Author Topic: [Zur Zensur... (Informationskontrolle)]  (Read 110430 times)

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[Zur Zensur... (Informationskontrolle)]
« on: June 08, 2005, 02:34:41 PM »
Quote
[...] Die Tübinger Buchhändler hatten 1744 die von der Messe mitgebrachten Bücher zur Kontrolle den Dekanen der Fakultäten vorzulegen. Am 1. Juni 1772 tritt das Zensuredikt von Friedrich II. in Kraft. Es soll „nur demjenigen steuern ..., was wider die allgemeinen Grundsätze der Religion, und sowohl moralischer als bürgerlicher Ordnung entgegen ist“.

...


http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Zensur (2009)

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[...] Censorship is a way to avoid change and make sure that society remains static. It is a means of exerting power, preventing debate and discouraging challenge. However it is dressed up ("to protect young minds", "to safeguard national security", "to prevent civil unrest"), any government practising it has a defensive desire to limit information.

...


From: "Sleaze nation - Everyone from Shaw to Miller saw their plays banned in Britain - thanks to the censors' exceptionally filthy minds" from Peter Hall, The Guardian, Wednesday 2 October 2002
Source: http://www.guardian.co.uk/stage/2002/oct/02/theatre.artsfeatures

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Quote
[...] Das Gefährliche an der Zensur ist, dass man eben nicht weiß, was man nicht weiss.

...


Aus: "Wie lebt es sich in einem Land mit Zensur? Ein Bericht aus Vietnam"
Von Thomas Wanhoff  (20.Dezember 2009)
Quelle: http://blog.kooptech.de/2009/12/wie-lebt-es-sich-in-einem-land-mit-zensur-ein-bericht-aus-vietnam/


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Quote
[...] Wenn die Idee gefährlich ist [...] sollte der Staat in meinen Augen nicht mit Zensur, sondern mit Aufklärung kontern.
(Atrocity, 2009)



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[...] Zensur (censura) ist ein Verfahren eines Staates, einer einflussreichen Organisation oder eines Systemträgers, um durch Medien vermittelte Inhalte zu kontrollieren, unerwünschte Aussagen zu unterdrücken bzw. dafür zu sorgen, dass nur erwünschte Aussagen in Umlauf kommen.

Vor allem Nachrichten, künstlerische Äußerungen und Meinungsäußerungen sind Gegenstände der Zensur. Sie dient überwiegend dem Ziel, das Geistesleben in politischer, sittlicher oder religiöser Hinsicht zu kontrollieren.



Zensur (Informationskontrolle) (11/2007)
http://de.wikipedia.org/wiki/Zensur_%28Informationskontrolle%29


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Quote
[...] Laut Golem haben sich Google, Yahoo, MSN, Lycos und AOL bereiterklärt, sich bei der Präsentation ihrer deutschen Suchergebnisse einer freiwilligen Selbstkontrolle zu unterwerfen. Im Klartext heisst das: Seiten, die von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien als jugendgefärdend eingestuft werden, dürfen nicht mehr in den Suchergebnissen auftauchen. Ebenfalls sollen illegale Internetangebote nicht mehr angezeigt werden.

Dass Google in Deutschland Suchergebnisse zensiert, ist ja nichts neues[...]. Bisher handelte es sich hier fast ausschliesslich um Seiten mit rechtsradikalem Gedankengut. In der üblichen Argumentationskette der Zensurbeführworter folgen nun also "illegale" und jugendgefährdende Angebote. Wie schön sich die Saubermänner über ihr bereinigtes Netz freuen, kann man auf der Homepage der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia bestaunen.

Was kommt wohl als nächstes? Dürfen Bush-kritische Websites bald nicht mehr gefunden werden, um die zerbrechlichen transatlantischen Beziehungen nicht zu gefährden? Oder wie ist das eigentlich mit dieser satanischen Musik? Werden da nicht unsere christlich abendländischen Wertvorstellungen untergraben? Ich glaube, es gibt noch viel zu tun, liebe Gedankenpolizisten!

...

 

Aus: "Das Deutschnetz: 'Selbstkontrolle' bei den Suchmaschinen" von Thomas Frütel (24.02.2005)
Quelle: http://blog.webmaster-homepage.de/item/792

« Last Edit: August 13, 2010, 01:53:55 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Zensur und Informationskontrolle II... ]
« Reply #1 on: June 09, 2005, 11:03:51 AM »
Quote
[...] Zensur Stammt aus dem Lateinischen (censura) und meint allgemein den Versuch des Staates, Meinung und Information in den Medien, in künstlerischen Werken und öffentlichen Reden zu unterbinden. Artikel 5 des deutschen Grundgesetzes erklärt Zensur für verfassungswidrig. Sofern verfassungswidrige Inhalte wie zum Beispiel neonazistischer Rassenhass nicht verbreitet werden, schließt das Grundgesetz in Deutschland jegliche Einflußnahme des Staates auf die öffentliche Meinungsbildung aus. So gesehen würden die bestehenden Gesetze ausreichen, um auch im Internet das Verbot von verfassungswidrigen und jugendgefährdenden Inhalten zu verbieten. Doch neue Gesetze, die eine Reaktion auf das rasante Wachsen der digitalen Kommunikation und zunehmenden Vernetzung sind, regeln staatliche Eingriffsmöglichkeiten, die von der Providerhaftung bis zum staatlich legitimierten Abruf von Kundendaten reichen. Spektulärstes Beispiel in der Internet-Geschichte ist der mittlerweile vom Obersten Gerichtshof der USA als verfassungwidrig erklärte Communications Decency Act (CDA).
Auch in Deutschland geht die Tendenz zu verschärften Gesetzen, nur gibt es hier keine Lobby, die das verhindern oder einschränken könnte. Im Gegensatz zu den USA gibt es hierzulande eine breite Mehrheit für eine staatliche Kontrolle des Netzes. Im Januar 1996 gab das Magazin DER SPIEGEL eine Emnid-Umfrage in Auftrag. Das Ergebnis war eine breite Akzeptanz bei der Bevölkerung und durch alle Parteien für Zensur. Selbst beim Vertrieb von erotischen Bildern und erotischer Literatur sprach sich über 50 Prozent der Befragten für staatliche Kontrolle aus.
Zensurgegner sehen hier dringenden Aufklärungsbedarf. Es müsse zum einen das von Presse und Rundfunk in Schlagzeilen vermittelte Bild des Internet korrigiert werden, das staatliche Kontrolle geradezu heraufbeschwöre. Zum anderen speise sich die Forderung einer verschärften Gesetzgebung aus der Unkenntnis des neuen Mediums Internet.

[...] der amerikanische Netzaktivist und Autor Howard Rheingold [...] sieht in den Zensurbestrebungen die Machtfrage gestellt. Die Medienmacht werde durch das freie Fließen der Information im Internet in Frage gestellt und das bringe Medienkonzerne und Politiker auf den Plan, durch Gesetze die Kontrolle über die Ware Information und damit auch über das Internet zu wahren.

