Author Topic: [Versprengte Notizen zum Krieg... ]  (Read 333986 times)

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Offline Textaris(txt*bot)

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[So das Bundesamt... ]
« Reply #555 on: June 24, 2014, 12:31:57 PM »
Quote
[...] Ein reguläres Kriegsdienstverweigerungsverfahren in den USA leitete Shepherd nicht ein. Dies sei aussichtslos gewesen, weil er nicht jeden Krieg, sondern nur den seines Erachtens völkerrechtswidrigen Krieg im Irak abgelehnt habe.

Im März 2011 wies das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge seinen Antrag ab. Shepherd habe kein einziges Kriegsverbrechen genannt, das seine Einheit während ihres ersten Irak-Einsatzes begangen habe, hieß es zur Begründung. Als Wartungstechniker laufe er auch nicht Gefahr, persönlich in Kriegsverbrechen verwickelt zu werden.

Ob der Einmarsch der Koalitionsstreitkräfte im Irak im März 2003 völkerrechtswidrig war, spiele keine Rolle, so das Bundesamt weiter. Jedenfalls habe der UN-Sicherheitsrat den weiteren Verbleib der Soldaten zur Sicherung der Stabilität im Irak schon im Mai 2003 rechtlich legitimiert. Gegen die Entscheidung klagte Shepherd beim Verwaltungsgericht München.

Der inzwischen verheiratete und in Bayern lebende Shepherd hat nicht die Prominenz des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden. Doch auch ein politisches Asyl für den Armee-Deserteur würde in den USA wohl zu Irritationen führen. Rechtlich ist der Asylantrag kaum weniger Heikel. Weil Shepherd sich vorrangig auf das Asylrecht der Europäischen Union beruft, hat das Verwaltungsgericht München den Streit dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg vorgelegt. Der verhandelt am Mittwoch (Az: C-472/13).

Das EU-Recht kennt kein generelles Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung. Die Asyl-Richtlinie von 2004 schützt aber Militärdienstverweigerer, die sonst an Straftaten, Kriegsverbrechen oder anderen Verbrechen gegen die Menschlichkeit beteiligt wären.

...




Aus: "Ein US-Deserteur bittet um Asyl in Europa" (24. Juni 2014)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-06/deserteur-shepherd-irak-usa-soldat


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[Viagra für den Zeigefinger... ]
« Reply #556 on: June 26, 2014, 03:17:51 PM »
Quote
... Politisch ist dieser Film rundheraus abzulehnen. Aber als überwältigender Fetischfilm macht er verdammt viel Spaß.

...


Aus: "300: Rise of an Empire (Noam Murro, USA 2014)" Thomas Groh (06. März 14)
Quelle: http://filmtagebuch.blogger.de/stories/2381763/

-.-

Quote
[...] 300 ist offen faschistoid, gewaltverherrlichend und rassistisch. Zusätzlich außerdem homophob und – trotz einer vermeintlich starken Frauenfigur – implizit sexistisch. Und nicht zuletzt frei von jeglicher Ironie. ...

Quote
25.03.2007 01:32
Dolph

klar hat der film kaum tiefgang und 0 story ABER er unterhält einen wunderbar! die schlachten sind einfach geil inszeniert ...


Quote
26.03.2007 00:09
unbekannt

ich muss vorweg sagen, dass ich die ganze politisch geschichtliche diskussion um den film albern finde...es ist einfaches mainstream popcorn kino...reine unterhaltung mit hohem schauwert und keine geschichtslektion. der grosse aufschrei von gesellschaftsverbesseren und moralaposteln ist doch einfach zum kotzen.
naja, wie auch immer. perönlich freu ich mich riesig auf den film...hirn abschalten und die bilder bzw schlachten geniessen. wenn der film nur annähernd sogut ist wie der trailer, dann ist das mein perönliches kleines highlight des jahres.


Quote
09.04.2007 02:48
Seb

Ich muss sagen, ich kann die Kritik von Lukas Förster nur unterstreichen. Ich war geradezu erschüttert, als ich aus dem Film kam.
Ich bin gewiss kein Pazifist oder Dauerkritiker, habe nichts gegen Gewaltdarstellungen oder etwas pathetischen Beigeschmack, aber was dieser Film zeigt, ist gelinde gesagt fürchterlichste Kriegspropaganda. Dieser Film lädt mit edlen Motiven wie Freiheit und Ehre dazu ein, Krieg auf rein emotionaler Ebene zu beurteilen, ohne auch nur einen kritischen Blick zu wagen. Mit einer pathetisch übersteigerten Rede nach der anderen, kam schon richtig ein Gefühl von „Sportpalast 1943“ auf. Ein faschistoider, martialischer und rassistischer Staat wird zum Schmuckstück der Antike stilisiert. ...


Quote
15.04.2007 14:19
Huber

Viagra für den Zeigefinger!
So ähnlich könnte man jedenfalls die Wirkung des Films beschreiben, wenn man sich die Reaktionen der Pädagogik-Fraktion ansieht.
Dabei ist dies hier doch lediglich eine Comic-Verfilmung und zwar eine sehr gute.
Aber leider scheint die Medienkompetenz in Deutschlad nicht allzuweit gediehen zu sein und Gewalt in den Medien liegt ja schließlich auch zum Großteil im Auge des Betrachters.


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23.11.2011 23:03
Calciumxx

MOinsen
eigentlich beteilige ich mich kaum an diesen Forenlabereien... UND der letzte Eintrag ist ja schon Jahre alt!
Allerdings war mein erster Gedanke, als ich den Film sah: Alter Schwede! Was für ein Faschofilm: alle "Tugenden" der braunen Massen sind hier aufgeführt und ins extreme aufgepusht dargestellt.. der ganze Film tropft nicht nur von Blut und Pahtos.
Quasi ein Werbefilm für eine nur sich selbst akzeptierende absolut intolerante Weltordnung...
Aber wisst ihr was? Es ist nur ein Film! und eine Comicverfilmung dazu (im Übrigen eine sehr gelungende; habe gerade vorher mir den Comic angeschaut)
Steht man auf wilde + überzogende Gewaltdarstellung (z.B. Garth Ennis sein Punisher) Schwerterfilme u.ä., dann ist Mann/Frau bei dem Film/Comic gut aufgehoben! Selbstverständlich NUR Menschen ab 20+ mit einem gewissen Maß an Bildung und Differnzierungsvermögen!
Jüngere + dümmere könnten das sonst alles in den falschen Hals bekommen!
Solche Filme + Comics sollte man (Meine Meinung!) nicht zu sehr auf dies oder das hin beleuchten und analysieren. Im Gegenteil: wer mit der Vorstellung zu 300 (oder artverwantem) geht/liest, dort die interlektuelle Auseinandersetzung verschiedener Kulturen mit tiefgründigen, philosophischen Textinhalten anzutreffen, hat doch sowas von ein Rad ab! In so einem Genre geht es nur um die ideale Einstellung den Moment des Todes äußerst effektvoll einzufangen und ansprechend darzustellen! Mehr nicht. Ist halt nicht "Tod in Venedig" oder "Das Piano"...
Da muss man halt mit einem anderem Auge rangehen und nicht suchen, was nicht zu finden ist!

Ein FaschoFilm ist 300 trotzdem ^^

MfG aus 2011



Aus: "300" Lukas Foerster (14.03.2007)
Quelle: http://www.critic.de/film/300-805/


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Quote
[...] Der Film erzählt die Geschichte der ersten Schlacht bei den Thermopylen im Jahr 480 v. Chr. An diesem wenige Meter breiten Pass hielten damals ein paar Griechen das persische Heer auf. Die im Film genannten Zahlen von 300 gegen eine Million sind sicher nicht realistisch, was für diese Betrachtung aber keine Rolle spielt.

Wichtig ist das Bild, das beim Zuschauer erzeugt wird. Eine kleine Truppe Spartaner verteidigt Europa vor dem Reich des Bösen: Persien. Diese kleine Truppe verkörpert eine Sammlung westlicher Ideale: demokratisch, freiheitsliebend, edel, aufopferungsvoll und so weiter. Dabei sehen sie aus wie die "California Dream Boys" und kleiden sich auch so.

Auf der Seite des Bösen stehen Menschen, die fast keine Menschen mehr sind. Monster, Riesen und ein Henker mit Scherenhänden. Dazu Gruppen, die oft als Feindbilder herhalten müssen: Dunkelhäutige, Krüppel, Entstellte, Homosexuelle. "Die Iraner werden dargestellt, als kämen sie direkt aus der Geisterbahn. Und die Spartaner sehen alle aus wie Adonis", sagt Kambis. Der Perserkönig Xerxes ist um die drei Meter groß, trägt einen goldenen Slip und ist am ganzen Körper mit goldenen Piercings, Ringen und Ketten behängt.

...


Aus: "In der Geisterbahn der Geschichte" POUYEH ANSARI UND PATRICK HEMMINGER (04.04.2007)
Quelle: http://www.taz.de/1/archiv/?dig=2007/04/04/a0117

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[...] Die durchtrainierten Körper der Schauspieler wirken hyperrealistisch, von den «Sixpacks» der Machos bis zu den Brustwarzen der Frauen. Diese Arno-Breker-Gestalten - zäh wie ihre Ledertangas, hart wie ihre Eisenschwerter - agieren jedoch vor künstlichen, computergenerierten Hintergründen. Wegen dieser Stilbrüche und weil auf Charakterisierung verzichtet wird, entbehrt «300» der emotionalen, geschweige denn psychologischen Tiefe und lässt so kalt wie ein Videospiel - oder wird unfreiwillig komisch. (Einzig Lena Headey als Spartas Königin versucht, dem Film etwas Herz zu verleihen - umsonst.)

Ob all der überzeichneten Gewalt mit ihren animierten Blutspritzern kann wohl nicht einmal der John-Woo-Fan froh werden, denn: «Gefecht, Tod und Opfer sind Dinge, die verherrlicht werden sollen. Jeder Schwertstreich, jedes Aufspiessen, jede Enthauptung soll als Akt von Schönheit dargestellt werden. Hier wird Krieg in Kunst verwandelt», lautete Snyders Kommando für seinen «Anti-Anti-Kriegsfilm».

...


