Author Topic: [Versprengte Notizen zum Krieg... ]  (Read 367168 times)

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[Versprengte Notizen zum Krieg... ]
« Reply #645 on: April 17, 2019, 12:42:14 PM »
Quote
[...] US-Präsident Donald Trump hat sein Veto gegen eine Resolution des Kongresses eingelegt, die der US-Hilfe für die Militäroperation im Jemen unter Führung Saudi-Arabiens ein Ende setzen sollte. In dem von beiden Parlamentskammern verabschiedeten Beschluss war Trump angewiesen worden, alle Kräfte zur Unterstützung der umstrittenen Operation binnen 30 Tagen abzuziehen. Am Dienstagabend (Ortszeit) ließ Trump aber mitteilen, dass er sein Veto dagegen eingelegt hat - das erst zweite seiner Amtszeit. Die Resolution sei ein unnötiger und gefährlicher Versuch, seine verfassungsmäßigen Befugnisse zu schwächen, erklärte der Republikaner. Der Beschluss würde das Leben amerikanischer Bürger und Soldaten gefährden, fügte er hinzu.

Der unabhängige Senator Bernie Sanders, eine treibende Kraft hinter der Resolution, nannte Trumps Entscheidung enttäuschend, aber nicht überraschend. Er kündigte an, in seinen Bemühungen nicht nachlassen zu wollen. „Die Menschen im Jemen brauchen dringend humanitäre Hilfe, nicht noch mehr Bomben“, erklärte der Senator, der sich um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bewirbt.

Um Trumps Veto zu überstimmen, wäre in beiden Kongress-Kammern jeweils eine Zweidrittelmehrheit notwendig, die kaum zu erzielen sein dürfte - auch wenn im Senat vorher einige Republikaner mit den Demokraten gestimmt und so für die nötige Mehrheit gesorgt hatten.

Die USA unterstützen die saudisch geführte Koalition im Jemen unter anderem mit Geheimdienstinformationen für die Ermittlung von Zieldaten. Der Kongress bemängelte mit seinem Beschluss, dass US-Streitkräfte im Rahmen der Operation ohne Genehmigung des Parlaments eingesetzt würden. Die Resolution untersagte ausdrücklich auch das Betanken nicht-amerikanischer Flugzeuge in der Luft, die für die Koalition im Jemen fliegen. Diese Praxis hatten die USA bereits im vergangenen Herbst gestoppt.

Im Jemen kämpfen Huthi-Rebellen seit mehr als vier Jahren gegen Anhänger der international anerkannten Regierung. Deren Truppen werden von der saudisch geführten Koalition mit Luftangriffen unterstützt. Das sunnitische Königshaus in Saudi-Arabien sieht in den Rebellen einen engen Verbündeten seines Erzfeindes, des schiitischen Irans. Saudi-Arabien wird vorgeworfen, bei den Militärangriffen nicht ausreichend Rücksicht auf den Schutz von Zivilisten zu nehmen.

Die Resolution des US-Parlaments war ein klares politisches Zeichen gegen Trumps Unterstützung für Saudi-Arabien - und ein seltenes Signal der Einigkeit zwischen den Demokraten und Teilen der Republikaner. Die US-Unterstützung für die Koalition im Jemen ist auch unter Trumps Konservativen umstritten, die die Mehrheit im Senat stellen. Sieben republikanische Senatoren hatten im März gemeinsam mit den Demokraten gestimmt.

Das Abgeordnetenhaus wird von den Demokraten dominiert. Auch hier stimmten mehr als ein Dutzend Republikaner mit den Demokraten. Eine Zweidrittelmehrheit erhielt die Resolution aber in keiner der beiden Kammern. Daher ist unwahrscheinlich, dass der Kongress ein Veto des Präsidenten überstimmen würde. (dpa)


Aus: "Jemen-Krieg: Trump lässt Militärhilfe für Saudi-Arabien im Jemen-Krieg weiterlaufen" (17.04.2019)
Quelle: https://www.fr.de/politik/jemen-krieg-donald-trump-laesst-militaerhilfe-saudi-arabien-weiterlaufen-12199317.html

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[Versprengte Notizen zum Krieg... ]
« Reply #646 on: April 29, 2019, 03:55:17 PM »
Quote
[...] Die Rüstungsausgaben sind im vergangenen Jahr mehr als doppelt so stark gestiegen wie die Zahl der Menschen auf der Welt. Wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri ermittelt hat, kletterten die Militärhaushalte aller Staaten 2018 um 2,6 Prozent auf die gigantische Summe von 1,82 Billionen Dollar. Für jeden der knapp 7,6 Milliarden Erdbewohner (1,1 Prozent mehr als 2017) entspricht das einer Ausgabe aus der Staatskasse von 239 statt 230 Dollar im Vorjahr. Vor wenigen Wochen hatten die Friedensforscher in der schwedischen Hauptstadt einen Anstieg der weltweiten Rüstungsexporte in diesem Jahrzehnt um fast ein Viertel konstatiert.

Mit einem Plus bei den Militärausgaben von 4,6 Prozent gegenüber 2017 haben die USA unter Präsident Donald Trump ihre globale Vormachtstellung zementiert. Washington gab vergangenes Jahr 648 Milliarden Dollar für die Rüstung aus und hielt damit seinen weltweiten Löwenanteil von 36 Prozent. Bei 3,2 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das Militär liegen die USA auch hier klar vor dem weltweiten Durchschnitt von 2,1 Prozent. Um diese Dominanz zu veranschaulichen, hob Sipri heraus, dass die Vereinigten Staaten „2018 annähernd so viel Geld für ihr Militär abgezweigt haben wie die folgenden acht ausgabenfreudigsten Länder der Welt zusammen“. Diese Gruppe besteht aus China, Saudi-Arabien, Indien, Frankreich, Russland, Großbritannien, Deutschland und Japan.

China hat seine Militärausgaben in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt, während sich Saudi-Arabien mit einem Plus jeweils knapp 30 Prozent zielstrebig zu regionalen Militärgroßmächten aufgestiegen sind. Die globale Supermacht Nummer eins liegt dagegen immer noch um ein Fünftel unter dem eigenen Ausgabenniveau von 2010, als der weltweite Finanzcrash auch die Rüstungshaushalte nach unten drückte. Als Bremse für eine noch schnellere Wiederaufrüstung nennt Sipri die anhaltenden Haushaltsdefizite in Washington mit schweren Konflikten zwischen Kongress und der jeweiligen Administration über die Bewilligungen für das US-Militär.

Auch in China als weltweit zweitgrößter Militärmacht haben wirtschaftliche Probleme das seit zwei Jahrzehnten atemberaubende Tempo der Aufrüstung gedrosselt. Bei einem (von Sipri geschätzten) Volumen von 250 Milliarden Dollar aus der Staatskasse steht Peking für 14 Prozent aller Militärausgaben weltweit. Das Plus von fünf Prozent gegenüber 2017 war das niedrigste jährliche Wachstum seit 1995. Da die Regierung bei ihren Haushaltsplanungen den Militäretat jeweils an das Wirtschaftswachstum (BIP) koppelt, könne bei einem Anhalten des derzeitigen Abwärtstrends ein langsameres Aufrüstungstempo in China die Folge sein, heißt es von Sipri.

Kräftig ins Auge fällt auf der Weltrangliste mit den Militärausgaben, dass Russland immer weiter nach unten rutscht und im vergangenen Jahr von Indien und Frankreich überholt worden ist. Moskau ist nur noch die Nummer sechs, obwohl mit 61,4 Milliarden Dollar 3,9 Prozent des eigenen BIP für die Rüstung draufgehen. Hintergrund für den Abwärtstrend sind vor allem die geringeren Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport.

Deutschland hat mit 49,5 Milliarden Dollar aus Steuermitteln Japan vom achten Platz der Weltrangliste verdrängt. Berlin steigerte die Militärausgaben um 1,8 Prozent. Den derzeitigen Anteil von 1,2 Prozent vom BIP will die Bundesregierung bis 2015 auf 1,5 Prozent anheben, liegt damit aber immer noch unter den von den USA für alle Nato-Länder verlangten zwei Prozent. Die westliche Militärallianz dominiert insgesamt weiter die Ausgabenliste von Sipri: Knapp die Hälfte aller weltweiten Rüstungsausgaben entfallen allein auf die sieben stärksten Nato-Staaten.

Bei den regional wichtigen Trends außerhalb Europas (und abgesehen von den führenden Großmächten) konstatiert Sipri unter anderem für den Iran einen Rückgang der Militärausgaben um 9,5 Prozent auf 13,2 Milliarden Dollar als Folge gravierender wirtschaftlicher Probleme. In Brasilien hingegen sind die Militärausgaben trotzdem im vergangenen Jahr um 5,1 Prozent auf 27,8 Milliarden Dollar gestiegen.


Aus: "Sipri-Bericht:239 Dollar pro Kopf für Rüstung" Thomas Borchert (29.04.19)
Quelle: https://www.fr.de/politik/dollar-kopf-ruestung-12230800.html

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[Versprengte Notizen zum Krieg... ]
« Reply #647 on: May 04, 2019, 12:23:11 PM »
Quote
[...] Im Oktober hat Siemens eine Vereinbarung mit dem Irak geschlossen. Der Konzern soll in dem vom Krieg versehrten Land Kraftwerke und Stromnetze bauen und dafür mehrere Milliarden Dollar kassieren. Die amerikanische Regierung war nicht begeistert. Angesichts der vielen im Irak gefallenen US-Soldaten verlangt sie, dass der Zuschlag an den amerikanischen Siemens-Konkurrenten General Electric geht.  ...


