Author Topic: [Versprengte Notizen zum Krieg... ]  (Read 333984 times)

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[Das ist nicht der Punkt... ]
« Reply #585 on: August 20, 2015, 10:54:55 AM »
Quote
[...]  taz: Herr Osa, Sie sind Flüchtling aus Nigeria. Am Wochenende organisieren Sie Aktionstage gegen die deutsche Waffenindustrie. Was hat die mit Ihrer Flucht zu tun?

Rex Osa: Gäbe es in meinem Land nicht so viele Waffen, könnte ich die Politik als Oppositioneller herausfordern. So kann ich das nicht. Die Waffenproduzenten stützen korrupte Regime und damit Ausbeutung und Ausplünderung, das hat in Nigeria eine lange Geschichte. Aktuelle droht Krieg mit Boko Haram. Woher stammen all die Waffen, die die Dschihadisten haben? Nigeria produziert keine. Unsere Botschaft ist: Wer Instrumente der Gewalt produziert oder die Wirtschaft eines Landes ausbeutet, erntet Flüchtlinge. Das werden wir auf unser Front-Transparent schreiben.

taz: Was planen Sie während dieser Aktionstage?

Rex Osa: Wir werden vor den Waffenfabriken von Diehl in Überlingen, Movag in Kreuzlingen und ATM in Konstanz Kundgebungen machen. Und dann werden wir in die Städte gehen und auch den Leuten dort sagen, dass ihre Fabriken Flucht verursachen. Uns geht es dabei vor allem um die Bigotterie der sogenannten Flüchtlingshelfer.

taz: Inwiefern?

Rex Osa: Uns passt die Richtung der Hilfe nicht, die immer mehr in Mode kommt. Die Fluchtursachen werden nicht thematisiert. Die Leute leisten humanitäre Hilfe, oft ohne darüber nachzudenken, dass sie auch Ursache des Problems sind.

taz: Nicht jeder, der ehrenamtlich im Flüchtlingsheim hilft, arbeitet beim Panzerbauer.

Rex Osa: Das ist nicht der Punkt. 80 Prozent der Steuereinnahmen der Stadt Überlingen stammen von Diehl. Gleichzeitig gibt es dort 200 ehrenamtliche HelferInnen. Die wollen wir mit den Rüstungsexportstrukturen konfrontieren. Die meisten kennen das Problem ja durchaus, aber statt etwas dagegen zu tun, wollen sie lieber ein bisschen Flüchtlingen helfen. Sie wollen ausdrücklich unpolitisch sein. Das geht dann so weit, dass ein Mensch von der Caritas Sätze sagt wie: „Unsere Flüchtlinge brauchen ihre Ruhe.“ Nein, brauchen wir nicht. Die Leute sollen lieber dafür sorgen, dass aus ihren Städten nicht so viele Waffen exportiert werden. Wir wollen durch unsere Aktion mit vielen ehrenamtlichen Helfern darüber ins Gespräch kommen.

taz: Die Lage in vielen Flüchtlingsheimen ist desolat. Wollen Sie ernsthaft, dass dort nicht mehr geholfen wird?

Rex Osa: Wir wollen, dass die Leute mit uns sprechen und uns bestimmen lassen, was Hilfe für uns bedeutet. Die Friedensbewegung hat eine Kampagne, sie heißt „Der Krieg beginnt am Bodensee“, wegen der extrem hohen Dichte an Rüstungsfirmen dort. Wir finden, dass das ein zutreffender Satz ist und wir erwarten, dass Leute, die Flüchtlingen helfen wollen, sich das klarmachen. Wenn sie das nicht tun, handeln sie paternalistisch. Sie halten uns in der Rolle der Opfer. Wir sitzen im Heim und müssen ihre Hilfe annehmen. Das wollen wir nicht. Wir wollen die Strukturen bekämpfen, wegen derer wir fliehen mussten. Alles andere ist keine Lösung.

taz: Ein Großteil der Flüchtlinge flieht aktuell vor Konflikten, in denen deutsche Waffen wohl keine besondere Rolle spielen, etwa Syrien oder Eritrea.

Rex Osa: Deutschland ist unser Referenzpunkt, denn wir sind hier. Und deswegen skandalisieren wir die Dinge hier. Wir wissen, warum wir fliehen mussten, und wir sehen, wie wir behandelt werden. Es geht hier nicht direkt um Syrien, aber sehr wohl stellvertretend um die Gesamtheit der Flüchtlinge.

taz: Haben Sie die Kundgebungen angemeldet?

Rex Osa: Ja.

taz: Gab es Schwierigkeiten?

Rex Osa: Nein. Die Behörden waren bislang kooperativ.


Aus: "Flüchtling über deutsche Waffenindustrie: „Ihre Fabriken verursachen Flucht“"
Das Interview führte Christian Jakob (20.8.2015)
Quelle: https://www.taz.de/Fluechtling-ueber-deutsche-Waffenindustrie/!5222868/


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[Die Regierung müsse jedoch... ]
« Reply #586 on: September 23, 2015, 03:24:34 PM »
Quote
[...]  Die Bundesregierung darf den Einsatz bewaffneter Streitkräfte im Ausland in Eilfällen ohne Beteiligung des Bundestags anordnen. Das hat das Bundesverfassungsgericht entschieden. "Bei Gefahr im Verzug ist die Bundesregierung ausnahmsweise berechtigt, den Einsatz vorläufig alleine zu beschließen", heißt es im Urteil. Geklagt hatten die Grünen. Anlass war ein Bundeswehreinsatz in Libyen.

Die Regierung müsse jedoch zum frühestmöglichen Zeitpunkt dafür sorgen, dass das Parlament über die Fortsetzung des Einsatzes entscheidet, urteilten die Richter. Sei dieser dann schon beendet, müsse die Regierung den Bundestag "unverzüglich, umfassend und grundsätzlich schriftlich" über ihre Entscheidungsgrundlagen und den Einsatzverlauf unterrichten. Eine nachträgliche Genehmigung durch den Bundestag sei in solchen Fällen nicht notwendig (Az: 2BvE6/11).

Grundsätzlich sei ein Einsatz bewaffneter Streitkräfte jedoch ohne vorherige parlamentarische Zustimmung nicht zulässig, heißt es in dem Urteil. Der Parlamentsvorbehalt sei "nicht auf kriegerische oder kriegsähnlich ausgerichtete Außeneinsätze beschränkt". Maßgeblich sei, ob die Einbeziehung deutscher Soldaten in bewaffnete Auseinandersetzungen unmittelbar zu erwarten sei. Anhaltspunkte dafür bestünden, wenn sie im Ausland Waffen mit sich führten und ermächtigt seien, davon Gebrauch zu machen.

 Nach diesen Maßstäben hat die Bundesregierung bei dem Einsatz der Bundeswehr in Libyen im Jahr 2011 die Rechte des Bundestages nicht verletzt, befand das Bundesverfassungsgericht. Die Luftwaffe hatte 132 Zivilisten aus dem Bürgerkriegsland ausgeflogen, darunter 22 Deutsche. Laut Verfassungsgericht handelte es sich zwar um einen Einsatz bewaffneter Streitkräfte, der aber bereits beendet war, als sich der Bundestag damit hätte befassen können.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung hatte sich damals geweigert, den Einsatz nachträglich vom Bundestag genehmigen zu lassen. Daraufhin hatte die Grünen-Bundestagsfraktion eine Verfassungsklage eingereicht.

Quote
TDU
#3  —  vor 2 Stunden 1

Gut so. Hört sich schlüssig an, die juristische Begründung kommt vielleicht noch, und es wäre wohl ein Witz, wenn die Regierung vor Nothilfe einen Bundestagsbeschluss herbeiführen müsste. Die Notwendigkeit eines Beschlusses bei Weiterführung des Militäreinsatzes ist doch o.k. Und dem grundsätzlichen kriegerischen Regierungshandeln hat das Gericht auch ein Absage erteilt. Das zeigt, dass es hier im Gegensatz zu woanders, demokratisch zugeht.

Quote
zynisch
#3.1  —  vor 2 Stunden 13

Da würde ich widersprechen.
Weit über 70% der Deutschen wollten und wollen beispielsweise nach wie vor nicht, dass die Bundeswehr in Afghanistan ist.
Dennoch war bzw. ist sie noch dort. Demokratisch wäre es, wenn eine Regierung dem Mehrheitswillen der eigenen Bevölkerung Rechnung trägt.
Und der NATO Bündisfall mag wegen 9/11 vielleicht vorliegen. Nur ist bis heute absolut nicht geklärt geschweige denn bewiesen, was Afghanistan als Staat damit zu tun hatte. ...


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Natalia1985
#1.7  —  vor 1 Stunde 2

Praktisch wie ein Freifahrtschein. Nicht nur, dass es keine Rolle spielt, wenn ein Großteil der Bürger gegen einen Militäreinsatz ist, jetzt spielt es bald - nur im "Eilfall" natürlich - keine Rolle mehr, was deren gewählte Vertreter darüber denken. Demokratie in Aktion.


Quote
Kehlkopfkrebs
#3.8  —  vor 33 Minuten

"Weit über 70% der Deutschen wollten und wollen beispielsweise nach wie vor nicht, dass die Bundeswehr in Afghanistan ist."

Warum wählen sie dann mehrheitlich Parteien, die für diesen Einsatz sind? Mit dem Wahlergebnis ist der Einsatz legitimiert, ebenso, wie alle anderen Schweinereien, für die die Regierung verantwortlich ist. Rumzujammern, dass das alles nicht demokratisch ist, bringt nichts.


Quote
Vielosoph
#4  —  vor 2 Stunden

Gerade im Hinblick auf die gegenwärtige internationale Gefahrenlage sind Szenarien vorstellbar, die ein sofortiges Handeln erfordern und nicht erst langwierig im Parlament diskutiert werden können.
Das ändert nichts an der Rechenschaftspflicht der Regierung. Zudem darf nicht vergessen werden, dass wir als Mitglied der NATO im Bündnisfall eine Pflicht zu schnellem Eingreifen haben.
Die letztliche Bewertung liefern uns dann die Historiker.


Quote
Klaus Schw.
#10  —  vor 2 Stunden 5

Also eigentlich schätze ich das BVG ja sehr!

Aber da habt ihr, liebe Verfassungsrichter, unserer der Wahrhaftigkeit nicht sehr nahestehenden Bundesregierung eine Hintertür offen gelassen die diese garantiert excessiv nutzen wird um deutsche Soldaten in amerikanischen Konflikten zu opfern!

Und ja es ist mir natürlich bekannt, dass in einer Demokratie in der Theorie, das Parlament die Regierung kontrolliert!

Aber Hallo, wir reden hier vom deutschen Bundestag, der zu mindestens 80% aus pflichtvergessenen Opportunisten besteht, die einen Dreck tun werden ihre Parteichefs zu brüskieren oder gar gegen die Fraktionsdiktatur, sorry Schreibfehler, Fraktionsdisziplin zu verstoßen!

Aber mal theoretisch gesprochen, der Bundestag würde NEIN sagen, was hätte das für Konsequenzen?
1. Keine
2.Keine
3.Keine

Und natürlich ist es richtig, dass auch eine demokratische Regierung die Möglichkeit haben sollte schnell zu reagieren, aber man sollte sich eine Person oder Organisation sehr genau ansehen der man eine geladene Waffe in die Hand gibt, besonders wenn es sich um so unredliche Menschen handelt wie unsere Regierung!

LG

Klaus

Nur weil jemand demokratisch gewählt wurde muss er noch kein Demokrat sein!

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Haarspalter
#10.1  —  vor 3 Minuten

Dass Sie in der Minderheit sind, spricht noch nicht gegen die Demokratie in Deutschland. Der deutsche Wähler hat zwar jedem Meinungsforscher und jedem Idioten mit Kamera immer und überall sein Missfallen gegenüber dem Afghanistan-Einsatz kundgetan, das Kreuzchen bei den Linken, dass daran wirklich etwas geändert hätte, haben aber nur die Wenigsten gemacht, weil Wähler andere Prioritäten haben in Deutschland.
Was würde passieren, wenn der Bundestag zu einem Militäreinsatz nein sagen würde?

1. Vertrauensfrage
2. Regierungskrise
3. Neuwahlen

Um die kuschelige Hinterbank zu riskieren, muss der Parlamentarier schon mächtig angepisst sein. Gut so. Grundsatzdebatten kann man sich nämlich nur um Grundsatzfragen leisten, ansonsten ist das die permanente Lähmung.



Quote
Franz von Soettingen
#12  —  vor 3 Stunden 7

Dodge-City-Demokratie: Erst schießen, dann fragen. Ganz wie's der Kolonialherr befiehlt.


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Natalia1985
#14  —  vor 3 Stunden 3

Mich irritiert das Wort "nachträglich". Zuerst findet der Einsatz "in Eile" statt, und wenn der Bundestag "nachträglich" sagt: "Ne, is' nicht.", heißt es dann... "Whoopsie!"?


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kemanci
#20  —  vor 2 Stunden 1

Demokratie - quo vadis ...


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schmuddeliger_katholik
#21  —  vor 2 Stunden 2

Was lernen wir immer wieder?

Wer zur Bundeswehr geht ist selbst schuld!

