Author Topic: [Versprengte Notizen zum Krieg... ]  (Read 340010 times)

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[Versprengte Notizen zum Krieg... ]
« on: July 12, 2006, 01:04:52 PM »
„Als nächstes wird der Staatsmann billige Lügen erfinden, die die Schuld der angegriffenen Nation zuschieben, und jeder Mensch wird glücklich sein über diese Täuschungen, die das Gewissen beruhigen. Er wird sie eingehend studieren und sich weigern, Argumente der anderen Seite zu prüfen. So wird er sich Schritt für Schritt selbst davon überzeugen, dass der Krieg gerecht ist und Gott dafür danken, dass er nach diesem Prozess grotesker Selbsttäuschung besser schlafen kann.“ Mark Twain – ‚Der geheimnisvolle Fremde‘

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Quote
[...] Die große Illusion ist ein französischer Spielfilm von Jean Renoir aus dem Jahr 1937. [...] Weder die deutsche noch die französische Zensur konnte mit Renoirs Meisterwerk etwas anfangen: In Frankreich wurde er wegen Deutsch-Freundlichkeit, in Deutschland wegen Deutsch-Feindlichkeit zensiert.

...



Aus: "Die große Illusion" (25. Juni 2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Die_gro%C3%9Fe_Illusion

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Ingi Ragnar Ingason, isländischer Filmemacher und Wikileaks-Mitarbeiter: »Manchmal ist es schon frustrierend. Wir präsentieren das größte Archiv an Militärgeheimnissen aller Zeiten, und die erste Frage, die mir Leute stellen ist: Warum hat sich Julian die Haare gefärbt?


Quelle: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/34931 (2010)



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Quote
[...] Die Logik des Krieges, der Zwang zur Parteinahme führt zu Simplifizierung und Verfälschung.



Aus: "Der Krieg zerstört die Seele, die Sprache und die Wahrheit"
Eva Leipprand (literaturkritik.de » Nr. 6, Juni 1999 (1. Jahrgang))

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Quote
[...] ZEIT: Wieso konnte sich die Legende von der sauberen Wehrmacht so lange halten?

Wette: Mehr als 18 Millionen Menschen haben diese Armee durchlaufen, der Großteil von ihnen hat den Ostfeldzug mitgemacht. Damit waren so gut wie alle deutschen Familien von dieser Geschichte betroffen. Und was in den Familien geschieht, ist oft entscheidend für die kollektive Erinnerung. Über Jahre und Jahrzehnte wurde beschwiegen, beschönigt und geleugnet. Der Widerstand gegen die Wahrheit war gewaltig.

...


Aus: "Zähe Legenden" Von Christian Staas (6.6.2011, DIE ZEIT, 1.6.2011 Nr. 23)
Ein Gespräch mit dem Historiker Wolfram Wette
Quelle: http://www.zeit.de/2011/23/Zweiter-Weltkrieg-Sowjetunion/seite-2


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Quote
[...] Once the mantra was make love not war, now the mood is make porn and war.


From: "notes from somewhere bizarre" (March 10, 2007)
Source: http://www.ashleyb.org/archives/001019.html

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This is a list of countries by military expenditures. ...
http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_military_expenditures

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[...] "Derjenige, der zum erstenmal an Stelle eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."  (Sigmund Freud)


http://de.wikiquote.org/wiki/Zivilisation

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[…] “When an event occurs, ask yourself the questions: Who do I identify with? What about them makes me identify with them? - For bonus points, try for a few moments to put yourself in the other side’s shoes“…


From: “Empathy In Politics (Pop Occulture Blog; July 22nd, 2006)”
Source: http://www.timboucher.com/journal/2006/07/22/empathy-in-politics/

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Quote
[...] Das Wort „Krieg“ bedeutet ursprünglich „Hartnäckigkeit“, „Anstrengung“, „Streit“. Das Verb „kriegen“ heißt einerseits „Krieg führen“, andererseits „bekommen, erhalten“: Dies kann Herkunft und Charakter dieser kollektiven Gewaltanwendung anzeigen. Auch wo andere Kriegsanlässe im Vordergrund stehen, fehlt selten ein ökonomischer Hintergrund. In der Sanskrit-Sprache bedeutet Krieg „Wunsch nach mehr Kühen“.

...


Aus: "Krieg" (Stand 05/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Krieg

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Quote
[...] Jung übernahm zwar aus der Psychoanalyse die Begriffe Bewusstsein und Unbewusstes, differenzierte aber letzteres in ein persönliches Unbewusstes und das kollektive Unbewusste. Das kollektive Unbewusste postuliert Jung als Lagerstätte des psychischen Erbes der Menschheitsgeschichte, welches sich, ähnlich wie der biologische Körper, durch die Evolution hindurch entwickelt habe und von verschiedenen Erfahrungen geprägt worden sei. Alles, was irgendwann einmal von der individuellen Psyche eines Menschen ausgedrückt wurde, werde zu einem Bestandteil der psychischen Grundkonstitution eines Menschen – und ebenso auf einer kollektiven Ebene zu einem Bestandteil der ganzen Gattung und damit zu einem Bestandteil des kollektiven Unbewussten.


Aus: "Kollektives Unbewusstes" (05/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kollektives_Unbewusstes

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Quote
[...] Mentalitätsgeschichte ist der Versuch von Historikern, die Mentalitäten, d.h. die Einstellungen, Gedanken und Gefühle der Menschen einer Epoche, darzustellen und zu erklären.

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Aus: "Mentalitätsgeschichte" (05/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Mentalit%C3%A4tsgeschichte

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Quote
[...] Das Primat des Militärs und der Kodex des Adels waren, eine Folge der Reichseinigung durch die Bismarckschen Kriege, bestimmend für die Mentalität des Bürgertums, prägend für sein Selbstverständnis: der saubere Stammbaum, der Reserveleutnant, „der Mensch fängt erst beim Leutnant an, is nicht so?“, die schlagenden Verbindungen, die knappe Befehlssprache. Aus gutem Haus, hieß nicht nur gut situiert, sondern auch, aus nicht-jüdischem Haus zu sein. Pflicht, Gehorsam, Tapferkeit. Das Militärische prägte die Verhaltens- und Umgangsformen und es war auch auf eine fatale Weise für die Außenpolitik bestimmend. Das Militärische formierte die Gesellschaft, formte die Mentalität, bis in die Sprechweise hinein. Eine Sache um ihrer selbst Willen tun, Pflicht, Befehl und Gehorsam, Disziplin: Tugenden des Militärs, die tief in das zivile Leben eingedrungen waren und noch weit über das Kaiserreich hinaus bis in die Weimarer Republik hinein wirkten. Sie schlossen demokratische Tugenden wie Kritik, Selbstkritik oder gar zivilen Ungehorsam aus und führten dann letztlich auch dazu, dass die Republik von innen zerstört wurde.

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Aus: "Strammgestanden für den freien Markt" Von Uwe Timm (30.01.2012)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/kultur/gesellschaft-und-gerechtigkeit-strammgestanden-fuer-den-freien-markt/6121446.html

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Quote
... So schrieb beispielsweise Bertha von Suttner Ende des 19. Jahrhunderts in ihrem Roman Die Waffen nieder:

    „Ich habe es zu spät erkannt, dass der Schlachteneifer nichts Übermenschliches, sondern Untermenschliches ist, keine mystische Offenbarung, sondern eine Reminiszenz aus dem Reich der Tierheit, ein Wiedererwachen der Bestialität.

...

http://de.wikipedia.org/wiki/Reminiszenz (11. Februar 2013)

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Quote
[...] Hier nur ein kurzer Ausschnitt aus Händler und Helden von Werner Sombart. Ich entnehme alle Zitate meinem Buch Das gestörte Weltbild.

(9.2) Weil aber im Kriege erst alle Tugenden, die der Militarismus hoch bewertet, zur vollen Entfaltung
kommen, weil erst im Kriege sich wahres Heldentum betätigt, für dessen Verwirklichung
auf Erden der Militarismus Sorge trägt: darum erscheint uns, die wir vom Militarismus
erfüllt sind, der Krieg selbst als ein Heiliges, als das Heiligste auf Erden. Und diese Hochbewertung
des Krieges selber macht dann wiederum einen wesentlichen Bestandteil des militaristischen
Geistes aus. Nichts wird uns so sehr von allen Händlern verdacht, als dass wir den
Krieg als heilig halten.
Sie sagen: der Krieg sei unmenschlich, er sei sinnlos. Das Hinschlachten der Besten eines
Volkes sei viehisch. So muss es dem Händler erscheinen, der nichts Höheres auf Erden kennt
als das einzelne, natürliche Menschenleben. Wir aber wissen, dass es ein höheres Leben gibt:
das Leben des Volkes, das Leben des Staates. Und wir wissen darum mit tiefstem Weh im
Herzen, dass das Einzelleben bestimmt ist, sich für das höhere Leben zu opfern, wenn dieses
bedroht ist. Mit diesem Glauben, freilich nur mit ihm, gewinnt das schmerzensvolle Sterben
der Tausende Sinn und Bedeutung. Im Heldentod findet die heldische Lebensauffassung ihre
höchste Weihe. (88f.)

