Author Topic: [Tunnel der Realität... ]  (Read 4116 times)

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[Tunnel der Realität... ]
« on: June 13, 2005, 12:08:48 PM »
Das Gehirn empfängt Billionen von Signalen in der Minute. Wir selektieren einen geringen Ausschnitt, projizieren ihn nach außen und halten dies für die Realität. Das ist der Tunnel der Realität. (Robert Anton Wilson)
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Am morgigen Sonntag referiert Timothey Leary als Schöpfer des Begriffs »Realitätstunnel« und LSD- Astronaut des Inner Space sowie Erfinder von interaktiven Videospielen wie »Mind Mirror« oder »Newromancer« zu Virtual Realities.  taz (1990)
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Quote
[...] Der Begriff Realitätstunnel weist starke Parallelen zur hegelschen Idee auf. Genau wie diese ist ein Realitätstunnel dasjenige, in welchem sich ein Mensch bewegt, und welcher aus durch den Denker erschaffenen subjektiven Vorstellungen und darin eingebundene, durch den Beweisführer erschaffenen objektiven Tatsachen besteht. Er ist der Prozess der sich-realisierenden Vorstellung und der sich-vorstellenden Realität zugleich.   ...

Aus: "Realitätstunnel" (Stand 03/2013)
Quelle: http://de.verschwoerungstheorien.wikia.com/wiki/Realit%C3%A4tstunnel

« Last Edit: October 21, 2016, 10:02:42 AM by Textaris(txt*bot) »

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[Einfach verschiedene Sorten von Realitäten... (Klaus Theweleit)]
« Reply #1 on: December 26, 2007, 07:47:30 PM »
Quote
[...] Claudia Hempel: Was bedeutet das für den Realitätsbegriff?

Klaus Theweleit: Der herkömmliche Realitätsbegriff existiert für mich schon lange nicht mehr. Ich weiß gar nicht, was das sein soll.

Claudia Hempel: so die Unterscheidung zwischen real und irreal, bzw. virtuell?

Klaus Theweleit: Das gibt es nicht. Es gibt einfach verschiedene Sorten von Realitäten, von denen eine nicht realer ist als die andere. Die so genannten geistigen Prozesse und die so genannten artistischen Prozesse - ob ich mit dem Computer umgehe, ob ich mit den Füßen gehe, ob ich in einen Apfel beiße, einen Film sehe… das sind alles verschiedene Sorten von Realität, aber davon ist nicht eine realer als die andere. Es gibt keine wirkliche oder objektive Realität. Das sind alles nur Begriffssysteme, die versuchen, das zu unterteilen. Sie sind durchweg unbrauchbar. Davon habe ich mich schon lange verabschiedet.

Claudia Hempel: Kann man dann sagen: Ähnlich wie Freud haben Sie also bestimmte Dinge vermutet und konstatiert, ohne wirklich brauchbare Belege dafür von der Wissenschaft zu bekommen.

Klaus Theweleit:  Die Hirnforschung war einfach bis vor 10 oder 15 Jahren sehr mangelhaft in ihren Ergebnissen und damit war sie einfach unbrauchbar. Wer wirklich wissen wollte: Wie funktioniert das Bewusstsein? Wie funktioniert das Unbewusste? Wie funktionieren die Zusammenhänge zwischen den beiden, wie funktioniert die Wahrnehmung? Wie wird diese wiederum durch die verschiedenen Medien und Künste beeinflusst? – der blieb mit den Antworten, welche die Hirnforschung bis vor kurzem geben konnte, ziemlich ratlos zurück. Dazu hat die Hirnforschung früher fasst nur Unsinn sagen können. Sie hat solche Fragen immer überheblich abgewehrt.

Seit 10 bis 15 Jahren aber ist da eine Veränderung passiert. Nicht nur die Stellung Freuds ist revidiert worden von Forschern, wie Gerhard Roth und anderen, sondern sie kommt auch langsam an die Fragen heran, die wichtig sind, wenn man sich mit Künsten beschäftigt: Was verändern Medien und Künste in der Person? Wie verändert man sich durch Medien und Künste? In welche Metamorphosen kommt man? Die Forscher sind ja heutzutage schon soweit, dass sie diese Veränderungen anhand von Veränderungen innerhalb der Zellstrukturen beschreiben können. In dem Moment wird es dann wirklich interessant. Das ist wirklich das Neue, nicht die Frage selbst, denn die Frage selbst ist immer da gewesen.



