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Author Topic: [Die elektronische Gesundheitskarte... ]  (Read 4110 times)

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Textaris(txt*bot)

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[Die elektronische Gesundheitskarte... ]
« on: April 19, 2006, 12:37:56 PM »

Quote
[....] Hackern gelingt es, sich Zugang zu Patientenakten zu verschaffen. Einige davon stehen schon im Internet. Auf dem Markt sind solche Informationen Millionen wert

[...] Den Stoff für solche Szenarien liefert ein kleines Stück Plastik: die elektronische Gesundheitskarte. Im Schatten der geplanten Großreform geht sie jetzt in die entscheidende Phase. Die ersten Tests sind angelaufen. Schon bald sollen fast alle Bundesbürger damit ausgestattet sein.

Auf den ersten Blick kommt die Karte ganz banal daher. Wie eine EC-Karte eben, nur mit einem Chip und zusätzlichem Lichtbild versehen. Ziemlich unspektakulär – wäre nicht ein ambitioniertes elektronisches Netzwerk mit riesigen Datenbanken im Hintergrund geplant. Rund 80 Millionen gesetzlich und privat Versicherte werden mit fast 200000 Ärzten, 2200 Krankenhäusern, 21000 Apotheken und 300 Krankenversicherungen verknüpft. Rezepte sollen auf elektronischem Wege abgewickelt, Arzneimitteldokumentationen angelegt, Arztbriefe, Befunde und Röntgenbilder in virtuellen Patientenakten gespeichert werden. Das macht dieses Projekt zum größten seiner Art – weltweit.

Aus: "Patient zahlt alles - Schon bald halten sie fast alle Bürger in Händen: Die elektronische Gesundheitskarte. Im Hintergrund des Mammut-Projekts tobt ein Kampf ums Milliardengeschäft. Wo bleiben die Rechte der Versicherten?" -  Von Gunhild Lütge (DIE ZEIT 12.04.2006 Nr.16)
Quelle: http://www.zeit.de/2006/16/Gesundheitskarte

« Last Edit: January 28, 2008, 10:55:07 AM by Textaris(txt*bot) »
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Textaris(txt*bot)

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["Belastbaren Aussagen"... ]
« Reply #1 on: February 21, 2007, 01:45:18 PM »

Quote
[...] Die elektronische Gesundheitskarte wird möglicherweise teurer als geplant. Wie das AOK-Magazin "G+G" berichtet, dürften die Kosten die Prognose der Bundesregierung deutlich übertreffen. Das Magazin beruft sich dabei auf eine von der Betreibergesellschaft Gematik in Auftrag gegebene Kosten-Nutzen-Analyse. Die Autoren erwarten Kosten von rund 5,2 Milliarden Euro für Investitionen und Betrieb in den ersten fünf Jahren. Das Bundesgesundheitsministerium hat für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte 1,4 Milliarden Euro veranschlagt.

[...] Das Gesundheitsministerium beurteilt die Kosten-Nutzen-Analyse laut AOK-Magazin kritisch. Sie sei nicht als "abschließende Planungsgrundlage" zu bewerten, da die Berechnungen nicht auf realistischen Annahmen basierten. Das Ministerium wolle die Analyse jetzt überarbeiten, um damit zu "belastbaren Aussagen" zu kommen.

Der großangelegte Testlauf für die elektronische Gesundheitskarte hatte im Dezember nach jahrelangen Vorbereitungen begonnen. Erste Funktionen der neuen elektronischen Gesundheitskarte werden derzeit in Flensburg und im sächsischen Landkreis Löbau-Zittau getestet.


Aus: "Elektronische Gesundheitskarte womöglich teurer als geplant" (Dienstag 20. Februar)
Quelle: http://de.news.yahoo.com/20022007/286/politik-elektronische-gesundheitskarte-wom-glich-teurer-geplant.html

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Textaris(txt*bot)

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[Das Selbstbestimmungsrecht der Patienten... ]
« Reply #2 on: May 21, 2007, 09:34:40 AM »

Quote
[...] Der am heutigen Freitag zu Ende gegangene 110. Deutsche Ärztetag in Münster hat in einer Entschließung die geplante elektronische Gesundheitskarte "in der bisher vorgestellten Form" mit 111 zu 94 Stimmen abgelehnt. Zugleich stimmten die Ärzte dafür, das Karten-Thema zum Schwerpunktthema des 111. Ärztetages zu machen, der die Einflüsse der Telematik auf die ärztliche Berufstätigkeit behandeln soll.

In der Erklärung zur Ablehnung der Gesundheitskarte durch das "Ärzteparlament" heißt es, die Karte und die mit ihr einhergehende telematische Infrastruktur beeinflusse die Grundlagen der ärztlichen Berufsausbildung wie das Selbstbestimmungsrecht der Patienten. "Die zahlreichen Gründe für eine zunehmende Ablehnung der eGK aus der Ärzteschaft können von den Initiatoren dieses Vorhabens in Politik und Wirtschaft nicht einfach ignoriert werden."