... Der Autor, Werner Sombart [http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Sombart] , ein Volkswirtschaftler von Rang, Professor in Breslau, dann in Berlin, hat eine Reihe von weltanschaulichen Schriften geschrieben, durch die er zu einem Wegbereiter des Nationalsozialismus wurde.

...


Aus: "Der innere Feind - Ein Vergleich zwischen französischer und deutscher Kriegspropaganda"
Von DIETER JUST (2011)
Quelle: http://www.d-just.de/text18.pdf


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Quote
[...] Es ist ein bedrückender Befund, dass unbescholtene Bürger zu Verbrechern werden können. Denn die Taten - gerade in der Zeit des Nationalsozialismus - waren so anormal, dass bis heute die Frage bleibt, wie das alles geschehen konnte. Dem geht Harald Welzer in seinem Buch "Täter" nach - es untersucht die Sozialpsychologie des Massenmords. Für alle Täter, so Welzer, existiert der Wunsch als moralisch handelnde Person angesehen zu werden. Ihnen geht es darum, die mörderische Aufgabe von der eigenen Moral zu trennen: "Es war eben Krieg" oder "Es war ein Befehl".

Töten von Menschen war im Dritten Reich akzeptiert, die Täter handelten in Übereinstimmung mit wissenschaftlicher Lehrmeinung, militärischer Pflichtauffassung und Ehrenkodex. Ein Mechanismus auf dem Weg zum Völkermord ist das Ausgrenzen von Personengruppen. Im sozialen Gefüge muss nur eine einzige Koordinate - die der sozialen Zugehörigkeit - verschoben werden, um das Ganze zu verändern.

Die Massenmorde in Vietnam, Ruanda und Ex-Jugoslawien sind auch ethnisch begründet. 1968 töten amerikanische Soldaten in My Lai nicht nur 504 wehrlose, unbewaffnete Vietnamesen, sondern schlachten zudem deren Vieh und brennen die Häuser nieder. Es gibt weder Befehl noch Grund all diese Menschen zu ermorden, von ihnen geht keine Gefahr aus. Zwischen April und Juni 1994 wurden in Ruanda bis zu 800.000 Menschen umgebracht. Es war ein geplanter, administrativ organisierter und höchst effizienter Massenmord mit zuvor angelegten Opfer-Listen und systematischer Bewaffnung der Bevölkerung. Die Tötungsarbeit war geregelt, strukturiert, wie eine x-beliebige Arbeit.

Srebenica 1995: Der Massenmord der Serben an rund 7000 Muslimen mitten in Europa zeigt, welche Bereitschaft selbst in modernen Gesellschaften besteht, sich für das Töten zu entscheiden. Die ausgeübte Gewalt übernimmt für die Täter strukturierende Funktionen. Sie schafft Ordnung. Alles ist möglich, und es gibt keine Grenze für menschliches Handeln, so Harald Welzers Fazit. Es gibt keinen Massenmord, der nicht seine Täter fände.

...

Aus: "Die Trennung von Mord und Moral" (3sat.de; 01.09.2005)
Quelle: http://www.3sat.de/kulturzeit/lesezeit/82894/index.html

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[...] Der Wiener Polizeisekretär Walter Mattner war im Oktober 1941 dabei, als in Mogiljow in Weißrussland 2273 Juden erschossen wurden. Hinterher schrieb er an seine Frau: "Bei den ersten Wagen hat mir etwas die Hand gezittert. Beim zehnten Wagen zielte ich schon ruhig und schoss sicher auf die vielen Frauen, Kinder und Säuglinge. Eingedenk dessen, dass ich auch zwei Säuglinge daheim habe, mit denen es diese Horden genauso, wenn nicht zehnmal ärger machen würden." ....


Aus: ""Ich zielte ruhig auf die Säuglinge"" (10.3.2008)
Quelle: http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/1564/_ich_zielte_ruhig_auf_die_saeuglinge.html


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[...] Im Christentum und in anderen Religionen ist Nächstenliebe eine religiöse Pflicht. Diese Seite ist sehr ambivalent, da auch im Namen der Religion vermeintlich „gerechte Kriege“ geführt wurden bzw. werden.

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Aus: "Menschlichkeit" (31. August 2009)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Humanit%C3%A4t


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[...] Thomas Mann 1952 zum zehnten Todestags von Stefan Zweig über dessen Pazifismus: „Es gab Zeiten, wo sein radikaler, sein unbedingter Pazifismus mich gequält hat. Er schien bereit, die Herrschaft des Bösen zuzulassen, wenn nur das ihm über alles Verhaßte, der Krieg, dadurch vermieden wurde. Das Problem ist unlösbar. Aber seitdem wir erfahren haben, wie auch ein guter Krieg nichts als Böses zeitigt, denke ich anders über seine Haltung von damals – oder versuche doch, anders darüber zu denken.“

...


Aus:
# Stefan Zweig
# Herausgeber: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
# Autor(en): Wikipedia-Autoren, siehe Versionsgeschichte
# Datum der letzten Bearbeitung: 8. November 2009, 13:39 UTC
# Versions-ID der Seite: 66559776
# Permanentlink: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Stefan_Zweig&oldid=66559776
# Datum des Abrufs: 9. November 2009, 10:41 UTC


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Suchmaschienen Fraktaltexte:

[...] Kriegslust. Möchten Sie gerne freiwillig sterben? Was heute wie Schwachsinn klingt, war in gar nicht so ferner Vergangenheit normal...

[...] Die Kriegslust war ein Imperium-Klasse Sternzerstörer aus Großadmiral Thrawns Persönlicher Armada unter dem Kommando von Captain Aban...

[...] Kriegslust um 24% gesunken Frieden in Nahost - eine Illusion?...

[...] Kriegslust 2. Eine gewagte These, aber möglicherweise nicht zu widerlegen: Kriege entstehen, weil die jeweils jüngere Generation vergisst, was ein Krieg für...

[...] Die Kriegslust des Stammes. Lange Zeit war es ruhig um Jorgmundr Thorgildsen, doch es regt sich erneut Aufruhr im Nordland und der Stamm der...

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[...] "Mord, Brandstiftung und andere Kriegsgreul", so Sallust, sollten Rom heimsuchen. Der Kopf der Verschwörer...

[...] Kriegsgreul und Naturkatastrophen gehören zur alltäglichen Bild- und Zeitungsinformation, die mit neugieriger Anteilnahme aufgenommen wird...

[...] Auch wenn es sich angesichts der Kriegsgreul, Vertreibungen und NATO-Bomben wie eine...

[...] wenn einen die gemeinsame flucht und die kriegsgreul nicht zu brüder macht, was dann...

[...] Jeder versuchte das Kriegsgreul zu verdrängen und widmete sich mit Herz und...

[...] und hinterließen ihre geistigen Narben in der Psyche der Massen...

[...] Kriegsgreul 1914. Die umstrittene Wahrheit...

[...] einfach aufhören den deutschen kindern einzureden, sie hätten irgendetwas mit den irgendwelchen uralten kriegsgreul zu tun...

[...] sowie die meist ebenso nur medial vermittelten Kriegsgreul...

[...] dass die norwegischen Journalisten, die die Bilder auftun, nicht die Perspektive der romantisierenden Kehrseite der Kriegsgreul...

[...] die Kriegsgreul bekehren ihn zum Kriegsgegner Übersiedlung der Familie nach Langebrück bei Dresden 1917...

[...] Hegel hat übrigens einerseits die Kriegsgreul selbst erlebt und hat andererseits die zu seiner Zeit fortschrittlichen Wirkungen der napoleoninischen Kriege...

[...] Pseudo-dokumentarische, schwer verdauliche Schilderung tatsächlicher Kriegsgreul in japanischen Konzentrazionslagern...

[....] Da heißt es in der letzten Strophe des Sonetts nach der Schilderung der Kriegsgreul mit geschändeten Jungfrauen und einem von Leichen verstopften Fluss...

[...] der Haager Gerichtshof macht Slobodan Milosevic direkt für Kriegsgreul und Verbrechen gegen die...

[...] Deutschland 1629, Kriegsgreul, Hunger und Seuchen entvölkern Städte und Dörfer. Doch nicht Gott kann an diesem Elend schuld sein...

[...] Ob lustige oder traurige Soldaten, Kriegsgreul oder Casinospaß...

