Author Topic: [China und die Informationsfreiheit... (Notizen)]  (Read 9073 times)

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[China und die Informationsfreiheit... (Notizen)]
« on: June 08, 2005, 11:01:39 AM »
Quote
Die chinesische Regierung hat nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua Ende vergangenen Jahres nahezu 13.000 Internet-Cafés im Land schließen lassen. Diese seien illegal betrieben worden und hätten sich zumeist in der Nähe von Schulen befunden, hieß es in einer Erklärung. Die Aktion habe das Ziel gehabt, "ein sicheres Umfeld für junge Menschen in China" zu schaffen, ließ Xinhua verlautbaren.

Die Regierung der Volksrepublik versucht seit geraumer Zeit die Internet-Café-Situation in den Griff zu bekommen. Im Herbst 2002 in Kraft getretene "Internet Service Site Business Management Regulations" sehen vor, dass die Betreiber Anzeige erstatten müssen, wenn ihre Kunden subversives Material auf die Rechner holen, es selbst verbreiten oder sonstwie nutzen -- dazu zählen die Behörden unter anderem pornografische Bilder und Gewalt-Videospiele.

Strenge Regeln gelten im Hinblick auf Minderjährige, die nicht ohne Erwachsene zum Surfen kommen dürfen. Die Internet-Cafés müssen daher auch wenigstens 200 Meter von Grund- und Mittelschulen entfernt sein und über Nacht schließen. Mit 87 Millionen Surfern stellt China inzwischen die zweitgrößte nationale Internet-Gemeinde nach den USA.

Aus: "Mehr als 12.000 Internet-Cafés in China geschlossen" (14.02.2005 10:30)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/56349

Quote
China droht Porno-Anbietern im Internet seit heute mit lebenslanger Haft. Auch Telefonsex kann derart hoch bestraft werden. Nach neuen Vorschriften könnten Gerichte "in schweren Fällen" lebenslange Gefängnisstrafen verhängen, berichtet die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Das Oberste Gericht der Volksrepublik China habe bestehende Gesetze entsprechend neu interpretiert.

"Jene, die in die profitorientierte Produktion und Verbreitung pornografischen Materials über das Internet, mobile Kommunikationsmittel und in Telefonsex-Dienste verwickelt sind, unterliegen Strafen bis zu lebenslanger Haft", zitiert Xinhua das Gericht. Schwere Fälle wurden unter anderem mit "mehr als 250.000 Klicks" auf einer Website definiert.

Seit Juli gehen Chinas Behörden verschärft gegen pornografische Internetseiten vor. In zehn Tagen wurden allein 700 Seiten dicht gemacht und 224 Verdächtigte festgenommen. Dabei haben die chinesischen Behörden nicht nur kommerzielle Anbieter im Visier, sondern alle Menschen, die wissentlich pornografisches Material verbreiten. (anw/c't)

Aus: "China droht Porno-Anbietern im Internet mit lebenslanger Haft" (06.09.2004)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/50695
« Last Edit: September 12, 2007, 11:40:49 AM by lemonhorse »

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[MSN China wird zensiert... ]
« Reply #1 on: June 15, 2005, 09:24:02 AM »
Quote
Die Inhalte von Internet-Tagebüchern oder regelmäßig aktualisierten Websites -- kurz Blogs -- unterliegen offenbar bei MSN China einer Zensur. Überschriften von Blog-Einträgen im kostenlosen Dienst MSN Spaces, die Begriffe wie "Freiheit", "Demokratie", "Menschenrechte" und "Taiwans Unabhängigkeit" und "Demonstration" enthalten, werden laut Medienberichten gefiltert. Mit dieser Zensurfunktion sei MSN der chinesischen Regierung entgegengekommen.

Blogger, die solche politisch unerwünschten Wörter oder auch pornografische Begriffe verwenden, bekommen ein Pop-up-Fenster zu sehen mit dem Hinweis, dass eine vulgäre Ausdrucksweise unerwünscht sei und eine andere Formulierung verwendet werden sollte. Den Dienst MSN Spaces sollen bisher 5 Millionen Chinesen für ihre Blogs in Anspruch genommen haben. Insgesamt gibt es schätzungsweise 120 Millionen Internet-Nutzer im Reich der Mitte. MSN China ist Ende Mai als Joint Venture mit dem staatlichen Unternehmen Shanghai Alliance Investment gestartet. Neun heimische Portalbetreiber sollen lokale Inhalte beisteuern.

Die chinesische Regierung versucht seit einiger Zeit, die Aktivitäten ihrer Bürger im Internet zumindest in den Griff zu bekommen. So mussten sich beispielsweise bis Ende des vergangenen Monats alle Betreiber von chinesischen Websites eine Genehmigung erteilen lassen, ansonsten droht ihnen die Schließung. Für die Überwachung setzt das Ministerium für die Informationsindustrie seit zwei Wochen das "Night Crawler System" ein. Dieses gleicht die von den chinesischen Telecom-Firmen eingeholten Daten über registrierte chinesische Domains mit den tatsächlich erreichbaren ab.

