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Author Topic: [Lust... (Notizen)]  (Read 15309 times)

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Textaris(txt*bot)

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[Lust... (Notizen)]
« on: June 05, 2005, 12:11:01 PM »

Quote
[...] Der Anfang ist selten eindeutig. Widersprüchliche Gefühle regieren: Anziehung und Zweifel, Hingabe und Angst. Um sich und anderen eine schöne Liebesgeschichte zu präsentieren, löst man die Widersprüche auf - um den Preis dessen, was wirklich geschah. [...] Ich war überzeugt, dass gerade die Dinge, die unwichtig scheinen, wirklich wichtig sind für das Entstehen einer Liebesgeschichte.

[...] Die Fremdheit des anderen zu entdecken und auszuhalten ist nicht leicht. Hinzu kommen das eigene Zögern, die Zweifel, ob man sich auf die Welt genau dieses anderen Menschen einlassen soll oder nicht. In der Nacht davor ist alles vergleichsweise einfach: Man hat Sex, sitzt auf seiner kleinen Wolke und fragt nicht danach, was kommen wird. Am Morgen danach kehrt man ins Leben zurück. Ehe man sichs versieht, ist man ein Paar. Das heißt umgekehrt: Wer fliehen will, sollte es bald tun. Sonst ist es vielleicht zu spät. [...]

Wer liebt und sich bindet, muss seine alte Identität sterben lassen. Das ist ein schwieriger Prozess. Viele Liebesgeschichten scheitern heute daran, dass keiner bereit ist, seine Identität aufzugeben. Das ist ein weit verbreiteter Traum: einen Partner hinzuzugewinnen, ohne etwas von sich aufzugeben.  [...] Man wird immer in ein anderes Leben eintauchen, ohne im voraus zu wissen, wohin das führt. Liebe ist ein Prozess. Sie ändert sich von Tag zu Tag. (Jean-Claude Kaufmann)

 

Aus: "Kleine Affäre oder große Liebe?"
Am Morgen nach der ersten gemeinsamen Nacht entscheidet sich die Zukunft eines Paares. Oder eines ganzen Lebens. Sagt der französische Soziologe Jean-Claude Kaufmann
INTERVIEW MONIKA GOETSCH (13.04.2004)
Quelle: http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2004/04/13/a0167

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Quote
[...] Wie Mann und Frau zueinander finden, nach welchen Regeln sie zusammen leben und woran sie scheitern – diese Fragen werden nach Jahrzehnten fein ziselierter soziologischer Debatten, nach Frauenliteratur und Männerstudien, nach Carrie Bradshaw und Gleichstellungsauflagen zusehends als evolutionäre Unausweichlichkeiten diskutiert: Alles Natur, alles schon festgelegt in irgendeinem Gen-Krümel, wer jagt, wer sammelt, wer Geld ranschafft, wer wen abschleppt. [...] Und Liebe? Dient evolutionär betrachtet als Stimulus, damit man den ganze Reproduktionszirkus überhaupt mitmacht. Ein Flackern auf dem Computertomographen, mehr nicht. Ein starkes Flackern, manchmal.


Aus: "Die netten Jahre sind vorbei" von Sonja Zekri (SZ vom 22.01.2005)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,kulm3/kultur/artikel/492/46446/

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Quote
[...] Der Erotismus (von franz. l'érotisme) wird meist als ein Begriff für die Sublimation des Geschlechtstriebes in literarische, künstlerische bzw. kulturelle Leistung verwendet.

Im weiteren Sinne kann der Begriff auch als erotische Besessenheit oder schlichtweg als Synonym für besonders intensive Erotik definiert werden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache von DUDEN bezeichnet den Erotismus kurz als „Überbetonung des Erotischen“.

Vor allem die französischen Intellektuellen diskutierten in der 2. Hälfte des XX Jh. verschiedene Facetten des Erotismus in der Kunst sowie seine Stellung in kulturell-literarischen Strömungen, politisch-moralischen Doktrinen und religiösen Denkansätzen, wobei sowohl der Surrealist Andre Breton als auch der Existentialist Jean Paul Sartre jeweils andere Positionen bezogen. Marcel Duchamp setzte den Erotismus als theoretischen Leitbegriff ein, mit ihm möchte er in der Kunst ähnliches erreichen, was Georges Bataille als Transgression beschreibt. Bataille sprach von einer Angst-Neurose als dem Nährboden für alle andere große Gefühle, deren äußerstes Ausmaß er als göttlich begriff, als notwendig für das Erleben jedweder Ekstase. Für jeden zugänglich sei die mystische Erfahrung in der Liebe, die ekstatische Liebe, so dass der Erotismus als ein Seitenzweig der Mystik erscheint. Michel Foucault schrieb zu Batailles Studien zur Erotik: "Und wenn es gelte, dem Erotismus - im Gegensatz zur Sexualität - einen präzisen Sinn zu geben, dann sicher diesen: Eine Erfahrung der Sexualität, die, um ihrer selbst willen, das Überschreiten der Grenzen mit dem Tod Gottes verbindet."


Die Existentialisten hatten sich dem Zeitgeistideal des sinnlos ins Leben geworfenen Menschen verschrieben. Mit dieser Sinnlosigkeit galt es sich abzufinden. Sie war absolut real und nur zu beeinträchtigen mit wirklichkeitstauglichen Mitteln, wie mit den Mitteln der politischen Agitation. Die Notwendigkeit einer marxistischen Revolution hätte die alle Angelegenheiten des Eros als völlig unwichtig erschienen lassen. Simone de Beauvoir spricht sich gegen die Erotik als Basis für eine dauerhafte Beziehung aus: „In Wirklichkeit lässt sich eben die körperliche Liebe weder als absoluter Zweck noch als einfaches Mittel behandeln. Sie vermag eine Existenz nicht zu rechtfertigen. Sie lässt aber auch keine fremde Rechtfertigung zu. Das heißt, sie müsste in jedem Menschenleben eine episodenhafte und autonome Rolle spielen, sie müsste eben vor allem frei sein“. Wird die Erotik „frei“, so muss nicht sublimiert werden. Aus dieser Erkenntnis resultiert letztlich auch die gelebte Verbindung Beauvoirs mit Sartre.


Die Surrealisten hielten den Realismus für einen Irrtum. Die Trennung von (erotischem) Wunsch und Realität wurde anders als bei Sartre verarbeitet. Man versuchte, das Unbewusste darzustellen, indem man Traum und Realität miteinander verschmelzen ließ. Die surrealistische Bewegung suchte die eigene Wirklichkeit des Menschen im Unbewussten und verwertete Rausch- und Traumerlebnisse als Quelle der künstlerischen Eingebung. Man bemühte sich darum, das Bewusstsein und die Wirklichkeit global zu erweitern und alle geltenden Werte umzustürzen. Mit dem Postulat das Verdrängte zu Äußern, mit ihrem Glauben an die den Menschen bestimmende Kraft - die "Allmacht der Begierde" - gelten sie als Wegbereiter für liberale Modernität und die sog. "sexuelle Befreiung" der westlichen Gesellschaft.


