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Author Topic: [Wasser... (Notizen)]  (Read 12909 times)

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Textaris(txt*bot)

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[Wasser... (Notizen)]
« on: August 22, 2006, 10:58:44 AM »

Quote
[...] Weltweit leidet ein Drittel der Weltbevölkerung unter Wassernot, wie eine umfassende, internationale Studie belegt. Ein Mangel, der nicht sein müsste. Denn Wasser sei weltweit genug vorhanden. „Nur politische Konflikte und fehlende Infrastruktur verhindern die gerechte Verteilung“, sagt Frank Rijsberman vom Internationalen Institut für Wassermanagement (IWMI) in Sri Lanka. Etwa 98 Prozent der Wasserknappheit gehen seiner Meinung nach auf das Konto des Menschen. Nur etwa zwei Prozent der Dürren haben natürliche Ursachen.

[...] Erstmals hat ein internationales Expertenteam aus 700 Wissenschaftlern untersucht, wie sich die Wassernutzung in den vergangenen 50 Jahren verändert hat, und weiter entwickeln wird. Die Zahlen alarmieren...


Aus: "Das durstige Drittel" (21.08.06)
Quelle: http://aktuell.focus.msn.de/wissen/wissenschaft/umwelt_nid_34040.html

« Last Edit: January 21, 2013, 05:38:52 PM by Textaris(txt*bot) »
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["Virtuelles Wasser"... ]
« Reply #1 on: August 22, 2006, 11:05:44 AM »

Quote
[...] jeder Deutsche verbraucht etwa 4000 Liter Wasser am Tag. Diese Menge ist erforderlich, um all die Waren zu produzieren, die wir täglich kaufen, vom Steak bis zum Autoreifen. Dafür hat J. A. Allan vom King's College in London den Begriff "virtuelles Wasser" geprägt.

Es hat ein Jahrzehnt gedauert, bis sich dieses Konzept in der Wissenschaft durchsetzte, in Politik und Wirtschaft steht dies noch aus. "Virtuelles Wasser hat nur einen kleinen Platz im Denken der Mächtigen", sagte Allan kürzlich bei einer Tagung des Instituts für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main.

[...] Wissenschaftler des Instituts haben in jüngster Zeit viele Daten veröffentlicht, die einen fundierten Einblick in den virtuellen Wasserverbrauch erlauben. Demnach verbergen sich in jeder Tasse Kaffee 140 Liter virtuelles Wasser.

[...] In der Bilanz gehört Deutschland zu den Top-Ten der Nettoimporteure von virtuellem Wasser. Nach den Untersuchungen der Unesco liegt das vor allem an der Einfuhr wasserintensiv produzierter Agrarprodukte wie Tee, Kaffee und Kakao.


Aus: "Der Wasser-Fußabdruck
140 Liter für eine Tasse Kaffee

Vom Steak bis zum Computerchip: Forscher haben berechnet, wie viel Wasser für die Produktion verschiedener Waren verbraucht wird" (Von Frank Kürschner-Pelkmann; SZ vom 22.8.2006)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wissen/artikel/251/83168/

« Last Edit: March 25, 2008, 10:08:21 AM by Textaris(txt*bot) »
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[Die Leute haben einfach die Zähler zerstört]
« Reply #2 on: November 09, 2006, 12:52:44 PM »

Quote
[...] In den letzten zwei bis drei Jahren sind tatsächlich rund um den Globus die Wassermultis auf dem Rückzug. Wenn man nach Lateinamerika oder Afrika schaut, dann sieht man, daß reihenweise die Verträge vorzeitig beendet oder nicht verlängert werden. Manchmal ziehen sich die Konzerne zurück, manchmal werden sie regelrecht rausgeworfen. Aufgrund der massiven Proteste, die es in den letzten zehn Jahren in vielen Ländern gegeben hat, merken viele Regierungen, daß es politisch nicht sehr schlau ist, Wasser zu privatisieren.

[...] in Johannesburg hat Suez sich jetzt zurückgezogen, weil es aufgrund des Widerstandes in den armen Stadtteilen Geld verloren hat. Die Geschäftsidee von Suez bestand darin, Zähler einzuführen, für die man im voraus bezahlte Chipkarten brauchte. Besonders in Soweto und anderen armen Townships sollten diese in jedem Haushalt installiert werden. Aber die Leute haben einfach die Zähler zerstört. Das Programm startete 2002 und sollte in diesem Jahr abgeschlossen sein. Doch nicht einmal zehn Prozent der Haushalte haben funktionierende Zähler. Umgerechnet mehrere 100 Millionen Euro wurden in dieses Programm gesteckt, aber aufgrund des Widerstandes in den Townships hat Suez eine Menge Geld verloren. Im Juni diesen Jahres ist der Vertrag mit Suez ausgelaufen, aber der Konzern hatte offenbar den Appetit verloren und zeigte an der Verlängerung kein Interesse.


Aus: "»Die Leute haben einfach die Zähler zerstört«
Widerstand gegen Privatisierung der Trinkwasserversorgung verdirbt Groß­konzernen den Appetit. Ein Gespräch mit Dale T. McKinley" Interview: Wolfgang Pomrehn (jw; 09.11.2006)
Quelle: http://www.jungewelt.de/2006/11-09/056.php

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[Konflikte sind da programmiert... (Notiz)]
« Reply #3 on: August 14, 2007, 09:45:40 AM »

Quote
[...] BERLIN. Werden die Kriege des 21. Jahrhunderts um Wasser statt um Öl geführt? Manche Experten halten das durchaus für möglich. Schließlich reichen die Vorräte in vielen Ländern schon heute nicht mehr aus, um alle Haushalte mit ausreichend Trinkwasser zu versorgen, die Felder zu bewässern und die Industrie am Laufen zu halten. Der Klimawandel wird den Mangel noch verschärfen. So rechnet eine UN-Studie damit, dass Mitte des Jahrhunderts in mindestens 48 Staaten Wasserknappheit herrschen wird. Über solche bedrohlichen Entwicklungen diskutieren 2 500 Experten aus 140 Ländern seit gestern in Stockholm auf der Weltwasserkonferenz.

Eigentlich müssten die globalen Wasservorräte gut für die gesamte Bevölkerung reichen. Schließlich stehen im Durchschnitt für jeden Erdenbürger - für sein Trinkwasser, für die Herstellung seiner Lebensmittel, für die Produktion der von ihm genutzten Industriewaren - im Jahr zwischen fünf und sechs Millionen Liter zur Verfügung. Schon 1,7 Millionen würden genügen, um sämtliche Bedürfnisse eines Menschen zu befriedigen. Doch da die Vorräte nicht gleichmäßig über den Globus verteilt sind, hat derzeit ein Drittel der Weltbevölkerung mit Wasserknappheit zu kämpfen.

Kritisch ist die Lage etwa in der Mittelmeerregion. Im Westen und in den Gebirgslagen Griechenlands können dort, wie eine Studie der Umweltorganisation WWF zeigt, pro Quadratmeter in einem Jahr durchaus mehr als 2 000 Liter Niederschlag fallen, das ist die doppelte Regenmenge von München. Die griechischen Inseln dagegen müssen sich in manchen Jahren mit 200 Litern pro Quadratmeter begnügen. In diesem Sommer haben die Behörden dort mancherorts schon den Wassernotstand ausgerufen.

Allerdings hat die Wasserknappheit im Mittelmeerraum nicht nur klimatische Ursachen. So hat der boomende Tourismus vielerorts einen gewaltigen Bedarf geschaffen, der aus den lokalen Vorräten kaum zu decken ist. Auf den Balearen zum Beispiel ist der Wasserverbrauch zwischen 1980 und 1995 auf das 15-fache angestiegen. Auch die Landwirtschaft verschlingt mehr und mehr der kostbaren Ressource. Im Jahr 2000 wurden mehr als 20 Millionen Hektar Felder rund ums Mittelmeer bewässert - das ist knapp doppelt so viel wie 1961.

Besonders stark klaffen Bedarf und Angebot im Nahen Osten auseinander. So stehen einer Studie aus dem Jahr 2000 zufolge jedem Israeli jährlich 250 000 Liter Wasser zur Verfügung. Die Palästinenser in den besetzten Gebieten hingegen müssen mit 115 000 Liter pro Kopf auskommen. Konflikte sind da programmiert.

Die Frage, wie sich die Wasserprobleme dieser politisch instabilen Region lösen lassen, wird einer der Schwerpunkte der Stockholmer Konferenz sein.


Aus: "Jeder dritte Mensch leidet unter Wassermangel: Ungleiche Verteilung der begehrten Ressource beschäftigt UN-Konferenz in Stockholm" Kerstin Viering (Berliner Zeitung, 13.08.2007)
Quelle: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/politik/677347.html
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[Anders als beim Öl, bei dem noch Alternativen denkbar sind... ]
« Reply #4 on: March 25, 2008, 10:07:53 AM »

Quote
[...] Anders als beim Öl, bei dem noch Alternativen denkbar sind, ist das Wasser durch nichts zu ersetzen, womit sich erklärt, dass die Kriege ums Wasser auf den verschiedensten Ebenen längst begonnen haben.
Erinnert sei an die bolivianische Stadt Cochabamba, wo die Wasserversorgung erst nach blutigen Kämpfen im Jahr 2001 wieder in öffentliches Eigentum rück überführt werden konnte, nachdem der US-Konzern Bechtel die Wasserpreise exorbitant erhöht hatte.

Oder die täglichen Wasserkämpfe im Israel-Palästina Konflikt, über die man wenig liest, die aber an Brutalität gegenüber wasserbedürftigen Palästinensern dem vorher Gesagten in nichts nachstehen.
Wasserstreit findet man auch in den USA, wo der deutsche RWE-Konzern vor einigen Jahren die Wasserversorgung von 29 US-Bundesstaaten aufgekauft hatte, um groß ins Wassergeschäft einzusteigen. Nun möchte RWE alles wieder verkaufen, meistbietend an der Börse und gegen den Widerstand ungezählter US-Bürger, die ihre Wasserversorgung wieder in öffentlicher Hand halten möchten.
Wasserkämpfe können aber auch völlig anders geartet sein, wie derzeit die Kämpfe um den Ilisu-Mega-Staudamm, der in der Osttürkei am Tigris gebaut werden soll, zeigen. Tausende Militärs sind vor Ort und sollen über 50.000 Bewohner aus dem Gebiet »entfernen«; wertvolle Grabungsstätten sowie die über 9000 Jahre alte Stadt Hasankeyf sollen überflutet werden; den Nachfolgestaaten Syrien und Irak wird, ohne Konsultation, förmlich das Wasser abgegraben und internationale Auflagen werden nicht eingehalten. Trotzdem gab die Bundesregierung eine 100-Millionen Hermes Bürgschaft und der Baukonzern ZÜBLIN freut sich auf einen Großauftrag.
Ob im ehemaligen Mesopotamien, im indischen Narmada-Tal, oder am Jangtse-Fluss in China: hunderte von Großstaudamm-Projekten verursachen soziale Probleme, wie die Vertreibung der Bewohner und ungezählte ökologische Probleme.

