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Author Topic: [Wahnvorstellungen und Ticks... (Notizen zu Lynch)]  (Read 5152 times)

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Textaris(txt*bot)

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[Wahnvorstellungen und Ticks... (Notizen zu Lynch)]
« on: April 26, 2007, 01:45:14 PM »

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[...] Lynch thematisiert die menschlichen Abgründe, die innere Zerissenheit und die Unsicherheit darüber, wer wir selbst sind. Das visualisiert Lynch indem er häufig Handlungen oder Personen verdoppelt. In „Lost Highway“ werden zwei Charaktere von der selben Schauspielerin verkörpert. Einmal mit schwarzen, einmal mit blonden Haaren. Oft vermengt Lynch auch die reale Welt der Figuren mit der Scheinwelt des Films. „Inland Empire“, wie auch schon „Mullholland Drive“, spielen im Filmmilieu Hollywoods. Realität und Schein verschwimmen hier soweit, bis schließlich weder für den Zuschauer, noch für die Figuren selbst, klar ist, wer sie sind und wo sie sich eigentlich befinden.

Lynchs Filme sind zwar schwer und bedrückend, aber sie haben durchaus auch komische Elemente. In „Wild at Heart“ verzerrt sich Willem Dafoes Gesicht unter der Strumpfhosen-Maske zu einer surrealen und albernen Grimasse. Und in „Twin Peaks“, eine Fernsehserie von David Lynch, spricht der FBI-Agent mit Inbrunst ausführliche Berichte über das Wetter, Apfelkuchen oder den Morgenkaffee in sein Diktiergerät. Mit Vorliebe spielt Lynch mit diesen Verzerrungen und unglaublichen Geschichten, mit Wahnvorstellungen und Ticks. Der Regisseur ist sich bewusst, dass seine Filme von dem Zuschauer besondere Aufmerksamkeit verlangen.

[..] Lynch kommt aus der Malerei und MALT seine Filme. Er schafft Collagen aus Farben, Musik und Gefühlen. Er kritisiert durch seine Filme den konventionellen Hollywoodfilm. Und er führt unsere eingeschliffenen Sehgewohnheiten aufs Glatteis – mit allen Möglichkeiten die das Medium Film bietet.


Aus: "David Lynch malt Filme" Geschrieben von lmoer (25.04.07 um 18:13:08)
Quelle: http://mephisto976.uni-leipzig.de/artikel,20974.html

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[...] Es ist in "Inland Empire" so, als ob man vergeblich versucht hätte, hinter die Tricks eines Zauberers zu kommen, den man ganz gut kennt. Aber David Lynch lässt uns nicht - und doch kann man die Augen kaum von seinen Kunststücken lösen.


Aus: "Suche ohne Sinn?" Von VOLKER BEHRENS (26. April 2007)
Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2007/04/26/730613.html

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[...] Er sitzt, wie gesagt, in seinem «gemütlichen Stuhl», während wir das «ganz und gar Ungemütliche» ertragen. Und damit schafft Lynch den Weg zurück zum Ursprung des Kinos: Dem Publikum etwas zeigen, das es allein nicht zu sehen bekommen würde. Früher waren das die Pyramiden von Gizéh, heute sind das unsere Ängste.

Doch ist Lynch damit noch nicht am Ende, denn er lässt das Publikum so lange - fast 180 Minuten - mit seinen Ängsten allein, bis die Macht sich verkehrt. Und hier passt erstaunlich gut ein Zitat des Künstlers Jeff Koons:

«In der Kunst musst du dich Tag für Tag für eine bestimmte Form entscheiden. So lernst du die verschiedensten Facetten deiner Angst kennen und damit auch, sie zu überwinden. Deine Angst verwandelt sich in eine Geste. Und plötzlich hat man keine Angst mehr vor dieser Geste. Jeder kann es entdecken, direkt unter der Oberfläche, sein zweites Gesicht, sein Selbstvertrauen, die Freiheit einer Geste. Das ist Macht.» (Süddeutsche Zeitung)

Während der Zuschauer also mit jedem weiteren von Lynchs digitalen Bildern die Macht über sein persönliches «Inland Empire» übernimmt, ist ein neues, altes Kino geboren.


