Author Topic: [Notizen zum Terror... ]  (Read 194189 times)

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[Die Aufnahme von Guantanamo-Häftlingen... ]
« Reply #120 on: June 18, 2009, 09:34:37 AM »
Quote
[...] Straßburg (AFP) — Die Weigerung Deutschlands, Häftlinge aus dem US-Gefangenenlager Guantanamo aufzunehmen, ist im Europarat auf Kritik gestoßen. Keiner der rund 50 Gefangenen, um deren Aufnahme US-Präsident Barack Obama ersuche, sei für schuldig befunden worden, sagte der Menschenrechtsbeauftragte der Länderorganisation, Thomas Hammarberg. Selbst der "riesige Ermittlungsapparat" der US-Sicherheitsdienste habe keine Beweise gegen sie finden können.

Die neun Uiguren, deren Aufnahme Deutschland abgelehnt habe, seien auf der Flucht aus China in Pakistan gelandet, sagte der Schwede. "Dort wurden sie von Bauern für 5000 Dollar pro Mann an den US-Geheimdienst verkauft." Sie seien keine Terroristen und stellten keine Gefahr dar. Dies gelte auch für zwei Männer aus Tunesien und Syrien, über deren Aufnahme derzeit in Deutschland beraten wird. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) riet Hammarberg dringend, "die Berichte der CIA zu den einzelnen Häftlingen sehr aufmerksam zu lesen". Die USA hätten zugesagt, potenziellen Aufnahmeländern diese Unterlagen zur Verfügung zu stellen.

Mit der Aufnahme von Guantanamo-Häftlingen könnten die europäischen Länder die öffentliche Meinung in den USA positiv beeinflussen, hob Hammarberg hervor. Die Regierung von Obamas Vorgänger George W. Bush habe die Lager-Insassen als "die gefährlichsten Menschen auf der Welt verteufelt". Auch deshalb gebe es im US-Kongress Widerstände gegen eine Aufnahme in den USA. Wenn einige Länder nun mit gutem Beispiel vorangingen, könnten sie diese Haltung beeinflussen und Obama dabei helfen, das Lager zu schließen. Mittlerweile gebe es Signale aus dem Kongress, dass die USA dann auch selbst einige der Häftlinge aufnehmen könnten.


Aus: "Europarat: Schäuble soll bei Guantanamo-Häftlingen einlenken" (afp, 18.06.2009)
Quelle: http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5gKolxlzB5ftp6I7H4f3Zq5oe3T4w

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[...] Der Menschenrechtsbeauftragte des Europarats, Hammarberg, hat den Umgang Deutschlands mit Häftlingen aus Guantanamo kritisiert. Von den rund 50 Gefangenen, für die US-Präsident Obama Aufnahmeländer suche, werde niemand für schuldig betrachtet, sagte Hammarberg der Nachrichtenagentur AFP.

...


Aus: "Europarat kritisiert Umgang mit Guantanamo-Gefangenen" (18. Juni 2009)
Quelle: http://www.dradio.de/nachrichten/200906180900/4


Offline Textaris(txt*bot)

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[Eine merkwürdige Melange... ]
« Reply #121 on: July 02, 2009, 12:38:17 PM »
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[...] Der französische Verb lancer stammt vom vulgärlateinischen lanceare (eine Lanze handhaben) und wird seit 1080 für „werfen“ benützt. Seit 1820 wird lancer auch verwendet für: „Etwas oder jemand fördern, indem man es bekannt macht, es zur Geltung bringt“. Seit 1877 ist es zudem benützt für: „Aller nützlichen Reklamemittel verwenden, um ein Unternehmen in Gang zu bringen, oder ein Produkt in Umlauf zu bringen und bekannt zu machen“. Mit diesen beiden Bedeutungen wird es im Französischen zum Beispiel verwendet für einen Schauspieler, ein Buch, einen Modetrend, ein kommerzielles Produkt wie ein Waschmittel oder ein Automodell.

...


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Lancieren (17. April 2009)

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[...] München - Sie haben verstärkte Reisebewegungen angeblicher deutscher Verdächtiger nach Pakistan registriert und sind wegen abgehörter Gespräche aufmerksam geworden: Sicherheitsexperten sehen einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge knapp drei Monate vor der Bundestagswahl eine erheblich gestiegene Gefahr eines Terroranschlags in Deutschland.

Eine "merkwürdige Melange aus Qaida-Leuten und anderen Dschihadisten" diskutiere, wie Druck auf Deutschland ausgeübt werden könne, zitierte die Zeitung einen namentlich nicht genannten Sicherheitsexperten. Für den nicht auszuschließenden Fall eines Anschlags würden Gespräche mit dem Katastrophenschutz geführt. Auch sei die Generalbundesanwaltschaft in die Diskussionen einbezogen worden. Ein hochrangiger Sicherheitsbeamter sagte demnach: "Wir arbeiten derzeit den gesamten Sicherheitskatalog ab und bereiten uns sogar auf eine mögliche Chaosphase vor."

Dem Bericht zufolge ist für diesen Donnerstag ein Krisentreffen von Behördenvertretern wie dem Bundeskriminalamt und dem Bundesamt für Verfassungsschutz mit Experten des Bundesinnenministeriums geplant. Dabei sollen dem Bericht zufolge Präventionsmaßnahmen diskutiert werden.

Demnach sind in den kommenden Wochen auch Treffen mit Vertretern der Bundesländer geplant. Zu den Präventionsmaßnahmen gehört dem Bericht zufolge beispielsweise die verstärkte Beobachtung der mutmaßlich islamistischen Szene. Dem Sicherheitsbeamten zufolge sei es möglich, dass Terroristen den Wahltermin im September dazu nutzen könnten, Deutschland zum Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan zu bewegen. Er verglich die Gefahrenlage mit der Zeit vor der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland 2006. Damals habe es "ähnliche Hinweise und Anzeichen" gegeben. Nach der WM habe sich herausgestellt, dass zwei Männer Anschläge auf Züge in Deutschland mit Kofferbomben geplant hatten.

Es gebe derzeit bei den Behörden aber offenbar keine Erkenntnisse über konkrete Anschlagsziele in Deutschland, heißt es in dem Zeitungsbericht.

hen/AFP/dpa


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deccpqcc, 02.07.2009

eine merkwürdige melange aus politikern und geheimdienstlern diskutiert wie sich vor den wahlen druck aufbauen lässt durch herbeireden einer terrorgefahr. so müsste doch der text des artikels richtig lauten, liebe SPON-redakteure.

denn wenn leute nach pakistan fahren in ausbildungscamps dann sind diese festzunehmen und nichts anderes !



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mzwk, 02.07.2009

Gaebs keinen Terrorismus muesste man ihn erfinden.

Jaja Schafe, ihr muesst halt taeglich daran erinnert werden dass an jeder Ecke Terroristen lauern und euch jederzeit in die Luft sprengen wollen - dafuer muesst ihr halt eure Freiheit aufgeben.

Ich erinnere da an die Szene aus "V wie Vendetta", wo der Grosskanzler ausflippt und zu seinen Untergebenen meint: "Es wird Zeit dass die Leute wieder merken dass sie uns brauchen" - Schnitt - Und man sieht einige Ausschnitte aus Nachrichtensendungen ueber Katastrophen (Airbus abstuerze?), Pandemien (Schweinegrippe?), Terrorismus, Noete, etc.

Es gibt aus dem Film sooo viele Parallelen zu heute, unbedingt mal ansehen wenn man ihn noch nicht kennt.




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mbberlin, 02.07.2009

Seit 2001 alle zwei bis drei Monate dasselbe: Die Terrorgefahr steigt unaufhörlich wie der DAX.

Dmenächst werden sicher auch wieder ein paar Topterroristen gefasst, die aus Rosinen, Zahnseide und Druckknöpfen eine Höllenmaschine gebaut haben mit der sie einen Anschlag auf einen Kiosk im Hamburger Miniaturwunderland geplant haben.

Vermutlich werden es diesmal von den Bassidsch-Milizen ausgebildete Uiguren sein, die sich in Bad Tölz eine Tarnidentität als Masseure in einem Wellnesshotel aufgebaut haben.

Ja, ich habe natürlich Angst! Aber auch eben soviel Vertrauen in BKA, Verfassungsschutz und zu allererst in unseren Schäuble. Er wird niemals zulassen, dass es Tränen im Miniaturwunderland gibt!



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unuomo, 02.07.2009

Woran das wohl liegen mag?
Doch nicht etwa daran, das wir am Hindukusch unsere Freiheit verteidigen? :-)))))



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hook123, 02.07.2009

Klar warnen "Experten" vor Anschlägen, es geht ja schließlich auf die Bundestagswahlen zu und da kann es nicht schaden, wenn man den von wirtschaftlichen Abstieg und Arbeitslosigkeit, hohen Spritpreisen und Steuererhöhungen bedrohten Souverän mal wieder die schon fast verdrängte Terrorgefahr vor Augen führt und ordentlich Angst schürt, um vom grenzenlosen Versagen der Spaßkanzlerin und ihrer Dilletantenkoalition abzulenken.

Dies Ablenkung tut auch not, zumal grade wieder wegen der Geschenke an die Banken, Opel und Quelle ein Nachtragshaushalt von 40 Milliarden (!) Euro fällig wird und bevor da jemand kritisch nachfragt beschäftigt man den Urnenpöbel lieber mit anderen Dingen.

Als Sekundärnutzen fällt dann noch dabei ab, dass man sich als harter Antiterrorkämpfer mit immer haarsträubenderen Eingriffen in Bürgerrechte gerieren kann - zwei Fliegen mit einer Klappe sozusagen.

Die Gefahr von Terroranschlägen besteht immer und soll auch nicht verharmlost werden, aber es besteht auch immer die Gefahr vom Laster am Zebrastreifen überfahren zu werden und die düfte in Deutschland größer sein, als die Terrorgefahr - zumindest im Moment.

Wie der aktuelle Verfassungsschutzbericht (Stichwort: Wirtschaftsspionage) auch zeigt,haben dieses Land und wahrscheinlich auch die meisten Bürger - Bankvorstände von Landesbanken ausgenommen - derzeit ganz andere Probleme als morgens bei Brötchen holen von einem geistig verwirrten Radikalislamisten in die Luft gejagt zu werden.

Ein Blick auf die sogenannten Experten zeigt jedenfalls, dass sie alle ein hohes Interesse an einem ordentlichen und gleichmäßig hohen Angstpegel in der Bevölkerung haben um so tolle Vorschläge wie die Vorratsdatenspeicherung, Einsatz der Bundeswehr im Innern, Luftsicherheitsgesetz, Kronzeugenregelung durch Parlament zu bekommen, frei nach dem Motto, "...wollen Sie etwa, dass sich die Anschläge von 11. September bei uns wiederholen?"

Man kann sich jedenfalls schon lebhaft vorstellen, was beim Treffen der ganzen Freiheitsbegrenzer als Ergebnis rauskommen wird.

Für den Bürger bleibt nur die Hoffnung, dass Karlsruhe einmal mehr rechtzeitig die Handbremse zieht, um uns vor wirklich schlimmen Dingen und unserem sauberen Bundesinnenminister zu bewahren.



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Charles Atane, 02.07.2009

Der Trick hat 'nen Bart

*Gääähhhn* schon wieder - welches Gesetz oder welche Verfassungsänderung will Schäuble denn diesmal durchsetzen??


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hansmaus, 02.07.2009

Schnell handeln

Wenn das so ist wie im Artikel geschildert muss man Schnell handeln!
In deutschland befinden sich derzeit ca. 81 Mio Terrorverdächtige dich bei weitem nicht ausreichend überwacht und bespitzelt werden daher fordere ich eine Ausweitung JETZT!
Es kann nicht sein das deutsche Terrorkinder wie die Brut meiner Nachbarn unbehelligt verstecken spielen!
Ja ihr habt richtig gehört, die haben verstecken gespielt und das ist die erste Stufe zur Terrorausbildung! Was wenn sie in 10-15 Jahren zum Islam konvertieren und Anschläge verüben? Da muss jetzt überwacht werden und sanktionen in Form von Verboten kommen.
Achja das Thema Killerspiele und Internetzensur muss auch ganz weit oben auf der Liste stehen da es ja nicht angehen kann das man machen kann was man will solange man andere nicht gefährdet schließlich leben wir in Deutschland und nicht in einer echten Demokratie.


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hasihasilein, 02.07.2009


Anschwellende Terrorgefahr

Ach - sind schon wieder 10 Deutsche von der Al Keida mit Autos überfahren worden?
Spass beiseite - "Sie haben verstärkte Reisebewegungen angeblicher deutscher Verdächtiger nach Pakistan registriert und sind wegen abgehörter Gespräche aufmerksam geworden" schreibt eine Zeitung...

Und warum verhaftet man sie nicht? Dass das geht weiss man seit Kurnaz denn konnte man sogar Jahre in Guantanamo festhalten obwohl er unschuldig war....
Braucht man schon wieder neue Kofferbomber und Sauerland Muppets?




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Silverhair, 02.07.2009

Ich empfehle allen Lesern sich mal "rückwärts" durch den SPON zu bewegen, und mal alle "Warnungen" die aus dem Haus Schäuble und BKA kamen zu Gemüte zu führen.
Gerade das BKA hat laufend alles mögliche verkündet - beispiel Iran. Da hätten die die Bombe in ein paar Wochen, in ein paar Monaten dann wieder in ein paar Tagen.

Nichts davon hatte irgendeinen Wahrheitswert - und das ist alles schon Jahre her!

Natürlich beraten immer alle irgendwo auf der Welt, oder glaubt jemand das die Banker - die eigentlich eine 1000 x grössere Gefahr für den Planeten darstellen damit aufgehört haben sich auszudenken wie sie noch mehr Geld "erbeuten können"?
Und? Staaten und Volkswirtschaften kann man mit Bomben, mit überhaupt keiner physikalischen Gewalt etwas antun! Auch wenn es schlimm klinkt, als Staaten stecken wir 1000'sende als Opfer locker weg, davon zeugen alleine Unfälle, Krankheiten und Naturkatastrophen!

Und, die BW beeinflussen .. Menno, der Verteidigungminister Jung sieht inzwischen auch schon die Unmöglichkeit mit militärischen Mitteln den Afghanistan Krieg zu beenden, die Amerikaner stellen die vernichtung von Opiumfeldern ein, und auf allen Ebenen wird sogar mit den Taliban verhandelt wie man aus dieser Misere rauskommt!

Was da verbreitet wird an "wollen zwingen" wiederspricht sich laufend selber - den wenn Taliban = al Quiada , dann würden sie ihre eigene Position doch torpedieren. Und wenn das nicht ist, dann stimmen die Relationen Taliban=al Quaida nicht!

Da versuchen nur mal wieder Schäubles Stasi 2.0 und das BKA ihre Machtbefugnisse auszuweiten - mehr überwachung, mehr kontrolle - mehr verlust von demokratie - und das mit sinnlosen Horrormeldungen.

Und, seien wir doch mal einfach ehrlich! Kaum noch ein Bundesbürger glaubt das er mit dieser Wahl irgendwas verändern würde - also warum sollte ein "Anschlag" die Bundesbürger davon überzeugen das ein irgendwie gearteter Einfluss auf die Politiker stattfindet.

Also ich als "Al Quaida" würde schlicht ein Scheckbuch nehmen und ein bissle Lobby arbeit im Bundestag betreiben - das wäre weitaus effektiver als auch nur ein einziger Anschlag!





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sichreid, 02.07.2009

Ja! wir werden alle sterben.
In regelmäßigen Abständen wird uns wieder erzählt, wieso wir denn bald sterben werden, wenn wir nicht die Partei wählen, die uns vor dem ganzen Übel in Sicherheit bringen möchte - natürlich unter der Voraussetzung unsere Freiheit und Privatsphäre dafür zu kassieren.
Die bereits oben erwähnte Ähnlichkeit mit V-Vendetta kommt mir da auch immer wieder in den Sinn.
Schade daß die Bevölkerung nicht mehr ganz so mitspielt.

Auch in anderen Bereichen kann man diese Versuche Angst zu erzeugen sehen.
Da uns kürzlich die Vogelgrippe "leider" nicht alle dahingerafft hat, muß man nun eben alle 2-3 Tage vor der ebenso verheerenden Schweinegrippe warnen.
(Auch wenn sich die Opferzahlen - so leid mir diese tun - sich wohl nicht sehr von "gewöhnlichen" Grippewellen unterscheiden - oder irre ich?)

Kurz: Steckt euch eure Terrorwarnungen sonstwo hin!

Es wird wohl bald wahrscheinlicher sein beim Gang zum Bäcker von 100 Kameras beobachtet zu werden als von einem Terroristen!



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schizopath, 02.07.2009

[...] Die echten "Terroristen" haben schon längst zugeschlagen.
Es sind die Vorstände der HRE und alle anderen Wirtschafts-Terroristen in den "oberen Etagen" der sogenannten "Hochfinanz".
Die haben mehr Chaos angerichtet, als es jeder gewaltsame Terroranschlag jemals könnte.

Und jetzt sollte man weiter nachdenken, was die Ursache von gewaltsamem, "echtem" Terrorismus ist und wo der Verfassungsschutz und die Sicherheitsexperten den Hebel tatsächlich ansetzen sollten.


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hook123, 02.07.2009

;-)

Investment-Banker und KfW-Vorstände als Gefährder, das würde ganz neue Perspektiven eröffnen.

Die Islamisten müßten sich völlig neue Rekrutierungsstrategien ausdenken: Statt staubigem Terrorcamp in der Wüste 5-Sterne-Villa an der Côte Azur. Statt Schießtraining Golftraining. Statt Jungfrauen im Paradies Nutten im Diesseits...

Auch für die knallharten Antiterror-Kämpfer würde dies eine erhebliche Umstellung bedeuten. Statt vor ranzigen Internetcafés würde man Gefährder zukünftig vor schicken Anwesen in Villenvierteln observieren und es müßte eine neues Luftsicherheitsgesetzt zum präventiven Abschuß von Executive-Jets beschlossen werden...


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kevin i. , 02.07.2009

[...] Ich denke, wenn die Sauerlandzellen und Kofferbomber erfolgreich gewesen waeren, wuerden die Meinungen hier ganz anders aussehen.


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Orthogräfin, , 02.07.2009

Quote
Zitat:
Aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein .....

kommt das hier jemandem bekannt vor?

Das obige Zitat ist automatisch verkürzt worden. Hier der Rest (diesmal hoffentlich vollständig):


Quote
Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land.


http://de.wikiquote.org/wiki/Angriff



http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=3969015#post3969015



Aus: "SICHERHEIT - Experten sehen erhöhte Terrorgefahr in Deutschland" (02.07.2009)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,633832,00.html

-.-

Quote
[...] Es gebe Hinweise von befreundeten Geheimdiensten, dass im Internet darüber diskutiert werde, wie in Spanien im März 2004 die Parlamentswahl in Deutschland mit einem Attentat zu durchkreuzen, sagte Schäuble beim Parteitag der Jungen Union Baden-Württemberg in Asperg bei Ludwigsburg. "Wir müssen uns nicht verrückt machen. Aber es wäre unverantwortlich, wenn wir diese Hinweise nicht ernst nehmen würden."

[...] Bereits vor wenigen Wochen hatte Innenstaatssekretär August Hanning vor möglichen Anschlägen auf Flughäfen und den öffentlichen Nahverkehr gewarnt. "Islamistische Terroristen streben hohe Opferzahlen an, um eine hohe Aufmerksamkeit zu erzielen", so Hanning. "Gefährdet sind deshalb besonders Flughäfen und der öffentliche Nahverkehr." Es sei in jüngster Zeit festgestellt worden, dass weitere Personen aus Deutschland in Terrorcamps reisen und dort ausgebildet werden. Darüber hinaus gebe es in der Bundesrepublik eine "nicht unerhebliche Zahl von Personen, die sich für den islamistischen Djihad in Deutschland interessieren". Die Sicherheitsbehörden seien daher "zu höchster Aufmerksamkeit" veranlasst.

ppo/dpa


Aus: "Noch vor der Bundestagswahl - Hinweise auf Anschlagspläne" (11. Juli 2009)
Quelle: http://www.n-tv.de/politik/Hinweise-auf-Anschlagsplaene-article407612.html

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Quote
[...] Was denn nun? Plant ihr einen Anschlag vor der Bundestagswahl oder nicht? Ihr müsst ein bisschen vorsichtig sein, weil unser oberster Terrorfahnder August Hanning der Presse am Donnerstag in die Mikrofone diktierte: "Erhöhte Terrorgefahr vor Bundestagswahl."

Alle, wirklich alle haben es dann auch brav genauso aufgeschrieben, angefangen von der Bildzeitung bis hin zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die Süddeutsche, die Online-Redaktionen von Spiegel und Zeit, die Welt, ja, auch die FR. Wäre Deutschland eine Diktatur, würde ich sagen, dass unsere Medien die Propagandazentrale des Innenministeriums sind.

Es muss sich nur ein Staatssekretär hinstellen und genauso umständlich wie geheimnisvoll etwas verkünden und, zack , steht es am nächsten Tag genauso da, wie man sich das vorher in der Presseabteilung des BMI nicht perfekter hätte vorstellen und planen können.

Keine Nachfragen, kein kritisch reflektiertes Denken, bei Terror verkleben allen die Synapsen. Hier sind die sensationellen Ermittlungsergebnisse:

Es könnte in Deutschland ein Anschlag verübt werden. Ein möglicher Grund wäre, dass man damit den Rückzug der deutschen Truppen in Afghanistan erpressen will. Die Attentäter sind entweder Islamisten, Terroristen oder islamistische Terroristen, in allen drei Fällen sind sie "potenziell gefährlich". Auf jeden Fall gehören sie zur El Kaida. Dazu zählt jeder, der eine Sure murmelt, bevor er die Lunte im Rucksack zündet. Auch der "Rückkehrer", der ein Terrorcamp in Pakistan besucht und mit einem Attentäterdiplom nach Deutschland zurückkehrt, könnte gefährlich sein.

Eine ganze Menge "eventuell", "könnte", "vielleicht" und "vermutlich" sind dabei im Spiel, unsere Sicherheitsleute sind keine 007-Kerle, sondern Beamte.

Mich irritiert, dass niemand sich darüber aufregt, dass der Öffentlichkeit so ein diffuser Pudding aus Angstmache serviert wird. Wer genau hält sich denn in Deutschland auf, der ein solches Terrorcamp besucht hat? Plant er etwas? Wenn ja, warum ist er noch nicht festgenommen? Weil er doch nichts plant oder weil es ihm niemand nachweisen kann?

Oder gibt es konkrete Ermittlungsergebnisse, die man aber aus taktischen Gründen nicht verbreiten sollte? Weshalb werden der Presse dann Mitteilungen gemacht? Können nicht alle Sicherheitsbehörden einfach still und gewissenhaft ihre Arbeit erledigen? Offensichtlich nicht.

Liegt der Grund darin, dass man sich jetzt schon die Hände reinwaschen will, für den Fall, dass in Deutschland ein Anschlag verübt wird? Geht man etwa davon aus, dass man es nicht verhindern kann? Darf man das gegenüber der Öffentlichkeit nicht zugeben, weil der Steuerzahler dann natürlich zu Recht den gesamten Sicherheitsapparat in Frage stellt?

Das allerabsurdeste aber ist, dass August Hanning nach all dem Gefahrenszenario, das er zeichnete, vor einer Alarmstimmung warnte. Ja, mehr noch, er sagte, dass es keine konkreten Hinweise für einen Anschlag gibt. Wird irgendjemand daraus klug? Wahrscheinlich nur ihr Terroristen. Vielleicht sitzt ihr in einer Grube im Sauerland und denkt, Wahnsinn, unsere Propagandazentrale im BMI funktioniert prima. Wir schicken ein Video, verbreiten ein paar Gerüchte und, zack, machen sich alle in die Hosen!

Mein Gott, ist das alles abstoßend.

Ihre Mely Kiyak



Aus: "Kolumne - Liebe Terroristen!" (03.07.2009)
Quelle: http://www.fr-online.de/top_news/1821370_Kolumne-Liebe-Terroristen.html

« Last Edit: July 13, 2009, 09:35:07 AM by Textaris(txt*bot) »

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[Der "Ufo-Hacker" beschäftigt das britische Unterhaus... ]
« Reply #122 on: July 15, 2009, 03:57:33 PM »
Quote
[...] Während der als "UFO-Hacker" bekannt gewordene Schotte Gary McKinnon weiter vor dem High Court gegen seine drohende Abschiebung in die USA kämpft, will die konservative Partei den Fall am heutigen Mittwoch im britischen Unterhaus zur Abstimmung bringen. Der 43-Jährige hatte zugegeben, in den Jahren 2000 und 2001 auf der Suche nach UFO-Beweisen in zahlreiche Rechner von US-Regierungsorganisationen eingedrungen zu sein. McKinnon, bei dem im vergangenen Jahr das Asperger-Syndrom diagnostiziert worden war, droht im Falle einer Verurteilung in den USA eine langjährige Haftstrafe.

[...] Das Auslieferungsgesetz, unter dessen Bestimmungen McKinnon nun an die USA überstellt werden soll, sei für Terroristen gemacht, sagte Oppositionsführer David Cameron der Daily Mail. "Es war nie für einen Fall wie Gary gedacht."

...




Aus: ""Ufo-Hacker" beschäftigt das britische Unterhaus" (15.07.2009)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Ufo-Hacker-beschaeftigt-das-britische-Unterhaus--/meldung/142045

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[Da sind durchaus Überraschungen zu erwarten... ]
« Reply #123 on: July 22, 2009, 10:04:24 AM »
Quote
[...] Eine einzige Akte kann zum Sprengstoff werden", sagt Professor Christoph Cornelißen von der Universität Kiel. Als Vorstandsmitglied im Verband der Historikerinnen und Historiker Deutschlands beobachtet der Zeitgeschichts-Forscher deshalb mit Argwohn das Ringen in der Bundesregierung um die Freigabe von Verschlussakten für die historische Forschung.

Vor drei Jahren hatte eine Arbeitsanweisung von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) den Streit ins Rollen gebracht. Verschlussakten aller Bundesbehörden sollten demnach grundsätzlich nach 30 Jahren für Forschungszwecke zur Verfügung stehen - es sei denn, es hätte jemand begründete Einwände.

Später nahm Schäuble diese praktikable Regelung zurück, angeblich vor allem auf Druck aus dem Auswärtigen Amt. Nun sollte jede Verschlussakte vor der Freigabe von sämtlichen beteiligten Stellen geprüft werden.

"Man kann sich leicht vorstellen, wie schwierig das wird, überhaupt die Rechtsnachfolger der zuständigen Abteilungen zu finden zumal, wenn ausländische Partner wie Geheimdienste beteiligt waren", erklärt Cornelißen. Im Grunde, so der Historiker, bedeute dieses Vorgehen "ein Verschlusssiegel für immer".

Dass diese Regelung unpraktikabel ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Jetzt setzen Kanzleramt, Außen- und Verteidigungsministerium auf eine generelle Verlängerung der Sperrfrist auf 50 Jahre. Das geht aber selbst Schäuble zu weit: Die Regelung werde "dem rechtspolitischen Ziel nicht gerecht", einen leichteren Zugang zu den Akten schaffen, sagte er dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Eine Arbeitsgruppe solle noch vor der Bundestagswahl im September zu einer Lösung kommen, sagt ein Sprecher des Innenministeriums der FR. Schäuble setzt sich dabei für ein Stufenmodell ein: Bis Ende 2012 sollen demnach alle Dokumente des Bundes aus den Jahren bis 1959 überprüft und freigegeben werden, bis Ende 2018 Akten bis ins Jahr 1979, bis Ende 2024 alle Unterlagen bis ins Jahr 1994.

Zeithistoriker Christoph Cornelißen ist skeptisch, dass es zu einer liberalen Lösung kommt, wie sie etwa in den skandinavischen Ländern praktiziert wird. Dort sind alle Unterlagen ohne Prüfung sofort nach Ende der Sperrfrist zugänglich mit ganz wenigen Ausnahmen.

Was die Aktenpraxis in Deutschland betrifft, so unterstellt Cornelißen den Behörden durchaus eine "gewisse Faulheit". Die Aktenfreigabe bedeute Mehrarbeit, die den Mitarbeitern "im Zweifel nur Ärger ins Haus" bringe. Schließlich könne bereits eine einzige Akte, wie jüngst im Fall Benno Ohnesorg geschehen, für erheblichen Sprengstoff sorgen.

Auch Jahrzehnte nach solch brisanten Ereignissen dürften viele Unterlagen neue Fakten ans Tageslicht bringen, die bis in die Politik der Gegenwart nachwirken könnten. "Detonationen sind möglich", sagt Cornelißen. Deshalb seien vor allem beim Verfassungsschutz kaum Unterlagen zur historischen Analyse freigegeben. "Da kommt selbst ein Stefan Aust, Ex-Chef des "Spiegel", oft nicht weiter" von weniger prominenten Forschern ganz abgesehen.


Aus: "Terrorismusforschung - Geheime Akten mit Sprengkraft" Von Martin Wein (21.07.2009)
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wissen_und_bildung/aktuell/1846580_Terrorismusforschung-Geheime-Akten-mit-Sprengkraft.html


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Quote
[...] Herr Dahlke, Sie forschen über internationalen Terrorismus Mitte der 1970er Jahre. Was ist bei Ihren Studien nach all den Veröffentlichungen zu RAF & Co bislang Neues herausgekommen?

[Matthias Dahlke]: Ich vergleiche Deutschland, Österreich und die Niederlande. Dabei kam vor allem heraus, dass jedes Land einen anderen Weg zur Unnachgiebigkeit gegenüber Terroristen beschritten hat. Bemerkenswert ist, wie unbedarft und zum Teil auch naiv eigentlich alle Regierungen Anfang der 1970er Jahre mit terroristischen Forderungen umgegangen sind. In Deutschland entstand das umfassende Konzept der Inneren Sicherheit, das wir heute für völlig selbstverständlich halten. Im Vergleich wird deutlich, dass es so selbstverständlich gar nicht ist.

Jetzt wollten Sie Akten des Bundeskanzleramtes einsehen. Welche Erkenntnisse versprechen Sie sich davon?

Ich untersuche vor allem Unterlagen von Krisenstäben bei Geiselnahmen und Entführungen. Da ist der Aktenzugang generell schwierig. Wie ich im Bundesarchiv erfuhr, liegen im Kanzleramt unter anderem noch Akten zum Anschlag auf die Olympischen Spiele in München 1972. Jedes Dokument über diese Arbeit hilft uns, besser zu verstehen, was genau dort abgelaufen ist, wie sich damals politisches Handeln und Denken angesichts des "neuen" Terrorismus ausgeprägt hat und welche Fehler möglicherweise gemacht wurden.

Bislang gilt eine Sperrklausel von 30 Jahren für staatliche Unterlagen. Wie strikt ist diese Regelung im internationalen Vergleich?

