Author Topic: [DDR (Afterglow) // Notizen... ]  (Read 1544 times)

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[DDR (Afterglow) // Notizen... ]
« Reply #15 on: September 20, 2018, 01:51:51 PM »
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[...] "Zur See" war ein Straßenfeger. Neun Folgen strahlte das 1. Programm des DDR Fernsehens ab Januar 1977 jeweils freitags zur besten Sendezeit aus. Da schalteten selbst diejenigen ein, die sonst lieber Westfernsehen sahen. Das Geheimnis des Erfolges? Wohl auch die Sehnsucht nach fernen Ländern, denn die Serie brachte eine Spur Exotik in die DDR-Wohnzimmer und erzählte vom Alltag einer Besatzung zwischen See- und Landgang in der sozialistischen Handelsflotte, Abenteuer inklusive.

Anfang August 1974 ging das Who is who der DDR-Schauspieler für eine Drehreise von Rostock nach Kuba und zurück an Bord des Frachtschiffs. Zwei Monate dauerte die Reise. An Bord waren neben den Filmleuten auch die eigentliche Besatzung, denn das Schiff hatte auch einen "normalen" Auftrag: Auf Kuba wurden 6.600 Tonnen Zucker geladen. 166 angehende Seeleute fuhren mit, die Fernseh-Crew bestand aus 23 Filmleuten, darunter neun Schauspieler. Günter Naumann, Jürgen Zartmann und Horst Drinda teilten sich eine Kabine. Drinda, der Star vom Deutschen Theater, spielte in der Serie den Kapitän und filmte selbst. ...

Der volkseigene Betrieb Deutsche Seereederei in Rostock erhoffte sich von der Zusammenarbeit mit dem DDR-Fernsehen Unterstützung bei der Rekrutierung von Nachwuchs. Man war auf der Suche nach angehenden Matrosen, denn Bewerber in ausreichender Zahl waren rar und mussten außerdem "politisch zuverlässig" für Reisen in die weite Welt sein. Da kam die DEFA mit ihren Plänen für die "Zur See"-Serie gerade recht.

Über 40 Jahre nach der Erstausstrahlung der DDR-Fernsehlegende widmet das Rostocker Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum der Geschichte der "J. G. Fichte" und den Dreharbeiten an Bord eine Sonderausstellung. Entstanden ist sie mit Hilfe vieler Zeitzeugen, die Erinnerungsstücke zur Verfügung gestellt haben. Die Schau "Mit MS Fichte zur See" ist noch bis zum 5. Oktober 2018 zu sehen.

Das Schiff befährt schon lange nicht mehr die Weltmeere. Ende der 70er-Jahre wurde die "MS J. G. Fichte" außer Dienst gestellt, verkauft und im Rostocker Überseehafen unter anderem Namen an eine Reederei aus Panama übergeben. 1981 trat sie ihre letzte Fahrt an - zur Verschrottung nach Pakistan.

Mit "Zur See" hat das Ausbildungsschiff der DSR Fernsehgeschichte geschrieben. Die Serie war das handfeste sozialistische Gegenstück zur amerikanischen seichten Seifenoper "Love boat" und inspirierte den Westberliner Fernsehproduzenten Wolfgang Rademann für einen weiteren Fernsehklassiker. 1981, vier Jahre nach der Erstausstrahlung der DDR-Seefahrer-Serie, ging "Das Traumschiff" im Westen auf Sendung.

...


Aus: ""Zur See": Als die DDR das Traumschiff erfand" (06.09.2018)
Quelle: https://www.ndr.de/kultur/geschichte/Zur-See-Als-die-DDR-Traumschiff-erfand,zursee118.html


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[DDR (Afterglow) // Notizen... ]
« Reply #16 on: September 27, 2018, 11:48:25 AM »
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[...] Die ehemalige Stasiunterlagen-Beauftragte Marianne Birthler warnte davor, dieses Opferbild zu zementieren – etwa mit Blick auf die alte Bundesrepublik nach 1989, sprich: den Westen, auf den seither vielerlei Übel projiziert würden. Das führe letztlich nicht weiter. Die letzte Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke (SPD), wies hingegen auf reale Benachteiligungen hin, beispielsweise bei Führungspositionen.

Die Debatte, so viel ist sicher, ist zentral. Tatsächlich haben Ostdeutsche Grund zu klagen – zumindest wenn sie sich mit der alten Bundesrepublik vergleichen. Das ergibt sich unter anderem aus dem jüngsten Jahresbericht zum Stand der deutschen Einheit: Das Ost-Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner liegt nur bei 73,2 Prozent des Westwerts und stagniert, die ostdeutsche Wirtschaftskraft nähert sich nur noch langsam der westdeutschen an, bei den Löhnen liegt der Osten um fast 20 Prozent zurück, beim Vermögen ist die Kluft noch größer. Experten sind sich einig: Das alles wird noch sehr lange so sein, wenn in Ostdeutschland nicht ein Mangel behoben wird – der an großen Industrieunternehmen.

Hinterher hängen die Ostdeutschen ebenfalls bei den Eliten, und zwar sowohl gesamtdeutsch wie in Ostdeutschland selbst. Dies ist teils Spätfolge des Elitentransfers von West nach Ost im Zuge der Vereinigung. Damals kamen unter anderem Tausende Beamte aus der alten Bundesrepublik.

Mittlerweile fragt sich aber, ob sich die Unterrepräsentation fast 30 Jahre nach dem Mauerfall nicht rausgewachsen haben müsste. Dass dies nicht der Fall ist, legt den Verdacht nahe, dass Westdeutsche andere Westdeutsche auf Führungspositionen nachziehen. Das wiederum wäre keine Besonderheit, sondern ist Forschern zufolge bei Elitenbildungen fast immer so: Gleich und gleich gesellt sich gern.

Deshalb gibt es auch seit längerem die Debatte über eine etwaige Ostquote, die Fachleute jedoch für nicht praktikabel halten. Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, kritisierte unlängst jedenfalls, die Dominanz der Westdeutschen auf den Führungsposten werde von Ostdeutschen vielfach als „kultureller Kolonialismus“ empfunden. Dies sei schädlich.

Kritiker der Opferthese verweisen auf die verbesserte Infrastruktur im Osten, die stark gesunkene Arbeitslosenquote oder die Situation in anderen osteuropäischen Ländern. Die müssten ja der Vergleichsmaßstab sein, nicht Westdeutschland. Die De-Industrialisierung des Ostens sei ihrerseits eine Konsequenz der DDR. Überhaupt spiele die Opferthese allein den Gegnern der Demokratie, allen voran der AfD, in die Hände. Nicht zufällig wird in deren Kreisen ja das Motto der 1989er-Zeit bemüht: „Wir sind das Volk“. Das legt den Schluss nahe, es bestünde zwischen dem SED-Politbüro und der Bundesregierung gar kein Unterschied – obwohl letztere aus freien Wahlen hervorgegangen ist und Ersteres nicht.

Wie man es auch dreht und wendet: Unverändert fühlen sich zahlreiche Ostdeutsche Umfragen zufolge als Bürger zweiter Klasse. Teilweise wird dieses Gefühl vererbt. Die Debatte über die Frage, ob die Ostdeutschen Opfer seien, wird deshalb weitergehen.


Aus: "Warum sich Ostdeutsche als Opfer fühlen" Markus Decker (27.09.2018)
Quelle: http://www.fr.de/politik/ostdeutschland-warum-sich-ostdeutsche-als-opfer-fuehlen-a-1590194

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danica

Naja, wenn Leuten ein neues Regierungssystem aufgedrückt wird, die eine neue Hymne bekommen, eine neue Fahne, wenn sie zu tausenden ihre Stellen verlieren, ihre Rentenansprüche verlieren, ihre Ausbildungen und Studienabschlüsse nichts mehr wert sind, weil sie zu "Sozialistisch " sind, dann ist das, als habe an einen Krieg verloren und ein Besetzer habe sich das eigene Land angeeignet.
Man muss sich das psychologisch mal vorstellen: teilweise stehen in den Personalausweisen Geburtsstädte, wie es einfach nicht mehr gibt, die zwangsumbenannt wurden, ohne dass jemand gefragt wurde.
Und eigentlich heisst unser Grundgesetz ja nur Grundgesetz und nicht Verfassung, weil man nach der Wiedervereinigung eine neue Verfassung schreiben wollte. Aber leider wurde die DDR annektiert. Es fand keine Wiedervereinigung statt, Millionen Bürger waren von einem Tag auf den anderen Menschen zweiter Klasse. Es gab keine Parizipation, die so nötig gewesen wäre um den Glauben in die Demokratie zu festigen.


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Rickdiver

Klar sind sie Opfer. Sie haben 40 Jahre lang beigebracht bekommen, dass der Staat an allem Schuld ist und für sie zu sorgen hat. Und in diesem Weltbild leben einige noch weiter. Anstatt Eigeninitiative zu entwickeln und zu begreifen dass jeder selbst für sich verantwortlich ist sind sie Opfer ihres früher eingeprägten Glaubenssatzes dass ein andere für sie sorgen muss. Und wenns nicht läuft ist irgendjemand anders schuld, nur niemals sie selbst. Daher machen soviele ihr Kreuzchen bei der aFd weil sie Fremde als Ursache ihres persönlcihen Unglücks ausgemacht haben.