Die Erklärung führt im Einzelnen aus, dass es keinen belegbaren Nutzen der eGK gebe und der Zugriff auf die Daten und deren Missbrauch durch Dritte nicht sicher zu verhindern sei. Außerdem passe die eGK mit dem elektronischen Rezept nicht in den alltäglichen Praxisablauf, wobei das eRezept dabei helfe, die Patienten in Risikoklassen einzuteilen, unter denen sie womöglich ein Leben lang geführt werden. Zusätzlich zum schwer beschädigten oder gar zerstörten Arzt-Patientenverhältnis würden die Kosten der milliardenschweren Entwicklung auf Patienten und Ärzte abgewälzt.

Im Vorfeld der Entschließung des Ärztetages gab es vor der Halle Münsterland Proteste kritischer Ärzte gegen die Gesundheitskarte. Auf Transparenten wurde die Karte als "sozialpolitische Atombombe" bezeichnet.


Aus: "Ärztetag lehnt elektronische Gesundheitskarte ab" (18.05.2007)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/89908
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[Die Speicherung "entscheidender Daten auf großen Zentralcomputern... ]
« Reply #3 on: January 28, 2008, 10:56:46 AM »

Quote
[...] Berlin - Ärzte, Datenschützer und Patientenvertreter haben in Berlin vor der in diesem Jahr geplanten Einführung der elektronischen Gesundheitskarte gewarnt. Dadurch würde sich die Gesundheitsversorgung verteuern, und elementare Bürgerrechte würden verletzt, erklärten die Freie Ärzteschaft der NAV-Virchow-Bund sowie die Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten. Die Ärzte kündigten an, in ihren Praxen das neue Einleseverfahren zu boykottieren.

Der Präsident der Vereinigung Freie Ärzteschaft, Martin Grauduszus, kritisierte die Speicherung "entscheidender Daten auf großen Zentralcomputern". Dadurch sei es für die Patienten nicht mehr möglich zu kontrollieren, was mit ihren Daten geschieht. Die Karte störe das vertrauensvolle Arzt-Patienten-Verhältnis und durchlöchere die ärztliche Schweigepflicht. Aus diesem Grund habe bereits der Deutsche Ärztetag 2007 mehrheitlich die Gesundheitskarte abgelehnt.

Silke Lüder von der Ärzteorganisation IPPNW (Ärzte gegen den Atomkrieg) warnte vor einer "Entwicklung hin zur Rumpfversorgung". Die Einführung der Gesundheitskarte koste nach einer von der Betreiberorganisation Gematik in Auftrag gegebenen Studie allein zehn Milliarden Euro, ein Siebenfaches der von der Politik veranschlagten Summe. Vor allem elektronische Rezepte, die auf den Chipkarten gespeichert werden sollen, bedeuteten für die Ärzte einen zeitlichen Mehraufwand. Lüder kritisierte zudem, die Karte sei Teil eines "gesellschaftlichen Überwachungswahns". EPD


Aus: "Widerstand gegen geplante Gesundheitskarte" (26. Januar 2008)
Quelle: http://www.welt.de/welt_print/article1597089/Widerstand_gegen_geplante_Gesundheitskarte.html

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[Interessen und ökonomische Verflechtungen... (eGK)]
« Reply #4 on: March 19, 2008, 10:07:10 AM »

Quote
[...] Die Delegiertenversammlung der hessischen Landesärztekammer hat eine Resolution verabschiedet, in der sie sich gegen die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) ausspricht. Die Ärzte könnten keinen sinnvollen Nutzen der Karte erkennen, heißt es in der Resolution. Außerdem sei der Umfang der zeitlichen und finanziellen Belastung von Ärzten und Patienten unbekannt. Anstelle der schnellen Einführung fordern die Ärzte weitere großräumige Tests der Karte, die "nicht durch wirtschaftliche Interessen und ökonomische Verflechtungen" beeinflusst werden dürften.

Wie in anderen Erklärungen der Ärzteschaft zur Gesundheitskarte argumentieren auch Hessens Mediziner mit der Störung des vertraulichen Arzt-Patientenverhältnisses durch den Karteneinsatz. "Big Brother gehört nicht in den Praxiscomputer", lautet die zentrale These der Resolution. Die Ärzteschaft werde sich der Einführung der Karte widersetzen, solange der Schutz sensibler Patientendaten nicht gewährleistet sei. (vbr/c't)



Aus: "Hessens Ärzte lehnen elektronische Gesundheitskarte ab" (18.03.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Hessens-Aerzte-lehnen-elektronische-Gesundheitskarte-ab--/meldung/105223
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[Diskussion über die elektronische Gesundheitskarte (eGK)... ]
« Reply #5 on: May 24, 2008, 10:51:49 AM »

Quote
[...] Auf dem 111. deutschen Ärztetag haben die Delegierten der Ärzteschaft der elektronischen Gesundheitskarte erneut eine Abfuhr "in der bisher vorliegenden Form" erteilt. Die Ablehnung der Ärzte fiel allerdings erheblich milder aus als zunächst angenommen: Ein erster Entschließungsantrag, der den Stopp des gesamten Projektes forderte, wurde in zweiter Lesung entschärft. Anstelle des kompletten Stopps fordern die Ärzte nun eine Neukonzeption unter Berücksichtigung der Prüfsteine, die zuvor in einer Sonderpublikation der Bundesärztekammer veröffentlicht wurden.