Im brasilianischen Sobradinho wird derzeit ein ähnlicher Kampf gekämpft. Präsident Lula will gleich einen ganzen Fluss, den Rio Sao Francisco umlenken und 700 km in ein neues Flussbett verlegen, um damit der durstigen Agro-Industrie einen gefallen tun. Gegen dieses Mega-Projekt wehrte sich Dom Luiz Cappio, Bischof von Barra, mit einem Hungerstreik und tausende Brasilianer, auch indigene Stämme, mit andauernden Demonstrationen, was aber Lula offensichtlich unbeeindruckt lässt.

Nicht nur in der »Dritten Welt«, sondern auch im behüteten Deutschland finden Auseinandersetzungen um das Wasser statt. So wollen die Berliner ihre Wasserversorgung rekommunalisieren, von der 49.9 Prozent an die Konzerne RWE und Veolia verkauft wurde und fordern die Offenlegung aller Geheimverträge. Trotz eines erfolgreichen Volksbegehrens verweigert sich die Politik mit dem Argument, eine mit den Konzernen vereinbarte Geheimhaltung habe Vorrang vor dem Bürgerwillen.

In Stuttgart sieht es nicht besser aus: 2002 hatte die Stadt ohne Not ihre gesamte Gas-, Strom- und Wasserversorgung an den EnBW-Konzern verkauft, hält Verträge geheim und stellt sich vehement gegen die Bürger, die eine Rückführung in öffentliche Hand fordern.
Die Beispiele im In- und Ausland ließen sich beliebig fortsetzen und Institutionen wie die Welthandelorganisation WTO und die EU tun ihr mögliches, um durch Verordnungen, Richtlinien und Beschlüsse die Privatisierung des Wassers zugunsten von Konzernen weiter zu forcieren. Den Bürgern wird dazu gebetsmühlenartig erklärt, dass dies notwendig, effektiv und für den härter werdenden Wettbewerb und die leeren Haushaltskassen notwendig sei.

Auch die von der UN-Generalversammlung im Jahr 2000 ausgerufene so genannte Milleniumskampagne zielt in eine ähnliche Richtung. Hinter der Vorgabe, bis 2015 die Zahl derer zu halbieren, die keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen und zu Trinkwasser haben, verbirgt sich unter anderem eine klare Privatisierungsagenda, verbunden mit dem Argument, es gäbe nicht genügend öffentliches Geld, um den Menschen zu helfen, was jedoch zynisch anmutet. Schon ein Bruchteil der für Kriege und Zerstörung ausgegebenen Milliarden würde ausreichen, um bequem die gesteckten Ziele zu erreichen.
Eine andere Gefahr für das Trinkwasser ist die zunehmende Verschmutzung und Kontamination mit verschiedensten Giften. So werden in der Landwirtschaft, mit über 70 Prozent dem größten Wasserverbraucher, immer mehr Totalherbizide eingesetzt, wie z.B. Glyfosat, von Monsanto, die nicht genmanipulierte Pflanzen sowie viele Insekten töten und zudem krebserregende- und Unfruchtbarkeit auslösende Wirkung haben. Ähnliche Herbizide wie z.B. Diuron oder Bromacil, setzt die Bundesbahn ein, um die Gleise Pflanzenfrei zu halten. Diesen »Pflanzenschutzmitteln« ist gemeinsam, dass sie früher oder später in die Wasserleiter gelangen und so über lange Zeit unser Grundwasser nachhaltig verseuchen.
Noch gravierender ist die Kontamination des Wassers mit radioaktiven Substanzen, die sowohl bei der »friedlichen Nutzung« der Kernenergie anfallen, als auch bei der Verwendung in Kriegen. So schlummern auf dem Meeresgrund ungezählte Atomsprengköpfe und in den gegenwärtigen Kriegen werden tonnenweise Waffen mit abgereichertem Uran eingesetzt, deren Feinstaub hochgiftig, lungengängig und wasserlöslich ist und damit letztlich weit über die Landesgrenzen hinaus das Trinkwasser verseucht. Bei der »friedlichen Nutzung« ist vor allem die Endlagerung des radioaktiven Mülls ein ungelöstes Problem. So lagern im Salzbergwerk Asse 2 bei Wolfenbüttel derzeit über 125.000 Fässer mit radioaktivem Abfall, der früher oder später in die Wasserleiter gelangt, weil seit 1988 Wasser in das Bergwerk einbricht, und damit ein nicht mehr nachvollziehbares Verbrechen gegen die Umwelt darstellt.

Die zuständigen Politiker sind derzeit offensichtlich nicht in der Lage, auch nur halbwegs vernünftig klingende Lösungen anzubieten.
Auch hier ließe sich die Liste der Wasser gefährdenden Stoffe endlos fortsetzen und sollte uns zeigen, wie unendlich wichtig ein guter Umgang mit dem Wasser ist, wenn wir weitere Kriege ums Wasser vermeiden- und eine lebenswerte Zukunft für uns und unsere Nachkommen sicherstellen wollen.






Jens Loewe, 1958 in Bochum geboren, ist neben seiner Tätigkeit als Sachbuchautor Mitbegründer des »Stuttgarter Wasserforums« sowie des Städtebündnisses »Wasser in Bürgerhand« und unterstützt weltweit zahlreiche Initiativen zur Verhinderung und Rückabwicklung der Trinkwasserprivatisierung. In seiner Vortrags- und Seminartätigkeit befasst er sich mit den Themenschwerpunkten Wasser, Abwasser, Wasserprivatisierung und Kommerzialisierung, sowie mit Demokratisierungs- und Globalisierungsfragen. Sein aktuelles Buch »Das Wasser-Syndikat« ist erschienen im Pforte Verlag.

Aus: "»Kriege ums Wasser haben längst begonnen«: Jens Loewe, Autor und Begründer des Stuttgarter Wasserforums" Von Jens Loewe (23 März 2008)
Quelle: http://diegesellschafter.de/tagebuch/eintrag.php?eid=777#more

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[Kinen Zugang zu sauberem Trinkwasser... ]
« Reply #5 on: March 25, 2008, 10:13:15 AM »

Quote
[...] Mehr als eine Milliarde Menschen hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, 2,6 Milliarden müssen ohne sanitäre Einrichtungen leben. "Täglich sterben 5000 Kinder unter fünf Jahren an Durchfallerkrankungen, weil sie und ihre Eltern nicht wissen, dass unsauberes Wasser krank macht und den Tod bedeuten kann", teilte die Welthungerhilfe am Mittwoch in Bonn mit. Die Organisation forderte zum Weltwassertag am 22. März deshalb mehr Einsatz für Sanitärversorgung und Hygiene. Experten verwiesen darauf, dass sich die Versorgungslage bei Wasser durch Klimawandel und Bevölkerungswachstum in den kommenden Jahrzehnten nochmals deutlich verschärfen wird.

[...] "Alle 20 Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen einer Krankheit, die durch mangelhafte Hygiene, verschmutztes Wasser oder mit Fäkalkeimen verunreinigte Nahrung verursacht wird", erklärte Karin Kortmann vom Entwicklungshilfeministerium. "Damit tötet Hygienemangel weltweit mehr Kinder als HIV/Aids." Insgesamt leben heute laut Uno-Angaben 2,6 Millionen Menschen "ohne grundlegende Sanitärversorgung".

Der Weltwassertag findet seit 1993 jedes Jahr am 22. März statt. Die Uno hatte es sich 2002 zum Ziel gesetzt, bis 2015 die Zahl der Menschen zu halbieren, denen ein Zugang zu sauberem Wasser fehlt. Experten halten dies aber schon jetzt nicht mehr für erreichbar. Hauptproblem ist, dass Wasser ungleich verteilt ist. "Vereinfacht gesagt, gibt es dort genug, wo keine Menschen leben", sagte der französische Wasserexperte Pierre Chevallier vom Pariser Institut de recherche pour le développement (IRD). "Mit dem Klimawandel wird das nicht besser werden. Er wird die Verdunstung und das Abschmelzen der Gletscher fördern und die verfügbare Wassermenge verringern."

Wie stark der Klimawandel die Trinkwasser-Reserven der Menschheit bedroht, hatten erst kürzlich Wissenschaftler der Ohio State University herausgefunden. Ein steigender Meeresspiegel führt nämlich auch dazu, dass Küstengebiete weltweit überflutet werden. Das eindringende Salzwasser mindert dabei die Wasservorräte.

Der französische Wasserexperte Chevallier verwies auf ein weiteres Problem: das rasante Bevölkerungswachstum auf dem Globus. Nicht nur die Weltbevölkerung wachse, auch die Anforderungen der Menschen in den großen Entwicklungsländern erhöhten sich. Das Uno-Umweltprogramm Unep schätzt demnach, dass Indien im Jahr 2050 mit einer auf 1,5 bis 1,8 Milliarden gewachsenen Bevölkerung 30 Prozent mehr Wasser benötigt als heute. Technisch sei das nicht unmöglich, sagt Chevallier. Dafür seien aber "riesige Investitionen" nötig.

[...]


Aus: "UNSAUBERES WASSER: Täglich sterben weltweit 5000 Kinder" (19. März 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,542456,00.html

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[Der Börsengang der US-Wassertochter... (Notizen, H2O, RWE)]
« Reply #6 on: April 01, 2008, 10:38:37 AM »

Quote
[...] American Water meldete am Montag bei der US-Börsenaufsicht SEC 64 Millionen Aktien für den geplanten Börsengang in New York an. Das sind lediglich 40 Prozent der American-Water-Anteile. Zusätzlich gibt es eine Mehrzuteilungsoption von 9,6 Millionen - einschließlich dieses Greenshoes würden 46 Prozent an die Börse gebracht.

American Water nannte der SEC einen Schätzpreis von 24 bis 26 Dollar je Aktie. Das Unternehmen bewertet sich also mit vier Milliarden Dollar. Der Börsengang der US-Wassertochter könnte ein Volumen von 1,54 bis 1,912 Milliarden Dollar haben, umgerechnet sind das derzeit 974 Millionen bis 1,21 Milliarden Euro.

Geld für die Aktionäre:

Die Börsenpläne für American Water gibt es schon länger. RWE hatte im vergangenen November aber den Gang der US-Tochter aufs Parkett wegen des schwachen Kapitalmarkts auf dieses Jahr verschoben. Im Februar hatte der neue RWE-Chef Jürgen Großmann noch ein Fragezeichen hinter den Zeitplan gesetzt. Theoretisch sei der Börsengang im Frühjahr möglich, der genaue Zeitpunkt sei aber offen. Einen genaueren Zeitplan nannte American Water auch in seiner Pflichtmitteilung an die SEC nicht.