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granne

Die De-Industrialisierung und Dominanz westdeutschen Führungspersonals ( im Rahmen des Anschlusses) kann man auch als Kolonialgeschichte interpretieren. ...


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[DDR (Afterglow) // Notizen... ]
« Reply #17 on: October 07, 2018, 06:49:55 PM »
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[...] Die Schriftstellerin Manja Präkels ist in der DDR aufgewachsen, die Wendezeit hat sie als Heranwachsende erlebt. Ein Gastbeitrag über den Normalitätsverlust, der nicht erst seit Chemnitz im Osten der Bundesrepublik zu beobachten ist.

Frage an Radio Eriwan: Ist es wahr, dass die DDR ein so kleines Land ist, dass man es mit einer einzigen unserer Atombomben vernichten könnte? Antwort: Im Prinzip ja, aber warum so einen Aufwand, wenn drei Zentimeter Neuschnee genügen?

In meiner Kindheit gab es jede Menge solcher Witze. Ich verstand sie nicht, lachte aber mit. Die Anfragen an den fiktiven Sender eröffneten den Menschen eine Möglichkeit, die irrsinnigen Widersprüche des Alltags im real existierenden Sozialismus zu meistern. Dass uns Kindern keiner die Witze erklärte, war normal. Irgendwann würden wir es schon kapieren. Doch dann versprach sich der Genosse Schabowski bei einer Pressekonferenz, und der Rest ist Geschichte: Die Mauer fiel. Die Normalität endete. Seither herrscht Ausnahmezustand. Zumindest für jene am Ende des Tunnels, wo das Licht nur als Gerücht existiert.

Spätsommer 1991. Wir sassen im Kinderzimmer eines Freundes und starrten fassungslos auf die Fernsehbilder. Die älteren Geschwister versammelten sich bereits vorm Rathaus. Sie hatten genug gesehen. In dem kleinen roten Apparat, den mein Freund zu seinem 15. Geburtstag geschenkt bekommen hatte, umzingelten Hunderte Menschen ein Haus. Sie planten offensichtlich, es zu stürmen. Oder es wenigstens anzuzünden. Sie schrien, hasserfüllt, hämisch. Und sahen dabei aus wie wir. Die klatschenden und johlenden Leute in den hinteren Reihen glichen unseren Eltern. Die bedrohten Menschen in den Häusern dagegen kamen vorwiegend aus Vietnam oder Moçambique, aus Staaten, mit denen die gerade erst untergegangene DDR Verträge ausgehandelt hatte, die dem Austausch von Know-how und Arbeitskräften dienen sollten. Sozialistische Bruderländer waren das, hatten wir in der Schule gelernt. Diese Frauen und Männer waren das Pendant zu den westdeutschen «Gastarbeitern». Nur hatten die DDR-«Vertragsarbeiter» meist kaserniert in abgeschotteten Heimen gelebt.

Nun eskortierten riesige Polizeiaufgebote die einstigen Brüder und Schwestern gen Westen, in Sicherheit. Weg von ihren ehemaligen ArbeitskollegInnen, die sich einem rasenden Mob angeschlossen hatten. Systemzusammenbruch in einem Ort, der eben noch als «sozialistische Musterstadt» gegolten hatte. Wir vor dem Fernseher weinten. Und wussten: Das war erst der Anfang. Wir mussten uns jetzt entscheiden: dabei sein oder sich verstecken. Die auf dem Rathausplatz feierten. So fing es an.

Uwe Mundlos, Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt aus dem thüringischen Jena – die späteren Kernmitglieder der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) – hatten die Bilder auch gesehen und sich schnell entschieden. Sie trafen und radikalisierten sich in einem Jenaer Jugendclub. Unter Angela Merkel, der ersten ostdeutschen Jugendministerin im Kabinett Kohl, versuchte man, der zunehmenden Verrohung und der die Mauerreste überspringenden Welle rechtsradikaler Gewalt mit dem Konzept der «Akzeptierenden Jugendarbeit» zu begegnen. Orte, an denen Neonazis besonders stark in Erscheinung traten, wurden mit finanziellen Mitteln und Stellen für SozialarbeiterInnen bedacht. So entstanden im Schutz staatlicher Einrichtungen Netzwerke, Musikgruppen – rechtsradikale Parallelgesellschaften. Die Jugendlichen trugen Springerstiefel und Glatzen und bildeten bald die Avantgarde der Schulhöfe.

Es gab auch Menschen, die sich ihnen und ihrer Angstlust entgegenstellten. Es weiterhin tun. Gesundheit und Leben riskierten und riskieren. Doch nicht selten wurden diese HeldInnen der Zivilgesellschaft aus den Kollegien, den Dorfgemeinschaften, Kleinstadtgesellschaften, ihren Sportvereinen ausgeschlossen. Als Unruhestifter. Nestbeschmutzerinnen. Nazis sind schlecht für das Image. Also gibt es sie besser nicht. Denn es kann nicht sein, was nicht sein darf. Oder?

Nicht ein einziges Mal war mir in den vergangenen 28 Jahren am Tag der Deutschen Einheit zum Feiern zumute. Das Land, in dem ich meine zur Neige gehende Kindheit verbracht hatte, versank in einer langen, trunkenen Nacht. Ich mochte die Fahnenappelle nie. Die Aufmärsche, die piefige Enge und Autoritätshörigkeit. Die Begrenztheit der Welt, die an einer Mauer endete. Wer könnte das schon vermissen? In unserer kleinen Stadt, unweit Berlins gelegen, juchzten und grölten sie vor den Gaststuben rund um das Rathaus. In schwarz-rot-goldene Fahnen gewickelt, fielen sich die Menschen befreit um die Hälse. Keiner wollte nach Hause gehen. Unweit des Trubels fragte ich mich, im Bett liegend, wie nun alles werden würde. Am nächsten Tag. Wenn wir in einem fremden Land erwachen würden. Ganz ohne Umzug. Im Westen.

Eben waren wir noch Teil Osteuropas gewesen. Hatten die Werktätigen am 1. Mai, dem Kampf- und Feiertag der Arbeiterklasse, Losungen in den Frühlingshimmel gerufen: «Es lebe der feste und unzerstörbare Bruderbund zwischen der DDR und der Sowjetunion!» Schliesslich lebten immer noch Zehntausende Rotarmisten mit ihren Familien direkt bei uns im Wald, in einer riesigen Kasernenstadt mit kyrillischen Schriftzeichen, einer eigenen Schule, Läden und einem Kulturhaus. Ich war manchmal dort gewesen. Und nun?

In der Nacht zum ersten Tag der Deutschen Einheit zündeten Kinder das Asylbewerberheim an – draussen, gleich vor den Toren der Stadt. Ihre grossen Geschwister hatten sie, die noch nicht strafmündig waren, aufgehetzt. Zum Glück wurde niemand verletzt. Anders als im nordrhein-westfälischen Hünxe, wo drei Neonazis Brandsätze in das Kinderzimmer einer libanesischen Flüchtlingsfamilie geworfen hatten. Zwei Mädchen erlitten schwerste Verletzungen und überlebten, für ihr Leben gezeichnet. Der Spiegel titelte: «Das Boot ist voll». Helmut Kohl hatte bereits 1983 klargestellt: «Deutschland ist kein Einwanderungsland.» Das doppelt deutsche Land entpuppte sich nun als mörderisches Pflaster für jene, die nicht als zugehörig betrachtet wurden. Den «Gastarbeitern» im Westen, ihren Kindern und EnkelInnen, blies der völkische Einheitstaumel kalt entgegen. Mitunter tödlich. Die Bundesregierung spricht von 83 Toten seit der Wiedervereinigung. Recherchen der «Zeit» und des «Tagesspiegels» ergaben, dass seit 1990 in Deutschland mindestens 169 Menschen von Neonazis und anderen extrem Rechten getötet wurden. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen.

Der Systemzusammenbruch hatte in Ostdeutschland alle Autoritäten ausser Kraft gesetzt. Neue formierten sich schwerfällig, unvermittelt. Die soziale Katastrophe hingegen, die Millionen in kürzester Zeit in Massenarbeitslosigkeit stürzte, war körperlich spürbar, betraf alle Familien. Das war nichts, das sich so einfach wegschmeissen liess. Wie ein Parteiausweis, eine Gesinnung. Es setzte eine Abwanderungswelle sondergleichen ein. Binnen vier Jahren zogen 1,4 Millionen Menschen, vor allem junge Frauen und gut ausgebildete Fachkräfte, fort, gen Westen. Die Deindustrialisierung ganzer Landstriche liess Ruinen zurück, Denkmale einer vergangenen Epoche.

Mit den roten Fahnen war jede Idee von Zukunft verbannt worden. Und wehe, es traute sich einer, daran zu erinnern. Misstrauisch beäugten Nachbarinnen und Freunde einander. «Du rote Sau», riefen sie meiner Mutter hinterher. Nicht ohne Grund. Der Tonfall machte Angst. Und das sollte so sein. Meine FreundInnen und ich, Jungs und Mädchen mit selbstgeschnittenen oder gar keinen Frisuren, Unangepasste, die sich der neuerlichen Uniformierung auf den Schulhöfen verweigerten, wurden durch die Strassen gejagt. Von Mitschülern, Nachbarskindern, einstigen Freundinnen.

