Author Topic: [Fortress Europe (wenn du zum Flüchtling wirst)... ]  (Read 71121 times)

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[Probleme eines weltweiten Systems... ]
« Reply #210 on: November 04, 2015, 01:04:13 PM »
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[...] Alcinda Honwana erklärt, warum die Generation "Waithood" darauf beharrt, dass ihre Probleme durch den Westen mitverursacht sind

STANDARD: Sie nennen die Generation, die jetzt in Afrika aufwächst, "Waithood-Generation": Junge, die mangels Arbeitsmöglichkeiten nicht in das Erwachsenenleben eintreten können. Was genau kennzeichnet diese Generation?

Honwana: Diese Generation lebt in einer Art Zwischenwelt. Sie sind keine Kinder mehr, haben aber nicht die Möglichkeit, in das Erwachsenenleben einzutreten. Sie sind nicht unabhängig, haben keine Jobs, keine eigenen Wohnungen, keine Familien. Sie warten auf all das. In Europa hat die Wirtschaftskrise die Jobmöglichkeiten reduziert, viele Leute mit guter Ausbildung sind arbeitslos oder müssen einer Arbeit nachgehen, für die sie überqualifiziert sind. So leben sie noch bei ihren Eltern im Kinderzimmer und lassen sich von ihnen durchfüttern. Das ist in Afrika schwieriger: Die Mehrheit ist arm und kann sich nicht um die erwachsenen Kinder kümmern. So halten sich die jungen Leute mit kleinen Jobs über Wasser und verdingen sich als Straßenhändler, als Schuhputzer, auch wenn sie gut ausgebildet sind. Und sie kommen unweigerlich auch mit Kriminalität in Kontakt.

STANDARD: Wie unterscheidet sich ihre Situation von der ihrer Eltern?

Honwana: Am Beispiel Mosambik: Ein Großteil der jungen Männer waren frühen Arbeiter in den Goldminen Südafrikas. Ein klassischer Lebenslauf sah so aus: Mit 18 Jahren gingen sie mit einem 18-Monate-Vertrag nach Südafrika und arbeiteten in den Minen. Sie kamen zurück und konnten ein Ehegeld bezahlen, sie heirateten, gingen wieder nach Südafrika mit dem nächsten Vertrag. Nach der neuerlichen Rückkehr wurde ein Haus gebaut, nach der nächsten Rückkehr kamen die Kinder. Man konnte sich an einem System orientieren, das existiert heute nicht mehr.

STANDARD: Aus welchen Gründen?

Honwana: Es ist eine Kombination aus schlechter Regierungsführung, schlechtem Management, sozialen und ethnischen Spannungen und daraus resultierenden Krisen und den globalen Strukturen des Kapitalismus. In Mosambik wurde beispielsweise durch den langen Bürgerkrieg (1977 bis 1992, Anm.) sehr viel soziale Infrastruktur zerstört. In Südafrika gerieten die Minen in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die meisten afrikanischen Länder sind abhängig von Hilfe der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds, die wiederum strikte Einschränkungen und Regeln haben, die den schwachen Märkten in Afrika aufgezwungen werden.

STANDARD: Jüngst war bei Studentendemos gegen hohe Studiengebühren in Südafrika auf einem Plakat zu lesen: "New democracy, same old shit" und "Sorry for the inconvenience. We're trying to change the world." Die Generationen davor waren politisch, weil sie zum Beispiel gegen den Kolonialismus auftraten. Und die aktuellen?

Honwana: Junge Afrikaner nehmen wahr, dass ihre Probleme nicht rein afrikanische Probleme sind, sondern Probleme eines weltweiten Systems. Natürlich mitverursacht durch schwache Regierungen, die unfähig waren, die Wirtschaft vor multinationaler Ausbeutung zu schützen. Wenn junge Afrikaner jetzt nach Europa auswandern, sagen sie damit auch: "Unser Problem ist auch euer Problem, denn euer System hat das Ganze erst möglich gemacht." Viele multinationale Konzerne aus Europa und den USA, mittlerweile auch aus China, machen gutes Geld in Afrika, das dort niemandem nützt.

STANDARD: Die vergangenen Jahre zeigen einige Beispiele von Protesten – getragen vor allem von der jungen Generation –, die zu Rücktritten von Regierungen geführt haben. Hat sich denn die Situation der Menschen verändert?

Honwana: Die Umstürze im Arabischen Frühling zeigten, dass Proteste Veränderungen bringen können. Ob diese immer gut sind, kann man nicht vorhersehen. Was alle diese Umsturzbewegungen aber gemeinsam haben, ist, dass sich die Menschen hinstellen und sagen: "So geht's nicht mehr." Natürlich haben die Regierungen die Mittel, den Jungen das Aufbegehren abzugewöhnen. Sie schicken Polizei, Tränengas, Militär. Viele Protestbewegungen wurden im Keim erstickt und die Menschen derart eingeschüchtert, dass sie keine Gefahr mehr darstellen. Die Reihe der Proteste ist trotzdem erstaunlich lang, und Jugendproteste sind eine Konstante in Afrika. Aber Veränderungsprozesse brauchen Zeit. Nehmen wir die Begehrlichkeiten einiger afrikanischer Präsidenten, sich durch Verfassungsänderungen dritte Amtszeiten zu erzwingen. Im Senegal konnte das verhindert werden, ebenso in Burkina Faso. In Burundi, im Kongo ist das leider nicht gelungen, aber die ganze Welt wurde aufmerksam auf die Situation. In Zukunft werden es die Präsidenten nicht mehr so leicht haben.

STANDARD: Wie groß ist die Gefahr für junge Menschen, einer radikalen Gruppe anheimzufallen?

Honwana: Groß. Die radikalen Gruppen haben teilweise leichtes Spiel bei jungen Männern, die keine Perspektive haben und gegen eine kapitalistische Lebenseinstellung Position beziehen wollen. Noch mehr als ideologische Orientierung und Sinnstiftung bieten Gruppen wie Boko Haram, Al-Shabaab, Al-Kaida und die Salafisten aber finanzielle Absicherung für die Jungen und deren Familien.

STANDARD: Wird die junge Generation – auch von den Eliten – instrumentalisiert, was ethnische und religiöse Konflikte betrifft?

Honwana: Teilweise ja. Aber man muss auch sehen, dass diese Generation auf mehr Wissen und Information zurückgreifen kann als je eine Generation davor. Jeder Jugendliche im kleinsten afrikanischen Dorf kann sich darüber informieren, was in der Welt vor sich geht. Die Kehrseite dieser globalen Informationsvernetzung ist natürlich auch, dass man seine eigene Situation in Vergleich setzen kann zu Biografien anderswo. Und man sieht die Ungerechtigkeiten live und kommt darauf: "Wow, das ist eine Welt da draußen, an der ich nie teilhaben werde." Es reicht nicht mehr, eine gute Ausbildung zu haben, um ein gutes Leben zu bekommen. Auch gut Ausgebildete sind von Arbeitslosigkeit bedroht. Die jungen Afrikaner erwarten viel mehr vom Leben als die Generationen davor und bekommen viel weniger.

STANDARD: Immer mehr junge Afrikaner wollen ihr Glück in Europa versuchen und riskieren dabei teilweise ihr Leben. Die Antwort Europas auf die Sehnsüchte der Menschen könnte deutlicher nicht sein.

Honwana: Wenn Europa die verstärkte Migration als Konsequenz seines eigenen Handelns sehen würde, würden die Reaktionen vielleicht anders aussehen. Wie lange will man noch eine Festung sein, wie lange Zäune aufbauen? Wenn wenige viel haben und viele nichts, wie lange kann das gutgehen? Es sollte doch so sein, dass die Menschen woanders hingehen, weil sie die Qualifikationen haben, die dort gerade gebraucht werden. Und zwar ohne Einschränkungen. Derzeit haben wir es aber mit einer massiven und verzweifelten Migration zu tun, die klarmacht, dass insgesamt etwas falsch läuft.

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    Meine Wortspende vor 15 Stunden


"Junge, die mangels Arbeitsmöglichkeiten nicht in das Erwachsenenleben eintreten können"

Willkommen in Europa.


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    Humanitatis vor 13 Stunden


Viele hier meinen, das hohe Bevölkerungswachstum sei der Hauptgrund für die afrikanische Misere. Warum es so hoch ist, fragt sich aber offenbar keiner.


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    Cewis vor 13 Stunden


Ich würde sagen, dass ist primär eine kulturelle Sache. Bis vor einigen Jahrzehnten war die Kindersterblichkeit extrem hoch, da brauchte es viele Geburten, und es zahlte sich nicht aus, in Kinder zu investieren (Bildung). Mittlerweile hat sich das geändert, aber die Einstellung nicht. Und kaum ein Staat hat was dafür getan, die Kinderzahl zu verringern. Und die Rolle der Religionen ist da auch nicht sehr ruhmreich.


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52678 vor 13 Stunden


Wahrscheinlich weil es relativ offensichtlich ist - arme Leute ohne soziale Absicherung wollen im Alter nicht verhungern und hoffen dass sich die vielen Kinder dann um sie kümmern.


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    gebdensenfdazu vor 14 Stunden

https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84thiopien

Nachdem ein User hier heute was von Äthopien gepostet hat, musste ich mal nachgoogeln, 90 mio EW und 2050 165 mio EW.
Noch in den 60ern gab es noch 37% der ursprünglichen Wäldern, heute sind es nur noch 3%!
Bei 165 mio EW werden die 3% zwangsläufig auch nocht verschwinden, ernähren kann sich die Bevölkerung dieses Landes ohnehin seit den 70ern nicht mehr selbst. Früher gab es Ernteausfälle alle 25-30 Jahre heute alle 5 Jahre, der Boden erodiert wegen dem Waldverlust und es wächst immer weniger Nahrung, aber die Bevölkerungszunahme ist noch immer am "eskalieren".

Was soll das für eine Zukunft werden?


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Bodo Steinbrech vor 14 Stunden

Mal zum Nachdenken:
Wennsich die Bevölkerung in Österreich ähnlich entwickelt hätte wie in Afrika, Arabien und Teilen Asiens, dann hätte Österreich heute 80.000.000 Einwohner - bei nur geringfügig höherer Wirtschaftsleistung als jetzt.

Wie würde Österreich unterdiesen Umständen heute aussehen?
Slums, medizinische Versorgung nur für die wenigen Reichen, Sozialleistungen? Was is das?, Massenarbeitslosigkeit, Armut, Hunger, ...


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Magnetische Banane vor 15 Stunden

Es geht nicht um AFRIKA vs. EUROPA

es geht um ARM gegen REICH ... und das weltweit. die Billa-Kassiererin in Ö und der Minen-Arbeiter in Afrika sind Opfer des gleichen Systems. Bist du Teil der 99% oder der 1%? Das ist die einzige Frage um die es geht ....


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    MiliTant vor 15 Stunden

Es geht nicht um Schuld, sondern um Verantwortun, um Anteil an einer Situation. Und den haben wir hier alle (nicht als einzelpersonen, sondern als teil einer gesellschaft, die auf kosten der anderen (besser) lebt). die verantwortung haben wir unabhängug dessen ob wir groß was tun. Wenn wir in einem wirtschaftssystem leben, das von anderen auf deren kosten profitiert, haben wir als teil dieser auch einen teil der verantwortung, ... ich versuch eine kultur zu leben, die einander unetrstützt.


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    XXLtraurig vor 16 Stunden

Stimmt, die Welt hat eine Verantwortung, aber auch die Regierungen Afrikas!

Von einem User wurde an anderer Stelle ein Link eingestellt mit einem Video, dass ich hier zeigen möchte.

