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Author Topic: [Verwahrlosung... (Notizen)]  (Read 10603 times)

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[Verwahrlosung... (Notizen)]
« on: February 20, 2007, 11:05:11 AM »

Quote
[...] Eine Person, ein Tier oder eine Sache gilt als verwahrlost, wenn es die Erwartungen, die die Gesellschaft an ihn oder es stellt, nicht oder nicht mehr erfüllt.

Die Auslegung ist dabei sehr subjektiv, kann aber auch sehr eng gefasst werden. Der Begriff ist soziologisch, zunehmend auch ökonomisch determiniert.

Verwahrloste Menschen verhalten sich nicht normgerecht, wirken, als hätten sie keine Kontrolle mehr über sich, halten die Gesetze nicht ein oder missachten Staatsbürgerpflichten. So gelten in einigen Ländern Nicht-Wähler schon als verwahrlost. In Deutschland galten bis in die 70er Jahre Jugendliche mit langem Haarschnitt bereits als verwahrlost. Nach der derzeitigen Bundesstatistik gelten Obdachlose, Langzeitarbeitslose, Personen ohne Ausbildung oder Bettler als verwahrlost, wenn mindestens eine zusätzliche Bedingung hinzutritt, wie Alkoholabhängigkeit oder Zugehörigkeit zu bestimmten Volksgruppen oder Religionen oder Strafauffälligkeit. In einigen US-Bundesstaaten, z.B. in Florida, gelten Straftäter ohne zusätzliche Bedingung als verwahrlost und verlieren damit ihre Staatsbürgerrechte.

[...] In der Psychologie und Psychiatrie wird der Verwahrlosungs-Begriff enger gefasst. Verwahrlosung ist dort nicht jede, sondern nur generalisierte und persistente Dissozialität (allgemeines, fortgesetztes Sozialversagen) (vgl. z. B. Klaus Hartmann, 1977). Nach einschlägigen empirischen Untersuchungen kommen als Ursachen besonders Vernachlässigung und Misshandlung in der frühen Kindheit in Betracht. Neueste neuropsychologische Forschungsergebnisse lassen psychotraumatisch erzeugte hirnorganische Schädigungen vermuten (vgl. www.agsp.de). Diese Form der Dissozialität erweist sich als ziemlich therapieresistent.

[...] Daneben gibt es den Begriff der Wohlstandsverwahrlosung (auch: Luxusverwahrlosung). Dieser Begriff beschreibt Kinder und Jugendliche, denen es an persönlicher Zuneigung und Zuwendung der Eltern fehlt. Die Eltern versuchen die fehlende Zeit für die Erziehung der Kinder oft durch vermehrte materielle Zuwendungen auszugleichen. Die Kinder leiden unter zunehmender Vereinsamung, sind oft nur auf sich selbst gestellt, verlieren jedes Gemeinschaftsgefühl.

Eine besondere Form der Verwahrlosung ist die Anstaltsverwahrlosung, das heißt die Vernachlässigung und Vereinsamung von Kindern, Alten, Behinderten, Kranken und Schwachen in Institutionen (Frühverwahrlosung, Hospitalismus, Deprivation, anaklitische Depression). Der Mangel an ausgebildetem Personal und der Zeitmangel bei der Betreuung in Heimen, Krankenhäusern und Anstalten führt regelmäßig zu Deprivations- und Frustrationserscheinungen bei den Patienten.

Wissenschaftliche Untersuchungen betrachten die Verwahrlosung als eines der größten Probleme der Zukunft.


Aus: "Verwahrlosung" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Verwahrlosung

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[Da sie die Wohnungstür nicht selbst öffnen konnten... (Notizen)]
« Reply #1 on: February 20, 2007, 11:45:46 AM »

Quote
[...] Fürth - Die ein, drei und fünf Jahre alten Kinder waren etwa zwei Tage allein in der Dachgeschosswohnung, berichtet eine Polizeisprecherin. Da sie die Wohnungstür nach dem Klingeln der Beamten nicht selbst öffnen konnten, brach die Feuerwehr den Zugang auf.

In der Wohnung fanden die Polizeibeamten verdorbene Lebensmittel. Die Wände seien mit Kot beschmiert gewesen. Das ein Jahr alte Baby lag nach Polizeiangaben in Exkrementen im Kinderbettchen. Nachdem der Notarzt festgestellt hatte, dass die beiden Mädchen und der Junge nach äußerem Anschein gesund sind, wurden sie zu einer Tante gebracht.

Ungeklärt war der Verbleib der Mutter. Die Polizei hatte kurz mit der 27-Jährigen telefoniert. "Sie stand dabei offenbar unter Alkoholeinfluss", sagte die Polizeisprecherin. Ihren Aufenthaltsort wollte die Gesuchte nicht nennen. Die Kriminalpolizei ermittelt gegen die Frau wegen Vernachlässigung der Fürsorge- und Erziehungspflicht.


Aus: "Kinder aus verwahrloster Wohnung befreit" (20. Februar 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,467316,00.html

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[Mutter und Sohn... (Notizen)]
« Reply #2 on: April 19, 2007, 08:54:43 AM »

Quote
[...] "Ich kann meinen Mitarbeitern keinen Vorwurf machen", betonte Hans Grohe von der regionalen Arbeitsgemeinschaft (Arge). Der verhungerte 20-Jährige war am Sonntagabend in seiner Wohnung gefunden worden, in der er mit seiner ebenfalls arbeitslosen Mutter gelebt hatte. Die stark geschwächte 48-Jährige gab in einer ersten Befragung an, sie hätten kein Geld gehabt, um Lebensmittel zu kaufen.

Den beiden war von Oktober 2006 an schrittweise die finanzielle Unterstützung gestrichen worden, nachdem der Sohn wiederholt Termine für Arbeitsangebote und Untersuchungen versäumt hatte. Im Oktober 2006 sollte er psychologisch begutachtet werden, um seine Arbeitsfähigkeit abzuklären. Als er nicht darauf reagierte, sei mit der Kürzung begonnen worden. Das sei der vorgegebene Weg, betonte Grohe. Auf die Streichung der Mittel habe die Familie nicht reagiert. Die Arge habe vom Gesetzgeber aus nicht den Auftrag, in derartigen Fällen von sich aus aktiv zu werden, so Grohe.

Die Mutter hat den 20-Jährigen in der ersten Vernehmung als depressiv und phlegmatisch beschrieben. Warum die ebenfalls deutlich von Mangelerscheinungen gezeichnete Frau nicht Hilfe geholt hatte, ist bislang unklar.

Der Speyerer Bürgermeister Hanspeter Brohm (CDU) betonte, es habe keinerlei Hilferuf der Familie gegeben, auf den hätte reagiert werden können. Nach Angaben einer Polizeisprecherin hatten Mutter und Sohn sehr zurückgezogen, "fast schon isoliert" in ihrer Wohnung in einem ansonsten leer stehenden Zweifamilienhaus gelebt.

Nach dem vorläufigen Obduktionsergebnis starb der 20-Jährige bereits in der vergangenen Woche, vermutlich in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. Seine Mutter hatte schließlich zu einem früheren Bekannten Kontakt aufgenommen, der die Polizei einschaltete.

Mutter und Sohn, die als Bedarfsgemeinschaft eingestuft worden waren, hatten vor der Kürzung ihrer Unterstützung insgesamt 621 Euro im Monat sowie die Miete für ihre Wohnung erhalten.


Aus: "Speyer: Behörden sehen keine Versäumnisse bei Hungertod" (18.04.2007)
Quelle: http://www.swr.de/nachrichten/rp/-/id=1682/nid=1682/did=2097788/1sdukl8/index.html
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["Ich wollte es nicht wahrhaben"... (Notizen)]
« Reply #3 on: April 20, 2007, 08:49:44 AM »

Quote
[...] Berlin - Die wegen Totschlags angeklagte Bäckereiangestellte in einem Baumarkt soll im November vorigen Jahres bei der Geburt am Arbeitsplatz das Kind mit dem Kopf gegen das Toilettenbecken gepresst und dabei so schwer verletzt haben, so dass es elf Tage später an den Folgen schwerer Schädelverletzungen starb.