(letztendlich "untersteht" die BW unter US-Kommando - wie die Bundesregierung)


Quote
A. Böttcher
#23  —  vor 2 Stunden 6

Die Ausschaltung des Parlaments nach Kriegseinsätzen, die eigentlich bereits unsere Verfassung verbietet, ist ein weiteres Zeichen dafür, dass, wie der ehemalige Staatssekretär im Verteidungsministerium Willy Wimmer mehrmals offen gesagt hat, ein heimlicher Putsch stattgefunden hat.

Aber es ist ja noch dicker gekommen:
Wie Frontal 21 gestern berichtet hat, hat Angela Merkel gegen den Atomwaffensperrvertrag, den damals gültigen Koalitionsvertrag mit der FDP und einen Beschluss des Bundestags von 2010 der US-Regierung die verfassungsfeindliche Erlaubnis gegeben, neue und operational brandgefährliche Atomwaffen in Rheinlandpfalz zu stationieren.
http://www.zdf.de/frontal-21/themen-der-sendung-vom-22.-september-2015-40195026.html

Das ist ein absoluter Hammer! Da gibt die Frau, die laut Amtseid dem Wohl des deutschen Volkes zu dienen hat, einer anderen Regierung, die uns und unsere Unternehmen mit Beihilfe des Kanzleramts totalitär ausspionieren darf, das Mittel an die Hand, alleine und auf Gutdünken unser Land auszulöschen!

Das ist wahnsinnig - und wie ist die Rektion der Blockflötenmedien? Eisernes Schweigen.

...


Quote
Omulefofen
#24  —  vor 2 Stunden 2

"Einsätze müssen nachträglich genehmigt werden." - Eine Frage: Wofür muß das Parlament, also die Legislative, denn überhaupt entscheiden, wenn von vorne herein klar ist, das die Regierung, also die Exekutive, sowieso am Besten Bescheid weiß, was zu tun ist? Erinnert sich noch Jemand an die Vorgänge kurz vor dem 1. Weltkrieg? Zu dem kam es nur, weil die SPD damals entschied, trotz ansonsten pazifistischer Tendenzen, dem Haushaltsgesetz für die Kriegsfinanzierung des deutschen Kaisers zuzustimmen. Das war die Ursache des 1. Weltkriegs, denn damals hatte man auch nicht angenommen, das aus diesem "Eileinsatz" mal ein Weltkrieg wird. ...


Quote
iblogger
#25  —  vor 2 Stunden 3

Es stellt sich inzwischen die Frage: Ist diese "Demokratie" noch verteidigungswert oder müssen wir eine Demokratie mit neuen Leuten wieder aufbauen.


...


Aus: "Militäreinsätze: Bundeswehreinsatz im Eilfall ohne Bundestag möglich" (23. September 2015)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-09/bundesverfassungsgericht-libyen-bundeswehr-gruene-entscheidung

http://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2015/09/es20150923_2bve000611.html


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[Die ZDF-Sendung Frontal 21 hatte... ]
« Reply #587 on: September 23, 2015, 05:12:35 PM »
Quote
[...]  Russland will nicht tatenlos zusehen, sollten die USA ihre Atomwaffen in Deutschland modernisieren. "Das könnte die Machtbalance in Europa verändern. Und ohne Zweifel würde das erfordern, dass Russland notwendige Gegenmaßnahmen ergreift, um die strategische Balance und Parität wiederherzustellen", sagte ein Regierungssprecher.

Die ZDF-Sendung Frontal 21 hatte am Dienstag berichtet, dass die USA auf dem Fliegerhorst Büchel in der Eifel bis zu 20 neue Atombomben vom Typ B 61-12 stationieren will. Diese sollten Atomwaffen ersetzen, die dort seit dem Kalten Krieg lagerten. Die Vorbereitungen dafür hätten bereits begonnen. Sollte es zu einem Krieg kommen, könnten deutsche Tornado-Kampfflugzeuge Angriffe mit den Atomwaffen fliegen, hieß es in dem Bericht.

Im vergangenen April hatte die Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen geantwortet, dass die USA planten, ihre Atombomben, die in Büchel lagern, einem Lebensverlängerungsprogramm zu unterziehen. Die USA haben in Europa weitere Atomwaffen in Volkel (Niederlande), Kleine Borgel (Belgien), Aviano und Ghedi (Italien) sowie in İncirlik (Türkei).

 Der Spiegel hatte zuvor berichtet, dass erste Bomben ab 2020 in Europa verfügbar sein sollen und schätzungsweise etwa zehn Milliarden Dollar kosten würden. 154 Millionen Dollar seien dafür vorgesehen, um unter anderem den Fliegerhorst in Büchel besser zu sichern. Deutschland trage ein Fünftel der Kosten.

FDP und Union hatten 2009 in ihrem Koalitionsvertrag geschrieben, dass die Vereinigten Staaten alle Atomwaffen aus Deutschland abziehen müssten. Geschehen war dies auf Initiative des damaligen Außenministers Guido Westerwelle. 2012 änderte die Koalition ihre Haltung. Die Berliner Zeitung berichtete damals, dass die Regierung der Nato zugesichert habe, dass die amerikanischen Atomwaffen im Land bleiben und modernisiert werden.

Quote
Paul von Arnheim
#9  —  vor 2 Stunden 19

Gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens. Atomwaffen sind sowas von out. Dieses Säbelrasseln war in den Achtzigern schon peinlich. Es darf doch nicht wahr sein, dass die USA und Russland (und andere "Atommächte") seitdem nichts dazu gelernt haben.
Geht doch im Sandkasten Spielen und kloppt Euch da um die Förmchen, statt die ganze Welt zu bedrohen!


Quote
peterpanofsky3
#15  —  vor 2 Stunden 19

"Rüstungsexperten bestätigen, dass die neuen taktischen Nuklearwaffen vom Typ B61-12 wesentlich zielgenauer sind als die Atombomben, die bislang in Büchel lagern. Im Kriegsfall sollen deutsche Tornado-Piloten im Rahmen der NATO-Strategie der "Nuklearen Teilhabe" Angriffe mit den US-Bomben fliegen. "Mit den neuen Bomben verwischen die Grenzen zwischen taktischen und strategischen Atomwaffen“, kritisiert Hans Kristensen vom Nuclear Information Projects (Atomic Scientists) in Washington D.C. .

Verletzung des Atomwaffensperrvertrages
"Uns beunruhigt, dass Staaten, die eigentlich keine Atomwaffen besitzen, den Einsatz dieser Waffen üben - und zwar im Rahmen der NATO-Praxis der Nuklearen Teilhabe“, erklärte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, gegenüber Frontal21: "Das ist eine Verletzung der Artikel 1 und 2 des Vertrages über die Nichtverbreitung von Atomwaffen."
Dabei hatte der Bundestag im März 2010 mit breiter Mehrheit beschlossen, die Bundesregierung solle sich "gegenüber den amerikanischen Verbündeten mit Nachdruck für den Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland einsetzen.“ Auch im Koalitionsvertrag von Union und FDP hatte die Bundesregierung 2009 den Abzug der Atomwaffen aus Büchel zugesagt. Doch statt der Abrüstung erfolgt nun die
Stationierung von rund 20 neuen Nuklearwaffen, die zusammen die Sprengkraft von 80 Hiroshima-Bomben haben"(frontal 21 Homepage).


Quote
Hector Krupp
#20  —  vor 2 Stunden 9

"Der Bundestag hat sich mit großer Mehrheit für den Abzug der letzten noch verbliebenen US-Atomwaffen aus Deutschland ausgesprochen. Mit Ausnahme der Linken forderten am Freitag alle Fraktionen die Bundesregierung in einem gemeinsamen Antrag auf, sich in der Nato und direkt bei den USA "mit Nachdruck" dafür einzusetzen.

Außenminister Guido Westerwelle sagte, die "Relikte des Kalten Krieges" hätten keinen militärischen Sinn mehr. Die schwarz-gelbe Bundesregierung werde jedoch keinen Alleingang ohne die Bündnispartner unternehmen. Der FDP-Chef bezeichnete die Abrüstung als "Überlebensfrage" und als "die große Menschheitsherausforderung".

"Bundestag fordert Abzug von US-Atomwaffen"
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-03/bundestag-atomwaffen-abruestung

Scheiß was auf den Bundestag, sind doch nur die gewählten Volksvertreter. Was wollen die schon, haben eh nichts zu melden. Außerdem war das 2010, also bevor der Iwan ganz Europa annektieren wollte. Jetzt steht er vor unserer Türe und fletscht die ungeputzten Zähne, dieses Luder. Oder so.....


Quote
Ole Thorson
#16  —  vor 2 Stunden 7

Es gibt souveräne Staaten. Und es gibt Deutschland.


...


Aus: "Fliegerhorst Büchel: Russland warnt vor Atomwaffen in der Eifel" (23. September 2015)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-09/russland-us-atomwaffen-deutschland-stationierung-fliegerhorst-buechel


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[Der Westen sollte... ]
« Reply #588 on: September 23, 2015, 05:30:06 PM »
Quote
[...] Syrien-Krieg: Verhandeln, bombardieren, ausrüsten - Der Westen sollte mit Assad reden. Das wird aber den Krieg in Syrien nicht beenden. Deutschland muss sich deshalb auch an den Luftangriffen gegen den IS beteiligen. Ein Gastbeitrag von Guido Steinberg  ...

Quote
Leser201
#23  —  vor 15 Minuten

Endlich mal ein vernünftiger Vorschlag. Wir müssen mehr Verantwortung übernehmen. Guido Walter Steinberg, Steinmeier, Pastor Gauck und noch ein paar alte Männer haben schon signalisiert mitmarschieren zu wollen.
Das bisschen Krieg sollte niemanden schrecken, jetzt wird zurückgeschossen, und in sechs Wochen stehen wir in Damaskus.


Quote
Andreas Abels
#19  —  vor 2 Minuten

Unfassbar. Frieden kann man nicht herbei-bomben.
Bomben schüren nur noch mehr Hass, und selbst wenn man den IS zurückdrängen könnte, so stärkt man ihn dauerhaft nur noch mehr, denn Hass ist ihr Antrieb und ihre Nahrung. Monate nach dem Zurückdrängen würden sie umso stärker zurückkomen, oder will man diese Länder dann auch wieder dauerhaft besetzen, so wie die USA es immer machen (Deutschland, Irak, Afghanistan...)?

Zudem muss jeder Mensch mit Vernunft doch begreifen können, dass wir nicht einfach Bomben auf Menschen abwerfen und deren Leben oder Lebensgrundlage zerstören dürfen. Wo sind wir denn moralisch besser als die IS, wenn wir das Leben völlig Unbeteiligter total zerstören?


Quote
Thbode22
#11  —  vor 28 Minuten 4

Die "deutsche Syrien-Politik" sei gescheitert. Wenn ich so etwas lese geht mein Blutdruck auf 200. Als ob Syrien eine deutsche Provinz sei. ...


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mathias1983
#12  —  vor 28 Minuten 5

Hab ich das jetzt richtig? Zunächst wird der gesamte nahe Osten durch die westliche Strategie der militärischen und politischen Interventionen und Sanktionen z.B. im Irak (ca. 1Mio Tote und Verrohung der Bevölkerung) destabilisiert, so dass der Nährboden für die z.B. die Taliban und die IS gelegt wird und dann schlagen sie vor erneut zu intervenieren? Und nicht-islamische Aufständische unterstützen? Und dann? Was kommt dann?

Ich plädiere zunächst mal dafür aus der Vergangenheit zu lernen und die mörderischen Sanktionen gegen die syrische Bevölkerung aufzuhaben, die die Bevölkerung ausblutet wie es in den 1990er Jahren im Irak geschehen ist.

Nun ja; Dr.Steinberg vertritt halt vorbehaltlos den s.g. Antiterrorkampf wie er derzeit durchgeführt wird und befindet sich damit wohl voll auf Linie der transatlantischen Verbündeten. Die Ursachen werden hierbei nicht einmal mehr erwähnt und die Bevölkerung für blöd verkauft. Nichts für Ungut: Entschiedenes Vorgehen gegen den IS ist angebracht aber ich traue der westlichen Strategie und den nachweislich negativen Auswirkungen im nahen Osten nicht mehr über den Weg. Desweiteren wurden wir bzgl. Militäreinsätze bereits genug belogen!


Quote
Censorshit
#14  —  vor 25 Minuten

Ausweitung von Kriegen beendet die Konflikte nicht. ...


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Bill Mollison_4
#15  —  vor 25 Minuten 1

So, wie es sich der herr Berater vorstellt, wird es leider NICHT funktionieren. ... Die Handlungen unserer Regierung werden mir verständlicher, wenn man von solchen Beratern weiß.


Quote
WDK
#20  —  vor 21 Minuten 1

"Es [Bodentruppen] müssen also nicht-islamistische arabische Sunniten aus Syrien sein, die die Hauptlast des Kampfes tragen." - Nur, wer sind diese 'arabischen' Sunniten, wie viele sind es, und wie zersplittert sind sie untereinander ?

Der Kommentar von Guido Steinbach ist genauso verworren wie die Politik der Bundesregierung; vielleicht nicht verwunderlich, weil die Stiftung, bei der er arbeitet, "berät Bundestag und Bundesregierung in allen Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik."

