Author Topic: [Notizen zu Radioaktivem Material...]  (Read 49839 times)

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[Gleichzeitig soll die Stiftung...]
« Reply #70 on: Mai 11, 2014, 11:25:45 vorm. »
Quote
[...] Hamburg/Berlin - Die Chefs der drei großen Energieversorger, Johannes Teyssen (E.on), Peter Terium (RWE) und Frank Mastiaux (EnBW), wollen ihr gesamtes deutsches Atomgeschäft inklusive der Atommeiler an den Bund übertragen.

Nach Informationen des SPIEGEL aus Konzern- und Regierungskreisen sollen die Meiler in eine öffentlich-rechtliche Stiftung übertragen werden. Diese soll die Atomkraftwerke bis zum endgültigen Ausstieg aus der Kernenergie im Jahr 2022 betreiben. Gleichzeitig soll die Stiftung für den milliardenteuren Abriss der Atomkraftwerke und die Lagerung der radioaktiven Abfälle verantwortlich sein.

Gehören soll diese "Bad Bank" für Atomkraftwerke dem Bund. Die Stromversorger wollen rund 30 Milliarden Euro an Rücklagen einbringen, die sie für Abriss und Entsorgung bislang bilden mussten. Der Staat soll im Gegenzug die gesamten Risiken übernehmen, die heute noch bei den Stromkonzernen liegen.

...

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Tja, Leute...
floydpink heute, 08:06 Uhr
...euer Märchen vom billigen Atomstrom geht immer mehr den Bach 'runter.

http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=15642928#post15642928


Aus: "Plan der Energie-Konzerne: Bund soll Abriss von Atom-Meilern finanzieren" (11.05.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/atomkraftwerke-energiekonzerne-fordern-bad-bank-vom-bund-a-968719.html


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[Doch offen ist...]
« Reply #71 on: Mai 21, 2014, 10:18:15 vorm. »
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[...] Berlin - Der Atomausstieg ist längst beschlossen. Doch offen ist, wer die Kosten für die Abwicklung der alten Meiler trägt. RWE-Chef Peter Terium fordert eine Beteiligung der Politik. "Wir werden unsere Verantwortung dafür tragen müssen. Aber es ist nicht nur und nicht allein unsere Verantwortung", sagte er zur Rolle der Energiekonzerne.

Teriums Begründung, warum am Ende auch der Steuerzahler beteiligt werden soll: "Die Energiebranche ist damals von der Politik in die Kernenergie reingetrieben worden." Die Branche habe dies zwar auch gern getan, da sie Geld verdienen wollte, räumte der Manager ein.

... Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die Idee einer Atom-Stiftung für die Energiewirtschaft indirekt abgelehnt. "Im Grundsatz muss es dabei bleiben, dass die Unternehmen die Verantwortung für die Entsorgung von Atommüll tragen", sagte die CDU-Chefin kürzlich. Eine einseitige Verlagerung der Risiken "werden wir nicht mitmachen". Gleichzeitig machte Merkel deutlich, dass das Problem längst nicht gelöst sei. "Wir werden über das Thema der Kernkraftwerke und ihrer Altlasten sicher noch viele Gespräche führen", sagte die Kanzlerin.

...

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Im Grunde ist es Unfassbar,
ronald1952 heute, 08:45 Uhr

mit welchen Argumenten solche Menschen wie Peter Terium um sich werfen. Jetzt ist die Energieindustrie also von der Politik dazu gezwungen worden, Milliarden zu Verdienen? Dieser Mann glaubt wohl hier bei uns in Deutschland leben nur noch Vollidioten? Erst die Deutschen Verbraucher abzocken und dann ein zweites mal über die Steuerzahler nochmals versuchen Milliarden für die Entsorgung einzusparen? ...

http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=15727722#post15727722

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CDU-CSU können mit Geld umgehen
hypnos heute, 09:03 Uhr

... Politiker (Strauß & Co) haben die Kernenergie forciert. Die SPD/ Gewerkschaften waren aber auch bis in die 1980er-Jahre uneingeschränkt (militant) dafür. Vom billigen Atomstrom wurde noch bis vor wenigen Monaten gelogen. Die Rechnung für den "billigen" Atomstrom zahlen die Kinder, Enkelkinder, Urenkel, ...

http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=15727853#post15727853

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static_noise heute, 09:09 Uhr
Ich hoffe, das mit dem 'getrieben worden' ist aus dem Kontext gerissen. Sonst ist dieser 'Unternehmer' ein erbärmlich er Winseler... Wenn ich etwas 'gern gemacht' habe um 'Geld zu verdienen' kann ich nicht gleichzeitig getrieben worden sein. Dann bin ich zumindest aus Überzeugung mitgelaufen. Und ich kann mich nicht erinnern, dass in den 70er/80er Jahren irgendein Energiekonzern Skepsis zeigte, im Gegenteil. Ihr habt damals gegen den Willen der Bevölkerung eine Technologie etabliert weil euer Monopol es euch erlaubte. Heute könnt ihr das 'Produkt' auf einem veränderten Markt nicht mehr verkaufen. Unternehmerisches Risiko, Gewinne ein kassieren/ Verluste verstaatlichen??? Nein Danke! Eure AKW, Euer Gewinn, Euer Müll, Eure Verantwortung!

http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=15727912#post15727912

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Es muss nicht vertretbar für die Energiekonzerne sein ...
diplpig heute, 09:18 Uhr
man kann sie auch verstaatlichen (vgl. Tepco) oder Pleite gehen lassen. Wird alles nicht passieren, aber die Arroganz der Branchen, die "systemrelevant" sind ist schon bemerkenswert.

http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=15727999#post15727999


Aus: "RWE-Chef Terium: "Energiebranche ist von Politik in Kernenergie getrieben worden"" (21.05.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/atomkraftwerke-rwe-chef-will-politik-an-entsorgung-beteiligen-a-970622.html


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[Tepco räumte in einer offiziellen Mitteilung ein...]
« Reply #72 on: August 27, 2014, 09:58:52 vorm. »
Quote
[...] Tepco räumte in einer offiziellen Mitteilung ein, dass alle Versuche gescheitert sind, den Zufluss hoch radioaktiv belasteten Wassers in die Verbindungstunnel zwischen den Reaktoren 2 und 3 zu stoppen. Tepco-Ingenieure arbeiten seit Monaten daran, mit einer neuen Gefriertechnik zu verhindern, dass über die unterirdischen Kanäle immer wieder hoch radioaktiv belastetes Wasser nach außen dringt. Das offizielle Eingeständnis, damit gescheitert zu sein, weckt Zweifel am Konzept von Tepco und Meti.

...


Aus: "Tepco verliert die Kontrolle" Carsten Germis, Tokio (27.08.2014)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/nach-fukushima-tepco-verliert-die-kontrolle-13116295.html



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[Die neuerlichen Funde von...]
« Reply #73 on: September 01, 2014, 09:00:59 vorm. »
Quote
[...] BRUNSBÜTTEL dpa | Die neuerlichen Funde von verrosteten Atommüllfassern im schleswig-holsteinischen Atomkraftwerk Brunsbüttel sind nach Einschätzung des Nuklearexperten Michael Sailer nur die Spitze des Eisbergs. „Ich befürchte, dass bei weiteren Untersuchungen in anderen Kernkraftwerken weitere Rostfässer gefunden werden“, sagte der Nuklearexperte Michael Sailer. Es habe den Anschein, dass viele Betreiber die Vorschriften zur kontinuierlichen visuellen Inspektion der Atommüllfässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen nicht unbedingt einhalten.

Sailer ist Geschäftsführer des Freiburger Öko-Instituts und sowohl Vorsitzender der Entsorgungskommission des Bundesumweltministeriums als auch Mitglied der Reaktorsicherheitskommission. „Die optimistische These lautet: Vielleicht war es nur in Brunsbüttel“, sagte er. Wahrscheinlicher sei jedoch die pessimistische Annahme. „Wir kennen jetzt die Spitze des Eisbergs, wissen aber nicht genau, wie groß der wirklich ist.“

Experten hatten zuvor festgestellt, dass die 631 in unterirdischen Lagerstätten im stillgelegten Kernkraftwerk Brunsbüttel aufbewahrten Atommüll-Fässer teilweise in desaströsem Zustand sind. Von bislang 131 inspiziert Behältern waren 28 auffällig.

Eine Technik zur sicheren Bergung der Fässer gibt es nach Sailers Einschätzung bislang nicht. „Man hat sich in Deutschland bisher keine Gedanken darüber gemacht, dass die Fässer im Laufe der Zeit rosten und damit mechanisch auch nicht mehr stabil sind“, sagte Sailer.

Die 1983, 1985 und 2011 in Brunsbüttel eingelagerten Atomfässer waren auch nicht für eine langfristige Lagerung vorgesehen. Nach Angaben von Betreiber Vattenfall hätten sie bereits Mitte der 1990er Jahre umgefüllt und ins bis heute noch nicht in Betrieb genommene Endlager Schacht Konrad bei Salzgitter (Niedersachsen) gebracht werden sollen.

Sailer betonte, „Bergungstechniken müssen erst entwickelt werden“. Bei der Handhabung dürfe es nicht zur Freisetzung von Radioaktivität kommen. „Ein Teil der Fässer ist aber in einem derart schlechten Zustand, dass es fahrlässig wäre, sie einfach mit einem Greifer nach oben zu ziehen.“

Sie müssten zunächst stabilisiert werden. „Die Fässer sind nicht so gebaut worden, dass sie eine jahrzehntelange Zwischenlagerung aushalten können, denn man ist immer von einem bald zur Verfügung stehenden Endlager ausgegangen.“

Vattenfall hatte nach den jüngsten Funden rostiger Fässer angekündigt, diese nach dem Inspizieren aller sechs Kavernen bis Anfang 2015 bergen zu wollen. Anschließend sollen sie in endlagerfähige Container umgefüllt und zunächst in einer Halle des AKW Brunsbüttel aufbewahrt werden - bis ein Transport nach Schacht Konrad möglich sei.

Sailer forderte, „weil der in den Fässern aufbewahrte Müll strahlt, sollten erst alle ferngesteuerten Methoden geprüft werden, bevor als allerletzte Maßnahme Menschen zur Bergung in die Kavernen geschickt werden“. Grundsätzlich wisse niemand, wie der Zustand der Kaverne genau aussieht. „Das heißt, ob die Kavernen nach unten dicht sind oder dort Feuchtigkeit drin steht.“

Genauso ungeklärt sei die Frage, ob der schützende Beton noch intakt ist. „Weil vorher nie in die Lagerstätten geschaut wurde, hat natürlich auch niemand unter der Kaverne nachgesehen.“ Von einer akuten Gefährdung gehe er aber zur Zeit nicht aus.


Aus: "Die Spitze des Müllbergs" (31.08.2014)
Quelle: http://www.taz.de/Atomkraftschrott-in-Brunsbuettel/!145115/


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[Über den Zustand der in Deutschland lagernden... ]
« Reply #74 on: November 18, 2014, 07:44:56 vorm. »
Quote
[...] Hamburg - Die lange Reihe an Hiobsbotschaften aus deutschen Atommüll-Lagern bekommt eine Fortsetzung: Im größten oberirdischen Zwischenlager in Karlsruhe fanden Prüfer bei Kontrollen mehr als 1700 beschädigte Fässer mit radioaktivem Müll, wie das NDR-Politikmagazin "Panorama 3" berichtet.

Der Sender hatte eine Umfrage unter den Aufsichtsbehörden aller 16 Bundesländer durchgeführt. Laut den Antworten befänden sich an mindestens 17 Standorten leicht oder schwer beschädigte Fässer, darunter in der hessischen Landessammelstelle in Ebsdorfergrund und am Kernkraftwerk Biblis. Experten gehen davon aus, dass die Anzahl der beschädigten Fässer und Container mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen noch weitaus höher ist. Michael Sailer, Atomexperte des Öko-Instituts, sagte Panorama 3: "Ich erwarte, dass man bei genauerer Inspektion in verschiedenen Lagern weitere Korrosionen findet."

Über den Zustand der in Deutschland lagernden schwach- und mittelradioaktiven Abfälle gibt es keine offizielle Übersicht. Laut NDR heißt es in einer noch unveröffentlichten Antwort auf ein Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen lediglich: "Der überwiegende Anteil der Gebinde mit radioaktiven Abfällen befindet sich in einem guten Zustand." Wie viele der rund 85.000 Behälter in weniger gutem Zustand sind, gehe daraus allerdings nicht hervor.

Besonders überraschend kommt die Nachricht nicht. Erst im Oktober war bekannt geworden, dass allein im Zwischenlager des stillgelegten AKW Brunsbüttel fast jedes dritte von 335 kontrollierten Fässern stark beschädigt war.

Trotz der schwierigen Situation um die Endlagerung wird Deutschland in den nächsten Jahrzehnten wohl deutlich mehr Atommüll entsorgen müssen. Allein die Menge des schwach- und mittelradioaktiven Abfalls, für den bei Salzgitter derzeit das Endlager Schacht Konrad errichtet wird, könnte sich verdoppeln, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf einen Entwurf des "nationalen Entsorgungsplans", den die Bundesregierung mit den Ländern abstimmt.

Bislang wurde für Schacht Konrad eine Abfallmenge von 298.000 Kubikmetern Atommüll prognostiziert, meist aus dem Abriss der Atomkraftwerke. Stattdessen gehe der Bund nun "von einer Gesamtmenge der zu entsorgenden Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung von rund 600.000 Kubikmetern" aus, zitiert das Blatt aus dem Entwurf.

Darin zählt der Bund dem Bericht zufolge erstmals auch Abfälle aus der Urananreicherungsanlage in Gronau als Atommüll mit. Dessen Betreiber Urenco lagere dort derzeit 13.000 Tonnen sogenannte Urantails, die bei der Anreicherung übrig blieben. Bislang seien diese Mengen stets als "Wertstoffe" durchgegangen, aus denen sich noch Kernbrennstoffe fertigen ließen. Dagegen rechne der Bund in dem Entsorgungsplan, den die EU-Kommission verlangt, nun mit bis zu 100.000 Kubikmetern Atommüll allein aus der Urananreicherung.

Weitere 200.000 Kubikmeter kämen hinzu, wenn das marode Salzbergwerk Asse II bei Wolfenbüttel geräumt wird. Wohin der Zusatzmüll gehen soll, sei offen. Ziel seien zwei Endlager, berichtet die "SZ" unter Berufung auf den Entsorgungsplan: Schacht Konrad für Abfälle, die wenig Wärme entwickeln, sowie ein zweites für den "heißen", in Castoren gelagerten Atommüll. Mit der Suche danach befasst sich derzeit eine Bund-Länder-Kommission.

mbe/dpa


Aus: "Strahlender Abfall: Kontrolleure finden Hunderte beschädigte Atommüll-Fässer" (18.11.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/atommuell-zwischenlager-pruefer-finden-hunderte-beschaedigte-faesser-a-1003474.html


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[Am havarierten japanischen Atomkraftwerk...]
« Reply #75 on: Februar 22, 2015, 09:03:49 nachm. »
Quote
[...] Am havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima ist ein neues Leck gefunden worden. Von dort gelangte hochradioaktives Wasser ins Meer. Sensoren hätten an der Stelle Werte gemessen, die bis zu 70 Prozent über den ohnehin hohen Belastungswerten des Komplexes lagen, teilte Kraftwerksbetreiber Tepco mit. Das Leck sei geschlossen worden, um zu verhindern, dass noch mehr verseuchtes Wasser in den Pazifik gelangt.

 Das Atomkraftwerk war im März 2011 durch ein Erdbeben und einen Tsunami schwer beschädigt worden, in einigen Reaktorblöcken war es zur Kernschmelze gekommen. Seitdem kämpft Tepco mit der geplanten Reinigung von tausenden Tonnen kontaminierten Wassers, das zur Kühlung eingesetzt wurde. Bislang lagert es in Tanks auf dem Akw-Gelände, doch reichen die Kapazitäten nicht aus, und weitere Speichermöglichkeiten sollen errichtet werden.

Bereits mehrfach gelangte verseuchtes Wasser aus dem Atomkraftwerk durch Lecks ins Meer. Zudem gibt es stetig einsickerndes Grundwasser, und auch die Entsorgung hochradioaktiven Materials bereitet Schwierigkeiten. Bis das Atomkraftwerk endgültig stillgelegt werden kann, dauert es mindestens drei bis vier Jahrzehnte.

