krüger (Hans Steinhoff, 1941)
    * Heimkehr (Gustav Ucicky, 1941)
    * U-Boote westwärts! (Günther Rittau, 1941)
    * G.P.U. (Karl Ritter, 1942)

Quote
Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (Literatur, Webseiten usw.) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst gelöscht. Hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung. Insbesondere fehlen Quellen zur Rechtsgrundlage der Aufführungsverbote/-einschränkungen.




Aus: "Vorbehaltsfilm" (17. Mai 2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Vorbehaltsfilm

---

Quote
[...] Schwarz-weiße Bilder, ein Bauernhof in Polen, Kinder werfen mit Steinen auf eine weinende deutsche Frau, die „Hilfe, Hilfe!“ ruft, zu fliehen versucht und am Ende zusammenbricht. Dazu dramatisch orchestrierte Musik. „Heimkehr“, ein Nazi-Propagandafilm von 1941, der den Überfall auf Polen und die brutale Politik der Besatzungsmacht rechtfertigen sollte. Zwischen 1933 und 1945 wurden in Deutschland 1200 solcherlei Propagandastreifen hergestellt. 300 Filme wurden nach dem Krieg von den Alliierten verboten. Sie lagern im Bundesfilmarchiv in Hoppegarten bei Berlin. Über 40 NS-Filme sind bis heute nur unter Auflagen zugänglich – sie werden als „Vorbehaltsfilme“ bezeichnet. Der Umgang mit diesen Streifen ist schwierig: Bewahren oder entsorgen, freigeben oder verbieten? Was sind das für Filme, die noch so gefährlich zu sein scheinen, dass man sie unter Verschluss hält? Steigert das faktische Verbot die Neugier und fördert die Mythenbildung? Brisante Fragen, die die Arte-Doku „Verbotene Filme“ von Felix Moeller am Mittwochabend aufwirft.

 „Der ewige Jude“, „Hitlerjunge Quex“, „Stukas, „Die Rothschilds“, „Der Stammbaum des Dr. Praetorius“, „Heimkehr“, "Jud Süß", all die kurzen Szenen und Bilder aus dem Auftragshause des Propagandaministers Joseph Goebbels sind auch in dieser Doku, eingebettet in die Bewertungen von Wissenschaftlern und Filmschaffenden, schwer zu ertragen. Manche der Filme kursieren im Internet und als Raubkopien. Die wenigen öffentlichen Aufführungen sind stark nachgefragt. Auch von Sonja M. Schultz. Die Filmwissenschaftlerin muss auf Kinovorführungen warten, bei Youtube herunterladen oder zu rechten Händlern gehen, wenn sie Filme aus der Zeit für ihre wissenschaftliche Arbeit auswerten will. Regisseur Oskar Roehler beklagt, man solle doch diese Filme niemandem vorenthalten: „Wer diese Sachen nicht kennt, der weiß wenig über unser Land.“ Die meisten dieser Filme sehen heute lächerlich aus, findet der Historiker Moshe Zimmermann – aber sie schreiben eben doch Stereotype fort.

Goebbels schrieb im August 1944 in sein Tagebuch, die Kerkerszene mit Paula Wessely in „Heimkehr“ sei „das Beste, was je im Film gedreht worden ist“. Das sieht das Kuratorium der Murnau-Stiftung mit fünf Vertretern der privaten Filmwirtschaft sowie drei Vertretern der öffentlichen Hand natürlich anders. Das Gremium trifft sich regelmäßig, auch um über die verbotenen, nicht zugelassenen Filme zu diskutieren. Man bewegt sich auf schwierigem Feld, ähnlich wie beim Umgang mit Hitlers Buch „Mein Kampf“. Das Grundgesetz erlaubt keine Zensur. Verboten sind die Filme aus Gründen des Jugendschutzes und des Urheberrechts.

 Natürlich könne man fragen, was an den Filmen, 70 Jahre nach Ende der Nazi-Herrschaft, noch gefährlich sein solle, sagt Ernst Szebedits, Vorstand der Murnau-Stiftung, die sich für den Erhalt und die Pflege eines Großteils des deutschen Filmerbes einsetzt. Andererseits finde er die Vorstellung unangenehm, in einer nicht kontrollierten öffentlichen Vorführung von „Jud Süß“ grölende Neonazis sitzen zu haben, während vielleicht auch noch Überlebende des Nazi-Terrors anwesend sind.

Der Historiker Moeller hat seinen Film recht komplex angelegt, zeigt auch Aussteiger aus der rechten Szene, die von Rekrutierungspraktiken und der Verführungskraft der Bilder auf junge Menschen erzählen, sowie überraschende Reaktionen auf Nazifilm-Vorführungen in Paris und Jerusalem. Am Ende steht keine einfache Lösung. Aber der Wunsch des Historikers Götz Aly: „Man sollte all diese Filme frei zugänglich machen.“ Damit man über sie diskutieren könne, das sei besser, als sie unter der Bettdecke zu halten. Markus Ehrenberg

„Verbotene Filme“, Arte, Mittwoch, 22 Uhr 20


Aus: "Arte-Doku über Propagandafilme: Verstecken oder zeigen? Das Erbe des Nazi-Kinos" Markus Ehrenberg (17.06.2015)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/medien/arte-doku-ueber-propagandafilme-verstecken-oder-zeigen-das-erbe-des-nazi-kinos/11926346.html

« Last Edit: June 17, 2015, 09:34:53 AM by Textaris(txt*bot) »
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[Film, Zensur und Tabu... (Notiz, Filmzensur, DDR)]
« Reply #10 on: May 26, 2008, 11:34:53 AM »

Quote

Filmzensur - DDR

[...] Obwohl die 1968 novellierte Verfassung der DDR Freiheit der Meinungsäußerung versprach und eine Zensur sogar explizit ausschloss, nahm die SED sich stets die Freiheit, eine Zensur, wo sie politisch geboten schien, auch ohne rechtliche Grundlage durchzuführen. Charakteristisch für die Zensurpraxis in der DDR war die Unsicherheit über die Regeln, welche Filme zu unterdrücken und welche zu erlauben seien. Da die Zensur offiziell gar nicht existierte, gab es auch keine Richtlinien. Keiner der schließlich verbotenen Filme war staats- oder parteifeindlich, sie artikulierten höchstens die Sehnsucht nach einem verbesserten, menschlicheren Sozialismus. Manche Filme wurden erst nach Schnittauflagen aufgeführt. Aus Ernesto Remanis Film „Die Schönste“ (1957) musste eine Szene herausgeschnitten werden, in der auf dem Küchentisch einer West-Berliner Arbeiterfamilie Bananen und Ananas lagen; das Leben im Westen durfte nicht attraktiver dargestellt werden als das im Osten. Charakteristisch für die Verhältnisse in der DDR war auch die „Schere im Kopf“, d. h. die Selbstzensur der Filmemacher, die ständig darüber besorgt waren, ob ihre Produktionen zur Aufführung gelangen würden. Bei manchen Künstlern ging die Unterordnung so weit, dass sie weniger angepasste Kollegen auf das Heftigste beargwöhnten. Das Ergebnis war eine nationales Kino, in dem künstlerische Neuerungen und Experimente noch weitaus seltener gewagt wurden als in vielen anderen sozialistischen Staaten. Selbst Filme aus der UdSSR durften in der DDR gelegentlich nicht aufgeführt werden (z. B. „Die Reue“, russ. „Pokajanie“, Tengis Abuladse, 1987). Der Tod Stalins brachte in der DDR nur ein kurzes politisches „Tauwetter“; hinsichtlich der Filmproduktion währte die Liberalisierung sogar nur von 1962 bis 1965.

DEFA-Verbotsfilme (Auswahl):

    * Das Kaninchen bin ich (Kurt Maetzig, 1964/65)
    * Denk bloß nicht, ich heule (Frank Vogel, 1965)
    * Berlin um die Ecke (Gerhard Klein, 1965)
    * Jahrgang 45 (Jürgen Böttcher, 1965)
    * Spur der Steine (Frank Beyer, 1966)
    * Der verlorene Engel (Ralf Kirsten, 1966)
    * Sonnensucher (Konrad Wolf, 1972)
    * Jadup und Boel (Rainer Simon, 1980)



Aus: "Filmzensur" (21. Mai 2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Filmzensur

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[Die große Illusion... (Jean Renoir, 1937)]
« Reply #11 on: August 25, 2008, 07:29:45 PM »

Quote
[...] Die große Illusion ist ein französischer Spielfilm von Jean Renoir aus dem Jahr 1937. [...] Weder die deutsche noch die französische Zensur konnte mit Renoirs Meisterwerk etwas anfangen: In Frankreich wurde er wegen Deutsch-Freundlichkeit, in Deutschland wegen Deutsch-Feindlichkeit zensiert.


Aus: "Die große Illusion" (25. Juni 2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Die_gro%C3%9Fe_Illusion

« Last Edit: July 09, 2009, 02:37:55 PM by Textaris(txt*bot) »
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[Das Gespenst... (1982, Herbert Achternbusch)]
« Reply #12 on: October 07, 2008, 01:55:53 PM »

Quote
[...] Herbert Achternbusch (* 23. November 1938 in München; eigentlich Herbert Schild) ist ein deutscher Schriftsteller, Filmregisseur und Maler. Er lebt abwechselnd in Buchendorf bei München und im Waldviertel. Achternbusch ist besonders für seine avantgardistischen Filme bekannt.

[...] 1982 lösten Blasphemie-Vorwürfe gegen seinen Film Das Gespenst einen Skandal aus. Der Film zeigt, wie Jesus Christus in einem bayerischen Kloster vom Kreuz steigt um mit einer jungen Oberin zu schlafen. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) entschied, den Film nicht freizugeben, denn er attackiere die katholische Kirche und erzeuge ein nur noch pessimistisches und nihilistisches Grundmuster der Welt, das keine rationale Verarbeitungsmöglichkeit für den Besucher zulässt. Der Film könne dem religiösen Empfinden eines nach Millionen zählenden katholischen Teils der Bevölkerung in öffentlicher Vorführung nicht zugemutet werden. [3]

[...] Die FSK revidierte zwar nach kurzer Zeit ihre Entscheidung (in Österreich und der Schweiz blieb der Film verboten), dennoch protestierten in Deutschland Hunderte von Katholiken vor den Programmkinos, einige auch im Kinosaal, indem sie ihn als Toilette benutzten. Der damals gerade neu ernannte Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann verweigerte dem Regisseur das Preisgeld für seinen Film Das letzte Loch, der ein Filmband in Silber gewonnen hatte. Schon einmal vorher wurden Achternbusch von der bayrischen Landesregierung Fördergelder verweigert, weil er in Servus Bayern einen Dichter, der nach Grönland auswandern will, sagen lässt: In Bayern möchte ich nicht einmal gestorben sein. [4]

[...]

