Author Topic: [Notizen zum Terror... ]  (Read 177361 times)

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[Die Geheimnisse der grauen Clowns... ]
« Reply #150 on: March 22, 2010, 10:27:10 AM »
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[...] Wenn Buback (Erich Schaffner) durch widersprüchliche Nachrichten und das Deckeldraufhalten von Beamten und Ministern – hier ein grauer Clownschor mit Insignien der Macht – in Verwirrung gerät, deutet Regisseur Spielvogel dies etwa an, indem er den Blick aufs Schattenspiel hinter dem Vorhang ihm lenkt.

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Aus: "Die Geheimnisse der grauen Clowns" (22.03.2010)
Wolfgang Spielvogels Stück «Buback» in der Frankfurter «Brotfabrik» handelt von der Suche eines Sohnes nach den Mördern seines Vaters.
Quelle: http://www.fnp.de/fnp/welt/kultur/rmn01.c.7452199.de.htm

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[...] Die frühere RAF-Terroristin Verena Becker soll für ihre Zusammenarbeit mit dem Verfassungsschutz im Mordfall Buback vom Staat bezahlt worden sein. Sie habe nach ihren Hinweisen auf mögliche RAF-Komplizen Geld bekommen, berichtete der ehemalige Verfassungsschutz-Beamte Winfried Ridder in einer ARD-Dokumentation über den Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback im April 1977. Dies sei bei Nachrichtendiensten nichts Ungewöhnliches gewesen. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung, die ebenfalls mit Ridder sprach, soll Becker 100.000 Mark (rund 50.000 Euro) erhalten haben. Zudem habe es bei der Fahndung "massenhaft Versäumnisse" gegeben, kritisierte der als RAF-Experte bekannte Ridder in dem Interview, das am Mittwochabend in der ARD gesendet werden sollte.

[...] Auch SWR-Autor Egmont R. Koch hält nach seinen Recherchen den früheren RAF-Terroristen Wisniewski für den wahrscheinlichen Schützen auf dem Tatmotorrad beim Buback-Attentat. "Ich habe bei meiner Arbeit an dem Film keinen Anlass gefunden, an der Aussage von Frau Becker zu zweifeln", sagte Koch. Zudem sei der bisher verdächtigte Knut Folkerts Linkshänder, die Schüsse sollen nach Zeugenaussagen aber von der rechten Seite her abgegeben worden sein. Koch bezweifelt zudem die Aussagen mehrerer mutmaßlicher Tatzeugen, auf die Buback-Sohn Michael seine Theorie einer weiblichen Schützin baut. "Er hat sich in einer Verschwörungstheorie verrannt und ist beratungsresistent", sagte Koch über Buback, der seit Jahren auf eigene Faust ermittelt.

Seine Frau und er seien erschöpft und "innerlich an einer Grenze angekommen", sagte Buback der Wochenzeitung "Die Zeit". "Wir haben nicht die Kraft, noch viel länger weiterzumachen. Wenn jetzt wieder nichts passiert, hören wir auf", kündigte er an.

Unter dem Titel "Bubacks Mörder - auf der Spur eines ungeklärten Verbrechens" widmet sich die ARD-Dokumentation dem Attentat vor 32 Jahren. Nach der Verhaftung Beckers Ende der vergangenen Woche war die ursprünglich für Ende September geplante Sendung auf diesen Mittwoch (23.30 Uhr) vorverlegt worden.

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Aus: "Fall Buback: Ex-Terroristin erhielt angeblich Geld vom Staat" (2. September 2009)
Quelle: http://www.stern.de/politik/deutschland/fall-buback-ex-terroristin-erhielt-angeblich-geld-vom-staat-1506718.html


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Quote
[...] "Die Akten sind da." Diesen Erfolg meldete gestern Frank Wallenta, Sprecher der Bundesanwaltschaft. So könnte es im Verfahren gegen Verena Becker, einst Terroristin der Roten Armee Fraktion (RAF), vorangehen. "Die Akten", das sind ein 227-seitiger Operativvermerk des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) von 1981 und ein 82-seitiger Auswertebericht von 1982. Ob die Öffentlichkeit deshalb neue Details über die RAF erfährt, bleibt offen, denn das Material gilt weiter als geheim.

[...] Gerüchte, die heute 57 Jahre alte Verena Becker sei Informantin des Verfassungsschutzes gewesen, gibt es schon lange. Angebliche Hinweise in einer Akte des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der ehemaligen DDR hatte zum Beispiel im vergangenen Jahr die Bild-Zeitung ausgegraben.

Innenminister Thomas de Maizère hat nun einen Kompromiss gewählt: Die Akten seien "gerichtsverwertbar", erklärt Wallenta. Der Quellenschutz, also die Frage, wer dem BfV Informationen geliefert hat, bleibe gewahrt. Auch bleibe die Einstufung als "geheim" bestehen. Für die Bundesanwaltschaft sei das jedoch "ganz normal". Gegebenenfalls müsse sich das Gericht Gedanken über den Ausschluss der Öffentlichkeit machen.

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Aus: "RAF-Akten ein wenig weniger geheim" CHRISTOPH FAISST (16.03.2010)
Quelle: http://www.swp.de/goeppingen/nachrichten/politik/art4306,405272

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Quote
[...] Im Fall der ehemaligen RAF-Terroristin Verena Becker sind rund 300 Seiten umfassende Akten des Bundesamtes für Verfassungsschutz nun freigegeben worden. Dies bestätigte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Montag in Karlsruhe. Die Behörde ermittelt gegen Becker wegen Beteiligung am Mord des früheren Generalbundesanwalts Siegfried Buback und seiner zwei Begleiter am 7. April 1977. Bei den Unterlagen handelt es sich um zwei Vermerke aus den Jahren 1981 und 1982 mit insgesamt rund 300 Seiten.

Aus ihnen ist bislang bekannt, dass einer ungenannten Quelle zufolge Becker nicht die Todesschützin war. Becker war im vergangenen August verhaftet worden, weil von ihr laut Bundesanwaltschaft DNA-Spuren an damaligen Schreiben der linksterroristischen Rote Armee Fraktion (RAF) gefunden worden waren. Sie wird seitdem verdächtigt, an der Ermordung Bubacks indirekt beteiligt gewesen zu sein. Im Dezember war Becker mangels Fluchtgefahr vorläufig auf freien Fuß gekommen.

Die Bundesanwaltschaft wird die nun als "geheim" klassifizierten aber gerichtsverwertbaren Akten des Verfassungsschutzes mit Blick auf eine Anklage Beckers sichten. Die Quelle, die Angaben zu den mutmaßlichen Buback-Mördern gemacht habe, sei allerdings weiterhin geschützt, sagte der Behördensprecher.

Becker war knapp einen Monat nach dem Buback-Attentat zusammen mit dem damaligen RAF-Mitglied Günter Sonnenberg im baden-württembergischen Singen nach einer Schießerei mit der Polizei gefasst worden. Ein bereits damals gegen sie eingeleitetes Ermittlungsverfahren wegen des Buback-Mordes wurde 1980 eingestellt, da trotz eines verbleibenden Tatverdachts keine für eine Anklageerhebung ausreichenden Beweise vorlagen. Becker wurde aber noch im Dezember 1977 in einem anderen Verfahren wegen versuchten gemeinschaftlichen Mordes zu einer lebenslangen Haft verurteilt und 1989 begnadigt.

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Aus: "Becker anscheinend nicht die Todesschützin" (16. März 2010)
Quelle: http://www.stern.de/politik/deutschland/neue-akten-im-raf-fall-buback-becker-anscheinend-nicht-die-todesschuetzin-1551216.html


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[Die Anschläge am 29. März 2010 in Moskau... ]
« Reply #151 on: April 01, 2010, 04:14:53 PM »
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[...] Internationale Beobachter und Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen melden seit Beginn des Zweiten Tschetschenienkriegs immer wieder schwere Menschenrechtsverletzungen an der tschetschenischen und russischen Zivilbevölkerung sowie an Gefangenen der russischen Truppen in Tschetschenien.

Gerade Verfechterinnen und Verfechter von Menschenrechten sind auch nach Kriegsende – und vermehrt seit Beginn der Präsidentschaft Ramsan Kadyrows – immer wieder Opfer von Anschlägen geworden:

    * Der Leiter des tschetschenischen Hilfswerks „Rettet die nächste Generation“ Murad Muradow und ein Mitarbeiter wurden im April 2005 entführt und ermordet. Dasselbe geschah mit seiner Nachfolgerin Sarema Sadulajewa und ihrem Mann im August 2009.
    * Die Journalistin und Aktivistin für Menschenrechte Anna Politkowskaja wurde am 7. Oktober 2006 in Moskau ermordet. Sie hatte in vielen Veröffentlichungen die Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit der russischen Führung in Tschetschenien angeprangert.
    * Der Rechtsanwalt Stanislaw Markelow, der sich für Opfer von Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien einsetzte, wurde im Januar 2009 in Moskau erschossen.
    * Die Memorial-Mitarbeiterin Natalja Estemirowa wurde im Juli 2009 in Grosny entführt und ermordet.