Die Internationale Atomenergiebehörde, kurz IAEA, hatte Japan vor wenigen Tagen "erhebliche Fortschritte" bei der Stilllegung des havarierten Atomkraftwerks Fukushima bescheinigt. Die Lage auf dem Gelände habe sich verbessert, in vielen Bereichen habe die radioaktive Verseuchung durch die andauernden Säuberungsarbeiten abgenommen, erklärte die UN-Behörde vergangenen Dienstag nach einem Kontrollbesuch in der Anlage. Als "Meilenstein" bezeichnete sie die erfolgreiche Bergung aller abgebrannten Kernbrennstäbe aus einem Abklingbecken des vierten Reaktorblocks. Außerdem lobte sie die Bemühungen zur Aufbereitung radioaktiven Wassers. Die Lage bleibe aber "sehr komplex", warnte die IAEA.

Die Behörde rief Tepco dazu auf, nach einer "nachhaltigeren Lösung" zu suchen. Sie riet dazu, das kontaminierte Wasser ins Meer zu leiten, wenn es weitgehend von radioaktiven Bestandteilen gereinigt wurde. Atomanlagen in aller Welt würden dies so handhaben - die Auswirkungen auf die Umwelt seien geringfügig. Auch viele Experten glauben, dass sich die Einleitung schwach kontaminierten Wassers ins Meer langfristig nicht vermeiden lässt. Doch bei Umweltschützern, den örtlichen Fischern und benachbarten Ländern stößt diese Idee auf Widerstand.


Aus: "Neues Leck am Fukushima-AKW: Hochradioaktives Wasser gelangt ins Meer" (Sonntag, 22. Februar 2015)
Quelle: http://www.n-tv.de/politik/Hochradioaktives-Wasser-gelangt-ins-Meer-article14563451.html


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[Die Messdaten sind großenteils...]
« Reply #76 on: April 20, 2015, 02:55:02 nachm. »
Quote
[...] Bayerns Wildschweine sind stärker verstrahlt als bekannt. Doch die Messdaten sind großenteils unter Verschluss. Der Jagdverband fürchtet Schaden für die Jäger.

Knapp drei Jahrzehnte nach dem Atomunfall von Tschernobyl ist die Strahlenbelastung der bayerischen Wildschweine höher als bislang bekannt. Das geht aus den für die Allgemeinheit nicht zugänglichen Messdaten zur Radioaktivität hervor, die der Bayerische Jagdverband (BJV) sammelt.

Danach wurde im Jahr 2013 bei 140 geschossenen Wildschweinen eine Belastung von mehr als 10.000 Becquerel pro Kilogramm gemessen – der Grenzwert liegt bei 600 Becquerel.

Zusammengetragen hat die Daten der BJV-Messstellen Helmut Rummel, der bis zum März im Landkreis Garmisch-Partenkirchen Messungen für die örtliche BJV-Kreisgruppe durchführte. "Die Leute wissen nicht, was sie essen", sagte der vom BJV mittlerweile kaltgestellte Rummel.

"Ich möchte, dass diese Daten öffentlich werden." Schwerpunkt war im Landkreis Augsburg, wo allein 88 Schweine mit über 10.000 Becquerel pro Kilogramm geschossen wurden. Im zum Landkreis Regen gehörenden Teil des Nationalparks Bayerischer Wald wurden 2013 zwanzig Schweine geschossen, von denen 13 eine Belastung von über 10.000 Becquerel pro Kilogramm aufwiesen.

Der Jagdverband erhält seine Daten von bayernweit über 100 Messstationen, bei denen Rummel die Ergebnisse abfragte. Was die Nichtveröffentlichung angeht, betreiben BJV und Freistaat klassisches Pingpong: Der Verband übermittelt seine Ergebnisse zwar an das Umweltministerium – doch publiziert werden diese nicht.

"Für eine Veröffentlichung durch bayerische Behörden gibt es keine Rechtsgrundlage", sagt ein Ministeriumssprecher. Die Behörden veröffentlichen lediglich die Ergebnisse staatlicher Stichproben.

Der BJV wiederum argumentiert, die Veröffentlichung sei Behördensache. "Für wissenschaftliche Zwecke werden die Daten verfügbar gemacht. An Private gibt der BJV keine Messdaten weiter", erklärt eine Sprecherin. Lediglich die Käufer eines Wildschweinbratens erhalten die Werte des betreffenden Tiers.

Der BJV wies im Dezember die Betreiber der Messstellen ausdrücklich an, die Radioaktivitätsdaten auch auf Anfrage nicht zu nennen. "Aus gegebenem Anlass" forderte Hauptgeschäftsführer Joachim Reddemann am 15. Dezember alle Messgerätebetreiber auf, auf das Landesamt für Umwelt zu verweisen.

Die Erklärung lieferte der BJV-Spitzenfunktionär gleich mit: "Der BJV möchte mit dieser Maßnahme verhindern, dass aufgrund einzelner hoher Werte, die an die Öffentlichkeit gelangen, in den Medien eine tendenziöse Berichterstattung zum Schaden der Jägerschaft erfolgt."

Der BJV ist inzwischen auf Distanz zu Rummel gegangen. Der Grund: Er wandte sich im März an das "Garmischer Tagblatt". "Aufgrund Ihrer Veröffentlichungen halte ich für unwahrscheinlich, dass Sie von unseren Jägern weiter kontaktiert werden zur Durchführung von Messungen", schrieb der örtliche Kreisgruppenchef anschließend an Rummel.

Der Jagdverband betont nun: "Wir wollen nicht verhindern, dass Messwerte bekannt werden, aber wir wollen verhindern, dass der pauschale und falsche Eindruck entsteht, alles Wildbret sei ,verstrahlt' und die Jäger seien an Messungen nicht interessiert." Die Garmischer Kreisgruppe habe Rummel "das Vertrauen entzogen".

Quote
Force6 • 20.04.2015

"Für eine Veröffentlichung durch bayerische Behörden gibt es keine Rechtsgrundlage", sagt ein Ministeriumssprecher.
Da kann sich der Bürger nur wundern.
Und sich fragen, warum dem so ist.
Was aber manchem Politiker wiederum gar nicht recht ist.
Gibt es doch da wiederum einen Interessenskonflikt.
Zwischen Fürsorge für den Bürger - und den Erwartungen einer treuen Wählerschaft.



Aus: "Tschernobyl-Folgen: Geheimsache radioaktiv verstrahlte Wildsäue" Carsten Hoefer (20.04.2015)
Quelle: http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article139797061/Geheimsache-radioaktiv-verstrahlte-Wildsaeue.html

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[Insgesamt wird für den Bau nun...]
« Reply #77 on: April 21, 2015, 05:07:12 nachm. »
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[...] BERLIN dpa |  Die Bundesregierung erhöht international den Druck, um eine Finanzierungslücke von 615 Millionen Euro für den neuen Sarkophag des zerstörten Atomkraftwerks Tschernobyl zu schließen. „Die bisherigen Zusagen und Absichtserklärungen werden für den sicherheitstechnisch erforderlichen Abschluss aller Maßnahmen nicht ausreichen“, heißt es in einem Bericht des Umweltministeriums für den Bundestagsumweltausschuss, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Insgesamt wird für den Bau nun von Kosten in Höhe von 2,15 Milliarden Euro ausgegangen. Deutschland will im Rahmen der G7-Präsidentschaft die restlichen Gelder eintreiben, damit der Bau bis November 2017 vollendet werden kann.

Es handelt sich um eine riesige, weltweit einzigartige Stahlhülle über den 1986 havarierten Reaktor 4 in dem ukrainischen AKW. Da der bisherige Betonschutz brüchig ist, wird zum Schutz vor Strahlung die neue Konstruktion gebaut.

Unter Vorsitz Deutschlands findet am 29. April bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in London eine Geberkonferenz statt. 1997 hatten die sieben führenden westlichen Industriestaaten (G7) den Aufbau eines Fonds vereinbart – bisher haben sie und Russland 1,5 Milliarden Euro zugesagt.

Der Sarkophag soll 108 Meter hoch, 162 Meter lang und 257 Meter breit werden – in der Fläche fast dreimal so groß wie der Petersdom. Die Bundesregierung will in den nächsten Jahren rund 18 Millionen Euro zusätzlich geben. Der Großteil der noch fehlenden Finanzmittel könnte über die EBRD zur Verfügung gestellt werden.


Aus: "Ein neuer Sarkophag für Tschernobyl: Die Betonhülle wird brüchig" (21.04.2015)
Quelle: https://www.taz.de/Ein-neuer-Sarkophag-fuer-Tschernobyl-/!158552/

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[...] Morsch ist der Betonmantel über dem 1986 explodierten Atomreaktor vier in Tschernobyl schon lange. Aber knapp 30 Jahre nach der Katastrophe steigt das Risiko, dass das Gebäude ganz zusammenbricht, bevor die neue Schutzhülle über dem alten Sarkophag fertig gestellt ist. Die Physikerin Oda Becker hofft jedenfalls, dass der neue Sarkophag rechtzeitig fertig wird, bevor der unmittelbar nach der Katastrophe von den sogenannten Liquidatoren hastig errichtete erste Schutzmantel endgültig einstürzt.

Sie hat für die Umweltorganisation Greenpeace zum Jahrestag vor wenigen Tagen ein Gutachten über den aktuellen Zustand der Anlage erstellt. Von innen strahlt das radioaktive Material und zermürbt den Beton. Nach Beckers Informationen sickert inzwischen kontaminiertes Wasser aus der Reaktorruine ins Grundwasser. Von außen setzen Wind, Regen und andere Umwelteinflüsse dem maroden Gebäude zu. Selbst wenn die neue Schutzhülle die Strahlung von der Reaktorruine abschirmen kann, hält die Konstruktion höchstens 100 Jahre. Darauf ist sie jedenfalls ausgelegt. Es gebe aber weiterhin weder ein Konzept noch einen Finanzierungsplan, wie der Reaktorkern gesichert und die Ruine rückgebaut werden kann. "Ob der explodierte Reaktor unter den gegebenen technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen jemals in ein ökologisch sicheres System überführt werden kann, ist zweifelhaft", schreibt der Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital.

Seit 1997 wird eine Traglufthalle aus Stahl geplant, die seit 2012 neben der Reaktorruine errichtet wird. Die Strahlung in unmittelbarer Nähe des Gebäudes ist immer noch so hoch, dass dort niemand arbeiten kann. Deshalb muss die gigantische Halle - 260 Meter breit, 165 Meter lang und 110 Meter hoch - in einem Kraftakt am Ende über die Reaktorruine geschoben werden. Rund 31 000 Tonnen müssen Ende 2017 bewegt werden, falls der Bau bis dahin tatsächlich fertig ist. Eigentlich hätte er in diesem Jahr fertig gestellt werden sollen. Aber dann ging dem bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) verwalteten Tschernobyl-Fonds einmal mehr das Geld aus.

Der Fonds ist ein Projekt der sieben größten Industriestaaten G7. Deshalb ist Deutschland, das aktuell die Präsidentschaft hat, dafür verantwortlich, dass zumindest weiter gebaut werden kann. Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth sagte nach einer Geberkonferenz vor wenigen Tagen erleichtert: "Jetzt ist absolut klar, dass die Arbeit in Tschernobyl weiter gehen kann."

75 Millionen Euro fehlen immer noch. Aber zumindest kann die 2,1 Milliarden Euro teure Schutzhülle weiter gebaut werden. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte nach einer Geberkonferenz vor wenigen Tagen in London: „Ich bin froh und sehr erleichtert über das Ergebnis der Geberkonferenz. Es ist uns als Präsidentschaft der G7 gelungen, zusammen mit unseren Partnern die Fertigstellung der neuen Schutzhülle für die Reaktorruine in Tschernobyl finanziell zu abzusichern.“ Zu dem Zeitpunkt fehlten noch 85 Millionen Euro im Tschernobyl-Fonds, den die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) verwaltet. Am Wochenende kündigte Russland an, weitere zehn Millionen Euro in den Fonds einzuzahlen.

Die Londoner Geberkonferenz war bereits die fünfte, um die neue Schutzhülle über dem havarierten Reaktor zu finanzieren. Den größten Teil der Kosten trägt die EBRD selbst, sie schießt aktuell 320 Millionen Euro nach, hat zuvor aber schon 300 Millionen Euro in den Fonds eingespeist. Die G-7-Staaten haben bei der Geberkonferenz weitere 180 Millionen Euro aufgebracht. Deutschland hat einschließlich der nun zugesagten 18 Millionen Euro bisher rund 108 Millionen Euro in das Bauwerk investiert. In einem Statusbericht, den die Grünen von der Bundesregierung verlangt hatten, heißt es zum aktuellen Baufortschritt: "Die laufende Krise in der Ukraine zeigte im Projektablauf bisher weniger negative Einflüsse, als zu befürchten war."

Sollte die Schutzhülle noch nicht stehen, wenn der Bau in sich zusammenfällt, könnten bis zu 1,5 Tonnen radioaktiver Staub aus dem geschmolzenen Reaktorkern in einem Umkreis von 50 Kilometern niedergehen, je nach Windlage auch noch weiter. Dass das kein abwegiges Szenario ist, zeigte der 12. Februar 2013, als Wand und Dachstücke des dem Sarkophag benachbarten Maschinenhauses einstürzten. Das Gelände rund um den Reaktor ist seit 29 Jahren Sperrgebiet. Die Kontamination ist unterschiedlich. Es gibt Stellen, an denen nahezu nichts strahlt. An anderen Stellen ist die Strahlung so hoch, dass die Gesundheit von Menschen stark gefährdet wird. Dennoch sind einige Menschen in ihre Häuser im Sperrgebiet zurückgekehrt. Vor allem Ältere, die lieber in ihrer vertrauten Umgebung arm sind als anderswo. Sie leben damit, dass ihre Enkel nie zu Besuch kommen können, weil die Strahlung Kindern noch mehr schadet als Erwachsenen, berichtete eine Bewohnerin vor vier Jahren bei einem Besuch im Sperrgebiet.

Wie riskant das Leben dort immer noch ist, haben die etwa 150 Bewohner der 30-Kilometer-Sperrzone gerade erst wieder miterlebt. Etwa 20 Kilometer von der havarierten Anlage entfernt brach ein Waldbrand aus, gegen den 300 Feuerwehrleute mit drei Flugzeugen und einem Hubschrauber vier Tage lang ankämpften. Rund 400 Hektar Wald standen in Flammen. Erst am Sonntag meldeten die ukrainischen Behörden, dass der Brand unter Kontrolle sei. Die radioaktive Strahlung habe an der Reaktorruine leicht über der Norm gewesen, berichtete der Zivilschutz der Ukraine. Die Behörden vermuten Brandstiftung als Ursache.

Jeder Waldbrand kann die Verteilung der strahlenden Fracht verändern, weil strahlende Partikel aufgewirbelt werden können. Und angesichts des Klimawandels ist mit mehr Waldbränden als in der Vergangenheit zu rechnen. Davor haben gerade erst Forscher des Norwegian Institute for Air Research gewarnt. Ein Feuer kann radioaktive Partikel aufwirbeln und der Wind sie neu verteilen. Bis Kiew, etwa 100 Kilometer südlich von Tschernobyl, sind die Partikel aber nicht gekommen, berichtet das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), das in der ukrainischen Hauptstadt eine Messsonde betreibt. Dort hätten die Messungen einen "normalen Verlauf" genommen, sagte eine Sprecherin des BfS dem Tagesspiegel.

Angesichts der bewaffneten Auseinandersetzungen in der Ostukraine haben Atomexperten trotz des vereinbarten Waffenstillstands Sicherheitsbedenken, was die noch Strom erzeugenden Atomkraftwerke in der Ukraine angeht. Auf eine Kleine Anfrage der grünen Atomexpertin Sylvia Kotting-Uhl schrieb Umweltstaatssekretär Florian Pronold (SPD) Anfang April, dass nach Kenntnis der Bundesregierung in den "fünfzehn ukrainischen Kernkraftwerksblöcken" zwischen 2012 und 2017 "ein Modernisierungsprogramm umgesetzt" werde, "um das Sicherheitsniveau zu erhöhen". Das kostet die wirtschaftlich schwer angeschlagene Ukraine "nach vorliegenden
Informationen" etwa 1,4 Milliarden Euro. Die EBRD und Euratom wurden haben nach Angaben Pronolds dafür "Kredite von jeweils bis zu 300 Millionen Euro zugesagt". Weitere internationale Mittel seien für die Sicherheitsinvestitionen in die ukrainischen Atommeiler aber nach Kenntnis der Bundesregierung nicht vorgesehen.


