Author Topic: [The Lordship of Moneygaming... ]  (Read 120420 times)

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[BayernLB... (Notiz, BRD)]
« Reply #105 on: M?RZ 29, 2008, 10:02:30 vorm. »
Quote
[...] jetzt muss der CSU-Politiker zugeben, dass die Kreditausfälle bei der BayernLB wohl sehr viel höher ausfallen werden, als bislang veranschlagt. Er sei sich sicher, dass die Belastungen deutlich über die bisher eingeräumten 1,9 Milliarden Euro hinausgingen, sagte der bayerische Ministerpräsident dem "Nordbayerischen Kurier". Stattdessen könne sich der Schaden auf bis zu vier Milliarden Euro belaufen.

[...]


Aus: "FINANZDESASTER: Drastische Kreditausfälle bei BayernLB - bis zu vier Milliarden Euro Schaden" (28. März 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,544056,00.html

-.-

Quote
[...] Die Zahlen bringen auch den CSU-Chef und bayerischen Finanzminister Erwin Huber in Erklärungsnot, der den Freistaat als stellvertretender Vorsitzender im Verwaltungsrat vertritt. Bislang hatte der Finanzminister jede Offenbarung vermieden, wie schlecht es um das Geldhaus steht.

[...]


Aus: "FINANZKRISE: BayernLB räumt Risiken im Wert von 4,3 Milliarden Euro ein" (mik/AP/dpa/ddp,  03. April 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,545091,00.html

« Last Edit: April 03, 2008, 01:48:49 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Mit der Gewährung eines Kredits... (Franjo Pooth)]
« Reply #106 on: April 01, 2008, 10:33:00 vorm. »
Quote
[...] Firmen-Chef Franjo Pooth, Ehemann der TV-Moderatorin Verona Pooth, soll dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse, Heinz-Martin Humme im Zusammenhang mit der Gewährung eines Kredits über 9,2 Millionen Euro einen 3200 Euro teuren TV-Flachbildschirm geschenkt haben.

[...] Die Staatsanwaltschaft prüft, ob sich Pooth der Bestechung schuldig gemacht hat. Zudem wird gegen Pooth wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung ermittelt.

Bei der Stadtsparkasse Düsseldorf war wegen der Vorwürfe bereits das Vorstandsmitglied Karl-Heinz Stiegemann fristlos entlassen worden. Auch er soll von Pooth einen Flachbildschirm angenommen haben.


Aus: "POOTH-PLEITE: Düsseldorfer Sparkassenchef muss Posten räumen" (31. März 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,544524,00.html


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[The Lordship of Moneygaming... (Northern Rock)]
« Reply #107 on: April 01, 2008, 10:46:05 vorm. »
Quote
[...] London (dpa) - Der Ex-Chef der britischen Krisenbank Northern Rock bekommt eine Abfindung von umgerechnet fast einer Million Euro, obwohl die Bank im vergangenen Jahr fast in den Abgrund gerissen wurde.

Adam Applegarth, der die Hypothekenbank bis Dezember 2007 führte, habe einen Anspruch auf insgesamt 760 000 Pfund (rund 955 000 Euro), teilte Northern Rock mit. Gleichzeitig wies die Bank, die durch die US-Immobilienkrise ins Trudeln geraten war und verstaatlicht werden musste, für 2007 einen Verlust vor Steuern von 168 Millionen Pfund (211 Mio Euro) aus, verglichen mit einem Gewinn von 627 Millionen Pfund im Vorjahr.

Die Bank kündigte zudem an, Kredite in Höhe von 24 Milliarden Pfund, die sie aufnehmen musste, bis Ende 2010 an den Staat zurückzuzahlen.


Aus: "Ex-Northern-Rock-Chef mit hoher Abfindung" (31.03.2008)
Quelle: http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/6954



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[Besuch bei Beckstein... (Notiz, BRD, Siemens, Pierer, Sauna)]
« Reply #108 on: April 03, 2008, 02:16:31 nachm. »
Quote
[...] Dem früheren Siemens-Direktor, der voll geständig sein soll und als Kronzeuge der Anklage gilt, werde Untreue vorgeworfen, heißt es bei Spiegel Online. Er soll jahrelang die schwarzen Kassen der Siemens Festnetzsparte (ICN) verantwortet haben, aus denen ab 2002 mindestens 200 Millionen Euro an Entscheidungsträger unter anderem in Russland, Nigeria oder Libyen geflossen sein sollen. Durch seine Aussagen gegenüber der Staatsanwaltschaft hätten die Fahnder tiefe Einblicke in die offenbar schon Jahrzehnte alte Schmiergeldpraxis des Konzerns erhalten.

Ex-Konzern-Chef von Pierer muss sich unterdessen keine Sorgen machen, wegen der skandalösen Vorgänge in seinem früheren Unternehmen, bei dem rund 1,3 Milliarden Euro in dunklen Kanälen verschwanden, selbst als Angeklagter vor Gericht zu landen. Laut Süddeutscher Zeitung ist die Münchner Staatsanwaltschaft davon überzeugt, dass der Führungsspitze der Siemens AG das System schwarzer Kassen nicht bekannt war. Vielmehr sei auf der Ebene unterhalb der Konzernspitze dafür gesorgt worden, dass kein Mitglied des Zentralvorstandes etwas von den Schmiergeldzahlungen erfährt. (pmz/c't)


Quote
3. April 2008 20:29
Lächerlich (Editiert vom Verfasser am 03.04.2008 um 20:29)
estraven60 (mehr als 1000 Beiträge seit 31.08.03)

"...ist die Münchner Staatsanwaltschaft davon überzeugt, dass der
Führungsspitze der Siemens AG das System schwarzer Kassen nicht
bekannt war. Vielmehr sei auf der Ebene unterhalb der Konzernspitze
dafür gesorgt worden, dass kein Mitglied des Zentralvorstandes etwas
von den Schmiergeldzahlungen erfährt."

1,3 Mrd. € sind verschwunden und keiner weiß was?

[...]


Quote
4. April 2008 12:54
Wo liegt das Problem
mounir (5 Beiträge seit 17.12.07)

Wenn Schmiergelder gezehlt wurden kam das sicher in Form von
lohnenden Aufträgen dem Unternehmen Siemens zu Gute.
Was ist daran so schlimm....
...okay die Art der "Auftragsbeschaffung"

Aber andersrum, wenn die Finanzbehörden auf diese Art und Weise an
Informationen kommen, dann ist es rechtens ?