Neben der Zensur von Inhalten ist die chinesische Regierung auch durch die Schließung von Internet-Cafés in Erscheinung getreten. Zudem gibt Bürgerrechtlern die Verfolgung von Dissidenten, die sich via Internet äußern, Anlass für Proteste. In die Kritik geraten waren auch Unternehmen wie Yahoo, die sich selbst dazu verpflichtet haben, entsprechend den Wünschen der Regierung in China tätig zu sein und Selbstzensur auszuüben, um so einer Blockade zu entgehen. (anw/c't)

Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/60593 (14.06.2005)
« Last Edit: November 25, 2007, 02:14:27 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Yahoo China und Missliebige Mitteilungen]
« Reply #2 on: September 07, 2005, 08:44:09 AM »
Quote
[...] Die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen wirft Yahoo Holdings vor, zur Verhaftung und Verurteilung eines chinesischen Journalisten beigetragen zu haben. Der Internetdienstleister habe auf Anfrage von Strafverfolgern eine IP-Adresse mitgeteilt, durch die eine missliebige Mitteilung auf den E-Mail-Account des Journalisten Shi Tao zurückverfolgt werden konnte. "Wir wissen seit einiger Zeit, dass Yahoo mit der chinesischen Regierung in Fragen der Zensur zusammenarbeitet", schreibt Reporter ohne Grenzen. Nun habe sich der Internetdienstleister als Informant betätigt. Der Organisation liegt nach eigenen Angaben das Urteil vor, aus dem die Rolle Yahoos in dem Verfahren gegen Shi hervorgehe.

[...] Shi Tao stand im März wegen angeblicher Enthüllung von Staatsgeheimnissen vor Gericht. Er wurde im April zu zehn Jahren Haft verurteilt, berichtet Reporter ohne Grenzen. Als Journalist der Wirtschaftszeitung Dangdai Shang Bao soll der Verurteilte eine Mitteilung der Behörden an ausländische Websites weitergeleitet haben, schreibt Reporter ohne Grenzen. In der Mitteilung sei angesichts des 15. Jahrestags des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens am 4. Juni vor "sozialen Risiken" gewarnt worden. Shi hatte die Weiterleitung der E-Mail eingeräumt, aber der Behauptung der Behörden widersprochen, die Mitteilung sei als "streng geheim" gekennzeichnet gewesen.

[...] Yahoo China hatte vor drei Jahren eine freiwillige Erklärung unterzeichnet, nach der so genannte subversive Inhalte künftig gesperrt werden, und geriet damit in die Kritik von Menschenrechtlern.

Aus: "Reporter ohne Grenzen: Yahoo hilft chinesischen Strafverfolgern" (anw, c't / 06.09.2005)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/63664


- -


Quote
Auf die Feinheiten kommt es an:

Superking schrieb am 6. September 2005 17:44

> yahoo hat nichts unrechtes getan. es haelt sich nur an die
> rechtsprechung der vr china. und china ist immerhin ein anerkannter
> staat.

"...Yahoo China hatte vor drei Jahren eine FREIWILLIGE Erklärung
unterzeichnet, nach der so genannte subversive Inhalte künftig
gesperrt werden..."

"...Yahoo Holdings sei offiziell in HONGKONG angesiedelt. Die
Sonderverwaltungsregion hat eine von der Volksrepublik China
UNABHÄNGIGE Gerichtsbarkeit. Dennoch sei das Unternehmen einer
Anordnung aus China nachgekommen..."

Hältst DU dich an die Rechtsprechung der VR China? Nein? Wieso nicht?
Schließlich ist China ein anerkannter Staat!

> also piss off gutmenschen

Lesen UND verstehen ist angesagt.

uni

Quelle: http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=8777009&forum_id=84383



Quote
7. September 2005 8:15
Profit kam schon immer vor den Menschenrechten

Und wenn Yahoo so willig den Chinesen bei der "Strafverfolgung"
hilft, dann erinnert das nur an andere "selbstlose" US-Firmen wie
z.B. IBM (Hollerit), die den Nazis bei der "Volkszählung" geholfen
haben...

A.P.
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=8779860&forum_id=84383
« Last Edit: September 07, 2005, 08:58:41 AM by lemonhorse »

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[Yahoo China und Missliebige Mitteilungen]
« Reply #3 on: September 08, 2005, 09:07:03 AM »
Quote
[...] Dass westliche Unternehmen sich der chinesischen Zensur unterordnen, ist kein Geheimnis. Im Jahr 2002 unterzeichnete Yahoo freiwillig eine "Öffentliche Verpflichtung zur Selbstdisziplin für die chinesische Internet-Industrie". Alle großen Suchmaschinen folgen den chinesischen Direktiven, Suchanfragen mit regimekritischem Inhalt zu unterbinden (z.B. Suchen nach "Falun Gong"). Gegen Yahoo und Microsoft waren in der Vergangenheit zudem Vorwürfe laut geworden, auch die Inhalte von durch die US-Unternehmen in China gehosteten Webseiten und Weblogs zu zensieren.

Auch Yahoo Deutschland will die Vorwürfe im Augenblick nicht kommentieren.


Aus: "Schwere Vorwürfe gegen Yahoo" (07. September 2005)
Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/politik/0,1518,373492,00.html

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["Der Profit hilft, die Pein zu ertragen"]
« Reply #4 on: September 10, 2005, 10:33:18 AM »
Quote
[...]  Dass etwa die Suchmaschinenbetreiber, die auch in China tätig sind, kein Problem damit haben, systeminkompatible Recherchen nach Reiz- und Unworten wie "Demokratie" oder "Menschenrechte" in trauter Harmonie mit dem Regime in Peking zu unterbinden, macht noch nicht einmal mehr Schlagzeilen.