Aus: "Joe Kaeser: Der Industriekanzler" Roman Pletter (1. Mai 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/2019/19/joe-kaeser-siemens-ag-finanzvorstand-grosskonzern-management/komplettansicht

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[Versprengte Notizen zum Krieg... ]
« Reply #648 on: May 25, 2019, 12:39:05 PM »
Quote
[...] Ohne Rücksprache mit dem Kongress will die US-Regierung Waffen im Wert von 8,1 Milliarden Dollar an ihre Verbündeten im Nahen Osten liefern. Begründet wird der Schritt durch die Spannungen mit dem Iran. Mit den insgesamt 22 Waffenlieferungen sollen Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Jordanien darin unterstützt werden, sich gegen "die iranische Aggression" zu schützen, sagte US-Außenminister Mike Pompeo in Washington.

Der Kongress hat üblicherweise Mitspracherecht bei Waffenexporten und kann diese auch blockieren. Waffenlieferungen an Saudi-Arabien sind im US-Kongress umstritten. Pompeo sagte, er greife mit Blick auf die Iran-Krise und die Stabilität im Nahen Osten zu einer Ausnahmeklausel, um die Exporte dennoch sofort zu ermöglichen. Mehrere der geplanten Verkäufe seien dem Kongress schon vor fast 18 Monaten vorgelegt worden, dieser habe jedoch nicht gehandelt. Pompeo mache daher von der Notfallregelung Gebrauch. Die erlaubt es der Regierung, in Ausnahmefällen ohne Zustimmung des Kongresses Waffenlieferungen in Gang zu setzen, sofern nationale Sicherheitsinteressen der USA berührt werden. Nach Argumentation des US-Außenministers sei dies hier der Fall.

Der führende Demokrat im Auswärtigen Ausschuss des Senats, Robert Menendez, hatte zuvor versucht, den Verkauf von Zehntausenden präzisionsgelenkten Waffen zu verhindern. Er befürchtete ihren Einsatz gegen Zivilisten im Jemen und damit eine Verschärfung der humanitären Krise in dem Bürgerkriegsland. Die Regierung habe sich auf eine "obskure juristische Bestimmung" für den Export von präzisionsgelenkten Waffen berufen und so die Überprüfung durch den Kongress umgangen, sagte Menendez. Die juristische Definition eines Notfalls sei mit "jahrelangem bösartigen Verhalten" des Iran nicht erfüllt. Menendez will mit anderen Abgeordneten gegen die Entscheidung vorgehen.

Im Jemen herrscht seit 2015 Krieg zwischen den von Saudi-Arabien und anderen arabischen Staaten unterstützten Truppen von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und schiitischen Huthi-Rebellen, hinter denen der Iran steht. Nach UN-Angaben wurden in dem Konflikt bereits mehr als 10.000 Menschen getötet, unter ihnen Tausende Zivilisten. Hilfsorganisationen sprechen von Zehntausenden Toten.

Im März hatte der US-Kongress per Resolution ein Ende der US-Unterstützung für Saudi-Arabien im Jemen-Krieg gefordert. Die Entscheidung des Kongresses wurde als  Niederlage für Trump und als eine historische Premiere gewertet, da sie sich direkt gegen die Militärpolitik des Präsidenten richtete. Sieben republikanische Senatoren stimmten mit den Demokraten und beschafften so die nötige Mehrheit. Die Resolution forderte Trump auf, die US-Truppen binnen 30 Tagen abzuziehen. Im April legte Trump sein Veto gegen die Resolution ein.


Aus: "Jemen-Krieg: Trump umgeht US-Kongress bei Rüstungsexport" (25. Mai 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-05/jemen-usa-mike-pompeo-waffen-exporte-saudi-arabien-kongress

Quote
Ginger_Collins
#7  —  vor 4 Stunden 2

Europa macht nicht soviel Wind, bei Waffenexporten an seine Verbündeten im Nahen Osten.

"Über 50.000 tote Zivilisten: Das ist die traurige Bilanz des seit März 2015 andauernden Jemen-Krieges. Die ersten Verlierer sind dabei immer die Kinder. Die jemenitische Bevölkerung leidet aber nicht nur unter den Bombenangriffen, sondern auch unter einer Blockade, hinter der Saudi-Arabien und die arabische Koalition steckt. "
"Sie hat das Land in eine Hungersnot gestürzt, die Tag für Tag schlimmer wird. Die Vereinten Nationen bewerten die Lage im Jemen als „die größte humanitäre Katastrophe der Welt“. In Berichten halten die UNO und internationale NGO’s die schrecklichen Kriegsverbrechen fest. Zu den Mittätern zählen auch jene Länder, die Waffen an Länder exportieren, die im Jemen an der Front kämpfen. Das geschieht, obwohl internationale Verträge derartige Waffenlieferungen verbieten. Die folgende Dokumentation zeigt, dass die größten Kriegsmaterialhersteller Europas – Frankreich, Großbritannien, Deutschland - weiter Waffen exportieren, die mit großer Wahrscheinlichkeit im Jemen zum Einsatz kommen. Sie legt den undurchsichtigen Waffenhandel offen und prangert das Versäumnis der EU-Politiker, ihrer Pflicht nachzukommen."

Jemen: Europas tödliche Exporte | Doku | ARTE
ARTEde, Am 16.04.2019 veröffentlicht
Über 50.000 tote Zivilisten: Das ist die traurige Bilanz des seit März 2015 andauernden Jemen-Krieges. Die ersten Verlierer sind dabei immer die Kinder. Die jemenitische Bevölkerung leidet aber nicht nur unter den Bombenangriffen, sondern auch unter einer Blockade, hinter der Saudi-Arabien und die arabische Koalition steckt.  Sie hat das Land in eine Hungersnot gestürzt, die Tag für Tag schlimmer wird. Die Vereinten Nationen bewerten die Lage im Jemen als „die größte humanitäre Katastrophe der Welt“. In Berichten halten die UNO und internationale NGO’s die schrecklichen Kriegsverbrechen fest. Zu den Mittätern zählen auch jene Länder, die Waffen an Länder exportieren, die im Jemen an der Front kämpfen. Das geschieht, obwohl internationale Verträge derartige Waffenlieferungen verbieten. Die folgende Dokumentation zeigt, dass die größten Kriegsmaterialhersteller Europas – Frankreich, Großbritannien, Deutschland - weiter Waffen exportieren, die mit großer Wahrscheinlichkeit im Jemen zum Einsatz kommen. Sie legt den undurchsichtigen Waffenhandel offen und prangert das Versäumnis der EU-Politiker, ihrer Pflicht nachzukommen.
https://youtu.be/x8p8XxmckuY?list=PL_sCbydzg8YKoWwJzQhzCRH5GGRcts1ua


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[Versprengte Notizen zum Krieg... ]
« Reply #649 on: May 28, 2019, 04:24:10 PM »
Quote
[...] Um Margot Käßmann ist es ruhig geworden. Seit vielen Jahren ist sie nicht mehr Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD). Zuletzt amtierte sie als „Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017“. Auf dem Kirchentag in Dortmund wird die Theologin in gut drei Wochen eine Bibelarbeit halten. Da wird der Saal wieder überfüllt sein. Denn populär ist Käßmann immer noch. Ihre Bücher sind Bestseller, ihre Auftritte charismatisch.

Die größte Aufregung in ihrer Amtszeit als EKD-Ratsvorsitzende verursachte Käßmann durch ihre Neujahrspredigt am Abend des 1. Januar 2010 im Berliner Dom. Es war ein Festgottesdienst mit Abendmahl. Wörtlich sagte die Bischöfin: „Nichts ist gut in Sachen Klima, wenn weiter die Gesinnung vorherrscht: Nach uns die Sintflut! Da ist erschrecken angesagt und Mut zum Handeln, gerade nach dem Klimagipfel in Kopenhagen. - Nichts ist gut in Afghanistan. All diese Strategien, sie haben uns lange darüber hinweggetäuscht, dass Soldaten nun einmal Waffen benutzen und eben auch Zivilisten getötet werden. (…) Ich bin nicht naiv. Aber Waffen schaffen offensichtlich auch keinen Frieden in Afghanistan. Wir brauchen mehr Fantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen.“

„Nichts ist gut in Sachen Klima“ und „Nichts ist gut in Afghanistan“. Diese beiden Sätze blieben hängen, der zu Afghanistan löste die schärfsten Reaktionen aus. Das sei ein „hochmütiges, in jeder Hinsicht falsches Pauschalurteil“, sagte der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr und ehemalige Vorsitzende des Nato-Militärausschusses, Klaus Naumann. Der damalige Wehrbeauftragte Reinhold Robbe (SPD) kritisierte die „populistische Fundamentalkritik“ und empfahl Käßmann spöttisch, sich mit „den Taliban in ein Zelt zu setzen und über ihre Phantasien zu diskutieren, gemeinsam Rituale mit Gebeten und Kerzen zu entwickeln“.

 Hans-Ulrich Klose (SPD), der Stellvertretende Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, meinte, Käßmann spreche den Bundeswehrsoldaten tendenziell das Christsein ab, außerdem setze sie sich „mit ihrer Äußerung in Gegensatz zur Mehrheit des Bundestages“. Dort hätten CDU, CSU, FDP, die Mehrheit der SPD sowie etliche Grüne für den Einsatz gestimmt.