Was in der Debatte des IS-Disasters viel zu wenig kommentiert und diskutiert wird ist die Finanzierung dieser Organisation. Diese Frage ist unbequem, ich weiß, denn es betrifft Saudi Arabien, die Emirate, Quartar, Iran, Türkei, alles 'Freunde' des Westens. Aber diese Frage ist notwendig ... es sollte doch die Pflicht von z.B. ZON sein, zu recherchieren, zu analysieren und zu informieren.


Quote
Ghede
#22  —  vor 20 Minuten 1

"Die Luftangriffe der USA und ihrer Verbündeten sind ein wichtiger Schritt hierzu, und es gibt keinen überzeugenden Grund, warum sich die Bundeswehr nicht an ihnen beteiligen sollte – wenn doch selbst Australien Flugzeuge schickt."

Das hängt ganz maßgeblich vom Ziel der Bombardierungen ab. Derzeit mag man eine stillschweigende Zustimmung der syrischen Regierung genießen; sollten die Bombardierungen aber nicht mehr nur den IS treffen - was sie freilich sowieso nicht tun, sie treffen natürlich auch die Zivilbevölkerung - wäre es mit dieser Zustimmung schnell vorbei. In dem Fall würde es sich um eine völkerrechtliche Aggression handeln.

Was also dagegen spricht? Nun, potentiell das Völkerrecht. Obwohl ich Ihnen zugestehe, dass uns westlichen Verfechtern des Völkerrechts das ohnehin gleichgültig ist. Daneben freilich die Gefahr eines zusätzlichen Konflikts mit Russland, wenn man sich nicht strikt an Ziele hält, die von allen Seiten akzeptiert werden. Diesbezüglich hege ich Zweifel. Und schlussendlich die Tatsache, dass trotz aller angeblichen Präzision Bomben immer auch Zivilisten zerfetzen, was wiederum dem IS und/oder anderen Extremisten in die Hände spielt.


Quote
von Wolkenstein
#25  —  vor 15 Minuten 1

Roadmap in den Krieg

Interessant, wie klar hier Herrn Sternberg den Weg in den Krieg - auch der Bundeswehr - in Syrien beschreibt (und betreibt). Die Bundesregierung hat sich damals zu recht nicht am Irak Krieg beteiligt; wie "recht" sie hatte, versteht wohl heute jeder. Dieser Krieg hat das Machtvakuum geschaffen, welches die IS nutzt. Und Sternbergs Antwort: Krieg, diesmal mit deutscher Beteiligung. Begründung: Australien tut es ja auch. - Absurd.

Herr Sternberg stellen Sie doch einmal eine Roadmap zum Frieden dar. Vor mir aus auch Plan A, B, C. Jedenfalls einen Plan, dem man glauben könnte, dass er zu einen stabilen, vielleicht sogar friedlichen Nahen Osten führen würde.


Quote
Leser201
#31  —  vor 5 Minuten

"Die Stiftung berät Bundestag und Bundesregierung in allen Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik."
Die Stiftung scheinen sich durch besondere Klugheit und moralische Beispielhaftigkeit auszuzeichnen. ...


...


Aus: "Syrien-Krieg: Verhandeln, bombardieren, ausrüsten" (23. September 2015)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-09/deutschland-strategien-syrien-assad-isis


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[In dem Film geht es um... ]
« Reply #589 on: September 23, 2015, 05:38:02 PM »
Quote
[...]  Als der deutsche Regisseur Daniel Harrich vor Kurzem nach Mexiko geflogen ist, um für die ARD einen Film über illegale Waffenexporte zu drehen, sind ausgerechnet die G36-Gewehre nicht mitgeliefert worden. Und weil die mexikanische Regierung den deutschen Filmemachern auch keine Gewehre ausleihen wollte, hätte die einfachste Lösung darin bestanden, einfach ein paar G36 für 4.000 Dollar pro Stück auf dem Schwarzmarkt zu kaufen. Womit der Film seine Ausgangsthese im Grunde schon in der Produktionsphase bewiesen hatte.

Daniel Harrich und der SWR-Redakteur Thomas Reutter recherchieren den deutschen Waffen-Exporteuren nun schon seit einigen Jahren hinterher, 20.000 Seiten umfasst ihre Materialsammlung mittlerweile. Die Zwischenergebnisse haben sie in unregelmäßigen Abständen in deutschen Nachrichtensendungen veröffentlicht. Jetzt zeigt die ARD den vorläufigen Abschluss der Recherche, den Spielfilm Meister des Todes, eine Art fiktionalisierte Verdichtung der gegenwärtigen Beweislage. 

In dem Film geht es um die schwäbische Waffenmanufaktur namens HSW, die im Jahr 2012 ein Gewehr namens SG38 nach Mexiko verkauft, obwohl dort Armee und Polizei von den Drogenkartellen kaum mehr zu unterscheiden und deshalb Waffenexporte in diese Region grundsätzlich untersagt sind. HSW steht in diesem Fall für Heckler & Koch, das Gewehr SG38 für das berüchtigte G36, das laut Hersteller "beste Sturmgewehr der Welt". Um das Embargo zu umgehen, schlägt ein Berliner Beamter vor, die Gewehre ausschließlich in mexikanische Bundesstaaten zu liefern, die als sicher gelten. Der Plan geht auf, das Geschäft kommt zustande.

Der Skandal wird an der Person des jungen schwäbischen Familienvaters Peter Zierler erzählt, der in Mexiko seine Menschlichkeit entdeckt. Zierler ist Teil einer HSW-Delegation, die mexikanischen Generälen und Ministern die deutsche Waffe vorstellen soll. Seine Aufgabe besteht darin, den Kunden zu zeigen, wie man die Waffe entsichert, anlegt, nachlädt. Als er mexikanischen Polizisten allerdings nicht nur wie vorgesehen die Gewehre übergibt, sondern ihnen außerdem zu einer Demonstration folgt, muss er mit ansehen, wie mit seinen Waffen zwei unbewaffnete Studenten erschossen werden.

 Mit blutigem Polo-Shirt taumelt er durch die Straßen von Mexiko-Stadt, weinend kauert er in der letzten Reihe einer mexikanischen Kirche. Ein paar Tage später beschließt er, aus der Branche auszusteigen. An einer Stelle fragt ihn die mexikanische Bürgerrechtlerin Penelope Rosalen: "Was willst du wirklich, German boy?" Kleinbürger Zierler: "Sag du es mir."

Er habe selbst lange darüber nachgedacht, ob das wirklich glaubhaft ist, sagte der Schauspieler Hanno Koffler, als der Film im Berliner Kino Babylon erstmals einer größeren Öffentlichkeit gezeigt wurde. Schließlich dürfe man grundsätzlich davon ausgehen, dass Mitarbeitern von Waffenherstellern bewusst sei, dass ihre Gewehre töten, im Zweifel auch Menschen und im Zweifel auch dann, wenn sie unbewaffnet und moralisch im Recht sind.

Andererseits sei es eben immer auch ein Fehler, die Macht der Verdrängung zu unterschätzen. Auch das Publikum in diesem Kinosaal werde in den meisten Fällen einfach weiter seinen Angelegenheiten nachgehen, obwohl es spätestens jetzt wisse, dass deutsche Regierungsbehörden Waffenexporte in Krisenländer auch in seinem Namen beglaubigen.

Wenn Regisseure und Schauspieler ihr eigenes Publikum der unterlassenen Hilfeleistung bezichtigen, deutet das wohl darauf hin, dass es sich bei ihrem Film um eine Herzensangelegenheit handelt. Den Filmen selbst hilft es in den meisten Fällen allerdings eher nicht weiter, dass er seinen Machern besonders wichtig ist. Auch "Meister des Todes" wirkt über weite Strecken seltsam blockiert und übermotiviert.

Die besondere Qualität des Films ergibt sich eher aus seiner Rahmenerzählung: Bis kurz vor der Veröffentlichung wurde die Produktion innerhalb der ARD als romantische Liebeskomödie geführt, weil die Redakteure vermeiden wollten, dass Politiker und Heckler-&-Koch-Juristen zu früh auf den Film aufmerksam werden. Das Filmteam musste diese Version selbst dann noch aufrechterhalten, wenn es nach Drehschluss an der mexikanischen Hotelbar stand. Das geldgierige Stahl-Deutschland, das vormittags Waffen exportiert und nachmittags Reden über christliche Werte hält, existiert offenbar nicht nur innerhalb dieses Films. Es hätte ihn auch aufhalten können.

In einer Szene verliert der seelisch bankrotte Peter Zierler bei einer Waffenvorführung kurz den Verstand, rennt vor den Augen der mexikanischen Militärs schreiend ins Meer und schießt mit dem Vorführgewehr wild um sich. Auch an dieser Szene ist am ehesten interessant, dass sie sich auch in Wirklichkeit genau so abgespielt hat. Und die Dialoge zwischen hochrangigen Politikern und Waffenlobbyisten klingen so ungebrochen bösartig und schmierig, sie sind im filmischen Sinne eigentlich unoriginell. Allerdings beruht das Script zu großen Teilen auf Ermittlungsakten, zu denen die Redakteure exklusiv Zugang hatten. Diese Leute reden offenbar wirklich so.

Die ARD zeigt "Meister des Todes" am Mittwoch, den 23. September um 20:15 Uhr. Im Anschluss läuft die Dokumentation "Tödliche Exporte – Wie das G36 nach Mexiko kam".


Aus: "Meister des Todes: Deutschland aus Stahl" Felix Stephan (23. September 2015)
Quelle: http://www.zeit.de/kultur/2015-09/meister-des-todes-waffenexporte-ard


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[Dies sei kein... ]
« Reply #590 on: October 13, 2015, 03:47:27 PM »
Quote
[...] Aussagen von Rebellenkommandeuren legen nahe, dass mit dem Beginn der russischen Einmischung in Syrien auch die Kampfbereitschaft der Rebellen steigt - und dass die Assad-Gegner seitdem schneller an Waffen gelangen.

Die "New York Times" zitiert in einem Onlinebericht Kommandeure der Aufständischen gegen Machthaber Assad, die aussagen, sie bekämen seit der russischen Intervention zum ersten Mal großzügige Unterstützung in Form von in den USA hergestellten Panzerabwehrraketen. An die Front geliefert würden die Waffen von US-Verbündeten in Syrien - wohl mit Billigung der USA. Saudi-Arabien hat demnach 2013 13.000 in den USA hergestellte Panzerabwehrraketen vom Typ TOW bestellt.

"Wir bekommen in sehr kurzer Zeit das, wonach wir fragen", zitiert die "New York Times" einen Kommandeur. Innerhalb von zwei Tagen habe seine Einheit sieben gepanzerte Fahrzeuge mit sieben TOW-Panzerabwehrraketen zerstört. Der Anführer einer anderen Rebellengruppe gab demnach zu Protokoll: "Wir können so viel kriegen, wie wir wollen und wann wir es brauchen." Auch er sagt, Russlands Eintritt in den Konflikt habe den Unterschied gemacht.

Die Rebellen drängen seit Längerem auch auf die Lieferung von Flugzeugabwehrraketen, um sich gegen die Luftangriffe der Regimetruppen zu wehren - nun haben sie laut "New York Times" diese Forderung erneuert, um auch gegen russische Jets vorzugehen.

Die "New York Times" schreibt weiterhin, mit Beginn der russischen Angriffe steige bei allen Konfliktparteien in Syrien der Kampfeswille, die politischen Positionen würden sich weiter verhärten, und eine diplomatische Lösung würde immer unwahrscheinlicher. Ein Vertreter der Regimetruppen von Machthaber Assad, die Russland unterstützt, sagte demnach, man werde neue Fakten am Boden schaffen.

Sowohl die USA als auch Russland geben an, in Syrien den "Islamischen Staat" (IS) zu bekämpfen, allerdings hat Russland eingeräumt, auch andere Milizen, die gegen das Regime von Assad kämpfen, ins Visier zu nehmen - während die USA oppositionelle Milizen, darunter die kurdischen YPG und arabische Kämpfer, stützen. Die USA haben ihre Unterstützung für die Rebellen jetzt verstärkt und im Norden des Landes offenbar 50 Tonnen Munition für die Aufständischen abgeworfen. Dies sei Teil einer Strategie, die in der vergangenen Woche vorgestellt wurde, sagte ein Mitarbeiter des US-Militärs. Ziel ist es demnach, die moderaten Rebellen zu stärken, die gegen den IS kämpfen - und gegen die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad.

Vor zwei Wochen hatte Russland US-Angaben zufolge Angriffe auf ein Lager der "Freien Syrischen Armee" geflogen, deren Kämpfer der US-Geheimdienst CIA trainiert hatte.

Kurz darauf hatte US-Präsident Barack Obama aber die Einschätzung zurückgewiesen, dass Washington sich mit Moskau in einem Stellvertreterkrieg befinde. Dies sei kein "Schachspiel zwischen Supermächten", sagte Obama.

anr


Aus: "Syrien: Russische Einmischung löst Aufrüstung aus" (13.10.2015)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-russlands-einmischung-loest-stellvertreterkrieg-aus-a-1057472.html


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[Es handele sich nicht um einen... ]
« Reply #591 on: October 16, 2015, 12:23:46 PM »
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[...] Schwere Vorwürfe gegen die US-Armee: Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Associated Press wussten die amerikanischen Spezialkräfte bei ihrem Angriff auf Kunduz sehr genau, dass sie ein Krankenhaus unter Feuer nehmen. Dem Bericht zufolge vermuteten sie in der Klinik pakistanische Taliban. Schon Tage vor dem Angriff sollen die US-Truppen Informationen über das Ziel gesammelt haben.