Aus: "29 Jahre nach der Reaktorkatastrophe: Tschernobyl bleibt gefährlich" Dagmar Dehmer (05.05.2015)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/29-jahre-nach-der-reaktorkatastrophe-tschernobyl-bleibt-gefaehrlich/11723734.html

« Last Edit: Mai 05, 2015, 09:52:17 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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[Fast klammheimlich und ohne eingehende Diskussion...]
« Reply #78 on: Juli 14, 2015, 05:07:40 nachm. »
Bure ist eine französische Gemeinde mit 86 Einwohnern (1. Januar 2012) im Département Meuse in der Region Lothringen. ... Etwa 1,5 Kilometer südlich der Dorfmitte entsteht auf freiem Feld das Atommüllendlager Bure (Felslabor). Seit 2000 untersucht die französische Atommüllbehörde ANDRA die Eignung des 130 Meter mächtigen Tonsediment-Stocks, der sich hier erstreckt. Ein weiterer positiver Standortfaktor ist die geringe Bevölkerungsdichte. Proteste der Anwohner gingen bislang über rein örtlichen Charakter nicht hinaus. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Bure_%28Meuse%29 (Stand 07/2015)

In der Nähe des französischen Ortes Bure im Département Meuse in Frankreich wird durch die französische Atommüllbehörde ANDRA (Agence Nationale pour la Gestion des Déchets Radioactifs) in einer Tiefe von ca. 500 m ein Untertagelabor zur Erforschung der örtlichen geologischen Verhältnisse betrieben. Bei dem im benachbarten Département Haute-Marne geplanten Endlager für radioaktiven Abfall namens Cigéo (Centre industriel de stockage géologique pour les déchets HA et MA-VL, dt. umkehrbares geologisches Endlager für radioaktiven Abfall in den Départements Meuse und Haute-Marne) handelt es sich um ein unterirdisches Tunnelsystem mit einer Ausdehnung von 30 Quadratkilometern. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Bure_%28Felslabor%29 (Stand 07/2015)

Quote
[...] PARIS taz | Fast klammheimlich und ohne eingehende Diskussion ist in der Französischen Nationalversammlung der Weg zur Bewilligung des Endlagers für Atommüll im lothringischen Bure, westlich von Metz und Nancy, geebnet worden. Das Projekt der französischen Atomwirtschaft, die seit Jahren fast verzweifelt eine Lösung für die Entsorgung der ständig wachsenden atomaren Rückstände der nuklearen Energieproduktion sucht, ist vom konservativen Senator Gérard Longuet in ein Paket von unterschiedlichen Wirtschaftsreformen eingebracht worden.

Mit der pauschalen Verabschiedung des nach dem Wirtschaftsminister Emmanuel Macron benannten Gesetzespakets hat das sehr umstrittene Vorhaben des Endlagers in Bure eine entscheidende Hürde genommen. Bure, dessen tiefer Untergrund laut den Experten der Atomindustrie geeignete geologische Eigenschaften besitzt, ist darin als Standort definiert worden.

Das fragwürdige Vorgehen hat die Empörung in Bure nur noch vergrößert. Das nationale Kollektiv gegen die Atomülllagerung spricht von einem „Affront“ und einem „hinterhältigen Manöver“. Zu den Merkwürdigkeiten der parlamentarischen Prozeduren in Frankreich gehört es, dass die Regierung umstrittene Gesetzesvorlagen ohne weitere Debatte für angenommen erklären kann, selbst wenn sie im eigenen Lager keine sichere Mehrheit für eine Abstimmung hat.

War der ganze Widerstand, namentlich der lokalen Landwirte und der Dorfbewohner, umsonst, und ist umgekehrt damit in Frankreich das Problem der Entsorgung der radioaktiven Rückstände gelöst, wie dies die Regierung und die staatliche Agentur Andra hoffen? Noch sind Beschwerden und Klagen der Gegner anhängig. In einem Gutachten der schweizerischen Experten von Geowatt ist unterstrichen worden, dass eine Lagerung radioaktiver Abfälle die wirtschaftliche Nutzung der geothermischen Ressourcen in geringer Tiefe verunmöglichen würde.

Die Coordination Burestop will weiter mobilisieren und alle juristischen Mittel ausschöpfen, um zu verhindern, dass das seit 1994 eingerichtete Versuchslabor in ein Endlager umgewandelt wird, in das dann ab 2025 die hochradioaktive Rückstände, vor allem aus den Atomkraftwerken von EDF, 500 Meter unter Tage in Tonschichten deponiert werden sollen. Dort sollen sie dann (aufgrund ihrer zum Teil sehr langen Halbwertszeiten) in den kommenden Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden verbuddelt oder versteckt bleiben. Die Andra musste sich allerdings gesetzlich verpflichten, den Zugang zum Lagerort für mindestens hundert Jahre technisch möglich zu machen.

Vorgesehen ist, dass 10.000 Kubikmeter hochradioaktive und 70.000 Kubikmeter mittelradioaktive Rückstände in Bure gelagert werden. Das entspräche rund fünfzig Jahren Fortsetzung des gegenwärtigen Atomstromprogramms. Jedes Jahr sollten dann in hundert Sonderzügen 700 bis 900 Behälter mit Atommüll angeliefert werden. Bisher aber hat Bure, das in einer ländlichen Region liegt, noch nicht einmal einen Bahnanschluss.


Aus: "Atommüll in Frankreich: Mogelpackung für Atommüll" Rudolf Balmer (13.07.2015)
Quelle: https://www.taz.de/Atommuell-in-Frankreich/!5212260/


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[Im laufenden Jahr wurden...]
« Reply #79 on: November 02, 2015, 09:42:09 vorm. »
Quote
[...] Denn die wichtigste Informationsquelle über Uranverladungen in Hamburg, das Gefahrgutinformationssystem Gegis, erfasst nur über See und per Hafenbahn transportierte Güter – und nicht, was auf Lastwagen durch die Stadt rollt. Und Gegis speichert die Daten nur drei Monate lang. Deswegen stellt die Linke regelmäßig Anfragen an den Senat und veröffentlicht dann Daten zu Atomtransporten, bevor sie aus dem System verschwinden. Anhand dieser Daten haben Aktivisten errechnet, dass durchschnittlich zwei Atomtransporte pro Woche über Hamburg laufen.

...  Bis Mai 2013 interessierte sich in der Stadt kaum jemand für radioaktive Fracht, die im Hafen umgeschlagen wird. Dann brannte es während des Kirchentags auf der Atlantic Cartier. Das Schiff hatte Autos geladen, aber auch Container mit Gefahrgut Klasse 7: strahlende Stoffe. Die Atlantic Cartier transportierte Reste von Uranhexafluorid – und vier Tonnen Munition. Eine brisante Kombination, auch politisch: Seitdem beschäftigt sich die Bürgerschaft mit Atomtransporten. Die Opposition verlangt Informationen.

Im laufenden Jahr wurden bis Ende Juni 363 Container mit radioaktiver Fracht im Gegis registriert. 2014 waren es rund doppelt so viele. Die Wasserschutzpolizei kontrollierte allein 635 Atomcontainer – rund 85 Prozent aller Nukleartransporte.

Viele Gefahrguttransporter bringen nicht nur strahlende Ladung nach Hamburg, sondern gleichzeitig Sprengstoff, Benzin und andere leicht entflammbare Stoffe. Material, das Terroristen zum Bau einer schmutzigen Bombe bräuchten. Eine Gefahr für alle Menschen in der Stadt, sagen Umweltschützer wie Cecile Lecomte. Nein, die Atomtransporte seien keine Bedrohung, solange alle Regeln eingehalten werden, erwidern Wasserschutzpolizei und Reedereien.

...  für die Atomindustrie hätte ein Atomtransportverzicht der Unternehmen sehr wohl Folgen. Denn Hamburg steht am Anfang der Brennstoffkette. Im Hafen kommen überwiegend Container mit Uran an, meist aus Kasachstan, Kanada, Namibia, Usbekistan. Über Hamburg gelangen Uranerz und Uranhexafluorid zu Aufbereitungsanlagen in Frankreich, in den Niederlanden oder zu Fabriken im westfälischen Gronau und im niedersächsischen Lingen. Bevor das Uran von der Stromindustrie genutzt werden kann, muss es angereichert werden. In mehreren Schritten entsteht Urandioxid, das in Pellets gepresst und in Brennstäbe gefüllt wird. Diese landen schließlich in den Kernkraftwerken. Über Hamburg laufen aber auch strahlende Brennstäbe, die in Castor-Behältern verfrachtet werden.

Wo die in Hamburg angekommene radioaktive Fracht bleibt, beschäftigt Umweltschützer in ganz Deutschland und Frankreich. Sie verfolgen die Container, informieren sich, wie ihre Route läuft, was ihr Ziel ist.

...  Lutz Dreyer und sein Chef Manfred Roß von der Dienststelle "WSP 5 Gefahrgutüberwachung und Umweltschutz" warnen vor Übertreibungen in Sachen Nuklearfracht. "Bei Gefahrgutklasse 7 haben wir beim Transport ein hohes Sicherheitsniveau", sagt Manfred Roß. "Wenn ein Transport zu 100 Prozent sicher sein soll, dürften die Güter gar nicht erst das Lager verlassen. Ein Unfall lässt sich nie ganz ausschließen."

Lutz Dreyer ergänzt: "Wenn es um den Transport radioaktiver Stoffe geht, denken viele Menschen schnell, das sei alles sehr gefährlich. Mich beschäftigen andere Gefahrgüter viel stärker. Chlorgas beispielsweise halte ich für viel bedrohlicher."

...


Aus: "Hamburger Hafen: Ziemlich aufgeladen" Hauke Friederichs (1. November 2015)
Quelle: http://www.zeit.de/2015/42/hamburger-hafen-umwelt-atomtransporte


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[So etwas ist bei uns noch nicht vorgekommen...]
« Reply #80 on: November 11, 2015, 10:30:51 vorm. »
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[...] "So etwas ist bei uns noch nicht vorgekommen“, sagte am Freitag eine Sprecherin des Kernkraftwerks Gundremmingen. Am Donnerstag war dort im Abklingbecken von Block C ein Brennelement auseinandergebrochen. Das Element, ein Bündel von 100 etwa vier Meter langen, mit Uranoxid gefüllten Metallstäben, wurde gerade mit dem Ladekran zu einem neuen Platz transportiert. Der Sprecherin zufolge hatte der Kran die neue Position schon erreicht, als sich das Brennstabbündel von seinem Kopf löste. Der Kopf blieb am Greifer des Ladekrans, das Bündel sank auf die vorgesehene Position im Lagerbecken. Die Brennstäbe selbst seien nicht beschädigt und keine Radioaktivität freigesetzt worden.

Zusammen mit der Herstellerfirma werde nun Ursachenforschung betrieben. Der Zwischenfall wurde dem bayerischen Umweltministerium als Aufsichtsbehörde gemeldet.


Aus: "AKW Gundremmingen: Brennstabbündel bricht auseinander" (SWP, 06.11.2015)
Quelle: http://www.swp.de/ulm/lokales/kreis_neu_ulm/AKW-Gundremmingen-Brennstabbuendel-bricht-auseinander;art1158550,3520606


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[Entsprechend groß ist das Interesse...]
« Reply #81 on: Dezember 09, 2015, 12:35:09 nachm. »
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[...]  Für die Atomindustrie sind fünf Jahre ein geradezu lächerlich kurzer Zeitraum. Allein der Rückbau eines Kernkraftwerks dauert mindestens zehn Jahre. Bis Deutschland ein Endlager für seinen strahlenden Atommüll präsentieren kann, werden noch Jahrzehnte vergehen. Erst im Jahr 2050 soll es soweit sein.

Umso unglaublicher ist es, dass eine Muttergesellschaft gerade einmal fünf Jahre für die finanziellen Verpflichtungen ihre Tochter haften muss. So sieht es zumindest die aktuelle Gesetzeslage vor. Konkret bedeutet das: Hat ein Energiekonzern sein Atomgeschäft auf ein Tochter-Unternehmen übertragen, so muss er maximal fünf Jahre für deren Verpflichtungen haften. Dazu gehören auch die Rückstellungen, um den Rückbau der Kraftwerke zu finanzieren.

 Es geht um Milliarden: Ein Gutachten für das Bundeswirtschaftsministerium schätzt, dass der Ausstieg 29 bis – im schlimmsten Fall – 77 Milliarden Euro kosten könnte. Aktuell haben die vier großen Unternehmen insgesamt 38,3 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Wenn es gut läuft, könnte das Geld also reichen. Die Rücklagen sind aber nicht in Cash vorhanden: Teilweise müssen die Stromversorger sie erst noch umwandeln und dafür beispielsweise Beteiligungen verkaufen.

Entsprechend groß ist das Interesse der Energiekonzerne, die Verpflichtungen zu begrenzen. Zum 1. Januar 2016 stellt sich beispielsweise E.on komplett neu auf. Künftig wird es neben E.on (zur der die erneuerbaren Energien gehören werden) auch eine Tochter namens Uniper geben, in der das Kohle- und Gasgeschäft gebündelt wird. Die Atomsparte sollte zur neuen Tochter Uniper wandern. Die Mutter müsste dann nur fünf Jahre für die Forderungen der ausgelagerten Atomsparte haften. Ginge Uniper irgendwann das Geld aus, müsste der Steuerzahler einspringen.

Es sind solche Umstrukturierungen, welche die Bundesregierung haben aufhorchen lassen: Will sich da gerade jemand um seine Verantwortung drücken? Mitte Oktober verabschiedete das Bundeskabinett deshalb das sogenannte Gesetz zur Nachhaftung. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel schwärmte damals, es funktionierte nach dem Prinzip "Eltern haften für ihre Kinder". Es stelle sicher, dass Muttergesellschaften für die Verbindlichkeiten ihrer Töchter für Rückbau- und Entsorgungskosten langfristig haften würden, sagte Gabriel. "So minimieren wir die Risiken für öffentliche Haushalte und Steuerzahler."

 Als E.on von den Gesetzesplänen erfuhr, änderte der Konzern flugs seine Strategie: Noch vor der Kabinettsentscheidung gab das Unternehmen Anfang September bekannt, seine drei Atomkraftwerke nun doch nicht auszulagern, sondern im Mutterkonzern zu lassen. Ein verantwortungsvoller Vorstand könne seinen Eigentümern nicht vorschlagen, unbegrenzt für völlig unabhängiges Handeln einer anderen Gesellschaft zu haften, teilte E.on mit. RWE versuchte es erst gar nicht, sich um die Nachhaftung zu drücken. Vergangene Woche gaben die Essener bekannt, dass die Atomsparte im Mutterkonzern verbleibe.

Doch selbst wenn E.on und RWE im vorauseilenden Gehorsam ihre Pläne geändert haben – die Politik zögert noch. Zurzeit diskutiert der Wirtschaftsausschuss des Bundestags über das Gesetz. In der vergangenen Woche ist es überraschend von der Tagesordnung einer nicht-öffentlichen Sitzung geflogen. Nun wird es zeitlich knapp: Dass das Gesetz zum 1. Januar 2016 in Kraft treten wird, halten Fachleute inzwischen für unrealistisch.

 Vor allem die Union will sich, im Unterschied zu SPD, mit dem Gesetz lieber Zeit lassen. Am liebsten würde sie es als Teil eines großen Atom-Gesetzpakets verabschieden. Denn inzwischen tagt auch die sogenannte Atomkommission: Der ehemalige Hamburger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und Ex-Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) sollen bis Ende Januar Ideen erarbeiten, wie der Atomausstieg finanziert werden kann und wie die Rücklagen der Energiekonzerne trotz unsicherer Geschäftsaussichten gesichert werden können. 

Die Ergebnisse der Kommission sollten lieber mit dem Nachhaftungsgesetz gemeinsam verabschiedet werden, fordert Joachim Pfeiffer, energiepolitischer Sprecher der Unionsfraktion. "Diese Fragen sind inhaltlich eng miteinander verknüpft." Es gebe keinen Grund zur Hektik, das Parlament brauche für einen solchen komplexen Sachverhalt ausreichend Zeit.   