Das stimmte. Schließlich galt der Einsatz in Afghanistan nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 als der gute, der notwendige Krieg. Es gab ein UN-Mandat, und die Nato hatte zum ersten Mal in ihrer Geschichte den Bündnisfall nach Artikel 5 ihrer Charta ausgerufen. Da wollte keiner abseits stehen. Die damals herrschenden fundamentalislamischen Taliban hatten Al Kaida Unterschlupf geboten, außerdem hoffte der Westen, mit Hilfe seines Militärs die Demokratie an den Hindukusch exportieren zu können.

Knapp zehn Jahre nach Käßmanns Neujahrspredigt und knapp 18 Jahre nach Beginn der Intervention zieht das britische Magazin „Economist“, das selbst einst den Afghanistankrieg unterstützt hatte, Bilanz. Im vergangenen Jahr starben die meisten Zivilisten, die US-Luftwaffe warf die meisten Bomben ab, die Regierung in Kabul kontrolliert kaum die Hälfte des Landes, das nach Einschätzung des US-Justizministeriums „überwiegend gesetzlos, schwach und dysfunktional“ ist. Die Taliban sind wieder erstarkt, von einem Wiederaufbau des Landes kann nicht die Rede sein, die Kosten für den Krieg belaufen sich auf mehr als eine Billion Dollar.

„Nichts ist gut in Sachen Klima, wenn weiter die Gesinnung vorherrscht: Nach uns die Sintflut! Da ist erschrecken angesagt und Mut zum Handeln.“ Das sagte Käßmann neun Jahre vor Greta Thunberg und „Fridays for Future“. „Nichts ist gut in Afghanistan.“ Das sagte sie, als der Wille zur Verdrängung der Wahrheit noch so groß war, dass er sich in Häme und Schmähungen niederschlug. Inzwischen sieht jeder: Der Westen hat diesen Krieg verloren, das Projekt eines Demokratieexportes an den Hindukusch ist gescheitert.

Zwei Dinge lehrt die Erinnerung an Käßmanns Neujahrspredigt aus dem Jahr 2010. Erstens: Jede These – und mag sie noch sie absurd klingen – sollte zunächst geprüft und erst dann gegebenenfalls verworfen werden. Etwas, was nach herrschender Meinung nicht wahr sein darf, kann nämlich durchaus wahr sein. Zweitens: Es ist nie zu spät, jemanden um Entschuldigung zu bitten, der durch ein Negativurteil, das sich später als falsch entpuppte, verletzt worden war.


Aus: "Gerechtigkeit für Margot Käßmann!" Malte Lehming (28.05.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/klimapolitik-und-afghanistankrieg-gerechtigkeit-fuer-margot-kaessmann/24390640.html

Quote
BRCI 15:25 Uhr

Eine couragierte ,standhafte und sehr menschliche Frau.Die
Zeit hat sie mehr als gerechtfertigt. Allerdings  ist heute in der Politik kein Ansatz zum Umschwenken bemerkbar.Es wird munter
entsendet, nach Afghanistan und sonstwo  und auch die  Grünen
Klimaschützer   haben erstaunlich  wenig von ihrer  Friedensaktivität  herübergerettet. in die   Tagespolitik. Aber gut jemanden zu finden, der  Haltung bewahren  kann. 


Quote
Sokratis 14:52 Uhr
In der Sache hatte sie in beiden Punkten Recht. Wahrscheinlich waren die Reaktionen auch deshalb so heftig, weil es sich um unbequeme Wahrheiten handelte.

Aber Frau Käßmann hat sich natürlich hochgradig angreifbar gemacht, indem sie scheinheilig agiert bzw. gesprochen hat. Das haben ihre Kritiker dankbar aufgegriffen.

Mit einem schönen VW Phaeton (Langversion) als Dienstwagen hat man als Klimaschutzaktivistin ein gewisses Glaubwürdigkeitsproblem. Und als Vertreterin einer Kirche, die in der Vergangenheit diverse Kriege gerechtfertigt hat, ist man vielleicht auch ganz gut beraten, den erhobenen Zeigefinger wegzupacken.


Quote
Wolf-G 14:33 Uhr

Viel Häme hat sie ertragen, zu Unrecht. Der Spruch trifft wie so oft zu: "Der Prophet gilt nichts im eigenen Land".
So steht sie in einer langen Tradition der Kassandras dieser Welt.....


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[Versprengte Notizen zum Krieg... ]
« Reply #650 on: June 15, 2019, 04:32:55 PM »
Quote
[...] Fast 50 Jahre ist es her, dass ein amerikanisches Flugzeug letztmals in den Himmel über Vietnam stieg, um literweise unverdünntes Entlaubungsmittel über dem Land zu versprühen. Bekannt geworden ist das Umweltgift unter dem militärischen Namen »Agent Orange«, chemisch bestand es aus zwei Herbiziden und einem verhängnisvollen Nebenprodukt. Der Name Agent Orange, benannt nach den Etiketten auf den Fässern, steht wie kein anderer für eines der größten Kriegsverbrechen der USA.

Mehr als 45 Millionen Liter gingen zwischen 1962 und 1971 während der Operation Ranch Hand über dem Land nieder. Zählt man die anderen Herbizide noch hinzu, verdoppelt sich die Zahl fast auf 80 Millionen Liter. Agent Orange entlaubte Wälder und vernichtete Ernten, im tropischen Regenwald sollte es den Vietcong-Kämpfern die Deckung nehmen. Am Ende des Kriegs war fast ein Viertel des gesamten Landes von der Entlaubungsaktion betroffen. Große Landstriche sahen aus wie nach einem Atomangriff.

Der Krieg ist lange aus, aber das Gift ist geblieben. Doch lange Zeit haben weder die amerikanische Regierung noch die Chemiekonzerne für das erlittene Leid in Vietnam Verantwortung übernommen. Erst allmählich tut sich etwas. Ein verseuchtes Gebiet, der Flughafen in Da Nang, ist seit November 2018 vollständig saniert. Und jetzt wollen auf der ehemaligen Militärbasis in Bien Hoa, 40 Kilometer nordöstlich von Ho-Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon, Amerikaner und Vietnamesen gemeinsam die Spätfolgen beseitigen. Der Stützpunkt gilt als Mega-Hotspot der Verseuchung mit Agent Orange. Jahrelang wurden dort die Fässer mit dem Pflanzengift gelagert, heute leben hier eine Million Menschen. Innerhalb von zehn Jahren soll die Airbase von den Altlasten gesäubert sein, kündigten Regierungsvertreter Ende April 2019 an. Die Kosten werden auf mindestens 300 Millionen Dollar geschätzt, die amerikanische Regierung will 183 Millionen Dollar übernehmen.

Die Gründe für den Sinneswandel sind wohl geopolitischer Natur. Jahrzehntelang haben US-Gerichte jede Schuld an den gesundheitlichen Folgen bestritten. Mehr als drei Millionen Opfer von Agent Orange zählt die Vietnamese Association of Victims of Agent Orange auf, noch immer leiden hunderttausende Vietnamesen an den Spätfolgen, noch immer werden missgebildete Kinder geboren. Doch jetzt brauchen die USA dringend neue Verbündete gegen die aufstrebende Supermacht China. Die Zusage umfasst allerdings nur die Beseitigung der Altlasten an einem Ort – und keine flächenhafte Sanierung. Die bräuchte es nach dem veritablen Ökozid vor Jahrzehnten aber dringend, um die Folgen des Pflanzengifteinsatzes endlich in den Griff zu bekommen. Denn nach wie vor ist das Ausmaß der Verseuchung gravierend, auch derzeit Mensch und Natur leiden stark unter den Folgen des Herbizideinsatzes.

In einer Übersichtsarbeit haben nun zwei Agrarwissenschaftler aus Illinois und Iowa die Langzeitfolgen der größten Militäroperation der amerikanischen Streitkräfte genauer unter die Lupe genommen. Die Studie erschien Anfang 2019 im Fachjournal »Open Journal of Soil Science«. Darin gehen die Autoren davon aus, dass Vietnam weitere Jahrzehnte an den Spätfolgen leiden wird, da sich ein Großteil des Gifts in Böden und Sedimenten angereichert hat. Sie zeigen zudem einen Weg auf, wie man das Land sanieren könnte. Doch es fehlt der Wille – und auch das Geld.

Dass das Land immer noch mit der Verseuchung zu kämpfen hat, liegt eigentlich gar nicht an den Pflanzenschutzmitteln, aus dem Agent Orange bestand. Die beiden Verbindungen aus der Chlorchemie, Dichlorphenoxyessigsäure und Trichlorphenoxyessigsäure, waren im gleichen Verhältnis in Agent Orange enthalten; sie regen Pflanzen zu übermäßigem Wachstum an, so dass diese bald von selbst eingehen. Vor allem Dichlorphenoxyessigsäure ist weiterhin im Einsatz gegen Unkräuter, das Mittel wird bis heute bei Anhängern eines gepflegten Rasenrechtecks versprüht. Da die Halbwertszeit der beiden Verbindungen jedoch nur bei einigen Tagen oder Wochen liegt, wurden die Herbizide bis heute weder in Böden noch im Wasser nachgewiesen.