Dem Staatsanwalt zufolge sind derartige Schädelverletzungen bei einem Neugeborenen "nur mit erheblicher Gewalt" zu erklären. Bei der Polizei hatte die Frau ausgesagt, "eine Sturzgeburt" gehabt zu haben. Am 11. November 2006 hatte die Verkäuferin während ihrer Arbeitszeit auf der Toilette der Bäckerei in einem Schöneweider Baumarkt einen Sohn zur Welt gebracht. Vor Gericht sagte die 24-Jährige, sie habe die "Schwangerschaft verdrängt" und die Geburt als solche nicht wahrgenommen. Erst als die Feuerwehr das Neugeborene hinausgebracht habe, habe sie gesehen, dass es ein Junge gewesen sei.

Ihren Angaben nach war sie wegen "Unterleibsschmerzen" und "Übelkeit" auf Toilette gegangen. Sie habe "gedrückt und gedrückt", um die Beschwerden loszuwerden, sagte sie. Dann habe sie plötzlich "etwas in den Händen" gehabt, habe "ihre Schenkel zusammengedrückt" und sei aufgestanden. Das Kind fiel nach Angaben der Frau direkt ins Toilettenbecken.

"Ich wollte es nicht wahrhaben", räumte die 24-Jährige ein. Deshalb sei sie weder beim Frauenarzt gewesen, noch habe sie sich Gedanken über einen Schwangerschaftstest oder eine mögliche Abtreibung gemacht. Von Freunden und Eltern auf ihre Gewichtszunahme angesprochen, hätte sie Krankheiten vorgeschoben. Auf Nachfrage gab die Verkäuferin im Prozess zu: "Ich wollte nicht schwanger sein." Nach der Trennung vom Kindesvater habe sie "Angst" gehabt, mit einem Baby "allein dazustehen" und "Freunde zu verlieren".

Eine Kollegin der Angeklagten hatte den Notdienst gerufen. Nach Angaben eines Beamten hatten die Einsatzkräfte zehn Minuten vor der Toilettentür gestanden, ohne die Schreie eines Babys zu hören. "Sonst wären wir sofort reingegangen", sagte er. Die Angeklagte habe anfangs erklärt, Durchfall zu haben.

(tso/ddp)


Aus: "Prozessbeginn: Baby starb bei Geburt auf Baumarkttoilette" (19.04.2007)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/nachrichten/prozessbeginn-geburt-toilette/99986.asp
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[Ein Zimmer war kaum zu öffnen... (Notizen)]
« Reply #4 on: April 29, 2007, 06:09:04 PM »

Quote
[...] Die Küche wurde dem Augenschein nach seit Monaten nicht mehr benutzt. Die Toilette war total verdreckt und mit Kot bedeckt. Der Fußboden war von Müll, Unrat, verschmutzter Wäsche und Lebensmittelresten bedeckt. Ein Zimmer war kaum zu öffnen, da sich hinter der Tür nur Müll und Unrat befanden.

Im Flur entdeckten die Beamten Margarine und Toastbrot. Möglicherweise haben sich die Kinder davon ernährt. Die Mutter sei wohl ab und zu erschienen und habe den Kleinen fünf Euro zugesteckt, sagte ein Polizeisprecher. Von der Frau fehlt bislang jede Spur.

Berlin ist das einzige Bundesland mit einem eigenen Fachkommissariat für Delikte an Schutzbefohlenen. Die Zahl der Fälle in diesem Bereich steigt seit Jahren: Während 2004 noch 554 Fälle von Misshandlung von Schutzbefohlenen erfasst wurden, waren es ein Jahr später 672 und im Jahr 2006 bereits 753.


Aus: "HILFERUF BEIM JUGENDAMT: Kinder lebten fast ein Jahr allein in Berliner Wohnung" - Polizisten haben in einer völlig verdreckten Wohnung in Berlin vier Kinder zwischen acht und zwölf Jahren entdeckt, die dort seit Monaten allein lebten. Die Mutter soll die Kinder dort zurückgelassen haben, als sie zu ihrem Freund zog. Der älteste Sohn wandte sich in seiner Not ans Jugendamt (SPON; 27. April 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,479852,00.html

-.-

Quote
[...] Berlin - Joshua (12) ist erst zwölf, doch für seine Geschwister war er Vater, Lehrer und Ernährer. Der Sechstklässler (Notendurchschnitt 1,8) musste für seinen Bruder (8) und seine Schwestern (9 und 11) die Mutter ersetzen. Gabriele B. (46), gelernte Erzieherin, kümmerte sich offenbar mehr um ihren neuen Freund als um ihre vier Kinder.

[...] Gabriele B., deren Kinder nun zusammen ins Heim kamen, hatte zu DDR-Zeiten bis 1990 als Kindergärtnerin in Oranienburg gearbeitet. Am Freitagabend, nachdem ihre Kinder aus der Wohnung geholt wurden, meldete sie sich bei der Polizei. Die Leiterin des Fachkommissariats für Delikte an Schutzbefohlenen beim LKA Berlin, Gina Graichen: "Ich fürchte, es ist ihr nicht richtig bewusst, was sie getan hat." Gabriele B. sei auf freiem Fuß und halte sich bei ihrem Freund auf. Ermittelt werde wegen Verletzung der Fürsorge und Erziehungspflicht. Ihr drohen bis zu drei Jahre Haft. Das Jugendamt müsse entscheiden, ob der Mutter ein Teil des Sorgerechts entzogen wird. Ein schlechtes Gewissen hat sie jedenfalls nicht. Der Berliner Tageszeitung "B.Z" sagte Gabriele B.: "Vielleicht hatte ich einfach mal die Schnauze voll." Und weiter: "Der Vater meiner Kinder ließ mich sitzen, ich verlor meine Arbeit als Erzieherin. Aber auch wenn ich mich nicht gekümmert habe, meine Kinder waren nicht verwahrlost. Ich sah sie vielleicht zwei Tage die Woche, habe Weihnachten und alle Geburtstage mit ihnen gefeiert. Sie wurden weder geschlagen, noch mussten sie hungern."

Fest steht: Der Mutter drohte offenbar die Zwangsräumung wegen Mietschulden. Sie kam in den vergangenen zehn Monaten nur gelegentlich vorbei und ließ etwas Geld da. Oft aber nur fünf Euro für einen Wocheneinkauf. Die Kinder, die alle regelmäßig zur Schule gingen, mussten wahrscheinlich immer wieder hungern. Über den Vater, einen Mosambikaner, liegen der Polizei noch keine Erkenntnisse vor. Er soll die Familie schon vor Jahren verlassen haben.

Ans Tageslicht kam der Fall nur durch den Hilferuf von Joshua, der sich seinen Lehrern anvertraut hatte. Als die Polizei anrückte, hingen in der Vierzimmerwohnung überall Spinnweben. Im Kühlschrank befanden sich "eine undefinierbare, verfaulte Masse und sowohl lebende als auch tote Fliegen".

Kindgerechte Nahrung gab es nicht. Die Toilette war verdreckt und mit Kot bedeckt. Der Fußboden war von Müll, verschmutzter Wäsche und Lebensmittelresten bedeckt.

Warum griffen die Behörden nicht früher ein? Jugendstadträtin Christine Keil (Linkspartei): "Die Familie war bekannt, das Jugendamt hat verantwortlich gehandelt." Seit 1998 habe die Familie einige Hilfsangebote wahrgenommen. Für heute sei ein Termin mit der Mutter geplant.
dpa, AP, HA


Aus: "Ich hatte einfach die Schnauze voll" (30. April 2007)
Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2007/04/30/732930.html

-.-

Quote
[...] Mitarbeiter des Landeskriminalamtes und des Neuköllner Jugendamtes griffen am Nachmittag in Neukölln ein, nachdem ein Hinweis auf eine stark verdreckte Wohnung eingegangen war, in der Kinder leben sollen.

In der Zweizimmerwohnung trafen die Beamten eine 39 Jahre alte deutsche Mutter, ihre 15-jährige Tochter, ihren 18 Monate alten Sohn sowie eine Katze an. Nach Polizeiangaben wohnt die Familie seit Anfang 2005 in dieser Wohnung.

Die Räume waren kaum zu betreten, zwischen Müllansammlungen existierten nur noch Trampelpfade. Für das Kleinkind gab es keine angemessene Schlafstätte, das Bett der Tochter war nicht benutzbar, weil dort Bekleidung und Müllsäcke abgelegt worden waren. In der Küche fanden die Ermittler verschimmeltes Geschirr und Essensreste, im Kühlschrank standen neben frischen auch verdorbene Lebensmittel. In der Badewanne wurden Säcke mit Katzenstreu und -kot entdeckt.

