Author Topic: [Notizen zu Radioaktivem Material...]  (Read 44310 times)

0 Members and 3 Guests are viewing this topic.

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 9751
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Notizen zu Radioaktivem Material...]
« Reply #90 on: March 11, 2019, 12:43:15 PM »
Quote
[...] Wer von Fukushima hört, dieser einst idyllischen Kornkammer Japans, denkt heute meist nur an eines: Radioaktivität. Acht Jahre sind vergangen, seit am 11. März 2011 ein schweres Erdbeben und ein gewaltiger Tsunami den Nordosten des Inselreichs heimsuchten. Mehr als 20.000 Menschen starben in Folge dieser beispiellosen Katastrophe. Zum Sinnbild von "3/11" aber wurde in aller Welt der Super-Gau im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi, auch wenn dadurch niemand direkt ums Leben kam. Acht Jahre danach versucht der Staat alles, um den Eindruck von Normalität zu vermitteln.

Der Wiederaufbau komme voran, die Lage in der Atomruine sei unter Kontrolle, Lebensmittel aus Fukushima sicher. Man erlaubt Bewohnern einstiger Sperrzonen die Rückkehr in ihre Häuser, lockt ausländische Touristen an und wirbt kräftig für die Olympischen Spiele 2020, die die Erholung der Region zur Schau stellen sollen. "Reconstruction Olympics" lautet der vollmundige Slogan.

Sicher, das Leben geht auch für die Menschen in der Unglücksregion weiter. Und doch ist nichts mehr so wie es einmal war. Bei allen Fortschritten, allen Bemühungen, aller Hoffnung, sind viele doch weiter mit Sorge und Zweifel erfüllt.

In ihren Berichten an die Vereinten Nationen stelle die japanische Regierung das Ausmaß, die Komplexität und die Strahlungsrisiken in Gebieten von Fukushima sowie die Arbeitsbedingungen für Arbeiter "absichtlich falsch dar", beklagt Kazue Suzuki von Greenpeace Japan. Zudem missachte der Staat die Gesundheit und das Wohlergehen von Kindern. "Die Regierung sollte sich schämen", meint Suzuki und fordert die Regierung in Tokio auf, ihre Politik radikal zu ändern.

Nach einer neuen Untersuchung der Umweltschutzorganisation stellen Strahlenwerte sowohl in der Sperrzone um die Atomruine als auch in Gebieten der Gemeinden Namie und Iitate, wo die Evakuierungsbefehle aufgehoben wurden, ein "signifikantes Risiko für die Öffentlichkeit, einschließlich Kindern dar". Das Strahlenniveau liege um das Fünf- bis mehr als 100-fache über dem international empfohlenen Maximum.

Viele Arbeiter, die zur Dekontaminierung eingesetzt werden – darunter Obdachlose – würden ausgebeutet. "Diese Arbeiter haben fast kein Training in Strahlenschutz erhalten, sind schlecht bezahlt, hoher Strahlung ausgesetzt und riskieren, ihre Jobs zu verlieren, wenn sie den Mund aufmachen", klagt Shaun Burnie von Greenpeace Deutschland.

Nur 23 Prozent der Bewohner von neun Gemeinden der Provinz Fukushima, die einst nach der Katastrophe zur Gefahrenzone erklärt worden waren, sind bislang dem Aufruf des Staats zur Rückkehr gefolgt. Rund 160.000 Menschen wurden damals in Sicherheit gebracht.

Acht Jahre danach leben mehr als 32.000 von ihnen in anderen Provinzen Japans. Hinzu kommen die sogenannten Jishu Hinansha, jene Japaner, die außerhalb der Evakuierungszone lebten, aber trotzdem aus Sorge um Strahlung flohen. Viele dieser Geflüchteten sind Mütter mit Kindern.

Wer von ihnen bislang in Wohnungen für öffentliche Angestellte unterkam, muss bis Ende dieses Monats dort ausziehen. Andere erhielten Wohngeld, auch das soll bald wegfallen. Hinzu kommt, dass sie häufig Opfer von Mobbing sind. Sie seien hysterisch, lebten auf Kosten der Steuerzahler. Dabei haben Mütter mit kleinen Kindern nach Meinung kritischer Fachleute durchaus weiterhin Grund zur Sorge.