Es ist einfach unglaublich, wie Konzerne und Staaten auf Kosten der Menschen viel Geld verdienen:

Nestlé: Eine Plastikflasche reines Leben - Spekulation mit Trinkwasser in Südafrika
Sie leben ganz nah an der Quelle - und sitzen doch auf dem Trockenen: Die Menschen im südafrikanischen Ort Doornkloof. Viele arbeiten in der dortigen Nestlé-Wasserfabrik, in der das kostbare Gut in Flaschen abgefüllt wird. Sie selbst haben keinen Zugang zu sauberem Wasser.
https://www.youtube.com/watch?v=pvRRXn5CCQI

Nicht immer nur dem Westen die Schuld umhängen, auch die Regierungen in Afrika sind gefordert!


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rotes gfries vor 17 Stunden

warum spricht weder frau honwana, aber vor allem auch nicht frau honsig-erlenburg DAS afrikanische hauptproblem an? das hauptproblem, welches den ganzen kontinent in den abgrund treiben wird? welches auf lange sicht auch europa zebrechen lassen wird?

gerade von der "zeitung für leser" könnte man kritisches hinterfragen erwarten. oder?

unter den 10 staaten, die weltweit das höchste bevölkerungswachstum haben liegen 6 in afrika. alleine die bevölkerung nigerias wächst jährlich 5 millionen menschen, die bevölkerung äthiopiens um 2,5 millionen menschen, ägypten um 1,5 millionen.

2050 wird nach einer UNICEF-studie afrika von 2 milliarden menschen bewohnt.


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rotes gfries vor 16 Stunden

guter mann - dazu eine kleine geschichte. in meiner studienzeit war ich mit meiner damaligen freundin - hat ernährungswissenschaften studiert - für ein paar wochen bei einem eintwicklungshilfeprojekt in kenia zugegen.

brunnen bohren und installieren. einfachste gerätschaften mitgebracht, damit jeder halbwegs geschickte mechaniker einen defekt selbst reparieren kann. einfache pflege. hie und da pumplager und dichtung kontrollieren. die frauen waren durchwegs - im gegensatz zu vielen männern - äusserst interessiert. nach drei jahren evaluation. pumpe kaputt. wasserleitungen alle weg.

"warumhabt ihr die dichtungen nicht getauscht?"
"war keiner da, der es tauschen konnte!"
"warum habt ihr uns nicht angerufen?"
"hat keiner gesagt, dass wir anrufen sollen!"

das hat mich und noch mehr meine damalige freundin ordentlich auf den boden runter geholt. stimmung a la "ihr habt uns hunderte jahre ausgebeutet, jetzt ist es eure pflicht uns zu versorgen!"


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    Un veistu vor 15 Stunden

Genau diese Wurschtigkeit, Verantwortungslosigkeit und mangelnde Initiative habe ich auch erlebt: z.B. ehem. Missionsschule, schön, aber heruntergekommen, nicht gepflegt. Alle Glasfenster kaputt, auch das Glas der KLassentüren: aber das kaputte Glas, die Reste der Scheiben, steckt noch immer im Rahmen! Kinder könnten sich verletzen! Wurscht. Meine Frage: Warum das kaputte Glas nicht entfernt wurde, beantwortete man, es sei kein Geld für neue Scheiben da.
Oder: engl. Kanalsystem, in Sri Lanka funktionierts und wird noch ausgebaut. In Lagos wirds zur Müllentsorgung missbraucht und einfach zugeschüttet, also ruiniert. Oder: Beamte müssen von NGOs bestochen werden, um sinnvolle Maßnahmen zuzulassen!  ...


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52678 vor 17 Stunden

Bis zum Jahr 2100 soll allein Nigeria 900 Millionen Einwohner haben (zur Zeit 170 Millionen und vor 50 Jahren 40 Millionen). Welchen Plan hat die nigerianische Regierung in Bezug auf diesen erwarteten Bevölkerungszuwachs? Ich denke keinen - weder einen wirtschaftlichen Plan noch einen Plan dieses Bevölkerungswachstum zu verringern. Wie heisst es so schön: "If you fail to plan, you plan to fail."


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    Peter78 vor 17 Stunden

Die Verpflichtung die irgendwer glaubt zu haben sind den Flüchtlingen ganz egal. Und natürlich hat die Autorin recht. Wir haben alle dazu beigetragen.
Und es war vorherzusehen, keineswegs überraschend.


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bassin vor 18 Stunden

1960 das Jahr der afrikanischen Freiheit. Seit durchschnittlich 55 Jahren ist Afrika entkolonialisiert. Und immer noch soll Europa schuld sein. Bestes Beispiel Angola. Zwar erst seit 1975 frei. Schwimmt in Öl, betreibt einen Flugzeugträger (den sich Spanien nicht mehr leisten konnte). Aber sonst bitterarm.


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Phoenix25 vor 18 Stunden

Verstehen Sie mich nicht falsch aber wer hat die französische Revolution ausgelöst? Ein paar amerikanische Tomahawk Marschflugkörper? Große Veränderungen passieren dann, wenn sich das Volk erhebt und gewillt ist das Land zu ändern. Aber heute, so scheint es, ist es einfacher, einfach zu Tausenden loszumarschieren, anstatt sich zu (Tausenden zu) organisieren und etwas im Sinne des Volkes zu ändern.


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    *Fussballgott vor 19 Stunden

Kronen Zeitung heute - Migration als Waffe
In Libyen erinnerten sich jetzt die Machthaber des Landesteils rund um Tripolis, dass diese Art von Erpressung bereits einmal geklappt hat: Es war der 2011 getötete Langzeit- Diktator Gadafi, der vor zehn Jahren Europa mit "Tausenden Flüchtlingen" gedroht hatte. Seine Worte damals: "I'll turn Europe black" (Ich werde Europa schwarz färben). Gadafi erhielt daraufhin die gewünschten EU- Milliarden aus Brüssel.
Zehn Jahre später spielt der "General National Congress", eine der beiden großen Bürgerkriegsparteien in Libyen, diese Karte wieder aus. So betonte Regierungssprecher Jamal Zubia: "Wir können jederzeit Tausende Flüchtlinge, die jetzt bei uns in Libyen aufgefangen worden sind und versorgt werden, in Boote setzen und nach Europa schicken.


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Karl Amen vor 19 Stunden

ein interview über die ursachen der migration am beispiel afrikas OHNE auch nur in einem nebensatz auf die bevölkerungsexplosion einzugehen ?
wow, das muss man erstmal zusammenbringen. alles in allem aber trotzdem kein uninteresting interview.


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greenling vor 19 Stunden

Wer nicht einmal eingestehen kann, dass Europa/USA und auch die aufsteigenden Ostländer Mitschuld haben, braucht hier gar nicht erst mitreden.
Die eigenen korrupten Eliten loswerden? Das schaffen ja nicht mal wir und bei uns ginge das viel leichter - vermutlich bald auch nicht mehr, aber momentan könnten wir noch sagen: Das System muss sich ändern!
Im Endeffekt sind wir alle gefangen im System des Kapitalismus, das einige wenige reich beschenkt und dessen Großkonzerne die Weltpolitik diktieren.


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    Berto Bertini vor 19 Stunden

Sie haben eine interessante Diskussionskultur.
Wer nicht meiner Meinung ist, braucht garnicht mitreden.


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E Sprit vor 18 Stunden

Und sie haben es nicht verstanden und wollen es nicht verstehen. Europa macht nach wie vor prächtige Geschäfte in dem man afrikanische Staaten ausnimmt. Fischereirechte, landwirtschaftliche Produkte, etc. Es gibt Ansätze dies zu verbessern, aber dort wo sich die Europäer zurückziehen fallen die Chinesen und Inder ein. Für die Einwohner verbessert sich absolut nichts. Fahrens mal hin, aber nicht in diese Urlauberghettos ...


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    B JK vor 19 Stunden

Erwachsene Kinder - "Das ist in Afrika schwieriger: Die Mehrheit ist arm und kann sich nicht um die erwachsenen Kinder kümmern."

Bei allem gebührenden Respekt, aber das liegt auch daran, dass es viel mehr erwachsene Kinder gibt. Auch hier könnte sich kaum eine Familie leisten, bis zu 10 erwachsene Kinder zu erhalten. Nicht einmal 10 nicht-erwachsene Kinder.

Natürlich trägt auch dafür der Westen eine Mitverantwortung, wenn der Papst herumreist und gegen Verhütung predigt. Aber vor allem liegt es daran, dass der Westen Medizin und Hygiene gebracht hat, was die Kindersterblichkeit senkte. Ich bin aber nicht bereit, dass als irgendeine Art von Schuld zu interpretieren.

Die Geburtenrate muss rasch zurück gehen!


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    Perry Rhodan #1 vor 18 Stunden

bildung von maedchen loest fast alle probleme - die geburtenrate geht am schnellsten zurueck, wenn maedchen und frauen besseren zugang zu bildung und ausbildung haben. bessere ausbildung fuer maedchen = spaeteres erstes kind = weniger "youth bulge" = stabileres land = weniger fluechtlinge
Wenn also die welt effektive Hilfe leisten will, dann soll MASSIV in die bildung afrikanischer und westasiatischer maedchen investiert warden. zum teil wird das wegen traditioneller strukturen schwierig sein, aber wenn man nicht aufgibt werden letztendlich gerade diese strukturen dadurch aufgebrochen.


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    §83SPG, vor 19 Stunden

Sie haben hundert Prozent recht, wenn sie das ständige Fehlen der Bevölkerungsexplosion monieren. Es muss irgendeinen ideologischen Grund haben, dass dieses Problem in den Systemmedien und Problemanalysen konsequent weggelassen und negiert wird. Vermutlich weil dann die Menschen auch bei uns drauf kommen würden, dass immer mehr und hauptsache jüngere Menschen auch keine Lösung ist, ja sogar Risiken inkludiert.

Afrika kann seine Probleme nur selbst lösen. Die wollen gar keinen Rat und keine Hilfe von uns, was ich gut verstehen kann. Europa kann da nichts bewegen oder gar "zum Guten" ändern. Alternativen sind eine Festung zu errichten oder Massen von Afrikanern Heimat bieten.


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    jcMaxwell vor 19 Stunden

... fangen wir mal mit einer fairen bezahlung für rohstoffe aus afrika an!


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    Berto Bertini vor 19 Stunden

Wenn wir für nigerianischen Öl gleichviel bezahlen wie für norwegisches Öl, beuten wir Nigeria aus?


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-lt- vor 19 Stunden

Schön langsam nutzt sich die afrikanische Wehleidigkeit ein bisschen ab....man zerlegt in jahrzehntelangen Bürgerkriegen die Infrastruktur der Länder (die oft ohnehin oft noch aus der Kolonialzeit stammen), aber der böse Westen mit seinen Konzernen ist schuld und er soll doch bitte nicht auf Festung machen.


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marotoma vor 20 Stunden

"Unser Problem ist auch euer Problem, denn euer System hat das Ganze erst möglich gemacht."

Die Hälfte davon stimmt schon, der Rest ist ein alter Hut sozialromantischer Träumer. Man könnte natürlich jetzt auch über die korrupten Eliten (die häufig im West studiert haben) in vielen afrikanischen Ländern sprechen und wer sie an die Macht gebracht hat. Aber die Schuld für das eigene Chaos bei anderen zu suchen ist schon recht billig. Und die tendenziösen Fragen der Interviewerin machen das Ganze nicht besser.


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  podwolf vor 20 Stunden

Es hat zwar eh keinen Sinn wenn ich hier schreibe, aber nach reichlicher Lektüre ( es gibt seit den 80er Jahren viele interessante Bücher zu Thema Kolonialismus und Neokolonialismus, insbesondere zu Thema Afrika, ist für mich klar, dass der schwarze Kontinent systematisch ausgebeutet und die Bevölkerung durch Regierungen von Gnade der Konzerne oft aufs grausamste unterdrückt wurde. Sicher nicht überall gleich, aber im großen und ganzen stimmt schon die Richtung. Eine Jugend die keinerlei Perspektive hat, versucht ihr Glück in Europa, wobei sie vom Regen in die Traufe kommen. Denn in Europa werden diese jungen Menschen nirgends gut gelitten sein ( bis auf seltene Ausnahmen ) da der Rassismus in Europa unüberwindbar ist.