Aus: "Der Körper als Speicher" Claudia Hempel (TP, 25.12.2007) - Klaus Theweleit über Hirnforschung, das Unbewusste und die Realität

Klaus Theweleit, 1942 geboren, studierte Germanistik und Anglistik und wurde 1977 mit seiner Promotionsarbeit "Männerphantasien" über die Wissenschaftsgemeinde hinaus bekannt. Dort hinterfragt er, welcher Typ Mann sich besonders widerstandslos in den faschistischen Wertekanon integrieren ließ. Aus diesen Überlegungen heraus entwickelte Theweleit eine umfassende Analyse von Macht- und Kolonialisierungsstrukturen vor der Folie von Kunst, Psychoanalyse und neuerdings auch der Hirnforschung. In einer seiner jüngsten Publikationen umreißt er das Beziehungsgeflecht zwischen neuen Medien, Künsten und den daraus folgenden Veränderungen unserer Gehirnstruktur. Klaus Theweleit ist derzeit Professor für Kunst und Theorie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und Lehrbeauftragter am Soziologischen Institut in Freiburg. Im Rahmen des Dresdner Medienfestivals Die Elektrifizierung der Gehirne war der Kulturwissenschaftler zu Gast.
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26844/1.html



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[Das Karussell drehte sich immer weiter... ]
« Reply #2 on: March 13, 2013, 10:04:46 AM »
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[...] »Gerade dem marxistischen Realitätstunnel entschlüpft, schwor ich Hingabe an die Prinzipien des Individualismus, des freien Denkens und des Agnostizismus. Von jetzt ab, sagte ich mir, werde ich mich nicht mehr von Gruppen hypnotisieren lassen: er werde selbst denken. Natürlich verbrachte ich die folgenden 20 Jahre damit, verschiedenen politischen und intellektuellen Moden zu folgen, immer in der Überzeugung, dass ich zu guter Letzt der Gruppenkonditionierung entkommen war und begonnen hatte, ›wirklich‹ selbst zu denken. Ich bewegte mich vom Agnostizismus wieder zurück zum dogmatischen Atheismus und dann zum Buddhismus; ich sprang vom Existenzialismus zum Aktivismus der Neuen Linken und zum Mystizismus des New Age und zurück zum Agnostizismus. Das Karussell drehte sich immer weiter, und ich kriegte erst raus, wie ich anhalten und aussteigen könnte, als ich auf die 40 zuging und so viel Acid genommen hatte, dass mir nur die Wahl blieb, entweder wirklich selbst zu denken oder durchzudrehen.«


Aus: "Robert Anton Wilson in meme-oriam" (Posted on Januar 11, 2008)
Quelle: https://adhsinfo.wordpress.com/tag/realitatstunnel/

https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Anton_Wilson


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[Tunnel der Realität... ]
« Reply #3 on: October 21, 2016, 10:23:51 AM »
We don't see things as they are, we see them as we are. – Anaïs Nin

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[...] Symbolic universes are created to provide legitimation to the created institutional structure. Symbolic universes are a set of beliefs “everybody knows” that aim at making the institutionalized structure plausible and acceptable for the individual—who might otherwise not understand or agree with the underlying logic of the institution. As an ideological system, the symbolic universe “puts everything in its right place”. It provides explanations for why we do things the way we do. ...


Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/The_Social_Construction_of_Reality (11 October 2016)

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[...] Die Welt wird durchgerüttelt: Es herrscht Krieg in Syrien, ein Irrer könnte US-Präsident werden. Für große Unsicherheit sorgt der Brexit. Und Europa steht immer wieder vor der Zerreißprobe. Wie gefährlich ist das alles für die Börse und unser Geld?  ...


Aus: "Alarmstufe rot: Diese Risiken bedrohen unseren Wohlstand"
FOCUS-MONEY-Redakteurin Heike Bangert und FOCUS-MONEY-Redakteur Mika Hoffmann  (21.10.2016)
Quelle: http://www.focus.de/finanzen/boerse/bankenkrise-brexit-schock-donald-trump-alarmstufe-rot-diese-geopolitischen-risiken-bedrohen-unseren-wohlstand_id_6096940.html

« Last Edit: October 21, 2016, 10:27:33 AM by Textaris(txt*bot) »

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[Tunnel der Realität... ]
« Reply #4 on: October 21, 2016, 11:18:39 AM »
Quote
[...] In der Regel zweifeln „Reichsbürger“ nicht nur an der bundesrepublikanischen Verfassung, für sie gibt es gar keine.  In ihrem Selbstverständnis gibt es auch die Bundesrepublik gar nicht. Sie leben in einem Paralleluniversum, einem „Deutschland in den Grenzen von 1937“. ... Nach den Todesschüssen auf den bayerischen Polizisten wird in Politik und Sicherheitsbehörden neu über den Umgang mit den „Reichsbürgern“ nachgedacht. Bislang war die unübersichtliche und zersplitterte Bewegung irgendwo zwischen traurigem Spinnertum und klarem Rechtsextremismus eingeordnet worden. Es ist ist auch unklar, wie viele Anhänger sie in ganz Deutschland hat. ...