Nach einem Bericht der Ärzteorganisation IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges) anlässlich des achten Jahrestages der Atomkatastrophe haben Japaner, die in der Präfektur Fukushima Kinder waren, als sich der Super-Gau ereignete, ein mindestens 15-faches Risiko, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken.

Laut der Datenbank des Japanischen Krebsregisters betrug die Neuerkrankungsrate von kindlichem Schilddrüsenkrebs in Japan vor der Atomkatastrophe rund 0,35 pro 100.000 Kinder im Jahr. Bei einer Bevölkerung von rund 360.000 Kindern wären in Fukushima somit etwa eine einzige Neuerkrankung pro Jahr zu erwarten gewesen, also etwa acht Neuerkrankungen seit Beginn der Atomkatastrophe.

Tatsächlich seien seitdem bei 205 Kindern in der Feinnadelbiopsie Krebszellen gefunden worden. 167 dieser Kinder mussten demnach aufgrund eines rasanten Tumorwachstums, einer ausgeprägten Metastasierung oder einer Gefährdung lebenswichtiger Organe mittlerweile operiert werden.

Die IPPNW kritisiert zudem Versuche der Fukushima Medical University, die Schilddrüsenuntersuchungen zu unterminieren. So sollen die Untersuchungsintervalle ab dem 25. Lebensjahr von zwei auf fünf Jahre ausgeweitet werden, hieß es. Mitarbeiter der Universität besuchten zudem Schulen, um dort Kinder über deren "Recht auf Nichtteilnahme" und "Recht auf Nichtwissen" aufzuklären. Ferner würden die Kosten für die Untersuchungen ab dem Erreichen des 18. Lebensjahres nicht mehr erstattet. "Es ist zu vermuten, dass diese Bemühungen darauf abzielen, die Teilnahmequote weiter zu reduzieren und durch eine systematische Verzerrung der Testergebnisse langfristig die gesamte Studie zu entwerten", sagt der IPPNW-Vorsitzende Alex Rosen.

"Die Bewohner von Fukushima und die Menschen in Japan haben ein unveräußerliches Recht auf Gesundheit und auf ein Leben in einer gesunden Umwelt. Die korrekte Fortführung und wissenschaftliche Begleitung der Schilddrüsenuntersuchungen liegen im öffentlichen Interesse und dürfen nicht durch politische oder wirtschaftliche Beweggründe konterkariert werden", erklärt Rosen. Greenpeace wirft dem Staat eine Verletzung internationaler Menschenrechtskonventionen insbesondere in Bezug auf Dekontaminierungsarbeiter und Kinder vor.

Die Mehrheit der Japaner fordere einen Übergang zu erneuerbaren Energien. Doch stattdessen wolle der Staat die nach Fukushima abgeschalteten Atomreaktoren wieder anfahren und zugleich die Zahl der Kohlekraftwerke im Land dramatisch erhöhen, beklagt Greenpeace. (mho)


Aus: ""Die Regierung sollte sich schämen" – Japan acht Jahre nach Fukushima" Lars Nicolaysen, dpa  (11.03.2019)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Die-Regierung-sollte-sich-schaemen-Japan-acht-Jahre-nach-Fukushima-4329575.html


https://www.swr.de/swr2/wissen/bildergalerie/-/id=661224/did=13831192/gp1=18993856/gp2=18993906/nid=661224/vv=gallery/eyormr/index.html

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 9751
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Notizen zu Radioaktivem Material...]
« Reply #91 on: March 11, 2019, 12:52:00 PM »
Quote
[...] Acht Jahre nach der Atomkatastrophe tun Japans Regierung und Betreiber Tepco, als wäre alles überwunden – was es nicht ist, wie Messungen zeigen. Auf dem zerfetzten Dach von Reaktor 1 greift eine gewaltige Zange, die an einem Kranhubseil hängt, nach Betonteilen. An der Westseite von Reaktor 2 wurde ein Vorbau angedockt und die Wand des Reaktorgebäudes geöffnet. Über Reaktor 3 thront eine röhrenförmige Kuppel mit einem Bergungskran. Acht Jahre nach der dreifachen Kernschmelze, die am 11. März 2011 ihren Anfang nahm, ist Fukushima Nr. 1 laut Betreiber Tepco unter Kontrolle. "Wir haben Fortschritte erzielt", sagt Sprecher Hideki Yagi bei einer Tour für ausländische Journalisten.