Beide Kinder kamen in die Obhut des Jugendamtes. Gesundheitliche Schäden wurden bei ihnen jedoch nicht festgestellt. Das Fachkommissariat hat Ermittlungen wegen des Verdachts der Verletzung der Fürsorge und Aufsichtspflicht aufgenommen.


Aus: "Verwahrlosung: Polizei befreit Kinder aus zugemüllter Wohnung" Von Peter Oldenburger (15. Mai 2007)
Quelle: http://www.morgenpost.de/desk/872822.html

« Last Edit: May 15, 2007, 09:50:05 AM by Textaris(txt*bot) »
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[Geschlagen, misshandelt oder vernachlässigt... (Notizen)]
« Reply #5 on: July 05, 2007, 11:36:37 AM »

Quote
[...] Hunderttausende Kinder in Deutschland werden nach einer Studie von ihren Eltern brutal geschlagen, misshandelt oder vernachlässigt. «Das sind mindestens 30.000 Jungen und Mädchen eines Jahrgangs», sagte der Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitätsklinik Ulm, Jörg Fegert, der Nachrichtenagentur dpa. Dies gehe aus Zahlen einer bundesweiten Kindergesundheitsuntersuchung des Robert Koch Instituts hervor.


Aus: "Tausende Eltern misshandeln brutal ihre Kinder" (05. Jul 2007)
Quelle: http://www.netzeitung.de/vermischtes/688870.html

-.-

Quote
[...] In Deutschland werden einer Studie zufolge Hunderttausende Kinder von ihren Eltern brutal geschlagen, misshandelt oder vernachlässigt. Nur selten dringe das Leiden der Kleinen an die Öffentlichkeit.

[...] "Frühe Misshandlung und Vernachlässigung von Kindern beschränkt sich nicht auf spektakuläre Einzelfälle wie etwa im Fall "Kevin"", mahnte Fegert. Gewalt gegen Kinder sei vielmehr "eine gesellschaftliche Herausforderung".


Aus: "Studie prangert Kinderleid in Deutschland an" (dpa,Financial Times Deutschland, 07/2007)
Quelle: http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Studie%20Kinderleid%20Deutschland/222123.html

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[Eine Sucht übernimmt den Körper... (Notizen)]
« Reply #6 on: July 15, 2007, 10:14:50 PM »

Quote
[...] Die Sucht ihrer Eltern nach Videospielen hat zwei Kleinkinder in den USA beinahe das Leben gekostet. Das elf Monate alte Mädchen und der 22 Monate alte Junge waren fast verhungert und stark verwahrlost, als Sozialarbeiter sie gerade noch rechtzeitig ins Krankenhaus brachten, wie die Zeitung „Reno Gazette-Journal“ unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft berichtete.

Der 23-jährigen Mutter, einer Lagerarbeiterin, und ihrem zwei Jahre älteren Mann, einem arbeitslosen Bankangestellten, droht nun eine Haftstrafe von bis zu zwölf Jahren. Nach Polizeiangaben litten beide Kinder unter massiven gesundheitlichen Problemen. Der Junge habe kaum laufen können.

Staatsanwältin Kelli Ann Viloria sagte, zwar seien Lebensmittel im Haus gewesen, die Eltern hätten ihre Kinder aber nicht versorgt, weil sie zu beschäftigt mit Online-Videospielen gewesen seien. Den Gerichtsakten zufolge soll der 25-jährige Vater eine Erbschaft in Höhe von rund 50.000 Dollar (36.000 Euro) in Computer-Ausrüstung und einen großen Plasma-Fernseher investiert haben.

Quote

15.07.2007 13:26:14

blariog: Pachinko

In Japan hat eine Pachinko-süchtige Frau vor Jahrenden ihre Kinder im Auto in der prallen Sonne verdursten lassen.
Was will ich damit sagen? Eine Sucht übernimmt den Körper des Menschen, mal mehr, mal weniger. Es mögen eigentlich ganz normale, ganz liebe Menschen sein, denen sowas passiert.
Was tun? Jegliche Suchtmöglichkeit verbieten, ist Blödsinn, von der Gesellschaft mehr Engagement fordern stets gern gehört und billig obendrein. Isolation der Städte durchbrechen...


Aus: "Wegen Videospielen beinahe verhungert: Online-Helden vergessen ihre Kinder" (15.07.2007)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,ra13m3/computer/artikel/702/123528/

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[Aber Antworten habe ich keine erhalten... (Notizen)]
« Reply #7 on: August 16, 2007, 12:59:34 PM »

Quote
[...] Das Baby lag abgemagert und apathisch auf einem verdreckten Schlafsofa. Im selben Zimmer hausten drei von Flöhen und Würmern befallene Katzen. Die gesamte Wohnung war voll von gebrauchten Windeln, Katzenkot und verschimmelten Lebensmitteln.

Im Kinderbettchen stapelte sich bis zum Gitterrand Müll. "Überall in der Wohnung herrschte ein Geruch von Urin, Tierkot und Müll", sagt Bernt Münzenberg, der Direktor des Amtsgerichts Neu-Ulm. Wie erst jetzt bekannt wurde, haben die Behörden im März im schwäbischen Illertissen einem zehn Wochen alten Kleinkind im letzten Moment das Leben gerettet - und zwar durch Zufall, weil ein Nachbar in der Wohnung der völlig überforderten Eltern die drei verwahrlosten Katzen gesehen hatte.

Der Katzenfreund verständigte die Polizei - und als die Beamten wegen des Verdachts auf Tierquälerei das 30-Quadratmeter-Apartment betraten, stockte ihnen gleich in zweifacher Hinsicht der Atem: erstens wegen des Gestanks, zweitens wegen des vor sich hin siechenden Kindes, von dem niemand gewusst hatte.

"Die Männer waren fix und fertig", sagt Bernt Münzenberg. Sheila Selina, so heißt das Mädchen, wurde sofort vom Jugendamt in Obhut genommen und ins Krankenhaus gebracht.

Die Ärzte stellten eine lebensgefährliche Austrockung sowie einen "desolaten Versorgungs- und Ernährungszustand" fest, wie es Richter Münzenberg ausdrückt. "Die Reaktionen des Kindes lagen nicht im Normbereich." Inzwischen hat sich das Kind erholt, Pflegeeltern versorgen es.

Den vorbestraften und drogensüchtigen Eltern im Alter von 21 und 22 Jahren wird wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht sowie wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz Mitte September vor dem Amtsgericht Neu-Ulm der Prozess gemacht.

Seit März hat das arbeitlose, unverheiratete Pärchen seine gemeinsame Tochter noch kein einziges Mal besucht. "Obwohl wir das zigfach angeboten haben", sagt Münzenberg. "Angesichts dieser Zustände fragt man sich schon, ob eine Zwangsuntersuchung von Babys solche Ausnahmefälle verhindern könnte", sagt der Amtsgerichtsdirektor.

Sheila Selina ist das vierte vernachlässigte oder misshandelte Kind, das in den vergangenen Wochen im Großraum Augsburg/Ulm Gerichte und Öffentlichkeit beschäftigt. In Bobingen lungerte ein Fünfjähriger tagelang unbeaufsichtigt auf der Straße herum, in Landsberg wurde eine Sechsjährige von ihrer Mutter geschlagen und gezwungen, ihr Erbrochenes aufzulecken.

In Ursberg wurde ein Mädchen von Geburt an fast acht Jahre lang versteckt und eingesperrt. Rudolf Winkler, Chefarzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Augsburger Krankenhaus Josefinum, erklärt diese aktuelle Häufung mit der Arbeit der Behörden: "Die Polizei und das Jugendamt werden besser."

Eine gleichzeitige Verrohung der Gesellschaft schließt Winkler nicht aus, er betont jedoch, dass es bei Kindstötung oder -misshandlung keine signifikante Steigerung gebe. Andererseits beobachtet er in seiner Klinik "eine Erhöhung der Fälle von Vernachlässigung".

Im Fall der inzwischen achtjährigen Anja, die ihr Leben lang in einem verdunkelten Zimmer eines Bauernhauses in Ursberg (Landkreis Günzburg) eingesperrt war, dauern die Ermittlungen an. Die Staatsanwaltschaft Memmingen wartet auf Gutachten zur Schuldfähigkeit der Mutter und zum medizinischen Zustand des Kindes. Beide Expertisen werden frühestens im Oktober erwartet.

