Author Topic: [Körperdaten... (Datenbanken, Genetik und Biometrie)]  (Read 17050 times)

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[Biometrische Einlasskontrolle in dänischen Nachtclubs... ]
« Reply #15 on: August 10, 2008, 10:23:23 AM »
Quote
[...] Immer mehr dänische Nachtclubs und Diskotheken verlangen beim Einlass von ihren Gästen Fingerabdrücke. Damit sollen Gewalttäter besser identifiziert, aber auch Gewalt vermieden werden, berichtet die Tageszeitung Stuttgarter Nachrichten aus Kopenhagen. Als erstes hat das Crazy Daisy in Viborg im Juni vom Datenschutzamt Datatilsynet die Genehmigung für ein Gästeregister mit Fingerabdrücken bekommen. Nun wollen weitere Nachtclubs wie zum Beispiel das Luux in Kopenhagen folgen.

Gäste, die das erste Mal das Crazy Daisy besuchen, müssen eine Vereinbarung unterschreiben, dass sie mit der Speicherung ihrer Daten einverstanden sind. Für das Register werden sie fotografiert und ihre Fingerabdrücke genommen. Außerdem werden neben dem Namen die Adresse, Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Geburtsdatum, Geschlecht und Anmeldezeitpunkt erfasst – sowie ein Vermerk über ein eventuelles Hausverbot. Auf diese Daten soll im Fall einer Straftat die Polizei zugreifen dürfen.

Das Erfassungssystem im Crazy Daisy stammt von der dänischen Firma MCB. Derzeit werden die Daten lokal auf einem PC erfasst und auf einem externen Server verschlüsselt abgespeichert. Die Interessenorganisation Nox, dem auch das Crazy Daisy angehört, würde gerne die Daten aller Clubs in einer Datenbank vereinen, die dann für alle Nachtlokale zugänglich sein soll. Ein solches Vorhaben war für die Website Glubbin.com geplant, doch das lehnte das dänische Datenschutzamt im Juli ab.

Zudem sind nicht alle dänischen Nachtclubbetreiber mit den Plänen einverstanden. Übermäßige Überwachung könne den Gästen den Spaß verderben, lautet die Begründung. Juristen merken außerdem an, viele Gäste seien zu betrunken, wenn sie in einen Nachtclub wollen. Ihre Unterschrift zur Erfassung der Fingerabdrücke sei daher rechtlich nicht bindend.

Die Betreiber des Crazy Daisy hatten gegenüber dem Datenschutzamt angegeben, die einheitliche Kontrolle von 800 bis 1000 Gästen in kurzer Zeit sei nicht möglich. Das Kontrollsystem solle auch eingesetzt werden, um die Warteschlangen zu verkürzen, in denen sich sonst Frustration staue und es zu gewalttätigen Übergriffen kommen könne.

Im Luux soll die moderne Zugangskontrolle in einem Monat eingeführt werden. Einer der Mitarbeiter erläutert laut dem Bericht, es sei auch für die Eltern der 18-Jährigen wichtig zu wissen, was für Leute in den Clubs sind, in denen ihre Kinder verkehren. Diese Generation sei dank Facebook und anderen Internetanwendungen bereits daran gewöhnt, sich mit Personalien und Bildern zu registrieren. (anw/c't)

Quote
8. August 2008 14:10
Was sind das für Begründungen?
LosUr (146 Beiträge seit 02.03.06)

"Einer der Mitarbeiter erläutert laut dem Bericht, es sei auch für
die Eltern der 18-Jährigen wichtig zu wissen, was für Leute in den
Clubs sind, in denen ihre Kinder verkehren. Diese Generation sei dank
Facebook und anderen Internetanwendungen bereits daran gewöhnt, sich
mit Personalien und Bildern zu registrieren."

1. Was geht die Eltern es an, was ihre Kinder machen? Vor allem wie
können die auf die Daten zugreifen um so zu wissen, was für Leute in
dem Club sind?

2. Nur weil Facebook etc. gerne Daten sammeln, die die User
bereitstellen, müssen es Discos etc. nicht auch noch machen...


Quote
8. August 2008 14:11
Diesmal sind es "nur" Nachtclubs...
The Independent (mehr als 1000 Beiträge seit 26.07.00)

...morgen könnten es Bibliotheken oder öffentliche Verkehrsmittel
werden. Wehret den Anfängen! Schützt eure Privatsphäre!


Quote
8. August 2008 14:16
Die Eltern von 18jaehrigen ... (Editiert vom Verfasser am 08.08.08 um 14:16)
copyandpaste (257 Beiträge seit 22.04.08)

... geht es einen Dreck an was ihre Erwachsenen "Kinder" machen. 18
jahre heisst selbstaendig, und da haben auch Eltern kein Recht zu
schnueffeln.


Quote
8. August 2008 14:52
Man muss ja nicht in diese Clubs gehen.
FrogmasterL (mehr als 1000 Beiträge seit 02.11.05)

Nur wird langsam echt spürbar, dass die unüberwachten Freiräume immer
enger werden. Zumal nach nach einem Verbrechen im näheren Umkreis um
so einen Club bestimmt die Polizei Einsicht in die Datenbanken haben
will.


Quote
8. August 2008 14:26
London -> idscan biometrics
init6 (111 Beiträge seit 14.11.03)


"Clubscan is a voluntary system where customers agree to have their
id scanned to create, safe, secure and enjoyable environments, where
both customers and staff can enjoy a wonderful nights entertainment."

>> http://www.idscan.co.uk/

Schon laenger im Einsatz, netzwerkfaehig. Club X mag Dich nicht mehr,
Club Y und Z koennen das sehen und Dir ebenfalls den Eintritt
verwehren.

Gruss,
init6





Aus: "Biometrische Einlasskontrolle in dänischen Nachtclubs" (08.08.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Biometrische-Einlasskontrolle-in-daenischen-Nachtclubs--/meldung/114026


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[Die Speicherung von DNA-Profilen... (USA)]
« Reply #16 on: April 20, 2009, 10:07:21 AM »
Quote
[...] Die US-Polizeibehörden weiten einem Bericht der "New York Times" ("NYT") zufolge die Speicherung von DNA-Profilen massiv aus.

Demnach werden in den Datenbanken der Ermittler nicht nur die DNA-Muster verurteilter Straftäter gespeichert. Seit Anfang April sei die Bundespolizei FBI dazu übergangen, auch die DNA-Profile von Angeklagten und festgehaltenen Einwanderern zu speichern, so die Zeitung.

Das FBI verfügt laut "NYT" über eine Datenbank mit 6,7 Millionen DNA-Profilen. Derzeit wachse das Register jährlich um 80.000 Einträge. Angesichts der Speicheroffensive dürfte das Wachstum bis 2012 aber auf 1,2 Millionen Profile neue DNA-Profile pro Jahr ansteigen.

Auch in immer mehr US-Bundesstaaten setzten die Ermittler auf die Massenspeicherung von DNA. Laut "NYT" erstellen 16 US-Bundesstaaten sogar bei kleinen Vergehen und Ordnungswidrigkeiten DNA-Profile. In einigen Staaten wie Kalifornien reiche eine Festnahme aus, um in den DNA-Datenbanken der Polizei zu landen. In 35 US-Staaten werde auch die DNA von minderjährigen Straftätern gespeichert.