Sie liegt durchaus im Rahmen des Üblichen. Bei der Umsetzung fällt allerdings schon auf, dass es beispielsweise in den Niederlanden wesentlich einfacher ist, an Dokumente heranzukommen. Man darf sich nicht der Illusion hingeben, dass nur, weil sie rechtlich nach 30 Jahren zugänglich wären Bestände auch sofort einsehbar wären. Das hat nicht nur Verschwiegenheitsgründe, sondern auch praktische. Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs zeigt, welchen auch finanziellen Stellenwert viele Regierungen der historischen Archivarbeit zumessen.


An die 30-Jahres-Frist fühlte man sich in Ihrem Fall nicht gebunden?
Grundsätzlich gelten für Verschlusssachen und Geheimakten besondere Regelungen. Sie werden stets vorab nochmals geprüft, bevor sie freigegeben werden. Der Chef des Bundeskanzleramtes hat mir ohne Angabe von Gründen mitgeteilt, dass die Sperrfrist mindestens bis 2018 verlängert werde.

Warum scheuen die Staatsorgane eine wissenschaftsöffentliche Überprüfung ihres Regierungshandelns?
Bei Geheimdienstkontakten oder internationalen Beziehungen wird natürlich eine gewisse Verschwiegenheit erwartet. Gerade in Fällen, in denen etwa die CIA involviert war, bestehen größte Vorbehalte. Andererseits muss inhaltlich deutlich werden, warum Sperrfristen verlängert werden. Sonst ist der Willkür ja Tür und Tor geöffnet.

Was kann denn nach drei Jahrzehnten so brisant sein, dass es nicht an die Öffentlichkeit gelangen dürfte?
Das ist ein großes Rätsel - schon deshalb, weil die meisten Unterlagen doppelt überliefert sind. Wenn sie nicht im Bundesarchiv liegen, dann in einem Landesarchiv oder auch im Ausland. Und irgendwo bekommt man dann nach vielen Mühen meist doch Zugang.

Wäre die von einigen Ministerien geforderte Verlängerung der Sperrfrist auf 50 Jahre mit der im Grundgesetz garantierten Freiheit der Wissenschaft noch vereinbar?
In einer Bürgerdemokratie ist die Transparenz des Regierungshandelns eine wesentliche Voraussetzung. Die lässt sich ohne angemessene Akteneinsicht aber nicht herstellen. Gerade im Bereich der Terrorismusgeschichte haben einige Politiker aus jener Zeit bis heute eine fast unangefochtene Deutungshoheit. Ohne Kenntnis der Quellen können wir Historiker deren Aussagen nicht überprüfen.

Welche Lücken in der Geschichte der Bundesrepublik sollten besonders aufgearbeitet werden?
Der gesamte historische Forschungskomplex des Terrorismus in Deutschland und Europa steckt noch in den Kinderschuhen. Da sind durchaus Überraschungen zu erwarten, wenn entsprechendes Material freigegeben wird.


Aus: "Historiker Dahlke im Interview - Großes Schweigen über RAF & Co." Interview: Martin Wein (21.07.2009)
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wissen_und_bildung/aktuell/1846603_Historiker-Dahlke-im-Interview-Grosses-Schweigen-ueber-RAF-und-Co..html


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[Sommer 1992... (Falcone, Borsellino)]
« Reply #124 on: July 22, 2009, 01:05:47 PM »
Quote
[...] 17 Jahre nach den Mafia-Anschlägen, bei denen die Staatsanwälte Giovanni Falcone und Paolo Borsellino ums Leben kamen, sind die Ermittlungen neu aufgenommen worden.

Die neuen Untersuchungen kreisen um die rätselhaften Kontakte zwischen Geheimdienstagenten und Mafia-Bossen, die gegenseitig Informationen ausgetauscht haben sollen. Die Geheimdienste könnten eine wichtige Rolle in Zusammenhang mit den im Sommer 1992 verübten Attentaten gespielt haben, vermuten die sizilianischen Justizbehörden.

Die Ermittler Nicolò Marino und Stefano Luciani aus Palermo haben diesbezüglich bereits den Christdemokraten Vincenzo Scotti befragt, der zwischen 1990 und 1992 den Posten des Innenministers bekleidet hatte, sowie den 1992 amtierenden Premierminister Giuliano Amato. Befragt wurden diese insbesondere über einen Geheimdienstagenten, der bei beiden Anschlägen am Ort des Attentats gesehen wurde.

Für Aufsehen sorgen auch die Aussagen der langjährigen Nummer Eins der sizilianischen Cosa Nostra, Salvatore Riina, der sich seit 1993 hinter Gittern befindet und wegen Mafia-Morden lebenslänglich verurteilt worden ist. Riina erklärte nach Angaben der italienischen Tageszeitung «La Repubblica» (Sonntagsausgabe), dass die Geheimdienste bei den Anschlägen auf Falcone und Borsellino die Finger mit im Spiel hatten - ohne allerdings mehr Details über den Fall zu enthüllen.

13 prominente Mafia-Bosse waren vor zwei Jahren vom Berufungsgericht der sizilianischen Stadt Catania wegen den Anschlägen auf Falcone und Borsellino zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. Sie waren beschuldigt worden, die Auftraggeber des Mordes an Borsellino gewesen zu sein. Zu den verurteilten Paten zählen bekannte Bosse wie Nitto Santapaolo und Giuseppe Madonia.

Borsellino und sein ebenfalls 1992 ermordeter sizilianischer Kollege Falcone hatten sich bemüht, die internationalen Verbindungen der Cosa Nostra aufzudecken. Eine entscheidende Rolle spielten sie beim Aufbau des sogenannten Anti-Mafia-Pools, einer Gruppe von Staatsanwälten, die Mitte der 80er Jahre grosse Erfolge im Kampf gegen das organisierte Verbrechen verzeichnen konnten. (vin/sda)

...


Aus: "«Geheimdienst war an Attentaten beteiligt» – sagt Mafia-Boss" (19.07.200)
Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/MafiaBoss-Riina-behauptet-Italienischer-Geheimdienst-war-an-Attentaten-beteiligt/story/19531203


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[Renaissance des linken Terrors... ]
« Reply #125 on: July 28, 2009, 10:50:33 AM »
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[...] SPIEGEL ONLINE: Für Berlin ist das ein heißer Sommer der anderen Art. Mehr als 150 Autos gingen bislang in Flammen auf, Tendenz steigend. Betroffen sind inzwischen auch ein Streifenwagen und Fahrzeuge der Polizeigewerkschaften.

Rainer Wendt: Ja, anders als in früheren Jahren wurden diese Autos sehr gezielt ausgesucht. Der Tat ging jeweils eine intensive Phase des Planens und Ausbaldowerns voraus. Ähnliches stellen wir mittlerweile auch bei Demonstrationen fest: Erst spähen die Störer die Schwachstellen der Polizei aus, dann schlagen sie zu. Die linksextreme Szene zeichnet sich heute durch ihr konspiratives Vorgehen ebenso aus wie durch eine zunehmende Militanz. Wir sind extrem besorgt.

SPIEGEL ONLINE: Werden Sie konkret - was fürchten Sie denn?

Wendt: Dass wir gerade die Renaissance des linken Terrors der Siebziger beobachten können, getragen vom Hass auf den Staat und seine Ordnung, gerichtet gegen die Personen, die ihn repräsentieren.

SPIEGEL ONLINE: Sie vergleichen die Lage mit den Anfangsjahren der RAF?

Wendt: Ganz genau. Es ist auch nicht mehr auszuschließen, dass in einer nächsten Eskalationsstufe Politiker wieder ins Visier rücken könnten.

SPIEGEL ONLINE: Laut dem Landeskriminalamt Berlin folgten nur bei 20 bis 40 Prozent der Anschläge Bekennerbriefe aus der linken Szene. Dämonisieren Sie nicht einfach den allnächtlichen Hauptstadt-Vandalismus?

Wendt: Keinesfalls, die Fallzahlen explodieren doch! Und auch die Qualität der Übergriffe gibt Grund zur Sorge. Sich damit abzufinden, kann keine Lösung sein.

SPIEGEL ONLINE: Vermuten Sie eine Ideologie hinter den Taten?

Wendt: Es ist eine Diktatur des Neides und der Versager. Die Szene sucht sich ein sozialromantisches Thema, hinter dem sie sich dann versteckt. In Berlin kämpfen die Chaoten angeblich gerade gegen die Modernisierung bestimmter Stadtteile und die daraufhin steigenden Mieten. In Wahrheit aber wollen sie den Staat und seine Organisationen attackieren, wo sie nur können.

SPIEGEL ONLINE: Wie können Sie da so sicher sein? Die Brandstifter werden so gut wie nie überführt.

Wendt: Einige aber doch. Die Aufklärungsquote ist im Übrigen bei diesen Delikten so niedrig, weil wir viel zu wenig in Ermittlungs- und Fahndungsarbeit investieren. Den Linksextremisten ist nur durch einen massiven Einsatz von verdeckten Ermittlern und Vertrauenspersonen beizukommen. Doch dazu fehlen den Ländern die Kapazitäten. Wir haben Prioritäten in der Bekämpfung des Rechtsextremismus und des islamistischen Terrorismus gesetzt - und damit andernorts eben riesige Lücken gerissen. Das muss ausgeglichen werden.

SPIEGEL ONLINE: Spüren Sie für diese Positionen Rückhalt in der Politik?

Wendt: Was den Berliner Senat anbelangt - nein, überhaupt nicht. In der Hauptstadt stänkert der Regierende Bürgermeister öffentlich gegen die Polizei, und der Innensenator verheizt seine Beamten bei Großdemonstrationen. Ein Teil der Regierung sympathisiert offenbar mit den Linksextremisten und macht sich für sie stark. Das führt bei den Kollegen nicht unbedingt zu einem Motivationsschub. Manche Berliner Polizisten haben die Schnauze voll.

SPIEGEL ONLINE: Wie wird die Deutsche Polizeigewerkschaft künftig ihr Eigentum schützen?

Wendt: Wir werden vorsichtig sein, glauben Sie mir. Aber Schutzmaßnahmen, die man öffentlich bekannt gibt, kann man auch gleich sein lassen.

Das Interview führte Jörg Diehl




Aus: ""Renaissance des linken Terrors"" (28.07.2009)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,638552,00.html

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csaa6966
Erfahrener Benutzer

Keine Rechtfertigung

Wendt hat es treffend auf den Punkt gebracht. Es sind Versager, Leistungsverweigerer, gescheiterte Lebensentwürfe - die ihr Tun (bzw. besser gesagt Nichtstun im Sinne einer geregelten Erwerbstätigkeit) flugs zum Kampf gegen "das wahre Problem" umdeuten.


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asharak,
Heute, 08:58

Was für ein Niveau

Der Herr von der Polizei hat sich mit diesem Interview keinen Gefallen getan. Die Argumentantationslinie hätte auch aus der BILD-Zeitung entnommen worden sein, und sie zeugt nicht von einer sachlichen Auseinandersetzung mit der Thematik, sondern nur von polemischen Floskeln. Ein bisschen am RAF-Gespenst rumzupfen und ein wenig Angst vor den durch die Strassen ziehenden und Menschen zu Tode prügelnden, fiesen Linksextremisten schüren, die sich auch noch edreisten Leuten mit niedrigem sozialen Status zu helfen... . (Vorsicht: Ironiealarm)
Es ist an diesem Interview hervorragend nachzuvollziehen, dass hier nicht objektiv über eine Problematik gesprochen wird, sondern einzig und allein eine Partei in einem Konflikt Propaganda verbreitet. Das ist sehr enttäuschend für angeblichen Journalismus, man sollte an dieser Stelle nämlich auch die Stimmen der Gegenpartei hören. Eine einseitige Stellungnahme ist nichts anderes als die Akzeptanz staatlichen Meinungsmonopols. Und auch das ist BILD. Also: interviewt das linksextremistische Klientel zur selben Thematik und stellt es neben das Polizeiinterview, damit sich der Leser eine ausgewogene Meinung über die "Argumente" beider Seiten machen kann.



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M.Sophie, Heute, 08:27
nur versager

Wendt: Es ist eine Diktatur des Neides und der Versager.

das problem ist halt, dass es in diesem system nur noch versager gibt. uniabsolventen die in praktika jahrelang als billige arbeitskraft missbraucht werden ebenso wie die, die 10std am tag schuften und davon nicht mal leben können.

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ich-mag-polizisten-lol
Wäre das ein Forum dann...

Wäre das ein Forumbeitrag keine Pressemitteilung dann...
wäre Herr Wendt ein Troll. Keine Angst, ich meine damit
nicht eine diffamierende Bezeichnung als Höhlenmenschen oder kleinwüchsigen Wilden. Sondern:
Troll (Netzkultur) - [WIKIPEDIA]

In einem Internet-Medium wird ein Autor als Troll bezeichnet, dessen Beitrag nicht zu dem Thema beiträgt, sondern der vor allem das Ziel hat, weitere Reaktionen hervorzurufen, ohne am eigentlichen Thema interessiert zu sein. Die Beiträge selbst werden meist als Troll, Trollbeitrag, Troll-Post, Troll-Posting oder Flamebait bezeichnet

Ich denk Herr Wendt, das junge Schupo Genie tut mit solchen
Aussagen niemandem einen Gefallen.

Wer die Berlin Polizei kennt, weiss um deren Ruf. Ich kenne persönlich mehrere Personen, die unprovoziert von Beamten zusammengeschlagen und verhaftet wurden. (Meistens Migranten, die sich schlechter wehren konnten.. komisch,meine ausländischen MBA homies haben nie Probleme )

Es gibt dann Leute, die glauben so etwas nicht und denken dahinter steckt grundsätzlich immer etwas, was die betreffende Person falsch gemacht hat. (oder von "Linken" politisch instrumentalisiert dramatisierte Geschichten)

Das habe ich eine Weile auch gedacht (das die halt keine GEZ gezahlt haben, rauchen im wald etc.) , bis ich selber mal von 5 Bereitschafts-Robocop-Polizisten zusammengeprügelt wurde, ein SEK/MEK Typ mit lustig/schwulen Adler Tattoos gedroht hat mich zu erschiessen und schliesslich Wochen in U-Haft in der JVA Berlin verbringen durfte...bis mich dann
ein Richter der sich benommen hat wie eine Dragqueen auf Amphetamin zu so und soviel Bewährung wg. Landfriedensbruch, versuchter Körperverletzung und Widerstand gegen die Staatsgewalt verurteilt hat.


Was hab ich getan um diese Behandlung zu verdienen:
Easy: Eine Coca Cola Dose getrunken und mir den 1. Mai angeschaut. Soviel Widerspruch ist selbst der Berlin Polizei zu viel. Sorry ich war ein Idiot.


An die Herren Beamten: Say hi to your mother from me, ok?


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Matt_999 Erfahrener Benutzer

?

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Zitat von Zagreus
Die Karren, die angezündet werden, sind nicht die, die die normalen Leute fahren im Bezirk, sondern idR. Luxuskarren und von Unternehmen.


Ja, und? Wieso darf man Luxuskarren anzünden? Weil einem Reichtum nicht passt? Mit dem Argument könnte ich auch Volvos anzünden, weil ich keine Lehrer mag. Oder zum Beispiel alte Golfs ohne Kat, weil deren Emissionswerte auch scheisse sind. Oder Peugeots, weil sie Opel-Arbeitern den Job wegnehmen. Oder was?


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drum Erfahrener Benutzer

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Zitat von Der Markt
Mir ist es ausrücklich sympathisch, das in Kreuzberg eines dieser widerwärtigen "Carlofts" (Luxuswohnungen, in denen man sein Auto mit ins Wohnzimmer nehmen kann), angezündet wurde. So etwas passt nicht nach Kreuzberg. Das sich die Leute gegen diesen Dreck wehren, finde ich korrekt. Kreuzberg soll so bleiben, wie es ist. Nämlich eine gemütliche Nische.

Was würden Sie denn eigentlich sagen, wenn jemand folgende Ansicht vertreten würde?

Es wird höchste Zeit, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung, die arbeitet und Steuern zahlt, sich endlich wirksam gegen diejenigen durchsetzt, die sich diesem Gemeinwesen verweigern, aber trotzdem dreist an seinem Tropf hängen. Wer sich von anderen, durchfüttern lässt und denen zum Dank auch noch die Hütte überm Kopf abfackelt, dem sollte man erstens jegliche Unterstützung sperren und zweitens, ihm ebenfalls seine Bude immer wieder anzünden, bis er sich endlich gesetzeskonform verhält.

Wohlgemerkt, das ist nicht meine Meinung, sondern eine von Ihnen provozierte Frage an Sie.

...


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Dario, Heute, 09:01

Presse, Politik & Wirtschaft
Wohne jetzt auch schon seit 13 Jahren in Friedrichshain.

Letzte Woche bin ich Morgens an zwei abgebrannten Autos vorbei geaufen, welche gerade gelöscht wurden. Die Feuerwehr stand noch da.

Das waren aber keine Bonzen Autos, sondern ganz normale Familienkutschen.

...


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Earendil77, Heute, 09:03

übel, übel
Was soll man zu solcher argumentloser und demagogischer Einpeitscherei sagen? Soll man lachen oder heulen? Da den Mann aber offenbar einige Leute und Medien ernst nehmen, wohl eher letzteres. Wendt wünscht sich also die Atmosphäre des deutschen Herbsts zurück. Sollten Leute wie er Erfolg haben, würde das wegen der unverminderten Schwäche der Linken allerdings ein sehr einseitiger Terror werden.

Ja, Linke haben (z.T.) was gegen den Staat und seine Organe - das ist das einzige, was Wendt da begriffen hat. Aber nicht aus purer Bosheit, sondern aus guten Gründen (von denen Wendt natürlich nichts versteht oder verstehen will).

"Gewalt" gegen Dinge (z.B. Autos) und Gewalt gegen Menschen sind zwei ganz verschiedene Sachen. Aber der Gewaltbegriff in dieser Gesellschaft ist sowieso schräg: Ein abgebranntes Auto gilt als Gewalt, aber wenn Menschen aus ihren Wohnungen vertrieben werden, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen können, hat das nichts mit Gewalt zu tun...

Apropos Gewalt: Gerade die Berliner Polizei ist als Schlägertruppe berüchtigt (übertroffen nur durch die bayerische) und hat sich diesen Ruf wohl auch redlich verdient. Über mangelnde Sympathie in der Bevölkerung (abgesehen von den Law-and-Order-Spießern) braucht sich niemand zu wundern.


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schwarzbart, Heute, 09:26

Die Berliner Polizei - eine Säule der "Demokratie"

Der Mann hat nicht registiert, dass Berlin nicht mehr Frontstadt des Kapitalismus ist. Und wer eine Uniform anzieht, um Plutokratie, Bankster-Kapitalismus und Scheindemokratie gegen die Bürger zu verteidigen, der wird sich irgendwann auch von Demokraten attackiert sehen, mit gutem Grunde.


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Earendil77, Heute, 09:14

man kann's ihnen nicht recht machen
Ist auch immer wieder amüsant, Bemerkungen über die soziale Stellung von Linksradikalen zu lesen. Kommen sie eher aus armen Verhältnissen, sind es Neider und Versager. Kommen sie aus reichen Verhältnissen, sind es verhätschelte Bürgerkinder und Wohlstandsrevoluzzer. Alles dazwischen sind kleinbürgerliche Chaoten und linke Spießer. Könnte mir mal jemand erklären, wer denn in den Augen der "rechtschaffenden, arbeitenden Bevölkerung" berechtigt ist, sich kritische Gedanken zu dieser Gesellschaft zu machen und daraus entsprechende Taten folgen zu lassen?


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Manitou, Heute, 09:22

Was ist eigentlich Gewalt?
Der Mieter, der nach einer Luxusmodernisierung seine Wohnung verlassen muß, empfindet die "Aufwertung" seines Kietzes als Gewalt. Und er kann sich dabei sogar auf Grundgesetz (Sozialbindung des Eigentums) berufen.
Ein Vermieter ohne Gewissen wird dabei das Mietrecht ohne moralische Bedenken (Blick ins Grundgesetz) nur nach seinen Profitinteressen ausschöpfen.
Vergessen wird dabei, daß es Vermieter gab die Gewalt anwendeten, indem sie Häuser durch Terror gegen Mieter (Demolieren von vermieteten Wohnungen, Absperrung von Strom, Gas und Wasser, Einsatz von Schlägern) entmietet haben.
Auch das Anzünden von Autos ging nicht von Kiezverteidigern, sondern von Kietzveränderern (mutmaßlich einigen Gastwirten in der Simon-Dach-Straße) aus. Dort wurden autos der Altmieter, die sich gegen den Lärm der Gentri-Kneipen gewehrt hatten, angezündet, um diese Mieter zum wegziehen zu "bewegen".
Aber jetzt, wo einige "zurückzündeln", um den Gentrifizierungs-Prozeß zu stoppen oder umzukehren (Carloft's zu Sozialwohnungen) da jammert der Spießer.
Wir sollten uns Fragen, warum in den französischen Vorstädten die meisten Autos in Europa brennen, aber in Skandinavien man nichts von brennenden Autos hört.

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JoeWanni, Heute, 09:21

Bezeichnend!
Die Reaktionen hier zeigen mal wieder sehr eindrücklich, wie ideologisiert und verblendet schon der linke Mainstream hierzulande ist. Herr Wendt hat natürlich in jeder Hinsicht recht. Aber es kann einen kaum noch wundern, dass ein bloßes Aussprechen von Fakten hier bereits als protofaschistische Demagogie bezeichnet wird; man lebt eben in einer Phantasiewelt des Ressentiments. Viel Spaß noch dort, aber wundert Euch nicht, wenn mal das eigene Auto brennt. Die extreme Linke hasst nämlich in erster Linie auch den Kleinbürger!


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mykafer, Heute, 09:39

Genau

Wenn man bedenkt, was in dieser Gesellschaft schief läuft, und einige in Forum haben es auf den Punkt gebracht (z.B. Hartz IV & Bankenrettung)wundere ich mich ernsthaft, dass nicht noch viel mehr brennt. Kann ja noch kommen.
So lange Typen wie Wendt und alle, die weiter daran glauben, dass selbsternannte Eliten den Rest der Bevölkerung, die einfachen Menschen, wie Sklaven handhaben können - insbesondere mit freudig erregter Unterstützung von ähnlich gesinnten Staatsanwälten und schwerbewaffneten Robocops - wird der Ärger eher zunehmen und das zu Recht.


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Baalterith, Heute, 09:42

Kopfschütteln

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Zitat von Earendil77 
[...]Aber nicht aus purer Bosheit, sondern aus guten Gründen (von denen Wendt natürlich nichts versteht oder verstehen will).

"Gewalt" gegen Dinge (z.B. Autos) und Gewalt gegen Menschen sind zwei ganz verschiedene Sachen. Aber der Gewaltbegriff in dieser Gesellschaft ist sowieso schräg: Ein abgebranntes Auto gilt als Gewalt, aber wenn Menschen aus ihren Wohnungen vertrieben werden, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen können, hat das nichts mit Gewalt zu tun...

Apropos Gewalt: Gerade die Berliner Polizei ist als Schlägertruppe berüchtigt (übertroffen nur durch die bayerische) und hat sich diesen Ruf wohl auch redlich verdient. Über mangelnde Sympathie in der Bevölkerung (abgesehen von den Law-and-Order-Spießern) braucht sich niemand zu wundern.


Ich kann nur den Kopf schütteln. Gewalt bleibt Gewalt. Vollkommen egal, von wem, gegen wen oder was, aus welchem Grund und in welcher Form. Verbale Gewalt ist z.B. Gewalt, ebenso ist das Zerstören von hart erarbeitetem Eigentum in unserem Land nicht nur Gewalt sondern eine Straftat. Wem diese Übereinkunft in Form von Gesetzen nicht passt, kann ja in ein Land auswndern, in welchem das alles ganz anders ist und so etwas toleriert wird. Man darf gespannt sein, ob dieser Staat gefunden werden kann.

Es kann außerdem nicht wahr sein, wie hier offen mit dem Linksextremismus sympathisiert wird. Natürlich ist rechte Gewalt für das ganze Volk gefährlich und nicht tolerierbar, doch wir haben all die Jahre versäumt, die Gesamtheit der GEWALT AN SICH in den Mittelpunkt der Bekämpfung zu stellen. Und dazu zählt GENAU so die linke Gewalt. Mir geht dieses ewige ideologische "linke Gewalt hat aber einen Grund"-Gefasel langsam gehörig auf den Sack.

Fakt ist: Bei Demonstrationen wie auch "sogenannten" Demonstrationen (also Randale) müssen Polizisten, die meist auch nur einfache Familienväter sind, ihren Job machen und riskieren wegen utopischer wie staatsfeindlicher Ideologien und zielloser Gewalt zum Teil ihr Leben. Eine Polizeieinheit - so auch die angesprochene Berliner - ist keine "Schlägertruppe", sondern begegnet ebensolchen mit ABWEHRMAßNAHMEN höchstens härter als andere.
Und der Vergleich mit der Miete ist ja wohl das Letzte: Sie vergleichen Menschen, denen die Mittel fehlen, ihrem Vermieter die monatliche Miete zu bezahlen (wofür der Vermieter nun mal auch nichts kann), woraufhin diesen zurecht irgendwann gekündigt wird (das HAT NICHTS mit Gewalt zu tun), mit der sinnlosen und unberechtigten Gewalt gegen fremdes Eigentum?!
Eine derartige ideologische Durchzogenheit war ja selbst im dritten Reich nur bei vereinzelten Personen festzustellen.

Noch etwas: Menschen, die unsere gemeinsamen Gesetze achten und aufgrund ihres Sicherheitsbedürfnisses schätzen, als "Law-and-Order-Spießer" zu bezeichnen, disqualifiziert Sie endgültig.

An diejenigen, die von SPIEGEL erwarten, das Interview abzuändern bzw. so nicht zu veröffentlichen: Das wäre Zensur; habt ihr sie noch alle?
NOCH darf man sich in Deutschland auch aus der Mitte bzw. dem gesunden Menschenverstand heraus äußern und muss sich nicht der linksradikal uniformierten Einheitsmeinung fügen, die den frei denkenden Geist am liebsten diktatorisch unterdrücken möchte - wie in der Geschichte schon so oft geschehen.

Liebes Deutschland: Lerne nicht NUR aus dem dritten Reich. Unsere Geschichte ist lang und wandlungsreich genug, um mehr Schlüsse aus ihr zu ziehen - hoffentlich die richtigen.



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kdshp, Heute, 09:45

Quote
Zitat von Berlinjoey 
Es ist unglaublich, was hier für ein Schwachsinn verbreitet wird. Hier werden Gewalttaten und sinnlose Zerstörung von Eigentum gebilligt und befördert. Selbst nichts auf die Reihe bringen und anderen den Erfolg misgönnen.


Hallo,

genau so kann doch Waledamr S. der als "heuschrecke" eine gesunde firma runiert hat um rendite zumachen (34,568%) nichts dafür wenn die arbeiter jetzt keinen job mehr haben.

Auch der "korrupte" politiker Peter S. (name geändert) der sich bei der stromlobby stark gemacht hat und so einen "freien markt" verhindert hat kann ja nichts dafür wenn die rentnerin Helga g. die als trümmerfrau das land aufgebaut hat nicht mehr ihre stromrechnung zahlen kann.

"Es ist unglaublich, was hier für ein Schwachsinn verbreitet wird." Hier werden "gewalttaten" die durch ausnutzen der demokartie verusacht werden als legetim hingestellt. Wer einen hund prügelt, nix zu fresen gibt und in einen zwinger sperrt muss sich nicht wundern wenn dieser ihn beißt !


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Ylex, Heute, 09:46

Die Realität schlägt zurück


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Zitat von Dario
Die Probleme sind da, und sie werden auch nicht weg sein, wenn man die linke Szene aus dem Weg geräumt hat !

Dario hat die Hauptgründe für die Gewalttaten gegen Sachen genannt. Es sind Reaktionen, ob für die Mehrheit Fehlreaktionen oder nicht - sie sind jedoch unausweichlich, sie folgen der Logik einer auseinanderfallenden Gesellschaft.

Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus - nun eben deutlicher. Mit Sozialromantik haben die Anschläge gar nichts zu tun. In ihnen drückt sich Empörung aus, tiefe Enttäuschung darüber, am Leben nicht angemessen teilhaben zu dürfen, aber besonders die Verweigerung der von Geld und Macht zwangsweise vorgegebenen Lebenskonzepte, die kümmerlich sind.

Und Neid? Wie kann man vernünftigerweise erwarten, dass diese jungen Leute nicht neidisch wären auf den hemmungslosen Protz direkt vor ihren Augen? Wir selbst sind genauso, bloß wir lassen es uns nicht anmerken und brennen keine Luxusschlitten ab.

Im Übrigen ist zu bezweifeln, dass sich dieses sogenannte Gewaltpotential nur aus "Linken" rekrutiert - eine sattsam bekannte Übung der Konservativen, sofort alle als Sozialisten und Kommunisten zu verdammen, die ihnen nicht den Kram passen.


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Redigel, Heute, 09:48

Das wage ich zu bezweifeln...


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Zitat von JoeWanni
Die Reaktionen hier zeigen mal wieder sehr eindrücklich, wie ideologisiert und verblendet schon der linke Mainstream hierzulande ist. Herr Wendt hat natürlich in jeder Hinsicht recht. Aber es kann einen kaum noch wundern, dass ein bloßes Aussprechen von Fakten hier bereits als protofaschistische Demagogie bezeichnet wird; man lebt eben in einer Phantasiewelt des Ressentiments. Viel Spaß noch dort, aber wundert Euch nicht, wenn mal das eigene Auto brennt. Die extreme Linke hasst nämlich in erster Linie auch den Kleinbürger!

Komischerweise kann ich als Anzugträger von Berufswegen sehr gut mit Linken sprechen... ich komme auch mit Punks aus, die meinen Kleidungsstil mal gar nicht besonders aufregend finden.

Das Problem ist, dass die Leute (auch sie) nur über die Szene sprechen, anstatt mit ihnen. Kommunikation sieht anders aus.


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rufus008, Heute, 09:53

Schade

Tja, es hatte schon einen Grund, warum ich der Stadt nach kurzem Aufenthalt den Rücken gekehrt habe und ins schöne München gezogen bin.

Berlin ist eine tolle, aufregende Stadt, aber sie verdient eine Regierung, die mal gründlich auf den Tisch haut und die Löcher dieser Chaoten bis aufs Letzte ausräuchert. Vom derzeitigen Regime ist dies leider nicht zu erwarten.


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notebook20000, Ungelesen  Heute, 09:55

Zitat: "Es ist eine Diktatur des Neides und der Versager"
Das ist eskallation pur. Dieser Polizeihansel hats voll drauf!