Nach der Ermordung Estemirowas stellte Memorial ihre Arbeit in Tschetschenien (vorübergehend) ein.

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Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Tschetschenien#Geschichte (31. März 2010)

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Quote
[...] Bei der Geiselnahme im Moskauer Dubrowka-Theater am 23. Oktober 2002 brachten 40 bis 50 bewaffnete islamistische Rebellen, die sich selbst der separatistischen Bewegung Tschetscheniens zurechneten, 850 Menschen in ihre Gewalt und verlangten den Rückzug der russischen  Truppen aus Tschetschenien.

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Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Geiselnahme_im_Moskauer_Dubrowka-Theater (31. März 2010)

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Quote
[...] Bei der Geiselnahme von Beslan im September 2004 brachten tschetschenische Terroristen mehr als 1100 Kinder und Erwachsene in einer Schule im nordossetischen Beslan in ihre Gewalt. Die Geiselnahme endete nach drei Tagen in einer Tragödie – bei der Befreiung durch russische Einsatzkräfte starben nach offiziellen Angaben 331 Geiseln.

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Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Geiselnahme_von_Beslan (24. März 2010)

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Quote
[...] Die Anschläge am 29. März 2010 in Moskau waren Sprengstoffanschläge in zwei Stationen der „roten“ Linie der Moskauer Metro in der Innenstadt Moskaus. Zwei Tage nach dem Anschlag erklärte Doku Umarow in einer über das Internet verbreiteten Videoaufnahme, dass er den Anschlag persönlich befohlen habe und kündigte weitere Anschläge an.[1]

Die erste Explosion ereignete sich um 07:56 Uhr Moskauer Zeit (3:56 Uhr UTC) in der Station Lubjanka.[2]

Die zweite Explosion ereignete sich um 08:38 Uhr Ortszeit (4:38 Uhr UTC) in der Station Park Kultury. Sie wurde durch eine zweite Täterin ausgelöst. Diese war zum Zeitpunkt der ersten Explosion mit einem Zug von der Station Sokolniki aus in derselben Richtung unterwegs. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Zug zwischen den Haltestellen Frunsenskaja und Park Kultury gestoppt und die Passagiere über die Lautsprecher informiert, dass sie aus technischen Gründen den Zug an der nächsten Haltestelle verlassen werden müssen. Als dies etwa 40 Minuten später geschah und sich die Türen öffneten, löste die zweite Tatverdächtige hier die Explosion aus[3], die das Äquivalent von zwei Kilogramm TNT um ihre Hüften gegurtet hatte. Beide Sprengsätze waren mit Bolzen und Muttern vollgepackt, um eine Schrapnellwirkung zu erzielen.[4]

In beiden Bahnhöfen kam es nach den Explosionen zu einer Massenpanik.[5]

Alexander Bortnikow, der Chef des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, gab noch am selben Tag unter Berufung auf ein vorläufiges Gutachten bekannt, dass es sich bei dem verwendeten Sprengstoff um Hexogen gehandelt habe und dass es Hinweise darauf gäbe, dass die Anschläge von kaukasischen Terrorgruppen verübt worden seien.[6] Die Anschläge seien durch Selbstmordattentäterinnen ausgeführt worden.

Bei den Explosionen oder durch ihre Auswirkungen starben 39 Menschen, 120 weitere wurden zum Teil schwer verletzt.[7][8]  Die Zahl der durch die Explosion an der Station Lubjanka getöteten Personen wurde mit 24 und die Zahl der Opfer vom Bahnhof Park Kultury mit 13 angegeben.[9]

[...] Der Anschlag ist einer in einer Reihe von Anschlägen in Russland, die in den letzten Jahren ausgeführt wurden und von denen etliche tschetschenischen Separatisten zugeschrieben werden.[12]

Der tschetschenische Rebellenführer Doku Umarow bezeichnete die Anschläge als Vergeltungsakt für die Tötung von Rebellen durch russische Sicherheitskräfte und kündigte weitere Anschläge an.

...

   1. ↑  Chechen rebel says he ordered Moscow Metro attacks  (Englisch)  , British Broadcasting Corporation, 31. März 2010. Abgerufen am 1. April 2010.
   2. ↑ Moscow Metro hit by deadly suicide bombings
   3. ↑ Nikolaj Sergejew. Поезд шахидки (Russisch) , Kommersant, 30. März 2010. Abgerufen am 31. März 2010.
   4. ↑ Two blasts in Moscow Metro, dozens killed (Englisch). RT (29. März 2010). Abgerufen am 29. März 2010.
   5. ↑ Toll from Moscow subway blasts rises to 39: FSB security service’s HQ is in building above one of targeted stations , MSNBC.com, 29. März 2010. Abgerufen am 30. März 2010.
   6. ↑ Kaukasische Terrorgruppen hinter Anschlägen auf U-Bahn vermutet. In: Website der Russischen Agentur für internationale Informationen. RIA Novosti, 29. März 2010, „Bortnikow sagte weiter unter Berufung auf die Gutachter, beim dem Sprengstoff handle es sich um Hexogen. Die Bombe an der U-Bahn-Station Lubjanka sei vier Kilo TNT, die an der Station Park Kultury 1,5 bis zwei Kilo TNT stark gewesen. Die beiden Sprengsätze seien mit Schrauben gefüllt gewesen, um die Explosionen noch gefährlicher zu machen.“, abgerufen am 29. März 2010.
   7. ↑ http://www.tagesschau.de/ausland/ubahnmoskau114.html
   8. ↑ http://www.mchs.gov.ru/
   9. ↑ Тела погибших на "Лубянке" отвезли в морг (Russisch) , Life News, 30. März 2010. Abgerufen am 1. April 2010.
  10. ↑ Wortprotokoll auf Englisch
  11. ↑ http://news.xinhuanet.com/english2010/world/2010-03/29/c_13229439.htm
  12. ↑ Timeline: Terrorism in Russia (Englisch) , CNN, 6. Februar 2004. Abgerufen am 1. April 2010.



Aus: "Anschläge am 29. März 2010 in Moskau" (zuletzt am 1. April 2010 um 15:45 Uhr geändert)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Anschl%C3%A4ge_am_29._M%C3%A4rz_2010_in_Moskau


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[Times Square mitten in Manhattan... ]
« Reply #152 on: June 22, 2010, 10:07:55 AM »
Quote
[...]  Knapp zwei Monate nach dem gescheiterten Anschlag am Times Square in New York hat sich der mutmaßliche Attentäter in allen zehn Anklagepunkten schuldig bekannt.

[...] Shahzad hatte versucht, am 1. Mai auf dem mit tausenden Touristen und Theaterbesuchern bevölkerten Times Square mitten in Manhattan eine Autobombe zur Explosion zu bringen. Doch der Sprengsatz zündete nicht. Shahzad wurde zwei Tage später festgenommen. Er saß bereits in einem Flugzeug und wollte fliehen. Nach Angaben der Polizei war er von Anfang an geständig.
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Der Vater von zwei kleinen Kindern stand nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Dienst der radikalislamischen Taliban in Pakistan. In der Anklage wird Shahzad auch angelastet, 12 000 Dollar für den geplanten Anschlag von den militanten Extremisten in seiner Heimat angenommen zu haben. Vor dem Haftrichter warnte Shahzad vor weiteren Attacken gegen Amerika. Wenn sich die USA nicht endlich aus moslemischen Ländern zurückzögen, "werden wir die USA angreifen".

Shahzad soll im Dezember in der pakistanischen Region Waziristan im Umgang mit Sprengstoff ausgebildet worden sein. Sechs der zehn Anklagepunkte könnten ihn jeweils lebenslang hinter Gitter bringen. Der 30-Jährige hatte erst kurz vor der Tat die US-Staatsbürgerschaft erhalten.



Aus: ""Schuldig und hundert Mal mehr"" (22.06.2010)
Quelle: http://www.taz.de/1/politik/amerika/artikel/1/schuldig-und-hundert-mal-mehr/


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[Bei der Explosion einer Rakete im Hotelbezirk... ]
« Reply #153 on: August 02, 2010, 04:11:02 PM »
Quote
[...] Die benachbarten Touristenmetropolen Eilat und Aqaba im Süden Israels und Jordaniens sind mitten in der Hochsaison mit fünf Raketen beschossen worden. Bei der Explosion einer Rakete im Hotelbezirk von Aqaba starb nach Angaben des jordanischen Informationsministers Ali al-Ajed ein Mensch. Drei weitere Menschen erlitten leichte Verletzungen. Darunter sollen zwei Taxifahrer gewesen sein. Augenzeugen berichteten von zwei beschädigten Fahrzeugen sowie Glassplittern auf der Straße.
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Nach israelischen Angaben stürzten zwei Raketen, die auf Eilat zielten, ins Meer. Verletzt wurde niemand, es entstand auch kein Sachschaden.