Aus: "Wanderer, kommst du ins Kino ... Zack Snyders Comic-Adaption «300»" Michel Bodmer (5. April 2007)
Quelle: http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/articleF2LEX-1.139152

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Quote
[...] Jungsfantasie reichlich fantasieloser Jungs: Zack Snyder bringt den Comic "300" erneut nur in grafische Bewegung

... Auf die ermüdend lange Strecke seiner zwei Stunden entwickelt sich das Sandalen-Kriegsgemälde dann zu einer so unappetitlichen wie fast schon wieder originellen Mischung aus faschistischer Bildästhetik und bewusstem Camp. Genauer gesagt: Es mischt sich gerade nichts. Durch kein bindendes Band aus Sinn oder Verstand vereint stehen der wie in der Zahnpastawerbung kraftvoll in einen Apfel beißende Feldherr Leonidas (Gerard Butler) und die mit ironiefrei volltönender Heroenrhetorik über Leichenberge spazierende spartanische Kampfsporttruppe nebeneinander. In durch kein nachvollziehbares Konzept verbundener Tateinheit von Augenzwinkern und blutigem Ernst schreiten die stählernen spartanischen Hopliten zum Gemetzel gegen das vom riesigen gepiercten schwarzen schwulen Perserkönig Xerxes (Rodrigo Santoro) gen Engpass geführte persische Heer. In den USA feiert die dabei entstandene, dumpf dröhnende und fatal frivole Schlachteplatte gerade Kassentriumphe. Die gängige Fanboy-Rezeption nimmt blutrot-bräunlichen Camp wie "300" einfach als großen Spaß. In Wahrheit handelt es sich dabei um die so unfreiwillige wie aufwändige Verfilmung eines wahren Adorno-Worts: Fun ist ein Stahlbad.

...


Aus: "Im Stahlbad des Fun" EKKEHARD KNÖRER (04.04.2007)
Quelle: http://www.taz.de/1/archiv/?dig=2007/04/04/a0150

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Quote
[...] Hätte Leni Riefenstahl einen von Arno Breker gemeißelten Massenverkehrsunfall auf der Mythenautobahn von Sparta nach Bayreuth mit der Kamera abtasten dürfen, bis der 3-D-Brille schwindlig wird, wäre wohl etwas herausgekommen, das ebenso lieblich ist wie dieser schäumende Eintopf aus optischem Unschlitt, politischer Tollwut und dialogischem Blödsinnsgekröse.

„300 - Rise of an Empire“ von Noam Murro ist die Fortsetzung des Welterfolgs „300“ (2006) von Zack Snyder, der Verfilmung einer Graphic Novel von Frank Miller, in der die Thermopylenschlacht als Vorwand für einen kraftvoll sinnverlassenen Metzelexzess herhalten musste.

... Wir befinden uns im Morgendämmer des Abendlandes, das man gegen die Perser verteidigt, indem man von laschen Politikern ängstlicher Stadtstaaten fordert, was heute Joachim Gauck von Deutschland will: mehr Verantwortung, mehr Truppen, mehr Opfermut. Der dies verlangt, heißt Themistokles - auf Englisch klingt das wie „the mystic lease“, die überweltliche Pacht. Der Mann wird von Sullivan Stapleton mit der verhalten vibrierenden Intensität eines elektrischen Nasenhaarentferners verkörpert, der seinen Landsleuten weniger mit abgehobener Rhetorik einheizt als damit, dass er ihnen beispielgebend vorangeht. So hustet er seine Lieblingswörter „Freedom“ und „Democracy“, als wären es die Namen geliebter Sportvereine, hopst dann mit gezückter Klinge wie ein Frosch übers Schlachtfeld und murkst dort alle ab, die nicht wie er aussehen. Es ist ein Krieg gegen den Terror: Die Perser sind ethnisch undurchschaubare Finsterlinge, tragen Turbanartiges, beten einen Gottkönig an, der aussieht, als wäre er wegen zu teuren Piercinggeschmacks aus der Pop-Band „Right Said Fred“ geflogen, und sprengen sich mit teerverschmiertem Feuerwerk in die Luft, damit das Publikum 2014 begreift, um was für Wüstensöhne es sich handelt.

... Lesen wir das ungewohnte Wort „Hopliten“ einmal als „Ledernacken“, „Marines“ oder, auf Bundeswehrdeutsch, „Krisenreaktionskräfte“, dann wird da eine aus den Nachrichten vertraute Folgerichtigkeit gruselmoralisch begründet und bebildert, mit der Drohnen islamische Hochzeitsgesellschaften dezimieren oder Spezialeinheiten bei nächtlichen Überfällen sechzehnjährige Söhne Terrorverdächtiger exekutieren. Es ist die Logik der permanenten Verlängerung von Tötungslisten bis ins dritte, siebte, zwölfte Glied, über die Jeremy Scahill seinen Dokumentarfilm „Dirty Wars“ gedreht hat.

Mit so was habe doch ein Popcornkracher wie „300 - Rise of an Empire“ nichts zu tun? Das sei doch bloß Unterhaltung? Da werden die Menschen aber erleichtert sein, die in die Zielerfassung von Killern geraten, deren Blicksozialisation solche Unterhaltung mit einbegreift.

Quote
Mannomann, da ist Herrn Dath aber der Humor abhanden gekommen.
Helmut Gugger-Wöhrmann  (helmutgw) - 06.03.2014 14:44

Hat Herr Dath in gleicher Weise gegen "Ingourious Basterds" gewettert? Weil gegen Abziehbild-Nazis jegliche Brutalität angewendet werden durfte? Natürlich unter Mißachtung des Kriegsvölkerrechts und und der Genfer Konvention. Wäre in der Realität nie passiert. "First Lieutenant Aldo Raine" wäre vor dem US Kriegsgericht gelandet.
In gleicher Weise ist dieser Film ein Phantasieprodukt. Aber hier geht es ja um Abziehbild-Perser, also her mit der PC-Empörung.


Quote
EPOS
Bodo Blömer  (BoBloe) - 06.03.2014 14:49

Jedes Epos lebt von strahlenden Helden und überzeichneten Bösewichten. Identifikation ist zudem in weiten Teilen nur durch Abgrenzung möglich. Wer weiß, ob der "Westen" in seiner heutigen Form bestehen würde, hätte es in Europa nicht eben dies überzeichnete Ideal des freien Mannes gegeben, geboren eben auch in Abgrenzung zum orientalischen Untertan, welcher einem mit unbegrenzter Macht ausgestatteten Gottkönig oder einem willkürlich und nicht an Vernunft oder sonstige Einschränkungen gebundenen Gottes heutiger Zeit unterworfen ist.
Obiges Epos und Ideal liegt den europäischen Verfassungen zugrunde und eint den Kontinent. Wer an diesem Mythos rüttelt, rüttelt an Europas Kern.



Aus: "„300 - Rise of an Empire“ im Kino Die neuesten Sanktionen gegen Persien"  Dietmar Dath (06.03.2014)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/300-rise-of-an-empire-im-kino-die-neuesten-sanktionen-gegen-persien-12831610.html
« Last Edit: July 09, 2014, 11:43:51 AM by Textaris(txt*bot) »

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[Welche Wirkung erhoffen Sie sich?... ]
« Reply #557 on: July 01, 2014, 04:51:46 PM »
Quote
[...] [Frauke Fentloh] ZEIT ONLINE: Herr Bangert, in Ihrem Buch War Porn zeigen Sie extrem brutale Bilder aus Kriegsgebieten. Warum dieser provokative Titel? 

Christoph Bangert: Der Begriff War Porn – Kriegspornografie – wird in der Debatte um extreme Bilder häufig als Totschlagargument gebracht. Dann heißt es: Die Fotos sind pornografisch, voyeuristisch, entmenschlichend. Natürlich tragen diese Bilder immer etwas Entmenschlichtes in sich, weil das, was sie zeigen, so unglaublich ist: Dass ein Mensch zu Tode gefoltert und auf einer Mülldeponie entsorgt wird. Das Bild deswegen verwerflich zu nennen, ist aber eine Ausrede. Damit vermeidet man, sich mit den Ereignissen, die sie zeigen, auseinanderzusetzen.   

...

ZEIT ONLINE: Zögern Sie manchmal, auf den Auslöser zu drücken?

Bangert: Die erste Reaktion ist immer das Zögern. Man sagt sich: Das ist zu viel, das kann ich nicht fotografieren. Aber ich muss es tun. Ich habe einen klaren journalistischen Auftrag. Ich fahre in Krisengebiete, um Bilder zu machen. Sonst dürfte ich dort nicht hinfahren. 
Krieg ist leider nichts Außergewöhnliches, sondern ziemlich alltäglich. Das muss genauso dokumentiert werden wie andere Dinge auch. 

...

ZEIT ONLINE: Welche Wirkung erhoffen Sie sich von Ihren Bildern?

Bangert: Ich will die Menschen informieren. Wenn ich den Anspruch hätte, mit meinen Fotos die Welt zu retten und Kriege zu beenden, würde ich wahnsinnig werden. Denn in den allermeisten Fällen klappt das nicht. Mein Anspruch ist, so professionell und so ehrlich wie möglich journalistisch zu arbeiten. Was mit diesen Informationen passiert, hängt von uns allen ab.

ZEIT ONLINE: Wie viele der Bilder in Ihrem Buch wurden veröffentlicht? 

Bangert: Keines dieser Fotos wurde je gedruckt. Manchmal denken die Menschen, ich würde viel Geld mit Bildern verdienen, auf denen Blut fließt. Es ist genau umgekehrt. Wenn man Geld verdienen will, muss man Modefotograf werden. Die Nachfrage ist gleich Null, niemand will diese Fotos haben.

...

ZEIT ONLINE: Können Sie die Entscheidung der Redaktionen nachvollziehen, solche Bilder nicht zu zeigen? 

Bangert: Ich kann das natürlich verstehen. Das große Thema des Buches ist für mich die Selbstzensur. Die beginnt bei mir als Fotografen. Es gibt viele Bilder im Buch, bei denen ich mich nicht erinnere, sie gemacht zu haben. Das Gehirn löscht diese Erinnerungen einfach. Auch in den Redaktionen findet Selbstzensur statt. Und schließlich bei jedem Einzelnen: Wir müssen uns überwinden, um solche Bilder anzusehen und meistens tun wir das nicht. Es geht nicht darum zu sagen: Die Medien zeigen uns nicht, wie der Krieg ist. Wir wollen das gar nicht sehen. 