Die Kulturpessimisten stellen sich dem Erotismus skeptisch gegenüber, wie etwa Julius Evola, der mit seiner Untersuchung „Metaphysik des Sexus“ zu beweisen glaubt, dass die sexuelle Offenheit der gegenwärtigen westlichen Welt, ihr erotischer Liberalismus, ihre Pornographie, eine Manifestation des sexuellen Verfalls darstellen, das Symptom einer desexualisierten Gesellschaft, eines sexuellen Verfalls und nicht der Ausdruck gesteigerter Erotik, der Jugend und Reinheit. Die Veräußerlichung des erotischen Typs, der Übergang von der Sphäre des konkreten sexuellen Aktes zu dem der mentalen Bilder, zur pornographischen Kultur, der erotisierten Öffentlichkeit, der Ausschmückung, usw. bezeugt nach Evola eine "sexuelle Entropie". Statisken aus Frankreich und den Vereinigten Staaten zeigen, dass die Toleranz der Gesellschaft gegenüber der "Pornographisierung" der Kultur gleichzeitig zu einer Abnahme der realen Sexualakte führt, zu einem demographischen Absturz und zu einer wirklichen "Entsexualisierung" der konkreten Personen. In der sexuellen Revolution sieht Evola nicht die "Rettung des Sexus", sondern die "Rettung vor dem Sexus", in dem Sinn, dass der "Veräußerlichung" des sexuellen Triebes das Bedürfnis zugrunde liegt, sich der inneren Spannung nicht durch "sexuelle Ausbreitung", durch die orgasmische Verausgabung des normalen sexuellen Aktes, sondern durch eine langsame und graduelle Entropie, einen permanenten Ausfluss der sexuellen Energie, zu entledigen.

Ausblick:
Die Diskussion über den Erotismus im Zeitalter der Massenmedien und des Internets, wo ausufernde Obszönität, die nach religiöser Auffassung vieler in absoluten Nihilismus münde und Szenen roher Sexualität zur täglichen Kost gehören, wird die Menschen im XXI Jahrhundert mit Sicherheit weiter beschäftigen.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Erotismus (08/2006)
« Last Edit: November 25, 2020, 12:13:04 PM by Textaris(txt*bot) »
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[Lust des Bauches und Moralisch-psychische Verwirrung... ]
« Reply #1 on: June 05, 2005, 12:15:22 PM »

Quote
[...] Der philosophische Materialismus, jene von Religion und Metaphysik befreite Geisteshaltung, wurde von Demokrit begründet.

[...] Mit den Schriften Epikurs aber fand dieses Denken erstmals Popularität. Den griechischen und später römischen Eliten blieb der Materialismus bis zuletzt jedoch ein Dorn im Auge. Man hielt ihn für vulgär und sah in ihm eine Gefahr für die Moral, seine Verfechter hatten einen schlechten Ruf. In der Spätantike und im christlichen Mittelalter wurde Epikur dann regelrecht zum Feindbild. Dies erklärt, warum die Schriften dieses Philosophen, die zu den umfangreichsten der Antike zählten, heute nur mehr in Bruchstücken vorhanden sind. Im Gegensatz zu Platons Dialogen wurden sie nach und nach vernichtet. Dies war Ausdruck eines ideologischen Kampfes.
Erst im 18. Jahrhundert fand das epikuräische Weltbild eine glänzende Erneuerung. Voltaire, Diderot, später aber auch Marx, Schopenhauer und Nietzsche sahen in dem alten Epikur ein Vorbild. Revolutionäre Denker begannen ihn zu schätzen. Den anderen war er nach wie vor ein Ärgernis.

Epikur, der Aufklärer, war von der Lust fasziniert. Sie bedeutete ihm Ursprung, Weg und Ziel alles Wertvollen, schlichtweg den zentralen Wert: "Jedes Lebewesen erstrebt, sobald es geboren ist, die Lust und freut sich an ihr als an dem höchsten Gute und flieht den Schmerz als das größte Übel. Und zwar tut es dies, während es noch nicht verdorben ist und während die Natur selbst noch unverdorben und unverfälscht urteilt."
Die Beobachtung am Säugling - der noch Natur und noch nicht Kultur hat, für den die Lust das einzig Erstrebenswerte ist - war demnach Basis für die Einsicht in das tatsächliche Wesen des Menschen. Aus welchem Grund die Lust das Erste und das Beste ist, mußte dann gar nicht mehr bewiesen werden. Epikur meinte, man spüre es einfach, "so wie man spürt, daß das Feuer wärmt, der Schnee weiß ist und der Honig süß".
Dieses Bewußtsein einer Evidenz war die Basis der epikuräischen Ethik.
Die Lust, so Epikur, ist jedoch nicht nur Säuglingsglück.

[...] Sie spielt im Leben aller die zentrale Rolle. Motiv ist immer nur der Lustgewinn: "Ursprung und Wurzel alles Guten ist die Lust des Bauches, denn selbst das Weise und Feine beziehen sich darauf zurück", d. h. alle Handlungen, selbst die weisen und feinen, werden letztlich um ihres Vorteils willen begangen.
Das egoistische Motiv des Handelns wurde in der griechischen Philosophie jedoch stets geächtet. Gehandelt werden sollte aus Gründen der Vernunft und der Moral. Aus Lust zu handeln war verpönt. Dies füge aber, in den Augen Epikurs, unserem Bewußtsein Schaden zu. Denn, falls wir von Kindesbeinen an dazu erzogen werden, unser Primärmotiv, den Lustgewinn, als schändlich anzusehen, und dann als mündige Erwachsene bloß Idealen folgen müssen, wir demnach fremdgesteuert sind und unsere wahre Absicht gar nicht kennen, so belügen wir uns selbst, ein Leben lang. Moralisch-psychische Verwirrung und Verkrampfung werden dann zwangsläufig die Folge sein. "Ich spucke auf das Edle", meinte Epikur, "und auch auf jene, die es in nichtiger Weise anstaunen, wenn es keine Lust erzeugt". Heuchelei war ihm zutiefst zuwider.
Nach Epikur hatten die Denker der Antike es verabsäumt, der Lust auf ihren wahren Grund zu gehen. In ihren Augen war sie Angelegenheit des Pöbels und des Viehs. Ein Weiser hatte "Höheres" im Sinn zu haben. "Weisheiten" dieser Art, so Epikur, beruhten aber bloß auf einem Mißverständnis, denn "kein Mensch verachtet die Lust, bloß weil sie Lust ist, oder haßt sie oder flieht sie deshalb, sondern nur, weil auf sie große Schmerzen folgen, und zwar für jene, die nicht mit Überlegung der Lust nachzugehen verstehen". Die "elitäre" Verachtung der Lust beruht demnach bloß auf der philosophischen Unkenntnis darüber, wie sie unbeschadet zu erfahren und zu bewahren ist.

[...] Epikurs Reden bedenken das, was er die "Seelenruhe" nennt. Sie ist die Lust des souveränen Gottes, der erhaben über Zorn und Gunst dem Wahnsinn lachend trotzt. Für uns Menschen bleibt zu hoffen, sich der göttlichen Schmerzlosigkeit und Unbelästigtheit zumindest annähern zu können...

[...] Auch dem seelischen Schmerz, so Epikur, sollten wir stets nüchtern und illusionslos begegnen. Denn für den Weisen wird das Maß der Lust letztendlich überwiegen. Um dieses Vorteils willen wird schließlich philosophiert. Denn man würde "die Weisheit, welche die Kunst des Lebens ist, nicht erstreben, wenn sie kein Ergebnis hervorbrächte. Nun wird sie aber erstrebt, weil sie gewissermaßen Künstler ist im Aufsuchen und Erwerben der Lust". So wird selbst psychische Labilität besiegbar, "denn es ist nur die Weisheit, die aus der Seele die Traurigkeit vertreibt und die uns daran hindert, vor Angst zu erstarren".