Unklar ist AP zufolge, ob die US-Kommandeure, die den Angriff letztlich anordneten, auch wussten, dass in dem Gebäude ein Krankenhaus untergebracht ist. Womöglich waren sie lediglich über angebliche feindliche Aktivitäten in dem Haus informiert worden.

Offiziellen US-Angaben zufolge erfolgte der Angriff am 3. Oktober auf Anforderung der afghanischen Streitkräfte, die unter Beschuss von Taliban-Kämpfern gestanden hätten. Dabei seien "mehrere Zivilisten aus Versehen getroffen" worden. Der US-Kommandeur der internationalen Truppen in Afghanistan, John Campbell, sprach von einem Fehler in der Kommandokette. Die afghanische Regierung hatte direkt nach den Angriffen behauptet, dass sich bis zu 15 Terroristen in dem Krankenhaus versteckt hätten.

US-Präsident Barack Obama hatte sich kürzlich bei der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen für die Bombardierung ihres Krankenhauses entschuldigt. Zudem hatte Obama mit seinem afghanischen Kollegen Ashraf Ghani telefoniert und sich für eine "vollständige und transparente" Untersuchung der Bombardierung des Krankenhauses eingesetzt.

Ärzte ohne Grenzen erhob bereits vergangene Woche den Vorwurf, dass das Bombardement absichtlich erfolgt sei. "Es war ein vorsätzlicher Schlag", sagte der Generaldirektor der Organisation, Christopher Stokes, in Kabul. Es handele sich nicht um einen "Kollateralschaden". Die Luftschläge seien sehr präzise gewesen und hätten das Hauptgebäude anvisiert, sagte Stokes. Auch nachdem Kontakt mit dem afghanischen und dem US-Militär aufgenommen worden war, hätten die Angriffe noch mehr als eine halbe Stunde angehalten. Die Organisation sprach von Kriegsverbrechen.

Nach Angaben der Hilfsorganisation waren die afghanischen und die US-Streitkräfte über die GPS-Koordinaten des Krankenhauses informiert, das seit vier Jahren in Betrieb war. Es handelte sich um die einzige Klinik im Nordosten Afghanistans. Hier konnten Ärzte schwere Kriegsverletzungen behandeln. Bei der Attacke starben 22 Menschen.

Inzwischen erhoben die Ärzte ohne Grenzen weitere Vorwürfe gegen die Militärs. Laut dem britischen "Guardian" hat sich ein Panzer der US-Armee seinen Weg in die Ruine des Krankenhauses gebahnt. Damit könnten die USA Beweise für eine mögliche Untersuchung wegen Kriegsverbrechen zerstört haben. Die Hilfsorganisation berichtete, sie am Donnerstag darüber informiert worden, dass mit dem gepanzerten Fahrzeug Ermittler eines Teams aus Amerikanern, Nato-Vertretern und Afghanen in das ehemalige Krankenhaus gebracht worden seien. "Ihr unangekündigtes und gewaltsames Eindringen hat unser Eigentum beschädigt, mögliche Beweise zerstört und Stress und Angst ausgelöst."

Die USA vollziehen inzwischen eine Kehrtwende in ihrer Afghanistan-Politik. Washington verzögert angesichts der schlechten Sicherheitslage den Truppenabzug. Obama kündigte am Donnerstag an, die Präsenz der noch 9800 Soldaten werde den überwiegenden Teil des kommenden Jahres beibehalten. Die afghanischen Sicherheitskräfte seien noch nicht so stark, wie sie sein müssten.

Union und SPD sind nun auch offen für eine Verlängerung des Einsatzes deutscher Soldaten im Norden des Landes. Der Stützpunkt in Masar-i-Scharif sei ein wichtiger Stabilitätsanker in der Region, sagte der Verteidigungspolitische Sprecher der SPD, Rainer Arnold, der "Bild"-Zeitung. Den sollte die Bundeswehr nicht aufgeben. Sein Kollege von der CDU, Henning Otte, erklärte, Obamas Ankündigung eröffne die Chance, die Ausbildung auch in Nordafghanistan weiter sicherzustellen.

ler/AP/Reuters

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#16 Heute, 08:19 von nasrudin87

Die USA sind unsere Freunde , sie dürfen das.

...


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Heute, 08:20 von anderton
 ... Man zerbombt also Krankenhäuser, weil man dort Taliban "vermutet"? Aber die USA darf das ja. Komisch, wenn Putin das gewesen wäre, hätten wir eine Wochenlange Medienkampagne - selbstverständlich mit allen noch so kleinen Details - über uns ergehen lassen müssen.


http://www.spiegel.de/forum/politik/afghanistan-usa-bombardierten-klinik-kunduz-angeblich-bewusst-thread-368502-1.html


Aus: "Afghanistan: USA bombardierten Klinik in Kunduz angeblich bewusst" (16.10.2015)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/afghanistan-usa-trafen-klinik-in-kunduz-angeblich-bewusst-a-1058062.html


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[Details unseres Sicherheitskonzeptes... ]
« Reply #592 on: October 16, 2015, 12:25:57 PM »
Quote
[...] Afghanische Mitarbeiter der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) erheben schwere Vorwürfe gegen ihren Arbeitgeber. Laut "Berliner Zeitung" sollen die GIZ-Verantwortlichen rund zwei Dutzend lokale Mitarbeiter am Tag der Erstürmung von Kunduz durch die Taliban ihrem Schicksal überlassen haben. Dabei sei mit Racheakten der Islamisten an den GIZ-Leuten zu rechnen gewesen. Die afghanischen Mitarbeiter sind demnach überzeugt, dass sie und ihre Familien nur durch Zufall überlebt hätten.

Die GIZ wollte sich zu den Vorwürfen bisher nicht äußern. Dem Bericht zufolge bittet die Organisation um Verständnis, dass sie sich nicht "zu Details unseres Sicherheitskonzeptes" äußern könne. Mit den nationalen Mitarbeitern sei sie "in regelmäßigem Kontakt", hieß es laut dem Blatt in der Erklärung weiter.

Die radikalislamischen Taliban hatten Kunduz Ende September in einer Blitzoffensive erobert. Die afghanischen Sicherheitskräfte konnten die Stadt erst nach mehreren Tagen mit internationaler Unterstützung zurückerobern. Am vergangenen Dienstag erklärte die Miliz schließlich ihren Rückzug.

Die GIZ ist eine staatliche deutsche Hilfsorganisation. Sie wurde 2011 aus der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), der Internationalen Weiterbildung und Entwicklung (InWEnt) und dem Deutschen Entwicklungsdienst (DED) gebildet. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Bonn und Eschborn.

ler/AFP


Aus: "Flucht aus Kunduz: Deutsche Helfer sollen afghanische Kollegen zurückgelassen haben" (16.10.2015)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/kunduz-afghanische-giz-mitarbeiter-erheben-schwere-vorwuerfe-a-1058069.html


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[In meinem Traum sehe ich... ]
« Reply #593 on: October 19, 2015, 11:17:47 AM »
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[...]  In meinem Traum sehe ich das Wohnzimmer meines Onkels in Prizren. Über dem großen Tisch, mitten im Licht, hängt eine Flagge aus der Armee des Osmanischen Reichs. Der Ururopa, so heißt es, war Fahnenträger des Sultans. Mit der Fahne sei er vorangestürmt. Einmal im Jahr, Ende Mai, kommen die Leute aus dem Viertel, auch der Derwisch, um die Fahne zu feiern. Sie tanzen auf der Straße, die jungen Männer schlagen die Trommel, die Frauen klatschen und lassen die Hüften kreisen. Der Onkel stellt die Fahne vor die Tür, damit jeder sie berühren kann. Dann ist der Traum aus.

Ich bin in einem Land aufgewachsen, das es nicht mehr gibt. Ich war Jugoslawe. Wir waren Jugoslawen. Meine Familie, unsere Verwandten – nicht Serben, Kroaten oder Albaner, das waren wir auch; vor allem aber Jugoslawen. Manchmal denke ich, wir Roma waren die einzigen Jugoslawen Jugoslawiens.

 Natürlich ging ich nach der Schule zur Armee, wie mein Vater, mein Opa und alle davor. Ich habe mich auf den Dienst gefreut. Gerade wir hätten Jugoslawien und Präsident Tito viel zu verdanken, sagte mein Vater. Nirgendwo sonst ginge es uns so gut. Im Sommer 1990 hatte ich die Schule abgeschlossen und wollte Tiermedizin studieren. Aber erst zur Armee. Alle waren aufgeregt, als es losging: Mein Vater blickte mich am Tag des Abschieds stolz an wie nie zuvor; meine Mutter musste weinen. Meine Schwester trat unruhig von einem Bein aufs andere. Die Verwandten trugen mich auf Händen durchs Viertel, bis zum Bus, der die jungen Männer in die Kaserne nach Mazedonien brachte.

In der Volksarmee sollten alle gleich sein, dies war das Versprechen: Egal, woher man kam, woran man glaubte. Wir trugen alle die Uniform mit dem roten Stern. Wir waren Jugoslawen. Wir kamen aus den Dörfern Bosniens, von Kroatiens Küste, aus den Bergen des Kosovos, von überall. Die Ausbildung war hart, abends saßen wir gemeinsam auf der Stube und schauten Popmusik im Westfernsehen. Wir hockten da, nach Sprachen sortiert: Serbisch, Kroatisch, Albanisch. Ich saß mal hier, mal dort, weil ich alle Sprachen konnte – und weil ich der einzige Rom in der Kaserne war. Ich hörte wohl mal einen Spruch: "Unser Zigeuner", sagten sie, "Bruder Rom, wo ist deine Geige?", aber es kam mit einem Lächeln.

 Eines Nachts holten uns die serbischen Ausbilder aus den Betten, zerwühlten die Laken und ließen sie uns falten. Den Rekruten, die Albanisch sprachen, zerrissen sie den Stoff und schmissen ihre Spinde um. Sie machten böse Scherze. Die Albaner verstanden sie nicht. Ich wurde unsicher: Warum gingen Jugoslawen miteinander so um?

Ich war Funker und erfuhr die Nachrichten zuerst. Seit Monaten gab es Proteste von Albanern im Kosovo, schon unter meinem Fenster in Prizren hatte ich sie vor den Wasserwerfern der serbischen Polizei davonlaufen sehen. In Kroatien wollten die Leute mehr Unabhängigkeit von der Regierung. Ich nahm das nicht ernst. Ich sah meinen Vater am Küchentisch in Prizren und hörte ihn sagen, das werde sich geben. Wir seien alle Jugoslawen.

Im Sommer 1991 starb der erste jugoslawische Soldat in Kroatien. Wir wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Sie schickten Rekruten an die Front. Alle hatten Angst. Es gab Soldaten, die verschwanden: Sie desertierten, flohen nach Kroatien und kämpften dort auf der anderen Seite, gegen uns, so verstand ich es. Das gab es jetzt: sie und wir, Jugoslawen gegen Kroaten. Einige flohen nach Griechenland. Jeder hoffte, dass er nicht in den Kampf geschickt werde. Der Krieg wurde immer bedrohlicher; er wütete im Land wie ein Feuer.

 Bei einem Appell brüllte der Offizier uns an; wir sollten keine Angst haben vor unseren Feinden, die seien schwächlicher als Zigeuner. Mich trafen die Worte wie ein Schlag. Der Offizier schrie uns ins Gesicht, ob wir unser Leben für Jugoslawien geben würden? Ein paar Wochen zuvor hätte ich noch "Ja" geantwortet, aber ich sagte: "Nein". Der Offizier brach den Appell ab. Er entschuldigte sich später kleinlaut: "Schau mal, wir mögen euch Zigeuner doch, eure Musik, eure Tänze." Das machte es nur schlimmer. Am Abend rief ich unter Tränen meinen Vater an und fragte ihn, was das zu bedeuten habe. Er versuchte mich zu beruhigen.

Ich hatte Glück und durfte nach dem Wehrdienst die Armee verlassen. Ich ging nach Prishtina und studierte. Nach wenigen Wochen rief mein Vater mich an: Seine Stimme zitterte; er sagte, ich solle sofort nach Hause kommen.

 Wir saßen am Küchentisch. Mein Vater, der Kommunist, der Soldat der jugoslawischen Armee, der lebende Beweis dafür, dass auch für die Roma Jugoslawien ein guter Ort war, zerbrach innerlich. Auf dem Tisch lag ein weißer Umschlag mit rotem Stern: meine Einberufung. Mein Vater sagte, ich müsse das Land verlassen. Er weinte.