Streng genommen beteiligen sich Google, MSN, Yahoo und Co so an der Behinderung freier Informationssuche, und über die Zensur von gehosteten Seiten nehmen einige West-Unternehmen sogar an der Behinderung freier Meinungsäußerung teil. Den Unternehmen ist das immer wieder einmal unangenehm. Ändern können sie es nicht, wenn sie in China Geschäfte machen wollen. Der Profit hilft, die Pein zu ertragen.

[...] Shi Taos Verteidiger hatten im Prozess argumentiert, die von ihm tatsächlich weiter geleiteten Informationen seien zu diesem Zeitpunkt auch im Ausland bereits weit verbreitet gewesen. Von "geheim" könne keine Rede sein.

Was die Fahnder der Geheimpolizei vielmehr irritiert haben könnte, war, dass es Shi Tao gelungen war, sich beim Versand der E-Mails weitgehend zu anonymisieren. An diesem Punkt könnte Yahoo ins Spiel gekommen sein: Die Mails liefen über die Server des US-Unternehmens.

Ob und unter welchen Umständen so eine Anfrage gelaufen sei, will oder kann Yahoo nicht vertiefen: Das Unternehmen stehe unter Auflagen, solche Informationen nicht öffentlich zu machen.

[...] Dass China die Geschäftstätigkeit im Lande an Auflagen knüpft, die unter anderem die Weitergabe von Nutzerdaten auf richterliche Anordnung umfassen, dürfte die Yahoo-Chefs kaum irritiert haben, als sie ihre ersten Verträge unterschrieben: Das kennen sie genauso auch aus den USA, aus Deutschland und den EU-Ländern.


Aus: "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern" (08. September 2005)
Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/politik/0,1518,373686,00.html

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[Chinas Cyber-Polizei... ]
« Reply #5 on: September 25, 2005, 08:44:10 PM »
Quote
Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua verlauten lässt, treten mit sofortiger Wirkung neue Vorschriften in Kraft, die den zulässigen Inhalt von News-Seiten im Internet regelementieren. Der Staat verbietet die Verbreitung von Inhalten, die der nationalen Sicherheit und dem öffentlichen Interesse in China entgegenstünden, so Xinhua in typisch ungenauem Regierungs-Duktus.

News-Seiten benötigen ohnehin eine staatliche Genehmigung, die nur erteilt wird, wenn der Inhalt mit den sozialistischen Zielen in Einklang steht; der Zugriff auf viele ausländische Webseiten wird routinemäßig geblockt. China besitzt eine schlagkräftige "Cyber-Polizei", die unliebsame Meldungen -- auch in Blogs und News-Foren -- umgehend entfernen lässt.

Aus: "Neue Vorschriften für News-Seiten in China" (25.09.2005)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/64271
« Last Edit: September 12, 2007, 11:42:20 AM by lemonhorse »

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[Die "Great Firewall" und MSN... ]
« Reply #6 on: January 24, 2006, 09:27:32 AM »
Quote
[...] Für Aufsehen hatte Microsoft im Juni 2005 gesorgt, als herauskam, dass im Blogging-Portal MSN Spaces auf Regierungsanweisung einige chinesische Zeichen wie Demokratie oder Menschenrechte nicht dargestellt werden können.

In Europa und den USA sorgte diese Zensur für einen Aufschrei. Anti nahm es hin: „Wenn Microsoft diese Sperre nicht eingebaut hätte, wären sie vermutlich chancenlos auf dem chinesischen Markt gewesen. Außerdem haben sie damit niemanden direkt geschadet“, sagt er.

Dass Microsoft aber sein Blog gelöscht hat, macht ihn wütend. „Die haben doch ihre Server in den USA stehen. Wie kann China Einfluss darauf haben?“, fragt er.

Microsoft verteidigt sich. „Die chinesische Regierung hat uns mitgeteilt, dass die Inhalte gegen das chinesische Gesetz verstoßen würden. Wir haben das Blog geschlossen, da unserer Meinung nach in diesem Fall das lokale Recht Anwendung finden muss“, sagt ein MSN-Sprecher.

Damit ist Microsoft nach Yahoo der zweite amerikanische Konzern, der vor der chinesischen Regierung kuscht.

[...] Um von China aus Antis neues Internettagebuch lesen zu können, muss man auf solch einen Proxy-Server zurückgreifen; der Blogger ist nach dem Behördenangriff auf seine einstige Website beim amerikanischen Anbieter Blogcity ausgewichen.

„Ich möchte eigentlich Proxy-Server vermeiden. Ich schreibe über China, also soll das auch jeder in China lesen können“, sagt er. Zudem ist der US-Provider auch keine echte Alternative: Wegen Antis kritischer Berichte kappte die chinesische Internetpolizei bereits Ende August die Verbindung zu dieser Seite.