Die wahre Ursache der immensen Folgen für Mensch und Natur ist ein unerwünschtes Nebenprodukt, das bei der Herstellung von Trichlorphenoxyessigsäure entstehen kann. Es trägt den Namen Tetrachlordibenzodioxin, kurz TCCD, und gehört zur Stoffgruppe der rund 300 Dioxine. TCCD entsteht bei der Synthese unter erhöhten Reaktionstemperaturen, meist zwischen 300 und 600 Grad Celsius. Die Verbindung ist langlebig und die giftigste aller Dioxine. Schon geringste Mengen können schwere Organschäden und Krebs auslösen. Zudem gilt sie als Hormonstörer und führt zu schweren Fehlbildungen bei Kindern.

TCCD kam in den auf den Stützpunkten gelagerten Fässern in unterschiedlichen Konzentrationen vor. Jedes Fass beinhaltete 208 Liter Flüssigkeit. Der Umgang mit dem Inhalt war nicht immer sorgfältig – deshalb kamen auch zehntausende Soldaten in Kontakt mit dem hochgiftigen Material. Vor allem waren diejenigen betroffen, die die Fässer entluden, die Tanks befüllten und die Fässer transportierten. Außerdem waren die Piloten dem Gift ausgesetzt.

Luftwaffenstützpunkte wie Bien Hoa, aber auch wichtige Routen und Hochburgen der Gegner gelten daher bis heute als von der Verseuchung am stärksten betroffen. Agent Orange wurde vor allem entlang des Ho-Chi-Minh-Pfads auf der Truong-Son-Gebirgskette versprüht. Der Pfad galt als wichtige strategische Versorgungsroute der nordvietnamesischen Truppen. Da der Dschungel hier extrem dicht war und der Weg aus der Luft nicht zu erkennen, kam an diesen Stellen besonders viel Agent Orange zum Einsatz. Außerdem besprühten und bombardierten die Amerikaner das weit verzweigte Tunnelnetz der Vietcong-Kämpfer.

Weitere Ziele der Entlaubungsaktionen der Amerikaner waren zudem die Feuchtgebiete, Flüsse und Kanäle sowie der Südzipfel Cà Mau mit seinen einzigartigen Mangrovenwäldern. Schließlich machten die Amerikaner auch nicht vor den landwirtschaftlichen Flächen Halt. Ihr Ziel war es, die Gegner auszuhungern. Doch Analysen nach dem Krieg zeigten, dass darunter zu einem Großteil nicht die Guerillas litten, sondern die Bevölkerung. Hunderttausende Südvietnamesen hungerten.

Das hochgiftige TCCD kann zwar nicht von Pflanzen aufgenommen werden und ist auch kaum wasserlöslich, doch dafür bindet es sich in tropischen Böden und Sedimenten an organische Substanzen und Tonpartikel. Einziger Vorteil: Ins Grundwasser sickerte es dadurch sehr wahrscheinlich nicht. An der Oberfläche zerfällt es jedenfalls innerhalb von ein bis drei Jahren, im Boden und in Fluss- wie Meeressedimenten kann es allerdings mehr als 100 Jahre bestehen.

Über Flüsse, Wind, Erdrutsche und die starke Bodenerosion während des Monsuns breitete sich TCCD in den Ökosystemen aus und kam auf diesem Weg auch in die Nahrungskette. Vor allem die Gebiete rund um die verseuchten Stützpunkte sind mittlerweile belastet. Viele Vietnamesen sind diesem Gift deshalb bis heute ausgesetzt. Sie atmen kontaminierten Staub ein, bestellen verseuchte Felder und kommen mit dem Gift dadurch direkt in Kontakt. Da Reis und Fisch die Hauptnahrungsquellen der Bevölkerung sind, nimmt die Bevölkerung den gefährlichen Stoff auch über die Nahrung auf. Von allen Lebensmitteln sind vor allem Fisch und Fleisch gefährlich, denn TCCD reichert sich in Fett an. Da Tiere am Ende der Nahrungskette stehen, vergrößert sich die TCCD-Konzentration dutzendfach. Seen in der Nähe von Stützpunkten dürfen zwar nicht befischt werden. Wie Messungen zeigen, findet sich das Gift trotzdem im lokalen Nahrungsangebot.

Zehn ehemalige Stützpunkte in Vietnam gehören zu den Hotspots der Verseuchung, darunter auch die Millionenstadt Bien Hoa, die mit TCCD wahrscheinlich am stärksten kontaminiert ist. Zwölf Studien wurden zwischen 1990 und 2016 erstellt, an 76 Standorten wurden 1300 Proben entnommen. Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte aller Proben wiesen erhöhte Dioxinwerte auf. Vom Fischverzehr wurde in dieser Region darum wegen hoher Gesundheitsgefahr abgeraten, Trinkwasser hingegen ist sicher.

Die amerikanische Behörde für internationale Entwicklung (USAID) finanzierte im Jahr 2016 die neueste Studie. Diese kam zu dem Schluss, dass nur eine umfassende Altlastenbeseitigung das Dioxinproblem lösen kann. Etwa 350 000 bis 400 000 Kubikmeter Boden müssten saniert werden, schätzte die Behörde und machte vor drei Jahren eine große Rechnung auf. Je nach Methode koste die Sanierung zwischen 126 und 600 Millionen Dollar – allein in Bien Hoa. Schließlich versprach der damalige Präsident Barack Obama im Mai 2016 eine Beteiligung an der Beseitigung der Altlasten.

Jetzt ist die Sanierung endgültig beschlossen, fast 500 000 Kubikmeter Boden sollen von dem Dioxin befreit werden. Die sicherste und beste Methode hierfür wäre eigentlich die Verbrennung. Bei Temperaturen von 870 bis 1200 Grad Celsius bleibt von der Verbindung nichts mehr übrig; in speziellen Drehöfen würde TCCD vollständig zerstört. Doch es gibt ein Problem – die Kosten. Die Oxidation des gesamten Materials ist die teuerste Sanierungsmethode und würde sich wohl auf deutlich mehr als eine Milliarde Dollar belaufen. Daher kommt nun eine andere, billigere Methode zum Einsatz. Gering belastetes Bodenmaterial kommt auf die Deponie, und nur die stark belasteten Flächen werden in speziellen Öfen bei 335 Grad Celsius saniert. Es handelt sich um dieselbe Methode, die auch beim Flughafen Da Nang eingesetzt wurde. Sie gilt nach Expertenmeinung als ähnlich geeignet wie die Hochtemperaturverbrennung. Am Ende entscheiden allerdings die Messwerte über den Erfolg.

50 Jahre nach Ende der Mission Agent Orange ist immerhin ein Anfang gemacht, um gegen das vorherrschende Umweltproblem vorzugehen. Doch es ist auch höchste Zeit: Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Hälfte der hochgiftigen TCCD-Verbindungen noch immer im Boden ist.


Aus: "Das Gift, das bleibt" Andreas Frey (15.06.2019)
Quelle: https://www.spektrum.de/news/das-gift-das-bleibt/1652026?

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« Reply #651 on: June 16, 2019, 12:23:03 PM »
Quote
[...] Trotz der Exportbeschränkungen im Koalitionsvertrag von Union und SPD hat die Bundesregierung zwischen dem 1. Januar und dem 5. Juni allein 13 Exporte für 801,8 Millionen Euro nach Ägypten und 43 Exporte für 206,1 Millionen Euro an die Vereinigten Arabischen Emirate genehmigt. Das geht aus einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Omid Nouripour hervor.

Demnach erlaubte die Regierung sogar zwei Rüstungsgeschäfte mit Saudi-Arabien, obwohl für das Land seit November eigentlich ein kompletter Exportstopp gilt. Dabei handele es sich um die Lieferung von "sondergeschützten Geländewagen" für 831.003 Euro, wie der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Ulrich Nußbaum, mitteilte.

Insgesamt wurden für die acht Länder der Allianz 122 Exportgenehmigungen für Rüstungsgüter im Wert von 1,1 Milliarden Euro erteilt. Saudi-Arabien hatte die Koalition überwiegend arabischer Länder 2015 geformt, um die jemenitische Regierung in ihrem Kampf gegen die vom Iran geförderten schiitischen Huthi-Rebellen zu unterstützen. Der Krieg hat in dem bitterarmen Land auf der arabischen Halbinsel die derzeit größte humanitäre Krise ausgelöst.

Die SPD drängte vor diesem Hintergrund in den Koalitionsverhandlungen Anfang vergangenen Jahres auf einen Exportstopp für die an dem Krieg beteiligten Länder. Die Union willigte nur in eine deutlich abgeschwächte Formulierung ein: Rüstungslieferungen in "unmittelbar" beteiligte Länder wurden untersagt, bereits genehmigte Geschäfte wurden davon ausgenommen. Nach der Tötung des saudischen Regierungskritikers Dschamal Khashoggi entschied die Bundesregierung im November 2018, die Exporte nach Saudi-Arabien komplett zu stoppen.


Aus: "Rüstungsgüter für gut eine Milliarde Euro an Kriegsallianz" (16. Juni 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-06/jemen-krieg-ruestungsexporte-deutschland-saudi-arabien

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imagine.1984 #6

...sind (Waffen-Ver-/Käufe) etwa das, was man unter freier Marktwirtschaft zu verstehen hat?!


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Gertrud. die Leiter #6.1

Fast. So ganz frei ist sie ja nicht. Der eigentliche Markt wird ständig neu geschaffen, gepflegt und am Leben erhalten: der ewige Krieg, das beste Geschäft der Welt.


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Dersichnenwolftanzt #6.2

Traurig aber wahr und solange sich die Hauptinteressen der politischen Akteure weiterhin nur um Wirtschaft und Arbeitsplätze drehen, wird es nie Frieden auf der Welt geben.