ZEIT ONLINE: Haben Sie sich an Leid und Gewalt gewöhnt?

Bangert: Man stumpft nie ab. Das ist ein Mythos. Genauso wenig kann man sich an die Bilder gewöhnen, die das wahre Grauen des Krieges zeigen. Wir sehen sie extrem selten, aber wenn wir sie sehen, sind sie nur sehr schwer zu ertragen. Denken Sie an Bilder der KZ-Befreiung in Auschwitz. An solche Aufnahmen kann man sich nicht gewöhnen.   

ZEIT ONLINE: Wie verarbeiten Sie die Dinge, die Sie sehen? 

Bangert: Ich habe damit keine Probleme, weil ich immer wieder längere Pausen mache und an anderen Dingen arbeite. Es gibt keine Fotografen, die nur Kriege fotografieren. Das hält man nicht aus. Wenn man zwischendurch Abstand gewinnt, ist es emotional nicht so schwer, wie man es sich vorstellt. Aber wie ich mich fühle, ist sowieso nicht so wichtig. Entscheidend ist, wie es den Menschen geht, die ich im Irak oder in Afghanistan fotografiere. Ich fahre in den Krieg und fahre wieder nach Hause. Diese Menschen sind dem Krieg völlig ausgeliefert.

ZEIT ONLINE: Ihre Bilder haben trotz der grausamen Motive eine gewisse Ästhetik, War Porn sieht von außen aus wie ein Kunstbuch. Ist das für Sie kein Widerspruch?

Bangert: Nein, überhaupt nicht. Nur weil das Thema so ernst ist, kann ich ja nicht versuchen, schlechte Bilder zu machen. Ich will, dass sich die Menschen diese Aufnahmen ansehen. Aber ich mache keine geplanten Bilder. Ich reagiere auf Situationen und versuche, das, was ich erlebe, so ehrlich wie möglich zu dokumentieren. Manchmal entstehen dabei Bilder, die auf eine gewisse Weise schön aussehen. Die Grenze ist überschritten, wenn es nur noch um Ästhetik geht und nicht mehr um das Ereignis, das ein Foto zeigt.  Auch die Entscheidung, die Bilder in diesem Buch zu zeigen, war sehr bewusst. Es ist so klein, dass man es sich nur allein anschauen kann. Ich mache mit den Fotos keine Ausstellungen, auf denen die Gäste mit einem Glas Chardonnay in der Hand an Leichen vorbeispazieren.   

ZEIT ONLINE: Einige Seiten ihres Buchs sind zugeklebt. Um die Bilder darauf zu sehen muss man sie aufschneiden. Wollen Sie es dem Leser damit ein bisschen leichter machen – oder besonders schwer?

Bangert: Der Gedanke war, den Leser daran zu erinnern, welche Macht er hat, aber auch welche Verantwortung. Dass er sich ständig entscheiden muss: Was will ich sehen und was muss ich sehen? Er muss eine aktive Wahl treffen. Es ist anders, als zwei Stunden vor dem Fernseher zu sitzen und sich hinterher kaum zu erinnern, was man in den Nachrichten gesehen hat.


Aus: ""War Porn" - "Niemand will diese Fotos sehen"" Interview von Frauke Fentloh (1. Juli 2014)
Quelle: http://www.zeit.de/kultur/2014-06/christoph-bangert-war-porn-interview


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[Über die Anschaffung von... ]
« Reply #558 on: July 02, 2014, 09:38:12 AM »
Quote
[...] Über die Anschaffung von Kampfdrohnen wird in Deutschland seit Jahren heftig diskutiert. Die Bundeswehr fordert sie für den Schutz der eigenen Soldaten. Kritiker befürchten, dass die Hemmschwelle für den Einsatz von Gewalt sinkt, weil keine eigenen Soldaten gefährdet werden. Die USA setzen Drohnen auch für gezielte Tötungen ein.

...


Aus: "Von der Leyen bekennt sich zu Kampfdrohnen" (01.07.2014)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Von-der-Leyen-bekennt-sich-zu-Kampfdrohnen-2244317.html

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Quote
[...] Die Bundeswehr soll künftig unter bestimmten Bedingungen Kampfdrohnen einsetzen können. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sprach sich im Interview mit der Süddeutschen Zeitung dafür aus, der Truppe bewaffnungsfähige Drohnen zur Verfügung zu stellen. Komme es zu einem Kampfeinsatz, hätte das Parlament dann die Option, "mit dem Mandat und auf den konkreten Fall bezogen auch die Frage der Bewaffnung der Drohne zum Schutz der entsandten Truppen zu entscheiden", so die Ministerin.

Von der Leyen positioniert sich damit erstmals in der kontrovers geführten Debatte über Kampfdrohnen. Sie skizzierte ihre Vorstellungen in zwei Schritten. Zur langfristigen Perspektive sagte sie: "Ich bin der Überzeugung, dass wir in die Entwicklung einer europäischen bewaffnungsfähigen Drohne einsteigen müssen. Für ein solches Projekt, das mindestens ein Jahrzehnt dauert, werden wir nun Partner suchen." Sie hob zugleich den zivilen Nutzen einer solchen Entwicklung hervor.

Auf die Frage, wie sie die Zeit bis zur Einsatzreife der europäischen Drohne überbrücken wolle, hob von der Leyen die Vorteile einer Leasing-Lösung hervor, wie die Bundeswehr sie in Afghanistan praktiziert. Dort setzt sie unbewaffnete israelische Aufklärungsdrohnen vom Typ Heron ein, der Leasingvertrag läuft im nächsten Jahr aus. "Eine solche Lösung hat sich bewährt", sagte die Ministerin: "Sie hat den Vorteil, dass man hierzulande keine eigene Zulassung braucht." Sie fügte an: "Wir könnten jederzeit flexibel darauf reagieren, was künftige Einsätze von uns verlangen. Und da die neueren Modelle ohnehin bewaffnungsfähig sind, stünde uns damit künftig nicht nur die dringend benötigte Aufklärungsdrohne zur Verfügung." Über eine Bewaffnung entscheide dann das Parlament. Zwar sollten die Abgeordneten auch künftig nicht über die Ausrüstung der Truppe abstimmen. "Aber sie entscheiden zum Beispiel heute schon darüber, ob Luftnahunterstützung zum Schutz der Truppe am Boden zulässig ist oder nicht."

Für ein Leasing-Modell im Fall konkreter Einsätze spricht aus von der Leyens Sicht auch, dass sich "im Augenblick" kein neuer Einsatz abzeichne, bei dem man Drohnen brauche. Damit kommt sie dem Koalitionspartner entgegen. Die SPD steht Kampfdrohnen kritisch gegenüber. Ihre Verteidigungspolitiker hatten zuletzt deutlich gemacht, dass sie derzeit keinen Bedarf für diese Waffensysteme sähen.

Von der Leyen versicherte, dass die Bundeswehr im Fall eines Leasings auch zwischen den Einsätzen mit Drohnen üben könnte. "So wie heute auch könnte das Training außerhalb von Deutschland stattfinden." Vor diesem Hintergrund spricht viel für die israelische Drohne Heron TP, das Nachfolgemodell der derzeit genutzten Heron. Auch das US-Modell Predator B war zuletzt in der engeren Auswahl gewesen.

Die Ministerin bestätigte zudem erstmals, dass sie die Unternehmensberaterin Katrin Suder von McKinsey ins Ministerium holen will: "Ich kann bestätigen, dass ich dem Kabinett Frau Suder als für den Rüstungsbereich zuständige Staatssekretärin vorschlagen möchte."

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AuLecteur vor 12 Stunden

Verteidigungsministerin von der Leyen offenbart in der SZ erstmals ihre Pläne: Die Bundeswehr soll künftig die umstrittenen Fluggeräte einsetzen können - aber nur mit Billigung des Parlaments.

Als FDP-Entwicklungshilfeminister bewilligte Dirk Niebel mit anderen Ministern den Export von Panzern nach Saudi-Arabien. Jetzt wird er Cheflobbyist beim Rüstungsunternehmen Rheinmetall.

Zwei Meldungen vom heutigen Tage.

...


Quote
Karolaschramm

Dass v.d.Leyen keine Hemmungen hat, wirklich alles zu verkaufen, was von ihr gefordert wird, wundert mich diese Haltung nicht.

Sophistisch raffiniert die Begründung: "Komme es zu einem Kampfeinsatz, hätte das Parlamet dann die Option, mit dem Mandat und auf den konkreten Fall bezogen auch die Frage der Bewaffnung der Drohne ZUM SCHUTZ DER TRUPPEN zu entscheiden."

So hatte schon de Maiziere argumentiert und dabei auch nicht erwähnt, dass ein Drohnenkrieg auch Nachteile hat. Er ist asymmetrisch, die Gegner werden durch das heimtückische Erschießen geradezu provoziert, unendelichen Hass gegen das kriegführende Land zu entwickeln, es werden dabei sehr viele Zivilisten umgebracht, es kommt zu Exekutionen ohne Gerichtsverfahren und was auch nicht zu unterschätzen ist, die Soldaten an sich, werden psychisch mehr geschädigt, als andere in der Truppe, die Feindkontakt haben.

Dann verwundert es doch sehr, dass hier nur von Kampfeinsätzen die Rede ist, gemeint ist aber richtiger Krieg, und zwar Angriffskrieg, denn nichts anderes sind diese militärischen Interventionen und mich wundert noch immer, dass kein Verfassungsgericht dagegen aufsteht und protestiert.

Denn auch auch die NATO, die sich nach 1989 zwar einen anderen Auftrag gegeben hat - im Sinne der Nationenbildung - für Deutschland Angriffskriege aber ausgeschlossen sind.

Ich denke, das müsste zuallererst im Bundestag diskutiert und namentlich abgestimmt werden.

Mich interessiert, wer von diesen über 600 Abgeordneten sich parteikonform verhält und wer sich direkt, offen und ehrlich gegen Angriffskriege und Drohneneinsätze positioniert.