[...] in der Poesie des Heldentodes schwärmten und infolge zu schwacher Phantasie unvermögend waren, sich die wirklichen Kriegsgreul vor die Seele zu stellen...

[...] Wobei die Abscheu der Gewalt in Computerspielen von der Journalistin besser beschrieben wurde als ich es je in einem Artikel über Kriegsgreul gelesen habe...

[...] die "normalen" Kriegsgreul als "Begleiterscheinung" einer unvermeidlichen Ausnahmesituation zu behandeln in der gute Familienväter...

[...] Neben Kriegsgreul, dem titelgebenden Nachrichtenverschlüsseln und Errektionsmathematik bekommt der Leser auch noch Einblick in das harte Geschäft heutiger...

[...] Wie wäre es mal mit Kriegsgreul der Wehrmacht? Auch sehr interessant! Nicht nur immer auf die eine Seite schießen , sondern beide betrachten!...

[...] Mit all dem Gesagten will ich weder die Kriegsgreul , egal auf welcher Seite , rechtfertigen , oder entschuldigen - es lag mir vielmehr daran , den quasi...

« Last Edit: July 31, 2018, 04:05:37 PM by Textaris(txt*bot) »

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[... ]
« Reply #1 on: July 12, 2006, 01:31:36 PM »
Quote
[...] Alexander Kluge [hat 100 Geschichten über den 30. April 1945 geschrieben ...]: Ich bin nicht fasziniert. Ich bin ein Anti-Militarist. Ich bin schutzgeimpft gegen Kriegsbegeisterung. Ich habe, was Freud beschreibt, nicht nur eine moralische Abwehr gegen den Krieg, sondern eine Allergie gegen Krieg. Eine Haut wehrt sich. Aber wer die Massaker nicht erinnert, pflegt sie. Das ist ein Satz von Ernst Jünger. Wer sich für den Krieg nicht interessiert, den bringt er um. Der Krieg ist eine Chimäre. Er nimmt alle möglichen Gestalten an. Es ist eine Illusion, wenn wir glauben, in Deutschland sicher zu sein. Die Welt ist ja nicht sicher. ...


Aus: "Alexander Kluge über den 30. April 1945: Das unheimliche Vakuum" Peter Laudenbach (02.06.2014)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/kultur/alexander-kluge-ueber-den-30-april-1945-das-unheimliche-vakuum/9976068.html

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[...] Diese Zuwendung entsteht aus der Kriegssituation mit ihrer Brutalität heraus

[...] Die in der Kriegssituation freigesetzten Ressourcen ermöglichten

[...] weil die Psyche in dieser konkreten Kriegssituation und unter dem , was die Soldaten täglich sehen müssen

[...] eine Kriegssituation garnicht vorstellen können. ...Das erstaunt auch nicht , dass die Psyche der ganzen Soldaten am Rande des...

[...] ich meine die komplette kriegssituation mit dem ganzen elend...

[...] der mensch hebt sein menschsein in einer kriegssituation vollkommen auf

[...] ganz guten Einblick in die menschliche Psyche während eines Krieges

[...] angesichts der Kriegssituation im Land zu erschießen. ... Gewalt bewirkt eine tiefe traumatische Schädigung

[...] sondern vielmehr die Kriegssituation als solche.

[...] Der Begriff der ' Psyche ' bildete dagegen keine Kategorie der mechanistischen Wissenschaft

[...] Hinzu kommen direkt aus der Kriegssituation resultierende Formen der...

[...] kann man von einem Menschen in einer Kriegssituation wirklich erwarten...

[...] mißhandelt zu werden, als in einer Kriegssituation von fremden Menschen

[...] Menschen wurde in Kriegszeiten gezielt dazu...

[...] um die moralischen Probleme in einer Kriegssituation darzustellen

[...] Ich hatte den Eindruck, dass er die inneren Bilder der Kriegssituation

[...] Mit seltener Deutlichkeit wird die Kriegssituation gezeigt

[...] Botschaft der Kriegssituation lautete: Nimm dich nicht so wichtig!

[...] Die Kriegssituation erzwang eine einzigartige...

[...] der Kriegssituation entsprechenden Maßnahmen ergreifen zu können und in der...

[...] Viele können aus der Kriegssituation selbst ihren ökonomischen Nutzen ziehen

[...] Das Absolute an der Kriegssituation ist...

[...] wünschte seine neue Kriegstechnologie in einer echten Kriegssituation zu erproben

[...] vornehmlich Bereiche, die der Kriegssituation Rechnung trugen

[...] [in dieser] Phase der Ausbildung wurden wir regelrecht in eine Kriegssituation getrieben. ...Aber meine Psyche war gestört. Ich hatte jede Nacht denselben Alptraum.

[...] Neurotiker ginge nicht von der eigentlichen Kriegssituation aus...

[...] bereits in der eigentlichen Kriegssituation befindet, wird die beim Jugendlichen...

[...] Wer genügend über die Psyche eines Menschen zu wissen glaubt...

[...] Seine Psyche ist durch die Therapie bei Dr. Rivers wieder hergestellt.

[...] Krieg und ein festes Feindbild

[...] wenn Menschen sich an eine Kriegssituation gewöhnen
« Last Edit: June 16, 2014, 10:20:52 AM by Textaris(txt*bot) »

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[The Killing Fields... ]
« Reply #2 on: July 21, 2006, 12:08:09 PM »
Quote
[...] Als Killing Fields sind die Felder des kambodschanischen Ortes Choeung Ek, in der Nähe von Phnom Penh, bekannt, auf denen bis zu 17.000 Menschen umgebracht wurden.

Seitdem gelten die Killing Fields als ein Synonym für den beispiellosen Massenmord der Roten Khmer an der eigenen Bevölkerung in der Zeit von 1975 bis 1979. Besonders einprägend dabei sind die Bilder tausender Totenschädel und anderer menschlicher Überreste, welche die Felder Kambodschas übersäten.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Killing_Fields (07/2006)

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[...] Der US-amerikanische Krieg gegen Vietnam war auch für das benachbarte Kambodscha verheerend. Nach den jahrelangen Flächenbombardements durch die US-Armee, der Militärdiktatur und dem Guerillakrieg übernahmen am 17. April 1975 die Roten Khmer die Macht. Vier Jahre dauerte ihr Terrorregime. Auch Dith Pran litt unter Zwangsarbeit und Hunger und wurde Zeuge des wahllosen Tötens der Roten Khmer. Im Jahr 1979 gelang ihm die Flucht. Anders als zwei Millionen Kambodschaner überlebte Dith Pran die »Killing Fields«.

Wie werden Sie den 17. April 2005, den 30. Jahrestag des Beginns der Herrschaft der Roten Khmer, verbringen?

Der 17. April ist ein Sonntag. Das ist für mich als Journalist ein ganz normaler Arbeitstag. Ich möchte mein Leben nicht mehr an den Geschehnissen ausrichten. Das bedeutet natürlich nicht im Geringsten, dass sie mir gleichgültig sind. Zwei Millionen Menschen wurden umgebracht. Diese Menschen, die unglaublich gelitten haben und schließlich getötet wurden, brauchen Gerechtigkeit. Das muss der Welt gesagt werden. So etwas darf nie wieder geschehen. Nicht in Kambodscha und nirgends auf der Welt. Man muss auch zukünftigen Generationen vermitteln, dass es zu jeder Zeit Formen des Genozids geben kann.

Inwiefern dient das Dith Pran Holocaust Awareness Project dazu, Ihre Erfahrungen und Ihr Wissen zu verbreiten?

Ich halte Vorträge an Schulen und Universitäten. Ich versuche, Schülern und Studenten die Schreckensherrschaft der Roten Khmer zu erläutern. Meine Geschichte stößt auf großes Interesse. Ich beginne immer mit dem Film »Killing Fields«. Wenn die Leute den Film gesehen haben, ergeben sich die Fragen von selbst.


Aus: "Meine Generation ist verschwunden" - Dith Pran ebt heute in den USA, arbeitet als Journalist für die New York Times und leitet das Dith Pran Holocaust Awareness Project. Mit ihm sprach Markus Ströhlein (jungle-world.com; Nummer 15 vom 13. April 2005)
Quelle: http://www.jungle-world.com/seiten/2005/15/5299.php

« Last Edit: June 20, 2007, 03:14:42 PM by Textaris(txt*bot) »

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[55 bis 60 Millionen Menschenleben... ]
« Reply #3 on: July 27, 2006, 11:32:36 AM »
Quote
[...] Der Zweite Weltkrieg war der größte und blutigste Konflikt in der Menschheitsgeschichte. Er begann in Europa am 1. September 1939 mit dem deutschen Angriff auf Polen ohne vorherige Kriegserklärung des Deutschen Reiches und im Pazifik bzw. in Asien mit dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941, wobei man manchmal auch den Ausbruch des Zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs am 7. Juli 1937 als Beginn in Asien annimmt. Beendet wurde er in Europa am 8. Mai 1945 und in Asien mit der Unterzeichnung der Kapitulation Japans am 2. September 1945.

