Author Topic: [The freedom to blog...]  (Read 16312 times)

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[The freedom to blog...]
« on: June 09, 2005, 11:17:29 AM »
Quote

[...] A new term has emerged as a result. According to UrbanDictionary.com, to be "dooced" means "losing your job for something you wrote in your online blog, journal, website, etc."



Snatch from: "Looming pitfalls of work blogs"
By Jo Twist (BBC News science and technology reporter - 3 January, 2005)
Source: http://news.bbc.co.uk/2/hi/technology/4115073.stm


Quote
International Bloggers’ Bill of Rights.
posted 01/04/05 (edited Tuesday, Mar 15, 2005 22:58)

We, the inhabitants of the Blogosphere, do hereby proclaim that bloggers everywhere are entitled to the following basic rights:

FREEDOM TO BLOG.
FREEDOM FROM PERSECUTION AND RETALIATION BECAUSE OF OUR BLOGS:

1.) If an employer wishes to discipline an employee because of his/her blog, it must first establish clear-cut blogging policies and distribute these to all of its employees.

2.) Blogging employees shall be given warning before being disciplined because of their blogs.

3.) NO ONE shall be fired because of his/her blog, unless the employer can prove that the blogger did intentional damage to said employer through the blog.

From: "The Blogger's Rights Blog" (Mar 15, 2005)
Source: http://rights.journalspace.com/

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[MEDIA FREEDOM ON THE INTERNET]
« Reply #1 on: June 21, 2005, 12:14:39 PM »
Quote
JOINT DECLARATION OF THE OSCE REPRESENTATIVE ON FREEDOM OF THE MEDIA & REPORTERS SANS FRONTIÈRES ON GUARANTEEING MEDIA FREEDOM ON THE INTERNET

1. Any law about the flow of information online must be anchored in the right to
freedom of expression as defined in Article 19 of the Universal Declaration of Human
Rights.

2. In a democratic and open society it is up to the citizens to decide what they wish to
access and view on the Internet. Filtering or rating of online content by governments
is unacceptable
. Filters should only be installed by Internet users themselves. Any
policy of filtering, be it at a national or local level, conflicts with the principle of free
flow of information
.

3. Any requirement to register websites with governmental authorities is not
acceptable
. Unlike licensing scarce resources such as broadcasting frequencies, an
abundant infrastructure like the Internet does not justify official assignment of
licenses. On the contrary, mandatory registration of online publications might stifle
the free exchange of ideas, opinions, and information on the Internet.

4. A technical service provider must not be held responsible for the mere conduit or
hosting of content unless the hosting provider refuses to obey a court ruling. A
decision on whether a website is legal or illegal can only be taken by a judge, not by a
service provider. Such proceedings should guarantee transparency, accountability and
the right to appeal.

5. All Internet content should be subject to the legislation of the country of its origin
(“upload rule”) and not to the legislation of the country where it is downloaded.
6. The Internet combines various types of media, and new publishing tools such as
blogging are developing. Internet writers and online journalists should be legally
protected under the basic principle of the right to freedom of expression and the
complementary rights of privacy and protection of sources
.

On the occasion of the Third Internet Conference of the OSCE Representative on
Freedom of the Media in Amsterdam (17-18 June 2005)

Source:
https://www.osce.org/documents/rfm/2005/06/15239_en.pdf
« Last Edit: June 25, 2005, 11:37:16 AM by Textaris »

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Re: [Saudi-Arabien blockiert Blogger.com]
« Reply #2 on: October 06, 2005, 08:59:36 AM »
Quote
Die saudi-arabische Behörde Internet Service Unit, die in dem Land für die Filterung von Web-Inhalten zuständig ist, blockiert nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen die von Google betriebene Weblog-Site Blogger.com. Saudi-arabische Internet-Tagebuchschreiber seien seit dem 3. Oktober nicht mehr in der Lage, ihre Weblogs zu aktualisieren.

Reporter ohne Grenzen weist darauf hin, dass Saudi-Arabien zu den Ländern gehört, die die größte Kontrolle über Internet-Inhalte ausüben. Nach Angaben der Menschenrechtler führt das Land 400.000 Websites auf seiner schwarzen Liste. Dies sei aber der erste Fall, bei dem ein Weblog-Dienst zensiert werde. Die komplette Blockade von Blogger.com, einer der größten Dienste auf dem Weblog-Markt, sei besorgniserregend. Bisher habe nur China eine derart weitreichende Zensur ausgeübt. (anw/c't)

Aus: "Saudi-Arabien blockiert Blogger.com" (05.10.2005 16:10)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/64609

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[Moni S und Transparency International]
« Reply #3 on: March 29, 2006, 10:42:07 AM »
Meinungsäußerung oder falsche Fakten? - Transparency International im Clinch mit Weblogs
(von Fiete Stegers, tagesschau.de; 29.03.2006)

Quote
Ausgerechnet die unermüdlichen Anti-Korruptionskämpfer von Transparency International stehen auf einmal auf der Seite der Buhmänner - zumindest im Internet. Die deutsche Abteilung der Organisation hatte einer Bloggerin juristische Konsequenzen gegen ihrer Ansicht nach falsche Äußerungen über Transparency International angedroht und dafür einen Sturm der Entrüstung geerntet. Auch wenn Transparency inzwischen einen Rückzieher machte - das PR-Desaster bleibt: Wer im Netz nach "Transparency International" sucht, stößt bereits unter den ersten Google-Treffern schnell auf zahlreiche Unmutsäußerungen....