Ans Aufgeben denkt Mister Anti aber nicht. Stattdessen fordert er kühn: „Sollte China irgendwann einmal demokratisch regiert werden, dann verklagen wir Yahoo und Microsoft für das, was sie uns angetan haben.“


Aus: "Internet-Zensur: Der Anti - Mit einem Weblog gegen die Great Firewall: Wie ein chinesischer Blogger gegen die Zensur der Behörden und die Internetmultis kämpft" Von Christoph Giesen
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,cm3/computer/artikel/783/68715/ (SZ vom 24.1.2006)
« Last Edit: September 12, 2007, 11:42:32 AM by lemonhorse »

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[Google zensiert seine neue chinesische Suchmaschine... ]
« Reply #7 on: January 25, 2006, 10:05:08 AM »
Quote
[...] Google zensiert seine neue Suchmaschine in China. Zum Start des Dienstes räumte das Internetunternehmen am Mittwoch ein, dem Druck der chinesischen Regierung nachgegeben zu haben und selbst aktiv politisch heikle Themen zu filtern. "Um in China operieren zu können, haben wir einige Inhalte von den Suchergebnissen entfernt, die www.google.cn zur Verfügung stellt." Als Grund wurden chinesische "Gesetze, Vorschriften und Politik" genannt.

[...] Die Organisation Reporter ohne Grenzen sprach in einer Stellungnahme von einem "schwarzen Tag für die Meinungsfreiheit in China". Jetzt könnten die 110 Millionen Internetnutzer in China über diese chinesische Suchmaschine nur Material finden, das von der Regierung genehmigt ist und nichts mit Demokratie, Menschenrechten in China oder Tibet zu tun habe. Google folgte mit der Selbstzensur seinen Wettbewerbern Yahoo und Microsoft mit MSN Search, die ihre Inhalte in China bereits seit längerem selbst zensieren.

Google argumentierte, indem seine Suchmaschine bisher von außerhalb Chinas operiert habe, sei es zu Wartezeiten und Zugangsproblemen gekommen. Die neue Suchmaschine in China biete jetzt den gewohnten schnellen Zugang. Experten wiesen darauf hin, dass Google bisher schon Inhalte in seinen Nachrichtenseiten entfernt habe, aber nicht in seinen Suchergebnissen.


Aus: "Google zensiert seine neue chinesische Suchmaschine" (25.01.2006)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/68792

Siehe auch: http://www.rsf.org/article.php3?id_article=16262



-.-

Quote

Google zensiert auch in Deutschland (von panfred, panfred@home.se)

Ich bin wirklich kein Freund von Nazis aber ich kenne nur das
Beispiel hier. Ein Freund freier Meinungsäußerung bin ich schon.
Früher waren das auch Demokraten aber das war bevor Demokratie
zwingend mit der Verschleppung und Folterung Verdächtiger, der
Führung von Angriffskriegen, der Besetzung fremder Länder, der
Bespitzelung des eigenen Volkes, Zensur und einem Maß an Heuchelei,
dass -wenn ich mal an die Grünen zu aktuellen
Untersuchungsausschüssen denke- selbst mich noch manches Mal
verblüffen kann, verbunden war.

http://www.google.at/search?hl=de&q=stormfront&btnG=Google-Suche&meta
=

http://www.google.de/search?hl=de&q=stormfront&btnG=Google-Suche&meta
=

Quelle: http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=9724569&forum_id=91265


-.-

Quote

25. Januar 2006 9:51
Re: Gut und richtig so
db_maniac1 (mehr als 1000 Beiträge seit 10.3.04)   

[...] dass Google auf Anforderung von
Diktatoren Suchergebnisse unterdrückt und dabei Geld  scheffelt,
entzieht sich auch meinem Verständnis. Aber die als "Erschließung
neuer Märkte" und "Gesundes Wachstum" kaschierte Geldgeilheit scheint
ja inzwischen alle Mittel zu heiligen.
Regards,

Steve


http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=9724393&forum_id=91265
« Last Edit: September 12, 2007, 11:42:45 AM by lemonhorse »

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[Lächelnde Touristen bei strahlendblauem Himmel... ]
« Reply #8 on: February 13, 2006, 09:20:34 AM »
Quote
[...] Wer beispielsweise in den USA in der Google-Bildersuche "Tiananmen" eingibt, erhält Fotos über das Massaker im Jahr 1989 angezeigt. Google.cn gibt dagegen Bilder von Soldaten aus, die die Nationalflagge hissen und zeigt lächelnde Touristen, die sich bei strahlendblauem Himmel gegenseitig ablichten.

Wer nach Texten zur "Republic of China" sucht, der offiziellen Bezeichnung von Taiwan, wird bei Google.cn feinsinniger betrogen: So werden nur Informationen ausgegeben, die die Zeit von 1912 bis 1949 beschreiben, als die heutige Volksrepublik China selbst noch diese Bezeichnung trug.