PS: Nein ich bin kein Linksradikaler


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Betonia, Heute, 10:02

 *

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Zitat von nocheinbuerger
Viele Beiträge hier sind der Beweis dafür, daß sich die beiden politischen Flügel, wenn man in die extrem äußere Richtung geht, hinsichtlich ihrer Ablehnung der Demokratie und der Befürwortung von Gewalt irgendwann berühren. Bislang scheint der linksextreme Terror noch mit gewissen Sympathien in Politik und Medien rechnen zu können. Die Bevölkerung ist da schon lange anderer Meinung.

Extreme und Fanatiker sind alle gleich, egal welchen Couleurs. Sie sind nicht nur extrem in ihren Meinungen, sie glauben auch noch, alle Andersdenkenden zu ihrem Glück zwingen zu müssen.


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Pilchard, Heute, 10:07

...

Immer wieder werden durch Berichte im SPON rechts und links gegeneinander getrieben, alt gegen jung, dumm gegen gebildet, arm gegen reich usw.. Man polarisiert, um nicht die wirklichen Probleme ins Rampenlicht zu lassen. Anstatt dass die Politiker ihren Job im Sinne des Bürgers machen, werden Kluften innerhalb der Bevölkerung geschaffen oder vertieft. Dann jedesmal die vermischung zwischen linken Autonomen und der Linkspartei. Soll die vor den Wahlen noch unwählbarer geschrieben werden, als sie eh schon ist?

Natürlich ist Gewalt jeglicher Form nicht gerechtfertigt. Nur kommt man mit Polemik nicht weiter. Man muss den jungen Leuten die Gewissheit geben, dass man mit friedlichen Protesten in Deutschland etwas verändern kann. Aber Petitionen perlen an den Politikern ab, es interessiert nicht, ob die Mehrheit der Bürger gegen den Afghanistaneinsatz ist. Kinder, die man immer ins Leere laufen lässt neigen dazu sich mit Gewalt Aufmerksamkeit zu verschaffen. Natürlich ist das nur pädagogisches Gewäsch...


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Coldfinger, Heute, 10:07

Rennaissance der Sippenhaft?

Nachdem ich nun alle Postings durchgearbeitet habe, bin ich froh, dass es (auch in Kreuzberg) immer noch einen halbwegs funktionierenden Rechtsstaat gibt. Denn auf diesem Thread fordern einige Pos(t)er ja ganz unverblümt Sippenhaft und Aburteilung auf Verdacht.

Die Autos, die hier im Kiez angezündet werden, sind beileibe nicht nur SUVs und Bonzenautos (davon gibt’s in Zehlendorf und Hermsdorf übrigens sehr viel mehr). Die verbrannten DHL-Fahrzeuge in der Luckenwalder Straße gehörten meines Wissens Subunternehmern, die bereits durch die unmenschlichen Konditionen der DHL gestraft waren und nun von diesen "Fackelträgern der linken Freiheit" vollends vernichtet wurden. Gratulation!

Zwei Einwürfe seien gestattet: Friedrichshain-Kreuzberg ist GLEICHZEITIG auch der Berliner Bezirk mit der größten Zahl an rechtsradikalen Übergriffen. Von homophoben Attacken mal ganz zu schweigen …

Und ein Großteil der Anwürfe, die hier geäußert wurden, gehen nicht auf das Konto des rot-roten Senats, sondern des grünen Bezirksbürgermeisters Franz Schulz, der gleichzeitig seit vielen Jahren Baustadtrat ist und zumindest die baulichen Sünden federführend zu verantworten hat. Übrigens auch die eine oder andere Wagenburg, in der es einzelne Menschen mit einer sehr weit gefassten Vorstellung von Lagerfeuer-Romantik und ausgleichender Gerechtigkeit geben soll. Selbst wenn der grüne Kreuzberger Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele gern den Altlinken spielt, ist die grüne (!) Zweidrittel-Mehrheit im Kreuzberger Rathaus eher bürgerlich-breita….ig, mit meiner großen Affinität zur rechtskonservativen FDP.

Dass Herr Wendt dieses Szenario für seine durchsichtigen politischen Ziele missbraucht, ist da leider wohl nicht zu vermeiden. Es bietet sich halt an, so aus der westdeutschen Ferne. Leider hat WoWi bei der Berliner Polizei nicht den besten Ruf, und tatsächlich haben zumindest die "Fußtruppen" der Berliner Polizei in Friedrichshain-Kreuzberg nicht den besten Ruf. Dieselben Herren, die einen großen Bogen um den Görlitzer Park (böse, böse Drogendealer) machen und nur in ihren Touran-Bombern keimfrei abgeschlossen durch die Straßen rollen, tragen nicht unbedingt zum Sicherheitsgefühl der Bevölkerung bei - vor allem nicht, wenn sie dann doch einmal aussteigen.





Aus: "Brandanschläge in Berlin: "Renaissance des linken Terrors" " (07/2009)
Quelle: http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=8035

« Last Edit: July 28, 2009, 11:32:43 AM by Textaris(txt*bot) »

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[Wir wissen nicht, wann und wo sie zuschlagen werden... (Bouffier)]
« Reply #126 on: August 03, 2009, 10:13:32 AM »
Quote
[...] Man müsse jedes Szenario in Betracht ziehen und sich entsprechend vorbereiten, sagte der CDU-Politiker der «Bild»-Zeitung. «Es hat nichts mit Panikmache, aber sehr viel mit Vorsorge zu tun, wenn sich die Polizeien von Bund und Ländern auch auf die Möglichkeit einer Massengeiselnahme vorbereiten.» Dem Bericht zufolge bestätigte Bouffier, dass die Eliteeinheit GSG 9 der Bundespolizei und die Spezialeinsatzkommandos der Länder für den Fall von Massengeiselnahmen trainieren.

Es sprächen alle Erkenntnisse dafür, so der Konservative weiter, dass islamistische Terroristen den Bundestagswahlkampf spektakulär nutzen wollten, um mit Anschlägen den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan zu erzwingen. «Wir wissen nicht, wann und wo sie zuschlagen werden.» Aber Deutschland stehe eindeutig im Fadenkreuz. Das Terrornetz al-Qaida wolle massiven Schaden anrichten.

[...] Gleichwohl sprach sich Bouffier wegen der angeblichen Terrorgefahr dafür aus, Islamzentren und Moscheen bei Bedarf schärfer zu überwachen. «Bei Hinweisen auf eine konkrete Gefährdung kann man keinen Ort ausschliessen», wurde der Minister zitiert. Man brauche in den islamischen Gemeinden Vertrauensleute, die auffällige Personen melden sollten. «Das hat nichts mit Denunziation zu tun, sondern mit Vertrauensbildung», sagte er.

Bouffier bekräftigte die Forderung der Union nach klaren Regeln für gemeinsame Einsätze und Übungen von Polizei und Bundeswehr. Es gehe nicht darum, Soldaten zu Hilfssheriffs zu machen. «Bei Gefahr im Verzug muss es möglich sein, dass es zum Beispiel direkten Funkkontakt der Einsatzleitung zum Piloten eines Abfangjägers gibt und man sich nicht mit Händewinken verständigen muss», sagte er.

Unterdessen berichtete die «Bild»-Zeitung unter Berufung auf Sicherheitsbehörden, dass 15 der 99 als gefährlich eingestuften Islamisten in Deutschland ausschliesslich von Sozialleistungen lebten. Weitere 25 befänden sich in Haft, 15 hielten sich im Ausland auf. Es gebe aber auch «Gefährder», die von Verwandten oder eigenem Einkommen lebten. Einer der Männer sei praktizierender Arzt, wie das Blatt schreibt.

Der Begriff Gefährder wird von der Polizei genutzt und sagt nichts über Schuld wie nach einem Strafurteil aus. Er hat rechtlich keine Auswirkungen auf den Anspruch von Sozialleistungen. (raa/ap)




Aus: "CDU-Minister: Deutschland drohen Massen-Geiselnahmen" (01.08.2009)
Quellle: http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/CDUMinister-Deutschland-drohen-MassenGeiselnahmen/story/27794334

-.-

Quote
[...] Es habe nichts mit Panikmache, aber sehr viel mit Vorsorge zu tun, wenn sich die Polizeien von Bund und Ländern auch auf die Möglichkeit einer Massengeiselnahme vorbereiteten, argumentierte Bouffier. Die GSG 9 und die Sondereinsatzkommandos (SEK) der Länder würden bereits für einen solchen Fall trainieren.

Das Bundesinnenministerium bestätigte die Vorkehrungen. Allerdings seien bislang keine genauen Pläne islamistischer Extremisten bekannt geworden. "Es gibt keine konkreten Anschlagshinweise", sagte ein Sprecher von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU). "Aber seit Beginn dieses Jahres gibt es deutliche Botschaften von islamistischen Kräften wie al-Kaida, Deutschland verstärkt ins Fadenkreuz ihrer Aktivitäten zu nehmen", sagte er.

Bouffier sprach sich erneut für einen Bundeswehreinsatz im Inland aus. Es seien klare Regeln für gemeinsame Einsätze und Übungen von Polizei und Militär nötig. [...] Bisher scheiterten in der Großen Koalition derartige Pläne an der SPD.

...


Aus: "Warnung vor Anschlägen - Union schürt Terrorangst" von Angelika Dehmel (Berlin, 03.08.2009)
Quelle: http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Warnung-vor-Anschl%E4gen-Union-sch%FCrt-Terrorangst/548171.html


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« Reply #127 on: August 04, 2009, 10:01:17 AM »
Quote
[...] Melbourne - Der Einsatz begann am frühen Dienstagmorgen: Rund 400 Polizeibeamte durchsuchten 20 Wohnungen in der australischen Metropole Melbourne - und nahmen bei der Razzia vier Terrorverdächtige fest. Das teilte die Polizei des Staates Victoria am Dienstag mit.

Die Männer sind 22 bis 26 Jahre alt und Australier. Bei den Verdächtigen soll es sich um islamische Extremisten handeln, die den Ermittlern zufolge Verbindungen zur militanten Gruppe al-Shabaab in Somalia unterhalten haben.

[...] Mitglieder der Gruppe waren demnach zuletzt dabei beobachtet worden, wie sie Militärstützpunkte ausgespäht hatten. Die Männer hätten sich darauf vorbereitet, einen Selbstmordanschlag auf eine Militärbasis bei Sydney mit automatischen Waffen zu begehen. Sie hätten so viele Menschen wie möglich in dem Stützpunkt töten wollen, die Planung sei bereits in einem fortgeschrittenen Stadium gewesen. "Das Ziel der Männer war, in die Kaserne zu gehen und möglichst viele Soldaten zu töten, bis sie selbst getötet werden." Es hätte der schlimmste Anschlag in der Geschichte des Landes werden können.

[...] Die Männer wurden sieben Monate lang beobachtet. Premierminister Kevin Rudd sagte, die Festnahmen zeigten, dass die Gefahr durch den Terrorismus immer noch hoch sei.

...


Aus: "Australische Polizei lässt Terrorzelle auffliegen" (04.08.2009)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,640195,00.html

-.-

Quote
[...] Rund 50 Angriffe auf al-Qaida-Angehörige und andere feindliche Kräfte hat die US-Armee mit Hilfe von Flugdrohnen allein in den vergangenen zwölf Monaten im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan durchgeführt. Zu den jüngsten Opfern gehört Medienberichten zufolge offenbar auch ein Sohn des al-Qaida-Anführers Osama Bin Laden, der zwar nicht selbst Ziel eines Angriffes war, sich aber in der Nähe einschlagender Raketen aufgehalten haben soll. Über die Zahl ziviler Opfer bei Drohnen-Angriffen ist nur wenig bekannt. Unbestätigten Quellen zufolge sollen auf 14 getötete al-Qaida-Mitglieder aber fast 700 zivile Todesopfer kommen.

Bei den Streitkräften sind solche Unmanned Aerial Vehicles (UAVs) höchst populär, weil sich die Gefährdung der eigenen Soldaten auf ein Minimum reduzieren lässt: Erkundung, Überwachung, Angriff – für jedes Einsatzziel stehen inzwischen spezielle Maschinen zur Verfügung, die teilweise Tage in der Luft bleiben und schnell große Distanzen zurücklegen können. Und auch für den Bodeneinsatz werden zunehmend Kampfroboter konstruiert und eingesetzt, die im schlimmsten Fall als Haufen Schrott enden – nicht aber im Bodybag nach Hause transportiert werden müssen.

Werden solche mit Kameras und verschiedensten Sensoriksystemen ausgestatteten Kampfmaschinen bislang noch meist ferngesteuert und die an Bord befindlichen Waffensysteme über entfernte Kommandozentralen bedient, soll die Zukunft völlig anders aussehen, wie sich dem im Juli 2009 veröffentlichten Strategieplan "Unmanned Aircraft Systems Flight Plan 2009-2047" der United States Air Force entnehmen lässt: "Full Autonomy", "Artificial Intelligence", "Execute Complex Decisions", "Automated Target Engagement", "Decision Making Power" lauten die Schlagwörter der Kriegsführung von morgen.

"Roboter sollen künftig selbst entscheiden können, wer wann wo getötet wird", fasst der Robotik-Experte Noel Sharkey von der Universität Sheffield die Entwicklung zusammen. "Und das alles auf der Basis einer künstlichen Intelligenz, die sich das Militär offenbar bei Science-Fiction-Filmen abgeguckt hat." Roboter sind Sharkeys Auffassung zufolge längst noch nicht so weit, dass man sie wenigstens als dumm bezeichnen könnte: "Sie können keine Unterscheidung zwischen Zivilisten und Nicht-Zivilisten treffen und sie beherrschen auch nicht die Verhältnismäßigkeit beim Einsatz von Kampfmitteln."

Weil sich die Art der Kriegsführung bald dramatisch ändern könnte, fordert Robotik-Professor Sharkey nun den Beginn einer internationalen Diskussion, bevor weiter in die Entwicklung autonom agierender Killermaschinen investiert wird. Den Amerikanern hält er zugute, dass sie in dem UAV-Strategieplan zumindest darauf hinweisen, dass die neue Technik auch erhebliche Probleme mit sich bringen könnte. "Bevor eine Maschine autorisiert werden kann, im Kampfeinsatz Entscheidungen über Leben und Tod zu treffen, müssen politische und militärische Führer zunächst die damit zusammenhängenden juristischen und ethischen Fragen klären", heißt es in dem Strategieplan – genug Stoff also für eine angeregte Diskussion. (pmz/c't)

Quote
4. August 2009 09:46
"Unbestätigten Quellen zufolge...", heise im Niedergang
Kommando Abdul Rahman, Alexander Vogt (mehr als 1000 Beiträge seit 23.03.06)

Meine Güte heise was für ein journalistischer Niedergang. Wenn es
gleiche *mehrere* Quellen sein sollen, müsste doch wenigstens eine
namentlich benannt werden können?!?!
Selbst wenn sie nicht offiziell bestätigt werden können, muss doch
die Quelle, durch die heise davon gehört hat, bekannt sein.

Oder nur aus irgendeinem islamistischen blog abgeschrieben?

Bei so einer delikaten Aussage so schlampig zu arbeiten, dass darf
einem renommierten Verlag nicht passieren.



Quote
4. August 2009 09:40
das ist TERROR
eukariont (2 Beiträge seit 01.12.08)

700 tote Zivilisten auf mutmaßliche 14 Terroristen ?
Ich frage mich schon wo da der ethische unterschied zu einem
x-beliebigen Bombenleger besteht.

Quote
4. August 2009 09:47
Re: das ist TERROR
Max_Lieberman (mehr als 1000 Beiträge seit 08.06.08)

Das sind keine 700 tote Zivilisten. Das sind bedeutungslose
Kollateralschäden.

Lies endlich dein Bild

cu

Quote
4. August 2009 09:52
Re: das ist TERROR
Kommando Abdul Rahman, Alexander Vogt (mehr als 1000 Beiträge seit 23.03.06)

eukariont schrieb am 4. August 2009 09:40

> 700 tote Zivilisten auf mutmaßliche 14 Terroristen ?
> Ich frage mich schon wo da der ethische unterschied zu einem
> x-beliebigen Bombenleger besteht.

Wahrscheinlich ist die Zahl ganz einfach eine Ente, ich sag nur
"Unbestätigten Quellen zufolge" ... man man man

Quote
4. August 2009 09:53
Re: das ist TERROR
urzas_chainsaw (mehr als 1000 Beiträge seit 07.05.04)

Ja, vielleicht sind es auch noch mehr ;-)






Aus: "Internationale Debatte über Kampfroboter-Einsätze gefordert" (03.08.2009)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Internationale-Debatte-ueber-Kampfroboter-Einsaetze-gefordert--/meldung/142982


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[Es sei auch niemand vom Geheimdienst ferngesteuert worden.... ]
« Reply #128 on: August 12, 2009, 01:04:54 AM »
Quote
[...] Düsseldorf (dpa) - Die Sauerland-Terrorgruppe habe nach Darstellung ihres Anführers Fritz Gelowicz nicht im Auftrag eines Geheimdienstes gehandelt. Bei seinem Geständnis vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht bekräftigte Gelowicz, mit seinem mitangeklagten Komplizen Adem Yilmaz die treibende Kraft gewesen zu sein. Die beiden anderen Mitangeklagten hätten eine untergeordnete Rolle gespielt.

...


Aus: "Sauerland-Gruppe: Kein Geheimdienst-Auftrag" (sueddeutsche.de - erschienen am 11.08.2009 um 14:33 Uhr)
Quelle: http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/688640

-.-

Quote
[...] Die vier Mitglieder der Sauerland-Terrorgruppe haben nach Darstellung Fritz Gelowicz allerdings nicht im Auftrag eines Geheimdienstes gehandelt. "Ich habe die Tat nicht gemacht, weil ein Geheimdienst es wollte", sagte er vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht. Es sei auch niemand "vom Geheimdienst ferngesteuert" worden.

[...] Keiner von ihnen habe für einen Geheimdienst gearbeitet. Er habe aber gewusst, dass der Türke Mevlüt K., der in die Zünderbeschaffung verstrickt sein soll, über Kontakte zum türkischen Geheimdienst verfügte. K. habe Informationen aus dem Geheimdienst bezogen und seiner Gruppe verraten. "Ich war davon überzeugt, dass er auf unserer Seite war", sagte Gelowicz. Im Nachhinein könne er nicht sagen, ob K. ein doppeltes Spiel gespielt habe.

[...] Der US-Geheimdienst CIA habe allerdings dazu beigetragen, dass er sich dem Dschihad (Heiligen Krieg) verschrieben habe, sagte Gelowicz. Die Entführung und Folterung seines Ulmer Glaubensbruders Khaled el Masri durch die CIA 2004 habe "das Fass zum Überlaufen gebracht". "Die Amerikaner haben den Krieg in meine Moschee getragen", sagte Gelowicz. El Masri habe in Ulm immer drei Meter neben ihm gebetet. Als er nach Monaten der Verschleppung wieder auftauchte, sei er gezeichnet gewesen.

Er habe von diesem Schicksal lange vor der deutschen Öffentlichkeit erfahren. Die CIA habe auch versucht, Atila Selek zu entführen, behauptete Gelowicz. Selek sei den wartenden CIA-Agenten durch den Hinterausgang des Ulmer Polizeipräsidiums knapp entkommen.

Gelowicz stellte sich vor Gericht als tief religiösen Muslim dar: "Ich war und bin überzeugt von meiner Religion", sagte der 29-Jährige. Der 11. September 2001 habe ihn dazu gebracht, sich stärker mit dem Islam zu befassen. Die damaligen Flugzeug-Anschläge in den USA habe er zunächst abgelehnt, später aber befürwortet. Wie er heute zu ihnen stehe, wollte er dem Gericht nicht sagen.

Gelowicz war im Alter von 16 Jahren in Ulm zum Islam konvertiert. Sein Vater sei überzeugter Atheist gewesen, berichtete der Unternehmersohn. Auf die Frage, wie er zur Demokratie stehe, sagte Gelowicz: "Im Islam gibt es klare Regeln. Die werden von Gott bestimmt." Seine Vorstellung vom Dschihad sei die "von Kampf und Krieg" gewesen, sagte Gelowicz.

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Ottmar Breidling, ob er in Afghanistan auch auf deutsche Soldaten geschossen hätte, sagte der geständige Islamist: "Darüber habe ich nicht nachgedacht. Es ging mir um die Amerikaner und die Nato." Seinen eigenen Tod hätte er dabei "in Kauf genommen".

...

Quote

11.08.2009 15:11:47

Diego666:

"Nicht von Geheimdienst ferngesteuert“

Nicht, dass ich sie konkret anzweifel, aber was kann man auf so eine Aussage geben?


Quote

11.08.2009 16:01:57

Axolotl79:

"Es sei auch niemand "vom Geheimdienst ferngesteuert" worden."

Wie will der den das ueberhaupt beurteilen koennen, wenn er sich nicht einmal die Muehe macht drauber nachzudenken, dass ihm die ganze Suppe, die er zu Bomben kochen wollte, bei der geringsten erschuetterung um die Ohren fliegen wuerde???

Die Geschichte strotzt nur so von Widerspruechen und Ungereimtheiten.


Quote

11.08.2009 16:21:33

Funkfux:

Dieser Möchtegern-Anführer und seine Verteidiger lassen die Geheimdienste aus dem Spiel, im Gegenzug erhält er und seine geistigen Tieffliegerkollegen nicht die Höchstrafe. Das ist der Deal.


Quote

11.08.2009 17:17:14

Horst Schmidt: Noch Fragen?

Aber sicher. Was soll das? Wenn selbst anerkannt gute Journalisten wie Leyendecker voll auf eine Leimrute latschen, sich ihrer Skepsis berauben, nicht einmal den Anflug von Zweifel der Öffentlichkeit vermitteln wollen, dann stinkt es erbärmlich.

Glaubt denn überhaupt ein normal tickender Mensch solch einem Geschreibsel?

Nur Fakten.

In keinem Land der Erde wurde ein derart umfangreiches "Geständnis" von einem gefährlichen Terroristen abgelegt - in normaler Kaffekränzchenatmosphäre, denn soviel ich weiß FOLTERN wir nicht ! Selbst Fragen, Vermutungen wurden so beantwortet, wie es sich die wissenden Frager vorgestellt haben. Diktiert will ich nicht sagen, obwohl ich es vermute.

Und dann als Höhepunkt, darf dieser gefährliche und ab jetzt doch wohl gefährdete Terrorist vor diesen Glaskäfig treten und seine Sicht der Dinge, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, dem offensichtlich "naiven" oder politisch funktionierenden (?) Richter und seinen Kollegen vor ddiesem Glaskäfig präsentieren.

Frage! Wozu dient dieser eigentlich?

Also beim besten Willen, wer eine solche Story glaubt, dem und diesem Land wäre dann nicht mehr zu helfen.

Selbst Drehbuchautoren werden erröten vor Neid.

...


Quote

11.08.2009 17:11:00

carluke2001:

Solche Geheimdienstverschwörungsspekulationen sind ja ganz spannend und witzig, ohne durch Fakten untermauert zu werden finde ich sie aber keinen Deut überzeugender, als das, was uns vor Gericht präsentiert wird.

Das ganze scheint ein recht offenes, transparentes Verfahren vor einem kompetenten Richter zu sein, die Angeklagten sehen weder misshandelt noch besonders eingeschüchtert aus, lediglich um ihre geistigen Gaben scheint es nicht besonders gut bestellt zu sein. Was ist also das Problem?


Quote

11.08.2009 17:03:08

anasemanini: Nebulös

"Selek ist ausgestiegen, hat aber die Zünder beschafft"

Um damit was wo genau zu machen? Das sollte doch eigentlich den Kern der Verhandlungen darstellen, oder täusche ich mich.

Haben sich da am Ende der deutsche und der türkische Geheimdienst gegenseitig geködert? oder hat Al Qahida jetzt eine Thaetertruppe zur Ablenkung von Ermittlern und Presse in D ins Leben gerufen...


...


Aus: "Sauerland-Prozess - Zweiter Angeklagter legt Geständnis ab" (11.08.2009, 14:18)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/338/483780/text/


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[Michael Buback im Gespräch mit Jasper Barenberg... ]
« Reply #129 on: August 23, 2009, 11:31:50 AM »
Quote
[...] Auch heute noch, 32 Jahre danach, ist der dreifache Terroristenmord ein schmerzliches Thema. Denn es bleibt vieles unklar. Wer geschossen hat, ist noch immer nicht ermittelt. Nun hat sich offenbar der von Bubacks Sohn Michael schon lange gehegte Verdacht gegen die ehemalige RAF-Frau Verena Becker verstärkt. An Bekennerschreiben zum Anschlag von Karlsruhe wurden DNS-Spuren gefunden, die zumindest teilweise der Ex- Terroristin zuzuordnen sind.

[...] Becker hatte zehn Umschläge angeleckt, wie die Kriminaltechniker des Bundeskriminalamts im Februar herausfanden. Außerdem entdeckte das Institut für forensische Genetik in Münster im Mai Spuren an den Schreiben selbst. Am Donnerstag hat die Polizei Beckers Wohnung durchsucht und Computer beschlagnahmt. Außerdem soll ihr Telefon überwacht worden sein.

[...] Verena Becker und der RAF-Mann Günter Sonnenberg wurden am 2. Mai 1977 nach einer Schießerei in Singen (Baden- Württemberg) von der Polizei überwältigt. Ende 1977 verurteilte das Oberlandesgericht Stuttgart Becker wegen der Schüsse auf die Polizisten zu lebenslanger Haft – der Anschlag auf Buback war ausgeklammert. Das Verfahren gegen Becker in diesem Fall stellte die Bundesanwaltschaft 1980 ein. Als Täter wurden Günter Sonnenberg, Christian Klar, Knut Folkerts und Brigitte Mohnhaupt festgestellt. Sie erhielten, bis auf Sonnenberg, lebenslange Haft, auch wegen weiterer Anschläge. Gegen Sonnenberg wurde das Verfahren aus gesundheitlichen Gründen eingestellt, er hatte in Singen einen Kopfschuss erlitten.

[...] Erst im April 2008 nahm die Bundesanwaltschaft das Verfahren gegen Becker wieder auf. Der Verdacht lautet: Mittäterschaft bei der Ermordung Bubacks, seines Fahrers und des Polizisten. Der Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Becker ging im Jahr 2007 eine kampagnenartige Kritik Michael Bubacks an den früheren Ermittlungen voraus. Buback stützte sich auf Informationen, die er vom Ex-RAF-Mitglied Jürgen Boock bekommen hatte. Boock belastete allerdings nicht Becker, sondern den ehemaligen RAF-Terroristen Stefan Wisniewski. Er soll der Todesschütze auf dem Motorrad gewesen sein. Die Bundesanwaltschaft begann Ermittlungen gegen Wisniewski, doch der Verdacht ließ sich nicht erhärten.

Dann geriet Becker ins Visier der Behörden. Obwohl bekannt wurde, dass Becker ebenfalls Wisniewski genannt hatte – als sie Anfang der 80er Jahre aus der Haft heraus mit dem Verfassungsschutz in Kontakt getreten war und viel über die RAF erzählte. Die geheimen Gespräche, denen damals keine neuen Ermittlungen folgten, wurden erst 2007 publik. Womöglich hatte Becker beim Verfassungsschutz Wisniewski als Mörder Bubacks genannt, um sich zu entlasten.

[...] Es erscheint seltsam, dass 1980 die Ermittlungen gegen Becker eingestellt wurden, obwohl sie und Sonnenberg bei der Festnahme in Singen die Tatwaffe des Anschlags auf Buback dabeihatten, eine Heckler & Koch 43. Außerdem hatte ein Augenzeuge berichtet, die Person auf dem Rücksitz des Motorrads sei zierlich gewesen.

...


Aus: "Buback-Mord - Es haftet an ihr" (ZEIT ONLINE, Tagesspiegel  22.8.2009)
Von Frank Jansen und Kai Kupferschmidt
Quelle: http://www.zeit.de/online/2009/35/buback-dns-konsequenzen

-.-

Quote
[...] Verena Becker (* 31. Juli 1952 in Berlin-Wilmersdorf) war Mitglied der Bewegung 2. Juni und schloss sich später der Rote Armee Fraktion (RAF) an.

Zum ersten Mal verhaftet wurde sie, nachdem sie 1972 nach dem „Bloody Sunday“ einen Bombenanschlag auf einen britischen Yachtclub in Berlin verübt hatte. Dabei starb ein Bootsbauer. Nach der Entführung des Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz durch Mitglieder der Bewegung 2. Juni am 27. Februar 1975 wurde sie zusammen mit Gabriele Kröcher-Tiedemann, Ingrid Siepmann, Rolf Heißler und Rolf Pohle in die Demokratische Volksrepublik Jemen ausgeflogen. Peter Lorenz wurde daraufhin freigelassen.

Am 3. Mai 1977 wurde Verena Becker zusammen mit Günter Sonnenberg in Singen erneut festgenommen. Bei der Verhaftung kam es zu einem Schusswechsel mit der Polizei, bei dem Sonnenberg und ein Polizist schwer verletzt wurden. Es wurde hierbei die Waffe sichergestellt, die bei dem Mord an Siegfried Buback und seinen beiden Begleitern Wolfgang Göbel und Georg Wurster benutzt wurde.[1]

Am 28. November 1977 begann in Stuttgart-Stammheim der Prozess gegen Verena Becker. Einen Monat später wurde sie wegen der Schießerei bei ihrer Festnahme zu lebenslanger Haft verurteilt.[2] Nach 12 Jahren Haft wurde sie von dem damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker begnadigt. Sie verließ am 30. November 1989 ohne öffentliches Aufsehen die Justizvollzugsanstalt Willich. Heute lebt Verena Becker unter neuem Namen.