[...] Die Lebenskunst liegt im gekonnten Wechselspiel zwischen Materie und Geist: Das vernünftig zu gestaltende Materielle schafft Freiraum und beflügelt das Geistige; das Geistige benutzt und bewertet das Materielle mit einer ihm adäquaten und zweckmäßigen Einstellung. Die Harmonie zwischen diesen Polen der Wirklichkeit "die Ataraxia" macht dann das glückselige Leben aus. Diese Harmonie, dieses Maß, bestimmt sich im einzelnen Menschen prozeßartig und lebenslang immer wieder neu: Man verwirklicht sich sozusagen selbst als lebendiges Kunstwerk.
Als Sklaven unserer Lust sind wir wie Kinder oder Tiere. Um Herr zu sein, bedarf es der Kontrolle durch den Geist. Ist uns die Lust der höchste Wert, darf sie nicht maßlos wüten. Sie muß zur Ruhe kommen, sich auf das Wesentliche konzentrieren.
Somit entzaubert Epikur die Lust und raubt ihr die wohl spektakulärste Erscheinungsform: die Facette des Geilen. Es bleibt die Lust eines geläuterten und weisen alten Mannes, der seelenruhig die letzten Sonnenstrahlen des Spätherbstes genießt, meilenweit von jeder Erektion entfernt.

Aus: "Erhaben über Gunst und Zorn - Epikurs Lustprinzip und der philosophische Materialismus der Antike"
Von Eugen-Maria Schulak (Erschienen in der Wiener Zeitung am: 19.02.1999)
http://www.wienerzeitung.at/frameless/lexikon.htm?ID=6121
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[Struktur unseres Nervensystems]
« Reply #2 on: June 05, 2005, 12:26:27 PM »

Quote
[...] Zitat von Jaques Monod: "Verzichten wir auf die Illusion, in der Seele eine immaterielle 'Substanz' zu sehen, dann leugnen wir nicht deren Existenz, sondern wir beginnen im Gegenteil, die Komplexität, den Reichtum und die unergründliche Tiefe des genetischen und des kulturellen Erbes wie auch der bewußten und unbewußten persönlichen Erfahrung zu erkennen, die zusammen das Wesen ausmachen, das sich in uns einmalig und unwiederbringlich bezeugt". (lit 44 Monod, J. "Zufall und Notwendigkeit, Philosophische Fragen der modernen Biologie")
So wie wir akzeptiert haben, daß die Schönheit einer Musik, die ja unsere Seele sehr direkt und averbal beeinflussen kann, in der Informationsabfolge von Noten oder von 0 und 1 auf einer CD Platte steckt, so müssen wir akzeptieren, daß die Vielfalt und Einmaligkeit jedes einzelnen Menschen, seine Persönlichkeit und damit seine Seele in der Struktur unseres Nervensystems verborgen ist. Diese Struktur ist allerdings nicht ein für alle mal festgelegt, sondern wandelt sich von Tag zu Tag.


Aus: "Die Natur, die Kultur und die Menschen" (Text von R.Hoffmann)
Quelle: http://www.madeasy.de/1/2nkmdef3.htm
« Last Edit: September 08, 2010, 08:35:33 PM by Textaris(txt*bot) »
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[Selbstevidenz der Lust... ]
« Reply #3 on: July 06, 2006, 08:30:29 PM »

Quote
[...] Philosophisch gesehen ist Lust bei den meisten Denkern "in-sich-selbst-wertvoll". Daher spielt sie eine bedeutende Rolle in den verschiedenen Trieb- und Bedürfnislehren (s. a. Motivation, einschließlich deren Theorien über den Vorgang der Bewertung von Erfahrungen und/oder 'nur' Gedanken. Bereits in der antiken Philosophie wurde der Lust (und Vermeidung von Unlust) ein hoher Stellenwert beigemessen (siehe u. a. Platon, Symposion, und Epikurs Garten). Das Angenehmsein der Lust zeigt sich unmittelbar, anschaulich und emotionell nachvollziehbar auch ohne jegliches Verständnis ihrer Ziele. ( - Man isst nicht eigentlich zwecks Anhebung des Zuckerpegels, sondern aus Lust; nicht die Fortpflanzung ist ein Grundbedürfnis, sondern die in der Begattung empfundene Lust.)

Lustgefühle sind im weiteren Sinne eine 'sich selbst generierende' Erlebnisweise und die körperlichen grundverschieden von denen der ästhetischen Sinneswahrnehmung und denen der sich unmittelbar im Geiste entwickelnden Gedanken, Vorstellungen und logischen Empfindungen. Das Gefühl der körperlich erlebten Lust kann sich aber mit allen denkbaren Arten sowohl der Wahrnehmung als auch der rein gedanklichen Logik verbinden und zu deren "Gefühlseinfärbung" führen. Fehlt die Fähigkeit zu diesen variablen Einfärbungen, die dem Erleben der Lust Gestalt geben, ist dies ein Anzeichen für die Erkrankung an Depression.

...

Quote
[...] In der Psychologie ist „Lust“ („Libido“) die Bezeichnung für eine subjektiv angenehme Empfindung. In der Psychoanalyse Sigmund Freuds wird alle berechtigte Lust auf eine einzige Urkraft zurückgeführt, die Libido, die eine(n) universale(n), biologische(n) Energie/ Trieb darstelle, deren Verwirklichung grundsätzlich Lust verschaffe und der für das instinktive, angeborene Streben nach Bedürfnisbefriedigung bei gleichzeitiger Meidung von Unlust immanent sei ... (09/2010)



Bruchstueck aus: "Selbstevidenz der Lust" (07.2006)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Lust

« Last Edit: September 08, 2010, 08:40:33 PM by Textaris(txt*bot) »
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[Penispumpe, zischende Geräusche und Haft... ]
« Reply #4 on: August 19, 2006, 01:08:16 PM »

Quote
[...] Bristow/USA (APA/ag.) - Weil er während seiner Gerichtsverfahren mit einer Penispumpe onaniert hat, ist ein ehemaliger Richter in den USA am Freitag zu vier Jahren Haft und einer Geldstrafe von rund 31.000 Euro verurteilt worden. Eine Gerichtsreporterin hatte in dem Verfahren gegen Donald Thompson ausgesagt, der Jurist habe während eines Mordprozesses vor drei Jahren fast täglich mit der Pumpe hantiert.

Thompson zufolge war die Penispumpe das Scherzgeschenk eines langjährigen Freundes zu seinem 50. Geburtstag. Er habe sie im Gerichtssaal vermutlich gedankenverloren betätigt, aber nie onanieren wollen, erklärte der dreifache Familienvater. Die Ermittlungen gegen den 59-Jährigen brachte ein Polizist ins Rollen, der 2003 als Zeuge aussagte: Er beobachtete, wie ein Plastikrohr unter Thompsons Robe verschwand. In einer Essenspause fotografierten Beamte die Pumpe unter dem Tisch des Richters. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kam das Gerät in mindestens vier Prozessen zum Einsatz. Wie aus den Ermittlungsakten weiter hervorgeht, wurden auch der Teppich, die Roben und der Richterstuhl untersucht und Sperma gefunden. Auf einem Tonbandmitschnitt der Gerichtsreporterin war während eines Prozesses außerdem ein zischendes Geräusch zu hören. Als Geschworene den Richter darauf ansprachen, tat er, als habe er nichts gehört. Im Oktober 2003 war ein ähnlicher Fall in Frankreich bekannt geworden. Damals leitete die Justiz ein Ermittlungsverfahren gegen einen Beisitzenden Richter ein, der sich während einer öffentlichen Verhandlung selbst befriedigte.