Eine Bildersuche nach dem buddhistischen Religionsführer Dalai Lama über die chinesische Landesausgabe fördert ebenfalls verfeinerte Überwachungstaktiken zutage. So werden statt der gesuchten Person Fotos von chinesischen Regierungsvertretern dargestellt, die Reden gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen in Tibet halten. Nur ein einziges der 161 dargestellten Fotos zeigt tatsächlich den 14. Dalai Lama, allerdings ist das Foto relativ alt, und stellt den Dalai Lama dar, wie er als junger Mann vor 1959 chinesische Regierungsvertreter trifft. (as)


Aus: "Chinesische Google-Suche hat Zensur perfektioniert - Engste Zusammenarbeit mit den Machthabern in Peking " (Sonntag, 12.02.2006)
Quelle: http://de.internet.com/index.php?id=2041190&section=Marketing-News
« Last Edit: September 12, 2007, 11:43:17 AM by lemonhorse »

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[Subversive E-Mails... ]
« Reply #9 on: March 09, 2006, 08:08:13 AM »
Quote
Microsoft bestreitet Beteiligung an Identitätspreisgabe

Microsoft hat eine aktive Beteiligung an der Weitergabe von Hotmail-Kundendaten bestritten, die zur Inhaftierung des chinesischen Journalisten Li Yuanlong geführt hatten. Li befindet sich bereits seit September vergangenen Jahres in Haft, weil er unter verschiedenen Pseudonymen "subversive E-Mails" verfasst und über ein anonymes Freemail-Konto von Hotmail verschickt haben soll. Nach Informationen der in New York ansässigen Bürgerrechtsorganisation "Human Rights in China" (HRIC) wird dem früheren Reporter der Zeitung Bijie Daily jetzt der Prozess wegen "Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt" gemacht. Der 45-Jährige hatte unter anderem kritisch über Armut und Arbeitslosigkeit in den ländlichen Gebieten Chinas berichtet.

Ein Sprecher von Microsofts PR-Agentur in China erklärte, basierend auf einer internen Prüfung der zur Verfügung stehenden Informationen sei eine Beteiligung Microsofts nicht erkennbar. Eine Erklärung, wie die chinesischen Behörden die Identität des Journalisten ermittelten, hatte der Sprecher indes nicht. Mehreren US-Unternehmen war zuletzt vorgeworfen worden, China dabei zu unterstützen, Rede und Meinungsfreiheit im Land zu unterdrücken. Die Firmen sollen Hilfen beim Filtern von politisch unliebsamen Inhalten in Suchmaschinen angeboten und persönliche Daten sowie E-Mails zur Verfolgung von Bürgerrechtlern preisgegeben haben. (pmz/c't; 08.03.2006 12:57)


Aus: "Microsoft bestreitet Beteiligung an Identitätspreisgabe" (08.03.2006)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/70514

« Last Edit: September 12, 2007, 11:44:22 AM by lemonhorse »

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[nationale, soziale und kollektive Interessen]
« Reply #10 on: March 15, 2006, 09:23:06 AM »
Quote
[...] Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao hat heute die chinesische Internet-Zensur verteidigt. Es sei notwendig, Chinas "nationale, soziale und kollektive Interessen zu schützen", sagte Wen Jiabao auf einer Pressekonferenz zum Ende der Sitzung des Volkskongresses in Beijing. "Webseiten sollten korrekte Informationen vermitteln, anstatt die Menschen in die Irre zu führen und negativ auf die soziale Ordnung einzuwirken."

Chinas "Internet-Management" halte sich strikt an die Gesetze und entspreche internationalen Praktiken, sagte Wen Jiabao. "Jeder Bürger in diesem Land hat Rede- und Publikationsfreiheit, aber gleichzeitig sollte jeder Bürger die Gesetze befolgen." Der Regierungschef forderte die Internetindustrie zu "Selbstdisziplin und Selbstmanagement" auf.

Das Internet in China unterliegt einer strengen Zensur. Hunderte Internetseiten wie die Nachrichten des britischen Radiosenders BBC oder von Menschenrechtsorganisationen sind blockiert. Nach Angaben von Amnesty International sitzen in China 54 Menschen wegen der Verbreitung angeblich illegaler Inhalte über das Internet in Haft. In China gibt es 111 Millionen Internetnutzer. Internationale Internetsuchmaschinen wie Google, Yahoo und MSN von Microsoft sind jüngst in die Kritik geraten, weil sie ihre Suchdienste nach chinesischen Vorgaben selbst zensieren.



Aus: "Chinas Ministerpräsident verteidigt Internet-Zensur" (14.03.2006)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/70800

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[Skype blockiert in China unerwünschte Inhalte in Textnachrichten]
« Reply #11 on: April 19, 2006, 02:56:36 PM »
Quote
Skype blockiert in China unerwünschte Inhalte in Textnachrichten

"Man muss sich an die Regeln halten"

Der VoIP-Anbieter Skype hat zugegeben, sich an der staatlichen Unterdrückung der Meinungsfreiheit in China zu beteiligen. Der dortige Partner, Tom Online, habe den Versand von Textnachrichten im Skype-Client blockiert, die Begriffe wie "Falun Gong" oder "Dalai Lama" enthielten. Das bestätigte Niklas Zennström, Chef des Unternehmens, in einem Interview mit der britischen Wirtschaftszeitung 'Financial Times' (Mittwochsausgabe).

"Tom hat einen Textfilter installiert, wie es jeder andere in dem Land auch tut", so Zennström. Dies entspräche den örtlichen Vorschriften. Das sei nichts anderes, als sich in westlichen Ländern an die Bestimmungen zu halten, argumentierte der Firmengründer. "Ich kann die Gesetze in Großbritannien, Deutschland oder den USA mögen oder nicht, wenn ich dort aber geschäftlich aktiv werden will, muss ich mich an die Regeln halten", sagte er. In China sei das nicht anders. Man könne höchstens versuchen, seinen Einfluss geltend zu machen, um Gesetzesänderungen herbeizuführen.


