Author Topic: [The freedom to blog...]  (Read 24606 times)

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[Seine kritischen Worte wurden als...]
« Reply #35 on: September 07, 2015, 09:44:12 vorm. »
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[...] BERLIN. (hpd) Dem mauretanische Blogger Mohamed Cheikh Ould Mkhaitir droht die Hinrichtung. Reporter ohne Grenzen erinnerte gestern daran, dass sich im Falle des verurteilten saudischen Bloggers Raif Badawi weltweit Protest erhob, über das Schicksal von Mkhaitir jedoch kaum etwas bekannt sei.

Mohamed Cheikh Ould Mkhaitir schrieb im Dezember 2013 in seinem Blog, dass bereits der Religionsgründer Mohammed mit zweierlei Mass gemessen hat. Er versuchte zu zeigen, welche Rolle die Religion in der sozialen Hierarchie und Diskriminierung zwischen den sozialen Schichten spielt.

Als Reaktion darauf kam es zu Demonstrationen, bei der Rufe "Tod dem Blogger" laut wurden. Seine kritischen Worte wurden als Blasphemie gegen den Propheten verstanden, denn er beschreibe Mohammad als einen ungerechten Mann, der seinen Stamm gegenüber den anderen bevorzugte.

Am 2. Januar 2014 wurde Mohamed Cheikh verhaftet und am 24. Dezember nach einer kurzen Gerichtsverhandlung zum Tode verurteilt. Im Gerichtssaal und noch vor dem Richterspruch sprach er das islamische Glaubensbekenntnis (Shahada) um deutlich zu machen, dass sich zum Islam bekennt. Er erklärte dem Gericht, dass es nicht seine Absicht war, den Propheten zu kritisieren und entschuldigte sich auch für das, was er schrieb. Trotzdem wurde die Todesstrafe verhängt. Presseberichten zufolge verlor der Blogger das Bewusstsein, nachdem das Urteil verlesen wurde.

Im Februar sagte sein Anwalt dem mauretanischen Fernsehen, dass der Zustand seines Mandanten sehr schlecht und er in Einzelhaft verlegt worden sei. Er bestätigte auch, gefoltert worden zu sein.

...


Aus: "Mauretanien: Blogger erwartet Hinrichtung wegen Blasphemie" Frank Nicolai (4. Sep 2015)
Quelle: http://hpd.de/artikel/12133

#2 http://www.independent.co.uk/voices/comment/millions-of-people-rallied-to-the-support-of-raif-badawi--who-will-care-for-a-poor-young-man-in-mauritania-10466040.html


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« Reply #36 on: Oktober 04, 2018, 12:52:09 nachm. »
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[...] Der bekannte saudische Blogger Jamal Khashoggi ist in der Türkei verschwunden. ... Die Beamten im saudischen Konsulat von Istanbul wiesen ihren Besucher an, in zehn Tagen wiederzukommen, dann seien die Heiratspapiere fertig. Doch als der saudische Journalist und Dissident Jamal Khashoggi am Dienstagmittag zurückkehrte, schlossen sich hinter ihm die Tore. Seitdem fehlt von ihm jede Spur. Seine türkische Verlobte wartete draußen stundenlang und alarmierte schließlich Freunde und Medienkollegen. Wie sie berichtete, kam bei Einbruch der Dunkelheit ein Mitarbeiter des Konsulats zu ihr und erklärte, sie solle nach Hause gehen und nicht länger warten, Khashoggi habe das Konsulat bereits verlassen.

Der Verschwundene gehört zu den bekanntesten Publizisten Saudi-Arabiens, der immer wieder aneckte, aber nie persönlich bedroht wurde. Das ist seit dem Aufstieg von Kronprinz Mohammed bin Salman an die Macht anders geworden.