3 # ↑ http://www.wdr.de/themen/kultur/stichtag/2008/03/25.jhtml;jsessionid=ZMDRRPHWY3MRSCQKYXEUTIQ
4 # ↑ http://www.critic.de/specials/detail/artikel/retrospektive-herbert-achternbusch-2046.html


http://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Achternbusch (5. Oktober 2008)

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[Diese Kürzungen durch die jeweiligen Filmverleiher (Caligula, 1979)]
« Reply #13 on: June 16, 2009, 02:12:17 PM »

Caligula (dt. Untertitel: Aufstieg und Fall eines Tyrannen)
ist ein Film aus dem Jahre 1979:

Quote
[...] Die Premieren-Kino-Lauflänge von angeblich 210 Minuten wurde später für einige Länder mehr als halbiert, um eine Altersfreigabe ab 18 Jahren zu ermöglichen. Da diese Kürzungen durch die jeweiligen Filmverleiher ohne Rücksprache mit dem Regisseur vorgenommen wurden, und es obendrein mehr als ein Dutzend Schnittfassungen gibt, ist nicht mehr klar erkennbar, ob Brass ursprünglich ausschließlich eine Beschreibung des römischen Sittenlebens plante. Ein Indiz hierfür mag jedoch die renommierte Darstellerriege sein – Mimen von Weltrang wie Malcolm McDowell, Peter O’Toole, John Gielgud und Helen Mirren. In der jetzigen Version (in Deutschland auf von der FSK nicht geprüften und indizierten PAL-Videos ca. 142 Minuten lang) liegt das Schwergewicht jedenfalls auf einer Aneinanderreihung von Sex-, Gewalt- und Sadismusszenen und der bis dato arg umstritten gebliebene Streifen wird nicht selten sogar als richtiger Pornofilm bewertet, obgleich sowohl die juristisch geprüfte und indizierte VHS-Kassette als auch die ebenfalls indizierte DVD um einige Sex- und Gewaltszenen entschärft wurden. Die Schnitte waren notwendig geworden, weil die Juristenkommission der SPIO in der ungeschnittenen Veröffentlichung (sie entspricht der ungeprüften Constantin-Fassung) eine strafrechtliche Relevanz festgestellt hatte. ... [...] Caligula stieß weltweit auf harsche Kritik, sowohl von Filmkritikern als auch von Zuschauern. Oft wurde dem Film vorgeworfen, ein pornografisches und spekulatives Machwerk zu sein. Dieser Meinung schloss sich auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien an, die den Film, wie weiter oben bereits erwähnt, indizierte. Der amerikanische Filmkritiker Roger Ebert bezeichnete den Film als schamlosen Müll und setzte ihn auf die Liste der von ihm meistgehassten Filme. Andere Kritiker äußerten sich ähnlich.

Die mitwirkenden Schauspieler Malcolm McDowell und Peter O’Toole distanzierten sich schon bald nach Veröffentlichung von dem Film. McDowell führte später sein Mitwirken auf sein damaliges Drogen- und Alkoholproblem zurück. ...


Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Caligula_(Film) (29. November 2008)

-

Quote
[...] Caligula ist ein groteskes Werk, mitunter in seinen Designs schön, dann auch mit geschmackvollen Szenen, letzten Endes aber eher ein Angriff auf den guten Geschmack ...



Aus: "Caligula - Aufstieg und Fall eines Tyrannen" Peter Osteried (2012?)
Quelle: https://www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/caligula-aufstieg-und-fall-eines-tyrannen

-

Quote
[...] CALIGULA von Tinto Brass (SALON KITTY) hat eine lange (Zensur-)Geschichte: In Deutschland war er 36 Jahre lang indiziert und nur in unterschiedlich stark geschnittenen Fassungen veröffentlicht worden, auch in anderen Ländern erging es ihm nicht besser. Erst im April dieses Jahres wurde CALIGULA in Deutschland vom Index gestrichen. Jetzt erschien der skandalträchtige Kultklassiker erstmals ungeschnitten in einer umfangsreichen Special Edition.

Dass der Film damals (1979!) so einen Wirbel machte und verboten wurde und oft nur in zum Teil zur Hälfte geschnittenen Versionen gezeigt werden durfte, überrascht nach Sichtung des Films kaum ...
Der bekannte Filmkritiker Roger Ebert nannte CALIGULA „sickening, utterly worthless, shameful trash“ und hielt ihn für einen der schlechtesten Filme, den er je gesehen hat oder sehen wird. Viele der zeitgenössischen Kritiker stimmten ihm zu, sie sahen in CALIGULA nichts als eine Aneinanderreihung von pornographischen und sadistischen Spektakelszenen.

... CALIGULA kann man wirklich nicht als Meisterwerk bezeichnen. Seinen Reiz bekommt der Film durch seine skandalumwobene Geschichte und seinen Touch des Verbotenen und Unmoralischen.

CALIGULA erschien am 4. Oktober 2018 bei Tiberius Film auf DVD und auf Blu-ray in einer 2-Disc Special Edition sowie einer Limited 3-Disc Steelbook Edition. Die Extras können sich sehen lassen: Über 140 Minuten Bonusmaterial, das informativ, allerdings auch manchmal redundant vom Dreh und der Produktion damals berichtet. Für Fans des Films durchaus zu empfehlen!


Aus: "CALIGULA – AUFSTIEG UND FALL EINES TYRANNEN (1979) - Tinto Brass’ Skandalfilm endlich uncut" Benjamin Wirtz (16. Oktober 2018)
Quelle: https://filmaffe.de/caligula-aufstieg-und-fall-eines-tyrannen-1979/

https://de.wikipedia.org/wiki/Caligula_(Film)

http://www.alexander-tuschinski.de/resources/CaligulaReconstructionAnalysisAlexanderTuschinski.pdf
« Last Edit: October 05, 2020, 04:23:04 PM by Textaris(txt*bot) »
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[Wie ich einmal versuchte, einen indizierten Film zu kaufen... ]
« Reply #14 on: June 28, 2009, 08:42:17 PM »

Quote
[...] Eine dieser Einrichtungen ist die "Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft" (FSK). In Roberto Rosselinis Rom, offene Stadt (1945) geht es unter anderem darum, mit welcher Brutalität die Gestapo und die Wehrmacht in Rom gegen italienische Widerstandskämpfer und deren Sympathisanten vorgingen. 1950 prüfte die FSK den Film. Resultat: Rom, offene Stadt durfte in der Bundesrepublik Deutschland nicht öffentlich aufgeführt werden. Der Film, heißt es in der Begründung vom 7.9.1950, zeige "die historische Wahrheit, wenn auch überdreht. [...] Heute jedoch, in einer neuen europäischen Situation, müssen von einer öffentlichen Vorführung völkerverhetzende Wirkungen befürchtet werden, die im Interesse einer allgemeinen, besonders einer europäischen Völkerverständigung unbedingt zu vermeiden sind". Es sei, so die FSK, "durchaus möglich gewesen, den Film noch zur Zeit der Nürnberger Prozesse hier zu zeigen", jetzt aber nicht mehr. Die Nürnberger Prozesse waren 1949 zu Ende gegangen. Damit wollte man es gern bewenden lassen. Die FSK gab den mit zahlreichen Preisen bedachten Film erst 1961 frei und nur mit einem einführenden Text, in dem versichert wurde, dass es hier ganz allgemein um "den Kampf freiheitsliebender Menschen gegen Willkür und Tyrannei" gehe: "Dieser Film richtet sich nicht gegen das deutsche Volk. Er klagt nicht den deutschen Soldaten an."

Den Protokollen kann man entnehmen, dass bei der FSK generell viel Unmut über die Italiener herrschte, die einfach kein Verständnis für das deutsche Bedürfnis hatten, das "Tausendjährige Reich" zu den Akten zu legen.

[...] Zu Zeiten der VHS-Kassette wollte ich einmal Andy Warhol's Frankenstein ausleihen. Der Film war indiziert. Um ihn leihen zu können, musste ich Mitglied bei einer Porno-Videothek werden. Ich sollte hinzufügen, dass ich mich für Pornos nicht interessiere. Denen, die ich kenne, fehlte der dramatische Konflikt, weshalb ich sie langweilig fand und nicht noch mehr davon anschauen wollte. Ich wollte nur Andy Warhol's Frankenstein ausleihen. Bis ich den Film im Regal endlich gefunden hatte, hatte ich - auf dem jeweiligen Cover der sonst dort ausgestellten Ware - so viele Penisse, Vaginas und exotische sexuelle Stellungen gesehen, wie vorher in mehreren Jahren nicht. Glücklich zuhause angekommen, legte ich den Film in den Rekorder ein und stellte fest, dass fast eine halbe Stunde herausgeschnitten worden war. Diese Fassung hätte man getrost für alle ab 12 Jahren freigeben können. Damals bekam ich eine erste Vorstellung davon, welche absurden Dinge dabei herauskommen können, wenn eine Behörde - sicher in bester Absicht - die Jugend vor Gewaltverherrlichung und Pornographie schützen will.

[...] Im Ghetto der Pornofilme ist auch Otto Preminger gelandet. Preminger, bei uns leider etwas in Vergessenheit geraten, hat eine Reihe von großartigen Filmen gedreht. Eines seiner Meisterwerke ist Bonjour Tristesse (1957) mit David Niven, Jean Seberg und Deborah Kerr. Der Film basiert auf dem Roman von Françoise Sagan, der in grauer Vorzeit als Skandalbuch galt. 1958 verfügte die FSK, dass nur Volljährige David Niven in der Badehose sehen durften. Das gilt bis heute. Eine Jugendfreigabe wäre reine Formsache. Aber dafür müsste ein neues Prüfverfahren beantragt werden, was wieder Geld kostet. Deshalb wird es nicht gemacht. Hin und wieder gibt es Versuche, die FSK-Bewertung für Filme, die vor einem bestimmten Zeitpunkt entstanden sind, einfach abzuschaffen. Bisher ohne Erfolg. Was bei uns einmal eingeführt wurde, das bleibt.

[...] Hitchcock-Fans muss ich leider mitteilen, dass es von Psycho in Deutschland nur eine "FSK 16"-Fassung auf DVD gibt. Sie ist nicht so verstümmelt wie Andy Warhol's Frankenstein, aber das eine oder andere ist doch gekürzt. Norman Bates sieht durch das Guckloch in der Wand etwas weniger von Marions BH als im Original, und "Mrs. Bates" holt zweimal weniger mit dem Messer aus, wenn sie Arbogast tötet. Das sind doch Kleinigkeiten, kann man sagen. Die oben genannten Nazi-Beispiele haben hoffentlich deutlich gemacht, dass in Deutschland nicht nur Sex- und Gewaltszenen gekürzt wurden (und werden). "Kleinigkeiten" können eine große Wirkung haben.

Aus Peeping Tom, einem der besten Filme des großen Michael Powell, schnitten deutsche Zensoren eine knappe Minute heraus (Leute, deren Tun zur Verstümmelung von Filmen führt, will ich für die Dauer dieses Artikels und der Einfachheit halber als "Zensoren" bezeichnen, obwohl ich natürlich weiß, dass die Zensur abgeschafft ist). Große Teile des Films wurden dadurch unverständlich. Heute kann man die ungekürzte Fassung auf einer ab 12 Jahren freigegebenen DVD kaufen (Augen der Angst). In England ist dieselbe Fassung erst ab 18 freigegeben. Das zeigt, wie willkürlich solche Kategorisierungen sind. Wobei, mir kommt da gerade ein Verdacht: Augen der Angst ist komplett neu synchronisiert. Als naiver Mensch denkt man, dass die neue Synchronisation wohl besser sein wird als die alte, auch wenn Karlheinz Böhm jetzt nicht mehr mit seiner eigenen Stimme spricht wie früher. Könnte es sein, dass bei der Synchronisation Zugeständnisse gemacht wurden, im Austausch für ein "FSK 12"? Ich weiß es nicht. Das Schlimme ist, dass man mit so etwas immer rechnen muss.

...


Quote
1. Mai 2009 09:17
Deja vu - und Danke für den Artikel!
kulinux

Erst dachte ich ja, mein Gott, wie laaaaaang ... und dann vermutlich
noch voller Selbstmitleid über ein mir egals Problem - aber zum Glück
hab ich mich doch entschlossen, ihn zu lesen, weil mich sowohl das
Genre als auch Zensur interessieren.
Was das Deja vu angeht: genau so habe ich mich schon mal in den 80er
gefühlt, als mir in der DDR der Zugang zu total harmloser, nicht
einmal wirklich philosophisch relevanter Literatur aus dem Westen nur
mit "Giftschein" möglich war, weil jemand meinte, besser beurteilen
zu können als ich, was gut für mich sei und wie gut ich den
Klassenfeind kennen dürfte, um mich mit ihm - natürlich kritisch -
auseinanderzusetzen. Diegleichen absurden Muster und unsystematischen
"Regeln". Aber das ist wohl ein Wesensmerkmal von Zensur - dass sie
eben auf Willkür beruht. Alle Zensoren sollte man vielleicht mal
darauf hinweisen, dass das schon mit dem Index der Kath. Kirche nicht
geklappt hat: Die Welt hat sich trotzdem weiter gedreht. ("Natürlich,
aber nicht zu ihrem Besten!" - würden die Zensoren jetzt wohl sagen.)