Die Reporter dürfen in Alltagskleidung bis auf 40 Meter Luftlinie an die Reaktoren heran. Gemäß ihren Dosimetern werden sie in zwei Stunden weniger verstrahlt als bei einem Flug nach Österreich. Die Radioaktivität sank, weil alle Bodenflächen mit Spritzbeton versiegelt wurden. Daher brauchen die aktuell 4200 Arbeiter auf 96 Prozent des AKW-Geländes keine Atemmasken und Schutzanzüge mehr zu tragen.

Aber direkt über den Meilern herrscht eine solche Strahlenhölle, dass alle Arbeiten ferngesteuert ausgeführt werden müssen. Als Nächstes plant Tepco, die 1573 abgebrannten Brennelemente aus ihren Lagerbecken über den zerstörten Meilern zu holen. Die Bergung beginnt in diesem Monat am Reaktor 3.

Außerhalb der Atomanlage versucht die Regierung, ebenfalls den Anschein von Normalität zu erwecken. Zwar lässt sich die Radioaktivität dort nicht zubetonieren – die verstrahlten Orte Futaba und Okuma am AKW bleiben gesperrt -, aber seit 2014 wurden neun Gemeinden in der alten Evakuierungszone nacheinander für bewohnbar erklärt.

In Nahara in 20 Kilometern Entfernung vom AKW ist mehr als die Hälfte der Bewohner zurückgekehrt. Doch insgesamt leben nur 23 Prozent der 160.000 Evakuierten wieder an ihren alten Wohnorten. Die Mehrheit davon sind ältere Menschen, während sich kaum Familien mit Kindern zurückgewagt haben.

Dass ihre Gesundheitssorgen berechtigt sind, beweisen Messungen von Greenpeace im Herbst 2018 in Fukushima. An fast zehn Prozent von 17.000 Stellen maßen die Umweltschützer eine Strahlung vom bis zu 100-Fachen des offiziellen Dekontaminationsziels von 0,23 Mikrosievert pro Stunde. An fast allen Stellen lag die Radioaktivität über dem international empfohlenen Grenzwert für Kinder von jährlich ein Millisievert.

"Die Regierung ignoriert mit ihrer unverantwortlichen Siedlungspolitik das Ausmaß und die Risiken der Strahlenbelastung", erklärte Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital. Außerdem würden viele Dekontaminierungsarbeiter bei ungenügender Vorbereitung und schlechter Bezahlung hoher Strahlung ausgesetzt.

Die Kritik dürfte bei der Regierung auf taube Ohren stoßen. Bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio unter dem Slogan "Reconstruction Olympics" will sie beweisen, dass die Region ihren Schrecken verloren hat. Daher soll die Laufstrecke für die Träger der olympischen Fackel ab März 2020 ausgerechnet an der Sportanlage J-Village beginnen, die sechs Jahre als Tepco-Krisenzentrale diente. Außerdem hat das japanische Olympiakomitee sechs Softballspiele und ein Basketballmatch in Fukushima angesetzt, damit das negative Erbe des Atomunfalls vergessen wird.

Diese Absicht stößt vielen weiter evakuierten AKW-Anwohnern sauer auf. Die staatlich heruntergespielte Strahlengefahr erschwere ihnen die Aufklärung über ihr Schicksal und ihre Heimat. Niemand kümmert sich mehr um die Folgen des Atomunfalls, sodass wir unsere Sorgen wegen der Radioaktivität unterdrücken müssen", klagte Noriko Tanaka von der Organisation Mothers' Radiation Lab. (Martin Fritz aus Fukushima, 11.3.2019)


Aus: "Ein Schein von Normalität in Fukushima" Martin Fritz aus Fukushima (11. März 2019)
Quelle: https://www.derstandard.de/story/2000099279909/ein-schein-von-normalitaet-in-fukushima

Quote
Norbert Müller

... schaut man sich die jahrzehnte langen schäden in japan nun an, in der fischerei, in der landwirtschaft, etc...
das wird alles als naturkatastrophe abgehandelt und die leute bekommen nichts!! würde man all diese geschädigten fair entschädigen, wäre atomenergie unfinazierbar.


Quote
erzgrüner

Atomkraft ist sicher, billig und sauber!
..abgesehen davon, dass wenn was passiert viele Menschen elend zugrunde gehen
..abgesehen davon, dass die Kraftwerke massiv gefördert werden und man die alten Brennstäbe quasi ewig sicher lagern muss und diese lagerungskosten ehrlicherweise mitgerechnet werden müssten
..abgesehen davon, dass das Thema "Endlagerung" ungelöst ist


...