Sarcasm: Aber immerhin wurden die Kriegsschauplätze ja mittlerweile ausgelagert, so dass der "Wertewesten" davon nichts abbekommt. Außer ein paar Flüchtlingen.


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Am Anfang war Vernunft #7

Auch unter der rot-grünen Kanzlerschaft (1998 - 2005) stiegen die Exporte von Waffen; zu fast jeder Zeit waren Waffen aus Deutschland gefragt, wurden hergestellt und exportiert.
Wir haben keine Ethik des Friedens entwickelt und deshalb sind wir Deutschen Teil des Unfriedens in der Welt ... mitverantwortlich für viel sinnloses Morden an Zivilisten!

Meinetwegen können wir in der BRD "bis an die Zähne mit den modernsten Waffen" versorgt sein, wenn wir nur die Waffen für unsere Verteidigung herstellten und eine Ethik des gewaltbefreiten Miteinanders entwickelten und praktizierten; das wäre ein dann echter Exportschlager!
Aber den Islam und alte Welt- und Feindbilder mit deutschen Waffen zu versorgen - das will weder in meinen Kopf noch lässt es sich mit christlicher oder mit aufgeklärter humanistisch geprägter Ethik rechtfertigen.

Ich glaube keinem deutschen Politiker im Bundestag, dass er hier etwas ändern würde, evtl. noch Frau Wagenknecht im Ansatz.

Wenn wenigstens konsequent kalter Frieden mit Waffen geschaffen würde, verfeindete Nachbarländer und Bürgerkriegsländer unter Zwangsverwaltung der UN gestellt und da alle entwaffnet würden, bis die zivilen Einrichtungen wirklich als Ersatz für Gewalt untereinander griffen, wäre dem "Export" von Waffen an die EU/UN/NATO noch etwas abzugewinnen ..., so aber schaffen wir das Elend mit allen Folgen mit und bessern nichts in der Welt.

Und langsam holen wir uns steigende und gelebte Gewaltbereitschaft wieder ins Land ... schleichend!


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Dr. Econ #7.1

Diese unheilige Allianz wird dem Westen und Deutschland noch massiv auf die Füße fallen.

Wir füttern dieses Land mit Kriegsgerät.
Und was macht Saudi-Arabien seit Jahrzehnten?

- Unterstützung und Verbreitung von Salafismus, Islamismus und Terrorismus
- Unterdrückung der eigenen Bevölkerung und Beschneidung der Meinungsfreiheit
- Unterdrückung von Frauen und Minderheiten aller Art
- Massive Missachtung der Menschenrechte
- Auftragsmorde an vermeintlichen "Dissidenten" durch das Königshaus
- Abschlachten der bitterarmen Zivilbevölkerung im Jemen mit deutschen Waffen

Der EINZIGE Grund, warum wir immer noch Waffen an das absolutistische Regime dieses Schurkenstaates liefern, sind "geostrategische Interessen" und Öl.

Diese Doppelmoral, besser Null-Moral, wird uns noch richtig um die Ohren fliegen Leute...


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Quer- und Weiterdenker #9

Die Menschen im Jemen finden das gut. Die fühlen mit den Rüstungsfirmen und opfern gerne ihr Leben für Wachstum und Gewinne.


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Piet Vermailen #9.1

"Bitte formulieren Sie Kritik sachlich und differenziert. Danke."


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m0r0n #13

Weiter so Deutschland! Damit fördern wir aktiv die Fluchtursachen, damit ein paar Waffenschieber legal (!) reicher und reicher werden. Ganz großes Kino, da ist man echt stolz Deutscher zu sein... O.o


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Der Jo #14

Wenn es um Geld geht, endet jede Moral. ...


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Benjamin Kradolfer #28

Solche Transfers Waffen-gegen-Milliarden scheinen die einzige Gelegenheit zu sein, unsereinen mal wieder daran zu erinnern, dass im Jemen Tag für Tag Krieg herrscht, und zwar einer der übelsten Sorte. (Wobei: gibt es harmlose?) Bravo freie Medien! So können wir in unserem vergleichsweise luxuriösen Alltag immer mal wieder unser ruhiges Gewissen mit einer angemessenen Portion Empörung und schlechtes Gewissen pudern - wie es sich gehört für anständige Bürger. Denn uns ist ja auch, wenn wir gerade nicht daran denken, durchaus bewusst, dass uns einerseits die alltägliche Effizienz unseres hiesigen wirtschaftlichen und politischen Systems und unsere hohe Diplomatie ein Leben in Qualität und Freiheit bescheren, aber andererseits auch unabdingbare Voraussetzung dafür sind, dass Schlächtereien wie die im Jemen überhaupt in dieser Form stattfinden. Dennoch sind wir im Grunde froh und dankbar, dass dieses Wissen von unserem luxuriösen Alltag immer wieder weggeschwemmt wird. Besser nicht zu oft vom jemenitischen Alltags-Horror berichten, solange wir von einem Mehr an solchen Berichten höchstens ein dauerhaftes schlechtes Gewissen hätten. Das bringt nur was, wenn es uns bessere (politische, wirtschaftliche, diplomatische) Voraussetzungen für unseren eigenen Luxus-Alltag verspricht.


...

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[Versprengte Notizen zum Krieg... ]
« Reply #652 on: June 21, 2019, 02:51:17 PM »
Quote
[...] Im Wahlkampf 2017 bekannte sich der Vorsitzende der AfD, Alexander Gauland, offen zu den militaristischen Traditionslinien der deutschen Rechten. Man habe das Recht, "stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen", erklärte Gauland Mitte September 2017. Die AfD habe das Recht, sich "nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen".

Damit wollte Herr Gauland auch explizit auf die Leistungen der Wehrmacht stolz sein, die bekanntlich das militärische Instrument des Vernichtungskrieges der Nazis im Osten bildeten. Der AfD-Spitzenkandidat bekräftigte, dass - allen Verbrechen zum Trotz - "Millionen deutscher Soldaten tapfer waren", die man nun loben könne. Das "verbrecherische System" sei schuld, so der AfD-Chef, und "nicht die Soldaten, die tapfer waren".

Diese Argumentation der Neuen Rechten, die an die alte Legende von der "sauberen Wehrmacht" erinnert, übersteht die Konfrontation mit den historischen Fakten nicht. Anlässlich des Jahrestags des Überfalls Nazideutschlands auf die Sowjetunion, der sich am 22. Juni zum 78. Mal jährt, scheint es geboten, in Erinnerung zu rufen, dass gerade die Wehrmacht nicht nur die militärischen Voraussetzungen für den Ausrottungsfeldzug der Nazis im Osten schaffte, sondern Teil eben dieser Völkermordmaschinerie war.

Der Stolz auf die militärischen Leistungen der Wehrmacht, auf die "Tapferkeit" der Wehrmachtssoldaten; er blendet den Zweck des militärischen Eroberungsfeldzugs Nazideutschlands im Osten aus - und dieser bestand im Genozid, in der Ausrottung von Juden, Slawen und weiterer "Untermenschen" in einem künftigen Siedlungsgebiet für germanische "Übermenschen", das sich bis zum Ural erstrecken sollte.

Gaulands Stolz auf die militärischen Mittel, mit denen der Zweck des Völkermordes ermöglicht wurde, stellt nicht nur einen Schlag ins Gesicht all jener Nachkommen der damaligen Opfer und Kämpfer gegen den deutschen Faschismus dar - er errichtet auch eine Scheinbarriere zwischen militärischen Mitteln und verbrecherischen Zweck, die es in der Realität nicht gegeben hat.

Der Leichenberg, den die Wehrmacht bei dem deutschen Vernichtungskrieg im Osten zu verantworten hat, geht in die Millionen. Das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) setzte von Anfang an den Hunger als Waffe ein, um einen großen Teil der Bevölkerung der Sowjetunion buchstäblich in den Hungertod zu treiben. Die Lebensmittelvorräte der Wehrmacht reichten beim Kriegsbeginn nur für wenige Wochen, die Armee sollte komplett aus den besetzten Gebieten ernährt werden.

Bei einem Planungstreffen kurz vor dem Überfall hieß es: "Der Kriege ist nur weiter zu führen, wenn die gesamte Wehrmacht im 3. Kriegsjahr aus Russland ernährt wird." Dabei war man sich der Konsequenzen dieser Strategie voll bewusst: "Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn von uns das für uns Notwendige aus dem Land herausgeholt wird."

Dieser deutsche Hungerplan, an dessen Konzeption und Durchführung die "tapfere" Wehrmacht eben maßgeblich beteiligt war, sah vor, rund 30 Millionen "unnützer Esser" durch Hunger zu ermorden. Neben Leningrad, das von der Wehrmacht buchstäblich ausgehungert werden sollte, wurde diese Taktik in nahezu allen besetzten Gebieten der Sowjetunion - insbesondere in den Städten - angewendet. Von den rund 17 Millionen sowjetischer Zivilisten, die von der Vernichtungsmaschinerie der Nazis getötet wurden, sind rund sieben Millionen an Hunger umgekommen.

Ein besonders erschütterndes Beispiel für die perfide Strategie der Wehrmacht, Hunger als Massenvernichtungswaffe einzusetzen, stellt das in besetzten Belarus errichtete Wehrmachts-KZ Osaritschi dar. In dem Todeslager, dass vom 12. bis zum 19. März 1944 von der Wehrmacht betrieben wurde, sind binnen einer Woche unterschiedlichen Schätzungen zufolge 10.000 bis 20.000 Menschen von der Wehrmacht umgebracht worden - hauptsächlich Frauen, Kinder, Greise, arbeitsunfähige Menschen.