Ein Trugschluß ist die Meinung, es gebe eine mehrheitliche Front der Internet-Nutzer gegen Zensur. Die Meinungen in den Diskussionsforen des Internet gehen weit auseinander, und in den Newsgroups wird nicht selten hitzig diskutiert. Unabhängig von staatlichen Eingriffen zensiert das Netz sich selbst. Hier sind zwei Ebenen zu unterscheiden: Da sind zum einen die Provider, die ohne oder mit staatlichem Druck Informationen sperren. Das spektakulärste Beispiel ist die durch den bayerischen Staat ausgelöste Sperrung von rund 250 Newsgroups. Der Online-Dienst CompuServe sah sich hier auf Druck der bayerischen Oberstaatsanwaltschaft nach eigenen Angaben gezwungen, die betroffenen Newsgroups ihren Kunden vorzuenthalten. Dabei wurden in einer Panikreaktion wahllos nicht nur die Diskussionsforen von «Sexjägern» und
Pädophilen gesperrt, sondern auch solche, in denen ernsthaft über Sexualität und harmlose Themen diskutiert wurde. Dieser Vorfall bestätigte schließlich ein weiteres Argument der Zensurgegner: Zensur trifft eben immer auch die falschen.
Eine andere Form der Netzzensur spielt sich unter den Internet-Nutzern selbst ab und löst regelmäßig heftige Debatten aus. So ist ein Teilnehmer in einer Spielwelt (MOO) wegen einer «virtuellen Vergewaltigung» von den Systemverwaltern ausgeschlossen worden, bekam aber nach einer kontroversen Diskussion die Möglichkeit, als neue Spielfigur aufzutreten. Aber auch im IRC oder in den Chats des WWW wird zensiert, indem «Störenfriede» exkommuniziert werden. Und in den Newsgroups werden manchmal sogenannte Killfiles angelegt, um die Artikel von nicht erwünschten Personen oder Spam auszusieben. Eine Spielart der indirekten Zensur ist das Verschicken von Mailbomben, die ganze Server lahmlegen können. Selbstzensur gehört also im Internet zum Alltag und läßt das Problem umso komplexer werden.

Aus: "Online ABC, Zensur"
Quelle: http://www.webwunder.de/ASP/abc.asp?abfrage=zensur

-
« Last Edit: December 07, 2007, 09:20:24 AM by Textaris(txt*bot) »

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[index librorum prohibitorum... ]
« Reply #2 on: June 09, 2005, 11:09:27 AM »
Quote
[...] Die Anfänge kirchlicher Bücherverbote - das erste rein kirchliche Bücherverbot geht zurück auf das Jahr 400. Unter dem Vorsitz des Theophilus von Alexandria wurde verordnet, niemand dürfe die Schriften des Origenes lesen oder besitzen. Im Jahr 446 ließ Papst Leo I. alle Schriften der Manichäer verbrennen. Die erste Synode, die die Verbrennung der von ihr als "verdammt" angesehenen Texte befahl, war 681 das dritte Konzil von Konstantinopel.
Das Decretum Gelasianum, das 496 auf dem römischen Konzil erschien, ist der älteste Index verbotener Bücher.


Aus: "Index Librorum Prohibitorum"
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Index_Librorum_Prohibitorum (31.03.2005)

-.-

Quote
[...] index librorum prohibitorum Index heißt lateinisch "Katalog, Zusammenstellung". Der index librorum prohibitorum, das "Verzeichnis der verbotenen Bücher" war über Jahrhunderte ein Verzeichnis von Büchern, die Katholiken nicht lesen durften, um ihren Glauben nicht zu gefährden. Es handelte sich meist um theologische Werke mit abweichenden Meinungen, dann aber auch Romane, die nicht mit der katholischen Glaubens- und Lebenslehre vereinbar waren.
Anfangs gab es kein Leseverbot sondern nur eine Zusammenstellung von Irrtümern in verschiedenen Publikationen. Im Mittelalter kam es zum Verbot, die indizierten Titel zu lesen oder zu besitzen.
Der erste förmliche Index entstand 1559 unter Papst Paul IV, 1564 entstand der tridentinische Index. Pius V. errichtete 1571 eine zuständige Behörde, die Index-Kongregation.
Der Index wurde durch die letzte große Kirchenversammlung, das Zweite Vatikanische Konzil, 1965 aufgehoben.

von: benno-hoerfunk (Datum ?)
Quelle: http://www.kathweb.de/port/artikel/123.php

« Last Edit: December 07, 2007, 09:22:18 AM by Textaris(txt*bot) »

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[Die regen sich über Zensur nicht auf...]
« Reply #3 on: June 13, 2005, 09:26:36 AM »
Quote
[....] Man befürwartet auch dann Zensur, wenn man nichts dagegen unternimmt.

Stefan Keuchel Pressesprecher von Google Deutschland, wagte es zu behaupten, Google sei "politisch neutral" obwohl jeder Internetaffine Mensch weiß, dass Google vor der chinesischen Regierung eingeknickt ist und zensiert, was dort der Obrigkeit nicht in den Kram passt. Und Google zensiert auch in Deutschland, nicht nur Scientology-Kritiker, sondern auch Links zu Programmen, politische Meinungen und viele andere Websites. Für eine Diktatur wäre Google ein idealer Partner.

Ich erkühnte mich während der Diskussion etwas pointiert einzuwenden, dass der Unterschied zwischen der DDR-Zensur und Google nur der sei, dass man in der DDR einigermaßen wußte, was nicht verbreitet werden durfte. Google hingegen verschweigt seine Zensur. Wenn es das Internet schon in den dreißiger Jahren gegeben hätte, dann hätte ein Google-Pressesprecher vermutlich - wie heute - verkündet: "Wir halten uns an die nationalen Gesetze." Verlinkt nicht zu Juden oder so.

Das hat mich nicht wirklich aufgeregt. Viel mehr ärgerte ich mich über das Publikum, das still da saß und aus unverständlichen Gründen, die jedem aufrechten Demokraten die Haare zu Berge stehen lassen, darauf verzichtete, den Propagandisten der Zensur verbal mit Eiern und Tomaten zu bewerfen. Man kann ruhig zensieren, aber man sollte es als Firma zugeben und sich über die poltiischen Konsequenzen klar sein. Als Zensor politische Neutralität für sich zu beanspruchen ist einfach eine Frechheit.

Aber es waren eben Deutsche. Die regen sich über Zensur nicht auf.



Aus: HAUSMITTEILUNG "Auf dem Weg zur Blog- und Google-Gesellschaft" von Burkhard Schröder (BURKS ONLINE 20.05.2004)
Quelle: http://www.burks.de/forum/phpBB2/viewtopic.php?p=25490

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[Nur wer informiert ist, kann diese Idioten auch bekämpfen... ]
« Reply #4 on: June 15, 2005, 10:32:42 AM »
Quote
[...] Neulich war ich auf der Suche nach Informationen, um mich auf eine Diskussion über Juden in Deutschland und die von Nazis behauptete Auschwitzlüge vorzubereiten. Der schmutzige Morast eben, den Möllemann und das Forum auf der FDP-Website aufgewühlt haben. Nur wer informiert ist, kann diese Idioten auch bekämpfen. Ich warf also meine bevorzugte Suchmaschine Google an und suchte nach dem Namen einer der berüchtigsten Nazisites und dem Zusatz Auschwitz, denn ich wollte mich nicht erst langwierig durch deren unappetitliches Angebot klicken müssen. Doch fand nichts, nicht einmal den Link zu deren Hauptseite. Nanu?