Noch eine Anmerkung zu Casablanca: Es ist ja nicht nur so, dass in
der ersten Synchronisation der Plot völlig absurd "umgeschrieben"
wurde - es fehlen auch gut 20min (wenn ich mich recht erinnere). Man
sollte vielleicht beide Fassungen zum Pflichtunterricht in den
Schulen machen, um einerseits zu zeigen, wie unsinnig "Zensur" und
"Freiwillige Schere im Kopf" (= FSK) sind - und wie manipulativ sie
(auf die Dauer: erfolglos) eingesetzt werden. ... neben dem vielen
anderen, das man aus diesem auch noch schön anzuschauenden Film "fürs
Leben lernen" kann.

Kuli

Quote
1. Mai 2009 11:59
Oh ... ich erinnere mich noch an einen Film auf RTL ...
ichwersonst

... "Die Wildgänse kommen" - ein Söldnerfilmchen mit Starbesetzung
und einem, wenn auch arg kleinen, moralischen Feigenblättchen. Im
Grunde gehts aber um hirnlose Ballerei :)

Hatte ich irgendwann mal auf Video schauen können und fand ich ganz
nett, lief irgendwann dann mal auf RTL - um 23:30 also zu einer Zeit
wo nun wirklich keine Schnitte zum Jugendschutz nötig sind. Ich
freute mich also auf einen unterhaltsamen Abend und dürfte dann einen
Film erleben, des Handlung so dermaßen stark zusammengeschnitten war,
daß sie gefühlt von der Ausbildung der Söldner direkt ans Ende der
Handlung mit einer Flugzeuglandung sprang. Der komplette mittlere
Teil des Films - der ihm erst seinen Sinn gegeben hätte - fehlte
schlicht.

Quote
1. Mai 2009 12:15
Re: Oh ... ich erinnere mich noch an einen Film auf RTL ...
Pitt

ichwersonst schrieb am 1. Mai 2009 11:59
...
>  lief irgendwann dann mal auf RTL - um 23:30 also zu einer Zeit
> wo nun wirklich keine Schnitte zum Jugendschutz nötig sind. Ich
> freute mich also auf einen unterhaltsamen Abend und dürfte dann einen
> Film erleben, des Handlung so dermaßen stark zusammengeschnitten war,
> daß sie gefühlt von der Ausbildung der Söldner direkt ans Ende der
> Handlung mit einer Flugzeuglandung sprang. Der komplette mittlere
> Teil des Films - der ihm erst seinen Sinn gegeben hätte - fehlte
> schlicht.

Die Privat-Sender schneiden aber auch gerne mal einfach so,
um damit mehr Platz für Werbung zu schaffen.

(Und wenn die Werbezeit nicht verkauft werden kann,
wiederholen sie minutenlang Filmabschnitte vor dem Werbeblock!
nein Danke!)

Das ist oft so dermaßen ärgerlich,
dass ich mir die wirklich gute Filmen ganz bewußt nicht mehr im TV
angucke.
Werbeblocks und zerstückelte Filmleichen...

Ärgerlich ist aber, wenn man einen Film wie z.B."True Romance"
nicht einmal mehr auf DVD mit dem genialen Original-Showdown
daherkommt,
den ich seinerzeit mal im Kino gesehen hatte.

Das was von diesem Film im TV oder auf DVD noch übrig geblieben ist,
ist schlicht eine Zumutung.

Schönen Gruß
Pitt




Quote
1. Mai 2009 10:37
Der Erwerb ist mittlerweile wieder unproblematischer
Comran

Es hat sich viel in den letzten 10 Jahren getan, und die
Film-Paranoia ebbt auch schon wieder ab. Vor 10 Jahren war der
normale Einzelhandel vielmals noch strunzdoof. Wenn man da nach einem
indizierten Film fragte, glaubten manche Verkäufer tatsächlich, dass
solche Filme verboten seien. Nun ja, ich weiß nicht, wem ich das
jetzt vorhalten soll - den doofen Verkäufern, oder der abstrusen
Regelung in D-Land.

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie der Irrsinn in der
Praxis losging. Es war zwar schon immer Gesetz, aber zur Startzeit
des Internet hat es irgendwie niemanden interessiert. Ich kaufte und
verkaufte indiziertes und beschlagnahmtes Material (z.B. Braindead)
sogar über eBay. Dawn Of The Dead und ähnliche Klassiker wechselten
so Ende der 90er den Besitzer auf VHS.

Dann kam mit dem DVD-Boom das große Reinemachen, alle Versender
wurden dicht gemacht, und es wurde nicht einmal die Chance
eingeräumt, Erwachsenenmaterial über den Postweg an Privatleute zu
schicken.

Bei uns in der Region bereiste dann ein kleiner Filmhändler immer die
etablierten Wochenend-Flohmärkte und hatte ein gutes Angebot zu
fairen Preisen. Irgendwann bemerkten auch die etablierten
Konsumtempel, dass damit Geld zu machen ist. Der BlödMarkt richtete
eine abgetrennte Folterkammer ein, wo sogar die freigegebenen
FSK-18-Titel drinstanden. ProMarkt war schon mutiger und stellte die
freigegebenen 18er öffentlich ins Regal (ist ja auch nicht verboten)
- lediglich die indizierten bekamen eine neutrale Packung mit Titel.

Seit 2-3 Jahren klappt ja auch der Versand wieder zunehmend gut. Zwar
teuer und aufwändig, aber er funktioniert. Was mich aber noch viel
mehr freut ist die Tatsache, dass Filme auch ungeschnitten wieder den
Weg nach draußen finden. SPIO/JK-Freigaben statt FSK-Irrsinn haben
uns so manche ungeschnittene Perle in Videotheken und in den
indizierten Handel gebracht. Die FSK wird einfach umgangen.
Schließlich muss man Filme ja nicht vorlegen. Macht bei Pornos ja
auch niemand. Man darf sie halt nur nicht bewerben. Aber das macht
die Communitiy in einem grenzenfreien Internet ja schon selbst.

Ich habe drei große Vorteile, weswegen mich der Irrsinn nie so
richtig getroffen hat:

1. ich brauche keine deutsche Version, wenn es eine gute englische
gibt.

2. ich habe eine Gewerbeadresse und konnte mir immer Filme von
bekannten Versendern außerhalb der EU schicken lassen, OHNE dass der
Zoll dort bösen Stoff für Privatleute vermutete.

3. Venlo ist keine 2 Stunden Autofahrt von hier. Gelegentlich mach
ich mit meiner Frau mal 'nen Ausflug dorthin und kann gemütlich im
FreeRecordShop dort bummeln.

Aber es wird immer einfacher, legal in D indiziertes Material zu
erwerben. Das Angebot ist längst nicht mehr so schlecht wie früher.
Wenn jetzt noch die verfassungsinkonforme Zensur aufgehoben würde,
wäre es perfekt.

Comran

Quote
1. Mai 2009 12:04
Ich erlebe es genau umgekehrt.
Stadtplaner

Vor 8 Jahren hatte hier in der Stadt noch fast jeder große
Elektromarkt und jeder kleine DVD-Händler unter der Theke die
Indizierten Titel.
Heute kein einziger mehr. Nicht einmal mehr die Videotheken.

Inzwischen sind die alle anscheinend bei Großhändlern, welche keine
Indizierten Titel mehr ausliefern. Und eine Grenze ist auch nicht so
nahe das es sich lohnen würde darüber zu fahren nur um mal eine DVD
zu kaufen.

Und seit diesem Jahr bekomme ich nicht einmal frei auslegbare
SPIO-Titel mehr.
Pornos sind ohne Probleme bestellbar, aber SPIO und Indizierte Titel
garnicht. :(

Quote
2. Mai 2009 10:14
Es gibt doch zig legale Handelsportale für 18er
Comran

Warum nutzt du keins der Angebote von XJuggler, Hitmeister,
RoteErdbeere etc.?

Das Gesamtangebot dieser spezialisierten Portale ist ohnehin besser
sortiert als die meisten Einzelhändler.

Aber auch stinknormale Läden wie z.B. unser MediaMarkt bieten
Bestellservice auch exotischer indizierter Titel an.

Und deine Videothek würde ich mal wechseln ;-)

Comran


Quote
2. Mai 2009 18:54
Re: Ich erlebe es genau umgekehrt.
Harald Giese, Harald Giese

Stadtplaner schrieb am 1. Mai 2009 12:04

> Vor 8 Jahren hatte hier in der Stadt noch fast jeder große
> Elektromarkt und jeder kleine DVD-Händler unter der Theke die
> Indizierten Titel.
> Heute kein einziger mehr. Nicht einmal mehr die Videotheken.
>
> Inzwischen sind die alle anscheinend bei Großhändlern, welche keine
> Indizierten Titel mehr ausliefern. Und eine Grenze ist auch nicht so
> nahe das es sich lohnen würde darüber zu fahren nur um mal eine DVD
> zu kaufen.

Ich wollte mir den ersten "Terminator" (1984) kaufen, das ging nicht
einmal beim Saturn-Markt. Die Begründung war: Im Ggs. zu FSK-18
dürfen indizierte DVDs nur unter der Ladentheke verwahrt werden und
der Verkäufer müsste mich dann mit der DVD bis zur Kasse begleiten,
damit sichergestellt ist, dass kein Minderjähriger die DVD im Laden
sieht. Wegen dieses Aufwands bieten sie keine indizierten Titel an.
Ich habe ihn mir dann aus der Erwachsenenabteilung meiner Videothek
ausgeliehen.




Quote
[...] 1. Mai 2009 11:49
Jugend-/Erwachsenenschutz.....
bombjack, bombjack@---

mal abgesehen, daß der Jugendschutz sofern es sich um Medien handelt
die digital verbreitbar sind mit dem internationalen Internet eh
netterweise (Gruß an die Flachpfeiffen von der BpjM, FSM, KjM und
natürlich jugenschutz.net) ausgedient hat wird die Sache um so besser
wenn es um Medien geht die einem der Verbreitungverbote nach diversen
Paragraphen des StgBs unterliegen, denn da frage ich mich mit welchem
Recht ein Staat bestimmen darf, daß diverse Medien mündigen Bürgern
nicht zugänglich gemacht werden.