Zum Auftakt der Diskussion über die elektronische Gesundheitskarte (eGK) appellierte der schleswig-holsteinische Datenschützer Thilo Weichert in seiner Rede über Telematik und Datenschutz an die Ärzte, die Gesundheitskarte nicht krankzureden. Es sei unlauter und unverantwortlich, wenn Ärzte die Ängste in der Bevölkerung wie bei anderen Ärzten mit unrealistischen Szenarien schürten und die Verängstigung als Gewinn für den Datenschutz feierten. "Ebenso wenig wie Unternehmen wie Microsoft oder Google nur einfach böse sind, ist dies auch nicht bei der Telemedizin pauschal oder einem Großprojekt wie der eGK der Fall. Von Datenschützern kann erwartet werden, dass sie sich die rechtlichen Regelungen und die informationstechnischen Infrastrukturen und Programme genau ansehen und dass sie diese differenziert beurteilen", erklärte Weichert. Als Datenschützer müsse er aber die Regelungen, die für die eGK getroffen wurden, als vorbildlich loben.

Gegen die datenschutztechnisch hervorragende Beurteilung würden die Kritiker nur Argumente vorbringen, die in die Irre führten, so Weichert weiter: "Ob Daten zentral oder dezentral abgelegt sind, ist irrelevant, wenn der Schlüssel für deren Abruf individuell und damit dezentral in den Händen der Ärzte und der Patienten liegt. Und genau so ist es gesetzlich geregelt: Der Schlüssel für den Zugriff auf die elektronische Patientenakte oder das elektronische Rezept ist die Kombination der Patienten- und der Arztkarte, wobei allein der Besitz der Karten nicht genügt, nötig ist außerdem bei den meisten Datenfeldern die Kenntnis einer PIN."


[...] Durch die Annahme der modifizierten Position der Bundesärztekammer in zweiter Lesung haben die schärfsten Kritiker der Gesundheitskarte ihre Forderung nach einem Stopp des Gesamtprojektes nicht durchsetzen können. Mit der teilweise sehr emotional geführten Diskussion in Ulm sehen sie sich aber in ihrer Ansicht bestätigt, dass die Gesundheitskarte eine Krankheitskarte ist, und wollen ihre Kampagne fortsetzen. So ruft die freie Ärzteschaft zum kommenden Samstag zur Teilnahme am bundesweiten Aktionstag gegen die zentrale Datenspeicherung auf.

(Detlef Borchers) / (anw/c't)



Quote
23. Mai 2008 13:36
Wieso verharmlost Weichert Pläne in Zeiten täglich neuer Gesetzesverschärfungen?
Systemverwalter (mehr als 1000 Beiträge seit 20.09.06)

Ich stelle mir die Frage, wie Herr Weichert solche Behauptungen
aufstellen kann und die Pläne derart verharmlosen kann,
wo doch seit Jahren täglich neue Gesetzesverschärfungen
auf die Tagesordnung im Bundestag kommen und laufend
neue Ideen für noch mehr hypothetische Scheinsicherheit
in allen Lebenslagen durch noch mehr Grundrechtsbeschneidungen
bei diesen oder jenen Bürgern im Gesetzgebungsverfahren sind
und intern sogar noch viel weitergehende Grundrechtsbeschneidungen
angestrebt werden. Weicherts Sicht der Dinge wäre nur in der "guten
alten Zeit", den 50er und 60er Jahren, vielleicht maximal
bis Ende der 80er Jahre zu rechtfertigen. Heute ist sowas
eine untragbare Verharmlosung - und das dann ausgerechnet
durch einen Datenschutzbeauftragten?

