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Author Topic: [Affekt (Notizen)... ]  (Read 4292 times)

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Textaris(txt*bot)

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[Affekt (Notizen)... ]
« on: September 12, 2006, 01:02:01 PM »

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Der Begriff Affekt wird in zwei Bedeutungen verwendet:

    * Nach traditioneller Auffassung ist Affekt ein Zustand starker emotionaler Erregung, der das Verhalten leitet.

    * Nach neuerer Auffassung ist Affekt ein Sammelbegriff für Konstrukte wie Emotion und Stimmung, die mit einem veränderten subjektiven Befinden und mit körperlichen Veränderungen einhergehen. Zu dieser Bedeutung gehört auch der in der Psychopathologie verwendete Begriff Affektivität, welcher Stimmung und Emotionen einer Person sowie die affektive Variabilität bezeichnet.


Aus: "Affekt"
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Affekt (09/2006)

« Last Edit: December 10, 2018, 02:59:00 PM by Textaris(txt*bot) »
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[Einfach nur automatisch]
« Reply #1 on: September 12, 2006, 01:13:54 PM »

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[...] Michael K. bleibt dennoch bei "mindestens einer Flasche" 54-prozentigen Rums und einigen Flaschen Bier, die er am Tattag getrunken haben will. Der Bundeswehrsoldat war auf Wochenendurlaub und hatte sich mit Bekannten auf einem Grünstreifen an der Zossener Ecke Gneisenaustraße getroffen. In den Monaten zuvor, sagt er, hätten sie auch schon Leute "abgezogen": "Wir haben sie festgehalten, sie bedroht und ihnen zehn Euro oder so abgenommen." Und so sei dieser Plan dann auch am 21. Juli gereift, auf dem Friedhof Lilienthalstraße, wo sie auf einer Bank vor einem Wasserbecken saßen. Bis ahnungslos die Wilmersdorfer Hobby-Fotografin Piechowski mit ihrer Kamera vorbeischlenderte. "Ich mache das jetzt", hatte Michael K. gesagt und sich von einem der "sechs oder sieben" Kumpane ein "Rambo-Messer" geben lassen. Von dem, was anschließend geschah, weiß er angeblich nur noch, dass er plötzlich hinter Dagmar Piechowski gestanden und zweimal kräftig "in ihr linkes Schulterblatt" gestochen habe. "Einfach nur automatisch", sagt er, "ich kann es nicht erklären."


Aus: "Friedhofsmörder will vor der Tat eine Flasche Rum getrunken haben" von Michael Mielke (28. Juli 2004)
Quelle: http://www.welt.de/data/2004/07/28/311237.html
« Last Edit: September 29, 2006, 01:09:28 AM by Textaris(txt*bot) »
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[...Triumph philosophischer Besonnenheit]
« Reply #2 on: September 12, 2006, 01:21:59 PM »

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[...] Fallbeispiel: Der Vater ist mit seinem kleinen Sohn im Kaufhaus. Zum großen Unmut einer älteren Dame drängelt der Sohn zur Theke. Der Vater entschuldigt sich, doch der Sohn drängelt weiter. Die Frau schlägt dem Kind ins Gesicht. Worauf der Vater – im Affekt – die Frau schlägt. Darf, ja muss der Vater das Kind »rächen«?

Will man der Diskursethik Glauben schenken, darf der Vater keinesfalls zu einer derart handgreiflichen Antwort seine Zuflucht nehmen. Vielmehr müsse er versuchen, die ideal-apriorische Kommunikationsgemeinschaft wieder herzustellen, die spätestens durch die Ohrfeige der Frau vernichtet worden sei. Er müsse sie vom Unrecht ihres Tuns mit vernünftigen Argumenten überzeugen und so womöglich dazu bewegen, sich bei seinem Sohn zu entschuldigen. Dies wäre ein Handeln, das – so würde es die schon etwas angegraute Moralphilosophie des Utilitarismus formulieren – dem größtmöglichen Nutzen, ja dem größtmöglichen Glück aller Beteiligten zugute käme: Dem Sohn wäre klar gemacht, dass Gewalt kein adäquates Mittel der Konfliktlösung ist, er bekäme aber Genugtuung, die Dame bliebe körperlich unversehrt, und der Vater schließlich dürfte sich in moralischer Überlegenheit sonnen.

Nur leider: Als ein Triumph philosophischer Besonnenheit stellt sich die Episode nicht dar, und ist es nicht zu billig, aus der Sicht des unparteiischen Beobachters im Nachhinein moralische Zensuren zu verteilen? Vielleicht wird Ethik als Nachdenken über das Handeln der Menschen falsch verstanden, wenn man ihr zumutet, Rezepte auszuschreiben, wie wir richtig zu handeln haben, und zu bestimmen, was gut und was böse (gewesen) sei. Vielleicht ist ihre Aufgabe eher diagnostischer Natur: Wie können wir menschliches Handeln überhaupt verstehen?...