Aus: "Bericht: Schmiergeld-Affäre bei Siemens wird ab Mai vor Gericht verhandelt" (03.04.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Bericht-Schmiergeld-Affaere-bei-Siemens-wird-ab-Mai-vor-Gericht-verhandelt--/meldung/106007


-.-

Quote
[...] Pierer und Kleinfeld hatten wiederholt erklärt, von dem Schmiergeldsystem nicht gewusst zu haben. Allein zwischen 2000 und 2006 sind bei Siemens nach Angaben des Konzerns etwa 1,3 Milliarden Euro in dunkle Kanäle geflossen.

Der neue Antikorruptionsbeauftragte Andreas Pohlmann hatte im Februar in einem SZ-Interview gesagt, es sei "kaum vorstellbar, dass aus einem Unternehmen eine so große Summe Geld verschwindet und die Führung davon nichts bemerkt". Zu dieser Ansicht waren auch einflussreiche Aufsichtsräte bei Siemens gelangt, die daraufhin den Wechsel an der Konzernspitze betrieben hatten. Ein Aufsichtsrat sagte am Mittwoch, er habe den Eindruck, dass man jetzt "die Kleinen hängt und die Großen laufen lässt".

Einen Monat nach der Großrazzia von Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei vom 15. November 2006, mit der die Affäre begonnen hatte, war der damalige Aufsichtsratschef Pierer bei Innenminister Beckstein vorstellig geworden. Das bestätigte die Staatsregierung auf Anfrage. Pierer habe "die Auswirkungen der Korruptionsaffäre auf die Siemens AG dargestellt". Er habe nicht versucht, über das Ministerium Einfluss auf die kriminalpolizeilichen Ermittlungen zu nehmen. Beckstein war als Innenminister für die Polizei zuständig.

Beteiligte an dem Ermittlungsverfahren haben Zweifel, ob der Skandal vollständig aufgeklärt werde. Angeblich habe der Vorgesetzte der Staatsanwaltschaft, Generalstaatsanwalt Christoph Strötz, gedrängt, die Ermittlungen rasch zu beenden. Strötz sagte auf Anfrage, das sei nicht der Fall. "Die Kollegen haben in jeder Hinsicht freie Hand." Das Justizministerium teilte mit, man habe nicht darauf gedrängt, das Ermittlungsverfahren bald abzuschließen.

[...]


Quote

03.04.2008 08:12:28

Dubitandumest:

Was ist denn das für ein komischer Laden, wo der Vorstand nicht mitkriegt, daß 1300 000 000(sic!) verschwinden?






Aus: "Korruptionsskandal bei Siemens: Staatsanwälte waschen Pierer rein" (02.04.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/213/166734/

-.-

Quote
[...] Was die vielen Beschuldigten zu Protokoll geben, die im Korruptionsskandal bei Siemens aussagen und gestehen, das liest sich spannender als mancher Kriminalroman.

Eine kleine Kostprobe genügt. Ein früherer Direktor des Weltkonzerns hat den Ermittlern erzählt, man habe sich bei den Schmiergeldzahlungen lange Zeit sehr sicher gefühlt. Intern sei geraunt worden, ein einflussreicher Kollege habe gute Kontakte zur bayerischen Justiz und gehe mit einem wichtigen Entscheidungsträger in die Sauna. So könne bei Bedarf alles unter den Teppich gekehrt werden.

Das stimmt so nicht, schließlich hat die Münchner Staatsanwaltschaft den größten Korruptionsfall in der deutschen Wirtschaftsgeschichte ausgegraben.

Andererseits fällt auf, dass die Strafverfolger längst nicht mehr so energisch nach der Verantwortung in der Konzernspitze forschen wie in den ersten Wochen nach der legendären Großrazzia bei Siemens vom 15. November 2006. Waren vermeintliche Sauna-Bekanntschaften gar nicht nötig, um Einfluss zu nehmen, weil andere Kontakte womöglich nützlicher gewesen wären?

Am 14. Dezember 2006 sprach der damalige Aufsichtsratsvorsitzende und frühere Konzernchef Heinrich von Pierer beim seinerzeitigen Innenminister Günther Beckstein (CSU) vor. Beckstein, heute Ministerpräsident, war für die Kriminalpolizei zuständig, die an der Seite der Staatsanwaltschaft eifrig fahndete.

Drei Tage vor Pierers Besuch bei Beckstein hatte der Skandal die Konzernspitze erreicht. Topmanager Thomas Ganswindt, der erst wenige Wochen vorher aus dem Siemens-Vorstand ausgeschieden und zu einem anderen Unternehmen gegangen war, kam in Untersuchungshaft. Ganswindt gestand, von Schmiergeldzahlungen in mehreren Ländern gewusst zu haben; er bestritt, das System der schwarzen Kassen und weltweiten Korruptionsdelikte gekannt zu haben.

Damals sah es so aus, als sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Ermittler den amtierenden Konzernvorstand vornehmen würden. Das Unternehmen, einer der größten Arbeitgeber in Bayern, war in Bedrängnis. Würde Siemens den Skandal überstehen? Pierer, einer der führenden Manager der deutschen Wirtschaft, schilderte Beckstein nach Angaben der bayerischen Regierung die Auswirkungen der Affäre auf den Konzern.

In der Folgezeit nahm das Verfahren offenbar eine entscheidende Wende. Fortan sah es so aus, als ermittle die Staatsanwaltschaft mehr in die Breite als nach oben. Ansätze für gezielte Untersuchungen, was im Topmanagement bekannt gewesen war, hätte es genug gegeben. Doch die Strafverfolger kümmerten sich lieber im Detail darum, wie bei Siemens auf der mittleren und unteren Ebene agiert worden war. Hatte das mit Pierers Besuch bei Beckstein zu tun?

Die Staatsregierung sagt, Pierer habe nicht versucht, auf die Ermittlungen Einfluss zu nehmen. Pierers Anwalt teilt mit, sein Mandant habe Beckstein über den damals bekannten Umgang des Falles informiert. Die "Gesamtsituation" habe ihn dazu veranlasst.

Pierer habe selbstverständlich nicht versucht, auf die Ermittlungen Einfluss zu nehmen. Und der Leiter der Staatsanwaltschaft, Christian Schmidt-Sommerfeld, sagt, dieses Gespräch habe keine Auswirkungen auf das Ermittlungsverfahren gehabt. "Die Tatsache des Gesprächs ist hier erst Monate später bekannt geworden."

[...]

Quote

03.04.2008 11:08:40

Einzelmeinung:

Ich freu' mich auf jeden Fall auf das Gesicht der Politesse, wenn ich ihr beim nächsten Knöllchen mit den Worten entgegen trete: "Gestatten, ich bin Heinrich von Pierer und möchte sie über die Gesamtsituation informieren." :-D


Quote
03.04.2008  09:12:53

Verleihnix1: Laut gedacht.........