Aus: "David Lynchs Wurzelbehandlung" Autor (?); (NZ; 26. Apr. 2007)
Quelle: http://www.netzeitung.de/entertainment/movie/filmderwoche/621235.html

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[...] In Amerika haben den Film noch nicht mal 100.000 Zuschauer gesehen. "Je abstrakter ein Film ist, desto weniger Zuschauer findet er", kommentiert Lynch die Zuschauerzahlen. Ebenso wenig interessierten sich die Verleihfirmen für Lynchs neuestes Werk. In Deutschland hat er mit Concorde einen Verleiher gefunden, der "Inland Empire" in die Kinos bringt. In seiner Heimat hingegen musste er den Film im Eigenverleih herausbringen.


Aus: "Kino, das keiner kapiert" Christina Grolmuss (25.04.2007)
Quelle: http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2456947,00.html

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[...] David Lynch: Dieser Film ist ein abstraktes Werk. Mein einziger Rat an den verwirrten Zuschauer ist, ihn mit dem Herzen zu sehen und sich dabei ganz auf seine persönlichen Intuitionen zu verlassen. Denen sollte man nie misstrauen. Beim Filmemachen ist es, als würde man angeln gehen. Die Lust auf eine Idee ist wie der Wurm an der Angel. Mit genug Geduld kann man eine Idee angeln. Und wenn man sich dann wirklich in eine Idee verliebt, beginnt sie, andere Ideen anzuziehen. Ihre Bedeutung kann man erst einschätzen, wenn man an ihr arbeitet und sie zu Papier bringt.

Bestimmte Regisseure wissen genau, wie ihr Film aussehen soll. Ich habe keine globale Vision, bevor ich zu drehen beginne. Alles hängt von der Bewegung ab, vom Fluss der Ideen. In gewisser Weise existieren meine Filme schon vor dem Dreh ... ich sammle einfach die Fragmente, Gesichter, Wörter, Töne und Räume, um sie wie in einem Puzzle zusammenzufügen. Das Verständnis ist eine Abstraktion, die aus der Intuition hervorgeht. Wir verlassen uns im Leben ständig auf die Intuition, aber im Kino sind wir kaum daran gewöhnt.


Aus: "Ein Psychologe? Nein, danke!"  Ein Interview mit David Lynch von Marcus Rothe (SZ vom 24.4.2007)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,tt8l1/kultur/artikel/425/111314/
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Textaris(txt*bot)

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[...] Im Gegensatz zu Regisseuren, die ihr Kino als Sinnstiftung und Harmonisierungsunternehmen begreifen, die Zuschauer zu integrieren suchen, will Lynch das Gegenteil: Er möchte verunsichern, Sinnangebote infrage stellen, Dissonanzen und Disharmonien erzeugen, Wahrnehmung multiplizieren, Betrachter verstören.

Seine wichtigste Zielgruppe ist auch hier die bürgerliche Mitte der Gesellschaft mit ihrem Sicherheitswahn und ihren unterdrückten Seiten, ihrem Konservatismus und latenten Puritanismen, einer Doppelmoral, die Gewalt und Sexualität verdrängt.

David Lynch bewegt sich weg von seinen letzten, eher klassisch erzählten Filmen, zurück zu den frühen 90ern, als er mit „Wild at Heart” und der erfolgreichen TV-Serie „Twin Peaks” auf den Spuren der Gebrüder Grimm wandelte. Alles ist aus den Fugen. Zu sehen, wie ihm diese Einheit aus moderner Mythologie und surrealem Endzeitszenario einmal mehr gelingt, ist faszinierend.


Aus: "Rätselhafte Reise zwischen Wunsch und Wahn" Von Rüdiger Suchsland (25.04.2007 20:31 Uhr)
Quelle: http://www.ovb-online.de/news/kultur/film/art5820,978593.html?fCMS=81d5aac0e99abd096837f9411153c27c

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