In der SPD kann man die Gelassenheit nicht nachvollziehen. "Auf diesem Weg riskiert der Koalitionspartner eine massive, milliardenschwere Mehrbelastung des Steuerzahlers, für die er letztlich auch die politische Verantwortung tragen wird", warnt SPD-Abgeordnete Nina Scheer. Beistand gibt es von den Grünen: "Bundestag und Bundesregierung müssen sich jetzt entscheiden: Anwalt der Steuerzahler oder Komplize der Konzerne", sagt deren atompolitische Sprecherin, Sylvia Kotting-Uhl. Je länger sich die Verabschiedung hinziehe, desto größer die Chance, dass die Konzerne doch noch irgendeine Gesetzeslücke finden würden. Auch die Regierung will zumindest das Nachhaftungsgesetz so schnell wie möglich verabschieden. So misstrauisch ist Berlin inzwischen gegenüber den Stromriesen.

 Mittlerweile tobt eine wahre Gutachtenschlacht: Mitte November präsentierten E.on und RWE eine bei der Rechtskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer in Auftrag gegebene Expertise. Die nimmt wiederum ein vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebenes Gutachten zu den Kosten des Atomausstiegs auseinander. Der Tonfall des Stromkonzerne-Gutachtens ist überraschend scharf. Das BMWI-Papier würde "das düstere Bild einer angeblich unzureichenden Rechtslage und nicht ausreichender Vorsorgeleistungen" der Energiekonzerne zeichnen. Freshfields pocht im Auftrag der Stromkonzerne auf geteilte Verantwortung: Auch der Staat müsse sich an den Ausstiegskosten beteiligen. Die aktuelle Unsicherheit diene nur dazu, den "Zugriff auf unternehmerische Vermögenswerte in Milliardenhöhe" zu legitimieren, kritisiert die Kanzlei.

Es ist ein Vorgeschmack auf die Diskussion in der Atomkommission. Die tagt nächsten Donnerstag. Neun Stunden sind veranschlagt.

Quote
M.Aurelius
#4  —  vor 14 Stunden 31
Redaktionsempfehlung

Das Spiel war von Anfang an abgekartet: jeder wusste, auch oder insbesondere die verantwortlichen Politiker, dass die Rückstellungen für Endlagerung und Rückbau niemals reichen werden. Jetzt werden die Milliardenschulden in "Bad Banks ausgelagert, die dann als, im wahrsten Sinne des Wortes, toxische Gesellschaften in die Insolvenz geschickt werden und damit der Gesellschaft ans Bein gebunden werden. Das ist genau der modale Kapitalismus, wie ihn unsere Regierung propagiert: Gewinne werden individualisiert und die Konsequenzen des eigenen Versagens soll die Gesellschaft tragen.


...


Aus: "Atomausstieg: Die Tricks der Atomkonzerne" Marlies Uken (8. Dezember 2015)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-12/atomausstieg-energiewende


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[Am späten Donnerstagabend...]
« Reply #82 on: M?RZ 07, 2016, 01:43:12 nachm. »
Quote
[...] Am späten Donnerstagabend haben Rauchwolken über dem Akw Fessenheim Alarm ausgelöst. Ursache sei kein Feuer gewesen, sondern ein Problem mit einem Sicherungsschalter in einem Nebengebäude des Maschinenraums von Block ein. Das teilte die Akw-Leitung mit.

Block eins steht seit Anfang April still, nachdem an einer Kühlwasserleitung eine undichte Stelle entdeckt worden war. Bei einer darauffolgenden Kontrolle bemerkten Techniker, dass ein Regler, der für die Funktion der Dampfgeneratoren wichtig ist, nicht richtig funktionierte.

In Block zwei war es an Karfreitag zu einer Notabschaltung gekommen. Nach Angaben des Betreibers EDF hatte es eine Panne außerhalb des Atomkreislaufs gegeben. Bis Sonntag war keiner der beiden Reaktoren funktionsfähig, dann wurde Block zwei wieder hochgefahren.

Umweltschützer hatten die Pannen zum Anlass, um erneut die Schließung von Frankreichs ältestem Atomkraftwerk zu fordern. Die beiden 900-Megawatt-Reaktoren von Fessenheim wurden 1977 und 1978 in Betrieb genommen. Frankreichs Staatspräsident François Hollande hat die Stilllegung des Kraftwerks bis Ende 2016 versprochen.

Erst im März hatte eine spektakuläre Aktion der Umweltschutzorganisation Greenpeace am Akw Fessenheim für Aufsehen gesorgt. 60 Aktivisten hatten mit einem 19-Tonner-LKW die Absperrung der Atom-Anlage durchbrochen. Mit einer Brückenkonstruktion gelangten sie über den Stacheldrahtzaun zum Reaktor und besetzten ihn.

Zum 28. Jahrestag des Atomunglücks von Tschernobyl startet die Umweltorganisation Greenpeace nun am Samstag eine groß angelegte Protestaktion. Acht Wochen lang wollen die Umweltschützer gegen überalterte europäische Atomkraftwerke demonstrieren. Das Aktionsschiff "Beluga II" soll am Samstag am ältesten französischen Atomkraftwerk in Fessenheim an der deutschen Grenze ablegen.

Die "Beluga II" soll bis Mitte Juni 14 Städte an Rhein und Mosel anfahren, die im Umfeld alter Atomkraftwerke in Deutschland, Frankreich, Luxemburg und der Schweiz liegen. In Baden-Württemberg macht die "Beluga II" in Breisach am Rhein (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald), Karlsruhe, Mannheim und Philippsburg (Landkreis Karlsruhe) Halt.


Aus: "Pannenreaktor: Rauchwolken über dem Akw Fessenheim – Vorfall verunsichert" Bärbel Nückles, dpa (Fr, 25. April 2014)
Quelle: http://www.badische-zeitung.de/rauchwolken-ueber-dem-akw-fessenheim

---

Quote
[...] Im französischen Atomkraftwerk Fessenheim soll es im April 2014 einen schweren Zwischenfall gegeben haben, den die Atomaufsicht des Landes ASN gegenüber der Öffentlichkeit und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien heruntergespielt haben soll. Das berichten der WDR und die Süddeutsche Zeitung. Auch soll sie wesentliche Details unterschlagen haben.

Am 9. April 2014 um 17 Uhr habe das Bedienpersonal festgestellt, dass beim Befüllen eines Kühlwasserbehälters rund 3000 Liter Wasser ausgelaufen waren. Unter anderem durch die Kabelummantelungen sei das Wasser in verschiedene Etagen und Räume sowie in Schaltschränke eingedrungen, in denen die Steuerung der Sicherheitstechnik untergebracht war. Dann sei die komplette Bedienung der Steuerstäbe im Reaktorkern ausgefallen. Auch einer der beiden Stränge für die Reaktorschnellabschaltung habe versagt. Ein Krisenstab habe entschieden, den Reaktor durch Einleitung von Bor in den Hauptkühlkreislauf zwangsweise herunterzufahren. Zuvor sollen sich in dem AKW dramatische Szenen abgespielt haben.

In ihrer Meldung an die IAEA habe die ASN weder den Ausfall der Steuerstäbe noch die eingeleitete "Not-Borierung" berichtet. Das wahre Ausmaß des Unglücks gehe aus einem Schreiben hervor, das die ASN wenige Tage nach dem Unfall an den Leiter des AKW Fessenheim geschrieben hatte. Der Reaktorsicherheitsexperte Manfred Mertins sei nach Sichtung des Schreibens zu dem Schluss gekommen, dass es sich bei dem Vorfall um ein "sehr ernstes Ereignis" gehandelt habe, bei dem "erhebliche sicherheitstechnische Mängel" an dem AKW zutage getreten seien. Auch wenn sich der Auslöser des Störfalls, die Überflutung einiger Gebäudeteile, im nichtnuklearen Bereich des Kraftwerks ereignet habe, sei durch den Ausfall der Steuerstäbe letztlich vor allem der Reaktorkern betroffen gewesen.

Für mehrere Minuten sei "die Temperatur im Reaktorkern aus dem Ruder gelaufen". "Infolge der Störung der Signalisierung der Steuerstäbe ist die Mannschaft quasi blind gefahren", erläutere Mertins laut Mitteilung. Alle Atomkraftwerke in der EU seien nach dem Super-GAU im März 2011 in Fukushima in Stresstests angeblich auf den Schutz vor interner Überflutung geprüft worden. Es dürfe daher auf keinen Fall passieren, dass Wasser in mehrere Räume und in Elektro-Schaltkästen fließt, erklärte Mertins. Zudem sei das störfallbedingte Herunterfahren des Reaktors durch Zugabe von Bor äußerst ungewöhnlich. Laut Mertins und anderen Reaktorexperten hat es eine vergleichbare Situation in einem westeuropäischen Atomkraftwerk bislang noch nicht gegeben.

Das Atomkraftwerk Fessenheim ist seit 1977 in Betrieb. Umweltschützer im Dreiländereck fordern seit Jahren die Schließung. Aus ihrer Sicht ist das AKW pannengefährdet und veraltet. Es soll vermutlich nächstes Jahr vom Netz gehen.

Quote
04.03.2016 09:56

Die Atomkraft ist sicher!

Ehrlich! Die Atomkraft ist sicher! Genauso sicher wie die Problematik der Endlagerung des Atommülls nach mehr als 50 Jahren Kernkraftwerke bereits gelöst ist. Und die Atomkraft ist auch genauso sicher wie das Endlager für schwach- und mittelaktiver radioaktiver Abfall "Asse" auch sicher ist. Und natürlich auch genauso sicher wie ausgeschlossen werden kann dass es 1986 im Kernforschungszentrum bei Krümmel zu einen "Atom-Unfall" gekommen ist bei dem Radioaktivität freigesetzt wurde. Und Atomkraft ist genauso sicher wie auch sicher ist, dass die Atomkraft unter Einbeziehung aller Folgekosten inkl. Kosten der Endlagerung des Atommülls für bis zu einer Mio. Jahre der billigste Strom ist den wir derzeit produzieren können.

Lasst Euch nicht in die Irre führen! Tschernobyl und Fukushima waren nur statistische Ausreißer!

Strom sparen ist übrigens was für Weichlinge. Ich lass mir doch nicht vorschreiben, ob ich abends zum Feierabend mein Rechner runterfahre und/oder das Licht aus mache. Wo kommen wir denn da hin?



Aus: "Französische Atomaufsicht soll schweren Zwischenfall im AKW Fessenheim vertuscht haben" Andreas Wilkens (04.03.2016)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Franzoesische-Atomaufsicht-soll-schweren-Zwischenfall-im-AKW-Fessenheim-vertuscht-haben-3128400.html

http://www.heise.de/tp/news/Fessenheim-soll-nach-fatalen-Vorgaengen-abgeschaltet-werden-3129450.html



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[Notizen zu Radioaktivem Material...]
« Reply #83 on: April 17, 2016, 01:08:41 nachm. »
Quote
[...] Im Atomkraftwerk Biblis sind Sicherheitsprüfungen zur Radioaktivität vorgetäuscht worden, berichtet der Hessische Rundfunk. Ein Sprecher der hessischen Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) habe das bestätigt. Die Kontrollen seien dort im vierten Quartal 2014 bis März 2015 zwar protokolliert, aber nicht durchgeführt worden. Bekannt wurden dem Umweltministerium die vorgetäuschten Sicherheitsprüfungen demnach im Mai 2015, nun kamen sie durch einen Bericht des SWR an die Öffentlichkeit.

Ein im Bereich Strahlenschutz zuständiger Mitarbeiter habe Prüfungen "von unter anderem tragbaren und Labormessgeräten, Messungen im Kamin und von Dosimetern dokumentiert, aber sie nicht durchgeführt", berichtet der HR. Diese Dokumentationen seien auffällig gewesen. Daraufhin unternahmen der AKW-Betreiber RWE und das Umweltministerium weitergehende Recherchen. Dem betreffenden Mitarbeiter sei laut dem hessischen Umweltministerium mit sofortiger Wirkung der Zutritt zum AKW verwehrt und er sei entlassen worden. Eine sicherheits- und strahlenschutztechnische Gefährdung habe "umgehend ausgeschlossen und die Prüfungen ordnungsgemäß nachgeholt werden" können.

Ein im Bereich Strahlenschutz zuständiger Mitarbeiter habe Prüfungen "von unter anderem tragbaren und Labormessgeräten, Messungen im Kamin und von Dosimetern dokumentiert, aber sie nicht durchgeführt", berichtet der HR. Diese Dokumentationen seien auffällig gewesen. Daraufhin unternahmen der AKW-Betreiber RWE und das Umweltministerium weitergehende Recherchen. Dem betreffenden Mitarbeiter sei laut dem hessischen Umweltministerium mit sofortiger Wirkung der Zutritt zum AKW verwehrt und er sei entlassen worden. Eine sicherheits- und strahlenschutztechnische Gefährdung habe "umgehend ausgeschlossen und die Prüfungen ordnungsgemäß nachgeholt werden" können.

Ein ähnlicher Fall war am gestrigen Donnerstag aus dem AKW Philippsburg bekannt geworden. Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) will nun auch die Kontrollen im AKW Neckarwestheim überprüfen lassen. Nach einem am 5. April aufgedeckten "gravierenden Fall" in Philippsburg seien bei 450 Sicherheitsprüfungen weitere sieben Fälle aufgefallen, berichtete Untersteller. In allen Fällen sei derselbe Mitarbeiter eines zwei- bis dreiköpfigen Prüfteams verwickelt. Über die Motive gebe es keine Erkenntnisse.

Das mehr als 30 Jahre alte südhessische AKW Biblis mit seinen Blöcken A und B ist 2011 nach dem Super-GAU von Fukushima heruntergefahren worden und befindet sich im Rückbau. Die Opposition im hessischen Landtag aus SPD und Linken kritisiert nun Umweltministerin Hinz für ihre Informationspolitik. Aus dem Ministerium heißt es, in Biblis habe es sich nicht um meldepflichtige Ereignisse gehandelt, wie der Hessische Rundfunk berichtet.

Das mehr als 30 Jahre alte südhessische AKW Biblis mit seinen Blöcken A und B ist 2011 nach dem Super-GAU von Fukushima heruntergefahren worden und befindet sich im Rückbau. Die Opposition im hessischen Landtag aus SPD und Linken kritisiert nun Umweltministerin Hinz für ihre Informationspolitik. Aus dem Ministerium heißt es, in Biblis habe es sich nicht um meldepflichtige Ereignisse gehandelt, wie der Hessische Rundfunk berichtet.

Quote
Moody, 15.04.2016 13:11

Seufz, once again:

Gerade im anderen Thread aufgemacht, schon kann man es wieder verwerten, etwas Denkstoff:

http://www.fz-juelich.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/UK/DE/2014/docs/bericht-avr-expertengruppe_lang.pdf?__blob=publicationFile

-> Vorsaetzliche DIY Ueberbrueckung von Sicherheitsmassnahmen, Verschleppung und umdeklaration meldepflichtiger Vorgaenge, Verzicht auf Monitoring aus Sorge die abweichenden Daten koennten den weiteren Betrieb verhindern uswusf.