Vor einem Jahr ging Khashoggi ins Exil nach Washington – „wegen der erstickenden Atmosphäre daheim“. Zuhause mit Schreib- und Twitterverbot belegt, kritisierte der 59-Jährige fortan aus der Ferne in Interviews und Kolumnen für die „Washington Post“ den innen- und außenpolitischen Kurs des jungen Thronfolgers. „Ich habe mein Haus, meine Familie und meine Arbeit verlassen und erhebe nun meine Stimme“, schrieb er kurz nach seiner Ankunft in den USA. Alles andere sei „ein Verrat an denen, die im Gefängnis sitzen. Ich kann reden, während so viele es nicht können.“

Angehörige befürchten nun, Khashoggi werde in dem Istanbuler Konsulat verhört und misshandelt oder sei bereits nach Saudi-Arabien verschleppt worden. Von türkischer Seite hieß es am Mittwoch, der Gesuchte sei noch in dem Gebäude. Gleichzeitig meldete die saudische Nachrichtenagentur, ein Staatsbürger sei mit Interpol-Haftbefehl festgenommen und zurück in das Königreich deportiert worden, weil er ungedeckte Schecks ausgestellt habe. Sollte sich diese Meldung auf Khashoggi beziehen, wäre das der erste Fall, bei dem Saudi-Arabien einen Kritiker mit Gewalt auf sein Staatsgebiet zurückholt.

Mit einer Serie von Verhaftungen und Einschüchterungen versucht Mohammed bin Salman, einflussreiche Kritiker, Frauen- und Bürgerrechtler sowie populäre Kleriker zum Schweigen zu bringen. Der saudische Außenminister Adel Al-Jubeir rechtfertigte das Vorgehen und sagte, man knüpfe sich Leute vor, die „mit ausländischem Geld eine extremistische Agenda vorantreiben“.

...


Aus: "Zum Schweigen gebracht" (04.10.2018)
Quelle: http://www.fr.de/kultur/netz-tv-kritik-medien/medien/jamal-khashoggi-zum-schweigen-gebracht-a-1594863


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« Reply #37 on: Januar 03, 2019, 05:04:12 nachm. »
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[...] Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) warnt Journalisten und Bloggerinnen vor Reisen in die Türkei. Das gelte auch für private Urlaubsreisen, die in diesen Wochen für die Feriensaison 2019 gebucht würden: "Die schönsten Wochen des Jahres sollte niemand im Polizeigewahrsam verbringen müssen", sagte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall. Anlass für die Warnung sei die Festnahme des Deutschtürken Adnan Sütcü in der vergangenen Woche bei seiner Einreise in die Türkei. Die türkischen Behörden werfen ihm staatsfeindliche Facebook-Beiträge vor.

Überall empfahl den Journalisten, auf privaten Reisen besondere Vorsicht walten zu lassen, der Urlaub könne zu einer "bösen Falle" werden. Vor der Buchung einer Türkeireise sollten Journalisten überprüfen, ob sie sich in sozialen Netzwerken zu aktuellen politischen Entwicklungen dort geäußert haben.

Auch das Auswärtige Amt hat vor Reisen in die Türkei gewarnt. Festnahmen deutscher Staatsangehöriger habe es mehrfach im "Zusammenhang mit regierungskritischen Stellungnahmen in den sozialen Medien" gegeben. Äußerungen, die nach dem deutschen Gesetz von der Meinungsfreiheit gedeckt seien, könnten "Anlass zu einem Strafverfahren in der Türkei geben". Das Teilen oder "Liken" eines fremden Beitrags reiche dafür schon aus. Nach Angaben des Verbands wurden aus solchen Gründen im vergangenen Jahr gegen rund 18.000 Menschen rechtliche Schritte eingeleitet.


Aus: "Verband warnt Journalisten und Blogger vor Türkeireisen" (3. Januar 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-01/tuerkei-reisen-warnung-journalisten-blogger


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« Reply #38 on: M?RZ 19, 2019, 10:34:40 vorm. »
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[...] Der russische Präsident Wladimir Putin hat die umstrittenen Gesetze gegen staatsbeleidigende und aus Behördensicht falsche Informationen im Internet unterzeichnet. Das gab der Kreml am Montag in Moskau bekannt. Der von Putin eingesetzte Menschenrechtsrat hatte zuvor vor einem Inkrafttreten dieser Regelungen gewarnt. Er kündigte an, die Auswirkungen zu kontrollieren. Das Gremium, das den Präsidenten berät, sieht insbesondere die Gefahr einer willkürlichen Sperrung von Internetseiten. Zudem würden die gemäß Verfassung garantierte Rede- und Meinungsfreiheit und der freie Zugang zu Informationen weiter eingeschränkt.