Die Welt war live dabei, als im Sommer 1992 das Rostocker Sonnenblumenhaus brannte. Tausende jubelten den Flammen zu. Nur durch Zufall kam niemand ums Leben. In der Folge passierte der sogenannte Asylkompromiss am 26. Mai 1993 den Deutschen Bundestag. Diese drastische Einschränkung des Asylrechts schien den BrandstifterInnen recht zu geben. Sie gingen als SiegerInnen aus der Schlacht hervor. Machten auch vor den Kasernen der heimatlos gewordenen SowjetsoldatInnen nicht mehr halt, schmissen Molotowcocktails gegen die Tore und hatten nichts zu befürchten. Die Polizei schaute zu. Die Rote Armee war besiegt. Die Nazis stiegen nicht aus Gräbern, vielmehr schienen sich ihre Geister der Körper und Köpfe ihrer Enkel und Urenkelinnen bemächtigt zu haben. Sie jagten die «Russen» in rasender Wut aus Gaststätten und Diskotheken, warfen Leute aus Fenstern.

Ende 1991 war auch die Sowjetunion untergegangen. Nun, nur drei Jahre später, zogen die letzten der einst 500 000 auf ehemaligen preussischen Militärgeländen stationierten SoldatInnen aus Berlin und Brandenburg ab. Einige meiner FreundInnen, Überflüssige, die direkt aus der Schule in die Arbeitslosigkeit entlassen worden waren, würden später im Rahmen von «Arbeitsbeschaffungsmassnahmen» die ehemaligen Truppenübungsplätze von Kampfmitteln beräumen. In den Diskotheken spielten sie «Go West» von den Pet Shop Boys rauf und runter. Neue Zeit. Neues Leben. Oder?

Als vor wenigen Wochen die Bilder aus dem sächsischen Chemnitz durch das Netz schossen, war ich wenig überrascht. Rund um die monumentale Büste von Karl Marx, nach dem die Stadt zu DDR-Zeiten benannt war, hatte sich erneut ein wütender Mob versammelt. Hitlergrüsse. Hass. Schnappschüsse zeigten Menschen, die wegrannten. So merkwürdig vertraut wirkten auch die abwehrenden Reaktionen des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) und des da noch amtierenden Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maassen (CDU), dies seien keine Menschenjagden gewesen, sondern der Versuch Linksradikaler, vom eigentlichen Opfer abzulenken. Eine Ansicht, die Innenminister Horst Seehofer (CSU) unterstützte und damit die Bundesregierung in eine schwere Krise stürzte. Weil, was nicht sein darf, nicht sein kann? Aus eigener Überzeugung? Oder weil man besser mit den Wölfen heult als gegen sie – so kurz vor der Wahl in Bayern?

Im Kleinen war ich diesem ritualisierten Herunterspielen und Leugnen bereits Mitte der Neunziger als junge Lokaljournalistin in Brandenburg begegnet. Die Imagepflege und die Angst, mögliche Investoren abzuschrecken, waren stets wichtiger als Aufklärung. Darüber und über meine Kindheit im verschwundenen Land, über Freundschaft und Wut habe ich ein Buch geschrieben. Seit nunmehr einem Jahr toure ich damit durch das zerrissene Land. Mein erstes Interview gab ich einer Journalistin aus der Schweiz, die mir, obschon es rund um die Ankunft zahlreicher Kriegsflüchtlinge aus Syrien und Somalia bereits wieder heftige Auseinandersetzungen und brennende Flüchtlingsheime im Land gegeben hatte, meine Geschichte nicht glaubte. «Ich halte das für stark übertrieben», sagte sie und liess mich ratlos zurück. Hatte ich das Buch nicht genau deshalb geschrieben? Weil mir in all den Jahren kaum einer zugehört, geschweige denn geglaubt hatte? Erst kürzlich erklärte mir ein westdeutscher Kollege: «Wir haben damals gar nichts davon mitbekommen.» Eine Mischung aus Ignoranz und Ahnungslosigkeit hatte sich da breitgemacht. Bequem und gefährlich.

Bei einer Lesung im sächsischen Wurzen kam es zu einer Unterbrechung. Ein junger Mann erklärte: «Achtung, Leute, sie versammeln sich am Bahnhof. Geht nicht da lang.» Die Warnung hatte ihn über eine entsprechende Whatsapp-Gruppe erreicht. Später berichtete ein lokaler Abgeordneter von Steinwürfen auf sein Haus, Bauschaum im Auspuff, von lockergedrehten Radschrauben. Anschläge auf ihn, seine Familie, seine Arbeit. «Das ist hier normal.» Mein Hotel lag am Bahnhof. Im Flur stapelten sich die Ausgaben der «Jungen Freiheit», dem Sprachrohr der Neuen Rechten, treue Begleiterin des Aufstiegs der AfD.

Im thüringischen Ranis las ich vor Schulklassen. Die Mädchen und Jungen waren fünfzehn, so wie ich, als die Mauer fiel. Sie hörten halbwegs geduldig zu und stellten keine Fragen. Eine Lehrerin versuchte, die peinliche Stille zu unterbrechen: «‹Judensau›, das ist bei uns auf dem Schulhof ein normales Schimpfwort geworden.» Gesenkte Blicke. Nach der Veranstaltung hörten ein paar Jungs draussen extra laute Hassmusik. Einer zeigte den Hitlergruss. Die Erwachsenen reagierten nicht. Normal. Die Geschichtslehrerin sagte: «Früher haben mich Schüler als Lügnerin beschimpft. Heute denken sie es nur und schreiben eine Eins im Test.»

Christian Hirte war dreizehn, als die Mauer fiel. Er ist seit kurzem Ostbeauftragter der Bundesregierung. «Ich bin der festen Überzeugung, dass die übergrosse Mehrheit der Ostdeutschen mit rechtsradikalen Spinnern, die den Hitlergruss zeigen oder ein jüdisches Geschäft angreifen, genauso wenig zu tun haben will wie mit linksradikalen Spinnern, die marodierend durch Hamburg ziehen», meint er. Die AfD wurde in seinem Wahlkreis mit 22,3 Prozent zweitstärkste Kraft. Deren prominentester Vertreter vor Ort ist Björn Höcke, ein ehemaliger Geschichtslehrer, der die offen völkisch-rassistische Fraktion der Partei repräsentiert. Im kommenden Jahr will Höcke als Ministerpräsident Thüringens kandidieren. Er stammt – ebenso wie Bodo Ramelow, der aktuelle Amtsinhaber der Partei Die Linke – aus Westdeutschland. Ostdeutsche sind unter den EntscheidungsträgerInnen aller gesellschaftlichen Bereiche stark unterrepräsentiert.

Das ist kein Geheimnis. Man kann es alljährlich im «Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit» an konkreten Zahlen überprüfen. Christian Hirte kommentierte die aktuelle Ausgabe mit den Worten: «Ich will Lobbyist der Ostdeutschen sein.» 1993 war er mit siebzehn Jahren in die Junge Union eingetreten. Dann: Jurastudium in Jena. Genau in der Zeit, als dort der rechtsextreme Thüringer Heimatschutz gegründet wurde – mit zahlreichen Verbindungen zum Verfassungsschutz. Seit 2008 sitzt Hirte im Bundestag, die partielle Blindheit scheint ihn dorthin begleitet zu haben. Doch auch seine zurückgebliebenen ParteifreundInnen sind nicht frei davon. Erst im vergangenen Jahr beschloss der Erfurter Landtag, der Opfer des NSU-Terrors mit einem Mahnmal zu gedenken und einen Hilfsfonds für die Hinterbliebenen einzurichten. Die CDU stimmte gemeinsam mit der AfD dagegen. Ist ja schliesslich erledigt, das Thema. Oder?

«Sechs Festnahmen in Chemnitz» und «Neonazis planten Terroranschlag am Tag der Deutschen Einheit», titelte am letzten Montag ein grosses Boulevardblatt – 27 Jahre nach dem Pogrom von Hoyerswerda und 20 Jahre nachdem sich die untergetauchte NSU-Zelle um Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe in Chemnitz niedergelassen hatte. Die rassistischen Ausschreitungen, die die Stadt wenige Wochen zuvor in die Schlagzeilen gebracht hatten und die es laut Landesregierung, Bundesamt für Verfassungsschutz und Bundesinnenminister so gar nicht gegeben haben soll, seien so etwas wie der Probelauf für grössere, schlimmere Angriffe gewesen. Die Nachricht verdrängte eine andere. Wenige Tage zuvor waren, anlässlich des Staatsbesuchs des türkischen Präsidenten, BeamtInnen eines sächsischen Sondereinsatzkommandos nach Berlin entsandt worden. Ihre Einheit war schon einmal in die Schlagzeilen geraten – wegen ihres Logos, das deutlich an NS-Symbole erinnerte. Diesmal hatten sich zwei aus der Truppe in einer Dienstliste als «Uwe Böhnhardt» eingetragen. Einzelfälle?