Quelle: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5374766_REF1,00.html

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[Flyerpilot.de und die Abmahnung als Werbemittel]
« Reply #4 on: March 30, 2006, 05:07:59 PM »
Quote
[...] Flyerpilot.de mag es nicht, wenn man über Erfahrungen mit ihrem Service berichtet. Was die Herren wohl am meisten wurmt, ist die Google Position des entsprechenden Beitrages in Hessis Weblog. Darum: UZI raus und Feuer auf den Blogger.

Ursprungsbeitrag. Der Vollständigkeit halber:

Quote
Servicewüste Deutschland, zweimal hatte ich bisher Drucksachen bei Flyerpilot bestellt. Und es wird nicht nochmal passieren - soviel ist sicher. Bei der ersten Bestellung wartete ich und wartete bis ich dann irgendwann nachfragte was mit der Bestellung los sei. »Ach ? die ist noch nicht bei Ihnen? Die ist aber schon raus, wir drucken nach und schicken sie dann raus?« Gut, dachte ich mir, kann ja mal passieren, man kennt ja die Zuverlässigkeit der Post. Die kamen dann auch irgendwann an und die Druckqualität war auch echt okay.

Dann nochmals eine Bestellung, Mitte Dezember. Lieferzeit wurde angegeben mit 5-6 Werktagen. Wurde eh knapp mit den Feiertagen und dann hatten die wohl noch Betriebsurlaub. Okay, wirds halt 2005. Irgendwann vor zwei Wochen wurde ich dann doch ungeduldig und wollte wissen was mit den Drucksachen wäre. » Komisch, sind die noch nicht da? Dann sind die wohl verlorengegangen. Versandfehler, ob ich denn noch Verwendung habe, nachproduzieren, ?« Nein, natürlich habe ich keine Verwendung mehr, ich drucke sowas nur so zum Spaß, damit ich danach den Ofen damit befeuern kann patsch Heute dann nochmal bei der Hotline angerufen, einmal die Warteschleife angehört und rausgeflogen. Das ganze hab ich dann noch dreimal probiert und immer wieder wurde man aus der Warteschleife gekickt. Gut, eine kurze, deftige Mail hingeschrieben, dass ich bitte zurückgerufen werden möchte. NIX, nichtmal die Mail wurde beantwortet.

Ich habe absolutes Verständnis dafür, dass was schief gehen kann. Auch mehrmals, man kennt das ja. Wofür ich aber absolut kein Verständnis habe ist, wenn man auf Nachfragen nicht einmal reagiert und man als (verärgerter) Kunde keine Information darüber bekommt was da vor sich geht. Geht die Firma den Bach runter oder was? Naja, Frust von der Seele geschrieben und Google freut sich - neues Futter für Leute, die sich vorher über Firmen und deren Verhalten erkundigen ?



Aus: "flyerpilot mahnt Blogger ab BOO flyerpilot.de von lanu" (11:00 Donnerstag, 30. März 2006)
Quelle: http://www.boocompany.com/index.cfm/content/story/id/13570/

-.-

Quote
[...] Die nächste Firma, die nicht verstanden hat, wie das Internet funktioniert, mahnt ab.
Dieses Mal wird Hessis Weblog abgemahnt:

Quote
Die Anmeldung und Bewerbung Ihrer privaten Homepage unter dem Suchbegriff „f.“ bei Suchmaschinen ist rechtswidrig. Wir fordern die Beseitigung der Einträge unter dem Suchbegriff „f.“.
[...]
Gleichzeitig informieren wir Sie darüber, dass wir uns auch an Google Deutschland wenden, um die Gründe für das Ranking ihrer privaten Seite auf Platz 2 der Trefferliste zu erfahren.
[...]
Schon Ihre Einleitung macht keinen Hehl daraus, dass in diesem Weblog Beiträge rein negativer Natur niedergeschrieben werden sollen:
[...]
Ihre Seite verfolgt hier nicht den Zweck, neutral über Erfahrungen zu diskutieren, sondern ausschließlich das Ziel, Negativberichte über f. zu veröffentlichen und andere Konkurrenzunternehmen zu empfehlen.
[...]
Potentielle positive Beiträge würden so weit unten verschwinden, dass die meisten Lesern sie gar nicht mehr zu Gesicht bekämen.

Die Passagen stammen aus dem Anwaltsschreiben, das Hessi bekommen hat.
Lasst das einfach mal auf euch wirken: "...Anmeldung unter dem Suchbegriff... bei Suchmaschinen...", "...Potentielle positive Beiträge würden so weit unten verschwinden, dass die meisten Leser sie gar nicht zu Gesicht bekämen..."

Ganz offensichtlich wieder einmal ein Versuch, unliebsame Meinungen aus dem Netz verschwinden zu lassen. Wenn ich mir den beanstandeten Beitrag ansehe, sehe ich nichts, was das rechtfertigen würde. So langsam reicht es mit diesen Versuchen, Bloggern und anderen Webseitenbetreibern einen Maulkorb zu verpassen.


Aus: "Meinungsfreiheit kontra Flyerpilot" (ixy; Donnerstag, 30.03.06)
Quelle: http://www.krambox.de/item/1170

-.-

Quote
[...] Wieder, wie schon bei euroweb oder transparency international deutschland oder wie sie alle heißen, wird versucht, per Abmahnung Kontrolle über die freie Meinungsäußerung im Netz zu erlangen.

Wieder werden die einfachsten Regeln der Konfliktstrategien mit Füßen getreten. “Eskalationsstrategie” hört mit Konsequenz auf und fängt nicht damit an - wenn ich wieder da bin werde’ ich da mal was zu schreiben, das Thema habe ich in meinen Existenzgründerseminaren im Bereich “Schlüsselqualifikationen” drin gehabt, muss ich also nur nochmal mundgerecht aufbereiten.