Er wusste es von Verwandten und Freunden: Die Armee hatte die Roma sofort ins Feuer geschickt. Wir waren die niedrigsten unter den Soldaten, das Kanonenfutter. Später in Deutschland, traf ich Roma aus anderen Teilen des Landes, auch von der anderen Seite: Die Kroaten hatten es genauso gemacht, die Bosnier. Die Roma kamen nach vorn, mussten die Drecksarbeit machen, wurden mit vorgehaltener Waffe losgeschickt, um Häuser zu plündern. Das brachte uns überall den Ruf ein, mit dem Gegner zu paktieren. So ist es bis heute.

 Ich versteckte mich in einem Keller in Prizren, einen Monat lang. Mein Vater brachte mir Essen und Kleider. Die Armee suchte mich; er log sie an. Freunde suchten nach mir; er log sie an. Im Auto fuhr er mich im Januar 1992 nachts nach Mazedonien, wo ein Bus wartete, der mich aus dem Land bringen sollte. Wir hatten einen Onkel in Köln. Da ging es hin.

Jugoslawien war unser Land, wie keines davor oder danach. Roma hatten ihre Dörfer und Viertel, haben studiert, waren in der Politik, zumindest offiziell hatten wir dieselben Rechte wie alle. Davon ist in den Staaten, in die Jugoslawien zerfallen ist, fast nichts übrig: Unsere Häuser sind zerstört, oder andere wohnen darin. Viele Roma leben auf Müllkippen, alle leiden unter dem Hass, der ihnen entgegenschlägt.

Die Roma hält man für die, die das Volk im Krieg verraten haben. Erst jagte man uns an die Front, wo wir im Namen der anderen aufeinander schossen – jetzt beschimpfen sie uns als Verräter. Viele Roma auf dem Balkan haben heute nicht einmal mehr einen Pass ihres Landes. Wer sie angreift, ihre Häuser zerstört, dem passiert nichts. Es gibt uns nicht mehr. Wir sind unsichtbar. Nur im Viertel meiner Eltern, wo immer noch jedes Jahr die Fahne aus dem Heer des Sultans vor die Tür gestellt wird, ist etwas von dem übrig, was ich von meiner Kindheit in Erinnerung habe.

Es war unser Verhängnis, dass wir Jugoslawen waren. Darum nennen sie uns heute Verräter. Günter Grass hat gesagt, die Roma seien die wahren Europäer, weil Europa ihr Land sei und nicht Deutschland, Portugal oder Ungarn. Ich hoffe, dass wir nicht bald die einzigen sind, die letzten Europäer. Ich fürchte mich davor. Manchmal möchte ich, dass die Welt für einen Moment stehen bleibt und die Roma aussteigen lässt.

Protokoll: Markus Flohr


Aus: "Roma: Wie meine Verfolgung begann" Dzoni Sichelschmidt (15. Oktober 2015)
Quelle: http://www.zeit.de/2015/40/roma-jugoslawien-buergerkrieg-verfolgung

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[Der frühere... ]
« Reply #594 on: October 26, 2015, 09:32:40 PM »
Quote
[...] Der frühere britische Premierminister Tony Blair hat sich in einem Interview mit dem US-Sender CNN für einige Aspekte des Irakkriegs entschuldigt. Er äußerte sein Bedauern darüber, dass es Fehler bei der Planung für die Zeit nach dem Sturz des Saddam-Regimes und bei Geheimdienstinformationen zur Rechtfertigung des Feldzuges gegeben habe.

Laut "Guardian" sagte er in dem Interview, das am Sonntag ausgestrahlt werden soll: "Ich entschuldige mich dafür, dass Informationen, die wir erhalten haben, falsch waren." Weiter sagte er demnach: "Ich entschuldige mich außerdem dafür, dass wir Fehler in der Planung gemacht haben - und sicherlich auch in der Annahme dessen, was nach dem Sturz des Regimes passieren würde."

Zudem räumte Blair ein, dass der Vorwurf, wonach der Irakkrieg den Aufstieg des "Islamischen Staates" ermöglicht habe, einige wahre Elemente beinhalte. "Natürlich kann man nicht sagen, dass diejenigen, die Saddam 2003 gestürzt haben, keine Verantwortung für die Situation im Jahr 2015 tragen."

Eine Sprecherin Blairs erläuterte inzwischen, der ehemalige Premier habe sich schon immer für die falschen Geheimdiensterkenntnisse und Planungsfehler entschuldigt. "Außerdem hat er immer schon gesagt und sagt es nun wieder, dass er den Sturz Saddams nach wie vor für richtig hält."

Die Sprecherin stellte laut "Guardian" klar, dass Blair in dem CNN-Interview nicht gesagt habe, dass die Entscheidung Saddam 2003 zu stürzen, ursächlich für die Entstehung des IS sei. "Er hat darauf hingewiesen, dass der IS Ende 2008, als al-Qaida im Wesentlichen geschlagen war, noch kaum bekannt war."

Der frühere Regierungschef führe laut der Sprecherin in dem Interview außerdem aus, dass die Lage im Irak 2009 vergleichsweise stabil gewesen sei. "Was danach passiert ist, war eine Verknüpfung zweier Dinge: Zum einen verfolgte die irakische Regierung eine konfessionelle Politik, was eine falsche Strategie war. Zum anderen wanderte der IS vom Irak Richtung Syrien, als der arabische Frühling begann, wuchs dort und kam zurück in den Irak." All das habe Blair bereits früher gesagt.

Der Chef der schottischen Regionalregierung, Nicola Sturgeon, reagierte scharf auf Blairs Aussagen. Er beschuldigte den Labour-Politiker, sich eine Ausgangsposition für den Moment zu schaffen, in dem die zu erwartende Kritik der sogenannten Chilcot-Untersuchung zum Irak-Krieg über Blair hereinbricht.

"Blairs Spin-Operation beginnt schon, obwohl das Land noch immer auf die Wahrheit wartet", twitterte der Chef der schottischen Nationalpartei laut "Guardian". Die Verzögerung des Chilcot-Berichts sei ein Skandal.

Bis heute gibt es kein Datum für die Veröffentlichung der Ergebnisse. Dabei setzte der damalige Premierminister Gordon Brown die nach ihrem Vorsitzenden Sir John Chilcot benannte Untersuchung vor sechs Jahren mit dem Versprechen ein, sie werde nicht länger als ein Jahr dauern. Die Verzögerung kam dadurch zustande, dass diejenigen, die womöglich kritisiert werden, vor der Veröffentlichung auf den Bericht Einfluss nehmen konnten. Auch Tony Blair wird sich vermutlich einiger Kritik stellen müssen.

ler

Quote
Kriegsverbrechen
syssifus heute, 12:25 Uhr
werden auch nicht besser,wenn man sie als "bedauerlichen" Irrtum hinstellt.


Quote
Danke ...
SachDebattierer heute, 12:26 Uhr
... leider vergisst der Artikel zu erwähnen, dass vor kurzem eine Email aufgetaucht ist, die bescheinigt, dass der Entschluss zum Irak-Krieg schon ein Jahr vorher gefallen ist, und Blair hier sogar eine treibende Rolle gespielt hat. "Tony Blair effectively agreed to act as a front man for American foreign policy in advance of any decision by the House of Commons or the British Cabinet" http://www.independent.co.uk/news/uk/politics/tony-blair-iraq-war-memo-prompts-renewed-calls-for-chilcot-inquiry-to-be-published-a6698816.html


Quote
im Sinne von..
flipbauer heute, 12:31 Uhr
..ein Riesenberg voller Leichen, naja kann ja mal vorkommen, sorry. ...



Aus: "Sturz von Saddam Hussein: Blair entschuldigt sich für Fehler im Irakkrieg" (25.10.2015)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/irak-tony-blair-entschuldigt-sich-fuer-fehler-im-krieg-a-1059485.html


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[Ein zerstörtes Spital bedeutet... ]
« Reply #595 on: November 02, 2015, 04:18:08 PM »
Quote
[...] Spitäler in Syrien sind nach angaben der Notärzte-Vereinigung UOSSM regelmässig Ziel von Luftangriffen der syrischen Regierung und Russlands geworden. «Allein im Oktober wurden 14 unserer Spitäler bombardiert», sagte die Sprecherin der Organisation Emma Suleiman.

Darunter waren Kliniken in den Vororten der Städte Aleppo und Hama im Norden des Landes. Sechs Spitäler seien derzeit ausser Betrieb. "Wir fordern, dass das humanitäre Völkerrecht respektiert und Zivilisten sowie humanitäre und medizinische Helfer geschützt werden", sagte Suleiman am Montag der Nachrichtenagentur sda.

Die Union of Medical Care an Relief Organizations (UOSSM) kann die Spitäler nach den Worten von Suleiman nicht wieder aufbauen. "Wir müssen Alternativen finden, etwa den Einsatz mobiler Kliniken, um die Vertriebenen innerhalb Syriens zu begleiten."

In den ersten sieben Monaten dieses Jahres zählte die Organisation 151 Angriffe auf medizinische Einrichtungen. Die jüngste militärische Eskalation seit Beginn der russischen Luftoffensive am 30. September verschärfte demnach die Lage vor allem im Süden und Westen der Stadt Aleppo.

Mindestens 70'000 weitere Menschen sind dort auf der Flucht und benötigen Unterkünfte, Lebensmittel und medizinische Versorgung. "Wir rufen die internationale Gemeinschaft erneut dazu auf, sichere Gebiete für Zivilisten mit humanitären Korridoren einzurichten", sagt Suleiman.

Die 2012 in Frankreich gegründete UOSSM ist ein Zusammenschluss medizinischer Hilfsorganisationen mit mehr als 600 Mitarbeitenden. Sie arbeitet in allen Gebieten Syriens, auch in den Provinzen Rakka und Deir as-Sor im Osten des Landes, die unter Kontrolle der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) sind.

Die Ärzte der Organisation behandeln dort Zivilisten, die IS-Miliz verfügt über eigenes medizinisches Personal für ihre Kämpfer.

Medizinische Einrichtungen wurden in den vergangenen Wochen auch in andern Kriegsgebieten angegriffen, darunter in Afghanistan und Jemen. Am 3. Oktober wurde ein Spital der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) in Kundus von der US-Luftwaffe bombardiert. Und im Jemen bombardierte die von Saudi-Arabien geführte arabische Militärkoalition am 27. Oktober ein von MSF unterstütztes Spital in Haydan.

MSF forderte eine unabhängige Untersuchung beider Vorfälle. Bei den Attacken handle es sich nicht um Einzelfälle. "Medizinische Einrichtungen werden von Konfliktparteien zunehmend als Teil des Kampfgebietes betrachtet", sagte der Präsident von MSF Schweiz Thomas Nierle. Das gelte neben Afghanistan und Jemen auch für Syrien, Sudan und Südsudan sowie Irak und Somalia.

"Ein zerstörtes Spital bedeutet in einem Kriegsgebiet, dass tausende Menschen keine medizinische Versorgung haben, damit steht für sie das Überleben auf dem Spiel", sagte Nierle. "Ein Spital darf unter keinen Umständen bombardiert werden."
(sda)


Aus: "Hilfsorganisationen kritisieren Bombardierung von Spitälern" (02.11.2015)
Quelle: http://www.solothurnerzeitung.ch/ausland/hilfsorganisationen-kritisieren-bombardierung-von-spitaelern-129698063


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[Der Bundestag hat mit großer Mehrheit... ]
« Reply #596 on: December 10, 2015, 05:30:45 PM »
Quote
[...] Der Bundestag hat mit großer Mehrheit einem Bundeswehreinsatz in Syrien zugestimmt. Bis zu 1200 Soldaten sollen den internationalen Kampf gegen den IS unterstützen. Die Linkspartei stimmte geschlossen gegen ein Bundeswehrmandat.

Wie erwartet haben die Abgeordneten des Bundestags mehrheitlich für einen Einsatz der Bundeswehr in Syrien gestimmt. Der Antrag der Bundesregierung erhielt 445 Ja-Stimmen. Gegen den Antrag votierten 145 Parlamentarier. Es gab sieben Enthaltungen.

Vorgesehen ist, dass bis zu 1200 Soldaten mit sechs Aufklärungsflugzeugen des Typs Recce-Tornado, einem Tankflugzeug, Satellitentechnik sowie einer Fregatte den Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) unterstützen sollen.

Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen rief dazu auf, die europäische Verantwortung für die Krisenregion im Mittleren Osten anzuerkennen. Dies müsse auch im Namen unserer eigenen Sicherheit geschehen, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag. Ohne politisches Konzept gegen den Terror der IS-Milizen werden der geplante Militäreinsatz zum Scheitern verurteilt sein. Umgekehrt werde es aber ohne militärische Präsenz keine Chance für die Diplomatie geben.

 Der SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold widersprach Befürchtungen, der Einsatz der Bundeswehr gegen den IS sei nicht rechtlich einwandfrei. "Dieser Einsatz ist eindeutig verfassungsrechtlich und völkerrechtlich abgesichert", sagte Arnold. Gegen Kritik am geplanten Einsatz sagte er: "Aufklärungsflieger sind kein Beitrag zum achtlosen Bombenkrieg." Es gebe Risiken, aber der Einsatz sei "kein Abenteuer".

Angesichts der Krise Europas dürfe vor allem das deutsch-französische Bündnis nicht in die Brüche gehen. Wenn sich Deutschland heraushalte, werde es noch schwerer, Solidarität in Europa einzufordern.