Seit dem Fall der Berliner Mauer sind fast drei Jahrzehnte vergangen. Die ostdeutsche Wirtschaft hat sich stabilisiert, die Arbeitslosenzahlen sind rückläufig. Aber die Kontinuität rechter Gewalt ist geblieben und mit ihr ein nahezu reflexhaftes Verleugnen der Opfer. Der müden HeldInnen auch, die das Land mit ihrem Engagement dort zusammenhalten, wo sich staatliche Institutionen nach 1990 nie etabliert oder längst wieder zurückgezogen haben. Die gewaltbereite rechtsextreme Szene wächst weiter. In den Abgeordneten der Alternative für Deutschland findet sie parlamentarische Unterstützung für ihre Themen und Haltungen. Die anderen Parteien ziehen nach. Selbst links der Mitte wird heute viel über Identitätsverlust diskutiert, werden nationalistische Perspektiven wieder salonfähig. Dabei geht es heute wie vor 28 Jahren vor allem um Normalitätsverlust – die Auflösung dessen nämlich, was wir gestern noch als grundlegende gesellschaftliche Prinzipien, als Regeln eines zivilisierten Miteinanders kannten. Dazu gehört es auch, die Sorgen von achtzehn Millionen Menschen mit Migrationshintergrund ernst zu nehmen. An jedem Tag.

Die Schriftstellerin und Musikerin Manja Präkels, Jahrgang 1974, lebt und arbeitet in Berlin. Letztes Jahr erschien ihr Debütroman «Als ich mit Hitler Schnapskirschen ass» im Verbrecher-Verlag. Für das Buch wurde sie mit dem Anna-Seghers-Preis ausgezeichnet.


Aus: "Ostdeutschland: Seither herrscht Ausnahmezustand" Manja Präkels, Berlin (Nr. 40/2018 vom 04.10.2018)
Quelle: https://www.woz.ch/1840/ostdeutschland/seither-herrscht-ausnahmezustand

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« Reply #18 on: October 07, 2018, 07:23:30 PM »
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[...] Unser Autor ist vor Neonazis weggelaufen und er war mit Rechten befreundet. In den Neunzigern in Ostdeutschland ging das zusammen. Und heute?

Die eigene Hässlichkeit kann ein Rausch sein. Wenn man sie umarmt und das Grauen in den Gesichtern derer sieht, die einen beobachten und verachten, aber sich nicht an einen herantrauen, dann strömt Macht durch die Adern wie elektrischer Strom.

Als ich bei über hundert Kilometern pro Stunde einem BMW hinter uns auf die Motorhaube pisse, spüre ich diese Macht. Als ich da im Dachfenster stehe, die Hose bis zu den Oberschenkeln heruntergelassen, sehe ich das große weiße Gesicht des Fahrers: Die Augen geweitet, vor Schreck, Entsetzen, Empörung, bläht es sich auf wie ein Ballon, ich würde gern mit einer Nadel hineinstechen.

Ich bin neunzehn, ich bin zehn Meter groß und acht Meter breit, ich bin unverwundbar.

Als am 27. August 2018 Männer meiner Generation, so um die vierzig, in Chemnitz einen „Trauermarsch“ veranstalten und einige ihre nackten Hintern in die Kameras halten, wie man es bei YouTube sehen kann, denke ich an meine Autobahnfahrt. Als schwere Männer Hitlergrüße zeigen und Menschen angreifen, deren Hautfarbe ihnen nicht passt, als die Polizisten nicht einschreiten, bin ich paralysiert, als würde etwas Dunkles hochkommen, von dem ich dachte, ich hätte es hinter mir gelassen. Aber ich erinnere mich auch an diesen Machtrausch, den Kick, wenn du jemandem klarmachst: Regeln? Und was, wenn ich auf deine Regeln scheiße, mein Freund? Was dann?

Ich sehe Chemnitz und frage mich: Was habt ihr mit mir zu tun? Was ich mit euch?

Zum Tag der Deutschen Einheit wird es wieder die geben, die erzählen, warum die Wiedervereinigung eine Erfolgsgeschichte ist. Schon das Wort „Wiedervereinigung“ ist eine Lüge, werden die anderen sagen, die vor allem sehen, was verloren ging: Betriebe, Selbstachtung, ganze Leben. Gerade sind die besonders gut zu hören, die sagen: Erkennt endlich die Leistungen derjenigen an, die sich eine neue Welt aufbauen mussten. Die auch oft sagen: Lasst mich in Ruhe mit den Opfergeschichten, wir sind stolz auf das, was wir geschafft haben, selbst wenn wir gescheitert sind.

Gerade, fast dreißig Jahre nach der Wende, erzählt die Generation meiner Eltern und Großeltern ihre Geschichten. Nicht das erste Mal, aber es scheint die richtige Zeit zu sein. Die sächsische Staatsministerin für Integration, Petra Köpping, hat einige dieser Geschichten aufgeschrieben in ihrem Buch „Integriert doch erst mal uns!“ und sie füllt in Ostdeutschland zur Zeit jedes Haus.

Es geht viel um verlorene Arbeitsplätze und ja, das klingt hübsch technisch, wie ein leicht lösbares Problem. Aber in diesem preußischen Vollbeschäftigungsstaat namens DDR, in dem Arbeit gleich Lebenssinn war und die wenigen, die keine Jobs hatten, „Assis“ gerufen wurden, bedeutete das eben auch: Kollegen, Brüder, Ehemänner, die sich erhängten, Geschwister und Cousins, die sich langsam zu Tode soffen, Familien, in denen es erst heiß aufwallte wie in einem Vulkan, weil einer jetzt mehr hatte als die anderen und dann erstarrte alles zu einer toten Landschaft kalter Schlacke. Frauen, die so sehr anpackten, um sich, ihre Männer und ihre Kinder durchzubringen, bis nichts mehr von ihnen übrig blieb als der Wille „es zu schaffen“.

Ist da noch Platz für die Erzählungen der neunziger Jahre aus der Sicht derjenigen, die beim Fall der Mauer zu alt waren, um nichts von der Vergangenheit mitbekommen zu haben, aber zu jung um mitzureden, wie die Zukunft aussehen sollte? Über das Jahrzehnt, in dem auch die Menschen aufgewachsen sind, die heute Hitlergrüße zeigen und brüllen?

„Mit den neunziger Jahren verbinde ich persönliche Erlebnisse, die derzeit wieder hochkommen“, sagt Manja Präkels, „und wenn ich im Land unterwegs bin, sehe ich jetzt oft genau die Leute bei der AfD wieder, die sich als Sieger der Kämpfe der neunziger Jahre begreifen.“

Präkels hat das Buch „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ geschrieben, über die letzten Tage der DDR und das barbarische Jahrzehnt, das Ostdeutschland danach erlebte. Präkels ist 1974 geboren und in Zehdenick aufgewachsen, einer Stadt nördlich von Berlin. Ihr Buch ist neben „Oder Florida“ von Christian Bangel der zweite Roman mit autobiografischen Zügen, der im vergangenen Jahr erschienen ist und vom Ostdeutschland der neunziger Jahre handelt.

Ich habe sie angerufen, um sie zu fragen, ob auch sie sich an damals erinnert fühlt, wenn sie die Bilder aus Chemnitz und Köthen sieht. Sie sagt, wenn sie auf Lesereisen unterwegs sei oder bei Tagungen, dann treffe sie auf Rechtsextreme, die angetrieben sind von dem, was sie damals erreicht haben in Rostock-Lichtenhagen und bei den vielen kleineren Feuern, die kaum jemand sah. „Sie begreifen sich als Sieger dieser Kämpfe“, sagt Präkels, „weil nichtweiße Menschen damals aus Ostdeutschland abtransportiert worden sind. Das hat die Gewalt jener Jahre in ihren Augen nachträglich legitimiert.“

Wann fängt man also eine Geschichte über damals an? Für mich begann es nicht 1989. Für mich begann es in der DDR.

In der zweiten Klasse malt Ricardo mit dem Bleistift ein Hakenkreuz auf die Schulbank. An sich nichts Besonderes, auch ich habe das schon gemacht, einmal an einem Junitag 1987, während ich in mein Diktatheft krakele: „Heute kommt unsere Mutter spät nach Hause. Wir wollen helfen.“ Hakenkreuze malen ist das Verbotenste, was ich mir vorstellen kann. Jedes Mal brüllt ein kleines Tier in meinem Brustkasten seine Freude darüber hinaus, nicht erwischt worden zu sein. Die Kunst ist, aus dem Hakenkreuz gleich wieder ein kleines Fenster zu machen, bevor einen jemand sieht.

Aber Ricardo ist zu langsam gewesen oder vielleicht hat er vergessen, die Striche weiter zu ziehen, ich sehe es, zwei Freunde sehen es, wir nehmen ihn uns vor, als die Lehrerin nicht im Klassenzimmer ist. Es ihr zu sagen, geht nicht. Eine Petze zu sein, war schlimmer als alles andere. Wir müssen das unter uns regeln.

„Du weißt, dass das falsch war?“, frage ich.

Er heult. Er ist schwerer als ich und größer, aber er versucht nichts, zwei andere Jungs aus der Klasse stehen neben ihm. „Nimm die Brille ab“, sage ich. Ricardo heult noch ein bisschen mehr, er fleht mit großen Augen und ja, na klar, wohnen wir im gleichen Block und ja, wir wollen uns am Nachmittag wieder beim Sandkasten vor dem Haus treffen, aber erst einmal muss das hier erledigt werden.

Der im sozialistischen Jugoslawien geborene Schriftsteller Tijan Sila hat dieses Verhalten von Jungen in seinem Buch „Tierchen Unlimited“ so beschrieben: „Die Erziehung von Grundschülern sollte das Ethos der Partei spiegeln, und das erschloss sich mir damals nur in Gegensätzen: oben ein kaltes, appolinisches Gesicht, das Keuschheit, Nüchternheit und Leidensfähigkeit forderte, und darunter ein triebhafter, dämonischer Torso, der Härte, Kampf, Rivalität oder Opfer gut fand.“ Vielleicht blieb dieser Torso übrig, als der Kopf mitsamt der DDR verging.