Aus: "Von der Leyen bereit für Kampfdrohnen " Nico Fried und Christoph Hickmann, Berlin (1. Juli 2014)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/bundeswehr-von-der-leyen-bereit-fuer-kampfdrohnen-1.2026116


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[Das Zerwürfnis in der Gemeinde... ]
« Reply #559 on: July 03, 2014, 11:28:23 AM »
Quote
[...] [Das Salzburgwiki ist eine offene Plattform für das Bundesland Salzburg, die Informationen mit Salzburgbezug sammeln und der Allgemeinheit zur Verfügung stellen will. ]

SS-Todesschwadron jagte Deserteure am Böndlsee

Weil Gendarmen eine Gruppe von Wehrmachts-Deserteuren nicht fassen konnten, durchkämmten SS und Gestapo im Juli 1944 mit mehr als 1 000 Mann das Gebiet um den Böndlsee. Deserteure und Helfer wurden verhaftet, gefoltert und ermordet. Bis heute spaltet diese Geschichte den Ort.

Was sich im Zweiten Weltkrieg in der Pongauer Gemeinde Goldegg ereignet hat, ist nicht vielen bekannt. Wer davon weiß, dem sind die „Partisanen vom Böndlsee“ ein Begriff. Eigentlich handelte es sich um sechs Wehrmacht-Deserteure, die nicht für die Nazis in den Krieg ziehen oder nicht mehr an die Front zurückkehren wollten.

Der Begriff 'Partisanen' bezeichnet eine Truppe von Bewaffneten, die aktiv gegen die regulären Streitkräfte eines Regimes kämpft, indem sie zum Beispiel Versorgungstrupps überfällt. Die Goldegger Deserteure hielten sich aber lediglich versteckt, obschon sie über Waffen verfügten und mehrmals die nach ihnen suchenden Gendarmen bedrohten oder in die Flucht schlugen.

Obwohl sich die Deserteure dem NS-Regime nur etwa acht Monate lang widersetzten, wurden sie von diesem als große Bedrohung empfunden. Sie erhielten nämlich große Unterstützung von den Menschen im Ortsteil Weng. Die örtlichen Gendarmerie-Beamten schalteten schließlich die Gestapo ein.

Am Morgen des 2. Juli 1944 wurden die Bewohner von Goldegg-Weng von Schüssen und Geschrei aus dem Schlaf gerissen. Ein 1 000 Mann starkes SS-Todesschwadron sowie 60 Gestapo-Beamte durchsuchten bei der Aktion „Sturm“ den Ortsteil, der damals aus 100 Häusern bestand. Jeder Heustadl wurde mit Lanzen durchbohrt, jede Almhütte, jeder Stall, jeder Hof durchsucht.

Beim Unterdorfgut wurde der Anführer der Deserteure, Karl Rupitsch, verhaftet. Im Zuge dessen wurden zwei der unbeteiligten Bauernsöhne, Simon und Alois Hochleitner, erschossen. Tochter Elisabeth, die mit Rupitsch liiert war, wurde gefoltert und schließlich mit schweren Verletzungen ins KZ Ravensbrück deportiert. Mehr als 50 Menschen wurden verhaftet und gefoltert, viele in KZ verschleppt, 14 Menschen verloren ihr Leben.

... Historiker Mooslechner: „Das war damals eine besondere Situation: Weng war bis 1938 eine eigene Gemeinde und es gab eine Rivalität zwischen Goldegg und Weng.“ In Goldegg sei man der NSDAP zugeneigt gewesen, in Weng den Deserteuren. „Das hat nach dem Krieg zu einer Opfer-Täter-Umkehr geführt“, sagt Mooslechner. Die Partisanen seien als „Landplage“ abgestempelt worden. Sie seien „übermütig“ gewesen, hätten in Saus und Braus gelebt und zum „Hiatatanz“ geladen, während die Soldaten an der Front ihr Leben riskiert hätten. Zudem hätten die Partisanen nach ihrer Verhaftung alle ihre Helfer verraten – Geständnisse, die unter Folter zustande gekommen seien. Mooslechner: „Ich habe die Vernehmungsprotokolle gelesen – es war furchtbar.“ Wer aus dem KZ wieder nach Hause zurückkehrte, lernte deshalb, zu schweigen.

Bis heute gibt es keine Gedenktafel, die an alle Opfer erinnert. Das stört die Tochter von Karl Rupitsch, Brigitte Höfert. Sie war vier Jahre alt, als ihr Vater ermordet wurde. „Ich bin bei Zieheltern in Bischofshofen aufgewachsen. Sie haben mir ein sehr positives Vaterbild vermittelt“, erinnert sie sich, „aber erst später habe ich realisiert, wie wichtig es war, dass sich jemand gegen die Nazis aufgelehnt hat.“ Rupitsch hat sich aus dem KZ Mauthausen noch nach seiner Tochter erkundigt. Am 28. Oktober 1944 wurde er dort erhängt, „auf Befehl des Reichsführers SS“.

Auf eigene Kosten will Höfert nun eine Gedenktafel im Schloss Goldegg verlegen lassen. Am 19. Februar 2014 entscheidet die Goldegger Gemeindevertretung darüber. Doch dieser Tagesordnungspunkt scheint allerdings nicht auf.

Für die Gestaltung der Tafel konnte sie den Kapruner Bildhauer Anton Thuswaldner gewinnen. Er schlägt als Ort den Innenhof des Goldegger Schlosses vor, das der Gemeinde gehört. Unterstützt wird Brigitte Höfert vom Pongauer Historiker Michael Mooslechner. Er ist durch Zufall bei Recherchen über das Kriegsgefangenenlager „Stalag Markt Pongau“ auf die Goldegger Deserteure gestoßen.

Höfert und Mooslechner sagen, ihnen habe Bürgermeister Johann Fleißner (ÖVP) im Herbst 2013 zugesichert, das Thema in der nächsten Gemeindevertretungssitzung zu behandeln. Auf der Tagesordnung scheint der Punkt allerdings nicht auf.

Bürgermeister Fleißner verweist auf den Goldegger Kulturverein (KV): „Das ist ein Projekt des Kulturvereins. Wir brauchen eine sachliche Aufbereitung, bevor wir etwas entscheiden können.“ Der Kulturverein müsse darlegen, wie die Tafel aussehen und warum sie im Schloss verlegt werden solle. „Für mich persönlich würde eine Tafel besser am Ort des Geschehens passen“, sagt Fleißner. Er spielt damit auf den Böndlsee an. Dass dieser Ortsteil „versteckt“ sei, will Fleißner nicht gelten lassen.

Höfert würde die Gedenktafel gerne am 2. Juli 2014 enthüllen lassen, dem 70. Jahrestag des „Goldegger Sturms“. Diesen Zeitplan halte er für unrealistisch, sagt Cyriak Schwaighofer. Der grüne Landtagsklubchef ist Obmann des Kulturvereins Schloss Goldegg. „Das Projekt ist auf Schiene. Es wird am 2. Juli eine Veranstaltung geben. Aber für eine Gedenktafel braucht es eine ordentliche Vorbereitung. Der Sache ist nicht gedient, wenn es keinen breiten Konsens gibt“, betont Schwaighofer.

Offene Zustimmung kommt von SPÖ-Gemeindevertreter Martin Goller, seines Zeichens ÖGB-Regionalsekretär im Pongau: „Ich kann nicht für die Fraktion sprechen. Aber ich persönlich unterstütze das. Weil wir das, was gewesen ist, nicht vergessen dürfen.“

Die Gemeinde Goldegg, die Eigentümerin des Schlosses, fasste bis Anfang Juni 2014 keinen Beschluss für die Verlegung der privat finanzierten Gedenktafel. Dann schaltete sich die Salzburger Gebietskrankenkasse ein. GKK-Obmann Andreas Huss bot an, dem Gedenkstein auf dem Gelände des von der Krankenkasse betriebenen Regenerationszentrums in Goldegg „Asyl zu gewähren“. Die Verlegung sollte am 27. Juni über die Bühne gehen, wurde mittlerweile aber aus organisatorischen auf den 8. August 2014 anberaumt.

Bei einem Diskussionsabend Anfang Juni sagt der Goldegger Dechant Alois Dürlinger, für ihn stimme der eingeschlagene Weg nicht. Eine Tafel mit allen Namen, die die Zustimmung aller finden solle, sei für ihn „eine Illusion“. Die Ansichten der beiden Lager – Nachfahren und Angehörige der Deserteure bzw. der Kriegsteilnehmer – seien zu unterschiedlich. Eine Lösung könne in einer Gedenktafel bestehen, welche die Ereignisse zur mahnenden Erinnerung wieder gebe. An die Namen der Opfer solle dort erinnert werden, wo sie gelebt hätten.

Diese Forderung stieß unter den Anwesenden auf große Zustimmung. In mehreren Aussagen wurde deutlich, dass viele den Deserteuren die Schuld dafür geben, dass das Nazi-Regime in Goldegg mit solcher Brutalität vorging. Die Fahnenflüchtigen hätten sich lieber unauffällig verstecken sollen. Mit ihrem Verhalten hätten sie das Regime provoziert.

Klar gegen diese Ansicht stellte sich Bernhard Klettner: „Wir sollten froh sein, dass es Männer gegeben hat, die sich gewehrt haben gegen dieses System.“ Schuld am Leid der Goldegger sei der Nazi-Terror, nicht die Deserteure. Und: „Wir reden da heute über Morde, die passiert sind. Für diese Leute gibt es zum Teil keinen Grabstein. Wer von euch will ohne Grabstein beerdigt sein? Da können die Angehörigen nicht trauern“, gab Klettner zu bedenken. „Die Krankenkasse hat uns eine ordentliche Aufgabe gestellt. Es sind immer noch wir gefragt.“

...

Diese Seite wurde zuletzt am 3. Juli 2014 um 10:29 Uhr geändert.