Es muss klar sein, dass Firmen, Leute, Gruppen, die im Konfliktfall sofort auf DefCon5 gehen und die finanzielle Keule gegen “Zivilpersonen” ansetzen, am Ende geächtet sind. Und dabei ist es völlig irrelevant, ob das ganze “juristisch” oder “rechtlich” passt oder nicht. Hier geht es um normale, zivile Gesellschaft. Da haben Anwälte und Gesetzesbücher erst was zu suchen, wenn alle zivilisierten Mittel ausgeschöpft sind. Wenn Krieg nicht mehr die letzte sondern die erste Option für eine Konfliktlösung ist, dann kann auch die Verteidigung nur noch eine kriegerische sein. Und hier gilt es, ein Abschreckungspotential aufzubauen. Den Atomkrieg gab es nicht, weil man wusste, was dann passiert. Mal sehen, wie lange es dauert, bis hier den “Militaristen” klar wird, was passiert, wenn sie meinen, losballern zu müssen im Glauben, der Gegner sei nur Opfer. Bzw. wie lange es dauert, bis klar ist, dass der Gegner eben ein kein leichtes Opfer ist sondern dass man sich an diesem so richtig weh tun kann!

Wer mit shock-and-awe gegen die Zivilgesellschaft vorgeht kickt sich aus dieser raus.

Offensichtlich ist es nötig, dass auch in “deren” Wahrnehmung aus Einzellfällen grundsätzlich die Regel wird, so dass das Instrument der Abmahnung nicht mehr Angst- und Kontrollinstrument ist, sondern gleichgesetzt wird mit einem PR-Suizid.


Aus: "ach doch, eins noch: flyerpilot.de will auch abmahnen" (sagichdoch?; 30. March, 2006 @ 13:07)
Quelle: http://www.svenscholz.de/index.php/ach-doch-eins-noch-flyerpilotde-will-auch-abmahnen/

-.-

Quote
[....] Allen anschein nach scheinen immer mehr Firmen das Guerilliamarketing für sich zu entdecken, eine Abmahung an einen Blogger schreiben und schwups wird man in hunderten anderen Blogs erwähnt und viel häufiger nachgegooglet. Nachdem die mittlerweile berühmte NGO den Streit mit der Bloggerin nun mittlerweile beigelgt hat, scheint sich die nächste Firma ins Rampenlicht der Blogosphäre zu drängen.
Dieses mal trifft es Hessis Weblog, der seine negativen Erfahrungen zu einem Internetdruckservice berichtet. Da dieser Bericht sehr gut bei Google platziert ist haben auch andere dort ihre Meinung kund getan, und so ergab der Beitrag ein nicht unbedingt positives Bild des Anbieters. Das gefällt dem Anbieter natürlich nicht uns so wird der Blogger zur Abgabe einer Unterlassungserklärung aufgefordert. Wenn man bedenkt, dass dieses Schreiben im Auftrag einer Internetfirma erstellt wurde ist es erschreckend wie wenig Ahnung die vom Internet haben. Mein Lieblingssatz:

Quote
    Gleichzeitig informieren wir Sie darüber, dass wir uns auch an Google Deutschland wenden, um die Gründe für das Ranking ihrer privaten Seite auf Platz 2 der Trefferliste zu erfahren.


Aus: "Die Abmahnung als Werbemittel" (Glühweinjunkies; Autor: flash; Kategorie: Blogosphäre; Zeit: March 30, 2006 at 12:34 pm)
Quelle: http://www.gluehweinjunkies.de/blog/2006/03/30/die-abmahnung-als-werbemittel/

« Last Edit: March 30, 2006, 05:16:17 PM by Textaris »

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[Apple und die Pressefreiheit für Blogger]
« Reply #5 on: May 27, 2006, 04:06:39 PM »
Quote
[...] Apple unterlag mit einer Klage vor einem kalifornischen Gericht in San Jose. Das Unternehmen war bereits vor rund zwei Jahren gegen die Betreiber der Website PowerPage, AppleInsider und ThinkSecret vor Gericht gezogen.

Der Vorwurf lautete, die Betreiber hätten Firmengeheimnisse über eine Audio-Schnittstelle für FireWire – Codename Asteroid – ausgeplaudert. Apple wollte die Webmaster dazu zwingen, ihre Quellen offenzulegen, um die Informationslecks im eigenen Unternehmen aufspüren zu können. In erster Instanz hatte ein Gericht im März 2005 Apple Recht gegeben. Im April 2006 ging das Verfahren jedoch in Berufung.

In ihrem 69 Seiten umfassenden Spruch revidieren die Richter das Urteil der ersten Instanz und sprechen den Betreibern von Weblogs und Nachrichtenseiten im Internet dieselben Rechte auf Pressefreiheit zu, wie sie für Journalisten anderer Medien gelten. Dazu gehört unter anderem das Recht, die Namen von Informanten unter Verschluss zu halten. Die Argumentation von Apple, Blogger würden weder in kalifornischen noch in Bundesgesetzen erwähnt und "Asteroid" wäre überhaupt nicht einer Nachricht wert gewesen, ließen die Richter nicht gelten.