[...] Nun kann man recht nett drüber streiten ob solche Schutzparagraphen
die Erwachsene einschränken nötig sind, allerdings wer sowas
befürwortet sollte doch dann auch bitte eine Einschränkung oder gar
ein Verbot von Fußballspielen fordern, denn da kann dort wohl auch
von einer möglichen Förderung der Aggressions- und Gewaltbereitschaft
durch exzessives Zuschauen bei Fußballspielen geredet werden oder
etwa nicht.... Wenn nun der Einwand kommt, daß ja das nicht bei allen
oder sogar der Mehrheit der Zuschauer eintritt, dann stimmt das zwar,
nur gilt das dann doch auch für den Konsum von Medien und sorry, wer
mal länger in München gelebt hat und die dortige U-Bahn nach einem
Fußballspiel benutzt hat, bekommt so einige Zweifel ob es noch
normale Zuschauer bei solchen Ereignissen gibt.
Gleiches kann man auch für den Alkohol-Konsum behaupten, auch dieser
steigert bei machen Personen ganz gewaltig die Agressions- und
Gewaltbereitschaft, wie wäre es daher mit Alkohlbeschränkung im
Fußball-Stadion oder einer Trinkmengenbeschränkung auf dem
Oktoberfest?
Es geht überhaupt nicht darum, ob ich oder andere diverse Medien
sehen wollen oder nicht, geschweige denn wieviel dieser Medien
überhaupt unter den diversen Paragraphen des StgB erfasst sind,
sondern einfach um die Möglichkeit und vor allem das Recht ohne die
Einmischung des Staates und seiner Büttel frei zu bestimmen welche
Medien einer lesen, ansehen und hören möchte, denn der einzige Zensor
der das Recht hat etwas zu zensieren ist jeder für sich selber und
kein anderer, schlißlich ist auch jeder mündige Bürger für seine
Taten selber verantwortlich und wird auch per StgB zur Verantwortung
gezogen wenn er sich von Medien zu einer agressions- und
gewaltsteigerenden Wirkung hinreißen hat lassen.
In diesem Sinne, sind Zensoren Arschlöcher fast immer und
überall......meiner Meinung nach....

bombjack

Quote
8. Mai 2009 14:22
Re: Jugend-/Erwachsenenschutz.....
Germane

bombjack schrieb am 1. Mai 2009 11:49

> Es geht überhaupt nicht darum, ob ich oder andere diverse Medien
> sehen wollen oder nicht, geschweige denn wieviel dieser Medien
> überhaupt unter den diversen Paragraphen des StgB erfasst sind,
> sondern einfach um die Möglichkeit und vor allem das Recht ohne die
> Einmischung des Staates und seiner Büttel frei zu bestimmen welche
> Medien einer lesen, ansehen und hören möchte, denn der einzige Zensor
> der das Recht hat etwas zu zensieren ist jeder für sich selber und
> kein anderer, schlißlich ist auch jeder mündige Bürger für seine
> Taten selber verantwortlich und wird auch per StgB zur Verantwortung
> gezogen wenn er sich von Medien zu einer agressions- und
> gewaltsteigerenden Wirkung hinreißen hat lassen.
> In diesem Sinne, sind Zensoren Arschlöcher fast immer und
> überall......meiner Meinung nach....

Genau hier liegt ein Problem, strafbar macht sich nur die Person die
dem ausführendem Körper zugeordnet wird nicht die Leute die
angestachelt haben. Hier gehen die Gerichte wohl wieder vom Mythos
des " freien Willens " ( der ist wissenschaftlich widerlegt ) aus.
Der Mensch macht fast alles unbewusst und das ist auch gut so, da das
Bewusstsein viel zu langsam ist für viele Entscheidungen die schnell
getroffen werden müssen.
Diese Rechtssprechung der " Selbstverantwortung " macht überspitzt
gesagt Mindcontroller die mit ihren Methoden " Zombies " steuern
quasi straffrei.
Auch sollte man bedenken, dass viele Jugendliche auf Grund des
Gruppendruckes sich Horrorfilme anschauen müssen, werden sonst
ausgelacht oder gar ausgeschlossen.

Germane



Quote
1. Mai 2009 12:02
Die Indizierung von Medien in Deutschland
Steffen_K4

Die Indizierung von Medien in Deutschland ist nicht so das große
Problem.Es gibt einige (deutsche) Online-Shops, die sich darauf
spezialisiert haben, indizierte Medien an Erwachsene zu
verkaufen.Viel problematischer sind Beschlagnahmungen eines Mediums,
die im Gegensatz zu der Schweiz, der persönliche Besitz nicht
verboten ist.Dann bleibt einem nur der Kauf im EU-Ausland übrig.Auch
werden heutzutage wieder viel mehr Filme geschnitten,manchmal so viel
daß es sogar danach eine FSK-16 bekommt.Dann werden von vielen
Herstellern FSK-18 Trailer hinzugepackt und schon muß vorne ein
FSK-18 Siegel draufgedruckt werden.Für mich ist es eine bodenlose
Frechheit gegenüber unwissenden Kunden, da kaum auf der Verpackung
draufsteht, daß es sich um eine gekürzte Fassung handelt.Aufklärung
über geschnittenen Medien schaffen die bekannten
Schnittberichtsseiten im Internet.Um eine "leichte Jugendgefährdung"
eines Filmes (bei Spielen gibt es nur die USK) bei der SPIO zu
bekommen, muß auch häufiger die Filmschere angesetzt werden,wird aber
meist weniger geschnitten, als bei der FSK.Bei einer "schweren
Jugendgefährdung" ist der Film, wie bei den Pornofilmen, automatisch
indiziert.

Fazit: Solange in Deutschland und in der Schweiz Gewaltdarstellungen
in Medien strafbar sind, (in D ist dies der § 131 STGB) wird sich
vermutlich auch nichts für die Filmfreunde längerfristig in der
Zukunkt ändern. 



Aus: "Wie ich einmal versuchte, einen indizierten Film zu kaufen"
Bericht über eine Reise nach Absurdistan - Teil 1
Hans Schmid (TP, 01.05.2009)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30145/1.html


Einmal gefährdungsgeneigt, immer gefährdungsgeneigt
Hans Schmid 02.05.2009
Bericht über eine Reise nach Absurdistan - Teil 2
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30160/1.html


« Last Edit: June 28, 2009, 09:07:18 PM by Textaris(txt*bot) »
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[Dietrich kam auf den Gedanken... ]
« Reply #15 on: September 13, 2009, 05:04:01 PM »

Quote
[...] 

Anekdoten:

    * Die berühmte Szene, in der Marlene Dietrich als Mann gekleidet eine andere Frau küsst, wurde auf Vorschlag der Schauspielerin selbst ins Drehbuch geschrieben. Diese weckte den Groll US-amerikanischer Zensoren, und nur dem Einfallsreichtum der Hauptdarstellerin ist es zu verdanken, dass die Kussszene nicht der Schere zum Opfer fiel. Dietrich kam auf den Gedanken, eine Blume der geküssten Frau anzunehmen, die sie dann Gary Cooper überreichte. Sie appellierte an die Zensoren, wenn man den Filmkuss entferne, würde die Blume in Dietrichs Hand keinen Sinn mehr haben. Tatsächlich hatte sie mit dieser Argumentation Erfolg.

...


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Marokko_(Film) (14. August 2009)

Logged

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[Das B-Movie wurde unter Gewaltandrohung daran gehindert... ]
« Reply #16 on: November 04, 2009, 10:37:11 AM »

Quote
Über uns

Das "B-Movie, Kulturinitiative auf St. Pauli e.V." ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein. Die Vereinsmitglieder sind gleichzeitig KinobetreiberInnen, OrganisatorInnen, ProgrammplanerInnen, VorführerInnen, Tresenkräfte und Ausführende aller anderen, im Kino anfallenden Arbeiten. Dabei arbeiten alle Mitglieder ehrenamtlich und mit einem hohen persönlichen und zeitlichen Aufwand.

Das B-Movie bildet seit 1987 einen festen Bestandteil im kulturellen Angebot des Hamburger Stadtteils St. Pauli und bietet ein abwechslungsreiches, innovatives und vor allem einmaliges Kinoangebot. Jeden Monat wird eine thematische Filmreihe präsentiert, die entweder das filmische Schaffen einer cineastisch relevanten Persönlichkeit vorstellt oder sich mit einem bestimmten künstlerischen, politischen, sozialen oder kulturellen Thema auseinander setzt.

Hinzu kommen regelmäßig stattfindende Veranstaltungen, die aus dem Verein heraus oder in Zusammenarbeit mit anderen Hamburger Initiativen und Institutionen aus dem Filmbereich entstehen, dazu gehören das Gehörlosenkino, die DIEnstagsDOKU und das DienstagsKino der KurzFilmagentur und das Open Air Kino auf dem Stintfang. Auch finden zahlreiche Einzelveranstaltungen vereinsexterner Gruppen statt. Darunter als prominenteste die Hörbar, welche sich als "Treffpunkt für ProduzentInnen und KonsumentInnen experimenteller Musik" wöchentlich im B-Movie trifft und monatlich ein Konzert im Kinosaal veranstaltet. Die Veranstaltungen werden dabei häufig mit einer Filmvorführung verbunden. Zudem kann man das B-Movie auch für private Veranstaltungen mieten.

Außerdem hat sich das Kino als Festivalkino etabliert. So finden jedes Jahr das Internationale KurzFilmFestival Hamburg, das Japan Filmfestival und die Lesbisch-Schwulen Filmtage zum Teil im B-Movie statt.

Daneben zeichnet sich das Kino durch seinen sozial verträglichen Eintrittspreis von 3,50 Euro aus (das einmal im Monat stattfindende DienstagsKino der KurzFilmAgentur ist sogar kostenlos). Seit März 2008 kann man auch eine Jahreskarte zum Preis von 50 Euro bei uns im Kino erwerben.
   

Quelle: http://www.b-movie.de/info/info_selbst.php3 (Stand 11/2009)


-.-

Quote
[...]  Das Kino auf St. Pauli
ohne Werbung,
im Hinterhof
und in Stereo!

...


Verbotsfilme aus der DDR

Die bereits im Oktober begonnene Reihe setzen wir mit sechs weiteren verbotenen und gegenwartskritischen Filmen fort. Protagonisten aller Filme sind Randgruppen und Außenseiter der Gesellschaft, die es in der DDR offiziell aber nicht gegeben hat und die deshalb auch nicht porträtiert werden durften. Einige mutige Regisseure haben sich dennoch dieses Sujets angenommen und erstklassige sowie sehr seltene Zeitdokumente der DDR der 80er Jahre geschaffen.

...

------------------


Was war heute Mittag hier los?

Stellungnahme zu Sonntag, den 25.10.09

Das B-Movie wurde unter Gewaltandrohung daran gehindert, den Film "Warum Israel" von Claude Lanzmann zu zeigen. "Warum Israel" sollte im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung in Kooperation mit Kritikmaximierung Hamburg um 15 Uhr in unserem Kino aufgeführt werden. Personen aus dem Spektrum des internationalen Zentrums B5 hatten den Zugang zum B-Movie versperrt.
Trotz mehrmaliger Kommunikationsversuche wurde uns unmissverständlich klar gemacht, dass die Veranstaltung auf keinen Fall zugelassen werde. Um eine gewalttätige Auseinandersetzung zu verhindern, sahen wir uns gezwungen, die Veranstaltung abzusagen und auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

Einen derartigen Eingriff in unsere Programmgestaltung lehnen wir prinzipiell ab.

Eine ausführliche Stellungnahme folgt.



Quelle: http://www.b-movie.de/ (Stand 04.11.2009)

-.-

Quote
[...] Stellungnahme zu den Vorfällen am 25.10.2009

Das B-Movie wurde am 25.10.2009 daran gehindert, den Film "Warum
Israel" von Claude Lanzmann zu zeigen. "Warum Israel" sollte im Rahmen
einer Diskussionsveranstaltung in Kooperation mit Kritikmaximierung
Hamburg um 15 Uhr in unserem Kino aufgeführt werden. Personen aus dem
Spektrum des benachbarten internationalen Zentrums B5 hatten den
Zugang zum B-Movie abgesperrt. In einer Agitprop-Vorstellung wurde ein
"israelischer Checkpoint" errichtet. Die dargestellten israelischen
Soldaten waren mit selbstgeschnitzten Holzgewehren ausgerüstet. Andere
an der Blockade beteiligte Personen waren mit Fahrradschlössern und
Schlaghandschuhen bewaffnet. Bei mehrfachen Gesprächsversuchen wurde
uns unter Gewaltandrohung deutlich gemacht, dass die Veranstaltung auf
keinen Fall zugelassen werde. Um eine Eskalation zu verhindern, sahen
wir uns gezwungen, die Veranstaltung abzusagen. Dennoch kam es zu
nicht tolerierbaren Beschimpfungen und mindestens drei unserer Gäste
wurden durch Faustschläge ins Gesicht verletzt.