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 9751
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Notizen zu Radioaktivem Material...]
« Reply #92 on: August 12, 2019, 10:08:59 AM »
Quote
[...] Die Explosion, die sich am Freitag auf einem Militärgelände in der Region Archangelsk im Nordwesten Russlands ereignete, war auf Tests mit einer "Isotop-Energiequelle für einen Flüssigtreibstoff-Raketenmotor" zurückzuführen, hieß es am Samstag von der russischen Atombehörde Rosatom. Zunächst wurde nur der "Flüssigtreibstoff-Raketenmotor" erwähnt. Da jedoch Strahlungswerte in der Region auf mehr als das 20-fache des üblichen Werts angestiegen waren, vermuteten Experten, dass wichtige Informationen zurückgehalten wurden.

Wie die New York Times berichtet, sah sich Rosatom nun offenbar dazu gezwungen, eine Stellungnahme abzugeben. Die Bevölkerung im Umkreis des Militärgeländes hatte sich unterdessen bereits massenhaft mit Jod-Tabletten aus Apotheken eingedeckt. Bei der Explosion seien fünf Rosatom-Mitarbeiter und zwei Militärangehörige ums Leben gekommen.

Laut der russischen Nachrichtenagentur Tass habe der Test auf einer Plattform im Meer stattgefunden. Die Opfer seien bei der Explosion ins Wasser geschleudert worden. Ob die Leichen anschließend auch wieder gefunden wurden, ist unklar. In der Gegend seien angeblich jedoch mehrere Rettungsautos unterwegs gewesen, deren Türen mit Plastikfolie abgedeckt waren. Die Fahrer trugen außerdem Strahlungsschutzanzüge. In einer Bucht nahe des Militärgeländes wurde zudem eine einmonatige Sperre für den Schiffsverkehr verhängt.

Bei dem erwähnten Raketenantrieb könnte es sich um genau jenen "Atomantrieb" handeln, der für neue Langstreckenraketen verwendet werden soll. Mit der Entwicklung dieser hatte der russische Präsident Wladimir Putin vor Kurzem öffentlich angegeben.


Aus: "Russische Atombehörde gibt Strahlungsaustritt bei Explosion zu" (11.08.2019)
Quelle: https://futurezone.at/digital-life/russische-atombehoerde-gibt-strahlungsaustritt-bei-explosion-zu/400575407

-

Quote
[...] Die Behörden in Russland haben nach der Explosion auf einem Militärgelände im Norden des Landes radioaktive Stoffe in der Luft registriert. Dabei gehe es um Strontium, Barium-139, Barium-140 und Lanthan, zitierte die Agentur Interfax am Montag die staatliche Wetterbehörde.

Die Stoffe seien in nach dem Unfall ausgewechselten Regenwasser- und Luftproben in der Region Archangelsk gefunden worden und hätten jeweils Halbwertszeiten von 9,3 Stunden, 83 Minuten, 12,8 Tagen und 40 Stunden.

Um die Explosion, die am 8. August bekannt geworden war, ranken sich viele Spekulationen. Die russische Agentur Ria berichtete zunächst unter Berufung auf das Verteidigungsministerium, es seien keine schädliche Substanzen freigesetzt worden. Eine Sprecherin der Behörden in der nördlichen Stadt Sewerodwinsk erklärte dann, es habe einen kurzfristigen Anstieg der Radioaktivität gegeben.

Die staatliche Wetterbehörde erklärte später, die Strahlung sei an dem Unglückstag um das Vier- bis 16-Fache gestiegen. Zudem empfahlen die Behörden den Bürgern des Dorfes Njonoxa, ihren Wohnort zu verlassen. Das wurde mit nötigen Maßnahmen des Militärs begründet, die dann aber doch abgesagt wurden.

Experten aus Norwegen zufolge gab es am Tag des Vorfalls zudem eine zweite Explosion in der Gegend. Hier ist aber nicht sicher, ob die Druckwelle, die nur von hochempfindlichen Mikrofonen und nicht von den Seismografen wahrgenommen wurde und zwei Stunden nach der ersten Explosion die 1.050 Kilometer vom Testgelände entfernte Messstation im norwegischen Bardufoss erreichte, nicht doch zum ersten Ereignis gehörte.