Aus: "Vier Jahre Haft für US-Richter wegen Onanierens" (nachrichten.at; 19. August 2006; APA 19.08.2006)
Quelle: http://www.nachrichten.at/apanews/apac/469153?PHPSESSID=9fa0eded8addb4e829e45f49ed30d12b
« Last Edit: November 14, 2007, 02:26:03 PM by Textaris(txt*bot) »
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[Waffen + geschlossene Beine... (Notiz, Pereira)]
« Reply #5 on: September 12, 2006, 10:48:29 AM »

Quote
[...] Bogotá - Frauen in der kolumbianischen Stadt Pereira haben mit einem Streik der „geschlossenen Beine“ ihre Männer auf den Pfad der Tugend zurückgebracht. Insgesamt 20 Mitglieder einer Straßenbande hätten ihre Waffen bei der Polizei abgegeben, nachdem ihnen ihre Frauen im Bett nur noch die kalte Schulter gezeigt hätten, berichtete der Fernsehsender RCN am Sonntag (Ortszeit).

„Es klingt wie ein Witz. Aber die Jungs sind anhänglich, und wenn man sie ein wenig auflaufen lässt, dann reagieren sie schon“, sagte eine junge Frau. Kolumbien leidet unter einer der höchsten Mordraten weltweit, und vor allem die schießwütigen Mitglieder von Straßenbanden leben gefährlich. (dpa)


Aus: "Sex-Entzug zwingt harte Jungs in die Knie" (11. September 2006)
Quelle: http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=1264709

« Last Edit: November 14, 2007, 02:26:59 PM by Textaris(txt*bot) »
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[Der Anteil des Fiktiven und des Symbolischen in der Sexualität... ]
« Reply #6 on: September 25, 2006, 08:57:59 PM »

Quote
[...]  Georg Seeßlen: Das sexuelle Bild ist ja nie identisch mit dem pornographischen Bild, und mit der Liberalisierung des sexualisierten, pornographisierten Bildes ist der gesellschaftliche und kulturelle Kampf um das sexuelle Bild - oder noch allgemeiner: das Körperbild, den Körper als Bild - keineswegs entschieden. Im Gegenteil, es muss, zum Beispiel in der Kunst, im Film und im Pop, immer wieder neu erfunden werden. Übrigens wird dabei auch immer mehr der Diskurs von "Erfundenheit" und "Natürlichkeit" selber zum Thema. Und natürlich wird der Kampf nicht nur um das Zentrum des Bildes - der Körper, die Lust, die Verschmelzung etc. - geführt, sondern auch um die Konnotationen. Darum ist es wichtig, den Diskurs von der abstrakten Moral, von der Bindung durch Herrschaft und Ökonomie und am Ende auch von den Mythen zu befreien, auch wenn zugleich das Bewusstsein besteht, dass das nie vollständig gelingen kann.

[...]  Phase 2: In welchem Verhältnis also steht Pornographie zur sogenannten "normalen" Sexualität? Ist sie Projektionsfläche für die in der Kleinfamilie nicht erfüllbaren Wünsche? Übernimmt sie notwendigerweise den Bereich des Obszönen, der im bereinigten öffentlichen Diskurs keinen Platz findet?

Georg Seeßlen: Kulturgeschichtlich kann man das "Pornographische" auch als einen Versuch ansehen, das Flüchtige, das Triviale "aufzuheben". Es vermittelt nicht zuletzt die Illusion der Kontrolle. Man kann sie als Ideologie oder auch als Transzendenz der "normalen" Sexualität ansehen, einerseits als Projektion, als fiktive und symbolische Wunscherfüllungsmaschine, die bereithält, was das echte Leben nicht enthält, andererseits ist es aber auch eine Art der fetischistischen Verurteilung. Pornographie ist sich der Bildhaftigkeit ihrer selbst bewußt, sie ist nicht die "bessere", sondern nur die "andere" Seite des Sexuellen, der Genuss der eigenen Zeichenhaftigkleit, der Genuss des imaginierten Blicks. Das Problem ist also nicht nur die Pornographisierung der Öffentlichkeit und der politischen und ökonomischen Diskurse, das Problem ist die Pornographisierung der Sexualität selber, die sich am ehesten in den scheinbar so harmlosen Fernsehunterhaltungen wie "Herzblatt" ausdrückt: Sexualität zeigen, spielen, sprechen wird immer leichter, Sexualität empfinden, reflektieren, kultivieren immer schwieriger. Davon handelt zur gleichen Zeit die Inszenierung der emotionalen Katastrophe als Dauerzustand in den Soap Operas, so wie die pornographische Projektion nie ohne ihr destruktives Gegenbild, das Bild der Gewalt funktioniert.

[...]  Georg Seeßlen: Die Vorstellung von einer "befreiten" Sexualität scheint einem Verständnis von Natur und Kultur anzugehören, das immer noch von einem Mythos der linearen Entwicklung, der "guten" Natur und der schlechten Kulturcodes ausgeht. Vielleicht sind wir da mittlerweile ein bißchen weiter. Der Anteil des Fiktiven und des Symbolischen in der Sexualität muss genau so ernst genommen werden wie der der "Natur".

[...]  Der Widerspruch zwischen Macht und Sexualität offenbart sich in immer neuen Formen, und es ist daher alles andere als ein Wunder, dass wir in der Zeit des Neoliberalismus eine Art der sexuellen Ich-AG beobachten können, die sich nicht mehr nach abstrakter Moral und nicht mehr nach "patriarchaler" Hierarchie, sondern nach dem Prinzip von Investition und Verkauf orientiert. Die "Verlierer" dieses Prozesses sind die gleichen wie die Verlierer im neoliberalen System überhaupt; die Liberalisierung hat hier zu einer radikalen Entwertung geführt. Die Medien haben sich nicht nur auf einem allgemeinen Niveau "pornographisiert", sondern sie führen mehr noch einen Diskurs der sexuellen Gewinner und Verlierer. Sie versprechen, fit for fun, hier eine letzte Anstrengung, um auf die Gewinnerseite zu gelangen, dort den Couch Potatoes Trost, denen die sexuellen Verlierer als mehr oder weniger komische Opfer vorgeworfen werden. Die radikal ökonomisierte Herrschaft funktioniert nicht entgegen, sondern gerade durch die Sexualisierung der Diskurse, so dass die Idee einer "Befreiung" zumindest ihre naive Euphorie verloren hat.

[...] Sexualität, Körperlichkeit, Begehren, Ästhetik, all diese miteinander verbundenen Felder der Selbsterfahrung und Erfahrung des anderen, sind komplexer geworden als die Instrumente ihrer gesellschaftlichen Kontrolle. So entstand wohl ein Hase- und Igel-Spiel zwischen Subversion und Ausbeutung, ein Pop-Spiel der sexuellen Inszenierungen, wenn man so will. Möglicherweise treten daher an die Stelle der Diskurse über die Lust die lustvollen Diskurse: Das sexuelle Ich, das sich von den Formen von "Es" und "Wir", und von denen der Verpflichtung - nach dem Motto, dies ist die "Natur" der Sexualität, dies ist die "Kultur" der Sexualität - emanzipiert, hat eine Menge damit zu tun, sich in der suggestiven Welt der role models zu erfinden und diese immer auch wieder in Frage zu stellen. Die Frage dürfte nicht einfach zu beantworten sein, ob dies sozusagen die sexuelle Erfüllung des Kapitalismus ist oder die Ahnung seiner Überwindung.