Die Strafverfolgungsbehörden argumentieren, dass durch eine Ausweitung der DNA-Datenbanken mehr Gewaltverbrechen aufgeklärt werden könnten. DNA-Proben hätten dabei geholfen, Tausende Kriminelle zu überführen und mehr als 200 unschuldig Verurteilte zu entlasten.

Scharfer Protest kam von einem Anwalt der Bürgerrechtsbewegung ACLU, der ein solches Vorgehen bei geringfügigen Vergehen - etwa das Ausstellen ungedeckter Schecks und Ladendiebstahl - für verfassungswidrig hält.


Quote
hat aber lange gedauert bis die Westeuropäer

buccsdenpirat, vor 13 Stunden, 59 Minuten

und die USA endlich draufgekommen sind das das Überwachungssystem in der Sowjetunion und der DDR doch gut für den Staat war und nicht so schlimm wie man damals tat. Reisefreiheit, Wahlrecht reicht aus. Sind wir doch mal ehrlich: Wer nichts krummes dreht hat nichts zu befürchten! Die Behörden sollten auch das Recht erhalten nach eigenen ermessen jede Wohnung genau inspiezieren zu dürfen, auch ohne richterlichen Beschluss. Mir ist leiber 2x am Tag wird meine Wohnung vond en Behörden auf den Kopf gestellt als ich falle einen Bombenanschlag z.B. bei Interspar oder im Rathaus zum Opfer. Wie gesagt: Wer ehrlich ist, hat nix zu befürchten!

Quote
    *
      Wer nichts zu verbergen hat...

      oberklugscheisser, vor 11 Stunden, 3 Minuten

      ... ist Scientologe oder nicht ganz dicht! Die ehrlichen haben sehr wohl etwas zu befürchten: Missbrauch von gespeicherten Profilen als auch falsche Anschuldigungen und Verurteilungen aufgrund von Irrtümern, oder weil ihre Fingerabdrücke oder DNA aus irrelevanten Gründen zufällig am Tatort vorhanden ist. Meine Fingerabdrücke und meine DNA gehören MIR! Und die habe ich sehr wohl aus den genannten Gründen zu verbergen, auch als ehrlicher Mensch!



Quote
Unter diesen Umständen,

ldir, vor 19 Stunden, 25 Minuten

hätte ich wohl auch mehr Angst vor dem Staat als vor Verbrechern.
In dem Zusammenhang interessant: Vor einigen Wochen gab es ein Interview bei dem enthüllt wurde dass ein Verbrecher Taschentücher und Zigarettenstummel auf der Straße gesammelt hat, um sie dann an seinen Arbeitsstellen (er ist Einbrecher) zu hinterlassen, mit der Absicht die DNA Datenbank absurd zu machen.
Demnach dürften DNA-Beweise gar nicht mehr so zuverlässig sein. Bin gespannt wie viele bereits wegen falschen DNA Analysen im Knast sitzen.
Dass 200 Leute in USA entlastet wurden, ist schön und gut, aber wie viele davon waren es nach vollstreckten Todesstrafen?


Quote
noch nie war es einfacher zu virtualisieren

cyana, vor 21 Stunden, 35 Minuten

Der Slogan des MS-Ads, das wohl zufällig neben diesem Artikel steht, trifft punktgenau das Dilemma. Noch nie war es einfacher, Identitäten durch Daten zu ersetzen. Im Reisepass. Im Polizeiakt. In der Medizin. In der res publica.

Und nie war es leichter, Identitäten zu stehlen. Zu missbrauchen.

Deine genetischen Spuren am Tatort, auch wenn du nie dort warst. Deine Festplatte voller Kinderpornos, auch wenn du nicht einmal wüßtest, woher du dieses Material beziehen könntest, selbst wenn du es wolltest.

Wir werden erpressbar. Leicht. Subtil. Sauber. Elegant. Willkommen im Dritten Rei.. *ahm* Jahrtausend

Quote
joeduck, vor 10 Stunden, 13 Minuten

      erwähnt man das aber wird das immer abgetan als das Werk einiger weniger Spinner, das einem selbst ja ausserdem sowieso niemals trifft.

      Das schlimmste an der ganzen Sache finde ich ist, das die Politiker sich dieser Probleme scheinbar gar nicht bewusst sind, sonst würde man DNA Profile, etc nicht so gedankenlos pushen und als DAS Mass der Dinge anpreisen.






Aus: "ÜBERWACHUNG - USA weiten DNA-Datenbanken aus" (19.04.2009)
Quelle: http://futurezone.orf.at/stories/1602464/


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[Auf dem Weg zur zentralen biometrischen Bürgerdatenbank?... ]
« Reply #17 on: September 19, 2009, 09:01:15 AM »
Quote
[...] Gleich zu Beginn der BIOSIG 2009 redete Richard Rinkens Klartext. Rinkens ist als "Biometric Matching System Manager" bei der EU mit dem Aufbau des Visa Informationssystems VIS beschäftigt, das etwa ab Juni 2010 im Schengener Informationssystem II (SIS II) ein einheitliches Vorgehen aller EU-Staaten erforderlich macht.

"Machen wir uns nichts vor", sagte Rinkens, "die neuen ePässe sind praktisch nutzlos, soweit es die Fingerabdrücke anbelangt. Diese Fingerabdrücke können leicht von Gläsern und anderen Gegenständen kopiert werden. Mein Sohn kann das vormachen." Auch das Einkopieren der Daten in die Pässe sei von Hackern demonstriert worden. Darüber hinaus habe ein Test mit getauschten ePässen von zehn Personen gezeigt, dass man damit ohne Probleme die Passkontrollen eines Flughafens passieren kann. Nach dem Fälschen der Fingerabdrücke werde sicher das Fälschen der biometrischen Gesichtsinformationen folgen, danach das Fälschen der DNA. Eine mögliche Lösung in diesem Dauerrennen zwischen Behörden und Fälschern nannte Rinkens: "Multi-modal, high-quality Biometrics .... in central databases."

Diese zentralen Datenbanken, die von besonders geschulten Spezialisten für die Abnahme von Fingerabdrücken gefüllt werden, sollen zunächst einmal dem Visa-Betrug Einhalt gebieten. Rinkens spielte in seinem Referat mehrere Szenarien durch, wie heute Emigranten nach Europa einreisen, dann ihren Pass (mit Aufdruck-Visum) "verlieren" und anschließend in mehreren Ländern "Asyl" beantragen und daneben womöglich "als Terroristen oder Mafia-Killer arbeiten". Gegen all diese Bedrohungen könne nur ein Visa-System helfen, in dem erstklassige Fingerabdrücke von allen zehn Fingern in sämtlichen Konsulaten jedes EU-Landes erst national gespeichert und anschließend einer zentralen Datenbank zugeführt würden. Das zentrale VIS mit qualifizierten Fingerabdrücken müsse auch dann befragt werden, wenn EU-Fremde Europa verlassen, so Rinkens. Wer die Kontrollschlangen vermeiden wolle, werde sich rechtzeitig bei einem Programm wie der Border Control in Frankfurt anmelden müssen.

