Author Topic: [Notizen zur Manipulation... (Gehirnwäsche)]  (Read 6583 times)

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Offline Textaris(txt*bot)

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[Notizen zur Manipulation... (Gehirnwäsche)]
« on: October 01, 2006, 04:04:18 PM »
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[...] Sie müssen, heißt es am Beginn von Lothar Kolmers Buch "Die Kunst der Manipulation", nur das Buch lesen und Sie werden umgehend erleben, wie Sie gegnerische Aussagen vernichten, wie Sie in Diskussionen triumphieren und Bewunderung erringen, vor allem die Ihrer Vorgesetzten. Sie kommen ans Ziel und es macht auch noch teuflisch Spaß. Aber:

Sie haben dabei nur eines vergessen: Auch Sie sind ein wunderbares und gut geeignetes Zielobjekt für Manipulation - und deshalb meilenweit davon entfernt, irgendeine dieser Absichten verwirklichen zu können. Denn wenn auf Sie ein derartiger "Triebappell" wirkt, dann auch andere - und es gibt unzählige Techniken, um Sie zu manipulieren, ohne dass es Ihnen bewusst wäre oder Sie sich dagegen wehren könnten.


[...] In diesen ersten Absätzen wird ein Grundgedanke des Buchs bereits praktisch angewandt: Manipulation braucht nicht nur jemand, der manipulieren will, sondern auch jemand, der mehr oder weniger bereitwillig in die Falle geht. Dieses Zusammenspiel zeigt Kolmer an zahlreichen Beispielen, von Manipulation in der Arbeitswelt, in Medien und Politik, und natürlich erst recht in Marketing, Werbung und Verkauf.

Das Dazugehören-Wollen, der Wunsch, etwas zu gelten, mehr zu gelten sind Motive, die stark genug sind, Menschen in die Verschuldung zu treiben. Je mehr am Spiel steht, desto weniger scheinen wir uns rational zu verhalten.

[...] Die Studie über "Die Kunst der Manipulation" ist aber keine historische Abhandlung, auch wenn Bezüge auf Antike, Mittelalter oder das 19. Jahrhundert nicht fehlen. Kolmer stellt Kommunikations- bzw. Manipulationsmuster dar, vor allem anhand aktueller Beispiele aus USA, England, Deutschland und Österreich - manche skurril, manche haarsträubend, manche nachdenklich machend.

Frage an den Historiker Lothar Kolmer: Bei so vielen Jahrhunderten Erfahrung mit Manipulation, wie sie schon aus den lateinischen Namen vieler Techniken hervorgeht, sollten wir uns nicht inzwischen auch ganz gut dagegen schützen können?

"Sollte man meinen, aber dem ist nicht so", meint Kolmer. "Die meisten Menschen reflektieren zu wenig über ihr Konsumverhalten, ihr Freizeitverhalten, vielleicht auch ihre Wählerentscheidungen, und da passiert es."


Aus: "Die Kunst der Manipulation - Schwarze Rhetorik" (Johann Kneihs; 2006)
Quelle: http://oe1.orf.at/highlights/66288.html
« Last Edit: March 30, 2007, 12:32:41 AM by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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[Irrationales Machtstreben und Manipulation]
« Reply #1 on: October 01, 2006, 04:20:32 PM »
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[...] Warum gelingt es manchen Menschen immer wieder, andere zu etwas zu bringen, was diese eigentlich nicht wollen? Warum übernehmen wir Standpunkte und Argumente, obwohl wir deutlich spüren, dass wir gerade etwas gegen unseren Willen und gegen unsere Interessen tun?
Die Antwort: Wir werden manipuliert. [...]  Edmüller und Wilhelm (2001, S. 8) definieren Manipulation als „den bewussten oder unbewussten Einsatz unfairer Verhaltensweisen“. Als fair definieren sie „dass jeder Beteiligte ein Recht darauf hat, seine eigenen Interessen zu wahren und andere Standpunkte nur aus freiwilliger Einsicht zu übernehmen“(ebd., S.10).