Das Gericht machte ebenfalls deutlich, dass Apple nicht die Internetprovider der Blogger zwingen darf, Verbindungsdaten herauszugeben, anhand derer sich die Kommunikation der Blogger zurückverfolgen ließe. Dies verbietet ein bereits 20 Jahre altes Gesetz zum Schutz der Privatsphäre in elektronischer Kommunikation. (bbe/c't)

Aus: "Apple und die Pressefreiheit für Blogger" (heise.de/newsticker; 27.05.2006)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/73582

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[the information battlespace]
« Reply #6 on: July 03, 2006, 12:17:58 PM »
Quote
[....] ARLINGTON, Va., June 29, 2006  – The Air Force Office of Scientific Research recently began funding a new research area that includes a study of blogs. Blog research may provide information analysts and warfighters with invaluable help in fighting the war on terrorism.

[...] “The fact that the web is a vast source of information is sometimes overlooked by military analysts,” Kokar said. “Our research goal is to provide the warfighter with a kind of information radar to better understand the information battlespace.”


Snatch from: "Blogs Study May Provide Credible Information - The Air Force Office of Scientific Research recently began funding a new research area that includes a study of blogs" By William J. Sharp / Air Force Office of Scientific Research Public Affairs (ARLINGTON, Va., June 29, 2006)
Source: http://www.defenselink.mil/transformation/articles/2006-06/ta062906b.html

« Last Edit: July 03, 2006, 12:20:40 PM by Textaris »

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[Zugriff auf Blogs]
« Reply #7 on: July 20, 2006, 09:04:26 AM »
Quote
[...] Die indische Regierung hat die 153 Internet Service Provider (ISP) des Landes angewiesen, den Zugang ihrer Kunden zu 17 Websites zu unterbinden. Medienberichten zufolge sind von der Sperre, die bereits in den vergangenen Tagen in Kraft getreten sein soll, auch bei internationalen Anbietern wie Googles Blogger.com gehostete Seiten betroffen. Nicht alle ISPs sollen der Aufforderung sofort nachgekommen sein, dennoch konnten zahlreiche indische Nutzer nicht auf die fraglichen Seiten zugreifen.

Über die Hintergründe der Maßnahme gibt es zahlreiche Spekulationen. Ein Zusammenhang mit den Bombenattentaten von Mumbai vom 11. Juli wird verbreitet für wahrscheinlich gehalten. So sollen einige der betroffenen Sites die religiösen Gefühle der Muslime verletzt haben und so in den Augen der Regierung ein Risiko für die innere Sicherheit darstellen. Weiter wird vermutet, die Aktion sei ein Versuch, die mögliche Kommunikation extremistischer Gruppen über Blogs zu unterbinden. Ein Regierungsvertreter hatte lediglich bestätigt, die zuständige Abteilung des Ministeriums für Telekommunkation habe den ISPs zwei Tage nach den Explosionen in Mumbai eine Liste mit Websites übermittelt, die im Interesse der Sicherheit blockiert werden sollten; ein direkter Zusammenhang mit den Anschlägen bestehe aber nicht.

[...] Indische Blogger sehen in dem Eingriff der Regierung einen eklatanten Verstoß gegen ihr Recht auf freie Meinungsäußerung. Besonders problematisch ist, dass einige ISPs mangels anderer technischer Mittel den Zugang zu ganzen Domains gesperrt haben und so zahlreiche nicht auf der Liste stehende Webseiten betroffen seien, darunter auch Mumbai Help, ein Blog für die Opfer der Bombenanschläge. Einem Bericht der BBC zufolge wurden bereits einige Beschwerden unter Bezugnahme auf ein neues Gesetz zur Informationsfreiheit eingereicht. In der Zwischenzeit finden sich in der indischen Blogosphäre zahlreiche Hinweise, wie die Sperre zu umgehen ist. Informationen und aktuelle Entwicklungen werden im Bloggers Collective und im Censorship Wiki zusammengetragen.

Indien ist bisher nicht als Land mit ausgeprägter Zensurpraxis aufgefallen. Mit dem neuen Telekommunikationsgesetz von 2000 wurde ein Computer Emergency Response Team (CERT) installiert, das neben der Überwachung der Netzsicherheit auch die Sperrung von Webseiten durch das Ministerium für Telekommunikation veranlassen kann. Nach einem Paragraphen für "ausgewogenen Informationsfluss" können Webseiten zum Beispiel gesperrt werden, wenn sie Pornographie enthalten oder Rassismus, Terrorismus oder Glücksspiel unterstützen. Eine nicht von diesem Passus gedeckte Sperrung würde allerdings gegen mehrere Artikel der indischen Verfassung verstoßen.


Aus: "Indische Regierung sperrt Zugriff auf Blogs" (19.07.2006)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/75682

-.-

Quote
[...] die Provider hatten die ganze Domain blockiert, obwohl sich die Sperrungsverfügung nur auf wenige einzelne Unterseiten bezogen hatte.

«Die Service Provider sind gebeten worden, der Order vom 13. Juli genau nachzukommen und ungehinderten Internetzugang sicherzustellen, ausgenommen nur die Websites, die von uns ausdrücklich erwähnt wurden», heißt es in einem Statement des Departments, aus dem die Nachrichtenseite «Dailyindia.com» zitiert. Was die Provider getan hätten, sei das Gegenteil von dem, was die Behörden hätten erreichen wollen.

Trotz der neuen Regierungsorder bleibt das Internet in Indien ein zensiertes Medium. (nz)


Aus: "Indien gibt Blogs wieder frei" (nz; 21. Jul. 2006)
Quelle: http://www.netzeitung.de/internet/426237.html

« Last Edit: July 23, 2006, 11:39:20 PM by Textaris »

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[die mir untersagt, ein Anwaltsschreiben zu veröffentlichen...]
« Reply #8 on: January 29, 2007, 02:39:54 PM »
Quote
[...] Bei der Ankündigung von Neuwahlen im Mai 2005 habe ich Franz Müntefering beim Wort genommen, bin in die SPD eingetreten und habe mich unter meinem eigenen Namen in die politische Diskussion eingebracht. Inzwischen erscheinen mir die Worte von Franz Müntefering, mit denen er mich bewogen hat, in die SPD einzutreten und mich für die Wiederwahl von Gerhard Schröder öffentlich zu engagieren, ebenso als Heuchelei wie mir die Deckelung der Abmahnkosten durch den Vorschlag von Brigitte Zypries als bewusst zur Irreführung der Öffentlichkeit ausgeworfene Nebelkerze erscheint.