Die Kritik des EU-Experten am ePass bildete den einen Teil der Klammer, die den ersten Tag der BIOSIG 2009 einrahmte. Am Ende des Tages wurde über das neue niederländische Passgesetz diskutiert, das seit dem 1. September in Kraft getreten ist und allgemein als europäischer Vorreiter gilt: Alle Fingerabdrücke für den Reisepass werden zentral gespeichert und können von den Behörden abgefragt werden. Dieses System solle vor allem die Arbeit der niederländischen Ermittler in Katastrophenfällen und bei Großschadenslagen erleichtern, bei denen viele Tote zu beklagen sind, betonte Diskussionsleiter Max Snijder vom European Biometrics Forum. Daneben soll die Zentraldatenbank für Fahndungszwecke bei Kapitalverbrechen, aber auch allgemein in Situationen abgefragt werden können, die die innere Sicherheit des Staates bedrohen. Dem Datenschutz soll dadurch Rechnung getragen werden, dass Rasterabfragen nicht erlaubt sind, sondern nur 1:n-Abfragen der Art, ob ein Fingerabdruck gespeichert ist.

Gegen das System wandte Thomas Probst vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz in Schleswig-Holstein ein, dass Begehrlichkeiten anderer (ausländischer) Behörden geweckt würden. Außerdem könnte auf die Speicherung von Fingerabdrücken die Speicherung biometrischer Gesichtsbilder folgen: "Die Privatsphäre wird Schritt für Schritt aufgelöst", kritisierte Probst. Klaus Keus vom BSI bezweifelte hingegen, dass ein vergleichbares System in den nächsten 10 bis 15 Jahren in Deutschland eingeführt werde, weil die Ängste der Bevölkerung zu groß seien. Ganz anders argumentierte Michiel van der Veen von priv-ID, einem Spin-off des niederländischen Philips-Konzerns. Er verglich die zentrale Fingerabdruck-Datenbank mit dem Banksystem, dem viele Menschen vertrauen würden. Von den Veranstaltern machte Christoph Busch darauf aufmerksam, dass ein solches System nur Templates von Fingerabdrücken speichern kann und damit ein gewisser Schutz der Privatsphäre vorhanden sei.

Inwieweit der niederländische Vorstoß eine Verpflichtung für andere EU-Partner bedeutet, ebenfalls eine zentrale Datenbank zu installieren, wurde nicht diskutiert. Immerhin beruft sich die niederländische Regierung auf die Verordnung 2252/2004 des EU-Rats vom 13. Dezember 2004, die ihrer Ansicht nach eine klare Aufforderung zu Gemeinschaftsmaßnahmen bei der zentralen Speicherung von Fingerabdrücken enthält.

(Detlef Borchers) / (pmz/c't)


Quote
18. September 2009 15:31
Ach machen wir uns doch nichts vor
Kressmann (543 Beiträge seit 25.09.07)

War doch eh klar, daß das früher oder später so kommt.

Der Resignation nahe,

Euer Kressmann





Aus: "BIOSIG 2009: Auf dem Weg zur zentralen biometrischen Bürgerdatenbank?" (18.09.2009)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/BIOSIG-2009-Auf-dem-Weg-zur-zentralen-biometrischen-Buergerdatenbank--/meldung/145519


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[Streit um Biometrie-Datenbank in Israel... ]
« Reply #18 on: November 18, 2009, 11:29:31 AM »
Quote
[...] Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat am Montag eine Abstimmung in der Knesset kurzfristig abgesagt, bei der es um die Verabschiedung eines Gesetzes gehen sollte, das die biometrische Erfassung der israelischen Bevölkerung vorsieht. Laut der Tageszeitung Jerusalem Post reagierte Netanjahu damit auf Proteste von Parteifreunden im Likud-Block sowie der Arbeitspartei (Avoda), die zu den sechs politischen Kräften gehört, die derzeit die Regierungskoalition bilden. Bürgerrechtler hatten zudem angekündigt, Klage beim höchsten israelischen Gericht einzureichen, sollte das Gesetz verabschiedet werden.

Das vom früheren israelischen Innenminister Meir Sheetrit (Kadima-Partei) angestoßene Gesetz sieht vor, dass Lichtbilder und jeweils zwei Fingerabdrücke von allen Israelis erfasst und in einer zentralen Datenbank gespeichert werden. Genutzt werden sollen die biometrischen Informationen – ähnlich wie in anderen Ländern – unter anderem für die Ausstellung neuer elektronischer Identitätsdokumente. Als Besonderheit in Israel ist jedoch geplant, dass es zwei getrennte Datenbanken geben soll: eine für die biometrischen Daten und eine, in der Namen und Anschriften der ePass- oder ID-Card-Inhaber hinterlegt sind. Zusammenführen will man die Datensätze über Codes.

Die Protagonisten des Gesetzes versprechen sich von der Trennung eine Erhöhung der Sicherheit: Hackt ein Angreifer die Biometrie-Datenbank, könne er mit den Informationen nur wenig anfangen, da ihm der Schlüssel für die Zuordnung zu einer bestimmten Person fehle. "Auf einer Skala von 1 bis 10 liegt unser Schutz bei 11", zitiert die Jerusalem Post Sicherheitspolitiker Sheetrit, der derzeit dem Technologie- und Wissenschafts-Komitee der Knesset vorsteht. Doch daran glauben nicht alle: "Das System schafft eine Atmosphäre der Angst vor dem Verlust unserer persönlichen Daten", warnt etwa der Likud-Minister Michael Eitan. Laut der Jerusalem Post könnte das Gesetz bereits in der kommenden Woche erneut auf der Abstimmungsagenda der Knesset stehen. (pmz/c't)




Aus: "Streit um Biometrie-Datenbank in Israel" (16.11.2009)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Streit-um-Biometrie-Datenbank-in-Israel-860902.html


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[Dabei gehe die Polizei davon aus... (GB)]
« Reply #19 on: November 25, 2009, 10:04:40 AM »
Quote
[...] Die britische Polizei nimmt nach Erkenntnissen einer Regierungskommission immer wieder Unschuldige ausschließlich zur Gewinnung ihrer DNA-Daten fest. Mittlerweile seien auf diese Weise die genetischen Profile von knapp drei Vierteln aller schwarzen Männer zwischen 18 und 35 Jahren in der britischen DNA-Datenbank gespeichert, wie die Kommission für Humangenetik am Dienstag mitteilte. Derzeit seien darin die DNA-Profile von rund 5,9 Millionen Menschen zu finden, was einem Anstieg um 40 Prozent binnen zwei Jahren entspreche. Es handelt sich um die größte derartige Datenbank der Welt.

Einige ethnische Gruppen sind der Kommission zufolge in der Datenbank unverhältnismäßig stark vertreten und die jungen Schwarzen sogar "sehr stark überrepräsentiert". Wie die Experten weiter mitteilten, enthält die 1995 gegründete Datenbank die genetischen Merkmale von etwa einer Million Menschen, die sich nichts zu Schulden kommen ließen. Der Kommission liege ein Schreiben eines ehemaligen Polizeikommissars vor, wonach die Festnahme von Menschen nur zur Gewinnung von DNA-Proben mittlerweile die Norm sei. Dabei gehe die Polizei davon aus, dass die Festgenommenen früher oder später Verbrechen begehen könnten.