[...] Für manche Menschen ist das Streben nach Macht zu einem überwertigen Lebensziel geworden. Sie benutzen Macht wie eine Droge, um seelische Probleme zu verdecken, statt sie zu bearbeiten (vgl. Mertens & Lang, 1991, S. 145). „Man muss also unterscheiden zwischen dem gesunden Wunsch nach Verwirklichung eigener Vorstellungen und einem irrationalen Machtstreben, das der Kompensierung seelischer Defizite dient und mit der Verdrängung anderer Gefühle und Wünsche bezahlt wird (vgl. Mertens & Lang, 1991, S. 145)“.
Um ein irrationales Machtstreben vom gesunden Wunsch nach Selbstverwirklichung unterscheiden zu können, muss man verstehen, warum jemand seinen Einflussbereich vergrößern will, wie er dabei vorgeht und was er damit zu erreichen versucht (vgl. Mertens & Lang, 1991, S. 145).


Aus: "Emotionale Führung, Macht und Ethik" Von Roland Friedrich und Dunja Richter (2004)
Quelle: http://www.uni-saarland.de/fak5/orga/ef/KAP_1.PDF
« Last Edit: October 01, 2006, 04:25:26 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Ein veraltetes Konzept... (Gehirnwäsche)]
« Reply #2 on: March 30, 2007, 12:35:03 AM »
Quote
[...] Gehirnwäsche ist ein veraltetes Konzept zu so genannter psychologischer Manipulation. Ältere psychologische Theorien vermuteten, dass „Gehirnwäschen“ Wertevorstellungen und Selbstauffassung einer Person nach bestimmten Zielsetzungen ändern könnten. Dabei wurde vermutet, dass in seltenen Fällen eine Vertrauensbasis zwischen dem Manipulator und der zu manipulierenden Person entstünde, während der weit überwiegende Teil der „Gehirnwäsche-Methoden“ darauf beruhe, den psychischen Widerstand mit gewaltsamer Einwirkung zu brechen. Theorien der Gehirnwäsche entstanden zunächst im Kontext totalitärer Staaten, später wurden sie auch auf Religionen, insbesondere so genannte Sekten angewandt.


Aus: "Gehirnwäsche" (03/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gehirnw%C3%A4sche


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[Gehirnwäsche funktioniert... ]
« Reply #3 on: March 30, 2007, 12:48:41 AM »
[...] Gehirnwäsche für den Copytest. So schaffst du den Einstieg als Werbetexter...

[...] Damals hatte mir mein Vater eine Gehirnwäsche verpasst, indem er offenkundige Tatsachen leugnete, mich prügelte und während der Prügelei zwang...

[...] Für ihn ist jede Art von Medienkonsum eine "positive Gehirnwäsche", wie er schreibt...

[...] Derjenige, der die Gehirnwäsche durchführt, ist sich dieses Prozesses ebenso wenig bewußt wie das...

[...] 89 Menschen erklärten ihre Worte und Handlungen während der Gehirnwäsche für nichtig...

[...] Erfunden wurde die Gehirnwäsche vom Experten für theoretischen Verfolgungswahn und Chefredakteur der teuflischen Kronen-Zeitung...

[...] Opfer der eigenen Gehirnwäsche...

[...] Zum momentanen Zeitpunkt wünsche ich mir echt manchmal, das man mir eine Gehirnwäsche verpasst damit ich mir über den ganzen Shit keine Gedanken mehr...

[...] Gehirnwäsche, gewaltsam vorgenommene Desorganisation und Umstrukturierung einer Person mit Hilfe von Folterung, Dauerverhören und ständiger Überreizung des...

[...] Deutsch-Englisch Übersetzungen für das Wort "Gehirnwäsche unterziehend": brainwashing...

[...] Es wird sodann bei einer öffentlichen Gehirnwäsche-Dienstleistung abgegeben...

[...] Gehirnwäsche für Arbeitslose. Joachim Zelter schildert Horrorszenarien voller Realitätsbezug...

[...] so lange ein Praktizierender die „Reform“ d.h., die „Gehirnwäsche“ annimmt und bekennt, alle seine...

[...] Gehirnwäsche. Was die können, kann ich auch....

[...] dass alle Zuschauer der Ausstrahlung vom Montag sich einer Gehirnwäsche unterziehen sollen, um das Gesehene zu vergessen...

[...] Hol dir jetzt die Gehirnwäsche per SMS...

[...] Die Gehirnwäsche gibt's nicht für jeden dahergelaufenen Hans und Franz.

[...] Gehirnwäsche funktioniert. 17. October 2006, 17:32 by Su-Shee.