Könnte es sein, daß dieser, Beckstein anschwärzende Bericht mit Bedacht heute erscheint, just an dem Tag, an dem die bayerische Landesbank bekannt geben wird, daß sich der Abschreibungsbedarf für geplatzte Hypothekengeschäfte auf 4 Milliarden Euro erhöht?

Und Parteichef und Finanzminister Huber abermals im Regen steht und keine glaubhaften Erklärungen abgeben kann, weil Beckstein die Zahl schon früher öffentlich gemacht hat?

Sind das Ablenkungs- und Verschleierungsmanöver um mit einem Ganovenstreich einen anderen wenige bedeutend erscheinen zu lassen?

Hat das Huber lanciert? Genauso, wie damals, als es um den Parteivorsitz ging und Huber nur deswegen gewonnen hat, weil vorher die außereheliche Affäre von Seehofer durch die Presse geschmiert wurde?

Sowas hat in der CSU Tradition. Man erinnere sich an Waigel, der den CSU-Vorsitz anstrebte und von Stoiber ebenfalls mit seiner Liebschaft abgeschossen wurde.

Oder an Monika Hohlmeier, die ihren Parteikollegen drohte, sie habe Dossiers über sie angelegt. [...]


Quote

03.04.2008 08:51:10

Einzelmeinung:

Man muss heutzutage schon froh sein, dass diese Unterredung offiziellen Charakter hatte und nicht auf dem Golfplatz geführt wurde...

...oder auf der Hochzeit von Christian Wulff, die lt. Bild, Gala, Focus, FAZ,

Spiegel, Bunte, Goldenes Blatt, etc.pp. "unter Ausschluss der Öffentlichkeit" (lol) stattfand und an der auch der RWE-Chef Großmann teilnahm. Natürlich rein privat.

Wie lobte man noch vor kurzem den Postwinkel? Er sei "außerordentlich gut vernetzt". Zu Zeiten der Bonner Republik hätte man gesagt: Er hat außerordentlich viele Vettern.


Quote

03.04.2008 08:39:25

California-Ralf:

Gute Beziehungen braucht man halt, das war doch schon immer so- besonders in Bayern.


Quote

03.04.2008 08:30:18

wrzkbrnft: Herr Pierer ist unschuuuldig

Nichts ist unmöglich, aber wahrscheinlich hat sich Herr Pierer nr wegen Graffiti-Schmierereien an der Siemenshauptverwaltung beschwert. Die Staatsanwaltschaft hat laut heutiger SZ festgestellt, dass Herr Pierer unschuldig ist - da gibt es doch auch Lute die an den Weihnachtsmann glauben.

Übrigens richtig los mit den Ermittlungen der seit Jahren bekannten Bestechungen gings erst nach der Benq-Affäre.


Quote

02.04.2008 18:48:20

Eurohasenbär:

Ich glaube Herr Ott täuscht sich, wenn er sagt: "Das stimmt so nicht, schließlich hat die Münchner Staatsanwaltschaft den größten Korruptionsfall in der deutschen Wirtschaftsgeschichte ausgegraben."

Es war doch damals vielmehr so, daß Schweizer Ermittler und die SEC bereits ermittelten und die deutsche Justiz zum Jagen getragen werden mußte. Man hat hier doch erst Ermittlungen aufgenommen, als man gesehen hatte, daß es nicht mehr anders ging.

Aber was soll man Anderes von einer Justiz erwarten, bei der Festplatten verschwinden, sobald FJS draufsteht.

Man kann es nur immer wiederholen:

Das ganze ist eine handfeste Mafia aus Politik-, Justiz- und Wirtschaftskreisen.

Früher hat man das sehr salopp als Vetternwirtschaft verharmlost.


Quote

02.04.2008 18:43:49

Einzelmeinung: Völlig normal

Pierer wollte doch nur abklären, ob Siemens zum Zwecke der Verbrechensbekämpfung heimlich Vorstandssitzungen filmen darf.

Dabei ergab sich auch die Gelegenheit, Informationen über die jeweiligen Erkenntnisstände auszutauschen und weiterhin enge Kooperation zu vereinbaren, um den Sachverhalt ohne Ansehen der beteiligten Personen aufzuklären.

Eben brutalstmöglich, wie man so schön sagt.



Aus: "Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer: Geheimnisvoller Besuch bei Beckstein" (02.04.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,tt2m1/wirtschaft/artikel/216/166737/

-.-

Quote
[...] Der frühere Siemens-Chef und Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich von Pierer will im ersten Prozess um den milliardenschweren Schmiergeld-Skandal die Aussage als Zeuge verweigern. Das teilte sein für Pressefragen zuständiger Anwalt Winfried Seibert am Mittwoch mit. Pierer mache mit Blick auf das gegen ihn laufende Ordnungswidrigkeiten-Verfahren von seinem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch. "Ich nehme an, dass das Gericht daraufhin von seinem Erscheinen absehen wird", sagte der Anwalt. Das Landgericht München I hatte Pierer ursprünglich für den 20. Juni als Zeuge im ersten Strafprozess um den Korruptionsskandal geladen. Angeklagt ist darin ein früherer Manager der Siemens-Festnetzsparte ICN, der den Aufbau schwarzer Kassen und die Abwicklung dubioser Zahlungen eingeräumt hatte.

[...] Gegen Pierer und andere Mitglieder der Siemens-Führungsspitze ermittelt die Staatsanwaltschaft München wegen des Verdachts einer Verletzung der Aufsichtspflicht. Dabei würde es sich um eine Ordnungswidrigkeit handeln, die mit einer Geldbuße von bis zu einer Million Euro belegt werden könnte. Seibert erklärte, der Schritt Pierers mache mit Blick darauf aus seiner Sicht Sinn. Der frühere Konzern-Chef müsse sich in der derzeitigen Situation "voll auf die Verteidigung in dem Ordnungswidrigkeiten-Verfahren konzentrieren. Jede Aussage, die einen ähnlichen Sachverhalt betrifft, kann kontraproduktiv sein."

Pierer selbst übernahm unterdessen in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit eine "politische Verantwortung" für die Affäre um schwarze Kassen während seiner Amtszeit als Vorstandsvorsitzender. "Wahrscheinlich hätte ich deutlicher sagen sollen, dass ich die politische Verantwortung trage für die Dinge, die während meiner Amtszeit geschehen sind", sagte Pierer. "Ich dachte, das bringe ich mit meinem Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender deutlich genug zum Ausdruck." Pierer war von 1992 bis 2005 Siemens-Chef und trat danach an die Spitze des Aufsichtsrats. Im Zuge der Korruptionsaffäre war er im April 2007 zurückgetreten.