Nach aktuellen Gesetzesplänen sollen die genetischen Profile festgenommener, aber nicht verurteilter Menschen für sechs Jahre gespeichert werden können. Nach derzeit gültigem Gesetz werden alle Daten auf unbegrenzte Zeit gespeichert. Die Kommission für Humangenetik spricht sich in einer Mitteilung vom Dienstag dafür aus, dass die DNA-Datenbank der Polizei endlich von einem unabhängigen Gremium kontrolliert werden solle.

(AFP)


Aus: "GB: Kritik an DNA-Sammelstrategie der Polizei" (24.11.2009)
Quelle: http://futurezone.orf.at/stories/1632593/

-.-

Quote
[...] Jonathan Montgomery, Vorsitzender der die britische Regierung beratenden Human Genetics Commission (HGC), hat anlässlich der Vorstellung eines Berichts seiner Kommission über die Gendatenbank der britischen Polizei am gestrigen gefordert, diese zumindest auf eine gesetzliche Grundlage zu stellen. Mit derzeit über fünf Millionen Einträgen handle es sich um die größte vergleichbare Datensammlung weltweit, für diees aber keinen klaren Parlamentsbeschluss gebe, moniert die Kommission.

DNA-Daten spielten eine wichtige Rolle für die Strafverfolgung, räumte Montgomery ein. Es sei aber nicht erwiesen, dass darauf basierende Verbrecherprofile die Polizeiarbeit verbesserten. Es müsse eine Balance zwischen den Anstrengungen zur Identifizierung von Straftätern und dem Datenschutz gefunden werden. Vor allem die Privatsphäre unschuldiger Bürger müsse gewahrt bleiben. Die britische Polizei speichert trotz eines gegenteiligen Urteils des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte in dem System routinemäßig auch Genproben Unschuldiger, was Montgomery britischen Medienberichten zufolge scharf kritisiert.

Die HGC appellierte an die Politik, klare Richtlinien für die Abnahme von DNA-Proben aufzustellen und deren Verwendung zu überwachen. Zugleich warnte sie davor, die gesamte Bevölkerung in der Datenbank zu erfassen. Die DNA-Profile von Polizeimitarbeitern selbst sollten aber aufgenommen werden. Generell seien die Auswirkungen des Computersystems auf den Gleichheitsgrundsatz zu überdenken. So seien darin junge schwarze Männer deutlich überrepräsentiert. Nicht zuletzt müssten Verfahren zum Austausch von Geninformationen europaweit abgestimmt und standardisiert werden. (Stefan Krempl) / (vbr/c't)




Aus: "Genetik-Kommission kritisiert DNA-Datenbank der britischen Polizei" (25.11.2009)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Genetik-Kommission-kritisiert-DNA-Datenbank-der-britischen-Polizei-869185.html

« Last Edit: November 26, 2009, 09:41:12 AM by Textaris(txt*bot) »

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[Die Deutsche DNA-Analysedatei enthält... ]
« Reply #20 on: December 01, 2009, 09:54:21 AM »
Quote
[...] Das Bundeskriminalamt (BKA) hat die neuesten Zahlen zur deutschen DNA-Analysedatei veröffentlicht. Demnach umfasste die Datei mit Ablauf des dritten Quartals 2009 genau 820.194 Datensätze gegenüber 799.544 DNA-Datensätze drei Monate zuvor. Jeden Monat kommen etwa 10.000 Datensätze neu hinzu, gleichzeitig werden andere gelöscht – seit 1998 etwa 104.000 Datensätze –, etwa weil die Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums wächst die Zahl der gespeicherten Datensätze monatlich um  bis zu 9000.

Die DNA-Datei enthält 658.525 Personendatensätze, also DNA-Identifizierungsmuster, bei denen die Namen bekannt sind, und 161.669 Spurendatensätzen, also Muster von DNA-Spuren, die beispielsweise an einem Tatort sichergestellt wurden und die noch keiner Person zugeordnet werden konnten. Jeder Personendatensatz steht für einen Menschen, aber Spurendatensätze können mehrfach eingegeben sein, etwa wenn ein Serieneinbrecher bei jedem Einbruch seine DNA hinterlässt.

Die deutsche DNA-Analysedatei wurde am 17. April 1998 eingerichtet. Bis zum 18. Mai 2009 wurden laut Bundesinnenministerium 709 Tötungsdelikte, 1381 Sexualstraftaten, 4127 Fälle von Raub oder Erpressung und 48.648 Diebstähle über die Datei aufgeklärt. Wie viele dieser Straftaten auch ohne DNA-Analyse beziehungsweise -Datei aufgeklärt worden wären, ist nicht bekannt.

Ende 1998 enthielt die Datei 643 Datensätze, heute sind es über 1200 Mal so viel. Die Zunahme hat mehrere Gründe, beispielsweise die Etablierung der DNA-Analyse als Ermittlungsmethode und verbesserte Möglichkeiten zur Spurensicherung. Außerdem erlaubt mit dem Gesetz zur Novellierung der forensischen DNA-Analyse vom 12. August 2005 ein stark erweiterter Paragraph 81 g StPO, einem Beschuldigten Körperzellen zu entnehmen, um das DNA-Identifizierungsmuster festzustellen. Dies ist auch möglich, wenn eine Person schon verurteilt wurde. Allerdings werden Identifizierungsmuster, die bei einem Massengentest erstellt werden, laut BKA nicht mit der DNA-Analyse-Datei abgeglichen.

(Ulrike Heitmüller) / (anw/c't)




Aus: "Deutsche DNA-Analysedatei enthält über 800.000 Datensätze" (30.11.2009)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Deutsche-DNA-Analysedatei-enthaelt-ueber-800-000-Datensaetze-872080.html


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[Automatisierte und Biometriegestützte Grenzkontrolle... ]
« Reply #21 on: April 19, 2010, 10:35:28 AM »
Quote
[...]  In Washington unterzeichneten der Staatssekretär im Bundesinnenministerium (BMI), Klaus-Dieter Fritsche, und Deputy Secretary Jane Holl Lute vom U.S. Department of Homeland Security (DHS) am Mittwoch eine Absichtserklärung zur Verknüpfung von Grenzkontroll-Programmen beider Länder, die es biometrisch registrierten und sicherheitsüberprüften Personen erlauben, Identitätskontrollen bei Grenzübertritten an Flughäfen schneller zu durchlaufen.

In Deutschland wurde zu diesem Zweck im Jahr 2004 die "Automatisierte und Biometriegestützte Grenzkontrolle" (ABG) am Flughafen Frankfurt/Main eingeführt. ABG-Teilnehmer hinterlegen im Enrollment-Center am Terminal 1 zunächst einen Referenzdatensatz ihrer Iris-Struktur und können später im Abflugbereich sogenannte Autocontrol-Spuren nutzen. Dort weisen sie sich mit einem für ABG registrierten Personaldokument maschinell aus und authentifizieren sich zusätzlich an einem Iris-Scanner. Eine Kontrolle durch Grenzbeamte entfällt. BMI-Angaben zufolge haben sich bislang etwa 24.500 Personen für das Verfahren der automatisierten und biometriegestützten Grenzkontrolle angemeldet.