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[Wiederholung macht Meinung... (Gehirnwäsche)]
« Reply #4 on: May 22, 2007, 01:09:05 PM »
Quote
[...] Menschen lassen sich besonders dann von einer Meinung überzeugen, wenn sie diese mehrmals hören. Dabei ist es egal, ob mehrere Personen diese Auffassung teilen oder ob immer wieder die gleiche Person die Meinung äußert. Das haben amerikanische Wissenschaftler in Tests mit über tausend Freiwilligen herausgefunden. Demnach erhöht das Wiederholen einer Meinung die eigene Glaubwürdigkeit und die Zuhörer bewerten den Standpunkt als allgemein bekannt, auch wenn dieser es in Wirklichkeit nicht ist. Die Studie zeige, wie Menschen eine Meinungsäußerung bewerten und wie leicht eigene Eindrücke beeinflusst werden können, berichten die Forscher.

In ihrer Versuchsreihe mit Studenten mehrerer amerikanischer Universitäten teilten die Wissenschaftler die Studienteilnehmer in drei Gruppen ein. Die Probanden der ersten Gruppe setzten sich mit drei Meinungsäußerungen von drei verschiedenen Gruppenmitgliedern auseinander. Die Teilnehmer der zweiten Gruppe beschäftigten sich mit den gleichen Standpunkten, die jedoch diesmal nur einer Person zugewiesen wurden. Den Mitgliedern der dritten Gruppe legten die Forscher schließlich nur eine Meinungsäußerung von einem Teilnehmer vor.

Die Probanden schenkten einer bestimmten Auffassung mehr Glauben, wenn diese von mehreren Teilnehmern geäußert wurde, stellten die Psychologen fest. Überraschenderweise zeigte sich dieser Effekt aber auch dann, wenn nur eine Person einen Standpunkt mehrmals wiederholte. Die Forscher vermuten, dass eine Meinung dadurch leichter im Gedächtnis haften bleibt und ein Gefühl der Vertrautheit entsteht. Die Annahme, dass ein Redner nur dann seine Ansicht wiederholt, wenn er breite Unterstützung innerhalb der Gruppe erwartet, konnten die Wissenschaftler dagegen nicht bestätigen.


Aus: "Wiederholung macht Meinung" (21.05.2007 - Psychologie)
Quelle: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/278257.html


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[10 Strategien der Manipulation... ]
« Reply #5 on: June 20, 2011, 10:10:08 AM »
Quote
[...] Der prominente Linguist und Intellektuelle Noam Chomsky zeigt in seinem Text „10 Strategien der Manipulation“ auf satirische Weise, wie eine Gesellschaft manipuliert werden kann, ohne dass eine kritische Masse an Menschen in dieser Gesellschaft dies realisiert.

...

1. Kehre die Aufmerksamkeit um
Das Schlüsselelement zur Kontrolle der Gesellschaft ist es, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf unwesentliche Ereignisse umzulenken, um sie von wichtigen Informationen über tatsächliche Änderungen durch die politischen und wirtschaftlichen Führungsorgane abzulenken. Jene Strategie ist der Grundstein, der das Basisinteresse an den Bereichen Bildung, Wirtschaft, Psychologie, Neurobiologie und Cybernetik verhindert. Somit kehrt die öffentliche Meinung dem wirklichen gesellschaftlichen Problemen den Rücken zu, berieselt und abgelenkt durch unwichtige Angelegenheiten. Schaffe es, dass die Gesellschaft beschäftigt ist, beschäftige sie, beschäftige sie so, damit sie keine Zeit hat über etwas nachzudenken, entsprechend dem Level eines Tieres.

2.  Erzeuge Probleme und liefere die Lösung
Diese Methode wird die „Problem-Reaktion-Lösung“ genannt. Es wird ein Problem bzw. eine Situation geschaffen, um eine Reaktion bei den Empfängern auszulösen, die danach eine präventive Vorgehensweise erwarten. Verbreite Gewalt oder zettle blutige Angriffe an, damit die Gesellschaft eine Verschärfung der Rechtsnormen und Gesetze auf Kosten der eigenen Freiheit akzeptiert. Oder kreiere eine Wirtschaftskrise um eine radikale Beschneidung der Grundrechte und die Demontierung der Sozialdienstleistungen zu rechtfertigen.