[...] Mit Kinderpornographie fing es an: daß diese Seiten verfolgt werden und die Suche von Perversen danach erschwert wird, ist Jedem einsichtig. Das sind Verbrechen und es gibt außer Spannertum und krankhaften Phantasien auch keinen Grund danach zu suchen. Jede dieser Seiten setzt das Leid von Kindern voraus. Sie werden, wenn entdeckt, in allen Ländern der Welt sofort vom Netz genommen und die Verantwortlichen bestraft. Darum findet man sie auch nicht in den Suchmaschinen.

Auch die Leugnung des Holocausts ist bei uns strafbar, doch die Unterschiede sind gravierend: Es ist zwar eine Meinungsäußerung, die die Opfer beleidigt, aber es ist noch keine Gewalthandlung gegen Menschen. Im Gegenteil, will man verhindern, daß so etwas noch einmal passiert, in Deutschland oder anderswo, muß man sich mit dem Gedankengut der Leugner auseinander setzen und ihre wahren Motive deutlich machen. Nur so kann man ihnen aktiv entgegen treten. Mit Verboten sind Dummheit und Vorurteile nicht zu bekämpfen.

Und was wird nach den Nazi-Websites als nächstes zensiert? Kritik an der Regierung etwa oder Informationen aus der Wirtschaft? Das "Schutz der Persönlichkeitsrechte" und "Aufklärung der Stasi-Vergangenheit" schon ein Zensurverlangen hervor ruft, mußte neulich erst www.DDR-Suche.de erleben. Dieser kleinen privaten Website wurden unter Androhung von 250.000 Euro Strafe das Setzen von Links auf in den USA legale amerikanische Webseiten untersagt. Zum Glück hat Spiegel Online sich in diesem Fall nicht einschüchtern lassen, ausführlich darüber berichtet und auch die diskriminierten Links veröffentlicht. Doch wer weiß was sonst noch zensiert wird bei uns??

Weitere Informationen über Zensur im Internet finden sich bei Odem.org, die auch eine Erklärung gegen die Einschränkung der Informationsfreiheit veröffentlicht haben.

[...] Wenn die Herausnahme einzelner Webseiten aus dem Google-Index etwas Gutes hat, dann ist es die Schärfung des Bewußtseins, daß es nie sinnvoll ist, sich auf eine Informationsquelle alleine zu verlassen. Das Motto "Was die Suchmaschinen nicht finden ist im Internet nicht vorhanden" ist so dumm wie falsch. Die Informationsfreiheit und -beschaffung war schon immer Arbeit, wer die Recherche im Web auf einen Mausklick auf die Google-Toolbar reduzieren will, macht es sich zu einfach.

Alle Suchmaschinen sind letztlich kommerzielle Dienste, die nur eines wollen: ungestört Geld verdienen. Und sie entscheiden alleine, wen sie in ihren Index aufnehmen. Was Ärger macht fliegt raus. Es würde ja auch niemand auf die Idee kommen, die komplette Wirklichkeit im Inhalt einer Tageszeitung oder den Nachrichten eines Fernsehsenders zu erwarten.

Das Gute am Internet ist jedoch, daß es niemandem gelingen kann, kritische Inhalte vollkommen zu unterdrücken. Das System der Hyperlinks macht es unmöglich, Menschen von unbequemen Inhalten abzuschotten. Irgendwer setzt irgendwo immer einen Link auf eine Seite mit interessantem Inhalt. Man muß nur selber danach suchen und sich nicht auf irgend jemand anderen verlassen daß er es mir mit einem Mausklick präsentiert.

Aus: "Informationsfreiheit im Internet" von Tom Stich (Datum: 200?)
Quelle: http://www.stichpunkt.de/beitrag/zensur.html
« Last Edit: September 25, 2007, 04:21:02 PM by Textaris(txt*bot) »

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[GEMA fordert Provider zur Sperrung von Websites auf... ]
« Reply #5 on: July 02, 2005, 10:54:54 AM »
Quote
Die deutsche Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) fordert von 42 deutschen Zugangsprovidern, mehrere Websites für den Abruf zu sperren. Dabei geht es um Portale, die Links zum Herunterladen von Film- und Musikdateien über das P2P-Tauschbörsenprotokoll eDonkey bereitstellen, genauer um die deutschsprachigen Angebote Eselfilme, Goldesel, Saugstube, Audio-Esel und Power-Portal.

Auf 35 Seiten, die jeden der 42 Provider am gestrigen Donnerstag erreichten, breitet die von der GEMA beauftragte Rechtsanwaltskanzlei BBH ihre Argumentation für die Sperrungsaufforderung aus. Sie sieht es als bewiesen an, dass "über diese illegalen Download-Portale Millionen von nicht lizenzierten Dateien von Endnutzern heruntergeladen/kopiert" werden, "ohne zuvor die jeweiligen Lizenzen bei den Rechteinhabern eingeholt zu haben". Der Anbieter von eDonkey-Links sei "mittelbar an der durch den jeweiligen Endnutzer vorgenommenen Urheberrechtsverletzung beteiligt, indem er diesem den Zugang zu der rechtsverletzenden Datei im Filesharing-System ermöglicht bzw. erleichtert und damit für den Download ursächlich wird". Auch der Endnutzer selbst begehe Urheberrechtsverstöße.

Weil die "Betreiber/Hintermänner" dieser "illegalen Download-Portale" sich "nur äußerst schwer oder gar nicht ermitteln lassen können" und "die Server selbst an unterschiedlichen Orten weltweit verstreut" seien, könne man verlangen, dass "die Vermittler", also die Zugangsprovider den Zugriff unterbinden. Rechtliche Grundlage für dieses Begehren der GEMA ist Paragraph 97 des deutschen Urheberechtsgesetzes in Verbindung mit der EU-Richtlinie 2001/29/EG, in deren Artikel 8 Abs. 3 festgelegt ist, dass "die Rechteinhaber gerichtliche Anordungen gegen Vermittler beantragen können, deren Dienste von einem Dritten zur Verletzung eines Urheberrechts oder verwandter Schutzrechte genutzt werden".

Diese Passage ist zwar nicht explizit in ein deutsches Gesetz eingeflossen. Aber das geltende Teledienstegesetz (TDG) sehe vor, dass Zugangsprovider eine Verpflichtung zur "Entfernung oder Sperrung der Nutzung von Informationen" haben, wenn sie von deren Rechtswidrigkeit in Kenntnis gesetzt werden. Anschließend folgt in der Sperrungsaufforderung der Satz: "Daher machen wir Sie darauf aufmerksam, dass Sie nun ab Zugang dieses Sperraufforderungsschreibens -- auch nach dem TDG -- positive Kenntnis von den umfangreichen Urheberrechtsverstößen auf den o.g. Seiten besitzen."