In dem Schmiergeld-Skandal geht es um dubiose Zahlungen von 1,3 Milliarden Euro, die im Ausland zur Erlangung von Aufträgen eingesetzt worden sein sollen. Die größte Gefahr in dem Skandal droht dem Konzern von der mächtigen Börsenaufsicht SEC, die eine Milliarden-Strafe gegen Siemens verhängen könnte. Ein Ausschuss des Aufsichtsrats prüft auch mögliche Schadenersatzansprüche.

In dem Prozess vor dem Landgericht München I hatten vor Pierer auch mehrere andere Mitglieder der ehemaligen Siemens-Führungsspitze angekündigt, dass sie die Zeugenaussage verweigern wollen. Dazu gehören auch die früheren Zentralvorstände Heinz-Joachim Neubürger und Thomas Ganswindt, die als Beschuldigte im Siemens-Verfahren geführt werden.

Quote
11. Juni 2008 19:19
Das nennt man dann "politisch die Verantwortung uebernehmen"
copyandpaste (96 Beiträge seit 22.04.08)

Nicht zur Aufklaerung beitragen, nichtmal ne Ordnungswidrigkeit
riskieren wollen.
Aber "politisch die Verantwortung uebernehmen" ( ) , kostet ja nix.

http://www.heise.de/newsticker/Ehemaliger-Siemens-Chef-von-Pierer-uebernimmt-politische-Verantwortung-fuer-Schmiergeldaffaere--/meldung/109308





Quote
11. Juni 2008 19:17
oho
zwodrei (mehr als 1000 Beiträge seit 07.07.05)

Heinrich von Pierer, der große Innovationsberater. Gut, dass kein
Patentgesetz nach ihm benannt wurde. Pierer V oder so.


Quote
11. Juni 2008 20:06
Womit werden die fetten Managergehälter immer gerechtfertigt?
exil (mehr als 1000 Beiträge seit 31.12.02)

Mit Verantwortung?

...


Quote
12. Juni 2008 09:33
Ist wohl auch besser so
Sarkastho (605 Beiträge seit 29.08.06)

Irgendwann müsste man sonst zugeben, dass die Schmiergeldgeschichten
gensuso zum normalen Geschäftsablauf zählen wie Getränkeflaschen in
Sitzungssälen stehen.
Aber erst müssen ein paar Hundertausend Seiten Akten durchgekaut
werden, die die Staatsanwaltschaft Jahre und die Staatskasse
Millionen kosten ehe im Wirrwarr ein undurchsichtiger Kompromiss
geschlossen wird um die ganzen Peinlichkeiten zu beenden und jede
Seite sich zum Sieger erklärt.
Alles verlogene Säcke würde ich kurz und bündig resümieren. Nicht nur
bei Siemens ...



Aus: "Ex-Chef von Pierer will Aussage im Siemens-Prozess verweigern" (11.06.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Ex-Chef-von-Pierer-will-Aussage-im-Siemens-Prozess-verweigern--/meldung/109323

« Last Edit: Juni 12, 2008, 09:47:09 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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[Das Öl für Lebensmittel-Programm... (Irak, 2200 Unternehmen)]
« Reply #109 on: Juli 01, 2008, 09:44:24 vorm. »
Quote
[...] Unter den beklagten Unternehmen sind etwa der Ölmulti Chevron, die französische Großbank BNP Paribas, die Pharmakonzerne GlaxoSmithKline und Roche sowie Töchter von Schering Plough und ABB. Aus Deutschland werden Daimler, mehrere zum Siemens-Konzern gehörende Firmen sowie das Medizintechnikunternehmen B. Braun Melsungen genannt.
 
2200 Unternehmen beteiligt - Durch die Bestechungspraxis seien Milliarden Dollar verloren gegangen, "die sämtlich direkt in Lebensmittel, Medizin und andere humanitäre Güter übersetzt werden konnten, die für das irakische Volk bestimmt waren", heißt es in der Klageschrift. Es handle sich um den größten Finanzbetrug in der Geschichte der Menschheit. Die Korruption rund um das "Öl für Lebensmittel"-Programm habe Leben und Gesundheit der Iraker unmittelbar beeinträchtigt.
 
Das UN-Programm existierte von 1996 bis 2003 und hatte ein Gesamtvolumen von rund 67 Milliarden Dollar. Es erlaubte dem Irak, trotz der wegen seines Überfalls auf Kuwait verhängten Sanktionen begrenzte Mengen Erdöl zu verkaufen, um aus den Einnahmen Lebensmittel und andere Güter für die Bevölkerung zu kaufen. Einer Untersuchung im UN-Auftrag zufolge waren 2200 Unternehmen aus 66 Ländern an den Praktiken beteiligt, wodurch Vertreter Iraks in den Genuss von Zahlungen über 1,8 Milliarden gekommen seien.


Aus: "Bestechung unter Saddam - Irak fordert Schadenersatz" (Dienstag, 1. Juli 2008)
Quelle: http://www.n-tv.de/987338.html


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[17 ehemalige und derzeitige EADS-Manager... (Insiderwissen)]
« Reply #110 on: Juli 01, 2008, 09:48:50 vorm. »
Quote
[...] Nach einer längeren Vernehmung durch einen Ermittlungsrichter am Montagmittag sei Humbert in Polizeigewahrsam genommen, verlautete am Montag in Paris aus mit dem Fall befassten Kreisen. Humbert steht in Verdacht, Aktien mit Insiderwissen verkauft zu haben. Dabei geht es um die mögliche Kenntnis von noch nicht veröffentlichten Finanzprognosen und die im Juni 2006 bekanntgegebenen Lieferverzögerungen beim Super-Airbus A380.

Der 58 Jahre alte Humbert hat laut einem Bericht der französischen Finanzmarktaufsicht AMF im November 2005 160.000 EADS-Aktien verkauft, was ihm rund 1,65 Millionen Euro einbrachte. Er hatte die Führung von Airbus im Juni 2005 übernommen, nachdem er dort fünf Jahre lang Nummer zwei gewesen war. Im Juli 2006, wenige Wochen nach Bekanntgabe der Probleme beim Großraumflugzeug A380, musste er seinen Chefposten wieder räumen.