Während arbeitsfähige Zivilisten ins Reich abtransportiert wurden, trieb man in dem Todeslager sogenannte "unnütze Esser" zusammen, um sie im Rahmen der Strategie der "verbrannten Erde" durch Hunger und Krankheiten (Typhus) zu vernichten. Die Meldung des Oberkommandos der Wehrmacht war voll des Lobes für die Aktion:

Die Erfassungsaktion hat für das gesamte Gefechtsgebiet eine wesentliche Erleichterung gebracht. Die Wohngebiete wurden erheblich aufgelockert und für Truppenunterkünfte frei. Für nutzlose Esser wird keine Verpflegung mehr verbraucht. Durch Abschieben der Seuchenkranken wurden die Infektionsherde bedeutend verringert.

Die "Leistung" der Wehrmacht bestand in diesem Fall darin, eine furchtbare Todesrate innerhalb des in einem Sumpfgebiet errichteten Lagers durch den Entzug jeglicher Versorgung zu erreichen. Die Menschen wurden weitgehend sich selbst überlassen, Massaker und Erschießungen - etwa an entkräfteten Kindern - erfolgten nur, wenn diese auf dem Transport vor Erschöpfung zusammenbrachen oder es innerhalb der Lagerinsassen Initiativen gab, Behausungen zu errichten oder Sumpfwasser zu trinken.

Im Endeffekt experimentierte die Wehrmacht hierbei mit biologischer Kriegsführung, da in dem Lager absichtlich Kranke konzentriert wurden, wie das Kriegstagebuch der 9. Armee vermerkt:

Es ist geplant, aus der frontnahen Zone der Armee alle nicht arbeitsfähigen Einheimischen in den aufzugebenden Raum zu bringen und bei der Frontzurücknahme dort zurückzulassen, insbesondere die zahlreichen Fleckfieberkranken ...

Was hier beschrieben wird, ist die Taktik der menschlichen Schutzschilder, wie die Gedenkstätte Chatyn - der zentrale Gedenkort der Republik Belarus für die Opfer des Vernichtungskrieges - auf ihrer Internetpräsenz bemerkt. Es sei eine verbreitete Praxis der Wehrmachtssoldaten gewesen, auf dem Rückzug vor der Roten Armee menschliche Schutzschilde zu benutzen:

In der Regel, umgaben die Nazis größere Bodenflächen an der vorderen Linie der Verteidigungsstellung mit dem Stacheldraht, trieben dorthin Frauen, Kinder und alte Menschen, bewachten sie hart und ließen die Leute ohne Unterkunft, Lebensmittel und Wasser. Absichtlich wurden dorthin die Menschen gebracht, die an Fleckfieber und anderen Infektionskrankheiten erkrankt waren.
    Gedenkstätte Chatyn


Osaritschi bildete somit nur den Extremfall einer verbreiteten verbrecherischen Praxis der Wehrmacht. Die Wehrmacht beteiligte sich auch an der Vernichtung von Menschen, die von den Nazis als "lebensunwertes Leben" zur Vernichtung bestimmt waren - etwa im größten Todeslager auf dem Gebiet Weißrusslands, in Maly Trostinez. Nach der Selektion wurden die "unnützen Esser" von Wehrmachtssoldaten und SS-Leuten erschossen:

Die Arbeitsunfähigen - mehrheitlich Frauen, Kinder und Greise - wurden daraufhin etwa 700 Meter in den Wald bei Blagowschtschina getrieben, Angehörige von Wehrmacht und SS erschossen sie im Schichtdienst und verscharrten sie in Massengräbern. Wer zu schwach für den letzten Marsch in den Wald war, wurde direkt am Gleis in Gaswagen ermordet.
    MDR


Der "tapfere", im Schichtdienst verrichtete Massenmord an Kindern, Greisen, Frauen, Kranken und Arbeitsunfähigen wurde begleitet von Bemühungen, das Letzte aus der Bevölkerung der besetzten Gebiete der Sowjetunion herauszupressen. Und wenn es buchstäblich Kinderblut sein sollte, wie es das Beispiel des Kinderheims im Ghetto Minsk illustriert:

    Auf dem Territorium des Ghettos befand sich ein weiterer abgetrennter Bereich, das Kinderheim. Dort waren die Kinder weitgehend sich selbst überlassen. Sie schliefen auf fauligem Stroh und litten unter Mangelernährung. Der Zweck dieses Kinderheimes war militärischer Art, die Kinder dienten als Blutspender für die deutschen Soldaten.
    Quelle: http://belarus-reisen.ch/maly-trostinez/


Kinder als Blutspender für deutsche Soldaten auszusaugen - dies sind die historisch nun wirklich einmaligen "Leistungen" des deutschen Soldatentums im Osten, auf die man in der Neuen Deutschen Rechten offensichtlich nun aber wirklich stolz sein will.

Hunger als Waffe wurde auch gegen sowjetische Kriegsgefangene eingesetzt, die vor allem in der Anfangsphase des Überfalls auf die Sowjetunion millionenfach in den Hungertod getrieben wurden. Rund 3,7 Millionen sowjetischer Soldaten in deutscher Kriegsgefangenschaft wurden unter bestialischen Bedingungen bewusst durch Nahrungsentzug ermordet. Mindestens 850.000 sowjetische Kriegsgefangenen verhungerten unter Kontrolle eben der Wehrmacht, auf deren "Leistungen" Alexander Gauland so stolz sein will.

Dies war erklärte Politik der Wehrmacht. Anfang Oktober 1941 verfügte Generalquartiermeister Eduard Wagner:

   Nichtarbeitende Kriegsgefangene in den Gefangenenlagern haben zu verhungern. Arbeitende Kriegsgefangene können im Einzelfalle auch aus Heeresbeständen ernährt werden.
    Generalquartiermeister Eduard Wagner


Die Vernichtungspolitik der Nazis und der Wehrmacht gegenüber sowjetischen Kriegsgefangenen änderte sich erst etwas, als die ersten großen Niederlagen und die Mobilmachung für den "totalen Krieg" zu einem extremen Arbeitskräftemangel im "Reicht" führten.

Eindeutig verbrecherisch war auch der sogenannte "Kommissarbefehl" der Wehrmacht, der die sofortige Ermordung aller Kriegsgefangenen in der Sowjetunion anordnete, die verdächtigt wurden, als "Politkommissare" der Roten Armee tätig zu sein. Zehntausende gefangene Rotarmisten wurden in Ausführung dieses verbrecherischen Wehrmachtsbefehls von Wehrmachtsangehörigen und dem Sicherheitsdienst ermordet.

Ein weiterer verbrecherischer Befehl der Wehrmacht, der gewissermaßen den Übermenschenwahn des NS-Regimes zu quantifizieren versuchte, wurde am 16. September 1941 von der Wehrmachtsführung erlassen. Der sogenannte Sühnebefehl sah vor, für jeden von Partisanen oder sonstigen Widerstandsgruppen getöteten Wehrmachtssoldaten 50 bis 100 Zivilisten zu erschießen. Hierzu wurden oft Geiseln - Juden, Roma, Kommunisten - genommen und in Lagern konzentriert, um sie dann bei Widerstandsaktionen in den besetzten Gebieten zu erschießen. Zudem haben Einheiten der Wehrmacht immer wieder bestialische Massaker an der Zivilbevölkerung verübt, um im Rahmen dieses "Sühnebefehls" Vergeltung für Partisanenangriffe zu üben.

Diese Wehrmachtspraxis der Ausrottung ganzer Ortschaften wurde etwa in Griechenland, Italien und Jugoslawien praktiziert. Bei den Massakern in den jugoslawischen Ortschaften Kraljevo und Kragujevac erschossen die "tapferen" Nazisoldaten im Oktober 1941 beispielsweise 4000 Zivilisten, hierunter auch 300 Schüler und 18 Lehrer des Gymnasiums von Kragujevac. Den Lehrern wurde von der Wehrmacht die Option gegeben, ihr Leben zu verschonen. Sie weigerten sich - und begleiteten ihre Schüler auf ihren letzten Gang vor die Gewehrläufe der Landser des 749. und des 727. Infanterieregiments.

Ihren blutigen Zenit erreichte diese Massakerpraxis des deutschen Soldatentums bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes, als Einheiten der SS und Ordnungspolizei binnen dreier Tage zwischen 30.000 und 50.000 Zivilisten in dem Stadtheil Wolna ermordeten. Mit dem Anfang August begangenen Massenmord an einem ganzen Stadtteil sollte der Kampfwille der Aufständischen unverzüglich gebrochen werden - die dann bis zum 1. Oktober den Naziokkupanten verzweifelten Widerstand leisteten.

In der Sowjetunion war die sogenannte "Partisanenbekämpfung" fest eingebettet in den Vernichtungskrieg Nazideutschlands. Rund 600 Dörfer wurden allein auf dem Gebiet der Sowjetrepublik Belarus von den NS-Okkupanten mitsamt ihren Einwohnern vernichtet. Massenmord an der Zivilbevölkerung im Rahmen von "Vergeltungsaktionen" war blutiger Alltag in den okkupierten Gebieten der Sowjetunion, wo die antifaschistische Widerstandsbewegung mit Sabotageaktionen und Angriffen die Logistik der Wehrmacht störte und Nazitruppen band.