Das korrespondierende Verfahren in den USA trägt den Namen "Global Entry" und wird von der U.S Customs and Border Protection (CBP) betreut. Voraussetzung für eine Teilnahme ist hier eine Registrierung der Fingerabdrücke; zudem werden ein persönliches Gespräch und eine Sicherheitsüberprüfung durchgeführt. Wer für Global Entry zugelassen wird, kann die Passkontrolle an zahlreichen Flughäfen in den USA an einem "Global Entry Kiosk" selbst durchführen. Laut dem Department of Homeland Security haben sich seit Einführung des Programms im Jahr 2008 mehr als 42.000 Teilnehmer in den USA dafür registriert. Seit Mai 2009 ist die Nutzung des Systems auch für Niederländer möglich, die am Privium-Programm (Iris-Check) teilnehmen.

"Eine Verknüpfung unserer biometrischen Programme für überprüfte Reisende mit den entsprechenden Programmen Deutschlands wird den rechtmäßigen Handel und Reisen zwischen unseren beiden Ländern vereinfachen und gleichzeitig der Polizei ermöglichen, sich auf die wichtigsten Sicherheitsrisiken an den Grenzübergängen in unserem Land zu konzentrieren", sagte die stellvertretende Heimatschutzministerin Lute. Staatssekretär Fritsche, früher Vizepräsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz und anschließend Geheimdienstkoordinator im Bundeskanzleramt, führte aus, dass das gemeinsame Programm den transatlantischen Luftverkehr erleichtere und ihn "gleichzeitig sicherer" mache. (pmz)

Quote
16. April 2010 14:10
Nächster Schritt: Buttplug mit RFID Chip
proforma (mehr als 1000 Beiträge seit 12.06.03)

Diese Reisenden brauchen dann kein Gepäck mehr aufzugeben und können
mit dem Taxi bis an die Gangway fahren. Ausserdem bekommen sie aus
praktischen Überlegungen eine eigene Toilette.

Danach ist in Planung ist das Lobo2000, welches direkt im
Hirnimplantiert wird. Wer das in Anspruch nimmt, braucht weder durch
die Kontrollen, noch hat er eine Anreise. Der Urlaub (zum Mars z.B.)
wird einfach direkt eingespielt. Die Vorbestellungen laufen schon.



Aus: "Deutschland und USA verknüpfen biometrische Grenzkontroll-Programme" (15.04.2010)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Deutschland-und-USA-verknuepfen-biometrische-Grenzkontroll-Programme-978825.html


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[EU-weite DNA-Datenbank... ]
« Reply #22 on: August 29, 2011, 09:05:00 AM »
Quote
[...] Der Prümer Vertrag sieht vor, dass EU-Mitgliedstaaten gegenseitig leichten Zugriff auf ihre gesammelten Datenbestände von Fingerabdrücken, DNA-Daten, Fahrzeugzulassungen und “Gefährdern” bekommen. Dafür sollen auch die nationalen DNA-Datenbanken vernetzt werden.

...

Quote
Philipp
Erstellt am 25. August 2011 um 17:30 | Permanent-Link

Ich glaube aber im Prinzip ist mehr grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Polizei zu befürworten.. Kriminalität macht auch keinen Halt an der Grenze..


Quote
Demokrates
Erstellt am 25. August 2011 um 17:44 | Permanent-Link

Im Prinzip schon. Wenn man DNA oder Bilder von gesuchten Verbrechern austauscht dann ist daran ja auch nichts auszusetzen.

Nur wenn letztendlich Bürger auf verdacht in den Datenbanken landen, dann wäre das glaube ich nicht so lustig. Gibt genug Staaten wie z.B. GB wo die DNA von Bürgern mehr oder weniger willkürlich von der Polizei auf der Straße eingesammelt werden kann.

...


Quote
foo
Erstellt am 25. August 2011 um 18:08 | Permanent-Link

Mal ketzerisch gefragt:

Wo ist das Problem? In Deutschland entstehen im Rahmen der Nationalen Biobanken-Initiative in allen größeren Klinika und Biotech-Forschungseinrichtungen Gewebebanken, bei denen die Ärzte auf den Altruismus der Donoren (hier: Patienten) plädieren, um dann bei der nächsten routinemäßigen OP ein Stückchen Gewebe “abknabsen” zu können. Da liegt bereits jetzt tonnenweise DNA in der Gegend herum, das Patienten *freiwillig* abgeben und das Tolle … es gibt für Biobanken noch keine gesetzliche Grundlage – siehe Stellungnahme des Deutschen Ethikrats (http://www.ethikrat.org/presse/pressemitteilungen/2010/pressemitteilung-2010-05).

In Schweden wurde der Möder der damaligen Aussenministerin Anna Lindh mit Hilfe der dortigen Nationalen Biobank gefasst.

Soviel zum Thema Datenschutz und DNA-Datenbanken.


...


Aus: "Aktion gegen die EU-weite DNA-Datenbank"
Von Linus Neumann | Veröffentlicht am: 25.08.2011 um 15:50h
Quelle: http://netzpolitik.org/2011/aktion-gegen-die-eu-weite-dna-datenbank/


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[Dass man durch den Finger sein Essen holen kann... ]
« Reply #23 on: August 10, 2013, 08:56:06 AM »
Quote
[...] "Dass man durch den Finger sein Essen holen kann, finde ich irgendwie cool", sagt ein Junge. "Deinen Finger kannst du ja nicht verlieren", sagt ein Mädchen. "Das erleichtert unseren Schulalltag enorm", sagt eine Lehrerin. "Wir haben viel mehr Zeit für das Wesentliche - für gutes Essen", sagt der Mitarbeiter einer Schulküche. "Die essen wesentlich besser da als sogar hier zu Hause", sagt ein Vater, Typ hanseatischer Unternehmer, aus einem bildungsbürgerlichen Wohnzimmer direkt in die Kamera.

Klar, dass alle Befragten begeistert sind, es handelt sich bei den Aufnahmen schließlich um einen sechseinhalbminütigen Werbefilm der Firma People & Projects IT (PPIT) aus Elmshorn für ihren "revolutionären Fingerprint" - ein Verfahren, das Schüler bei der Essensausgabe in der Schulkantine anhand ihres Fingers identifiziert.

Seit diesem Schuljahr setzt PPIT den Fingerprint an 16 Schulen in Hamburg ein, an Grundschulen, Gymnasien, Stadtteilschulen und Sonderschulen. Eltern können über das System sogar einstellen, was ihr Kind in der Schule kaufen darf und was nicht. In dem Film möchte ein Mädchen einen bestimmten Schokoriegel bezahlen, den es dann aber nicht bekommt. In dem Werbetrailer macht das nichts, das Mädchen lächelt und nimmt etwas anderes. Doch so cool, einfach und toll wie im Imagefilm des Unternehmens scheint das System nicht zu sein.

Gleich zu Beginn des Schuljahres kam es zu einer Panne: An der Adolph-Schönfelder-Grundschule im Stadtteil Barmbek hatten die Eltern sich bereits vor Monaten entscheiden müssen, ob ihre Kinder das Mittagessen mit einer Chipkarte oder ihrem Fingerabdruck bestellen und bezahlen sollen. Zwischen 75 und 90 Prozent der Eltern hätten sich an den betroffenen Schulen für den Fingerprint entschieden, teilt die Schulbehörde mit.