Aus: "SS-Todesschwadron jagte Deserteure am Böndlsee" (3. Juli 2014)
Quelle: http://www.salzburg.com/wiki/index.php/SS-Todesschwadron_jagte_Deserteure_am_B%C3%B6ndlsee

-.-

Quote
[...] Salzburg - Im Pongauer Goldegg darf auch 70 Jahre nach dem Sturm einer SS-Todesschwadron auf die Verstecke einer kleinen Gruppe Wehrmachtsdeserteure nicht offiziell der Opfer der Nazi-Schergen gedacht werden. Im Zuge der SS-Aktion wurden am 2. Juli 1944 insgesamt 14 Menschen erschossen oder sind später in KZs ermordet worden.

Brigitte Höfert, Tochter des in Mauthausen ermordeten Anführers der Deserteure, wollte diesen Mittwoch, dem 70. Jahrestag der SS-Aktion, gemeinsam mit einem katholischen Priester aus Puch bei Hallein ein Gedenkgebet für ihren Vater und die anderen Nazi-Opfer beim Goldegger Friedhofskreuz abhalten. Das Ansinnen der 74-Jährigen stieß beim Goldegger Pfarrer Alois Dürlinger allerdings auf wenig Gegenliebe. Im Gegenteil: Pfarrer Dürlinger untersagte seinem Kollegen ein "liturgisches Gedenken".

Beten könne jeder, wo er wolle, sagt Dürlinger auf Anfrage des STANDARD, aber ein offizielles Gedenken würde das Zerwürfnis in der Gemeinde nur noch vertiefen.

Gemeint ist die monatelange Debatte um eine Gedenktafel für die Nazi-Opfer im Hof des Schlosses Goldegg. Die von Höfert geplante Verlegung dieser Tafel mit den Namen der 14 Ermordeten scheiterte am Widerstand von Bürgermeister Hans Fleißner (ÖVP) und des Klubchefs der Grünen Landtagsfraktion, Cyriak Schwaighofer, der auch Obmann des lokalen Kulturvereins ist.

Fleißner sprach sich für ein Denkmal weit weg vom Ortszentrum aus, Schwaighofer will vor einem Gedenkstein "einen Dialog" im Ort, um das Geschehene aufzuarbeiten. In Goldegg ist die Meinung bis heute verbreitet, die Deserteure hätten den SS-Sturm selbst heraufbeschworen und so den Ort in Gefahr gebracht. Dass der Gedenkstein trotzdem kommt, ist der Salzburger Gebietskrankenkasse zu verdanken: Der Stein bekommt "Asyl" und wird am 8. August bei einem Erholungsheim der Kasse im Ortszentrum verlegt.

Pfarrer Dürlinger wirft im STANDARD-Gespräch Brigitte Höfert vor, dass sie mit dem Gebet die umstrittene Gedenktafel "auf kurzem Weg" absegnen lassen wolle. Das sei unredlich, "für krumme Wege bin ich nicht zu haben".

Außerhalb der Goldegger Gemeindegrenzen stößt die Ablehnungsfront gegen ein Mahnmal für die Deserteure auf heftige Kritik. "Die Nazis haben ihr Ziel erreicht, sie wollten ja die Totenehrung unterbinden", sagt der Salzburger Historiker Gert Kerschbaumer. Es sei genau das Konzept der Nazi gewesen, den Ermordeten "Namen und Würde zu nehmen" und sie "in der Gruft des Vergessens zu verscharren".

Gegen dieses Vergessen werden in Salzburg seit vielen Jahren Stolpersteine für Nazi-Opfer verlegt. Am Mittwoch kamen 29 weitere Steine dazu, darunter einer für den ehemaligen Rabbiner von Salzburg,  Abraham Altmann. Damit liegen in Salzburg inzwischen 246 dieser kleinen, dezentralen Mahnmale. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 3.7.2014)

Quote
Truhe, 07/2014
Es könnte sein dass es die SS war die für den SS Sturm verantwortlich war - ist aber natürlich nur eine Vermutung, man will ja der SS nicht grundlos was unterstellen…


Quote
Corvus albus, 07/2014
Manchmal bin ich einfach sprachlos und muss im Kalender nachschauen, ob wir wirklich das Jahr 2014 schreiben.


Quote
Der Nagerkönig, 07/2014
Das Verhalten des Goldegger Pfarrers, Bürgermeisters und Obergrünen sowie nicht unerheblichen Resten der Nazibevölkerung kot*en mich an. 70 Jahre sind seit den Morden vergangen. Der Tochter zu Lebzeiten noch die Rehabilitation ihres Vaters zu verweigern ist schlicht unmenschlich. Mir graust. ...


Quote
Grammelschmalzbrot, 07/2014
die Deserteure hätten den SS-Sturm selbst heraufbeschworen und so den Ort in Gefahr gebracht.

... so einfach strikt sich der Salzburger also seine Wahrheit.

Den Ort in Gefahr gebracht, hat ja wohl das damalige Regiem und sicher nicht die paar Kriegsdienstverweigerer. Die sahen wohl die Sinnlosigkeit der Kriegsfortführung und des Blutbades, ganz im gegensatz zu der restlichen Bevölkerung die noch immer am Endsieg und einer rassisch reinen Zukunft glaubten.
Ganz so, als ob man sagen würde - die Juden waren ja selber schuld, wärns halt keine Juden gewesen, und man hat ja seine Pflicht tun müßen.
Und noch heute scheinen sich die Menschen dort nicht damit abfinden zu können, das SIE falsch lagen und die paar lästigen Querulanten die wahren Helden waren!


...


Aus: "Goldegger Pfarrer untersagt Deserteursgedenken" Thomas Neuhold (2. Juli 2014)
Quelle: http://derstandard.at/2000002600498/Die-Nazis-haben-ihr-Ziel-erreicht

ORF.news.at , Radio Salzburg vom 4. Juni 2014
Deserteurs-Gedenken spaltet Ort
http://www.bv-opfer-ns-militaerjustiz.de/uploads/Dateien/Presseberichte/ORF20140604.pdf



« Last Edit: July 03, 2014, 11:38:58 AM by Textaris(txt*bot) »

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[Bei der größten... ]
« Reply #560 on: July 10, 2014, 10:34:31 AM »
Quote
[....] Bei der größten Militäroffensive der Bundeswehr in Afghanistan hat es entgegen offiziellen Verlautbarungen offenbar zahlreiche tote und verletzte Zivilisten gegeben. Das berichtet das WDR-Magazin „Monitor“ in einer Ausgabe, die am Donnerstagabend ausgestrahlt wird. Demnach kamen bei einem Gefecht im Herbst 2010 bis zu 27 Zivilisten ums Leben. Die Bundeswehr hatte bislang beteuert, dass es bei der viertägigen Operation, mit dem Namen „Halmazag“, keine Erkenntnisse über zivile Opfer gegeben habe.

Das WDR-Magazin beruft sich auf Angaben von Zeugen, Angehörigen der Opfer und von afghanischen Regierungsbeamten. Auch ein Soldat der Bundeswehr, der bei dem Einsatz vor Ort war, hält zivile Opfer bei der Bundeswehr-Offensive für sehr wahrscheinlich.

In der “Monitor“-Ausgabe berichtet ein Lehrer, dass er während der Operation seinen Sohn verloren habe: „Eines der schweren Geschosse hat das Zimmer getroffen. Dabei kam mein Sohn ums Leben und wir wurden schwer verwundet“, sagte er. Unter den Opfern des Gefechts sind nach Aussagen der Bewohner mindestens zwei tote Kinder.

Die Bundeswehr hatte stets erklärt, dass es sowohl während als auch nach der Operation Treffen mit Dorfältesten gegeben habe. Dabei „gab es auch nach explizitem Nachfragen keine Erkenntnisse über zivile Opfer“. Laut “Monitor“ hat die Bundeswehr jedoch nicht alle Anführer befragt.  Zudem sagte einer der Anführer den Reportern, dass er die Soldaten explizit auf einen toten Zivilisten hingewiesen habe.

Die Operation „Halmazag“ gilt als erste militärische Offensiv-Operation der Bundeswehr nach dem Zweiten Weltkrieg. Bei dem viertägigen Gefecht wurden auch Artillerie, Kampfflugzeuge, Schützenpanzer und Kampfhubschrauber eingesetzt.


Aus: "Afghanistan-Operation „Halmazag“: Bundeswehr soll zivile Opfer verschwiegen haben" (10.07.2014)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/bundeswehr-soll-zivile-opfer-verschwiegen-haben-13037680.html


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[Die Rolle der Vierten Gewalt... ]
« Reply #561 on: July 21, 2014, 09:57:22 AM »
Quote
[...] Der Krieg wurde in den Medien argumentativ vorbereitet und öffentlich allerorten als Verteidigungskrieg legitimiert, ja von vielen Zeitgenossen als Ausbruch aus der bürgerlichen Enge und dem "Mammonismus" geradezu herbeigeschrieben und von gesellschaftlichen wie akademischen Eliten mit tätiger Mithilfe der Medien und der JournalistInnen begrüßt.

Die Rolle der Vierten Gewalt wurde bis auf wenige Ausnahmen durch eine patriotisch-nationalistische Parteinahme im Dienste des jeweiligen Vaterlandes aufgehoben. Die Zensur braucht oft gar nicht einzugreifen - oft wurde das im vorauseilenden Gehorsam durch die Redaktionen selbst erledigt.

... Der Erste Weltkrieg war nicht nur der erste europäische Massen- und Materialkrieg, sondern auch der erste großangelegte Versuch der Meinungslenkung und Meinungsführerschaft durch staatliche und militärische Behörden mittels Zensur, Drohung, Überredung und Public Relations.

Erst diese nationalistischen Entfesselungen der öffentlichen Meinungen, die nur mehr Sieg oder Niederlage kannten und dem Feind alle menschlichen Qualitäten absprachen, machte politischen Messianismus quer durch alle politischen Lager möglich - mit zumindest für Deutschland weitreichenden Folgen. Mit der Zeile "Never such innocence again“ endet ein Gedicht von Philip  Larkin über den Ersten Weltkrieg - das stimmt wohl ganz besonders für die öffentliche Kommunikation.