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  Schnapphahn vor 20 Stunden

Die wirklichen Probleme, die ich in Afrika sehe:

-Die unkontrollierte Bevölkerungsexplosion, auch mit Hilfe der katholischen Kirche
-Die Umweltverschmutzung durch Konzerne
-Die Korruption der herrschenden Eliten
-Der mangelnde Wille vieler Einheimischer etwas an den Zuständen zu verbessern. Wenn ich darauf warte, dass sich was ändert, dann wird sich nie was ändern. Ganz besonders die Männer fallen da unangenehm auf.
-Die katastrophale Unfähigkeit der Regierungen

Egal was für Hilfsprojekte man in Afrika bisher durchgeführt hat. Ein Jahr nachdem man die Menschen selber machen lässt ist alles wieder beim alten.

Wenn es doch mal jemanden gibt, der sich twas aufbaut, dann kommt gleich die ganze Verwandtschaft und will Geld.
Aber Schuld sind, wie immer die anderen.


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  Hans Müller1 vor 20 Stunden

Habe mal den Sohn des "Informationsministers" des damaligen Taylor-Regimes kennengelernt, der hat uns allen Ernstes erklärt dass Japan nur deshalb besser dastehe weil es die USA so wollen, und Afrika halt von den USA unterdrückt wird.

Da ist die konstruktive Geisteshaltung mit der man sehr viele Probleme lösen wird!


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xavi vor einem Tag

Gutes Interview. Danke. Aber es streift natürlich nur die vielen Probleme dieser Welt. Und Afrikas ....


...


Aus: "Soziologin: "Junge Afrikaner erwarten mehr und bekommen weniger"" Interview Manuela Honsig-Erlenburg (3. November 2015)
Quelle: http://derstandard.at/2000024941463/Junge-Afrikaner-erwarten-mehr-und-bekommen-weniger

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[Am gleichen Tag... ]
« Reply #211 on: November 04, 2015, 01:20:34 PM »
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[...]  Erstaunlich. Da schlägt ein AfD-Politiker am Wochenende vor, dass man gegen Flüchtlinge an der Grenze Schusswaffen gebrauchen dürfe – und nichts geschieht. Keine Diskussionen, keine Analysen, keine Kommentare in unserer ansonsten so kommentarreichen Zeitungslandschaft. Und weil wahrscheinlich nichts geschah, meldet sich keine 24 Stunden später der nächste AfD-Politiker, dieses Mal Alexander Gauland, und wiederholt die Forderung.

Markus Pretzell, Landesgruppenchef der AfD aus Nordrhein-Westfalen, wird von der Nachrichtenagentur dpa am Wochenende mit den Worten zitiert: Die Verteidigung der deutschen Grenze als Ultima Ratio ist eine Selbstverständlichkeit.

Und weiter: Wenn man den ersten Schuss in die Luft gibt, wird deutlich, dass wir entschlossen sind. So weit werde es aber sicher nicht kommen, ergänzt Pretzell, denn: Die Menschen sind doch vernunftbegabt.

 Da die Alternative für Deutschland eine Partei ist, die in fünf Landtagen und im Europaparlament sitzt, ist sie aktiv an deutscher und europäischer Gesetzgebung beteiligt. Allein aus diesem Grund ist es notwendig, dass man sich mit dem Vorschlag ernsthaft beschäftigt.

Am gleichen Tag, als Pretzell Schießbefehle als politisches Mittel an der deutschen Grenze zu legitimieren versuchte, starb Günter Schabowski. Viele kennen den SED-Funktionär als jenen Mann, der aus Versehen die Grenze öffnete. Dadurch wurde er eine Art The Big Schabowski. Schabowski war in der DDR für die Grenzsicherung zuständig und wurde nach der Wende für den Bau der Mauer und die daraus resultierenden Mauertoten für verantwortlich erklärt und zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Über die Mauertoten erklärte er sich bei diesem Prozess mit den Worten:

"Als einstiger Anhänger und Protagonist dieser Weltanschauung empfinde ich Schuld und Schmach bei dem Gedanken an die an der Mauer Getöteten. Ich bitte die Angehörigen der Opfer um Verzeihung."

 Hier sprach also einer, der sich mit Grenzen und Mauertoten lange auseinandersetzte, und von der politisch komplizierten Theorie der DDR zu der moralisch sehr simplen Erkenntnis gelang, dass man dereinst Tote an einer Grenze aus Gründen einer "Weltanschauung" in Kauf nahm und sich, ob gewollt oder nicht, mit diesen Worten nicht nur für die Toten entschuldigte, sondern auch die Anschauung dahinter. Sie lautet: "Verteidigung der Grenze mit allen Mitteln".

Hier liegt die Verbindung zwischen Schabowski und Pretzell. Es trennt sie nur 26 Jahre. Eine Generation. Das ist verdammt wenig. Und nun soll die Verteidigung der Außengrenze eines deutschen Staates mit Waffengewalt laut Pretzell erneut eine Selbstverständlichkeit sein? Wenn dem so ist, weshalb sitzt er im Europaparlament, dessen oberstes Ziel die Aufhebung nationaler Grenzen ist?

 Dass eine Grenze gesichert und kontrolliert werden muss, wird als Selbstverständlichkeit definiert. De facto haben wir in Deutschland aber seit dem 1995 in Kraft getretenem Schengener Abkommen keine gesicherte Grenze. Also Deutschland zurück zu den Grenzen nach 1989 und vor 1995?

Was genau ist eigentlich eine Ultima Ratio? Die deutsche Übersetzung aus dem Lateinischen heißt "letzte Möglichkeit" oder "letztes Mittel". Pretzell meint also, das letzte Mittel gegen Flüchtlinge sei Schusswaffengebrauch an der Grenze. Ist das tatsächlich so? Darf man sich gegen einen Grenzübertritt eines Flüchtlings mit Waffen wehren? Gibt es einen Notwehrparagrafen gegen Flüchtlinge im Gesetz?

 Ist nicht ganz im Gegenteil der Grenzübertritt seitens eines Flüchtlings angesichts der Genfer Flüchtlingskonvention, die Deutschland unterzeichnet hat, und angesichts Artikel 16a des Grundgesetzes, "Politisch Verfolgte genießen Asylrecht", nicht legitim? Ist das, was als illegitimer Grenzübertritt gehandelt wird, nicht vielmehr eine Einreise auf Rechtsgrundlage? Kritiker des "ungeordneten Flüchtlingsstroms", wie Innenminister de Maizière und andere ihn bemängeln, vergessen, dass unsere Gesetzeslage von "politisch Verfolgten" spricht und nicht von "in einem sicheren Drittstaat erstregistrierte politisch Verfolgte".

Bevor der Begriff des Ultima-Ratio-Prinzips im Strafrecht als letztes Mittel zur Sicherstellung des Rechtsfriedens Einzug nahm, ließ im Dreißigjährigen Krieg der Kirchen- und Staatsmann Kardinal Richelieu auf die Kanonen ultima ratio regum prägen.

Das letzte Mittel der Könige stand da also, bevor der letzte Gruß aus der Kanone abgefeuert wurde. Das letzte Mittel gesteht indirekt auch eine Notlage ein. Doch worauf begründet sich eigentlich der Notfall? Worauf begründet sich für die in Deutschland lebenden Bürger eigentlich die Gefahr von ein paar Hunderttausend Flüchtlingen? Worin besteht die Gefahr für Leib und Leben der Deutschen? Wo genau sind wir bedroht? Wohnraum? Gesundheit? Nahrung? Bildung? Man kann es drehen und wenden wie man will. Mangel an Wohnraum, Gesundheit, Nahrung und Bildung erleiden die Flüchtlinge. Nicht wir.

Flüchtling sein beschreibt eine Bewegung. Weg von der Gefahr, hin zur Sicherheit. So betrachtet ist eine Flucht dann zu Ende, wenn der Flüchtling sicheren Boden betritt. Im Europäischen Recht ist der Flüchtling aber auch ein rechtlicher Status. Das heißt, die Fluchtbewegung ist beendet, der Status jedoch bleibt. Oft für viele Jahre. Nehmen wir an, wir würden alle Flüchtlinge, sobald sie sicheren Boden betreten, nicht mehr Flüchtlinge nennen, sondern sie zu freien Menschen erklären, die in europäische Länder ein- und ausreisen dürfen, wie würden wir die Bewegung dieser Menschen dann nennen?

Würden Markus Pretzell und andere, die mit dem Gedanken der Grenzsicherung durch Waffengewalt sympathisieren, immer noch das Gefühl des Notfalls erleiden, wenn man Flüchtlinge zu freien Menschen "umdeklariert"? Würde dann das Gefühl aufhören, dass uns die Flüchtlinge "gehören" und "wir" mit "ihnen" machen dürfen, was wir wollen? Reinlassen, rauslassen, Geld gewähren, Geld kürzen, in Transitzonen stecken, in Hotspots, Registrierungslager, Internierungslager, Auffanglager, irgendwelche anderen Lager oder gleich erschießen und so weiter, weil doch, wie immer behauptet wird, eine Notlage herrsche?

 Was wäre, wenn wir aus Flüchtlingen, sobald sie europäischen Boden betreten, "Europäer mit unbefristeter Aufenthaltserlaubnis" machen, die sich dieses Recht durch Heimatverlust erwirkt haben? Sie wären die Ersten der Europäische Union, die probeweise einen europäischen Pass mit Arbeitserlaubnis bekämen. Was wie ein ultrahippiehafter Gedanke klingt, ist eine uralte Idee.

Der Chefintellektuelle und Vorzeigehippie der aufgeklärten deutschen Wertegemeinschaft, Alexander von Humboldt, erreichte im Jahr 1857, dass König Friedrich Wilhelm IV. ein Gesetz unterschrieb, in dem es hieß: "Sklaven werden von dem Augenblicke an, wo sie Preußisches Gebiet betreten, frei." Humboldts einleuchtende Idee bestand darin, dass alle Menschen "gleichmäßig zur Freiheit bestimmt" sind. Hier wurde also keine nationale Grenze gesichert, sondern der rechtliche Status durch eine politische Maßnahme geändert. Eine Ultima Ratio, wenn man so will.

 Pretzells weitere Aussage, dass der erste Schuss in die Luft "Entschlossenheit" signalisieren solle, lässt keinen Gedankenspielraum für die Frage, wohin der zweite Schuss zielt. Jede weitere Ergänzung eines solchen Satzes wäre eine Relativierung. Und was im Folgenden wie eine Relativierung klingt, ist in Wirklichkeit eine Steigerung.

Pretzell versucht zu beschwichtigen, indem er anmerkt,  dass es zum weiteren Schuss nicht kommen müsse, denn die Menschen seien schließlich "vernunftbegabt". Damit meint er nicht den deutschen Grenzschützer. Vernunft setzt er bei den Flüchtlingen voraus. Wer vernunftbegabt ist, wird stehen bleiben. Nur Unvernünftige lassen sich erschießen, wäre wohl die Schlussfolgerung.

Menschen, die vor Krieg fliehen, haben oft eine lange Reise hinter sich, in der sie manchmal Dinge tun, die auf den ersten Blick unvernünftig erscheinen. Mitten in der Nacht ein wackeliges und überfülltes Boot ohne Rettungsweste und Trinkwasser auf rauer See besteigen, ist nur ein Beispiel von vielen. Aus einer lebensbedrohlichen Maßnahme wurde im Nachhinein ein lebensrettendes Mittel. Das ist die Ultima Ratio eines Flüchtlings.