Die Raketen wurden laut der israelischen Polizei mit großer Wahrscheinlichkeit von ägyptischem Territorium aus abgeschossen. Die ägyptische Grenze verläuft direkt südlich von Eilat. Auch jordanische Augenzeugen gaben an, dass sie aus Richtung Ägypten kamen.

Die ägyptischen Sicherheitskräfte bestritten die Vorwürfe umgehend. Auf der Sinai-Halbinsel gebe es keinerlei militante Gruppen.

[...] Bei der Explosion in einem Haus eines ranghohen Mitglieds der im Gaza-Streifen herrschenden Hamas-Organisation wurden nach palästinensischen Angaben mindestens 42 Menschen verletzt. Die israelische Armee bestritt den Vorwurf, sie habe eine Rakete auf das Haus des Hamas-Kommandeurs Alaa al-Danaf im Flüchtlingslager Deir al-Balah abgefeuert.

Nach Augenzeugenberichten aus Gaza könnte es sich um einen "Arbeitsunfall" handeln. In dem Gebäude lebten nach Hamas-Angaben fünf Familien. Außerdem gab es dort zehn kleine Läden.

...


Aus: "Nahost': Extremisten beschießen Touristenzentren am Roten Meer"
ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters (2.8.2010)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-08/raketen-eilat-aqaba


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[Eine schützende Hand (D, 2010, Buback, Becker) ... ]
« Reply #154 on: September 21, 2010, 12:04:23 PM »
Quote
[...]  CHRISTIAN RATH: Michael Buback denkt, dass es bei den Sicherheitsbehörden eine schützende Hand über Verena Becker gab. Glauben Sie das auch?

Ulrich Endres: Wenn Sie mich vor ein paar Monaten gefragt hätten, hätte ich gesagt, ,ich leide nicht an Verfolgungswahn, in diesem Land ist so etwas nicht möglich'. Aber jetzt nach der Akteneinsicht kann ich eine Deckung leider nicht mehr ausschließen.

CHRISTIAN RATH: Welche Akten haben Sie eingesehen?

Ulrich Endres: Die Verfassungsschutzakten über Frau Becker. Vermutlich wird über deren Inhalt auch im Prozess nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt.

...


Aus: ""Super-Gau für die BRD"" (21.09.2010)
Buback-Anwalt über Becker-Prozess, INTERVIEW: CHRISTIAN RATH
Quelle: http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/super-gau-fuer-die-brd/


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[Edward F. Pimental... ]
« Reply #155 on: September 21, 2010, 12:10:21 PM »
Quote
Edward F. Pimental (* 19. Juni 1965 in New York City; † 8. August 1985 in Wiesbaden) war ein junger Soldat der United States Air Force, der von Mitgliedern der Rote Armee Fraktion in der Nacht zum 8. August 1985 ermordet wurde, um an seinen Truppenausweis zu kommen. Der Ausweis ermöglichte es, am folgenden Tag eine Autobombe auf der Rhein-Main Air Base zu platzieren.

Pimental besuchte mit anderen GIs den „Western Saloon“ in Wiesbaden, wo er von Birgit Hogefeld nach Hause eingeladen wurde, die ihm, um ihn anzulocken, ein sexuelles Abenteuer in Aussicht gestellt hatte. Er folgte ihr und wurde noch in derselben Nacht in einem Waldstück mit einem Schuss in den Hinterkopf getötet. Hogefeld wurde unter anderem für diesen Mord zu lebenslänglicher Haft verurteilt, wobei das OLG Frankfurt von „menschenverachtender Gesinnung“ sprach, deretwegen die Schuld Hogefelds besonders schwer wiege.

Der Sprengstoffanschlag auf die Rhein-Main Air Base forderte zwei Tote und elf Verletzte. Mit dem Ausweis Pimentals hatte ein männliches RAF-Mitglied am folgenden Tag einen VW-Passat mit 240 Kilogramm Sprengstoff auf dem Gelände des Stützpunktes abgestellt. Hogefelds Unterschrift unter dem Kaufvertrag des VW-Passats und die Aussagen des Verkäufers bewiesen ihre Mittäterschaft, so der Richtersenat.

Der Mord an Edward Pimental führte zu heftigen Diskussionen in linksradikalen Kreisen, da mit ihm erstmals eine „kleine“ Person ohne wichtigen Status in Politik oder Wirtschaft gezielt getötet wurde.


http://de.wikipedia.org/wiki/Edward_Pimental (13. April 2010)

http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:RAF-Opfer

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[Neil McBridge bezeichnete es als haarsträubend... ]
« Reply #156 on: October 28, 2010, 10:04:07 AM »
Quote
[...] In Washington, D.C. ist am Mittwoch ein Mann festgenommen worden, der angeblichen Al-Qaida-Mitgliedern bei der Planung von Anschlägen auf die U-Bahn in der US-Hauptstadt geholfen haben soll. Für die Öffentlichkeit bestand nach Angaben der Bundespolizei FBI keine Gefahr, weil die Behörden den 34-Jährigen ständig überwachten.

Darüber hinaus handelte es sich bei den angeblichen Al-Qaida-Mitgliedern um Personen, "die im Auftrag der Regierung arbeiteten", wie aus Polizeikreisen verlautete. Laut FBI übergab der US-Bürger pakistanischer Herkunft diesen Personen in den vergangenen sechs Monaten bereitwillig Videoaufnahmen von U-Bahn-Stationen und gab Tipps, wie man möglichst viele Menschen töten könnte. Darüber hinaus habe er angeboten, für die Ziele von al-Qaida im Ausland Geld zu spenden.

Dem Mann wird nun unter anderem Unterstützung einer Terrororganisation und Beihilfe zur Planung eines Terroranschlags vorgeworfen. Er lebt in einem Vorort von Washington im US-Staat Virginia. Sollte er verurteilt werden, drohen ihm bis zu 50 Jahre Haft. Die USA sind in den letzten 18 Monaten mit immer neuen Fällen von Terrorplänen konfrontiert worden, die von Bewohnern des eigenen Landes geschmiedet wurden. Einige dieser Fälle wurden von FBI-Agenten aufgedeckt, die sich als Al-Qaida-Mitglieder ausgaben.

US-Staatsanwalt Neil McBridge bezeichnete es als "haarsträubend", dass ein Bewohner eines Washingtoner Vororts massenhaft Zugpassagiere töten wollte. Der Plan sei "durch eine gemeinsame Anstrengung von Polizei und Nachrichtendiensten vereitelt worden", teilte das Justizministerium mit.

US-Präsident Barack Obama war nach Angaben des Weißen Hauses bereits vor Ahmads Festnahme in die Ermittlungen eingeweiht. Für die Öffentlichkeit habe dabei "zu keinem Zeitpunkt Gefahr bestanden", teilte sein Sprecher Robert Gibbs mit. Die Sicherheitskräfte seien dem Fall "von Beginn an auf der Spur gewese".

...


Aus: "FBI nimmt Terrorverdächtigen fest" (28.10.2010)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/anschlagsplaene-auf-washingtoner-metro-fbi-nimmt-terrorverdaechtigen-fest-1.1017041


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[Wir wissen nun... ]
« Reply #157 on: October 28, 2010, 10:58:35 AM »
Quote
[...] Irak | 26.10.2010 18:00 | Daniel Ellsberg
Enthüllungen von Wert

Die jetzt veröffentlichten Pentagon-Papiere über den Irak-Krieg haben vermutlich eine größere Bedeutung als vor vier Jahrzehnten publizierte Dokumente über Vietnam ...  Wir wissen nun, dass das Pentagon – das in den ersten Jahren der Invasion entweder behauptete, es zähle die Opfer nicht oder es lägen keine Beweise vor – in Wirklichkeit aber akribisch Buch führte. Das US-Verteidigungsministerium war über 66.000 zivile Opfer informiert – 15.000 von ihnen waren der Organisation Iraq Body Count, die als einzige versucht, die Opfer des Krieges zu dokumentieren, gänzlich unbekannt. Das bedeutet: 15.000 Tote wurden in keinem Nachrichtenbericht jemals erwähnt – fünf Mal so viele Menschen, wie bei den Anschlägen am 11. September 2001 umkamen.