 Dagegen hält die Linkspartei den geplanten Bundeswehreinsatz gegen den IS für grundfalsch und gefährlich. "Krieg macht alles nur noch schlimmer", sagte Linkspartei-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht bei der abschließenden Beratung über den Militäreinsatz.

"Es ist eine schlichte Lüge, dass dieser Kriegseinsatz den IS schwächen wird", sagte Wagenknecht an die Adresse der Bundesregierung. Das Gegenteil sei der Fall. Es sei keine Lösung, mit dem IS in einen Wettstreit zu treten, wer sich besser aufs Töten verstehe. "Krieg ist Terror, der neuen Terror hervorbringt." Das habe auch der Einsatz in Afghanistan gezeigt. Wagenknecht beklagte, der geplante Bundeswehreinsatz gegen den IS sei völkerrechtswidrig, er widerspreche dem Grundgesetz und sei völlig unkalkulierbar.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter bezeichnete den geplanten Bundeswehreinsatz als planlos und undurchdacht. "Ich habe den Eindruck, Ihr Mandat ist Aktionismus", sagte Hofreiter. Nach den jüngsten Anschlägen in Europa sei ein Vorgehen mit kluger Analyse und kühlem Kopf gefragt. In dem neuen Mandat sei jedoch keine Strategie zu erkennen.

 Bereits in der kommenden Woche sollen die ersten "Tornado"-Aufklärungsflugzeuge in die Türkei fliegen. Die eigentlichen Aufklärungsflüge selbst sind aber erst ab Januar geplant. Die deutschen Piloten sollen damit Nationen, die Luftangriffe auf mutmaßliche IS-Stellungen fliegen, unterstützen. Sechs "Tornados" werden dafür benötigt.

Zum Luftwaffengeschwader "Immelmann" in Jagel gehören 23 Maschinen. Mindestens vier von ihnen sollen in Syrien zum Einsatz kommen. Ob auch auf dem rheinland-pfälzischen Fliegerhorst Büchel stationierte "Tornado"-Kampfjets der deutschen Luftwaffe am geplanten Syrien-Einsatz teilnehmen, steht noch nicht fest.

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Am 04. Dezember 2015 um 12:11 von Psychophysikali...
Die Linke

ist wie immer: Hauptsache dagegen. Die Entscheidung der anderen Parteien ist jedoch sehr zu begrüßen. Wir haben dem IS schon lange genug tatenlos zugesehen. Der IS verstößt gegen Menschen- und Völkerrecht, und vertreibt Milionen über Milionen Menschen aus ihrer Heimat.


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Am 04. Dezember 2015 um 12:05 von Kokla
Wagenknecht und ihre Linke haben recht.
Die Zustimmung zum Einsatz ist relativ billig, denn niemand wird im Falle des (wahrscheinlichen) Misserfolgs zur Verantwortung gezogen werden.


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Am 04. Dezember 2015 um 12:14 von Klabautermann 08
Und 58%

der Deutschen Bevölkerung rufen wieder: "HURRA KRIEG; WIR HABEN KRIEG". Wie im ersten WK als sich Deutschland SOLIDARISCH mit Österreich erklärt hat?


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Am 04. Dezember 2015 um 12:15 von Berl-iner
Diese kriegstreiberei ist

Diese kriegstreiberei ist eine Schande und definitiv nicht im Sinne der Bevölkerung !


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Am 04. Dezember 2015 um 12:15 von ardandi
Falscher Weg - nichts gelernt

Leider haben die meisten Abgeordneten überhaupt nichts aus Afganistan gelernt.


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Am 04. Dezember 2015 um 12:16 von Zeitungs-Ente
Politiker

Und sie werden mit betroffenen Gesichtern an den Särgen derjenigen stehen und Reden halten, die sie selbst in den Krieg geschickt haben.


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Am 04. Dezember 2015 um 12:24 von Shantuma
Die SPD hat ...

ja wohl einen Knall. Dieser Einsatz ist weder mit dem Grundgesetz vereinbar noch haben die westlichen Streitkämpfer ein völkerrechtliche Erlaubnis in Syrien zu zuschlagen.

Einmal mehr begeht Deutschland Völkerrechtsbruch.

Wichtiger wäre es die Finanzen des IS zu torpedieren und die Unterstützung aus anderen arabischen Staaten zu minimieren.
Danach kann man mit dem Einverständnis der irakischen Regierung und der syrischen Regierung Unterstützung leisten.


Quote
Am 04. Dezember 2015 um 12:24 von Peanuts
Diese "Nasen"

... die für diesen Einsatz gestimmt haben, sollten sich doch mal selber aus Ihren Sesseln erheben und ins Kriegsgebiet ziehen. Die haben keine Ahnung was Krieg bedeutet und das am allermeisten die Zivilbevölkerung darunter leidet. Können kaum den Bleistift grade halten aber entscheiden hier über hunderte und tausende von Menschenleben. Was ist denn ein Zivilistenleben Wert? Wenn in Paris 130 Menschen sterben, dann gibt es 3 Tage Volkstrauer und große Betroffenheit. Wenn in Syrien durch Bombenangriffe tausende Zivilisten sterben, dann sind das Kollateralschäden oder was. Sagt mal ihr Politiker wann wacht ihr eigentlich auf. Waffen und Krieg haben schon seit mehr als tausend Jahren nichts anderes gebracht als noch mehr Krieg und unendliches Leid.


Quote
Am 04. Dezember 2015 um 12:27 von odw
Der dunkelste Tag

in der deutschen Geschichte seit dem Ende des 2. Weltkrieges.
Deutsche Soldaten gehen nach Syrien, ohne UN-Mandat, ohne Hilfeersuchen der syrischen Regierung.


Quote
Am 04. Dezember 2015 um 12:32 von Klaus V.
Der Einsatz der Bundeswehr in Syrien

wird keinen Frieden bringen:
Wo immer ausländische Mächte interveniert haben, ist es zu jahrelangen Verwüstungen gekommen.
Denn mit jedem Schuss und mit jeder Lüge wird neuer Hass gesät.
Am Ende kann niemand mehr vermitteln. Denn Waffen sprechen nicht, sie töten.


Quote
Am 04. Dezember 2015 um 12:34 von Idefix™
Ganz prima!

Jetzt ist es also amtlich, wir ziehen in den Krieg.
Ich könnte kotzen!


Quote
Am 04. Dezember 2015 um 12:38 von Evershagen
Es erschreckt mich

wie schnell solche gravierenden Entscheidungen unser Parlament passieren und abgesegnet werden.

Es erschreckt mich weiter, dass andere Dinge wie bspw. Steuerreform, Gesundheitsreform etc. pp., ewig über Jahre zerredet werden und nichts passiert. ...

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Am 04. Dezember 2015 um 12:46 von 1.Senator
Heute wurde mit diesem Beschluß...

...im Deutschen Bundestag das so
viel bemühte und immer wieder
angeführte Völkerrecht endgültig
zu Grabe getragen!
Man tut was man will, oder glaubt
mehr als dubiosen "Partnern" wie
etwa der Türkei zu "schulden"!!
Ein UNO-Mandat ist scheinbar
ja auch schon länger nicht mehr
erforderlich!??!
Wer selbst das Recht so mit Füßen tritt,
kann sich nicht wirklich ernsthaft
für sein Handeln gerade darauf
berufen und setzt sich selbst und
sein Volk ins UNRECHT!!
Den Preis hierfür werden (wie immer !!)
andere, unschuldige bezahlen müssen!!


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Am 04. Dezember 2015 um 12:47 von Dennis86
Die Geschichte wiederholt sich

Wie damals beim Jugoslawien- und Afghanistankrieg gibt es wieder viele im Bundestag und in der Bevölkerung, die den Syrieneinsatz als sinnvoll erachten. Mittlerweile wird jedoch massiv Kritik geübt an Jugoslawien- und Afghanistankrieg (siehe z. B. ARD-Doku "Es begann mit einer Lüge" oder "unser Krieg" vom ZDF). Ich freu mich schon auf die Doku der ARD/des ZDF in zehn Jahren, in der der Syrieneinsatz als grober Fehler eingestuft wird.


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Am 04. Dezember 2015 um 12:47 von strategos
Wie zu Kaiserszeiten. Die SPD
Wie zu Kaiserszeiten.
Die SPD stimmt wieder für einen Krieg. Lernt denn keiner aus dem Elend in der Vergangenheit?


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Am 04. Dezember 2015 um 12:48 von fridolin27
schon erstaunlich

unsere Soldaten müssen nach Syrien, um den IS zu bekämpfen, und die traumatisierten Syrer sitzen in den Strassencafes und verfolgen bei einem guten Kaffee mit dem Handy in der Hand den Fortgang der Kämpfe in ihrem Land.
Wie verrückt ist diese Welt?


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Am 04. Dezember 2015 um 13:02 von Resistance1405
Diese Behauptung der SPD ist schlicht falsch

Nachdem ein Kommentar von mir nicht durchgekommen ist, schreibe ich ihn nochmal.

Diese Behauptung der SPD in diesem Absatz aus dem Artikel:

Der SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold widersprach Befürchtungen, der Einsatz der Bundeswehr gegen den IS sei nicht rechtlich einwandfrei. "Dieser Einsatz ist eindeutig verfassungsrechtlich und völkerrechtlich abgesichert", sagte Arnold. Gegen Kritik am geplanten Einsatz sagte er: "Aufklärungsflieger sind kein Beitrag zum achtlosen Bombenkrieg." Es gebe Risiken, aber der Einsatz sei "kein Abenteuer".

ist schlich falsch!! Dieser Einsatz ist

1. eben NICHT ausreichend völkerrechtlich abgesichert weil es eben KEIN echtes UN-Mandat gibt

2. Diese Aufklärungsflüge sind eben SEHR WOHL Teil dieses achtlosen Bombenkrieges. Denn die Bilder die von diesen Jets aufgenommen werden, werden als Grundlage für die späteren Bombardements benutzt. Hoffentlich erwischt es keine dort umherirrenden Zivilisten.


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Am 04. Dezember 2015 um 13:03 von americafl
12:08 von Klaus V.

+++ Denn die Aussage 58 % hätten mit Ja gestimmt ist eine LÜGE !+++
Sie haben Recht. Nach der nochmaligen Nachzaehlung sind es 68% !!!

Was ich noch nie gelesen oder gehoert habe ist, wo sind all die Klagen vor Gericht gegen die Regierung, den hier bei den Kommentaren stehen ja so viele Beitraege, wo ganz klar behauptet wird, der Einsatz verstoesst gegen das Gesetz usw.
Nicht schreiben --- KLAGEN !


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Am 04. Dezember 2015 um 13:25 von Didi
Das Parlament hat versagt…..

Aus einer launigen Solidaritätsbekundung wird nun nolens volens ein "Kriegseintritt" mit allen Folgen, ohne das ersichtlich ist, dass das Parlament Sinn und Zweck, Risiken und Nebenwirkungen abgewogen und diskutiert hat und zu der ultima Ratio dieses Einsatzes gekommen ist.


Solidarität kann nicht über der Vernunft oder den (grund-)gesetzlichen Vorgaben stehen.

Meines Erachtens eine Symbolpolitik ohne Nutzen, aber mit enormen Risiken und Nebenwirkungen, denn an der Wurzel dieses Terrorismus, den Geldströmen, den Waffenlieferungen, den Rückzugsgebieten und den Unterstützern des IS wird eben von dieser Politik nicht Hand angelegt.

Darüber hinaus werden vom Parlament die gleichen eklatanten Fehler wiederholt, man stürzt sich ohne Strategie, Zieldefinition, ohne rechtlich Absicherung und ohne Exitdefinition in ein erneutes militärisches Abenteuer.

Das Parlament denkt nicht bis zum Ende, und das ist erschreckend für eine Parlamentsarmee- eine "Volksarmee" hätte kein Mandat bekommen!


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Am 04. Dezember 2015 um 13:27 von bengelchen
Deutschland im Krieg

Was ich hier immerwieder ( 90 % der Kommentare ) lese, zeugt von total einseitiger Einstellung zu diesen Problemen. Deutschland soll schön neutral bleiben, während wir mit unseren Waffen die ganze Welt beliefern,und wahrlich gutes Geld verdienen. Und wenn hier einige meinen nur die Firmen und Aktionäre verdienen
daran,falsch....! Auch der Lohn des Arbeiters wird durch Waffen bezahlt. Nicht erst mit Soldaten machen wir uns die Finger schmutzig,nein ....! Mit der Herstellung und Liefern wissen alle schlauen hier, das unser Wohlstand zum Teil auf Waffen basiert. Und da wir jeden Tag welche herstellen, müssen diese auch jeden Tag irgendwo in der Welt verbraucht werden,sonst rosten sie ein. Wir sollten ehrlich sein und nicht nur heucheln .Und wenn wir daher ein Mitschuldiger sind so solleten wir bereit sein,etwas von dieser Schuld gutzumachen....Oder? ich hoffe mein Kommentar wird gesendet,die letzten beide wurden es nicht.


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Am 04. Dezember 2015 um 13:36 von hinter der Matt...
Das Volk abgehängt

Beeindruckend, dass die Regierung es innerhalb so kurzer Zeit geschafft hat, die Mehrheit unserer nur ihrem Gewissen verpflichteten Parlamentarier von der Notwendigkeit zu überzeugen, dass Deutschland in einen jahrelangen Krieg ziehen muss.