Nach den zuvor von Duma und Föderationsrat – das Oberhaus im Parlament – angenommenen Gesetzen drohen hohe Geldstrafen oder sogar Arrest für die Verbreitung angeblich falscher Informationen im Internet. Unter Strafe steht auch fehlende Wertschätzung gegenüber staatlichen Institutionen und Symbolen.

Kritiker befürchten, dass damit etwa Kritik am Präsidenten bestraft werden könnte. Auch die Organisation Amnesty International hatte die Gesetze kritisiert. Menschenrechtsorganisationen beklagen seit Jahren eine zunehmende Einschränkung von Freiheiten in Russland. Derzeit berät das Parlament ein Gesetz über ein eigenständiges Internet. Mit einer autonomen Infrastruktur will Russland unabhängig sein vom weltweiten Netz. Kürzlich hatten Tausende Menschen in Moskau gegen die Pläne protestiert. Sie befürchten Zensur. Aus dem Kreml hieß es dazu, es sei nicht geplant, Russland vom Internet abzukoppeln. (olb)


Aus: "Trotz Kritik: Putin unterzeichnet neue Internet-Gesetze" (19.03.2019)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Trotz-Kritik-Putin-unterzeichnet-neue-Internet-Gesetze-4339533.html

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« Reply #39 on: Juli 23, 2019, 12:48:52 nachm. »
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[...] Viereinhalb Jahre Haft wegen eines Dokumentarfilms, sieben Jahre wegen eines Kommentars zu einer Fernsehserie, ein Jahr wegen einer Handbewegung auf der Bühne – und das ist nur die Bilanz von einer Woche: In der Türkei werden Kunst und Kultur derzeit geknebelt wie nie zuvor. Mit den Vorwürfen der Volksverhetzung oder Propaganda für eine Terrororganisation werden Meinungsäußerungen von Kulturschaffenden verfolgt, Kritik an der Regierung wird als Beleidigung des Staatspräsidenten oder gleich als Hochverrat geahndet, Jugendkultur wird als Verherrlichung von Drogenkonsum abgeurteilt – und keiner kann je wissen, aus welcher Ecke der nächste Angriff auf die Freiheit der Kunst kommt.

Neue Qualität hatte es jedenfalls – sogar für die Türkei –, als die Dokumentarfilmer Ertuğrul Mavioğlu und Çayan Demirel in dieser Woche für ihren Film „Bakur“ zu jeweils vier Jahren und sechs Monaten im Gefängnis verurteilt wurden. Der Film entstand 2013/14 während der Friedensverhandlungen zwischen der kurdischen PKK und der türkischen Regierung in den PKK-Lagern im Nordirak, um der türkischen Öffentlichkeit einen Einblick in die Realität der Rebellen zu geben. Als die Friedensgespräche 2015 zusammenbrachen, wurde er in der Türkei verboten und seither auf internationalen Festivals in einem halben Dutzend Ländern gezeigt.

 „Terrorpropaganda“, urteilte ein Strafgericht im südostanatolischen Batman am Donnerstag und verurteilte die beiden Filmemacher, die bei der Verhandlung nicht anwesend waren. „Wir hatten unsere Schlussworte noch gar nicht sprechen können“, empörte sich Mavioğlu. „Diese schweren Strafen sind verhängt worden, um alle abzuschrecken, die Filme drehen, Artikel schreiben, die Wahrheit suchen“, schrieb der Filmemacher und Journalist auf Twitter. „Lasst euch bloß nicht abschrecken davon, übt keinesfalls Selbstzensur deshalb“, beschwor er seine Landsleute. „Wir haben so viel überstanden, wir werden auch diese Tyrannei überstehen.“

Weniger kämpferisch nahm die Bloggerin und Influencerin Pınar Karagöz ihre Verurteilung zu sieben Jahren Haft auf. „Sieben Jahre! Wegen eines Tweets! Was habe ich euch denn getan, was soll nun aus mir werden?“, schrie die junge Frau schluchzend in einem Post auf Instagram, wo sie unter ihrem Künstlernamen „Pucca“ fast 700 000 Anhänger hat. In einem Tweet hatte sie sich scherzhaft bewundernd über Figuren der US-Fernsehserie „Narcos“ geäußert, die das Leben des kolumbianischen Drogendealers Pablo Escobar zum Gegenstand hat. „Verherrlichung von Drogenkonsum“, urteilte ein Istanbuler Strafgericht. „Sieben Jahre wegen eines Tweets über Escobar! Escobar selbst hat nicht so viel bekommen“, entsetzte sich die Bloggerin mit rot geweinten Augen und ihrem kleinen Sohn im Hintergrund.