Mit dem Verkauf von American Water will der Konzern die Fokussierung auf das Kerngeschäft abschließen. Zuvor hatte sich RWE bereits von Thames Water getrennt. Den Erlös will RWE laut früheren Angaben an die Aktionäre ausschütten.
bs


Aus: "RWE macht Ernst bei American Water" (01.04.2008)
Quelle: http://boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_284882


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[Im Trinkwasser... ]
« Reply #7 on: August 05, 2008, 09:20:57 AM »

Quote
[...] In manchen betroffenen Gemeinden werden die Werte durch Mischung mit unbelastetem Wasser korrigiert, andere setzen auf Filteranlagen, bei denen zum Beispiel bestimmte Harze zum Einsatz kommen, die das Uran entfernen, den Rest des trinkwassers aber nicht beeinflussen. Und in wieder anderen passiert gar nichts: "Report München" berichtet, die Ostsee-Gemeinde Palmzin der Kommune Semlow in Mecklenburg-Vorpommern habe etwa erst durch die Nachfrage der Journalisten von der hohen Uran-Belastung mit Werten über 23 Mikrogramm erfahren. Das zuständige Gesundheitsamt sei zwar schon seit 2006 über die Messung informiert worden, habe aber seither nicht reagiert.


Aus: "SCHWERMETALL-BELASTUNG - Verbraucherschützer warnen vor Uran im Trinkwasser" Von Christoph Seidler  (04.08.2008)
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,570010,00.html

-.-

Quote
[...] Meerblau schimmert die Vittel-Flasche, „bonne source“, gute Quelle, steht auf dem Etikett. 

Eineinhalb bis zwei Liter soll der Mensch laut Lebensmittelexperten jeden Tag trinken, um sich „gesund“ und „ausgewogen“ zu ernähren.

Leider sind nicht alle Mineralwasser aus Frankreich so rein, wie die Werbung suggeriert.

In Flaschen von Vittel, Volvic, Cristaline und weiteren französischen Marken sind Spuren von Pestiziden und Hormonen entdeckt worden. Das Verbraucher-Magazin "60 Million de Consommateurs" und die Nicht-Regierungs-Organisation Fondation France Libertés haben die Studie durchgeführt.

Zehn von 47 analysierten Mineralwassern beinhalten Rückstände von Medikamenten, Hormonen und Pestiziden – insgesamt wurden 85 Stoffe entdeckt, die nichts im Wasser zu suchen haben.

Besonders erschreckend ist die Anwesenheit von Tamoxifen, einem synthetischen Hormon, das in der Behandlung von Brustkrebs eingesetzt wird. Spuren des verschreibungspflichtigen Medikaments fanden sich in den beliebten Marken Mont Roucous, St-Yorre, Salvetat, Saint Amand und dem Carrefour-Wasser Céline Cristaline.

Am häufigsten wurde das wasserlösliche Herbizid Atrazin gefunden. Moleküle wurden in Volvic, Vittel, Cora und Cristaline nachgewiesen.

Die Proben der Mineralwasser Hepar und Saint Amand enthielten Spuren der Medikamente Buflomedil und Naftidrofuryl. Damit werden Arterien von Blutdruck-Patienten erweitert.

Auf Leitungswasser in Frankreich enthält laut Studie in acht von zehn Proben mindestens einen Schadstoff.
Wie das Magazin berichtet, bestritten die Mineralwasser-Konzerne die Ergebnisse der Untersuchung. Daraufhin ließ das Magazin die Ergebnisse in einer zweiten Studie überprüfen  - mit gleichem Ergebnis.
Um die Verbraucher zu beruhigen: Die Menge der Moleküle, die als Mikroverunreinigungen entdeckt worden sind, ist so gering, dass eine Gesundheitsgefahr ausgeschlossen werden kann. Trotzdem wirft die Studie Fragen auf: Was haben Arzneimittel und Pestizide im Mineral- und Leitungswasser zu suchen? Warum schließt die Wasser-Industrie solche Verunreinigungen nicht mittels Tests aus?
Es gibt Stoffe, die nicht ins Wasser gehören, auch nicht in winzigen Mengen. Aufklärung und Abhilfe durch die Wasser-Industrie ist nun angebracht.
Das Verbraucher-Magazin fühlt sich durch die Ergebnisse bestärkt: "Es ist ernst genug, um eine weitaus größere Studie anzustreben".


Aus: "Weichmacher im Mineralwasser Schadstoffe in Vittel und Volvic entdeckt"  Florian Leclerc (26. März 2013)
Quelle: http://www.fr-online.de/lebensmittel/weichmacher-im-mineralwasser-schadstoffe-in-vittel-und-volvic-entdeckt,21868140,22214302.html

« Last Edit: March 28, 2013, 10:22:34 AM by Textaris(txt*bot) »
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[Bewohner der ostchinesischen Stadt Yancheng... ]
« Reply #8 on: February 22, 2009, 11:05:39 AM »

Quote
[...] Peking - Rund eine Millionen Bewohner der ostchinesischen Stadt Yancheng sind seit Freitag ohne Trinkwasser, nachdem eine Chemiefabrik giftiges Phenol in einen Fluss abgelassen hatte. Wegen der massiven Umweltverschmutzung im Manshe Fluss seien zwei der drei Wasserwerke der 1,5 Millionen Einwohner zählenden Stadt in der Provinz Jiangsu seit Freitag nicht in Betrieb, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Arbeiter müssten die Leitungen reinigen. Die Wasserbehörden hätten Schleusentore öffnen lassen, um die Chemikalie aus dem Flusswasser zu spülen.

Das privat betriebene Biaoxin Chemiewerk sei geschlossen und die Besitzer in Gewahrsam genommen worden, berichtete Xinhua. Die Vergiftung war Freitagmorgen durch den Gestank des Wassers in den Aufbereitungsanlagen Chengxi und Yuehe entdeckt worden. Die Wasserversorgung wurde unterbrochen, so dass die meisten Bewohner und die Industrieproduktion in der Stadt betroffen waren. Die Menschen versuchten, sich mit Mineralwasser einzudecken. Einige Geschäfte versuchten Profit aus der Nachfrage zu schlagen und hätten den Preis für Wasserflaschen mehr als verzehnfacht, berichtete die "China Daily".

dpa




Aus: "Chemikalien vergiften Fluss - Eine Million Chinesen ohne Trinkwasser" (21. Februar 2009)
Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2009/02/21/1058408.html

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[Monitor hatte seinen Bericht... (H2O)]
« Reply #9 on: January 21, 2013, 05:38:36 PM »

Quote
[...] BRÜSSEL. (hpd) Nach Informationen des TV-Magazins Monitor will die EU-Kommission in einer Geheimoperation die Wasserversorgung privatisieren. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser, obwohl seit Juli 2010 ein von der UN verbrieftes Menschenrecht (Resolution 64/292), soll zum Spekulationsobjekt von Unternehmen wie der deutschen RWE und Gelsenwasser oder europäischer Großkonzerne wie Thames Water oder Veolia werden.

Die europaweite Bürgerinitiative Right2Water ruft dagegen auf zum Protest. Humanisten sollten die Kampagne „Wasser ist ein Menschenrecht“ mit ihrer Unterzeichnung unterstützen. Eine Millionen Unterschriften aus mindestens sieben der 27 EU-Mitgliedstaaten werden gebraucht, damit sich die Europäische Kommission mit dem Anliegen der Bürgerinitiative befassen muss.

Monitor hatte seinen Bericht „Geheimoperation Wasser“ schon im Dezember ausgestrahlt. „Klammheimlich“, hieß es darin, „versteckt in einer Richtlinie, versucht die Europäische Kommission gerade ein Jahrhundertprojekt durchzusetzen. Es geht um nicht weniger als um die europaweite Privatisierung der Wasserversorgung“. Vor der Kamera kommen verzweifelte Bürger aus Portugal zu Wort. Nach dem Verkauf der Wasserwerke ihrer Gemeinde können sie kaum noch die bis zu 400 Prozent gestiegenen Trinkwasserpreise bezahlen.

Weil Krisenländer wie Portugal oder Griechenland dringend Geld brauchen, zwingt die EU-Kommission sie in Geheimverträgen (Monitor zitiert daraus auf seiner Internetseite) zum Verkauf. So sollen etwa die großen Wasserwerke von Athen und Thessaloniki unter Druck privatisiert werden. Und die Krisenstaaten machen erst den Anfang, fürchten Kritiker wie Heide Rühle, EU-Parlamentarierin der Grünen: „Die Konzessionsrichtlinie macht es nicht direkt, öffnet nicht direkt der Wasserprivatisierung die Tür, sie macht es durch die Hintertür.“

Die EU-Richtlinie, nach der die Wasserlizenzen europaweit ausgeschrieben werden sollen, rechtfertigt der für den EU-Binnenmarkt zuständige Kommissar Michel Barnier mit der Behauptung, man brauche eben Regeln und (nach der Übersetzung von Monitor) wörtlich: „Jede deutsche Kommune wird weiterhin über ihr Wasser entscheiden können, jetzt aber geben wir ihr die Möglichkeit, das Wasser auch einem privaten Partner anzuvertrauen. Jetzt wird auch das geregelt – zum Wohle des Verbrauchers.“

Zum Wohle des Verbrauchers? In Berlin, wo die Wasserbetriebe schon 1999, jedoch nur zum Teil privatisiert worden waren, hatten die Bürger gegenteilige Erfahrungen gemacht und zwangen die Stadt mit Massenprotesten die Wasserwerke teuer zurückzukaufen. Gerlinde Schermer von der Bürgerinitiative Berliner Wassertisch drückte es gegenüber Monitor so aus: „Die Berliner Erfahrung zeigt, dass auch eine Teilprivatisierung ein so genanntes öffentlich-privates Partnerschaftsgeschäft in Wirklichkeit nur den Privaten nützt. Die haben die Rendite und wir bezahlen.“ Eine Studie der Universität Barcelona von 2010 bestätigt diese Erfahrungen: Nach der Privatisierung besserte sich die Qualität des Wassers nicht wie versprochen, sondern wurde nur erheblich teurer.

Warum sich die EU-Kommission denn derart gegen den Willen der europäischen Bevölkerung entscheide, fragten sich die Monitor-Rechercheure und fanden einen Teil der Antwort in der Zusammensetzung der „Steering Group“, der Expertengruppe, von der sich die EU-Kommission in Fragen der Wasserpolitik beraten lässt. „Die Teilnehmerliste ist erstaunlich“, mussten die Journalisten konstatieren, „darin sitzen hauptsächlich Vertreter der Wasserindustrie und verwandter Industriebereiche.“ Als das heraus kam, war das selbst dem maßgeblichen EU-Kommissar Barnier peinlich, Monitor zitiert ihn mit dem Statement: „Wenn Sie von mir hören wollen, dass unsere Expertengruppen ausgeglichener besetzt sein sollten, gebe ich Ihnen gerne Recht.“ Doch davon, dass die Steering Group in ihrer Zusammensetzung verändert wurde, wurde bislang nichts bekannt.