In der DDR nannte man die Mauertoten übrigens konsequent "Gesetzesbrecher". Der DDR-Journalist Karl Eduard von Schnitzler legitimierte die Toten einst mit der Feststellung: "Soll man von unserer Staatsgrenze wegbleiben – dann kann man sich Blut, Tränen und Geschrei sparen." Da ist sie ja wieder, die alte neue Strategie, ein Verbrechen als Notwehr umzudeuten, in deren Namen angeblich nicht der Mensch, sondern die Vernunft zum Opfer fiel.

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yurina
#3  —  vor 1 Stunde 54

Danke. Und noch ein Voschlag für Zeit online: Hört auf (und nicht nur Ihr) das ganze Flüchtlingskrise zu nennen. Sie kommen. Und wir helfen, so gut es geht. Und es sind Menschen mit Menschenrechten. Keine Manövriermasse. Schöne Grüsse vom Gutmenschen, da bin ich stolz drauf.


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Lampyridae
#6  —  vor 1 Stunde 22

Natürlich herrscht Krieg. Aus Sicht der besonders "besorgten Bürger" befindet sich D bereits in einem Bürgerkrieg - "Linksgrünversiffte Gutmenschen" in Koaltion mit den "Moslem-Invasoren", gegen das "Volk". Man schaue nur mal in deren politische Heimstätten, wie PI, oder höre sich Reden deren "Intellektueller" wie Pirincci an:Deutschland wird angegriffen. Das deutsche Volk kämpft ums nackte überleben. Die Deutschen, als von einem Genozid(!), bzw. einer Neuauflage der NS-Euthanasie(!) bedrohte Spezies. Kein Wunder, dass dann täglich Flüchtlingsheime angesteckt oder dunkelhäutige Menschen niedergeschlagen werden, man muss sich ja "wehren"...


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pentagram
#8  —  vor 1 Stunde 14

Die Forderung der AFD zeigt wessens Geistes Kinder Sie sind. Eine Forderung die in eine Autoritäer Diktatur passen würde. ...


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Bluto Blutarski
#18  —  vor 1 Stunde 10

Also ich weiß nicht: Die Idee einer robust gesicherten Grenzbefestigungsanlage rund um die am lautesten schreienden Bundesländer herum ist zwar nicht neu, gewinnt aber in meinen Augen von Tag zu Tag mehr an Attraktivität!

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Runkelstoss
#18.1  —  vor 1 Stunde 6

[Die Idee einer robust gesicherten Grenzbefestigungsanlage rund um die am lautesten schreienden Bundesländer herum ist zwar nicht neu, gewinnt aber in meinen Augen von Tag zu Tag mehr an Attraktivität!]

Aber vorher versuchen wir es noch einmal mit Integrationskursen.



...


Aus: "Kiyaks Deutschstunde / Flüchtlingspolitik: Ist Krieg oder was?" Eine Kolumne von Mely Kiyak (4. November 2015)
Quelle: http://www.zeit.de/kultur/2015-11/afd-fluechtlinge-kiyak-deutschstunde

« Last Edit: January 23, 2016, 02:11:31 PM by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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« Reply #212 on: January 23, 2016, 02:28:23 PM »
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[...] Mitten in der Flüchtlingskatastrophe glauben wir noch immer, es könnte weitergehen wie bisher. Ein großer Irrtum. Was wir jetzt brauchen, ist ein globaler Realismus.  ... Aus globaler Perspektive handelt es sich beim deutschen Kulturkampf zwischen Pegida und AfD auf der einen und den Anhängern der "christdemokratischen Neoliberalen und ihren sozialdemokratischen Gehilfen" (noch einmal Avanessian) auf der anderen um nicht viel mehr als einen Zickenkrieg zwischen Bürgern der Wohlstandszone, die alle gleichermaßen profitieren von der Zerstörung staatlicher Strukturen in Afrika oder dem Nahen Osten. Für einen Kongolesen oder Iraker ist das im bürgerlichen Feuilleton zum Stilmittel gewordene Pegida-Bashing in etwa so hilfreich, wie es in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts die Streitigkeiten zwischen Wehrmacht und SS um die moralisch korrekte Besatzungspolitik waren.

... Die Wahrheit Europas liegt jenseits von Berlin, Paris und Budapest, jenseits des Mittelmeers und jener Politik des Mitleids, mit der wir uns aktuell vom Elend der Welt freikaufen.

Hören wir also auf, ein weiteres Jahr der kapitalistischen Fabel zu glauben, dass es immer so weitergehen kann – nur irgendwie weniger tödlich für die Verlierer des Systems, irgendwie weniger peinlich für die Gewinner, irgendwie sauberer für den Planeten. Entwickeln wir, nachdem wir uns der imperialen Innenpolitik gewidmet haben, einen wahrhaft globalen Realismus. Einen Realismus, der nicht nur die Menschen sichtbar macht, die es bis an die Gestade Griechenlands und Italiens geschafft haben. Sondern auch jene, die außerhalb des Fokus der europäischen Mitleidindustrie leben: jene Rechtlosen und Unsichtbaren, die, um ein schreckliches Wort von Hegel aufzunehmen, "keine Geschichte haben".

Denn wenn die gefühlte Apokalypse des vergangenen Jahres etwas gebracht hat, dann Folgendes: Sie hat auch dem Letzten unter uns die Wahrheit über das System enthüllt, in dem wir leben. Und nichts anderes heißt ja "Katastrophe": Enthüllung.

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leon_mz
#5  —  vor 1 Stunde 2

Auflösung von Grenzen/Begrenzungen

1989 hat die Auflösung der Ost/Westgrenze zur erweiterten Globalisierung und
des kulturellen und wirtschaftlichen Austausches und installation der Demokratie
in viel Ostblockländern Einzug gehalten. Das Kollektiv der Menschheit entwickelt sich im
Moment weiter in Richtung Einheit der Völker. Dazu ist es notwendig das
ungerechte Nord/Südgefälle aufzulösen. Genau das erleben wir jetzt durch die Religionskonflikte und Wertekonflikte in vorderen Orient und Nordafrika der aber
nach Europa reigetragen wird. Kein Land auf der Welt kann mehr ein Inseldasein führen, alles ist in Wirklichkeit schon eins.

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Areo Pagita #5.6  —  vor 1 Minute

Das mit der wachsenden „Einheit der Völker“ ist ein typisches linkes Hirngespinst und eine vollkommene Verzerrung der Realitäten. Solche Phantasien gab es immer wieder. Vor ein paar Jahrzehnten träumte ein gewisser Francis Fukuyama, amerikanischer Politologe, vom „Ende der Geschichte“ in Form einer überall sich entwickelnden Demokratie. Er ist inzwischen zurückgerudert. Aber in vielen Köpfen der politischen und medialen Klasse weltweit herrschten ähnliche Gedanken, die sich im Falle des „arabischen Frühlings“ als fürchterliche Irrtümer herausgestellt haben. Aus den erhofften Demokratien wurden flugs neue Diktaturen oder failed States. Demokratie Pustekuchen.

Carl Schmitt schrieb schon 1932: „Wer Menschheit sagt, will betrügen.“


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zeitgenössisch
#6  —  vor 1 Stunde


Realismus? Dann bitte konsequent.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich die Weltbevölkerung vervierfacht.
Heute hungern gemäß UN mehr Menschen auf der Welt, als damals überhaupt insgesamt in der sog. dritten Welt lebten. Die Entwicklungspolitik kommt mit diesem riesigen Bevölkerungswachstum, den alle Hilfsmaßnahmen zB zur Reduzierung von Kindersterblichkeit und besserer Gesundheitsversorgung und Ernährung indirekt mit verursacht haben, nicht hinterher.

Das ist ein Problem, welches ratlos macht. Wir wollen ja auch keinen Sozialdarwinismus. Wir wollen auch keine faschistoiden Maßnahmen wie Zwangssterilisierungen. Wir wollen auch niemand verhungern lassen oder Kinder an vermeidbaren Krankheiten versterben sehen. Wir wollen nicht, dass unsere globale Biosphäre an der Kombination aus wachsender Weltbevölkerung und wachsendem Wohlstands- und Konsumhunger dieser wachsenden Weltbevölkerung kaputt geht.

Wir wollen sehr vieles, wir wollen Dinge, die mit kalter Objektivität betrachtet nicht miteinander vereinbar sind.

Wie, außer mit Ratlosigkeit, können wir also wirklich reagieren? Es gibt keine Lösung. Schon gar keine einfache.

Das einmal anzuerkennen würde zum einzig richtigen Modus führen. Nämlich eine Priorisierung, wie sie zB in der Medizin in Krisensituationen - und unsere Welt ist eine einziges Krisengebiet - essentiell ist, umso viele Leben wie möglich zu retten.

Genau das machen wir aber nicht. Wir nehmen nur die Stärksten auf, die sich hierher durchschlagen konnten.


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MitInteresse
#11  —  vor 1 Stunde

"Es ist dies ein Humanismus, der nicht mehr universal, sondern bloß noch für klar definierte imperiale Räume gilt; eine Art aristokratische Seelenzucht, quasi eine moralische Innenpolitik Europas."

Sehr treffend. Letztendlich war das doch immer so. Was kümmern uns die Menschen, die im "fernen" Afrika verhungert sind und weiter verhungern. Moralische Entrüstung setzt erst dann ein, wenn sich das Elend vor unserer Haustür abspielt.

Die Bürgerseele wird aber schon wieder Ruhe geben, wenn wir es schaffen, die Türen fest zu verrammeln und die Rolladen herunterzulassen. Unser ruhiger Schlaf ist gesichert, wenn Länder wie die Türkei oder Marokko sich die Hände schmutzig machen. Gegen Bezahlung versteht sich. Schleuser im umgekehrten Sinne.



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Labordelfin
#19  —  vor 1 Stunde

Was für eine paternalistische Weltsicht.

Die islamische Welt, die afrikanischen Staaten haben also keinerlei Einfluss auf die Lebensqualität in ihren Ländern?
Machtgeilen Klerus, korrupte Eliten gibt es dort nicht?
Alle, denen es dort schlecht geht, leiden wegen Europa und dem Westen allein ?
Jeder soll kommen dürfen und unsere westlichen Länder in Elendsgebiete, vergleichbar mit den Herkunftsländern, verwandeln?


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Antigone dreht am Rad
#23  —  vor 55 Minuten
1

Den Abgesang für den Universalismus liest man dieser Tage öfter. Wenn auch nur als leere unbestimmte Drohung am metaphysischen Horizont.
Es stimmt: der Bogen der Herzen war und ist zu weit gespannt, da hilft auch kein neuer Realismus. Im Gegenteil: die Realität selbst will von allzu hehren, allzu raumgreifenden Zielen nichts mehr wissen.
Ist der German Weltschmerz nicht aktueller denn je?!
Womöglich kann die Kunst daraus viel Inspiration schöpfen,
für die Politik würde ich mir hartgesottene Geister wünschen.
Die Sicht auf die Dinge allein ist keine Kraft, sie birgt zu viel Ignoranz.
Ganz fair gesprochen, kann man die Erhabenheit des Universalismus nicht auf eine "realistische Ebene" transferieren. Es wäre (wie immer) nur eben der Ausschnitt von Realität, der den enthobenen Entwürfen nicht allzu sehr im Wege steht.
Wehret den Künstlern!
Und wenn ich schon dabei bin: Theologen und Theologentöchter raus aus der Politik!


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neue-woche-neuer-nick
#26  —  vor 53 Minuten

Wie der "globale Realismus" aussehen soll, erfährt der Leser leider nicht...