Ums Kämpfen ging es in der DDR oft, die größten Kämpfer waren die, die nicht mehr lebten: die kommunistischen Antifaschisten, die in den Lagern gestorben waren, damit wir es besser hatten. Von Wandbildern und aus unseren Schulbüchern blickten uns muskulöse weiße Männer an. Von den Juden erzählten unsere Lehrerinnen nur, dass die Nationalsozialisten sie umgebracht hatten. Gekämpft hatten sie jedenfalls nicht.

Auf dem Nachhauseweg von der Schule erzählen wir Jungs uns Judenwitze. Zu viert oder zu fünft laufen wir über Kopfsteinpflaster und schwarzen Sand nach Hause, am Friedhof und an der Kneipe vorbei hin zu den vier Neubaublöcken am Rande des Dorfes.

Einer fragt: „Was ist der Hauptgewinn in der KZ-Lotterie?“

Ich sage: „Kenn ich doch schon. Eine Platzkarte in der Gaskammer.“

Später habe ich unsere Witze in dem Buch „Das hat’s bei uns nicht gegeben!“ wiedergefunden. Veröffentlicht hat es vor einigen Jahren die Amadeu Antonio Stiftung, benannt nach einem angolanischen Vertragsarbeiter, den junge Männer 1990 in Eberswalde so lange schlugen, bis er ins Koma fiel und später starb.

Woher wir unser Witze hatten, weiß ich nicht mehr. Es hätte sie gar nicht geben dürfen. In der Verfassung der DDR stand, der Faschismus sei besiegt. Und weil er nun einmal besiegt war, durfte er nicht existieren. Die Staatssicherheit, das lässt sich in dem Buch der Stiftung ebenso nachlesen wie in den Berichten des Geheimdienstes selbst, nannte Hakenkreuze auf jüdischen Friedhöfen und Neonazis, die andere Menschen zusammenschlugen, „Rowdytum“ und tat so, als gäbe es keinen politischen Hintergrund. Punks und alle, die anders aussahen als sich die sozialistische Elite ihre Bürger vorstellte, verfolgten Geheimdienst und Polizei dagegen hart als Auswüchse einer Dekadenz, die nur aus dem Westen kommen konnte.

Daran knüpft die AfD heute an. Die Partei setzt wie keine andere darauf, eine ostdeutsche Identität zu feiern und zu fördern. In Wahlkämpfen und Reden umwerben ihre Politiker die Menschen damit, wie fein deutsch und wenig verfremdet es in Ostdeutschland so zugehe. Und die Erzählung vom unpolitischen Rowdytum scheint bei vielen Polizisten ebenfalls heute noch zu funktionieren.

War das in der Bundesrepublik denn besser? Klassische Frage, die immer kommt, wenn man etwas über die DDR schreibt. Vielleicht ließe sich sagen, es gab in Westdeutschland wenigstens die Chance auf ein öffentliches Gespräch. In der DDR lief so eine Serie wie „Holocaust“ nicht im Fernsehen, die Leute konnten danach nicht darüber reden, sich aufregen oder weinen – zu Hause, in der Kneipe, im Bus. Und bei allem Verständnis für den Willen, sich von Westdeutschen nicht mehr das eigene Leben ausdeuten zu lassen: Ist es wichtiger, das Andenken an die DDR zu retten oder sich Gedanken darüber zu machen, warum die eigenen Kinder von Nazis gejagt werden oder selbst andere jagen?

Nach dem Überfall von Neonazis auf ein Punk-Konzert in der Ostberliner Zionskirche 1987 wollte das Zentralkomitee der SED dann doch einmal die neonazistischen Umtriebe untersuchen. Die Forscher registrierten 1988 bis zu 500 Taten aus dem rechtsextremen Milieu pro Monat. Die Ergebnisse verschreckten die Machthaber so sehr, dass sie sie gleich wieder wegschlossen. Der Oberstleutnant der Kriminalpolizei, der das Team geleitet hatte, wurde ab da von der Stasi beobachtet.

Wir lesen „Pawel“ in der vierten Klasse. Wir haben das grüne Schulbuch vor uns auf dem Tisch liegen, wir lesen abwechselnd ein paar Sätze vor. Ein Leutnant der Wehrmacht sitzt am Rande eines brennenden sowjetischen Dorfes und sieht einen spielenden Jungen. Er denkt: „Worin besteht der Unterschied zwischen diesem und einem deutschen Kind?“ Er rettet den Jungen vor dem heranrasenden Auto eines Feldwebels, sie fliehen zusammen zu sowjetischen Soldaten und der Leutnant kehrt an der Seite der Roten Armee nach Deutschland zurück. Fünfeinhalb Seiten dauert die Transformation des Nazi-Offiziers zum Kommunisten und sie beschreibt in ihrer kindgerechten Kürze recht gut den antifaschistischen Mythos der DDR. Der Staat musste ein paar Verführer bestrafen, den großen Teil seiner Bürger konnte er dann, ohne groß über die Vergangenheit zu reden, zum Aufbau des neuen Staates einsetzen.

Zugleich wussten wir wenig vom Fremden. Selbst unsere angeblichen Brüder kannten wir nicht. „Wir zeigen unsere freundschaftliche Verbundenheit mit dem Sowjetvolk“, schreibe ich am 8. Mai in meinen Heimatkundehefter. Aber wir sehen sie kaum, obwohl viele Kasernen gar nicht so weit weg sind. Manchmal marschiert ein Trupp mit Kalaschnikows auf dem Rücken an unserem Kindergarten vorbei und wir drücken uns an den Zaun und sehen ihnen nach. „Scheißrussen“, sagt ein Junge neben mir, und als ich ihn frage warum, sagt er: „Wenn der blöde Hitler unsere Wehrmacht nicht kaputt gemacht hätte, wären die jetzt nicht hier.“ Das hatte ihm jedenfalls sein Vater erzählt.

Wir wussten nicht, wer die Juden waren. Wir wussten nicht, wer die Russen waren. Wer die Nazis waren, wussten wir. Der Nazi war einer, der aus dem Westen kam. Der Kapitalismus galt als Vorstufe des Faschismus, und tatsächlich saßen ja noch alte Nazi-Eliten auf genügend Machtpositionen, um die als Beweis zu präsentieren. Als die Staatssicherheit 1960 im Bezirk Rostock eine „Aufstellung über Hakenkreuzschmierereien“ mit über fünfzig Delikten erstellte, sagte der Leiter der Bezirksverwaltung, diese seien „Teil der Provokation aus Westdeutschland“. In „Käuzchenkuhle“, einem der bekanntesten Jugendbücher der DDR, löst ein Junge zusammen mit seinen Freunden einen Kriminalfall, bei dem „der Fremde“, ein ehemaliger SS-Mann aus Westdeutschland, zurückkehrt, um alte Nazi-Raubkunst zu bergen. Noch 2006 erklärte mir der SPD-Innenminister eines ostdeutschen Bundeslandes vor einem Interview, das Naziproblem käme aus dem Westen und, nein, in der DDR habe es das nicht gegeben.

Der Fall der Mauer brach mir das Herz. Ich hatte Angst vor dem Westen, vor den Faschisten, einfach davor, dass alles, was ich kannte, kaputt gehen könnte.

Die Erwachsenen rührten keinen Finger. Sie saßen vor dem Fernseher und sahen sich Demonstrationen an. Sie unterrichteten uns weiter in der Schule, als sei alles völlig normal. Dass wir wirtschaftlich keine Chance hatten, war mir ja klar, jeder Junge, der wusste, wo die Matchboxautos herkamen, begriff das. Aber mein Vater war Oberstleutnant der verdammten Nationalen Volksarmee, er hatte mal dreißig Panzer kommandiert, wo waren die denn jetzt?

Ich wollte eine chinesische Lösung, ich wollte Tiananmen-Platz in Berlin und Leipzig. Als mein Vater, der Feigling, nicht loszog, um die Irren da draußen zu stoppen, überlegte ich, wie ich ihm seine Makarow-Dienstpistole klauen könnte. Mein Plan war, in Westberlin ein paar Leute zu erschießen und einen Krieg zu provozieren. Denn den, da war ich mir sicher, den würden wir gewinnen.

Wir fuhren mit dem Begrüßungsgeld nach Berlin-Spandau. Bei Karstadt kaufte ich mir ein Telespiel, einen kleinen blauen Computer, mit dem ich Eishockey zocken konnte.

Mit jedem neuen Level wurde der Puck schneller und schwieriger zu erreichen. Es fing mit Piep – piep – piep an und steigerte sich pieppiep pieppiep pieppiep bis zu pipipipipipip. Wie hypnotisiert starrte ich auf die kleine blinkende Scheibe, bis die Welt um mich herum nur noch gedämpft zu hören war, wie hinter Watte. Die Erwachsenen hatten mich verraten, ich hatte mich für ein Computerspiel verkauft. Ich war wütend, aber ich hatte keine Ahnung auf wen.