Mit anderen Worten: Die Wasserlobby kann ihren Einfluss auf die EU-Politiker weiterhin ungehindert gelten machen. Und zumeist wohl eher selten zum Wohl des Verbrauchers, bemängelt auch der Präsident des Deutschen Städtetages Christian Ude: „Es ist wirklich bedauerlich, dass mancher Wettbewerbskommissar nur noch die Bedürfnisse seiner Gesprächspartner aus den Konzernchefetagen kennt und nicht die Bedürfnisse der Bevölkerung.“

Um die Anerkennung und Umsetzung des universellen Rechts auf Zugang zu Wasser und sanitärer Grundversorgung in Europa und der Welt voranzutreiben und dem Einfluss der international wirkenden H2O-Lobby zu entziehen, hat sich mit „Wasser ist ein Menschenrecht“ eine der ersten Europäischen Bürgerinitiativen zusammengeschlossen. Mit dabei der Europäische Gewerkschaftsverband für den Öffentlichen Dienst (EGÖD), in Deutschland vertreten durch Verdi, und Organisationen wie Attac und andere. Die EU-Institutionen sollen dafür sorgen, fordert die Initiative mit Nachdruck,

    dass allen Bürgern und Bürgerinnen das Recht auf Wasser und sanitäre Grundversorgung zusteht,
    die Versorgung mit Trinkwasser und die Bewirtschaftung der Wasserressourcen nicht den Binnenmarktregeln unterworfen wird,
    die EU ihren Einfluss stärker geltend macht einen universellen Zugang zu Wasser und sanitärer Grundversorgung zu erreichen.

Frisches, klares Wasser ist eines der kostbarsten Güter der Welt. Weltweit haben 884 Millionen Menschen keinen genügenden Zugang zu sauberem Wasser. Jedes Jahr sterben Millionen, weil ihnen diese Ressource verwehrt ist, kommen durch verunreinigtes Wasser vor allem Kinder um. 2,6 Milliarden Weltbürger verfügen nicht einmal über einfache sanitäre Anlagen. Die Kampagne „Wasser ist ein Menschenrecht“ braucht Unterstützung.



Aus: "EU will Wasserversorgung privatisieren" Tom Brandenburg (21.01.2013)
Quelle: http://hpd.de/node/14832

-.-

Geheimoperation Wasser: Wie die EU-Kommission Wasser zur Handelsware machen will
https://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2012/1213/wasser.php5

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« Reply #10 on: February 13, 2013, 01:20:58 PM »

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[...] Erstmals überhaupt hat ein EU-Volksbegehren die nötige Zahl von einer Million Unterschriften erreicht. Die Initiative "Wasser ist ein Menschenrecht - Right 2 Water" richtet sich gegen EU-Pläne zur Privatisierung des Wasserversorgung. Sie teilte auf ihrer Internetseite mit, ihr Anliegen habe bislang rund 1,02 Millionen Unterstützer gefunden. Damit wäre die für eine Europäische Bürgerinitiative notwendige Hürde von einer Million Menschen überschritten.

...


Aus: "Eine Million Bürger gegen private Wasserversorgung" (11.02.2013)
Quelle: http://www.tagesschau.de/inland/wassernetze100.html

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[Das kleine Jordanien... ]
« Reply #11 on: October 29, 2015, 12:47:27 PM »

Quote
[...] Das kleine Jordanien hat nach Angaben des Uno-Flüchtlingswerks UNHCR fast 630.000 Menschen aus Syrien aufgenommen, die jordanischen Behörden gehen sogar von 1,4 Millionen aus - und alle brauchen Wasser. Dabei ist die Versorgung in Jordanien schon jetzt so angespannt wie kaum anderswo auf dem Planeten. Laut der Hilfsorganisation Oxfam kann die Regierung ihren Bürgern nur 150 Kubikmeter Wasser pro Jahr zur Verfügung stellen - weit weniger als jene 500 Kubikmeter, unterhalb derer die Uno von Wassermangel spricht.


Aus: "Klimawandel und Umweltzerstörung: Die Wüsten werden wachsen, die Menschen fliehen" Markus Becker, Brüssel (29.10.2015)
Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/fluechtlinge-klimawandel-und-wassermangel-verschaerfen-gefahr-a-1059195.html

Jordanien
https://de.wikipedia.org/wiki/Jordanien
« Last Edit: October 29, 2015, 12:50:06 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #12 on: April 23, 2018, 05:02:05 PM »

Quote
[...] Düsseldorf/Viersen Durch Dünger und Mist belastet die Landwirtschaft Boden und Grundwasser mit Nitrat. Weil der Grenzwert im Wasser an vielen Orten überschritten wird, drohen künftig höhere Preise für das Trinkwasser. Davor warnen Experten des Umwelt Bundesamtes (UBA) in ihrem aktuellen Bericht. Denn das Trinkwasser muss immer aufwendiger aufbereitet werden, damit der Nitratgehalt unter dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter bleibt. Das UBA hat berechnet, dass künftig Mehrkosten von 134 Euro pro Jahr für eine vierköpfige Familie zu erwarten sind.

Das gilt vor allem für sehr ländliche Regionen wie den Niederrhein. Der Trinkwasserversorger NiederrheinWasser (NEW) muss nach eigenen Angaben etwa in Bereichen von Viersen das Trinkwasser aus verschiedenen Quellen mischen. Das koste bisher nur wenige Cent mehr. Sollte dieses Verfahren irgendwann nicht mehr ausreichen, müsse jedoch zu einer chemischen Aufbereitung übergegangen werden, sagt ein NEW-Sprecher. So könne der Preis um 40 Cent pro Liter steigen.

In Viersen haben im Jahr 2015 fünf von zehn Messstellen die 50 mg/l überschritten. Deswegen hat das Land NRW den Kreis zu einem Schwerpunkt beim Kampf gegen Nitrat gemacht. Drei von 31 Modellbetrieben liegen im Kreis Viersen. Dort soll möglichst gewässerschonende Landwirtschaft betrieben werden. Die Maßnahmen auf diesen Höfen werden von der Landwirtschaftskammer überwacht und ausgewertet.


Der Nitrat-Grenzwert: Die 50 Milligramm Nitrat pro Liter sind ein Giftigkeitsgrenzwert. Den hat die EU für Trinkwasser und Grundwasser festgelegt. „Weil Nitrat im Körper zu Nitrit wird und davon eine akute Gefahr für die Gesundheit ausgeht“, sagt Volker Mohaupt vom Umweltbundesamt. Der Grenzwert orientiert sich an Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

... Das Problem mit dem Nitrat ist nicht neu. Die EU hat ihre Mitglieder im Jahr 1991 mit der Nitratrichtlinie dazu verpflichtet, den Gehalt im Grundwasser unter dem Grenzwert zu halten.

Doch viel getan hat sich seitdem nicht: Die Nitratwerte in Deutschland sind seit dem Jahr 2007 an 40 Prozent der Messstellen gestiegen – nicht gesunken. Zu diesem Ergebnis kam die EU-Kommission nach Auswertung der deutschen Grundwasserwerte. Eine Klage gegen die Bundesrepublik läuft.

Deutschland hat daraufhin eine neue Düngeverordnung erarbeitet. Doch auch die geht Wasserversorgern und UBA nicht weit genug. Die Beschränkungen für das Düngen würden nicht ausreichen, um den Nitratgehalt an kritischen Stellen deutlich zu senken, fürchten sie.

Zusammen mit dem Recherchezentrum Correctiv haben wir die Grundwasserwerte in Nordrhein-Westfalen aus den Jahren 2000 bis 2015 analysiert. Die Daten zeigen: An zahlreichen Messstellen ist die Belastung mit Nitrat nicht gesunken. ...




Aus: "Nitrat – die Gefahr aus der Gülle" Christina Rentmeister und Phil Ninh (19.04.2018)
Quelle: https://interaktiv.rp-online.de/nitrat-in-nrw/messstellen-in-nrw
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« Reply #13 on: February 07, 2019, 09:41:00 AM »

Quote
[...] Eine Studie einer internationalen Forschungsgruppe im Fachblatt „Nature Climate Change“ weist auf eine dramatische Entwicklung im Klimawandel hin: Die natürlichen Grundwasser-Reservoirs schrumpfen. In den nächsten 100 Jahren werden wahrscheinlich nur die Hälfte der Grundwasservorkommen weltweit wieder vollständig aufgefüllt werden. Trotz extremer Regenfälle können sich die Reservoirs aufgrund der immer häufiger werdenden Trockenperioden nicht wieder erholen. Die Folgen werden sich aber erst mit großer zeitlicher Verzögerung bemerkbar machen, so die Forscher.

Auch in Deutschland schlagen Meteorologen Alarm: Der Dezember 2016 war der trockenste seit 1963 – also seit 53 Jahren. Laut der Bilanz des Deutschen Wetterdienstes war das Jahr 2018 zudem das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881. Problematisch an langen Trockenperioden ist vor allem, dass die Wasserspeicher in der Regel nicht von einmaligen, starken Regenfällen gefüllt werden können. Besonders starker Regen fließt oberflächlich ab, statt dass das Wasser in tiefere Schichten sickert.

Für die Studie zum Grundwasser nutzten die Wissenschaftler Computermodelle auf Grundlage von Grundwasser-Daten. Die Ergebnisse alarmierten die Forscher: „Das könnte als Umwelt-Zeitbombe beschrieben werden, weil sich alle jetzt auftretenden Folgen des Klimawandels für die Grundwasserneubildung erst lange Zeit später vollständig auf den Basisabfluss zu Flüssen oder Feuchtgebieten auswirken werden“, sagte Mark Cuthbert von der Fakultät für Erd- und Meereswissenschaften an der Universität Cardiff der Nachrichtenagentur AFP.

Der Prozess, in dem Regenwasser gefiltert wird und sich in tieferen Erdschichten als Grundwasser ansammle, könne Jahrhunderte dauern. Die genaue Dauer sei von Region zu Region unterschiedlich. Besonders in bereits heute trockenen Gegenden wie der Sahara könne dieser Prozess mehrere tausend Jahre in Anspruch nehmen. Fehlt Wasser in den unterirdischen Speichern, sind Natur und Tiere bedroht, auch die Landwirtschaft ist betroffen. Dazu kommt eine höhere Konzentration an Schadstoffen im verbleibenden Wasser.

Die Menschheit sei sich dieses Problems nicht bewusst, beklagt Cuthbert: „Grundwasser ist außer Sichtweite und aus den Köpfen, diese gewaltige versteckte Ressource, über die die Menschen nicht viel nachdenken, obwohl sie die weltweite Produktion von Lebensmitteln stützt.“ Bereits heute sind die Grundwasservorräte durch die stark wachsende Zahl der Menschen auf der Erde und die damit einhergehende Steigerung der Lebensmittel-Produktion gefährdet. (mit AFP)


Aus: "Forscher warnen: Grundwasser schwindet" Florence Schulz (29.01.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/klimawandel-forscher-warnen-grundwasser-schwindet/23922150.html
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« Reply #14 on: March 20, 2019, 10:15:45 AM »

Quote
[...] Weltweit haben 2,1 Milliarden Menschen nicht durchgängig Zugang zu sauberem Trinkwasser. Dies geht aus dem Weltwasserbericht der Unesco hervor, der am Dienstag in Genf vorgestellt wurde. Besonders betroffen sind dabei ohnehin schon diskriminierte Gruppen, wie aus dem am Dienstag in Genf veröffentlichtem UN-Weltwasserbericht hervorgeht. Demnach haben Menschen, die aufgrund ihres Geschlechts, Alters, sozioökonomischen Status oder ihrer ethnischen, religiösen sowie sprachlichen Identität benachteiligt sind, seltener Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen. Dem Bericht zufolge kann mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung keine sicheren Sanitäranlagen nutzen.