Stellungnahme und Eingestaendnis der Betreiber:
http://www.fz-juelich.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/UK/DE/2014/docs/fz-stellungnahme-bericht-avr-expertengruppe.html?nn=448936

Und natuerlich:

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_meldepflichtiger_Ereignisse_in_deutschen_kerntechnischen_Anlagen

Insbesondere:

- Greifswald, '75, drohende Kernschmelze, Feuerwehr kann das verhindern, Aufklaerung erst nach der Wende '89

- Jülich '78, schwerer Stoerfall, Freisetzung von erheblicher Radioaktivitaet ausserhalb des Gelaendes, Vertuschung um Weiterbetrieb zu gewährleisten (Details siehe Bericht oben)

- Brunsbüttel '78, schwerer Störfall, vorsätzlich manipulierte Sicherheitseinrichtungen

- '86 Hamm-Uentropp, schwerer Stoerfall, Freisetzung von Radioaktivitaet ausserhalb des Gelaendes, Messgeraete (so ein Zufall) zum Zeitpunkt der Freisetzung abgeschaltet, so dass unklar ist welche Dosis freigesetzt wurde (Juehlich und Hamm-Uentropp beweisen beide die Untauglichkeit des "sicheren" Kugelhaufen-Reaktors)

- '01,Schwerer Zwischenfall im Kernkraftwerk Brunsbüttel. Wie erst einige Monate später bekannt wurde, hatte sich eine Wasserstoffexplosion in direkter Nähe zum Reaktordruckbehälter ereignet. (...) Der Betreiber HEW versuchte den Vorfall weitestgehend zu verschleiern

- '07, Kernkraftwerk Brunsbüttel, (...) ungeklärter Ursache ein Kurzschluss. Daraufhin wurde das KKW am 28. Juni 2007 vom Netz getrennt und per automatischer Schnellabschaltung heruntergefahren. Die Abschaltung verlief laut TÜV Nord nicht problemlos. In einer Turbine entstand durch austretendes Öl ein kleiner Schwelbrand. Zudem hätten sich Risse an Abdeckblechen gebildet. Beim Wiederanfahren des Reaktors führte eine Fehlbedienung durch das Personal am 1. Juli zweimal zu Absperrungen im Reaktorwasserreinigungssystem. Bei der Einleitung von Wasser aus dem Reaktor in die Kondensationskammer ist ein Grenzwert überschritten worden. (...)
Trotz ausdrücklicher Nachfrage der Reaktoraufsicht am 2. Juli beim stellvertretenden Werksleiter habe dieser dieses meldepflichtige Ereignis zunächst verneint, erst am 6. Juli mittags wurde es offiziell gemeldet.

- usw usf. Asse und Co. lass ich mal ganz weg, von viel gravierenderen Stoerfaellen und Katastrophen in Europa und Weltweit ganz zu schweigen...

Es gibt dem obigen eigentlich nichts mehr hinzuzufuegen, die Systematik der Inkometenz, Verschleierung und Vertuschung ist ja schon lange etabliert, dass es in Jahrzehnten nicht zum Handeln gefuehrt hat (vom endgueltigen Atomausstieg, zu dem man Deutschland nur gratulieren kann abgesehen) zeigt nur die Dimension der Verstrickung zwischen Politik und Atomlobby.

Alle Garantien und Sicherheitsmaerchen der Atomindustrie sind in der Realitaet nicht das Papier wert auf dem sie geschrieben sind, und daran wird sich nichts aendern so lange man der Atomindustrie wider besseres Wissen noch irgendeine Verantwortung uebertraegt.

Am Ende zahlt der Steuerzahler ohnehin die Zeche (und zwar jene die dann keinen "billigen" Atomstrom mehr hatten), da kann man sich wenigsten noch die Zusatzkosten fuer die Folgen der Inkompetenz der Atomindustrie sparen.

Gruss
M.


...


Aus: "Auch im AKW Biblis wurden Prüfungen vorgetäuscht" Andreas Wilkens (15.04.2016)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Auch-im-AKW-Biblis-wurden-Pruefungen-vorgetaeuscht-3175242.html

http://www.swr.de/landesschau-aktuell/bw/aufsichtsbehoerde-prueft-akws-in-bw-wie-viele-kontrollen-wurden-vorgetaeuscht/-/id=1622/did=17273814/nid=1622/bv56ip/index.html

http://www.heise.de/newsticker/meldung/AKW-Philippsburg-Externer-Mitarbeiter-hat-Pruefungen-nur-vorgetaeuscht-3173580.html


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« Reply #84 on: August 03, 2016, 01:26:21 nachm. »
Quote
[...] Salz, Ton oder Granit – in welchen Gesteinsschichten bleibt hochradioaktiver Atommüll eine Million Jahre am sichersten verschlossen? Die bundesweite Endlager-Kommission hat sich bewusst nicht festgelegt. Geprüft wird überall. Auch in Baden-Württemberg gibt es Gegenden mit dem gefragten Untergrund: Granit im Schwarzwald und Odenwald, Salzvorkommen bei Heilbronn sowie Ton auf der Schwäbischen Alb um Ulm und in Oberschwaben. Macht das den Südwesten schon Endlager-tauglich?

Nach dem Jahrzehnte währenden Kampf um das ursprünglich von der Atomindustrie geplante Endlager im Salzstock Gorleben sind alle Seiten vorsichtig geworden. "Das Ergebnis ist offen", betont der Endlager-Experte am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Armin Grunwald. Der Physiker war Mitglied der 33-köpfigen Endlager-Kommission, die die Weichen für die Lösung eines der größten gesellschaftlichen Konflikte in Deutschland stellen sollte.

Für Baden-Württemberg hatten Geologen in der Vergangenheit vor allem Tongesteine im Blick. Voraussetzung für den neuen Anlauf der nationalen Endlager-Suche war aber die "weiße Landkarte", unterstreicht man im baden-württembergischen Umweltministerium. Bei Fragen nach möglichen Standorten im Südwesten hält man sich deshalb bedeckt. Doch ganz so "weiß" ist die Landkarte für die Suche nicht. Es gibt Ausschlusskriterien.

Dazu zählt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover erdbebengefährdete Gebiete wie den Oberrheingraben, die Schwäbische Alb oder die Niederrheinische Bucht. Zudem scheiden Regionen mit starken vertikalen Erdhebungen aus, wie sie in den Alpen vorkommen. Ein K.-o.-Kriterium ist auch Vulkanismus, wie er in der Eifel vor mehreren zehntausend Jahren vorkam.

Ob Bohrloch oder Bergwerk – die strahlende Hinterlassenschaft des Atomzeitalters soll jedenfalls tief lagern. "Alles muss angeschaut werden", sagt Volkmar Bräuer, Leiter der BGR-Abteilung Unterirdischer Speicher und Wirtschaftsraum. Dass sowohl Bayern als auch Sachsen gegen den fast 700-seitigen Bericht der Endlager-Kommission gleich Vorbehalte angemeldet haben, erbost das grün geführte Umweltministerium in Stuttgart und wundert Grunwald: "Die Endlagerung ist eine nationale Aufgabe.

Im Herbst, schätzt Grunwald, werden der Bundestag – und später der Bundesrat – die Suchkriterien und das Verfahren gesetzlich festlegen. Dann sollen ganz schnell mögliche Standorte erkundet werden. Wo in der Vergangenheit intensiv nach Bodenschätzen gesucht wurde, ist der Untergrund relativ gut bekannt: in Ost- und Norddeutschland, dem Alpenvorland oder dem Oberrheingraben etwa. Anders ist es in Mittelgebirgsregionen. "Man weiß nicht überall, wie die Welt unter uns aussieht", sagt Grunwald. Mancherorts muss also wohl nacherhoben werden.

"Schwere Fehler" wie bei der Erkundung des Salzstocks in Gorleben sollen sich nicht wiederholen: "Die Leute wurden nicht mitgenommen", kritisiert Grunwald. Im neuen Verfahren sollen Regionalkonferenzen Mitspracherechte sichern. Anwohnern, Gemeinden und Umweltverbänden werden in verschiedenen Phasen der Standortauswahl Klagemöglichkeiten eingeräumt. "Die Menschen müssen verstehen können, warum der dann gewählte Standort ein guter ist."

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) erwartet, dass das nationale Endlager 2050 in Betrieb genommen werden kann. "Das ist sehr optimistisch gedacht. Da darf nichts schiefgehen", meint KIT-Experte Grunwald in Hinblick auf mögliche Anwohnerklagen oder auf Erkundungen, die am Ende nicht weiterführen. (kbe)


Aus: "Atomenergie: "Alles wird angeschaut" – Endlager-Suche beginnt" Susanne Kupke, dpa (03.08.2016)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Atomenergie-Alles-wird-angeschaut-Endlager-Suche-beginnt-3285899.html


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[Notizen zu Radioaktivem Material...]
« Reply #85 on: M?RZ 21, 2017, 12:18:13 nachm. »
Quote
[...] Gut sechs Jahre nach der Atomkatastrophe in Japan tut sich am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, das nach Erdbeben mit anschließendem Tsunami eine mehrfache Kernschmelze durchmachen musste, weniger als von vielen Experten erhofft, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe ("Fukushima: Wenig Hoffnung auf schnelle Lösung").

Es sieht demnach alles danach aus, dass die Aufgabenstellung deutlich härter wird, als anfänglich angenommen. So erreichte in diesem Jahr die radioaktive Strahlung in einem der Sicherheitsbehälter der Kraftwerksreaktoren den höchsten Wert seit 2011. Praktisch gesehen heißt das: Unter diesen Bedingungen wäre ein Mensch in weniger als einer Minute tot.

Es gab die Hoffnung, dass eine Reihe speziell für solche Vorfälle entwickelter Roboter helfen könnten, die Problemstellungen zu erfassen und – zumindest teilweise – zu beheben. Doch mittlerweile sind bereits mindestens zwei der teuren Geräte verloren gegangen – die radioaktiven Bedingungen in den Reaktoren, die sie untersuchen sollten, waren zu harsch. Inzwischen wird geschätzt, dass die Aufräumarbeiten bis zu 189 Milliarden Dollar kosten könnten – eine Zahl, die sich in den letzten drei Jahren verdoppelt hat. Bis zu 40 Jahre lang könnten sie dauern, vielleicht sogar länger.

Zwar dürfen Ende März Menschen, die ihre Häuser vor sechs Jahren verlassen mussten, schrittweise in bestimmte Regionen um das Kraftwerk herum zurückziehen – die japanische Regierung hat einige Orte dekontaminiert und freigegeben. Doch die Betroffenen fürchten die Strahlung weiterhin und ziehen wohl zum Teil auch nur deshalb zurück, weil sie sonst staatliche Mittel verlieren würden, um ihre Existenzen wieder aufzubauen.


Aus: "Fukushima: Aufräumarbeiten nach japanischer Atomkatastrophe stocken" Ben Schwan (Technology Review, 21.03.2017)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Fukushima-Aufraeumarbeiten-nach-japanischer-Atomkatastrophe-stocken-3654348.html

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Re:[Notizen zu Radioaktivem Material...]
« Reply #86 on: Juli 17, 2017, 09:44:53 vorm. »
Quote
[...] Die Kernschmelze in drei Reaktoren des AKW Fukushima vor sechs Jahren konnte Tepco nicht stoppen. Mit viel Wasser wollte der Betreiber aber zumindest die weitere Ausbreitung aufhalten. Das wurde schon damals zum Problem, denn die Wassermassen blieben nicht in den (zerstörten) Abklingbecken, sondern flossen unkontrolliert ins Meer und ins Grundwasser. Deshalb wurden Stahltanks aufgestellt, bis heute etwa 580 Stück, die jeweils 1000 Tonnen des kontaminierten Wassers fassen. Von dort wurde es gereinigt: Cäsium und Strontium sowie 60 weitere radioaktive Substanzen ließen sich nach Angaben von Tepco herausfiltern; Tritium blieb dagegen im Wasser.

Die riesigen Behälter auf dem Gelände sind nun weitgehend gefüllt, weshalb Tepco überlegt, das Wasser ins Meer abzuleiten. Der Betreiber warte noch auf das Ergebnis einer Expertengruppe und die Entscheidung der Regierung, berichtet Telepolis. Das Unternehmen führe auch Sicherheitsbedenken als Grund für die Einleitung an – die Tanks könnten durch Erdbeben und Tsunamis zerstört werden. Außerdem müsse Tepco profitabler arbeiten, um die Folgen von Fukushima bewältigen zu können. Man geht von Kosten von 190 Milliarden US-Dollar aus, um das AKW zu entsorgen und die Geschädigten zu kompensieren, so Telepolis.

Tritium gilt als deutlich weniger gesundheitsgefährdend als andere radioaktive Substanzen, wenn es sich nicht in hohen Mengen im Körper ansammelt. Die davon ausgehenden Strahlen können die äußeren Hautschichten normalerweise nicht durchdringen. Allerdings gibt es zugleich Studien, nach denen der weiche Betastrahler das Erbgut verändern kann. Die Fischer in der Region sind naturgemäß gegen die Einleitung des Wassers ins Meer. Ihre Fische würden sich danach wohl noch schlechter verkaufen als bisher. (uk)

Quote
     putt, 15.07.2017 15:20

Wie gesagt - der Profit!

    Außerdem müsse Tepco profitabler arbeiten

Wenn es den Profit erhöht, kann eine Regierung doch gar nicht anders als die Einleitung in die Umwelt zu erlauben!



Aus: "AKW Fukushima: Tanks sind voll, radioaktives Wasser soll ins Meer" Ulrike Kuhlmann (15.07.2017)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/AKW-Fukushima-Tanks-sind-voll-radioaktives-Wasser-soll-ins-Meer-3772272.html

https://www.heise.de/tp/features/AKW-Fukushima-Betreiber-will-mit-Tritium-belastetes-Wasser-ins-Meer-ablassen-3772227.html

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[Notizen zu Radioaktivem Material...]
« Reply #87 on: Juni 19, 2018, 11:55:32 vorm. »
Quote
[...] Mehr als 30 Jahre sind seit dem Reaktorunglück von Tschernobyl vergangen, doch die Menschen in der Region werden weiter verstrahlt. Eine gemeinsam von der britischen Universität Exeter und dem ukrainischen Institut für landwirtschaftliche Radiologie entworfene Umweltstudie kommt zu einem beunruhigenden Ergebnis: Die Bewohner der nordwestukrainischen Region Riwne nehmen über ihre Nahrung vielfach eine deutlich überhöhte Konzentration von Cäsium-137-Isotopen auf. Die Wissenschafter baten Einwohner von 14 Dörfern in der Region um Proben von Milch, Kartoffeln und Pilzen. Es ist bekannt, dass sich bei einer Verstrahlung gerade in diesen Produkten radioaktive Elemente ansammeln.

Bei der Auswertung der über 1000 Proben stießen die Forscher auf regelmäßig überhöhte Werte. In manchen Fällen lag die Cäsiumkonzentration beim Fünffachen der zulässigen Höchstgrenze. In sechs der 14 Dörfer stuften die Forscher die Milch als gesundheitsschädigend für Erwachsene ein, in acht der 14 Dörfer lag die Konzentration von Cäsium über dem für Kinder zulässigen Höchstwert. Dabei ist das Phänomen keineswegs auf die unmittelbare Umgebung Tschernobyls beschränkt. Dort wurden viele Dörfer und Städte nach dem Unglück ohnehin evakuiert. Bei der jetzigen Untersuchung fanden sich Cäsiumspuren in Dörfern, die mehr als 200 Kilometer vom Unglücksort entfernt sind. "Selbst 30 Jahre nach der Katastrophe werden die Menschen weiter von ihr geschädigt, wenn sie sich mit lokalen Lebensmitteln, darunter auch Milch, versorgen", klagte Iryna Labunska von der Universität Exeter. Der Boden sei zwar weitgehend unverseucht, doch in Pflanzen und Tieren sammle sich das Cäsium weiter an und gelange so auch in den menschlichen Körper. "Gerade für Kinder ist das besonders gefährlich", fügte Labunska hinzu. Zwar hat Cäsium-137 eine Halbwertszeit von 30 Jahren, doch laut der Studie wird das Problem in den nächsten Jahren nicht einfach verschwinden. Flora und Fauna werden wohl noch bis 2040 überhöhte Cäsiumkonzentrationen aufweisen. Die lang anhaltende Aufnahme des radioaktiven Isotops kann schwere Krankheiten auslösen: Neben verschiedenen Krebsleiden sind auch Verdauungs- und Nierenstörungen die Folge, genauso wie Erblindungen durch den grauen Star.

Alternativen haben die Menschen vor Ort allerdings kaum. Die Region ist ländlich geprägt, die Einkommen sind niedrig. Die Bauern sind auf die Viehhaltung angewiesen, um ihr Dasein zu fristen. Bis vor etwa zehn Jahren hat die ukrainische Regierung noch Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung finanziert, diese wurden dann aber wegen Geldmangels eingestellt. Laut Labunska könnte auch das aktuelle Problem mit entsprechender Finanzierung gelöst werden: Die Gefahr der Cäsiumvergiftung kann durch den Einsatz der Chemikalie Hexacyanoferrat gesenkt werden. Nur kostet die Maßnahme etwa 80.000 Dollar pro Jahr, in den untersuchten Dörfern leben aber nur rund 800 Menschen. Mehr noch als die Ukraine wurde Weißrussland vom Tschernobyl-Unglück getroffen. Staatschef Alexander Lukaschenko sieht allerdings keine Gefahren mehr. Jedenfalls hat der weißrussische Präsident vor einem Jahr die administrative Beschneidung der atomar verseuchten Region angeordnet. Es sei inzwischen möglich, den Kreis Choiniki wieder stärker landwirtschaftlich zu nutzen, begründete Lukaschenko damals. Atomphysiker haben diese Initiative scharf kritisiert. Schon 2011 hatte die Gebietsadministration von Gomel versucht, verseuchte Gebiete umzudeklarieren. Die Beamten scheiterten damals an Umweltgutachten. Eine rapide Verbesserung der Lage halten Ökologen für unmöglich.