Durch die Erfahrungen mit meiner Webseite bin ich inzwischen zu der Überzeugung gelangt, dass öffentliches Engagement von deutschen Politikern nur solange erwünscht ist, wie Duckmäuser den in den von ihnen kontrollierten Massenmedien verbreiteten Unfug nachplappern. Ebenso bin ich zwischenzeitlich davon überzeugt, dass öffentliches Gehör findende Meinungsäußerungen von vielen Politikern und einigen diesen Politikern nahestehenden Richtern und anderen Juristen nicht erwünscht sind, sondern als Gefahr der Aufdeckung von Straftaten und anderem Fehlverhalten ebenso konsequent wie listenreich bekämpft werden.

Mein grundgesetzlich garantiertes Recht auf Meinungsfreiheit ist in Deutschland offensichtlich nicht das Papier Wert ist, auf dem es gedruckt ist. Es ist absehbar, dass ich für die weitere Veröffentlichung meiner Rechercheergebnisse und meiner Meinung unter meinem eigenen Namen unter Missbrauch der Gerichte zumindest finanziell ruiniert oder gar ins Gefängnis gesperrt würde.

Nachdem ich in den letzten Tagen mit vier Abmahnungen belästigt worden bin und vom Landgericht Hamburg meine Verpflichtung zur Zahlung von mehr als 500 Euro “Anwaltskosten” für eine einstweilige Verfügung, die mir untersagt, ein Anwaltsschreiben zu veröffentlichen, bestätigt wurde, beabsichtige ich nun, keine neuen kritischen Beiträge auf meiner Webseite Mein-Parteibuch.de mehr zu veröffentlichen.

Marcel Bartels, 28.01.2007

Die Zensur hat gegen die Meinungsfreiheit damit allerdings nur scheinbar gewonnen.

Mein-Parteibuch.de wird zwar nun auf Druck der Zensur hin geschlossen werden, der Geist wird sich jedoch hoffentlich unter den für deutsche Zensoren schwerer zu attackierenden Adressen www.Mein-Parteibuch.com und www.Mein-Parteibuch.org fortentwickeln.


Aus: "Mein-parteibuch.de wird geschlossen" - von Marcel Bartels @ 19:46. abgelegt unter Über dieses Blog, Zensur (Offener Brief; 28. Januar 2007)
Quelle: http://www.mein-parteibuch.com/2007/01/28/mein-parteibuchde-wird-geschlossen/


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[Majestätsbeleidigung... (Karim Amer, Ägypten) ]
« Reply #9 on: February 01, 2007, 01:41:06 PM »
Quote
[...] Amnesty International macht auf die Verfolgung eines ägyptischen Bloggers aufmerksam. Er sieht 10 Jahren Knast entgegen, weil er Präsident Husni Mubarak beleidigt haben soll, die religiösen Autoritäten und den Islam.

Im deutschen Kaisserreich nannte man so etwas Majestätsbeleidigung, und Mitarbeiter des Satireblattes Simplicissimus wurden wegen vorlauter Äußerungen über den Kaiser schnell mal weggesperrt. Verbreitet jemand Unbotmäßiges über das Internet, macht es die autoritäre Regierung Ägyptens heute nicht anders, unterstützt von den Religionswächtern des Landes.

Karim Amer, ein früherer Student der Al-Azhar-Universität in Kairo, wird der Verbreitung von Informationen beschuldigt, die angeblilch dem Ruf Ägyptens schaden. Er soll den Präsidenten verleumdet und zum Hass gegen den Islam aufgestachelt haben.

Die Azhar-Universität ist die älteste, noch immer ausbildende Universität der Welt. Sie steht nur muslimischen Studenten offen, und das mit Geschlechtertrennung. Sie gilt als die Bildungsinstitution der islamischen Welt. Die ägyptische Regierung andererseits hat zumindest in religiösen Kreisen den Ruf, eher westlich orientiert zu sein.

Malcolm Smart von Amnesty erklärte dazu, dass das Verfahren gegen Amer offenbar dazu dienen soll, andere Blogger einzuschüchtern. Das sei "besonders besorgniserregend, da Blogger zunehmend Informationen über Verstöße gegen die Menschenrechte in Ägypten veröffentlicht haben, einschließlich Folter und Polizeigewalt gegen friedliche Demonstranten".


Aus: "Blogger geht 10 Jahre hinter Gitter" von Bernd Kling: 1 Februar 2007, 10:53 (Newsdesk Inquirer/bk)
Quelle: http://de.theinquirer.net/2007/02/01/blogger_geht_10_jahre_hinter_g.html

 Source #2: http://uk.theinquirer.net/?article=37358


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[für eine "gesündere Nutzung des Internets"... (China)]
« Reply #10 on: March 14, 2007, 11:09:56 AM »
Quote
[...] Peking - "Diese Informationstechnologien stellen eine neue Herausforderung für die Regierung dar, da sie die Überwachung des Internets erschweren", sagte der Direktor der Presse- und Verlagsverwaltung, Long Ximin, der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua. Die neuen Regelungen "sollen eine gesündere und aktivere Nutzung des Internets gewährleisten".