Erst am 27. April 2007 wurde bekannt, dass Verena Becker Anfang der 1980er Jahre gegenüber dem Verfassungsschutz über den Ablauf des Buback-Attentats ausgesagt habe, RAF-Mitglied Stefan Wisniewski sei der Todesschütze gewesen.[3]

Am 1. Mai 2007 schrieb Michael Buback in der Süddeutschen Zeitung, dass es Hinweise gibt, die auf einen weiblichen Schützen bei dem Buback-Mord hindeuten. Diese Schützin könne Verena Becker gewesen sein.[1] Der Verdacht wurde durch eine vom SWR aufgedeckte Quelle am 6. Juli 2007 verstärkt.[4] In den DDR-Stasi-Akten ist auch vermerkt, dass sie seit 1972 von westdeutschen Abhörorganen „bearbeitet und unter Kontrolle gehalten wird“.[5] Seit April 2008 ermittelt die Bundesanwaltschaft erneut gegen Verena Becker. Eine DNA-Probe hat sie jedoch von diesem Verdacht entlastet.[6] Diese Position wird von Michael Buback als eine Überinterpretation der Untersuchungsergebnisse bezeichnet, da nur ein Teil des zur Verfügung stehenden Spurenmaterials ausgewertet wurde.[7] Am 20. August 2009 hat die Bundesanwaltschaft bekannt gegeben, dass am Bekennerschreiben, das 1977 nach dem Mord an Generalbundesanwalt Buback aufgetaucht ist, DNA-Spuren von Becker gefunden wurden. Daraufhin wurde ihre Wohnung durchsucht.[8]


Literatur:

    * Michael Buback: Der zweite Tod meines Vaters. Droemer Knaur, München, 2008, 361 Seiten, ISBN 978-3-426-27489-7


 Einzelnachweise [Bearbeiten]

   1. ↑ a b Süddeutsche Zeitung: Gastbeitrag von Michael Buback – Seit 30 Jahren nichts gehört, 1. Mai 2007
   2. ↑ http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1246046542527
   3. ↑ Spiegel Online: Terrorismus: Wisniewski soll Buback-Mörder sein, 21. April 2007
   4. ↑ die tageszeitung: RAF: Neue Spekulationen im Mordfall Buback, 6. Juli 2007
   5. ↑ telepolis: Widerstände gegen Ermittlungen – Ein Interview mit Michael Buback. 19. Januar 2009.
   6. ↑ Spiegel Online: DNA-Gutachten entlastet Ex-Terroristin Becker, 22. Juli 2008
   7. ↑ Vgl. Michael Buback: Der zweite Tod meines Vaters. Droemer, München 2008, S. 358–359
   8. ↑ Zeit Online: Verdacht gegen Verena Becker, 20. August 2009



http://de.wikipedia.org/wiki/Verena_Becker (21. August 2009)

-.-

Quote
[...] BERLIN taz Im Mordfall Siegfried Buback belasten Stasi-Unterlagen die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker. Ein naher Verwandter Beckers berichtete im Mordjahr 1977 einem Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit, er wisse "sicher, dass sie an der Aktion Buback (BRD) aktiv beteiligt war".

Dies geht aus einem Stasi-Vermerk hervor, den der Sender SWR kürzlich entdeckt hatte. In Gesprächen berichtete der Verwandte zudem, Becker sei im Jemen "speziell im Umgang mit Waffen" ausgebildet worden. Der Mann lernte den Stasi-Mitarbeiter, der in der Akte als "zuverlässiger IM" eingestuft wird, 1977 über eine Anzeige kennen.

Mit den Aussagen erhalten die Spekulationen darüber, wer am Attentat auf den Generalbundesanwalt beteiligt war, neue Nahrung.

...


Aus: "RAF - Neue Spekulationen im Mordfall Buback" (06.07.2007)
Quelle: http://www.taz.de/index.php?id=deutschland&art=1641&id=442&cHash=f3cafcda1a


-.-

Quote
[...] Buback: Also das Problem ist immer, für mich ist es ja sehr schwer, irgendetwas gegen die Bundesanwaltschaft zu sagen, mein Vater war Chef der Behörde, mein Schwiegervater war Bundesanwalt. Es geht ja letztlich auch um Versäumnisse und Mängel, die vor 30 Jahren von ganz anderen Personen begangen wurden, und von wenigen vermutlich, nur sehr wenigen Personen. Und es geht auch allgemein um Ermittler, also zum Beispiel auch die kriminalistischen Ermittler, das müssen nicht Bundesanwälte oder Oberstaatsanwälte gewesen sein, die Fehler gemacht haben, es kann durchaus sein, dass auch sie unvollständig oder unzutreffend informiert wurden und also auch getäuscht worden sind. Also es ist ein merkwürdiges Dickicht, das eben auch dadurch so schwierig geworden ist, weil es Verknüpfungen zu Geheimdiensten gab. Das Kritische ist ja, dass Verena Becker einerseits eine dringend tatverdächtige Person ist und gleichzeitig eine Informantin des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Das sind ja Ungeheuerlichkeiten, an die wir uns auch erst gewöhnen müssen. Vieles von dem, was ich jetzt weiß, hätte ich ja selbst vor zweieinhalb Jahren überhaupt nicht für möglich, nicht für denkbar gehalten.

Barenberg: Gerade mit Blick, Herr Buback, auf diesen Zusammenhang, also dass Verena Becker zum einen Täterin war, zum anderen heimlich mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz zusammengearbeitet hat, später aus dem Gefängnis heraus dann, während ihrer Haft, da gibt es ja wichtige Unterlagen darüber, Akten, die bis heute unter Verschluss sind. Sollten diese Akten Ihrer Meinung nach freigegeben werden?

Buback: Wir haben ja die merkwürdige Situation, dass die Bundesregierung einerseits sagt, sie verlangt eine restlose Aufklärung, was ich sehr gut verstehe und was völlig in meinem Sinne ist. Andererseits werden aber auch von der Bundesregierung, vom Bundesinnenminister Akten gesperrt, die ja hoffentlich weiterhelfen können. Also das passt irgendwie nicht zusammen, und ich verstehe das nicht. Vor allen Dingen, es geht jetzt ganz konkret ja auch um Akten, die der Bundesanwaltschaft vor 27 Jahren bereits übergeben worden sind, also Aussagen von Verena Becker, die - was eben auch unerklärlich ist - nicht mehr auffindbar sind. Die Frage ist jetzt, warum gibt man sie der Bundesanwaltschaft nicht erneut, denn die Bundesanwaltschaft ist ja eine pflichtbewusste Behörde, die wird sie ja nicht irgendwie in die Öffentlichkeit tragen. Das ist wiederum nur einer von vielen unerklärlichen Punkten. Und die Quintessenz all der Bemühungen ist, dass wenn man annimmt, wofür ja nun einiges spricht, dass es einen Schutzmantel oder eine Deckung für zumindest eine weibliche Täterin gab, dass dann all diese unerklärlichen Dinge, an denen man fast verzweifeln möchte, die werden verständlich, teilweise werden sie sogar notwendig, weil sonst dieser Schutz gar nicht aufrechterhalten hätte werden können.

Barenberg: Wie glaubhaft, wie glaubwürdig ist also die Aussage, die auch Bundeskanzlerin Angela Merkel vor zwei Jahren getroffen hat, die nämlich gefordert hat eine restlose Aufklärung, ganz abgesehen von dem Bundesinnenministerium, das damals eine gründliche Sachaufklärung beim Verfassungsschutz und beim BKA angeordnet hat?

Buback: Ja, selbstverständlich glaube ich Frau Merkel, dass sie das ganz ernst gemeint hat. Das ist ja oft ein politischer Reflex, weil Dinge, was auch immer passiert. Wenn etwas unerklärlich ist, die Bevölkerung ist beunruhigt, dann wird das sehr schnell erklärt. Aber es fehlt dann die engagierte Öffentlichkeit, auch die Journalisten, die eben dann nach sechs Wochen nachfragen, was habt ihr jetzt herausbekommen. Und dann, wenn man hört, es hat noch nicht gereicht, dann fragt man nach weiteren sechs Wochen nach. Das fehlt uns eigentlich. Ich denke schon, dass da der gute Wille da ist, aber es kommen ja immer wieder neue Probleme - und bei so wichtigen Dingen, es geht ja hier nicht um eine Privatangelegenheit der Familie Buback. Es steht im Raum, der Generalbundesanwalt ist mit zwei Begleitern von Terroristen ermordet worden, und im Raum steht, dass diejenigen, die ihn umgebracht haben, die Terroristen, dafür nicht angeklagt wurden und dass sie möglicherweise Schutz und Schonung genossen haben. Und das ist schon ungeheuerlich. Und das muss, da wir heute weltweit gegen Terror kämpfen, muss das geklärt werden. Das ist auch für den Rechtsstaat wichtig.

Barenberg: Haben denn die Bundesbehörden Sie auf dem Laufenden gehalten, haben sie Kontakt zu Ihnen aufgenommen, um Sie zu unterrichten, zu informieren über den Fortgang der weiteren Ermittlungen?

Buback: Also wir haben jetzt zum Beispiel erfahren und mir wurde mitgeteilt, dass eine solche Hausdurchsuchung bei Verena Becker stattfindet, bereits läuft, und man hat mir auch von diesen DNA-Spuren erzählt und man hat mir auch einen Hinweis darauf gegeben, warum untersucht wird - denn das ist in der Öffentlichkeit bislang, meine ich, gar nicht direkt nachgefragt worden: Warum wurde diese Hausdurchsuchung gemacht, was hat man dort gesucht, und hat man das gefunden? Ich hörte jetzt gerade, dass ein Computer beschlagnahmt worden sei, das deckt sich auch mit dem, was ich hörte, dass wohl die Möglichkeit besteht, dass Verena Becker ihre sagen wir mal Buback-Geschichte aufgeschrieben habe. Ich wage das nicht zu hoffen, dass das wahr wäre. Das wäre letztlich ja immer der Wunsch gewesen, den ich, aber auch viele andere hätten, dass Terroristen sich nun schließlich, auch nachdem nun viele neue Informationen gekommen sind, doch dazu durchringen, die Wahrheit zu sagen und die Tatumstände aufzuklären. Also ich kann es noch nicht glauben, dass es so ist, aber ich will auch nicht diese letzte Hoffnung, dass es doch so sein könnte, aufgeben. Und ich wäre sehr glücklich, wenn ich jetzt hörte, dass es der Bundesanwaltschaft zum Beispiel gelungen ist, solche Aufzeichnungen zu finden, und würde natürlich auch gern wissen, was drin steht, und dass das auch einer Überprüfung standhält.

Barenberg: Vielen Dank für dieses Gespräch, Michael Buback!

Buback: Bitte!



Aus: ""Ein ganz erheblicher Verdacht" - Neue Ermittlungen im Fall Buback"
Michael Buback im Gespräch mit Jasper Barenberg (22.08.2009)
Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1021330/

« Last Edit: August 23, 2009, 11:55:25 AM by Textaris(txt*bot) »

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[Die Einsamkeit des Michael Buback... ]
« Reply #130 on: August 31, 2009, 11:14:49 AM »
Quote
[...] Die heute 57 Jahre alte Verena Becker war seinerzeit wegen sechsfachen Mordversuchs und räuberischer Erpressung zu lebenslanger Haft verurteilt worden, nicht aber wegen des Mords an Buback und seinen Begleitern. 1989, nach zwölf Jahren Haft, wurde sie vom damaligen Bundespräsidenten von Weizsäcker begnadigt. Der frühere Präsident des Bundeskriminalamtes, Zachert, hat angeregt, für Frau Becker Gebrauch von der am 1. September in Kraft tretenden Kronzeugenregelung zu machen. Wenn es gelänge, sie durch einen Strafrabatt zum Reden zu bringen, könnte sie zur Aufklärung mehrerer RAF-Verbrechen beitragen, sagte Zachert der Zeitschrift „Focus“. Der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge soll Frau Becker am Donnerstag nicht zu Hause gewesen sein, als Beamte sie in Berlin-Grunewald verhaften wollten. Sie habe sich dann später selbst gestellt. Nach Angaben der Berliner „B.Z.“ wurde sie in der Kanzlei ihres Anwalts verhaftet.

...


Aus: "Mordfall Buback - Bosbach fordert Schäuble zur Freigabe von Akten auf"
Von Peter Carstens, Berlin (31. August 2009)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E6EB6EFC87D53453DA2F29B20BCB76E6C~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell


-.-

Quote
[...] Als vor ein paar Tagen ein Bild-Reporter Verena Becker in Berlin aufspürte, antwortete das frühere RAF-Mitglied auf die Frage, ob sie im Frühjahr 1977 den Generalbundesanwalt Siegfried Buback erschossen habe: „Nein, das wissen sie doch.“ Inzwischen ist die 57-Jährige festgenommen worden und sitzt nun in Untersuchungshaft. Dass Becker seinerzeit die tödlichen Schüsse abgab, glaubt nicht einmal die Bundesanwaltschaft. Ihre „mittäterschaftlichen Beteiligung“ erstreckt sich mutmaßlich auf die Abfertigung der damals versandten Bekennerschreiben der RAF. Becker habe die Briefmarken beleckt, sagt der ehemalige BKA-Abteilungspräsident Wolfgang Steinke, der maßgeblich an den Ermittlungen gegen die Gruppe beteiligt war. „Aber das bedeutet doch nicht, dass sie die Tat begangen hat.“

Juristisch betrachtet spielt ohnehin anderes eine Rolle. Verena Becker ist der obersten Ermittlungsbehörde „dringend verdächtig, gemeinschaftlich mit anderen“ das Attentat auf Buback verübt zu haben – von neuen Indizien über die in den Medien viel diskutierte „Schützenfrage“ ist in Karlsruhe nicht die Rede. Am Gründonnerstag 1977 waren Buback und zwei Begleiter erschossen worden – der Auftakt der "Offensive 77", mit der die RAF die inhaftierten Gründungsmitglieder um Andreas Baader befreien wollten. Der Fortgang der Geschichte ist bekannt: Becker wurde bald verhaftet, dabei fanden die Fahnder jene Waffe, mit der einer der Begleiter Bubacks getötet worden war. Bei ihrer Verurteilung im Dezember 1977 spielte aber nur die Schießerei während der Festnahme eine Rolle - sie erhielt lebenslänglich. Das gegen sie geführte Verfahren wegen der Beteiligung am Buback-Attentat wurde 1980 „trotz eines verbleibenden Tatverdachts“ eingestellt. 1989 kam Verena Becker nach ihrer Begnadigung durch den Bundespräsidenten aus der Haft frei.

Vor zwei Jahren wurde enthüllt, dass sich Becker Anfang der achtziger Jahre im Gefängnis dem Verfassungsschutz anvertraut hat. Die damals entstandene Unterlagen – eine Fallakte und einen Auswerterbericht von 1982 – sind 25 Jahre lang geheim geblieben und im Januar 2008 für immer gesperrt erklärt worden. Unter Berufung auf die Strafprozessordnung, nach der eine Weitergabe von Material dann nicht gefordert werden könne, wenn „das Bekanntwerden des Inhalts dieser Akten oder Schriftstücke dem Wohl des Bundes oder eines deutschen Landes Nachteile bereiten würde“. Nicht einmal die Bundesanwaltschaft kam an die Papiere. Seither fragen sich viele, was denn in den Unterlagen so Staatsgefährdendes stehen mag. Und was der Verfassungsschutz möglicherweise zu verbergen hat.

Immerhin ist eine Verwicklung der Geheimdienste keinesfalls so abwegig. „Verbindungen bundesdeutscher Nachrichtendienste mit Terroristen gab es mehr, als man dachte“, meint der Rundfunkjournalist Thomas Moser. In den Hinterlassenschaften des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit fand sich vor einiger Zeit ein Vermerk der Spionageabteilung HA II von 1978, nach dem Erich Mielkes Mitarbeitern „zuverlässige Informationen“ vorgelegen hätten, „wonach die B. seit 1972 von westdeutschen Abwehrorganen wegen der Zugehörigkeit zu terroristischen Gruppierungen bearbeitet bzw. unter Kontrolle gehalten wird“. Das frühere Mitglied der „Bewegung 2. Juni“, Bommi Baumann, der Becker nach eigenen Angaben für die Gruppe rekrutiert hatte, ließ in einem Interview durchblicken, er könne sich „vorstellen, dass sie während ihrer ersten Gefängnisstrafe 1974 umgedreht wurde“. Und der Sohn von Siegfried Buback, Michael, warf in einem vergangenes Jahr erschienenen Buch die Frage auf, ob es womöglich schon vor dem Gründonnerstag von 1977 ein Zusammenwirken gegeben hat. „Man kann somit nicht ausschließen, dass es Kontakte zwischen Terroristen und Geheimdiensten schon vor dem Attentat gab“, so Michael Buback.

Alles nur konstruiert? Es ist nicht zu erwarten, dass die Behörden auf eine Klärung dieser Frage drängen. Im Gegenteil: Vielleicht ist die jetzt erfolgte Festnahme Beckers auch eine Maßnahme, um genau das zu verhindern. Eine „Reihe von verdeckten Ermittlungsmaßnahmen“ hatten unlängst zu einer Hausdurchsuchung bei Becker geführt. In den Medien wird berichtet, aus abgehörten Telefonaten und gefundenen Aufzeichnungen gehe hervor, dass Becker ihre Erinnerungen an das damalige Geschehen habe niederschreiben wollen. Möglich, dass dann mehr ans Licht gekommen wäre, als ein paar neue Details zum Hergang des RAF-Attentats auf Siegfried Buback.


Aus: "Die Akte Becker" RAF | 29.08.2009 12:58 |  Tom Strohschneider
Quelle: http://www.freitag.de/politik/0935-raf-verena-becker-verfassungsschutz

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[...] "Wenn die Akten damals der Generalbundesanwaltschaft gezeigt wurden, warum macht man das jetzt nicht auch?", sagte der FDP-Politiker Gerhart Baum der "Welt am Sonntag". Das Bundesinnenministerium verwies am Wochenende in diesem Zusammenhang auf die Bundesanwaltschaft: "Wir sind offen für eine Prüfung des Sperrvermerks", sagte ein Sprecher des Ministeriums. Es gäbe aber "derzeit keine Anforderung der Bundesanwaltschaft, die eine solche Prüfung notwendig macht."

Das Innenministerium hatte im Januar 2008 nach einer Interessenabwägung eine Sperrerklärung gemäß Paragraf 96 der Strafprozessordnung abgegeben. Danach kann die Auslieferung von Akten bei Behörden unterbunden werden, wenn deren oberste Dienstbehörde erklärt, dass die Veröffentlichung "dem Wohl des Bundes oder eines deutschen Landes Nachteile bereiten würde". Offenbar gibt es Bedenken, dass bei einer Veröffentlichung der Akten Details über die Arbeit deutscher oder ausländischer Geheimdienste bekannt würden, die auch nach einem Vierteljahrhundert vertraulich bleiben müssten.

Auch FDP-Generalsekretär Dirk Niebel rief Innenminister Wolfgang Schäuble auf (CDU), sämtliche Akten über den Mord an Buback offenzulegen. "Gerade bei neuen Indizien ist es zwingend notwendig, dass die Akten genutzt werden, um zu klären, wer Buback ermordet hat, sagte Niebel dem "Hamburger Abendblatt". Ähnlich argumentiert Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU), der ebenfalls eine Freigabe der Akten fordert. Der Vorwurf, dass der Staat Akten zurückhalte und die Tat deshalb nicht restlos aufgeklärt werden könne, sei massiv und "muss entkräftet werden", sagte er im ZDF. Er sei sicher, dass Schäuble das "sehr, sehr sorgfältig prüfen wird".

Bubacks Sohn Michael zeigte sich erleichtert über die Festnahme Beckers. Es gäbe "kaum Zweifel an einer Mittäterschaft von Verena Becker", sagte er der WELT. Anders als die Bundesanwaltschaft, die nach wie vor keine Beweise dafür sieht, dass Becker die tödlichen Schüsse von einem Motorrad aus abgefeuert hat, verwies Buback erneut auf mehrere Zeugen, die sich an ihn gewandt hätten und die unabhängig voneinander eine zierliche Person auf dem Motorrad erkannt hätten. Das solle eine Frau gewesen sein. In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" wird über eine Aussage von einer dieser Zeuginnen berichtet, die weitere bislang unbekannte Details über den Tag des Attentats schildert.

Buback sagte, diese Zeugin sei nie zu einer Gegenüberstellung gerufen worden und tauche in keiner Prozessakte auf. Für ihn ergebe sich deshalb ein "sehr hoher Verdacht" gegen Becker als Todesschützin. Er hoffe nun, dass es zu einer Anklage und einem Prozess komme, um ihren Tatbeitrag zu klären.

Der Haftbefehl der Bundesanwaltschaft stützt sich auf andere Indizien: DNA-Spuren Beckers an Briefumschlägen der Bekennerschreiben nach dem Buback-Mord sowie Unterlagen, die bei der Durchsuchung ihrer Wohnung beschlagnahmt worden waren. Darunter waren auch handschriftliche Notizen, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. Weitere Einzelheiten wurden offiziell nicht mitgeteilt. Der "Spiegel" berichtete, es habe sich um Notizen eines "Selbstgesprächs" gehandelt, in denen sich Becker mit dem Mord an Buback und der Schuldfrage auseinandersetzt. Das Papier trage das Datum des 7. April dieses Jahres - der 32. Jahrestag des Anschlags auf Buback in Karlsruhe. Becker stelle unter anderem die Frage, ob sie für Buback beten und wie sie sich mit dem Thema Schuld auseinandersetzen solle.

Die Polizei hatte zuvor im Rahmen eines seit April 2008 laufenden Ermittlungsverfahrens Beckers Telefon abgehört. Dabei gewannen die Beamten den Eindruck, dass die seit 20 Jahren aus der Haft entlassene Becker ihr Leben reflektieren wolle. Zur Hausdurchsuchung rückten die Beamten allerdings erst an, als sich Becker über Verschlüsselungsverfahren für ihren Computer erkundigte. Vor ihrer Festnahme soll sie zudem mit dem Gedanken gespielt haben, nach Griechenland zu fliehen, hieß es.

Verena Becker war 1977 wegen sechsfachen Mordversuchs zu lebenslanger Haft verurteilt worden, nicht aber wegen des Mordes an Buback. Diese Ermittlungen waren aus Mangel an Beweisen eingestellt worden. Becker hatte nach vier Jahren Haft 1982 mit dem Verfassungsschutz kooperiert. Aus der geheimen Vernehmungsakte ist bekannt, dass sie ihre RAF-Kumpane Stefan Wisniewski und Christian Klar der unmittelbaren Tatbeteiligung bezichtigt. 1989 gab der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker einem Gnadengesuch Beckers statt.

DW


Aus: "Mordfall Buback: Verfassungsschutz soll Akten öffnen" (31. August 2009)
Quelle: http://www.welt.de/die-welt/politik/article4430605/Mordfall-Buback-Verfassungsschutz-soll-Akten-oeffnen.html

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[...] Der Aktenvermerk ist nur vierzehn Zeilen lang, aber wenn der Inhalt zutreffend wäre, müsste die Geschichte der Bundesrepublik umgeschrieben werden.

Am 2. Februar 1978 tippte der Stasi-Major Siegfried J. eine Notiz über die "BRD-Terroristin" Verena Becker: "Es liegen zuverlässige Informationen vor, wonach die B. seit 1972 von westdeutschen Abwehrorganen wegen der Zugehörigkeit zu terroristischen Gruppierungen bearbeitet bzw. unter Kontrolle gehalten wird. Diese Informationen wurden durch Mitteilungen der HVA von 1973 und 1976 bestätigt".

Übersetzt hieße das: Schon als blutjunge Anarchistin, dann als Mitglied der Bewegung 2. Juni und später der RAF soll die im Juli 1952 in Berlin geborene frühere Terroristin heimlich mit dem westdeutschen Verfassungsschutz kooperiert haben. Der Begriff "unter Kontrolle gebracht" meint eigentlich "Zusammenarbeit".

 Da Verena Becker nach dem Mordanschlag auf den früheren Generalbundesanwalt Siegfried Buback und dessen beide Begleiter im April 1977 die Bekennerbriefe in der Hand hatte, wären westdeutsche Nachrichtendienste quasi mit einer Quelle dabei gewesen. "Mord im Staatsauftrag" würde die weitere Fortsetzung dieser wüsten Verschwörungstheorie lauten.

Die These erscheint ebenso unsinnig wie viele der Theorien über den Buback-Mord, die in den vergangenen Wochen verbreitet wurden. In der insgesamt 215 Blatt umfassenden Stasi-Akte über die einstige RAF-Terroristin, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt, finden sich keine weiteren Hinweis auf irgendeine angebliche Zusammenarbeit von Verena Becker mit dem Verfassungsschutz vor ihrer Festnahme im Mai 1977. Auch gibt es in den zahlreichen anderen Akten über den westdeutschen Verfassungsschutz oder über RAF-Leute nichts, was diesen üblen Verdacht weiter nähren könnte.

Es gibt nur eine Erklärung: Der Stasi-Major Siegfried J., ein gelernter Modellbauer, dessen Notiz jetzt Verwirrung stiftet, hatte sich missverständlich ausgedrückt. Dabei war er eigentlich ein erfahrener Mann: Seit 1954 war er für die Stasi im Einsatz und arbeitete im Referat 2 der Hauptabteilung II des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS).

Zu den Aufgaben dieser Abteilung, die in Berlin-Lichtenberg ihren Dienstsitz hatte, gehörte unter anderem die Spionageabwehr, aber auch die Absicherung chilenischer Emigranten in der DDR. Das Referat 2 war das "operative Leitzentrum" dieser Abteilung.

Die Akte der Stasi über die ehemalige Terroristin, die wegen einer angeblichen Beteiligung am Mordanschlag auf Buback seit ein paar Tagen in der Justizvollzugsanstalt Bühl einsitzt, ist dennoch ein Stück deutscher Geschichte. Die Unterlagen zeigen, dass sich das MfS ähnlich intensiv wie die westdeutschen Fahnder für die RAF-Kämpfer im Untergrund interessierte und dass sie damals über hervorragende Zuträger im westdeutschen Sicherheitsapparat verfügte.

Viele Seiten füllen Berichte über die Großfahndung in der Bundesrepublik nach dem Buback-Attentat. Minutiös wird aufgeführt, wer nach wem fahndete. Die eigenen Quellen wurden einerseits wegen der "verstärkten Fahndungsmaßnahmen" gewarnt, andererseits sollten sie Informationen über die Hintergründe des Terroranschlags liefern.

Das MfS hatte diverse Inoffizielle Mitarbeiter in der autonomen Szene des Klassenfeindes platziert. Die Akten "Stern" I und II der Stasi etwa enthielten viel Wissen über die RAF-Kader im Westen und auch über die Aussteiger in der DDR. Denn nach der Wende stellte sich heraus, dass Ost-Berlin zehn RAF-Mitgliedern der zweiten Generation eine Art Exil geboten hatte.

Über die "Telefonistin" Verena Becker, deren Alias-Namen "Sola", "Pohlmann" und "Telse" in den Akten genannt werden, findet sich früh die Einschätzung, sie sei "charakterlich weich veranlagt", "politisch ungebildet" und verfüge über "keinen eigenen Standpunkt". Sie habe sich zwar "an verschiedenen terroristischen Unternehmungen beteiligt, wurde jedoch von der Gruppe eher als Belastung angesehen".

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Aus: "Die Notizen des Stasi-Majors - Verena Becker und die Stasi" Von Hans Leyendecker  (01.09.2009)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/715/486134/text/

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[...] Es gab, so Bubacks These, das deutliche Bestreben weniger Personen in Geheimdienst und Strafverfolgungsbehörden, Verena Becker möglichst aus dem Verfahren herauszuhalten. Warum, das ist noch nicht klar. Man kann auch die These prüfen, ob diese Personen weniger Becker als vielmehr sich selbst schützen wollten, womöglich hatte es früher einmal Kontakte der Dienste zu ihr gegeben - die „Bewegung zweiter Juni“ war durchsetzt mit Spitzeln -, und wie stünden die da, mit einer V-Frau, die die Seiten wechselt und den Generalbundesanwalt angreift?

Das alles belastet die Vorstellungskraft, auch die Michael Bubacks. Sehr lange hätte man sich schwergetan, einen systemkonformeren Bundesbürger zu finden, also ist sein Buch auch ein Bildungsroman, der den Weg beschreibt vom CDU-nahen Chemieprofessor in den besten Jahren, der sich von der Bundesanwaltschaft, der Behörde seines Vaters, bestens betreut fühlt, zu einem Skeptiker. Für viele ist er schlicht ein Querulant.

[...] Bis letzte Woche gab es in Deutschland kaum einen verloreneren Posten als das private Arbeitszimmer, in dem er mit seiner Frau Elisabeth die Akten, Briefe und Zeitungsausschnitte auswertet.

Nach dem Besuch bei den Bubacks wollte ich mich ein wenig umhören, nicht weil die Welt durch mehr Gefängnis für Verena Becker, deren Leben man sich nicht wünscht, eine bessere würde, sondern weil mich der Gedanke ärgert, dass einige Ermittler und RAFler Spezialwissen horten und die Öffentlichkeit mit einer frommen Legende abspeisen. Siegfried Buback wurde ja nicht infolge eines obskuren Familienkrachs erschossen oder weil er ein schlechter Mensch war, sondern als Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland. Und darum haben alle Bürger einen Anspruch auf die Wahrheit.

Irgendwann hatte ich Knut Folkerts am Telefon. Aus Nachforschungen des „Spiegels“ hatte sich ergeben, dass er am Gründonnerstag 1977 nicht in Karlsruhe war und in diesem Punkt wenigstens zu Unrecht verurteilt worden war. Er war sachlich, gut informiert und schien sich leise zu ärgern, wenn sich im Gespräch ergab, dass er diesen oder jenen Artikel zum Fall übersehen hatte. Später schrieb er mir, dass er sich nicht äußern wolle. Er schrieb nicht, dass er nichts zu sagen habe. Ähnlich reagierte Gerhard Boeden, der ehemalige Ermittler und spätere Präsident des Verfassungschutzes: Reizender Brief auf feinem Papier, alles Gute - aber er äußere sich nicht in der Öffentlichkeit.

Ich sprach mit Hans-Jochen Vogel, der große Sympathie für das Schicksal eines verwaisten Sohnes äußerte, zugleich aber den klugen Einwand formulierte, was denn Terroristen, die den Staat hassen, daran hindern sollte, etwaiges die staatlichen Organe belastendes Wissen für sich zu behalten?

Ich sprach mit Journalisten, die seit Jahren in der Szene unterwegs sind, mit Filmemachern und Autoren. Obwohl viele an diesem wie an allen RAF-Verfahren jede Menge auszusetzen hatten, wollte niemand Bubacks These folgen. Warum, fragten alle, sollten Organe des Staates eine Mörderin decken? Das war schlicht nicht vorstellbar. Und weil man sich das Unvorstellbare sehr gerne nicht vorstellt, empfand ich es als ironische Provokation der Geschichte, dass in diese Zeit die Kurras-Enthüllung fiel: Zwei Prozesse hatten nicht aufdecken können, dass der Mörder von Benno Ohnesorg ein Stasispion war. Die deutsche Geschichte steht auch in der Vergangenheit, wo sie daliegt wie eine Schieferplatte, nicht wirklich still, sie schlägt aus und greift nach uns.

Ich schrieb dem Bundestagspräsidenten, und er rief zurück. Norbert Lammert ist einer der wenigen, die sich für die RAF-Opfer interessieren, bei Buback hatte er sich zusätzliche Mühe gegeben und Juristen gebeten, dessen These nachzugehen. Es gebe aber in den Akten und Unterlagen, so deren Schlussfolgerung, keine Anzeichen für eine behördliche Vertuschung zugunsten einer Frau. „Zum Glück, nicht wahr?“ Ich stimmte ihm zu, fühlte mich aber nicht glücklich.