Die GEMA schlägt den Providern eine Sperre der Sites auf DNS-Ebene vor: "Der DNS-Server des jeweiligen Zugangsproviders kann so konfiguriert werden, dass Anfragen von Endnutzern nicht an den richtigen Server, sondern an eine ungültige oder eine andere vordefinierte Seite weitergeleitet werden." Diese Variante lasse sich ohne Hardware-Investition und mit geringem Personalaufwand in wenigen Stunden umsetzen, wie das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen zu den beantragten Sperrungsverfügungen des Regierungspräsidiums bereits 2003 festgestellt habe. Daher sei sie den Unternehmen "sehr wohl zuzumuten". Den Providern stehe es aber frei, "nach vorheriger Rücksprache mit unserer Mandantschaft" eine andere technische Sperrmethode zu wählen. Der beauftragte Anwalt erwähnt freilich nicht, dass sich derlei Sperrungen durch Endnutzer leicht umgehen lassen, indem sie auf einen anderen als vom Provider vorgegebenen DNS-Server ausweichen.

Von den Providern wird gefordert, eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen, nach der sie bis zum 25. Juli dem Sperrungsbegehren Folge zu leisten haben. In der Erklärung sind auch diverse Web-Adressen genannt, unter denen die Portale ebenfalls zu erreichen sind. Unterschreiben die Provider die Erklärung, verpflichten sie sich zur Zahlung einer Vertragsstrafe von 100.000 Euro, falls einer ihrer Kunden eines der genannten Angebote nach dem 25. Juli 2005 abrufen kann.

Am heutigen Freitag zeigten sich die Zugangsanbieter verblüfft, weil die GEMA nicht zuerst ein Musterverfahren ansgestrengt hat, sondern gleich mehrere Dutzend Unternehmen angeht. Die von der GEMA beauftragte Kanzlei stellte im Anschreiben heraus, dass sie "beauftragt wurde, das zivilrechtliche streitige Verfahren zu eröffnen, falls die geforderten Handlungen nicht fristgemäß durchgeführt werden sollten".

T-Online und AOL etwa bestätigten den Eingang der Sperrungsaufforderung, wollten aber noch keine rechtliche Bewertung abgeben. Michael Frenzel, Sprecher des zweitgrößten deutschen DSL-Anbieters 1&1, bezweifelte, dass die Sperrung technisch funktioniere. Außerdem "dürfen wir doch unseren Kunden nicht einfach Web-Inhalte vorenthalten". Der DSL-Provider Strato kündigte bereits an, die Unterlassungserklärung nicht zu unterschreiben und es auf eine gerichtliche Auseinandersetzung ankommen lassen zu wollen: "Strato sperrt nicht willkürlich Inhalte. Sofern wir von einer zuständigen gerichtlichen Instanz dazu aufgefordert werden, würden wir dieser Aufforderung zur Sperrung nachkommen. Die GEMA ist aber keine solche Instanz", erklärte Rochus Wegener, Aufsichtsrat bei Strato.

Unter der Hand war von mehreren Providern bereits zu hören, dass erwogen wird, die Sperrungsaufforderung mit einer negativen Feststellungsklage zu kontern. Im Rahmen einer solchen Klage könnten die betroffenen Unternehmen auf eigene Initiative gerichtlich klären lassen, ob die von der GEMA geltend gemachten Ansprüche rechtlich Bestand haben. Die GEMA selbst war am heutigen Freitag Nachmittag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. (hob/c't)

Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/61331 (01.07.2005)
« Last Edit: December 07, 2007, 10:29:35 AM by lemonhorse »

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[any excuse will serve a tyrant... ]
« Reply #6 on: July 02, 2005, 11:01:49 AM »
Quote
"any excuse will serve a tyrant"
von phoenix321    

Autohersteller mitschuldig an Geschwindigkeitsübertretungen und
Verkehrtoten. ADAC fordert alle Hersteller auf, ihre Fahrzeuge auf
50kmh innerstädtisch zu beschränken.

Bierbrauer schuld an geschlagenen Ehefrauen und Alkohol am Steuer.
Frauenverbände fordern Bierabgabe nur an Frauen ohne Fahrerlaubnis.

---

Alles Quatsch.

Ganz davon abgesehen, daß die Eselportale im nullkommanichts ihre
Domain wechseln werden, öffnen sich die Provider damit - sollten sie
mitmachen und die GEMA als Quasi-Justiz akzeptieren - das Tor zur
Hölle. Bildlich gesprochen.

Was hieße das für Arcor, Telekom und Co., wenn sie das wirklich tun
würden?

Was werden die üblichen Verdächtigen:

- Zartbitter e.V.
- Günther Freikind von Gravenräud
- GEMA
- das virtuelle Ministerium für Staatssicherheit, bestehend aus
mehreren einzelnen Staatsorganen
- Markenrechtsmafiosi

ja und auch die hier:

- Zentralrat der Juden, Muslime, Christen
- durchgeknallte Verbände jeglicher Couleur, radikale Tierschützer,
Drogengegner, Jugendschützer, Erwachsenenschützer, Moralapostel und
Spinner

dann tun, wenn sie wissen, wie sie die Provider rumkriegen und einen
Präzedenzfall haben?

Dann gehen jeden Tag dreißig Sperrverfügungen bei den ISPs ein und
die DNS-Blacklists wachsen schneller als man das glauben kann. Und da
gesperrte Domains selbstverständlich nicht preisgegeben werden dürfen
haben wir den Weg für eine schnelle und unkomplizierte Generalzensur
geschaffen.

[...] Ich werde nicht mit anschauen, wie wir für dämliche Musik
unsere Presse- und Telekomfreiheit aufgeben und uns einer stillen
Zensur öffnen, nur weil einige Gehirnkranke nicht einsehen wollen,
daß der technische Fortschritt ihr Geschäftsmodell unwiederbringlich
vernichtet hat.