„Du warst im HJ-Modus“, hat zwei Jahrzehnte später ein Freund zu mir gesagt, „wie die Hitlerjungen beim Volkssturm“. Da wohnte ich schon lange in Berlin. Er hatte in den Jugoslawien-Kriegen genügend Jungen gesehen, die für Wut, Angst und Ohnmacht ähnlich der meinen gestorben waren.

In der zweiten Klasse sangen wir: „Soldaten sind vorbeimarschiert, die ganze Kompanie. Und wenn wir groß sind, wollen wir Soldat sein so wie sie.“ In unserem Musikbuch standen Lieder über den Frieden auf der Welt und „Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm.“ Aber eben auch: „Mein Bruder ist Soldat im großen Panzerwagen, und stolz darf ich es sagen: Mein Bruder schützt den Staat.“

Vor wem der große Bruder uns schützte, war klar: Vor dem Westen. Aber niemand schützte mich jetzt. Kämpfen wollte ich, aber gegen wen? Wohin fliegt eine Rakete mit einem Freund-Feind-Zielsystem, wenn die eigenen Eltern zum Gegner übergelaufen sind?

War ich der einzige, dem es so ging? Ich weiß es nicht, ich habe mich mit Freunden nie darüber unterhalten.

Der Zerfall beginnt im Fernsehen. Ich sehe weinende Menschen, starre Menschen, graue Menschen, meistens vor irgendwelchen Schornsteinen oder Werktoren und immer macht irgendetwas zu. Dann zerfallen die Männer auf dem Dorf. Wenn ich von der Schule komme, sitzen sie an den Garagen. Sie haben früher Kräne gefahren, große russische Traktoren und Mähdrescher. Jetzt erzählen sie sich Witze über ihre Frauen, die mit irgendwelchen Putzjobs oder Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen versuchen, die Familien über Wasser zu halten. Sie sagen: „Die Alte nervt“. Dann trinken sie noch einen Schnaps. Oft reden sie gar nicht.

In den Zeitungen, im Radio, im Fernsehen lesen, sehen und hören wir die passenden Botschaften dazu. Ostdeutsche sind zu doof, sich in der neuen Welt zurecht zu finden. Ostdeutsche sind faul. Ostdeutsche sind betrunken. Erst schäme ich mich noch, dann schaue ich der geworfenen Scheiße belustigt beim Fliegen zu und noch später bin ich stolz darauf, dass „wir“ härter sind als die so leicht zu schockierenden Wessis, die ihr ganzes Leben als Kausalzusammenhang erzählen können, in dem es für alles einen guten Grund und keine dunklen Flecken gibt. Es kann auf eine dämonische Art befreiend sein, wenn von dir und den Leuten um dich herum nur noch das Schlechteste erwartet wird. Als Zwölf- oder Dreizehnjähriger sehe ich das noch nicht, ich sehe nur die Männer in ihren Garagen und ich sehe meine Zukunft.

Mein Vater trinkt dort nicht. Die Bundeswehr hat ihn übernommen. Im Frühjahr 1992 werden sie bei der Kontrolle eines sowjetischen Stützpunkts beschossen. Mein Vater verlässt die Armee und verkauft später Versicherungen. So wie viele andere Männer aus der Polizei, dem Ministerium für Staatssicherheit und der Nationalen Volksarmee. Ein Abstieg war es, aber er war nicht so hart.

Im Fernsehen sieht man Häuser brennen, in denen vietnamesische Vertragsarbeiter leben. Man sieht Männer, die mit Gehwegplatten auf Menschen werfen. Ich sehe, wie die Polizisten verloren vor der Meute stehen. Ich sehe, wie sie zurückweichen.

„Offenbar ist vielen im Westen nicht klar, dass in Ostdeutschland zwei Generationenkohorten existieren, deren kollektive politische Erfahrung sich daraus speist, ein politisches System gestürzt und anschließend den neuen Staat in Hoyerswerda und Rostock gezwungen zu haben, vor ihrem rassistisch motivierten Willen zurückzuweichen.“ Das schreibt der Rechtsextremismus-Experte David Begrich nach den Märschen von Chemnitz in einem Text, den viele auf Facebook teilen. Begrich war damals in Rostock-Lichtenhagen, er war einer derjenigen, auf den die grölenden Männer Gehwegplatten warfen.

Bis Ende der neunziger Jahre weicht dieser neue Staat zurück – in den Kleinstädten und Dörfern. Viele Menschen, die so alt sind wie ich, rechnen nicht mehr mit ihm. Wir sehen alle dasselbe: Es kommen keine Polizisten, wenn dreißig Kahlrasierte vor einem Jugendklub auftauchen und Leute vermöbeln oder sie kommen nur zu zweit und bleiben dann in ihren Autos sitzen. Was sollen sie machen? Selbst verdroschen werden? Das passiert manchmal auch.

Die große Macht der Volkspolizisten ist ebenso gebrochen wie die unserer Lehrerinnen. In der DDR konnten diese Autoritäten noch im Alleingang ganze Biografien versauen – du darfst studieren und du nicht – und jetzt lachen wir sie aus, wenn sie vor uns stehen. Wir lachen, bis sie heulen. Sie haben Angst vor der neuen freien deutschen Jugend.

Heute bin ich öfter in osteuropäischen Staaten unterwegs, die früher ebenfalls sozialistisch waren. Wenn ich dort mit Leuten meines Alters über die Brüche der Neunziger rede, die Barbarei, die Entgrenzungen, die sie oft härter und krasser beschreiben, weil es dort härter und krasser war als in Deutschland, dann finde ich bei ihnen ein Verhältnis zur Polizei, was mich an meines damals erinnert: irgendetwas zwischen Furcht und Verachtung.

Und natürlich sind das heute nicht die Neunziger, der neue Staat hat sich konsolidiert. Aber wenn wie in Chemnitz dann doch zu wenige Polizisten dort stehen, wenn Beamte in Köthen eine rechtsextreme Rednerin bei ihren Vergasungs- und Mordfantasien nur filmen, statt sofort in die Demo zu gehen, dann bestärkt das Nazis wie ihre Gegner in dem, was sie gelernt haben: Der Staat weicht zurück.

Nach dem Mauerfall lernte ich noch etwas, in den folgenden Jahren, als die Liste der Toten immer länger wurde: Du kannst sterben, ganz leicht. Wenn in einer Horde von Nazis nur ein Psycho dabei ist, nur einer, dem deine Fresse nicht gefällt und der dann nicht aufhören kann, dann bist du tot. Manche Bekannte bildeten sich ein, sicher zu sein, weil sie weiß waren. Sie glaubten, sich verstecken zu können. Aber wer anders ist und wer nicht, das legst nicht du selbst fest, sondern der Nazi. Es starben Mahmud Azhar und Farid Guendoul ebenso wie Wolfgang Auch und Horst Hennersdorf.

Als ich dem Hass zum ersten Mal persönlich begegne, bin ich elf oder zwölf Jahre alt. Meine Mutter arbeitet noch immer als Agrochemikerin, sie berechnet, wie viel Dünger das gelbe Streuflugzeug auf die Felder um unser Dorf herunterfallen lässt. Der Pilot dieses Flugzeuges sitzt eines Tages bei uns im Wohnzimmer auf einem brauen Stoffsessel, er wartet auf meine Mutter und ich frage ihn, weil ich ihn mag, weil ich ihn cool finde, ich meine, er ist schließlich Pilot, jedenfalls frage ich ihn, wie es denn jetzt für ihn weitergeht. Und er erzählt von den „Wallstreetjuden“, die das alles zu verantworten hätten, er wird lauter, erregter, brennende Röte erst am Hals, dann im Gesicht. Ich weiß das noch so genau, weil ich mit dem Wort „Wallstreet“ nichts anfangen kann und Juden, denke ich, gibt es doch bei uns gar keine. Der Mann überrollt mich mit einer Wut, von der ich weder die Quelle kenne noch das Ziel.

Neue Regeln. Ich hätte sie gerne gelernt, wenn ich denn welche begriffen hätte. Ist es besser, den Bus zu nehmen, aus dem man nicht mehr rauskommt, wenn Glatzen einsteigen? Oder besser laufen oder Fahrrad, aber dann bist du zu langsam, wenn sie dich mit dem Auto jagen? Auch andere versuchten, die neue Welt zu ordnen: Die Kreisstadt ist rechts, die Dörfer sind links. Aber diese Ordnung zerbröselte sofort wieder, wenn fünfzehn, zwanzig, dreißig Nazis ein Dorffest aufmischten.

Viele Glatzen kamen aus großen Familien, die lebten in ihren Häusern inmitten von Hitlerbüsten und Reichskriegsflaggen. Die Clan-Söhne mit den Namen, die man fürchten musste, waren vier bis acht Jahre älter als ich. Mit ihren tiefergelegten Golfs oder zu Fuß patrouillierten sie durch die Stadt. Wen sie verschonten und wen sie sich vornahmen, folgte einem Kodex, den vor allem sie selbst verstanden. Wenn sie jemanden aus DDR-Zeiten kannten, aus der Schule, konnte das gut sein. Oder eben besonders schlecht, wenn sie ihn schon damals nicht mochten. Bunte Haare waren scheiße, lange auch. Aber wer aus der Kreisstadt kam, die übrigens Mitte der Neunziger zur Kleinstadt degradiert wurde, der war auch mit langen Haaren an einem Abend okay, und man mischte lieber eine andere Nazi-Gang auf, weil die vom Dorf nebenan war und „sich hier breit gemacht hatte“.