[...] Wegen mutmaßlicher Insidergeschäfte war im Juni auch der frühere Strategie- und Marketingvorstand Jean-Paul Gut vorübergehend festgenommen und nach einer Vernehmung gegen eine Kaution von 400.000 Euro freigelassen worden. Der Franzose hatte EADS vor einem Jahr verlassen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, von den später bekanntgewordenen Lieferschwierigkeiten beim Riesen-Airbus A380 gewusst zu haben. Gut soll daraufhin im November 2005 und im März 2006 einen Teil seiner EADS-Aktien abgestoßen und so rund 1,7 Millionen Euro gesichert haben.

 Wegen des gleichen Verdachts hatte die Justiz Ende Mai ein erstes Ermittlungsverfahren gegen Noël Forgeard eingeleitet: Der frühere EADS-Co-Chef soll ebenfalls in Kenntnis kursrelevanter Informationen einen Teil seiner EADS-Aktien verkauft und damit 4,3 Millionen Euro erzielt haben. Forgeard wurde nach der Vernehmung gegen Zahlung einer Kaution von einer Million Euro freigelassen.

Insgesamt hat die AMF 17 ehemalige und derzeitige EADS-Manager in Verdacht, sich mit Insiderwissen finanzielle Vorteile verschafft zu haben. Bisher haben die Ermittler noch keinen der amtierenden EADS-Manager zur Befragung einbestellt, die im Bericht der Finanzaufsicht benannt werden. Unter ihnen befindet sich auch Airbus-Chef Thomas Enders. Bei einer Anklage drohen den Führungskräften zwei Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe, die bis zum Zehnfachen des erzielten Gewinns betragen kann.


Aus: "VERDACHT AUF INSIDERHANDEL - Ex-Airbus-Chef Humbert in Polizeigewahrsam" (mik/AFP/dpa,  30.06.2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,563066,00.html


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[Offshorekonten sind somit eine gute Alternative... ]
« Reply #111 on: Juli 01, 2008, 10:04:05 vorm. »
Quote
[...] Nachdem in letzter Zeit der sechstgrößte Goldproduzent der Welt, Harmony Gold, in die negativen Schlagzeilen gerutscht ist, rutscht nun der CEO der Firma Mr. Bernard Swanepoel hinterher. In Südafrika läuft mittlerweile ein Verfahren gegen den Harmony Chef, da er angeblich über 74 sogenannte „Offshore Konten“ (Konten in Steuerparadiesen) verfügt, darunter einige auf den Bermudas, der Isle of Man und der Schweiz. Nach südafrikanischem Recht, ist der Besitz von mehreren ausländischen Konten nicht rechtmäßig. Die meisten der Konten weisen regelmäßige Bewegungen, von allerdings relativ kleinen Summen zu 5.000$ auf. Des weiteren soll noch eine weitere Anzahl an kleineren Konten, die auf den Namen des Marketing Direktors von Harmony Gold lauten, eingerichtet worden sein. Laut einem Sprecher hat Mister Swanepoel bei der südafrikanischen Zentralbank um Aufklärung dieses Falls gebeten, da er von diesen Konten noch nie etwas gehört habe und sie (die Konten) wahrscheinlich einer anderen Person gehören. Einzig auffälliges Phänomen ist, dass alle 74 Konten, mit einem bisher geschätzten Vermögen von 22 Millionen Pfund, auf den Inhaber Zacharias Bernardus Swanepoel eingetragen sind. Dies ist nämlich der gesetzlich richtige Name des Harmony CEO`s. Vielleicht kann sich Herr Swanepoel nur nicht mehr erinnern, dass er diese Konten eröffnet hat.

[...]


Aus: "Aktientipps, Märkte & Co - Rohstoff Express: Riesen Skandal In Südafrika? 74 Offshore Konten mit 22 Mio.!" Von Sebastian Hell (Dienstag, 17. Mai 2005)
Quelle: http://www.value-stocks.de/modules/news/article.php?storyid=599

-.-

Quote
[...] Im Gegensatz zur deutschen Regierung sind ausländische Regierungen weitaus weniger gierig. Auslands- bzw. Offshorekonten sind somit eine gute Alternative Ihr Vermögen zu schützen. Viele Länder sind an Ihrer Geldanlage interessiert; einige davon haben sehr attraktive Gesetze im Hinblick auf Bankgeschäfte und Ihre Privatsphäre. Viele dieser Banken liegen in sogenannten Steueroasen. Als Steueroasen werden Staaten oder Gebiete bezeichnet, die besonders niedrige Steuern erheben und so für Kapital aus Ländern mit höheren Steuersätzen attraktiv sind. Die Bezeichnung Offshore-Finanzplatz unterstreicht stärker regulatorische Besonderheiten, die allerdings auch in den meisten Steueroasen existieren: die Bankenaufsicht ist liberal und es wird Wert auf Diskretion gelegt. Die meisten Offshore-Finanzplätze sind Steueroasen.

Um Ihr Vermögen langfristig ohne hohe Gebühren und Steuerabgaben zu sichern, sollten Sie sich mit diesem Thema detaillierter auseinandersetzen. Mit dem notwendigen Know-how ist die Konteneröffnung im Ausland nicht schwieriger oder risikoreicher als die Eröffnung eines Kontos in Ihrem Heimatland.

Alles, was Sie über Anonym- und Offshore-Banken und -Konten wissen müssen, lesen Sie in diesem Ratgeber!

Autor: Dr. Claus-Peter Bienen
Umfang: 74 Seiten
Erscheinungsdatum: 2008 (5. Auflage)
Verlag: GD-Verlag | Gentlemen's Digest
eBook: EUR 19,95


Aus: "Auslandskonto 2007/2008 | Anonym- u. Offshore-Konten" (Gentlemen's Digest Ltd. & Co. KG, Stand: 06/2008)
Quelle: http://www.gdigest.com/product_info.php?products_id=308



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Quote
[...] Die Ermittler des US-Justizministeriums fordern von der Schweizer Großbank UBS Informationen über US-Bürger, die möglicherweise mit Hilfe von Offshore-Konten Steuern hinterzogen haben. Das Ministerium beantragte bei einem Bundesgericht in Miami, der Steuerbehörde IRS eine gerichtliche Aufforderung der UBS zu genehmigen. [...] Nach verschiedenen Medienberichten soll es sich um die Daten von bis zu 20.000 vermögenden amerikanischen Kunden handeln. [...] Laut den in der Schweiz geltenden Regeln, dürfen Banken Kundendaten nur weitergeben, wenn gegen konkrete Personen strafrechtlich relevante Vorwürfe erhoben werden. Steuerhinterziehung ist in der Schweiz aber kein Straftatbestand.

[...]