[...] Der Zweite Weltkrieg forderte ca. 55 bis 60 Millionen Menschenleben. Er war durch eine starke rassistische Ideologisierung geprägt, die zu zahlreichen Kriegsverbrechen und gewaltsamen, zumeist systematischen Übergriffen auf die Zivilbevölkerung führte. Dass die Zivilbevölkerung im Vergleich zum Ersten Weltkrieg noch stärker von den Kampfhandlungen direkt betroffen war, lag außerdem an der verstärkten Entwicklung der Rüstungsindustrie. Sie ermöglichte nicht zuletzt die großflächige Bombardierung ganzer Wohngebiete in Europa und Asien.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Weltkrieg (07/2006)

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Quote
[...] Eichmann, Barbie, Mengele – viele der führenden Nazis kamen nach dem Krieg in Argentinien unter. Auch SS-Hauptsturmführer Erich Priebke, unter anderem verantwortlich für die Hinrichtung von 335 Zivilisten in den Ardeatinischen Höhlen Italiens im März 1944, fand mit seiner Familie hier Zuflucht – ausgestattet mit falschen Papieren, für die der Heilige Stuhl in Rom gesorgt hatte. Das Anwesen, das sich die Priebkes in der kleinen Stadt Bariloche kauften, lag nur einige Meter vom Haus der Großmutter des Filmemachers entfernt. Carlos Echeverria wuchs als Kind einer deutschen Mutter und eines argentinischen Vaters in der deutschen Gemeinde Bariloches auf und besuchte die deutsche Schule, deren Vorstand Priebke wurde, als er nach und nach wieder zu gesellschaftlichem Ansehen und Einfluss gekommen war. Bereits Mitte der 90er Jahre, nach einem Regiestudium in München, entschloss sich Echeverria, die Rolle des unbequemen Dokumentaristen und Fragestellers einzunehmen, und das heimatliche/unheimliche Sozialgefüge aus der Pflege deutschen Brauchtums, konservierter nationalsozialistischer Einstellung und dem engen Zusammenhalt der Exilgemeinde zu erforschen.

Pakt des Schweigens benutzt die gängige Form eines TV-Films: Der Regisseur mischt schwarz-weißes Archivmaterial mit Super-8-Familienaufnahmen, die Erich Priebkes Sohn zur Verfügung gestellt hat; Echeverria zeigt die eigene Recherchearbeit, führt Interviews und inszeniert Szenen aus der Vergangenheit mit Schauspielern nach.


Aus: "Pakt des Schweigens - Stille Unterstützung und alte Kontakte ermöglichten nach dem Zweiten Weltkrieg vielen NS-Verbrechern die Emigration nach Südamerika und ein neues Leben. Carlos Echeverria untersucht den „Pakt des Schweigens“ in seiner argentinischen Heimatstadt" Kritik von Sonja M. Schultz (28.10.2006)
Quelle: http://www.critic.de/index.pl?aktion=kritik&id=677

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[...] Uki Goñi: Die Dokumente, auf denen mein Buch beruht, belegen klar, dass es eine von Präsident Juan Domingo Perón aufgebaute Fluchthilfeorganisation für Kriegsverbrecher gab, die vom Vatikan und den Alliierten in London und Washington gebilligt wurde. Im Jahr 1946 kam es zu einem Abkommen zwischen dem Vatikan und Argentinien über die Ankunft französischer Kriegsverbrecher, 1947 wurde diese Tür für Kroaten geöffnet, und 1948 waren die Deutschen und Österreicher dran - hierzu schloss Argentinien eine Abmachung mit der Schweiz.

Wie kamen Sie dazu, sich mit diesen so genannten Rattenlinien von Europa nach Argentinien zu beschäftigen?

Das Thema war ja kaum erforscht. Es gab Romane, wie Frederick Forsyths "Akte Odessa", es gab Presseartikel über Hitlers angebliche U-Boot-Reise nach Patagonien, Erzählungen über die Ankunft vieler Goldbarren … Als Argentinier, der in den USA geboren ist und in Europa gelebt hat, konnte ich das Land mit der nötigen Distanz betrachten, unbeeindruckt von der Figur Peróns oder seiner Frau Evita. Dabei interessieren mich weder der Peronismus noch die Nazis besonders.

Während der Diktatur ab 1976 habe ich erlebt, wie das Schweigen eine Gesellschaft gefangen nehmen kann. Ich arbeitete für den englischsprachigen Buenos Aires Herald, die einzige Zeitung, die damals über die "Verschwundenen" berichtete. Wir haben deren Mütter empfangen.

Ich erinnere mich gut, dass wir damals in der Redaktion sagten, so muss es 1939, 1941 in Berlin gewesen sein: Es passieren schreckliche Dinge, du weißt nicht genau, welche, aber du weißt, dass man nicht über sie reden darf. Irgendwann sagte ich mir, es kann doch kein Zufall sein, dass eine Gesellschaft, die Mengele, Eichmann und anderen Nazi-Kriegsverbrechern Asyl gab, später am eigenen Leib so einen Völkermord im Kleinen erlebt hat.

Wie wurde Ihr Buch in Argentinien aufgenommen?

Es hat ziemliches Aufsehen erregt. Es ist mir gelungen, eine Debatte über Schweigen und Komplizenschaft anzustoßen, wenn auch nicht so stark wie etwa in Italien. Besonders stolz bin ich darauf, dass die Regierung Kirchner letztes Jahr eine Geheimanweisung aus dem Jahr 1938 öffentlich widerrufen hat, durch die den Juden die Einreise verwehrt wurde.

Mein Großvater war während der Dreißiger- und Vierzigerjahre argentinischer Konsul in Wien, Genua und La Paz. Aus Erzählungen wusste ich von dieser Geheimorder, bei der Recherche bekam ich Zugang zu ihr, und als ich darüber schrieb, war sie noch ein Staatsgeheimnis.

[...] Lange Zeit hatte man über die Rolle von Pius XII. bei der Fluchthilfe für die Kriegsverbrecher spekuliert. Im englischen Nationalarchiv in London habe ich die Korrespondenz zwischen der britischen Regierung und dem Vatikan über die kroatischen Kriegsverbrecher gesichtet, die in Italien waren. In einem Brief bittet der "Außenminister" des Vatikans im Namens des Papstes die Alliierten, eine Reihe dieser Leute nicht an Jugoslawien auszuliefern. So wird die Verbindung zwischen dem Papst und den kroatischen Priestern klar, die die Fluchtrouten gemanagt haben. Eine weitere Schlüsselfigur war der österreichische Bischof Alois Hudal, der von Rom aus den Deutschen und Österreichern half.

Meine Agenten in London haben bei allen großen deutschen Verlagen angefragt, und alle haben das Buch abgelehnt. Jetzt hat es endlich geklappt. Seit dem Erscheinen bekomme ich viele Mails von Deutschen, deren Eltern oder Großeltern nach Argentinien geflüchtet sind und die mich fragen, wer ihre Verwandten sind. In diesen Fällen helfe ich, so gut ich kann, mit Dokumenten. Umgekehrt scannen sie Dokumente ein und schicken sie mir.

[...] Generell gilt die These von der Fluchtorganisation noch nicht als erforscht genug, um allgemein akzeptiert zu werden. Meine Beziehungen in die USA sind viel intensiver als nach Deutschland oder Frankreich, wo es ebenfalls Widerstände gibt. Dort überwiegt das Unbehagen aufgrund der Vichy-Regierung und deren Rolle beim Holocaust. Und in Argentinien akzeptiert die akademische Welt überhaupt noch nicht, dass diese Themen objektiv erforscht werden. Hier ist die "Mauer des Schweigens" noch intakt.


Aus: "Die Mauer des Schweigens ist noch intakt" -  Argentinien und der Vatikan haben Kriegsverbrechern bei der Flucht in den Süden geholfen, sagt der Publizist Uki Goñi. Präsident Perón hegte ideologische Sympathien für die Nazis - doch dieses Thema ist in Argentinien noch immer tabu (taz vom 26.7.2006, S. 12, 239 Z. (Interview), GERHARD DILGER)
Quelle: http://www.taz.de/pt/2006/07/26/a0149.1/text

« Last Edit: June 04, 2014, 01:20:46 PM by Textaris(txt*bot) »

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["Diese Methode funktioniert in jedem Land"... ]
« Reply #4 on: August 22, 2006, 03:25:39 PM »
Quote
[...] 18. April 1946 Abend im Gefängnis. Görings Zelle:

" ... Nun, natürlich, das Volk will keinen Krieg", sagte Göring achselzuckend. "Warum sollte irgendein armer Landarbeiter im Krieg sein Leben aufs Spiel setzen wollen, wenn das Beste ist, was er dabei herausholen kann, dass er mit heilen Knochen zurückkommt. Natürlich, das einfache Volk will keinen Krieg; weder in Russland, noch in England, noch in Amerika, und ebenso wenig in Deutschland. Das ist klar. Aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt. ... das Volk kann mit oder ohne Stimmrecht immer dazu gebracht werden, den Befehlen der Führer zu folgen. Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land." (S. 270)

Aus: Nürnberger Tagebuch / von G.M. Gilbert. Ehemaliger Gerichts-Psychologe beim Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher. Aus dem Amerikanischen übertragen von Margaret Carroux ... - Fischer: Frankfurt a.M., 1962. - 455 S.