Täglich erdenken sich irgendwelche Extrem-Bürokraten neue
Ideen, wie man jegliches rein hypothetisches Minimalrisiko
noch weiter vermindern kann, indem man dieser oder jener
Bevölkerungsgruppe diese oder jene Tätigkeit komplett
verbietet. Und das ohne jeden Anlass! All diese
Verschärfungsideen werden heutzutage umgehend als Gesetze
verabschiedet. Die Gesundheit der Bürger spielt als
Rechtfertigungsgrund neben angeblicher Unzuverlässigkeit,
die in Deutschland bekanntlich durch mittlerweile praktisch
jegliche Einträge im Bundeszentralregister oder
Gewerbezentralregister hervorgerufen und fast
lebenslang gespeichert wird, eine immer entscheidendere
Rolle.
So muss man in immer mehr Bereichen ausreichende Gesundheit
nachweisen und sich mittlerweile auf manchen Gebieten sogar
ggf. medizinisch und psychologisch untersuchen lassen, um
überhaupt noch seinen Beruf oder sein Hobby ausüben zu dürfen,
selbst wenn dies bis 2001 ohne jeden Belang war.
Begründet wurden diese Neuerungen z.B. mit der angeblichen
Verhütung von Selbstmorden, in Wahrheit wird scheinbar
versucht, eine Hintertür zu schaffen, mit der man Menschen
immer leichter die Berufsausbübung jetzt sogar durch Prüfungen
im Regelfall verbieten kann.

Mit der Einführung einer Zentraldatei mit Gesundheitsakten
ist die Grundlage geschaffen, jetzt auch noch amtlich ausgiebig
in den Gesundheitsdaten nach (Schein-)Argumenten schürfen zu können,
um bei Millionen Bürgern für eine Grundrechtsbeschneidung etwa
in Form eines verkappten Berufsverbots eine Pseudobegründung
zur Hand zu haben, die bestenfalls in einem langwierigen,
kostspieligen Gerichtsverfahren aufgehoben werden könnte.
In Österreich ist sowas bereits
in Strassenverkehrsangelegenheiten passiert. Dort wurde
nach einer Meldung auf Heise-Telepolis vor einiger Zeit einem
Autofahrer die Fahrerlaubnis entzogen, weil dieser sich wegen
zu hohen Blutdrucks in die Behandlung eines Arztes begeben hatte.
Exakt das droht auch in Deutschland, aber noch viel, viel
schlimmer, weil deutsche Gesetze schon seit 4 Jahrzehnten
viel, viel schärfer als Österreichische Vorschriften sind.

Deshalb ist es vollkommen unverständlich, wie Herr Weichert
diese Bedenken derart zurückweisen kann.

Der Hinweis auf technische Sicherheitsmassnahmen nutzt im
Fall staatlicher Stellen absolut nichts, da sich staatliche
Stellen ggf. mit Zwangsmitteln nach einer per Gesetzesänderung
erzwungenen technischen Umorganisation Zugang zu allen Daten
verschaffen können. Gegen staatliche Begehrlichkeiten bei
Verwaltungsdaten im Gesundheitsbereich hilft keine Technik.
Wie schnell Änderungsforderungen auf dem Tisch liegen, zeigt
der Fall des Autobahnmautgesetzes. Es gibt auch keine sachliche
Notwendigkeit für eine derartige Zentraldatei. Und schliesslich
sollte die Mitwirkung an so einer Datei, wenn sie unbedenklichen
Zielen dient, den Patienten und Ärzten überlassen bleiben.






Aus: "Ärzte lehnen Einführung der elektronischen Gesundheitskarte ab" (22.05.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Aerzte-lehnen-Einfuehrung-der-elektronischen-Gesundheitskarte-ab--/meldung/108334

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[Die elektronische Fallakte... ]
« Reply #6 on: June 03, 2009, 09:52:17 AM »

Quote
[...] Es ist erst drei Monate her, da beklagte sich eine prominente Patientin am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) über die fehlende Diskretion des medizinischen Personals. Zuvor waren Details ihrer Krankengeschichte in der Öffentlichkeit aufgetaucht. Das Leck war ihre eigene, elektronische Patientenakte. Jeder Mitarbeiter, der eine technische Zugangsberechtigung besaß, konnte diese Akte lesen, kopieren und weiterleiten.

Trotz dieser Datenpanne teilte das UKE damals mit, dass "dem potentiellen Missbrauch technisch in umfänglicher Weise Einhalten geboten" sei. Die Klinikleitung stellte sich damit hinter das neu eingeführte System Soarian, das die elektronische Patientenakte erst ermöglicht. Seitdem hat der Hamburger Datenschutzbeauftragte im UKE und in den Asklepios-Kliniken geprüft, wie sicher die Daten der Patienten wirklich sind. Das Ergebnis sei besorgniserregend, sagte der stellvertretender Leiter der Behörde, Hans-Joachim Menzel, am Dienstag.

Vor allem die Akteneinsicht durch nicht dazu berechtigte Mitarbeiter könne kaum kontrolliert werden. Technisch hätten demnach bis zu 80 Personen die Möglichkeit, im internen Krankenhausinformationssystem die Daten eines bestimmten Patienten einzusehen. Das sind nicht nur alle Mitarbeiter der betreffenden Abteilung, sondern auch hinzugezogene Spezialisten sowie klinikübergreifende Fachkräfte wie zum Beispiel Physiotherapeuten oder Sozialdienste. Nicht zuletzt haben das Personal der EDV-Abteilung und die Techniker des Software-Herstellers freien Zugriff auf das System.