Ich akzeptiere nichts mehr, was unsere Grundrechte betrifft. Null.
Noch ein paar Schritte weiter und ich drucke Flugblätter und suche
Gleichgesinnte für eine - ja auch militante - Widerstandsbewegung.
Mir ist es scheißegal, ob unsere Musiker und Filmemacher arbeitslos
werden und unsere Jugend durch abgebildeten Geschlechtsverkehr
verdorben wird - mir ist Demokratie und eine offene, transparente
Gesellschaft tausendmal wichtiger, weil nur in einer solchen unsere
arbeitslosen Musiker und pornogeschädigten Kinder trotzdem ein
menschenwürdiges Leben führen. Wenn raubkopierte Musik das einzige
ist, was uns die Kommunikationsfreiheit aller Bürger kostet, dann ist
das ein absolut lachhafter Preis verglichen mit dem, was frühere
Generationen an Leib und Leben opfern mußten, um eben diese Freiheit
zu bekommen. [...] (2. Juli 2005 0:12)

Quelle: http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=8317827&forum_id=81176
« Last Edit: December 07, 2007, 10:29:57 AM by lemonhorse »

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[Security through obscurity... ]
« Reply #7 on: July 25, 2006, 01:15:16 PM »
Quote
[...] Umstritten ist vor allem die Zweckmäßigkeit von Zensur. Viele Medien werden erst durch Zensurmaßnahmen bekannt und Verbotenes kann insbesondere für Jugendliche besonders reizvoll sein. Es ist auch eine Anleitung für die von Zensur Betroffenen, welche Inhalte und Themen für den Zensor überhaupt lesenswert sind. Dieser Umstand führte und führt vielfach dazu, dass Listen zensierter Medien ihrerseits zensiert werden – also nicht öffentlich zugänglich gemacht werden dürfen (Security through obscurity).

Das klassische Beispiel hierfür ist der index librorum prohibitorum, der schließlich selbst auf den index librorum prohibitorum gesetzt wurde (ein schönes Beispiel für ein mathematisches Paradoxon!).


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Informationskontrolle (25.07.2006)

« Last Edit: August 22, 2007, 01:21:31 PM by lemonhorse »

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[Notizen zur Geschichte der Zensur III... ]
« Reply #8 on: November 28, 2006, 01:52:13 PM »
Quote
[...] Und doch, wenn wir das psychoanalytische Material durchprüfen, so finden wir, daß alle positiv gerichtete Aktivität von den tieferen Schichten stammt, daß dynamisch in letzter Analyse nur die Triebe wirken. Eine einzige Kraftleistung, welche den höheren Systemen, dem Bewußtsein zukommt, ist eine hemmende: die Verdrängung, das Zurückhalten der Triebentwicklung oder der Triebbefriedigung oder höchstens die Lenkung der Triebe.


Bruchstück aus: "Die Psyche ein Hemmungsorgan: Einige Bemerkungen zu Dr. F. Alexanders Aufsatz: ›Metapsychologische Betrachtungen‹" Von Sándor Ferenczi (1922)
Quelle: http://www.textlog.de/8535.html

-.-

Quote
[...] Zensur (censura) ist ein Verfahren eines Staates bzw. einer einflussreichen Organisation oder eines Vertreters davon, um durch Medien vermittelte Inhalte zu kontrollieren, unerwünschte Aussagen zu unterdrücken bzw. dafür zu sorgen, dass nur erwünschte Aussagen in Umlauf kommen.

Vor allem Nachrichten, künstlerische Äußerungen und Meinungsäußerungen sind Gegenstände der Zensur. Sie dient überwiegend dem Ziel, das Geistesleben in politischer, sittlicher oder religiöser Hinsicht zu kontrollieren.

Berühmte Beispiele für Zensur sind

    * die Listen Verbotener Autoren im Dritten Reich
    * die Bücherverbrennungen 1933 sowie
    * der ehemalige Index Librorum Prohibitorum (lat. Liste der verbotenen Bücher, 1967 abgeschafft) des Vatikans.


[...] Deutschland:

    * 1744 - die Tübinger Buchhändler haben die von der Messe mitgebrachten Bücher zur Kontrolle den Dekanen der Fakultäten vorzulegen
    * 1. Juni 1772 - das Zensuredikt Friedrich II. soll "nur demjenigen steuern ..., was wider die allgemeinen Grundsätze der Religion, und sowohl moralischer als bürgerlicher Ordnung entgegen ist".
    * 19. Dezember 1788 - das Erneuerte Censur-Edict Friedrich Wilhelm II. stellt sich u. a. gegen die "Verbreitung gemeinschädlicher praktischer Irrthümer über die wichtigsten Angelegenheiten der Menschen, zum Verderbniß der Sitten durch schlüpfrige Bilder und lockende Darstellungen des Lasters, zum hämischen Spott und boßhaften Tadel öffentlicher Anstalten und Verfügungen, wodurch in manchen nicht genugsam unterrichteten Gemüthern, Kummer und Unzufriedenheit darüber erzeugt und genährt werden, und zur Befriedigung niedriger Privat-Leidenschaften, der Verläumdung, des Neides, und der Rachgier, welche die Ruhe guter und nützlicher Staatsbürger stöhren, auch ihre Achtung vor dem Publiko kränken, besonders in den so genannten Volksschriften bisher gemißbraucht worden."
    * 1797 richtet der Herzog ein Zensur-Kollegium ein; die Buchhändler haben ein Verzeichnis ihrer Druckproduktion vorzulegen.
    * 1803 - strenge Zensurgesetze Napoleons greifen auch in den assoziierten Staaten Baden, Bayern oder Rheinland.
          o Württemberg
                + 1806 - Zensur insbesondere für den Druck historischer, geographischer oder politischer Werke eingeführt.
                + Ab 1809 wird in jedem Ort mit Buchdruckereien oder Buchhandlungen ein Zensor eingesetzt.
    * 1815 - auf dem Wiener Kongress wird die Pressefreiheit in die Deutsche Bundesakte aufgenommen
    * 1819 - mit den Karlsbader Beschlüssen wird eine strenge, für den Deutschen Bund einheitliche Zensur eingeführt, die eine Präventivzensur für alle Publikationen mit weniger als 20 Druckbogen und nachträgliche Repressivzensur für alle Bücher vorsieht.
    * 1830 - in Reaktion auf die Freiheitsbewegungen in den Nachbarländern werden die deutschen Zensurbestimmungen verschärft.
    * 1848 - die Revolution fordert die uneingeschränkte Pressefreiheit.
    * ab August 1849 wird die Pressefreiheit schrittweise eingeschränkt,
    * Die Pressefreiheit wird 1874 Bestandteil des Reichspressegesetzes.
    * 1878 bis 1890 - das Sozialistengesetz hebelt die Pressefreiheit wieder aus.
    * 1900 - der Deutsche Reichstag beschließt die Lex Heinze.
    * Erster Weltkrieg: 1915 - das Kriegspresseamt gibt Zensurbuch heraus.
    * 1918 - die Weimarer Reichsverfassung garantiert die Freiheit der Meinungsäußerung in Wort, Schrift und Bild.
    * 18. Dezember 1926 - das Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften (sogenannte Schmutz- und Schundgesetz der Weimarer Republik)
    * 1930 - Gesetz zum Schutz der Republik

    * 31. Mai 1933 - nach der Bücherverbrennung in Deutschland werden jüdische und politisch missliebige Autoren und Verleger verfolgt.
    * 4. Oktober 1933 - das Schriftleitergesetz definiert den Journalismus als eine vom Staat geregelte Aufgabe
    * 22. September 1934 - das Reichskulturgesetz setzt die weitere Gleichschaltung fort.
    * 1935 - die Reichsschrifttumskammer stellt schwarze Listen unerwünschter Bücher zusammen, die nicht mehr im Buchhandel verbreitet werden dürfen.
    * 1945 wird in allen deutschen Besatzungszonen eine Lizenzierungspflicht erlassen und eine Liste der auszusondernden Literatur erstellt, gemäß derer Bücher, auch aus dem Privatbesitz, zu beschlagnahmen sind.
    * 1949 wird die Lizenzpflicht im Westen aufgehoben. Laut neuem Grundgesetz gilt: (Artikel 5): Eine Zensur findet nicht statt.
    * Die DDR führt die Lizenzierung unter der Bezeichnung Druckgenehmigungsverfahren bis zu ihrem Ende 1989 durch.
    * 1965 wird in der Bundesrepublik das Braunbuch beschlagnahmt und diskreditiert.
    * 2002 In einer umstrittenen Aktion lässt SPD-Politiker Jürgen Büssow mehrere Internetprovider in Nordrhein-Westfalen den Zugang zu verschiedenen Seiten auf ausländischen Servern, die rechtsextremistische und nationalsozialistische Inhalte transportierten, sperren.