Quelle: http://www.miprox.de/Sonstiges/Goering-Zitat.html

« Last Edit: June 20, 2007, 03:15:30 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Massensterben in der Demokratischen Republik Kongo... ]
« Reply #5 on: August 23, 2006, 10:43:47 AM »
Quote
[...] Über diesen mörderischen Krieg wird selten auf den Titelseiten der Zeitungen oder im Abendjournal auf dem Bildschirm berichtet. Dennoch kostete der Konflikt in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) – ein an Bodenschätzen reiches Land im Herzen Afrikas - seit 1998 mehr als 3,5 Millionen Menschen das Leben. Täglich sterben weitere 1 200 Zivilisten, teils direkt durch Gewalt, teils durch mangelnde medizinische Versorgung oder durch Hunger.

Aus: "Die Demokratische Republik Kongo – Abgrund oder Neubeginn?" Von Anneke Van Woudenberg, Senior Researcher DRC bei Human Rights Watch
Quelle: http://hrw.org/german/docs/2006/08/01/congo14059.htm
« Last Edit: October 26, 2016, 12:43:25 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Schweigekonsens über die Wirklichkeit... ]
« Reply #6 on: August 23, 2006, 11:29:57 AM »
Quote
[...] In "Der Holocaust als offenes Geheimnis" zeigen sie [Die Historiker Frank Bajohr und Dieter Pohl] unter anderem anhand von Tagebüchern, dass selbst einfache Bürger sich ein umfangreiches Bild von der Judenvernichtung machen konnten.

Die Frage nach dem Wissen führt unmittelbar in das Zentrum unserer kollektiven Identität. Die Frage: "Was habt ihr gewusst?" kettet die Generationen der Deutschen nach der Shoa aneinander und reißt zugleich moralische Klüfte zwischen ihnen auf. Die Behauptung, nichts oder doch nichts Genaues gewusst zu haben, war der Schutzreflex, mit dem Eltern und Großeltern ihre Verteidigungsstellung gegen die drängenden Fragen ihrer Kinder und Enkel bezogen.

Wo dem die Feststellung der Mitwisserschaft entgegengehalten wird, steht auch der Vorwurf der Mittäterschaft beunruhigend im Raum. Mitschuld lässt sich in diesem Zusammenhang kaum noch individualisieren. Wenn es gilt, dass alle es wussten oder hätten wissen müssen, trifft die Schuld kollektiv. Das ist der Sprengstoff, der sich in Frank Bajohrs und Dieter Pohls Untersuchung über den "Holocaust als offenes Geheimnis" verbirgt.

[...] Das dieses für das Verständnis unserer Geschichte und unserer Gesellschaft so zentrale Thema erst jetzt, und dann gleich in zwei Monographien von der Ebene volkstümlicher Allgemeinplätze auf ein wissenschaftliches Niveau gehoben wird, ist schon für sich bemerkenswert. Interessant sind zudem die unterschiedlichen Wertungen, zu denen die Historiker auf im Wesentlichen gleicher Quellenbasis kommen.

Frank Bajohr etwa diagnostiziert bereits in der Frühphase der Judenverfolgung einen breiten "antijüdischen Grundkonsens" in der mehrheitsdeutschen Bevölkerung. Zusammen mit der nicht zuletzt materiellen Nutznießerschaft in Folge zunehmender Entrechtung habe dies dazu geführt, dass die Juden schon 1938/39 nicht mehr als Teil der Volksgemeinschaft angesehen worden seien. Damit war der geistige Grund gelegt, auf dem auch die 1941 beginnenden Deportationen auf eine Stimmungslage trafen, in der sich nach Bajohrs Einschätzung "aktive Zustimmung, Zurückhaltung und kritische Distanz" die Waage hielten.

Peter Longerich dagegen konnte in seiner Studie eine eindrucksvolle Vielzahl von Zeichen des Unmuts und Unverständnisses belegen, die ihn, was das Verhalten der deutschen Mehrheitsbevölkerung angeht, zu einem in Teilen milderen Urteil kommen lässt.

Ebenso bemerkenswert ist indes auch die Einigkeit, mit der Longerich ebenso wie Bajohr und Pohl den Kern ihres Themas fast wortgleich erfassen: Mit dem Begriff des "öffentlichen" beziehungsweise "offenen Geheimnisses" kennzeichnen beide Bücher das Ergebnis eines komplexen Ineinandergreifens von jedermann zugänglichen Informationen und einem breiten Schweigekonsens über die Wirklichkeit des millionenfachen Mordes.

[...] Bereits in einer berüchtigten Rede vom 30. Januar 1939 hatte Hitler ganz offen die "Vernichtung" des Judentums angekündigt. Auf dem Höhepunkt der Deportationen ab 1941 wiesen der Diktator und die ihm dienende Propaganda immer wieder auf diese "Prophezeiung" hin und verstärkten die Botschaft, indem nun noch drastischer von "Ausrottung" die Rede war.

Berichte von Fronturlaubern, Feldpost aus dem Osten und zunehmend auch die im Geheimen viel gehörte BBC lieferten zunächst isolierte Hinweise, die sich jedoch lauffeuerartig durch die Bevölkerung verbreiteten. Blieb das Bild des Schreckens zunächst noch vage, so verdichteten sich die Informationen ab 1942 zu einem schlüssigen Gesamtbild.

Anhand konkreter Beispiele aus Tagebüchern und Aufzeichnungen weist Frank Bajohr nach, wie sich ganz einfache Leute, Handwerker, Techniker Hausfrauen, die selbst nie auch nur in die Nähe von Exekutionsorten oder Vernichtungslagern gekommen waren, ein präzises Bild des Massenmordes verschaffen konnten.

[...] Konsequenterweise wurde das kollektive Befinden der Mehrheitsdeutschen in den späteren Kriegsjahren zunehmend auch von der nackten Angst vor der drohenden Strafe durch die heranrückenden Alliierten beherrscht. Der Bombenkrieg musste vor diesem Hintergrund als Vorwegnahme einer begründeten, wenn nicht gar verdienten Bestrafung gedeutet werden.

Als kaum weniger komplex schildert Dieter Pohl im zweiten Teil des Buches, wie sich das Wissen über das historisch einmalige Verbrechen unter den Alliierten verbreitete. Durch die Entschlüsselung deutscher Funkcodes erhielt die britische Regierung bereits im Herbst 1941 detaillierte Informationen über Massenerschießungen und Konzentrationslager im Osten.

Aus Furcht, die deutsche Militärführung könne die Unsicherheit ihres Funkverkehrs bemerken, machte die britische Regierung aber keinen politischen Gebrauch von ihrem Wissen. Weit mehr als für die Ausrottung der Juden im Osten interessierten sich die Westalliierten lange Zeit für Geiselerschießungen der deutschen Besatzungsmacht in Frankreich. Obwohl die Presse zunehmend über den Genozid an den Juden berichtete, blieben ernst zu nehmende Reaktionen der alliierten Regierungen oder militärische Konsequenzen aus.



Aus: "Die Mär vom Nicht-Wissen widerlegt - Studie über Mitwisserschaft während des Holocausts" Rezensiert von Stephan Detjen (dradio.de; 22.08.2006)
Quelle: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/533950/

-.-

Quote
[...] Die Verwertung jüdischen Eigentums durch die deutsche Bevölkerung ist auch heute noch ein Thema über welches ungern gesprochen wird. Als der Autor Wolfgang Dreßen 1998 Interesse an den »Arisierungsakten« anmeldete, die die Bereicherung eines Großteils der deutschen Bevölkerung am zurückgebliebenen Eigentum deportierter Jüdinnen und Juden dokumentieren, wies die Oberfinanzdirektion (OFD) Düsseldorf daraufhin alle nachgeordneten Ämter an, von »einer Beantwortung des Schreibens vorerst Abstand« zu nehmen. In Köln hingegen wurde Dreßen der Zugang von der dortigen OFD gestattet, obwohl die Akten damals bereits zu Steuerakten erklärt und für 80 Jahre gesperrt worden waren. Die Materialien belegen, dass »Arisierungen« nicht ausschließlich ein Projekt des Staates und großer Unternehmen waren, sondern von ganz gewöhnlichen Deutschen betrieben wurden. Die von Dreßen initiierte und konzipierte Ausstellung mit dem Titel "Aktion 3" wurde bereits in Düsseldorf, Würzburg, Freiburg und Berlin gezeigt. Die Humboldt-Universität zu Berlin lehnte die Ausstellung mit der Begründung eines "zu einseitigen" Charakters ab.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_3 (08/2006)
« Last Edit: June 20, 2007, 03:16:36 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Die bornierte Perspektive von Fernsehzuschauern...]
« Reply #7 on: August 27, 2006, 04:01:54 PM »
Quote
[...] "Der Kampf auf dem Gefechtsfeld wird vom Kampf um die Sichtbarkeitsverhältnisse im Krieg überlagert", so Münkler.