Aus: "Schlagende Väter (und böse alte Damen)" Andreas Urs Sommer (DIE ZEIT 15.07.2004 Nr.30)
Quelle: http://www.zeit.de/2004/30/Lebenshilfe_2fEthikrat_30
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[...durch Zwang oder aus Irrtum]
« Reply #3 on: September 12, 2006, 01:33:16 PM »

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[...] Wenn nun was durch Zwang oder aus Irrtum geschieht unfreiwillig ist, so darf dem gegenüber für frei gewollt dasjenige gelten, was seinen Ursprung in einem Täter hat, der mit der eigentümlichen Beschaffenheit der Lage bekannt ist, in der die Handlung vor sich geht. Es würde also nicht zutreffend sein, wenn man als unfreiwillig das bezeichnen wollte, was im Affekt und infolge einer Begierde geschieht. Denn zunächst: bei irgendeinem der anderen lebenden Wesen könnte dann von frei gewolltem Handeln gar nicht die Rede sein, auch nicht bei den Kindern. Sodann ist die Frage: tun wir überhaupt nichts mit freiem Willen, was wir auf Antrieb einer Begierde oder im Affekt tun? oder sind nur die guten Taten frei gewollt, die schlechten Taten nicht? Wäre es nicht töricht, so zu fragen, da doch die Versuchung beide Male die gleiche ist? Und urteilslos wäre es doch auch, als nicht frei gewollt Handlungen zu bezeichnen, die aus einem pflichtmäßigen Streben entspringen; es ist aber Pflicht, über gewisse Dinge sich zu erregen, und Pflicht, gewisse Dinge zu begehren, wie Gesundheit und Geistesbildung. Und ferner: es ist Tatsache, daß was nicht frei gewollt ist Verdruß macht; was die Begierde befriedigt aber gewährt Genuß. Sodann, wo liegt der Unterschied zwischen dem Fehltritt der mit Überlegung, und dem der im Affekt begangen ist, was die Unfreiwilligkeit anbetrifft?


Aus: "Nikomachische Ethik Buch 3 Kapitel 3" (Deutsch: Adolf Lasson; Jena 1909)
Quelle: http://www.aristoteles-heute.de/SeinBewegtBelebtBewusst/Ethik/Ethik0303.htm
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[Affekthandlung + Zeithorizont]
« Reply #4 on: September 12, 2006, 01:38:58 PM »

Quote
[...] Mit der Fähigkeit des "Vordenkens" würde er sich die Affekthandlung zehnmal überlegen - denn wer will ernsthaft einen kurzen Adrenalinstoß gegen 10 Jahre Freiheitsentzug eintauschen? Der Zeithorizont ist im Affekt drastisch geschrumpft auf das Gegenwärtige - die Zukunft ist nur noch für die nächsten Minuten im Blick. Wie wir in diesem Beispiel sehen können, ist die Fähigkeit einen größeren Zeithorizont überblicken zu können die Voraussetzung für moralisches Denken.

[...] Erst durch das "Vorlaufen zum Tode" kann der Sinn eines gesamten Lebens erkannt und angestrebt werden. Je kürzer ein Mensch eine Zukunft erschließt, desto weniger kann er von seinem eigentlichen Seinkönnen erfahren.


Aus: "Reflektionen über die Rolle des Zeithorizonts im Denken" von  Tony Kühn (Datum: 20.04.2006)
Quelle: http://www.philognosie.net/index.php/article/articleview/395/4/
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[Notizen zum >> Affekt]
« Reply #5 on: December 10, 2018, 02:58:36 PM »

Quote
[...] Die „Überraschung“, eher nicht das Staunen, bezeichnet er als „Elementarerlebnis“. Er scheint den philosophischen Affekt des Staunens über die Beschaffenheit der Welt geradezu umzuwenden oder auch zu relativieren, wenn er feststellt, dass die menschliche Einbildungskraft auch andere Gebilde erdenken könne, während „die Welt nicht so fremdartig und chaotisch für unsere Fassungskraft ist, wie unsere Vernunft sie noch zu denken vermag“. Die phänomenologische Arbeit kennzeichne sich zudem durch die „Großzügigkeit“ in Hinsicht auf die „Grauzonen“ aus, zudem dadurch, dass mögliche Konflikte, die nicht wesentlich seien, auch vermieden würden. ... Der Versuch, die Welt der Erfahrungen wahrhaft zu verstehen, beginnt mit der Wahrnehmung und der sorgfältigen Beschreibung, vielleicht auch noch immer – trotz Blumenbergs Vorbehalt – mit dem Affekt des Staunens. ...


Aus: "Der Affekt des Staunens und der Blick für das Andere" Thorsten Paprotny (Dezember 2018)
Quelle: https://literaturkritik.de/blumenberg-phaenomenologische-schriften-affekt-staunens-blick-fuer-andere-neue-fundstuecke-aus-nachlass-hans-blumenberg,25131.html
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