Aus: "Betroffenheit reicht nicht "  Milo Rau (DIE ZEIT Nr. 2/2016, 7. Januar 2016)
Quelle: http://www.zeit.de/2016/02/fluechtlinge-hilfe-mitgefuehl-betroffenheit

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[Nach Berichten... ]
« Reply #213 on: January 26, 2016, 09:23:35 AM »
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[...] In mehreren Heimen haben Flüchtlinge kein Geld mehr, um sich Lebensmittel zu kaufen. Nach Berichten der „rbbAbendschau“ und der „Berliner Zeitung“ schlagen Leiter von Flüchtlingsunterkünften Alarm, dass Menschen regelrecht hungern müssten. Den Angaben zufolge erhalten etliche Flüchtlinge nicht die finanziellen Leistungen, die ihnen gesetzlich zustehen, da sie keine Termine beim Lageso bekämen.

Inzwischen wurde die Berliner Tafel um Hilfe gebeten. Gegenüber der „Abendschau“ sagte die Senatsverwaltung, dass intensiv an einer Verbesserung der Situation gearbeitet werde.

Tsp


Aus: "Chaos am Lageso in Berlin: Flüchtlinge haben kein Geld für Lebensmittel" (25.01.2016)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/chaos-am-lageso-in-berlin-fluechtlinge-haben-kein-geld-fuer-lebensmittel/12878452.html



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[Ein Bericht... ]
« Reply #214 on: February 17, 2016, 09:58:45 AM »
Quote
[...] Ein Bericht des türkischen Arbeitgeberverbands TISK spricht von mindestens 300.000 Syrern, die in der Türkei arbeiten, die meisten davon auf dem Schwarzmarkt. Die Hälfte der syrischen Arbeiter verdient gerade einmal 220 Euro im Monat — viel zu wenig, um sich selbst, geschweige denn eine Familie zu ernähren. Oft müssen dann auch die Kinder arbeiten, um das Haushaltseinkommen zu unterstützen. ...

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sumashod
#4  —  vor 30 Minuten 5

Wer glaubt, dass es in Deutschland anders wird, der irrt sich gewaltig! Rumänische Migranten sind ein gutes Beispiel dafür.

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Flinx_DE
#4.1  —  vor 16 Minuten

Hast Du da konkrete Beispiele. Nach meiner Kenntnis haben Rumänen (zumal welche mit fundierter Ausbildung) gute Gründe in Deutschland zu arbeiten, siehe
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-05/zuwanderung-deutschland-sozialtourismus-rumaenien-brain-drain


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sumashod
#4.2  —  vor 1 Minute

Wenn die Erntesaison beginnt, dann gehen Sie mal auf die Felder und reden Sie mit den Menschen. Fragen Sie diese nach ihren Berufen. Sie wersen sich wundern! Ich habe das mal gemacht. Ist viel aussagekräftiger als Ihr Link.


...


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Apfelsaftschorle
#10  —  vor 24 Minuten 3

Genau das will die hiesige Wirtschaft doch auch, nachdem sie so dermaßen gebeutelt und geknechtet wurde mit der Einführung des Mindestlohns. Endlich wieder Sklavenfrischfleisch.


...


Aus: "In den Kellern von Istanbul" Von Zia Weise, Istanbul (17. Februar 2016)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-02/tuerkei-fluechtlinge-syrien-istanbul-arbeit-arbeitsrecht


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[In knapp zwei Monaten... ]
« Reply #215 on: February 24, 2016, 12:06:10 PM »
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[...]  In knapp zwei Monaten seit Jahresbeginn sind bereits mehr als 100.000 Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa gekommen. 2015 sei diese Zahl erst im Juli erreicht worden, teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Genf mit.

97.000 Männer, Frauen und Kinder sind den Angaben zufolge in Griechenland angekommen. Über Italien kamen in dem Zeitraum nur etwa 7.500.

Mehr als 410 Flüchtlinge sind in diesem Jahr bereits auf ihrer Flucht ums Leben gekommen. Allein auf der Überfahrt von der Türkei zu den griechischen Inseln starben 321 Menschen. Laut griechischen Behörden kommt etwa die Hälfte aller Flüchtlinge aus Syrien (48 Prozent), gefolgt von Afghanistan (25 Prozent) und dem Irak (17 Prozent). Im Februar haben nach IOM-Angaben mehr als 26.000 Flüchtlinge und Migranten die griechische Grenze zu Mazedonien überquert.

 Nach Einschätzung europäischer Behörden suchen sich internationale Schleuserbanden aufgrund der Verschärfung der Grenzkontrollen auf der Balkanroute neue Wege Richtung Norden. Eine stärkere Sicherung der EU-Außengrenze zwischen Griechenland und der Türkei werde außerdem dazu führen, dass Flüchtlinge auf die gefährliche zentrale Mittelmeerroute aus Libyen und Ägypten ausweichen, berichtet die Welt am Sonntag.

Nachrichtendienste aus verschiedenen Ländern hätten beobachtet, dass in libyschen Küstenorten bereits zwischen 150.000 und 200.000 Flüchtlinge auf besseres Wetter warteten, um die Fahrt übers Mittelmeer zu wagen. Bislang kämen die Flüchtlinge dort vor allem aus Eritrea, Nigeria und Somalia. Die Zahl der Migranten aus der Kriegsregion in Syrien steige jedoch.


Aus: "Mittelmeer: Mehr als 100.000 Bootsflüchtlinge seit Jahresbeginn" (23. Februar 2016)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-02/fluechtlinge-mittelmeer-iom-europa-2016


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[Während Politik und Medien... ]
« Reply #216 on: February 25, 2016, 08:52:16 PM »
Quote
[...] Ungarns Regierungschef Orban gilt unter den osteuropäischen EU-Mitgliedern als treibende Kraft hinter dem Plan, die mazedonisch-griechische Grenze komplett abzuriegeln und damit Griechenland faktisch mit dem Flüchtlingsproblem alleinzulassen. Damit ist er auf europäischer Bühne in der Flüchtlingspolitik gewissermaßen der Gegenspieler von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die einen anderen Ansatz verfolgt. Merkel setzt darauf, dass die Türkei die Flüchtlinge hindert, an der Ägäisküste nach Griechenland überzusetzen. ...


Aus: "Viktor Orban und das Abschottungs-Dilemma" Albrecht Meier (22.02.2016)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/fluechtlingskrise-in-ungarn-viktor-orban-und-das-abschottungs-dilemma/12999162.html

---

Quote
[...] In der Flüchtlingskrise schafft Südosteuropa Fakten: Nachdem Österreich, Slowenien und Serbien die Ein- und Durchreise für Flüchtlinge erschwert haben, hat nun auch Mazedonien seine Grenze zu Griechenland für alle geschlossen, die keine syrischen oder irakischen Pässe vorweisen können. Das Ergebnis: Rund 10.000 Migranten sitzen in Griechenland in der Falle – allein in den 24 Stunden bis Dienstagmittag kamen 5000 hinzu. ...


Aus: "In der Flüchtlingskrise ist Plan B längst in Kraft"  Boris Kálnoky (23.02.2016)
Quelle: http://www.welt.de/politik/ausland/article152578136/In-der-Fluechtlingskrise-ist-Plan-B-laengst-in-Kraft.html

---

Quote
[...]  Der oberste Flüchtlingshelfer der Welt stand mitten im Zentrum der Krise. Anfang der Woche besuchte Filippo Grandi, Hoher Kommissar des UNHCR, das Grab eines siebenjährigen Kindes, das auf der Insel Lesbos beerdigt wurde: ein schmuckloser Marmorstein mit dem Namen Jafar Mosavi, daneben verdorrte Blumen und ein lächelnder Plüschteddy. Jafar war auf der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland ertrunken.

"Ich bin sehr besorgt darüber, dass die Grenzen auf der Balkanroute sich schließen", sagte Grandi nach seinem Besuch auf dem Friedhof. Kurz zuvor hatte sich die Nachricht verbreitet, an der Nordgrenze Griechenlands würden kaum mehr Menschen durchgelassen. Das werde "noch mehr Chaos und Verwirrung schaffen" und die Bürde für Griechenland erhöhen, sagte der UN-Kommissar. Dabei trage das Land schon viel Verantwortung, indem es die Ankommenden versorge und unterbringe.

Seine Worte stehen im Kontrast zu den Vorwürfen, die sich die griechische Regierung nicht mehr nur von den Ländern weiter nördlich auf der Balkanroute anhören muss. Auch die eigene Bevölkerung und die Medien in Griechenland werden wegen der vielen Flüchtlinge, die täglich kommen, zunehmend nervös. Am Mittwochabend holte Ministerpräsident Alexis Tsipras zum Konter aus und drohte der EU: Er werde solange durch sein Veto politische Beschlüsse blockieren, bis die gleichmäßige Verteilung von Geflüchteten auf die EU-Mitgliedstaaten umgesetzt werde.

 Griechenland akzeptiere nicht, dass es Staaten gebe, die einerseits keinen einzigen Migranten aufnehmen, aber andererseits Zäune bauten. Tsipras nannte es eine "Schande", dass Österreich und weitere Länder der Westbalkanstaaten am Mittwoch in Wien eine Konferenz zur Asylpolitik abgehalten haben – außerhalb des EU-Rahmens und ohne griechische Beteiligung.

Trotzdem sieht die griechische Presse auch eine Verantwortung bei der eigenen Regierung. Die Athener Zeitung To Vima beschuldigt Tsipras, das Flüchtlingschaos selbst verursacht zu haben. Er habe viel zu spät auf die Situation reagiert und das Problem durch die Grenzöffnung nach Norden einfach verschoben. "Griechenland läuft Gefahr, zu einem Depot der Seelen zu werden", kommentierte die Zeitung. Die Regierung habe es versäumt, frühzeitig Verbündete in dieser Krise zu finden. Deshalb werde Griechenland jetzt von der EU erneut isoliert.

 Während Politik und Medien darüber streiten, wer an der Krise Schuld ist und ob sich die Seegrenze zur Türkei effektiv abriegeln lässt, versuchen das Militär und die kommunale Verwaltung, die Flüchtlinge überall im Land unterzubringen. Allein am Mittwochmorgen erreichten 1.700 registrierte Migranten auf Fähren den Hafen in Piräus. Jetzt harren sie in einem Gebäude auf dem Hafengelände aus. Man lässt sie nicht weiter nach Norden reisen, um das Chaos an der Grenze nicht noch zu vergrößern. Derweil warten auf Lesbos noch einmal 2.500 Menschen darauf, auf das Festland übersetzen zu können.

Die Auffanglager sind im ganzen Land überfüllt. In dem neu aufgebauten Verteilungszentrum Schisto bei Athen können kaum mehr Menschen aufgenommen werden. Etwa 40 Busse erreichten am Mittwoch das Auffanglager Diavata nahe der nördlichen Metropole Thessaloniki. Die Menschen hatten zuvor an der Grenze zu Mazedonien ausgeharrt, bis die Polizei das notdürftige Zeltlager Anfang der Woche auflöste.

Auf der Autobahn zwischen Athen und Thessaloniki strandeten weitere 1.200 Menschen. Ihre Busse fuhren nicht mehr weiter, nachdem bekannt wurde, dass die Grenze geschlossen sei. Griechische Medien berichteten, dass etwa die Hälfte der Menschen, unter ihnen viele Kinder, nun zu Fuß aufgebrochen sei, um die 450 Kilometer lange Strecke bis nach Mazedonien zu gehen.

 Auf den Inseln kommen weiterhin Schlauchboote aus der Türkei an. Die Regierung rechnet deshalb mit noch mehr Flüchtlingen. Derzeit hielten sich etwa 12.000 Menschen im Land auf, die ihren Weg Richtung Westeuropa nicht fortsetzen könnten, sagte der griechische Migrationsminister Ioannis Mouzalas. In den nächsten Tagen könnten es schon 14.000 oder 16.000 sein. Die Regierung suche Orte, um bis Ende der Woche weitere Notlager errichten zu können, und verhandele mit den Bürgermeistern überall im Land.