Quote
Standard Leser4

3 Sommer habe [ich] im Weissrussischen Gomel verbracht..
Besonders arg war es wenn bei 40 Grad im Schatten der verseuchte Staub aus den Waeldern aufgewirbelt wurde und die Stadt im Staub versank. Übelkeit war meistens die Folge. Lukaschenka liess jedes Jahr den Boden der Waelder zur Ukraine pfluegen und investierte viele Mrd in die Waldbrandverhuetung. Damals hatte Gomel Einwohner eine Steuerermaessigung. Nachdem Belarus starke wirtschaftliche Probleme hatte und der Rubel 200 % abgewertet wurde. Mussten alle Verguenstigungen gestrichen werden. Gomel ist die von Tschernobyl am meisten betroffene Stadt.Lobenswert ist daher das Kinderferienprogram von M Hetzer die jaehrlich im Sommer hunderte betroffene Kinder nach Oesterreich zur Erholung bringt.


...


Aus: "Tschernobyls verstrahlter Schatten länger als gedacht" André Ballin (19.6.2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000081805094/Tschernobyls-verstrahlter-Schatten-laenger-als-gedacht


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[Notizen zu Radioaktivem Material...]
« Reply #88 on: September 06, 2018, 07:53:14 vorm. »
Quote
[...] BERLIN taz | Seit 30 Jahren stehen sie in einem Zwischenlager in Jülich: 152 Castor-Behälter mit 300.000 überwiegend hoch radioaktiven Brennelementen, die aus dem sogenannten Kugelhaufen-Versuchsreaktor in Jülich bei Aachen stammen. Der war 1988 nach 21 Betriebsjahren mit diversen Störfällen abgeschaltet worden, doch seine Hinterlassenschaften sorgen bis heute für heftigen Streit. Denn für das bestehende Zwischenlager ist die Erdbebensicherheit nicht nachgewiesen. Im Jahr 2014 ordnete die Landesregierung darum an, das Lager „unverzüglich“ zu räumen.

Doch wohin mit den Behältern? Diese Frage ist nach wie vor unbeantwortet. Bürgerinitiativen und Grüne haben in der Vergangenheit für den Bau eines neuen, sicheren Zwischenlagers am bestehenden Standort plädiert. Aufgrund der langen Dauer dieses Verfahrens, die der Vorgabe, unverzüglich zu räumen, entgegenstehen dürfte, wurde diese Option in den letzten Jahren aber nicht mehr ernsthaft verfolgt. Stattdessen wurde lange damit gerechnet, dass die Behälter ins Zwischenlager in Ahaus im Norden von NRW transportiert werden, um dort bis zu einer Weiterbearbeitung und späteren Endlagerung zu bleiben. Diese Option wird auch von den Experten im Bundesumweltministerium favorisiert.

Daneben steht seit einigen Jahren aber auch die Möglichkeit im Raum, die Brennstäbe in die USA zu exportieren. Sie hatten sie einst geliefert. Mit diesem Vorschlag hatte sich das Bundesforschungsministerium, das die Verantwortung für den Reaktor von den ursprünglich kommerziellen Betreibern übernommen hat, erstmals 2012 an das US-Energieministerium gewandt – und dort eine grundsätzliche Bereitschaft zur Rücknahme erreicht.

Nun rückt diese lange eher als theoretische Möglichkeit betrachtete Option näher: Die Jülicher Gesellschaft für Nuklearanlagen hat Ende Juni offiziell beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle eine Exportgenehmigung für die Brennelemente beantragt. „Wir wollen Klarheit, ob wir diese Option weiterverfolgen können“, sagte Unternehmenssprecher Jörg Kriewel der taz.

Klarheit sollte in dieser Frage eigentlich schon die Atomgesetznovelle von 2017 bringen. Darin war der Export von Atommüll bis auf eng definierte Ausnahmen verboten worden: Nur aus „schwerwiegenden Gründen der Nichtverbreitung von Kernbrennstoffen“, also um waffenfähiges Nuklearmaterial vor unbefugter Verwendung zu sichern, oder zur „Herstellung in Deutschland endlagerfähiger und endzulagernder Abfallgebinde“ ist ein Export aus Forschungsreaktoren erlaubt.

Beides ist beim geplanten Export in die USA nicht gegeben: Aus Gründen der Nichtverbreitung sei die Rücknahme nicht notwendig, hatte das US-Energieministerium bereits 2013 erklärt. Und eine spätere Rücknahme nach Deutschland ist in den bisherigen Absprachen mit den USA nicht vorgesehen. Bei der Verabschiedung des Gesetzes hatte die damalige Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) die Befürchtung, dass Atommüll aus Jülich unter die Ausnahmen fallen könnte, denn auch als „Verschwörungstheorie“ bezeichnet.

Inzwischen äußert sich das Umweltministerium weniger klar. In der Antwort auf eine aktuelle Anfrage der Grünen-Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl und Oliver Krischer, die der taz vorliegt, nennt das Ministerium die im Gesetz genannte Nichtverbreitung als „zulässige Fallkonstruktion“, mit der ein Export der Brennelemente aus Jülich begründet werden könnte. Auch auf taz-Anfrage vermeidet das Ministerium eine Festlegung, ob man dem Export-Antrag zustimmt. Eine Entscheidung werde „vor dem Hintergrund der gesetzlichen Bestimmungen erfolgen“, teilte ein Sprecher lediglich mit.

Das Bundesforschungsministerium äußerte auf Anfrage keine Präferenz für eine der Möglichkeiten. „Welche Option zum Tragen kommt, ist weiterhin offen“, erklärte eine Sprecherin. Allerdings dürfte der Export dort zumindest aus politischen Gründen attraktiv erscheinen: Das Zwischenlager Jülich, wo die Behälter derzeit lagern, steht im Wahlkreis des parlamentarischen CDU-Staatssekretärs Thomas Rachel; das Zwischenlager Ahaus, das die Alternative zum Export wäre, befindet sich nahe dem Wahlkreis von Ministerin Anja Karlicek (CDU).

Klare Kritik am beantragten Export kommt hingegen von den Grünen. Dieser sei eine „Flucht aus der Verantwortung“, erklärte die atompolitische Sprecherin Sylvia Kotting-Uhl. „Nach dem Motto ‚Aus den Augen, aus dem Sinn‘ will man eigenen Atommüll ins Ausland abschieben.“


Aus: "Atommüll-Export in die USA beantragt" Malte Kreutzfeldt (5. 9. 2018)
Quelle: http://www.taz.de/Brennelemente-aus-Versuchsreaktor/!5530891/

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« Reply #89 on: November 20, 2018, 04:18:12 nachm. »
Quote
[...] Die gerade erst begonnene Suche nach einem Atommüllendlager stockt wieder. Einige Bundesländer zicken, und es gibt Streit um die Rechte an Daten. In einem ersten Schritt hatte die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) bei den Ländern Daten abgefragt, um bestimmte Gebiete als Standorte ausschließen zu können – etwa wenn sie erdbebenanfällig sind oder der Untergrund durch frühere Bergbautätigkeiten schon „verritzt“ ist.

Knapp 1,5 Millionen Datensätze seien inzwischen eingegangen, sagt BGE-Geschäftsführer Steffen Kanitz. Viele stammen von privaten Bergbauunternehmen, die zustimmen müssen, ob die Daten veröffentlicht werden dürfen. Zugleich schreibt das Standortauswahlgesetz vor, die Bevölkerung transparent zu informieren. Ein Desaster wie in Gorleben, wo der Standort von oben durchgedrückt wurde und auch deshalb am Widerstand von Bürgern und Anti-Atomkraft-Bewegung scheiterte, soll vermieden werden.

Abhilfe soll ein Geologiedaten-Gesetz schaffen. Das Bundeswirtschaftsministerium hat jetzt einen Referentenentwurf vorgelegt. Danach soll die BGE jeden Widerspruch im Einzelfall prüfen. Das aber kann die Gesellschaft bei der Vielzahl von Datensätzen gar nicht leisten.

Das Geodatengesetz müsse die Grundlage legen, um die festgeschriebene Transparenz zu gewährleisten, betont BGE-Juristin Nina Grube. Das Ministerium räumte Klärungsbedarf ein. Mit dem Gesetz ist frühestens 2019 zu rechnen.

Störfeuer kommt auch aus dem Süden: „Wir sind überzeugt, dass Bayern kein geeigneter Standort für ein Atomendlager ist“, haben CSU und Freie Wähler in den bayerischen Koalitionsvertrag geschrieben. Bayern und Sachsen hatten die Endlagersuche schon früher blockiert, indem sie die Gleichbehandlung von Granit, das bei ihnen vorkommt, mit Ton und Salzstöcken kritisierten.

Nach dem Standortauswahlgesetz kommen alle drei Formationen für ein unterirdisches Endlager infrage. Nach Kritik lenkte der Freistaat scheinbar ein. Zum Abschlussbericht der Kommission hieß es: „Damit hat sich auch Bayern zu einer unvoreingenommenen Suche (…) auf der Basis wissenschaftsbasierter Kriterien bekannt.“

Wenn CSU und Freie Wähler nun doch eine Extrawurst wollen, konterkarieren sie nicht nur den früheren Beschluss und die mühsam erreichte Einigung von Bund und Ländern. Vor dem Hintergrund, dass kein Bundesland so viel Atomstrom – und Atommüll – produziert hat, mutet der Passus auch anmaßend an.


Aus: "Endlager für Atommüll: Scheitert die Suche am Datenschutz?" Reimar Paul (20. 11. 2018)
Quelle: https://www.taz.de/Endlager-fuer-Atommuell/!5548673/


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« Reply #90 on: M?RZ 11, 2019, 12:43:15 nachm. »
Quote
[...] Wer von Fukushima hört, dieser einst idyllischen Kornkammer Japans, denkt heute meist nur an eines: Radioaktivität. Acht Jahre sind vergangen, seit am 11. März 2011 ein schweres Erdbeben und ein gewaltiger Tsunami den Nordosten des Inselreichs heimsuchten. Mehr als 20.000 Menschen starben in Folge dieser beispiellosen Katastrophe. Zum Sinnbild von "3/11" aber wurde in aller Welt der Super-Gau im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi, auch wenn dadurch niemand direkt ums Leben kam. Acht Jahre danach versucht der Staat alles, um den Eindruck von Normalität zu vermitteln.

Der Wiederaufbau komme voran, die Lage in der Atomruine sei unter Kontrolle, Lebensmittel aus Fukushima sicher. Man erlaubt Bewohnern einstiger Sperrzonen die Rückkehr in ihre Häuser, lockt ausländische Touristen an und wirbt kräftig für die Olympischen Spiele 2020, die die Erholung der Region zur Schau stellen sollen. "Reconstruction Olympics" lautet der vollmundige Slogan.

Sicher, das Leben geht auch für die Menschen in der Unglücksregion weiter. Und doch ist nichts mehr so wie es einmal war. Bei allen Fortschritten, allen Bemühungen, aller Hoffnung, sind viele doch weiter mit Sorge und Zweifel erfüllt.

In ihren Berichten an die Vereinten Nationen stelle die japanische Regierung das Ausmaß, die Komplexität und die Strahlungsrisiken in Gebieten von Fukushima sowie die Arbeitsbedingungen für Arbeiter "absichtlich falsch dar", beklagt Kazue Suzuki von Greenpeace Japan. Zudem missachte der Staat die Gesundheit und das Wohlergehen von Kindern. "Die Regierung sollte sich schämen", meint Suzuki und fordert die Regierung in Tokio auf, ihre Politik radikal zu ändern.

Nach einer neuen Untersuchung der Umweltschutzorganisation stellen Strahlenwerte sowohl in der Sperrzone um die Atomruine als auch in Gebieten der Gemeinden Namie und Iitate, wo die Evakuierungsbefehle aufgehoben wurden, ein "signifikantes Risiko für die Öffentlichkeit, einschließlich Kindern dar". Das Strahlenniveau liege um das Fünf- bis mehr als 100-fache über dem international empfohlenen Maximum.

Viele Arbeiter, die zur Dekontaminierung eingesetzt werden – darunter Obdachlose – würden ausgebeutet. "Diese Arbeiter haben fast kein Training in Strahlenschutz erhalten, sind schlecht bezahlt, hoher Strahlung ausgesetzt und riskieren, ihre Jobs zu verlieren, wenn sie den Mund aufmachen", klagt Shaun Burnie von Greenpeace Deutschland.

Nur 23 Prozent der Bewohner von neun Gemeinden der Provinz Fukushima, die einst nach der Katastrophe zur Gefahrenzone erklärt worden waren, sind bislang dem Aufruf des Staats zur Rückkehr gefolgt. Rund 160.000 Menschen wurden damals in Sicherheit gebracht.

Acht Jahre danach leben mehr als 32.000 von ihnen in anderen Provinzen Japans. Hinzu kommen die sogenannten Jishu Hinansha, jene Japaner, die außerhalb der Evakuierungszone lebten, aber trotzdem aus Sorge um Strahlung flohen. Viele dieser Geflüchteten sind Mütter mit Kindern.

Wer von ihnen bislang in Wohnungen für öffentliche Angestellte unterkam, muss bis Ende dieses Monats dort ausziehen. Andere erhielten Wohngeld, auch das soll bald wegfallen. Hinzu kommt, dass sie häufig Opfer von Mobbing sind. Sie seien hysterisch, lebten auf Kosten der Steuerzahler. Dabei haben Mütter mit kleinen Kindern nach Meinung kritischer Fachleute durchaus weiterhin Grund zur Sorge.

Nach einem Bericht der Ärzteorganisation IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges) anlässlich des achten Jahrestages der Atomkatastrophe haben Japaner, die in der Präfektur Fukushima Kinder waren, als sich der Super-Gau ereignete, ein mindestens 15-faches Risiko, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken.

Laut der Datenbank des Japanischen Krebsregisters betrug die Neuerkrankungsrate von kindlichem Schilddrüsenkrebs in Japan vor der Atomkatastrophe rund 0,35 pro 100.000 Kinder im Jahr. Bei einer Bevölkerung von rund 360.000 Kindern wären in Fukushima somit etwa eine einzige Neuerkrankung pro Jahr zu erwarten gewesen, also etwa acht Neuerkrankungen seit Beginn der Atomkatastrophe.

Tatsächlich seien seitdem bei 205 Kindern in der Feinnadelbiopsie Krebszellen gefunden worden. 167 dieser Kinder mussten demnach aufgrund eines rasanten Tumorwachstums, einer ausgeprägten Metastasierung oder einer Gefährdung lebenswichtiger Organe mittlerweile operiert werden.

Die IPPNW kritisiert zudem Versuche der Fukushima Medical University, die Schilddrüsenuntersuchungen zu unterminieren. So sollen die Untersuchungsintervalle ab dem 25. Lebensjahr von zwei auf fünf Jahre ausgeweitet werden, hieß es. Mitarbeiter der Universität besuchten zudem Schulen, um dort Kinder über deren "Recht auf Nichtteilnahme" und "Recht auf Nichtwissen" aufzuklären. Ferner würden die Kosten für die Untersuchungen ab dem Erreichen des 18. Lebensjahres nicht mehr erstattet. "Es ist zu vermuten, dass diese Bemühungen darauf abzielen, die Teilnahmequote weiter zu reduzieren und durch eine systematische Verzerrung der Testergebnisse langfristig die gesamte Studie zu entwerten", sagt der IPPNW-Vorsitzende Alex Rosen.