"Es gibt eine große Lücke zwischen dem, was der einzelne Mitarbeiter darf und was er kann", sagt Menzel. Viel zu oft werde ihm zufolge damit gegen das Hamburger Krankenhausgesetz verstoßen, das die Privatsphäre des Patienten zu schützen versucht. Die Idee, Zugriffe auf die persönlichen Fallakten künftig zu protokollieren und damit allzu neugierige Mitarbeiter abzuschrecken, lehnt der Datenschutzbeauftragte ab. "Das wäre wiederum datenschutzrechtlich schwierig", sagt er. Außerdem entstünde den Kliniken dadurch ein riesiger Datenwust.

Gegen das Einrichten einer elektronischen Akte könne sich der Patient nur selten wehren. Oft ist es ihm gar nicht bewusst, dass er der Speicherung seiner Daten im Krankenhausnetz zugestimmt hat. Das geschieht in der Regel kurz nach der Ankunft im Krankenhaus. Um stationär aufgenommen zu werden, muss der Betroffene nicht nur seine persönlichen Daten und den Namen der Krankenkasse angeben, sondern auch einen Behandlungsvertrag unterschreiben. Das UKE weist seine Patienten zwar darauf hin, dass mit dieser Unterschrift in den personengebundenen Datenaustausch zwischen den an der Behandlung beteiligten Personen eingewilligt werde.

Dass dadurch aber gleich unzählig vielen Menschen der Einblick in die private Krankengeschichte gestattet wird, geht aus dieser Information nicht hervor. "Wenn ein Patient einen Behandlungsvertrag unterschreibt, denkt der doch dabei an seine behandelnden Ärzte und nicht an die elektronische Fallakte" ...




Aus: "Patienten ohne Geheimnisse" VON UTA GENSICHEN (03.06.2009)
Quelle: http://www.taz.de/regional/nord/hamburg/artikel/?dig=2009%2F06%2F03%2Fa0156&cHash=5feb28fce6

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[Die elektronische Gesundheitskarte Realität... ]
« Reply #7 on: October 03, 2009, 12:00:47 PM »

Quote
[...] BERLIN taz | Mancher Beobachter hatte schon nicht mehr daran geglaubt. Doch nach jahrelangem Hickhack wird ab Donnerstag die sogenannte elektronische Gesundheitskarte (eGK) ausgegeben. Den Praxistest der neuen "e-Card" wagt die Region Nordrhein mit ihren insgesamt rund neun Millionen gesetzlich Versicherten.

Dort wollen die Kassen bis Jahresende 100.000 Karten verteilen. Bis Ende 2010 sollen alle 70 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland das Plastikkärtchen besitzen, das dann die bisherige Versichertenkarte ersetzt.

 Auf den ersten Blick ist die elektronische Gesundheitskarte bloß ein weiterer Datenträger im Scheckkartenformat, auf dem ein Porträtfoto des Versicherten prangt. In der Anfangsphase müssen auf ihm nur zwei Dinge gespeichert werden: Zum einen die Verwaltungsdaten, also Name des Patienten, Versicherungsstatus, Krankenkasse und Geburtsdatum.

Zum anderen das "elektronische Rezept". Dieses kann künftig der behandelnde Arzt auf der Karte hinterlegen, und in der Apotheke wird es an einem Lesegerät eingelöst. Freiwillig speichern können Patienten zudem einen "Notfalldatensatz".

...

Quote
01.10.2009 12:04 Uhr:
Von YAK:

Ich finde es gut. Endlich wäre ich den Aufwand los, bei meinem Ärzten um die Untersuchungsergebnisse bitten zu müssen und könnte auch Jahre später noch wissen, woran ich damals erkrankte.

Alles auf einer Karte passwortgeschützt (!) dabei zu haben wäre fein.... - natürlich vorausgesetzt, dass das Verfahren wirklich sicher ist. Soll der ChaosComputerClub mal ran zum testen


Quote
01.10.2009 13:55 Uhr:
Von SiC:

Hat der CCC schon gemacht und für unsicher eingestuft!

...


Quote
01.10.2009 20:12 Uhr:
Von fakten:

Das eigentliche Problem bei der eGK ist noch nicht einmal der auf der Karte gespeicherte Datensatz, obwohl dies schon problematisch genug ist. Viel interessanter ist doch die Tatsache, dass sämtliche Patientendaten statt auf der Karte auf einem zentralen Server gespeichert werden sollen, welcher bereits seit geraumer Zeit vom CCC geknackt und für absolut unsicher erklärt wurde.