Polizei und Justiz sind weitgehend geschlossene Referenzsysteme. Ihre Akten beruhen auf anderen Akten, Wahrheit wird attestiert, wenn die Texte sich nicht widersprechen. Eine Frau, die es in den Ermittlungsakten nicht gibt, kann von den besten Staatsanwälten nicht angeklagt werden. Und eine fehlende Anklage führt nicht zu einem Fehlurteil. Man musste nur der Weisheit von Kurt Tucholsky über das Redigieren folgen: „Was gestrichen ist, kann bei der Kritik nicht durchfallen.“

Das fiel umso weniger auf, als die rechtsstaatliche Gesamtbilanz ausgeglichen war: Es wurden Personen für den Mord an Siegfried Buback und seinen Begleitern verurteilt, und die von Michael Buback Verdächtigten sind ebenfalls verurteilt worden. Wer sollte sich beschweren? So gingen Jahrzehnte ins Land, bis Michael Bubacks Buch erschien. Berichte darüber erinnerten Zeugen daran, dass ihre Beobachtungen ja gar nicht in die Strafverfahren eingeflossen waren.

Nach einer Lesung in Karlsruhe bekam Michael Buback den Brief einer Dame überreicht. Als er ihn gelesen und mit ihr gesprochen hatte, rief er mich an. Erst stellte er mir, mit dem Unterton von einem, der ein kniffliges Rätsel zu bieten hat und sich schon freut, wie sich sein Gegenüber blamieren wird, eine Frage. Sie betreffe das berühmte Foto, das auch auf dem Umschlag seines Buches zu sehen sei: „Wie kommt die Leiche von Wolfgang Göbel, dem Fahrer des Dienstwagens, auf die Kreuzung, während der Wagen ganz woanders steht?“

Ich hatte dieses Foto x-mal gesehen, dachte, ich würde es kennen und auch die Geschichte, die es erzählt. Und doch konnte ich diese Frage nicht schlüssig beantworten. Wenn sich die Fahrertür infolge des Beschusses geöffnet hat, warum wurde die Leiche dann nicht mitgeschleift? Es bestand schon Anschnallpflicht.

Buback stellte den Kontakt zur Autorin des Briefes her, und so hörte auch ich vor wenigen Tagen eine Version, die diese Fragen löst. Die Dame sprach mit einem weichen, süddeutschen Akzent. Sie war damals 32 Jahre alt und arbeitete als Sachbearbeiterin in der Verwaltung. Ihr Dienstzimmer überblickte die Kreuzung, an der Siegfried Buback und seine beiden Begleiter ermordet wurden.

Es waren viele Schüsse. Nachdem das Morden vollendet war, drehten sie, das ist oft nachgestellt worden, mit ihrer Suzuki zwei Runden um den Wagen und fuhren weg. Dann aber - das stand bislang nirgendwo zu lesen - stieg Wolfgang Göbel aus: „Er trug einen dünnen grauen Anzug, vielleicht eine Uniform. Keinen Mantel. Ich dachte noch, es ist doch so kalt, ohne Mantel.“ Der Gründonnerstag 1977 war ein besonders kalter Tag. Göbel, der tödlich verwundet war, hielt sich von außen an der Fahrertür fest, richtete sich auf und schrie mehrmals laut nach seiner Mutter.

„Wer“, fragte sie am Telefon leise, „sollte so etwas erfinden?“

Dann sank er zu Boden, während der Wagen mit Standgas weiterrollte - eine Beobachtung, deren technische Möglichkeit bei diesem Wagentyp Michael Buback akribisch verifiziert hat und in der Taschenbuchausgabe seines Buches erläutert.

Dass die bewegenden letzten Augenblicke von Wolfgang Göbel nie Eingang gefunden haben in all die Darstellungen des RAF-Terrors, zeigt einmal mehr, wie verhuscht die Seite der Opfer stets betrachtet worden ist. Aber die Brisanz der Zeugenaussage liegt gar nicht in dieser Beobachtung. Sie liegt in der Beschreibung, die diese Dame von der Person gibt, die geschossen hat: „Ich dachte, die Frau muss beim Zirkus gewesen sein. So gelenkig.“ Und sie dachte: „Was für eine Brutalität, für eine Frau.“ Keine Sekunde hat sie daran gezweifelt, dass der Schütze eine Schützin war.

Vor wenigen Tagen hat sich die Witwe eines Richters gemeldet, auch sie hat das Motorrad auf dem Weg nach Karlsruhe gesehen, auch sie gibt an, hinten habe eine Frau gesessen. Lauter geöffnete Quellen.

Und dennoch verbrachte Michael Buback noch die vergangene Woche in der gewohnten, blöden Lage: Ein ehemaliger hoher BKA-Beamter hatte in einem Leserbrief behauptet, der Mord an Buback sei doch aufgeklärt, unklar sei nur, „wer den Finger krumm gemacht habe“.

[...] Die Nachricht von Beckers DNA-Spuren an den Bekennerschreiben kam zuerst. Wir rätselten, was diesen neuen Ermittlungsschub der Bundesanwaltschaft ausgelöst haben mochte. Nach Bubacks letzten Informationen arbeitete man dort doch bereits daran, das Verfahren gegen Becker einzustellen. Ob es die Bundeskanzlerin war, die das Aufklärungsversprechen, das sie ihm gegeben hat, nun wahr macht, fragte ich. Michael Buback fand mich albern.

Heute wissen wir, es war nicht Angela Merkel, es war Verena Becker selbst, die die Ermittler elektrisierte, als sie am Telefon von ihrer Absicht sprach, eine völlig neue Waffe einzusetzen: Sie wolle „die Buback-Geschichte“ aufschreiben, in einem Buch. So entstand eine Dynamik, die kein DNA-Test, keine Zeugenaussage und keine behördliche Eingabe zu entfesseln vermochte.

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Aus: "Die Einsamkeit des Michael Buback" Von Nils Minkmar (30. August 2009)
Quelle: http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E12F29AFEB5BB48CF871435FDA3D810AC~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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[...] Eine damals 32 Jahre alte Rechtsanwaltsgehilfin beobachtete am Mordtag von einem nahe gelegenen Verwaltungsgebäude aus, wie zwei Personen auf einem Motorrad Bubacks Dienstlimousine mehrmals umkreisten, und die hintere Person mindestens zehn Schüsse abgab. Ihr sei aufgefallen, wie sich diese "kleine Person fast artistisch" bewegt habe, sagte die Zeugin dem stern. Nach ihrer Wahrnehmung habe es sich höchstwahrscheinlich um eine Frau gehandelt. Bei dem Attentat am 7. April 1977 waren neben Siegfried Buback auch dessen Fahrer Wolfgang Göbel und der Justizwachtmeister Georg Wurster getötet worden. Als die Augenzeugin im Januar dieses Jahres von der Bundesanwaltschaft vernommen wurde und sie dabei das Protokoll ihrer Aussage vom 7. April 1977 zu lesen bekam, sei ihr aufgefallen, dass "nur wenige Worte" darauf von ihr gewesen seien.

Ähnlich sei es einem anderen Zeugen ergangen, berichtet der stern weiter. Der heute 46-jährige Beamte und sein Vater hatten nach eigener Darstellung zwei Personen auf dem späteren Tatmotorrad am Vortag des Attentats in der Nähe des Karlsruher Schlossparks gesehen, wo sich zur gleichen Zeit der seiner Familie persönlich bekannte Generalbundesanwalt Siegfried Buback und dessen Ehefrau aufgehalten hätten. Sowohl er als auch sein Vater hätten die Person auf dem Rücksitz des Motorrads als zierlich und nicht größer als 1,65 Meter wahrgenommen, "wahrscheinlich eine Frau", sagte der Zeuge dem stern. Als sie sich nach dem Attentat bei der Polizei gemeldet hätten, seien sie nur eine Viertelstunde lang vernommen worden. Bei einer erneuten Vernehmung durch die Bundesanwaltschaft im Jahr 2007 sei ihm und seinem Vater die Aussage von damals vorgelesen worden. Diese "stimmte von vorne bis hinten nicht", sagte der Zeuge dem stern. Auch sie sei nicht unterschrieben gewesen.

Die Augenzeugen hatten sich bei Michael Buback gemeldet, dem Sohn des verstorbenen Generalbundesanwalts, der den Tod seines Vaters recherchiert und ein Buch darüber geschrieben hat. Buback hatte daraufhin den Kontakt zur Bundesanwaltschaft hergestellt. Alle drei Zeugen wären nach eigenen Angaben bereit, auch unter Eid auszusagen.

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SirExekutive (01.09.2009, 17:06 Uhr)
bewusste vertuschung
um die wahren verantwortlichen aus den staatsapperaten zu schützen. in einem anderen artikel bezüglich diesen vorfalls habe ich bereits auf die verbindung zu staatlichen organen hingewiesen. dieser kommentar wurde dann aber kommentarlos gelöscht. interessanterweise gab auf focus.de 2 tage später einen artikel der auf die gleiche ebene abgezielt hat -da hieß es das die neu beschuldigte -verena becker- seit 1972 mit dem verfassungsschutz in kontakt stand. der mord geschah dann 1977. [...] die 3. generation der raf war eine strohpuoppenorganisation, welche benutzt wurde um im falschen mantel politische morde tätigen zu können!



Aus: "Buback-Attentat:  RAF-Ermittler nahmen Zeugenaussagen falsch auf " Autor ? (1. September 2009)
Quelle: http://www.stern.de/politik/deutschland/buback-attentat-raf-ermittler-nahmen-zeugenaussagen-falsch-auf-1506510.html


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[...] Die Namen Zimmermann, Beckurts, von Braunmühl, Herrhausen und Rohwedder stehen für die unaufgeklärten Morde jener Zeit, als die Behörden die RAF aus den Augen verloren. Die Nachfolger der Mohnhaupts und Klars haben kaum Spuren hinterlassen, die Täter versiegelten ihre Hände mit Wundspray, zündeten Sprengsätze, wie im Fall Herrhausen, mit einer Infrarotlichtschranke. Die Kriminaltechnik wird hier kaum dazu führen, die Täter zu finden.

Helfen könnten die Aussagen der einstigen Terroristen. Doch die meisten schweigen. Versteinert, verbittert, versuchen sie, ihre Welt zu retten. Elf ehemalige Terroristen hat der zuständige Bundesanwalt nun im Fall Buback befragt, keiner hat geredet.


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Wir wissen nicht alles....
heinz Kaiserbubu (Kaiserbubu) 30. August 2009
[...] Dass die RAF, zumindest in der 3. Generation ein „Phantom“, sei, eines das Geheimdienstlegenden zugrunde liegen könnte, hat nicht nur ein Gerhard Wisnewski („Das RAF-Phantom“) vermutet. Auch Buback denkt längst in diese Richtung. Die Frage scheint ihm nur noch: welcher Geheimdienst und zu welchem Zweck? Die Morde an Rohwedder und Herrhausen passen jedenfalls nicht so ohne weiteres in eine linksterroristische Matrix. Herrhausen wollte ein Schuldenmoratorium für die 3. Welt, das wäre eine alte antiimperialistische Forderungen gewesen, und Rohwedder wollte das „Volksvermögen“ der DDR nicht verhökern, sondern zunächst sichern – vielleicht in deutscher Hand, wie die internationale Konkurrenz hier unkte. Rohwedder und Herrhausen – beide Großdeutsche Politiker gar? Wem könnte das vielleicht noch weniger gefallen haben, als einer terroristischen Linken?



Aus: "RAF - Schuld und Schweigen" Von Markus Wehner (30. August 2009)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~E7FACE7F0A21C4675965BA0592D8250EE~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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[...] Das RAF-Phantom ist ein 1992 im Droemer Knaur-Verlag erschienenes Sachbuch der Journalisten Gerhard Wisnewski, Wolfgang Landgraeber und Ekkehard Sieker. Es ist wegen seiner Thesen zur sogenannten dritten Generation der Rote Armee Fraktion äußerst umstritten. Nach der zentralen Aussage des Buchs seien die von 1985 bis 1991 durchgeführten Terroranschläge nicht von der RAF, sondern von Geheimdiensten begangen worden. Kritiker des Buches bewerten dies als Verschwörungstheorie.

Die Autoren wurden von ihren journalistischen Recherchen im Mordfall Alfred Herrhausen (1989) zu dem Buch angeregt. Der damalige Kronzeuge der Bundesanwaltschaft, Siegfried Nonne, hatte in einem von den Autoren erstellten Beitrag des WDR-Magazins Monitor 1992 sein gesamtes Geständnis widerrufen. Darin hatte er zuvor mehrere mutmaßliche RAF-Mitglieder schwer belastet. Bei ihren weiteren Recherchen sammelten die Autoren umfangreiches Material an Zeugenaussagen und offiziellen Ermittlungsergebnissen. Dabei stießen sie auf – ihrer Meinung nach – starke Unstimmigkeiten in den offiziellen Untersuchungsergebnissen. Dies führte zu weiteren Recherchen über frühere Morde der RAF, bei denen die drei Journalisten ähnliche Unstimmigkeiten wie im Fall Herrhausen zu erkennen glaubten. Weil sie offenbar Zugang zu geheimen Behördenunterlagen gehabt hatten, wurden sie in der Folge das Ziel staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen und Hausdurchsuchungen.[1] Das Buch erschien 1997 in einer überarbeiteten zweiten Auflage.

Die Thesen der Autoren lassen sich wie folgt zusammenfassen:

    * Die Mitglieder der ersten und zweiten Generation der RAF hatten z.B. bei Banküberfällen und Konfrontationen mit der Polizei deutliche Spuren hinterlassen, die jeweils nach spätestens wenigen Jahren zu ihrer Verhaftung führten. Dabei waren sie zuvor meist längere Zeit von den Behörden observiert worden. Laut den Autoren hätten die Mitglieder der dritten Generation dagegen praktisch keine Spuren hinterlassen und nach Angaben der Behörden über mehrere Jahre quasi als Phantome innerhalb der Gesellschaft gelebt, wobei die Ermittler lange Zeit fast völlig im Dunkeln tappten. Dies sei ein auffallender Widerspruch, zumal der Ermittlungsapparat im Laufe des Kampfs gegen die RAF immer effektiver geworden sei und daher die schlechten Ergebnisse unglaubhaft seien.
    * Es wurden kaum Mitglieder der sogenannten dritten Generation der RAF lebend gefasst. Mehrere mutmaßliche Mitglieder starben bei Verhaftungsversuchen, etwa Wolfgang Grams und Horst Ludwig Meyer. Konkrete Tatvorwürfe gegen lebend gefasste Verdächtige erwiesen sich später zum Teil als nicht haltbar und wurden fallengelassen, zum Beispiel in den Fällen Andrea Klump und Christoph Seidler. Dies stehe laut den Autoren in auffallend starkem Gegensatz zur Geschichte der vorigen Generationen der RAF, deren Mitglieder jeweils zum größten Teil verhaftet und nach aufwändigen Verfahren zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt wurden. Dagegen ist nur ein Mitglied der dritten Generation für der RAF zugeschriebene Morde verurteilt worden, Birgit Hogefeld. Laut den Autoren basiere das Urteil in ihrem Fall auf einer Reihe fragwürdiger Indizienbeweise, zum Beispiel einem graphologischen Gutachten.
    * Im Gegensatz zu den früheren RAF-Terroristen hinterließ die dritte Generation praktisch keine verwertbaren Spuren an den Tatorten. Dementsprechend seien die einzigen Beweise für die Täterschaft der RAF die Bekennerschreiben. Laut den Autoren sollen diese Schreiben keine Merkmale aufweisen, die nicht auch eine beliebige dritte Person hätte produzieren können, und die sie als authentisch identifizieren. Vielmehr weisen angeblich mehrere Indizien in den Schreiben auf eine Fabrikation durch Dritte hin. Zudem sei die Echtheit der Bekennerschreiben von den Behörden jeweils in auffallend kurzer Zeit bestätigt worden, ohne dass vorher kriminaltechnische Untersuchungen durchgeführt worden wären.
    * Die offiziellen Ermittlungsergebnisse in den entsprechenden Mordfällen seien von so vielen Ungereimtheiten geprägt, dass dies auf zielgerichtete Manipulation von dritter Seite schließen lasse.
    * Die Anschläge der dritten Generation hätten darüber hinaus eine sehr hohe Präzision und aufwändige Planung erfordert, die die Fähigkeiten einer aus autodidaktischen Terroristen bestehenden Terrorgruppe deutlich überstiegen habe.
    * Die meisten Mordopfer hätten berufliche Hintergründe gehabt, die eine Ermordung durch Dritte plausibel erscheinen ließen. Laut den Autoren seien diese vermeintlichen Motive in mehreren der Mordfälle ähnlich und deuteten angeblich auf ausländische Geheimdienste als eigentliche Täter. Dabei nennen sie als ihren Hauptverdächtigen die CIA, deren Verstrickung in ähnliche Operationen bereits mehrfach nachgewiesen sei. Als Beispiel nennen die Autoren die als Strategie der Spannung bekannt gewordenen Vorgänge in Italien. Dort wurden eine Anzahl terroristischer Anschläge der 1970er und 1980er Jahre, die ursprünglich den Roten Brigaden angelastet worden waren, ab 1984 erneut untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass die eigentlichen Täter mit der NATO-Organisation Gladio und italienischen Geheimdiensten kooperierende Rechtsextremisten waren. Außerdem stellte sich heraus, dass die Roten Brigaden zum Teil von Geheimdienstmitarbeitern unterwandert waren.


Kritik:
Das Buch wird nicht nur wegen der weithin als höchst unglaubhaft wahrgenommenen These, sondern auch wegen des teilweise meinungslastigen Schreibstils kritisiert. Nur wenige Kritiker haben sich detailliert auf inhaltlicher Ebene mit dem Buch auseinandergesetzt, etwa der damalige taz- und spätere Spiegel-Redakteur Gerd Rosenkranz. Er monierte in seiner in der taz erschienenen Rezension eine ganze Reihe von Detailfehlern – von denen er allerdings nur zwei belegte – und gab ein äußerst negatives Gesamturteil ab [2]. Einer seiner Hauptkritikpunkte war, dass Tatsachen verdreht und einseitig präsentiert würden, damit sie zur These der Verfasser passen. Der Regensburger Politikwissenschaftler Alexander Straßner ordnet die Aussagen des Buchs als Verschwörungstheorie ein.[3]


Nachspiel:
Im Jahr 1995 stellte die Bundestagsfraktion der Grünen eine kleine parlamentarische Anfrage mit dem Titel Der Kronzeuge Siegfried Nonne und die Rolle der Sicherheitsbehörden[4] an die Bundesregierung, die die Darstellung der Behörden zum Mord an Alfred Herrhausen hinterfragte. Sie bezog sich in wesentlichen Teilen auf Aussagen des Buchs.

In einem Gespräch mit dem Magazin Der Spiegel lehnte Birgit Hogefeld, die ehemalige Lebensgefährtin des verstorbenen RAF-Mitglieds Wolfgang Grams, eine Antwort auf die Frage nach einer möglichen persönlichen Beteiligung an den Morden an Herrhausen und Rohwedder ab[5]. Direkt auf das Buch angesprochen, und ob es in RAF-nahen Kreisen ernsthaft diskutiert worden wäre, meinte sie:

    „Im RAF-Umfeld nicht. In den linksradikalen Zusammenhängen, die ich kenne, hatte dieser Unsinn nie eine Bedeutung. Aber natürlich hing die Tatsache, daß das überhaupt jemand ernst nahm, damit zusammen, daß die RAF in den achtziger Jahren von der legalen Linken sehr isoliert war. So wurde das auch diskutiert: als Ergebnis eigener Fehler.

Zumindest die Kritik der Autoren an der von den Behörden vertretenen Version zum Herrhausen-Mord wurde bestätigt, als diese Ende der 1990er nach und nach zusammenbrach. Mittlerweile sind die ursprünglich Beschuldigten, Christoph Seidler und Andrea Klump, durch Entscheidungen des Bundesgerichtshofs und des Generalbundesanwalts von der Verantwortung für die Tat und vom Vorwurf der RAF-Mitgliedschaft entlastet.

Aufgrund einer im Jahre 2001 durchgeführten DNA-Analyse von Haarspuren am Tatort der Ermordung Rohwedders, die eine Zuordnung zu Grams erbrachte, deutete sich erstmals eine konkrete Widerlegung der im Buch vertretenen Thesen an.[6] Die Bundesanwaltschaft benannte Grams allerdings ausdrücklich nicht als Tatverdächtigen, da sie dieses Indiz als nicht ausreichend bewertete.[7] Zudem wurden von einigen Seiten Zweifel an der Aussagekraft der Haarspur geäußert. Dies beruhte unter anderem auf Zweifeln an der wissenschaftlichen Qualität des Untersuchungsergebnisses[8] und auf dem Zeitpunkt der Identifizierung, die erst acht Jahre nach Grams' Tod vorgenommen wurde. Auf eine Anfrage der PDS-Bundestagsfraktion hatte die Bundesanwaltschaft zugegeben, dass eine Überprüfung von Haaren auch zu einem früheren Zeitpunkt ohne eine DNA-Analyse möglich gewesen wäre, diese aber nicht durchgeführt worden war, weil nach Grams Tod zwar eine Blut-, aber keine Haarprobe entnommen worden sei.[9][10][11]

Die Journalistin Regine Igel hat für ihr Buch Terrorjahre. Die dunkle Seite der CIA in Italien italienische Justizakten gesichtet und Interviews mit Richtern und Staatsanwälten geführt. Sie vertritt die Auffassung, dass die RAF schon früher als von Wisnewski behauptet von Geheimdiensten unterwandert und instrumentalisiert worden sei, was im Fall der italienischen Roten Brigaden bewiesen sei.[12] Dies stützt sie unter anderem auf Ermittlungsergebnisse der italienischen Justiz, die auf eine Zusammenarbeit der beiden Gruppen bei der Entführung von Aldo Moro schließen lassen. An der Entführung waren laut der Untersuchungskommission Terrorismus und Massaker des italienischen Senats und Erkenntnissen der italienischen Justiz mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Geheimdienste beteiligt.[12][13] Die Tatsache, dass die Zusammenhänge zwischen der RAF und Geheimdiensten in Deutschland praktisch unbekannt seien und nie offiziell untersucht wurden, begründete Igel mit der gesetzlich festgelegten Weisungsgebundenheit der deutschen Staatsanwälte durch die Politik. Anders als in Italien würde auf diese Weise die Untersuchung der Verwicklung staatlicher Stellen in den Terrorismus blockiert.[12][14]

Die für die Morde an Ernst Zimmermann, Karl Heinz Beckurts, Gerold von Braunmühl, Alfred Herrhausen und Detlev Karsten Rohwedder verantwortlichen Täter wurden bis heute nicht zweifelsfrei identifiziert. Die einzigen in diesem Zusammenhang genannten Personen, Horst Ludwig Meyer und Wolfgang Grams, starben bei Verhaftungsversuchen.

Literatur:
Gerhard Wisnewski, Wolfgang Landgraeber, Ekkehard Sieker: Das RAF-Phantom. Wozu Politik und Wirtschaft Terroristen brauchen. Droemer Knaur, München, 2. Auflage, Februar 1997, ISBN 3-426-80010-1

[...]

 Referenzen [Bearbeiten]

   1. ↑ Vom RAF-Phantom eingeholt. Proteste gegen Durchsuchung bei Monitor-Mitarbeitern. Süddeutsche Zeitung, 3. März 1994
   2. ↑ Gerd Rosenkranz: Im Nebel der „Dritten RAF-Generation”. taz – die tageszeitung, 23. Januar 1993
   3. ↑ Alexander Straßner, Die dritte Generation der "Roten Armee Fraktion". Entstehung, Struktur, Funktionslogik und Zerfall einer terroristischen Organisation, VS-Verlag, Berlin 2003, ISBN 3531141147, S. 295
   4. ↑ Bundestagsdrucksache 13/533 vom 13. Februar 1995: Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion: Der Kronzeuge Siegfried Nonne und die Rolle der Sicherheitsbehörden.
   5. ↑ Hogefeld über die Rote Armee Fraktion: "Wir waren sehr deutsch". Der Spiegel, Nr. 42, 13. Oktober 1997, S. 169
   6. ↑ Das „RAF-Phantom“ nimmt Gestalt an - Nach zehn Jahren erste heiße Spur im Mordfall Rohwedder, afp 16. Mai 2001
   7. ↑ Mordfall Rohwedder: Hogefeld soll vernommen werden, WDR online, 17.Mai 2001
   8. ↑ Helmut Lorscheid: DNA-Analyse als Stimmungsmache? Generalbundesanwalt verweigert Angaben zum angeblichen "Grams-Haarfund". Telepolis, 3. Juli 2001
   9. ↑ Bundestagsdrucksache 14/6297 vom 18. Juni 2001: Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Fraktion der PDS: Neue Verdachtsmomente des Generalbundesanwalts im Mordfall Rohwedder und Berichte über eine angebliche „neue RAF“.
  10. ↑ Bundestagsdrucksache 14/6525 vom 2. Juli 2001: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Fraktion der PDS.
  11. ↑ Helmut Lorscheid: Nichts genaues weiß man nicht. Kleine Anfrage bezüglich Grams-"Haarfund" wirft nur neue Fragen auf., Telepolis, 9. Juli 2001
  12. ↑ a b c Regine Igel: Linksterrorismus fremdgesteuert? Die Kooperation von RAF, Roten Brigaden, CIA und KGB. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. Oktober 2007, S. 1230 (PDF, Abgerufen am 20. August 2008).
  13. ↑ Politische Morde (4) Der Fall Aldo Moro. In: 3sat.online. 7. Oktober 2004. Abgerufen am 1. September 2008.
  14. ↑ Regine Igel: Kein Maulkorb für den Staatsanwalt. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. November 2003, S. 1380–1389 (blaetter.de, Abgerufen am 30. August 2008).




Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Das_RAF-Phantom (14. März 2009)

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Das Phantom ist eine preisgekrönte TV-Produktion des Jahres 2000. Der Film ist ein Politthriller auf der Grundlage des Buches Das RAF-Phantom, der die verbreitete Verschwörungstheorie zum Attentat auf Alfred Herrhausen in Szene setzt. Der Film spielt mit einigen Rückblenden und Originalmaterial des Attentats.
http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Phantom_(2000)


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Quote
[...] Das frühere RAF-Mitglied Verena Becker hat als Informantin für den Verfassungsschutz gearbeitet. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte am Mittwoch in Berlin: «Wenn der Verfassungssschutz mit Quellen arbeitet, wie Informanten, die sich zur Verfügung stellen, um über ganz bestimmte Sachverhalte Auskunft zu geben, so wie es damals auch Frau Becker getan hat, dann basiert das immer auf der Geschäftsgrundlage der Zusicherung der Geheimhaltung.» Ein Verfassungsschutz sei auf solche Quellen angewiesen.

Der Sprecher machte auch deutlich, dass ein Antrag der Bundesanwaltschaft auf Herausgabe von Akten sorgfältig geprüft werde, sobald er im Innenministerium vorliege. Die Akten seien mit einem Sperrvermerk versehen, so dass sie nicht gerichtsverwertbar seien. Nun müsse erneut geprüft werden, ob das Geheimhaltungsinteresse des Verfassungsschutzes oder das Strafverfolgungsinteresse des Staates höher einzustufen sei.

...

gxb/AFP


Aus: "Verfassungsschutz - Ex-RAF-Mitglied Becker arbeitete als Informantin" (02.09.2009)
Quelle: http://www.focus.de/panorama/vermischtes/verfassungsschutz-ex-raf-mitglied-becker-arbeitete-als-informantin_aid_432070.html


« Last Edit: September 03, 2009, 10:00:41 AM by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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[Die Akte Lockerbie ist geschlossen... ]
« Reply #131 on: August 31, 2009, 11:46:43 AM »
Quote
[...] Der Lockerbie-Anschlag war ein Bombenanschlag auf ein Verkehrsflugzeug vom Typ Boeing 747-121[1] der amerikanischen Fluglinie Pan American World Airways (PanAm-Flug 103) am 21. Dezember 1988. Laut Urteil schottischer Strafgerichte soll der Anschlag ein staatsterroristischer Akt libyscher Geheimdienstler gewesen sein, was nach verschiedenen Eingaben und eidesstattlichen Erklärungen bezüglich der Glaubwürdigkeit von Zeugen und manipulierter Beweise derzeit erneut durch schottische Gerichte überprüft wird. Das Flugzeug wurde auf einer Flughöhe von etwa 9.400 m über der Ortschaft Lockerbie, Dumfries and Galloway, Schottland nach der Explosion von 340–450 g Plastiksprengstoff zerstört. Bei dem Unglück kamen alle 259 Insassen der Maschine, sowie am Boden elf Bewohner Lockerbies ums Leben. Die so genannte Katastrophe von Lockerbie wurde größtenteils als ein Anschlag auf ein Symbol der USA gesehen; mit 189 toten US-Amerikanern galt er bis zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 als verlustreichster Anschlag gegen Zivilisten aus den Vereinigten Staaten.

Libyen hat niemals eine wie auch immer geartete Beteiligung an dem Anschlag eingeräumt, jedoch im Rahmen von Verhandlungen zur Beilegung seiner Konflikte mit den USA sich zu der Erklärung bereitgefunden, es "akzeptiere die Verantwortung für Taten seiner Offiziellen". Es zahlte bisher 2,46 Milliarden US-Dollar Entschädigung an die Hinterbliebenen der Opfer. Zur einzigen Verurteilung in dem Fall kam es 2001 im sogenannten Lockerbieprozess, als ein schottisches Gericht den libyschen Geheimdienstoffizier Abdel Basset Ali al-Megrahi zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilte.

[...] Alle 243 Passagiere und 16 Besatzungsmitglieder wurden bei dem Absturz getötet. Eine schottische Ermittlungsbehörde gab bekannt, dass, als das Cockpit wegbrach, extrem starke Luftströmungen durch den Rumpf gepeitscht seien, die den Passagieren die Kleidung wegrissen und Objekte wie Getränkewagen in tödliche Geschosse verwandelten.

Aufgrund der plötzlichen Druckänderung dehnten sich die Gase innerhalb der Körper auf das vierfache Volumen aus, was bei vielen zu einer Lungenüberdehnung oder einem Lungenkollaps führte. Nicht angeschnallte Passagiere bzw. ungesicherte Objekte wurden aus der Maschine in −46 °C kalte Luft geschleudert und fielen etwa zwei Minuten lang aus 9 km Höhe in Richtung Boden. Andere blieben auf ihren Sitzen und schlugen noch angeschnallt in Lockerbie auf.

Die meisten Insassen der Maschine wurden aufgrund des Sauerstoffmangels während des Falls bewusstlos, doch die Gerichtsmediziner glauben, dass einige das Bewusstsein wiedererlangten, als sie sauerstoffreichere Luftschichten erreichten. Pathologe William G. Eckert, der die Ergebnisse der Autopsien untersuchte, sagte der schottischen Polizei, dass er glaube, dass die Cockpitbesatzung, einige Flugbegleiter und 147 weitere Passagiere sowohl die Bombenexplosion als auch die darauffolgende Dekompression überlebten und erst durch den Aufprall starben. Keiner von ihnen hatte Anzeichen von Verletzungen durch die Explosion, den Druckabfall oder das Auseinanderbrechen der Boeing 747. Eine Mutter wurde mit ihrem Baby im Arm gefunden, zwei Freunde hielten sich an den Händen und eine ganze Anzahl von Passagieren umklammerte Kruzifixe.