In den neunziger Jahren habe ich diese Zusammenhänge nur vage begriffen. Vieles habe ich erst bei Gesprächen für diesen Text erfahren. Ich kannte keinen der wichtigen Nazis, ich kam vom Dorf, ich war weit entfernt vom Zentrum der Macht. Ich konnte nicht zwischen denen unterscheiden, gegen die ich mich vielleicht hätte wehren können, ohne dass gleich fünf Mann auf die Suche gingen, und denen, die Lebensgefahr bedeuteten.

Mir passierten einfach Dinge.

Ich sitze im Bus, drei Glatzen steigen ein, ohne zu bezahlen. Sie laufen nach hinten durch, ich tue so, als würde ich lesen. Sie laufen an mir vorbei, plötzlich ist es nass in meinem Gesicht. Einer hat mir ins Gesicht gespuckt. Bevor ich das kapiere, drückt mir der kleinste der Typen seinen Daumen in die linke Wange und reibt kräftig, bis mir die Zähne wehtun. „Du musst dich doch saubermachen“, sagt er mit hoher Stimme. „Muss Mutti dir erst bis in den Bus nachlaufen, hm?“ Wahrscheinlich sehe ich aus wie ein Reh im Scheinwerferlicht eines Autos, die drei bepissen sich fast vor Lachen. Die Hand des Kleinen riecht nach altem Tabak.

Als ich die drei Kilometer von der Schule mal nach Hause laufe, hält ein Auto mit quietschenden Reifen neben mir. Ich renne sofort los, rein ins Feld. Hinter mir höre ich es lachen. Ich laufe über zartes Frühlingsgrün, schwere Brocken Matsch kleben an meinen Schuhen und fallen wieder ab. Sie fahren auf der Straße nebenher, rauchen und schauen mir zu. Ein Kilometer vor dem Dorf geben sie Gas und verschwinden.

Der Junge, der in der DDR auf die „Scheißrussen“ geschimpft hat, erklärt mir die Bordbewaffnung seiner Karre. Er zeigt mir seinen Baseballschläger und wo er die Schreckschusspistole unter dem Beifahrersitz versteckt hat. „Ich fahr nicht mehr unbewaffnet raus“, sagt er, „ich bin doch nicht blöd.“

Wie durch die Milchglasscheibe eines Bahnhofsklos sehe ich die Zeit von 1991 bis 1998. Es fällt mir schwer, mich zu erinnern. Es geht nicht nur mir so. „Manchmal habe ich mich gefragt, ob ich mir die ganzen Neunziger nur eingebildet habe“, sagt Manja Präkels, als wir uns darüber unterhalten. Sie sagt: „Selbst Freunde, die dabei waren, konnten oder wollten sich nicht mehr erinnern.“

Als Kind war ich noch klein und dick, aber in der Pubertät schieße ich in die Höhe. Genetisch bin ich Nazi, fast 1,90 Meter groß, blond, graublaue Augen. Ich trainiere mit Hanteln. Aber mir fehlt das Schläger-Gen, die Lust am Blut der anderen, ich sehe den Hunger in den Augen der Clan-Söhne und ihrer Handlanger und ich weiß, ich bin Beute. Also versuche ich zu verschwinden, ich trage grau, ich bin ein Mäuschen. Gott, wenn ich doch nur kleiner wäre.

Hatte ich nicht erst gestern noch alles über Ernst Thälmann und seine Genossen gelesen? Wie sie gestorben waren im Kampf gegen den Faschismus? Ich will nicht sterben, ich will nur in Ruhe gelassen werden. Ich schäme mich. Wir schämen uns alle. „Die neunziger Jahre sind in Ostdeutschland ein großes Tabu“, sagt Manja Präkels. „Diese Zeit ist mit großer Scham behaftet.“ Jeder hat seinen eigenen Grund dafür. Der eine wird gefeuert und findet nie wieder Arbeit, der nächste steht hinter der Gardine und freut sich heimlich, weil das Asylbewerberheim brennt und ich, ich bin eben ein Feigling.

Es wäre durchaus anders gegangen. Es gab die aufrechten Antifaschisten, die Punks, ich wusste von ihnen, ich sah sie allerdings nie auf der Straße. Frauen, die mit mir zur Schule gingen und mit denen ich für diesen Text gesprochen habe, sagten mir, sie hätten keine Angst gehabt. Eine erzählte mir, die Glatzen aus ihrem Dorf hätten meist versucht, sie zu beeindrucken. Sie sagt auch, sie wüsste nicht, ob die schlimmsten Schläger wirklich Nazis waren. Es war und ist nicht ganz einfach, die Trennlinie zwischen denen zu ziehen, die schlagen wollten und sich dafür eine Rechtfertigung in „Mein Kampf“ suchten und denen, die schlugen, weil sie es politisch geboten fanden. Gewalt war normal und in dieser Normalität schwammen die Nazis wie Fische im Meer.

Meinen Eltern erzählte ich nichts. Das wäre petzen. Die Jungs haben die Dinge früher unter sich ausgemacht und das sollen sie jetzt auch. Außerdem war mir ja nichts passiert. Kein Zahn ausgeschlagen, alle Augen noch drin, tot war ich auch nicht. Andere haben ihren Vätern und Müttern etwas erzählt, Manja Präkels schreibt darüber in ihrem Buch und sie schreibt auch, was viele Eltern geantwortet haben: Provozier doch nicht!

Die Erwachsenen konnten sich nicht vorstellen, dass die lieben kleinen Ricardos, Michaels und Kais von früher zu Kampfmaschinen mutiert sein sollten. Ich hätte es ihnen auch nicht erklären können. Also beschworen sie eine Parallelwelt herauf. Es gibt kein Problem mit Rechtsextremismus, sagten die Bürgermeister, wenn wieder mal einer verpocht wurde oder starb. Ich fragte mich, wer verrückt ist, die oder ich?

„Über die Eltern brach die Katastrophe herein, die mussten überleben“, sagt Manja Präkels dazu, „und dabei gingen ihnen die Kinder oft verloren.“ Und wenn ständig nur geleugnet werde, wenn sich gegenseitig permanent bestätigt werde, es sei normal, wenn bei den Spielen der A-Jugend das Horst-Wessel-Lied gesungen werde, dann entstehe eine neue Normalität.

Und heute? Ein sächsischer Ministerpräsident, der erst einmal betonen möchte, in Chemnitz sei alles nicht so schlimm gewesen. Ein Verfassungsschutzchef, der in der Bild sagt, ein Video von einem Angriff sei veröffentlicht worden, um von einem Mord abzulenken. Welche Realität ist die richtige? Die meisten Menschen glauben einem Ministerpräsidenten mehr als einem Mann, der nicht weiß ist und erzählt, wie er verfolgt wurde.

Ab der siebten Klasse, im Herbst 1991, gehe ich aufs Gymnasium. Meine Freunde vom Dorf treffe ich nur noch selten, ich war jetzt etwas Besseres, zumindest sehen sie das so oder ich denke, dass sie es denken. Ich ziehe mich zurück. Ich habe früher schon gern gelesen, jetzt lese ich eben noch mehr. Kurz vor der Wende sind wir in einen anderen Block gezogen, ich habe ein eigenes Zimmer und muss nicht mehr mit meinem Vater und meiner Mutter in einem Bett schlafen. Das macht es einfacher, mich zu verstecken. Als ich sechzehn Jahre alt bin, kaufen meine Eltern einen Computer und ich spiele Eishockeymanager. Diese Welten sind vom Draußen unberührt und kontrollierbar. Ab und an gehe ich raus, tauche auf wie ein U-Boot nach langer Fahrt. Die Nachrichten von der Oberfläche sind über Jahre die gleichen: Entweder es gibt Stress oder einer erzählt, wie es Stress gab.

„Der hat seine Freundin gezwungen, als Nutte zu arbeiten und die dann mit dem Kabel erwürgt.“

„Neulich haben sie den einen an der Havel fast kaltgemacht.“

„Die sind mit der Axt in den Jugendklub rein. Die hinter der Tür hat es gleich erwischt. Die Bullen waren wieder bloß zu zweit da.“

Freunde habe ich wenige. Ich bin ein Trottel vom Dorf. Meine Mutter hat mir zwar nach langer Bettelei eine Levis gekauft, aber an meinem dicken Hintern sieht die Jeans so aus, als versuchte jemand, meinen Arsch zu zwei dünnen Würsten zu kneten. Tragen muss ich sie trotzdem, die Hose war teuer. Im Schulbus lachen sie über mich. Ich bin oft alleine, also ein Ziel und deshalb gehe ich noch weniger raus.

Nach drei Jahren am Gymnasium finde ich andere Freunde.

Dabei sind: Ein kleiner Dünner, der oft lächelt und der mich mit dem Auto nach Hause fährt, wenn es spät wird. Er sagt: Schon mein Vater war ein Rechter. Dafür hatte er Ärger mit den Scheißkommunisten.

Ein anderer aus der Clique schaut oft finster, aber kitzelt einen ab, wenn es in der Schule scheiße gelaufen ist. Er findet die NPD gut und hat Kontakte zu einem Fascho-Clan in einem größeren Dorf in der Nähe.

Außerdem: Der Sohn eines Polizisten, der immer laut ist, immer Faxen macht, großzügig mit allen teilt und der Kanaken scheiße findet.