Die griechische Bevölkerung steht ähnlich wie die deutsche der Flüchtlingskrise gespalten gegenüber. Ein Unterschied ist allerdings, dass die beiden Länder in ihrer wirtschaftlichen Situation nicht weiter auseinanderliegen könnten: Griechenland entging 2015 knapp einer Rezession und hat die vergangenen sechs Jahre 25 Prozent seiner Wirtschaftsleistung verloren. Deutschland hingegen geht es so gut wie lange nicht.

Bisher haben sich Proteste gegen Aufnahmelager jedoch in Grenzen gehalten. In Diavata bei Thessaloniki demonstrierten Anwohner gegen die Großunterkunft. Jetzt fordern sie nur noch, dass eine zusätzliche Polizeiwache in dem Ort eingerichtet wird. Auf der Insel Kos verzögern allerdings Bürger schon seit Wochen den Bau eines Registrierungszentrums. Sie fürchten um ihre wichtigste Einnahmequelle: den Tourismus. Und niemand kann absehen, wie sich die Stimmung in einer Bevölkerung mit 25 Prozent Arbeitslosigkeit entwickelt, wenn schon in wenigen Tagen überall im Land Tausende Flüchtlinge festsitzen.


Aus: "Endstation Griechenland" Zacharias Zacharakis (25. Februar 2016)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-02/fluechtlinge-griechenland-grenze-mazedonien-lesbos

« Last Edit: February 25, 2016, 09:02:53 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Der Bundestag hat am Donnerstag... ]
« Reply #217 on: February 25, 2016, 08:57:10 PM »
Quote
[...] Der Bundestag hat am Donnerstag das umstrittene Asylpaket verabschiedet. In namentlicher Abstimmung votierten 429 Abgeordnete für die Gesetzesänderungen, die unter anderem schnellere Verfahren für Asylbewerber mit geringer Bleibeperspektive und eine Aussetzung des Familiennachzuges für Flüchtlinge mit dem untergeordneten subsidiären Schutz vorsehen. 147 Parlamentarier stimmten dagegen.

Es ist das zweite Gesetzespaket mit Verschärfungen im Asylrecht innerhalb von vier Monaten. Die große Koalition will damit eine Reduzierung der Flüchtlingszahlen erreichen. Das zweite Asylpaket enthält auch niedrigere Hürden bei der Abschiebung Kranker und eine Eigenbeteiligung von Flüchtlingen an den Kosten für Integrationskurse. Die Asylbewerberleistungen sollen dafür pauschal um zehn Euro gekürzt werden.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD) hat das Asylpaket II gegen die Kritik der Opposition verteidigt. Die umstrittene Aussetzung des Familiennachzuges betreffe nur eine „kleine Gruppe“ von Flüchtlingen mit ungesichertem Aufenthalt, sagte die stellvertretende SPD-Vorsitzende am Donnerstag in der abschließenden Debatte des Bundestages zu dem Gesetzespaket.

Özoguz verwies darauf, dass im vergangenen Jahr lediglich 1700 Flüchtlinge in Deutschland den eingeschränkten subisidiären Schutz erhalten hätten, für die die Aussetzung des Familiennachzuges gilt. Zudem laufe die Regelung nach zwei Jahren aus, es werde an der Rechtslage nichts Grundsätzliches geändert.

Demgegenüber kritisierte die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt die Aussetzung des Familiennachzuges als „unverantwortlich und schäbig“. „Sie trennen Familien“, warf sie der Bundesregierung vor. Unbegleitete Minderjährige, für die die Aussetzung auch gilt, würden der Willkür der Behörden ausgesetzt. Göring-Eckardt kritisierte zudem das langwierige Hin und Her der großen Koalition beim Asylpaket II. „Das ist nicht Maß und Mitte, das ist Panik und Chaos.“

„Innerhalb von fünf Tagen werden Gesetze durchgepeitscht", kritisierte auch die Linken-Innenexpertin Ulla Jelpke das beschleunigte Verfahren im Parlament. Der großen Koalition gehe es nur noch darum, wie sie Menschen, die sie loswerden wolle, möglichst schnell abschieben könne. „Das ist nur noch unerträglich und ekelhaft“, sagte Jelpke zur Politik der Bundesregierung.

Beschlossen wurde vom Bundestag am Donnerstag auch ein Gesetz, das Ausweisungen straffällig gewordener Ausländer erleichtert. Künftig kann dafür eine Bewährungsstrafe ausreichen. Dies gilt auch für die Grenze, ab
der einem Asylbewerber die Anerkennung als Flüchtling verweigert werden kann. Das Gesetz, dass das erst zum Jahresanfang in kraft getretene neue Ausweisungsrecht bereits wieder ändert, war eine Reaktion auf die
Straftaten in der Silvesternacht in Köln.

Das sind die Kernpunkte des Asylpakets II

Im November vergangenen Jahres hat sich die große Koalition auf den Rahmen für ein zweites Asyl-Paket geeinigt. Was folgte, war ein wochenlanger Streit zwischen Union und SPD. Größter Streitpunkt waren die Ausweisung krimineller Ausländer und díe Einschränkung des Familiennachzuges.

    Asylschnellverfahren: In der Debatte war zunächst von „Transitzonen“ die Rede, die Koalitionäre einigten sich im November 2015 auf spezielle „Aufnahmeeinrichtungen“. Danach sollen nun bestimmte Flüchtlingsgruppen – unter anderem Asylbewerber aus „sicheren Herkunftsstaaten“ – in neu geschaffenen Einrichtungen untergebracht werden, wo ihre Asylanträge im Schnellverfahren abgearbeitet werden.
    Strenge Residenzpflicht: Während ihres Aufenthalts in den neu geschaffenen Unterkünften dürfen die Flüchtlinge (aus sogenannten sicheren Herkunftsstaaten) den Bezirk der Ausländerbehörde, in der ihre Aufnahmeeinrichtung liegt, nicht verlassen. Tun sie das doch, werden Leistungen gestrichen, ihr Asylverfahren ruht.
    Begrenztes Aussetzen des Familiennachzug: Für den Zeitraum von zwei Jahren soll es Menschen, die lediglich „subsidiären Schutz“ in Deutschland haben, nicht erlaubt sein, ihre Familie nach Deutschland zu holen. Die Regelung gilt für jene, die sich nicht auf das Grundrecht auf Asyl berufen können und auch keinen Schutzstatus nach der Genfer Flüchtlingskonvention genießen, aber dennoch nicht heimgeschickt werden, weil ihnen dort zum Beispiel Folter oder Todesstrafe drohen.
    Einschränkung mit Einschränkung: Über einen Umweg sollen aber auch „subsidiär Geschützte“, vor allem aus Syrien, Angehörige nachholen können: Ihre Partner oder Kinder, die noch in Flüchtlingscamps in der Türkei, Jordanien und dem Libanon sind, sollen vorrangig mit Kontingenten nach Deutschland geholt werden. Solche Kontingente müssen aber noch auf EU-Ebene mit diesen Ländern vereinbart werden.
    Flüchtlinge beteiligen sich an Kosten: Wer als Asylbewerber Zugang zu Integrationskursen bekommt, soll einen Teil der Kosten dafür – zehn Euro monatlich – selbst tragen.
    Erleichterte Abschiebungen: Auch wenn leichte Erkrankungen vorliegen, soll es den Behörden ermöglicht werden, Asylbewerber leichter abzuschieben. Nur schwere Erkrankungen sind ein Hinderungsgrund. Auch bei der Beschaffung von Papieren für abgelehnte Asylbewerber will der Bund mehr tun. Abschiebungen scheitern bislang oft an fehlenden Ausweisdokumenten.


Aus: "Flüchtlingspolitik: Bundestag beschließt Verschärfung der Asylgesetze" (25.02.2016)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/fluechtlingspolitik-bundestag-beschliesst-asylpaket-ii-14089915.html


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[Fortress Europe (wenn du zum Flüchtling wirst)... ]
« Reply #218 on: March 01, 2016, 12:40:41 PM »
Quote
[...] Washington/Athen/Wien – Die Regierung in Athen rechnet damit, dass wegen der Schließung seiner Grenze zu Mazedonien in den kommenden Tagen mehr als 100.000 Migranten in Griechenland festsitzen könnten. Aus diesem Grund habe die Regierung ein EU-Hilfspaket in Höhe von 470 Millionen Euro beantragt, berichtete der griechische Fernsehsender ANT1 am Dienstag. Auch andere Medien nannten diesen Betrag. Der Plan sehe vor, dass etwa 50.000 Menschen in Aufnahmelagern und weitere 50.000 in einfachen Hotels untergebracht werden sollen. Es würden insgesamt 8.200 Polizisten und zivile Mitarbeiter benötigt, um die Flüchtlinge zu registrieren und für Verpflegung, Gesundheit und Sicherheit zu sorgen, hieß es.

Deutschland sieht sich durch die gewaltsamen Vorfälle an der geschlossenen mazedonisch-griechischen Grenze in seiner Flüchtlingspolitik bestätigt. "Die Bilder sind ein Beleg dafür, dass man versuchen kann, eigene nationale Wege zu finden, aber dass sie nicht zur Lösung führen", sagte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Montagabend in Washington am Rande eines Treffens mit US-Außenminister John Kerry. Jetzt müsse "mit noch mehr Ehrgeiz nach gemeinsamen europäischen Lösungen" gesucht werden. "Ich hoffe, dass wir am 7. März ein Stück weitergekommen sind." Am Montag nächster Woche findet in Brüssel der nächste Sondergipfel zur Flüchtlingskrise zwischen Europäischer Union und Türkei statt. Vor dem Sondergipfel unternimmt EU-Ratspräsident Donald Tusk ab Dienstag eine mehrtägige Vermittlungsmission durch Länder entlang der Balkanroute und will mit sieben Staats- und Regierungschefs sprechen. Erste Station ist am Mittag Wien, wo Tusk mit Bundeskanzler Werner Faymann zusammentrifft. Noch am selben Tag folgt ein Treffen mit Sloweniens Regierungschef Miro Cerar in Ljubljana. Am Donnerstagnachmittag wird Tusk in der türkischen Hauptstadt Ankara eintreffen und Gespräche mit Regierungschef Ahmet Davutoglu führen. Am Freitag folgt demnach in Istanbul ein Treffen mit Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.

An der griechisch-mazedonischen Grenze hatten hunderte Migranten versucht, den Sperrzaun zu stürmen und in das Nachbarland durchzubrechen. Die mazedonischen Grenzpolizisten setzten daraufhin massiv Tränengas ein. Skopje lässt täglich nur noch etwa 300 Flüchtlinge einreisen, während zugleich mehr als 2.000 Migranten täglich aus der Türkei nach Griechenland kommen. Bis Dienstagfrüh stieg deshalb die Zahl der ausharrenden Menschen laut Medienberichten auf mehr als 8.000. Diejenigen, die keinen Platz in dem Aufnahmezentrum finden, haben mittlerweile ihre Zelte auf teils überschwemmten Feldern aufgeschlagen, etwa 250 Neuankömmlinge mussten laut einem Reporter des serbischen Senders RTS die Nacht überhaupt unter freiem Himmel verbringen. Insgesamt 1.272 Personen wurden innerhalb von 48 Stunden von der griechischen Küstenwache und Frontex-Patrouillenbooten aus den Fluten der Ägäis gerettet.