Die Sängerin Zuhal Olcay unterlag inzwischen vor dem Berufungsgerichtshof mit ihrem Einspruch gegen eine knapp einjährige Haftstrafe wegen „Beleidigung des Staatspräsidenten“, die ihr ein Denunziant im Publikum vor zwei Jahren einhandelte. Bei dem Konzert in Istanbul hatte sie eine Strophe eines bekannten Liedes umgedichtet auf Recep Tayyip Erdoğan und davon gesungen, dass seine Zeit auch einmal vorbei sein werde. Darauf wählte ein Zuschauer die Notrufnummer der Polizei und zeigte sie an. Besonders zur Last gelegt wurde der Sängerin, dass sie beim Singen ihrer Zeilen über Erdogan eine abschätzige Handbewegung gemacht habe, berichtete die türkische Presse. „Ein Schande“ sei das Urteil, solidarisierte sich der weltbekannte Pianist Fazal Say am Freitag mit Olcay.

Bereits im Mai war der Rapper Ömer Sercan İpekçioğlu, der unter dem Namen „Ezhel“ auftritt, von der Istanbuler Polizei festgenommen worden. Er soll in seinen Liedtexten und in Kommentaren in sozialen Medien Cannabiskonsum verherrlicht haben. Die Anklage forderte bis zu zehn Jahre Haft. Es war bereits das zweite Mal, dass Ezhel bei der Justiz aneckt. Amnesty International und Unterstützer der Twitter-Kampagne „#FreeEzhel“ setzten sich für den Künstler ein, der schließlich einen verständnisvollen Richter fand: In einer nicht einmal zehnminütigen Gerichtsverhandlung wurde er nach drei Wochen Untersuchungshaft freigesprochen.

Solche Urteile sind aber die Ausnahme angesichts einer eskalierenden Tendenz zur Unterdrückung der Meinungsfreiheit in Kunst und Kultur in der Türkei. Die kurdische Malerin Zehra Doğan saß bis zum Frühjahr zwei Jahren in Haft, nachdem sie sie unter anderem für ein Gemälde wegen „Terrorpropaganda“ verurteilt wurde. Der Kulturmäzen Osman Kavala, der sich für das Kulturerbe von Griechen, Armeniern und Juden in Anatolien einsetzte, befindet sich seit fast zwei Jahren in Untersuchungshaft; ihm wird Hochverrat vorgeworfen, weil er sich bei den Gezi-Protesten engagiert hat.


Aus: "Kultur in der Türkei unter Druck: Sieben Jahre Haft für einen Tweet" Susanne Güsten (22.07.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/kultur-in-der-tuerkei-unter-druck-sieben-jahre-haft-fuer-einen-tweet/24687920.html

« Last Edit: Juli 23, 2019, 12:51:03 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #40 on: September 04, 2019, 09:22:52 vorm. »
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[...] In Moskau ist ein russischer Blogger wegen eines Tweets zu fünf Jahren Haft in einer Strafkolonie verurteilt worden. Die Ermittlungen dauerten lediglich zwei Tage, das Gerichtsverfahren nur 10 Stunden, berichtet die Moscow Times.

Bestraft wurde der 30-jährige Wladislaw Sinitsa demnach für einen Tweet mit Bezug zu den Demonstrationen in Russlands Hauptstadt. Das Gericht urteilte nun, dass der als Gewaltaufruf zu verstehen sei. Bürgerrechtler übten Kritik an dem Urteil, das nur ein Jahr unter der Maximalstrafe blieb. Sinitsa selbst will Berufung einlegen und bis vor den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof ziehen.

Wie die BBC übersetzt, hatte Sinitsa mit seinem Account @Max_Steklov auf @spacelordrock geantwortet. Der habe sich über Aufrufe zur Identifizierung von Polizisten lustig gemacht, die Protestierende festgenommen hatten und gefragt, was diese "feigen, schäbigen" Kreaturen damit erreichen wollten. Sie sollten sich besser zurückhalten, sonst würden die Polizisten und Sondereinheiten beim nächsten Mal nicht so "freundlich und höflich" sein.