Bereits im Vorfeld wurden wir von Vertretern der B5 besucht, die sich
gegen die Veranstaltung aussprachen, da sie sich als unsere Nachbarn
durch den Film und unsere Gäste gestört fühlen würden. Unser Angebot,
sich die Filmvorführung anzuschauen und an der Diskussion
teilzunehmen, wurde abgelehnt. Wie sich dabei herausstellte, hatten
weder die Vertreter noch die restlichen Kritiker aus der B5 den Film
überhaupt gesehen.

Das B-Movie ist ein selbstverwaltetes und unkommerzielles Kino. Wir
zeigen die Filme, die wir zeigen wollen und machen Veranstaltungen mit
unterschiedlichen Partnern. Dabei sind wir offen für viele Meinungen
und Überzeugungen, für Diskussion, Kritik oder auch Streit. Aber nicht
für Gewalt.

Die Veranstaltung "Warum Israel" ist in Absprache mit
Kritikmaximierung Hamburg auf Sonntag, den 13.12.09 um 16:00 Uhr
verlegt worden.

Wir appellieren an alle, einen gewaltfreien Ablauf der Aufführung und
der anschließenden Diskussion zu ermöglichen.

...


Aus: "Stellungnahme zu den Vorfällen am 25.10.2009"
Email: B-Movie Programm im November

-.-


Nachtrag:

Regisseur Lanzmann "schockiert" über Krawalle bei Israel-Film
Von Sebastian Hammelehle (19.11.2009)
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,661980,00.html

-.-


Quote
[...] Eine Filmaufführung zu verhindern, Bilder zu verbieten, war eine bewährte Methode der Nationalsozialisten.


"Israel-Film blockiert - Antifas als Antisemiten" Christiane Peitz (22.11.2009)
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 22.11.2009)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/kultur/Claude-Lanzmann;art772,2956204

« Last Edit: November 23, 2009, 10:06:48 AM by Textaris(txt*bot) »
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[Der Untertan... (Notizen)]
« Reply #17 on: November 07, 2009, 11:30:34 AM »

Quote
[...] Der Untertan ist ein Roman von Heinrich Mann. Das Manuskript wurde zwei Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 abgeschlossen. Der Roman erschien aber erst 1918 und provozierte nach seiner Veröffentlichung heftige Kontroversen.

... In der ganzen Welt erhielt der Film hohe Anerkennung. Lediglich in der Bundesrepublik Deutschland wurde er für 6 Jahre verboten, da man den Film als Angriff auf die Bundesrepublik betrachtete, in der viele Ansätze eines erneuten Untertanenstaates sahen. Der „Interministerielle Filmausschuss“, die für die Filmeinfuhr hauptverantwortliche Stelle, untersagte die Veröffentlichung aufgrund § 93 des StGB, der Herstellung von verfassungsfeindlichen Publikationen verbot. 1956 kam es dennoch zu einer einmaligen Aufführung in Westberlin. Eine Prüfung durch das bundesdeutsche Wirtschaftsministerium ergab schließlich, dass bei dem Film augenscheinlich kein Verstoß gegen geltende Gesetze vorlag und man gab ihn frei. Dennoch wurde er im Januar 1957 erneut durch die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) verboten. Nach einer Kürzung von 11 Minuten erfolgte dann die endgültige Freigabe im Februar 1957. Allerdings wurde auch jetzt noch dem Film ein Text vorangestellt, der den dargestellten Fall ausdrücklich als Einzelbeispiel kennzeichnete.

...


    Aus: Der Untertan (Film)
    * Herausgeber: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
    * Autor(en): Wikipedia-Autoren, siehe Versionsgeschichte
    * Datum der letzten Bearbeitung: 14. August 2009, 14:17 UTC
    * Versions-ID der Seite: 63375259
    * Permanentlink: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Der_Untertan_(Film)&oldid=63375259
    * Datum des Abrufs: 7. November 2009, 10:29 UTC

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[Schroff ist ein Riff, und schnell geht ein Schiff zugrunde... ]
« Reply #18 on: December 02, 2009, 08:46:13 AM »

Quote
[...] Obwohl Käutner nicht zum Widerstand gehörte, hat er sich während der Nazizeit eine gewisse Unabhängigkeit in seinem Schaffen bewahren können. Er drehte mit Kitty und die Weltkonferenz einen Film, der von der Zensur als probritisch verboten wurde. Mit Große Freiheit Nr. 7 (vgl. Hamburg-Hymne) und Unter den Brücken schuf er zwei Filme, die in ihrer Betonung des Individuellen stark dem Weltbild der Nazis widersprachen. Mit Kleider machen Leute veralberte er insgeheim den Uniformenwahn der Zeit. In dieser Zeit entstand auch Romanze in Moll.

1954 feierte er mit dem Antikriegsfilm Die letzte Brücke einen großen Erfolg.

...


Aus: „Helmut Käutner“ Bearbeitungsstand: 27. Oktober 2009, 22:28 UTC.
(Abgerufen: 2. Dezember 2009, 07:44 UTC)
URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Helmut_K%C3%A4utner&oldid=66099008

-.-

Quote

Quote
... Helmut Käutners Film "Große Freiheit Nr. 7", der von 1943 bis 1944 gedreht wurde, kam erst nach dem Krieg in Westdeutschland in die Kinos. Es war der erste große Leinwanderfolg der Nachkriegszeit, Hans Albers' Titelsong "La Paloma" war in allen Rundfunksendern zu hören.

[1944:]

[...] Käutner und Albers stehen unter ständiger Beobachtung des Propagandaministeriums, weil sie schon etliche Male durch mangelnde Linientreue aufgefallen waren. Seinen Filmtitel "Große Freiheit" konnte Käutner 1943 nur retten, indem er zur Tarnung seiner Absichten die Hausnummer 7 anhängte. Ursprünglich sollte der St.-Pauli-Streifen dem deutschen Volkslied ein Denkmal setzen - so Goebbels’ ausdrücklicher Wunsch. Und so gab Regissuer Käutner dem Minister zwar "Muss i denn", aber das war auch schon das Ende der Konzessionen. Sein Text für "La Paloma" war eine Kampfansage an jeden Zensoren.

Ein Schlager als Kampansage gegen die Nazis

Den von Hans Albers gespielten Hannes lässt er singen:
"Einmal muß es vorbei sein." Und: "Dann winkt mir der Großen Freiheit Glück".

Und ähnlich subversiv geht es weiter:
"Jetzt heißt es auf Gott vertraun.
Seemann gib acht, dann strahlt auch als Gruß des Friedens,
hell in der Nacht das leuchtende Kreuz des Südens.
Schroff ist ein Riff, und schnell geht ein Schiff zugrunde,
früh oder spät schlägt jedem von uns die Stunde."

[...] In den Kriegsjahren 43/44 von Frieden zu singen und auf Gott statt auf den "Führer" zu vertrauen war schon ein starkes Stück. Dann auch noch anzufügen, wie schnell ein Schiff zugrunde geht, ein Szenario, von dem Admiral Dönitz mit seiner Flotte im Nordatlantik ebenfalls ein Lied hätte singen können, das war kaum zu überbieten. Es sei denn, man gibt Hans Albers im Jahr des Falls von Stalingrad einen Text zum Einstudieren, in dem es heißt: "Früh oder spät schlägt jedem von uns die Stunde." Eine gezielte Provokation.

So verwundert es nicht, dass Goebbels seinen Großadmiral Dönitz zur Vorbesichtigung schickte, als die "Große Freiheit Nr. 7" in Prag im Dezember 1944 erstmals vorgeführt wurde - die Dreharbeiten waren aus dem zerbombten Berlin und Hamburg dorthin verlegt worden. Der Großadmiral reagierte erwartungsgemäß entsetzt auf das, was er über die Leinwand flimmern sah. Von "dauernd besoffenen Matrosen" berichtete er Goebbels am Telefon und von einem "wehrkraftzersetzenden Machwerk". Goebbels, Herrscher über die Ufa, entschied, dass die "Große Freiheit Nr. 7" zwar am 15. Dezember in Prag uraufgeführt werden dürfe, aber nicht im Deutschen Reich. Für Berlin ordnete er eine geschnittene Fassung an. Im März 1945 befahl er schließlich, den Film nicht für die Kinos freizugeben. Da blieben ihm gerade mal noch zwei Monate der Kulturherrschaft über Deutschland.

...


Aus: "Subversiver Schlager - Hit gegen Hitler" Rüdiger Bloemeke  (1.12.2009)
Quelle: http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/5583/hit_gegen_hitler.html

« Last Edit: December 02, 2009, 08:48:03 AM by Textaris(txt*bot) »
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[Von Zombies und Zensoren... ]
« Reply #19 on: December 10, 2009, 01:23:38 PM »

Quote
[...] Lebende Tote wühlen in den Eingeweiden ihrer Opfer, fressen Menschen bei lebendigen Leib auf. Vernichtet werden konnten die Ungeheuer nur, wenn man ihnen den Kopf wegschoss. „Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kehren die Toten auf die Erde zurück.“ Auf diese griffige Formel brachte es der Werbespruch des Films „Zombie“ (1978) von George A. Romero, der nicht nur das Publikum schockte, sondern auch Jugendschützer auf den Plan rief.

Fraglos: So explizit brutal wurde selten auf der Leinwand gemordet. War das das Ende des Darstellbaren? Der Untergang des Abendlandes gar? Dieses düstere Szenario zumindest malten nicht wenige Jugendschützer an die Wand. Und auch die Boulevardmedien empörten sich, vermuteten oftmals einen direkten Zusammenhang zwischen Gewalttaten und Horrorfilmkonsum. In der Folge erschien der Film nicht nur in ständig veränderten Schnittfassungen, egal ob auf Video, Super-8 oder DVD, sondern wurde von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien immer wieder beschlagnahmt. Die Folge: Bis heute ist es in Deutschland nahezu unmöglich, den Film in seiner ursprünglichen Fassung zu erleben. Fans und Cineasten müssen dafür entweder in Ausland fahren – in den Niederlanden ist der Film ab 16 Jahren freigegeben – oder im Internet forschen.

Dabei stimmen Filmwissenschaftler und Kritiker längst darüber ein, dass „Zombie“ kein übles Machwerk, sondern im Gegenteil ein intelligenter und verstörender Beitrag zu gesellschaftlichen Themen wie Konsumterror und Kapitalismus. Und selbst der katholische „Filmdienst“, der noch 1979 vom Besuch abriet, bezeichnete den Film 1997 als „perfekt inszeniert“ und als „raffinierte Publikumslenkung“.

Und die Geschichte wiederholt sich. Denn George A. Romeros 1968 entstandener „Zombie“-Vorläufer „Die Nacht der lebenden Toten“ wurde vom Branchenblatt „Variety“ noch als Maßstab für den Begriff „Gewaltpornografie“ bezeichnet. Was das New Yorker Museum of Modern Art allerdings schon 1970 anders sah, als es den Film in sein Programm aufnahm.

Neue Erzählmuster – der Held ist ein Schwarzer, es gibt kein Happy End – verstörten die Zuschauer ebenso sehr wie die explizite Gewalt. Es schien, als seien alle alten Regeln über den Haufen gestoßen worden. Es ist für viele die Geburtsstunde des modernen Horrorfilms. Grund genug also für das Museum, den Film in seine ständige Sammlung aufzunehmen.

Die Zeiten und die Sicht auf das, was Kunst ist oder schädlich sein könnte, ändern sich also. Da scheint es besonders absurd, dass der Original-„Zombie“ von 1979 in Deutschland noch immer beschlagnahmt ist, das gleichfalls brutale Remake „Dawn of the Dead“ (2004) aber frei erhältlich bleibt. Oder sollte der Originalfilm noch immer so verstörend sein?