3. Stufe Änderungen ab
Verschiebe die Grenzen von Änderungen stufenweise, Schritt für Schritt, Jahr für Jahr. Auf diese Weise setzte man in den Jahren 1980 und 1990 die neuen radikalen sozio-ökonomischen Vorraussetzungen durch (Neoliberalismus): Ein Minimum an Zeugnissen, Privatisierung, Unsicherheit, und was der nächste Tag bringt, ist Elastizität, Massenarbeitslosigkeit, Einfluss auf die Höhe der Einkünfte, das Fehlen von Garantie auf gerechte Lohnarbeit.

4. Aufschub von Änderungen
Die folgende Möglichkeit auf Akzeptanz einer von der Gesellschaft ungewollten Änderung ist es, sie als „schmerzhaftes Muss“ vorzustellen, damit die Gesellschaft es erlaubt, sie in Zukunft einzuführen. Es ist einfacher zukünftige Opfer zu akzeptieren, als sich ihnen sofort auszusetzen. Zudem hat die Gesellschaft die naive Tendenz negative Veränderungen mit einem „alles wird gut“ zu umschreiben. Diese Strategie gibt den Bürgern mehr Zeit sich der Änderung bewusst zu werden und die Akzeptanz in eine Art der Resignation umzuwandeln.

5. Sprich zur Masse, wie zu kleinen Kindern
Die Mehrheit der Inhalte, die an  die Öffentlichkeit gerichtet werden, werden durch Art und Weise der Verkündung mißbraucht; Sie sind manipuliert durch Argumente oder sogar durch einen gönnerhaften Ton, den man normalerweise in einer Unterhaltung mit Kindern oder geistig behinderten Menschen verwendet. Je mehr man seinem Gesprächspartner das Bild vor den Augen vernebeln will, umso lieber greift man auf diese Technik zurück. Warum? Wenn du zu einer Person sprichst, als ob sie 12 Jahre alt wäre, dann weil du ihr genau das suggerieren möchtest. Sie wird mit höchster Wahrscheinlichkeit kritiklos reagieren oder antworten, als ob sie tatsächlich 12 Jahre alt wäre.

6. Konzentriere dich auf Emotionen und nicht auf Reflexion
Der Missbrauch des emotionalen Aspektes ist eine klassische Technik um eine rationale Analyse und den gesunden Menschenverstand eines Individuums zu umgehen. Darüber hinaus öffnet eine emotionale Rede Tür und Tor Ideologien, Bedürfnisse, Ängste und Unruhen, Impulse und bestimmte Verhaltensweisen im Unterbewusstsein hervorzurufen.

7. Versuche die Ignoranz der Gesellschaft aufrechtzuerhalten
Die Masse soll nicht fähig sein, die Methoden und Kontrolltechniken zu erkennen. Bildung, die der gesellschaftlichen Unterschicht angeboten wird, soll so einfach wie möglich sein, damit das akademische Wissen für diese nicht begreifbar ist.
 
8. Entfache in der Bevölkerung den Gedanken, dass sie durchschnittlich sei
Erreiche, dass die Bürger zu glauben beginnen, dass es normal und zeitgemäß sei dumm, vulgär und ungebildet zu sein.

9. Wandle Widerstand in das Gefühl schlechten Gewissens um
Erlaube es, dass die Gesellschaft denkt, dass sie aufgrund von zu wenig Intelligenz, Kompetenz oder Bemühungen die einzig Schuldigen ihres Nicht-Erfolges sind. Das „System“ wirkt also einer Rebellion der Bevölkerung entgegen, indem dem Bürger suggeriert wird, dass er an allem Übel schuld sei und mindert damit dessen Selbstwertgefühl. Dies führt zur Depression und Blockade weiteren Handelns. Ohne Handeln gibt es nämlich keine Revolution!

10. Lerne Menschen besser kennen, als sie sich selbst es tun
In den letzten 50 Jahren entstand durch den wissenschaftlichen Fortschritt eine Schlucht zwischen dem Wissen, welches der breiten Masse zur Verfügung steht und jenem, das für die schmale Elite reserviert ist. Dank der Biologie, Neurobiologie und der angewandten Psychologie erreichte das „System“ das Wissen über die menschliche Realität im physischen als auch psychischen Bereich. Gegenwärtig kennt das „System“ den Menschen, den einzelnen Bürger, besser als dieser sich selbst und verfügt somit über eine größere Kontrolle des Einzelnen.