Aus: "1914 - Die Urkatastrophe der öffentlichen Kommunikation" Matthias Karmasin (21. Juli 2014)
Quelle: http://derstandard.at/2000003221461/1914-Die-Urkatastrophe-der-oeffentlichen-Kommunikation

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[Im New York Times Book Review... ]
« Reply #562 on: July 22, 2014, 01:43:47 PM »
Quote
[...] Noam Chomskys: Im New York Times Book Review, einer der meist gelesenen Publikationen der Intellektuellen in diesem Land, wurde kürzlich das Buch eines der führenden, aber nicht besonders guten amerikanischen Historiker vorgestellt. In dieser Besprechung hiess es, dass bei der Besiedlung des Kontinents mehrere Hunderttausend Indianer eliminiert wurden. Nun, da liegt er falsch, und zwar um den Faktor zehn. Es waren mehrere Millionen Indianer. „Eliminiert“ ist übrigens auch ein interessantes Wort in diesem Zusammenhang. … Aber das hier ist eine Gesellschaft der Sieger, Deutschland war eine Gesellschaft der Verlierer. Sie müssen also den Tatsachen ins Gesicht sehen. In den USA braucht man das nicht, da muss man den Tatsachen nicht ins Auge blicken. Wenn der Autor etwas schreibt, was vergleichbar ist mit einer Aussage wie der, dass mehrere Hunderttausend Juden eliminiert wurden, dann bemerkt das gar keiner. Kann man sich vorstellen, dass die “Luftwaffe” ihre Waffensysteme „Jude“ und „Zigeuner“ nennt, ist das denkbar?

Klaus Theweleit: Die Bundeswehr?

Noam Chomskys: Ich meine, kann man sich das vorstellen? Hier gibt es Apache Helikopter, Black Hawk Helikopter, Tomahawk Missiles and so weiter, das sind alles Opfer eines Völkermords. …

Klaus Theweleit: Ja. Staaten sind Mörder. Menschen werden umgebracht. Und wenn man siegreich ist, kommt man damit durch.

Noam Chomskys: Verliert man, muss sich dem stellen, was geschehen ist.


Aus: “Klaus Theweleit im Gespräch mit Noam Chomsky” (Gespräch fand am 30. April
2004 in Noam Chomskys Büro am Massachusetts Institute of Technology statt.)
http://www.taximagazin.ch/global_text2/20kt_noam_chomsky_interview.pdf

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[Dabei kam es zu verschiedenen... ]
« Reply #563 on: July 24, 2014, 11:58:30 AM »
"Operation Protective Edge"
Am 12. Juni 2014 verschwanden drei israelische Jugendliche, als sie von der Siedlung Gusch Etzion per Autostopp nach Modi’in gelangen wollten. Bei ihrem Versuch, die verschleppten Jugendlichen aufzuspüren und ihrer Entführer habhaft zu werden, führten israelische Streit- und Sicherheitskräfte zahlreiche Durchsuchungen und rund 300 Festnahmen im Westjordanland durch. Dabei kam es zu verschiedenen Zwischenfällen mit mehreren Verwundeten und schließlich auch Toten. Israelische Behörden machten Mitglieder der Hamas für die Tötung der Jugendlichen verantwortlich. Die Hamas wies jede Verantwortung zurück.  ... Beobachter gehen davon aus, dass über den vordergründigen Anlass der vier Teenagermorde hinaus das entscheidende Motiv der Hamas für die Intensivierung des Raketenbeschusses der Verlust an Einfluss und finanziellen Zuwendungen in den letzten Jahren war. ... Israels Ziel bei der folgenden Eskalation war es, den Raketenbeschuss der eigenen Zivilbevölkerung aus Gaza zu beenden. Rund 300 Geschosse waren innerhalb weniger Wochen vor Operation Protective Edge auf israelisches Gebiet abgefeuert worden. ... (8. Juli 2014)
https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Protective_Edge


Quote
[...] Auf der Liste der Todesopfer, die das Gesundheitsministerium von Gaza seit Beginn des Krieges am 8. Juli regelmäßig aktualisiert, steht nun hinter den Zahlen 555 bis 561 der Nachname Kilani. Inzwischen sind es laut Uno bereits 635 Tote, Stand Dienstagnachmittag. Vier von fünf waren Unschuldige wie die deutsch-palästinensische Familie.


Aus: "Sie hatten keine Chance" Sami al-Ajrami und Raniah Salloum, Beit Lahia und Tel Aviv (23.07.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/deutsche-familie-in-gaza-keine-chance-auf-eine-flucht-a-982596.html


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[Es ist immer wieder die gleiche Abfolge... ]
« Reply #564 on: July 28, 2014, 01:16:23 PM »
Quote
[...] Ob 2006, 2009 oder 2014: Es ist immer wieder die gleiche Abfolge von Aktion und Reaktion – militärisch, politisch, medial. Israel wird mit Raketen attackiert, ob aus dem Libanon oder dem Gazastreifen, ob von der Hisbollah oder der Hamas. Die israelische Antwort: Luftangriffe, Artilleriebeschuss und dann schließlich der Einsatz von Bodentruppen. Politisch und medial folgt auch das Echo aus Europa bisher immer dem gleichen Muster: Anfänglichem Verständnis für die Reaktion Israels folgt Kritik, die sich teilweise bis zu Empörung steigert. Recht schnell halten viele Europäer die israelischen Militäroperationen für „unverhältnismäßig“.

Die allabendlichen Fernsehbilder in den Hauptnachrichtensendungen von getöteten Zivilisten und zerstörten Wohnhäusern lassen dies verständlich erscheinen. Auch 2014 steigt von Tag zu Tag die Zahl der Opfer. Am Freitag berichtete die Weltgesundheitsorganisation von bisher fast 800 Toten im Gazastreifen – auch eine Schule der Vereinten Nationen wurde getroffen.

Zugleich stellt sich die Frage, ob das moralische Überlegenheitsgefühl, das sich angesichts solcher Opferzahlen regelmäßig in der europäischen Öffentlichkeit verbreitet, wirklich vollends gerechtfertigt ist. Denn die Europäer haben in den vergangenen Jahren zusammen mit ihren amerikanischen Verbündeten immer wieder selbst Feldzüge geführt, die mit dem Vorgehen der Israelis große Übereinstimmungen aufweisen.

Die Bundesrepublik Jugoslawien bekam im Kosovo-Konflikt 1999 die Zerstörungskraft der amerikanischen und europäischen Luftwaffen zu spüren. Aus wohlbegründeter Furcht vor hohen Verlusten in einem Bodenkrieg griff die Nato auf den strategischen Luftkrieg zurück. Im Gegensatz zum taktischen Luftkrieg, der vor allem die Streitkräfte des Gegners zum Ziel hat, handelt es sich hierbei um eine Variante der nach dem Ersten Weltkrieg vom britischen Militärtheoretiker B. H. Liddell Hart entwickelten Strategie des „indirect approach“, die den Feind an seiner schwächsten Stelle treffen will: seiner Infrastruktur. Während im Seekrieg die äußeren Versorgungswege attackiert werden, nimmt der strategische Luftkrieg die wirtschaftlichen Zentren ins Visier. Die systematische Bombardierung von Industrieanlagen und Verkehrswegen soll die Rüstungsproduktion und den Nachschub der gegnerischen Streitkräfte einschränken.

Seit dem Zweiten Weltkrieg ist diese Strategie zu einem festen Bestandteil der Kriegführung westlicher Mächte geworden. Um verlustreiche Entscheidungen auf dem Schlachtfeld zu vermeiden und den Gegner dennoch durch die Zufügung erheblicher Schäden zur Aufgabe seines politischen Willens zu bewegen, wird dessen Infrastruktur angegriffen. Im Luftkrieg gegen Japan steigerte sich dies bis zum Abwurf von zwei Atombomben. Eine Vorgehensweise, die ihre Fortsetzung in den Flächenbombardements von Korea und Vietnam fand, um schließlich in den sogenannten „chirurgischen Angriffen“ auf Brücken, Hörfunk- und Fernsehsender, Telekommunikationseinrichtungen sowie Wasser- und Elektrizitätswerke auf dem Balkan, in Afghanistan, im Irak und zuletzt in Libyen weiterentwickelt zu werden.

Die wachsende Bedeutung des Luftkrieges für die Kriegführungsfähigkeit westlicher Demokratien hat wesentlich damit zu tun, dass hier technologische Überlegenheit am stärksten ausgespielt und die Zielvorstellung einer Kriegführung ohne eigene Verluste am ehesten realisiert werden kann. Die politische Unterstützung einer militärischen Intervention ist am größten, wenn klar ist, dass es sich dabei lediglich um den Einsatz von Luftstreitkräften handelt. Es steht aber außer Frage, dass ein wesentlich aus der Luft geführter Krieg trotz des Einsatzes moderner Kampfmittel die Minimierung eigener Verluste mit einem erhöhten Risiko für die Zivilbevölkerung des bombardierten Landes begleicht.

Inwieweit neben diesen strategischen Überlegungen auch technische Fähigkeiten beziehungsweise Unfähigkeiten dafür sorgen, dass nicht wirkungsvoll zwischen Kombattanten und Non-Kombattanten unterschieden werden kann, zeigt ein Blick auf die Entwicklungsgeschichte der im Luftkrieg eingesetzten Waffen: Selbst in den „Hightech-Kriegen“ der vergangenen Jahre haben die sogenannten Präzisionswaffen eine hohe Fehlerquote aufgewiesen, meist zum Leidwesen der Zivilbevölkerung.

Nicht zuletzt daher weisen die Kampfhandlungen im Libanon und im Gazastreifen sowie die Kriege im Kosovo, in Afghanistan, im Irak und in Libyen ähnliche Charakteristika auf: Obwohl weder Israelis noch Amerikaner und Europäer gezielt zivile Ziele im engeren Sinne angreifen, fallen ihren Luftschlägen hunderte bis tausende Zivilisten zum Opfer. Bereits ein Vergleich der Kriege 1999 im Kosovo und 2006 im Libanon führt hier zahlreiche Parallelen vor Augen: Amerikanische und europäische Kampfflugzeuge setzten im Kosovo Cluster- und Splitterbomben ein, die auch viele Non-Kombattanten töteten, bombardierten versehentlich Flüchtlingstrecks und verschossen umstrittene Uranmunition. Auf serbischer Seite starben nach Angaben von Human Rights Watch und der Nato fünfhundert Zivilisten und fünftausend Soldaten. Belgrad sprach von fünftausend Zivilisten und fünfhundert Soldaten. Die Zahl der getöteten Kosovo-Albaner wurde auf etwa zweitausendfünfhundert geschätzt. Die Nato-Staaten verloren keinen Soldaten.