An der Barmbeker Grundschule waren jedoch die Chipkarten für die restlichen Kinder nicht rechtzeitig fertig. Daraufhin hätten die Caterer-Mitarbeiter, so berichten es betroffene Kinder und Eltern, die Grundschüler dazu gedrängt, trotzdem ihren Fingerabdruck abzugeben. "Wenn du deinen Finger nicht drauf legst, dann kannst du auch kein Essen bekommen", soll eine Kassiererin gesagt haben. Oder zu einem Jungen, dessen Eltern partout keinen Fingerprint erlauben wollten: "Ach, das ist schon okay, deine Eltern haben nichts dagegen."

Die Catering-Firma bestreitet die Vorwürfe, die Eltern sind dennoch alarmiert: "Den Einsatz von Biometrieverfahren in einer Grundschule finde ich problematisch. Für Kinder soll es nicht normal sein, dass ihre biometrischen Daten erfasst werden. Außerdem ist das gar nicht notwendig", sagt Stefan May. Seine Kinder gehen in die erste und dritte Klasse der Schönfelder-Grundschule. Das Argument, ihren Finger könnten Kinder nicht verlieren, Chipkarten schon, lässt er nicht gelten: "Kinder könnten und sollten sogar lernen, verantwortungsvoll mit ihren Sachen umzugehen." Zurzeit wird an der Schule darüber gestritten, ob der Elternrat im Vorfeld überhaupt an der Entscheidung für das neue Verfahren beteiligt war - die Schule sagt ja, der Elternrat sagt nein.

Die Debatte beschäftigt nun auch die Hamburger Bürgerschaft. Karin Prien, schulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, hat bereits zwei Anfragen an den Hamburger Senat unter Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) gestellt. "Hier sammelt ein privates Unternehmen eine moderne Form von Fingerabdrücken an öffentlichen Schulen. Anstatt den Schülern einen sensiblen Umgang mit persönlichen Daten zu vermitteln und sie damit fit für das Informationszeitalter zu machen, überlegen Schulen, wie im Interesse des Caterers ein Bezahlsystem perfektioniert wird", kritisiert sie.

Die Schulbehörde wiegelt ab: "Dabei wird keineswegs ein Fingerabdruck genommen und gespeichert", sagt Pressesprecher Peter Albrecht. Es würden nur sechs Messpunkte an der Fingerkuppe per Computer in eine Zahl umgewandelt, die dann anstelle des Schülernamens gespeichert würde. Aus diesen mathematischen Daten könne ein Fingerabdruck im erkennungsdienstlichen Sinn nicht erzeugt werden, heißt es. "Natürlich sind die Messpunkte genauso einzigartig wie der Fingerabdruck", sagt hingegen Prien.

Auch die Lehrergewerkschaft GEW ist empört: Der Fall mache deutlich, "dass die öffentliche Aufregung über die aktuellen Abhörskandale offenbar noch nicht in der Behörde und bei den Catering-Unternehmen angekommen ist", sagte GEW-Landesvorsitzende Anja Bensinger-Stolze laut dem NDR.

Die Firma PPIT hat sich für die Panne mit den widerrechtlich erworbenen Fingerprints an der Barmbeker Grundschule inzwischen entschuldigt. Alle Daten seien gelöscht worden.


Aus: "Datenstreit an Hamburger Schulen: Mittagessen nur gegen Fingerabdruck" Lena Greiner (09.08.2013)
Quelle: http://www.spiegel.de/schulspiegel/daten-zoff-an-hamburger-schulen-mittagessen-gegen-fingerprint-a-915783.html

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[Das Signal an unsere Kinder... ]
« Reply #24 on: November 14, 2013, 10:02:30 AM »
Quote
[...] Ein Kreiselternrat hat sich gegen biometrische Erkennung der Kinder an einigen Hamburger Schulen gewandt. "Der Kreiselternrat ist besorgt wegen der Entwicklung, Fingerprintscans zu Abrechnungszwecken an Hamburger Schulkantinen durchzuführen. Das Signal an unsere Kinder, dass die Durchführung von Fingerprintscans letztlich die Normalität ist, muss schon aus pädagogischen Gründen abgelehnt werden", heißt es in einer Resolution des Kreiselternrats 41 aus Barmbek, Winterhude, Uhlenhorst und Dulsberg, die der Chaos Computer Club über Twitter bekanntgemacht hat.

Im August 2013 wurde berichtet, dass Kinder einer Hamburger Grundschule ihre Fingerabdrücke in einem biometrischen System scannen lassen, um Mittagessen zu bekommen. Dabei wurden auch Fingerabdrücke von Kindern genommen, die sich mit RFID-Chipkarte anmelden wollten. Eltern der Adolph-Schönfelder-Grundschule in Barmbek-Süd erklärten, die Kinder hätten nur gegen Fingerabdruck ihre Mahlzeit bekommen.

In einem Schreiben des Betreibers, der IT-Firma People and Projects aus Elmshorn, hieß es: "An Ihrer Schule verlief das Einlesen der Fingerprints für die zukünftige Essenausgabe turbulent. Im Eifer des Gefechts sind Fehler passiert." Die Verantwortlichen entschuldigten sich, die Daten seien gelöscht worden. Die Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) erklärte: "Fingerscan gegen den Willen von Eltern ist verboten. Wir sind gegen Zwang, aber wenn eine Zustimmung der Eltern vorliegt, darf auch mit Fingerscan bezahlt werden." Das Verfahren sei vom schleswig-holsteinischen Datenschutzbeauftragten freigegeben worden.

Der Kreiselternrat fordert nun jedoch die Abschaffung aller Fingerprintscans an den Hamburger Schulen. Die Schulkantinen sollen sich auf andere Bezahlsysteme wie Essensmarken und Kartensysteme beschränken. Da alle Abrechnungssysteme aber Geld kosteten, sollte geprüft werden, ob es nicht möglich sei, auf eine Abrechnung völlig zu verzichten.


Aus: "Eltern gegen Fingerabdruckscan in der Grundschule" (13.11.2013)
Quelle: http://www.golem.de/news/hamburg-eltern-gegen-fingerabdruckscan-in-der-grundschule-1311-102731.html


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[Körperdaten... (Datenbanken, Genetik und Biometrie)]
« Reply #25 on: November 19, 2013, 04:03:26 PM »
Quote
[...] Ein Beinahetreffer bedeutet, dass die DNA zwar nicht identisch ist mit der vom Tatort, sie ist ihr aber sehr ähnlich. Die Polizei soll laut des Entwurfs des Koalitionsvertrags also Rückschlüsse auf Familienmitglieder der Getesteten ziehen dürfen. Der Vater war es nicht, der Sohn – darauf deutet die DNA hin – mit großer Wahrscheinlichkeit schon – Zugriff! Obwohl der Sohn an dem Massentest gar nicht teilgenommen hat.

... Um einen genetischen Fingerabdruck zu erstellen, benötigen Forscher bloß geringste Spuren von Sperma, Schweiß oder Speichel, Haaren oder Hautschuppen. Im Labor wird aus diesen zunächst die Erbsubstanz gewonnen, anschließend isolieren die Wissenschaftler bestimmte, nach bisherigem Stand funktionslose Regionen des DNA-Strangs. Diese Passagen haben eine Besonderheit: Sie sind durchsetzt mit "short tandem repeats", tandemartige Wiederholungen von Sequenzen, kurz STR. Sie zeichnen auf unserem Erbgut individuelle Muster.