Die Regierung formuliere gerade neue Vorschriften für Veröffentlichungen im Internet, zu denen dann auch private Blogs und Webcasts zählten, sagte Long Ximin. Bereits seit dem vergangenen Jahr müssen sich Blogger amtlich registrieren lassen und können zur Rechenschaft gezogen werden. Internet-Tagebücher und audiovisuelle Online-Beiträge erfreuen sich in China großer Beliebtheit: Die Zahl der Blogger hat 20,8 Millionen erreicht. You-Tube-ähnliche Seiten mit Filmbeiträgen werden von etwa 76 der 137 Millionen Internet-Nutzer in China besucht, berichtete Xinhua. (tso/dpa)


Aus: "Internet: Peking will Blogger strenger kontrollieren" - China will die Kontrolle über die rasant wachsende Zahl von Internet-Veröffentlichungen wie Blogs oder Webseiten mit audiovisuellen Beiträgen weiter verschärfen - für eine "gesündere Nutzung des Internets" (ZEIT online, Tagesspiegel | 13.03.2007)
Quelle: http://www.zeit.de/news/artikel/2007/03/13/95607.xml


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[Abmahnungen an Blogger häufen sich...]
« Reply #11 on: April 17, 2007, 01:19:03 PM »
Quote
[...] Der Argwohn gegen Blogger wächst. Immer häufiger bekommen sie für ihre Kommentare im Netz eine Abmahnung seitens eines Unternehmens oder einer Privatperson. Diese bezeichnen das Geschriebene dann als „üble Nachrede“ und schicken ihre Anwälte ins Rennen.

Dabei kommt es nicht darauf an, ob der Kommentar sich in einem großen kommerziellen großen Blog befindet, von hundert Usern am Tag angeklickt wird, oder gar keine Leser hat. Mit dem Argument, potentiell gesehen könnte die gesamte Internetwelt auf das Geschriebene zugreifen, gelten für alle Brogger die gleichen Gesetze.

Auch keinen Unterschied macht das Recht, ob es sich, wie häufig der Fall, um einen ahnungslosen Teenager handelt, welcher sich ausschließlich einen Spaß machen wollte oder um eine vorsätzliche Geschäftsschädigung. Die Unternehmen verstehen in dieser Hinsicht nicht mehr viel Spaß. Die Bloggerszene wächst seit Jahren an und wirkt sich meinungsbildend aus.

Aus Angst vor weiteren sehr viel höheren Kosten zahlen viele Blogger die teuren Abmahnungen der Anwälte. Diese belaufen sich auf ca. 500 bis 1500 ¤. Auch eine Unterlassungserklährung geht häufig damit einher. Wenn der Blogger nicht bezahlt und es auf einen Prozess bis zur zweiten Instanz ankommen lässt, können die Kosten locker auf bis zu 20000 Euro hochschießen, so sinngemäß Strafverteidiger Udo Vetters gegenüber tagesschau.de.

Besonders die Tatsachenbehauptung wird hier zum Verhängnis. Zu schreiben, dass „Das Hotel soundso blöd ist“, kann vor Gericht beispielsweise als üble Nachrede, Geschäftsschädigung oder Enthüllung von Geschäftsgeheimnissen gelten. Dies kann man umgehen, indem man schreibt: „Ich finde, dass...“ Dies ist die vom Grundgesetz geschützte eigene Meinung, und somit nicht strafbar.

Die Meinungsfreiheit wird durch diese Tatsachen, die viele Blogger sicherlich beim schreiben ihrer Texte im Hinterkopf haben, eingeschränkt. Kaum eine Privatperson hat das Geld, einen teuren Prozess gegen einen finanziell weitaus besser gestellten Gegner aus der Wirtschaft durchzuhalten -auch wenn sie im Recht ist.


Aus: "Abmahnungen an Blogger häufen sich" Von Ilva Gräve (16. April 2007)
Quelle: http://www.berlinerumschau.com/index.php?set_language=de&cccpage=16042007ArtikelMedien1

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[Die Freiheitsdifferenz...]
« Reply #12 on: May 21, 2007, 10:00:01 AM »
Quote
[...] Blogger im Angestelltenverhältnis müssen ihre Worte sorgfältiger wählen als ihre freibeuterischen Internet-Kollegen. Die Aufregung um einen giftigen Kommentar illustriert diese Freiheitsdifferenz.   

[...] Internet-Kommunikation ist mehr als nur die technische Erweiterung traditioneller publizistischer Möglichkeiten. Das musste in der letzten Woche der Springer-Verlag erfahren, der doch gerade erst mit dem Neustart des Online-Auftritts seiner Tageszeitung «Die Welt» an die Spitze der Web-2.0-Bewegung rücken wollte. Zu den Vorzeigestücken der «Welt»-Website gehört die Adresse http://debatte.welt.de, die ein offener Kommunikationsraum für die Kommentare professioneller Journalisten, für Blogs von Redaktoren und freien Autoren und für die ganze Bandbreite der Lesermeinungen sein soll. Jetzt hat die Löschung eines Blog-Eintrags aus der Feier eines neuen publizistischen Modells eine Debatte über Zensur gemacht und zu Ärger im Verlag geführt.