Im Rahmen dieser genozidalen deutschen "Partisanenbekämpfung" in Belarus wurden insgesamt 345.000 Menschen ermordet. Nur zehn Prozent dieser Opfer waren tatsächlich Partisanen. Die Bevölkerung der Sowjetrepublik Belarus, die vor dem Krieg rund neun Millionen Menschen umfasste, sank im Verlauf des Vernichtungsfeldzuges Nazideutschlands um 1,6 bis 1,7 Millionen Menschen. Den Vorkriegsstand der Bevölkerung erreichte Belarus erst wieder in den 1980er Jahren.

Angesichts all dieser unüberschaubaren blutigen Gemetzel, des planmäßigen deutschen Verwüstungsfeldzuges im Osten, an dem sich die Wehrmacht beteiligte, will AfD-Chef Gauland "Millionen deutscher Soldaten" ausgemacht haben, die einfach nur "tapfer waren". Wie sah es nun in den Hirnen all der "tapferen" Nazisoldaten aus - bevor sie sich ihre Lebenslügen von der "sauberen Wehrmacht" zurechtlegen konnten, die vor allem die verlogene Nachkriegszeit in der Bundesrepublik bis weit in die 60er Jahre prägten?

Eine Ahnung davon verschaffen die Abhörprotokolle des britischen und amerikanischen Geheimdienstes, die Tausende von gefangenen Wehrmachtssoldaten systematisch abgehört haben. Historiker haben das reichhaltige Material umfassend ausgewertet, wie n-tv schon 2011 berichtete. Die Ergebnisse seinen "schauerlich und erhellend" zugleich:

Denn es zeigt in aller Offenheit ein Bild des Krieges aus der Sicht deutscher Soldaten, das wir in einer solchen unverblümten Deutlichkeit bislang nicht kennen. Schönten die Männer doch gewöhnlich in Frontbriefen und späteren Erzählungen oder Memoiren ihre Kriegseindrücke, wenn sie nicht gleich in partielle Amnesie verfielen. Doch in der Gefangenschaft, oft noch frisch unter dem Eindruck des Krieges und inmitten der Kameraden, redeten sie offen: über Treibjagden, Plünderungen, Vergewaltigungen - und die Riesengaudi, die sie dabei hatten.
    n-tv


Begeistert von ihrem Handwerk zeigten sich etwa Piloten der Luftwaffe, die sich ihrer Angriffe auf Zivilisten rühmten: "Es ist mir ein Bedürfnis geworden, Bomben zu werfen. Das prickelt einem ordentlich, das ist ein feines Gefühl. Das ist ebenso schön, wie einen abzuschießen." Ein anderer Pilot erklärte: "Da war mal Ashford. Auf dem Marktplatz, da wurde eine Versammlung gehalten, Haufen Leute, Reden gehalten, die sind vielleicht gespritzt! Das macht Spaß!" Ganz gewöhnliche Infanteristen prahlten vor ihren Kameraden damit, in Frankreich einen Zivilisten hinterrücks erschossen zu haben, um sich seines Fahrrads zu bemächtigen.

Die Gräuel des Vernichtungskrieges im Osten wurden ebenfalls offen besprochen, vor allem in Zusammenhang mit sexueller Gewalt gegen Frauen. Ein Generalmajor bemerkte, dass viele Frauen vor ihrer Ermordung zuerst von den deutschen Soldaten vergewaltigt wurden: "Von wegen Rassereinheit: In Riga haben sie zuerst rumgevögelt und dann totgeschossen, dass sie nicht mehr reden konnten."

Mitunter werden die Details der bestialischen Gewaltakte geschildert, die ganz gewöhnliche, sicherlich sehr "tapfere" Wehrmachtssoldaten im Osten begingen:

Ach, da haben wir eine Spionin geschnappt, die in der Gegend herumgelaufen ist. Und da haben wir ihr zuerst mit einem Stecken auf die Äppelchen gehauen, dann haben wir ihr den Hintern verhauen mit dem blanken Seitengewehr. Dann haben wir sie gefickt, dann haben wir sie rausgeschmissen, dann haben wir ihr nachgeschossen, da lag sie auf dem Rücken, da haben wir (mit) Granaten gezielt. Und jedes Mal, wenn wir in die Nähe trafen, hat sie aufgeschrien. Zum Schluss ist sie dann verreckt und wir haben die Leiche weggeschmissen.

Die Abhörprotokolle belegen auch eine Praxis, die als "Erschießungstourismus" bezeichnet wird. Die Wehrmachtsangehörigen wussten selbstverständlich sehr früh über den Holocaust bescheid - und sie haben die "Einladungen" der SS zu Massakern oftmals bereitwillig angenommen, da die eine "Attraktion" gewesen seien, die die Langeweile des Krieges auflockerte. Ein Oberstleutnant der Luftwaffe erinnerte sich, wie die ganze Truppe mit Gewehren einer solchen Einladung gefolgt sei: "Die SS hat eingeladen zum Judenschießen … Hat jeder sich aussuchen können, was für einen er wollte."

Mitunter seien bei solchen Wehrmachtmassakern Jagdrituale imitiert worden, berichtete ein Oberstleutnant: "...da lagen Schrotbüchsen da, normale Büchsen, und standen 30 polnische Juden da. Dann wurde den Gästen je eine Büchse gegeben, und dann wurden die Juden vorbeigetrieben, und dann durfte jeder einen Juden totschießen mit Schrot. Anschließend bekamen sie einen Gnadenschuss."

Vereinzelt habe es auch Kritik an dem Vorgehen der Wehrmacht gegeben, hieß es in dem Bericht:

Allerdings nicht immer stoßen die Massenexekutionen auf ungeteilte Zustimmung. Teilweise missbilligen die Soldaten die Art und Weise der Massenmorde. Wenn stundenlang das Blut spritzt, die Gruben voll sind, Kinder vor den Gewehrläufen zappeln, macht das auch den abgebrühtesten Landsern nicht mehr viel Spaß - trotz Zulagen und doppelter Essensration.

Doch nicht immer war die Kritik durch einsetzende Langeweile an dem industriell betriebenen Massenmord oder gar durch moralischen Abscheu vor diesem motiviert. Manchmal waren die Wehrmachtsangehörigen auch der Meinung, einfach nicht weit genug gegangen zu sein, wie die Aussagen eines Generalleutnants vom März 1945 belegen:

    Man darf ja das nicht laut sagen, aber wir waren ja viel zu weich … Wir sind da jetzt in der Flasche mit den ganzen Grausamkeiten. Hätten wir aber die Grausamkeiten hundertprozentig durchgeführt - die Leute restlos verschwinden lassen, dann würde kein Mensch was sagen. Nur diese halben Maßnahmen, das ist immer das Falsche.

Wer hätte das gedacht? Unter den Nazis musste man nicht unbedingt in der SS, dem SD, der Gestapo oder der NSDAP sein, um Nazi zu sein. (Tomasz Konicz)


Aus: "Gaulands ganzer Stolz?" Tomasz Konicz (21. Juni 2019)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Gaulands-ganzer-Stolz-4447162.html

https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Gaulands-ganzer-Stolz/forum-428528/comment/

« Last Edit: June 21, 2019, 02:54:47 PM by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #653 on: July 10, 2019, 09:13:53 PM »
Quote
[...] Die Bundesregierung hat im ersten Halbjahr 2019 Rüstungsexporte im Wert von 5,3 Milliarden Euro genehmigt und damit schon jetzt mehr als im gesamten Vorjahr. In der Rangliste der wichtigsten Empfängerländer steht Ungarn mit 1,76 Milliarden Euro an Nummer eins mit großem Vorsprung vor Ägypten (801,8 Millionen Euro) und Südkorea (277,7 Millionen Euro), wie aus einer Aufstellung des Bundeswirtschaftsministeriums hervorgeht, aus dem das Handelsblatt zitiert.

In den vergangenen drei Jahren war das Exportvolumen kontinuierlich zurückgegangen und hatte 2018 nur noch bei 4,8 Milliarden Euro gelegen. Im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahres stiegen die Exporte im ersten Halbjahr um 107 Prozent.

Unter den zehn wichtigsten Empfängerländern ist neben Ägypten ein weiterer Staat, der am Jemen-Krieg beteiligt ist: Wie die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Omid Nouripour zeigt, stehen die Vereinigten Arabischen Emirate auf Platz 6 mit 206,1 Milliarden Euro.

Union und SPD hatten sich in ihrem Koalitionsvertrag im März 2018 eigentlich vorgenommen, die Exporte an die "unmittelbar" am Jemen-Krieg beteiligten Staaten stark einzuschränken. Die VAE führen zusammen mit Saudi-Arabien eine Kriegsallianz an, die die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen bekämpft.

Insgesamt war der Anteil der Exporte an sogenannte Drittstaaten außerhalb von Nato und Europäischer Union mit 40 Prozent aber relativ gering – in den vergangenen Jahren lag er über 50 Prozent. Das liegt aber vor allem daran, dass ein Drittel des Exportvolumens auf den EU- und Nato-Partner Ungarn entfallen.

Die rechtsnationale Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban hatte angekündigt, dass sie die Ausgaben für die ungarischen Streitkräfte verdoppeln werde. Derzeit gibt Ungarn 1,15 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (2018) für die Verteidigung aus, sogar etwas weniger als das viel gescholtene Deutschland. Mit der Verdoppelung der Wehrausgaben würde das Land jedoch das von der Nato erwartete Ziel von 2 Prozent des BIP überschreiten.