Wären es Amerikaner oder Briten gewesen, hätte es Schlagzeilen gegeben.

...

Quote
   
Alien59 schrieb am 27.10.2010 um 09:12
Ellsberg hat es erfasst:
"Das bedeutet: 15.000 Tote wurden in keinem Nachrichtenbericht jemals erwähnt – fünf Mal so viele Menschen, wie bei den Anschlägen am 11. September 2001 umkamen.

Wären es Amerikaner oder Briten gewesen, hätte es Schlagzeilen gegeben. 15.000 Familien haben großes Leid erlebt und wurden dadurch womöglich dazu gebracht, sich an den Amerikanern oder ihren Verbündeten zu rächen."
Zigtausende von Toten, weil die Amerikaner - angeblich - sich für die 3000 Toten des WTC rächen wollen. Kein einziger Toter für die 7000 in Srebrenica getöteten, und wer rächt diese namenlosen Opfer im Irak, in Afghanistan, in Pakistan? Wer es tut, ist ein Terrorist.

Das sieht die muslimische Welt - und der Graben wird breiter, wenn man uns Muslime weiter als Menschen zweiter Klasse zu behandeln versucht, wenn unsere Opfer nicht zählen.
Jeder israelische Verletzte hat in den westlichen Medien Nachrichtenwert - aber im Durchschnitt stirbt pro Woche ein Palästinenser von israelischer Hand, ohne dass das jemand in den nichtmuslimischen Ländern erfährt, wenn er nicht nach solchen Nachrichten sucht.
Für die Irakis, für viele im "Osten", sind die Ergebnisse aus den Irakpapieren wirklich nicht unbedingt etwas Neues. Aber es besteht zumindest die Chance, dass die Zahl derer, die im "Westen" über das Verhalten ihrer Machthaber nachdenken, etwas größer wird.


...


Aus: "Enthüllungen von Wert" Daniel Ellsberg (26.10.2010)
Quelle: http://www.freitag.de/politik/1042-enthuellungen-von-wert

http://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Ellsberg




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[Mitten im Zentrum Istanbuls... ]
« Reply #158 on: November 01, 2010, 09:49:15 AM »
Quote
[...] ISTANBUL taz | Mitten im Zentrum Istanbuls hat am Sonntag ein Selbstmordattentäter einen Polizeibus angegriffen und dabei 15 Polizisten und 17 Passanten zum Teil schwer verletzt. Das Attentat ereignete sich um 10.40 Uhr auf dem zentralen Taksimplatz. Das Ziel des Attentäters war ein am Rande des Platzes geparkter Polizeibus und die dort wartenden Polizisten.

Augenzeugen zufolge versuchte der Attentäter in den Polizeibus einzusteigen. Nachdem ihm der Zutritt verwehrt worden war, zündete er seine Bombe. Passanten warfen sich in Panik auf den Boden, andere flüchteten in einen U-Bahn-Eingang. Obwohl es am Sonntagvormittag nicht den üblichen Berufsverkehr gibt, war der Platz relativ belebt, da nach schweren Unwettern am Vortag viele Leute spazierengingen. Nach Angaben des Gouverneurs von Istanbul, Hüseyin Avni Mutlu, war für die Bombe Plastiksprengstoff verwendet worden.
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Polizeichef Hüseyin Capka sagte im Rahmen einer ersten Pressekonferenz, auf dem Taksimplatz seien weitere Sprengsätze gefunden worden, die Spezialisten entschärft hätten. Türkische Nachrichtensender zeigten kurz nach dem Attentat Bilder, auf denen Polizisten nach Sprengsätzen suchten und der getötete Attentäter mit Zeitungen bedeckt zu sehen war.

Das Attentat ist der schwerste Terrorangriff in Istanbul seit mehreren Jahren. Obwohl es bis Sonntagnachmittag kein Bekennerschreiben gab und der Attentäter noch nicht identifiziert werden konnte, gingen Fahnder und politisch Verantwortliche mehr oder weniger offen davon aus, dass der Täter aus dem Umfeld der kurdischen PKK stammt. Ein von der PKK zuvor über zweieinhalb Monate eingehaltener einseitiger Waffenstillstand war am Samstag ausgelaufen.

...


Aus: "32 Verletzte in Istanbul" (31.10.2010)
Quelle: http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/32-verletzte-in-istanbul/

-.-

Quote
[...] Der Verdacht gegen die PKK war unter anderem deshalb aufgekommen, weil am Sonntag ein einseitig erklärter dreimonatiger Waffenstillstand der Organisation abgelaufen war.

Gleichzeitig distanzierte sich die PKK auch von dem Attentat auf dem Taksim-Platz. Die PKK habe nichts damit zu tun, sagte ein Sprecher gegenüber der kurdischen Nachrichtenagentur Firat.

...


Aus: "PKK will's nicht gewesen sein" VON JÜRGEN GOTTSCHLICH (01.11.2010)
Quelle: http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/pkk-wills-nicht-gewesen-sein-1/

« Last Edit: November 02, 2010, 09:43:41 AM by Textaris(txt*bot) »

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[Zum Grundrauschen des Terrors... ]
« Reply #159 on: November 18, 2010, 10:07:59 AM »
Quote
[...] Thomas de Maizière taugt nicht zum Rambo. Selbst heute, als er vor die Presse trat, um der deutschen Öffentlichkeit klarzumachen, dass sie sich auf unbestimmte Zeit an den Anblick von Polizisten mit Maschinenpistolen wird gewöhnen müssen, wirkte er noch wie ein freundlicher Steuerberater.

...

Quote
    * Himmelhilf
    * 17.11.2010 um 20:27 Uhr

Dem ist nichts hinzu zu fügen

"Die Bundesregierung hat ihre Kommunikationsstrategie hin zum amerikanischen Vorbild geändert."


Quote
    * belphegor67
    * 17.11.2010 um 20:40 Uhr

Bedenklich...

...  Die Wahrscheinlichkeit in Zürich grundlos zusammengeschlagen zu werden ist millionenfach grösser als in einem Anschlag verwickelt zu sein.





Aus: "Das Grundrauschen des Terrors" Von Christian Bangel | Carsten Lißmann (17.11.2010)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-11/terrorwarnung-hinweise-maiziere


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[Angesichts der jüngsten Terrorwarnungen (D, 2010)... ]
« Reply #160 on: November 21, 2010, 11:17:02 AM »
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[...] Am Mittwoch hatte de Maizière öffentlich vor einem bevorstehenden Anschlag in Deutschland gewarnt. Anlass für die Äußerungen des Innenministers seien nach einem Bericht des Spiegels Pläne der Terrororganisation al-Qaida und mit ihr verbündete Gruppen gewesen. Das Ziel eines Terroraktes soll demnach das Reichstagsgebäude in Berlin sein. Im Sitz des Bundestages wollten Terroristen Geiseln nehmen und mit Schusswaffen ein Blutbad anrichten. Der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, kritisierte die Veröffentlichungen.

... Solche Berichte könnten die verdeckten Ermittlungen der Sicherheitsbehörden und deren Quellen gefährden, sagte Ziercke in einer knappen Stellungnahme. Daher wolle er sich dazu nicht äußern. Er räumte aber ein: "Natürlich ist es so (...), dass symbolträchtige Objekte in Deutschland insgesamt im Fokus stehen könnten." Deshalb gebe es zusätzliche Präsenz der Polizei. "Die Sicherheitsbehörden tun alles, um Gefahren rechtzeitig zu erkennen."

Der Spiegel beruft sich auf Erkenntnisse deutscher Sicherheitsdienste. Die Informationen über die Planungen stammten von einem Dschihadisten, der sich im Ausland aufhalte und sich in den vergangenen Tagen mehrmals telefonisch an das Bundeskriminalamt (BKA) gewandt habe, hieß es in dem Bericht. Er wolle angeblich aussteigen. Der Anrufer habe gesagt, zwei Mitglieder eines insgesamt sechsköpfigen Terrorkommandos hielten sich bereits in Berlin auf. Dort seien sie untergetaucht. Vier weitere mögliche Attentäter – ein Deutscher, ein Türke, ein Nordafrikaner und ein Mann, dessen Identität er nicht kenne – warteten derzeit auf ihre Abreise. Die Anschläge seien für Februar oder März geplant.