[...] Die Parole vom "Bilderkrieg" (Gerhard Paul) führt in die Irre. Natürlich ist jeder Krieg - heute stärker als früher - immer auch ein Propagandakrieg um Bilder und mit Bildern von beiden Seiten. Aber nur Selbstvernagelung verliert deshalb den Krieg - mit den Opfern an Menschen und den materiellen Schäden - aus dem Blick. Die Behauptung, "der postmoderne Krieg" sei im Unterschied zum herkömmlichen "vor allem ein Anschlag auf die Wahrnehmung", wie Gerhard Paul schrieb, oder "der Kampf mit Waffen" werde durch "den Kampf mit Bildern konterkariert", wie Herfried Münkler behauptet, entspringt der bornierten Perspektive von Fernsehzuschauern und Freizeit-Clausewitzen. Zivilen und militärischen Kriegsbeteiligten auf beiden Seiten, aber auch Beobachtern ohne verklebte Brillen ist der Unterschied zwischen dem, was Bilder und was Waffen bewirken, so klar wie der Unterschied zwischen Leben und Tod. Gegenüber dem Geschwätz vom "virtuellen Krieg" (Paul Virilio, Jean Baudrillard) muss man an Max Horkheimer erinnern: "Die Erschlagenen sind wirklich erschlagen."

[...] Nie ist die "barbarische Freiheit der schon gestifteten Staaten" (Kant) größer als im Krieg - das zeigt ein Blick auf die Geschichte der Luftkriegsführung, die am Schluss des Zweiten Weltkriegs wie zuvor in Guernica und danach in Vietnam und im Irakkrieg nur funktionierte, weil eine Seite aus der Luft faktisch allein operierte, also Asymmetrie herrschte.

Die wirkliche Asymmetrie im Libanonkrieg zeigt nicht die "Verbildlichung" (Münkler) aus dem Lehnstuhl, sondern die Opferbilanz von 1:10 und die Schadensbilanz von wenigstens 1:100.000. Die waffentechnische Überlegenheit der USA in Afghanistan und im Irak sowie jene Israels in Palästina und im Libanon befördern die Barbarisierung des Krieges stärker als die ebenso primitive wie aussichtslose und selbstdestruktive terroristische Gewalt.


Aus: "Die Barbarei des Luftkriegs - Die Rede vom "asymmetrischen Krieg" dient der Propaganda und der Selbstberuhigung. Sie soll über das eigentliche Dilemma im "Krieg gegen den Terror" hinwegtäuschen" | taz vom 26.8.2006, S. 11, 241 Z. (Kommentar), von RUDOLF WALTHER
Quelle: http://www.taz.de/pt/2006/08/26/a0180.1/text


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[Jigal, der eigentlich Grafiker ist...]
« Reply #8 on: August 28, 2006, 11:32:33 AM »
Quote
[...] "Ich war noch nie zuvor im Kampfeinsatz; meinen Militärdienst habe ich an einem Kontrollpunkt in den besetzten Gebieten abgeleistet", berichtet Jigal, der eigentlich Grafiker ist, mit leiser Stimme, ohne seinen Gesprächspartner auch nur ein einziges Mal anzuschauen: "Dann wurde ich einberufen und gleich in der ersten Woche sind wir am Rande eines Dorfes in einen Hinterhalt der Hisbollah geraten. Wir hatten ein Fußmarsch von fast zehn Kilometern hinter uns, waren bis zum Umfallen müde. Es war, als käme das Feuer von überall. Innerhalb kürzester Zeit habe ich vier Freunde verloren, mit denen ich aufgewachsen bin. Da habe ich auf alles gefeuert, was sich bewegt. Ich weiß nicht, wie viele Menschen ich an diesem Tag getötet habe, und wie viele Zivilisten darunter waren - das macht mich fertig."

[...] Das Ergebnis sei, dass viele der Rückkehrer eine Gleichgültigkeit gegenüber Leben und Tod entwickelten: Nach Auskunft der israelischen Polizei kamen in der ersten Woche nach dem Waffenstillstand 34 Libanon-Veteranen im Straßenverkehr ums Leben. "Die Leute fahren oft, als würde es kein Morgen geben und machen sich damit zu Waffen, gegen die wir nichts tun können", kommentiert ein Polizeisprecher. Anderes hingegen putschten sich mit Drogen wie Kokain oder Ecstasy auf: "Egal was es ist, es wird genommen - Hauptsache man ist gut drauf."

[...] Als "Sucht nach Normalität" bezeichnet Psychologe Barak dieses Verhalten: "Israel hat so viele Kriege, so viele Anschläge durchgemacht, dass sich viele Menschen eine künstliche Normalität schaffen und krampfhaft daran festhalten. Man zelebriert sein Privatleben und ignoriert die Nachrichten, so lange der Krieg woanders stattfindet - und sei es nur 60 Kilometer weiter nördlich in Haifa. Jetzt allerdings kehren die Reservisten heim und bringen den Krieg mit. Darauf reagieren viele ausgesprochen aggressiv."

[...] Auch Jigal ist Golani. "Als ich damals aufgenommen wurde, war ich wirklich stolz", erinnert er sich. "Die Anerkennung war toll, und ich habe in der Einheit die besten Freunde gefunden, die man haben konnte. Wir sind zum Kämpfen ausgebildet worden und haben geglaubt, dass uns das nichts ausmachen würde. Jetzt sind die meisten meiner Freunde tot und ich habe Blut an den Händen. Da ist nichts Heldenhaftes dabei." Um ihn herum geht die Party ihrem Höhepunkt zu, und der Nachwuchs seiner Einheit ist mittendrin. Jigal sieht sich um, schüttelt den Kopf: "Ich hätte heute nicht herkommen sollen", sagt er dann. "Ich bin hier fremd geworden."


Aus: "Das Schweigen der Rückkehrer" von Oliver Eberhardt - (Tel Aviv, 27.08.2006)
Quelle: http://www.zdf.de/ZDFheute/inhalt/16/0,3672,3971696,00.html


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[The Fog Of War... ]
« Reply #9 on: August 29, 2006, 03:21:55 PM »
Quote
[...] Henry machte gerade eine Zigarettenpause, als das Kommando über Funk kam auf alles zu schießen, was sich bewegte. Als er zu seinem Kommandanten eilte, sah er, wie seine Kameraden ein neunzehnjähriges Mädchen aus einer Hütte zerrten. “Sie war nackt, deswegen vermutete ich, dass sie vergewaltigt worden war", gab Henry zu Protokoll. Die Männer warfen sie zu Boden und schossen mit automatischem Gewehrfeuer auf sie. “Es war in wenigen Sekunden vorüber. Eine ganze Menge Blut und Fleisch und Zeug flog durch die Luft, weil sie ihre M-16-Gewehre aus so kurzer Entfernung abfeuerten." Dann schossen sie auf die Frauen, Kinder und den alten Mann, die auf dem Boden kauerten.

Als James D. Henry im September des Jahres in die Kaserne von Fort Hood in Texas zurückkehrte, erzählte er die Geschichte zunächst einem Anwalt der Armee. Die Untersuchung verlief im Sande. Auch die unzähligen Berichte von Vietnamveteranen, die mit der Organisation Vietnam Veterans for Peace an die Öffentlichkeit gingen, zu der auch der junge John Kerry gehörte, versickerten in den Aktenschränken des Pentagon. Ein gutes Jahr später veröffentlichte der Journalist Seymour Hersh seine Berichte über das Massaker von My Lai, bei dem ein Zug 504 Zivilisten tötete, und die Versuche der Streitkräfte, den Vorgang zu vertuschen, die den Wendepunkt im Widerstand der amerikanischen Bevölkerung gegen den Vietnamkrieg bedeutete.