Aus: "Geschichte der Zensur" (11/2006)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Zensur


« Last Edit: December 07, 2007, 09:44:34 AM by Textaris(txt*bot) »

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[...die gesellschaftliche Befindlichkeit]
« Reply #9 on: November 28, 2006, 02:11:20 PM »
Quote
[...] Kann die gesellschaftliche Befindlichkeit verbessert werden, indem man die
unliebsamen Fiktionsauswüchse unterbindet, oder bedient der Markt nur vorhandene
Bedürfnisse? Hat nicht die ungerechte, korrupte und brutale Realität eine viel
stärkere Negativwirkung als die medialen Kunstwelten?
Da das Leben aber schlecht zensierbar ist, müssen Sündenböcke abgestraft werden,
um dem Ordnungsverlangen der Bürger zu entsprechen und den Kontrollwillen des
Staates zu dokumentieren. Schon die kirchlichen Machthaber erkannten, daß mit der
Erfindung des Buchdrucks ihr Wahrheits- und Wissensmonopol durch gefährdet war.
Als Reaktion schuf der Papst 1559 den Index der verbotenen Bücher, der über 400
Jahre Gültigkeit hatte. Allen Gläubigen war es untersagt, die dort aufgelisteten
Schriften von Autoren wie Heine, Zola, Kant und Sartre zu lesen. Denn jedes Medium
birgt potenzielle Gefahren, da durch eigenmächtige Verbreitung von unliebsamen
Informationen diese „in falsche Hände“ geraten können. Deshalb unterliegen
Medieninhalte, als auch der Umgang mit ihnen, zahlreichen Überwachungen.
Die weltliche Obrigkeit übernahm das Index-Prinzip in Form von Schwarzen Listen,
Sperrvermerken und Giftschränken bis hin zu den Verzeichnissen der
Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften und Medieninhalte (BPjS).

Sie übt
die für die demokratische Gesellschaft wohl einmalige Funktion einer Sittenaufsicht
aus. Seit ihrer Gründung 1954 setzte diese zum Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend gehörende oberste Bundesbehörde weit über 15.000
Videos, Bücher, Comics, Schallplatten, Computerspiele, Online-Angebote usw. auf
ihren Index. Darunter befinden sich immer noch Comics wie Akim oder Tarzan,
Bücher wie William S. Burroughs „Naked Lunch“ und Bret Easton Ellis' „American
Psycho“, Platten wie Peter Toshs „Legalize it!“, „Debil“ (Die Ärzte), „Frohes Fest“ (Die
fantastischen Vier) oder „Dauerlutscher“ (Straßenjungs). Damit sind diese als „moral-oder
sozialethisch desorientierend“ gebrandmarkten Medienobjekte zwar nicht völlig
untersagt, unterliegen aber einem Jugendverbot mit weitreichenden
Vertriebsbeschränkungen, dürfen z.B. nicht öffentlich zugänglich sein, nicht
beworben und nur bedingt per Post verschickt werden.
Obwohl kulturhistorisch Sexualität und Gewalt zu den faszinierendsten Themen
zählen, beschränkt zum einen der Jugendschutz die Äußerungsfreiheiten, zum
anderen untersagt das Strafrecht die mediale Darstellung und Verbreitung von vielen
Inhalten. Dabei ist die Unterscheidung zwischen erlaubter Kunst und verbotener
Gewaltverherrlichung oder zwischen Erotik und Pornographie zweifelhaft und auf der
einen Seite vom subjektiven Empfinden des Betrachters, auf der anderen Seite vom
jeweils herrschenden politischen und moralischen Klima abhängig.
Und das ändert sich ständig, wie ein kurzer Blick in die Mediengeschichte zeigt: Alle
massenmedialen Errungenschaften mussten gegen den Widerstand von
berufsbesorgten Bedenkenträgern durchgesetzt werden. Zum Beispiel war das
„Kientopp“ bei seiner Einführung vor über 100 Jahren lange (und vielfach bis heute)
als „Schundfilm“ verrufen und wurde von „Sittlichkeitsvereinen“ bekämpft.

Einen
ähnlichen Untergang des Abendlandes fürchtete man in den 50er Jahren, als sich die
Comic-Strips und -books etablierten. Entrüstete Pädagogen, Kirchenvertreter und
andere Interessengruppen initiierten sog. „Schmökergrab-Aktionen“, in denen
unzählige Beispiele dieser als „Schmutz und Schund“ gegeißelten Unterhaltungsform
verbrannt wurden. Sex- und Drogenliteratur bildeten seit der Hippie-Zeit das primäre
Feindbild der Sittenwächter, bis Anfang der 80er Jahre das Medium Video seinen
Einzug in die heimischen Wohnzimmer hielt, und damit eine Renaissance des
Jugendschutzes auslöste. Zu Beginn des Booms wurden viele Filme, im Gegensatz
zum Kino, häufig unkontrolliert verbreitet. Was bei der damals herrschenden Billig-
Horror-Welle vorzugsweise italienischer und amerikanischer Provenienz auch
durchaus fragwürdige Streifen wie „Man-Eater“, „Maniac“ und „Muttertag“ in die noch
nicht durch heutige Kabelkanäle abgebrühten Gemüter spülte. Schnell war
angesichts Zombie & Co. von einer „Video-Pest“ die Rede. Der Ruf nach Zensur
konnte vom Staat nicht unbeantwortet bleiben. Harsche Verbotsurteile (z.B. gegen
über 200 Filme) sowie Massenindizierungen durften sich einer breiten Zustimmung
gewiss sein. Daß dabei auch hochwertige und in ihrem Genre als wegweisend
eingestufte Filme wie Pasolinis „Sàlo“, Carpenters „Das Ende“ oder Raimis „Tanz der
Teufel“ mit in die Justizmühlen gerieten, störte nur einige Cineasten und Fans...