Da es an jedem STR-Locus viele verschiedene Varianten gibt und viele STR-Loci gleichzeitig untersucht werden, ist es mehr als unwahrscheinlich, dass sich die Merkmalskombinationen aller untersuchten STRs eines Menschen in der Gesamtbevölkerung zufällig wiederholen. "Insgesamt analysieren wir in Deutschland bis zu einundzwanzig solcher Merkmale", sagt Roewer. Sie alle werden in einen Zahlencode übersetzt, der dann mit den Spuren am Tatort verglichen wird. Liegt eine Übereinstimmung vor, stammt die DNA mit ziemlicher Sicherheit vom Täter.

... Seit 1998 sammelt das BKA Daten in der DNA-Analyse-Datei. Ende 2011 umfasste diese 950.000 Datensätze. In 127.000 Fällen lieferte die Datenbank einen Treffer, nach Angaben des Amts konnten 2.090 Vergewaltigungen aufgeklärt werden.

...


Aus: "Koalition will mit Massen-Gentests nach Verwandten fischen"  Alina Schadwinkel (19. November 2013)
Quelle: http://www.zeit.de/wissen/2013-11/gentest-beinahetreffer-verbrechen


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[Next Generation Identification... ]
« Reply #26 on: September 17, 2014, 09:31:42 AM »
Quote
[...] Das FBI hat seine umstrittene Biometriedatenbank NGI (Next Generation Identification) nach jahrelanger Vorarbeit nun fertiggestellt. Das teilte die US-Ermittlungsbehörde am Montag mit und erklärte, das System sei nun voll einsatzbereit. Zuletzt wurden demnach zwei Teile hinzugefügt. Mit Rap Back können autorisierte Stellen automatisch Updates über Konflikte von Angestellten mit dem Gesetz erhalten. Dabei gehe es um Angestellte, die bei ihrer Arbeit auf Vertrauen angewiesen seien, wie etwa Lehrer. Darüber hinaus könnten die nationalen Strafverfolger nun auf das Gesichtserkennungssystem IPS (Interstate Photo System) zugreifen.

Während der Vorbereitung des Systems war vor allem das Gesichtserkennungssystem von Bürgerrechtlern scharf kritisiert worden. Sie befürchten ein "Next Generation Big Brother" und eine nicht endende Überwachung. So hatte das FBI erklärt, die Bilder von Verdächtigen würden nur mit Fotos von verurteilten Straftätern abgeglichen. Interne Informationen legten aber nahe, dass auch andere Fotos verwendet werden können, etwa Aufnahmen von Menschenmengen oder Facebook-Bilder. Gleichzeitig sei das System nicht sehr effektiv, liefere es doch für ein vorgelegtes Bild lediglich 50 zugeordnete Treffer mit einer 85-prozentigen Chance, dass der Gesuchte darauf abgebildet ist, schreibt The Verge.

Erst vor wenigen Wochen hatte ein Fall die Fähigkeiten derartiger Gesichtserkennungssysteme in den USA unter Beweis gestellt. Ein seit 14 Jahren flüchtiger mutmaßlicher Vergewaltiger konnte in Nepal festgenommen werden, nachdem eine Software sein Fahndungsfoto als Passbild eines anderen US-Amerikaners erkannte, der dort sogar regelmäßig in der Botschaft vorstellig geworden war. Hierzulande wäre solch eine Suche dagegen nicht möglich, da es keine nationale Gesichtsdatenbank gibt, mit der die Bilder von Verdächtigen abgeglichen werden könnte. (mho)


Aus: ""Next Generation Big Brother": FBI stellt Biometriedatenbank fertig" (16.09.2014)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Next-Generation-Big-Brother-FBI-stellt-Biometriedatenbank-fertig-2392249.html

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[Das ungarische Innenministerium will... ]
« Reply #27 on: August 31, 2015, 09:51:22 AM »
Quote
[...] Das ungarische Innenministerium will die biometrischen Daten von zehn Millionen Staatsbürgern in einer eigenen Datenbank speichern. Die Gesichtsprofile würden aufgrund der biometrischen Fotografien gesammelt, die die Bürger einreichen, wenn sie einen Reisepass, Personalausweis oder eine Fahrerlaubnis beantragen, berichtete das Internet-Portal napi.hu am Freitag. Die Webseite berief sich auf einen Gesetzesvorschlag des Innenministeriums, der am Vortag vorgelegt wurde.

Die Datenbank solle der Verbrechensbekämpfung dienen und die Arbeit der Geheimdienste und der mit dem Schutz der Regierungspolitiker betrauten Sicherheitsorgane erleichtern, hieß es in dem Bericht. In der Datenbank, die im Januar 2016 eingerichtet sein soll, würden nur die biometrischen Profile gespeichert werden. Über Codes sollen aber die zur Nutzung ermächtigten Stellen die Profile mit den Daten anderer Behörden – wie denen des Melderegisters – verknüpfen können.

Datenschützerische Bedenken dürften in Ungarn nicht zu erwarten sein. Die Regierung des rechts-konservativen Ministerpräsidenten Viktor Orban hatte nach dem Machtwechsel 2010 das unabhängige Amt des Datenschutzbeauftragten in eine regierungsabhängige Behörde umgewandelt. Ihr Leiter gilt als regierungsnah. (dpa) / (anw)


Aus: "Ungarns Regierung will biometrische Daten aller Bürger speichern" (28.08.2015)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Ungarns-Regierung-will-biometrische-Daten-aller-Buerger-speichern-2793002.html


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[Körperdaten... (Datenbanken, Genetik und Biometrie)]
« Reply #28 on: May 31, 2017, 10:43:06 AM »
Quote
[...] Bei der Aufklärung von Verbrechen setzt die Polizei zunehmend auf die Analyse von DNA-Spuren. Doch laut Strafprozessordnung darf sie nicht mehr als Identität, Geschlecht und Abstammung des Täters aus dem genetischen Fingerabdruck herausfiltern. Dabei wäre technisch längst mehr möglich, so etwa die Bestimmung äußerlicher Körpermerkmale wie Hautfarbe, das biologische Alter oder auch die Farbe der Augen und Haare.

Eine Bundesratsinitiative aus Baden-Württemberg setzt sich nun dafür ein, diese Möglichkeiten zu nutzen; soll heißen, die erweiterte DNA-Analyse per Gesetz zu ermöglichen. Bremens CDU hat diesen Vorstoß jetzt aufgegriffen. In einem Antrag an die Bürgerschaft fordert sie den Senat auf, die Initiative zu unterstützen.

„Für Fahndungszwecke wäre das ideal“, begründet der innenpolitische Sprecher der CDU, Wilhelm Hinners, den Antrag. „Man könnte den Täterkreis einschränken und gezielt nach bestimmten Personengruppen suchen.“ Denn die DNA-Analyse biete nicht nur „unglaublich viele sehr konkrete Möglichkeiten“, einen Täter via Abgleich mit der DNA-Analysedatei des Bundeskriminalamtes zu identifizieren, sondern biete eben auch Ansatzpunkte, um nach einem noch unbekannten Täter zu fahnden.