Aus US-Regierungskreisen hieß es zuletzt, die Explosion habe mit dem russischen Programm zur Entwicklung von Hyperschall-Marschflugkörpern zu tun. Diese Raketen sollen nach russischen Angaben deutlich schneller als bisherige fliegen und für die US-Raketenabwehr unerreichbar sein. Bei der Explosion auf dem Testgelände starben den Behörden zufolge sieben Menschen, drei wurden verletzt.

Vier russische Radionuklid-Messstationen hörten nach dem gescheiterten Versuch plötzlich auf, Daten zu senden. Dass alle vier gleichzeitig wegen technischer Probleme den Betrieb einstellen, ist äußerst unwahrscheinlich – auch die eingebauten Ferndiagnosesysteme hatten zuvor keine Störungen gemeldet. (red, Reuters, 26.8.20129)


Aus: "Nach fehlgeschlagenem Test finden Russen radioaktive Stoffe in der Luft" (26. August 2019)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000107806330/nach-fehlgeschlagenem-test-finden-russen-radioaktive-stoffe-in-der-luft

Quote
sainty

Quatsch!! Das ist westliche Propaganda, Russland würde sowas nie tun!! Die würden doch nie ihre Bevölkerung bei sowas gefährlichem wie Radioaktivität belügen!


Quote
Screwball

Wir leben nicht mehr in den 1980ern. Fotos von Leuten in Schutzanzügen vom Unglücksort haben sich schnell in dern sozialen Medien verbreitet. Da kann man schlecht behauptet es sei nichts passiert. Spätestens wenn die Stoffe außerhalb Russlands detektiert werden, muss man dazu stehen.


...
« Last Edit: August 26, 2019, 03:41:16 PM by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 9751
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Notizen zu Radioaktivem Material...]
« Reply #93 on: August 21, 2019, 01:15:30 PM »
Quote
[...]
Asse II

Das stillgelegte Salzbergwerk Asse II bei Wolfenbüttel galt zunächst als „Versuchsendlager“. Zwischen 1967 und 1978 ließ die Bundesrepublik dort 125.000 Fässer mit schwach- und 1.300 Fässer mit mittelradioaktivem Atommüll einlagern.

Seit Jahren dringt salzhaltige Lauge ins Bergwerk, täglich sind es mehr als 12.000 Liter. Die Grube gilt als instabil und einsturzgefährdet. Die Nachbarschächte Asse I und Asse III waren schon früher voll Wasser gelaufen und aufgegeben worden. Die Abfälle sollen deshalb nach Möglichkeit wieder an die Oberfläche geholt werden.

Betreiber der Asse ist die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Sie ist auch für die Endlagerprojekte Schacht Konrad und Morsleben sowie das Bergwerk Gorleben zuständig. Zudem organisiert die BGE die Suche nach einem Endlager für den hochradioaktiven Atommüll.


GÖTTINGEN taz | Mehr als 126.000 Fässer mit Atommüll und teils hochgiftigen Chemieabfällen, zwischen den Jahren 1967 und 1978 eingelagert oder einfach abgekippt, gammeln seit Jahrzehnten im ehemaligen Salzbergwerk Asse II vor sich hin. Weil die Grube instabil ist und voll Wasser zu laufen droht, sollen die teils wohl schon von Salz und Rost zerfressenen Fässer nach Möglichkeit an die Oberfläche geholt werden. Die Räumung eines unterirdischen Atomendlagers wäre ein weltweit einmaliges Unterfangen.

Obwohl die Rückholung noch gar nicht begonnen hat, sind schon jetzt 1,5 Milliarden Euro in das Vorhaben geflossen. Und es könnte insgesamt viel teurer werden als bislang kalkuliert, warnt der Bundesrechnungshof in einem jetzt bekannt gewordenen Bericht.

Die Finanzprüfer sehen „das erhebliche Risiko, dass die Gesamtausgaben für das Projekt die letztmals im Jahr 2011 geschätzten zwei Milliarden Euro erheblich übersteigen“. So gehe die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) als Betreiberin des maroden Bergwerks von weiteren Ausgaben in Höhe von rund 3,35 Milliarden Euro von 2019 bis 2033 aus. Erst dann soll nach gegenwärtiger Planung die eigentliche Bergung der Abfälle beginnen.