Der mazedonische Präsident Djordje Ivanov verteidigte das Vorgehen seines Landes. "Wir haben unsere eigenen Entscheidungen getroffen. In Zeiten der Krise muss jedes Land seine eigenen Lösungen finden", sagte Ivanov am Montag "Spiegel Online". Wenn sein Land auf EU-Vorgaben gewartet hätte, "wäre Mazedonien mit Flüchtlingen überschwemmt worden". Auf Anraten Österreichs hat Mazedonien ebenso wie andere Staaten entlang der Balkanroute Tageshöchstgrenzen für die Einreise von Flüchtlingen eingeführt. Die Westbalkanstaaten folgten damit den seit 20. Februar geltenden österreichischen Kontingenten (80 Asylanträge an der Südgrenze, 3.200 Durchreisen nach Deutschland), die von der EU-Kommission als europa- und völkerrechtswidrig eingestuft werden. Ivanov sagte, dass Mazedonien seine Grenze völlig dichtmachen werde, sobald Österreich seine Obergrenze von 37.500 Asylanträgen für heuer erreicht habe. "Immer wenn ein Land weiter nördlich seine Grenze schließt, machen wir hier dasselbe." Zugleich betonte er: "Geschlossene Grenzen liegen sicher nicht in unserem Interesse."

Aus Athen kamen unterdessen wieder etwas versöhnlichere Töne in Richtung Wien. "Wir sind Partner, nicht Gegner", sagte der griechische Außenminister Nikos Kotzias im "ZiB 2"-Interview. "Wir haben nicht die besten Zeiten – aber nach jedem Winter kommt auch wieder ein Sommer", fügte er hinzu. Er bekräftigte die Kritik am Vorgehen Österreichs, das sich mit den Westbalkanstaaten auf eine Abriegelung der Grenze zu Griechenland verständigt hatte. "Man kann nicht über unsere Grenze diskutieren, ohne uns dabeizuhaben", sagte Kotzias. Sein Regierungschef Alexis Tsipras sagte indessen, er wolle keinem EU-Beschluss zustimmen, der nicht die gleichmäßige Verteilung von Flüchtlingen in allen EU-Staaten vorsieht. Das gelte auch für den EU-Türkei-Gipfel kommende Woche, bekräftigte Tsipras Dienstagfrüh in einem Interview des griechischen Fernsehsenders Star.

Die EU-Kommission bereitet in der Flüchtlingskrise Notfallpläne für Griechenland und andere Länder auf der Balkanroute vor. Zu den geplanten Schritten gehörten die Verstärkung von Aufnahmekapazitäten oder die Kontrolle von Grenzen, sagte eine Sprecherin der Behörde am Montag in Brüssel. Laut dem "Wall Street Journal" ist auch Nothilfe im Umfang von 700 Millionen Euro für die kommenden drei Jahre geplant. (APA, 1.3.2016)


Aus: "Griechenland beantragt EU-Hilfe in Millionenhöhe" (1. März 2016)
Quelle: http://derstandard.at/2000032025612/Athen-beantragt-EU-Hilfen-in-Millionenhoehe


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« Reply #219 on: March 01, 2016, 12:47:53 PM »
Quote
[...] (dpa) Mit einem Grossaufgebot der Polizei haben die französischen Behörden damit begonnen, einen Teil des Flüchtlingslagers von Calais zu räumen. Arbeiter rissen am Montag im südlichen Teil des sogenannten «Dschungels» zahlreiche von den Flüchtlingen errichtete Hütten ab.

Dabei kam es zu Zusammenstössen zwischen Flüchtlingen, Aktivisten und der Polizei. Calais ist schon seit geraumer Zeit einer der Brennpunkte der Flüchtlingskrise in Europa.

Die Polizei war mit mehr als 30 Einsatzfahrzeugen vor Ort, um die Abrissarbeiten abzusichern, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Rund 20 Mitarbeiter einer Baufirma rissen die leeren Hütten und Zelte ab und entsorgten das Baumaterial in Containern.

... Die zuletzt dort lebenden Flüchtlinge - die Behörden sprechen von bis zu tausend, Hilfsorganisationen dagegen von rund 3500 - sollen grösstenteils in Aufnahmezentren in anderen Landesteilen gebracht werden.

Viele Flüchtlinge wollen Calais aber nicht verlassen: Sie hoffen, von dort aus mit Fähren über den Ärmelkanal oder durch den Eurotunnel nach Grossbritannien zu gelangen. Sie versprechen sich dort bessere Chancen und beantragen deswegen kein Asyl in Frankreich.

Am Montag versuchten zahlreiche Behördenmitarbeiter erneut, Flüchtlinge davon zu überzeugen, sich in Aufnahmezentren in anderen Regionen Frankreichs bringen zu lassen. Die zahlreichen Polizisten vor Ort sollten auch deren Arbeit schützen, sagte Präfektin Fabienne Buccio der AFP. Vergangene Woche hätten No-Border-Aktivisten die Behördenmitarbeiter «angegriffen und beleidigt».

Im gesamten Flüchtlingslager von Calais harren je nach Quelle 3700 bis 7000 Flüchtlinge aus. Das Lager ist den Behörden schon länger ein Dorn im Auge. Längerfristig wollen die Behörden alle Flüchtlinge in festen Unterkünften unterbringen.

...


Aus: "Illegales Flüchtlingslager: Widerstand bei Räumung in Calais" (29.2.2016)
Quelle: http://www.nzz.ch/international/europa/frankreich-beginnt-mit-raeumung-des-dschungel-bei-calais-1.18703549

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Quote
[...] Sie wollen bleiben: Bewohner des Flüchtlingslagers im französischen Calais protestierten am Montagnachmittag zunächst friedlich gegen den Abriss der Hütten. Später setzten sie Baracken in Brand und bewarfen Polizisten mit Steinen. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Erst gegen Abend beruhigte sich die Situation. Auch am zweiten Tag des Abrisses weigern sich Flüchtlinge, den "Dschungel" zu verlassen. Die Räumung könnte mehrere Wochen dauern.


Aus: "Calais: Der Dschungel brennt" (1. März 2016)
http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-03/calais-fluechtlingslager-polizei-raeumung-jungle-protest-fs

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[Die geplante Übereinkunft... ]
« Reply #220 on: March 10, 2016, 04:41:27 PM »
Quote
[...] Der Uno-Menschenrechtskommissar, Prinz Said Raad al-Hussein, hat die Europäische Union aufgefordert, das geplante Flüchtlingsabkommen mit der Türkei zu überdenken. "Internationale Garantien für den Schutz der Menschenrechte dürfen nicht umgangen oder verwässert werden", sagte Said vor dem Menschenrechtsrat der Uno in Genf.

Die geplante Übereinkunft von EU und Türkei sieht vor, dass Ankara Tausende Flüchtlinge, die aus EU-Sicht illegal in die einreisen, zurücknimmt. Im Gegenzug soll für jeden zurückgesendeten Menschen ein syrischer Bürgerkriegsflüchtling in der EU aufgenommen werden.

Die Vereinbarung, die beim EU-Gipfel am 17. und 18. März besiegelt werden soll, könnte nach Einschätzung des Uno-Hochkommissars zu "kollektiven und willkürlichen Ausweisungen führen, die illegal sind". Er werde seine Bedenken Anfang kommender Woche bei einem Besuch der EU-Kommission in Brüssel vortragen.

Anstelle humanitärer Hilfsbereitschaft, wie sie Deutschland im vergangenen Jahr demonstriert habe, gebe es nun einen "Wettlauf der Zurückweisung", so Said. Die Schließung der Grenzen für Flüchtlinge und Restriktionen, die keine individuelle Prüfung von Fluchtgründen mehr ermöglichten, seien jedoch Verstöße gegen internationales sowie europäisches Recht.

Am Mittwoch hatte es bereits im Europaparlament teils heftige Kritik an dem geplanten Flüchtlingspakt gegeben. Auch hier kamen die drohenden Massenabschiebungen zur Sprache, kritisiert wurde außerdem die beschnittene Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei.

Mehrere konservative Parlamentarier kritisierten die umfangreichen Gegenleistungen für Ankara. Die Regierung soll weitere drei Milliarden Euro zu den bereits gewährten drei Milliarden Euro für Flüchtlingshilfe erhalten, Visa-Erleichterungen für türkische Bürger sollen früher kommen als bislang geplant.

cht/dpa/Reuters


Aus: "Menschenrechte: Uno nennt Türkei-EU-Deal zu Flüchtlingen "illegal"" (10.03.2016)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/fluechtlinge-uno-nennt-tuerkei-eu-deal-illegal-a-1081665.html


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[Fortress Europe (wenn du zum Flüchtling wirst)... ]
« Reply #221 on: March 21, 2016, 10:11:52 AM »
Quote
[...] Wenn sie Freunden erklärt, wie es in einer Notunterkunft für Flüchtlinge aussieht, zieht Nina Wepler meist den Vergleich zu einer Skifreizeit. „Da wohnen dann auch ganz viele junge Männer in einem großen Schlafsaal. Nur ist der Schnee mittlerweile geschmolzen, und auch der Spaß ist weg.“ Wepler ist Sozialwissenschaftlerin und arbeitet in der Notunterkunft in der Treskowallee. Sie weiß, dass der Vergleich nicht ganz trifft, dass aber vieles, wie es hier ist, in kein richtiges Beschreibungsmuster passt.

Fady, einer der Bewohner, spricht nicht von Skifreizeiten, wenn er sein Leben hier beschreibt. „Jede Nacht sterbe ich hier“, sagt er und tippt sich dabei an die Schläfe, um zu verdeutlichen, dass das in seinem Kopf geschieht. Denn dann beginnt die Angst um seine Familie. Fady ist aus Syrien geflüchtet, ohne seine Familie. Die wollte er nachholen, aber dann hat die Bundesregierung den Familiennachzug ausgesetzt.

Er starrt dauernd auf sein Smartphone. Immer schwingt da die Angst mit, heute eine schlechte Nachricht zu bekommen; oder womöglich gar keine. Seine Familie, das sind seine Frau und seine beiden Töchter, sechs und drei Jahre alt. Stolz zeigt er Bilder von ihnen. Alles sieht aus wie ein gewöhnliches Familienfoto, alle lachen, die Sonne auch. Nur ist der Balkon, auf dem alle stehen, übersät mit Einschusslöchern, manche so groß wie Fußbälle.

Fady ist einer von rund 180 Flüchtlingen, die in der Turnhalle in der Treskowallee leben. Als er hier ankam, lagen nur ein paar Matratzen auf dem Hallenboden, es gab nicht einmal den Anschein von Privatsphäre. Jetzt haben sie mit Wäscheleinen und Betttüchern so etwas wie Kabinen geschaffen, die sich je eine Handvoll Flüchtlinge teilen. Auf dem Boden liegen müssen sie nicht mehr, es gibt jetzt Etagenbetten. Platz für Habseligkeiten bleibt kaum. Wer unten schläft, kann ein bisschen was unter dem Bett verstauen.

Nerviger noch als die Enge sei aber die Nacht, sagen hier fast alle. „Nach 24 Uhr ist die schlimmste Zeit“, sagt Majd. Die große Hallenbeleuchtung ist dann ausgeschaltet, aber ein Rest Licht bleibt immer an. Von 23 bis 7 Uhr herrscht Nachtruhe, aber an Schlaf ist nicht zu denken. „Vor 4 oder 5 Uhr morgens wird es hier nicht ruhig“, berichtet Majd. Mehr als drei Stunden Schlaf seien kaum möglich. Irgendwer redet immer laut, manche hören Musik. Und selbst wenn das nicht wäre – dem nervtötenden Summen der Lüftung entkommt keiner. Schaltete man sie dauerhaft aus, würde die Halle aber in kürzester Zeit riechen wie ein Pumakäfig und abkühlen wie ein Eisbärgehege.

Deshalb versuchen viele, nicht mehr Zeit als nötig in dem Gebäude zu verbringen. Manche verbringen ihre Tage in einer schieren Endlosschleife aus Behördengängen, andere suchen sich Beschäftigung. Majd verbringt viel Zeit im Lesezimmer, meist mit seinem Laptop. Der 27-Jährige hat in Syrien Ökonomie studiert, wollte seinen Master machen. Der Krieg hat das verhindert. Wenn Maid nicht gerade irgendetwas lernt oder jemandem etwas beibringt, arbeitet er als eine Art Reporter und sammelt alles, was er über den Krieg in Syrien finden kann. Außerdem kann er sein Studium an der benachbarten Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) fortsetzen, dort assistiert er einem der Professoren.