Dass die Strafprozessordnung mit Blick auf den Schutz von Persönlichkeitsrechten die Nutzung von DNA-Spuren einschränkt, ist Hinners natürlich bewusst. Doch es gehe bei der Initiative aus Baden-Württemberg nicht um eine Ausweitung auf Persönlichkeits- oder Charaktermerkmale, sondern ausschließlich darum, weitere äußere Merkmale zu identifizieren, die ausschließlich der Fahndung dienten.

„Wenn man durch Personenbeschreibungen versucht, den Täterkreis einzuschränken, helfen Merkmale wie Haut- und Augenfarbe natürlich.“ Der besonders schutzbedürftige Kern des Persönlichkeitsrechtes werde davon nicht berührt.

Schon heute sei die DNA-Analyse für die Polizei die mit Abstand beste Ermittlungsmaßnahme, betont Hinners. „Umso bedauerlicher, wenn hier nicht alle Möglichkeiten genutzt werden können.“ Die Bremische Bürgerschaft soll daher nach Auffassung der CDU den Senat auffordern, der Bundesratsinitiative zur Erweiterung des Umfangs der Untersuchungen von DNA-fähigem Material zuzustimmen.

Das wiederum sorgt in der Innenbehörde für Verwunderung. „Im Grunde ziehen die Innenministerien des Bundes und der Länder hier an einem Strang“, erklärt Nikolai Roth, Sprecher von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD). Auf Bundesebene sei das Thema zwar vertagt worden, aber im Grunde seien sich alle einig und das Thema fachlich auch nicht schwierig zu handhaben. „Wenn abgestimmt worden wäre, hätte der Innensenator zugestimmt.“

Die Erweiterung der DNA-Untersuchungen werde in zwei Wochen in Dresden aber auch noch einmal Thema auf der Konferenz der Innenminister sein, erläutert Roth. „Die Gremienbefassung, auch im Bundesrat, läuft also längst, und es bedarf keines erneuten Antrages der CDU.“

Ob dieses Thema tatsächlich so glatt über die Bühne gehen wird, bleibt trotzdem dahingestellt. Baden-Württembergs Justizminister Guido Wolf (CDU), von dem die Initiative zur erweiterten DNA-Analyse ausgeht, zeigte sich zumindest alles andere als erfreut, als der Bundesrat das Thema im Februar zur Erörterung in Innen- und Rechtsausschuss verwies. Wolf hatte auf eine sofortige Entscheidung gedrungen. Als er damit scheiterte – außer Baden-Württemberg stimmte lediglich Bayern für eine schnelle Entscheidung –, sprach Wolf von einer „Verschleppung aus parteitaktischen Gründen“.

Die Bremer Polizei wollte sich auf Anfrage des WESER-KURIER nicht zu der geforderten Ausweitung der DNA-Untersuchungen äußern, sondern verwies hierzu auf die Innenbehörde. Die Frage nach der Bedeutung von DNA-Analysen für ihre Ermittlungsarbeit beantwortete die Polizei wie folgt: „Die DNA-Analyse ist für die Polizei als individueller Sachbeweis, ähnlich wie der Fingerabdruck, von großer Bedeutung im Strafverfahren.“


Aus: "CDU will DNA-Spuren besser nutzen" Ralf Michel (30.05.2017)
Quelle: http://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-cdu-will-dnaspuren-besser-nutzen-_arid,1606269.html


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[Körperdaten... (Datenbanken, Genetik und Biometrie)]
« Reply #29 on: June 22, 2017, 09:47:25 AM »
Quote
[...] Ein Mord geschieht und der Täter wird als blond, blauäugig, Mitte 40 und europäischer Herkunft beschrieben. Ein solcher Steckbrief könnte künftig nicht mehr nur von einem Zeugen stammen, sondern auch aus einem DNS-Analyselabor. Die Justizminister der Länder diskutieren derzeit auf ihrer alljährigen Tagung, ob Ermittler künftig das Erbgut von Blut, Haaren, Sperma oder Hautresten an Tatorten untersuchen dürfen. Für eine solche „forensische DNS-Phänotypisierung“ (fDP) müsste die Strafprozessordnung geändert werden.

Bislang dürfen in Deutschland – wie in den meisten europäischen Ländern – nur Gen-freie Erbgutabschnitte benutzt werden, um ein DNS-Profil zu erstellen. Es taugt zwar zur Identifizierung eines Täters, lässt aber keine Rückschlüsse äußere und andere Merkmale eines Menschen zu. Einzig in den Niederlanden ist fDP seit 2003 gesetzlich erlaubt. Täter-DNS darf dort auf Genvarianten durchsucht werden, die Rückschlüsse auf äußerlich erkennbare, körperliche Merkmale sowie die biogeographische Herkunft zulassen. Verboten bleibt aber das Erheben gesundheitsbezogener Daten. Damit greift die Gesetzgebung der Wissenschaft allerdings ein großes Stück voraus, denn bislang sind die Methoden der fDP noch sehr eingeschränkt.

... Tausende von Genvarianten bestimmen die Einzigartigkeit eines Gesichts mit, bisher kenne man aber höchstens ein paar Dutzend. Dennoch sei das wohl irgendwann möglich: „Die Gesichter von eineiigen Zwillingen sind sich sehr ähnlich und weil sie praktisch die gleiche DNS-Sequenz haben, wissen wir, dass das Gesicht in seiner Einzigartigkeit in den Genen stecken muss; fragt sich nur, wo.“

Gut ist die Datenlage für den Nachweis der „biogeographischen“ Herkunft eines Täters. Allerdings lässt sich damit nicht die Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe, sondern nur die kontinentale Herkunft aus Europa, Afrika, Ostasien, Ozeanien und Amerika mit 99,9-prozentiger Wahrscheinlichkeit ermitteln. Für Aussagen über die Herkunft aus einzelnen Regionen müssten tausende von Genvarianten untersucht werden – technisch unmöglich mit den geringen Erbgutmengen von Tatorten, sagt Kayser.

 Das Abschätzen des Alters per DNS-Analyse, die auf vier bis fünf Jahre genau ist, könnte eigentlich schon unter der bestehenden Gesetzeslage durchgeführt werden, meint Peter Schneider, Leiter der Spurenkommission der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin. Weil bei der Altersanalyse nicht die DNS selbst, sondern mit dem Alter einhergehende und der DNS anhaftende Methylgruppen untersucht werden, habe der Test kein „individualisierendes Potential und ist daher auch keine molekulargenetische Untersuchung im Sinne der deutschen Strafprozessordnung“.

Ob sich die Justizminister nun für die fDP entscheiden – am Ende muss wohl das Verfassungsgericht entscheiden, ob und wann solche Tests die genetische Privatsphäre eines Menschen verletzen. Dass sei solange nicht der Fall, meint Kayser, solange sich die Analyse nicht über das hinausgeht, was Augenzeugen oder Haar und Hautspuren über einen Täter ohnehin verraten könnten.


Aus: "DNS-Forensik Die Genspur zum Täter ist dünn – noch" Sascha Karberg (21.06.2017)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/wissen/dns-forensik-die-genspur-zum-taeter-ist-duenn-noch/19962732.html