Eine offizielle Stellungnahme des Bundesinnenministeriums zu dem Spiegel-Bericht gibt es nicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich ebenfalls nicht dazu. "Das Bundeskriminalamt hat noch einmal deutlich gemacht: Es gibt keine Details, die jetzt zu berichten wären", sagte Merkel am Samstag am Rande des Nato-Gipfels in Lissabon. Die Behörden täten alles, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten. Die Bundesregierung habe über die Sicherheitslage als Ganzes Auskunft gegeben. Mehr könne sie dazu nicht sagen. Der zweite Warnhinweis, auf den sich de Maizières Einschätzung stützen soll, stammt laut Spiegel aus den USA. Die US-Bundespolizei FBI habe sich vor zwei Wochen an das BKA gewandt und auf einen weiteren mutmaßlichen Anschlagsplan hingewiesen: Eine schiitisch-indische Gruppe, die sich "Saif" ("Schwert") nenne, habe sich mit al-Qaida verbündet und zwei Männer auf den Weg nach Deutschland geschickt, um hier einen Anschlag zu verüben. Diese sollten am 22. November in den Vereinigten Arabischen Emiraten ankommen und mit neuen Papieren ausgestattet nach Deutschland reisen.

Als Drahtzieher benennt das FBI laut Spiegel einen gewissen Mushtaq Altaf Bin-Khadri. Als Schleuser der Männer fungiere der 54- jährige Waffenhändler Dawood Ibrahim, der von der Uno als Terrorunterstützer geführt wird. Er gilt als einer der Hintermänner der Terroranschläge, die sich Ende November 2008 in der indischen Metropole Mumbai ereigneten. Das FBI und das BKA messen der Meldung dem Bericht zufolge große Bedeutung bei. Der US-Auslandsgeheimdienst CIA, der Bundesnachrichtendienst und der deutsche Verfassungsschutz seien dagegen skeptisch.

Der Focus berichtet, de Maizière gehe davon aus, dass mit Anschlägen am ehesten in Berlin, Hamburg, München, im Rhein-Main-Gebiet und im Raum Köln/Bonn zu rechnen ist. Dies habe er seinen Länderkollegen am Donnerstag in Hamburg mitgeteilt. Der rheinland-pfälzischen Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) hatte am Donnerstag bereits öffentlich erklärt, man habe "konkrete Hinweise" auf Berlin, München und Hamburg; auch das Ruhrgebiet sei ein mögliches Anschlagziel. Laut Focus observieren Beamte der Eliteeinheit GSG 9 Wohnungen in Hessen und Nordrhein-Westfalen, die Terroristen als Unterschlupf dienen könnten.

In den vergangenen Tagen hatte es widersprüchliche Terrorwarnungen gegeben. So wurde am Mittwoch gemeldet, in Namibia sei ein verdächtiger Koffer an Bord einer Air-Berlin-Maschine entdeckt worden. Wie sich am Freitag herausstellte, handelte es sich bei dem angeblichen "Bombenkoffer" um einen Realtest-Koffer aus US-Produktion. Solche Test-Koffer werden genutzt, um Sicherheitsmaßnahmen zu überprüfen. Bislang herrscht jedoch noch Unklarheit, wer diese Aktion in Auftrag gegeben hat.

Aus: "BKA-Chef kritisiert Anschlagsgerüchte über den Reichstag" (20.11.2010)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2010-11/spiegel-anschlag-reichstag


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[...] Als Gefährder werden von deutschen Politikern und Behörden im Rahmen der Gefahrenabwehr Personen bezeichnet, bei denen kein konkreter Verdacht der Begehung einer Straftat besteht, aber bei denen „bestimmte Tatsachen die Annahme der Polizeibehörden rechtfertigen, dass sie politisch motivierte Straftaten von erheblicher Bedeutung, insbesondere solche im Sinne des § 100a der Strafprozessordnung (StPO)[1], begehen“ würden. Die 2004 von der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Landeskriminalämter und des Bundeskriminalamts festgelegte Begriffsbestimmung ist nicht gesetzlich verankert[2].

... Aktuelle Bedeutung in der politischen Diskussion bekam dieser Begriff durch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble in einem Spiegel-Interview vom 7. Juli 2007[3], in welchem er gesetzliche Grundlagen zur restriktiven Behandlung solcher Gefährder forderte. Gefährder sollen wie Kombattanten nach dem Kriegsvölkerrecht behandelt und interniert werden. Die Rechtsgrundlage entspräche etwa dem Unterbindungsgewahrsam, mit dem Hooligans aus dem Verkehr gezogen werden [4].

Ganz anders als im Gefahrenabwehrrecht bisher üblich, soll es sich aber durch die Verwendung des Begriffs „Gefährder“ nicht mehr darum handeln, dass eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung durch Handeln gegen den Verursacher dieser Gefahren beseitigt wird (hierfür käme man mit dem Begriff des Störers aus dem Polizeirecht ohne weiteres aus). Statt dessen ist beabsichtigt, auch ohne dass eine Gefahr vorliegt einen Menschen, der als nur „potentieller“ Verursacher angesehen werden kann, einschneidenden staatlichen Eingriffsmaßnahmen zu unterwerfen.

...

Einzelnachweise [Bearbeiten]

   1. ↑ Text § 100a StPO
   2. ↑ Deutscher Bundestag: Drucksache 16/3570, S. 6, Fragen 9 und 10
   3. ↑ http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,493094,00.html
   4. ↑ Alles für die Sicherheit


Aus: "Gefährder" (20. Januar 2010)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gef%C3%A4hrder

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[...] Angesichts der jüngsten Terrorwarnungen haben Unionspolitiker neue Befugnisse für Strafverfolger und Geheimdienste gefordert. CSU-Innenexperte Norbert Geis sprach sich in der "Bild"-Zeitung dafür aus,  islamistische Gefährder gegebenenfalls vorübergehend in Gewahrsam nehmen lassen. Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU) will den Einsatz von Spionage-Software erlauben.

"Wenn Gefährder identifiziert sind und - so wie derzeit - eine Gefährdung vorliegt, dann bin ich dafür, diese Leute vorübergehend in Gewahrsam zu nehmen", sagte Geis. Er nahm mit seiner Forderung Bezug auf Äußerungen des Vorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg. Der hatte beklagt, dass die etwa 130 namentlich bekannten Gefährder in Deutschland aus Gründen des Personalmangels nicht rund um die Uhr von der Polizei observiert werden können und alternative Maßnahmen verlangt. Freiberg sagte der "Passauer Neuen Presse": "Das jetzige Niveau der Sicherheitsvorkehrungen lässt sich nicht auf Dauer durchhalten."

Geis kritisierte auch geplante Kürzungen bei den Geheimdiensten. "Vor dem Hintergrund der Bedrohungslage müssen wir alles dafür tun, die deutschen Geheimdienste personell und finanziell zu stärken", sagte Geis der "Rheinischen Post". Uhl, sagte der Zeitung: "Wir werden in absehbarer Zeit mehr Sicherheit von den Nachrichtendiensten als vom Militär erwarten können. Dies muss sich auch im Haushalt widerspiegeln."

Für eine technische Aufrüstung der Sicherheitsbehörden plädierte Uhl in der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Terroristische Netzwerke kommunizieren in aller Regel über verschlüsselte Internet-Telefonate. Wir müssen Strafverfolger und Nachrichtendienste deshalb in die Lage versetzen, die Verschlüsselung zu knacken und Inhalte mitzuhören." Nur so ließen sich Anschlagspläne frühzeitig aufdecken.

SPD- Chef Sigmar Gabriel forderte eine bessere Bezahlung der Polizeibeamten. "Vor allem die Bezahlung der Polizistinnen und Polizisten bei der Bundespolizei ist zum Teil unanständig niedrig. Da muss die Bundesregierung schnellstmöglich für Besserung sorgen" sagte Gabriel der "Bild am Sonntag". Für die Sicherheit in Deutschland seien motivierte und gut bezahlte Polizeibeamte unverzichtbar. "Sie sind es, die uns tagtäglich schützen. Und sie verdienen dafür mehr Respekt von uns allen."

Unionsfraktionsvize Günter Krings forderte FDP-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) auf, nicht nur die Vorratsdatenspeicherung, sondern auch die Visa-Warndatei auf den Weg zu bringen. "Die Terrorwarnung muss für uns dringender Anlass sein, jetzt endlich die Blockadehaltung der FDP-Justizministerin bei den Gesetzen zur Visa-Warndatei und auch zur Vorratsdatenspeicherung aufzubrechen", sagte er der "Rheinischen Post". Derzeit liefen drei Viertel aller Anfragen des Bundeskriminalamtes wegen der Untätigkeit der Justizministerin ins Leere.

Dagegen warnte der Deutsche Anwaltverein davor, die Sicherheitslage für schärfere Gesetze zu instrumentalisieren. Vizepräsident Ulrich Schellenberg sagte der "Berliner Zeitung": "Den Scharfmachern muss man sagen: Die Terrorwarnung wird durch die Forderung nach Gesetzesverschärfungen diskreditiert." Forderungen nach einer Wiedereinführung der verdachtslosen Speicherung von Telefondaten auf Vorrat lehnte er ab. Dies habe das Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig erklärt. Denkbar sei aber, bei konkreten Verdachtsfällen die Daten einzufrieren, sagte Schellenberg.