Die bisher freigegebenen Gelder haben das Bundesumweltministerium – gewissermaßen Dienstherr der BGE – zu 92 Prozent für die Offenhaltung des Bergwerks sowie für Notfallmaßnahmen verwendet, schrei­ben die Rechnungsprüfer weiter. Die Planungskosten für die Rückholung stagnierten dagegen seit 2013 bei acht Prozent auf niedrigem Niveau – 2013 war die Räumung der Asse beschlossen worden.

Im Bericht monieren die Prüfer auch eine mangelhafte Kostenkontrolle durch das früher für die Asse verantwortliche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), das vor der BGE für das Atommülllager zuständig war. Die Prüfer verlangen, dass das Bundesumweltministerium die Fachaufsicht über die Kosten der Rückholung übernimmt. Außerdem soll die BGE dem Bundestag jährlich einen Bericht vorlegen.

Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums erklärte auf Anfrage, die Kosten für die Asse seien „eine unausweichliche Konsequenz der falschen und ohne Folgenabschätzung getroffenen Entscheidung zur Nutzung der Atomenergie in Deutschland“. Ministerium und BfS hätten stets deutlich gemacht, dass eine belastbare Abschätzung der Gesamtkosten wegen der Einmaligkeit des Bergungsprojekts nicht möglich sei. „Sicherheit muss stets absoluten Vorrang haben“, betonte der Sprecher. Gleichzeitig müsse das Vorhaben kosteneffizient durchgeführt werden, finanzielle Erwägungen dürften aber keine notwendigen Maßnahmen zur sicheren Rückholung der Abfälle verhindern.

Den Vorwurf eines unzureichenden Finanz-Controllings wies der Sprecher zurück. Das BfS habe 2009 nach dem Übergang der Verantwortung für die Asse in den Geschäftsbereich des Umweltministeriums eine Termin- und Kostenkon­trolle für das Projekt eingerichtet: „Entgegen der Sichtweise des Bundesrechnungshofs wurden damit Projekt und Finanzcon­trolling wahrgenommen.“ Auch die inzwischen zuständige BGE habe umfassende Regelungen zum Projektcontrolling getroffen.

Der Asse II-Koordinationskreis unabhängiger Bürgerinitiativen hält die Kritik des Rechnungshofes am Umweltministerium und dem BfS hingegen für „voll berechtigt“. Weniger als ein Zehntel der Asse-Kosten für Rückholungsplanungen aufzuwenden, erscheine „als Armutszeugnis“ dafür, wie das in den untersuchten Jahren 2010 – 2016 zuständige BfS mit dem Auftrag zur Rückholung des Atommülls umgegangen sei.

Schon seit Jahren kritisiere der Koordinationskreis, dass nicht an Maßnahmen gearbeitet werde, die für eine Rückholung erforderlich seien, sagt Sprecher Andreas Riekeberg: Der Bau eines weiteren Schachtes, die Entwicklung von ferngesteuerter Bergetechnik und die Erstellung eines detaillierten Masterplans. Auch die Arbeiten zur Notfall- und Gefahrenabwehr seien wichtig, „aber die Vorbereitungsarbeiten für die Rückholung müssen parallel laufen“.

Jochen Stay von der Anti-Atom-Organisation „ausgestrahlt“ wies darauf hin, dass die in Rede stehenden rund fünf Milliarden Euro lediglich die Kosten betreffen, die bis zum Jahr 2033 anfallen. Die eigentliche Bergung und Neuverpackung der Fässer werde mit Sicherheit etliche weitere Milliarden verschlingen: „Die Gesamtaufwendungen zur Aufarbeitung des Asse-Desasters könnten also gut und gerne doppelt so hoch ausfallen“, sagt Stay. Das Geld komme im Übrigen nicht aus dem Atom-Fonds, in den die Stromkonzerne einmalig 24 Milliarden Euro eingezahlt haben. Bezahlt werde das alles aus dem Bundeshaushalt, also von der Allgemeinheit.

Die Linke bekräftigte unterdessen ihre Forderung nach einem Asse-Sonderbeauftragten des Landes Niedersachsen: Seit neun Jahren bestehe der politische Auftrag, den Atommüll aus der Asse zu holen, sagt Landes­chef Lars Leopold. Seitdem sei nicht viel passiert und es sehe fast so aus, als werde auf Zeit gespielt: „Da rosten über 126.000 Fässer mit radioaktivem Müll vor sich hin und die Landesregierung schaut seelenruhig zu, wie weiter täglich Wasser in das marode Bergwerk läuft.“

Um das Tempo bei der Rückholung des Atommülls zu erhöhen und eine Flutung oder einen Einsturz des instabilen Bergwerks zu verhindern, sagt Leopold, müsse Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) die Asse endlich zur Chefsache erklären und einen Sonderbeauftragten einsetzen.