Aus: "STEUERHINTERZIEHUNG - US-Justiz verlangt Daten von Tausenden UBS-Kunden" (01.07.2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,563094,00.html


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[Tausende neue Belege... (BRD, Liechtenstein)]
« Reply #112 on: August 05, 2008, 09:35:40 vorm. »
Quote
[...] Nach Informationen der Frankfurter Rundschau verfügt das Landgericht Rostock seit dem 1. August 2008 über rund 1850 Belege von unbekannten Konten deutscher Bürger, die im Verdacht stehen, Steuern hinterzogen zu haben. Es handelt sich dabei um Konten der Liechtensteinischen Landesbank (LLB), die im Prozess wegen millionenschwerer Erpressungen von der Verteidigung vorgelegt wurden. Vier Angeklagte sollen rund 2500 Kontenbelege der LLB illegal beschafft haben und erpressten damit die Landesbank im Juli 2005 mit einer Forderung in Höhe von 13 Millionen Euro. Die traditionsreiche Bank ging aus Imagegründen auf den Deal mit den Erpressern ein und bezahlte in einer ersten Rate rund neun Millionen Euro für die Herausgabe der Daten. Der Mitangeklagte Michael F. aus Rostock wurde in Deutschland verhaftet, als er versuchte mit 452.000 Euro im Gepäck nach Thailand auszufliegen und damit die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ins Rollen brachte.

...


Aus: "Liechtensteiner Steueraffäre" (3. August 2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Steueraff%C3%A4re_in_Deutschland_2008

-.-

Quote
[...] Nach der Affäre um Ex-Postchef Klaus Zumwinkel, der wie viele andere reiche Deutsche Schwarzgeld bei der Treuhandgesellschaft der LGT-Bank deponiert hatte, ist die in Rostock verhandelte Affäre der zweite bundesweite Skandal um Liechtensteiner Geheimkonten. Auch hier hatte ein Angestellter heimlich brisante interne Belege kopiert. In der Affäre um Treuhandstiftungen bei der LGT-Bank geht es um rund 800 Belege, die der Bochumer Staatsanwaltschaft vorliegen. (sf/ddp)


Aus: "Steueraffäre: Tausende neue Belege über Sünder aufgetaucht" (ZEIT online, Tagesspiegel | 02.08.2008)
Quelle: http://www.zeit.de/news/artikel/2008/08/02/2584624.xml

-.-

Quote
[...] Vor dem Rostocker Landgericht müssen sich April vier Angeklagte wegen millionenschwerer Erpressung der LLB verantworten. Sie sollen sich laut Anklage mehr als 2.300 von einem LLB-Mitarbeiter gestohlene Kontenbelege verschafft haben, um damit Kunden sowie die Bank zu erpressen. Im Juli 2005 sollen sie 13 Mio. Euro in drei Raten von der LLB gefordert haben. Um einen Imageschaden zu verhindern, zahlte die Bank laut Staatsanwaltschaft für die ersten Daten umgerechnet rund 9 Mio. Euro in zwei Raten.

...


Aus: "Steueraffäre Liechtenstein Fahnder entdecken 1850 Geheimkonten" (02.08.2008)
Quelle: http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Steueraff%E4re_Liechtenstein_Fahnder_entdecken_1850_Geheimkonten/393445.html


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[So gross und so mit dem Finanzsystem verwoben... ]
« Reply #113 on: September 07, 2008, 07:36:50 nachm. »
Quote
[...] Der Staat werde die beiden Konzerne bis zu deren Stabilisierung führen.

Die beiden Unternehmen seien «so gross und so mit dem Finanzsystem verwoben, dass das Scheitern eines der beiden grosse Unruhe auf dem Finanzmarkt hier und in der ganzen Welt auslösen würde», sagte Paulson.

[...] Die Lage der beiden Institute spitzte sich am Freitag nach Presseberichten über dringend benötigte staatliche Finanzhilfen zu. Die Aktie von Fannie Mae brach um 24% ein, jene von Freddie Mac um 19 Prozent.

[...] Eine staatliche Rettungsaktion könnte die Steuerzahler nach Schätzungen der Haushaltsbehörde des Kongresses etwa 25 Milliarden Dollar kosten.


Aus: "Staat übernimmt Ruder bei Fannie und Freddie - Amerikanische Baufinanzierer unter Kontrolle der Regierung" (7. September 2008, 18:24, NZZ Online)
Quelle: http://www.nzz.ch/nachrichten/panorama/staat_uebernimmt_fannie_und_freddie__1.826129.html


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[Eine stolze Bank nach der anderen ist gekippt... ]
« Reply #114 on: September 16, 2008, 11:00:09 vorm. »
Quote
[...] Mehrere Chauffeure parkten die dunkelverglasten Limousinen ihrer Chefs in einer Seitenstraße so ungünstig, dass keine anderen Autos mehr durchkamen. Der Stau musste von uniformierten Beamten der Fed aufgelöst werden. In guten Zeiten bezeichnen sich Investmentbanker gerne als "Masters of the Universe". In schlechten Zeiten verhalten sich zumindest ihre Chauffeure noch so.

[...] Mit Normalität hat das nichts mehr zu tun, trotz der unbeirrt weiterflimmernden Bildschirme an der Gebäudefassade: Hunderte Angestellte verlassen das Gebäude mit Taschen und Kisten. Aus einigen ragen Tennisschläger heraus. Andere holen sogar ihre Blumen aus den Büros. Es wirkt nicht wie ein geordneter Auszug, sondern wie eine Plünderung. Ein Panflötenspieler hat möglicherweise begriffen, was die Stunde geschlagen hat, und spielt in einer Endlosschleife "My heart will go on".

Lehman Brothers, vergangenes Jahr der größte Zeichner von Hypothekenpapieren, existiert nicht mehr. Eine 158-jährige Firmengeschichte geht zu Ende, 24.000 Mitarbeiter stehen vor einer ungewissen Zukunft.

Bei der Fed laufen am frühen Abend immer noch Leute ein. Kaum einer verlässt das Gebäude. Nach und nach dringen weitere Nachrichten durch, die die Bankenwelt erschüttern: Der noch vor kurzem weltgrößte Versicherungskonzern AIG möchte schon am Montag einen Sanierungsplan vorlegen und 40 Mrd. $ an frischem Kapital aufnehmen. Laut "Wall Street Journal" bittet das Unternehmen sogar die Fed um Hilfe - obwohl diese eigentlich nur für Banken zuständig ist.