 Nach Angaben der libanesischen Regierung starben 2006 bereits in den ersten Kriegswochen mehr als tausend Libanesen, davon über 90 Prozent Zivilisten. Auf israelischer Seite bestätigte die Regierung im gleichen Zeitraum hundert Tote, davon rund zwei Drittel Soldaten.

Der Versuch, dem Gegner durch Bombardements den eigenen politischen Willen aufzuzwingen, löste in beiden Fällen große Flüchtlingswellen aus: Serbische Truppen intensivierten 1999 unter den Luftangriffen der Nato ihre „ethnischen Säuberungen“. Über eine Million Kosovaren flohen oder wurden vertrieben. Auch im Libanon befanden sich 2006 nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks UNHCR eine Million Libanesen auf der Flucht. Jerusalem sprach indes davon, dass 300 000 Israelis den Norden des Landes verlassen hatten, um dem Raketenbeschuss der Hisbollah zu entkommen.

Die ökonomischen wie ökologischen Schäden des strategischen Bombardements waren auf beiden Schauplätzen ebenfalls immens. Belgrad bezifferte die Kosten des Wiederaufbaus auf mehr als hundert Milliarden Dollar. Auch die Schätzungen des libanesischen Rats für Entwicklung und Wiederaufbau gingen in die Milliarden. Im Norden Israels wiederum vernichteten die Raketen der Hisbollah über eine Million Bäume und viele Quadratkilometer Felder. Die Kosten für den Wiederaufbau lagen gleichfalls im Milliardenbereich.

Doch nicht nur die Auswirkungen, auch die Logiken des Vorgehens ähneln sich: In der Bundesrepublik Jugoslawien wollten die Europäer 1999 mit Luftschlägen die Infrastruktur der serbischen Streitkräfte vernichten und damit die Vertreibung und Ermordung der Kosovo-Albaner beenden. Dies sollte deren Autonomie, aber auch die Opposition gegen das Belgrader Regime stärken. 2006 wollte Jerusalem mit einem Bombardement die militärische Infrastruktur der Hisbollah vernichten und damit deren Autonomie im Libanon beenden. Dies sollte nicht nur Israel, sondern auch den Libanon als souveränen Staat stärken.

Im Gazastreifen wiederum sollte 2009 und nun erneut die Infrastruktur der Hamas zerstört werden, um ihre militärische und politische Macht für einen möglichst langen Zeitraum zu schwächen. Denn vernichtet werden soll die Hamas nach Aussage israelischer Militärs nicht. Auch soll der Gazastreifen nicht erneut besetzt werden. Jerusalem geht es lediglich darum, den – wenn auch letztlich fragilen – Zustand wiederherzustellen, der zumindest für mehrere Monate nach der letzten Operation gegen die Hamas 2012 herrschte: Sicherheit vor Angriffen für die Bewohner Israels.

Die Europäer sind 1999 durch ihr Zurückschrecken vor einem Bodenkrieg im Kosovo beinahe militärisch gescheitert. Denn selbst die massive Ausweitung der Luftangriffe schien Belgrad über Wochen nicht zu beeindrucken. Erst nach drei Monaten begann der Rückzug der serbischen Truppen.

Mit einem solchen „Kriegsglück“, wie es der Nato damals widerfahren ist, kann Israel hingegen kaum rechnen. Seine Luftschläge treffen im Libanon und im Gazastreifen einen Gegner, der noch entschlossener und todesmutiger erscheint als Belgrad 1999. Für Jerusalem blieb daher nach wochenlangem Luftkrieg 2006 und 2009 allein eine Offensive am Boden als weitere militärische Option. Sie wurde damals wie auch jetzt erneut gewählt. Die Europäer können sich glücklich schätzen, dass sie diesen Schritt im Kosovo und auch in Libyen nicht gehen mussten, zumal sie dort nicht ihr eigenes Leben, sondern das von anderen zu schützen versuchten. Israel hat auch dieses Glück nicht. Es kämpft für seinen eigenen Schutz – in einem Konflikt, in dem die „Verhältnismäßigkeit“ der Mittel bisher ebenso selten gewahrt wurde wie auf dem Balkan, in Afghanistan, im Irak oder in Libyen.

Gemein haben all diese Schauplätze, dass sie immer stärker von einem grundlegenden Wandel des Kriegsverständnisses vor allem aufseiten der Gegner der westlichen Demokratien geprägt werden: Die Unterscheidung zwischen Kombattanten und Non-Kombattanten ist in der Ära der zwischenstaatlichen Kriege von der Mitte des 17. bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts relativ gut gelungen, weil seitens der politischen wie militärischen Führungen ein Interesse an ihrer Durchsetzung bestand, während sie im Verlauf des 20. Jahrhunderts sukzessive erodiert ist. Hierbei hat der Bedeutungsverlust des sogenannten konventionellen Krieges eine entscheidende Rolle gespielt. Wurde er zu Zeiten des Kalten Krieges vor allem durch Atomkriegsszenarien und Partisanenkriege in den Stellvertreterkonflikten zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion überlagert, so löst seit den 90er Jahren die zunehmende Globalisierung von Terrorismus und seiner Bekämpfung aufgrund politischer wie technologischer Dynamiken die Selbstbindung durch Konventionen auf.

In den asymmetrischen Kriegen des 21. Jahrhunderts geht die Maßstäblichkeit der Haager Landkriegsordnung wie der Genfer Konventionen mehr und mehr verloren. Dabei scheint es, als ob die Fähigkeit, zwischen Kriegsgewalt und Kriegsverbrechen zu differenzieren, weniger von einer Verrechtlichung des Krieges als vielmehr vom Ehrenkodex der Kombattanten abhängt. Mit den Mitteln des Kriegsvölkerrechts lässt sich offenbar nicht aufrechterhalten, was in der Sozialorganisation bewaffneter Verbände keine Grundlage hat.

Während in den klassischen Staatenkriegen die kriegsvölkerrechtlichen Bestimmungen zum Schutz der Zivilbevölkerung der Organisationsrationalität des militärischen Apparats mehr oder weniger stark entgegenkommen und entsprechend durchgesetzt werden, sind die in jüngster Zeit unternommenen Bemühungen um eine Weiterentwicklung und Differenzierung der kriegsrechtlichen Bestimmungen für die meisten der entstaatlichten Kriege folgenlos geblieben.

 Während im Ersten Weltkrieg vor 100 Jahren auf ein ziviles Opfer noch zehn getötete Soldaten kamen, hat sich das Verhältnis heute nahezu umgekehrt. Kriege scheinen damit erneut mehr und mehr zu einer Angelegenheit von Gesellschaften als Ganzem gemacht zu werden. Diese „republikanische“ Sicht eines Jean-Jacques Rousseau, die keine Privatheit und daher auch keine Non-Kombattanten kennt, erlebt in den heutigen Kriegstypen und Kampfformen eine Renaissance. Sollte sie weiter andauern, dürfte dies elementare Folgen für die Durchsetzbarkeit der Genfer Konventionen wie allgemein des Völkerrechts haben.

Der Autor lehrt am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn.


Aus: "Alles aus der Luft" Thomas Speckmann (27.07.2014)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/meinung/krieg-in-gaza-und-krieg-in-kosovo-alles-aus-der-luft/10254882.html

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[Sehen Sie wir haben nur getan... ]
« Reply #565 on: July 30, 2014, 12:36:32 PM »
Quote
[...] In den USA gilt Van Kirk als Kriegsheld. In einem Interview mit der BBC sagte er 2010, dass keiner der Crew-Mitglieder die Mission bereue. "Sehen Sie, wir haben nur getan, was wir machen mussten", so Van Kirk.

...


Aus: "Letztes Crew-Mitglied des Hiroshima-Bombers ist tot" (30. Juli 2014)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/theodore-van-kirk-letztes-besatzungsmitglied-des-hiroshima-bombers-ist-tot-1.2069308


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[Teil des Nahostkonflikts (Gaza-Konflikt 2014)... ]
« Reply #566 on: August 04, 2014, 08:37:58 PM »
Der Gaza-Konflikt 2014 (manchmal auch: Gaza-Krieg 2014) ist eine Auseinandersetzung zwischen Israel und verschiedenen militanten Palästinensergruppen im Jahre 2014 und als solcher Teil des Nahostkonflikts. Die Militäroperation der israelischen Verteidigungsstreitkräfte begann am 8. Juli 2014 als Reaktion auf anhaltenden Raketenbeschuss Israels durch die Hamas und andere militante palästinensische Gruppen aus dem Gazastreifen. ...  [Dieser Artikel beschreibt ein aktuelles Ereignis. Die Informationen können sich deshalb rasch ändern.]
http://de.wikipedia.org/wiki/Gaza-Konflikt_2014

Als Nahostkonflikt bezeichnet man den Konflikt um die Region Palästina, der dort zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwischen Juden und Arabern entstand. Er führte zu sechs Kriegen zwischen dem am 14. Mai 1948 gegründeten Staat Israel und einigen seiner Nachbarstaaten (israelisch-arabischer Konflikt) sowie zahlreichen bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern (israelisch-palästinensischer Konflikt). Der internationale Konflikt in der Region dauert bis heute an. ...
http://de.wikipedia.org/wiki/Nahostkonflikt



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[Wegen eines lauten... ]
« Reply #567 on: September 04, 2014, 01:17:53 PM »
Quote
[...]  Trier –  Streit unter Nachbarn endet tödlich: Wegen eines lauten Rasenmähers soll ein Mann in einer Kleingartenanlage in Trier seinen Nachbarn erschossen haben. Jetzt muss sich der 61-jährige Täter wegen Totschlags vor dem Landgericht Trier verantworten.

Laut Anklage hatte der Mann im März seinen Nachbarn mit mehreren laufenden Rasenmähern gestört. Daraufhin sei der 68-Jährige mit einer Holzlatte bewaffnet zum Grundstück des 61-Jährigen gegangen und habe auf die Rasenmäher eingeschlagen.