Bruchstück aus: "Eine Zensur findet nicht statt" Ein Beitrag über die Zensur
und ihre Gratwanderungen von Dr. Roland Seim M.A. (ARCHIV der JUGENDKULTUREN e.V.
JOURNAL der Jugendkulturen (Ausg. # 2, Juni 2000))
Quelle: http://www.jugendszenen.de/_data/03zensur.pdf

« Last Edit: December 06, 2006, 02:10:51 PM by Textaris(txt*bot) »

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[traditionelle Bevormundungsstrategien...]
« Reply #10 on: November 28, 2006, 02:17:54 PM »
Quote
[...] Wir leben in einer globalisierten Mediengesellschaft, in der scheinbar eine grenzenlose Freiheit herrscht. So wird der Begriff Zensur eher mit totalitären Herrschaftssystemen assoziiert.

Da allerdings auch eine pluralistische Demokratie die Mittel der Einschränkungen von Äußerungsfreiheiten erachtet, haben wir uns einige Fragen über diese Diskrepanz gestellt, z.B.: Welche Medieninhalte unterliegen auch heute noch Restriktionen, wie arbeiten die Zensurbehörden, warum wird Vieles noch heute verboten oder indiziert, wie wirken sich Zeitgeist und Wertewandel auf die variablen Grenzen des Erlaubten aus, was fasziniert am Verbot, und gibt es Alternativen zur Zensur?

[...] 'Zensur in Deutschland' stellt ein durchaus heikles Thema dar, denn sowohl nach dem Grundgesetz (Art. 5: "Eine Zensur findet nicht statt") als auch in der juristischen Sichtweise existiert hierzulande gar keine Zensur, da offiziell nur eine staatliche Vorzensur unter diese Definition fällt. Und tatsächlich gibt es auf den ersten Blick kein Amt oder keine Behörde, der man das für eine Veröffentlichung gedachte Produkt vorlegen müßte, etwa um einen 'Imprimatur'-Stempel oder eine Freigabegenehmigung zu erwirken. Lediglich die FSK ("Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft") und entsprechende Kontrollgremien wachen auch schon im Veröffentlichungsvorfeld auf die Einhaltung vielfältiger Normen.

Daß diese juristische Begrenzung nur einen Teil der Wahrheit wiedergibt, in der Anspruch und Wirklichkeit oft genug auseinanderklaffen, soll diese Website anhand kursorischer Beispiele seit der Nachkriegszeit verdeutlichen. Die Präsentation basiert auf einem Projekt-Seminar, das ich im Sommersemester 2000 am Institut für Soziologie der Universität Münster veranstaltet habe.

Bereits ein flüchtiger Blick in die Kulturgeschichte zeigt, daß Zensur über Jahrtausende und in vielen Ländern bis heute eigentlich den Regelfall darstellt, denn die Verbotsmotivation der Herrschenden - König und Klerus ebenso wie Adenauer und Amtsgericht -, bestimmte Äußerungen oder Kulturprodukte zu unterdrücken, hat sich eigentlich nur graduell gewandelt. Meines Erachtens führt eine logische Entwicklungslinie vom 1559 geschaffenen, berühmt-berüchtigten "Index librorum prohibitorum" der Katholischen Kirche zum "Gesamtverzeichnis der indizierten Schriften" der "Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften und Medieninhalte" (BPjS) in Bonn. Verlor der "Index Romanus", auf dem sich von Balzac bis Zolá, von Descartes, Heine und Kant bis Sartre zahllose Klassiker der Weltliteratur und Philosophie befanden, 1966 seine kirchenrechtliche Strafgewalt, die bis dahin bei einem Verstoß die Exkommunikation verhängen konnte, so wird der 1954 geschaffene 'Index Germanicus' bis heute im Zeichen des Jugendschutzes ergänzt. Auf dem Index der BPjS finden sich z.B. Werke von de Sade ("Philosophie im Boudoir"), Apollinaire ("11.000 Ruten"), Sacher-Masoch ("Venus im Pelz") oder William S. Burroughs ("Naked Lunch").

Alle Zensurbestrebungen basieren letztlich auf der Angst der Machthaber, daß der jeweilige Status quo und somit ihre Vorzugsstellung gefährdet ist. Unliebsame Informationen können in falsche Hände geraten. Zucht und Ordnung sollen aufrecht erhalten werden, indem Tabubereiche abgesteckt werden, die sowohl von der Obrigkeit und ihren Organen als auch durch die soziale Kontrolle der entsprechend konditionierten öffentlichen Meinung überwacht werden. Die Empfindlichkeiten gegenüber Übertretungen ändern sich je nach sensibilisiertem Zeitgeist. So sind die unterschiedlichen Eingriffe in Medienprodukte nur auf dem historischen Hintergrund der Gesellschaftsentwicklung zu verstehen, denn jede Zeit hat neben den 'all time favourites'-Themen wie Sex, Gewalt, Blasphemie oder Drogen ihre spezifischen Tabus. War es in der Nachkriegszeit vor allem die Erotik, die wie beim Hildegard-Knef-Film "Die Sünderin" gesellschaftlichen und kirchlichen Protest sowie sogar ein kurzfristiges polizeiliches Aufführungsverbot hervorrief, so sollten in den folgenden Jahrzehnten unliebsame Äußerungen zur Politik, Darstellungen von Gewalt oder abweichender Sexualität aus dem Bewußtsein der Öffentlichkeit verdrängt werden. Waren es etwa in den 50er Jahren vorzugsweise Comics, die als 'Schmökerschund' und 'Kinderverblöder' bekämpft wurden, so stellten die Themen 'Sex' und 'Drogen' in den 60er Jahren ein rotes Tuch dar. Durch die Terrorakte der 'RAF' empfindlich geworden, konnten in den 70er Jahren nichtkonforme politische Äußerungen schnell zu Verboten führen. In den 80ern hingegen stellte das neue Medium Video mit der von Presse und Öffentlichkeit hochgepushten Horror-Welle das primäre Feindbild dar, während sich in der aktuellen Dekade der 'Volkszorn' vor allem auf die Themen Kinderpornographie und (Neo-)Faschismus konzentriert. Eine neue Bedrohungsqualität wittert die allerdings weitgehend uninformierte Öffentlichkeit in dem schlecht kontrollierbaren Medium Internet. Insbesondere neue Medien wecken nicht nur den Spieltrieb der 'user', sondern auch den staatlichen Kontrollzwang, wie sich aktuell am Beispiel des Internet nachweisen läßt. Gerade die weitgehend anarchische Struktur dieser revolutionären, grenz- und gesetzüberschreitenden Kommunikationsinnovationen ruft den Argwohn und den Kontrollwillen des Staates hervor, der danach trachtet, Filter einzubauen, um traditionelle Bevormundungsstrategien auch in neuen Technologien verankern zu können.


Aus: "Zensur und Verbote in den populärkulturellen Medien Deutschlands" Von Dr. phil. Roland Seim M.A.; (Kunsthistoriker und Soziologe)
Kolja Steinrötter - Institut für Soziologie der Universität Münster (2000)
Quelle: http://www.censuriana.de/main.htm


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[...die innere (bewachte) Grenze (die "Innere Zensur")]
« Reply #11 on: November 28, 2006, 02:34:24 PM »
Quote

[...] Und auch die Selbstzensur, oft auch innere Zensur genannt, also die Verinnerlichung der äußeren Zensur, ist nur ein Grund für das...