Zwei Monate nach Anjas Entdeckung tritt allmählich das gesamte Ausmaß der Tragödie zu Tage: Die Entwicklung des Mädchens ist um Jahre verzögert, offenbar hat die Achtjährige erst jetzt in der Therapie richtig laufen gelernt. Wie sehr ihre Intelligenz unter der lebenslangen Tortur gelitten hat, ist derzeit noch nicht absehbar. Der Günzburger Familienrichter Klaus Mörrath entzog der Mutter das Sorgerecht und ernannte eine Verwandte zum Vormund. Als er sich vor seiner Entscheidung mit Anja unterhalten wollte, war kein Gespräch möglich. ,,Sie hat meine Fragen sicherlich verstanden‘‘, berichtet Mörrath, ,,aber Antworten habe ich keine erhalten.‘‘

Quote
15.08.2007 09:34:27
UweStucken:

Diesen Kommentar können wir leider nicht veröffentlichen. Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB.

Quote
14.08.2007 17:04:29
BIG BOY: Verrohung

Die Gesellschaft verroht nicht, sie weiss es nur jetzt besser. Früher hat sich kein Mensch um solche Fälle gekümmert. Ich selbst wurde von meinem Vater mit Wissen meiner Mutter in eine Pflegefamilie "vergeben", mit sieben Jahren durfte ich ein Jahr lang in einem Bett im Keller hausen, ohne Licht, Mein Vater zahlte auch noch dafür, mein "Gastgeber" hatte ein Haus gebaut musste seine Hypothek bezahlen, und da kam ihm das Geld gerade Recht, und meine Eltern waren mich los.

Das Dorf wusste es, keiner hat sich drumm gekümmert bis ich mich an einem Wochenende weigerte dorthin zurückzukehren, da halfen auch die Prügel nix und die Androhungen von Kindererziehungsanstalten.

Das war in den siebzigern, und die anderen Kinder bewarfen mich mit Steinen weil ich aus einem Scheidungshaushalt kam. Zu einem Kindergeburtstag lud uns nie jemand ein.

Danach war ich noch mal zehn Jahre Schlüsselkind und ass im Supermarkt zu Mittag.

Das hat alles keinen Schwanz interessiert, mein Vater konnte sogar noch eine Unterbringung in ein Erziehungsheim ankurbeln, ohne dass jemand nach dem warum gefragt hat. Dies konnte eine Intervention eines Familienmitglieds gerade noch verhindern.

Frage? Wie vielen anderen geht es jetzt so, und keiner weiss es oder alle schauen weg? Wo ist die Grenze der psyischen Belastbarkeit eines Kindes, und was wird es lebenslang mit sich herumtragen? Diese Fälle verjähren strafrechlich meist schon bevor man noch daran denkt sie anzuzeigen, was häufig auch schon dehalb nicht geschieht weil man sich nicht traut gerade 18 geworden seine eigene Familie (die einen ja unterhalten muss) auch noch anzuzeigen.

Es wird Zeit diese Vorgänge wie in Illertissen langzeitig zu verfolgen, die Entwicklungen dieser geschädigten Kinder zu analysieren, und ggf. die Eltern lebenslang zu einem Schadenersatz zu verpflichten, sie können es mit Geld zwar nicht mehr gutmachen, aber wenigstens dafür geradestehen, dass ihre Kinder nicht lebenslang den anderen hinterherschauen müssen. Oder erwartet man, dass die deart behandelten Kinder Gymnasium, Univerität, und dann Beruf gleich in gleich mit den anderen Menschen erleben? Wohl eher kaum.

Diese Fälle gibt es nicht nur in Deutschland oder in Wohlstandeuropa, es ist aber ein Unterschied ob man weiterhin wegschaut, oder nun wo man es weiss und die Mittel hat zu forschen diesen Vorgehen sowohl straf- wie zivilrechtliche Grenzen auf.

Quote
14.08.2007 16:06:31
jennya: stimmt nachdenklich

Beiträge wie diese häufen sich in letzter Zeit eklatant. Der Autor schreibt, dass die Rate der Kindstötung und/oder Misshandlung nicht angestiegen sei. Nun muss man aber mal nachdenken, ob man in der heutigen Zeit Zustände wie im Mittelalter( nur die Rate der Statitik gesehen) akzeptieren muss, oder ob es nicht wirklich zu einer Verrohung der Gesellschaft kommt. Meine Frage wäre es dann, wie man am Besten damit umgehen soll? Schließlich ist dies ein heikles Thema. Darf man dazu übergehen zu prüfen, in welche Familie die Kinder hineingeboren würden? Und darf man dann noch festlegen, wieviele Kinder in einem Haushalt leben dürfen? Nützt ein Führerschein für Eltern? Haben die Menschen sowenig Verstand und Moral, dass selbst ein Kinderleben nichts wert ist?
Was ist falsch an dieser Zeit?


Aus: "Kindsvernachlässigung in Schwaben: Das Baby aus der Müllhölle" Von Stefan Mayr (14.08.2007)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,ra13m3/bayern/artikel/262/128054/

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[Die Kinder werden vor dem Bildschirm "geparkt"... (Notizen)]
« Reply #8 on: August 16, 2007, 02:43:07 PM »

Quote
[...] 20 Prozent aller einjährigen Kinder sitzen einer repräsentativen Studie zufolge regelmäßig vor dem Fernseher. Bei den Dreijährigen sind es sogar fast 90 Prozent. Das ergab eine Umfrage eines Münchner Forschungsinstituts, wie die Zeitschrift "Eltern" in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet. Die Mütter setzten sich mit ihrem Nachwuchs vor die Flimmerkiste, weil sie beim Fernsehen das gemeinsame Kuscheln genießen wollten. Das wurde als häufigster Grund genannt. Der zweithäufigste Grund lautet: Die Mütter wollen ihre Hausarbeit erledigen, die Kinder werden vor dem Bildschirm "geparkt".
 
Die Studie ist nach Angaben des zuständigen Forschungsinstituts die erste Umfrage zum Fernsehkonsum von Einjährigen in Deutschland. Das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) in München hatte bundesweit knapp 750 Mütter von Kindern im Alter zwischen 0 und 5 Jahren befragt.


Aus: "Bedenkliche Studie: Einjährige vor Glotze "geparkt"" (Dienstag, 14. August 2007)
Quelle: http://www.n-tv.de/839207.html

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« Reply #9 on: November 22, 2007, 02:24:21 PM »

Quote
[...] Nach Angaben des Vermieters, der Schweriner Wohnungsbaugesellschaft, war es in dem Haus immer wieder zu Streit zwischen der jungen Familie und den überwiegend älteren Nachbarn gekommen. Grund dafür seien die beiden Hunde von Stefan T. und Nicole G. sowie die mangelnde Sauberkeit im Treppenhaus gewesen.

[...] Aber was wusste, was ahnte die Hausgemeinschaft? Das abendliche Klingeln des Reporters bei den unmittelbaren Nachbarn von Lea-Sophie verhallt unbeantwortet. Schließlich, nach einer ganzen Weile, krächzt eine Frauenstimme aus der Gegensprechanlage. "Wir können und wir wollen nichts sagen. Gehen Sie weg!"


Aus: "TOD EINES KLEINKINDES: "Eigentlich war doch alles in Ordnung"" Von Jörg Diehl, Schwerin (21. November 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,518813,00.html

-.-

Quote
[...] CHRONOLOGIE - Wenn Kinder vernachlässigt werden

Februar 2004: Im schleswig-holsteinischen Hanerau-Hademarschen verhungert ein elf Monate altes Baby, die Eltern geben an, mit ihren zwei Kindern überfordert gewesen zu sein. Die mit im Haus lebenden Großeltern haben vom bedrohlichen Zustand ihres Enkelkindes nichts mitbekommen. Die Eltern kommen für mehrere Jahre ins Gefängnis.

Juni 2004: In der Kühltruhe der Eltern entdecken Ermittler die Leiche des sechsjährigen Dennis aus Cottbus. Die Mutter hatte die Leiche zweieinhalb Jahre lang in der Kühltruhe versteckt. Sie hatte noch weitere zehn Kinder. 2006 werden die Eltern des Jungen wegen Mordes zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt, sie legen Revision ein. Der Bundesgerichtshof wandelte das Urteil im September 2007 in Totschlag um, Dennis' Mutter muss nun 13 Jahre im Gefängnis verbringen, der Vater elf.