Kapitän MacQuarrie, der Erste Offizier, der Flugingenieur, eine Flugbegleiterin und einige Passagiere der First Class wurden noch angeschnallt in der Flugzeugnase gefunden, nachdem diese auf einem Feld nahe Lockerbie aufgeschlagen war. Eine Flugbegleiterin und ein Mann wurden lebend gefunden, sie starben aber, bevor Hilfe geholt werden konnte. Die Untersuchung ergab, dass der Mann vielleicht überlebt hätte, wenn er früher gefunden worden wäre. Des Weiteren wurden Opfer in Waldstücken gefunden, deren Sitze sich in den Bäumen verfangen hatten. Einige der Opfer wiesen keine tödlichen Verletzungen auf, jedoch wurden sie erst zwei Tage nach dem Absturz gefunden. Falls die Opfer den Absturz also überlebt hatten, sind sie später vermutlich erfroren.


[...]
Motiv für den Terroranschlag:
Libyen übernahm 2002 die volle Verantwortung für den Anschlag. Anlass und Motiv waren offenbar die Bombardierungen von Tripolis und Banghazi im April 1986. Am 15. und 16. April 1986 starteten US-Kampfflugzeuge eine Serie von Luftangriffen von England aus: Die Operation El Dorado Canyon. Die ersten US-Luftangriffe von Großbritannien aus seit dem Zweiten Weltkrieg richteten sich gegen Tripolis und Banghazi, Libyen, als Vergeltung für einen Anschlag auf die Diskothek La Belle in West-Berlin, bei dem drei Menschen getötet und 229 verletzt worden waren, darunter viele US-Soldaten[11]. Dieser Angriff wiederum war eine Vergeltung für die Versenkung von zwei libyschen Kriegsschiffen durch die USA. Unter den dutzenden Toten der Luftangriffe war auch Hanna Gaddafi, ein angeblich von Muammar al-Gaddafi adoptiertes Mädchen.

Die Ermittlungen:
Die Lockerbie-Katastrophe zog die größten britischen Kriminalermittlungen nach sich, kurioserweise geleitet von der kleinsten britischen Polizeibehörde, dem Dumfries and Galloway Constabulary.

Die ersten Ermittlungen der Dumfries and Galloway-Polizei am Tatort beinhalteten militärische und zivile Untersuchungen aus Hubschraubern, die Auswertung von Satellitenbildern und das Durchkämmen des Gebiets durch hunderte von Soldaten und Polizisten. Mehr als 10.000 Trümmerteile wurden aufgesammelt, markiert und in ein Spurensuchsystem eingegeben.

Der Rumpf des Flugzeugs wurde von Flugunfallermittlern rekonstruiert, wobei das 0,5 m große, durch die Explosion im vorderen Laderaum entstandene Loch entdeckt wurde. Die Untersuchung der Gepäckcontainer ergab, dass die Explosion in dem Container, der am nächsten am Loch stand, stattgefunden haben muss. Durch eine Serie von Testexplosionen, bei denen die Beschädigungen verglichen wurden, wurde die genaue Position und Menge des Sprengstoffs festgestellt. Demnach detonierten ca. 300 Gramm des Plastiksprengstoffs Semtex.

Teile eines Samsonite-Koffers, in dem vermutlich die Bombe war, wurden zusammen mit Teilen eines Radiorecorders der Marke Toshiba (Typ RT-8016/SF16 BomBeat) geborgen, von dem ein ähnliches Modell zwei Monate zuvor von der deutschen Polizei von einer palästinensischen Terrorgruppe beschlagnahmt worden war. Auch in diesem Fall war er für den Bau einer Semtexbombe benutzt worden. Ebenfalls zum Inhalt des Koffers gehörte Babykleidung, von der festgestellt werden konnte, dass sie in Malta hergestellt worden war.

Die Kleidung führte zu einem maltesischen Händler, Toni Gauci, der der Hauptzeuge der Anklage wurde, nachdem er aussagte, die Kleidung an einen Mann libyschen Aussehens verkauft zu haben. Er identifizierte ihn später als Abdel Basset Ali al-Megrahi.

Ein Fragment einer Platine, das in dem Koffer gefunden wurde, wurde als Teil eines Zeitzünders vom Typ MST-13 identifiziert, der nur in kleiner Stückzahl von der Schweizer Firma MEBO hergestellt wurde. Das gleiche Modell wurde bei zwei im Februar 1988 im Senegal festgenommenen libyschen Geheimagenten gefunden. Diese Spur führte die Ermittler zum libyschen Militär.

Die Ermittler fanden auch heraus, dass ein unbegleiteter Koffer über ein Gepäcktransportsystem vom Flughafen Luqa auf Malta nach Frankfurt gelangte und dort in die Zubringer-727 verladen wurde. Dieses Gepäckstück wurde während des Prozesses als Bombenkoffer gezeigt.

Nach drei Jahren gemeinsamer Ermittlungen des Dumfries and Galloway Constabulary und des FBI, in denen 15.000 Zeugen vernommen wurden, wurden am 13. November 1991 Mordanklagen gegen Abdel Basset Ali al-Megrahi, einen libyschen Geheimdienstmitarbeiter und Sicherheitschef der Libyan Arab Airlines (LAA), und Lamin Khalifah Fhimah, den LAA-Standortchef am Malta International Airport, herausgegeben.

[...]  Der Prozess:
Sanktionen der Vereinten Nationen gegen Libyen und lange Verhandlungen mit dem libyschen Staatschef Muammar al-Gaddafi führten schließlich zur Auslieferung der beiden Angeklagten an die schottische Polizei. Die Überstellung fand am 5. April 1999 an einem neutralen Ort in den Niederlanden statt. Am 3. Mai 2000 begann der Prozess gegen die Libyer Lamin Khalifah Fhimah und Abdel Basset Ali al-Megrahi. Fhimah wurde freigesprochen. Megrahi wurde für schuldig befunden und am 31. Januar 2001 zu lebenslanger Haft verurteilt, die er bis zu seiner Begnadigung im August 2009 im Gefängnis von Greenock nahe Glasgow absaß.

...


[...] Abfindungen aus Libyen:

Am 29. Mai 2002 bot Libyen eine Summe von 2,7 Milliarden US-Dollar als Entschädigung für die 270 Todesopfer an, was $10 Millionen Abfindung pro Familie bedeutete. Das Angebot sah vor:

    * 40 % des Geldes zu überweisen, wenn die 1999 verhängten UN-Sanktionen gegen Libyen aufgehoben wurden;
    * weitere 40 %, wenn die US-Handelssanktionen aufgehoben wurden; und
    * die letzten 20 %, wenn das US-Außenministerium Libyen von der Liste der terrorunterstützenden Staaten strich.

Jim Kreindler von der New Yorker Anwaltskanzlei Kreindler & Kreindler, die das Abkommen koordinierte, sagte:

    „Dies ist Neuland. Es ist das erste Mal, dass einer der Staaten, die als terrorunterstützende Staaten gelten, Entschädigungszahlungen an die Familien der Terroropfer anbot.“

Das US-Außenministerium behauptete, dass es nicht direkt involviert war:

    „Einige Familien wollen Geld, andere sagen, es ist Blutgeld.“

Die Ausgleichszahlungen an die Familien der PA103-Opfer waren einer der von der UNO geforderten Schritte zur Aufhebung der Sanktionen gegen Libyen. Andere Forderungen waren eine formale Absage an den Terrorismus und das Übernehmen der Verantwortung für Handlungen von libyschen Geheimagenten[15].

18 Monate später, am 5. Dezember 2003, offenbarte Jim Kreindler, dass seine Anwaltskanzlei ein Erfolgshonorar in Höhe von ca. einer Million US-Dollar von jeder von ihnen vertretenen Familie erhielt. Letztlich lag das Honorar bei 300 Millionen Dollar und Kreindler sagte:

    „In den letzten sieben Jahren hatten wir für diesen Fall ein eigenes Team, das unermüdlich gearbeitet hat und wir verdienen das Honorar, für das wir so hart gearbeitet haben. Ich glaube, dass es für die Angehörigen ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis ist.“

Eine andere Anwaltskanzlei in den USA, Speizer Crowse, die 60 Angehörige vertrat, wovon die Hälfte Briten waren, hatte ein ausgemachtes Erfolgshonorar zwischen 28 und 35 % der individuellen Abfindung. Frank Greneda von Spizer Crowse sagte:

    „Natürlich sind die Honorare in den USA größer als irgendwo anders, aber niemand hat sie während der Verhandlungen hinterfragt. Nur jetzt, da wir uns einer Lösung annähern, bekommen wir Kritik zu hören.“

Am 15. August 2003 unterbreitete der UN-Vertreter für Libyen, Ahmed Own, dem Weltsicherheitsrat einen Brief, in dem Libyen formal die Verantwortung für das Handeln seiner Amtspersonen in Bezug auf die Lockerbie-Katastrophe übernimmt[16]. Die libysche Regierung zahlte dann eine Abfindung von 8 Millionen US-Dollar an jede Familie (von denen ca. 2,5 Millionen an die Anwaltskanzleien abgeführt wurden). Als Folge wurden sowohl die UN-Sanktionen als auch die US-Handelssanktionen aufgehoben. Weitere 2 Millionen Dollar wären nach der Streichung Libyens durch das US-Außenministerium von der Liste der terrorunterstützenden Staaten an die Familien gegangen. Dies geschah jedoch nicht und Libyen nahm die verbleibenden 540 Millionen Dollar im April wieder von dem Schweizer Treuhandkonto, über das bereits die ersten 2,16 Milliarden an die Familien überwiesen wurde. Mit der Ankündigung der USA, am 15. Mai 2006 die diplomatischen Beziehungen mit Libyen wieder aufzunehmen und sie von der umstrittenen Liste zu streichen, kommt die unvermeidliche Frage auf, ob Libyen nun den Rest der Entschädigung zahlen wird, der vorher angeboten worden war.[17][18]

Einige Beobachter glauben, dass das Akzeptieren der Verantwortung eher ein Geschäftsabschluss war, mit dem Ziel der Aufhebung der Sanktionen, und nicht das Eingestehen von Schuld. Im Februar 2004 sagte der libysche Premierminister Schukri Ghanim der BBC, dass die Entschädigungen als „Preis für Frieden“ und als Schritt zur Aufhebung der Sanktionen gezahlt wurden. Auf die Frage, ob Libyen die Schuld nicht auf sich nahm, sagte er: „Dem stimme ich zu.“ Gaddafi widerrief später auf Druck aus Washington und London Ghanims Aussage[19].

Ein Zivilprozess im Interesse der Pan Am gegen Libyen läuft noch immer. Die Fluglinie ging nicht zuletzt wegen des Anschlags bankrott, sie verlor 4,5 Milliarden US-Dollar durch den Verlust des Flugzeugs und die entstandenen Folgen für die zivile Luftfahrt.

...


[...]  Berufungsverfahren und alternative Theorien über Täter und Hintergründe:

Trotz der Verurteilung von Abdel Basset Ali al-Megrahi und der Zahlung von rund 2,7 Milliarden US-Dollar durch Libyen gibt es Zweifel an der tatsächlichen Schuld des libyschen Staates und seines Geheimdienstoffiziers.

So existieren erhebliche Bedenken beim wichtigsten Beweisstück, einem fingernagelgroßen Platinenfragment einer elektronischen Zeitschaltuhr des Typs MST-13 der Firma MEBO AG aus Zürich, welche als Zünder der Bombe gedient haben soll. Zwar wurden Zeitschaltuhren dieses Typs bei der Verhaftung von zwei libyschen Geheimdienstmitarbeitern gefunden, aber die MEBO AG belieferte beispielsweise damit auch das MfS der DDR, welches wiederum gute Kontakte zu palästinensischen Organisationen pflegte.

Ungewöhnlich an dem mit dem Anschlag in Verbindung gebrachten Platinenfragment ist die Tatsache, dass auf diesem der Buchstaben „M“ eingekratzt war. MEBO erklärte hierzu, dass es sich bei dem gefundenen Fragment um ein Teil eines Prototypen handelt, welcher nicht voll funktionsfähig war und es somit auch nicht möglich ist, damit eine Bombe zu zünden[21] [22].

Auch der Fundort der Platine in einem Waldstück ließ Zweifel an der Echtheit des Beweisstücks aufkommen. So befand das mit dem Prozess betraute Gericht aktenkundig über die Aussagen der schottischen Polizei zum Fundort: “Im schlimmsten Fall ausweichend und äußerst verwirrend.“ Experten gehen heute davon aus, dass bei der damaligen Flughöhe von rund 9000 Metern und den damals herrschenden Windverhältnissen leichte Teile viel weiter geflogen sind und somit das Platinenfragment in der Nordsee hätte landen müssen.

Dafür, dass die Bombe von Malta über Frankfurt am Main nach London Heathrow gelangt ist, gibt es laut BKA keinerlei Beweise. Neben Frankfurt kamen Passagiere und Gepäckstücke von weiteren 12 Flughäfen zum PanAm-Flug 103.

Allerdings gibt es die bekannte „Neuss-Theorie“. Dazu Carl-Ludwig Paeschke aus der ZDF-Redaktion 'Zeitgeschichte':

    Es gab in Neuss eine Werkstatt der Front zur Befreiung Palästinas, die Bomben in Radios einbauten - wie im Fall Lockerbie. Als das Bundeskriminalamt die Werkstatt im Rahmen der Operation Herbstlaub aushob, fand man vier davon. Angeblich soll es noch eine fünfte gegeben haben, und diese soll die PanAm-Bombe gewesen sein[23].

Die Operation „Herbstlaub“ war eine Gemeinschaftsaktion von BKA, BND und Verfassungsschutz gegen eine in der Bundesrepublik aktive Zelle der PFLP-GC. Am 26. Oktober 1988 wurden bei Razzien in mehreren deutschen Städten 16 mutmaßliche Terroristen festgenommen:

    Im Rahmen der Operation „Herbstlaub“ schlugen Polizisten eines Sondereinsatzkommandos und Terrorismusermittler zu. Sie verhafteten 16 Verdächtige, ließen jedoch 12 wieder frei, darunter ausgerechnet den Bombenbauer Khreesat. Der hatte die Drähte glühen lassen und versichert: „Ich bin doch einer von Euch.“ Beim Entschärfen der Höllenmaschinen des „Kollegen“ kam ein BKA-Mann ums Leben, ein weiterer wurde schwer verletzt, und eine Bombe blieb verschwunden. „Der Schlüssel für die Ermittlung der wahren Täter liegt in Neuss“, erklärte Dr. David Thomas Schiller auf Anfrage, Experte für Terrorismus und den Nahen Osten[24].

Dass Libyen mit seinen 2,7 Milliarden US-Dollar sich nur von den UN-Sanktionen frei kaufen wollte, bestätigte 20 Jahre später der Sohn des libyschen Staatschefs Saif al-Islam al-Gaddafi. „Wir haben dem UN-Sicherheitsrat in einen Brief geschrieben, dass wir verantwortlich sind für das Handeln unserer Leute. Das heißt aber nicht, dass wir es auch waren. ... Ich gebe zu, wir haben mit Worten gespielt. Das mussten wir auch. Das ging nicht anders.“

Eine andere Spur, welche allerdings bis jetzt offiziell verworfen wird, führt in den Iran. So könnte der Anschlag die Vergeltung für den Abschuss einer iranischen Passagiermaschine am 3. Juli 1988 durch ein amerikanisches Kriegsschiff gewesen sein (siehe Iran-Air-Flug 655). In diesem Zusammenhang bestätigte der übergelaufene ehemaliger Mitarbeiter des iranischen Geheimdienstes Abolgashem Mesbahi, dass Iran die treibende Kraft hinter dem Attentat war[25]. Abolgashem Mesbahi wurde jedoch bisher von keinem Gericht zu Lockerbie angehört.

Sehr aufschlussreich war auch im November 1990 das Statement von Vincent Cannistraro:

    President Hashemi Rafsanjani has commissioned the bombing of the [Pan Am 103] jet in the summer of 1988, when he was the Speaker of Parliament. We know who did. From an intelligence point of view, the case is solved. -- Vincent Cannistraro, Head of the CIA Counterterrorism Center, Nov. 21, 1990[26][27].

Aufgrund eines laufenden Berufungsverfahrens werden die vorliegenden Beweise erneut geprüft und im Jahr 2009 neue Anhörungen stattfinden.

...

 Literatur:

    * David Johnston: Lockerbie: The Real Story Bloomsbury Publishing PLC, 1989 (ISBN 0-7475-0487-3)
    * Steven Emerson, Brian Duffy: The Fall of Pan Am 103: Inside the Lockerbie Investigation Putnam Pub Group (T), 1990 (ISBN 0-399-13521-9)
    * John Crawford: The Lockerbie Incident: A Detective’s Tale Trafford Publishing, 2002 (ISBN 1-55369-806-1)
    * Hans Köchler und Jason Subler (Hrsg.): The Lockerbie Trial. Documents Related to the I.P.O. Observer Mission International Progress Organization, 2002 (ISBN 3-900704-21-X)
    * Khalil I. Matar, Robert W. Thabit: Lockerbie and Libya: A Study in International Relations McFarland & Company, 2003 (ISBN 0-7864-1609-2)
    * Karen Spies: Pan Am Flight 103: Terrorism Over Lockerbie Enslow Publishers, 2003 (ISBN 0-7660-1788-5)

Einzelnachweise:

   1. ↑ Aircraft Accident Report No 2/90 (EW/C1094) (pdf, englisch)
   2. ↑ http://www.tagesschau.de/ausland/lockerbie126.html
   3. ↑ ABC News Prime Time Live vom 30. November 1989
   4. ↑ http://www.guardian.co.uk/Lockerbie/Story/0,2763,1154000,00.html
   5. ↑ http://web.syr.edu/~vpaf103/v_carlsson.html
   6. ↑ http://www.guardian.co.uk/Lockerbie/Story/0,2763,216917,00.html
   7. ↑ http://aviation-safety.net/photos/displayphoto.php?id=19881221-0&vnr=1&kind=G
   8. ↑ http://news.bbc.co.uk/1/hi/special_report/1998/12/98/lockerbie/236466.stm
   9. ↑ http://www.foia.cia.gov/docs/DOC_0000427163/0000427163_0002.gif
  10. ↑ http://www.foia.cia.gov/docs/DOC_0000427163/0000427163_0003.gif
  11. ↑ http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/europe/1653848.stm
  12. ↑ http://news.scotsman.com/topics.cfm?tid=184&id=674022006
  13. ↑ http://news.scotsman.com/topics.cfm?tid=184&id=850342006
  14. ↑ vgl. Lockerbie-Attentäter kommt vorzeitig frei bei focus.de, 20. August 2009
  15. ↑ http://archives.cnn.com/2002/US/05/28/libya.lockerbie.settlement/
  16. ↑ http://www.libya1.com/news/n2003/august/n16aug3a.htm
  17. ↑ http://news.scotsman.com/topics.cfm?tid=184&id=1338372003
  18. ↑ http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/africa/4773617.stm
  19. ↑ http://www.bbc.co.uk/radio4/today/listenagain/ztuesday_20040224.shtml
  20. ↑ http://www.timesonline.co.uk/article/0,,2090-1839039,00.html
  21. ↑ http://plane-truth.com/emails%202008/Green%20Brown%20MST-13%20timer%20part%202%20posted%20May%208%202008.doc
  22. ↑ http://americanradioworks.publicradio.org/features/lockerbie/story/story_frame7.html
  23. ↑ http://www.monstersandcritics.de/artikel/200847/article_113388.php/Die-Frage-nach-dem-Wer?page=2
  24. ↑ http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26718/1.html
  25. ↑ http://www.presseportal.de/pm/7840/1321082/zdf
  26. ↑ http://english.ohmynews.com/articleview/article_view.asp?menu=&no=384109&rel_no=1&back_url=
  27. ↑ New York Times, 21. November 1990
  28. ↑ [http://web.syr.edu/%7Evpaf103/mem_elergy.htm http://web.syr.edu/%7Evpaf103/mem_elergy.htm]
  29. ↑ http://www.arlingtoncemetery.net/cairn.htm


...


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Lockerbie-Anschlag (27. August 2009)

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Quote
[...] Jim Swire, Sprecher der Gruppe der Angehörigen, hat den Satz nie vergessen, den ein Mitglied der "Presidents Comission" für Luftfahrtsicherheit  und Terrorismus nach einem Treffen mit Lockerbieangehörigen in London eher beiläufig fallen ließ: Unsere Regierungen wissen, was in Lockerbie geschah, doch sie werden niemals die Wahrheit enthüllen.

Das war Anfang 1990. Jetzt, 19 Jahre später, spricht vieles dafür, dass der größte Massenmord der britischen Geschichte, verübt am 21. Dezember 1988, niemals aufgeklärt werden wird. Und trotz der Zweifel an der offiziellen Version, wonach der Libyer al-Megrahi für die Bombenexplosion an Bord des Pan Am Fluges 103 über dem schottischen Städtchen Lockerbie verantwortlich ist.

Auslöser ist die Entscheidung der schottischen Regierung, den todkranken Libyer, der 2001 zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, aus humanitären Gründen aus dem Gefängnis zu entlassen. Die Begnadigung, die auch die Regierung in London billigt, hat einen angenehmen Nebeneffekt, den man in den westlichen Hauptstädten begrüßen dürfte: Der Prozess um das Attentat wird nicht wieder aufgerollt, das Berufungsverfahren wurde durch Schottlands humanitäre Geste verhindert. Darüber ist der Westen durchaus erleichtert. Das gilt im Übrigen auch für Washington, obwohl sich Obama und Hillary Clinton der Empörung amerikanischer Angehöriger von Lockerbie-Opfern angeschlossen haben.

Der Fall Lockerbie wird also nicht wieder aufgerollt. Es werden keine weiteren heiklen Fragen gestellt werden, die offizielle Version der tragischen Ereignisse kann juristisch nicht mehr überprüft werden. So gilt also noch immer, dass niemand anderes als Libyen für den Terrorakt verantwortlich ist.

In Wahrheit aber ist dies die unwahrscheinlichste Erklärung, auf die man sich in den Hauptstädten des Westens erst spät festlegte. Bis Mitte 1990 waren sich alle, ob FBI, CIA, britischer Geheimdienst, schottische Polizei und Bundeskriminalamt, einig über Täter und Hintermänner: Alle Spuren führten nach Damaskus und Teheran.

Iran besaß das Motiv: Ein amerikanisches Kriegsschiff hatte 1988 versehentlich ein iranisches Passagierflugzeug mit 298 Mekka-Pilgern an Bord über dem Golf von Persien abgeschossen. Teheran trachtete nach Vergeltung. Ausgeführt wurde der Racheakt von der "Volksfront für die Befreiung Palästinas, Generalkommando", unter Führung von Ahmed Jibrils. Wie die CIA herausfand, soll ein Honorar von 10 Millionen Dollar auf ein Konto Jibrils bei der BCCI in Wien eingegangen sein.

Wenige Monate vor Lockerbie wurde eine 16 Mann starke Zelle der Terrororganisation in Deutschland verhaftet; bei der Razzia entdeckte die Polizei etliche Zeitzünderbomben, versteckt in Kassettenrekordern. Wenige Wochen vor Lockerbie ließ das Bundeskriminalamt die meisten der Terroristen aber wieder frei. Die Gründe dafür sind unbekannt.

Doch der abrupte Kurswechsel dürfte auf die veränderte geostrategische Interessenlage des Westens zurückgegangen sein. Ende 1990 waren die USA und Großbritannien dabei, eine Allianz gegen Saddam Hussein zu schmieden, unter Einschluss Syriens. Auch brauchte man Teheran und Damaskus, um westliche Geiseln im Libanon frei zu bekommen. Libyen unter Oberst Gaddafi war da der ideale Sündenbock, ohne Freunde, isoliert selbst in der arabischen Welt.

Hinzu kommen andere Gründe, um den wahren Ablauf der Ereignisse nicht zu enthüllen. Über Frankfurt liefen offenbar verdeckte Drogenoperationen der US-amerikanischen Drug Enforcement Agency. Laut Time Magazin habe es sich dabei um eine Gegenleistung gehandelt für die Befreiung westlicher Geiseln, die von Ahmed Jibril allerdings unterlaufen und dazu benutzt worden sei, um einen Sprengsatz an Bord zu schmuggeln. In den Trümmern des Pan-Am-Jets fand man große Mengen von Drogen und Geld. Niemand weiß, was in den Papieren stand, nach denen CIA- und FBI-Agenten in Lockerbie fieberhaft suchten und sie schließlich vom Tatort wegbrachten.

Bezeichnend war es, dass der schottische Juraprofessor Robert Black, der jahrelang in die internationalen Verhandlungen involviert war, um Libyen zur Auslieferung der ursprünglich zwei Geheimdienstler zu bewegen, dringend von dem Prozess im Jahre 2000 abriet, der mit dem Schuldspruch für al-Megrahi endete: Als Staatsanwalt hätte er die Prozessakte mit dem Vermerk, “kein Strafvollzug möglich”, versehen, die Beweise seien viel zu dünn, die Zeugen der Anklage fragwürdig.

Zentraler Beweispunkt der Anklage war der Zünder der Kassettenrekorder-Bombe. Er sei, hieß es während des Prozess, von einer Schweizer Spezialfirma an Libyen verkauft worden. Mittlerweile weiß man nicht nur, dass die über Lockerbie verwendeten Fragmente von einem anderen Zeitzündertyp stammen. Die inkriminierten Zünder gingen unter anderem an die Stasi der DDR, der enge Kontakte zur palästinensischen Terrorszene unterhielt.

Doch nun wird die Akte Lockerbie geschlossen, es sei denn, Großbritannien gibt der Forderung nach einer öffentlichen Untersuchung nach. Doch das ist unwahrscheinlich, wie sehr die Angehörigen der Opfer auch danach verlangen mögen. Der explosive Hintergrund dieses Terroraktes bleibt verborgen.


Aus: "Pan-Am-Attentat - Die Akte Lockerbie ist geschlossen"
Von Jürgen Krönig (ZEIT ONLINE 22.8.2009)
Quelle: http://www.zeit.de/online/2009/35/lockerbie-attentaeter-gaddafi

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[...] Tatsächlich blieben viele Fragen offen: Das Verfahren, das 2001 in den Niederlanden stattfand, konnte al-Megrahi nur aufgrund von Indizien und einer nicht eindeutigen Zeugenaussage verurteilen. Ein Ladenbesitzer hatte ihn als jenen Mann identifiziert, der Kleidungsstücke gekauft hatte, mit denen die Kofferbombe umwickelt war. Allerdings identifizierte der Händler auch einen zweiten Kunden - der einer palästinensischen Terrorgruppe angehörte.

In al-Megrahis Wohnung in Uppsala fand die schwedische Polizei jedoch auch Zünder und einen Kalender, in dem der Tag des Anschlags markiert war. Doch die Hintergründe des Attentats blieben ungeklärt - bis heute. (Jochen Wittmann aus London/DER STANDARD, Printausgabe, 14.8.2009)

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Aus: "Barmherzigkeit für den Attentäter von Lockerbie" (13. August 2009)
Quelle: http://derstandard.at/fs/1250691555496/Lockerbie-Attentaeter-kam-wegen-Oel-Geschaeften-frei

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[...] London - Die Freilassung des Lockerbie-Attentäters stand einem Zeitungsbericht zufolge entgegen den Beteuerungen der britischen Regierung wahrscheinlich doch im Zusammenhang mit Ölverträgen. Dies berichtete die "Sunday Times" auf Basis von zwei Briefen von Innenminister Jack Straw, die ihr zugespielt worden seien. Darin heiße es, Straw habe sich Ende 2007 angesichts "überwältigender Interessen für Großbritannien" nicht mehr gegen die Freilassung des Attentäters Abdel Basset al-Megrahi ausgesprochen, obwohl er dies noch fünf Monate zuvor getan hatte. Wenige Wochen später unterzeichnete der Ölgigant BP mit Libyen einen Vertrag zur Ausbeutung von Öl und Gas im Wert von 900 Millionen Dollar.

Straw bezeichnete es der BBC gegenüber als absurd, eine Verbindung zwischen dem Ölvertrag und der Freilassung herzustellen. Es sei schlicht unwahr, dass es eine Art Geheimdeal gegeben habe. Es handle sich ohnehin um eine akademische Frage, da Schottland den Gefangenen schließlich aus humanitären Gründen freigelassen habe, und nicht im Rahmen des Gefangenentransfers, der Gegenstand der Briefe war.

Die schottische Regierung hatte den todkranken Megrahi vor knapp zwei Wochen acht Jahre nach seiner Verurteilung nach Libyen ausreisen lassen, damit er in seiner Heimat sterben kann.

....

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tom baraky   
 30.08.2009 18:38   

Gier nach Erdöl läßt alles moralischen Prinzipen fallen
Nicht nur Lockerbie für die Briten. Die USA haben unter einem erlogenen Vorwand "weapons of mass destruction" den Irak wegen des Erdöls überfallen. Auch in Afghanistan geht es letztlich um die geplante Pipeline. Nach außenhin wird aber von Menschenrechten und Etablierung demokratischer Werte geheuchelt.

...



Aus: "Lockerbie-Attentäter kam wegen Öl-Geschäften frei" (30. August 2009, 16:31)
Quelle: http://derstandard.at/fs/1250691555496/Lockerbie-Attentaeter-kam-wegen-Oel-Geschaeften-frei

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[...]

New forensic evidence could free Libyan convicted of Lockerbie bombing
By Daily Mail Reporter
Last updated at 12:21 AM on 21st December 2008


Fresh evidence has cast doubt on the conviction of a Libyan for the Lockerbie bombing 20 years ago that killed 270 people.

New forensic analysis on a fragment of the timing device alleged to have triggered the bomb that brought down Pan Am jet 103 on December 21, 1988, is said to have found no trace of explosive residue.

Lawyers acting for Abdelbasset Al Megrahi, the 56-year-old Libyan jailed for life for the bombing in 2001, will present the evidence at a forthcoming appeal into his conviction.

His legal team says the new information supports claims the timer was planted by investigators in a politically-motivated attempt to incriminate Libyan leader Colonel Gaddafi.
Sources close to his defence team say the tests should have revealed significant traces of explosive residue caused by the blast.

The fragment was said to have been found by police in a singed shirt 25 miles from the Scottish town where the New York-bound Boeing 747 came down.

Last night, a source close to the investigation said: ‘The only piece of forensic evidence in the chain that pointed to Libyan guilt has never been near the seat of an explosion.’

...