Man muss sich das einmal vorstellen: Auf einem völlig unzureichend gesicherten Server liegen quasi für jeden Amateur-Hacker ausspionierbar sämtliche Patientendaten aller Deutschen wie Name, Adresse, Geburtsdatum, Geschlecht, sämtliche Untersuchungsergebnisse, Röntgenaufnahmen, EKG- und Ultraschallaufnahmen und Befunde, ärztliche Gutachten, sämtliche bislang verschriebene Medikamente etc. etc. Ein gefundenes Fressen für einen Datenmissbrauch im ganz großen Stil!

Es fehlt nicht mehr viel, dann könnten z. B. die personalisierten Einkaufsdaten beim Bezahlen im Supermarkt mit Kredit-, EC- oder Payback-Karte mit solchen Patienten-Datensätzen abgeglichen werden. So könnte es schon bald Realität werden, dass die Bezahlung einer anstehenden Operation oder ärztlichen Behandlung von der Krankenkasse mit der Begründung abgelehnt wird, man habe halt über die letzten Jahre einfach zu viele ungesunde Lebensmittel eingekauft, die dieses Krankheitsbild stark begünstigt haben.

...


Quote

01.10.2009 11:44 Uhr:
Von Anne:

Funktioniert bei diesem Chip auch der Kurzaufenthalt in der Mikrowelle?

Das Letzte, aber wirklich das Allerletzte was ich will, ist, meine Krankenakte in meiner Brieftasche mit mir permanent herumzutragen. Meine jeweiligen Krankendaten gehen ausschließlich meine jeweiligen Fachärzte etwas an und nicht einmal die untereinander, wenn ich das nicht will.



Aus: "Langer Weg zur Gesundheitskarte" VON MATTHIAS LOHRE (01.10.2009)
Quelle: http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/langer-weg-zur-gesundheitskarte/

-.-

Quote
[...] Sie war von Anfang an umstritten; nun wird die elektronische Gesundheitskarte Realität. Seit 1. Oktober 2008 halten die ersten Kassenpatienten das neue High-Tech-Plastik in den Händen – viele von ihnen mit gemischten Gefühlen. Wird der Albtraum vom gläsernen Patienten nun endgültig Realität? Oder ebnet die neue Technik womöglich doch den Weg in ein besseres Gesundheitssystem? Thilo Weichert, Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz in Kiel, spricht Klartext.

FOCUS Online: Nach jahrelangen Querelen wird die elektronische Gesundheitskarte nun tatsächlich eingeführt – zunächst allerdings nur in Nordrhein-Westfalen. Warum behandelt man nicht alle Patienten gleich?

Thilo Weichert: Es ist durchaus sinnvoll, erst einmal in einem Pilotprojekt zu erproben, wie sich die neue Karte bewährt. Auf diese Art und Weise lassen sich Kinderkrankheiten noch verhältnismäßig leicht beheben, ohne dass gleich 70 Millionen Versicherte betroffen sind.

FOCUS Online: Das heißt, die Versicherten in der Pilotregion sind nichts anderes als Versuchskaninchen?

Weichert: Das kann man so nicht sagen. Irgendjemanden muss es ja treffen – und man kann es ja auch durchaus als Ehre empfinden, unter den ersten zu sein, die die neue Karte besitzen.

FOCUS Online: Warum Ehre? Die neue Karte bietet doch bisher noch keine Vorteile gegenüber der alten?

Weichert: Das ist richtig. Bislang unterscheiden sich die beiden Karten lediglich durch das Passbild auf der Vorderseite. Allerdings ist das Potenzial des neuen Systems immens: In Zukunft könnte die Karte den berechtigten Ärzten oder Apothekern vom elektronischen Rezept bis hin zur kompletten Krankenakte alle wichtigen Informationen gewähren, die für die optimale Behandlung eines Patienten erforderlich sind.

FOCUS Online: Gerade das macht viele Versicherte skeptisch. Wenn alle Ärzte, Apotheker und Krankenhäuser künftig Einblick in die intimen Details diverser Krankengeschichten erhalten – ist das nicht ein bisschen zu viel des Guten?

Weichert: So weit wird es ja nicht kommen. Zwar stimmt es, dass Ärzte, Apotheker und Krankenhäuser grundsätzlich in der Lage sein werden, die Daten auf der Gesundheitskarte zu lesen. Wenn der Patient das nicht möchte, kann er aber gegensteuern und das verhindern.

FOCUS Online: Auf welche Weise?


Weichert: Zunächst steht es jedem Patienten frei, ob er überhaupt zulässt, dass außer den Stammdaten wie Namen, Geburtstag, Geschlecht überhaupt etwas auf der Karte gespeichert wird. Und selbst wer sich dafür entscheidet, hat es jederzeit in der Hand, wem er diese Informationen zugänglich machen will.

FOCUS Online: Wie?