Januar 2005: Bei einer Zwangsräumung in Düsseldorf kommt der Tod der dreijährigen Pervin ans Licht. Sie war bereits im Oktober 2002 verhungert. Die Mutter gesteht später, die Tochter nach ihrem Tod zerstückelt und zwei Jahre lang auf dem Balkon gelagert zu haben.

März 2005: In Hamburg erstickt die siebenjährige Jessica qualvoll an Erbrochenem. Das extrem unterernährte Mädchen war von ihren Eltern in einem dunklen, ungeheizten Raum eingesperrt worden. Dort hatte es aus Hunger die Tapete von den Wänden gekratzt und Teppichflusen gegessen. Die Katze des Paares war dagegen gut ernährt und gepflegt.

Frühjahr 2006: Eingewickelt in eine Mülltüte entdecken Ermittler die stark verweste Leiche des zweijährigen Benjamin in Schlagenthin (Sachsen-Anhalt). Der Junge war ein Jahr zuvor an Unterernährung gestorben. Die arbeitslosen Eltern haben weitere fünf Kinder im Alter von einem bis acht Jahren.

Dezember 2006: Der knapp zehn Monate alte Leon aus Sömmerda in Thüringen verdurstet, weil seine Mutter ihn vier Tage lang allein in der Wohnung zurückgelassen hat. Sie sei überfordert gewesen, sagt die Frau später. Die zweijährige Schwester des Jungen kann in letzter Minute gerettet werden.

Frühjahr 2007: Im hessischen Ort Bromskirchen verhungert und verdurstet die 14 Monate alte Jacqueline. Das Kind wiegt vor ihrem Tod nur noch sechs Kilogramm, etwa halb so viel wie in diesem Alter üblich. Die Mutter bringt das Kind noch selbst zu einer Ärztin, doch es ist bereits tot. Beide Eltern sind drogensüchtig.

hei/dpa




Aus: "CHRONOLOGIE: Wenn Kinder vernachlässigt werden" (SPON, 21. November 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,518771,00.html

« Last Edit: November 22, 2007, 02:26:51 PM by Textaris(txt*bot) »
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[Wir haben nie darüber geredet... (Notiz, )]
« Reply #10 on: April 16, 2008, 10:06:21 AM »

Quote
[...] Lea-Sophie Die Fünfjährige verhungerte qualvoll - Gestern begann in Schwerin der Mordprozess gegen ihre Eltern ...

[...] Er habe "keine enge Beziehung" zu ihr gehabt, liest sein Anwalt vor. "Ich konnte nicht richtig mit ihr spielen. Das hat Nicole getan." T. beschäftigte sich stattdessen mit Computern und den Fischen, Hunden, Katzen, Wellensittichen und Meerschweinchen, die mit in der Wohnung lebten. Als Lea-Sophie nach Justins Geburt anfing zu bocken, nicht mehr essen wollte, hätten sie mit ihr gesprochen. "Aber alle Appelle an die Vernunft halfen nicht." Überall in der Wohnung habe es Lebensmittel gegeben. "Ich dachte, dass sie sich mit Süßigkeiten versorgt." Wie dramatisch es um sein Kind stand, will Stefan T. nicht bemerkt haben. Erziehung und Verantwortung für seine Kinder habe er seiner Freundin überlassen. "Wir haben nie darüber geredet. [...]"


Aus: "... doch die Mutter sagt kein Wort" (16. April 2008)
Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2008/04/16/869714.html

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[Verwahrlosung... (Notizen)]
« Reply #11 on: November 02, 2017, 09:28:18 AM »

Quote
Synonyme für Benimm:

 Betragen {n}, Bildung {f}, Disziplin {f}, Erziehung {f}, Etikette {f}, Kinderstube, Manieren, Schliff (m), Umgangsformen, Anstand {m}, Lebensart (f), Geschmack {m}, Art {f}, Aufführung {f}, Feingefühl {n}, Anstand {m}, Form {f}, Auftreten {n}, Gehabe {n}, Gebaren, Haltung {f}, Höflichkeit {f}, Allüren, Handlung {f}, Kultur {f}, Manieren, Faxen, Habitus {m}, Verhalten {n}, Handlungsweise {f}, Lebensart (f), feine Art, Flausen, Reaktion {f}, feine Form, Kinderstube, Verhaltensweise (f), Niveau {n}, feine Sitte, Zirkus {m}, Auftritt {m}, Schliff (m), Brauch {m}, Mache, Sitte {f}, Benimm, Führung {f}, Takt {m}, Mätzchen {n}, Etikette {f}, Umgangsformen, Sperenzchen, Umgang (m), Getue {n}, gebaren



http://synonyme.woxikon.de/synonyme/benimm.php (11/2017)


Quote
[...] Die geschilderten Polizeischüler sind zwischen 16 und 18 Jahren alt und haben die Ausbildung für den mittleren Dienst gerade begonnen. Laut Neuendorf gibt es beim Benehmen von Schulabgängern seit Jahren einen Abwärtstrend, und zwar unabhängig vom Migrationshintergrund. In vielen Fällen müssten grundlegende Umgangsformen erst erlernt werden. ...


Aus: "Ausbilder klagt über Zustände an Berliner Polizeiakademie" (01.11.2017)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/freche-und-provokative-schueler-ausbilder-klagt-ueber-zustaende-an-berliner-polizeiakademie/20529652.html
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« Reply #12 on: March 13, 2019, 02:55:46 PM »

Quote
[...] Kamp-Lintfort Der demografische Wandel stellt auch Kamp-Lintfort vor wachsende Herausforderungen, eine davon ist die Zunahme von Fällen der Verwahrlosung. Darüber hat die Verwaltung am Donnerstag den Ausschuss für Senioren und Soziales informiert.

2018 seien das Ordnungsamt und das Sozialamt nicht selten zu Menschen gerufen worden, bei denen eine Verwahrlosung einzutreten drohte. „Im Durchschnitt war das einmal im Monat. Hilferufe von Nachbarn, Angehörigen, Betreuern und der Polizei nehmen gravierend zu“, heißt es in der Vorlage zum Ausschuss. Die Betroffenen seien in den meisten Fällen alleinstehende Personen. Die Verwaltung hat sich deshalb mit der Frage nach Handlungsmöglichkeiten beschäftigt. Ein erster Baustein soll die Initiierung eines Kooperationsnetzwerkes in Form eines interdisziplinären Arbeitskreises sein, in dem alle mit dem Thema befassten Professionen vertreten sind. Das Netzwerk soll eine Informations- und Austauschplattform darstellen. Die Verwaltung sieht aber auch die Möglichkeit, über das Netzwerk eine Art Frühwarnsystem zu entwickeln. „So könnten zum Beispiel Mitarbeitende von Wohnungsbaugesellschaften, Ärzte und Apotheker geschult werden, um deren Blick für sich anbahnende Dissozialität zu schärfen“, heißt es in der Vorlage für den Ausschuss  für Senioren und Soziales.  Auch eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit sei ein wichtiger Schritt zu einem achtsamen nachbarschaftlichen Miteinander.

Aus diesem interdisziplinären Kreis heraus soll in einem nächsten Schritt ein Broschüre erstellt werden, in der die unterschiedlichen Professionen des Kooperationsnetzwerkes ihre jeweils unterschiedlichen Unterstützungsmöglichkeiten darstellen.  Die Broschüre richte sich an beruflich und ehrenamtlich Tätige, die mit dem Thema Verwahrlosung konfrontiert sind. Sie soll außerdem  eine gegenseitige Vernetzung fördern. ...


Aus: "Kamp-Lintfort: Stadt stellt Zunahme der Fälle von Verwahrlosung fest" (15. Februar 2019)
Quelle: https://rp-online.de/nrw/staedte/kamp-lintfort/stadt-kamp-lintfort-stellt-zunahme-der-faelle-von-verwahrlosung-fest_aid-36768313

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« Reply #13 on: March 13, 2019, 03:06:41 PM »

Quote
[...] Junkies, Obdachlose, Kleinkriminelle – der S-Bahnhof Tempelhof bereitet dem Bezirk Sorgen. Lokalpolitiker reagieren jetzt auf Anwohnerbeschwerden.