Unter anderem hat der Hersteller Krauss-Maffei Wegmann (KMW) im vergangenen Dezember einen Vertrag zur Lieferung von 44 neugefertigten Kampfpanzern Leopard 2 A7+ und 24 Panzerhaubitzen 2000 unterzeichnet. Außerdem soll Ungarn Bergepanzer des Typs Wisent 2 und Panzerschnellbrücken vom Typ Leguan in Deutschland geordert haben.

Der Grünen-Außenexperte Nouripour kritisierte den drastischen Anstieg der Rüstungsexporte scharf: "Diese Rekordzahlen führen alle Bekenntnisse einer restriktiven Rüstungsexportpolitik ad absurdum", sagte er. "Besonders die Lieferungen an Ägypten und die VAE, die Teil der Kriegsallianz im Jemen sind, verstoßen gegen Koalitionsvertrag und Rüstungsexportrichtlinien. Wie tief will die SPD eigentlich noch sinken?"

Die Bundesregierung hatte sich erst vor zwei Wochen strengere Regeln für die Genehmigung von Rüstungsexporten gegeben. Das Kabinett beschloss eine Verschärfung der fast 20 Jahre alten Ausfuhr-Richtlinien, und erschwerte damit unter anderem der Lieferung von Kleinwaffen in Länder außerhalb von Nato und EU.   


Aus: "Deutschland: Rüstungsexport steigt stark" (10. Juli 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-07/deutschland-ruestungsexporte-2019-gestiegen

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« Reply #654 on: July 24, 2019, 09:09:10 AM »
Quote
[...] Noch eine Woche, dann ist eines der wichtigsten Abrüstungsabkommen Geschichte. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, dann endet am 2. August der INF-Vertrag, das 1987 von Michail Gorbatschow und Ronald Reagan in Washington unterzeichnete Abkommen über das Verbot von Mittelstreckenraketen – fristgerecht aufgekündigt von der Regierung Trump und ungerührt dahingehen gelassen von der Regierung Putin.

Es wird kein Wunder geschehen. Und deshalb wird die Welt vom kommenden Freitag an ein ganzes Stück unsicherer werden. Von diesem Tag an wird es den Vereinigten Staaten und Russland wieder erlaubt sein, landgestützte Raketen mit einer Reichweite zwischen 500 und 5.500 Kilometern zu stationieren. Es waren Raketen wie diese, bestückt mit Nuklearsprengköpfen, die in den Siebziger- und Achtzigerjahren die Angst vor einem Atomkrieg verstärkten. SS-20 auf russischer Seite und Pershing II auf amerikanischer Seite – so standen sie einander in Europa gegenüber. Die Vorwarnzeit betrug wenige Minuten. Niemand hätte sich im Ernst gegen sie schützen können. Ein Albtraum.

... Die atomare Bedrohung kehrt zurück – und Donald Trump wie Wladimir Putin tragen eine provozierende Gleichgültigkeit zur Schau. Aber auch die Friedensbewegung macht Ferien. Anfang der Achtzigerjahre gingen hierzulande Hunderttausende gegen die Aufstellung neuer Atomraketen auf die Straße. Heute herrscht vollkommene Stille. ...


Aus: "Die Abrüstung stirbt – und niemand schaut hin" Matthias Naß (24. Juli 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-07/inf-vertrag-atomabkommen-ruestung-usa-russland-europa-5vor8

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Iskar Jarak #12

"Die Vorwarnzeit betrug wenige Minuten. Niemand hätte sich im Ernst gegen sie schützen können. Ein Albtraum."

Sich gegen einen Atomkrieg schützen? Soll das ein Witz sein? "Duck and cover" oder wie?


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deep_franz #6

"Aber auch die Friedensbewegung macht Ferien. Anfang der Achtzigerjahre gingen hierzulande Hunderttausende gegen die Aufstellung neuer Atomraketen auf die Straße. Heute herrscht vollkommene Stille."

Das ist wirklich witzig. Es war gerade der, nennen wir es mal "gebundene", Journalismus, der maßgeblich dazu beigetragen hat, die Friedensbewegung zu marginalisieren. Monatelanges Trommelfeuer für ein eingreifen im ehemaligen Yugoslawien und das bejubelte Umfallen der Grünen, die seinerzeit auch aus der Friedensbewegung hervorgegangen ist.
Und nun fragt Herr Naß nach der Friedensbewegung. ...


Quote
new_observer #6.1

Die Friedensbewegung ist in diesem Augenblick gestorben, als auf dem Sonderparteitag der Grünen Herrn Fischer zugejubelt hat, der damals eines der Ideale der Grünen verraten hat: den Pazifismus!


Quote
erwehner #6.2

Pazifismus in Form reinster Gesinnungsethik. Meiner Erinnerung nach hätte das Nichteingreifen der NATO (und somit der Bundeswehr) in Jugoslawien zu einer Ausweitung der "ethinischen Säuberungen" geführt. Ich erinnere in diesem Zusammenhang mal an die pazifistische Einstellungen der niederländischen Blauhelme in Srebrenica.

Das hat soviel mit dem Widerstand gegen Atomwaffen zu tun wie Umweltschutz mit dem Vorstand von VW.


Quote
Messier51 #6.3

Jetzt das Yugoslawien-Märchen aufwärmen, ich fasse es nicht.
Nochmal ganz deutlich: Unterlassene Hilfeleistung ist keine Heldentat! Wieviel Srbrenicas hätten Sie denn gerne noch gehabt? Haben Sie aus dem Warschauer Ghetto nichts gelernt?
Die Friedensbewegung ist an zwei Dingen gestorben:
1.) Daran, dass die CDU-SPD-FDP den friedlichen Protest von zuletzt über 1 Millionen Menschen ignoriert hat.
2.) Diese Parteien nach dem Pogrom von Rostock-Lichtenhagen das Grundgesetz im Sinne der Täter*innen geändert hat und damit für alle sichtbar gemacht hat, dass nur Gewalt in diesem Land etwas ändert.
3.) Andere Themen wichtiger wurden, zb aktuell der Klimawandel, der zeigt, dass die Welt wie wir sie kennen sicher(!) verschwindet, wenn wir nichts tun.


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Huanaco #8

Wer im kalten Krieg aufgewachsen ist, mag sich verwundert die Augen reiben. Da gab es den eisernen Vorhang (den es sonst nur auf dem Theater gibt), der die beiden Machtblöcke NATO und Warschauer Pakt voneinander schied. Jeder dieser Pakte hatte ein Vielfaches an Atombomben im Arsenal, um (es mit Commander McLane vom Raumschiff Orion zu sagen) mit einem mehrfachen "Overkill" die Menschheit und den Planeten auszulöschen. Jeder Pakt "rühmte" sich damit, die fettesten, heftigsten, dicksten und größten (kennen wir auch aus der Jetzt-Zeit bei Trump und Kim) Atom- und Wasserstoffbomben zu haben. Von den beiden Pakten ist nur noch die NATO übrig (animus in consuluendo liber), aber es bricht sich Bahn, was offenbar in der DNA von einigen Machthabern der Gegenwart unauslöschlich gespeichert ist: der dickere Atomjoystick ist besser. Dabei wäre eine atomare Auseinandersetzung weder einen Song of Joy wert noch je sinnvoll. Aber all die Putins und Trumps, die in ihrem albernen Gehabe über das ihnen unterstellte Waffenarsenal wie Fossile aus grauer Vorzeit wirken, können nicht davon lassen. Wofür hat man denn dieses ganze Zeug? Ja, wirklich: Das ist die Frage!!! Je lässiger die jetzigen Machthaber über ihre atomare Zerstörungswut schwadronieren, desto mehr Angst muss die Welt haben. Um es mit Brecht zu sagen: "Das große Karthago führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten war es noch bewohnbar. Nach dem dritten war es nicht mehr aufzufinden."


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Strogow #9

... Anfang der Achtzigerjahre gingen hierzulande Hunderttausende gegen die Aufstellung neuer Atomraketen auf die Straße. Es gab diese Friedensbewegung vor 4 Jahren, die deutschen Großmedien konnten sie gar nicht schnell genug diskreditieren und zerlegen mit den üblichen Anschuldigungen bis unter die Gürtellinie. ...


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Mastershark #29

Die Lethargie der Öffentlichkeit in Sachen atomare und konventionelle Rüstung ist in der Tat kaum zu verstehen. Es wird hingenommen, dass die Nato ihre Mitgliedsstaaten in einen Rüstungswettlauf zwingt. Irrwitzige 2% vom BIP sollen dafür aufgewendet werden und da ist auch unsere AKK als noch nicht ganz frisch gebackene Verteidigungsministerin sofort dabei. Nukleare Abrüstung, da könnte auch Europa liefern: Frankreich und England sind Nuklearmächte, die nicht im entferntesten daran denken, an diesem privilegierten Status etwas zu ändern - heute bekommt Boris Johnson den Koffer mit den brituischen Codes ausgehändigt.
Die Amerikaner sind die einzige Nation auf dem Planeten, die bislang nukleare Sprengköpfe gegen Menschen eingesetzt hat - Sanktioniert wurde dieses Krigesverbrechen nie. ...


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curiosus #34

Ist es nicht so, dass es nur um wirtschaftliche Interessen geht, bzw. die Mär um Arbeitsplätze. Kein vernünftig denkender Mensch hat Interesse, einen 3 Weltkrieg
anzuzetteln. Aus 2 Weltkriegen sollte man gelernt haben. ...


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