From: "New forensic evidence could free Libyan convicted of Lockerbie bombing"
By Daily Mail Reporter, Last updated at 12:21 AM on 21st December 2008
Source: http://www.dailymail.co.uk/news/article-1099166/New-forensic-evidence-free-Libyan-convicted-Lockerbie-bombing.html

« Last Edit: August 31, 2009, 12:04:30 PM by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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[Als Aldo Moro 1978 entführt wurde... ]
« Reply #132 on: September 02, 2009, 02:21:02 PM »
Quote
[...]  DEUTSCHLANDFUNK -Köln
im DeutschlandRadio
Redaktion: Hintergrund Kultur / Hörspiel
Redaktion: Hermann Theißen [...]

[Sendung: Freitag, d. 02. Mai 2008, 19.15 - 20.00 Uhr]

Dossier - "MEIN BLUT KOMME ÜBER EUCH".
DER UNGEKLÄRTE FALL ALDO MORO.
EIN FEATURE VON JESSICA KRAATZ MAGRI UND BRUNO FRANCESCHINI

Erzähler:   Rom, 9. Mai 1978. 14 Uhr 18. Jetzt ist es gewiss. Die Radiosender geben die offizielle Bestätigung der Polizei durch: In der Via Caetani, einer Gasse im alten römischen Ghetto, wurde der zusammengerollte Leichnam von Aldo Moro im Gepäckraum eines roten Renaults gefunden. Aldo Moro ist der Vorsitzende der Christdemokratischen Partei, einer der mächtigsten Männer Italiens: 55 Tage lang war er in der Gewalt der Roten Brigaden. 55 Tage, die das Land in einen Schockzustand versetzt haben. 55 Tage, in denen vor den Augen der nationalen und internationalen Öffentlichkeit ein gnadenloser Machtkampf ausgefochten wird: zwischen einer selbsternannten Vorhut des Proletariats und einem unbeugsamen Staat, dessen politische und moralische Ohnmacht all seine inneren Widersprüche offenbart.

Trotz acht Prozessen, zwei parlamentarischen Untersuchungskommissionen und Bergen an Literatur ist die Affäre Moro noch immer alles andere als geklärt, so dass die römische Staatsanwaltschaft 2006 sogar ein neues Verfahren eröffnet hat.

Zudem wirft das Geständnis des Steve Pieczenik, ein ehemaliger Terrorismus-Experte des Weißen Hauses, neue Fragen auf. Pieceznik hat 1978 die italienische Regierung bei der Bewältigung der Moro-Krise beraten und dabei in Washingtons Auftrag gehandelt.
 
Übs 2:   Ich habe bis heute geschwiegen und dreißig Jahre lang gewartet, um diese Geschichte zu erzählen. Ich hoffe, dass es etwas nützt. Ich bedaure Aldo Moros Tod, aber wir mussten die Roten Brigaden instrumentalisieren, damit sie ihn töten. Der Ausgangspunkt meiner Strategie war die Annahme, dass für den Staat kein Mensch unverzichtbar ist. Man könnte sagen, dass es ein kaltblütig vorbereiteter Todschlag war.

Erzähler:   Was meint Pieczenik damit, wenn er behauptet, die Roten Brigaden instrumentalisiert zu haben? Und warum sollte Moro sterben?

[...] Die Geheimnisse, die Moro 1978 seinen Entführern preisgegeben hatte, haben an unmittelbarer Sprengkraft verloren. Brisant sind sie aber noch immer. Moro hatte über die Stay-Behind-Struktur Gladio berichtet, eine paramilitärische Geheimorganisation von NATO, CIA und dem britischen MI6. Wie man heute auch aus anderen Quellen weiß, sollten 150.000 ausgebildete geheime Gladiatoren im Falle einer Besetzung Westeuropas durch Truppen des Warschauer Pakts einen Guerillakrieg organisieren. In Italien sollte Gladio aber durch Terroranschläge auch eine Regierungsbeteiligung der Kommunisten verhindern. Moros Memoriale handelt auch von Skandalen, Korruptionsfällen und der Praxis der illegalen Parteienfinanzierung, insbesondere der Christdemokratischen Partei.

...


Quelle: http://www.dradio.de/download/84404/

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Quote
[...] Die Entführung und Ermordung Aldo Moros: Bereits in den ersten drei Monaten des Jahres 1978 brachten die BR [Die Roten Brigaden (italienisch Brigate Rosse, BR)] zwei gezielte Mordanschläge zur Ausführung, drei Personen wurden gezielt verletzt. Der fraglos spektakulärste Coup aber war die Entführung des früheren Ministerpräsidenten Aldo Moro (DC) am 16. März 1978 in Rom. Dessen fünf Begleiter wurden erschossen.

Diese Entführung war der Höhepunkt einer ganzen Reihe von politisch motivierten Entführungsaktionen seit 1972, die im Grunde alle nach dem gleichen Schema abliefen: Dem Entführten wurde symbolisch der Prozess gemacht, anschließend wurde er dann freigelassen. Dieser Tradition folgten die BR auch im Fall Moro – allerdings wurde der Entführte dieses Mal nicht freigelassen, sondern nach 55 Tagen erschossen. Zwischen dem Tag der Entführung und dem Tag des Mordes lag Zeit extremer Spannung. Die Situation lässt sich durchaus mit der des Deutschen Herbstes vergleichen. Auch die italienische Regierung verlegte sich auf eine Politik der Härte und lehnte jede Verhandlung mit den Entführern ab.

Während der 55 Tage verübten die BR weitere Anschläge und versuchten so, den Eindruck einer Großoffensive zu erzeugen. Zu diesem Zweck forderten die BR auch PL auf, Unterstützungsaktionen durchzuführen.[34] Die BR beabsichtigten, den Angriff auf das Herz des Staates zu intensivieren, um gezielt „die Zentren der imperialistischen Konterrevolution enttarnen und zerstören“ zu können. Unabdingbare Voraussetzung für diese Generaloffensive war es nach Ansicht der BR, „die revolutionäre Bewegung durch den Aufbau der kämpfenden kommunistischen Partei“ zu vereinigen.” [35] Die Entführung Aldo Moros diente also dem doppelten Zweck, zum einen den Angriff auf das Herz des Staates zu intensivieren und damit, zweitens, den eigenen Führungsanspruch innerhalb der diffusen linken Szene Italiens geltend zu machen.

Moro verfasste in diesen Wochen zahlreiche Briefe an seine Familie und auch an einige Parteifreunde, die er wegen ihrer kompromisslosen Linie allerdings scharf kritisierte. Einzig der Sozialist Bettino Craxi setzte sich dafür ein, Verhandlungen mit den Entführern aufzunehmen. Doch blieben alle Vermittlungsversuche ohne Ergebnis und weder Craxi, noch Moros Briefe konnten den Krisenstab von seiner harten Haltung abbringen.

Am 9. Mai 1978, 55 Tage nach seiner Entführung, wurde Aldo Moro schließlich von den BR erschossen. Die Leiche wurde im Kofferraum eines Renault 4 aufgefunden. Das Fahrzeug war in der Via Caetani in Rom abgestellt worden; auf halbem Weg zwischen den Parteizentralen des PCI und der DC.

...

Literatur:
Gesamtdarstellungen

    * Pino Casamassima: Il libro nero delle Brigate Rosse: Gli episodi e le azioni della più nota organizzazione armata dagli “anni di piombo” fino ai nostri giorni. Newton Compton, Rom 2007. (ital.)
    * Marco Clementi: Storia delle Brigate Rosse. Odradek, Rom 2007. (ital.)
    * Giorgio Galli: Piombo Rosso: La storia completa della lotta armata in Italia dal 1970 a oggi. Baldini Castoldi Dalai, Mailand 2007. (Neuauflage, ital.)
    * Henner Hess: Italien: Die ambivalente Revolte. In: Ders. etc.: Angriff auf das Herz des Staates. Soziale Entwicklung und Terrorismus. Band 2, Suhrkamp, Frankfurt/Main 1988, S.9-166.
    * Robert C. Meade: Red Brigades: the Story of Italian Terrorism. Saint Martin’s Press, London etc. 1989. (engl.)
    * Stefan Seifert: Lotta armata: Bewaffneter Kampf in Italien. Die Geschichte der Roten Brigaden. Edition ID-Archiv, Berlin/Amsterdam 1991, ISBN 3-89408-013-2.
    * Michaela Wunderle: Die Roten Brigaden. In: Wolfgang Kraushaar (Hrsg.): Die RAF und der linke Terrorismus. Band 2, Edition Hamburg, Hamburg 2006, ISBN 3-936096-65-1, S. 782–808.

Dokumente

    * Progetto Memoria (Hrsg.): Le parole scritte. Sensibili alle Foglie, Dogliani 1996. (ital.)
    * Lorenzo Ruggiero (Hrsg.): Dossier Brigate Rosse 1969–1975: La lotta armata nei documenti e nei comunicati delle prime BR. Kaos, Mailand 2007. (ital.)
    * Lorenzo Ruggiero (Hrsg.): Dossier Brigate Rosse 1976–1978: Le BR sanguinarie di Moretti: documenti, comunicati e censure. Kaos, Mailand 2007. (ital.)
    * Soccorso Rosso (Hrsg.): Brigate Rosse. che cosa hanno fatto, che cosa hanno detto, che cosa se ne è detto. Feltrinelli, Mailand 1976. (ital.)
    * Vincenzo Tessandori: BR Imputazione: Banda armata. Cronaca e documenti delle Brigate Rosse. Baldini Castoldi Dalai, Mailand 2004. (Neuauflage, ital.)

Berichte ehemaliger BR-Aktivisten

    * Renato Curcio: Mit offenem Blick. Ein Gespräch zur Geschichte der Roten Brigaden in Italien von Mario Scialoja. ID-Verlag, Berlin 1997. (Volltext online)
    * Alberto Franceschini: Das Herz des Staates treffen. Europa, Hamburg 1990. ISBN 3-203-51103-7.
    * Alberto Franceschini, Giovanni Fasanella: Che cosa sono le BR. Rizzoli BUR, Mailand 2004. (ital.)
    * Enrico Fenzi: Armi e bagagli: Un diario dalle Brigate Rosse. Costlan, Mailand 2006. (Neuauflage, ital.)
    * Prospero Gallinari: Un contadino nella metropoli: Ricordi di un militante delle Brigate Rosse. Bompiani 2008. (Neuauflage, ital.)
    * Mario Moretti, Carla Mosca, Rossana Rossanda: Brigate Rosse: Eine italienische Geschichte. Assoziation A, Berlin/Hamburg 2006 (Neuauflage), ISBN 3-935936-38-9.
    * Valerio Morucci: La peggio gioventù. Una vita nella lotta armata. Rizzoli, Mailand 2004. (ital.)
    * Diego Novelli, Nicola Tranfaglia (Hg.): Vite sospese. Le generazioni del terrorismo. Baldini Castoldi Dalai, Mailand 2007 (Neuauflage, ital.)
    * Patrizio Peci: Io l'infame. Sperling & Kupfer, Mailand 2008. (Neuauflage, ital.)
    * Sergio Zavoli (Hg.): La notte della repubblica. Rai-Eri, Rom 1992. (ital.)

Zu einzelnen Aspekten

    * Amedeo Benedetti: Il linguaggio delle nuove Brigate Rosse, Genova, Erga, 2002. (ital.) ISBN 88-8163-292-6
    * Donatella Della Porta,: Social movements, political violence and the state. A comparative analysis of Italy and Germany. Cambridge 1995. (engl.)
    * Aldo Giannuli: Bombe a inchiostro. Luci e ombre della Controinformazione tra il '68 e gli anni di piombo. Mailand 2008. (ital.)
    * Regine Igel: Terrorjahre. Die dunkle Seite der CIA in Italien. München 2006, ISBN 978-3-7766-2465-6.
    * David Moss: The politics of left-wing violence in Italy, 1969–1985. Macmillan, Basingstoke u. a. 1989, ISBN 0-333-41254-0.
    * Giampaolo Pansa: L’utopia armata. Come è nato il terrorismo in Italia: Dal delitto Calabresi all’omicidio Tobagi. Sperling & Kupfer, Mailand 2006. (ital.)
    * Progetto Memoria (Hg.): La mappa perduta. Sensibili alle foglie, Dogliani 2007. (ital.)
    * Werner Raith: In höherem Auftrag. Der kalkulierte Mord an Aldo Moro. Wagenbach, Berlin 1984, ISBN 3-8031-2111-6.
    * Alessandro Silj: Verbrechen, Politik, Demokratie in Italien. Suhrkamp, Frankfurt/Main 1998, (Neuauflage) ISBN 3-518-11911-7.
    * Petra Terhoeven: Opferbilder – Täterbilder. Die Fotografie als Medium linksterroristischer Selbstermächtigung in Deutschland und Italien während der 70er Jahre. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht. 58, 2007, Heft 7/8, S. 380–399.

...


Einzelnachweise:
   1. ↑ Davon entfallen auf die klassischen BR (1970–83) 52 Mordanschläge; die übrigen wurden durch Abspaltungen/Untergruppen verübt: BR-Walter Alasia: 3 (1980–83); BR-Partito Guerriglia: 11 (1981–82); BR-Partito Comunista Combattente: 6 (1981–88); BR-Unione dei Comunisti Combattenti: 1 (1985–87); siehe: Progetto Memoria (Hg.): La mappa perduta. Sensibili alle foglie, Dogliani 2007. S. 495; vgl. darüber hinaus: Donatella Della Porta, Social movements, political violence and the state. A comparative analysis of Italy and Germany, Cambridge 1995. S. 124ff.
   2. ↑ Davon entfallen auf die klassischen BR 911; BR-Walter Alasia 113; BR-Partito Guerriglia 147; BR-Partito Comunista Combattente 93; BR-Unione dei Comunisti Combattenti 73; vgl. die jeweiligen Einträge in: Progetto Memoria (Hg.): La mappa perduta. Sensibili alle foglie, Dogliani 2007.
   3. ↑ Vgl. http://www.tagesspiegel.de/politik/international/Italien-Terrorismus;art123,1878428 ; Zu den neuen BR: Casamassima, Pino, Il libro nero delle Brigate Rosse. Gli episodi e le azioni della più nota organizzazione armata dagli “anni di piombo” fino ai nostri giorni, Rom 2007. S. 285ff.; Galli, Giorgio, Piombo Rosso. La storia completa della lotta armata in Italia dal 1970 a oggi, Mailand 2007. S. 299ff.
   4. ↑ Paul Ginsborg, A History of Contemporary Italy. Society and Politics 1943–1988, New York 2003. S. 313
   5. ↑ Paul Ginsborg, A History of Contemporary Italy. Society and Politics 1943–1988, New York 2003. S. 309ff.; Friedericke Hausmann, Kleine Geschichte Italiens von 1943 bis zur Ära nach Berlusconi, Berlin 2006. S. 81f.
   6. ↑ Zur XXII Ottobre: Paolo Piano, La „banda 22 Ottobre“. Agli albori della lotta armata in Italia. Derive Approdi, Rom 2008.; darüber hinaus zur Entstehung der ersten bewaffneten Gruppen: Marco Clementi, Storia delle Brigate Rosse. Odradek, Rom 2007. S. 20f.
   7. ↑ Vgl. hierzu: Luciano Lanza, Bomben und Geheimnisse – Geschichte des Massakers von der Piazza Fontana, Hamburg 1998
   8. ↑ Vgl. Camilla Cederna, Pinelli. Una finestra sulla strage. Net, Mailand 2004.
   9. ↑ Renato Curcio, Mit offenem Blick. Ein Gespräch zur Geschichte der Roten Brigaden in Italien von Mario Scialoja, Berlin 1997. S. 45
  10. ↑ Vgl. das Sinistra Proletaria-Dokument Fogli di lotta di Sinistra Proletaria, in Auszügen abgeruckt in: Lorenzo Ruggiero (Hrsg.): Dossier Brigate Rosse 1969–1975: La lotta armata nei documenti e nei comunicati delle prime BR. Kaos, Mailand 2007. S. 73ff.; Zum Kongress in Pecorile: Prospero Gallinari: Un contadino nella metropoli: Ricordi di un militante delle Brigate Rosse., Bompiani 2008. S. 72ff.; Alberto Franceschini: Mara Renato e io, Mondadori, Mailand 1988. S. 23ff.; Renato Curcio, Mit offenem Blick. Ein Gespräch zur Geschichte der Roten Brigaden in Italien von Mario Scialoja, Berlin 1997. S. 47f.
  11. ↑ Alberto Franceschini: Mara Renato e io, Mondadori, Mailand 1988. S. 32
  12. ↑ Renato Curcio, Mit offenem Blick. Ein Gespräch zur Geschichte der Roten Brigaden in Italien von Mario Scialoja, Berlin 1997. S. 11
  13. ↑ Abgeruckt in: Lorenzo Ruggiero (Hrsg.): Dossier Brigate Rosse 1969–1975: La lotta armata nei documenti e nei comunicati delle prime BR. Kaos, Mailand 2007. S. 101f.
  14. ↑ Vgl. u. a. Stefan Seifert: Lotta armata: Bewaffneter Kampf in Italien. Die Geschichte der Roten Brigaden. Edition ID-Archiv, Berlin/Amsterdam 1991. S. 38ff.
  15. ↑ Marco Clementi, Storia delle Brigate Rosse. Odradek, Rom 2007. S. 27ff.; zum Banküberfall in Pergine außerdem: Mario Moretti, Carla Mosca, Rossana Rossanda: Brigate Rosse: Una storia italiana. Mondadori, Mailand 2007. S. 25
  16. ↑ Lorenzo Ruggiero (Hrsg.): Dossier Brigate Rosse 1969–1975: La lotta armata nei documenti e nei comunicati delle prime BR. Kaos, Mailand 2007. S. 98
  17. ↑ Renato Curcio, Mit offenem Blick. Ein Gespräch zur Geschichte der Roten Brigaden in Italien von Mario Scialoja, Berlin 1997. S. 63
  18. ↑ Bekennerschreiben und Reaktionen der Presse abgedruckt in: Vincenzo Tessandori: BR Imputazione: Banda armata. Cronaca e documenti delle Brigate Rosse. Baldini Castoldi Dalai, Mailand 2004. 75ff.
  19. ↑ Donatella Della Porta, Social movements, political violence and the state. A comparative analysis of Italy and Germany, Cambridge 1995. S. 118; Mario Moretti, Carla Mosca, Rossana Rossanda: Brigate Rosse: Una storia italiana, Mondadori, Mailand 2007. S. 25; Renato Curcio, Mit offenem Blick. Ein Gespräch zur Geschichte der Roten Brigaden in Italien von Mario Scialoja, Berlin 1997. S. 58
  20. ↑ Il memoriale Pisetta abgedruckt in: Lorenzo Ruggiero (Hrsg.): Dossier Brigate Rosse 1969–1975: La lotta armata nei documenti e nei comunicati delle prime BR. Kaos, Mailand 2007. S. 160–192; vgl. auch: Marco Clementi: Storia delle Brigate Rosse. Odradek, Rom 2007. S. 43ff.
  21. ↑ Vgl. Alberto Franceschini, Giovanni Fasanella: Che cosa sono le BR., Rizzoli BUR, Mailand 2004. S. 117ff.
  22. ↑ Anmerkung: Auf das Schild bei der Mincuzzi-Entführung zeichnete Mario Moretti statt des fünfzackigen Sterns der BR versehentlich einen sechszackigen Davidstern. Das Foto wurde im Corriere della Sera abgeduckt und führte zu wilden Spekulationen über eine mögliche Verstrickung israelischer Geheimdienste. Foto abgedruckt in: Lorenzo Ruggiero (Hrsg.): Dossier Brigate Rosse 1969–1975: La lotta armata nei documenti e nei comunicati delle prime BR. Kaos, Mailand 2007. S. 204; vgl. auch: Mario Moretti, Carla Mosca, Rossana Rossanda: Brigate Rosse: Una storia italiana, Mondadori, Mailand 2007. S. 20; Alberto Franceschini, Giovanni Fasanella: Che cosa sono le BR., Rizzoli BUR, Mailand 2004. S. 123
  23. ↑ Die insgesamt drei comunicati zur Amerio-Entführung abgedruckt in: Lorenzo Ruggiero (Hrsg.): Dossier Brigate Rosse 1969–1975: La lotta armata nei documenti e nei comunicati delle prime BR. Kaos, Mailand 2007. S. 225–131 (hier S. 231); vgl. auch: Vincenzo Tessandori: BR Imputazione: Banda armata. Cronaca e documenti delle Brigate Rosse. Baldini Castoldi Dalai, Mailand 2004. S. 117ff.
  24. ↑ Vgl. das BR-Dokument Contro il neogollismo portare l’attacco al cuore dello stato (April 1974), abgedruckt in: Lorenzo Ruggiero (Hrsg.): Dossier Brigate Rosse 1969–1975: La lotta armata nei documenti e nei comunicati delle prime BR. Kaos, Mailand 2007. S. 253–156 (hier S. 256)
  25. ↑ Lorenzo Ruggiero (Hrsg.): Dossier Brigate Rosse 1976–1978: Le BR sanguinarie di Moretti: documenti, comunicati e censure. Kaos, Mailand 2007. S. 44
  26. ↑ Lorenzo Ruggiero (Hrsg.): Dossier Brigate Rosse 1976–1978: Le BR sanguinarie di Moretti: documenti, comunicati e censure. Kaos, Mailand 2007. S. 155; ausführlich zu den Ereignissen 1977: Concetto Vecchio: Ali di piombo. Il 1977, trent’anni dopo, Rizzoli BUR, Mailand 2007. (Zu Croce, S. 112ff.; zu Casalegno, S. 165ff.)
  27. ↑ Ausführlich zur Antiterrorgesetzgebung: Marco Clementi: Storia delle Brigate Rosse. Odradek, Rom 2007. (legge Reale: S. 119f.; zu den Spezialgefängnissen: S. 166ff.; zur legge Cossiga S. 245ff.)
  28. ↑ Marco Clementi: Storia delle Brigate Rosse. Odradek, Rom 2007. S. 96ff.; vgl. auch Stefan Seifert: Lotta armata: Bewaffneter Kampf in Italien. Die Geschichte der Roten Brigaden. Edition ID-Archiv, Berlin/Amsterdam 1991. S. 58ff.
  29. ↑ Marco Clementi: Storia delle Brigate Rosse. Odradek, Rom 2007. S. 186
  30. ↑ Cesare Bermani: Il nemico interno. Guerra civile e lotte di classe in Italia (1943–1976). Odradek, Rom 1997. S. 310; weitere Statistiken zu den Auswirkungen der legge Reale: http://isole.ecn.org/lucarossi/625/625/
  31. ↑ Donatella Della Porta, Il terrorismo di sinistra, Bologna 1990. S. 127
  32. ↑ Vgl. das BR-Dokument Alcune questioni per la discussione sull’Organizzazione, abgeruckt in: Lorenzo Ruggiero (Hrsg.): Dossier Brigate Rosse 1969–1975: La lotta armata nei documenti e nei comunicati delle prime BR. Kaos, Mailand 2007. S. 300ff.; vgl. auch Stefan Seifert: Lotta armata: Bewaffneter Kampf in Italien. Die Geschichte der Roten Brigaden. Edition ID-Archiv, Berlin/Amsterdam 1991. S. 60ff.; Robert C. Meade: Red Brigades: the Story of Italian Terrorism. London etc. 1989. S. 61f.
  33. ↑ In Italien wurden nie offizielle Statistiken zum Terrorismus geführt. Es gibt daher verschiedene Erhebungen, deren Ergebnisse mitunter erheblich voneinander abweichen. In der Tendenz jedoch, dass der Linksterrorismus in der zweiten Hälfte der 70er Jahre seinen Höhepunkt erreichte, stimmen alle überein. Statistische Angaben hier nach: Donatella Della Porta, Social movements, political violence and the state. A comparative analysis of Italy and Germany, Cambridge 1995. S. 126ff.; Donatella Della Porta, Il terrorismo di sinistra, Bologna 1990. S. 92; S. 237. Die Zahlen der BR-Todesopfer beinhalten auch getötete Terroristen. Statistiken zu PL: Sergio Segio, Una vita in Prima Linea, Rizzoli, Mailand 2006. S. 379f.
  34. ↑ Sergio Segio: Una vita in Prima Linea. Rizzoli, Mailand 2006. S. 127
  35. ↑ Vgl. BR-Dokument: Risoluzione della Direzione strategica, febbraio 1978, abedruckt in: Lorenzo Ruggiero (Hrsg.): Dossier Brigate Rosse 1976–1978: Le BR sanguinarie di Moretti: documenti, comunicati e censure. Kaos, Mailand 2007. S. 220–288; Zitate nach S. 288.
  36. ↑ Politische Morde (4) Der Fall Aldo Moro (3sat)
  37. ↑ a b Regine Igel: Linksterrorismus fremdgesteuert? Die Kooperation von RAF, Roten Brigaden, CIA und KGB.. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. 10 2007, S. 1230 (PDF; Abgerufen am 20. August 2008).
  38. ↑ „Mein Blut komme über euch!“ – Dossier DLF S. 3 und 13 des PDF-Dokuments
  39. ↑ Vgl. das BR-Dokument „La campagna di primavera” vom März 1979; abgedruckt in und hier zitiert nach: Progetto Memoria (Hrsg.): Le parole scritte. Sensibili alle Foglie, Dogliani 1996. S. 129–148; Zitate nach S. 129.
  40. ↑ Progetto Memoria (Hg.): La mappa perduta. Sensibili alle foglie, Dogliani 2007. S.488
  41. ↑ Vgl. das BR-Dokument „Direzione strategica” vom Oktober 1980; abgedruckt in: Progetto Memoria (Hrsg.): Le parole scritte. Sensibili alle Foglie, Dogliani 1996. S. 148–197; zu den Gefängnissen: S. 175–184.; es sind dort auch sämtliche Erklärungen zur D’Urso-Entführung abgeduckt (S. 198–223).
  42. ↑ Zur Kolonne Walter Alasia siehe: Wildcat (Hg.), Rote Brigaden. Fabrikguerilla in Mailand 1980–81, Karlsruhe, o.J.; die wichtigsten Dokumente der jeweiligen BR-Abspaltungen sind abgedruckt in: Progetto Memoria (Hrsg.): Le parole scritte. Sensibili alle Foglie, Dogliani 1996.



http://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Brigaden (30. August 2009)


-.-

Quote
[...]  Rom. Am Abend des 20. März 1979 gegen 20.32 Uhr führte der Journalist Carmine Pecorelli (50), Spitzname "Mino", das letzte Telefongespräch seines Lebens. Er wusste natürlich nicht, dass er von nun an nur noch zwölf Minuten zu leben hatte. Er litt an diesem Abend unter starken Kopfschmerzen, die dadurch nicht besser wurden, dass er viel zu viel rauchte.
Er war besorgt. Aber nicht etwa über seine Zeitschrift "Osservatore Politico", die er selbst herausgab und die sehr erfolgreich war. Vielmehr bedrückte ihn, dass sein Privatleben ein einziges Chaos war. Seine Frau Liliana Pecorelli Russo war erleichtert, dass er endlich die Beziehung zu seiner Geliebten Giovanna Amato abgebrochen hatte, mit der er einen Sohn hatte. Sie wusste jedoch nicht, dass er inzwischen eine neue Geliebte hatte, Franca Mangiavacca. Und mit dieser telefonierte er an jenem Abend, kurz vor seinem Tod.

Zur selben Zeit versuchte jemand anders, Pecorelli zu erreichen - vergeblich. Es war Licio Gelli, der Chef der Geheimloge P2 (Propaganda 2), die einen Putsch in Italien plante. Gelli hatte mit Erfolg mehrere Minister, Generale und Industrielle um sich geschart, um mit der Geheimloge einen Staatsstreich zu planen. Auch Pecorelli gehörte der Geheimloge an und verdiente dadurch gut. Fast alle seiner sensationellen Enthüllungsstorys verdankte er Informationen von Logenbrüdern, die zum italienischen Geheimdienst Sisde gehörten und ihm Hintergrundmaterial zusteckten. Gelli war sehr verstimmt darüber, dass Pecorelli Informationen veröffentlichte, die unter Logenbrüdern geheim bleiben sollten. Er fürchtete, dass Pecorelli irgendwann die Geheimloge auffliegen lassen könnte. Aber das konnte er Pecorelli nicht mehr mitteilen.

Ebenfalls am selben Abend verhandelte der italienische Ministerpräsident Giulio Andreotti über die letzten Details, um seine fünfte Regierungsmannschaft zu präsentieren. Er war bemüht, so berichteten später Augenzeugen, allen Ballast der alten Regierung abzuwerfen und unbelastet ganz neu zu beginnen, ohne die alten Probleme. Vor allem den Finanzierungsskandal, den Carmine Pecorelli aufgedeckt hatte, wollte er überwinden und am nächsten Tag, dem 21. März, die Regierung vorstellen.

Als Pecorelli das Telefongespräch mit seiner Geliebten beendet hatte und in seinem Büro das Licht ausschaltete, entsicherte im Dunkel der Straße vor Pecorellis Redaktion in der Via Orazio in Rom ein Mann in einem dunklen Mantel eine Pistole Beretta Kaliber 7,65. Sie war professionell eingeölt, die Spuren fand man später auf dem Gehweg.

Über diesen Mann weiß die Justiz nur, dass er sehr wahrscheinlich aus dem sizilianischen Ort Cinisi bei Palermo stammte und ein professioneller Mörder war. Er besaß alle Eigenschaften des idealen Mafia-Killers: Er war kein Sadist, er tötete regungslos und sauber, verlor nach den ersten Schüssen nicht die Nerven, sondern ging erst, nachdem er dem sterbenden Opfer mit einem Genickschuss den Rest gegeben hatte. Der Mörder gehörte zur alten Mafia, den Clans von Gaetano Badalamenti und Tommaso Buscetta, die gerade von einer ganz neuen Mafia, Bauernfamilien aus dem Dorf Corleone, massiv angegriffen wurden.

Sein Auftrag war klar: Er sollte töten, dann ohne zu rennen in der Dunkelheit verschwinden, die Pistole in den Tiber werfen, schließlich eine Telefonnummer anrufen und das Telefon dreimal klingeln lassen. Es würde niemand abnehmen. Mehr als 23 Jahre nach der Tat will das Gericht von Perugia jetzt herausgefunden haben, wo dieses Telefon stand: im Palast des Ministerpräsidenten Giulio Andreotti.

Als Mino Pecorelli um 20.44 Uhr aus dem Haus kam, fiel ihm - dem ansonsten übervorsichtigen Journalisten - nichts Verdächtiges auf. Er setzte sich in sein Auto und hatte kaum mehr Zeit, sich darüber zu wundern, dass der Wagen so schlecht ansprang. Aus nächster Nähe feuerte der Unbekannte drei Schüsse in die Brust Pecorellis, bevor er ihn mit einem Genickschuss tötete und spurlos im Dunkel verschwand.