Die rechte Hand hängt in der Luft, als wäre sie angefroren, die Finger sind zur Schaufel geformt. Die Hand zeigt alle Spuren eines harten Lebens. Kein Wunder, der Mann, dem sie gehört, trägt diese Spuren überall. Struppiger Bart, verfilzte Haare, dreckige Hosen, speckige Kapuzenjacke, an der rechten Seite eine prall gefüllte Plastiktüte.

Ein Bettler, der sich nicht mal die Mühe macht, mitleidheischend zu schauen. Stattdessen konzentriert er sich auf eine Illustrierte, die auf seinem linken Knie liegt. Der Kopf ist gebeugt, die Reportage ist jetzt wichtiger. Titel lautet: „Manche mögen’s heiß.“

Es ist nicht nötig, dass er Menschen anblickt und um Aufmerksamkeit bettelt, man kennt ihn, der Mann sitzt regelmäßig hier, immer auf der gleichen Stufe, immer am Rand der breiten Treppe, die vom Bahnsteig des S-Bahnhofs Tempelhof zur Ladenpassage führt.

Unten, zwischen dem Lift und einem Zeitungskiosk, lungert seit längerem schon ein Mann. Regungslos scannt er seine Umgebung, blaue Wollmütze, weiße Winterjacke, Schnurrbart, südländisches Aussehen. Ein Reisender, der auf jemanden wartet? Oder ein Drogendealer?

Und ist der junge Mann in den schwarzen Klamotten, der draußen, direkt neben dem Eingang zum S-Bahnhof, wartet und ein paar Schritte auf und ab geht, ein Drogendealer? Seine Umgebung beobachtet er genauso mit schnellen Blicken wie der Mann mit der Wollmütze.

Schwer zu sagen, was sie dort tun, aber an diesem Freitag Anfang März sind die Drei auf jeden Fall die auffälligsten Erscheinungen an dem S-Bahnhof. Doch es gibt wohl auch andere Zeiten, mit ganz anderen Szenen. Dann wirkt der nüchterne S-Bahnhof Tempelhof nicht mehr ganz so unauffällig.

Harald Sielaff hat einen Fixer beobachtet, der sich einen Schuss setzt. Er hat auch beobachtet, „dass dort offen Drogen verkauft werden“. Und dann die Obdachlosen, die im Bahnhofsbereich herumhingen.

„Die Situation ist heikel“, sagt Sielaff, CDU-Mitglied und Bezirksverordneter in Tempelhof-Schöneberg. Sielaff ist Vorsitzender des Ausschusses für Bürgerdienste und Ordnungsangelegenheiten.

Die Situation ist offenbar so heikel, dass die BVV vor kurzem in einem Beschluss Maßnahmen gegen „die Verwahrlosung am S-Bahnhof Tempelhof“ gefordert hat. Ursprünglich ein Antrag der SPD-Fraktion, aber die CDU hat sich ihm angeschlossen.

Begründung des Antrags: Im Bereich des S- und U-Bahnhofs Tempelhof „konnte sich eine Szene aus aggressiven Trinkgruppen, Kleinkriminellen, Drogenhändlern und -konsumenten etablieren“. Hinzu kämen Obdachlose. „Die Situation ist für Passanten und Fahrgäste schwer erträglich.“

Auf dem Vorplatz gebe es wegen der ungeschützt abgestellten Mülltonnen Ratten, die Zufahrt zum ehemaligen Güterbahnhof sei stark verschmutzt („Notdurftverrichtungen, Müllablagerungen“).

Eine Arbeitsgruppe soll die Probleme angehen. Eine Art Runder Tisch mit BVG, S-Bahn, Bundespolizei, Ordnungsamt, dem privaten Eigentümer des Vorplatzes. Kompetenz-Wirrwarr haben die Bezirkspolitiker als Teil des Problems ausgemacht.

Die BVG ist für den U-Bahnbereich im Bahnhof zuständig, die S-Bahn hat ihre eigene Einflusszone, die Bundespolizei kümmert sich um die Sicherheit im Bereich der Anlagen der Deutschen Bahn, Berliner Polizei und BVG-Sicherheit um die U-Bahn. Die Problemgruppe, sprich: die Dealer und ihre Kunden, nütze laut BVV-Antrag „die jeweiligen Grenzen der Befugnisse aus“. Sie müssen ja nur von den U-Bahntreppen zu den S-Bahnstufen.

Die Bezirkspolitiker sind aufgeschreckt, weil in Tempelhof eigentlich noch vergleichsweise viel Ruhe herrscht. Und die S-Bahnhof galt bislang nicht als drogenauffälliger Raum. Seit November 2018 aber, sagt Sielaff, gebe es verstärkt Beschwerden über die Zustände. „Wir sind auch der Auffassung, dass dort ein offener Drogenkonsum stattfindet.“

Auch Anwohner hätten den Drogenverkauf auf dem S-Bahnhof beobachtet. Sogar „jüngere Anwohner haben uns angesprochen“. Eine höhere Polizeipräsenz sei nötig, findet Sielaff.

Drogenverkauf- und -konsum seien zwar das größere Problem als die Obdachlosen, doch die störten nach Ansicht von Sielaff und der BVV auch die Szenerie am S-Bahnhof. Nach seinen Kenntnissen handele es sich vorwiegend um Menschen aus südosteuropäischen Ländern, Rumänen, Bulgarien. Polen seien eher selten anzutreffen. Natürlich, Obdachlosen müsse Hilfe angeboten werden. „Aber es gibt Leute, die jede Hilfe ablehnen.“

Christiane Heiß, als Bezirksstadträtin auch zuständig fürs Ordnungsamt, sagt, ihre Behörde habe den S-Bahnhof durchaus auf dem Radarschirm. „Seit längerem sieht sich das Ordnungsamt die Situation am S-Bahnhof Tempelhof mehrmals in der Woche persönlich an. Unter der S-Bahnbrücke campieren seit langer Zeit wechselnde Obdachlose, zahlenmäßig im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich.“

Es gibt Phasen, da sind es fünf Personen, dann wieder sind es nur drei, mitunter ist aber auch gar keiner zu sehen. Da es vergleichsweise wenig Müll gegeben habe, sei es zu keiner Räumung gekommen.

„Die auch im öffentlichen Raum sichtbaren und zugrundeliegenden Folgen von Armut, steigendem Druck auf dem Wohnungsmarkt und Arbeitslosigkeit lassen sich durch das Ordnungsamt nicht beseitigen.“ Und Drogen gehörten ohnehin in den Bereich der Polizei. „Es gibt aber auch eine konzertierte Maßnahme des Bezirkes, um lokale Schwerpunkte zu entschärfen. Hier werde ich den S-Bahnhof als weiteren Ort vorschlagen.“

Die Gesamtzahl der Delikte ging 2018 im Bereich des S- und U-Bahnhofs Tempelhof zwar zurück, von 290 auf 268. Aber im zweiten Halbjahr 2018 hat die Polizei 144 Delikte registriert, das sind 20 mehr als im zweiten Halbjahr 2017.

Die Zahl der Straftaten im Zusammenhang mit Betäubungsmittel hat sich von sieben (zweites Halbjahr 2017) auf 14 erhöht (zweites Halbjahr 2018), im gesamten Jahr 2018 (24 Fälle) fiel die Zahl allerdings gegenüber 2017 (27) ab. Stark angestiegen ist 2018 im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Sachbeschädigungen, von 68 auf 81 Fälle. Dagegen sank die Zahl im Fall von Nötigung, Freiheitsberaubung und Bedrohung (2017: 20, 2018: 11).

Für die S-Bahn gibt es in Berlin ganz sicher erheblich problembelastetere S-Bahnhöfe als Tempelhof, doch sie hat auch den im Auge. Eine S-Bahnsprecherin sagt: „Leider stellen wir an solchen Stationen auch immer wieder fest, dass die Drogenszene den Schutz der Massen und die schnellen Möglichkeiten zu entfliehen für Umschlag und Konsum nutzt. Die Station ist grundsätzlich, wie alle Berliner Bahnhöfe, in das gemeinsame Einsatzkonzept Berlin der DB Station & Service AG und S-Bahn Berlin GmbH integriert und Bestandteil eines Bewachungsraumes.“

Der S-Bahnhof gehöre zum Bewachungsbereich, der die Bahnhöfe Berlin Südkreuz (Ringbahn) bis Berlin Treptower Park umfasst. Dieser Bewachungsraum sei rund um die Uhr von einer Doppelstreife des Sicherheits- und Ordnungsdienstes (SOD) besetzt. Daraus ergebe sich, dass der S-Bahnhof Tempelhof regelmäßig im Tagesverlauf präventiv durch die Sicherheitskräfte kontrolliert werde.