Weichert: Wenn die Karte flächendeckend eingeführt ist, wird es an ausgewählten Standpunkten – etwa in Arztpraxen oder Apotheken –sogenannte eKioske geben, also Computer, an denen die Patienten ihre Karte einlesen, Daten löschen und Sicherheitseinstellungen individuell einstellen können. Wer sich also nur ein Asthmaspray aus der Apotheke holt, muss nicht befürchten, dass der Apotheker ohne Weiteres seine ganze Krankengeschichte, ja nicht einmal sämtliche Verschreibungen einsehen kann.

FOCUS Online: Wer entscheidet, wo diese Kioske stehen werden?

Weichert: Das werden die Kassen sein – sie zahlen schließlich auch dafür.

FOCUS Online: Und das nicht zu knapp. In den ersten neun Jahren rechnen Experten mit Extrabelastungen von über 14 Milliarden Euro. Wird das neue System wirklich genug Geld sparen, damit sich diese Kosten irgendwann wieder amortisieren?

Weichert: Klar ist: In der Anfangsphase verschlingt die neue Karte horrende Summen. Kurzfristig führt die Umstellung daher eher zu zusätzlichen Belastungen. Allerdings ist das gesamte Projekt sehr langfristig angelegt. Patienten und Ärzte müssen sich ja auch erst einmal an die neue Situation gewöhnen und lernen, mit der neuen Technik umzugehen. Ich denke aber, dass die Anfangsschwierigkeiten in ein paar Jahren überwunden sein werden – und die Karte durchaus beim Sparen helfen kann.


FOCUS Online: Sollte die Einführung der Karte wunschgemäß verlaufen – profitieren dann Patienten oder Krankenkassen am meisten von dem neuen System?

Weichert: Weder noch. Die größten Nutznießer dieses Megaprojektes sitzen vor allem in der IT-Branche.

Quote
DIE NEUE KARTE IM ÜBERBLICK
Anders als die herkömmliche Versichertenkarte ist die neue Karte mit einem Mikroprozessor ausgestattet. Darauf können Daten verschlüsselt gespeichert werden. Außerdem ermöglicht die neue Gesundheitskarte Online-Funktionen wie das Einrichten von elektronischen Patientenakten, in denen alle relevanten Informationen über bisherige Behandlungen und Diagnosen hinterlegt sind. Auf der Karte wird auch das Foto des Versicherten gespeichert, um einen Missbrauch von Kassenleistungen zu verhindern. Bis alle 70 Millionen gesetzlich Versicherten damit versorgt sind, dürfte es Ende 2010 werden.


Aus: "Elektronische Gesundheitskarte: „Profitieren wird vor allem die IT-Branche“" Von Catrin Gesellensetter (01.10.2009)
Quelle: http://www.focus.de/finanzen/versicherungen/krankenversicherung/elektronische-gesundheitskarte-profitieren-wird-vor-allem-die-it-branche_aid_440855.html

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[Der sogenannte Versicherten-Stammdatenabgleich-Dienst... ]
« Reply #8 on: May 17, 2015, 10:44:40 PM »

Quote
[...] Der sogenannte Versicherten-Stammdatenabgleich-Dienst (VSDD) der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) hat nach Auffassung des Ärztetages nichts in der Arztpraxis zu suchen. Dieses Verfahren, bei dem die Adress-Daten und der Zuzahlungsstatus der eGK eines Versicherten mittels Lesegerät und VPN-Verbindung online mit den Daten der Krankenkasse verglichen wird, sei eine rein administrative Maßnahme und damit nicht Aufgabe eines Arztes.

Überdies sei die Überprüfung geeignet, "die bestehenden Kapazitätsprobleme in der ambulanten Krankenbehandlung empfindlich zu verstärken", meinte das deutsche "Ärzteparlament" in seiner Entschließung. Grundsätzlich sei man aber offen "für sinnvolle medizinische Anwendungen in der elektronischen Datenverarbeitung".

Im Herbst soll nach den Plänen der eGK-Projektgesellschaft Gematik in den Regionen Nordwest und Südost in 500 Praxen und 5 Krankenhäusern getestet werden, ob der online erfolgende Stammdatenabgleich der eGK reibungslos funktioniert. Bei dem Verfahren wird von der Arztpraxis eine Verbindung zu einem Rechenzentrum aufgebaut und die Daten einer im Lesegerät gesteckten Gesundheitskarte mit dem Datenbestand der Krankenkasse verglichen.