Aus: "Räumung der Asse: Finanzielles Fiasko" Reimar Paul (21. 8. 2019)
Quelle: https://taz.de/Raeumung-der-Asse/!5618636/


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 9751
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Notizen zu Radioaktivem Material...]
« Reply #94 on: September 10, 2019, 04:47:20 PM »
Quote
[...] Das Unternehmen Tokyo Electric Power (Tepco), Betreiber des havarierten Atomkraftwerks in Fukushima, soll radioaktives Wasser direkt in den Pazifik leiten. Das kündigte der japanische Umweltminister Yoshiaki Harada bei einer Pressekonferenz an. Nachdem die Anlage durch ein Erdbeben und einen Tsunami im Jahr 2011 lahmgelegt wurde, hat Tepco an den zerstörten Standorten mehr als eine Million Tonnen kontaminiertes Wasser aus Kühlleitungen in rund 960 Tanks gesammelt.

Weil die bisher geplanten Speicherkapazitäten für das Wasser bis 2022 erschöpft sein sollen, wird nun ein alter Vorschlag wieder aktuell: "Die einzige Möglichkeit ist, es ins Meer zu entleeren und zu verdünnen", sagte Yoshiaki Harada.

Ein endgültiger Regierungsbeschluss zur Entsorgung des Wassers steht noch aus, vorher soll eine beauftragte Expertengruppe einen Bericht vorlegen. Wie viel Flüssigkeit in den Ozean geleitet werden muss, ist ebenso unklar.

Die Pläne dürften unter anderem Südkorea verärgern. Erst letzten Monat bestellte das Nachbarland einen japanischen Diplomaten ein, um die Frage zu klären, wie die Regierung mit dem Wasser aus Fukushima umgehen werde.

Widerstand erhält Tepco auch von lokalen Fischern. Sie befürchten einen Imageschaden für Meeresfrüchte aus Fukushima. Die Gefahr, die von dem kontaminierten Wasser ausgeht, ist umstritten. Bis auf das radioaktive Wasserstoffisotop Tritium filtert das Unternehmen bereits jetzt viele gefährliche Stoffe heraus. Tritium gilt als vergleichsweise harmlos.

Für Japans Bevölkerung kommt die Ankündigung zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Erst im Juli erlaubten die Behörden an zumindest einem Strandabschnitt das Baden - rund 25 Kilometer von der Atomruine Fukushima entfernt.

rai/Reuters


Aus: "Reaktorunglück: Fukushima soll radioaktives Wasser ins Meer leiten" (10.09.2019)
Quelle: https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/japan-atomruine-fukushima-soll-radioaktives-wasser-ins-meer-leiten-a-1286013.html

Quote
frerejaques heute, 09:08 Uhr

Havarie des gnadenlosen Profitdenkens

Das Terrain, auf dem der Reaktor errichtet ist, lag ursprünglich 35 m höher und wurde nur deshalb abgetragen, um Energie für die Pumpen zu sparen. Ohne diese Aktion wäre die Anlage vor einem Tsunami geschützt gewesen. Die potentielle Gefahr eines Tsunami-Havarie wurde aus Gründen der Betriebskosten-Senkung in Kauf genommen und von allen Sicherheitsexperten abgesegnet, einschließlich des Umweltministeriums, das nicht am Dienst der Natur, sondern unter der Kontrolle der Industrie steht. Die Ableitung des kontaminierten Wassers ist ein Umweltverbrechen, das dem gnadenlosen Profitdenken geschuldet ist. ...


Quote
theoneandonlyherrbert heute, 12:07 Uhr

Diese Japaner machen ähnliche Sauereien, wie wir edlen Europäer es schon vor ihnen getan haben ...