Aus: "Die Polizei hat "Reichsbürger" in den eigenen Reihen" Bernhard Honnigfort (21. Oktober 2016)
Quelle: http://www.fr-online.de/politik/bayern-die-polizei-hat--reichsbuerger--in-den-eigenen-reihen,1472596,34873462.html

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[Tunnel der Realität... ]
« Reply #5 on: Yesterday at 01:11:24 PM »
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[...] Vor mehr als zehn Jahren, so um 2007 herum, habe ich mir ein Facebook-Profil angelegt. Damals hat sich die Plattform noch wie ein Dorf angefühlt. Man hatte vielleicht hundert Freunde und postete Abitur-Fotos. Von Selfies keine Spur. Wir vernetzten uns in der virtuellen Welt miteinander, es fühlte sich gut an, eine ganze Weile lang.

Irgendwann, womöglich als die Menschen angefangen haben, vermehrt Facebook auf ihrem Smartphone aufzurufen, hat sich das verändert. Jeder Menschen, den man von früher kannte, schickte eine Freundschaftsanfrage, die man widerwillig annahm. Das Dorf wurde zur Stadt, dann zur Metropole.

Mein Newsfeed begann, sich mit Inhalt zu füllen, der mich nicht interessierte. Die Selbstinszenierung wuchs. Schaut her, was habe ich für eine tolle Hochzeit gehabt. Und einen noch schöneren Urlaub. Ein oder zwei virtuelle Freunde, die sich außerhalb meines linksliberalen Realitätstunnels bewegen, posteten dubiose politische Inhalte.

... Mein Versuch, den Algorithmus („Weniger von dieser Person sehen“) zu nutzen, funktionierte nicht richtig. Ich lag meinem Mann öfters mit Kommentaren in den Ohren, was diese oder jene Person schon wieder Nerviges gepostet habe. Öfters ertappte ich mich dabei, das Profil von jemandem anzuschauen, mit dem ich seit Jahren nichts zu tun hatte. Ein beklemmendes Suchtverhalten begann sich an die Facebook-Nutzung zu knüpfen. Ich beobachtete es auch zunehmend bei meinen Freunden. Selbst postete ich immer weniger. Weil ich keine Lust hatte, selbstbestätigende Likes zu zählen. Und weil ich denke, dass mein Leben auch existiert, wenn ich es virtuell nicht abbilde.

Für die meisten ungeschulten Gehirne, meins inklusive, sind soziale Medien das Gegenteil von Achtsamkeit. Stets lungern sie herum und warten auf ihren Einsatz als Ablenkung an der Bushaltestelle oder als Beschäftigung in der Schlange im Supermarkt. Auf den Bildschirm starrend scrollt man durch Memes und Fotos und weiß danach nicht mehr, was man eigentlich gesehen hat. ...


Aus: "Digital Detox Leben ohne Facebook und Co. - geht das?" Sarah Pepin (08.03.18)
Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/digital/digital-detox-leben-ohne-facebook-und-co----geht-das--29834430

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« Reply #6 on: Yesterday at 01:14:34 PM »
Quote
[...] Filterblasen würden kommendes Jahr weiter wachsen, wagte Rieger einen weiteren Blick in die Glaskugel. "Ad-Blocker werden Realitätstunnel", konstatierte er. Sie bekämen eine "Content-Filtering-Engine", um auch gleich Kommentare oder Sport-News "rauszutun". Da die Gegenseite ebenfalls aufrüsten werde, "brauchen wir Werbe-Blocker-Blocker". Am besten wäre es, dafür eine "verteilte Intelligenz" zu bauen, was aber mittelfristig wohl zu verschiedenen "Lagern von Maschinenwissen" führe, "die um unsere Aufmerksamkeit kämpfen".


Aus: "33C3: Hacker rufen nach Mindesthaltbarkeitsdatum für vernetzte Geräte" Stefan Krempl (31.12.2016)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/33C3-Hacker-rufen-nach-Mindesthaltbarkeitsdatum-fuer-vernetzte-Geraete-3583224.html