Die Leiche wurde kurz nach der Tat gefunden. Zeugen gab es nicht, dennoch hatte die Staatsanwaltschaft im Laufe der jahrelangen Ermittlungen kaum Zweifel, wer den mutigen Journalisten erschossen haben könnte.

Ein Motiv hatte Licio Gelli, dessen P2 zwei Jahre später tatsächlich aufflog. Er hatte gefürchtet, von Pecorelli verraten zu werden. Gelli wurde wegen Mordes an Pecorelli vor Gericht gestellt und schließlich freigesprochen.

Ein Motiv hatte auch die Mafia Tano Badalamentis: Die professionelle Art des Mordes ließ ohnehin auf die Mafia schließen; Pecorelli hatte gegen die entstehende Drogenmafia Badalamentis recherchiert und wusste zu viel.

Und dann hatte noch ein Mann ein Motiv: Ministerpräsident Giulio Andreotti. Aber jahrzehntelang wagte Italien nicht einmal zu vermuten, dass der große Freund der Päpste in einen Mordfall verwickelt sein könnte.

Bis 1993: Bei einem Verhör in den USA erinnerte sich ein Mafia-Pate an den Mordfall Pecorelli: Tommaso Buscetta berichtete, dass der Pate Gaetano Badalamenti ihm anvertraut habe, dass er einen Killer nach Rom in die Via Orazio geschickt habe, um einen Journalisten zu ermorden. Badalamenti wollte damals einem wichtigen Freund in Rom einen Gefallen tun, und im Jahr 1993 verriet Buscetta auch, wer dieser Freund war: der siebenfache Ministerpräsident Andreotti.

Das Gericht in Palermo erhob daraufhin Anklage gegen Andreotti. Ihm wurde vorgeworfen, ein Mitglied der Mafia gewesen zu sein. In erster Instanz wurde er aber freigesprochen. Der Mordfall Pecorelli wurde dem Gericht in Perugia zugeschlagen, das den 83-jährigen Andreotti am Sonntagabend in zweiter Instanz zu 24 Jahren Haft verurteilte. Nach Meinung des Gerichts ließ Andreotti die Mafia Badalamentis wissen, dass er am Vorabend des Auftritts seiner fünften Regierung ein Problem gern los würde: das Problem Carmine Pecorelli.

Buscetta galt immer als glaubwürdiger Kronzeuge, weil er 22 Verwandte in Racheaktionen der Mafia verloren hatte. Warum hätte er im Fall Pecorelli lügen sollen, wo er in fast allen anderen Fällen die Wahrheit gesagt hatte? Aber warum hatte er zehn Jahre lang über Andreotti geschwiegen, obwohl er seit 1983 der italienischen Justiz als Kronzeuge geholfen hatte und unter neuer Identität lebte? Warum fiel ihm erst 1993 wieder der Name des Ministerpräsidenten ein? Und warum sagte Gaetano Badalamenti, der in den USA im Gefängnis sitzt, dass er nie einen Killer losgeschickt habe, um Andreotti einen Gefallen zu tun, da er doch nichts mehr zu verlieren hat, weil er lebenslänglich einsitzt?

Buscetta kann niemand mehr fragen, er starb vor zweieinhalb Jahren in den USA. Andreotti muss jetzt auf die letzte Instanz, den Kassationshof, hoffen, um dem Gefängnis zu entgehen.


Aus: "Die Schüsse fielen um 20.44 Uhr" Von Andreas Englisch (19. November 2002)
Quelle: http://www.abendblatt.de/politik/europa/article564763/Die-Schuesse-fielen-um-20-44-Uhr.html




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Quote
[...] Carmine „Mino“ Pecorelli (* 14. September 1928 in Sessano del Molise; † 20. März 1979 in Rom) war ein italienischer investigativer Journalist, der knapp ein Jahr nach der Entführung des italienischen Spitzenpolitikers Aldo Moro ermordet wurde. Pecorelli, der über sehr gute Kontakte zu Geheimdiensten verfügte,[1] hatte umfangreich zur Entführung und Ermordung Moros – deren Hintergründe bis heute ungeklärt sind – publiziert. Seiner Auffassung nach war die Ermordung Moros durch die terroristischen Rote Brigaden von einer dritten, mächtigen Instanz initiiert worden, die er nicht namentlich bezeichnete.[2] Pecorelli war Mitglied der rechtsgerichteten Geheimloge Propaganda Due,[3] der auch viele italienische Spitzenpolitiker, Polizeifunktionäre und Militärs angehörten. Der langjährige italienische Ministerpräsident und Minister Giulio Andreotti sowie der Mafia-Boss Gaetano Badalamenti wurden 2002 zu je 24 Jahren Haft für den Mord an Pecorelli verurteilt; das Urteil wurde jedoch 2003 aufgehoben.

[...] Er gründete die Presseagentur Osservatorio Politico (OP), die einige politische Skandale aufdeckte; Pecorelli veröffentlichte Nachrichten für Nachrichtendienste. Der später ermordete Polizeigeneral Carlo Alberto Dalla Chiesa wurde in den Berichten von Pecorelli unter der Bezeichnung Amen geführt. Laut Pecorelli soll Amen es gewesen sein, der Innenminister Francesco Cossiga vom Auffinden der Höhle, in der Moro während seiner Entführung festgehalten wurde, berichtet hätte. Nach Aldo Moros Ermordung veröffentlichte Pecorelli Moros Briefe an seine Familie. Im Mai 1978 brachte Pecorelli den Mord an Moro mit einer damals noch unbekannten Geheimorganisation in Zusammenhang, deren Aufdeckung 1990 unter dem Namen Gladio eine politische Affäre in Italien auslöste: Moro hatte während seiner Gefangenschaft gegenüber den Roten Brigaden streng geheime asymmetrische Kriegführungspläne der NATO offenbart,[1] denen er äußerst kritisch gegenüberstand (siehe auch Strategie der Spannung).

Thesen zur Moro-Ermordung:
Pecorelli schrieb in einem Artikel, dass die Entführung und Ermordung Moros von einer lucido superpotere initiiert worden sei, was wörtlich übersetzt Leuchtende Superkraft heißt. Welche Person oder welchen Personenkreis er damit meinte, ist unklar. Seiner Auffassung nach habe die Tat der „Logik der Konferenz von Jalta“ entsprochen, auf der am Ende des zweiten Weltkriegs die Aufteilung Europas in die zwei Einflusssphären der USA und der Sowjetunion vorbereitet wurde. Diese Aussage wird so interpretiert, dass Pecorelli Moros Tod als Folge des von diesem geplanten historischen Kompromiss mit den Kommunisten ansah. Der Christdemokrat Moro strebte damit eine Regierungsbeteiligung der Kommunistischen Partei Italiens an, was das Gleichgewicht des Einflusses der beiden Supermächte in Europa möglicherweise verändert hätte.[1]

Ermordung:
Mino Pecorelli wurde im Prati-Viertel in Rom durch vier Pistolenschüsse ermordet. Die verwendete Munition war von der Marke Jules Gévelot, die auch in einem Waffenlager der Banda della Magliana[5] im Keller des italienischen Gesundheitsministeriums gefunden worden war.

Die Ermittlungen richteten sich gegen Massimo Carminati[6], ein Mitglied der rechtsextremen Nuclei Armati Rivoluzionari, den Chef der Geheimloge Propaganda Due, Licio Gelli, Colonel Antonio Viezzer, Leiter des Militärgeheimdiensts Servizio Informazioni Difesa sowie gegen Cristiano und Valerio Fioravanti, letzterer später rechtskräftig verurteilt für den Bombenanschlag von Bologna 1980.

Am 6. April 1993 erklärte der Mafia-Aussteiger Tommaso Buscetta in Palermo vor einem Richter, dass ihm sein Chef Gaetano Badalamenti mitgeteilt hatte, dass Pecorelli im Zusammenhang mit Interessen von Giulio Andreotti ermordet worden war. Buscetta bezeugte, dass ihm Gaetano Badalamenti gesagt hatte, dass die Cousins von Antonio Salvo den Auftragsmord als einen Gefallen für Andreotti ausgeführt hatten. Andreotti habe befürchtet, dass Pecorelli Informationen über ihn veröffentlichen würde, die seine politische Laufbahn beenden hätten können.

1999 wurden Andreotti, Claudio Vitalone[7], Gaetano Badalamenti, Giuseppe Calò, Massimo Carminati[6] und Michelangelo La Barbera von einem Gericht in Perugia freigesprochen.

Am 17. November 2002 wurden Andreotti und Badalamenti in zweiter Instanz zu je 24 Jahren Haft für die Ermordung von Pecorelli verurteilt. Das Urteil wurde jedoch am 30. Oktober 2003 in der Berufungsverhandlung durch das Oberste Kassationsgericht wieder aufgehoben.


 Quellen:
   1. ↑ a b c Moro's ghost haunts political life, Philip Willan in The Guardian, May 9, 2003
   2. ↑ Pecorelli schrieb von einer lucido superpotere, was wörtlich übersetzt Leuchtende Superkraft heißt. Welche Person oder welchen Personenkreis er damit meinte, ist ungeklärt.
   3. ↑ List of P2 affiliated
   4. ↑ Fiorentino Sullo in Wikipedia it
   5. ↑ Banda della Magliana in Wikipedia en
   6. ↑ a b Massimo Carminati in Wikitedia it
   7. ↑ Claudio Vitalone in Wikipedia it


Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Carmine_Pecorelli (24. August 2009)

-.-

Quote
[...] Der Fall Moro bleibt eines der tragischsten Ereignisse in der jüngsten Geschichte Italiens. Das Bild des zusammengekauerten, leblosen Körpers des damaligen christdemokratischen Ministerpräsidenten, der 1978 nach 55 Tagen Gefangenschaft bei den Roten Brigaden im Kofferraum eines Autos gefunden wurde, konfrontiert stets die Nation mit einem nie überwundenen Trauma.
Um den gewaltsamen Tod der Schlüsselfigur im umstrittenen "historischen Kompromiss" zwischen PCI und Christdemokraten blieben viele Fragen ungeklärt. So ließ im Land des politischen Kinos die erste filmische Aufarbeitung des Geschehens nicht lange auf sich warten: 1985 realisierte ein Repräsentant des italienischen Politthrillers, Giuseppe Ferrara, mit "Die Affäre Aldo Moro" ein um die Aufdeckung der "Wahrheit" bemühtes Dokudrama. 18 Jahre später, zum 25sten Todesjahr Aldo Moros, kam in die italienischen Kinos ein Politthriller zum Thema, "Piazza delle cinque lune", in dem Regisseur Renzo Martinelli zum Fall Aldo Moro auf die Verbindungen zwischen internationalen Geheimdiensten, katholischer Kirche und Mafia im Italien der "bleiernen Zeiten" verweist.
Im gleichen Jahr wurde auf den Filmfestspielen von Venedig "Buongiorno, notte" vorgestellt, der die Kritik spaltete: viele fragten sich empört, wie Bellocchio als Altmeister politisch-radikaler Pamphlete einen Film über den Terrorismus realisieren und dabei auf politische Fragen total verzichten konnte. Er wolle eine der größten Tragödien Italiens nach dem Zweiten Weltkrieg aus einer anderen Perspektive erzählen, erklärte er. Und in der Tat beruht sein Film auf den brisanten Bericht "Il Prigioniero/Der Gefangene" von Anna Maria Braghetti, der Terroristin, die an der Entführung und Gefangenschaft Aldo Moros beteiligt war. Die weibliche Hauptfigur Chiara (Maya Sansa) ist ihr nachempfunden. Chiara ist die einzige Frau in der Vierergruppe der männlichen Brigatisti und scheint die "weibliche" Rolle - fürs Kollektiv kochen - brav zu erfüllen. Dennoch ist es ihr weiblicher Blick, der im Zentrum der filmischen Erzählung steht. Sie beginnt den Gefangenen durch das Sichtfenster seiner Zelle zu beobachten, die in einer Privatwohnung eingerichtet wurde. Die junge Frau, die ein Doppelleben als Bibliothekarin und als Anhängerin der Roten Brigaden führt, ist von Zweifeln zerrissen. Sie beobachtet, wie sich der Präsident hilflos nachts in seinem Bett verkriecht, hört wie er bei den Verhörungen des "Volkstribunals" seine Würde stets behält. Allmählich sieht Chiara den Gefangenen mit "anderen" Augen und vor seiner Hinrichtung träumt sie von seiner Befreiung.
Was als Schwächen des Films betrachtet werden kann - schablonenhaft gezeichnete Terroristen, der Politiker, der als Märtyrer erscheint -, ist im Grunde seine Stärke, denn dies alles erweist sich schließlich als Oberfläche. Der Regisseur macht klar, dass es ihm um ein Psychogramm des Terrorismus aus der Perspektive seiner Protagonistin geht. Chiara ist mit den anderen in der anonymen Wohnung wie im Gefängnis eingesperrt. Allmählich brechen in der Gruppe Konflikte auf, immer beklemmender wird das Gefühl der Katastrophe.
Das Bild Aldo Moros - von Roberto Herlitzka herausragend verkörpert, - der in der Schlusssequenz lächelnd und frei durch Rom läuft, ist als Wunsch der Wiedergutmachung interpretiert worden. Bezeichnenderweise hatte 2003 Bernardo Bertolucci, mit "Die Träumer" auf das Jahr 1968 und auf die Utopie "der Fantasie an die Macht" zurückgeblickt. In "Buongiorno, notte" erzählt Bellocchio von dem Scheitern dieses Menschentraumes: Die Träumer sind gewalttätige Diener einer unmenschlichen Ideologie geworden. Für "das Ende des Traumes" hat der Regisseur eindringliche Bilder gefunden.

Buongiorno, notte - Der Fall Aldo Moro
Italien 2003

...

Aus: "Das Ende eines Traumes" Von Marisa Buovolo (Donnerstag, 14. Juni 2007)
Quelle: http://www.morgenpost.de/printarchiv/film/article204767/Das_Ende_eines_Traumes.html

-.-

Quote
[...]  In acht Jahren starben durch Terror von links und rechts fast 500 Menschen.

Als Aldo Moro 1978 von den "Roten Brigaden" entführt wurde, war er auf dem Weg in das Abgeordnetenhaus, um Giulio Andreotti, unter Beteiligung der Kommunisten, auf die Regierungsbank zu bringen. Moro stellte die treibende Kraft zur Einbindung der kommunistischen PSI dar. Er wollte eine Einung der politisch-demokratischen Kräfte, um dem auseinanderdriften der Extreme Einhalt zu gebieten.

"Es gibt stichhaltige Indizien, dass auch die Geheimdienste bei der Entführung dabei waren", so die Untersuchungskommission "Terrorismus und Massaker", welche von 1994 bist 2000 unter dem Vorsitz von Giovanni Pellegrino die Entführung erneut beleuchtete. Aldo Moro, mit Kommunistenchef Enrico Berlinguer der Erfinder des "Historischen Kompromisses", war auch den unnachgiebigen Konservativen ein Dorn im Auge. Mit Moros Beseitigung sollte der Eintritt der Kommunisten in eine westeuropäische Regierung verhindert werden. Der Geheimdienst, so der Vorsitzende Pellegrino, hatte allem Anschein nach bei der Beseitigung brisanter Dokumente geholfen. Nach dem Überfall auf Moros Eskorte standen mehrere Aktentaschen mit Geheimunterlagen in seinem Auto. Eine dieser Taschen verschwand für dreißig Minuten und wurde danach wieder in das zerschossene Auto zurückgestellt. Von wem?

Als Moro in der Gefangenschaft begriff, dass man ihn zwar sucht, aber vermutlich nicht finden wolle, diktierte er den "Rotbrigadisten" die Skandale der italienischen Nachkriegspolitik und attackierte in Briefen seine Parteigenossen, denen er die Begünstigung ultrarechter Terrorzellen vorwarf. Doch warum haben die Terroristen dieses Wissen nie benutzt? Pellegrino behauptet, weil der Staat, der vorgab, mit den Terroristen über die Freigabe Moros nie zu verhandeln, über die Geheimdienste bereits einen Deal mit den Entführern vereinbart hatte? Doch dieser Deal kam offensichtlich zu spät: Kopien der Aufzeichnungen waren bereits in anderen Händen.

Die parlamentarische Untersuchungskommission in Rom versuchte die Rolle der italienischen und ausländischen Geheimdienste bei der Entführung Aldo Moros zu klären. Mit neuen Fakten und Zeugenaussagen belegt der Film, den Sie am 5.11.2004 um 20.15 Uhr sehen können, die mörderische Verstrickung des Staates in den Fall Moro. Als Zeitzeugen treten u.a. auf: Ex-Innenminister Cossiga; der Untersuchungsrichter, der gegen die Roten Brigaden ermittelte; ein DC-Abgeordneter, der Moros Versteck hätte finden können; ein Mitglied der parlamentarischen Untersuchungskommission und zwei "Rotbrigadisten". Ein Film über die dunklen Seiten der italienischen Republik. Ein Film von Michael Busse und Rosa Maria Bobbi.


Aus: "Politische Morde (4) Der Fall Aldo Moro - Die dunklen Seiten der italienischen Republik" (07.10.2004)
Quelle: http://www.3sat.de/dynamic/sitegen/bin/sitegen.php?tab=2&source=/ard/sendung/71304/index.html

« Last Edit: September 11, 2009, 08:05:25 AM by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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[S-Bahn-Peter (Notizen zum Terror)... ]
« Reply #133 on: September 04, 2009, 12:15:41 AM »
Quote
[...] Peter Urbach (* 1941), genannt „S-Bahn-Peter”, war ein V-Mann und Agent Provocateur des Berliner Verfassungsschutzes in den späten 1960er Jahren. Er gab sich als hilfsbereiter, politisch links stehender Handwerker aus und führte Arbeiten in linken Wohngemeinschaften wie der Kommune I durch. Auf diese Weise verschaffte er sich das Vertrauen von führenden Mitgliedern der damaligen Studentenbewegung, darunter Dieter Kunzelmann, Fritz Teufel und Rainer Langhans. Urbach spielte eine vielfach kritisierte Rolle als Lieferant von illegalen Materialien für sich radikalisierende Teile dieser Bewegung, aus denen auch die Gründungsmitglieder der Rote Armee Fraktion und der Bewegung 2. Juni hervorgingen. Er lieferte nachweislich Molotow-Cocktails, Bomben und mindestens eine Schusswaffe. Urbach lieferte 1970 den entscheidenden Hinweis für die erste Verhaftung des RAF-Mitgründers Andreas Baader, danach besorgte ihm der Verfassungsschutz eine neue Identität im Ausland. Sein heutiger Aufenthaltsort ist nicht bekannt.

[...] Urbach war bereits nach der Verhaftung von Andreas Baader am 4. April 1970 endgültig als Spitzel enttarnt, allerdings galt seine Tätigkeit für den Verfassungsschutz schon längere Zeit als offenes Geheimnis in der Szene. Weil er den entscheidenden Hinweis gegeben hatte, der zur Verhaftung Baaders führte, galt Urbach von da an als äußerst gefährdet. Nach seiner Zeugenaussage im Mahler-Prozess besorgte ihm der Verfassungsschutz schließlich eine neue Identität, vermutlich in Nord- oder Südamerika.[3] Über sein weiteres Leben und seinen heutigen Aufenthaltsort ist nichts bekannt.

Der Ex-Kommunarde Rainer Langhans versuchte Jahre nach Urbachs Verschwinden, mit ihm wegen eines Filmprojekts in Kontakt zu treten. Eine entsprechende Anfrage an das Landesamt für Verfassungsschutz führte prompt zu einem Anruf durch den Gesuchten. Urbach sagte zu Langhans, zu dem er immer ein besonderes Verhältnis gehabt hatte, dass er nicht sprechen könne. Das Gespräch endete mit dem Satz: „Rainer, wenn du wüsstest!“ [3]

[...] Stefan Aust schrieb in Der Baader-Meinhof-Komplex über die Rolle des Verfassungsschutzes bei Urbachs Lieferung der Molotow-Cocktails an die Anti-Springer-Demonstranten 1968: Der „teuflische Plan“ [von dem ein Rundfunkreporter angesichts der brennenden Springer-Lieferwagen gesprochen hatte] war nicht von den Anti-Springer-Demonstranten erdacht worden. Er stammte von ganz anderer, höherer Stelle.[12]


[...]


 Verhör im Prozess gegen Irene Goergens, Horst Mahler und Ingrid Schubert:

Urbach sagte am 5. Mai 1971 im Strafprozess gegen Irene Goergens, Horst Mahler und Ingrid Schubert gegen Horst Mahler aus, der wegen Beihilfe bei der Gefangenenbefreiung von Andreas Baader angeklagt war. In Beweisnot gegen Mahler hatte die Staatsanwaltschaft kurz vor dem Prozessende Urbach als Belastungszeugen eingeführt. Bereits vor dem Prozessbeginn am 1. März 1971 hatte der Berliner Innensenator Kurt Neubauer im Oktober 1970 nach Angaben des Prozessbeobachters Gerhard Mauz erklärt, „Horst Mahler sei derart überführt, dass eine kapitale Bestrafung zu erwarten sei. Und wenn die Beweise nicht ausreichen sollten, dann werde man V-Männer ins Feld schicken.“[8] Neubauer sah sich deshalb Vorwürfen ausgesetzt, er habe in ein schwebendes Verfahren eingegriffen und bezeichnete die Berichte über seine Äußerung als „die Schlussfolgerung einer Journalistin aus unserem Gespräch“, das er nicht dementiert habe, weil er „die weitere Entwicklung nicht voraussehen konnte“.[9] Neubauer hatte Urbach nur eine stark begrenzte Aussagegenehmigung über Vorgänge erteilt, die sich an drei bestimmten Tagen abspielten. Die Bitte des Vorsitzenden Richters Friedrich Geus, die Aussagegenehmigung zu erweitern, lehnte er ab.[10]

Es entspann sich folgender Dialog zwischen Mahlers Verteidiger – dem späteren Bundesinnenminister Otto Schily – und dem V-Mann:

Rechtsanwalt Schily: Haben Sie persönlich im Kreis der Linken Waffen angeboten, Pistolen, Maschinenpistolen, ja sogar Mörser mit Phosphorgranaten?

Urbach: Ich darf die Frage nicht beantworten.

Schily: Haben Sie eine Bombe bei der Kommune I hinterlegt?

Urbach: Ich darf die Frage nicht beantworten.

Schily: Kamen die Bomben vom Verfassungsschutz?

Urbach: Darüber darf ich nichts sagen.

(…)

Schily: Haben Sie anlässlich der Springer-Demonstration 1968 Fahrzeuge in Brand gesetzt?

Urbach: Darauf darf ich keine Auskunft geben.[11]


...


Einzelnachweise:

   1. ↑ Stefan Aust: Der Baader Meinhof Komplex. S. 72, Goldmann, 1998, ISBN 3442129532
   2. ↑ Ulrich Chaussy: Die drei Leben des Rudi Dutschke. Eine Biographie. S. 253, ISBN 3472865768
   3. ↑ a b c d e f Gerd Koenen: Rainer, wenn du wüsstest! Der Anschlag auf die Jüdische Gemeinde am 9. November 1969 ist nun aufgeklärt - fast. Was war die Rolle des Staates? Berliner Zeitung, 6. Juli 2005
   4. ↑ Michael Baumann: Wie alles anfing S. 53, ISBN 3867890005
   5. ↑ Willi Winkler: Ein ZEIT-Gespräch mit Ex-Terroristen Horst Mahler über die Apo, den Weg in den Terror und die Versöhnung mit dem Grundgesetz. Die Zeit Nr. 19, 2. Mai 1997, zitiert aus www.glasnost.de
   6. ↑ Rechtsanwalt Horst Mahler: Stellungnahme der Antragsgegnerin im Verfahren Deutsche Bundesregierung und andere gegen NPD. S. 31, 30. August 2002
   7. ↑ a b c Steffen Mayer und Susanne Opalka: Bombenterror gegen jüdische Gemeinde – nach 30 Jahren packt der Täter aus. rbb-online, 10. November 2005
   8. ↑ Gerhard Mauz: „Sagen wir doch einfach Erdbeertörtchen“ In: Der Spiegel Nr. 21/1971, 17. Mai 1971, S. 86–89 (als HTML oder als PDF)
   9. ↑ „Gewiss, die Waffen waren da“, SPIEGEL-Interview mit dem Berliner Innensenator Neubauer über den Zeugenauftritt des V-Manns Urbach, In: Der Spiegel Nr. 24/1971, 7. Juni 1971, S. 79–81 (als HTML und als PDF)
  10. ↑ Gerhard Mauz: „Sagen wir doch einfach Erdbeertörtchen“ In: Der Spiegel Nr. 21/1971, 17. Mai 1971, S. 86–89 (als HTML oder als PDF)
  11. ↑ Wolfgang Kraushaar: Achtundsechzig und die Anfänge des westdeutschen Terrorismus. Einsichten und Perspektiven - Bayerische Zeitschrift für Politik und Geschichte, 01/2008
  12. ↑ Stefan Aust: Der Baader Meinhof Komplex. S. 72, Goldmann, 1998, ISBN 3442129532
  13. ↑ Michael Baumann: Wie alles anfing. S. 54, ISBN 3867890005.
  14. ↑ Gerd Koenen: Vesper, Ensslin, Baader, 2003, S. 257, ISBN 3596156912
  15. ↑ Michael Angele: Sie küssten und sie schlugen ihn. Interview mit Willi Winkler. Netzeitung, 10. Februar 2006.



Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Urbach (20. August 2009)

-.-

Eine kleine Recherche in der Stasi-Unterlagen-Behörde
Nichts Neues zu Peter Urbach, ehemals Verfassungsschutzagent unter Berliner Linksextremen?
Regine Igel 13.06.2010
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32762/1.html

Kommentar zum Artikel:

Quote
13. Juni 2010 10:41
Big Picture
JohnD

...

Selbst diese Spitze des Eisbergs ist beeindruckend:

http://de.wikipedia.org/wiki/Gladio
http://de.wikipedia.org/wiki/Celler_Loch
http://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_Schm%C3%BCcker
http://de.wikipedia.org/wiki/Northwoods

http://bilderbergmeetings.org/

...


tbc.
« Last Edit: June 13, 2010, 09:56:54 PM by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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[Wir haben das schon im Hinterkopf gehabt... (Sauerland-Prozess)]
« Reply #134 on: September 16, 2009, 08:52:19 AM »
Quote
[...] Der jüngste Sauerland-Terrorist Daniel Schneider hat wegen der symbolischen Bedeutung besonders auf einen Anschlag auf die US-Militärbasis in Ramstein gedrungen. „Der symbolische Charakter wäre meiner Meinung nach erheblich gewesen“, sagte der 23-Jährige am Dienstag vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf. Ramstein sei „Dreh- und Angelpunkt“ für amerikanische Soldaten auf dem Weg in den Irak oder nach Afghanistan gewesen. Die mögliche Opferzahl habe in seinen Plänen keine Rolle gespielt.

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Aus: "Sauerland-Terrorist drängte auf Ramstein-Anschlag" (15. September 2009)
Quelle: http://www.welt.de/politik/sauerlandgruppe/article4540696/Sauerland-Terrorist-draengte-auf-Ramstein-Anschlag.html


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[...] DÜSSELDORF - Als Fritz Gelowicz, Daniel Schneider und Adem Yilmaz sich am 1. September 2007 in Stuttgart ins Auto setzen, um ins sauerländische Medebach-Oberschledorn zu fahren, hatten sie keine konkreten Vorstellungen über ihre geplanten Attentate. „Es gab keine Festlegung auf Ziele“, heißt es in Vernehmungsprotokoll von Daniel Schneider, 23, der am Dienstag mit seinen Aussagen beim Bundeskriminalamt (BKA) vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf konfrontiert wird. Es sei ein „surreales Brainstorming“ gewesen, zu dritt habe man über Anschläge auf Militärfahrzeuge, Supermärkte und McDonald's auf dem Gelände der US-Armee in Kaiserslautern gesprochen und über Attacken auf das US-Konsulat , „was die Brüder bevorzugten“.

Sein Wunschziel, so hebt Schneider hervor, sei das US-Militärgelände in Ramstein gewesen, dessen Örtlichkeiten ihm vertraut wären. Mit einer gefälschten ID-Karte hätte man auf das Gelände kommen können und dort eine Bombe vor der Kommandozentrale zünden können. „Warum Ramstein?“ will der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling wissen. Die Antwort des Angeklagten: „Die Basis ist Dreh- und Angelpunkt für den Einsatz des US-Militärs im Irak und in Afghanistan.“ Aber als das Trio auf der Fahrt ins sauerländische Ferienhaus saß und sich zuvor noch in Dortmund mit zwei Kochtöpfen, Batterien, Schaltern, Lötkolben und Pfefferspray versorgte, sollen die „Dialoge zwischen uns Dreien“ eine Eigendynamik entwickelt und sich derart hoch gesteigert haben, dass Diskos und sogar der Papst als Ziel genannt worden sind.

Fest stand, so die Aussage von Gelowicz, nur so viel: „Jeder sollte ein Auto präparieren mit etwa 200 Kilo Sprengstoff.“ Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Breidling , ob er denn wisse, welche verheerenden Schäden damit angerichtet werden könnten, antwortet Schneider: „Mit einer solchen Menge Sprengstoff haben wir im Trainingslager Waziristan nicht experimentiert.“ Kinder und Frauen, so beteuert er, sollten als Opfer vermieden werden.

Konfrontiert mit einer Behauptung des Mitangeklagten Adem Yilmaz über die Zweifel, die ihn, Schneider, wegen der geplanten Anschläge geplagt haben sollen, versucht sich der ehemalige Bundeswehrsoldat darauf zu berufen, dass er noch auf den Befehl eines Ausbildungsleiters aus dem Grenzgebiet von Afghanistan gewartet habe. „Gehen Sie ernsthaft davon aus, dass sie kurz vor Ende aufgeben?“ fragt Bundesanwalt Volker Brinkmann. Er will auch wissen, warum der Befehl der Islamischen Dschihad Union so ein Gewicht hat. Daniel Schneider: „Man spürt seine Verpflichtung Allah gegenüber, weil man Allah gehorsam sein will.“

Noch bevor die drei Mann der Sauerland-Gruppe ihr Ferienhaus zum Bombenbau erreichen konnten, sind sie von einer normalen Polizeistreife angehalten worden. Das Trio hat, so Schneider, das Wort BKA von den Beamten aufgeschnappt. Aber sie mochten sich nicht vorstellen, dass ihre ganze Aktion überwacht worden sei. „Wir haben versucht, dass uns anders zu erklären,“ betont Schneider: „Wir haben das schon im Hinterkopf gehabt, aber es am Ende nicht geglaubt.“



Aus: "Sauerland-Prozess: Surreale Suche nach Anschlagsziel" Von Marianne Quoirin (15.09.09)
Quelle: http://www.ksta.de/html/artikel/1246883919016.shtml

« Last Edit: September 16, 2009, 08:54:52 AM by Textaris(txt*bot) »