Zusätzlich würden Schwerpunkteinsätze des Sicherheitspersonals veranlasst, wenn es aufgrund von Hinweisen und Meldungen erforderlich sei.
Diese Maßnahmen führten zur Verdrängung und dann auch regelmäßig zur Verbesserung der Situation vor Ort. Mit einem kleinen Nachteil allerdings, und den benennt die Bahnsprecherin: „Leider auch nur temporär.“


Aus: "Die Schmuddel-Station" Frank Bachner (03.03.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/s-bahnhof-tempelhof-die-schmuddel-station/24058708.html

Quote
Rastapopoulos 04.03.2019, 14:51 Uhr

    „konnte sich eine Szene aus aggressiven Trinkgruppen, Kleinkriminellen, Drogenhändlern und -konsumenten etablieren“.

 Die konnte sich doch bloß wegen des Laissez-faire etablieren.
Warum macht die Polizei/Bahnpolizei/OA nicht seine Arbeit und verscheucht das Pack ?


Quote
schoeneberger 04.03.2019, 16:01 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Rastapopoulos 04.03.2019, 14:51 Uhr

'Das Pack' - die Mittelschicht war in diesem Land schon immer sehr gut, nach unten zu treten. Mit allen hässlichen Begriffen der Abwertung von Obdachlosen, Dealern etc. Selbst dann oder gerade dann, wenn sozialer Abstieg, Verlust der Arbeit oder der Wohnung auch immer mehr sie selbst betreffen kann.


Quote
Rastapopoulos 06.03.2019, 12:23 Uhr
Antwort auf den Beitrag von schoeneberger 04.03.2019, 16:01 Uhr

Selbst Opfer des Neoliberalismus könnten in Würde leben und müssen nicht Drogen nehmen oder dem Alkoholismus verfallen andere Leute belästigen oder angreifen.
Alles nur falsch verstandene Toleranz, irgendwo muß man einfach eine Grenze ziehen.


Quote
robie1986 04.03.2019, 14:46 Uhr

Antwort auf den Beitrag von jorgfried 03.03.2019, 18:42 Uhr
"U-Haft bis zur Verurteilung" "Abschieben!" "Heimschicken" "muss damit klar kommen" - schön zu sehen, wie manche Leute mit sozialen Problemen umgehen: Knüppel rauf und gut ist.


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« Reply #14 on: June 16, 2020, 09:10:01 AM »

Quote
[...] Eine Mutter muss sich seit Montag vor Gericht verantworten, weil sie ihr zwei Jahre altes Kind laut Anklage bewusst verdursten ließ. Die 29-Jährige habe ihren kleinen Sohn „böswillig“ vernachlässigt, sagte die Staatsanwältin zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Mönchengladbach. Der Angeklagten wird unter anderem Totschlag durch Unterlassen vorgeworfen.

Am ersten Verhandlungstag schwieg die Mutter und hörte der Anklage äußerlich gefasst zu. Ab und zu blickte sie durch den Raum und holte tief Luft. Eine kleine Spange verhinderte, dass ihr die Haare ins Gesicht fielen. Die Frau will sich nach Angaben ihres Verteidigers im Verlauf des Prozesses zu ihrer Person und dem Tatvorwurf äußern.

Am 14. April vergangenen Jahres habe die Mutter dem kleinen Jungen noch zu essen und zu trinken gegeben und ihn in sein Kinderbett in der Wohnung in Grevenbroich am Niederrhein gelegt. Dann habe sie einen Heizlüfter auf hohe Stufe eingestellt und so hingestellt, dass er auf das Bett gerichtet war. „Bewusst und gewollt“ habe sie dann nahezu zwei Tage nicht nach dem Kind geschaut und dadurch den Tod des Zweijährigen in Kauf genommen, sagte die Staatsanwältin.

Als sie am 16. April wieder nach ihrem Sohn geschaut habe, sei kein Leben mehr in dem Kind gewesen. Die von ihr alarmierten Rettungskräfte hätten nur noch den Tod des kleinen Jungen feststellen können. Laut Rechtsmedizin ist der Zweijährige aufgrund von Flüssigkeitsmangel in Verbindung mit erheblicher Hitzeeinwirkung gestorben.

Die Staatsanwältin verwies im Landgericht auf frühere Angaben der Angeklagten bei der Polizei. Demnach befand sich die Mutter in einer „Überforderungssituation aus verschieden Gründen“. Einer davon sei gewesen, dass sie krank gewesen sei.

Die Angeklagte lebte den Angaben zufolge mit ihrem Ehemann, dem Vater des Kindes, in der gemeinsamen Wohnung in Grevenbroich. Sie habe außerdem eine ältere Tochter. Diese lebe jetzt in einer Pflegefamilie. Der Ehemann der Angeklagten sei anfangs auch beschuldigt worden, Ermittlungen hätten jedoch ergeben, dass er nicht an der Tat beteiligt gewesen sei.

Am ersten Verhandlungstag wurde auch eine psychologische Gutachterin als Zeugin gehört. Sie machte Angaben zu der Biografie der Angeklagten. Demnach hat die Frau während ihrer Kindheit und Jugend bei ihrer Mutter gelebt, die „vier bis fünf Mal“ geheiratet habe und deswegen mit ihrer Tochter oft umgezogen sei. Sie hätten unter anderem in Berlin, in Bayern und an der Nordsee gewohnt. Später sei die Angeklagte mit ihrem jetzigen Ehemann und der gemeinsamen Tochter zur Geburt des Kindes nach Grevenbroich gezogen. (dpa)

Thema: Familie


Aus: "Mutter ließ Anklage zufolge ihr Kind „bewusst“ verdursten" (15.06.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/zweijaehriger-starb-qualvoll-mutter-liess-anklage-zufolge-ihr-kind-bewusst-verdursten/25918210.html

-

Quote
[...] Sie konnte sich nicht wehren gegen den Stiefvater. Jens H. missbrauchte das Mädchen immer wieder – laut Ermittlungen fast täglich zwischen Juli 2010 und Mai 2012 in seiner Marzahner Wohnung. Zwölf Jahre alt war die Schülerin bei den ersten Übergriffen. Als sie 14 war, liefen die Ermittlungen gegen den Stiefvater an. Er kam nicht in U-Haft. Das Verfahren war damit kein „eilbedürftiges“. Acht Jahre vergingen bis zum Prozess gegen den 45-Jährigen seit Montag am Landgericht.

Anklage wegen 498 Taten wurde schließlich Anfang 2017 erhoben. H. sei seit 2005 mit der Mutter des Mädchens verheiratet, heißt es darin. Im Juli 2010 sei der Mann aus der Familienwohnung ausgezogen. Am Tag darauf habe er die Stieftochter erstmals in seinem neuen Domizil missbraucht. Er habe mehrfach sexuelle Übergriffe gefilmt.
Einige Fällen wurde nun bereits am ersten Prozesstag vorläufig eingestellt – unter anderem wegen drohender Verjährung. Es sei in dem Verfahren zu rechtsstaatswidrigen Verfahrensverzögerungen gekommen, sagte die Vorsitzende Richterin. Erst blieb es bei der Staatsanwaltschaft wegen Überlastung liegen, dann beim Landgericht.

H. hatte von Anfang an gestanden und sich in eine Therapie begeben. Er habe damals geglaubt, sie hätten eine Liebesbeziehung, erklärte er auch jetzt im Prozess. „Ich bedauere zutiefst und bitte um Entschuldigung“, so der nicht vorbestrafte Mann. Als die Vorwürfe bekannt wurden, habe er den Kontakt zur Stieftochter abgebrochen.

Seinem Opfer fiel es nun schwer, vor Gericht auszusagen. Wann es zu Taten kam? „Immer, wenn wir allein waren.“ H. habe gedroht sich umzubringen, „wenn ich nicht mache, was er will“, so die Zeugin unter Tränen.

Ihre Mutter sei auf Andeutungen nicht eingegangen. „Da war keiner, mit dem ich hätte reden können.“ Mit 14 sei sie in ein Heim gekommen. Die Mutter habe ihr die Schuld gegeben. Inzwischen habe sie eine eigene Familie gegründet.