„Sicheres Wasser und sichere sanitäre Einrichtungen sind Menschenrechte“, sagte Ulla Burchardt, Vorstandsmitglied der Deutschen Unesco-Kommission. „Doch für Milliarden Menschen sind diese Rechte nicht verwirklicht“, erklärte sie. Über zwei Milliarden Menschen lebten ohne sicheres Trinkwasser, 844 Millionen müssten mindestens eine halbe Stunde täglich für die Wasserbeschaffung aufwenden oder hätten gar keinen Zugang.

Selbst in Europa und in Nordamerika haben 57 Millionen Menschen keine Wasserleitungen in ihren Häusern, wie Unesco-Generaldirektorin Audrey Azoulay bei der Vorstellung des Berichts erklärte. Auch der Zugang zu grundlegenden Sanitäranlagen bleibe 36 Millionen Menschen in Europa und Nordamerika verwehrt. Unter anderem seien indianische Gemeinschaften in Kanada stark benachteiligt. 40 Prozent von ihnen verfügten nur über minderwertiges Trinkwasser – mit gesundheitlichen Folgen.

Die Hälfte der Menschen weltweit mit unzureichendem Zugang zu sicherem Trinkwasser lebt dem Bericht zufolge in Afrika. Lediglich 24 Prozent der Bevölkerung in den Ländern südlich der Sahara haben demnach Zugang zu sicherem Trinkwasser. Nur 28 Prozent nutzten sanitäre Einrichtungen, die sie nicht mit anderen Haushalten teilen müssen.

Unterschiede zeigten sich auch zwischen Arm und Reich, zwischen Stadt und Land. Slum-Bewohner zahlen demnach häufig zehn bis zwanzig Mal so viel für Wasser wie Bewohner von wohlhabenden Vierteln und erhalten dafür oft Wasser von schlechterer Qualität. Dabei seien Stadtbewohner meist bessergestellt als Bewohner ländlicher Regionen.

Mehr als zwei Milliarden Menschen weltweit leben in Staaten mit sogenanntem hohen Wasserstress. In diesen Staaten werden mehr als ein Viertel der erneuerbaren Wasserressourcen genutzt. Jüngste Schätzungen zeigten, dass über 50 Staaten von Wasserstress betroffen sind, heißt es in dem Bericht: 31 Länder wie Mexiko und China nutzen zwischen 25 Prozent und 70 Prozent der erneuerbaren Wasserressourcen, weitere 22 Länder mehr als 70 Prozent. Dazu zählen Ägypten und Pakistan.

In Deutschland werden den Angaben zufolge seit 15 Jahren weniger als 20 Prozent der erneuerbaren Wasserressourcen genutzt. Deutschland sei auf einem guten Weg, „doch wir sind Mitverursacher der großen Probleme in anderen Weltregionen, durch den Import etwa von Baumwolle oder Rindfleisch, deren Herstellung teils gewaltige Wasserressourcen benötigt“, mahnte Burchardt. (epd, dpa)


Aus: "Weltwasserbericht der Unesco 2,1 Milliarden Menschen fehlt sicherer Zugang zu Trinkwasser" (19.03.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/weltwasserbericht-der-unesco-2-1-milliarden-menschen-fehlt-sicherer-zugang-zu-trinkwasser/24119036.html

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« Reply #15 on: March 27, 2020, 11:16:55 AM »

Quote
[...]  Der Klimawandel verschlechtert nach Angaben der Vereinten Nationen die weltweite Wasserversorgung und die Qualität des Wassers. Weltweit hätten derzeit 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser, teilte die Deutsche UNESCO-Kommission anlässlich der Vorlage des UN-Weltwasserberichts mit. 4,2 Milliarden Menschen - also mehr als 55 Prozent der Weltbevölkerung - hätten zudem keine sicheren Sanitäranlagen.

Der weltweite Wasserverbrauch sei mittlerweile sechs Mal so hoch wie noch vor 100 Jahren, hieß es in dem Bericht. Bevölkerungswachstum, Wirtschaftswachstum und veränderte Konsumgewohnheiten führten dazu, dass der Wasserverbrauch weiter um etwa ein Prozent pro Jahr steige.

Durch die Erderwärmung komme es zu häufigeren und extremeren Wetterereignissen wie Hitzewellen oder Starkregenfällen. In bereits betroffenen Regionen werde sich die Lage weiter verschlechtern, "beispielsweise in Form einer zunehmend unregelmäßigen und unsicheren Versorgung", warnt die UNESCO. Noch nicht betroffene Regionen würden "durch den Klimawandel in Zukunft ebenfalls unter Wasserstress leiden". Trockengebiete könnten sich weltweit beträchtlich ausdehnen.

 Um den Herausforderungen zu begegnen, werden im Weltwasserbericht zwei Lösungsansätze vorgeschlagen: Einerseits müsse Wassernutzung an den Klimawandel angepasst werden, andererseits solle nachhaltiges Wassermanagement durch Klimaschutz erreicht werden.

"Wir reden oft über Wassermangel und drohende Wasserkonflikte, aber zu wenig darüber, dass Wasser Teil der Lösung der Klimakrise ist", erklärte Ulla Burchardt, Vorstandsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission. Die nachhaltige Bewirtschaftung von Wasserressourcen sei ein Schlüsselfaktor, um eine bessere und nachhaltigere Wasserversorgung zu erreichen, sagte Burchardt.

Bis zu 90 Prozent aller Abwässer weltweit würden unbehandelt abgelassen und belasteten Umwelt und Trinkwasservorräte. Abwasseraufbereitung könne helfen, Treibhausgase zu reduzieren. Vor allem die Landwirtschaft müsse dringend an die Herausforderung von Wasser- und Klimakrise angepasst werden.

Die Autoren des Weltwasserberichts kritisieren in diesem Zusammenhang, dass Wassermanagement, Wasserverfügbarkeit und Sanitärversorgung unterfinanziert seien. Innovative Technologien würden noch zu selten eingesetzt werden. Im Bericht wird dazu aufgerufen, Wasser- und Klimaschutz so miteinander zu verbinden, dass Investitionen in wasserbezogene Bereiche für Investoren attraktiv werden.

 Die Wasserexpertin vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Laura von Vittorelli, nannte Wasser "unsere wertvollste Ressource, die es zu schützen gilt, vor allem unter zunehmendem Wasserbedarf in Zeiten der Klimaerhitzung". Die Behörden in Bund und Ländern ermahnte sie, der Gewässerschutz müsse "in allen Politikbereichen mitgedacht werden".

Die Umweltorganisation WWF kritisierte, die deutsche Lebensmittelbranche greife überall auf der Welt mit ihren Lieferketten in die lokalen Bedingungen von Flussgebieten ein und trage damit zu Wasserknappheit bei. "Wenn wir unseren gegenwärtigen Umgang mit Süßwasser nicht drastisch ändern, droht bis zum Jahr 2030 ein globales Süßwasserdefizit von 40 Prozent", erklärte WWF-Süßwasserexperte Johannes Schmiester.

Der Weltwasserbericht der Vereinten Nationen wird jährlich durch die UNESCO und deren World Water Assessment Programme erstellt. Dazu arbeiten 31 UN-Organisationen mit der UNESCO zusammen.


Aus: " UN-Weltwasserbericht: Klimawandel sorgt für Wassermangel" (22.03.2020)
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/weltwasserbericht-un-103.html

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« Reply #16 on: September 08, 2020, 09:18:39 AM »

Quote
[...] Normalerweise interessieren Wasserstandsmeldungen aus der Oberlausitz in Berlin eher wenig. Zurzeit ist das anders, denn von den gut 400 Litern Regen pro Quadratmeter, die laut statistischem Soll in Berlin seit Jahresbeginn hätten fallen sollen, fehlen noch fast 80. Und weil die beiden Vorjahre so extrem trocken waren, summiert sich das Niederschlagsdefizit seit Anfang 2018 auf 400 Liter: 40 große Wassereimer auf jedem Quadratmeter.

Tatsächlich fehlt wegen der hohen Verdunstung in diesen besonders warmen Jahren sogar noch mehr. Der Natur ist der Mangel anzusehen; selbst als robust geltende Bäume wie Kiefern und Birken sterben massenhaft ab.

Die Menschen spüren den Mangel bisher nur ausnahmsweise: Im Spreewald sind einige Schleusen stillgelegt worden, damit nicht mit jedem Boot ein Schwall Wasser verloren geht. Wassergrundstücksbesitzern in den meisten Brandenburger Landkreisen drohen hohe Bußgelder, wenn sie Oberflächenwasser in ihre Gärten pumpen. Aber in Berlin sind die Pegel ebenso normal wie der Druck in der Leitung.

Der Ernst der Lage erschließt sich beim Blick flussaufwärts entlang von Havel, Dahme und Spree. Den riskiert auch die „Ad-Hoc-Arbeitsgruppe Extremsituation“ aus Fachleuten von Berliner, Brandenburger und sächsischen Behörden, zuletzt am vergangenen Montag. Nachdem zwei Wochen zuvor Alarmstimmung verbreitet wurde, war jetzt zumindest leichte Entspannung messbar – dank kräftigem Regen in Sachsen am vergangenen Wochenende.

Damit die Hauptstadt flüssig bleibt, braucht sie vor allem die Spree. Die soll laut einer Vereinbarung zwischen Berlin, Brandenburg und Sachsen mindestens acht Kubikmeter pro Sekunde in die Hauptstadt bringen. Tatsächlich schafft sie das in den Sommermonaten seit Jahren kaum noch. Dabei gibt es einige Stellschrauben, um den Zufluss zu regulieren – nämlich die Speicherbecken im Lausitzer Seenland.

Die meisten befinden sich im Grenzgebiet von Sachsen und Brandenburg südlich von Cottbus. Der Berlin nächstgelegene Speicher ist die Talsperre Spremberg, in der sich laut Brandenburger Landesumweltamt zurzeit noch gut zehn Millionen Kubikmeter Wasser befinden. Das entspricht reichlich einem Viertel ihres Fassungsvermögens und gerade der Hälfte der Menge, die sie laut Bewirtschaftungsrichtlinie um diese Jahreszeit enthalten sollte.

Sechs Kubikmeter pro Sekunde werden zurzeit auf den Weg Richtung Berlin geschickt. Die können in der Hauptstadt nicht vollständig ankommen, weil sich auf dem Weg dahin große Gewässer und der Spreewald mit entsprechender Verdunstung sowie diverse Wassernutzer befinden.

Kaum besser steht es mit dem Speicher Niemtsch – besser bekannt als Senftenberger See –, aus dem gar kein Wasser mehr abgegeben wird. Auch die meisten anderen Wehre sind dicht. Viel lässt sich an diesen Stellschrauben also nicht mehr drehen.

Allerdings lässt sich der Nachschub zusätzlich steuern durch Überleitungen aus der Neiße und die Einleitung von Tagebauwasser. Dessen Anteil an der Lausitzer Spree lag im August bei 60 Prozent. Jedoch ist es oft von problematischer Qualität: Rostfarbener Eisenocker trübt das Wasser und verschlammt den Grund, gelöstes Sulfat greift Bauwerke an und ließe bei weiter steigender Konzentration das Trink- zu Heilwasser mit potenziell abführender Wirkung werden.