Bis heute hielt sich allerdings die vorherrschende Meinung, My Lai sei ein Einzel- und Extremfall gewesen. Wie die Akten ergeben, welche die Los Angeles Times nun auswertete, muss dieses Geschichtsbild stark korrigiert werden.

[...]  Auf eine Nachfrage des Christian Science Monitor, ob solches Verhalten auch heute noch möglich sei, sagte der Militärexperte John Pike diese Woche: “Kriminelles Verhalten ist ein Symptom der Kriegsneurose." Dazu gehören die Folterungen von Abu Ghraib genauso wie das Massaker von Haditha oder die Übergriffe ziviler Einsatzgruppen in Afghanistan. Wer sich heute mit Soldaten unterhält, die aus dem Irak oder aus Afghanistan zurückgekehrt sind, der bekommt auch Geschichten zu hören, die sich nur geringfügig von den Geschichten der Vietnamheimkehrer unterscheiden.

Mag sein, dass die Unterkünfte an der Front heute komfortabler sind, dass die jungen Berufssoldaten heute in klimatisierten Baracken leben, die mit Flachbildfernsehern, Internet und Videospielen ausgerüstet sind, dass sie sich in den Kantinen an Buffets bedienen können, die jedem Ferienclub gerecht würden. Doch gerade das macht den Alltag an der Front heute zu einer schizophrenen Hölle, die der grünen Hölle von Vietnam in Nichts nachsteht. Denn kaum verlassen die Soldaten ihre befestigten Basiscamps, fliegen ihnen in neun von zehn Fällen Kugeln, Mörsergranaten und ferngezündete Sprengsätze um die Helme. Sie bewegen sich in einem Land, in dem ein großer Teil der Bevölkerung mit einem Widerstand zusammenarbeitet, der keine Opfer scheut, um bei den amerikanischen Besatzern so große und heftige Verluste wie möglich zu verursachen. Wer gezwungen ist, ein Jahr oder länger in einem solchen Umfeld zu existieren und wer mit ansehen muss, wie die wenigen Freunde in dieser fremden Welt in Stücke gerissen werden, bei dem zieht jene Bewusstseinstrübung auf, die im Englischen als “Fog Of War" bezeichnet wird.

Mit diesem Nebel des Krieges, diesem Trancezustand zwischen panischer Angst und blindwütiger Angriffslust, der auf dem Schlachtfeld bei allen Beteiligten zu einem Totalausfall des ethisch-moralischen Urteilsvermögens und bei Soldaten zu einer fast physischen Bewusstlosigkeit führen kann, lässt sich vieles erklären. Entschuldigen kann er nichts. Doch oft legt sich dieser Nebel über die Psyche eines ganzen Volkes. Dann kann es Generationen dauern, bis er sich wieder lichtet.

Es sind meist investigative Journalisten, die solche Formen der Amnesie durchbrechen. Seymour Hersh gehört heute noch zu den großen Aufklärern seines Landes. Auf die Beweise für die Brutalitäten des Kriegsalltages in Vietnam stieß nun der unabhängige Journalist Nick Turse, der vor vier Jahren im Rahmen seiner Doktorarbeit für das Center for the History and Ethics of Public Health der New Yorker Columbia University die Akten der Vietnam War Crimes Working Group im Nationalarchiv in College Park, Maryland durchforstete. Neuntausend Seiten fand er dort. Dreitausend Seiten konnte er gemeinsam mit der Washingtonkorrespondentin der Los Angeles Times auswerten, bevor Regierungsbeamte die Akten einzogen.


Aus: "WENN SICH DER NEBEL LICHTET - Pentagonakten belegen, dass Kriegsverbrechen
in Vietnam zum Alltag gehörten" Von Andrian Kreye (BERICHTE AUS AMERIKA; 2006)
Quelle: http://www.andriankreye.com/VietnamAkten.html

« Last Edit: June 20, 2007, 03:17:26 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Die Frage sei angebracht...]
« Reply #10 on: September 05, 2006, 10:39:28 AM »
Quote
[...] Das Sterben im Süden Afghanistans hat einen Namen, der Horrorvisionen heraufbeschwört: «Operation Medusa» nannte die Nato ihre Offensive, bei der bereits hunderte islamische Extremisten und mehrere westliche Soldaten umgekommen sind. Die Medusa ist in der griechischen Mythologie ein Ungeheuer mit Haaren aus Schlangen und einem hasserfüllten Blick aus Glutaugen, der Gegner zu Stein erstarren lässt.

Bilder des Grauens malen sich auch Menschen im tausende Kilometer vom Schauplatz der Kämpfe entfernten Schottland aus. Sie fragen sich, wie ihre Angehörigen in Afghanistan umkamen. Mussten sie lange leiden? Sind sie verbrannt im Wrack des Nimrod-Aufklärungsflugzeugs der Royal Air Force, das unweit von Kandahar abstürzte? Zwölf der 14 Mann an Bord kamen vom Stützpunkt Kinloss. Die Nachricht von ihrem Tod hat die spätsommerliche Idylle in dem kleinen stillen Küstenstädtchen im Nordosten von Schottland zerstört.

[...] Auch deutsche Soldaten riskieren dafür ihr Leben; 18 sind in Afghanistan bislang umgekommen. Großbritannien hat nach dem Absturz des Aufklärungsflugzeugs schon 36 junge Menschen an dieser Teilfront im «Krieg den Terrorismus» verloren. Am Montag stieg die Opferzahl weiter, als ein Selbstmordattentäter einen britischen Konvoi in Kabul mit einer Autobombe angriff. Mindestens ein Soldat kam dabei um, ein anderer wurde lebensgefährlich verletzt.

[...] Von dem jüngsten Anschlag erfuhren viele Briten, während sie noch in den Zeitungen Berichte über den Nimrod-Absturz und die Nato-Offensive «Medusa» lasen. Am Montagmorgen brachten fast alle Londoner Zeitungen Porträtfotos der Absturzopfer auf der ersten Seite: Allesamt sympathische, freundlich lächelnde Männer. Die Zeitung «Daily Mail» schrieb unter die Fotos: «Sie dienten gemeinsam, sie sorgten gemeinsam für ihre Familien. In Afghanistan starben sie gemeinsam.» Wofür? Das fragen sich mit dem Wachsen der Opferzahlen immer mehr Briten.

«Viele Leute hatten gehofft, dass dies eine Mission zur Erhaltung des Friedens und zum Aufbau eines Staatswesens wird», sagt der militärpolitische Korrespondent der BBC. «Daraus ist eine aktive Militärkampagne gegen Aufständische geworden.» Obendrein seien die Nato-Soldaten damit konfrontiert, dass praktisch unter ihren Augen der Anbau von Opium, das schließlich als Heroin die westlichen Städte überschwemmt, immer mehr ausgeweitet werde. Die Frage sei angebracht, ob die Briten und andere westliche Soldaten es in Afghanistan überhaupt noch mit einer «erfüllbaren» Mission zu tun hätten.


Aus: "Der Schrecken der Medusa: Tödliche Mission in Afghanistan" Von Thomas Burmeister (04. September 2006)
Quelle: http://www.n24.de/politik/ausland/index.php/a2006090413022518879


-.-

Quote
[...] Bei einem Gefecht zwischen der Afghanistan-Schutztruppe Isaf und radikal-islamischen Taliban-Kämpfern sind im Süden des Landes erneut Dutzende Menschen umgekommen. Die Isaf teilte mit, bei den Kämpfen am Samstag seien 55 Aufständische getötet worden. Nach Medienberichten sprach die Isaf in einer späteren Mitteilung von bis zu 70 getöteten Aufständische. Auch ein Isaf-Soldat sei ums Leben gekommen, acht andere seien verwundet worden.

[...] Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz äußerten sich unterdessen besorgt über die vielen zivilen Opfer in Afghanistan. Der Leiter der Asien-Abteilung von Human Rights Watch, Sam Zarifi, sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Pajhwok, die Taktik der Nato gefährde zunehmend Zivilisten. Den Taliban warf Zarifi vor, sie griffen von bewohnten Gebieten aus die afghanischen und Isaf-Soldaten an. Das IKRK forderte in einer Erklärung die Konfliktparteien auf, alle Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz von Zivilisten zu ergreifen.
Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer hatte am Freitag den Tod von Zivilisten bei Militäroperationen der Isaf als "Tragödie" bezeichnet. Er beschuldigte jedoch die Taliban, sie benützten Zivilisten als menschliche Schutzschilde. Afghanische Stellen hatten am Donnerstag von mindestens 30 Zivilisten berichtet, darunter Frauen und Kinder, die bei einer Offensive der Isaf in der Provinz Kandahar getötet worden seien.