Aus: "Mehr Befugnisse für Strafverfolger - "Gefährder" sollen in Haft" (20. November 2010)
Quelle: http://www.n-tv.de/politik/Gefaehrder-sollen-in-Haft-article1973186.html

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... Bereits am Mittwoch, als die Nachricht von der Gefährdung Deutschlands sich verbreitete, schien es, als wartete eine hochgerüstete Presse nur auf den Tag X, um zu demonstrieren, wie gut sich die Redaktionen vorbereitet haben. Als am Donnerstagvormittag die ersten Meldungen über einen möglicherweise vereitelten Terroranschlag auf eine deutsche Passagiermaschine vom Ticker liefen, schienen alle Dämme zu brechen: Zwar gab es noch immer keinen echten Terroranschlag, aber in Zeiten, in denen Medien sich von scharfgemachten politischen Verlautbarungen aufladen lassen, als stünden sie unter der Wirkung eines Aufputschmittels, stellt ein möglicherweise vereitelter Terroranschlag, selbst wenn er nur in Namibia sich abgespielt hat, eine gute Gelegenheit dar, eine Nichtnachricht mit viel Donnerwirbel in eine Nachricht zu verwandeln:

*    Die Zeit: Terrorverdacht: Behörden entdecken verdächtiges Gepäckstück
*    Die Süddeutsche Zeitung schön martialisch: Schrecken ohne Grenzen
*    Das Handelsblatt: Bombe für Deutschland in Namibia abgefangen

Die angeführten Schlagzeilen ließen sich problemlos erweitern, aber sie genügen bereits, um aufzuzeigen, dass Rezipienten Nachrichten, wie sie im Kontext der Berichterstattung über den Terror veröffentlicht werden, nur mit Vorsicht aufnehmen sollten.

Während die Redaktion von der Zeit die Meldung zur Verbreitung von Verdächtigungen nutzt, gehen die Süddeutsche Zeitung und das Handelsblatt noch weiter: [extern] Schrecken ohne Grenzen, titelt die SZ martialisch und verweist damit unbeabsichtigt auf die schweren berichterstatterischen Defizite, wie sie in dem Artikel zu finden sind. Bei genauerer Betrachtung des Artikels wird deutlich, dass der "Schrecken ohne Grenzen" zunächst mal nicht von internationalen Terrornetzwerken ausgeht, sondern von hoch reputierten Medien:

Ausgerechnet Namibia: Erstmals ist das afrikanische Land ins Visier der internationalen Terrorfahndung geraten. Steckt die somalische Islamisten-Miliz al-Shabab hinter dem mutmaßlichen Sprengsatz?
SZ

Der im Indikativ (Wirklichkeitsform) stehende Satz führt inhaltlich die Überschrift fort und vermittelt dem Leser den Eindruck, dass Namibia nun in die Länder eingereiht werden kann, die vom internationalen Terrorismus betroffen sind. Zwar wird nur davon gesprochen, dass das Land in das Visier der "Terrorfahndung" geraten ist, aber die Implikationen sind klar: Wo eine internationale Terrorfahndung am Werke ist, muss es auch einen internationalen Terror geben. Jetzt ist der Schrecken (des Terrors) also auch in Namibia. Und schon fragt die SZ professionell: "Steckt die somalische Islamisten-Miliz al-Shabab hinter dem mutmaßlichen Sprengsatz?"

Schnell gelingt es der Zeitung, Realitätsfragmente zusammenzuwerfen und in die neue (scheinbare) Wirklichkeit einzuarbeiten. Man muss nicht lange lesen, bis man die Signalwörter Terroristen, Anschläge und "endlich" auch: Al-Qaida findet. Schließlich erfährt man noch, dass zwei Bomben der somalischen Miliz al-Shahab 76 getötete Fußballfans in Uganda zu verantworten haben. Wenn das nicht ein Beweis ist! Doch wofür eigentlich? Sind die Schilderungen im Artikel ein Beweis oder zumindest ein Hinweis, dass die somalische Miliz al-Shahab Deutsche töten wollte? Sind die "Informationen" des SZ-Artikels Hinweise darauf, dass auch Al-Qaida wieder involviert ist? Also irgendwie, am Rande, vielleicht, unter Umständen?

Nicht besser macht es das Handelsblatt: Dort weiß man um 12.31 Uhr bereits das, was viele noch nicht wissen. Bombe für Deutschland in Namibia abgefangen, schreibt die Redaktion. Die Überschrift deutet auf vorzügliche Insider-Quellen hin, schließlich war zu diesem Zeitpunkt alles andere als klar, dass das Paket für Deutschland bestimmt war, genauso wenig, wie klar war, dass es sich bei dem "verdächtigen Gegenstand" um eine Bombe handeln könnte.

Doch immerhin wird deutlich, woher das Handelsblatt seine Informationen bekommt:
*    Wie das BKA am Donnerstag in Wiesbaden weiter mitteilte...
*    Eine Röntgenaufnahme des Gegenstands lag dem BKA in Wiesbaden vor, wie ein Sprecher sagte...
*    Es habe aber keine neuen Erkenntnisse gegeben, sagte der BKA- Sprecher.
*    Das BKA entsandte seinen Verbindungsmann aus Südafrika nach Windhuk.

Das Handelsblatt dokumentiert, dass das BKA als verlässliche Quelle betrachtet wird, eine kritische Hinterfragung der von der Behörde angebotenen Informationen findet in dem Artikel nicht statt.

Mangelnde Distanzlosigkeit von Seiten der Presse gibt es jedoch nicht nur gegenüber den Sicherheitsbehörden. Wie eingangs angesprochen, sind die Medien in Teilen sogar eine Art Allianz mit der Politik eingegangen.

Erstaunliches findet sich in einem Beitrag auf Stern-Online: In dem Artikel Fakten statt Panik deutet der Autor an, dass er genau zu wissen scheint, was Innenminister de Maiziere meint, wenn er über den Terrorismus spricht. Fast könnte man meinen, der Autor ist zu einem Sprachrohr des Innenministers geworden, denn wie de Maiziere "weiß" auch er, dass die Terrorwarnungen ernst genommen werden müssen. Einen Grund hat er auch: "de Maiziere ist kein Panikmacher", wofür sich der Autor fast zu verbürgen scheint. Und dann geht es in dem Artikel Schlag auf Schlag:

Die Warnungen klingen konkret wie nie. Politiker, die den Informationsquellen im Bundesinnenministerium und dem Bundeskriminalamt (BKA) dienstlich nahe stehen, raten: Wenn möglich in den nächsten Tagen nicht fliegen; bitte Großveranstaltungen meiden, vor allem die Eröffnung des Berliner Weihnachtsmarkts am 22. November; herumstehende Koffer sofort melden.
Stern

Der erste Abschnitt des Artikels verdeutlicht, dass distanzlos die "Meinung" von irgendwelchen Politikern, die irgendwelchen Behörden "nahe stehen", übernommen wird. Eine kritische Diskussion der angebotenen Informationen findet in dem Artikel nicht statt. Doch es geht noch weiter (schlimmer):

Mahnungen, die ernst zu nehmen sind. Denn letztlich gehen sie zurück auf Thomas de Maizière, den Bundesinnenminister. Und der ist keiner, der in seinem politischen Job die Blaulicht-Fahrerei liebt. Er hasst sie... Wer ihn auf dem CDU-Parteitag in Karlsruhe am Montagabend sah, wie er mit bleicher Miene in seinem soldatischen Schritttempo aus dem Sitzungssaal eilte, nachdem er offenbar über die angeblich in der zweiten Novemberhälfte geplanten Anschläge informiert worden war, muss folgendes ernst nehmen: Die Lage ist brisant...

Kurt Biedenkopf, der ihn gerne als seinen Nachfolger im Amt des sächsischen Ministerpräsidenten gesehen hätte, schwärmt geradezu über den Realitätsbezug, mit dem de Maizière Politik macht. Wenn der am Tisch eines Kabinetts sitze, sagte er einmal zu stern.de, dann "sitzt dort die Wirklichkeit"... Mag sein, dass ein früherer enger Mitarbeiter von ihm, der sächsische Regierungssprecher Michael Sagurna, auch in den Ohren seines ehemaligen Chefs zu sehr geschwärmt hat, als er sagte: Bei de Maizière "kann man als Beifahrer im Auto ganz ruhig auf dem Vordersitz schlafen". Aber der Bundesinnenminister arbeitet strikt nach dem Prinzip "Neues Handeln erfordert neue Fakten".
Stern

Diese Zeilen suggerieren, dass der Leser eigentlich gar nicht anders kann (darf), als sich nicht der Meinung des Autors, aber vor allem der Meinung de Maizieres anzuschließen.