Die über einen Umflutkanal bereits weit südlich von Berlin mit der Spree verbundene Dahme hat keine vergleichbaren Speicher in ihrem nicht einmal 100 Kilometer langen Verlauf: Stark schwankende Pegel sind an der Dahme-Seenkette nicht vorgesehen.

Dasselbe gilt für die aus der Mecklenburger Seenplatte kommende Oberhavel. Die addiert knapp sieben Kubikmeter pro Sekunde, die Spree, Havel und Dahme zurzeit nach Berlin bringen, entsprechen etwa der durchschnittlichen Fördermenge aller Berliner Wasserwerke.

Die gewinnen das Trinkwasser zu etwa zwei Dritteln aus Uferfiltrat, also versickertem Wasser der gelegenen Seen. Ein knappes Drittel ist echtes Grundwasser. Hinzu kommt „angereichertes“ Grundwasser, also gezielt versickertes Oberflächenwasser.

Wie viel von der Gesamtfördermenge wieder in die Klärwerke gelangt, also im lokalen Kreislauf bleibt, ist (weil die Klärwerke auch Abwasser aus dem Umland reinigen) nicht genau bekannt, aber lässt sich anhand der Differenz aus durchschnittlichen und Spitzenverbrauchstagen ungefähr abschätzen: Während an einem Durchschnittstag rund 600.000 Kubikmeter aus den Berliner Wasserhähnen rauschen, sind es an hochsommerlichen Spitzentagen etwa 850.000 Kubikmeter.

Ein Großteil dieses Mehrverbrauchs dürfte in Gärten landen, also letztlich verdunsten. Der Umweltverband BUND kritisierte das kürzlich als nicht mehr akzeptable Verschwendung. Und der Brandenburger Landtag hat die Regierung in Potsdam gerade aufgefordert, bis Ende 2021 ein Gesamtkonzept für den Umgang mit Wasser in Zeiten des Klimawandels zu erarbeiten. Die Überbrückung von Trockenperioden ohne unnötige Entnahmen von Grundwasser ist einer von mehreren Punkten des Antrages.

Die Abflussmenge der Spree an der Spandauer Havelmündung zeigt, dass Berlin im Saldo zurzeit mehr in die Gewässer einspeist, als es entnimmt. Zumal in den aktuell gut 13 Kubikmetern pro Sekunde nicht einmal der Abfluss aus Berlins größtem Klärwerk in Ruhleben enthalten ist. Das leitet sein gereinigtes Wasser im Sommer südwärts in den Teltowkanal, damit noch enthaltenen Schmutz- und Nährstoffteilchen nicht während der Badesaison die Unterhavel verdrecken, sondern stark verdünnt Richtung Havelland aus der Stadt verschwinden.

Dass die Berliner Wasserbetriebe (BWB) nicht zum Sparen aufrufen, während die Brandenburger Behörden Alarmstimmung verbreiten, erklären die BWB vor allem mit dem im Vergleich zu früheren Zeiten ohnehin viel geringeren Verbrauch, der selbst durch weiteres Wachstum der Stadt und die Ansiedlung des Großverbrauchers Tesla längst nicht das Niveau der Wendezeit erreicht.

Der BUND dagegen erklärt die scheinbare Berliner Gelassenheit mit den politischen Rahmenbedingungen: Auch im neuen, 2020 in Kraft getretenen Unternehmensvertrag nötigt der Senat die Wasserbetriebe, hohe Millionengewinne an den Landeshaushalt abzuführen. Sinkender Verbrauch würde die Renditeziele gefährden.


Aus: "Dem Berliner Boden fehlen pro Quadratmeter 40 Eimer Wasser" Stefan Jacobs (08.09.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/das-wasser-wird-knapp-dem-berliner-boden-fehlen-pro-quadratmeter-40-eimer-wasser/26162722.html
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« Reply #17 on: July 11, 2021, 12:35:09 PM »

Quote
[...] Ein Blick auf eine der schwersten Dürren in der Geschichte Jordaniens genügt, um einen Fingerabdruck des Klimawandels zu erahnen. Von einem drastisch sinkenden Grundwasserspiegel könnte die Rede sein, mehr als drei Meter im Jahr, von Rinnsalen, wo einst breite Ströme flossen, von 40 Litern Wasser, die vielen Menschen pro Tag nur bleiben. Für viele Jordanier ist das bereits der Normalzustand.

"Wie sich die Wasserkrise in Jordanien zuspitzt" Matthias Jauch (07.05.2021)
In Jordanien ist die Wasserknappheit längst Teil des Alltags. Doch der Klimawandel und das Bevölkerungswachstum verschärfen das Problem drastisch. ... Wer die Auswirkungen des Klimawandels beobachten will, kann einen Blick auf den Jordan und den Yarmouk werfen. Über das größte Flusssystem der Region wird nicht nur Jordanien mit Wasser versorgt. Menschen in Israel und Syrien profitieren vom steigenden Pegel der Flüsse, wenn es regnet, darben wegen der Trockenheit, wenn die Wasserläufe in den heißen Sommermonaten zu Rinnsalen schrumpfen. Tief im Boden Jordaniens sinkt der Grundwasserspiegel Jahr für Jahr, teils sogar um dreieinhalb Meter. Das Grundwasser, das noch verbleibt, wird intensiv genutzt, während in der Region immer weniger der Ressource verfügbar ist. So schildern es Forscher. ...
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/eine-blaupause-des-klimawandels-wie-sich-die-wasserkrise-in-jordanien-zuspitzt/27153302.html

Die Wasserknappheit ist in dem Zehn-Millionen-Einwohner-Land, das seit Jahren auch mehrere Millionen Geflüchtete versorgt, längst Teil des Alltags. Jede Dürreperiode trifft dieses Land, das zu den trockensten der Erde gehört, hart.

Nun haben Jordanien und Israel einen Handelsvertrag über die knappe Ressource geschlossen: Israel verkauft 50 Millionen Kubikmeter Wasser an das benachbarte Königreich, einen Stabilitätsanker in der oft so unruhigen Region. Es handelt sich eine Rekordmenge und eine Einigung mit Strahlkraft. Gewiss, der Streit um das Wasser des Jordan ist nicht beigelegt. Die Verteilung des gemeinsamen Wassers ist seit dem Friedensabkommen von 1994 ein zentrales Thema zwischen den Staaten. Die neuen Wasser-Lieferungen können auch politische Abhängigkeiten schaffen.

Die Partnerschaft der Länder ist gerade für Israel die wohl wichtigste in der unmittelbaren Nachbarschaft, sie litt jedoch in den letzten Monaten der Regierung von Benjamin Netanjahu. Nun gelingt eine Einigung ausgerechnet mit der neuen Regierung des Hardliners Naftali Bennett. Sie setzt das Signal: Die Zusammenarbeit gelingt, wenn es sein muss. Die Politik um Wasser gewinnt an Bedeutung – immerhin beugt sie auch Spannungen vor.

Dies ist das bessere Beispiel eines Umgangs mit der knappen Ressource. Der Disput um den Nil-Staudamm in Äthiopien, 1800 Meter lang und bald fertiggestellt, ist das schlechtere Beispiel. Seit Beginn des Projekts 2011 herrscht Streit mit den Anrainern Ägypten und Sudan, die sich um die Wassermengen sorgen, die diese Talsperre dem Fluss entziehen könnte. Ägypten nimmt über 90 Prozent seines Wassers aus dem Nil. Unzählige Verhandlungsrunden brachten keinen Erfolg. Selbst Krieg wurde angedroht. Nun liegt die Causa im UN-Sicherheitsrat.

"Der globale Mangel wächst Welche Konflikte um Wasser drohen" ( 25.10.2020)
Durch den Klimawandel und die wachsende Weltbevölkerung wird Wasser immer knapper.
https://www.tagesspiegel.de/politik/der-globale-mangel-waechst-welche-konflikte-um-wasser-drohen/26282952.html

Wasser birgt angesichts des fortschreitenden Klimawandels enormes Konfliktpotenzial. Wer es hat, wird an Bedeutung gewinnen. Wem es fehlt, könnte es sich mit Gewalt holen. Der Wettkampf um das knappe Wasser wird sich zuspitzen, warnte schon vor Jahren die EU-Denkfabrik „Joint Research Center“. Konflikte um Wasser werden eine der größten Herausforderungen der Diplomatie im 21. Jahrhundert werden, ein bestimmendes Element der Geopolitik.


Aus: "Wenn Wasser zur politischen Ware wird" Matthias Jauch (10.07.2021)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/wasser-deal-zwischen-jordanien-und-israel-wenn-wasser-zur-politischen-ware-wird/27408316.html
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« Reply #18 on: March 19, 2022, 07:51:27 PM »

Quote
[...] Zwei Drittel des blauen Planeten sind mit Wasser bedeckt, aber weniger als drei Prozent davon sind trinkbar. Zudem ist das vorhandene Trinkwasser sehr ungleich verteilt. Vor allem in Afrika, im Nahen Osten, in Lateinamerika und Asien herrscht in vielen Gebieten eine dramatische Wasserknappheit.

Eine ähnliche Entwicklung bekommt aber auch Europa immer stärker zu spüren. In vielen europäischen Ländern hat es in den letzten Jahren viel zu wenig geregnet, die Temperaturen sind messbar gestiegen und die Sommer werden immer heißer.

In der Folge drohen bereits in weiten Teilen Europas Wasserknappheit und Dürren. Die Trockenperiode wird sich laut Copernicus Climate Change Service von Osteuropa aus weiter über den gesamten Kontinent ausbreiten. Nicht irgendwann in ferner Zukunft, sondern schon jetzt [https://climate.copernicus.eu/about-us].

Auch das traditionell wasserreiche Deutschland trocknet immer weiter aus. Das zeigen aktuelle Daten der Grace Satelliten [https://gracefo.jpl.nasa.gov/], die Jay Famiglietti, der Direktor des Global Institute for Water Security an der Universität im kanadischen Saskatoon, im Auftrag der NASA und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt ausgewertet hat.

"Der Wasserrückgang in Deutschland beträgt etwa 2,5 Gigatonnen oder Kubikkilometer im Jahr. Damit gehört es zu den Regionen mit dem höchsten Wasserverlust weltweit", so Famiglietti.

Da Wasser im Bewusstsein der Deutschen eigentlich immer ausreichend vorhanden war, veranschaulicht Famiglietti den gewaltigen Wasserverlust anhand des größten deutschen Sees (an den auch Österreich und die Schweiz grenzen): "Im Klartext: Deutschland hat in 20 Jahren Wasser im Umfang des Bodensees verloren. Das ist unvorstellbar viel Wasser."

Der drastische Wasserrückgang in Deutschland zeigt sich nicht nur durch sinkende Pegel an Bächen und Flüssen. Er macht sich zudem durch die abnehmende Bodenfeuchtigkeit bemerkbar, die vor allem für die Landwirtschaft und die Wälder wichtig ist. Natürlich schwankt die Bodenfeuchtigkeit stark, je nachdem, ob es anhaltend geregnet hat oder ob es eine lange Trockenperiode gibt.