Währenddessen schaffen es die beiden Vorstandschefs Kenneth Lewis und John Thain laut übereinstimmenden Berichten, die Übernahme von Merrill Lynch durch Bank of America unter Dach und Fach zu bringen. Das bedeutet, dass es auf einen Schlag nur noch zwei große US-Investmentbanken gibt. Vor dem Wochenende waren es noch vier. Spätestens jetzt ist klar: An diesem Wochenende wurde das US-Finanzsystem in seinen Grundfesten erschüttert.




Aus: "US-Finanzkrise - Tage des Umsturzes an der Wall Street"
von Sebastian Bräuer und Astrid Dörner (New York, 15.09.2008)
Quelle: http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/:US-Finanzkrise-Tage-des-Umsturzes-an-der-Wall-Street/413835.html


-.-

Quote
[...] Hamburg - Für Lehman Brothers Chart zeigen hob niemand mehr die Hand. In sich zusammengesackt war das Vertrauen der Banker gegenüber dem angeschlagenen Institut, als die Teilnehmer der sonntäglichen Krisensitzung um Notenbankchef Ben Bernanke und US-Finanzminister Hank Paulson Wege zur Rettung der Bank ausloteten. Viel zu riskant, so die einhellige Meinung der versammelten Bankenchefs.

Doch damit sind sie alles andere als fein raus. Mit der kurz darauf verkündeten Insolvenz von Lehman beginnen erst die Aufräumarbeiten. Und diejenigen Banken, die bislang vergleichsweise verschont geblieben sind, werden sich daran beteiligen müssen: Weil die Politik es von ihnen erwartet, und weil sie sonst vermutlich selbst rasch in einen Abwärtsstrudel geraten würden.

Zehn Banken haben einen Nothilfefonds gebildet und jeweils sieben Milliarden Dollar eingezahlt. Zu dem Verbund gehören J. P. Morgan, Goldman Sachs, die Bank of America, die britische Barclays, die Citigroup, Merrill Lynch, Morgan Stanley, die Schweizer Credit Suisse und UBS. Auch die Deutsche Bank macht als bislang einziges deutsches Institut mit.

Die beteiligten Banken versichern sich gegenseitig Hilfe, "damit keine weiteren Institute über die Klinge springen", wie Analyst Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus nüchtern sagt. Ob das Erfolg haben wird, ob der Kapitaleinsatz genügt, sei offen. "Die Aktion zeigt, wie turbulent sich das Finanzsystem präsentiert."

Die Gefahr, dass ein weiterer Finanzkonzern kollabiert, ist mit der Pleite von Lehman rapide gewachsen. Denn nun drohen all die belastenden Papiere und Konzernteile von Lehman auf den Markt zu kommen. Doch der gilt bereits jetzt als nahezu ausgetrocknet. ABS-Papiere, die auf US-Immobilien basieren, will niemand mehr haben.

Damit bekommt eine gefährliche Abwärtsspirale neuen Schwung: Die Pleite einer Bank wie Lehman Brothers sorgt dafür, dass die Bewertungen der sogenannten Asset Backed Securities noch weiter unter Druck kommen. Da Banken jedoch derzeit dazu verpflichtet sind, ihre Positionen nach dem Mark-to-market-Prinzip zu bewerten, müssen sie jeden weiteren Wertverfall der ABS-Papiere in ihren Bilanzen berücksichtigen, also weitere Abschreibungen in Milliardenhöhe vornehmen.

Das bedeutet: Je tiefer die Preise auf einem bereits ausgetrockneten Markt fallen, desto größer das Risiko für alle Banken, die solche Wertpapiere noch in ihren Bilanzen halten. Es gilt also, die Bewertungen vor einem weiteren Absturz zu bewahren.

"Wenn jetzt Lehman kommt und einfach den ganzen Mist verkauft, den die Bank so hat, dann gibt es auf einmal sehr niedrige Bewertungen in den Portfolios anderer Banken", sagt ein Finanzmarktexperte gegenüber manager-magazin.de. "Deshalb ist es im Sinne dieser Banken, einen Auffangfonds zu gründen, in dem man diesen 'Fire sale', also den Notverkauf um jeden Preis, verhindert."

Denn so lautet das Horrorszenario der Überlebenden: Eine Bank wie Lehman Brothers muss Papiere um jeden Preis verkaufen, und irgendein Hedgefonds wittert seine Chance und sammelt die Werte mit einem nochmals gehörigen Abschlag am Markt ein. Damit definiert er ein neues, noch tieferes Preisniveau, das die Bilanzen der anderen Banken sprengen könnte.

"Wenn diese kaputten Assets in einem Fire Sale zu Ramschpreisen verkauft werden, würde das eine Preisanpassung bedeuten, die bei Weitem mehr kosten würde als diese sieben Milliarden Dollar, die die Banken jeweils einzahlen", sagt der Kreditstratege. "Es ist also rational von den Banken, das Geld in die Hand zu nehmen und diesen Fonds zu gründen."

Nicht nur die übel beleumundeten Supbrime-Papiere unterer Kategorien sind betroffen. Auch für Papiere, die als deutlich sicherer gelten, lassen sich kaum Preise realisieren, die eines Tages durchaus wieder gezahlt werden dürften. Mit allen Mitteln versuchen die Banken, hohe Buchwerte für diese Positionen über die Zeit zu retten.

Auch Institute wie die Deutsche Bank versuchen daher das plötzliche Entstehen einer "Bad Bank" in den eigenen Reihen zu verhindern. Noch halten sich die Initiatoren des nun aufgelegten Rettungsfonds bedeckt, wie sie genau vorgehen wollen. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass sie die Überbleibsel von Lehman gezielt unter die Lupe nehmen. "Definitiv werden Lehman-Assets gekauft werden", heißt es bei einer Großbank.

Die Banken schicken sich mit dem Notfonds nicht nur an, ihre eigenen Bilanzen zu schonen und den Kollaps des einen oder anderen Instituts zu verhindern. Immer mehr geht es auch darum, die drastischsten Auswirkungen auf die Konjunktur zu verhindern. Doch dieser Kampf ist nach Ansicht mancher Experten schon längst verloren.

[...] Die Deutsche Bank etwa dürfte sich vor allem um ihr Kreditportfolio sorgen, wenn es zu einem drastischen Wirtschaftsabschwung in den USA und anderen Teilen der Welt kommt.

Diese sogenannten Drittrundeneffekte der Kreditkrise zeichnen sich bereits in den USA ab. Die Arbeitslosigkeit steigt, Reallöhne sinken wegen der Inflation; Ersparnisse, die aufzulösen wären, gibt es nicht oder sollen angesichts der Krise geschont werden. "Die Folge könnte auch eine Rezession im privaten Konsum sein", sagt Schilbe. "Schon jetzt steigen die Ausfallraten bei Konsumentenkrediten und, Autokrediten in den USA. Da müssen die Banken versuchen, Einhalt zu gebieten."