Aus: "Zombies und Zensoren" Von Tobias Sunderdiek, Osnabrück (10.12.2009)
Quelle: http://www.neue-oz.de/information/noz_print/feuilleton/24215432.html

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[In Deutschland kam der Film übrigens... (Rififi)]
« Reply #20 on: February 01, 2010, 12:42:57 PM »

Quote
[...] „Rififi“. Über eine halbe Stunde wird kein Wort gesprochen. Wenn Dieb Tony (Jean Servais) und seine drei Kumpanen ihren großen Coup durchführen, den sie vorher minutiös geplant haben, sprechen nur die Bilder. Selten sieht man so exemplarisch, welche Kraft diese allein haben. Es ist sicher die denkwürdigste Szene von Dassins genreprägendem Heist-Movie, aber natürlich nicht die einzige denkwürdige. Nein, „Rififi“ ist von der ersten bis zur letzten Minute ein hoch spannendes und dramatisches Kunstwerk, an dessen Ende nur Verlierer stehen - mit einer Ausnahme: der Zuschauer.

...

[...] In Deutschland kam der Film übrigens um sieben Minuten gekürzt mit einer Freigabe ab 18 Jahren in die Kinos. Anfang 2008 erfolgte die längst überfällige ungeschnittene deutsche DVD-Veröffentlichung des Klassikers (neue Freigabe: ab 12), die übrigens daneben auch die alte gekürzte Version bietet. Die dürfte allerdings nur noch aus nostalgischen Gründen von Interesse sein.


Aus: "Rififi" von Björn Becher (Datum?)
Originaltitel: Du Rififi Chez Les Hommes
Krimi, Frankreich 1955
Quelle: http://www.filmstarts.de/kritiken/96741-Rififi.html

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[Chaos im Kinosaal... ]
« Reply #21 on: January 19, 2011, 11:14:58 AM »

Quote
[...] Warum aber führt ein kurzer Blick unter die Gürtellinie eines Hollywood-Stars schon zum Eklat, Porno- oder Horrorstreifen aber bleiben ohne Medienecho? Volk stellt für die Zutaten eines Skandalfilm eins simple Formel auf: "Je höher der soziale Status eines Films, je prominenter seine Besetzung, sein Regisseur, je höher sein Kunstwert gehandelt wird, desto tiefer kann er fallen." Und: "Je bekannter ein Film ist, desto schneller wird er zum Skandal."

Deshalb wurde Pasolinis höllische Faschismus-Parabel "Salò oder Die 120 Tage von Sodom" von 1975 zeitweilig von der italienischen Regierung verboten, in Frankreich in Pornokinos abgeschoben und in Deutschland von vielen Kritikern auf das schärfste verurteilt. Der provokante US-Nischenstreifen "Ilsa - She Wolf Of The SS", der mit KZ-Sex und Erotik-Folterszenen durchaus das Potential zu einem weltweiten Skandal gehabt hätte, blieb dagegen unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung.

Und deshalb wurde die Kopie von Nagisa Oshimas "Im Reich der Sinne", der 1976, erstmals echten Sex außerhalb eines Pornofilms zeigte, damals auf der Berlinale beschlagnahmt. Dass die deutschen Kinos zeitgleich mit pseudoaufklärerischen Sexfilmchen à la "Schulmädchenreport" überschwemmt wurden, in denen unter anderem mehrfach minutenlang Vergewaltigungen von minderjährigen Mädchen nachgestellt wurden, schien hingegen vollkommen okay.

...

Stefan Volk: "Skandalfilme: Cineastische Aufreger gestern und heute". Schüren Verlag, Marburg 2011, 320 Seiten.

Quote

Josef Tura
19. Januar 2011, 09:34
Ingmar Bergmans Das Schweigen hat damals die Klerikalen auch auf die Palme gebracht.

Rudi Kant
18. Januar 2011, 14:31
Ich vermisse bei dieser Top-of-Liste den Film Clockwork Orange, der ebenfalls in vielen Ländern jahrzehntelang verboten war.

Christian Albert
18. Januar 2011, 14:53
Die letzte Versuchung Christi
Das war damals auch ein großer Skandal. Vor dem Kino standen damals Pfarrer, Nonnen und andere Katholiken und haben uns Besucher aufs übelste beschimpft. Dabei war der Film ansich ziemlich langweilig.

Kai Hessing
18. Januar 2011, 17:38
*hmm* 'a cruel picture' zeigt auch echten Sex ohne ein Porno zu sein und ist von 1973. Wobei heute wohl keiner mehr weiß, ob diese Szenen damals irgendwo ungeschnitten gezeigt wurden. Er hat auch so genug Aufruhr erzeugt...

http://de.wikipedia.org/wiki/Thriller_%E2%80%93_ein_unbarmherziger_Film


Carl-Ernst Müller
18. Januar 2011, 18:41
Sehr interessant!

Ein Film fehlt, wie ich denke:
www.earthlings.com


Jörg Daehn
18. Januar 2011, 22:31
Und es fehlt die erste Nacktszene in einem Kinofilm:

http://de.wikipedia.org/wiki/Ekstase_%28Film%29


...

http://einestages.spiegel.de/external/ShowTopicAlbumDiscussion/a19901/l0.html#50981





Aus: "Skandalfilme - Chaos im Kinosaal" Benjamin Maack (18.1.2011)
Quelle: http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/19901/chaos_im_kinosaal.html


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[Ein bewaffnetes Polizeiaufgebot drängte die Zuschauer... ]
« Reply #22 on: February 21, 2011, 12:23:56 PM »

Quote
[...] Die Demonstranten warfen Stinkbomben, skandierten Parolen, schmähten den Bischof und die Geistlichkeit. Heute vor 60 Jahren, am 21. Februar 1951, stand Regensburg am Rande eines Bürgerkriegs. Ausgelöst wurden die Tumulte von einem Kinofilm, der die Bevölkerung in Befürworter und Gegner entzweite. "Die Sünderin" lautete der Titel des Skandalstreifens, in dem die damals 25-jährige Hildegard Knef für wenige Sekunden ihre nackte Brust zeigte.

Aber nicht diese Szene löste einen Proteststurm aus, wie fälschlicherweise oft angenommen wird. Vielmehr kritisierten die Gegner des Films, dass er die Prostitution ebenso als Selbstverständlichkeit darstellt wie den Suizid und die Tötung auf Verlangen. Die Knef war in der Rolle einer Prostituierten zu sehen, die Sterbehilfe für ihren kranken Freund leistet und anschließend Selbstmord begeht.

Es war starker Tobak, der dem Kinopublikum serviert wurde. Als der Film am 18. Januar 1951 Premiere feierte, war der Skandal programmiert. Aber nirgendwo kam es zu so heftigen Reaktionen wie im Freistaat. Die Widersprüchlichkeit von Tradition und Moderne, die Bayern heute noch prägt, öffnete sechs Jahre nach Kriegsende den Weg für einen Wertewandel im deutschen Filmgeschäft.

Ähnlich sieht das die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK): "Wir waren eine verklemmte, postfaschistische Gesellschaft mit einem prüden Frauenbild und einem heldenhaft verklärten Männerbild", sagt FSK-Geschäftsführerin Christiane von Wahlers. " Dem Film ist eine klärende Debatte über die Freiheit der Kunst im Kino zu verdanken, von der wir bis heute profitieren."

Kurz vor der Veröffentlichung hatte die FSK die Freigabe verweigert, die Vorführung dann aber doch gestattet. Der katholische Film-Dienst rief sofort zum Boykott auf. Flugblätter wurden verteilt: "Die Sünderin - Ein Faustschlag ins Gesicht jeder anständigen deutschen Frau! Hurerei und Selbstmord! Sollen das die Ideale eines Volkes sein?"

In Regensburg hatten sich am Abend des 21. Februar 1951 mehrere tausend Menschen auf dem Rathausplatz versammelt. Der Historiker Christian Kuchler, der die Ereignisse in einer Dissertation aufgearbeitet hat, sagt, dass unter den Teilnehmern nur etwa 400 Menschen ein Filmverbot gefordert hätten. Die Mehrheit sei erschienen, um für die Freiheit der Kunst zu demonstrieren.

Als Stinkbomben gezündet wurden und ein Polizist verletzt am Boden lag, spitzte sich die Lage zu. In Rücksprache mit dem Innenministerium verhängte der Regensburger Oberbürgermeister Georg Zitzler ein Verbot des Films. Ein bewaffnetes Polizeiaufgebot drängte die Zuschauer aus dem Kino und beschlagnahmte die Filmrollen.

Nun marschierten empörte Regensburger vor das Rathaus. Das liberale Bürgertum wehrte sich gegen die Absetzung der "Sünderin", aber die Polizei ging mit Wasserwerfern und Knüppeln gegen die aufgebrachte Menge vor. Die Regensburger Feuerwehr, so überliefert es die Lokalpresse, habe sich geweigert, auf die Bürger zu spritzen - daraufhin habe die Polizei die Spritze beschlagnahmt. Vor dem bischöflichen Palais äußerten Demonstranten massive Beschimpfungen gegen die Geistlichkeit, außerdem beschädigten sie das Gebäude.

Erst der dritte Tag brachte die Wende. Wieder fanden sich Tausende vor dem Rathaus zusammen, wo der Stadtrat schließlich in einer Sondersitzung mit einer Stimme Mehrheit für die Freigabe des Streifens votierte. Ganz Deutschland blickte gebannt auf die Wirren, die der Knef-Film in Bayern ausgelöst hatte. Im ganzen Land hatten sich zwar Aktionskomitees gebildet, aber die bayerischen Bischöfe standen an der Spitze des Protests.

Die schärfsten Worte fand der Regensburger Erzbischof Michael Buchberger. Er sprach von einem "Vorgeschmack auf einen bolschewistischen Angriff, der die christliche Grundordnung zerstören" wolle. Seine Äußerungen zeigen, so Kuchler, dass man im katholischen Milieu das Ringen nicht nur als eine Konfrontation um einen Film ansah. Gerade im Bistum Regensburg war man erschüttert, welch hohe Mobilisierungskraft die antiklerikalen Kräfte entfalteten. Nur der Speyerer Bischof Joseph Wendel und der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Michael Faulhaber, schwiegen.

Der von der Kritik überwiegend als künstlerisch belanglos bewertete Streifen entwickelte sich dank der Aufführungsverbote und der Proteste zu einem Kassenerfolg. Vier Millionen Zuschauer sahen ihn, bevor er im Sommer 1951 wieder aus den Kinos verschwand.

Die Tumulte vor 60 Jahren sind Gegenstand einer Ausstellung, die von Regensburger Schülern und Studenten erarbeitet wurde und an diesem Montag (19 Uhr) in der Aula des Von-Müller-Gymnasiums in Regensburg (Erzbischof-Buchberger-Allee 23) eröffnet wird.




Aus: "Der Filmkrieg" Von Hans Kratzer (21.02.2011)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/bayern/die-suenderin-in-regensburg-der-filmkrieg-1.1062499

-.-

Die Sünderin ist ein deutscher Film aus dem Jahr 1951. Er war auch wegen des nachfolgenden Skandals der Durchbruch der Schauspielerin Hildegard Knef. Der Film feierte seine Erstaufführung am 18. Januar 1951.
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_S%C3%BCnderin

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[Nach Meinung der zuständigen... ]
« Reply #23 on: May 27, 2015, 07:47:41 AM »

Quote
[...] Ein Spielfilm über Prostitution in der marokkanischen Stadt Marrakesch darf in Marokko selbst nicht gezeigt werden. Das Kommunikationsministerium in Rabat teilte mit, dass das Drama mit dem Titel "Much Loved" des französisch-marokkanischen Filmemachers Nabil Ayouch nicht in die Kinos kommen werde. Der Film war beim internationalen Festival in Cannes bereits gezeigt worden.

Nach Meinung der zuständigen Behörde schade der Film marokkanischen Frauen sowie dem Ruf des nordafrikanischen Königreichs insgesamt. Gegen den Regisseur und die Hauptdarstellerin sind bereits Morddrohungen und Klagen eingegangen. Prostitution ist im islamischen Marokko ein Tabuthema - obwohl sie häufig vorkommt.