Wer einen de Maiziere "mit bleicher Miene" und einem "soldatischen Schritttempo" mit eigenen Augen gesehen hat, der darf auch als Journalist getrost seine kritische Haltung ablegen. Es ist ernst. Das sollte akzeptiert werden. Doch, wo Schatten, da Licht. Trotz der ernsten Lage, ist nicht alles verloren. Schließlich können sich die Journalisten, aber auch die Bürger, auf einen Innenminister verlassen, bei dem man vertrauensvoll im Auto auf dem Beifahrersitz schlafen kann. Was für ein schönes Bild.

Doch das hier gezeichnet Bild offenbart schwere journalistische Mängel. Offensichtlich ist es dem Autor noch nicht mal im Ansatz peinlich, als Referenz zur Charakterisierung de Maizieres als Lichtgestalt, einen ehemaligen Mitarbeiter zu zitieren, der seinen ehemaligen Chef geradezu in den Himmel lobt - wenn auch schwärmend.

Spätestens seit dem öffentlichen Beziehungsstreit zwischen Finanzminister Wolfgang Schäuble und seinem Pressesprecher dürfte die Öffentlichkeit erahnen können, dass allzu liebliche Aussagen persönlicher Mitarbeiter von Politikern immer auch im Kontext eines "Abhängigkeitsverhältnisses" gelesen werden müssten. Doch selbst wenn de Maiziere die Lichtgestalt sein sollte, wie es der Stern-Autor andeutet, ist die fehlende Distanzlosigkeit, wie sie in dem Text zu erkennen ist, bei einem politisch so brisanten und aufgeladenem Thema wie Terrorismus untragbar.

Immerhin liefert der Artikel aber dann doch noch eine wichtige Information:

In diesem Sinne handelte de Maizière nicht erst seit diesem Mittwoch, wo er überraschend die Terrorgefahr auf einer Pressekonferenz öffentlich machte. Schon vor zehn Tagen hatte er Berliner Journalisten zu einem Informationsgespräch gebeten, über das strengste Vertraulichkeit vereinbart wurde. Mit am Tisch saß auch BKA-Chef Jörg Ziercke.
Stern

Es gab also bereits ein Treffen vorab zwischen dem Innenminister und dem BKA-Chef. Warum es im Detail zu diesem Treffen kam, darüber kann man sich seine Gedanken machen.

Das Hauptproblem wird deutlich: Die diskutierten Presseerzeugnisse stellen nur die Spitze der Medienberichte der vergangenen Tage dar. Viele andere Medien haben in ihren Veröffentlichungen dokumentiert, wie schnell in Sachen Terrorberichterstattung selbst hoch professionalisierte Medien einfachste journalistische Grundregeln über Bord werfen...

... Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 sind nun mehr als 9 Jahre vergangen, doch das grundlegende Problem der Massenmedien, wenn es um die Berichterstattung über den Terrorismus geht, besteht noch immer. Nahezu eine ganze Medienlandschaft stürzt sich auf echte oder vermeintliche Nachrichten, um diese mit den Möglichkeiten ihrer hervorragenden aufgebauten äußeren Strukturen den Mediennutzern zu präsentieren. Im Eiltempo speisen die großen Nachrichtenagenturen ihre Schlagzeilen in das System der Massenmedien ein, in rasender Geschwindigkeit nehmen die einzelnen Medien, vom großen Nachrichtenmagazin bis hin zur kleinen Lokalzeitung die Informationen auf, schnell werden Kontakte zum Sicherheitsapparat aktiviert, Experten, die man im Vorfeld quasi schon auf stand bye geschaltet hat, werden angefunkt, die Nachrichtenmoderatoren im Fernsehen präsentieren in ihrer geschliffen Sprache und mit dem Gestus der Wahrhaftigkeit die neusten Entwicklungen.

Gekonnt werden bei jedem vermeintlichen Terroranschlag Verbindungen zum internationalen Terrorismus bemüht, doch bei genauerer Betrachtung bleibt von der an der Oberfläche so sauber aussehenden Berichterstattung nicht viel übrig.

Die Massenmedien wären eher darum bemüht, einen alten Film auszugraben, der die Oma, die angeblich die Bombenattrappe zusammen gebaut hat, bei eben diesem Zusammenbauen zeigt, als dass sauber nachrecherchiert wird, wie es die Meldung im Detail überhaupt von Namibia nach Deutschland schaffen konnte. Wer hatte (Namen, Hintergründe) die Bombenattrappe entdeckt? Wer hat die Meldung weitergeben? Wie hat es die Meldung von Namibia zu einer Nachrichtenagentur (Name der Person und Hintergründe zu ihr) geschafft?

Von wem wurde die Information ans Bundeskriminalamt (BKA) weitergegeben? Wer hat im BKA die Informationen an die Presse weitergeben? Warum waren die Informationen offensichtlich so missverständlich? Wurden sie vom BKA bewusst so missverständlich herausgegeben, oder hat das BKA die Informationen so missverständlich erhalten und ihnen glauben geschenkt?

Doch diesen Fragen wird nicht oder nur unzureichend nachgegangen. Zusammenfassend lassen sich die Kritikpunkte an der Berichterstattung der Medien wie folgt darstellen:
*    Distanzlosigkeit gegenüber der Politik
*    Distanzlosigkeit gegenüber Sicherheitsbehörden
*    Distanzlosigkeit gegenüber der eigenen Berichterstattung
*    Kaum eigene (echte) Recherchen
*    Reflexhaftes Einbinden einer neuen Nachrichtenlage in alte Wirklichkeitsfragmente (was nicht passt, wird passend gemacht)
*    Es wird spekuliert
*    Berichterstattung ist einseitig, kritische Stimmen, die die aktuellen Entwicklungen hinterfragen, werden nicht gehört.

Bemerkenswert ist, dass diese Gesichtspunkte zusammenkommen in einer Zeit, in der es noch gar keinen eigentlichen Terroranschlag gegeben hat.

...

Quote
lurchwurch, 22. November 2010 00:56

Das wirkliche Problem ist doch, dass dort wo im Titel das Wort Terror steht

auch jedes andere Wort stehen könnte
- Arbeitsmarkt und die deutschen Medien
- Wirtschafts- und Sozialpolitik und die deutschen Medien
- Aussenpolitik und die deutschen Medien
- Bildungspolitik und die deutschen Medien
- Umweltpolitik und die deutschen Medien
...
kann man beliebig fortsetzen. Wobei mit Medien natürlich der
Mainstream aus korrumpiertem ÖR, Bertelsmann, Springer, Gruner&Jahr
etc. gemeint ist, denn vor allem dank dem Medium  Internet gibt es
natürlich auch kritische Medien, welche mehrheitlich in der Blogszene
zu finden sind. So aber, kann man die Liste am Ende des Artikels auch
auf jedes andere Topic übertragen. Am ehrlichsten sind die Medien
noch beim Thema Sport. Allerdings auch nur so lange es nicht um
dessen kommerziellen Kehrseiten geht. Woran kranken die Medien? Na an
der fehlenden Freiheit, denn
> Die erste Freiheit der Presse ist es kein Gewerbe zu sein.
So muss es einen nicht wirklich wundern, dass das Internet wenn nicht
überhaupt das erste freie Refugium darstellt, welches es ohne Sperren
und Verbotsschilder zu erhalten gilt.




Aus: "Terror und die deutschen Medien" Marcus Klöckner (22.11.2010)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33702/1.html



« Last Edit: November 22, 2010, 10:29:43 AM by Textaris(txt*bot) »

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[Der Eindruck einer allgegenwärtigen Gefahr... ]
« Reply #161 on: December 13, 2010, 10:11:36 AM »
Quote
[...] Die Hauptnachrichtensendungen im deutschen Fernsehen neigen laut einer Studie dazu, Terrorismus zu inszenieren. "Zugleich gibt es kaum Berichte über die Ursachen des Terrorismus", sagte der Jenaer Kommunikationspsychologe Wolfgang Frindte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Er plädierte dafür, sachlicher über Terrorismus zu berichten.

... In der Studie haben Frindte und sein Team von der Friedrich- Schiller-Universität die Terrorismus-Berichterstattung in den Hauptnachrichtensendungen von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 von August 2007 bis Februar 2009 analysiert. Das waren rund 1200 Beiträge. Zudem wurden 100 Menschen mit zeitlichen Abständen dreimal befragt, um Zusammenhänge zwischen den Berichten und Einstellungen in der Bevölkerung zu ermitteln.