Aus: "Skype blockiert in China unerwünschte Inhalte in Textnachrichten" (de.internet.com; 19.04.2006)
Quelle: http://de.internet.com/index.php?id=2042546&section=Marketing-News

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[Ungesunde Informationen... ]
« Reply #12 on: July 06, 2006, 10:47:11 AM »
Quote
[...] China hat seine Kontrolle über das Internet und besonders Weblogs und Suchmaschinen noch einmal verschärft.

Dort würden "mehr und mehr illegale und ungesunde Informationen verbreitet", erklärte Kabinettssprecher Cai Wu. Er kündigte an, die Regierung werde effektive Maßnahmen ergreifen, um Blogs und Suchmaschinen stärker zu kontrollieren. Nähere Details dazu wurden nicht genannt.

In China wird die Nutzung des Internets vom Staat zwar gefördert, allerdings nur für wirtschaftliche und Bildungszwecke. Inhalte, die als obszön oder politisch gefährlich gelten, werden blockiert. Ihre Verbreitung wird mit Haftstrafen hart geahndet.


Aus: "China verschärft Internet-Kontrolle Vor allem Weblogs und Suchmaschinen" (futurezone.orf.at; 04.07.2006)
Quelle: http://futurezone.orf.at/it/stories/120221/

« Last Edit: September 12, 2007, 11:44:57 AM by lemonhorse »

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[China und die die Strategie des Wikipedia-Gründers Jimmy Wales]
« Reply #13 on: November 20, 2006, 09:45:20 AM »
Quote
[...] Die Hauptseite der chinesischen Wikipedia-Version ist nach über einem Jahr wieder zugänglich. Das ist ein Erfolg für die Wikipedia-Gemeinde, die im Gegensatz zu Google & Co jede Selbstzensur verweigert hatte. Mit der Zensur durch die chinesische Regierung ist es allerdings noch nicht vorbei.
Über Zh.wikipedia.org ist die Suche nach allgemeinen Begriffen wieder möglich, nicht aber nach anstößigen politischen Themen wie etwa dem Datum des "4. Juni". Am 4. Juni 1989 hatten chinesische Militärs friedlich demonstrierende Studenten auf dem Tiananmen-Platz mit Panzern blutig niedergewalzt. Die Zensur durch die chinesische Regierung selbst geht also unbeirrt weiter.
Die um Medienfreiheit kämpfenden "Reporters Without Borders" sind dennoch begeistert über die Freigabe von Wikipedia, die seit dem Oktober 2005 völlig blockiert war . Sie lobten die Strategie des Wikipedia-Gründers Jimmy Wales, der jede Selbstzensur der Online-Enzyklopädie auch in China entschieden abgelehnt hatte:

"Die chinesische Regierung ist pragmatisch und möchte im Internet-Sektor nicht ohne ausländische Firmen auskommen. Die US-amerikanischen Firmen haben deshalb offensichtlich Spielraum für Verhandlungen."

Dieser Schuss ging gegen Yahoo, Google und Microsoft, die Freiheit predigen und sich zugleich freiwillig der Zensur beugen.
Jiang Yu vom chinesischen Außenministerium warf wie gewohnt den Gebetsmühlen-Rhetorik-Textgenerator an: "Wir verwalten das Internet entsprechend unseren Gesetzen und Verordnungen. Das ist die übliche Praxis in allen Ländern der Welt."


Aus: "China gibt Wikipedia-Blockade auf" von Bernd Kling (17. November 2006)
Quelle: http://de.theinquirer.net/2006/11/17/china_gibt_wikipediablockade_a.html

-.-

Quote
[...] Chinesischen Internetnutzern wird erneut der Zugang zur freien Online-Enzyklopädie Wikipedia verwehrt. In Medienberichten heißt es, eine Woche nachdem die Behörden den Zugang zur chinesischen Version geöffnet hätten und einen Monat nach Öffnung zur englischen Ausgabe, sei der Zugang zu beiden Ausgaben seit Ende voriger Woche – zumindest in einigen Landesteilen – wieder verschlossen. Weiter wird berichtet, es sei noch nicht klar, ob Wikipedia aus technischen Gründen verschlossen bleibe oder ob die Zensur verschärft worden sei.

Die chinesische Wikipedia übertraf kürzlich die Marke von 100.000 Einträgen. Die New York Times berichtete vergangene Woche, nach der Aufhebung der Sperre seien aber weiterhin einige "heikle Einträge" beispielsweise zur Bewegung Falun Gong oder zu den Ereignissen auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Beijing im Juni 1989 gesperrt worden. (anw/c't)


Aus: "Wikipedia wird in China vermutlich wieder blockiert" (20.11.2006)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/81277



« Last Edit: November 22, 2006, 10:57:11 AM by Textaris(txt*bot) »

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[Das Internet von "ungesunden" Inhalten befreien... (Notizen)]
« Reply #14 on: April 30, 2007, 02:20:52 PM »
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[...] 30.000 Zensoren durchwühlen in China täglich das Internet. Der Staat rüstet mit Hightech gegen unliebsame Inhalte auf. Immer ausgefeilter filtern repressive Regime das Web - dank westlicher Konzerne, die ihnen Programme und Ausstattung dafür liefern.