"Die Bewohner von Fukushima und die Menschen in Japan haben ein unveräußerliches Recht auf Gesundheit und auf ein Leben in einer gesunden Umwelt. Die korrekte Fortführung und wissenschaftliche Begleitung der Schilddrüsenuntersuchungen liegen im öffentlichen Interesse und dürfen nicht durch politische oder wirtschaftliche Beweggründe konterkariert werden", erklärt Rosen. Greenpeace wirft dem Staat eine Verletzung internationaler Menschenrechtskonventionen insbesondere in Bezug auf Dekontaminierungsarbeiter und Kinder vor.

Die Mehrheit der Japaner fordere einen Übergang zu erneuerbaren Energien. Doch stattdessen wolle der Staat die nach Fukushima abgeschalteten Atomreaktoren wieder anfahren und zugleich die Zahl der Kohlekraftwerke im Land dramatisch erhöhen, beklagt Greenpeace. (mho)


Aus: ""Die Regierung sollte sich schämen" – Japan acht Jahre nach Fukushima" Lars Nicolaysen, dpa  (11.03.2019)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Die-Regierung-sollte-sich-schaemen-Japan-acht-Jahre-nach-Fukushima-4329575.html


https://www.swr.de/swr2/wissen/bildergalerie/-/id=661224/did=13831192/gp1=18993856/gp2=18993906/nid=661224/vv=gallery/eyormr/index.html

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« Reply #91 on: M?RZ 11, 2019, 12:52:00 nachm. »
Quote
[...] Acht Jahre nach der Atomkatastrophe tun Japans Regierung und Betreiber Tepco, als wäre alles überwunden – was es nicht ist, wie Messungen zeigen. Auf dem zerfetzten Dach von Reaktor 1 greift eine gewaltige Zange, die an einem Kranhubseil hängt, nach Betonteilen. An der Westseite von Reaktor 2 wurde ein Vorbau angedockt und die Wand des Reaktorgebäudes geöffnet. Über Reaktor 3 thront eine röhrenförmige Kuppel mit einem Bergungskran. Acht Jahre nach der dreifachen Kernschmelze, die am 11. März 2011 ihren Anfang nahm, ist Fukushima Nr. 1 laut Betreiber Tepco unter Kontrolle. "Wir haben Fortschritte erzielt", sagt Sprecher Hideki Yagi bei einer Tour für ausländische Journalisten.

Die Reporter dürfen in Alltagskleidung bis auf 40 Meter Luftlinie an die Reaktoren heran. Gemäß ihren Dosimetern werden sie in zwei Stunden weniger verstrahlt als bei einem Flug nach Österreich. Die Radioaktivität sank, weil alle Bodenflächen mit Spritzbeton versiegelt wurden. Daher brauchen die aktuell 4200 Arbeiter auf 96 Prozent des AKW-Geländes keine Atemmasken und Schutzanzüge mehr zu tragen.

Aber direkt über den Meilern herrscht eine solche Strahlenhölle, dass alle Arbeiten ferngesteuert ausgeführt werden müssen. Als Nächstes plant Tepco, die 1573 abgebrannten Brennelemente aus ihren Lagerbecken über den zerstörten Meilern zu holen. Die Bergung beginnt in diesem Monat am Reaktor 3.

Außerhalb der Atomanlage versucht die Regierung, ebenfalls den Anschein von Normalität zu erwecken. Zwar lässt sich die Radioaktivität dort nicht zubetonieren – die verstrahlten Orte Futaba und Okuma am AKW bleiben gesperrt -, aber seit 2014 wurden neun Gemeinden in der alten Evakuierungszone nacheinander für bewohnbar erklärt.

In Nahara in 20 Kilometern Entfernung vom AKW ist mehr als die Hälfte der Bewohner zurückgekehrt. Doch insgesamt leben nur 23 Prozent der 160.000 Evakuierten wieder an ihren alten Wohnorten. Die Mehrheit davon sind ältere Menschen, während sich kaum Familien mit Kindern zurückgewagt haben.

Dass ihre Gesundheitssorgen berechtigt sind, beweisen Messungen von Greenpeace im Herbst 2018 in Fukushima. An fast zehn Prozent von 17.000 Stellen maßen die Umweltschützer eine Strahlung vom bis zu 100-Fachen des offiziellen Dekontaminationsziels von 0,23 Mikrosievert pro Stunde. An fast allen Stellen lag die Radioaktivität über dem international empfohlenen Grenzwert für Kinder von jährlich ein Millisievert.

"Die Regierung ignoriert mit ihrer unverantwortlichen Siedlungspolitik das Ausmaß und die Risiken der Strahlenbelastung", erklärte Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital. Außerdem würden viele Dekontaminierungsarbeiter bei ungenügender Vorbereitung und schlechter Bezahlung hoher Strahlung ausgesetzt.

Die Kritik dürfte bei der Regierung auf taube Ohren stoßen. Bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio unter dem Slogan "Reconstruction Olympics" will sie beweisen, dass die Region ihren Schrecken verloren hat. Daher soll die Laufstrecke für die Träger der olympischen Fackel ab März 2020 ausgerechnet an der Sportanlage J-Village beginnen, die sechs Jahre als Tepco-Krisenzentrale diente. Außerdem hat das japanische Olympiakomitee sechs Softballspiele und ein Basketballmatch in Fukushima angesetzt, damit das negative Erbe des Atomunfalls vergessen wird.

Diese Absicht stößt vielen weiter evakuierten AKW-Anwohnern sauer auf. Die staatlich heruntergespielte Strahlengefahr erschwere ihnen die Aufklärung über ihr Schicksal und ihre Heimat. Niemand kümmert sich mehr um die Folgen des Atomunfalls, sodass wir unsere Sorgen wegen der Radioaktivität unterdrücken müssen", klagte Noriko Tanaka von der Organisation Mothers' Radiation Lab. (Martin Fritz aus Fukushima, 11.3.2019)


Aus: "Ein Schein von Normalität in Fukushima" Martin Fritz aus Fukushima (11. März 2019)
Quelle: https://www.derstandard.de/story/2000099279909/ein-schein-von-normalitaet-in-fukushima

Quote
Norbert Müller

... schaut man sich die jahrzehnte langen schäden in japan nun an, in der fischerei, in der landwirtschaft, etc...
das wird alles als naturkatastrophe abgehandelt und die leute bekommen nichts!! würde man all diese geschädigten fair entschädigen, wäre atomenergie unfinazierbar.


Quote
erzgrüner

Atomkraft ist sicher, billig und sauber!
..abgesehen davon, dass wenn was passiert viele Menschen elend zugrunde gehen
..abgesehen davon, dass die Kraftwerke massiv gefördert werden und man die alten Brennstäbe quasi ewig sicher lagern muss und diese lagerungskosten ehrlicherweise mitgerechnet werden müssten
..abgesehen davon, dass das Thema "Endlagerung" ungelöst ist


...

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« Reply #92 on: August 12, 2019, 10:08:59 vorm. »
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[...] Die Explosion, die sich am Freitag auf einem Militärgelände in der Region Archangelsk im Nordwesten Russlands ereignete, war auf Tests mit einer "Isotop-Energiequelle für einen Flüssigtreibstoff-Raketenmotor" zurückzuführen, hieß es am Samstag von der russischen Atombehörde Rosatom. Zunächst wurde nur der "Flüssigtreibstoff-Raketenmotor" erwähnt. Da jedoch Strahlungswerte in der Region auf mehr als das 20-fache des üblichen Werts angestiegen waren, vermuteten Experten, dass wichtige Informationen zurückgehalten wurden.

Wie die New York Times berichtet, sah sich Rosatom nun offenbar dazu gezwungen, eine Stellungnahme abzugeben. Die Bevölkerung im Umkreis des Militärgeländes hatte sich unterdessen bereits massenhaft mit Jod-Tabletten aus Apotheken eingedeckt. Bei der Explosion seien fünf Rosatom-Mitarbeiter und zwei Militärangehörige ums Leben gekommen.

Laut der russischen Nachrichtenagentur Tass habe der Test auf einer Plattform im Meer stattgefunden. Die Opfer seien bei der Explosion ins Wasser geschleudert worden. Ob die Leichen anschließend auch wieder gefunden wurden, ist unklar. In der Gegend seien angeblich jedoch mehrere Rettungsautos unterwegs gewesen, deren Türen mit Plastikfolie abgedeckt waren. Die Fahrer trugen außerdem Strahlungsschutzanzüge. In einer Bucht nahe des Militärgeländes wurde zudem eine einmonatige Sperre für den Schiffsverkehr verhängt.

Bei dem erwähnten Raketenantrieb könnte es sich um genau jenen "Atomantrieb" handeln, der für neue Langstreckenraketen verwendet werden soll. Mit der Entwicklung dieser hatte der russische Präsident Wladimir Putin vor Kurzem öffentlich angegeben.


Aus: "Russische Atombehörde gibt Strahlungsaustritt bei Explosion zu" (11.08.2019)
Quelle: https://futurezone.at/digital-life/russische-atombehoerde-gibt-strahlungsaustritt-bei-explosion-zu/400575407

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[...] Die Behörden in Russland haben nach der Explosion auf einem Militärgelände im Norden des Landes radioaktive Stoffe in der Luft registriert. Dabei gehe es um Strontium, Barium-139, Barium-140 und Lanthan, zitierte die Agentur Interfax am Montag die staatliche Wetterbehörde.

Die Stoffe seien in nach dem Unfall ausgewechselten Regenwasser- und Luftproben in der Region Archangelsk gefunden worden und hätten jeweils Halbwertszeiten von 9,3 Stunden, 83 Minuten, 12,8 Tagen und 40 Stunden.

Um die Explosion, die am 8. August bekannt geworden war, ranken sich viele Spekulationen. Die russische Agentur Ria berichtete zunächst unter Berufung auf das Verteidigungsministerium, es seien keine schädliche Substanzen freigesetzt worden. Eine Sprecherin der Behörden in der nördlichen Stadt Sewerodwinsk erklärte dann, es habe einen kurzfristigen Anstieg der Radioaktivität gegeben.

Die staatliche Wetterbehörde erklärte später, die Strahlung sei an dem Unglückstag um das Vier- bis 16-Fache gestiegen. Zudem empfahlen die Behörden den Bürgern des Dorfes Njonoxa, ihren Wohnort zu verlassen. Das wurde mit nötigen Maßnahmen des Militärs begründet, die dann aber doch abgesagt wurden.

Experten aus Norwegen zufolge gab es am Tag des Vorfalls zudem eine zweite Explosion in der Gegend. Hier ist aber nicht sicher, ob die Druckwelle, die nur von hochempfindlichen Mikrofonen und nicht von den Seismografen wahrgenommen wurde und zwei Stunden nach der ersten Explosion die 1.050 Kilometer vom Testgelände entfernte Messstation im norwegischen Bardufoss erreichte, nicht doch zum ersten Ereignis gehörte.

Aus US-Regierungskreisen hieß es zuletzt, die Explosion habe mit dem russischen Programm zur Entwicklung von Hyperschall-Marschflugkörpern zu tun. Diese Raketen sollen nach russischen Angaben deutlich schneller als bisherige fliegen und für die US-Raketenabwehr unerreichbar sein. Bei der Explosion auf dem Testgelände starben den Behörden zufolge sieben Menschen, drei wurden verletzt.

Vier russische Radionuklid-Messstationen hörten nach dem gescheiterten Versuch plötzlich auf, Daten zu senden. Dass alle vier gleichzeitig wegen technischer Probleme den Betrieb einstellen, ist äußerst unwahrscheinlich – auch die eingebauten Ferndiagnosesysteme hatten zuvor keine Störungen gemeldet. (red, Reuters, 26.8.20129)


Aus: "Nach fehlgeschlagenem Test finden Russen radioaktive Stoffe in der Luft" (26. August 2019)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000107806330/nach-fehlgeschlagenem-test-finden-russen-radioaktive-stoffe-in-der-luft

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sainty

Quatsch!! Das ist westliche Propaganda, Russland würde sowas nie tun!! Die würden doch nie ihre Bevölkerung bei sowas gefährlichem wie Radioaktivität belügen!


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Screwball

Wir leben nicht mehr in den 1980ern. Fotos von Leuten in Schutzanzügen vom Unglücksort haben sich schnell in dern sozialen Medien verbreitet. Da kann man schlecht behauptet es sei nichts passiert. Spätestens wenn die Stoffe außerhalb Russlands detektiert werden, muss man dazu stehen.


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« Last Edit: August 26, 2019, 03:41:16 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Notizen zu Radioaktivem Material...]
« Reply #93 on: August 21, 2019, 01:15:30 nachm. »
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[...]
Asse II

Das stillgelegte Salzbergwerk Asse II bei Wolfenbüttel galt zunächst als „Versuchsendlager“. Zwischen 1967 und 1978 ließ die Bundesrepublik dort 125.000 Fässer mit schwach- und 1.300 Fässer mit mittelradioaktivem Atommüll einlagern.

Seit Jahren dringt salzhaltige Lauge ins Bergwerk, täglich sind es mehr als 12.000 Liter. Die Grube gilt als instabil und einsturzgefährdet. Die Nachbarschächte Asse I und Asse III waren schon früher voll Wasser gelaufen und aufgegeben worden. Die Abfälle sollen deshalb nach Möglichkeit wieder an die Oberfläche geholt werden.

Betreiber der Asse ist die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Sie ist auch für die Endlagerprojekte Schacht Konrad und Morsleben sowie das Bergwerk Gorleben zuständig. Zudem organisiert die BGE die Suche nach einem Endlager für den hochradioaktiven Atommüll.


GÖTTINGEN taz | Mehr als 126.000 Fässer mit Atommüll und teils hochgiftigen Chemieabfällen, zwischen den Jahren 1967 und 1978 eingelagert oder einfach abgekippt, gammeln seit Jahrzehnten im ehemaligen Salzbergwerk Asse II vor sich hin. Weil die Grube instabil ist und voll Wasser zu laufen droht, sollen die teils wohl schon von Salz und Rost zerfressenen Fässer nach Möglichkeit an die Oberfläche geholt werden. Die Räumung eines unterirdischen Atomendlagers wäre ein weltweit einmaliges Unterfangen.

Obwohl die Rückholung noch gar nicht begonnen hat, sind schon jetzt 1,5 Milliarden Euro in das Vorhaben geflossen. Und es könnte insgesamt viel teurer werden als bislang kalkuliert, warnt der Bundesrechnungshof in einem jetzt bekannt gewordenen Bericht.

Die Finanzprüfer sehen „das erhebliche Risiko, dass die Gesamtausgaben für das Projekt die letztmals im Jahr 2011 geschätzten zwei Milliarden Euro erheblich übersteigen“. So gehe die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) als Betreiberin des maroden Bergwerks von weiteren Ausgaben in Höhe von rund 3,35 Milliarden Euro von 2019 bis 2033 aus. Erst dann soll nach gegenwärtiger Planung die eigentliche Bergung der Abfälle beginnen.

Die bisher freigegebenen Gelder haben das Bundesumweltministerium – gewissermaßen Dienstherr der BGE – zu 92 Prozent für die Offenhaltung des Bergwerks sowie für Notfallmaßnahmen verwendet, schrei­ben die Rechnungsprüfer weiter. Die Planungskosten für die Rückholung stagnierten dagegen seit 2013 bei acht Prozent auf niedrigem Niveau – 2013 war die Räumung der Asse beschlossen worden.

Im Bericht monieren die Prüfer auch eine mangelhafte Kostenkontrolle durch das früher für die Asse verantwortliche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), das vor der BGE für das Atommülllager zuständig war. Die Prüfer verlangen, dass das Bundesumweltministerium die Fachaufsicht über die Kosten der Rückholung übernimmt. Außerdem soll die BGE dem Bundestag jährlich einen Bericht vorlegen.

Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums erklärte auf Anfrage, die Kosten für die Asse seien „eine unausweichliche Konsequenz der falschen und ohne Folgenabschätzung getroffenen Entscheidung zur Nutzung der Atomenergie in Deutschland“. Ministerium und BfS hätten stets deutlich gemacht, dass eine belastbare Abschätzung der Gesamtkosten wegen der Einmaligkeit des Bergungsprojekts nicht möglich sei. „Sicherheit muss stets absoluten Vorrang haben“, betonte der Sprecher. Gleichzeitig müsse das Vorhaben kosteneffizient durchgeführt werden, finanzielle Erwägungen dürften aber keine notwendigen Maßnahmen zur sicheren Rückholung der Abfälle verhindern.