Dann einer, der immer ganz ruhig ist, obwohl ihm seine Mutter Stress macht, er dürfe nicht absacken, nicht versagen, nicht untergehen in dieser neuen Welt. Er hört zu Hause CDs von Bands wie Zyklon B und Zillertaler Türkenjäger. Auf der Heckscheibe seines Autos prangt in Fraktur der Schriftzug „Euthanasie“. Die Band heißt eigentlich „Oithanasie“, aber er findet es damals ein lustiges Wortspiel, den Namen so zu schreiben.

Wir durchstreifen das Land im Konvoi. Zum nächsten McDonald’s an der Autobahn, an die Ostsee, nach Tschechien, nach Dänemark. Je mehr wir sind, desto mehr weitet sich unsere Landkarte.

Zwei Autos sind gut, vier Autos sind besser. Im Schwarm schrecken wir andere ab. Ich entdecke, wie geil es sein kann, jemandem Schiss zu machen statt selbst der Schisser zu sein. Ich pinkle einem Wessi auf die Motorhaube.

„Rechts“ und „links“, das ist eine Sache der Klamotten, der Frisur und der „inneren Einstellung“, wie wir das damals nennen. Die Mode der harten Nazis verbreitet sich in Molekülen auch an den Gymnasien, die grünen Bomberjacken mit dem orangefarbenen Innenfutter tragen viele. Ich habe lange Haare, ich habe „nichts gegen Ausländer“, ich finde es scheiße, sie zu jagen und zu verprügeln. Das sage ich manchmal auch und dann streiten wir uns. Ich muss vor Nazis wegrennen. Also bin ich links.

In der Nahrungskette der Jungsgruppen stehen wir nicht weit oben. Wenn die Tighten aus der Muckibude anrücken, die tätowierten Riesenbrocken mit Kampfsport oder Knast im Lebenslauf und keiner der anderen hat irgendeine Beziehung zu jemandem, der jemanden kennt, dann machen wir uns klein oder lösen uns in Luft auf.

Stress gibt es immer noch, natürlich. Wir wollen zum Herrentag, wie das bei uns konsequent heißt, raus an einen See fahren. Zwei möchten da unbedingt mit dem Fahrrad hin. Scheißidee, sagen wir anderen, da kommt ihr alleine niemals an. Sie ziehen es durch. Wir sammeln sie später blutend von der Landstraße und lachen sie aus.

Der Soundtrack dieser Zeit kam von den Böhsen Onkelz. Ich hasste diese Band, bei ihren weinerlichen Liedern für gefallene Jungs dachte ich an die saufenden Männer in den Garagen. Ein Lied der Onkelz ist allerdings bis heute in meinem Kopf: „Wir waren mehr als Freunde/Wir war’n wie Brüder/Viele Jahre sangen wir/Die gleichen Lieder.“ Es heißt „Nur die Besten sterben jung“ und ich mochte es, vielleicht, weil ich die blöden Jungpioniere vermisste, die Zeit, als wir lieber Papier und Flaschen gesammelt haben, als uns gegenseitig das Leben zur Hölle zu machen und weil ich dachte: Ja, sterben kannst du ja wirklich.

Sicher bin ich noch immer nicht. Eines Abends fahre ich zufälligerweise nicht zu dem Parkplatz am Netto-Markt, wo wir uns immer treffen. Es sind nur wenige da und sie sind leichte Beute für eine größere Gruppe Schläger, die aus einem Nachbarort anrückt. Einen erwischt es besonders schlimm. Er fährt noch mit dem Moped nach Hause, bekommt dann aber seinen Kopf nicht mehr aus dem Helm, Tritte und Schläge haben ihn zu sehr anschwellen lassen. Er landet auf der Intensivstation.

Manche Erinnerungen reißt man sich ein wie Splitter und sie schmerzen noch Jahre danach. Der türkische Freund, den ich erfunden habe, ist so ein Splitter. Wir sind nach Ungarn gefahren, das letzte Mal zusammen. Wir liegen am Balaton, spielen Fußball. Wir reißen die Türen unserer Klos auf und fotografieren uns gegenseitig beim Kacken, wir rasieren einander die Brusthaare. Und dann, wir sitzen in einem Café, ich lese Zeitung, vielleicht habe ich da etwas über einen Überfall gelesen, ich weiß es nicht mehr. Ein Freund sagt irgendetwas über „blöde Kanaken“ und dass sie es verdient hätten und ich bin sofort auf hundertachtzig. Ich schreie, ich hätte einen türkischen Freund und der läge in Berlin im Krankenhaus, „wegen Leuten wie dir“. Es ist ein kurzer Moment, wenige Sekunden nur und sofort fühle ich mich mies.

Weil ich gelogen habe, ich habe keine türkischen Freunde und auch keine mit türkischen Namen, woher auch? Es gab an unserer Schule den Sohn eines Ingenieurs aus Angola oder Mosambik, der war nicht weiß. Selbst die Dönerfrauen, die ich kannte, waren in der Kreisstadt oder in einem der Dörfer geboren. Ich schäme mich auch, weil ich weiß: Es gibt Menschen, die sind wirklich verbrannt oder wurden zu Tode getreten. Und ich erfinde einen. Gleichzeitig habe ich Angst, dass jetzt unsere Freundschaft vorbei ist.

Das gehört auch zur Wahrheit jener Jahre, viele kannten die Rechten, die Rechtsradikalen, die Neonazis nicht nur von Weitem. Wir waren mit ihnen befreundet, wir mochten manche von ihnen, wir profitierten von ihrem Schutz. Im Buch von Manja Präkels hat der Obernazi der Protagonistin vielleicht das Leben gerettet. „Dass die Nazis oft unsere früheren Freunde aus der Schule waren, unsere Brüder, unsere Cousinen, das machte die Auseinandersetzung damals so schwierig“, sagt Manja Präkels. „Und das macht sie auch heute schwierig.“

Sie sagt auch, sie habe damals manchmal das Gefühl gehabt, jemand halte eine schützende Hand über sie. „Vielleicht aus der Zärtlichkeit der kindlichen Erinnerungen aneinander. Aber derlei Zärtlichkeit gibt es für Fremde, für Menschen anderer Hautfarbe nicht.“

Heute haben dieses Dilemma nicht mehr nur Ostdeutsche, die AfD ist auch im Westen erfolgreich. Wenn man sich mit seinem Bruder oder einem Freund streiten muss, dann lässt sich der Nazi nicht mehr nach Sachsen auslagern, dann ist man mitten in einer deutschen Identitätskrise. Präkels sagt, das sei doch die große Frage: „Sitzen wir lieber mit einem uns vertrauten Rechtsextremen am Tisch und tun so, als wäre alles normal oder stellen wir ihn und damit auch uns selbst infrage, indem wir uns für die einsetzen, die für uns Fremde sind?“

„Hm, scheiße, ist der schwer verletzt?“, sagt der Freund. Ich murmle irgendwas von nicht ganz so schlimm, ich lüge weiter, wer damit einmal angefangen hat, kann nicht einfach aufhören. „Tut mir leid, habe ich nicht so gemeint“, sagt er.

Für meinen Zivildienst gehe ich nach Berlin. Ab 1999 studiere ich in Leipzig. Ich habe Glück und treffe gute Leute aus dem Westen und dem Osten. Wenn ich mich in den richtigen Bezirken aufhalte, treffe ich keine Männer mit Glatzen. Nur ab und an höre ich Echos aus der Vergangenheit. Anfang der Nullerjahre findet ein Freund ein Loch in der Heckscheibe seines Autos, das Kind der Familie über ihm hat eine Vase aus dem Fenster geworfen. Der Vater des Kindes, eine Glatze mit Glatzenkumpels, hat keinen Bock, für den Schaden aufzukommen und das macht er meinem Freund klar. Ich überlege, ob ich meine Leute in Brandenburg anrufen soll, aber der Nazi ist aus Leipzig und muss nicht 200 Kilometer weit fahren, um mit mehr Leuten zurückzuschlagen.

In der Kleinstadt, in der ich zur Schule ging, leben heute auch Frauen mit Kopftüchern, die ihren Söhnen auf Russisch hinterherbrüllen, sie sollen gefälligst auf sie warten. In den Kneipen und Cafés bedienen Menschen, deren Eltern aus Vietnam und der Türkei kamen. Der Freund, der damals „Euthanasie“ auf seiner Heckscheibe stehen hatte, und den ich für diesem Text wiedergetroffen habe, sagt, er sei mit „Kurden, Türken, Russen, Vietnamesen“ befreundet. Er findet aber, man solle doch die Leute verstehen, die lieber nicht mit so vielen Ausländern zusammenleben wollen. Als ich ihn frage, ob er auch so leben will, sagt er: „Ach, ich weiß es doch auch nicht.“

Ich habe nicht gekämpft und schon gar nicht gewonnen. Ich bin einfach gegangen.


Aus: "Jugendliche in Ostdeutschland: Wir waren wie Brüder" Daniel Schulz, Reportage und Recherche (01.10.2018)
Quelle: https://www.taz.de/!5536453/

Quote
Primitivismuskeule
Mittwoch, 09:03

Danke für diesen Text. Er erinnert mich stark an mein Heranwachsen in einem rechtslastigen Dorf in Westdeutschland - nur deutlich extremer.


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