Ende 2014 hatte die marokkanische Filmkommission schon einmal die Aufführung eines Films untersagt: Ridley Scotts alttestamentarisches Werk "Exodus" durfte nicht gezeigt werden, da es sich angeblich um Geschichtsfälschung handelte. Der Film, der die Geschichte von Moses und Ramses erzählt, wurde anschließend noch in anderen islamischen Ländern verboten.

cri/dpa


Aus: "Zensur: Film über Prostitution darf in Marokko nicht gezeigt werden" (26.05.2015)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/marokko-verbietet-film-ueber-prostitution-in-marrakesch-a-1035642.html

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[Welche Filminhalte wurden hier... ]
« Reply #24 on: November 02, 2015, 02:57:47 PM »

Quote
[...]  Matthias Uhlmann untersucht die Geschichte der Filmzensur im Kanton Zürich. Er verrät, welche Filme zu anstössig waren – und gerade darum oft auch erfolgreich.

Sie schreiben Ihre Dissertation über die Zürcher Filmzensur. Welche Filminhalte wurden hier verboten?

Matthias Uhlmann: Hauptsächlich Nackt- und Gewalt­darstellungen; Erstere in Nudisten- und später in Sexfilmen. Da die Produzenten nackte Haut, sexuelle Handlungen oder Geburtsdarstellungen oft auch in Auf­klärungs­filmen unterbrachten, stand dieses Genre ebenfalls im Blick der Filmzensur. In Expeditions- und Reisefilmen waren exotische Frauen oben ohne seit den Anfängen des Films zu sehen, europäische oder hiesige Nackedeis durfte man aber nicht zeigen.

Wer war damals verantwortlich für die Filmzensur?
Matthias Uhlmann: Seit Beginn die Polizeidirektion, die auf der Grundlage der Gutachten einer sogenannten Filmkontrollkommission entschied; Rekursinstanz war der Regierungsrat. Erst 1960 wurde das Ver­waltungs­gericht eingesetzt – endlich eine unabhängige, gerichtliche Instanz, bei der die Entscheidungen der Ver­waltung angefochten werden konnten.

Wie viele Leute sassen in dieser Kommission, und wer waren sie?
Matthias Uhlmann: Rund ein Dutzend. Die Zensur musste basisdemokratisch abgestützt sein, denn sie beanspruchte für sich, für den Durchschnitt der Bevölkerung zu ­sprechen. Neben der obligaten Frauen­beteiligung waren es meist gestandene Herren aus der Verwaltung, Richter und Staatsanwälte.

Wie wurde zensiert?
Matthias Uhlmann: Die Filme wurden entweder ganz ver­boten oder mit Schnittauflagen belegt. Letzteres ist für meine Arbeit aufschlussreich, weil die Kürzungen in der Regel beschrieben wurden und man nachvollziehen kann, was in einem bestimmten Jahrzehnt herausgeschnitten werden musste. Oft wurde akribisch festgehalten, ab welchem Filmbild der Schnitt anzusetzen hatte; im Falle des italienischen Films «Europa di notte» von 1959, der verschiedene Variété-Nummern zeigte, wurde etwa verfügt: «Der zweite und der dritte im ‹Crazy-Horse-Saloon› gezeigte Striptease sind wegzulassen. Es darf nur der erste Striptease (Tänzerin im roten Kleid) gezeigt werden.»

Welche Filme machten viel Arbeit?
Matthias Uhlmann: Dem Kantonsparlament sicherlich die Nudistenfilme von Werner Kunz Mitte der Fünfzigerjahre. Betreffend Nacktdarstellungen waren sie die erste Wegscheide. Im Kantonsrat wurde damals tagelang darüber debattiert – über einen Film, der heutzutage nur noch durch seine Harmlosigkeit schockiert. Der Zürcher Polizeidirektor zog damals das Fazit, «dass bei zahlreichen Kantonsräten der Wunsch besteht, bei der Freigabe von Nudistenfilmen etwas grosszügiger zu sein». Es dauerte nicht lang, bis verschiedene Nudistenfilme aus dem Ausland importiert wurden. Das Kino Stüssi­hof zeigte sie oft monatelang.

Wurde danach die Zensur gelockert?
Matthias Uhlmann: Nach den Nudistenfilmen forderten einige Pin-up-Filme, ab 1968 dann die Aufklärungsfilme von Oswalt Kolle die Zensur heraus. Diese waren ebenfalls hoch umstritten. Irgendwann musste die Behörde aber erkennen – auch aufgrund der kritischen Berichterstattung in den Zeitungen –, dass sie solche Filme ernst nehmen musste, weil das Publikum sie sehen wollte. 1971 entschied das Stimmvolk dann, dass der Verbotsgrund des «unsittlichen Films» gestrichen wird.

Gibt es Filme, die nicht in Zürich, aber anderswo zu sehen waren?
Matthias Uhlmann: Ganz viele sogar. Während Zürich Monate dafür brauchte, um den ersten Oswalt-Kolle-Film «Das Wunder der Liebe» zu beurteilen, lief er im Kanton Aargau bereits. Die Zürcher gingen dann einfach nach Spreitenbach. Umgekehrt konnten Luzerner Filmfreunde in den Fünfzigerjahren in der Zeitung Annoncen von Werner Kunz lesen: «Kommt nach Zürich, hier ist der Film erlaubt!»

Nutzte man die Zensur auch für die Promotion der Filme?
Matthias Uhlmann: Als die Zensur gelockert wurde, hiess es im Kinoprogramm oft: «Jetzt vom Verwaltungsgericht freigegeben!» Das war die allerbeste Werbung. Was die sogenannten Brutalos betrifft, so existiert seit dem Inkrafttreten des entsprechenden Artikels des Strafgesetzbuches Anfang 1990 eine mittlerweile online verfügbare «Liste problematischer Filme» des Schweizerischen Videoverbands. Sie dient – entgegen ihrer Zielsetzung – den Fans von Splatter-, Zombie- und Kannibalenfilmen als Einkaufsliste.

Gibt es eine geheime Kammer mit Filmen, die Zürich nie gesehen hat?
Matthias Uhlmann: Die wohl vollständigste Sammlung befindet sich in meinem Büro (lacht).

Gibt es heute noch eine Zensur?
Matthias Uhlmann: Das Zürcher Filmgesetz von 1971 gilt nach wie vor und verbietet die Vorführung «verrohender» Filme oder solcher, die «Menschen oder Menschengruppen verächtlich machen». Sexfilme hingegen hat man aus dem kantonalen Gesetz gestrichen, im Vertrauen auf das schweizerische Strafgesetzbuch. Dieses reguliert erstens die Pornografie, indem es den Jugendschutz gewährleistet und namentlich Gewalt- und Kinderpornografie verbietet. Der Brutaloartikel verbietet Filme mit «grausamen Gewalt­tätig­keiten gegen Menschen oder Tiere».

Wer kann Filme melden, und wie wird ein Film heute beurteilt?
Matthias Uhlmann: Jeder kann bei der Polizei einen Film mit mutmasslich verbotenen Gewaltdarstellungen melden. Findet man den Film auf der Liste problematischer Filme, geht die Sache an die Staatsanwaltschaft und es kann zu einer Anklage kommen. Filme werden heute jedoch kaum mehr gemeldet. Die Aufmerksamkeit der besorgten Leute liegt eher bei den sogenannten Killerspielen und dem Internet.

Was sollte sich Ihrer Meinung nach in der Filmzensur ändern?
Matthias Uhlmann: Fiktionale Filme sollten nicht länger ­unter den Brutaloartikel fallen. Der ursprüngliche Zweck der Strafbestimmung ist längst überholt; volljährige Filmfreunde wegen des Kaufs etwa von Zombie- oder Slasherfilmen vor Gericht zu zerren, mutet nur noch grotesk an in ­einer Zeit, in der echte Folter- oder Mordszenen, wie beispielsweise Enthauptungsvideos des IS, frei online angeschaut werden können. (Tages-Anzeiger)


Aus: "«Zahlreiche Kantonsräte wollten Freigabe von Nudistenfilmen»" (30.10.2015)
Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/kino/die-zensur-war-allerbeste-werbung/story/12847084
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[Film, Zensur und Tabu... (Notizen)]
« Reply #25 on: November 02, 2017, 01:30:30 PM »

Quote
[...] Die neunschwänzige Katze ist der einzige Film des Regisseurs, der weltweit nicht der Zensur unterlag, also nicht aufgrund Verfehlungen der Moral, der Sitte oder anderer Verbote geschnitten werden musste. Der Film nimmt daher eine Sonderstellung in Argentos Filmografie ein.

Dennoch fehlen beispielsweise in der deutschen Kinofassung wie auch in der späteren DVD-Version einige Filmszenen, die einer alternativen Produzentenfassung zum Opfer fielen. Je nach Schnittfassung ist die deutsche DVD nur 90 Minuten lang und somit knapp 20 Minuten kürzer als die ungeschnittene Version.


Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_neunschw%C3%A4nzige_Katze_(Film) (2. März 2017)

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[Film, Zensur und Tabu... (Notizen)]
« Reply #26 on: March 17, 2018, 11:50:11 PM »

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[...] Das alte Gewehr (im deutschsprachigen Raum auch unter dem Alternativtitel Abschied in der Nacht bekannt) ist ein französisch-deutscher[1] Spielfilm von Robert Enrico aus dem Jahr 1975 mit Philippe Noiret und Romy Schneider basierend auf dem Massaker von Oradour im Jahr 1944. ...

Der Film ist ein Beispiel für praktizierte Filmzensur in Westdeutschland: Eigens für die westdeutsche Premierenfassung Abschied in der Nacht wurden Alternativ-Szenen gedreht und eingeschnitten, die besonders menschenverachtende Dialoge der Deutschen im französischen Original milderten und relativierten. Besonders brutale Szenen wurden entfernt. In der DDR kam der Film unter dem Titel Das alte Gewehr synchronisiert, aber unzensiert in die Kinos und später ins Fernsehen. Erst 2007 kam die deutsche (ehemalige BRD)-Uncut-Version als DVD unter dem Titel Abschied in der Nacht mit den deutschen Extra-Szenen als Bonus-Material auf den deutschen Markt.[5] Bis heute gehört Das alte Gewehr zu den in Deutschland unbekanntesten Filmen mit Romy Schneider. Einer der wenigen Filme, in denen Romy Schneider sich nicht selbst synchronisierte - in der DDR aus finanziellen Gründen, in der westdeutschen Fassung vermutlich deshalb, weil sie mit den Verfälschungen nicht einverstanden war (ein wichtiger Grund auch für die ostdeutsche Neusynchronisation).

...


Aus: "Das alte Gewehr" (20. Juni 2017)
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Das_alte_Gewehr
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[Film, Zensur und Tabu... (Notizen)]
« Reply #27 on: March 28, 2018, 07:14:29 AM »

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[...] Viktor Martinowitsch - 1977 in Belarus geboren, studierte Journalistik in Minsk und lehrt heute Politikwissenschaften an der Europäischen Humanistischen Universität in Vilnius. Sein Roman „Paranoia“ wurde in Belarus verboten, in deutscher Übersetzung erschien er 2014 bei Voland und Quist. Zuletzt ist der Roman „Mova“ erschienen.