Geprüft wird dabei die Adresse des Versicherten, die Gültigkeit der Versicherung sowie der Zuzahlungsstatus. Diese Maßnahme, die nach Vorstellung der Gematik maximal fünf Sekunden dauern soll, soll nach Ansicht der Ärzte nicht in der Arztpraxis erledigt werden. Die vierteljährlich anfallende Datenüberprüfung sollte besser durch Terminals in den Filialen der Krankenkassen oder in einer Apotheke erfolgen, meinen die Ärzte. "Außerdem kann auf Dauer keine Sicherheit für die sensiblen Praxisdaten bei Anschluss an eine bundesweite zentrale Kasseninfrastruktur garantiert werden", heißt es in dem Beschlussprotokoll des Ärztetages. (Detlef Borchers) / (jk)


Aus: "Elektronische Gesundheitskarte: Ärztetag lehnt Datenabgleich in der Arztpraxis ab" (16.05.2015)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Elektronische-Gesundheitskarte-Aerztetag-lehnt-Datenabgleich-in-der-Arztpraxis-ab-2651513.html

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[Die elektronische Gesundheitskarte... ]
« Reply #9 on: August 07, 2017, 11:39:46 AM »

Quote
[...] Mehr als elf Jahre nach ihrem offiziellen Start steht die elektronische Gesundheitskarte möglicherweise vor dem Aus. Der Vorstandschef der AOK Bayern, Helmut Platzer, sagte der dpa, es sei "unsicherer denn je, wann die Gesundheitskarte die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt". Hochrangige Mitarbeiter von Ärzteverbänden und gesetzlichen Krankenkassen berichten, es gebe in der Bundesregierung Pläne, die E-Card nach der Bundestagswahl für gescheitert zu erklären.

Damit bliebe die Plastikkarte nichts weiter als ein Versicherungsnachweis, heißt es aus Kassenkreisen. Die E-Card hat nach Berechnungen des Dachverbandes der Innungskrankenkassen bis jetzt 1,7 Milliarden Euro an Kosten verursacht.

Auch aus den Kassenärztlichen Vereinigungen kommen Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der Gesundheitskarte. "Wenn man mit Fachleuten redet, hört man, das sei eine Technik, die eigentlich schon überholt sei", sagte der Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, Wolfgang Krombholz, der dpa. Verbände von Ärzten, Krankenkassen, Kliniken und Apothekern haben über die Trägergesellschaft Gematik den gesetzlichen Auftrag, die Gesundheitskarte auf den Weg zu bringen.

 Die Bundesregierung hatte im Herbst 2004 angekündigt, ab dem Jahr 2006 werde die elektronische Gesundheitskarte zahlreiche neue Möglichkeiten für einen Datenaustausch schaffen. Ein Notfalldatensatz sollte darauf ebenso gespeichert werden können wie ein Medikationsplan. Eine solche digitale Arzneiliste sollte helfen, gefährliche Wechselwirkungen zu vermeiden, die nach Schätzungen jedes Jahr Tausende Todesfälle nach sich ziehen. Eine elektronische Patientenkarte sollte unnötige Doppeluntersuchungen vermeiden. Verwirklicht ist davon bis jetzt noch nichts.

Die Betreibergesellschaft Gematik erklärte zwar Anfang Juni 2017, die Auslieferung der notwendigen technischen Ausrüstung gehe in die letzte Phase und hat von einem "Meilenstein" gesprochen, doch die dafür notwendigen sogenannten Konnektoren stehen weiterhin nicht zur Verfügung. Die Chefin des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, machte im Juli beteiligte Industriefirmen für die neuerlichen Verzögerungen verantwortlich.

Die Unternehmen sehen das anders. Der Sprecher der Telekom-Tochter T-Systems, Rainer Knirsch, weist darauf hin, dass die technischen Anforderungen etwa 150 Mal verändert worden seien. Jetzt aber sei die Industrie "auf der Zielgeraden", heißt es von T-Systems. Derzeit werde "die weltweit bestgeschützte öffentliche Infrastruktur für das Gesundheitswesen" entwickelt.

 Bei den Krankenkassen stoßen solche Worte auf Skepsis. Etliche Kassen setzen darauf, eigene Angebote für einen digitalen Datenaustausch zu entwickeln. "Damit könnten die Anforderungen wesentlich besser, wesentlich ökonomischer und vor allem sicherer erfüllt werden", sagt der Chef der AOK Bayern, Helmut Platzer.

Die bundesweit größte AOK will dazu mit anderen Ortskrankenkassen und Partnern aus der Wirtschaft zusammenarbeiten. Die zweitgrößte bundesweite Kasse, die Techniker Krankenkasse, hatte bereits im Februar 2017 bekanntgegeben, sie habe den amerikanischen Konzern IBM mit der Entwicklung einer eigenen elektronischen Patientenkarte beauftragt.

Bei den Ärzteverbänden gibt es allerdings Sorgen, dass sich die digitale Gesundheitslandschaft zersplittert. "Das wäre das Schlimmste, was uns passieren könnte, dass jede Kasse mit ihrem eigenen System startet", warnt der Chef der KV Bayerns, Wolfgang Krombholz. Er fürchtet, dass viele Praxen damit überfordert wären, verschiedene Systeme von Patientenkarten mit ihren Computersystemen zu verwalten.


Aus: "Krankenkassen: Elektronische Gesundheitskarte vor dem endgültigen Aus" Peter Steinlechner (6. August 2017)
Quelle: http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2017-08/krankenkassen-elektronische-gesundheitskarte-vor-dem-aus
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