Denn der skandalisierte Blog-Beitrag «Wir sind Papst!», der am Dienstagabend vergangener Woche ins Netz gestellt wurde und bereits am folgenden Vormittag wieder gelöscht wurde, führte zum Krieg im eigenen Haus. Alan Posener, der «Kommentarchef» der «Welt am Sonntag», attackierte darin frontal den Chefredaktor der «Bild»-Zeitung, die ebenfalls im Springer-Verlag erscheint. Der ausgesprochen streitlustige Posener, der in den siebziger Jahren eine Phase politischer Sozialisation im Milieu kommunistischer Studentenzirkel durchlebte, dann aber zu einem entschiedenen Liberalismus konvertierte, fühlte sich durch die Ankündigung herausgefordert, «Bild»-Chef Kai Diekmann werde im Herbst mit dem Buch «Der grosse Selbstbetrug» eine weitere Abrechnung mit der Studentenrevolte und ihren Folgen vorlegen.

«Die 68er zwingen ihn heute, täglich auf der Seite 1 eine Wichsvorlage abzudrucken und überhaupt auf fast allen Seiten die niedrigsten Instinkte der ‹Bild›-Leser zu bedienen, gleichzeitig aber scheinheilig auf der Papst-Welle mitzuschwimmen», polemisierte Posener in jenem Ton, den gerade erst der Schriftsteller Gerhard Henschel in seiner «Bild»-Vernichtung «Gossenreport» angeschlagen hatte. Es gab noch mehr Zeichen einer bemerkenswerten Selbstkritik im Hause Springer: Zur selben Zeit stand auf der Internet-Seite der Axel-Springer-Akademie, die Journalisten ausbildet, ein «JEP-Blog» mit scharfer Kritik an der «würdelosen Vorführung eines kranken Menschen» in einem Video auf der Website der «Bild»-Zeitung. Posener selber hatte das Boulevardblatt am gleichen Ort und mit ähnlichen Formulierungen im letzten September schon einmal angegriffen und damals geschrieben: «Manchmal wünscht man sich die Zensur zurück.»

Jetzt kam die Zensur zurück. Christoph Keese, Chefredaktor der «Welt am Sonntag» und verantwortlich für Welt Online, liess den Text von der Seite nehmen. In einer Presseerklärung rügte der Verlag die Veröffentlichung als «Entgleisung eines einzelnen Mitarbeiters» und «höchst unkollegiale Geste», die «ohne Wissen der Chefredaktion» erfolgt sei.

Diese Erklärung, die das Bekenntnis zu Meinungspluralismus mit der Absage an «Selbstprofilierung durch die Verächtlichmachung von Kollegen» verknüpft, ist ebenso hilflos wie die Löschung von Poseners Kritik. Denn im Internet geht eine solche Massnahme ins Leere. Verschiedene Blogger haben den Originaltext kopiert und auf ihre Seiten gestellt, so dass er nach wie vor zu lesen ist (etwa auf http://lizaswelt.blogspot.com). Nun wird das Stück erst recht zum Objekt einer medial angefachten Aufmerksamkeit. Zugleich müssen sich die unabhängigen Blogger, die die Debattenseite von Welt Online für ein neues Publikum attraktiv machen sollen, bohrende Fragen nach den Grenzen ihrer Freiheit gefallen lassen. Nur wenn ihre Aura des unkontrolliert subjektiven Ausdrucks gewahrt bleibt, haben sie ihren Reiz für die Zielgruppe. Das lässt sich offenbar nicht ohne Konflikte ins herkömmliche System des professionellen Journalismus integrieren. Jedenfalls dann nicht, wenn diese Blogs und ihre Kritik so wie bei Posener prominent placiert auf der Website der Zeitung ins Auge fallen.

Bei Springer scheint man sich deshalb entschlossen zu haben, das Experiment mit solchen Formen einer unkontrollierten Publizistik zu beenden. In einem Interview mit der Onlineausgebe der «Süddeutschen Zeitung» unterschied Christoph Keese am Montag scharf zwischen «professionellem Journalismus» und Blogs und wandte sich gegen eine Vermischung: «Deshalb sollten professionelle Journalisten bei ihrer normalen Tätigkeit auf einer journalistisch professionell betriebenen Website keine subjektiven Blogs verfassen.» Der Freiraum der Blogger, die bisher auf Welt Online unredigiert publizieren konnten, wird geschlossen. Wenn es eine Fortsetzung für Poseners Blog überhaupt geben sollte, so wird dieser künftig redaktionell kontrolliert. «Eine binnenredaktionelle Pressefreiheit gegenüber dem Chefredaktor kann es nicht geben», sagt Keese. «Das ist keine Zensur, sondern normaler Journalismus.» Man wird sehen, ob der Druck neuer netzbasierter Kommunikationsformen auf Traditionsmedien so einfach aus der Welt zu schaffen sein wird.


Aus: "Der Preis der Lohntüte" - Ein Presse-Blogger wird zurückgepfiffen (18. Mai 2007, Neue Zürcher Zeitung)
Quelle: http://www.nzz.ch/2007/05/18/em/articleF6PLR.html


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["wenn sie der Nation dienen"... (Notiz)]
« Reply #13 on: June 06, 2007, 12:18:53 PM »
Quote
[...] Drei Soldaten stehen vor ihrer Baracke, rauchen, unterhalten und entspannen sich. Plötzlich ein Geräusch: "fupp, fupp, fupp", eindeutig Mörserfeuer. Doch die drei sind sich einig: Die Salve wurde aus ihrem eigenen Lager abgefeuert, kein Grund sich aufzuregen. Dann bricht das Chaos aus. In das Nebengebäude schlagen Granaten ein, die drei werden durch die Luft geschleudert, flüchten panisch in ihre Baracke, stolpern über Sandsäcke. Weitere Soldaten folgen ihnen, stürzen, fallen, suchen irgendwo Schutz.