Nicht alle in der Unterkunft haben solche Ambitionen. „Manche liegen den ganzen Tag nur rum, stören die anderen oder verbreiten schlechte Laune. Andere rauchen in der Halle oder kommen abends betrunken zurück“, sagt Khowaja aus Pakistan. Jeder hier habe sein eigenes Naturell, das könne schon mal zu Spannungen führen. Dem versuchen die Mitarbeiter, so sagt Nina Wepler, ein respektvolles und freundliches Miteinander entgegenzusetzen.

Ohne Wachleute geht das aber nicht; jederzeit stehen acht Securitys bereit. Jedoch: Nicht immer sind sie die Lösung des Problems, manchmal sind sie das Problem selbst. So wie am Abend des 25. Februar. Da hatte einer der Bewohner, ein Iraner, aufgeregt berichtet, er sei von den Sicherheitsleuten geschlagen worden. Unterkunftsleiter Christoph Wiedemann versuchte zu schlichten, aber die Situation schaukelte sich auf. Die Lage eskalierte, einer der Securitys warf Wiedemann einen großen Metallaschenbecher an den Hinterkopf. Der Getroffene krachte bewusstlos mit dem Gesicht auf den Boden, kam mit mehreren Frakturen ins Krankenhaus.

Der Wachdienst ist mittlerweile ausgetauscht. Die meisten Bewohner und Mitarbeiter sind froh darüber, aber auch sie wissen: Die Probleme sind nicht gelöst. „Wir behandeln hier ja nur Symptome“, klagt Wiedemann. Die größte Zumutung im Camp, das fast alle als Ghetto bezeichnen, sei das Camp selbst. „Als ich nach Deutschland kam, wurde mir gesagt, ich müsse mich etwa einen Monat auf eine solche Notunterkunft einstellen“, sagt Khowaja. „Aber hier läuft alles so langsam.“ Er lebt jetzt seit vier Monaten in einer Turnhalle.

Quote
  romia, 20.03.2016 16:44 Uhr

Flüchtling im eigenen Land
Es hat 6 Jahre gebraucht von (1957-1963) biss ich mit den Eltern und Bruder in eine 2 Zimmerwohnung ziehen konnte , in den diversen Massenunterkünften ,die ich auch erleben durfte kam jeden Tag die Polizei zum Schlichten von Streitereien, Schlägereien ,Diebstählen und sozialen Ausgrenzungen und Suizide mussten wir erleben es mussten die 3 Westmächte und der Senat von Berlin befinden als Flüchtling anerkannt zu werden.
Von den Begleiterscheinungen ganz ähnlich, ich mahne an mehr Geduld und Gelassenheit es kommen immer noch viele umso länger dauert es.


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    whisper
    20.03.2016 16:07 Uhr

das leben in flüchtlingsunterkünften...
...ist nicht angenehm.... aber man lebt erst einmal in einer umgebung ohne krieg....und auf dieser basis sind schwierigkeiten doch irgendwie zu ertragen....wer vom paradies träumt sieht eben die realität nicht und das ist der erste schritt sich mit ihr zu befassen und sie auch zu akzeptieren....

aus meiner kindheit in den jahren nach 1946, selbst vertiebener als kleinkind kenne ich das noch sehr genau, burgen als flüchtlingslager ohne heizung , ohne hygiene rämlichkeite, in grossen sälen eingepfercht in mit decken abgegrensten abteilen, stockbetten, keine wohnungen anderweitig, aufenthaltszuweisung, und grosse ungewissheit was die zukunft bringen wird, soziale ausgrenzung auch.... verglichen mit heute eine ungleich schwierigere situation... und heute in den nachrichten hiess es im umland, thüringen, meckpom, sachsen, sachsenanhalt, überall heimbelegung von 14% bis 50% nur, also viel freier raum gegeben....
da sollte man doch sozusagen luft schaffen....können


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Locarno, 20.03.2016 18:36 Uhr

Antwort auf whisper vom 20.03.2016 16:07 Uhr

Ein Grund ist auch, dass sehr viele nur nach Berlin wollen. Mir haben Zuwanderer erklärt, dass es auf dem land zu eintönig sei. Wer kann, haut schnell ab. Deshalb sind die Hallen in Berlin voll und in Sachsen nur halb. Es wird in Berlin noch viel schlimmer werden mit der Überfüllung der Plätze, falls keine Zuzugssperre kommt. Der Königsteiner Schlüssel ist völliger Quatsch. Er schiebt die Leute dahin, wo die meisten Leute leben, statt dahin wo es am Menschenleersten ist. Es gibt riesige Liegenschaften mit Gebäuden im Besitz des Staates und großer Körperschaften in anderen Ländern, die genutzt werden könnten. Bei der Wohnungsnot in Berlin, die schon war, bevor letztes Jahr die Welle der neuerlichen Zuwanderer kam, sehe ich kaum eine Chance für die hiesigen Zuwanderer in absehbarer Zeit.


...


Aus: "Notunterkünfte in Berlin Für viele Flüchtlinge ist an Schlaf kaum zu denken" (20.03.2016)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/notunterkuenfte-in-berlin-fuer-viele-fluechtlinge-ist-an-schlaf-kaum-zu-denken/13330562.html

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[Im vergangenen Jahr sind... ]
« Reply #222 on: March 23, 2016, 09:02:16 AM »
Quote
[...] Im vergangenen Jahr sind knapp zwei Millionen Flüchtlinge und andere Zuwanderer nach Deutschland gekommen. Gleichzeitig zogen rund 860.000 Ausländer wieder fort, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Damit lag der Wanderungssaldo, also die Differenz zwischen Zu- und Fortzügen, bei 1,14 Millionen.

Das ist der höchste jemals gemessene Wanderungsüberschuss von Ausländern in der Geschichte der Bundesrepublik. Als Grund nannten die Statistiker auch den starken Zuwachs an Flüchtenden.

Im Jahr 2014 hatte es noch 1,343 Millionen Zuzüge und 766.000 Fortzüge gegeben, woraus sich ein Wanderungssaldo von 577.000 Ausländer ergeben hatte. Somit ist die Zahl der Zuzüge im Jahr 2015 schätzungsweise um rund 49 Prozent gestiegen, während die Zahl der Fortzüge lediglich um zwölf Prozent zugenommen hat. Der Wanderungssaldo hat sich 2015 somit fast verdoppelt.

Gleichzeitig hat auch eine strukturelle Änderung in der Zuwanderung stattgefunden. In den letzten Jahren bis 2014 war die Zunahme der Migration zum großen Teil durch die Zuwanderung aus anderen EU-Ländern bestimmt und mit einem hohen Anteil an vorübergehenden Aufenthalten verbunden. Diese Entwicklung wird nun von der Flüchtlingskrise überlagert.

Die Zahl der bis zum 31.12.2015 im Ausländerzentralregister (AZR) registrierten Ausländer hat sich im Jahr 2015 von 8,15 auf 9,11 Millionen erhöht; das ist ein Anstieg um 955.000 Personen oder knapp zwölf Prozent.

Quote
Erkos
#1  —  vor 1 Tag 6

Sicher, ohne die puren Zahlen geht es nicht. Es klingt trotzdem nicht schön. Hinter jeder Zahl steht ein Schicksal. Und das wird im wesentlichen von anderen bestimmt.


...


Aus: "Statistisches Bundesamt : Knapp zwei Millionen Zuwanderer in 2015" (21. März 2016)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-03/statistisches-bundesamt-migration-deutschland-abwanderung-zuwanderung

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[Dienstag... ]
« Reply #223 on: May 25, 2016, 03:04:10 PM »
Quote
[...] Internationale Rettungskräfte haben am Dienstag erneut etwa 3.000 Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet. Die Menschen seien bei insgesamt 23 Einsätzen von Schiffen der italienischen Küstenwache, der EU-Militäroperation in der Region und einer Hilfsorganisation in Sicherheit gebracht worden, teilten die italienischen Behörden mit.

Die Flüchtlinge waren in Booten aus Nordafrika in Richtung Italien unterwegs. Insgesamt steigt die Zahl der in dieser Woche geretteten Menschen damit auf 5.600.
Vor allem im Frühling und Sommer wagen zahlreiche Menschen in teils seeuntüchtigen Schlauchbooten die gefährliche Überfahrt. Bislang gibt es aber nach Angaben der italienischen Behörden noch keine Hinweise darauf, dass Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und Afghanistan nach dem Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei auf die Route über Libyen umschwenken. Die meisten der seit Jahresbeginn übers Mittelmeer nach Italien gekommenen Menschen stammen demnach aus Ländern südlich der Sahara.


Aus: "Mittelmeer: Italienische Küstenwache rettet 3.000 Flüchtlinge" (25. Mai 2016)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-05/mittelmeer-fluechtlinge-italien-rettung


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[Fortress Europe (wenn du zum Flüchtling wirst)... ]
« Reply #224 on: September 07, 2016, 03:07:35 PM »
Quote
[....] Britischen Grenzschützern zufolge versuchten 2015 gut 84.000 Migranten, in Lastwagen oder zu Fuß durch den Eurotunnel unter dem Ärmelkanal nach England zu gelangen. Häufig scheitert der Versuch. Immer wieder endet das Vorhaben tödlich, wenn die Menschen von Lastwagen stürzen oder unter die Fahrzeuge geraten.

Großbritannien will nun die Sicherung der Tunneleinfahrt im Hafen der französischen Stadt Calais massiv verstärken - und dafür auch die Kosten für den Bau einer vier Meter hohen Betonmauer übernehmen. Der britische Einwanderungsminister Robert Goodwill sagte dem britischen "Telegraph": "Wir werden sehr bald damit beginnen, eine große neue Mauer zu bauen. Wir haben den Zaun gebaut, jetzt bauen wir eine Wand." Der Mauerbau von Calais ist Teil eines 20-Millionen-Euro-Pakets, das die Briten gemeinsam mit Frankreich zum verstärkten Grenzschutz planen.

Die knapp 2,4 Millionen Euro für die Mauer steuert Großbritannien bei. Die Barriere soll etwa einen Kilometer lang werden und an beiden Seiten der Straße stehen, die zum Hafen führt. Sie soll verhindern, dass Migranten den Verkehr anhalten, um auf Lastwagen oder andere Fahrzeuge aufzuspringen, bevor sie auf französischer Seite in den Tunnel einfahren. Bislang patrouillieren bereits mehr als tausend französische Polizisten entlang der Straße und an der Einfahrt zum Hafen und am Tunnel. Abgeschottet ist das Gebiet bislang mit einem stacheldrahtbewährten zweireihigen Zaun ...

Die Innenminister von Frankreich und Großbritannien, Bernard Cazeneuve und Amber Rudd, hatten am 30. Juli in Paris erklärt, Sicherheitsvorkehrungen und Sperranlagen in den kommenden Monaten zu verstärken. Damit solle "die lebenswichtige wirtschaftliche Verbindung" erhalten bleiben und zugleich der "Migrationsdruck gesenkt werden", hieß es in der gemeinsamen britisch-französischen Erklärung.

Im sogenannten Dschungel von Calais, einer Art Slum in der französischen Hafenstadt unweit der Tunneleinfahrt, harren derzeit nach Schätzungen von Hilfsorganisationen 9000 Flüchtlinge aus, die mehrheitlich versuchen wollen, auf die britischen Inseln zu gelangen.

cht/AP


Aus: "Grenzschutz in Calais: Großbritannien baut Mauer am Eurotunnel" (07.09.2016)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/fluechtlinge-grossbritannien-und-frankreich-bauen-mauer-von-calais-a-1111274.html