Das Kulturministerium der Russischen Föderation hat den Verleih der britischen Komödie The Death of Stalin gestoppt, da sie „Informationen enthält, deren Verbreitung die Gesetzgebung der Russischen Föderation untersagt“. In Belarus wird der Film gezeigt, und das hat nicht allein mit dem unterschiedlichen Sinn für Humor zu tun. ... Über Stalins Tod lachen heißt irgendwie auch über Putin lachen. Und wer wollte sich über dieses Lachen freuen. Deshalb wird The Death of Stalin verboten. ... Nicht zuletzt ist noch das unterschiedliche Verhältnis zu einer humoristischen Betrachtung des Repressionsthemas von Bedeutung. Wer eine klare Parallele in der Größe Stalins und Putins sieht, muss das Lachen über Stalin und das hektische Gewusel seiner Umgebung nach dem Tod des Führers als blasphemisch empfinden. Für Belarus ist das Lachen über eine verängstigte Gesellschaft eine Form der Legitimierung von Gewalt. Die Briten können darüber lachen, wie sämtliche Hausangestellte Stalins erschossen werden und der NKWD-Offizier anschließend demjenigen eine Kugel in den Kopf jagt, der diese Säuberungsaktion organisiert hat – dann hat es das alles nie gegeben, dann gab und gibt es keine Repressionen und kann nie welche geben. Dass einem das Herz stockt, wenn man den Tomatensaft aus den durchschossenen Köpfen spritzen sieht, habe ich ja schon erwähnt.

Ich denke, der Regisseur Armando Iannucci war bei der Konzeption dieses Films davon ausgegangen, dass Humor als Heilmittel gegen ideologische Perversionen wirkt. Dass Lachen den Tyrannen endgültig in der Gruft bannen kann, in der er schon vor 60 Jahren seine Ruhe hätte finden sollen. Nun gilt aber das Stalin-Paradox, dass er wieder und wieder aus seinem Grab kommt und sich Herzegowina-Flor-Papirossy in seine Pfeife bröckelt. Der Historiker Boris Ilisarow, der über Stalins Randnotizen zu den russischen Klassikern aus dessen Privatbibliothek gearbeitet und eine exzellente Studie über Stalins Verhältnis zu den Werken Dostojewskis, Tolstois, Gorkis und Anatole Frances vorgelegt hat, führt in seinem Nachwort allein drei solcher „Wiederauferstehungen“ an. Ilisarow geht davon aus, dass nur die Zeit dabei helfen kann, sich Stalins zu entledigen. Es bedürfe noch einiger Generationen, bis freie Menschen, deren Großväter den stählernen Geschmack in Erwartung einer unmotivierten nächtlichen Verhaftung nie kennengelernt haben, Josef Dschugaschwili endlich in eine Reihe mit Tyrannen wie Iwan dem Schrecklichen, Dschingis Khan, Napoleon und Nero stellen können. ...


Aus: "Dieser urkomische Terror" Viktor Martinowitsch (27. März 2018)
Quelle: http://www.zeit.de/freitext/2018/03/27/the-death-of-stalin-martinowitsch/
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[Film, Zensur und Tabu... (Notizen)]
« Reply #28 on: April 23, 2019, 10:55:19 AM »

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Die Vorführung eines solchen Films und den Ansturm auf diesen Film kann ich nur als ein Anzeichen eines sittlichen Niedergangs ansehen, der weite Teile unseres Volkes ergriffen hat. Unser Volk wird durch den Film in neuem und erschreckendem Ausmaß demoralisiert. (Der evangelischer Landesbischof von Oldenburg Gerhard Jacobi im Dankesschreiben an den Landrat Hermann Krämer, der Das Schweigen am 13. Mai 1964 in seinem Kreis verbieten ließ)

... Wir deutschen Bischöfe wenden uns an alle Verantwortlichen in der Filmwirtschaft und ihren Organisationen wie auch in der Filmselbstkontrolle; wir wenden uns an die kompetenten Stellen im Bund und in den Ländern mit dem ernsten Aufruf nach eingehender Überprüfung unseres Filmwesens. Unser Volk ist nicht nur von außen bedroht. Was soll eine Freiheit, welche – um mit dem Apostel Paulus zu reden – zum ‹Deckmantel der Bosheit› missbraucht wird? Unsere Gesellschaft kann keinen Bestand haben ohne die Atmosphäre der Ehrfurcht, der Würde und der Sauberkeit. (Die katholischen Bischöfe in einem an die SPIO, die FSK sowie die FBW gerichteten Protestschreiben vom 10. Juni 1964)


Quelle: https://www.skandalfilm.net/?p=75 (Stand: 2019)

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Die todkranke Ester und ihre Schwester Anna wollen heimreisen. Als Ester zusammenbricht, beziehen sie eine altmodische Hotelsuite in einer Stadt, deren Sprache sie nicht verstehen. Anna hat Sex mit einem Fremden, während sich Ester mit Alkohol und Zigaretten betäubt. Annas neunjähriger Sohn Johan streift derweil durchs Hotel und stößt auf Liliputaner-Artisten. Als Anna zurückkehrt, brechen zwischen den Schwestern uralte Konflikte auf. Keine will nachgeben… Wegen „provozierender“ Sexszenen vielfach zensiert, verdeckte die Aufregung den faszinierenden Stil und Tiefgang des Dramas.


Schwedischer Nihilismus
03.01.2013
Bergmans radikalster Film ist eine düstere Studie sexueller Obesssionen und exzentrischer Fantasien. Damals ein Skandal, hat er zwar heute von seiner schockierenden Offenheit einiges verloren, allerdings beeindrucken nach wie vor die erzählerische Strenge, die expressionistischen Bilder und die stimmige Atmosphäre.



Quelle: https://www.cinema.de/film/das-schweigen,1339697.html (Stand 2019)

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Schonungslos zeigt Ingmar Bergman in "Das Schweigen" eine Welt ohne Hoffnung, in der die Sexualität zum Ersatz für die Liebe geworden ist. Damit lassen sich Schweigen und Einsamkeit nicht überwinden. Auch Gott schweigt.

Dieter Wunderlich


Quelle: https://www.dieterwunderlich.de/Bergman_schweigen.htm (Stand 2019)


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[...] Das Schweigen (Original: Tystnaden, Schwedisch „die Stille, die Ruhe, das Schweigen“) ist ein in Schwarzweiß gedrehtes schwedisches Filmdrama von Ingmar Bergman aus dem Jahr 1963.

Dieses Werk Bergmans führte wegen der für die Entstehungszeit offenen Darstellung sexueller Handlungen zu einem der größten Filmskandale der 1960er Jahre und löste eine breite Zensurdebatte aus. 

... Deutschland und Schweden zählten zu den wenigen Nationen, in denen Das Schweigen ungekürzt aufgeführt werden konnte. In den USA wurde der Film mit Schnittauflagen freigegeben, in Frankreich wurde er zunächst ganz verboten. Die Freigabe des Films durch die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) sorgte für einen Sturm der Entrüstung und massive Proteste. Der Skandal führte zur Gründung der Aktion Saubere Leinwand https://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_Saubere_Leinwand. Die breit geführte Zensurdebatte bescherte dem Film einen Skandalerfolg: Allein in der Bundesrepublik Deutschland hatte der Film zehneinhalb Millionen Zuschauer. ... Schon vor dem Erscheinen in Deutschland wurde in der Presse berichtet, der Film habe in Schweden einen Skandal ausgelöst. Georg Ramseger fragte am 23. November 1963 in der Welt (Ausgabe Berlin): „Kunstwerk oder Pornographie?“ Als anstößig wurden der Liebesakt eines Paares, der Verkehr Annas mit einem Fremden und die Masturbationsszene der älteren Schwester angesehen.

... Im Dezember 1963 beschäftigte sich der Arbeitsausschuss der FSK mit dem Film. Er gab unerwartet Das Schweigen einstimmig ohne Schnitte ab 18 Jahren frei. Der Ausschuss attestierte laut Protokoll vom 10. Dezember 1963, etwas Aufgesetztes oder Spekulatives könne nicht unterstellt werden, und selbst die drei heiklen Szenen seien „von höchster künstlerischer Intensität und treffender Symbolkraft“ und würden dadurch geistig überhöht. Damit hatte die FSK zum ersten Mal in ihrer Geschichte relativ ausführliche und direkte Sexszenen zugelassen.
Die Zeitung in der für die Hauptfiguren wie für das Publikum unverständlichen Phantasiesprache des Reiselandes

Zur gleichen Zeit verlieh die Filmbewertungsstelle Wiesbaden dem Film das Prädikat „besonders wertvoll“. Das Protokoll vom 18. Dezember 1963 vermerkt, dass „die Beisitzer sich über den außergewöhnlich künstlerischen Rang dieses Films einig waren“. Als Das Schweigen am 24. Januar 1964 in der Bundesrepublik anlief, war auch die Filmkritik fast einhellig vom künstlerischen Rang des Werkes überzeugt.

Marcel Reich-Ranicki kritisierte am 27. März 1964 in der Zeit das Wohlwollen für diesen Film. Er schrieb unter dem Titel „Der Heilige und seine Narren“, nun könnten Spießer und Heuchler beruhigt „einen feuchten weiblichen Busen“ betrachten und „sich aufgeilen“ lassen, „denn man hat ihnen ja erklärt, es ginge um Gott“.

Bei der zuständigen Staatsanwaltschaft in Duisburg gingen über hundert Anzeigen wegen Unzüchtigkeit gegen den Film ein, denen aber nicht nachgegangen wurde. Am 19. März 1964 fragten zwei Unionsabgeordnete im Bundestag die Bundesregierung, was sie gegen unsittliche Filme und die augenscheinliche Lockerung der Spruchpraxis des FSK unternehmen werde. Bundesinnenminister Hermann Höcherl (CSU) antwortete, die Bundesregierung wolle keine Zensurrechte in Anspruch nehmen.

Nicht zuletzt wegen dieser Zurückhaltung entstand im September 1964 in Schweinfurt die Aktion Saubere Leinwand. Im Text ihrer Petition lehnten die Initiatoren ausdrücklich Unmoral „unter dem Deckmantel der Kunst“ ab und verlangten von der FSK, ihre eigenen Grundsätze strikt einzuhalten.

Bergmans direkte, unemotionale Darstellung der Sexualität in Das Schweigen wurde öffentlich heftig diskutiert. In den Leitartikeln und Leserbriefen der Zeitungen beschrieben die Rezipienten den Film als „Höllenvision“, „Bergmans Triumph“, „moralschädliche Aufreizung“, „unantastbares Kunstwerk“ und „Pornographie“.


Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Schweigen (22. April 2019)

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Eric Lyle

Psychoterror in SchwarzWeiss, 1. März 2005

Egal welcher Kunstrichtung man sich bedienen will, Stil und Atmosphäre sind Grundzutaten für ein qualitativ hochwertiges Kunstwerk. Ingmar Bergmans "Das Schweigen" zelebriert das Kunst-Kino par excellent. Wir betrachten zwei Schwestern und ein Kind bei alltäglichen Nichtigkeiten und lauschen minimalen Dialogen. Nichts aufwühlend Dramatisches oder Actionlastiges passiert. 90 Minuten Minimalismus. Und doch ist man gefesselt, berührt und gefangen. Leiser Psychoterror in Schwarz/Weiss.


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SternenBitter

harte Kost - insbesondere für einen Film mit 11 Millionen Kinobesuchern, 25. September 2016

Ein Film, der in einem Land von zweistelliger Millionenzahl dennoch 11 Millionen Menschen der Bevölkerung - und damit einen nicht niedrigen prozentualen Anteil der Gesamtrepublik - in die Lichtspielhäuser lockt, ist für gewöhnlich nicht von Ingmar Bergman, zu speziell ist seine Herangehensweise, zu bitter und dennoch stilsicher sind seine Bezüge zum Tode.
Aufgrund einiger aufwühlender Einzelszenen, ist aber endlich auch ein Ingmar Bergman Film zum Publikumserfolg geworden. Was wir präsentiert bekommen, ist ein tristes Abbild einer Familientragödie, gepaart mit Inhalten philosophischen und religiösen Ausmaßes. Rein subjektiv betrachtet, ist es für mich nicht gerade Bergman's bester Film, die Stärken dieses recht intensiven und interessanterweise aus adoleszenter Sicht erzählten Films, kann ich diesem jedoch keineswegs absprechen.


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