Autor: Noam Chomsky
Originalquelle:Découvrez l’Alchimiste en Vous
Deutsche Übersetzung und Korrektur: Patryk Kopaczynski, Eve Bugs

...



Aus: "10 Strategien der Manipulation - Gehirnwäsche nach Noam Chomsky"
Veröffentlicht am Donnerstag, Juni 16th, 2011
Quelle: http://le-bohemien.net/2011/06/16/10-strategien-die-gesellschaft-zu-manipulieren/


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[Das Bild passte perfekt zur Enttäuschung... ]
« Reply #6 on: June 30, 2012, 02:13:37 PM »
Quote
[...] Warschau - Das Bild passte perfekt zur Enttäuschung der deutschen Zuschauer im EM-Halbfinale. Nach einem Tor durch den Italiener Mario Balotelli zeigte die TV-Regie eine weinende Frau unter den Deutschland-Fans. Viele mögen sich gedacht haben, dass sie ein wenig überreagiert - zumal noch mehr als eine Halbzeit zu spielen war. Der Haken dabei: Die Bilder sind gar nicht unmittelbar nach Balotellis Tor entstanden. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, schnitt die Bildregie der Uefa die Aufnahme in das Live-Material.

Tatsächlich hatte die Frau nach eigenen Angaben schon vor dem Spiel Tränen in den Augen gehabt. Die Düsseldorferin habe der "SZ" mitteilen lassen, sie sei bei der Präsentation der Mannschaften gerührt gewesen. Rührung statt Enttäuschung - es wäre der nächste peinliche Fake der Uefa, die das TV-Signal für alle ausstrahlenden Sender erstellt.

... Im zweiten Gruppenspiel gegen Holland hatte bereits eine Szene mit Bundestrainer Joachim Löw für Aufsehen gesorgt. Darin stupste er einem ukrainischen Balljungen den Ball unter dem Arm weg. Doch die Aktion fand ebenfalls nicht während des Spiels statt, sondern vorher. Die Uefa verteidigte sich. Es sei "nicht unüblich, dass solche Szenen auch mal in die Live-Übertragung eingespielt werden", sagte ein Sprecher. Die Verantwortung trage der zuständige Redakteur.

...


Aus: "Uefa zeigt falsche Tränen nach Balotelli-Tor" (30.06.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/tv/uefa-zeigt-falsche-traenen-nach-balotelli-tor-a-841843.html


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[Notizen zur Packungsidylle... (Gehirnwäsche)]
« Reply #7 on: October 15, 2012, 01:49:16 PM »
Quote
[...] Ein Assoziationsspiel. Welche Bilder verbinden Sie mit den folgenden Begriffen? Bauernglück. Mühlenhof. Gut „Drei Eichen“. Purland. Sehen Sie das kleine Fachwerkhäuschen vor sich? Die saftig-grünen Wiesen? Recht so. Genau so haben es sich die Erfinder gedacht.

Und genau so illustrieren sie, was sie verkaufen wollen: Geflügel, Schinken, Würstchen. Weil sie hoffen, dass wir noch etwas anderes sehen – zufriedene, frei laufende Tiere. Nur, dass die Wirklichkeit meist wenig mit diesen Bildern zu tun hat, wie Tier- und Verbraucherschützer monieren. Immer wieder mahnen sie die trügerische Idylle auf Verpackungen an. „Wo ein märchenhafter Bauernhof drauf ist, ist oft Mastbetrieb drin.

Fast der gesamte Fleischmarkt ist davon durchdrungen“, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. Das Ergebnis: 83 Prozent der untersuchten Verpackungen tragen im Namen Begriffe wie „Land“, „Hof“ oder „Wiese“ oder verwenden Bild-Elemente wie Fachwerkhäuser, Berge, Weiden und blauen Himmel.