Sinitsa hatte geantwortet: "Sie schauen sich die süßen, glücklichen Familienfotos an, analysieren die Geolokalisierung, und dann kommt das Kind eines tapferen Strafverfolgungsbeamten eines Tages einfach nicht von der Schule. Anstelle des Kindes kommt ein Video der Ermordung in der Mail. Es ist, als ob gerade erst geboren bist, dass du solche Fragen stellst."

Vor Gericht habe Sinitsa nun versichert, dass er nicht beabsichtigt habe, alle Strafverfolger zu beleidigen, "vor allem jene nicht, die keine Zivilisten schlagen", zitiert die Moscow Times. Ehrlich gesagt verstehe er nicht einmal, was ihm vorgeworfen werde. Der Chef der Internetrechtegruppe Roskomsvoboda bezeichnete die Bestrafung als unverhältnismäßig. Es gebe Millionen Beispiele für Politiker und Aktivisten, die Drohungen gegen sich oder ihre Familien erhielten, ohne dass es jemanden interessiere. Der vorliegende Tweet sei sicher "idiotisch und sein Verfasser sollte sich schämen", aber fünf Jahre Haft seien zu viel.

Der Oppositionspolitiker Alexei Nawalny fügte hinzu, dass er allein jeden Tag 30 Drohungen gegen sich oder seine Kinder erhalten würde. Der Sprecher der Nationalgarde dagegen habe erklärt, Sinitsas Strafe "passt zu seinen Handlungen", zitiert Meduza. (mho)


Aus: "Russland: Fünf Jahre Strafkolonie für einen Tweet" Martin Holland (03.09.2019)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Russland-Fuenf-Jahre-Strafkolonie-fuer-einen-Tweet-4512749.html


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« Reply #41 on: Juni 18, 2020, 09:53:58 vorm. »
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[...] Das PEN-Zentrum Deutschland hat den in den Vereinigten Arabischen Emiraten inhaftierten Blogger, Dichter und Menschenrechtsaktivisten Ahmed Mansoor zum Ehrenmitglied ernannt. Mansoor sei im März 2017 aus politischen Gründen inhaftiert worden, erklärte die Schriftstellervereinigung am Mittwoch in Darmstadt.

Gegen ihn sei eine zehnjährige Haftstrafe sowie eine Geldstrafe von 1.000.000 VAE-Dirham (rund 240.000 Euro) verhängt worden. Mansoor zähle zu den wenigen unabhängigen Stimmen, die öffentlich Menschenrechtsverletzungen in den Emiraten angeprangert hätten. Das PEN-Zentrum forderte dessen bedingungslose und sofortige Freilassung.

Mansoor ist nach Angaben des PEN-Zentrums wegen „Beleidigung von Rang und Ansehen der Vereinigten Arabischen Emirate und ihrer Symbole“ sowie „Verbreitung von Falschinformationen, um den Ruf der Vereinigten Arabischen Emirate im Ausland zu schädigen“ verurteilt worden. Seine Rechtsmittel seien mittlerweile ausgeschöpft.

Aus Protest gegen seine Haftbedingungen und Schläge durch die Gefängniswärter sei Mansoor mehrfach in einen Hungerstreik getreten. Er befinde sich in Einzelhaft, sein Gesundheitszustand habe sich stark verschlechtert. Die Schriftstellervereinigung appellierte an die Bundesregierung, sich für die Freilassung des PEN-Ehrenmitglieds einzusetzen. (dpa)


Aus: "PEN ernennt von Saudis inhaftierten Blogger zum Ehrenmitglied" (18.06.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/solidaritaet-mit-ahmed-mansoor-pen-ernennt-von-saudis-inhaftierten-blogger-zum-ehrenmitglied/25927464.html

https://en.wikipedia.org/wiki/Ahmed_Mansoor

https://en.wikipedia.org/wiki/Martin_Ennals_Award_for_Human_Rights_Defenders

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« Reply #42 on: Dezember 28, 2020, 01:16:54 nachm. »
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[...] Die chinesische Bloggerin Zhang Zhan ist von einem Gericht in Shanghai zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil erging bei einem nur kurzen Gerichtstermin, wie einer ihrer Anwälte mitteilte. Sie war in dem Verfahren beschuldigt worden, "Streit geschürt und Unruhe gestiftet" zu haben. Während der Zeit des harten Corona-Lockdowns von Wuhan war Zhang Zhan vor Ort in der zentralchinesischen Millionenmetropole, in der die weltweite Covid-19-Pandemie begonnen hatte.