Aus: "Kritik an Vorgehen der Nato in Afghanistan" (29. Oktober 2006; N24.de, nz)
Quelle: http://www.n24.de/politik/article.php?articleId=79451&teaserId=79754
« Last Edit: October 30, 2006, 10:02:06 AM by Textaris(txt*bot) »

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[...oder hängen in Bäumen und Büschen]
« Reply #11 on: September 19, 2006, 10:28:50 AM »
Quote
[...] Wyles arbeitet für eine britische Spezialfirma, die zusammen mit anderen Unternehmen von den Vereinten Nationen beauftragt wurde, beim Räumen der nicht explodierten Splitterbomben in Südlibanon zu helfen. Den Vereinten Nationen zufolge feuerte die israelische Armee 90 Prozent der Streubomben in den letzten drei Tagen des Krieges ab. Ein israelischer Offizier schätzt, dass etwa 1,2 Millionen Stück Streumunition über Südlibanon runtergingen.

[...] Da bis zu 40 Prozent davon nicht sofort explodiert sein dürften, liegen nun womöglich an die 500.000 Blindgänger auf den Straßen und den Feldern oder hängen in Bäumen und Büschen. Dalya Farran vom UN-Minenaktionszentrum in Tyrus: "Dies ist aus unserer Sicht einer der schlimmsten Fälle des Einsatzes von Streubomben auf der Welt, und zwar, weil so viele auf einem so kleinen Raum eingesetzt wurden und weil es sich dabei vor allem um bewohnte Gebiete und Felder handelt."


Aus: "Kriegslasten im Libanon - Der Fluch der Streubomben" (18.09.2006)
Quelle: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5919514_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html

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[Waffen sind geil... ]
« Reply #12 on: September 23, 2006, 02:00:55 PM »
Quote
[...] In diesem Jahr werden 834 Milliarden Euro für Waffen ausgegeben. Dass die Aktien der Rüstungskonzerne Raytheon und Northrop Grumman derart hoch notieren, ist diesem bedauerlichen Trend zu verdanken. Der Umsatz der hundert größten Waffenkonzerne stieg seit dem Jahr 2000 um fast 60 Prozent auf 211 Milliarden Euro. Selbst die Spitzenzeiten des Kalten Krieges sehen im Vergleich dazu blass aus. Die Welt hat weniger Kriege, ist aber bis zu den Zähnen bewaffnet.

Ein Krieg anderer Art sieht im Vergleich dazu recht unbedeutend aus. Wie steht es denn um den Kampf gegen Hunger? In diesem Jahr werden 48 Milliarden Dollar für hungernde Menschen ausgegeben. Die Rüstungsausgaben sind 17mal so hoch! In einigen der ärmsten Länder explodieren die Waffenkäufe, während die Bevölkerung wegstirbt. Durch Waffen entstehen vielleicht nicht mehr Kriege, aber die Kriege werden dadurch verlängert und brutaler.

So – nun noch der krönende Abschluss: Die Schulden der dritten Welt liegen bei insgesamt 409 Milliarden Dollar. Wie traurig ist es, dass mehr als doppelt so viel in so was Unnützes wie Waffen gepumpt wird. In diesem Sinne: ein schönes Wochenende!


Aus: "Waffen sind geil" M. Koch (22. September 2006; Börsen-Blog)
Quelle: http://blog.focus.msn.de/koch/archives/106
« Last Edit: June 20, 2007, 03:19:01 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Umsatzanstieg... ]
« Reply #13 on: September 25, 2006, 10:36:30 AM »
Quote
[...] Die hundert grössten Rüstungskonzerne verzeichneten allein zwischen 2000 und 2004 laut Oxfam einen Umsatzanstieg von 157 auf 268 Mrd. Dollar, was einer Zunahme um 60 Prozent entspreche.

Die grössten Rüstungslieferungen gehen laut Oxfam in die USA und in die Länder des Nahen Ostens. Aber auch afrikanische Länder seien an dem Rüstungswettlauf beteiligt. So hätten sich etwa in der Demokratischen Republik Kongo, in Ruanda, dem Sudan, Botsuana und Uganda die Rüstungsausgaben zwischen 1985 und 2000 verdoppelt.


Aus: "Rüstungsausgaben höher als im Kalten Krieg - In diesem Jahre belaufen sich die Ausgaben auf 1,06 Billionen Dollar. Die weltweiten Rüstungsausgaben liegen nach Berechnung der britischen Hilfsorganisation Oxfam damit höher als zur Zeit des Kalten Krieges" (22.09.06)
Quelle: http://www.20min.ch/news/ausland/story/21936830

-.-

Quote
[...] BERLIN. So könne sich die deutsche Armee nicht an immer mehr internationalen Einsätzen beteiligen, aber immer weniger finanzielle Mittel haben. Jungs dänischer Kollege Soren Gade unterstützte die Forderung nach zusätzlichen Rüstungsausgaben der europäischen Länder: „Europa muss mehr Geld in die Entwicklung neuer Verteidigungssysteme stecken, damit unsere Soldaten so gut ausgerüstet und geschützt sind wie die amerikanischen Kollegen“, sagte Gade.

Tatsächlich geben Deutschland und Dänemark jeweils nur 1,4 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für ihre nationale Verteidigung aus. Mit 3,5 Prozent liegen die Verteidigungsausgaben der US-Regierung deutliche darüber. „Allein ein Anteil des Wehretats von zwei Prozent am Inlandsprodukt würde ein Budget von 44 Mrd. Euro bedeuten“, sagte Verteidigungsminister Jung. Ein solcher Betrag komme für Deutschland nicht in Betracht, so der Minister weiter, obwohl die Nato von allen neuen Mitgliedstaaten einen Zwei-Prozent-Anteil der Verteidigungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt verlange.

Für das laufende Jahr beträgt der deutsche Wehretat 23,9 Mrd. Euro. 2007 soll er entsprechend der bisherigen Haushaltsplanung um knapp 500 Mill. Euro steigen.


Aus: "Jung fordert mehr Geld für die Armee" Von Sven Afhüppe (HANDELSBLATT, 19. September 2006)
Quelle: http://www.handelsblatt.com/news/Politik/Deutschland/_pv/_p/200050/_t/ft/_b/1137526/default.aspx/jung-fordert-mehr-geld-fuer-die-armee.html


« Last Edit: June 20, 2007, 03:19:14 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Der Bombenblick... ]
« Reply #14 on: September 25, 2006, 12:25:06 PM »
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[...] Im Libanon war und ist die Berichterstattung für die internationale Presse im Vergleich mit dem Irak – relativ – einfach. Die Journalisten leben und arbeiten in einer absurden Situation: Sie residieren in Luxushotels, private Fahrer stehen rund um die Uhr zur Verfügung, Geld scheint keine Rolle zu spielen. Das Team von Sky News wohnte und arbeitete im „Mövenpick Hotel“ an der Corniche in Beirut. Vom achten Stock aus sah man den Rauch nach den Bombardierungen der israelischen Luftwaffe über der Stadt aufsteigen. Eine geräumige Suite diente als Büro, Konferenzzimmer und Studio zugleich. Im Nebenraum die transportable Satellitenanlage, mit der die Beiträge in die Zentrale nach London verschickt wurden. Ein zweites TV-Team war in der Hafenstadt Tyros stationiert, die ständig unter israelischem Beschuss lag. Bei einem Bombenangriff aufs Stadtzentrum war lange nicht klar, ob die Kamera-Crew getroffen wurde. Als die Nachricht kam, dass alle unverletzt geblieben waren, wurde im Büro in Beirut mit kaltem Bier angestoßen.

Eine zynische Reaktion, bei all dem Elend drumherum? Beim Arbeiten überleben, das ist die Maxime in Nahost. Das Team Tyros war in einer „Bed-&-Breakfast“-Pension untergebracht, gleich am Ortseingang. Nicht weit von einem Checkpoint der libanesischen Armee, den eines Nachts Raketen in die Luft jagten. Da endet jede professionelle Gelassenheit. Die Krisenberichterstattung hinterlässt ihre Spuren. In der Kälte eines Leichenschauhauses in der libanesischen Stadt Sidon, etwa 30 Kilometer von Beirut, muss Lisa Holland eine Moderation aufzeichnen. Obwohl die Opfer in schwarze Plastikplanen gehüllt sind, geht sie mit dem Rücken zu Toten gewandt in den Kühlraum. Nachdem die Moderation erledigt ist, verlässt sie das Leichenschauhaus sofort wieder, wartet nicht ab, bis der Arzt den Kopf eines der toten Mädchen für den Kameramann auspackt. „Ich habe so viele Leichen gesehen“, sagt Holland, „ich möchte einfach keine Toten mehr sehen“.


Aus: "Bombenblick - Ob Libanon oder Irak: Die Journalisten leben in Luxushotels und arbeiten unter Lebensgefahr" Von Alfred Hackensberger (25.09.2006)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/medien/archiv/25.09.2006/2762362.asp

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