Aus: ""Man würde Pornographie erfinden, wenn es sie nicht gäbe" Ein Interview mit Georg Seeßlen" (Phase 2.13; Nummer:13/2004)
Quelle: http://phase2.nadir.org/rechts.php?artikel=232&print=
« Last Edit: November 14, 2007, 02:27:13 PM by Textaris(txt*bot) »
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[...als wären wir nicht alle längst Pornokonsumenten]
« Reply #7 on: September 25, 2006, 09:11:29 PM »

Quote
[...] Die "Seele" jedoch war stets der Arbeitsbereich der bürgerlichen Hochkultur. In der Hochkultur konnte der Bürger das Schöne und Erhabene erleben oder seit der Aufklärung seine Befreiung aus der selbst gewählten Unmündigkeit zelebrieren. Doch diese Zeiten sind vorbei. Auch Hochkultur ist heute schlicht ein Konsumgut und ein äußerst wichtiges dazu. Und so wie sich Porno auf die E-Kultur zubewegt, so basiert der E-Kultur-Verbrauch zunehmend auf pornografischen Erlebnissen.

Die Funktionalität der Pornografie ist Vorbild geworden für die Kultur insgesamt. Kultur muss spektakulär sein, Emotionen auslösen, "spannend" wirken oder Wohlbefinden bescheren. Literatur entführt in fremde Gefilde, Musik wird entsprechend der eigenen Gefühlsfarbe gehört oder soll diese beeinflussen, die Kunst muss zur Einrichtung passen.

[...] Die bürgerliche Kultur ist heute Porno. Und deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Porno nicht nur in den Lifestyle-Magazinen ein Dauerthema ist oder dass Pornodarstellerinnen ihre Memoiren schreiben, sondern Fotografen wie Nobuyoshi Araki oder Terry Richardson in Museen hängen oder eben eine Welle von Arthaus-Filmen mit Hardcore-Elementen auf uns zukommt. "Geil!" ist das Bewertungskriterium der Stunde. "Geil" ist aber nur eine Zustandsbeschreibung, keine Bewertung. Was "geil" macht, dafür kann kein Kritiker mehr sensibilisieren. Kultur braucht keine Beurteilung mehr, sie braucht Wirkung.

[...] Insofern hat die Pornografisierung der Kultur eine ausgesprochen konservative Note: Sie verhindert Kritik. So erklärt sich auch eines der größten Paradoxe der heutigen Zeit; dass nämlich die Konservativen die Pornografie nicht mehr bekämpfen. Weniger legale Hindernisse als unter der Bush-Regierung etwa hat es für das Pornobusiness noch nie gegeben. Aber das sollte nun nicht dazu verleiten, zum Thema Porno die vakante moralische Position zu besetzen. Porno ist nicht verwerflich und nicht böse. Pornografie muss zum Gegenstand einer politischen Kritik werden. Dafür freilich gibt es keinen anderen Weg, als sich tatsächlich in die Untiefen der Videotheken zu begeben - anstatt naserümpfend an den DVD-Wänden vorbeizuschreiten und so zu tun, als wären wir nicht alle längst Pornokonsumenten.


Aus: "Wie weit kannst du gehen? - Kultur und Pornografie durchdringen sich gegenseitig. Am deutlichsten zeigt sich dies jedoch nicht in Arthaus-Filmen oder teuren Bildbänden: Der direkte ästhetische Zugriff auf die "Seele" findet sich heute in der so genannten "Gonzo"-Pornografie " Von MARK TERKESSIDIS (taz vom 18.8.2006, S. 15, 303 Z.)
Quelle: http://www.taz.de/pt/2006/08/18/a0167.1/text

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[postpornpolitics... ]
« Reply #8 on: October 16, 2006, 08:47:05 PM »

Quote
[...] Prostitution, porn and feminism. Webwhore manifesto: feminist manifesto that reindicates the decriminalisation of sex work and the use of internet as a tool.
Netporn. How internet has subverted the flow of information and has completely changed the access to porn material.
Pornography and feminist movements. From the antiporn positions of Catherine McKinnon and Andrea Dworkin to the anticensorship of Gayle Rubin and Carole Vance.
Women against pornography vs Women against censorship.
Women in “feminist porn”. Classics like Annie Sprinkle, Cindy Sherman or recent creators like Maria Beatty, Emilie Jouvet from France or Cronika from Mexico.
Connections between post-porn and the queer movement. Queer as the fight against heterosexist stereotypes and pink capitalism. Queer as the breaking force of the social construccions of woman-man, gay-lesbian. Butch-femme roles and drag kings.
The objectification of woman’s body. Sexual trangression as a feminist strategy. If women’s naked bodies have symbolized patriarchal sexual repression, is it really possible to subvert this gaze?
The representation of men as objects of desire. Most of the images of men are made from a gay perspective. Why? Are women not desiring male bodies? How can we create a sexual imagery that represents our desires without degrading the objects of our desires?
Yes, we desire all kinds of bodies in fact. Men, women, whatever. And men’s bodies are sexy. But perhaps we do not want to do it in the way men have used the body of women as an object to impose their power upon them. Perhaps women are not willing to do it in the same abusive, degrading way the male has been doing it. How can we do it?

As women our role in pornography has always been in front of the camera. But now we want to be behind it - and in front of it. We want to make porno. And not only this: we want to subvert the image of our sexuality that has been constructed by the industry of porn. We want to create pornography that subverts the genre’s sexism. Explore our desires. Sexualities multiply, queer theory as catalyst. As women our desire has been excluded, our sexuality vulgarised.
Here are some of the main areas that we explore in workshops we do:
Origin of the term “Pornography”.Invented during the Victorian period of 19th century England, pornography is composed of two greek words : porne / “prostitute” and grafia / “description”. It emerged to describe, in a disapproving way, the sexually explicit images (or “daguerrotypes”) that began to circulate amongst the working class due to the invention of photography.
Different conceptions of pornography. From Andrea Dworkin´s definition as mediatic prostitution to the new definitions of postporno of Marie Helene Bourcier.-Dichotomy between pornography and erotism: erotism as euphemism of elegant porn. Pornography as cinematographic genre and as constructor of realities.


From: "GIRLS WHOLIKE PORNO (Barcelona)" (2006 ?)
Source: http://www.logoparc.com/postpornpolitics/girls.htm

-.-

Quote
[...] How do you like your porn today? With the arrival of new technologies like internet, myspace and youtube, something has changed in the world of porn. It became possible for everybody to access porn and to share with people from every corner of the planet.
You can surf the net for those special sexual desires that you thought no one shared with you. Or you can show your home made work to the world. There are always people who will love you for it.
We want to know how people experienced online porn in their own life. From our porn celebrities at the artporn festival to our ‘normal’ neighbor, to see what they will confess to us about their online porn use.


From: "CONFESSIONS OF A PORN (FASHION) VICTIM
INTERVIEWS ABOUT THE PERSONAL NETPORN EXPERIENCE.
Katrien Jacobs - panel with Matteo Pasquinelli and Marije Janssen" (2006?)
Source: http://www.logoparc.com/postpornpolitics/katrien.htm
Katrien Jacobs is a scholar, curator and artist and works as assistant professor at City University of Hong Kong. She was born in Belgium and received her Ph.D. degree from the University of Maryland, with a thesis on dismemberment myths and rituals in 1960s/1970s body art and performance media. She has lectured widely and co-organized several conferences and events, such as the Institute of Network Cultures’ “Art and Politics of Netporn.” http://networkcultures.org/netporn. She recently finished a book entitled Libi_doc: Journeys in the Performance of Sex Art. (2005, Maska Publications) http://www.libidot.org. Her new book ‘The Sexual Chemistry of Internet Pornography” analyzes the boom of indie porn sex on the Internet is forthcoming with Rowman and Littlefield, USA.
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[also die sollen bloß die finger voneinander lassen...]
« Reply #9 on: November 06, 2006, 02:05:19 PM »

Quote
00006325
wütend/sauer   

Ich kann es mir einfach nicht erklären, warum ich dieses blöde zigarettenetui hab auf dem balkon liegen lassen. So ein Blödsinn-Mist elendiger!