Fässer mit Atommüll verrotten im Ärmelkanal
Veröffentlicht am 23.04.2013

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert versenkten acht europäische Staaten Tausende Fässer mit Atommüll in Atlantik und Ärmelkanal. Vergessen sollte man den Müll nicht – denn er strahlt noch immer.  Die Sünden liegen Jahrzehnte zurück, doch sie strahlen weit in die Zukunft. Und das im wörtlichen Sinn: Acht europäische Staaten hatten zwischen 1949 und 1982 atomaren Abfall einfach dem Meer überlassen, insgesamt versenkten sie 222.732 mit Beton oder Asphalt verstärkte Metallfässer an 14 Stellen westlich der europäischen Küste sowie in einem „Hurd Deep“ genannten Gebiet im Ärmelkanal.
Viele Fässer sind längst verrostet und geben allmählich ihren radioaktiven Inhalt frei. Der Sender Arte widmet dem „Endlager Meeresgrund“ am Dienstag einen Themenabend. Er machte sich auf die Suche nach der Altlast.
114.726 Tonnen Atommüll schlummern vor dem europäischen Kontinentalsockel, meist in Tiefen von mehr als 4000 Metern. Nach offiziellen Angaben enthalten sie schwach- bis mittelradioaktiven Abfall der Atomindustrie, aus Forschung und Medizin; Kritiker wie der britische Atomphysiker John Large gehen jedoch davon aus, dass zum Teil auch hochradioaktiver Müll beigemischt war.
Nach einer Aufstellung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA summiert sich die in Fässern verpackte Radioaktivität auf 42.320 Terrabecquerel (TBq) – zum Vergleich: Die Gesamtaktivität im maroden Atommülllager Asse II betrug Anfang 2010 rund 2900 TBq.
 Allein 35.000 TBq stammen aus Großbritannien. Weitere 6500 TBq steuerten die Schweiz und Belgien bei. Deutschland hat nur im Jahr 1967 Atommüll mit einer Gesamtaktivität von 0,2 TBq versenken lassen. Allerdings ist die Gesamtaktivität nur ein Anhaltspunkt für das Ausmaß des Problems. Denn die Zusammensetzung des Mülls aus den verschiedenen Radionukleide (radioaktiven Atomsorten) ist nicht vollständig bekannt.
Deshalb lässt sich anhand von Halbwertszeiten kaum kalkulieren, wie hoch die Gesamtaktivität heute ist. „Zudem können sich Isotope gebildet haben, die noch stärker strahlen als die Ausgangssubstanzen“, sagt Susanne Neubronner, Atomexpertin bei Greenpeace in Hamburg.
1981 waren die Versenkungsaktionen von Atommüllfässern ins Gerede gekommen. Greenpeace dokumentierte damals den bis dahin weitgehend unbekannten „Entsorgungsweg“ der europäischen Atomindustrie. Mit Schlauchbooten manövrierten sich die Aktivisten unter die Abrollrampen der Versenkungsschiffe.
Diese stellten das Dumpen aber nicht ein, so dass mehrmals ein mehrere 100 Kilo schweres Fass ein Schlauchboot traf. Die Umweltschützer gerieten in Lebensgefahr und mussten die Aktionen einstellen. Aber sie hatten die Abfallentsorgung auf Kosten der Meere öffentlich gemacht.
Harald Zindler, 68, saß damals in einem der Greenpeace-Schlauchboote. Vor einigen Monaten fuhr er mit dem Arte-Filmteam zu dem besonders brisanten Versenkungsgebiet: Bis 1963 hatte Großbritannien Atomfässer auch im Ärmelkanal verklappt. Hier fielen die Behälter nur 90 bis 140 Meter tief und liegen nur rund 20 Kilometer vor der Kanalinsel Alderney.
Schon bei der ersten Suche mit einem Unterwasserroboter entdeckte das Team eine Tonne, äußerlich unversehrt. Beim zweiten Anlauf wurde es wieder fündig: Ein völlig verrostetes Fass geriet ins Visier der Kamera.
Der von Rost zerfressene Behälter versinnbildlicht das damalige Entsorgungskonzept: Dilution is the solution (Verdünnung ist die Lösung). „Die Fässer waren nicht konzipiert, um einen dauerhaften Einschluss der Radionukleide am Meeresboden zu gewährleisten. Insofern muss davon ausgegangen werden, dass sie zumindest teilweise nicht mehr intakt sind und Radionukleide freigesetzt wurden“, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage von Bundestagsabgeordneten der Grünen im August 2012. ...
Quelle: https://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article115539849/Faesser-mit-Atommuell-verrotten-im-Aermelkanal.html


...