Die Marke „Alpengut“ vom Discounter Lidl zeigt unter schneebedeckten Gipfeln üppig bewachsene Hänge. „Die Aufmachung suggeriert, die Tiere lebten auf einem idyllischen Gut in den Alpen und hätten viel Auslauf an der frischen Luft“, sagt Valet. Über die tatsächlichen Zustände gibt es keine Informationen. Wie Tiere etwa in den Hallen von Geflügel-Marktführer Wiesenhof aufwachsen, darüber ist viel berichtet worden. Bei anderen Fabrikanten haben es Verbraucher schwerer. „Bei keinem der Produkte war es möglich, nachzuvollziehen, woher das Fleisch stammt“, sagt Valet. Fest steht: Weit mehr als 90 Prozent der Tiere, deren Fleisch in Deutschland auf dem Teller landet, haben nie die Sonne gesehen – oder allenfalls auf ihrem Weg vom Stall in den Transporter zum Schlachthof. Man kann argumentieren, der aufgeklärte Verbraucher wisse das. Studien haben allerdings ergeben: Immerhin jeder vierte Konsument springt auf die Packungsidylle an.

Rechtlich ist die Verwendung bestimmter Bilder nicht definiert. „Das bleibt im Graubereich“, sagt Valet. Zur Diskrepanz von Bebilderung und Produkt wollen sich die meisten Firmen nicht äußern. Die übrigen streiten Täuschungsabsichten ab. Bei der Firma Gelderland, die Real mit einem Schinken beliefert, der mit Fachwerkhaus und blühender Natur daherkommt, heißt es: „Wir wollen nicht den Anschein erwecken, dass es sich um Schweinefleisch aus Freilandhaltung handelt. Der abgebildete Hof ist den Höfen nachempfunden, die in der Gegend rund um unseren Firmensitz zu finden sind.“ Das Unternehmen Gutfleisch, eine Edeka-Marke, erklärt, dass es sich bei dem Logo um „ein stilisiertes Markenzeichen“ handele, eine sogenannte Wort-Bildmarke, die allein symbolisch zu begreifen sei. Auch Aldi-Lieferant Bauernglück teilt mit: Hier sei „natürlich von einer Versinnbildlichung“ auszugehen.

Ähnliche Diskussionen gab es jahrelang um Eier – dürfen auf dem Karton freilaufende Hühner abgebildet sein, wenn die Eier aus Käfighaltung stammen? Im Fall einer Schachtel aus dem Hause Rewe befand ein Gericht: Nein. „Seither hat sich einiges verbessert“, sagt Valet. Die Konsumenten seien aufmerksamer geworden. „Knapp 90 Prozent der Supermarkteier kommen heute aus Boden- oder Freilandhaltung.“ Beim Fleisch scheint dieses Erwachen noch weit entfernt. „Das Beste wären klar definierte, staatliche Siegel“, sagt Valet.

Verschiedene Organisationen haben Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner „Aktionspläne für ehrliche Etiketten“ und detaillierte Gesetzentwürfe vorgelegt. „Vieles muss auf EU-Ebene entschieden werden“, sagt Oliver Huizinga von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Aber das sei ein langer Prozess. In naher Zukunft gebe es wohl keine umfassenden Regelungen. Das würde auch dadurch erschwert, dass so viele verschiedene Segmente betroffen seien. Oft werde auch handwerkliche Tradition suggeriert, obwohl die Ware aus hoch industrialisierten Betrieben stammt. Als prominentes Beispiel gilt die Rügenwalder Mühle.

„Speziell mit dem Begriff ,Land’ versuchen viele Firmen, uns zu blenden. Es gibt vermeintliche Landgurken, Landkekse, Rotkäppchen Landrahm ist alles andere als natürlich, sondern voll von Verdickungsmitteln“, sagt Huizinga. Meist wird für so etwas dann auch noch ein völlig überhöhter Preis verlangt.

So auch beim „Landlust“-Tee von Teekanne: Mit knapp vier Euro kostet der bis zu dreimal so viel wie Konkurrenzprodukte. In der Werbung für die Mischung Mirabelle-Birne erklärt der Hersteller: „Entdecken Sie den ursprünglichen Genuss vertrauter Früchte, die noch in Ruhe heranreifen können.“ „Die Mirabellen können tatsächlich in aller Ruhe heranreifen“, gibt Huizinga zu. „Für den Tee werden sie nämlich gar nicht gebraucht. Der enthält nur billigere Zutaten und Aromen.“


Aus: "Wie uns die Lebensmittelindustrie in die Irre führt" von Maris Hubschmid (10/2012)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/verpackungen-wie-uns-die-lebensmittelindustrie-in-die-irre-fuehrt/7252984.html