[...] Als Ritter gegen die Doppelmoral? De Sade als Moralist? Philosophen und Künstler wie de Sade, Bunuel...

[...] was er „die wichtigste, die innere (bewachte) Grenze, die innere Zensur” nannte, aber auch um das „Verschwiegene”...

[...] Innere Zensur und sozialistischer Eintopf...

[...] das besorgt sowohl der direkte druck der firmen als auch die innere zensur...

[...] prangerte in verschiedenen Interviews die "Provinzialität des deutschen Filmwesens" und eine zunehmende innere Zensur in den Fernsehanstalten und...

[...] Die innere Zensur des Journalisten ist um einiges effektiver als jeder staatliche Filter...

[...] Diese innere Zensur kann sich auf das reale oder imaginierte Ideal eines...

[...] durch die "geringere innere Zensur Distinktionspraktiken im Improvisierenden Rollenspiel...

[...] und die innere Zensur ist auch keine Erscheinung, die plötzlich nur im Berliner Opernbetrieb ausgebrochen wäre...

[...] vielmehr eine innere Zensur dieser Generation infolge der Bagatellisierung der eigenen...

[...] Meistens funktioniert die innere Zensur aber nicht zu unserem Gusto...

[...] Impulse geweckt und freigesetzt, da die innere Zensur ausgeschaltet werden darf...

[...] Das Vorhandensein einer äußeren Zensur lenkt von der eigenen Aggressivität ab, da etwas äußerliches...

[...] da es Zusammenhänge aktualisiert, die gewöhnlich durch die innere Zensur ausgeblendet bleiben, ist das Internet der Kunst und der Dichtung....

[...] Wenn es überhaupt so etwas wie ein Tabu gegeben habe, so sei es eher die innere Zensur einer jüngeren Generation gewesen...

[...] Im Lachen löst sich für einen Moment die innere Zensur des Zuschauers, die ihm ansonsten...

[...] Schreiben ohne innere Zensur, also alles, wirklich alles aufzuschreiben, was mir jetzt im Moment...


Suchmaschinen Textfraktale zur "inneren Zensur" (11/2006)

« Last Edit: November 28, 2006, 02:42:58 PM by Textaris(txt*bot) »

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[...mit ordentlicher Gewalt (Bilderverbot)]
« Reply #12 on: December 07, 2006, 12:41:20 PM »
Quote
[...] Noch 1529 hat sich Johannes Bugenhagen in seiner Ordnung für die
Stadt Hamburg grundsätzlich mit der Beseitigung der Bilder einverstanden erklärt, wenn nur
entfernt die Gefahr bestünde, dass sie ablenken oder zu falscher Verehrung verführen könnten,
nur müsse das alles „mit ordentlicher Gewalt“ und unter Aufsicht der Obrigkeit vor sich
gehen.


Aus: "Schönheit und Schrecken. Das Bilderverbot in der evangelischen Kirche" Marten Marquardt, Vortrag in Altenberg (17. 9. 2005)
Quelle: http://www.theologie-koeln.de/PDFs/Schoenheit.pdf

-.-

Bilderverbot:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bilderverbot


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[bestimmte Dinge nicht einmal zu denken wagen...]
« Reply #13 on: January 25, 2007, 04:04:23 PM »
Quote
[...] Fast jeder kennt heutzutage das Lied "Die Gedanken sind frei". Aber - sind sie es wirklich? Ja und nein. Selbstverständlich kann man die Gedanken eines Menschen nicht zensieren, ohne daß er tatkräftig dabei mitarbeitet. Zumindest nicht mit den hier und jetzt üblicherweise verwendeten Methoden.

Dennoch habe ich zwei Anworten auf meine Frage, wie es denn im dritten Reich wirklich gewesen sei immer wieder gehört: "Aber wir haben doch nichts gewußt." und "Jeder der wollte, konnte es herausfinden.". Da ich keinerlei Grund habe, anzunehmen, daß diese Menschen mich alle belogen haben, nehme ich an, daß beide Antworten der Wahrheit entsprechen. Das heißt ein erheblicher Teil der Bevölkerung hat nie etwas von Verbrechen erfahren, die jeder leicht hätte herausfinden können.

Dergleichen kann aber nur dann passieren, wenn die Menschen bestimmte Dinge nicht einmal zu denken wagen, sonst hätte ihnen ja bewußt werden müssen, daß sie sich selbst betrügen. Und eine Gedankenzensur, die bei 90% der Bevölkerung beinahe perfekt funktioniert, ist nur dann erklärlich, wenn der psychologische Mechanismus, der diese Zensur hervorruft in den Köpfen der Menschen so lange aktiv ist, wie sie sich bewußt zurückerinnern können. Das heißt - seit der frühen Kindheit. Muster, die so wenig bewußt sind, werden aber automatisch unbewußt an die nächste Generation weitergegeben. Das heißt der Mechanismus, der damals die Gedanken der Bevölkerung an die offizielle Linie angepaßt hat, ist heute noch aktiv und paßt die Meinung der meisten Menschen an das an, was heute als "richtig" und "vernünftig" gilt. Nur gibt es heute nicht eine offizielle Linie - sondern drei-vier Hauptmeinungen, die als "normal" gelten


Aus: "Direkte Zensur - indirekte Zensur - Gedankenzensur" von Kersti Nebelsiek (Stand: 01/2007)
Quelle: http://www.kersti.de/VA048.HTM


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["Edict wegen der wiederhergestellten Censur"... (Lamettrie)]
« Reply #14 on: January 25, 2007, 04:14:08 PM »
Quote
[...] Um das Schicksal von La Mettries Büchern kümmerte sich indes, auf seine Art und soweit es in seiner Macht stand, Friedrich höchstpersönlich. Er erliess eigens das "Edict wegen der wiederhergestellten Censur". um die Erstauflage des »Discours sur le bonheur« konfiszieren lassen zu können; er nötigte La Mettrie zur Herausgabe von »Œuvres philosophiques«, in denen gerade die, wie Maupertuis sich ausdrückte, "verabscheuungswürdigen" Schriften fehlten, die La Mettrie als seine wichtigsten ansah; und er verbot den Verkauf dieser »Œuvres« sofort nach ihrem Erscheinen, weil sie einen längeren »Discours préliminaire« enthielten, den der renitente Autor offenbar unzensiert hineingeschmuggelt hatte. (Erst spätere, postume Auflagen der »Œuvres«, die ausserhalb Preussens erschienen, waren komplett.


Bruchstück aus: "Lamettrie" Der Text ist eine leicht redigierte Fassung des einleitenden Essays zu Band 1 der 4-bändigen deutschen Edition der wichtigsten Werke von Lamettrie - La Mettrie / Lamettrie »Der Mensch als Maschine« (Nürnberg: LSR-Verlag 1985, S. VII-XL)
Quelle: http://www.lsr-projekt.de/lm1.html