Offensichtlich sind sich die Parlamentarier sicher, dass sie dem Volk ihre Beweggründe erklären werden können. Hoffentlich vergessen sie es nicht, sonst bleibt das ungute Gefühl, dass man im Parlament der Überzeugung ist, es ziehe ja 'nur' die Bundeswehr in den Krieg, nicht das Land, daher müsse man das Volk auch nicht mitnehmen.


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Am 04. Dezember 2015 um 13:37 von Nico Walter

Übrigens gab es mindestens schon zwei Kriege, denen mehr als 58% der Deutschen zugestimmt haben. Richtig war doch wohl keiner von beiden.


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Am 04. Dezember 2015 um 14:00 von Tagesscheu
An die JA Stimmer

Ihr werdet diesen Krieg verlieren, genauso wie die Russen in Afghanistan, dann die USA, sowie eine komplette Allianz - ebenso im Irak. Denn dieser Krieg ist nicht auf eine Nation beschränkt, sondern ist eine Gesinnungsfrage.
Den IS muss man politisch und vor allem kulturell isolieren und aushöhlen. Das wird dauern. Frankreich geht den falschen Weg, diese Bombardements sind eine unwiderufliche Schuld.
Und, noch eine Bermerkung: Das war auch ein JA zu Attentaten in Berlin, tut am Ende nicht so als ob das keinen Zusammenhang hat. Eine Beteiligung an einem Krieg in dieser Form ist verantwortungslos. Es mangelt an wirklich guten Ideen, das Problem bei der Wurzel zu packen. Da ist ein Ja zum Einsatz die schnelle Lösung. Falsch gedacht. Diese Entscheidung ist nicht hinzunehmen, vor allem als Deutscher darf man hier nicht still bleiben. Selbst wenn man diese Wahnsinnigen vom IS vor Ort militärisch besiegen würde, hat man an der Einstellung nichts verändert. Das ist nicht klug.


...


Aus: "Beteiligung am Kampf gegen den IS: Bundestag stimmt Syrien-Einsatz zu" (04.12.2015)
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/is-syrien-bundestag-103.html
« Last Edit: December 10, 2015, 05:32:28 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Entscheidend für die Ausstattung der... ]
« Reply #597 on: January 26, 2016, 03:40:07 PM »
Quote
[...] Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will in den kommenden 15 Jahren 130 Milliarden Euro in militärische Ausrüstung investieren und den Wehretat dafür erhöhen. Das verlautete aus Regierungskreisen in Berlin. Die in der Bundeswehrreform von 2011 vorgesehenen Obergrenzen für die Ausstattung der Bundeswehr mit großen Waffensystemen sollen nicht mehr gelten. Die Truppe soll je nach Lage und Aufgaben ausgerüstet werden.

Entscheidend für die Ausstattung der Bundeswehr solle künftig wieder sein, dass die Truppe mit dem vorhandenen Material ihre Aufgaben in den Auslandseinsätzen und in der Landesverteidigung erfüllen könne, hieß es. Das Ministerium nimmt damit Abschied von dem Konzept, manche Teile der Armee, etwa die Panzertruppe, nur mit 70 Prozent des benötigten Geräts auszurüsten. "Wir haben lange aus der Substanz gelebt", hieß es mit Verweis auf die schlechte Ausstattung der Bundeswehr. "Es haben sich hohle Strukturen gebildet", und es gebe erheblichen "Modernisierungsbedarf".

Welche Summe die Bundeswehr zusätzlich benötigen wird, um auf die Investitionssumme von 130 Millionen Euro zu kommen, wurde nicht genannt. Das Geld solle nicht als Ganzes neu auf den Haushalt aufgesattelt werden, hieß es. Im Durchschnitt wolle von der Leyen knapp neun Milliarden Euro pro Jahr in Ausrüstung investieren – von der Nachtsichtbrille bis zum Kampfjet. Würde aber die bisherige Finanzplanung einfach bis 2030 fortgeschrieben, würde dieses Geld nicht ausreichen. Im laufenden Haushalt sind 4,7 Milliarden Euro für derartige Beschaffungen eingeplant. Die Mehrausgaben sollen für die Haushaltsjahre ab 2017 nun zwischen dem Verteidigungs- und dem Finanzministerium ausgehandelt werden.

Die Ankündigung erfolgte unmittelbar nachdem der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels, in seinem Wehrbericht verheerende Ausrüstungsmängel der Bundeswehr kritisiert hatte. "Es ist von allem zu wenig da", hatte der SPD-Politiker bei der Vorstellung des Berichts gesagt. "Die Bundeswehr ist am Wendepunkt. Noch mehr Reduzierung geht nicht." Bei der jüngsten Reform der Truppe sei überproportional viel Material abgebaut worden. "Diese planmäßige Mangelwirtschaft gefährdet heute Ausbildung, Übung und Einsatz."

Wenn die Bundeswehr zur Landesverteidigung wieder in der Lage sein solle, brauche sie eine materielle Vollausstattung – "vom Panzer bis zur Schutzweste, 100 Prozent", sagte Bartels. Zwar erhielten die Soldaten inzwischen moderne Ausrüstung. "Aber die schlechte Nachricht lautet: Alles verspätet, verzögert, voller Kinderkrankheiten und oft in zu geringer Stückzahl, dafür teurer als geplant." Alte Schiffe würden außer Dienst gestellt, ehe die neuen überhaupt auf Kiel gelegt seien. Auch bei Waffen und Munition sehe es schlecht aus. "Die Bundeswehr ist am Limit", sagte Bartels.

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hansitus
#10  —  vor 6 Minuten

Da meldet sich mal der "Stechschritt Pazifist" zu Wort:
Wie kann es sein das Deutschland auf Platz 7 der Länder mit den höhsten Militärausgaben der Welt 2014 gehört und nun Anfang 2015 "verheerende Ausrüstungsmängel der Bundeswehr" aufgezeigt wurden? Wo sind die Gelder hingegangen?

Außerdem wäre auch mal schön warum die eingeschränkten Einsatzmöglichkeiten der Bundeswehr im Ausland denn ein Problem sind? Alle Auslandseinsätze der Vergangenheit haben die Lage nicht verbessert in den betreffenden Ländern, es wurde vielmehr Terror geschaffen. Dabei denke ich an Kosovo bis Lybien.


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Zerebralakrobat
#9  —  vor 6 Minuten

Es wäre eh sinnvoller, die Kapazitäten zusammenzulegen und eine europäische Armee aufzustellen. Denn vom Terrorismus ist ganz Europa betroffen, da nützt Eigenbrötlerei wenig. Auch was den Grenzschutz angeht.


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Rothbard
#7  —  vor 6 Minuten

Niemand sollte sich über explodierende "Verteidigungs"ausgaben wundern. Der Wähler bekommt die Quittung für das, was er sich selbst eingebrockt hat: Eine Regierung, die grundsätzlich alles tut, um den militärisch-industriellen Komplex zu bereichern und gleichzeitig durch unverantwortliche und kostspielige Auslandseinsätze die innere Sicherheit gefährdet.


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Hans Hagedorn
#15  —  vor 5 Minuten

Kurzer Fehlerhinweis: "Welche Summe die Bundeswehr zusätzlich benötigen wird, um auf die Investitionssumme von 130 Millionen Euro zu kommen, wurde nicht genannt." In diesem Satz sind vermutlich Milliarden gemeint.


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Prisen Colinen
#21  —  vor 3 Minuten

Mir wäre bedeutend lieber, man würde die völlig kontraproduktiven Außeneinsätze sein lassen, die in der Summe nur zu den jetzigen Flüchtlingsströmen beigetragen haben.

Eine der heute nachweislich größten Lügen: "Unsere Freiheit wird am Hindukusch verteidigt".


...


Aus: "Bundeswehr: Von der Leyen will 130 Milliarden Euro investieren" (26. Januar 2016)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-01/bundeswehr-ausruestung-material-andre-wuestner-ursula-von-der-leyen


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[Es gebe zahlreiche Berichte von... ]
« Reply #598 on: March 09, 2016, 09:21:25 AM »
Quote
[...] Die Hilfsorganisation "Save the Children" hat ihren aktuellen Bericht über die Lage im Bürgerkriegsland Syrien veröffentlicht. Demnach leiden rund 250.000 Kinder in belagerten Gebieten unter Hunger. Sie hätten zudem kaum Zugang zu Medikamenten. "Die Kinder wachsen in einer Art Kriegskultur auf und es ist schwer einzuschätzen, was das für Langzeiteffekte auf sie haben wird", sagte Sonia Khush, die für Syrien zuständige Regionaldirektorin der Organisation.

Es gebe zahlreiche Berichte von Kindern, die aufgrund mangelnder medizinischer Versorgung gestorben seien, sagte Khush vor Journalisten. Für den 27-Seiten-Bericht hat die Organisation eigenen Angaben zufolge mit 126 Müttern, Vätern und Kindern in den betroffenen Gebieten gesprochen sowie 25 Interviews mit lokalen Hilfsgruppen, Ärzten und Lehrern geführt.

"Die Angst bestimmt alles", sagte demnach eine Mutter in Ghuta. "Die Kinder warten darauf, dass sie mit dem Sterben an der Reihe sind." Auch Khush sagte, die Kinder hätten jeden Glauben an eine hoffnungsvolle Zukunft verloren.

Die Menschen in den belagerten Gebieten hätten oft noch nicht einmal Brot, berichtete eine Mitarbeiterin der Hilfsorganisation in Syrien, die anonym bleiben wollte. "Brot ist eines der größten Probleme." Viele Menschen hätten "Überlebens-Kunstformen" entwickelt. Sie kochten beispielsweise Suppe aus Gras.

Um zu kochen oder zu heizen würden zahlreiche Kinder in zerbombten Häusern nach Holzmöbeln suchen, sagte die Mitarbeiterin - trotz des Risikos von einstürzenden Trümmerteilen oder weiteren Bombenangriffen.

Laut den Vereinten Nationen leben rund 474.700 Menschen in syrischen Gebieten, die entweder von Truppen des Machthabers Baschar al-Assad oder von Anhängern der Terrormiliz "Islamischer Staat" belagert sind. Seit rund einer Woche gilt in einigen Regionen Syriens eine Waffenruhe. Dennoch sind in den betroffenen Gebieten auch in dieser Zeit Dutzende Menschen ums Leben gekommen.

Für Mitte kommender Woche sind neue Friedensgespräche in Genf geplant, die Verhandlungen sollen nach fünf Jahren Bürgerkrieg mit Hunderttausenden Toten und Millionen Vertriebenen einen stabilen Frieden in das zerrüttete Syrien bringen. Doch die Wiederaufnahme der Verhandlungen ist ungewiss, das größte Oppositionsbündnis Syriens droht mit einer Absage.


Aus: "Bericht von Hilfsorganisation: 250.000 Kinder in belagerten Gebieten Syriens hungern" (09.03.2016)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-250-000-kinder-in-belagerten-gebieten-hungern-laut-save-the-children-a-1081339.html

Der Bürgerkrieg in Syrien ist eine militärische Auseinandersetzung zwischen Truppen der Regierung von Präsident Baschar al-Assad und den Kämpfern verschiedener Oppositionsgruppen. Auslöser des Bürgerkriegs war ein friedlicher Protest im Zuge des Arabischen Frühlings Anfang 2011, der zum bewaffneten Konflikt eskaliert ist. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerkrieg_in_Syrien

Als Flüchtlingskrise in Europa ab 2015 werden summarisch die gemeinhin als krisenhaft bewerteten Zustände im Zusammenhang mit der Ein- oder Durchreise Hunderttausender Flüchtlinge und Migranten in oder durch viele Staaten Europas bezeichnet. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%BCchtlingskrise_in_Europa_ab_2015

---

Quote
[...] 86,7 Millionen Kinder unter sieben Jahren kennen nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef nichts anderes als ein Leben in Konfliktregionen. Dabei seien sie extrem traumatischen Erlebnissen ausgesetzt, die sich negativ auf die Entwicklung ihres Gehirns auswirkten, warnte Unicef.

Die Kinder würden erheblich in ihrem Wohlbefinden und in ihrer Fähigkeit zu lernen beeinträchtigt. "Zusätzlich zu den rein körperlichen Bedrohungen sind die Kinder dem Risiko tiefer emotionaler Narben ausgesetzt", sagte die leitende Unicef-Expertin für frühkindliche Entwicklung, Pia Britto. "Konflikte rauben den Kindern die Sicherheit, ihre Familie, Freunde, Spiel und Routine."

Ein Leben im Krieg sei mit extremen Stress verbunden, der insbesondere in den ersten sieben Lebensjahren die Vermehrung der Gehirnzellen bremse. Es müsse daher mehr investiert werden, um Kindern die nötigen Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen, sagte Britto. Dazu zählten Lernmaterialien, psychologische Betreuung sowie ein sicheres, kinderfreundliches Umfeld. ...