"Die Öffentlich-Rechtlichen berichten häufiger über Terrorismus, bei den Privaten wird mehr emotionalisiert und dramatisiert", schilderte Frindte die Ergebnisse. "Da fließt mehr Blut, da werden mehr Nahaufnahmen gezeigt und die Sprache ist dynamischer." Zwar berichteten die beiden öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF visuell zurückhaltender, doch sei eine Annäherung des ZDF an die Nachrichten im Privatfernsehen zu beobachten.

Kritisch sieht Frindte, dass bei den Berichten der Eindruck entstehe, Deutschland liege im Zentrum der Terrorgefahr. Teils werde nach dem Motto "so könnte es kommen" berichtet, als ob ein Anschlag schon Realität wäre. Bei den Zuschauern - vor allem denen von Privatsendern - entstehe der Eindruck einer allgegenwärtigen Gefahr.

...


Aus: "Studie: TV-Nachrichten inszenieren Terrorismus - "Dramatisierung"" (12.12.2010)
Quelle: http://www.satundkabel.de/index.php/nachrichtenueberblick/medien/77068-studie-tv-nachrichten-inszenieren-terrorismus-qdramatisiertq


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[Die Dame hat... ]
« Reply #162 on: December 14, 2010, 05:10:33 PM »
Quote
[...] Neue Zeugenaussage im Prozess um den Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback: Vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart-Stammheim erklärte ein Zeuge, er habe gesehen, wie eine Frau von einem Motorrad aus die tödlichen Schüsse abfeuerte. Die detaillierte Aussage könnte die umstrittene These stützen, die angeklagte ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker habe Buback selbst erschossen.

Zweifel bestehen allerdings, weil sich der Zeuge erst 33 Jahre nach dem Attentat meldete. Der 56-jährige Kaufmann und Fluglehrer hatte sich erst im Frühjahr an den Sohn des Ermordeten gewandt, den Nebenkläger Michael Buback. Er habe vom Steuer eines VW-Busses aus das Attentat beobachtet, sagte der Zeuge. "Es sah für mich aus wie eine Mafia-Hinrichtung." Nach den Schüssen habe das Motorrad den Dienstwagen Bubacks einmal umrundet. "Die Dame, die da drauf saß, hat mit der Maschinenpistole rumgefuchtelt". Er habe das Gesicht der Frau sehen können, sie habe gelacht oder "die Zähne gebleckt". Damals habe er sich aus Angst vor einer möglichen Rache der RAF nicht bei der Polizei gemeldet.

Verena Becker muss sich in Stuttgart-Stammheim als mögliche Mittäterin des Mordanschlags verantworten. Die Anklage geht allerdings nicht davon aus, dass die damals 24-Jährige selbst auf dem Motorrad saß; vielmehr habe sie eine maßgebliche Rolle bei der Organisation des Attentats gespielt. Michael Buback  hält Becker hingegen für die Schützin. Er glaubt, dass sie bei den Ermittlungen geschützt wurde, weil sie schon vor ihrer Festnahme mit Geheimdiensten kooperiert habe. Hierfür allerdings gibt es bislang keine Beweise.

Quote
SEPP58 schreibt

Und stützt zufällig die These von Buback!

Nach 33 Jahren weiß ein angeblicher Zeuge was genau passiert ist aber er hatte Gewissensbisse es zu sagen?


Wer glaubt das?


Quote
laVictoria schreibt und in 20 Jahren

schwört wieder ein anderer: Nein, Frau Becker war`s doch nicht.


...


Aus: ""Die Dame hat mit der Pistole rumgefuchtelt"" (14.12.2010)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/prozess-gegen-ex-raf-mitglied-becker-die-dame-hat-mit-der-pistole-rumgefuchtelt-1.1036163


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[21 Menschen, die gerade aus der Mitternachtsmesse kamen... ]
« Reply #163 on: January 03, 2011, 12:30:19 PM »
Quote
[...] 21 Menschen, die gerade aus der Mitternachtsmesse kamen, riss ein Selbstmordattentäter mit in den Tod. Dutzende Schwerverletzte werden für ihr Leben gezeichnet bleiben. Nach den Gläubigen im Zweistromland Irak steht nun auch die Jahrtausende alte orthodoxe Kirche entlang des Nils im Visier selbsternannter Gotteskrieger.

Mit ihren Verbrechen im Namen Allahs wollen sie vorhandene Spannungen zwischen den religiösen Volksgruppen anheizen, um diese in einen offenen Kampf gegeneinander zu treiben und ihre Staaten bis ins Mark zu erschüttern.

...


Aus: "Terroranschlag: Die Bedrohung erreicht eine neue Dimension" Martin Gehlen (2.1.2011)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-01/aegypten-christen


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[Mit einem lauten Knall... ]
« Reply #164 on: January 25, 2011, 09:32:13 AM »
Quote
[..] Mit einem lauten Knall ist der Terror ins Zentrum Russlands zurückgekehrt. In der belebten Ankunftshalle von Moskaus größtem Flughafen Domodedowo riss am Montagnachmittag eine Bombe mindestens 35 Menschen in den Tod. Sofort breitete sich Rauch aus. Sekunden nach der Detonation waren Schreie zu hören. Augenzeugen berichteten von zerrissenen Körpern überall am Boden. Der Strom fiel aus, ebenso das Handynetz. In Panik flohen Passagiere vor dem Chaos.

Von den mehr als 170 Verletzten, die mittlerweile in mehreren Krankenhäusern behandelt werden, sollen sich etwa 30 in einem lebensbedrohlichen Zustand befinden. Die Zahl der Toten könnte noch deutlich steigen.

... Sehr schnell verkündeten die Sicherheitsbehörden, dass es sich um einen Selbstmordanschlag handelte. Unter den Toten wurde bereits ein vermeintlicher Attentäter identifiziert. Schnell wurde auch die Vermutung geäußert, dass die Spur des Attentäters und seiner Hintermänner wiederum in den russischen Nordkaukasus führt. Die Nachrichtenagentur Interfax meldete unter Berufung auf eigene Quellen, dass es sich bei den Tätern um Männer aus dieser krisengeschüttelten Region gehandelt hatte. Ein Bekennerschreiben gibt es derzeit nicht. Die Sicherheitskräfte fahnden nach drei Verdächtigen.

Nach dem ersten Tschetschenienkrieg von 1994 bis 1996 zwischen der russischen Armee und tschetschenischen Unabhängigkeitskämpfern hat sich die Region mit den muslimischen Teilrepubliken Tschetschenien, Dagestan und Inguschetien zusehends islamisiert. Seit etwa fünf Jahren macht die dortige islamistische Rebellenbewegung immer wieder mit Terroranschlägen von sich reden. Zum traurigen Alltag russischer Nachrichten gehören kleinere Anschläge innerhalb der Region, die meist Polizeistationen zum Ziel haben.

...



Aus: "Terrorziel Flughafen" (24.1.2011)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-01/moskau-anschlag-flughafen

-.-

Quote
[...] Mindestens 35 Tote und bis zu 180 Verletzte, viele von ihnen in Lebensgefahr: Dies ist die traurige Bilanz des Terroranschlags auf den größten russischen Flughafen im Süden Moskaus. ...

... Der Selbstmordattentäter kam nach ersten Mutmaßungen der Behörden aus dem Konfliktgebiet im russischen Nordkaukasus. "Ich bringe Euch alle um", soll der Mann Augenzeugenberichten zufolge gerufen haben – bevor er seine mit Nägeln und anderen scharfkantigen Metallstücken gespickte Bombe zündete. Diese war in einem Koffer versteckt und soll neben ihm gestanden haben. Stunden nach dem Anschlag entdeckten Ermittler die Leiche des mutmaßlichen Attentäters, der als 30 bis 35 Jahre alter Mann mit "arabischem Aussehen" beschrieben wurde.

In den vergangenen Jahren verübten islamische Extremisten aus der Unruheregion, wo auch das frühere Kriegsgebiet Tschetschenien liegt, wiederholt Terrorakte in Moskau. Zuletzt kamen bei einem Doppelanschlag auf die Metro Ende März 2010 40 Menschen ums Leben.

Im Nordkaukasus, zu der auch die muslimisch geprägten Teilrepubliken Dagestan und Inguschetien gehören, kämpfen islamistische Untergrundkämpfer für ein von Moskau unabhängiges "Emirat". Sie hatten immer wieder gedroht, den Terror ins russische Kernland zu tragen. Moskau hat in der Region nach Behördenangaben etwa 24.000 Soldaten und Polizisten stationiert, um gegen die offiziell als "Banditen" bezeichneten Terroristen vorzugehen. Fast täglich kommt es in der Krisenregion zu blutigen Zwischenfällen.

...


Aus: "Ein Deutscher unter den Toten von Moskau" (25.1.2011)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-01/moskau-terroranschlag-deutsche-opfer