-.-

Quote
00006315
gelangweilt

ich will sex mit zwei männern.. also die sollen bloß die finger voneinander lassen, die sollen sich um mich kümmern. ich dachte immer männer würden auf sowas stehen und alle würden mir die bude einrennen.. aber neeeeee. is nichmal n mann für sex mit einem mann da...


-.-

Quote
00006313
gelangweilt   

alles blöd, aber ich gehe einkaufen, vielleicht hilft es


-.-

Quote
00006311
in Ordnung   

möcht mal wieder richtig geilen sex...
schon sicher nen monat her..
hab schon vergessen wie's geht..


-.-

Quote
00006304
in Ordnung

Ich kann mir kaum vorstellen, wie peinlich und überaus demütigend es sein muss, keinen hoch zu kriegen, nochdazu wenn man ohnehin ein kompletter Vollversager ist. Nicht dass das lächerliche Ding, dass Du Deinen Schwanz nennst, sonst irgendwie erwähnenswert wäre. Und klar, dass Du das kompensieren musst. Aber das wird Dir nichts nützen, davon wird er bestimmt nicht größer. Und DAS ist für mich sehr befriedigend.

-.-

Quote
00006301
traurig   

Seit ich mit meiner ex im bett war finde ich pornos scheiße...

-.-

Quote
00006294
verwirrt

Oh Mann!
Was ich alles für Mist gebaut habe!

-.-

Quote
00006285
wütend/sauer   

Mein Mann ist sooooo'n faules Schwein!

-.-

Quote
00006283

katastrophe überwunden!
katastrophe überwunden....
katastrophe überwunden?

-.-

Quote
00006277
traurig   

Ich trink nie wieder Alkohol...Hoffentlich wird alles Gut.

-.-

Quote
00006275
einsam   

Man, was hat sie bloß an sich?? Warum kann ich an nix anderes mehr denken.. Sie ist nich die hübscheste, hat mir schon soviel scheiße eingebrockt und mich verarscht.. Aber trotzdem liebe ich sie.. und ich könnt mich zu TOde aufregen, dass ich sie liebe... Sie ist doch auch nur n ganz normaler Mensch, aber ich tu so, als wäre sie Gott persönlich... Ich Idiot

-.-

Quote
00006268
einsam

schon über 2 wochen...

-.-

Quote
00006267

heute abend muss ich sie fragen ob er ne freundin hat. Das wird peinlich. Muss aber, sonst geht gar nix.

-.-

Quote
00006266

ich male mir schon wieder eine komplette Zukunft mit so nem Typen aus, den ich nur einmal gesehen habe. Ich kanns einfach nicht lassen. Und dabei weiß ich noch nicht mal, ob er ne Freundin hat.

-.-

Quote
00006264

Sie sind ein Frauenversteher. Sie haben verloren. Setzen sie drei Felder zurück und fangen sie vor ihrer Pubertät von vorne an.

-.-

Quote
00006259

Fick mich


-.-

Quote
00006256

Ich bin ein wenig lesbisch. also quasi bi. und es ist schön. zumindest mit <IHR>

-.-

Quote
00006250
in Ordnung   

Was lernen wir daraus? Es liegt im Auge des Betrachters...
;-)


-.-

Quote
00006240

Urin schmeckt toll.


-.-

Quote
00006236

ich hab vor ca 2 jahren ein mädel abgelehnt, obwohl ich übelst auf sie stand (und sie auf mich) nur weil ich dachte, dass es so einfacher wär. und jetz find ich sie wieder geil

Ich bin soooo blöd!


-.-

Quote
00006229
traurig   

[...] es war so schön und im grunde bereue ich keine sekunde auch wenn es für ihn nur ne lückenbüßeraktion war..


-.-

Quelle: parkuhr.net
« Last Edit: November 25, 2020, 12:14:45 PM by Textaris(txt*bot) »
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["die ich eigentlich gar nicht leiden kann"...]
« Reply #10 on: February 28, 2007, 12:18:16 PM »

Quote

00006922:traurig

Ich hab meine Freundin betrogen!
Das schlimmste daran, dass ich mit meiner Ex geschlafen hab, die ich eigentlich gar nicht leiden kann.
Das ist nun 2 Tage her, beide Tage hab ich viel gearbeitet und hatte nicht viel Zeit an mein schlechtes Gewissen zu denken.
Aber heute ist es da.
Scheiße.
Meine Ex meint sie erzählt es keinem, aber damit ist mir auch nicht geholfen.
Wie verhalte ich mich wenn ich meine Freundin wieder treffe? Scheiße das alles.

Quelle: http://www.parkuhr.net/b/96cc3664a52feb75

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[Käuflichen Sex und Gespaltenheit... (Spanien)]
« Reply #11 on: May 08, 2007, 11:30:43 AM »

Quote
[...] Nach Angaben der Zeitung «ABC» geben die Spanier umgerechnet bis zu 66 Milliarden Franken im Jahr für käuflichen Sex aus. Dies ist fast so viel, wie der Staat in die Bildung investiert. Etwa 350 000 Prostituierte gehen auf Strassen und Parkanlagen, in Privatwohnungen und Bordellen ihrem Gewerbe nach.

[...] «Die Teilung richtet sich nicht nach den üblichen ideologischen Trennungslinien», betont das «Blatt». «In der Frage der Prostitution ist nicht nur die feministische Bewegung gespalten, sondern auch die sozialistische Regierung.»


Aus: "Spanien bleibt «Bordell Europas»" (07.05.07)
Quelle: http://www.20min.ch/news/ausland/story/27712150
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[Was Promiskuität angeht... (Notizen)]
« Reply #12 on: May 31, 2007, 10:25:52 AM »

Quote
[...] Letzte Nacht konnte ich nicht schlafen und habe gegrübelt (und dem Typen beim Grunzen zugehört). Was Promiskuität angeht gibt es manchmal doch einen Unterschied zwischen den Geschlechtern.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mann, der viel rumvögelt, das Gefühl bekommen könnte, von seinen Partnerinnen auf seine Sexualität reduziert zu werden. Ein Mann, der mit vielen Frauen was hat, wird sich eher als Mann voll und ganz angenommen fühlen, die Frauen wollen ihn, nicht nur weil er sich bereitwillig auf sexuelle Interaktionen einlässt, sondern auch, weil er gut aussieht/smart ist/whatever.
Als Frau hat man manchmal, aber auch nur manchmal, das Gefühl, dass es reicht, gelegentlich zu duschen und ansonsten paarungswillig zu sein. Wenn man selbst nicht nur auf Triebbefriedigung, sondern auch auf etwas Unterhaltung oder Nähe aus ist, fühlt man sich schnell als Rechte-Hand-Ersatz. Und mal ehrlich, wann geht es beim Sex wirklich nur ums Ficken? - Langweile, Neugierde, Berechnung oder Einsamkeit sind doch mindestens genauso häufig der Antrieb. Vielleicht täusche ich mich aber auch.