Mehrere Wochen lang produzierte sie dort kurze Online-Videos: In diesen Mini-Reportagen sprach sie unter anderem über Alltagsprobleme in Krankenhäusern, über Korruption in staatlichen Stellen und andere Missstände während des Covid-Lockdowns in Wuhan. Im Mai war die studierte Juristin von der chinesischen Polizei festgenommen und inhaftiert worden.

 Zhangs Gesundheitszustand ist nach Angaben ihrer Anwälte "extrem schlecht". Wie die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" berichtete, musste sie im Rollstuhl in den Gerichtssaal gebracht werden. Sie war im Juni in einen Hungerstreik getreten und wurde zwangsernährt. Sie habe "bestürzt" gewirkt, als das Urteil gegen sie ergangen sei, sagte Zhangs Anwalt Ren Quanniu nach dem Prozessende. Ihre Mutter habe bei der Verlesung des Strafmaßes laut geschluchzt. Seine Mandantin glaube, dass sie im Gefängnis sterben werde.

Als er sie vergangene Woche besucht habe, habe sie gesagt, dass sie es "bis zum Ende" ablehnen werde zu essen, falls sie eine hohe Strafe erhalte, sagte Ren. "Es ist eine extreme Methode des Protests gegen diese Gesellschaft und diese Lebenswelt." Ein weiterer Verteidiger sagte, Zhang fühle sich "psychisch erschöpft". Jeder Tag sei "wie Folter" für die 37-Jährige.

 Zhang ist nur eine von mehreren so genannten Bürgerjournalisten, die von den chinesischen Behörden in den vergangenen Monaten zum Schweigen gebracht wurden. Seit dem Frühjahr wurden in China zahlreiche ähnliche Fälle bekannt. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch forderte die chinesische Führung auf, unrechtmäßig inhaftierte Journalisten freizulassen. Die Probleme, die es in China gebe, würden nicht einfach dadurch verschwinden, dass man Journalisten und Aktivisten einsperre, erklärte die China-Expertin von Human Rights Watch, Wang Yaqiu.

2020 hat sich die Lage für Journalistinnen und Journalisten in China erneut massiv verschlechtert. Quasi alle Medien in China stehen unter der Kontrolle der Kommunistischen Partei. Diese versucht vermehrt, ihr Narrativ vom perfekt abgelaufenen Corona-Management auch im Ausland zu verbreiten - zum Beispiel durch geschönte Social-Media-Berichte auf Facebook und Twitter und durch die Arbeit staatlicher chinesischer Medienagenturen. Diese versuchen etwa in Europa, mit unkritischen Berichten über Chinas Covid-Management Sendezeit und Einfluss zu erlangen.

 Auch für ausländische Journalistinnen und Journalisten ist die Arbeit in China in diesem Jahr deutlich schwieriger geworden. Einschränkungen, Verfolgung und Belästigung durch Sicherheitsbehörden haben zugenommen. Mehr als ein Dutzend ausländische Reporter hat Chinas Führung 2020 ausgewiesen. Neue Auslandskorrespondentinnen und -korrespondenten lässt die kommunistische Führung de facto nicht mehr einreisen. Auch in Deutschland warten mehrere Journalisten seit Monaten vergeblich auf entsprechende chinesische Pressevisa.

Zunehmend schwieriger wird auch die Lage für chinesische Journalisten, die für ausländische Medienunternehmen in China arbeiten. Anfang Dezember nahm die Polizei in Peking eine Mitarbeiterin der US-Nachrichtenagentur Bloomberg fest. Der Vorwurf: Sie habe die nationale Sicherheit gefährdet.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen listet China auf ihrer Rangliste der Pressefreiheit ganz hinten, auf Rang 177 von 180 Staaten weltweit. Weniger Pressefreiheit als in China gibt es demnach nur in Eritrea, Turkmenistan und Nordkorea.

Aus: "China Vier Jahre Haft für Corona-Bloggerin" Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai (28. Dezember 2020)
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/china-prozess-bloggerin-101.html