Aus: "Berliner Stiefvater gesteht vor Gericht fast tägliche Übergriffe auf seine Stieftochter" Kerstin Gehrke (15.06.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/hundertfacher-kindesmissbrauch-berliner-stiefvater-gesteht-vor-gericht-fast-taegliche-uebergriffe-auf-seine-stieftochter/25917252.html

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« Reply #15 on: August 27, 2020, 02:54:11 PM »

Quote
[...] Die Jugendämter in Deutschland haben im vergangenen Jahr bei rund 55.500 Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung festgestellt – laut des Statistischen Bundesamts waren dies zehn Prozent mehr als 2018 und damit so viele wie nie seit Einführung der Statistik im Jahr 2012.

Die Statistiker führen diesen Anstieg auf zwei Gründe zurück: zum einen "die umfangreiche Berichterstattung über Missbrauchsfälle in den vergangenen beiden Jahren", die zu einer weiteren generellen Sensibilisierung der Öffentlichkeit sowie der Behörden geführt haben dürfte. Zum anderen: "Gleichzeitig können auch die tatsächlichen Fallzahlen gestiegen sein." 

Den Angaben zufolge prüften die Jugendämter 2019 bundesweit mehr als 173.000 Verdachtsfälle im Rahmen einer Gefährdungseinschätzung. Das waren rund 15.800 mehr als 2018. Jedes zweite dieser Kinder war jünger als acht Jahre. Die meisten Minderjährigen wuchsen bei Alleinerziehenden auf (42 Prozent). Bei beiden Eltern gemeinsam lebten 38 Prozent, bei einem Elternteil in neuer Partnerschaft elf Prozent.

Etwa die Hälfte der gefährdeten Kinder und Jugendlichen war zum Zeitpunkt der Gefährdungseinschätzung schon in Kontakt mit der Kinder- und Jugendhilfe. Nur vier Prozent von ihnen hatten selbst Hilfe beim Jugendamt gesucht. Am häufigsten kam ein Hinweis von Polizei, Gericht und Staatsanwaltschaft (22 Prozent), Schulen und Kitas (17 Prozent) oder aus dem privaten Umfeld beziehungsweise anonym (15 Prozent).

Die meisten gefährdeten Kinder wiesen der Statistik zufolge Anzeichen von Vernachlässigung auf (58 Prozent). Bei rund einem Drittel aller Fälle (32 Prozent) gab es Hinweise auf psychische Misshandlungen wie Demütigungen, Isolierung oder emotionale Kälte. In weiteren 27 Prozent der Fälle gab es Indizien für körperliche Misshandlungen, bei fünf Prozent Anzeichen für sexuelle Gewalt.

"Auch wenn Kindeswohlgefährdungen durch sexuelle Gewalt mit rund 3.000 Fällen am seltensten festgestellt wurden, war hier prozentual ein besonders starker Anstieg zu beobachten", berichteten die Statistiker: Von 2018 auf 2019 nahmen die Fälle durch sexuelle Gewalt um 22 Prozent zu.

2019 registrierten die Jugendämter auch mehr betroffene Jungen. "Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass inzwischen auch Jungen häufiger als potenzielle Opfer sexueller Gewalt wahrgenommen werden", vermuteten die Statistiker. Trotzdem sind Mädchen weiterhin am häufigsten betroffen.

Die Jugendämter sind in diesen Fällen verpflichtet, einzugreifen: In 20 Prozent aller Fälle schaltete das Jugendamt das Familiengericht ein, in 16 Prozent nahm es die Kinder vorübergehend in Obhut. Bei weiteren knapp 60.000 Kindern und Jugendlichen hat sich der Verdacht der Kindeswohlgefährdung nicht bestätigt, die Jugendämter sahen aber dennoch Hilfe- und Unterstützungsbedarf. Die Zahl dieser Fälle nahm um 12 Prozent zu. Nicht bestätigt hat sich der Verdacht in rund 58.400 Fällen, das waren acht Prozent mehr als im Vorjahr.


Aus: "Zahl der Kindeswohlgefährdungen erreicht Höchststand" (27. August 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2020-08/jugendschutz-kindeswohlgefaehrdungen-hoechststand-sexuelle-gewalt-misshandlung-vernachlaessigung-jugendamt

Quote
Kapaster d.J. #2

Wenn ich an meine eigene Kindheit (in der DDR) zurückdenke, dann ergibt sich zumindest ein Indiz dafür, warum es immer noch zu diesen Misshandlungen kommt: Ich war damals unter den Jungen ein Exot, denn ich war der Einzige, der nicht geschlagen wurde. So wird diese Brutalität durch die Generationen weitergetragen. Immerhin ist es aber, im Vergleich zu damals, deutlich besser geworden - trotz der immer noch erschreckend hohen Zahlen .

Das war in den 60ern. Dörfliches Umfeld. Geschlagen wurde manchmal oder regelmäßig, mit der Hand oder mit Gegenständen.
Wer nur mit der Hand und nur ab und zu betroffen war, der war schon fein raus.


Quote
Christian W. #2.1

Sicherlich wird das auch an die nächste Generation weitergegeben.
Mein Vater allerdings wurde nach seinen eigenen Aussagen als Kind so oft verprügelt, das er sich geschworen hat, so etwas nie seinen eigenen Kindern anzutun.
Und er hat sich daran gehalten.


Quote
Hauptsache Haltung zeigen #2.6

Ich habe drei oder vier mal eine Ohrfeige von meinem Vater bekommen, es hat mir nicht geschadet, im Gegenteil.


Quote
Wunderwuzzi #2.12  —  vor 1 Minute

"Ich habe drei oder vier mal eine Ohrfeige von meinem Vater bekommen, es hat mir nicht geschadet, im Gegenteil."

Schön für Sie, oder? Glauben Sie ernsthaft es geht hier um drei oder vier Ohrfeigen, während der Kindheit? ...


Quote
Kapaster d.J. #2.8

Ich kenne niemanden, der behauptet, es hätte ihm "nicht geschadet", bei dem der Schaden bei näherem Hinsehen nicht offensichtlich gewesen wäre.

Ach, damals gab es das Wort "Stress" überhaupt noch nicht, dafür öfter mal das erste Bier um 10.
Diejenigen, die besonders brutal misshandelt wurden, kamen meist aus Arbeiter- und Bauernfamilien.


Quote
Karlsweg #3

Mich würde eine Einordnung / Verteilung dieser schrecklichen Zahlen auf die sozio-ökonomische Situation der Haushalte interessieren. Gibts da was? Habe nix gefunden.


Quote
namevergeben2 #3.2

Kindesmissbrauch findet in allen sozialen Schichten statt, vom Arzt bis zum Arbeitslosen.


...
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« Reply #16 on: September 06, 2020, 12:11:50 PM »

Quote
[...] Laut Staatsanwaltschaft war die Familie polizeilich auffällig gewesen, es habe Konflikte gegeben, Noteinsätze, 2014 einen Wohnungsbrand, 2019 eine Anzeige der Mutter gegen einen der drei Kindsväter wegen Diebstahls. Von einer „zerrütteten Familie“ sprechen die Ermittler. ...

Mütter sind gleichwohl ebenso Täterinnen wie Väter. Die Kriminalstatistik der Bundesrepublik verzeichnet durchschnittlich zwei „vollendete Tötungsdelikte“ an Kindern pro Woche, durch Misshandlung oder Vernachlässigung, fast alle verübt in der Familie. ...

Im Lauf der Geschichte nahmen Kindsmorde tendenziell ab. Aufklärung und Sozialsysteme bieten Kindern, zumal in demokratischen Wohlstandsgesellschaften, mehr Schutz. Umso skandalöser ist es, wenn fehlender Kinderschutz als „Familiendrama“ und „Tragödie“ vom Politischen ins Private verschoben wird.

Überforderten Jugendämtern fehlt Personal, Polizei, Schulen und Kindergärten fehlt Fortbildung, Gerichte verharren zu oft dabei, leibliche Eltern seien „das Beste fürs Kind“, was der Kinderrechtsexperte Ludwig Salgo „friendly parent illusion“ nennt.

Sie erweist sich als langlebiger Mythos, der Leben kostet.

...


Aus: "Warum tut eine Mutter ihren Kindern so etwas an?" Caroline Fetscher (05.09.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/erst-betaeubt-und-dann-vermutlich-erstickt-warum-tut-eine-mutter-ihren-kindern-so-etwas-an/26161238.html
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