Quote
Ich würde dir gerne sagen, dass du dich täuschst, aber ich glaube, dass du mit ziemlich allem, was du hier schreibst, recht hast.
Das Problem liegt allerdings nicht in der Tatsache, dass man auf seine Sexualität, wie du sagst, reduziert wird, sondern dass die meisten Frauen viel mehr ERWARTEN, dass die Männer sie als etwas Besonderes sehen. Aber wo steht es geschrieben, dass das so sein muss? Der Mensch hat sich jetzt so weit entwickelt, dass er da Forderungen stellt, wo keine nötig sind. Insbesondere Frauen. Sie sehen in Sex einen Moment der Offenbarung, der Nähe, und bla bla bla... In Wirklichkeit ist es eine zweckentfremdete Freizeitbeschäftigung, die einfach nur Spaß machen sollte. Ohne viel zu fordern oder nachzudenken. (falloutgirl, Mo, 28. Mai. 2007, 21:21)

Quote
..mit meinen Gedanken abgeglichen kommt mir der Verdacht,
dass Sie sich nicht täuschen.

Neugier und der Eroberungsfaktor machen einen
großen Teil der Geilheit aus.

Sagt einer, der in einer Beziehung lebt und das
grad auch irgendwie begrübelt.

- Seufz!regierung. (weltregierung, Di, 29. Mai. 2007, 17:37)


Aus: "wondergirl, 15:08h" (Montag, 28. Mai 2007)
Quelle: http://wgirl.blogger.de/stories/804085/
« Last Edit: May 31, 2007, 10:27:53 AM by Textaris(txt*bot) »
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[Woher will er das denn wissen?! OMG! Und jetzt???... (Notizen)]
« Reply #13 on: August 08, 2007, 05:10:18 PM »

Quote
00007501
glücklich   
Ich hab mit ihm geschlafen. Und es war toll. Einfach toll. Endlich wieder Sex. Ich meine, richtigen Sex, der länger dauert als das Ausziehen vorher. Er fühlt sich sooo gut an!

Quote
00007478
einsam   Was für Augen. Was für ein Hormonrausch. Was für ein verflucht falscher Körper...

Quote
00007474
verwirrt   
Er macht sich rar und das motiviert mich noch mehr....

Quote
00007467
verwirrt   
Er sagt, er liebt mich. Woher will er das denn wissen?! OMG! Und jetzt???

Quote
00007465
verwirrt   
rede ich mir das alles nur ein oder lieb ich ihn?
ich weiß nicht mehr was ich denken soll

http://www.parkuhr.net/

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[...sondern im Kopf]
« Reply #14 on: October 07, 2013, 10:55:17 AM »

Quote
Johannes Franz Gründonnerstag, 07.10.2013 um 8:53 Uhr: "... Und da Erotik und Sex nicht in erster Linie in den Genitalien stattfindet, sondern im Kopf – und der Treu und Glauben braucht, um sich dem Liebesrausch wirklich hingeben zu können - wundern sich "Urenkel der Nihilisten", und wissen nicht, wieso. "

http://www.zeit.de/kultur/film/2013-09/spieltrieb-film-schnitzler?commentstart=1#cid-3083076
« Last Edit: November 25, 2020, 12:16:01 PM by Textaris(txt*bot) »
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[Im Rückblick ist es... ]
« Reply #15 on: June 11, 2014, 09:09:12 AM »

Quote
[...] Ulrike Heider wuchs in Frankfurt am Main auf und studierte dort Politik und Germanistik. 1978 promovierte sie an der J.-W.- Goethe-Universität Frankfurt. Von 1976 bis 1982 war sie Lehrbeauftragte an der Gesamthochschule Kassel und der J.-W.-Goethe-Universität Frankfurt. 1988 zog sie nach New York und war Visiting Scholar an der Columbia University. Seither lebt sie als freie Schriftstellerin in Berlin und New York. Sie schrieb Bücher, Essays und Radiosendungen zu den Themen Schüler- und Studentenbewegung, Anarchismus, afroamerikanische Politik und Sexualität. Der autobiographische Roman „Keine Ruhe nach dem Sturm“ gilt als authentischer Beitrag zur Geschichte der 68er-Bewegung.

...


https://de.wikipedia.org/wiki/Ulrike_Heider (06/2014)

-.-

Quote
[...] Vögeln ist schön, dieses Graffito auf der Wand einer Schulturnhalle löste in den sechziger Jahren eine mittelschwere Kulturkrise aus. Und die Episode ist ein gutes Beispiel dafür, wie Ulrike Heider auch weniger bekannte Teilbereiche der sexuellen Revolution in deren teils persönlich, teils historiografisch gehaltene Nacherzählung aufnimmt.

... Zwischen "Nutte" und "braver Ehefrau eines erfolgreichen Mannes" bestehen kaum Möglichkeiten für eine junge Frau wie Heider, und der zeitgenössische Schlager von Peter Kraus bis Roy Black bietet auch nur die "glückliche Ehe" als Idealbild an. Im Rückblick ist es für Heider Gisela Elsner mit ihrem Roman "Das Berührungsverbot", das die sexualfeindliche und von der NS-Zeit geprägte Atmosphäre ihrer Jugend am besten charakterisiert. In den ersten Kapiteln ihres Buches zeigt Heider auf, welche personellen und strukturellen Kontinuitäten damals noch bestanden. So weist sie beispielhaft auf den Pfarrer Heinz Hunger hin, der als ehemaliger Geschäftsführer des 1938 gegründeten "Instituts zur Entfernung und Beseitigung jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben" zum "Sexualpädagogen" mutiert war und maßgeblichen Einfluss auf die bundesdeutsche Gesetzgebung zum "Jugendschutz" hatte.

... Ihre persönliche Identitätsfindung führt sie unter anderem auf die Werke von Simone de Beauvoir zurück, wie auch überhaupt der französische Existentialismus ein wohltuendes Gegenmodell zur Enge der Adenauerrepublik dargestellt habe. Ein weiterer zentraler Einfluss ist Herbert Marcuse, den sie als Autoren versteht, der nicht nur das Lustprinzip aufgewertet, sondern auch "den Leidenskult der zeitgenössischen Theologen und Philosophen" abgelehnt und damit den Weg für eine positive Haltung auch zur Sexualität freigemacht habe.

Dass die von den Boulevardmedien so genannte und gern zum Verkauf ihrer Produkte genutzte "Sexwelle" in Deutschland einrollen konnte, dass Autoren wie Alfred Kinsey und Oswalt Kolle auch vom Mainstream rezipiert werden konnten, hält Heider für eine Folge des wirtschaftlichen Aufschwungs und der damit einhergehenden ökonomischen wie sozialpolitischen Öffnung Deutschlands.

Spannend ist ihre Nacherzählung nicht nur aufgrund der Detailfülle und des Einbezugs umfangreicher Theorien, sondern weil sie neben die sich wandelnden öffentlichen Diskurse jeweils ihre eigenen Erfahrungen stellt. Ihre Darstellung ist damit an keiner Stelle als rein wissenschaftlicher Abriss zu verstehen, sondern immer subjektiv gefärbt – und auch regional auf Frankfurt am Main fokussiert, wo die Autorin sich der linken Frauen- und StudentInnenbewegung zurechnete.

...


Aus: "Ulrike Heider - Vögeln ist schön" Claire Horst (AVIVA-BERLIN.de im Juni 2014:)
http://www.aviva-berlin.de/aviva/content_Buecher_Sachbuch.php?id=1418897

-.-

Quote
[...] Bereits vor mehr als 25 Jahren hat Heider in einem längeren Aufsatz unter dem Titel Protestbewegung und Sexualbewegung die Grundthesen ihres heutigen Buches vertreten. "Die antiautoritäre Protestbewegung der späten sechziger Jahre, von den damaligen Herrschenden gefürchtet wie die Sünde, ist noch heute Gegenstand heimlichen Grauens aller Staatsdiener, Politiker und Etablierten bis hin zu den Grünen", schrieb sie in einer Zeit, in der die Ökopartei sich gerade anschickte, zur neuen liberalen Partei zu werden, die nachhaltig zur Modernisierung des Standortes Deutschland beitragen sollte. Wie in ihrem Buch grenzte Heider bereits 1988 den sexuellen Aufbruch von der Sexwelle ab. Sie kritisierte auch eine Entwicklung innerhalb großer Teile der damaligen Neuen Linken, die sie als "sozialistischen Bumszwang" etikettierte. Aber auch die Richtung, in die Teile der neuen feministischen Bewegung trifteten, kritisierte Heider entschieden.