Den Vorwurf eines unzureichenden Finanz-Controllings wies der Sprecher zurück. Das BfS habe 2009 nach dem Übergang der Verantwortung für die Asse in den Geschäftsbereich des Umweltministeriums eine Termin- und Kostenkon­trolle für das Projekt eingerichtet: „Entgegen der Sichtweise des Bundesrechnungshofs wurden damit Projekt und Finanzcon­trolling wahrgenommen.“ Auch die inzwischen zuständige BGE habe umfassende Regelungen zum Projektcontrolling getroffen.

Der Asse II-Koordinationskreis unabhängiger Bürgerinitiativen hält die Kritik des Rechnungshofes am Umweltministerium und dem BfS hingegen für „voll berechtigt“. Weniger als ein Zehntel der Asse-Kosten für Rückholungsplanungen aufzuwenden, erscheine „als Armutszeugnis“ dafür, wie das in den untersuchten Jahren 2010 – 2016 zuständige BfS mit dem Auftrag zur Rückholung des Atommülls umgegangen sei.

Schon seit Jahren kritisiere der Koordinationskreis, dass nicht an Maßnahmen gearbeitet werde, die für eine Rückholung erforderlich seien, sagt Sprecher Andreas Riekeberg: Der Bau eines weiteren Schachtes, die Entwicklung von ferngesteuerter Bergetechnik und die Erstellung eines detaillierten Masterplans. Auch die Arbeiten zur Notfall- und Gefahrenabwehr seien wichtig, „aber die Vorbereitungsarbeiten für die Rückholung müssen parallel laufen“.

Jochen Stay von der Anti-Atom-Organisation „ausgestrahlt“ wies darauf hin, dass die in Rede stehenden rund fünf Milliarden Euro lediglich die Kosten betreffen, die bis zum Jahr 2033 anfallen. Die eigentliche Bergung und Neuverpackung der Fässer werde mit Sicherheit etliche weitere Milliarden verschlingen: „Die Gesamtaufwendungen zur Aufarbeitung des Asse-Desasters könnten also gut und gerne doppelt so hoch ausfallen“, sagt Stay. Das Geld komme im Übrigen nicht aus dem Atom-Fonds, in den die Stromkonzerne einmalig 24 Milliarden Euro eingezahlt haben. Bezahlt werde das alles aus dem Bundeshaushalt, also von der Allgemeinheit.

Die Linke bekräftigte unterdessen ihre Forderung nach einem Asse-Sonderbeauftragten des Landes Niedersachsen: Seit neun Jahren bestehe der politische Auftrag, den Atommüll aus der Asse zu holen, sagt Landes­chef Lars Leopold. Seitdem sei nicht viel passiert und es sehe fast so aus, als werde auf Zeit gespielt: „Da rosten über 126.000 Fässer mit radioaktivem Müll vor sich hin und die Landesregierung schaut seelenruhig zu, wie weiter täglich Wasser in das marode Bergwerk läuft.“

Um das Tempo bei der Rückholung des Atommülls zu erhöhen und eine Flutung oder einen Einsturz des instabilen Bergwerks zu verhindern, sagt Leopold, müsse Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) die Asse endlich zur Chefsache erklären und einen Sonderbeauftragten einsetzen.


Aus: "Räumung der Asse: Finanzielles Fiasko" Reimar Paul (21. 8. 2019)
Quelle: https://taz.de/Raeumung-der-Asse/!5618636/


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« Reply #94 on: September 10, 2019, 04:47:20 nachm. »
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[...] Das Unternehmen Tokyo Electric Power (Tepco), Betreiber des havarierten Atomkraftwerks in Fukushima, soll radioaktives Wasser direkt in den Pazifik leiten. Das kündigte der japanische Umweltminister Yoshiaki Harada bei einer Pressekonferenz an. Nachdem die Anlage durch ein Erdbeben und einen Tsunami im Jahr 2011 lahmgelegt wurde, hat Tepco an den zerstörten Standorten mehr als eine Million Tonnen kontaminiertes Wasser aus Kühlleitungen in rund 960 Tanks gesammelt.

Weil die bisher geplanten Speicherkapazitäten für das Wasser bis 2022 erschöpft sein sollen, wird nun ein alter Vorschlag wieder aktuell: "Die einzige Möglichkeit ist, es ins Meer zu entleeren und zu verdünnen", sagte Yoshiaki Harada.

Ein endgültiger Regierungsbeschluss zur Entsorgung des Wassers steht noch aus, vorher soll eine beauftragte Expertengruppe einen Bericht vorlegen. Wie viel Flüssigkeit in den Ozean geleitet werden muss, ist ebenso unklar.

Die Pläne dürften unter anderem Südkorea verärgern. Erst letzten Monat bestellte das Nachbarland einen japanischen Diplomaten ein, um die Frage zu klären, wie die Regierung mit dem Wasser aus Fukushima umgehen werde.

Widerstand erhält Tepco auch von lokalen Fischern. Sie befürchten einen Imageschaden für Meeresfrüchte aus Fukushima. Die Gefahr, die von dem kontaminierten Wasser ausgeht, ist umstritten. Bis auf das radioaktive Wasserstoffisotop Tritium filtert das Unternehmen bereits jetzt viele gefährliche Stoffe heraus. Tritium gilt als vergleichsweise harmlos.

Für Japans Bevölkerung kommt die Ankündigung zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Erst im Juli erlaubten die Behörden an zumindest einem Strandabschnitt das Baden - rund 25 Kilometer von der Atomruine Fukushima entfernt.

rai/Reuters


Aus: "Reaktorunglück: Fukushima soll radioaktives Wasser ins Meer leiten" (10.09.2019)
Quelle: https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/japan-atomruine-fukushima-soll-radioaktives-wasser-ins-meer-leiten-a-1286013.html

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frerejaques heute, 09:08 Uhr

Havarie des gnadenlosen Profitdenkens

Das Terrain, auf dem der Reaktor errichtet ist, lag ursprünglich 35 m höher und wurde nur deshalb abgetragen, um Energie für die Pumpen zu sparen. Ohne diese Aktion wäre die Anlage vor einem Tsunami geschützt gewesen. Die potentielle Gefahr eines Tsunami-Havarie wurde aus Gründen der Betriebskosten-Senkung in Kauf genommen und von allen Sicherheitsexperten abgesegnet, einschließlich des Umweltministeriums, das nicht am Dienst der Natur, sondern unter der Kontrolle der Industrie steht. Die Ableitung des kontaminierten Wassers ist ein Umweltverbrechen, das dem gnadenlosen Profitdenken geschuldet ist. ...


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theoneandonlyherrbert heute, 12:07 Uhr

Diese Japaner machen ähnliche Sauereien, wie wir edlen Europäer es schon vor ihnen getan haben ...

Fässer mit Atommüll verrotten im Ärmelkanal
Veröffentlicht am 23.04.2013

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert versenkten acht europäische Staaten Tausende Fässer mit Atommüll in Atlantik und Ärmelkanal. Vergessen sollte man den Müll nicht – denn er strahlt noch immer.  Die Sünden liegen Jahrzehnte zurück, doch sie strahlen weit in die Zukunft. Und das im wörtlichen Sinn: Acht europäische Staaten hatten zwischen 1949 und 1982 atomaren Abfall einfach dem Meer überlassen, insgesamt versenkten sie 222.732 mit Beton oder Asphalt verstärkte Metallfässer an 14 Stellen westlich der europäischen Küste sowie in einem „Hurd Deep“ genannten Gebiet im Ärmelkanal.
Viele Fässer sind längst verrostet und geben allmählich ihren radioaktiven Inhalt frei. Der Sender Arte widmet dem „Endlager Meeresgrund“ am Dienstag einen Themenabend. Er machte sich auf die Suche nach der Altlast.
114.726 Tonnen Atommüll schlummern vor dem europäischen Kontinentalsockel, meist in Tiefen von mehr als 4000 Metern. Nach offiziellen Angaben enthalten sie schwach- bis mittelradioaktiven Abfall der Atomindustrie, aus Forschung und Medizin; Kritiker wie der britische Atomphysiker John Large gehen jedoch davon aus, dass zum Teil auch hochradioaktiver Müll beigemischt war.
Nach einer Aufstellung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA summiert sich die in Fässern verpackte Radioaktivität auf 42.320 Terrabecquerel (TBq) – zum Vergleich: Die Gesamtaktivität im maroden Atommülllager Asse II betrug Anfang 2010 rund 2900 TBq.
 Allein 35.000 TBq stammen aus Großbritannien. Weitere 6500 TBq steuerten die Schweiz und Belgien bei. Deutschland hat nur im Jahr 1967 Atommüll mit einer Gesamtaktivität von 0,2 TBq versenken lassen. Allerdings ist die Gesamtaktivität nur ein Anhaltspunkt für das Ausmaß des Problems. Denn die Zusammensetzung des Mülls aus den verschiedenen Radionukleide (radioaktiven Atomsorten) ist nicht vollständig bekannt.
Deshalb lässt sich anhand von Halbwertszeiten kaum kalkulieren, wie hoch die Gesamtaktivität heute ist. „Zudem können sich Isotope gebildet haben, die noch stärker strahlen als die Ausgangssubstanzen“, sagt Susanne Neubronner, Atomexpertin bei Greenpeace in Hamburg.
1981 waren die Versenkungsaktionen von Atommüllfässern ins Gerede gekommen. Greenpeace dokumentierte damals den bis dahin weitgehend unbekannten „Entsorgungsweg“ der europäischen Atomindustrie. Mit Schlauchbooten manövrierten sich die Aktivisten unter die Abrollrampen der Versenkungsschiffe.
Diese stellten das Dumpen aber nicht ein, so dass mehrmals ein mehrere 100 Kilo schweres Fass ein Schlauchboot traf. Die Umweltschützer gerieten in Lebensgefahr und mussten die Aktionen einstellen. Aber sie hatten die Abfallentsorgung auf Kosten der Meere öffentlich gemacht.
Harald Zindler, 68, saß damals in einem der Greenpeace-Schlauchboote. Vor einigen Monaten fuhr er mit dem Arte-Filmteam zu dem besonders brisanten Versenkungsgebiet: Bis 1963 hatte Großbritannien Atomfässer auch im Ärmelkanal verklappt. Hier fielen die Behälter nur 90 bis 140 Meter tief und liegen nur rund 20 Kilometer vor der Kanalinsel Alderney.
Schon bei der ersten Suche mit einem Unterwasserroboter entdeckte das Team eine Tonne, äußerlich unversehrt. Beim zweiten Anlauf wurde es wieder fündig: Ein völlig verrostetes Fass geriet ins Visier der Kamera.
Der von Rost zerfressene Behälter versinnbildlicht das damalige Entsorgungskonzept: Dilution is the solution (Verdünnung ist die Lösung). „Die Fässer waren nicht konzipiert, um einen dauerhaften Einschluss der Radionukleide am Meeresboden zu gewährleisten. Insofern muss davon ausgegangen werden, dass sie zumindest teilweise nicht mehr intakt sind und Radionukleide freigesetzt wurden“, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage von Bundestagsabgeordneten der Grünen im August 2012. ...
Quelle: https://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article115539849/Faesser-mit-Atommuell-verrotten-im-Aermelkanal.html


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« Reply #95 on: November 13, 2019, 02:40:29 nachm. »
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[...] Wie man ein Atom-Endlager nicht bauen darf, hat Deutschland schon zweimal vorgemacht. Einmal mit dem Bergwerk Asse, in dem die dort abgekippten Fässer mit Strahlenabfall vor sich hin rosten. Und dann am Standort Salzstock Gorleben, der in den 1970er Jahren nicht wegen bester Eignung ausgewählt wurde, sondern weil er in einem toten Winkel an der damaligen innerdeutschen Grenze lag. Der Bundestag startete die Suche nach einem Endlager 2013 neu, und nun dürfte es mindestens bis Mitte des Jahrhunderts dauern, bis es betriebsbereit ist.

Doch nicht nur hierzulande, sondern weltweit ist das Endlagerproblem auch 70 Jahre nach Einführung der Atomkraft ungelöst, wie der jetzt vorgelegte „World Nuclear Waste Report – Focus Europe“ zeigt.

Laut dem Bericht hat kein Land der Welt bisher ein Endlager für hochradioaktiven Müll in Betrieb genommen, obwohl insgesamt 31 Staaten Atomkraftwerke betreiben. Derzeit werden danach alleine in Europa über 60 000 Tonnen abgebrannter Brennstäbe nur in Zwischenlagern gelagert; Russland und die Slowakei nicht mitgerechnet, da es hier keine verlässlichen Daten gibt. Am weitesten fortgeschritten beim Bau eines Endlagers ist Finnland. Die Fertigstellung ist für 2020 geplant. In Frankreich und Schweden gibt es immerhin Standorte. Die schwach- und mittelaktiven Abfälle machen in Europa zusätzlich 2,5 Millionen Kubikmeter aus.

Über die gesamte Lebensdauer gerechnet, produzieren die europäischen AKW rund 6,6 Millionen Kubikmeter Strahlenabfall unterschiedlicher Typen, wovon die Brennstäbe und der Abfall aus der Wiederaufarbeitung zwar den kleinsten, aber gefährlichsten Anteil darstellen. Vier Länder verantworten den Großteil des Nuklearmülls, Frankreich 30 Prozent, Großbritannien (20), die Ukraine (18) und Deutschland (8). Schließung und Abriss der AKW nach Ende ihrer Betriebsdauer werden die Mengen an Atommüll laut dem Report weiter erhöhen.

Eine große Herausforderung stellen neben dem Problem, für 100.000 oder wie in Deutschland geplant sogar eine Million Jahren sichere Verwahrorte zu finden, die wachsenden Kosten dar. Kein Land könne bisher ein belastbares Finanzierungsmodell für die Zwischenlagerung sowie den Endlagerbau- und -betrieb vorweisen. „Nationale Regierungen unterschätzen die Kosten für die Stilllegung sowie Lagerung und Atommüll oft erheblich“, sagt der Co-Autor des Berichts, Ben Wealer von der TU Berlin. Die Regierungen wendeten zudem oft das gesetzlich verankerte Verursacherprinzip nicht konsequent an.

Kein einziges Land in Europa habe ausreichend vorgesorgt, um die Endlager-Kosten zu finanzieren. „Es droht, dass die reellen, massiven Kosten letztendlich von den Steuerzahlern getragen werden“, so Wealer. In Deutschland zum Beispiel wird die Sanierung der Asse nach derzeitigem Stand allein bis zur geplanten Rückholung und Umlagerung des Atommülls mindestens 4,35 Milliarden Euro kosten. In das Bergwerk, in dem bis 1978 rund 126 000 Atommüll-Fässer eingelagert wurden, dringt Wasser ein.

Der Schweizer Geologe Marcos Buser, ebenfalls Autor des Reports, warnt: „Immer größere Mengen an hochradioaktivem Müll müssen für immer längere Zeit zwischengelagert werden.“ Ein Problem sei, dass die Zwischenlager unter Sicherheitsaspekten nicht für die jetzt avisierten Zeiträume konzipiert worden seien. In Deutschland wurden die Zwischenlager für die Castoren mit hochaktivem Müll in Gorleben und an den AKW-Standorten ursprünglich für 40 Jahre genehmigt. Heutet ist klar,, dass diese Zeit bis zur Eröffnung eines Endlagers überschritten wird, zumal in Fachkreisen umstritten ist, ob der geplante Termin 2050 überhaupt zu halten ist.

Der Atommüll-Report wurde im Auftrag der Grünen-nahen Heinrich Böll-Stiftung, dem BUND und sechs weiteren Umweltorganisationen erstellt. Verfasst wurde er von einem Dutzend internationaler Experten.


Aus: "Atommüll - Radioaktiver Müll: Es gibt keine Endlager" (13.11.2019)
Quelle: https://www.fr.de/wirtschaft/radioaktiver-muell-world-nuclear-waste-report-nirgends-endlager-13214695.html

Quote
Gregor Gerland

Klimaleugner hart wie Kruppstahl

24.110 Jahre ist die Halbwertszeit von Plutonium, einem der giftigsten Stoffe, die es gibt. Die Idee, derart gefährliches Material in Massen zu produzieren, ohne zu wissen, wo und wie es später gelagert werden kann, steht wie kaum etwas anderes für den megalomanischen Größenwahn, von dem Homo sapiens leider befallen zu sein scheint.

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