[...] Mit einer Mischung aus gigantischem Zensurapparat und westlicher Filtertechnik bekämpft die Regierung das freien Netz. Keine leichte Aufgabe, denn die Internet-Userzahlen schossen alleine im Jahr 2006 um rund 25 Prozent nach oben; inzwischen sind 137 Millionen Chinesen online. Regelmäßig startet die Regierung Kampagnen zur Bereinigung des Internets: Heute hat Staats- und Parteichef Hu Jintao wieder einmal angekündigt, das Internet von "ungesunden" Inhalten zu befreien. Laut der Nachrichtenagenur Reuters heißt es in einer Erklärung des Politbüros, Internet-Inhalte müssten "den Propaganda-Leitlinien folgen".

Das sollen geschätzte 30.000 Zensoren garantieren, die Webseiten, Chatrooms und Internetforen Tag für Tag nach subversivem Material durchkämmen. Sie können dabei auf die neueste Technologie zurückgreifen. Lange blockte die "chinesische Firewall" einfach komplette IP-Adressräume - und damit auch Zehntausende Domains, die auf den entsprechenden Servern lagen.

Doch inzwischen agiert man ausgefeilter: Aktuelle Software kann verbotene Schlüsselwörter aus dem Datenverkehr fischen. Diese Technik würde nicht funktionieren, hätte sich China nicht schon vor langer Zeit daran gemacht, sich aktiv um die Architektur des eigenen Netzsystems zu kümmern.

Antizensur-Organisationen beäugen dabei vor allem das "ChinaNetNext Carrying Network" (CN2) kritisch. Mit der Hilfe von Firmen wie den US-Netzwerkausrüstern Cisco, Juniper Networks oder Ericsson sollte das Internet offiziell für die wachsende Anzahl an chinesischen Nutzern aufgerüstet werden und über 200 Städte mit dem Internet verbunden werden.

Doch für den Internet Spezialisten Julien Pain zeigt das so entstandene Netz vor allem eines: Das chinesische Internet soll nicht organisch wachsen, sondern durch bewusste Planung gesteuert werden. "Neben dem Aspekt Sicherheit und Verlässlichkeit hat dabei sicherlich auch die Zensur Priorität", ist Pain sicher.

In diesem Zusammenhang fällt immer wieder der Name Cisco Systems. Der US-Netzwerkausrüster ist maßgeblich an der Erneuerung des chinesischen Internet-Backbones beteiligt. Die Firma steht bereits länger für seine China-Geschäfte im Kreuzfeuer. Im vergangenen Jahr sagte der Unternehmensberater Ethan Gutman vor einem US-Komitee gegen das Unternehmen aus: Ihm habe ein Cisco-Systemadministrator aus Shanghai erklärt, dass die chinesische Polizei mit Hilfe der Cisco-Ausrüstung bei verdächtigen Bürgern Zugang zu deren Surfdaten der letzten 60 Tage hätte und deren E-Mails lesen könnte.

Die Aussagen beziehen sich auf frühere China-Projekte von Cisco. Ob Ähnliches bei der Einrichtung von CN2 und dessen weiterer Aufrüstung, mit der Cisco 2006 beauftragt wurde, der Fall war, ist bislang schwer nachzuweisen. Cisco besteht darauf, keine Sonder-Zensurhilfen bereitzustellen: "Alle unsere Produkte sind weltweit identisch, unabhängig davon, an welchen Kunden oder in welcher Region sie verkauft werden.", so eine Sprecherin.

Julien Pain hält es jedoch auch für das CN2 "sehr wahrscheinlich, dass Cisco und China gemeinsam daran arbeiten, wie man Kommunikation abfängt". Über die Beteiligung an "ChinaNetNext" möchte Cisco keine Angaben machen - Ende vergangenen Jahres scheiterten auch die Aktionäre mit dem Antrag an die Firmenleitung, einen Bericht über die Firmenaktivitäten in repressiven Ländern zu veröffentlichen.

Die Zentralisierung des chinesischen Netzes hat erhebliche Folgen. Das "Citizen Lab" in Toronto untersucht die Netzarchitektur des Landes und kommt zu dem Schluss, dass chinesische Filter, vermutlich an den Netzwerkknotenpunkten und Grenzservern des Landes installiert, sämtliche eingehende und ausgehende Verbindungen in China überwachen können.

Taucht im Datenstrom ein Schlüsselwort auf, schicken die Filter Resetbefehle an beide Enden der Verbindung. Die Folge: Webseiten erscheinen nicht, Chatbotschaften landen im Nirwana - und das ohne großen personellen Aufwand. "Schlüsselwort-Filter sind schlechte Nachrichten für die Gegner der Internet-Zensur", sagt Julien Pain.

[...] Doch es ist inzwischen nicht mehr nur China, das Gefallen am subtilen Filtern gefunden hat. Die nordamerikanische Anti-Zensur-Organisation "OpenNet Iniative" (ONI) beobachtet die Internet-Zensur in über vierzig Ländern. Ihr Fazit: Noch nie wurde das Internet so subtil und technisch ausgereift überwacht. "Die Länder realisieren die Macht des Internets und setzen es für ihre geopolitischen Interessen ein", sagt Ronald Deibert von ONI. Dabei finden sie in westlichen Unternehmen willige Helfer. "Webfilter-Entwickler wie Fortunet, Websense oder Secure Computing tragen maßgeblich zur Zensur bei", glaubt Deibert.