Wer aber glaubt, ein paar ergiebige Regentage dürften das schon wieder richten, der irrt: Selbst wenn es längere Zeit kräftig regnet, kommt immer weniger Wasser in unseren Grundwasserreservoiren an. Denn es dauert viele Monate, bis Regenwasser von der Erdoberfläche durch die verschiedenen Erd- und Gesteinsschichten durchgesickert ist und sich die unterirdischen Wasseradern nach einer längeren Trockenperiode wieder gefüllt haben.

Gemessen wird der Zustand der Grundwasserspeicher von den GRACE-FO-Satelliten (Gravity Recovery and Climate Experiment Follow On), die seit zwanzig Jahren die Schwankungen der Schwerkraft der Erde messen, die sich durch den unterschiedlichen Wassergehalt verändert.

Während sich Gebirge und der Meeresboden kaum verändern, erzeugt die Verlagerung von großen Wassermengen durch Verdunstung, Regenfälle oder Abfluss ins Meer brauchbare Daten, die die Forschenden dann mit früheren Messergebnissen der GRACE-Mission und mit Daten von Bodenstationen vergleichen können.

Und der Befund ist seit Jahren eindeutig: "Die Auswertung der Daten zeigt uns den negativen Trend", so Jay Famiglietti vom Global Institute for Water Security.

Der Klimawandel ist nicht allein für den zunehmenden Wassermangel verantwortlich. Die steigenden Temperaturen führen zwar zu einer stärkeren Verdunstung. Aber es ist vor allem auch der vielerorts sorglose Umgang mit unserem Lebenselixier, der die Wasserknappheit verschärfen wird.

Denn obwohl Wasser immer knapper wird, steigt der Verbrauch seit Jahren an. Zum einen in privaten Haushalten, vor allem aber in der Industrie und der intensiven Landwirtschaft. Besonders in den viel zu trockenen Sommern der vergangenen Jahren hat die Landwirtschaft immer häufiger bewässert, weil ihre Pflanzen auf den Feldern verdorrten. Regional hat dies bereits vereinzelt zu erheblichen Schwierigkeiten bei der öffentlichen Wasserversorgung geführt.

Wir können dem Wassermangel begegnen, etwa durch sparsamere Nutzpflanzen, durch einen bewussteren Verbrauch oder durch ein effektives Wassermanagement.

Es gibt viele Ideen und Lösungsansätze, wie wir mit dem kostbaren Nass besser umgehen können. Zum Beispiel dürfen die Böden nicht allerorten "versiegelt" werden wie in vielen Städten: Wasser muss versickern können, damit sich die Grundwasserspiegel erholen.

Die Landwirtschaft könnte gezielter bewässern und das Wasser weniger stark durch Schadstoffe wie Dünger belasten. Begradigte Bach- und Flussläufe könnten renaturiert werden, damit das Wasser nicht zu schnell abfließt, sondern versickern kann. Abwasser oder Salzwasser könnte als Brauchwasser aufbereitet werden.

Über all diese Möglichkeiten im Kampf gegen die Wasserknappheit werden Expertinnen und Experten vom 21.-26 März 2022 beim 9. Weltwasserforum beraten. Es findet in Dakar, der Hauptstadt des Senegal statt - und damit zum ersten Mal in Westafrika, einem Gebiet, in dem die Menschen die dramatischen Folgen des Wassermangels schon längst deutlich spüren.

https://worldwaterforum.org/en/forum/about-the-9th-world-water-forum


Aus: "In Deutschland wird das Wasser knapp" Alexander Freund (17.03.2022)
Quelle: https://www.dw.com/de/in-deutschland-wird-das-wasser-knapp/a-61149774
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« Reply #19 on: April 28, 2022, 11:30:17 AM »

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[...] Als Florian Westphal über die ausgetrockneten Felder lief, hat es ihm bei jedem Schritt den Staub durchs Gesicht gewirbelt. „Am Wegesrand lagen neben den verdorrten Büschen Knochen und tote, verdurstete Tiere“, erzählt der Geschäftsführer von Save the Children über seinen Aufenthalt in Ostafrika diesen Monat. Mancherorts sei es menschenleer gewesen, da viele in größere Städte oder Flüchtlingslager fliehen mussten.

Die Dürre rund um das Horn von Afrika betrifft aktuell vor allem Somalia, Kenia und Äthiopien. Dort droht die schlimmste Dürreperiode seit dem Jahre 1981, da womöglich zum vierten Mal in Folge die Regenzeit ausbleibt. Schon jetzt mussten eine Million Menschen ihr Zuhause verlassen und laut dem Welternährungsprogramm (WFP) haben 15 Millionen nicht genug zu essen - darunter zwei Millionen Kinder. Darüber hinaus sind bereits drei Millionen Nutztiere verendet.

Die Zahl der Hungernden könnte im Laufe des Jahres sogar auf bis zu 26 Millionen ansteigen. Die Menschen, die ihr Zuhause auf der Suche nach Essen und Trinken verlassen haben, treffen aber auch in den Flüchtlingslagern auf desaströse Zustände. „Die Familien leben in winzigen Hütten, die aus Holzstöcken zusammengebaut wurden. Das Dach besteht nur aus Tüchern, Stoffresten oder herumliegendem Plastik“, erklärt Westphal, der kürzlich in Äthiopien und Kenia war.

Für die Dürre in Ostafrika interessierten sich bis zuletzt aber nur wenige wohlhabende Staaten - andere Krisen und Kriege überschatten sie zu sehr. Doch vergangenen Dienstag kam Bewegung in die Sache: In Genf fand ein hochrangiges Gebertreffen zum Horn von Afrika mit Vertretern der Vereinten Nationen und der Europäischen Union statt.

Dort sicherte die internationale Staatengemeinschaft 1,29 Milliarden Euro an Hilfsgeldern zu. Dadurch sollen beispielsweise Nahrungsmittel, Medikamente oder auch Tierfutter gekauft werden. Die finanzielle Unterstützung kann die schlimmste Not lindern und ist mehr als nur ein Tropfen auf den heißen Stein - aber dennoch nicht genug. Denn beispielsweise benötigt allein der Somalia Humanitarian Response Plan 1,34 Milliarden Euro, wovon bis dato nur 4,6 Prozent finanziert sind.

Neben der finanziellen Hilfe ist vor allem schnellstmögliches Handeln erforderlich, da es ansonsten zu spät sein könnte. „Wir müssen heute die bittere Wahrheit akzeptieren, dass wir uns in einem Wettlauf gegen die Zeit befinden“, erklärt UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths bei der UN-Geberkonferenz.

Doch überraschend kommt dieser Wettlauf nicht, im Gegenteil; die Entwicklung bahnte sich lange an. „Humanitäre Organisationen haben seit letztem Jahr gewarnt, dass die Dürre katastrophale Folgen haben könnte, wenn wir nicht sofort handeln“, beklagt Michael Dunford, der WFP-Regionaldirektor für Ostafrika.

Das anfängliche Abwarten weckt Erinnerungen an die Katastrophe 2011: Auch dort gab es am Horn von Afrika eine verheerende Dürre, die Millionen zur Flucht zwang und allein in Somalia rund 250 000 Todesopfer forderte. Damals wurde ebenfalls kritisiert, dass die internationale Gemeinschaft - trotz aller Warnungen - nicht schnell genug reagiert habe und die Hilfe so zu spät kam.

Dieses Zögern könnte unter anderem daran liegen, dass nur wenige Menschen aus Ostafrika in westliche Länder fliehen - und es somit leichter fällt, die Augen zu verschließen. „Zwischen Europa und der Dürre in Ostafrika gibt es keinen offensichtlichen Zusammenhang. Dies ist der Unterschied zu Afghanistan oder dem Krieg in der Ukraine, wo wir selbst direkter betroffen sind“, erklärt Westphal im Gespräch mit dem Tagesspiegel.

Die reichen Industrienationen aber sind indirekt dennoch beteiligt: durch den Klimawandel, der Extremwetterereignisse verstärkt. Westphal beklagt, dass ärmere Länder zur „globalen Klimakrise absolut nichts beigetragen haben, die dort lebenden Menschen jetzt aber deren erste Opfer sind“. Dies bestätigt auch die Wissenschaft: Die reichsten zehn Prozent der Welt verursachen zwischen 34 und 45 Prozent aller Treibhausgasemissionen. Die am wenigsten entwickelten Länder hingegen waren in den Jahren 1850 bis 2019 für gerade einmal 0,4 Prozent der Emissionen verantwortlich.

Klimagerechtigkeitsforscher Darrel Moellendorf hält dies für ethisch fragwürdig. „Es ist unsere moralische Verpflichtung, weltweite Armut zu bekämpfen. Wir müssen die Gewinnung, Produktion und den Verbrauch fossiler Brennstoffe einstellen und die Leidtragenden des Klimawandels endlich entschädigen“, sagt Moellendorf dieser Zeitung. Dies aber sei schwer umzusetzen, da „der Klimawandel seit Jahrzehnten durch systematische und gut finanzierte Bemühungen der fossilen Industrie geleugnet wird“.

Leugnen aber hilft am Horn von Afrika nichts mehr, die Menschen dort spüren die Erderwärmung tagtäglich am eigenen Leib. In der Region gibt es daher spezielle Stabilisierungszentren, die unterernährten Kindern das Leben retten sollen. „Es ist todtraurig, zu sehen, wie 15 Monate alte, spindeldürre Kinder apathisch im Arm ihrer Mütter liegen“, sagt Westphal nach seinem Krankenhausbesuch.

Noch handelt es sich für den Westen um Geschichten aus weiter Ferne - die zukünftig aber die gesamte Menschheit betreffen könnten. „Wenn wir nicht anfangen, international gegen den Klimawandel zusammenzuarbeiten, dann ist eines sicher: Die Auswirkungen werden keinem Kontinent, keiner Region und keinem einzigen Land erspart bleiben“, prophezeit Gerechtigkeitsforscher Moellendorf.

Falls die zugesicherten Hilfsgelder bald ausgezahlt werden sollten, könnte eine historische Hungersnot in Ostafrika wohl noch abgewendet werden. Den Klimaflüchtlingen aber hilft letztlich nur eines: dass die sehnsüchtig erwartete Regenzeit sie bald erlöst. Doch egal, wie sehr es den Staub noch durch die Luft wirbelt, die Menschen verlieren ihre Hoffnung nicht: „Sie sind echte Kämpfer. Egal, wie knochentrocken die Umwelt und wie hart das Leben ist, die Menschen in diesen Regionen geben nicht auf“, sagt Westphal.