Um die Mitte der siebziger Jahre mit dem offiziellen Abschied von der Linken begannen sich große Teile der Frauenbewegung zu entpolitisieren. Man zog sich in frauentümelnde Selbsterfahrungsgruppen zurück, berauschte sich am Anblick von Klitoris und Muttermund, diskutierte über Menstruation und Mond und entdeckte zu guter Letzt die Gebärfreuden als den Inbegriff weiblicher Identität. Seither wurde die Sexualität der Frauen auch von Frauen selbst wieder mehr als Last und Bürde denn als Lust und Recht.

Man kann in Heiders 1988 veröffentlichten Aufsatz die Grundstruktur ihres aktuellen Buches wieder erkennen. Allerdings hat sie dort viele ihrer Thesen zugespitzt. In der Entwicklung der letzten beiden Jahrzehnte findet sie genügend empirische Beispiele für ihre Thesen.

... Mit Kritik nimmt sie auch parteifernere publizistische Ergüsse unter die Lupe, die sich unter Stichworten wie "Feuchtgebiete" und "Axolotl Roadkill" für einige Wochen zu Feuilleton-Aufregern entwickelt hatten. Heider weist nach, dass auch in diesen Texten Sexualität nur als Gewalt und nicht als Lust und Befreiung verhandelt wird.

...


Aus: ""Vögeln ist schön" Peter Nowak (10.06.2014)
Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/41/41970/1.html

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[Weil es so banalisiert worden ist... ]
« Reply #16 on: September 08, 2014, 12:58:22 PM »

Quote
[...] ZEIT: Die Soziologin Eva Illouz hat ausgeführt, wie die kapitalistisch geformte Welt uns drängt, eine immer größere Lust zu suchen, den maximalen Profit. Frauenmagazine titeln: Bekommen Sie den Sex, den Sie verdienen? Wie tief dringt diese Neigung in unseren Trieb ein?

Volkmar Sigusch: Ganz tief. Die heutige Sexualform ist der "Selfsex", es geht darum, alles selber zu bestimmen – eine Kapitalisierung der sexuellen Sphäre.

ZEIT: Gleichzeitig erscheint Sex als nur eine Möglichkeit, sich zu erregen – ekstatisch gestöhnt wird heute über der neuen Dessert-Kreation, gekreischt wird über süße Welpenfotos auf Instagram oder die sich orgastisch hochschraubenden Börsenkurse.

Sigusch: Und der aggressive sexuelle Affekt geht auf in Fußballkrawallen oder im Bungee-Jumping, das Thrill produziert, den man im Sexuellen nicht erreicht, weil es so banalisiert worden ist.  ...


Aus: ""Das Wilde ist bedroht""  Susanne Mayer (DIE ZEIT Nº 35/2014)
Quelle: http://www.zeit.de/2014/35/sexualitaet-erotik-volkmar-sigusch/seite-3

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[Es ist Wahnsinn... ]
« Reply #17 on: November 04, 2014, 10:01:05 AM »

Quote
[...] [Simone] ... wann begann eigentlich diese riesengroße, unstillbare Bedürftigkeit des Mannes, im Bett der Held zu sein? Wie kann es sein, dass einer glaubt, dass eine Frau Lust hat, nur weil sie stöhnt? Es kann doch eigentlich nicht wahr sein, dass so viele Freier und Männer überhaupt glauben, dass die Frau bei ihnen natürlich authentisch kommt, während sie bei den anderen vortäuscht. Wir haben nicht mal ein Kindergartenniveau an so vielen Stellen, wenn wir über dieses Thema reden.

... Es ist Wahnsinn, was Männern, was kleinen Jungs passiert, dass sie ihr ganzes Leben so bedürftig bleiben. Wer hat sie so sehr verunsichert, dass sie ihr ganzes Leben lang an der Bestätigung durch Frauen hängen, wie ein Junkie an der Nadel? Die gehen aus dem Puff ja nicht mit einem grandiosen Gefühl raus, sie fühlen sich nur etwas weniger beschissen. Das ist einfach krass. Diese klare Aufforderung an die Prostituierte: Sei von vorne bis hinten die Verkörperung, mir recht zu geben! Und sie bemühen sich im Gegenzug häufig sehr um meine Lust, sind sehr liebevoll. Weil sie wirklich bereit sind, die Frau zu lieben, sie zum Orgasmus zu bringen, sobald dieser Raum für sie sicher ist.

... Ich muss noch etwas sagen, denn das habe ich wirklich in der Prostitution gelernt: Alle, alle Frauen unterschätzen ihren Wert für Männer. Nicht nur sexuell, sie unterschätzen auch nicht nur ihr sexuelles Potential, sondern sie unterschätzen ihre unersetzbare Rolle, den Mann glücklich zu machen. Der Mann ist glücklich, wenn die Frau glücklich ist.

... Ich habe so viele Männer im Sex und Orgasmus erlebt, und es ist Wahnsinn, wie viel sie verpassen.Wie schnell der Sex vorbei ist, wie unfähig sie sind, den Sex genüsslich auszudehnen, es ist der Wahnsinn! Was an physischer Genussfähigkeit übriggeblieben ist in diesen Muskelpanzern, in diesen Verhärtungen, die ich alle kenne, seit ich Körpertherapie studiert habe. Ich finde es unglaublich und auch einfach traurig, wie sehr Männer beim Sex für Brotkrumen viel, viel Geld bezahlen und tatsächlich glauben, dass es das wert war. Aber das war es nicht wert.

...


Aus: "Theresa Bäuerlein: "Wir verschießen ständig Potenzial"" (04.11.2014)
Quelle: https://krautreporter.de/71--wir-verschiessen-standig-potenzial

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[Lust... (Notizen)]
« Reply #18 on: October 01, 2020, 02:31:44 PM »

Quote
[...] Die politische, moralische und kulturelle Regression, die wir parallel zu den Früchten der Aufklärung „des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ derzeit zur Kenntnis nehmen müssen, wenn Szenarien einer diffusen Verschwörung das Unerklärliche ersetzen, sie ist der Antitext der Moderne, ihr Dispositiv. Dieser dunklen Seite des Fortschritts haben wir nur bedingt zugestanden, ebenso gesehen und reflektiert zu werden wie jene der Erfolgsbilanzen; wir haben sie verdrängt, wie wir den Tod verdrängen und die Hinfälligkeit und den Abschied von allem zu jeder Zeit. Die Bücher darüber wurden schon immer geschrieben, aber wir lesen sie nicht oder nur ungern und im zähen Widerstand, sie verleugnen zu müssen. Freud würde es Sieg des Lustprinzips nennen, jouissance – idiotisches Genießen – nennt es Lacan.

...


Aus: "Ohnmacht des Schriftstellers : Ich suche etwas, von dem ich nur weiß, dass es mir fehlt" Kurt Drawert (1.09.2020)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/kurt-drawert-ich-suche-etwas-von-dem-ich-nur-weiss-dass-es-mir-fehlt-16926853.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
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