Als er mindestens einen der Mäher beschädigt hatte, habe der Angeklagte aus seiner Laube ein Kleinkalibergewehr geholt - und dem Nachbarn in die rechte Brust geschossen. Der 68-Jährige starb noch in der Anlage, die Schusswaffe hatte der Angeklagte wohl illegal in seinem Besitz.

Der Streit um lärmende Rasenmäher war nicht der erste zwischen den Männern. Mal war es ein lautes Radio, mal der Rasenmäher, mal die Kreissäge. Und man sei auch schon mal mit Steinen oder einer Mistgabel auf den anderen losgegangen, sagte der Anwalt des Angeklagten.

Für beide Grundstücksbesitzer habe ihr Schrebergarten eine besondere Bedeutung gehabt.
„Das hier war sein Leben“, sagte die Witwe des 68-Jährigen, Monika Hölzmer. An einem Zaun, nur wenige Meter vom Tatort entfernt, erinnert ein hölzernes Kreuz mit Foto an den Toten. „Ich hoffe, dass der Täter eine gerechte Strafe bekommt“, sagt die 64-Jährige.
Der Angeklagte hat nach Angaben seines Anwaltes bislang von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Das Geschehene tue ihm aber sehr leid, er habe es nicht gewollt.

Der Prozess ist bis zum 7. Oktober terminiert.

(dpa)


Aus: "Tödlicher Kleingärtnerkrieg - Mann erschießt seinen Nachbarn nach Zoff um Rasenmäher" (01.09.2014)
Quelle: http://www.express.de/panorama/toedlicher-kleingaertnerkrieg-mann-erschiesst-seinen-nachbarn-nach-zoff-um-rasenmaeher,2192,28284552.html


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[Ein Junge schreib... ]
« Reply #568 on: September 15, 2014, 11:17:54 AM »
[12. September 2014 um 09:02]: Der Bürgerkrieg in Syrien ist eine militärische Auseinandersetzung zwischen Truppen der Regierung von Präsident Baschar al-Assad und den Kämpfern verschiedener Oppositionsgruppen. Der Auslöser des Bürgerkriegs war ein friedlicher Protest im Zuge des Arabischen Frühlings Anfang 2011, der zum bewaffneten Konflikt eskaliert ist. Eine wachsende Einflussnahme von Interessengruppen aus dem Ausland gewann mit der anhaltenden Auseinandersetzung an Bedeutung und neben dem Zustrom von Geld und Waffen kämpften auch immer mehr ausländische Freiwillige und Söldner in Syrien. Die ursprüngliche Motivation der Opposition, die Demokratisierung Syriens zu erreichen, spielt seitdem nur noch eine geringe Rolle – der Kampf aus religiösen und ethnischen Gründen trat in den Vordergrund. ... Das Büro des Hochkommissars für Menschenrechte teilte mit, dass man seit der Veröffentlichung der letzten Zahlen im Juli 2013 die Todesopfer im Bürgerkrieg nicht mehr zählen würde, da eine unabhängige Überprüfung von Angaben über Todesfälle nicht möglich sei. Dennoch führte man die Zählung weiter und gab Ende August 2014 an, dass vom März 2011 bis April 2014 191.396 Menschen getötet wurden. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerkrieg_in_Syrien

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Quote
[...] Ein Junge schreibt: "Das Volk will den Sturz des Regimes." Sie werden erwischt, festgenommen, geschlagen und gefoltert. Dem Jungen werden die Fingernägel herausgerissen. Seine Eltern verlangen die Freilassung ihres Sohnes. Der zuständige Offizier antwortet ihnen: "Vergesst es. Macht ein neues Kind. Wenn ihr das nicht könnt, schafft eure Frauen hierher, wir helfen euch."

Dreieinhalb Jahre liegt es zurück, dass die Menschen in Daraa gegen dieses Vorgehen der Sicherheitskräfte aufbegehren. Die eröffnen das Feuer auf die Demonstranten und töten mehrere von ihnen. Die Proteste greifen auf andere Städte über, bald erschüttert ein Bürgerkrieg das gesamte Land, der bis heute andauert.

Der syrische Filmemacher Oussama Mohammad beginnt seinen Dokumentarfilm "Selbstporträt Syrien" mit der Geschichte dieses einen Jungen. Mohammad zeichnet die Entwicklung Syriens in den vergangenen drei Jahren in wackeligen, unscharfen Bildern mit oft schlechtem oder fehlendem Ton neunzig Minuten lang nach; mit Handykameras aufgenommene Videos, die Mohammad auf YouTube gefunden hat. Er benutzt das unbearbeitete Amateurmaterial und schafft damit ein authentisches und eindrückliches Werk, das in Erinnerung ruft, dass die Lage in Syrien nicht erst seit dem Auftreten der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) furchtbar ist. Es handele sich um "1001 Bilder" von "1001 Syrerinnen und Syrern", sagt Mohammad.

Zunächst sieht man noch friedliche Proteste. "Freiheit, Freiheit!" rufen die Demonstranten, "Gegen Unrecht, gegen Tyrannei!" oder "Lasst unsere Kinder frei!" Dann fallen Schüsse, immer mehr leblose Körper liegen auf den Straßen, immer mehr Blut fließt. Dazwischen Bilder von Folter: Soldaten, die junge Männer schlagen, treten, sich von ihnen die Stiefel küssen lassen, ihnen einen Stock in den Anus rammen. Trauerzüge, schreiende, weinende Menschen, später immer mehr tote Kinder, in Daraa, Homs, Damaskus, überall. Selbst die Katzen in Syrien sind fast alle vom Krieg gezeichnet, mal fehlt ihnen ein Bein, mal sogar der halbe Schädel. Die Menschen filmen all das und stellen es ins Netz.

Und all das baut Mohammad in seinen Film ein, dessen roter Faden ein virtuell geführter Dialog zwischen ihm und der kurdischen Filmemacherin Wiam Simav Bedirxan ist. Sie unterhalten sich über ihr geliebtes Syrien und was daraus geworden ist, er aus seinem Pariser Exil, sie in ihrer Heimatstadt Homs, unterwegs mit einer Kamera zwischen Ruinen in menschenleeren Häuserschluchten, Leichen auf den Straßen. Homs sieht aus, als hätte es Trümmersteine geregnet.

Mohammad, der Macher des Films, ist am 9. Mai 2011, drei Monate nach den Ereignissen in Daraa, nach Frankreich geflüchtet, zunächst nach Cannes. Dort, bei den Filmfestspielen, berichtete er ohne Film, aber mit den schrecklichen Bildern im Kopf, was in seinem Land geschah, und kritisierte das Regime von Baschar al-Assad. Trotz allem vermisste er Syrien, sehnte sich nach seiner Heimat und schaute sich aus der europäischen Ferne YouTube-Videos an, die Syrer ständig hochluden. So entstand die Idee zum "Selbstporträt Syrien".

Der Film ist in Teilen poetisch, oft grausam, meist tieftraurig und angenehm frei von Ich-war-vor-Ort-und-der-Gefahr-so-nah-Heldentum - ein leises, eindrückliches Zeugnis, das den Zuschauer manchmal zu wenig an die Hand nimmt, Ereignisse nicht einordnet. Man merkt dem Film die Liebe Mohammads für Syrien an - und dass er offensichtlich unterschätzt, wie wenig andere Menschen sich für Syrien und das Schicksal der Syrer interessieren. Manches - wie zum Beispiel die Bedeutung von Daraa als Ausgangspunkt des Konflikts - bleibt daher unerklärt.

Dennoch geht der Film nah, zum Beispiel das Schicksal des Jungen Omar, vielleicht sechs oder sieben Jahre alt. Sein Vater kam im Bürgerkrieg um. Die Kamera folgt ihm zum Grab, dort spielt er einen Dialog mit seinem Vater nach. Schwer zu ertragende Bilder. Und doch müssten viel mehr Menschen hinsehen, um zu verstehen.

"Geht es dir gut Papa?", fragt Omar. Er antwortet sich selbst mit verstellter Stimme: "Sehr gut, mein Kleiner." "Was hast du zu essen, Papa? Tomaten?" "Ja." Dann legt er Blumen auf das Grab.

Später spaziert Omar mit seiner Mutter durch das zerstörte Homs, die Füße in Plastiksandalen, im Arm ein Spielzeuggewehr. "Wo sollen wir lang gehen?", fragt er seine Mutter. "Egal, wo du willst." Er zeigt nach vorne und sagt: "In dieser Richtung ist ein Heckenschütze." Dann biegt er nach rechts ab. Der Film ist diesem kleinen Jungen gewidmet.



Aus: "Arte-Film über Syrien: 1001 Bilder des Horrors" Hasnain Kazim (15.09.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/tv/syrien-doku-ueber-folter-und-zerstoerung-aus-youtube-material-a-990996.html


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[Der Häuptling ist... ]
« Reply #569 on: September 24, 2014, 11:55:13 AM »
Quote
h.yuren 23.09.2014 | 21:55

... seit der sesshaftwerdung der menschen bilden sich strukturen heraus, die es vorher allenfalls ansatzweise gab. der häuptling ist der vorläufer aller führer und spitzenleute heute. vom haudegen vor 10 000 jahren zum oberkommandierenden ist erdgeschichtlich nur ein kleiner schritt. angetreten das gegeneinander zu fördern und zu bewaffnen, sind beide.

was bei sehr vielen tieren zu beobachten ist, die strenge rangordnung, wurde in der menschlichen gesellschaft, speziell bei banden und militärs, vorbildlich gepflegt, sodass diese militärische befehlsordnung von treppchen zu treppchen, von rangabzeichen zu rangabzeichen in den alltag übergegangen ist. die hierarchen ohne wirkliche legitimation, die alpha-affen, haben nur eine beschäftigung, machtkämpfe. dabei spielen waffen natürlich eine eminent wichtige rolle, waffen aller art.

zur kennzeichnung dieser entwicklung vom ursprünglichen familienverband zur staatlichen ordnung ist REBESTIALISIERUNG angemessen.

die in den strukturen verfestigte gewalt ist blind.

...


Kommentar zu: "Wie wirken Waffen auf unser Gehirn?" von Sönke Paulsen (21.09.2014)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/soenke-paulsen/wie-wirken-waffen-auf-unser-gehirn