Die Unternehmen bestreiten die Vorwürfe - die Argumentation kommt bekannt vor: Die angebotenen Webfilter seien weltweit die gleichen; wie sie angewendet werden, liege in der Hand der Nutzer. So setzen die Regierungen in vielen arabischen Staaten die Filter offiziell ein, um Terror-, Porno- und Homosexuellenseiten von den Einwohnern fernzuhalten.

Doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass Länder wie Syrien, der Iran oder Jemen massiv Oppositions- und Menschenrechtsseiten blocken. Auch lokale Nachrichtendienste und Blogs werden oft gefiltert - Domains mit der Kennung ".il" (Israel) sind von Syrien, Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten aus überhaupt nicht zugänglich.

Die Flexibilität der Filtersoftware machen sich auch einige Machthaber im Osten zunutze: In Weißrussland und Kirgisien werden oppositionelle Webseiten und kritische Nachrichtenportale gezielt geblockt, falls die Lage unruhig ist oder Wahlen anstehen - oft sind es sogar nur einzelne Nachrichten, die herausgefischt werden.

Die Zensur-Frage ist inzwischen längst ein Struktur-Problem: In vielen Ländern sind die Telekommunikationsunternehmen entweder in Staatshand oder durch strenge Gesetze zur Regierungstreue verpflichtet. So fällt es arabischen Providern leicht, neben Sex- auch Oppositionsseiten zu blockieren. Chinesische Blog-Hosts haben inzwischen Filter eingebaut, die Posts mit bestimmten Schlüsselwörtern überhaupt nicht veröffentlichen.

Auch der Einzelne wird immer wieder für die Kontrolle des Internet in die Verantwortung genommen - mit ganz unterschiedlichen Folgen: Im März erwischte der Besitzer eines Internet-Cafés in Algerien einen Gast beim Surfen auf islamistischen Websites. Daraufhin sperrte er den Mann in sein Café ein und holte die Polizei. Es stellte sich nach Polizeiangaben heraus, dass es sich bei dem Mann um einen Dschihadistenführer handelte - in den folgenden Wochen nahm die Polizei 24 seiner Gefolgsleute fest.

Doch wie nahe Zivilcourage und Denunziation beieinander liegen, zeigen Berichte aus dem vergangenen Jahr. Dort war davon die Rede, dass in China Studenten freiwillig die Foren ihrer Universität nach regimekritischen Äußerungen durchkämmen. Berücksichtigt man die harten Strafen, die in Ländern wie Ägypten und China Cyber-Dissidenten drohen, wird klar, wie stark in diesen Ländern die Zähmung des Internet voranschreitet.

Doch es ist nicht nur die Kontrolle des Internets - was aus der viel gelobten Kommunikationsgesellschaft wird, wenn ihr die Werkzeuge weggenommen werden, zeigte sich jüngst Kambodscha. Vor den Kommunalwahlen schalteten die dortigen Behörden den SMS-Dienst des Landes ab. Die Wahlbeteiligung brach daraufhin um die Hälfte ein - die Opposition, die per SMS ihre Wähler mobilisiert hatte, verlor haushoch und sieht in der Abschaltung den Versuch der Regierung, den Wahlausgang zu beeinflussen.

Bei soviel State-of-the-art-Technik wirken die klassischen Zensur-Versuche anderer Länder beinahe hilflos - auch wenn die Konsequenzen ebenso hart sind: Die iranische Regierung hat Breitbandanschlüsse verbieten lassen, in Kuba darf nur noch in öffentlichen, überwachten Internetcafés gesurft werden. Nordkorea besitzt nur ein Intranet mit ausgewählten Propagandameldungen, noch nicht einmal die Landes-Kennung ".nk" ist in Betrieb. Russland hat jüngst die Schaffung einer Superbehörde verkündet, die für die Kontrolle aller Medien, das Internet eingeschlossen, zuständig ist.

Mit dem Voranschreiten der Filter-Technologie dürfte es für Bürger in zensierenden Ländern immer schwieriger werden, sich zu wehren. Pain zeichnet eine dunkle Vision: "Irgendwann werden diese Länder ihren kompletten Internet-Verkehr scannen können. Wenn sie dann noch Software bekommen, um all diese Daten personenbezogen auszuwerten, könnten sie riesige schwarze Listen anlegen - und die Betroffenen dann überwachen und bedrohen." Die nächste Generation der Filter-Technologie soll nicht nur Schlüsselworte, sondern auch deren Kontext analysieren können - Zensur würde damit noch effizienter.

Ob sich westliche Firmen und Investoren, die meist selbst das Internet gerne und ausgiebig nutzen, von solchen dunklen Aussichten abhalten lassen werden, an dieser Vision mitzuarbeiten? Analysten prognostizieren dem Überwachungsmarkt in China eine goldene Zukunft - die euphorischste Schätzung geht sogar davon aus, dass das Marktvolumen bis 2009 von sieben auf bis zu 33 Milliarden Dollar wachsen wird. Papiere von Firmen wie der "China Security & Surveillance Technology" werden in Aktienforen bereits als Geheimtipp gehandelt.


Aus: "INTERNET-FILTER: Die neue Architektur der Zensur" Von Johannes Kuhn (SPON; 23. April 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,476504,00.html