Aus: "Unicef: Fast 87 Millionen Kinder leben in Konfliktgebieten" (24. März 2016)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-03/unicef-kinder-87-millionen-konflikt

« Last Edit: March 24, 2016, 12:53:26 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Versprengte Notizen zum Krieg... ]
« Reply #599 on: June 02, 2016, 05:47:46 PM »
Quote
Mit freundlicher Erlaubnis von Seven Stories Press. Aus dem Englischen übersetzt von Andrea Backhaus.
Francesca Borri: "Syrian Dust – Reporting from the Heart of the Battle for Aleppo", Seven Stories Press 2016, 224 Seiten


[...] In den vergangenen Monaten habe ich über eine Stadt geschrieben, die nur noch Schutt ist. Ich habe über Mörserbomben geschrieben, über Straßen, gespickt mit Scharfschützen, Raketen und Explosionen, ich habe eine Stadt beschrieben, die entstellt ist von Typhus, Leishmaniose, Hunger, ich habe über Kinder geschrieben, die aussehen, als wären sie in Äthiopien oder Somalia, die Haut auf ihren Knochen wie Wachs, ihr Essen bestehend aus Gras und Regenwasser.

Ich habe über Flüsse geschrieben, die Leichen ausspucken, Wolken von Insekten auf den Überresten eines Darms, einer Leber, einer Lunge; über Granaten, Raketen, Kampfjets, geköpfte Aktivisten, hingerichtete 15-Jährige.

In den bombardierten Krankenhäusern habe ich gesehen, wie Küchenmesser als Skalpelle genutzt wurden, die Berührung einer Krankenschwester als einzige Narkose; ich habe verstümmelte Körper gesehen, Köpfe, Hände, Finger, Schädelfragmente, die auf Stühlen lagen.

150.000 Menschen sind nach offiziellen Angaben tot, geschätzt sind es 220.000. Ich habe über den Horror geschrieben, über Bestürzung, Brutalität, Grausamkeit. Über den Schmerz. Ich habe jedes mögliche Wort benutzt. Habe jedes Adjektiv ausgeschöpft.

Entschuldigung. Ich hatte noch nicht verstanden, was Krieg ist.

Assads Gegenoffensive begann im Dezember 2013.

Jetzt betritt man die Stadt durch eine zehn Meilen breite Frontlinie, die im Industriegebiet von Sheikh Najjar beginnt. Dieses Viertel war einst von den Rebellen so gut kontrolliert, dass der Revolutionsrat, Aleppos provisorische Regierung, seine Zentrale dorthin verlegte und sehr optimistisch plante, Leitungen zu reparieren, Schulen wieder zu eröffnen und sogar Bäume zu pflanzen.

Jetzt aber rast du mit voller Geschwindigkeit durch Granatwerfer, Maschinengewehre, Kalaschnikows – ein brummendes Flugzeug über dir –, um so schnell wie möglich Schutz in den Wohnvierteln zu suchen. Also Schutz unter hochexplosiven Fässern. Fässer. Fässer gefüllt mit Benzin und Dynamit, abgeworfen von Hubschraubern, zwei, drei, vier auf einmal. Sie regnen zu Dutzenden vom Himmel, jeden Tag, jede Nacht, jede Stunde, überall, wirklich überall, durchschnittlich 50 Stück am Tag. Es wird nicht unterschieden zwischen Zivilisten und Kämpfern. Der einzige Unterschied ist, dass die Front mit Flugzeugen bombardiert wird, die präziser sind.

Wie üblich sind sich Rebellen und Regimeanhänger an der Front so nah, dass sie Beleidigungen brüllen, während sie aufeinander schießen; die Fässer treffen auch die Regimeanhänger. Ansonsten gibt es nur ein Kriterium, um Zielobjekte in Aleppo zu unterscheiden und auszusuchen: im oder gegen den Uhrzeigersinn.

Wir nennen es weiterhin Aleppo. Dabei ist es mittlerweile Dresden. Kilometer um Kilometer – Aleppo gibt es nicht mehr. Jeden Tag mehr und mehr Trümmer.

Doch es ist nicht so verlassen, wie man denkt. Wie man sagt. Denn ein Flüchtling zu werden, ist, wie mein Übersetzer bemerkt, "ein Luxus, den sich nicht jeder leisten kann". Nicht jeder hat 150 Dollar, um die Autofahrt in die Türkei zu bezahlen, dazu 100 Dollar pro Kopf, für eine Frau und drei Kinder, um den Polizisten zu bestechen und illegal über die Grenze zu kommen. Nur wenige haben überhaupt noch einen Pass. Etwa 700.000 Flüchtlinge sind jetzt in der Türkei. Und die Lager der Vereinten Nationen sind ein einziges Durcheinander.

Aleppo scheint menschenleer, dabei sind noch Hunderte Menschen hier, Tausende, am Ende ihrer Kräfte. 80.000 sind es nach Schätzungen.

Sie nagen an Pappe, um ihren Hunger zu stillen, sie sehen verbraucht und ausgemergelt aus, stehen in Fetzen am Straßenrand, blinzeln gen Himmel. Früher bombardierte ein Flugzeug zwei oder dreimal die Woche und verschwand wieder. Jetzt werfen Hubschrauber ohne Vorwarnung zwei, drei Mal in einer Stunde Bomben ab.

Du stirbst ganz plötzlich. Das ist alles, was man in Aleppo tun kann. Nichts anderes. Man wartet und stirbt, in diesem Hornissen-Nest, diesem Nest voller wummernder Explosionen, diesem konstanten Getöse, das manchmal lauter wird, durchbrochen von einem Schrei, Flugzeug!, Flugzeug!, und alle ducken sich unter einen Stuhl, hinter einen Schrank, eine Vase, einen Kübel, hinter irgendetwas – weil Aleppo leer gebombt ist und sich in ihrer Panik alle den Schutt um sich herum zunutze machen. So leben sie, inmitten all der toten Körper, die nie geborgen wurden.

Man überlegt, ob ein Haus, das bereits getroffen wurde, von den nächsten Bomben wohl verschont bleiben würde. Zwischen den Trümmern, den zerborstenen Betonplatten: Kleider, Bücher, eine Uhr, ein Schuh, darin steckt noch der Fuß eines Kindes.

[...] Zu reden und Fragen zu stellen ist schwierig in Aleppo. Nicht nur weil Journalisten noch immer im Visier von Al-Kaida sind, noch immer gezwungen sind, sich undercover zu bewegen, so unsichtbar wie möglich. Derzeit sind mehr als 20 von uns spurlos verschwunden. Zu reden ist schwierig, weil die Syrer versuchen, dir zu antworten, Männer, Frauen, Junge und Alte, alle. Sie beginnen zu sprechen, sagen ein paar Worte, aber dann brechen sie zusammen, lehnen sich an deine Schulter – und weinen. Sie weinen und dann fragen sie: Warum? Warum? Dann können sie nichts mehr sagen. Sie umarmen dich und weinen.

Sie weinen bis zur nächsten Explosion.

Bis ein Maschinengewehr vier, fünf Runden ausspuckt: Nicht um dich zu beschützen, nicht um dich zu kriegen, sondern lediglich um dich zu warnen, dass in wenigen Sekunden ein Hubschrauber da sein wird, in wenigen Sekunden wirst du vielleicht sterben, und wieder hörst du das Donnern, lauter und lauter, näher. In diesen letzten wenigen Sekunden rennen sie alle durcheinander, schreien, rennen weiter – und dann, wieder, bösartig, eine Explosion.

... Als Erstes wird der Schatten einer Frau sichtbar. Sie durchdringt den Nebel von Staub und Kordit, sie kommt schwankend auf dich zu. Dann ein Mann, eine andere Figur, noch eine, einer fällt bewusstlos um, diese schlaffen, unbegreiflichen Körper in den Armen von Menschen, diese zerfetzten Körper, blutend, Blut, das auf den Boden tropft. Das Kind, das du eben noch vor dir gesehen hast, liegt nun dort, aschfahl, den Teddy-Bär noch fest im Arm.

Ein Teppich, ein Ventilator, ein Rumpf, alles überall verstreut. Ein Dreirad. Und tagelang, immer bei Sonnenuntergang, siehst du die Silhouette der Frau, wie sie sich über diese menschlichen Überreste beugt, als sei sie am Meer und suche Muscheln. Zwischen ihren Fingern ein Kleidungsfetzen, das Überbleibsel von einem Kind.

Du stirbst in Aleppo. Das ist es. Du wartest und du stirbst.

... Es gibt nur noch zwei Krankenhäuser in Aleppo. Eigentlich nur noch eines: Das andere wurde getroffen, während ich diese Zeilen schreibe. "Selbst wenn sie dich behandeln, wirst du bald wieder unter den Hubschraubern sein", sagt mir ein kleines Mädchen. Ihr linker Arm ist übersät mit Splittern und Narben. Als sie mir ihren rechten Arm zeigen will, explodiert am Ende der Straße eine Granate, und sie läuft davon.

Du wartest und stirbst in Aleppo. Das ist alles.

Nichts ist grausamer als die erste Bombardierung. Wenn jemand, dort hinten, noch am Leben ist, und du hörst die Stimmen, während du, umgeben von Staub, noch immer nichts voneinander unterscheiden kannst, flehen sie dich an, hilf mir!, hilf mir! Wie diese Frau jetzt.

Wir sind in Soukkari, hören die Schreie ihrer zwei Enkelkinder, 17 und 18 Jahre alt. Verwandte halten die Frau zurück, als sie sich aus deren festem Griff befreien will, hinfällt, aufsteht, schreit, hilf mir!, hilf mir!, es ist so grausam. Brüder, Väter, Freunde, alle halten sie zurück, als sie sich losreißen will, verzweifelt, sich ans Geröll krallend mit ihren bloßen Händen, und dann kommt der nächste Hubschrauber, schwebt sadistisch am Himmel, alle fangen an zu rennen, obwohl niemand weiß, wohin, alle stolpern, fallen, rappeln sich wieder auf, zwischen den Schreien tönt das Geknatter des Hubschraubers, der Staub, das Blut – die Explosion.

Du stirbst in Aleppo. Das ist alles.

... Unsere Analysten verfolgen die militärischen Entwicklungen Schritt für Schritt, die Karte in der Hand: Wer kommt weiter, wer fällt zurück, Stunde um Stunde. Aber egal wer weiterkommt oder zurückfällt: In Wahrheit beherrscht hier niemand irgendwas – es ist ein Leben im Chaos. Niemand kontrolliert mehr irgendjemanden. Es gibt nichts mehr zu erbeuten außer Schutt.

... Am Abend kannst du dich nur in eine Ecke kauern. Auf dem Bildschirm flackern die Bilder aus Aleppo, die Listen mit den Namen der Toten jagen über den unteren Bildschirmrand, während draußen vor dem Fenster, im Dunkel, alle zehn, zwanzig, dreißig Minuten, die Schemen der Stadt im Blitzlicht einer Explosion aufleuchten.

Ich schaue nervös auf meine Uhr. Warte auf die Dämmerung. Aber ich bin die Einzige, die das macht: Es ist eine Angewohnheit aus einem anderen Leben.

Der einzige Unterschied zwischen Tag und Nacht ist, dass du hier in der Nacht nicht einmal weglaufen kannst. In der Nacht wird der Krieg in Aleppo zur Schlachtung. Du kämpfst nicht. Du stirbst und das war's. Einfach so.

Weil sie hier bombardieren und bombardieren, sie bombardieren und bombardieren.

Das ist alles.


Quote
hschmitter #4.8

Wozu sollte man aber bitteschön einen aktuellen Artikel über ein Buch schreiben, welches Informationen von vor mindestens 2-4 Jahren benutzt und damit jegliche Aktualität fehlt?

Damit Sie mal einen Hauch einer Ahnung haben, was Krieg bedeutet. Egal, wen es wo trifft.



Quote
Salkin #3

... Beim Lesen musste ich ab und zu innehalten, um die Bilder in meinem Kopf zu verarbeiten.
Und wenn man sich vorstellt, daß da Tausende, Zehntausende, Hunderttausende, ja Millionen Menschen betroffen sind, frage ich mich ganz unweigerlich, wo dieses Gemetzel noch hinführen soll. Ansonsten finde ich das Kommentieren dieses Beitrags schwierig, so vom ruhigen, warmen Zimmer aus ...


Quote
Antigone dreht am Rad #12

Eine bemerkenswert eindringliche Schilderung.
Man begreift, wie sehr sich der Krieg in Aleppo festgesetzt hat.
Auf militärisch niedrigem aber unermüdlich tödlichem Niveau.
Alles erinnert deutlich an den Bürgerkrieg im Libanon, der Jahrzehnte gedauert hat.

Ein Bürgerkrieg hat eine fatale Komponente: er drängt nicht zur Entscheidung.
Erst allmählich wird die Trägheit eines solchen Krieges sichtbar.
Im Westen fehlt dafür offenbar jegliches Verständnis...
Worum es geht, hängt vom Vortag ab,
und die Pläne der Kriegsparteien reichen allenfalls bis morgen.
Damit können Jahre vergehen, Jahrzehnte.
Die Zeit vergeht nur für all jene, die irgendwo rund um den Globus zuschauen müssen.
In Aleppo steht die Zeit still.


...


Aus: "Syrien: Du wartest und stirbst in Aleppo" Francesca Borri (2. Juni 2016)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-05/syrien-krieg-journalismus