Aus: "Schlimmste Dürre seit 40 Jahren: In Ostafrika droht eine humanitäre Katastrophe" Eric Matt (27.04.2022)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/schlimmste-duerre-seit-40-jahren-in-ostafrika-droht-eine-humanitaere-katastrophe/28283356.html

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« Reply #20 on: April 28, 2022, 01:22:17 PM »

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[...] Los Angeles – Aufgrund der anhaltenden Dürre im US-Bundesstaat Kalifornien hat der öffentliche Wasserversorger einen Notfallplan für die Metropolregion um Los Angeles angekündigt. Das geschehe zum ersten Mal in der Geschichte, verkündete der Metropolitan Water District (MWD) am Mittwoch auf Twitter: "Ein Drittel unserer Region – Teile der Bezirke Los Angeles, Ventura und San Bernardino – ist mit einem Notfall konfrontiert, da man dort von der sehr eingeschränkten Versorgung aus Nordkalifornien abhängig ist."

Man rufe die Menschen in diesen Regionen dazu auf, Freiflächen nur mehr einmal wöchentlich zu bewässern. Gleichzeitig seien alle Bewohnerinnen und Bewohner Südkaliforniens sowie Unternehmen dazu aufgerufen, 30 Prozent ihres Wassers einzusparen. "Die vergangenen drei Jahre sind hochgerechnet die trockensten in der Geschichte unseres Staates. Sie haben zu Dürren geführt, wie wir sie noch nie zuvor erlebt haben."

Die Maßnahmen sollen ab 1. Juni in Kraft treten und rund sechs Millionen Menschen betreffen. Die Einschnitte könnten ab September noch gravierender ausfallen. Der MWD-Vorstand habe ihn dazu ermächtigt, bei Bedarf jegliche Bewässerung ab September zu untersagen, wird MWD-Manager Adel Hagekhalil in einer Presseaussendung zitiert. Für die Durchsetzung der Einschränkungen seien die regionalen Wasserversorger zuständig, die dem MWD angehören. Laut "Los Angeles Times" sollen sich die Strafen auf bis zu 2.000 Dollar pro Acre-Foot (rund 1.200 Kubikmeter) verschwendeten Wassers belaufen.

Den Notfall hatte der Wasserversorger MWD bereits im November ausgerufen. Dass klare Maßnahmen bislang fehlten, haben Kritikerinnen und Kritiker seit längerem bemängelt. Insgesamt versorgt der MWD 19 Millionen Menschen in 26 südkalifornischen Regionen. (miwi, 28.4.2022)


Aus: "Südkalifornien leitet Notfallmaßnahmen gegen Dürre ein" (28. April 2022)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000135266047/suedkalifornien-leitet-notfall-massnahmen-gegen-duerre-ein

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« Reply #21 on: June 20, 2022, 12:21:58 PM »

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[...] ROM taz | Einigermaßen ungewohnt ist das Bild, das sich den Tu­ri­ne­r*in­nen jetzt im Juni beim Spaziergang an der Flusspromenade bietet. Der Po, eigentlich ein mächtiger Strom, hat sich in ein trauriges, schmales Rinnsal verwandelt.

Und so ist es nicht nur in Turin. Italiens größter Fluss, der über 650 Kilometer den Norden des Landes vom Piemont bis hin zur Emilia Romagna und dem Veneto an der Adriaküste durchschneidet, fällt auf seiner ganzen Länge durch historische Tiefstände auf. 7 Meter unter Normalnull werden dieser Tage gemeldet, und die TV-Nachrichten liefern Bilder von Ausflugsbooten, die am Ufer schlicht auf dem Trockenen gestrandet sind, und auch vom Grund des Flussbetts, von völlig ausgetrockneter, aufgebrochener Erde, die an eine Wüstenlandschaft erinnern.

Die schlimmste Dürre seit 70 Jahren erlebe die Poebene, erlebe ganz Italien gerade, erläutern die Expert*innen, für die der direkte Zusammenhang mit dem Klimawandel auf der Hand liegt. Das fängt damit an, dass es seit fast vier Monaten nicht mehr geregnet hat. Es geht damit weiter, dass auf den milden, trockenen Spätwinter und Frühling Hitzewellen folgten, die so früh einsetzten wie kaum je zuvor.

Schon vom 10. Mai an lagen die Höchsttemperaturen in Italien fast konstant über 30 Grad. Traditionell wurde diese Marke eher einen Monat später im Juni überschritten. Traditionell galt auch, dass die sommerliche Wetterlage südlich der Alpen von Azorenhochs geprägt war. Von denen ist in diesem Jahr keine Rede. Die Hochs kommen jetzt ausnahmslos aus Afrika, und sie bekommen von den Me­teo­ro­lo­g*in­nen so passende Namen wie „Hannibal“ oder „Scipio, der Afrikaner“ verpasst. Verschlimmert wird die Lage mit Blick auf den erst beginnenden Sommer dadurch, dass der Schnee in den Alpen schon fast abgeschmolzen ist. Auch von dort ist kein Wasser mehr zu erwarten.

Dramatisch sind die Folgen für die Landwirtschaft in Italiens Nordregionen. Ob Reisfelder, Mais oder Tomaten – viele Anbauflächen brauchen eine kontinuierliche Bewässerung. Der Landwirtschaftsverband Coldiretti warnt, in der Poebene seien 50 Prozent der Anbauflächen von komplettem Ernteausfall bedroht. Auch um dies zu verhindern und eine bevorzugte Versorgung der Landwirtschaft sicherzustellen, wollen jetzt die Präsidenten der Regionen Piemont und Lombardei den Wassernotstand ausrufen. Wassernotstand herrscht bereits jetzt schon in etwa 125 Gemeinden in den beiden Regionen. Dort soll die Trinkwasserversorgung nachts unterbrochen werden, um über Tag eine Minimalversorgung zu gewährleisten.

In diversen Kommunen muss jetzt schon der Tankwagen kommen, um die Menschen mit Trinkwasser zu beliefern. Und der Bürgermeister von Tradate, einem Städtchen nördlich von Mailand, hat den Ein­woh­ne­r*in­nen verboten, ihre Pools zu füllen, die Garagenzufahrt abzuspritzen, den Rasen im Garten zu sprengen und auch die Beete dort zu wässern. Bei Zuwiderhandlung drohen bis zu 500 Euro Geldbuße.

So dramatisch sich die Situation zuzuspitzen droht, so verschwenderisch allerdings geht Italien bisher mit Wasser um. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei täglich 220 Litern, gegenüber 165 Litern im europäischen Durchschnitt. Dafür tragen allerdings nicht nur die Bür­ge­r*in­nen die Verantwortung, sondern auch die Wasserversorgungsgesellschaften. Etwa 40 Prozent der gesamten Menge nämlich geht aufgrund lecker Leitungen auf dem Weg zu den Haushalten verloren, und im Süden Italiens werden die Verluste teils auf 70 bis 80 Prozent beziffert.

Wenigstens hier soll sich die Situation schnell bessern. Das große Investitionsprogramm, das die italienische Regierung mit den Mitteln des Fonds „Next Generation EU“ angeschoben hat, sieht 3 Milliarden Euro für die Wasserversorgung vor. Für den drohenden Wassernotstand in den kommenden Monaten kämen diese Investitionen allerdings zu spät.



Aus: "Norditalien geht das Wasser aus" Michael Braun (19.6.2022)
Quelle: https://taz.de/Trockenheit-in-Suedeuropa/!5859386/

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« Reply #22 on: June 22, 2022, 04:04:17 PM »

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[...] Wegen anhaltender Trockenheit hat ein südfranzösisches Dorf drastische Maßnahmen ergriffen: Zähneputzen und Trinken am Wasserhahn sind in Villars-sur-Var im Norden von Nizza derzeit verboten, wie die Kommune am Dienstag mitteilte.

Das Wasser aus dem Hahn dürfe auch nicht zum Kochen verwendet werden, hieß es weiter. Aus der Quelle, die den 760-Einwohner-Ort mit Trinkwasser versorgt, komme wegen der Dürre nicht mehr genügend Wasser.

Jeder Einwohner erhält vorerst zwei Flaschen Trinkwasser pro Tag vom Rathaus. Der zuständige Wasserversorgungsbetrieb hat bereits eine neue Entnahmestelle gefunden. Aber die Untersuchung der Wasserqualität sei noch nicht abgeschlossen, hieß es.

Ende Mai hatte die Präfektur von Alpes-Maritimes bereits das Wasser rationiert. Autowaschen, das Befüllen privater Pools und das Wässern von Rasenflächen sind in dem Département, das Nizza und die Côte d'Azur umfasst, seitdem verboten.

Die Hitzewelle, die Frankreich in der vergangenen Woche überrollt hatte, ist mittlerweile wieder abgeklungen. Es war die früheste Hitzeperiode seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Frankreich gewesen. Sie hat die seit dem niederschlagsarmen Winter und Frühjahr anhaltende Trockenheit in manchen Landesteilen weiter verschlimmert.

Angesichts der Trockenheit ist in Italien Streit um eine Idee entbrannt, Wasser aus dem Gardasee in den Fluss Po abzuleiten. Der Vorschlag kam in den vergangenen Tagen auf, weil der längste Fluss Italiens derzeit extrem wenig Wasser führt. An einigen Stellen maßen die Behörden historische Tiefstände, wie aus dem jüngsten Lagebericht vom Montag hervorging.

Die Idee war, Wasser aus dem noch zu rund 60 Prozent gefüllten Gardasee zu entnehmen. Dagegen wehrt sich aber die Vereinigung der Gemeinden am Gardasee. „Wenn wir mehr Wasser freigeben als für die Landwirtschaft freigegeben werden darf und wir damit der Bitte für den Fluss Po nachkommen, würden wir einen doppelten Schaden anrichten“, sagte Generalsekretär Pierlucio Ceresa.

Es sei nicht so, dass der Gardasee kein Wasser für den Fluss Po freigeben wolle, erklärte Ceresa weiter. Aber es sei einfach zu wenig Wasser da. Durch den Plan bliebe nicht nur ein „kranker Fluss Po“, sondern auch ein „kranker Gardasee“ am Ende zurück.

Ceresa sprach von der schlimmsten Krise seit 60 Jahren. Vor allem im Norden Italiens herrscht seit einigen Wochen extreme Dürre. Der Zivilschutz bereite sich auf einen landesweiten Einsatz vor, sollte die Regierung den Notstand wegen der Trockenheit erklären, sagte ein Sprecher der Behörde am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Im Juli und August werde aufgrund der Trockenheit eine große Waldbrandgefahr herrschen.

Der Bischof von Mailand, Mario Delpini, kündigte an, am Samstag für Wasser und die Leidtragenden der Dürre zu beten. Der Landwirteverband Coldiretti warnte am Dienstag vor schlechter Ernte und wegen des Stresses für Nutztiere vor bis zu zehn Prozent weniger Milch.

Im nördlichen Piemont rationierten die Behörden in einigen Gemeinden schon das Trinkwasser, in anderen Gegenden droht das ebenfalls. Der Energieversorger Enel nahm wegen des niedrigen Pegelstands im Po ein Wasserkraftwerk nahe Piacenza laut Medienberichten aus dem Betrieb. (AFP, dpa)


Aus: "Dorf in Südfrankreich verbietet Zähneputzen und Trinken vom Hahn" (22.06.2022)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/reaktion-auf-extreme-trockenheit-dorf-in-suedfrankreich-verbietet-zaehneputzen-und-trinken-vom-hahn/28444564.html
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