Mit Szenen wie diesen beschreibt der US-Gefreite Edward Watson seinen Alltag im Irak. An drastischen Beschreibungen mangelt es nicht in seinem Blog, "Eighty Deuce on the loose in Iraq," frei übersetzt etwa: "Die 82. unterwegs im Irak". Eine Anspielung darauf, dass Watson in der 82. Airborne, einer Luftlandeeinheit, dient. Schon die martialische Aufmachung seines Blogs, an dem rote Farbfäden wie Blut herunterzulaufen scheinen, spricht Bände: Watson berichtet aus seinem Alltag an der Front, ohne dabei ein Blatt vor den Mund zu nehmen und ohne an schmutzigen und blutigen Details zu sparen - bis jetzt.

Denn mit dem freien Bloggen ist es für Watson vorerst vorbei. Sein Vorgesetzter hat sich den 25-jährigen Zugführer aus North Carolina vorgenommen und ihm klargemacht, dass er mit seinen Erfahrungsberichten gegen Bestimmungen der US-Army (mehr...) verstoße. Der Unteroffizier habe ihm dann gesagt, so Watson, was er veröffentlichen könne und was er für sich behalten solle - und angekündigt, dass sein Blog künftig regelmäßig kontrolliert werde.

[...] Watson werde wegen seines Blogs keine Probleme bekommen, versicherte Major Thomas Earnhardt als Sprecher der 82. Luftlandedivision im Irak.

"Wir ermutigen unsere Soldaten, sich zu äußern und zu sagen, was sie von ihrem Einsatz halten und was sie darüber denken, wenn sie der Nation dienen." Watson kündigte an, dass er nach seiner Rückkehr aus dem Irak ausführlicher über seine Erfahrungen berichten wolle, möglicherweise in einem Buch.

mak/AP


Aus: "ARMY-BLOGGER: US-Militär zensiert Irak-Blog" (05. Juni 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,486686,00.html

-.-

Quote
[...] Naja nach dem ich ja länger nichtsmehr gepostet habe ist nun hier der Finale eintrag, ich werde zum Ende dieser Woche den Blog auflößen, da nach dem hickhack mit der Bundeswehr mein interesse an diesem "Verein" mehr als nur gleich 0 ist!


Aus: "Ende 7.11.2006 - 07:16" (Zero)
Quelle: http://www.bundeswehr-blog.net.ms/


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[Blogger als Gefahr für nationale Sicherheit... (Notiz)]
« Reply #14 on: June 17, 2007, 01:49:15 PM »
Quote
[...] Jetzt hat das US-Justizministerium einen Vorschlag des Kongresses abgelehnt, der Blogger und Journalisten davor bewahren sollte, ihre vertraulichen Quellen bekannt geben zu müssen. Dass Blogger damit geschützt würden, würde sie nach Meinung der Bush-Regierung zu einer großen Gefahr für die nationale Sicherheit und staatliche Verbrechensbekämpfung machen.

Die letzte Version des Free Flow of Information Act würde jeden schützen, der im Bereich des Journalismus tätig ist. Dies ist definiert als "Erfassen, Vorbereiten, Sammeln, Fotografieren, Aufnehmen, Schreiben, Editieren, Berichten oder Herausgeben von Nachrichten oder Informationen für die Öffentlichkeit, die lokale, nationale und internationale Events oder Angelegenheiten des öffentlichen Interesses betreffen".

William Safire, langjähriger Kolumnist der New York Times, lobt die aktuelle Definition des Gesetzesentwurfes, da sie sich mit den Tätigkeiten der Journalisten und nicht mit ihrer Zugehörigkeit befasse. "Wenn die Tätigkeit danach ausgerichtet ist, die Öffentlichkeit zu informieren, dann ist man ein Journalist, egal, ob man dafür bezahlt wird oder nicht", lautet seine Ansicht. Er und die anderen Befürworter sind der Meinung, dass ein derartiger Schutz nötig ist, da in den vergangenen Jahren unverhältnismäßig viele Journalisten über ihre Quellen verhört wurden.

Die Regierung behauptet allerdings, dass es dafür keine Beweise gebe. Außerdem gebe es strikte interne rechtliche Richtlinien, um die richtige Balance zwischen der Pressefreiheit und den ermittlungstechnischen Bedürfnissen einzuhalten. "Aktuell ist die Definition von Journalismus so weit gefasst, dass sie wirklich jeden einschließt, der im Internet irgend etwas veröffentlicht", meint Rachel Brand, Assistenz-Rechtsanwältin im Justizministerium.

"Jeder, der rechtliche Schritte vermeiden will, wird einfach einen Blog herausgeben, um journalistischen Schutz zu erhalten", warnt der Repräsentant Brad Sherman. Einige Republikaner haben gegen den Gesetzesentwurf gestimmt, weil er auch jedem mutmaßlichen Journalisten, der falsche oder unverantwortliche Information veröffentlicht, einen unangemessenen Schutz bietet. "Die Beweislast liegt jetzt bei den Medien. Sie müssen zeigen, dass sie mit einem solchen Schutz auch verantwortungsbewusst umgehen können", sagt der ehemalige Vorsitzende des Rechtsausschusses, Jim Sensenbrenner.

Doch selbst die Gegner des Gesetzesentwurfes wie der Rechts-Professor der George Washington University, Randall Eliason, mussten letztendlich zugeben, dass "jede engere Definition im Konflikt mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung steht".


Aus: "US-Recht: Bush-Regierung sieht Blogger als Gefahr für nationale Sicherheit" Von Anne Broache und Katharina Guderian (15.06.2007)
Quelle: http://www.silicon.de/enid/wirtschaft_und_politik/27766