Das deutsche Bankensystem gerät indirekt in diesen Strudel. Anders als manche US-Bank verfügen die deutschen Institute zwar über zum Teil hohe Einlagen. Allerdings würden wegen des heraufziehenden Abschwungs weniger Kredite nachgefragt.

Die dritte Phase der Kreditkrise, der volkswirtschaftliche Abschwung würde sich auch für das Bankensystem noch weit heftiger bemerkbar machen als einfache Liquiditätsprobleme, Abschreibungen und Verluste bei den Banken. Ausfallwerte steigen signifikant an.

"Wenn es dazu kommt, gibt es lauter kleine Nadelstiche für alle Banken", sagt der Finanzmarktexperte, der nicht namentlich genannt werden will. "Dann müssen die Banken über einen längeren Zeitraum hier 'ne Milliarde, und da 'ne Milliarde Euro abschreiben. Das wird das Bankensystem 2009 noch schwer belasten."

Der nun aufgelegte Bankenfonds ist aus Sicht manches Beobachters lediglich der Versuch, den allerschlimmsten Fall zu verhindern. "Es geht nur noch darum, den Worst Case, das Zusammenbrechen des Finanzsystems, zu verhindern", sagt der Experte weiter.

...


Aus: "KRISENFONDS - Retten, was (nicht) zu retten ist" Von Nils-Viktor Sorge
Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,578268,00.html

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Quote
[...] Der Gouverneur des Bundesstaates New York, David Paterson, sieht nach dem Kollaps der Bank Lehman Brothers bis zu 30.000 Stellen an der Wall Street in Gefahr. Die ganzen Auswirkungen der Krise dürften erst in Monaten oder gar Jahren klarwerden, sagte er. Nach Angaben des New Yorker Arbeitsamts seien im Juli 181.000 Menschen an der Wall Street beschäftigt gewesen, 11.000 weniger als im Vorjahr.


Aus: "Börsenkrise - "Schwarzer Dienstag" in Asien" (16.09.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/369/310299/text/

-.-

Quote
[...] Eine stolze Bank nach der anderen ist gekippt. Sie sind zusammengebrochen in der größten Finanzkrise, die die Welt seit 80 Jahren gesehen hat. Innerhalb von nur sechs Monaten sind drei der fünf großen Investmenthäuser untergegangen. Im März musste der amerikanische Staat bei Bear Stearns einspringen. Vergangene Woche trudelte Lehman Brothers in die Pleite. Und in der Nacht zu Montag wurde auch noch Merrill Lynch eilig verkauft. Zwei große Investmentbanken sind übrig geblieben: Goldman Sachs und Morgan Stanley. Niemand weiß, was aus ihnen wird. Die Geldhäuser selber behaupten, dass sie stark genug seien, die Krise zu überstehen. Aber das haben die Kollegen der drei anderen Häuser vor einem halben Jahr auch behauptet.


Der Aufstieg und der Fall der großen Investmentbanken zeigen, wohin Gier führen kann - auf dem Weg nach oben, aber auch nach unten. Amerikas Aufstieg zur größten Wirtschaftsnation der Welt wäre ohne die Geldmaschine der Wall Street unmöglich gewesen. In den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat Washington die Finanzhäuser und die Börsen von ihren Fesseln befreit. Seither haben sich die Kapitalmärkte zu dem am stärksten globalisierten Handelsplatz entwickelt. Sie haben das Geld beschafft, damit die Welt schneller wachsen kann. Sie haben zugleich die Unternehmen verändert. Heute folgen Konzernchefs dem Takt, den Analysten vorgeben, Hedgefonds entmachten Vorstände, und Heuschrecken-Investoren fleddern Traditionsfirmen.

Gehandelt wird auf diesem globalen Finanzmarkt in Lichtgeschwindigkeit. Angeboten werden hochkomplizierte Produkte, die selbst viele Banker kaum noch verstehen. Diese Instrumente, die vor allem an der Wall Street erfunden wurden, sollten das Weltfinanzsystem sicherer machen - doch sie haben es unsicherer werden lassen. Die Banker haben Kredite verpackt und weiterverkauft, sie haben Wertpapiere zerlegt und neu zusammengesetzt. Sie haben behauptet, dass man Risiken nur auf möglichst viele Investoren verteilen müsse, damit sie für niemanden zur Gefahr werden. Doch die Finanzkrise zeigt, dass die Risiken sich dort ballen, wo sie nicht mehr sein sollten: bei den großen Banken und Fonds.

Es ist dabei eine bittere Ironie der Geschichte, dass eine der größten Gefahren derzeit von einem Finanzprodukt ausgeht, mit dem man sich gegen Pleiten versichern kann: den sogenannten Credit Default Swaps. Erfunden wurden diese Papiere erst vor wenigen Jahren. Banken und Fonds nutzten sie schon bald nicht nur dazu, sich gegen Risiken zu versichern, sondern auch dazu, auf die Pleite eines Unternehmens zu wetten. Der legendäre Investor Warren Buffett bezeichnete diese Papiere einmal als "finanzielle Massenvernichtungswaffen".

Der Sturz der Investmenthäuser trifft Amerika ins Mark. Er zeigt, dass der Boom dieses Landes zu einem großen Stück auf der Selbsttäuschung beruhte, dass Geld sich beliebig vermehren ließe. Und dass es im Überfluss vorhanden sei. Die Wall Street hat das ganze Land mit Geld versorgt, die Unternehmen, die hochverschuldeten Immobilienbesitzer und die ebenfalls hochverschuldete Regierung. Die Banken und Fonds haben den Politikern in Washington zudem mehr Geld gespendet als irgendjemand sonst; niemand, der ins Weiße Haus einziehen will, kommt ohne ihre finanziellen Gaben aus - weder John McCain noch Barack Obama.

Die Wall Street hat eine schier unerschöpfliche Geldmaschine befeuert, die nun nicht mehr funktioniert. Seit die Blase am amerikanischen Immobilienmarkt im Frühjahr 2007 geplatzt ist, entfaltet sich eine beispiellose Krise. Und deshalb funktioniert auch Amerikas Wirtschaft nicht mehr wie gewohnt. Das Land steht vor einer Rezession, wie es sie seit langem nicht erlebt hat.

...

Quote
16.09.2008 08:09:27

cooldog:
Der Boom der USA beruhte auf der Illusion, dass sich Geld beliebig vermehren
liesse, lese ich da. Bis vor einem Jahr klang das noch ganz anders, da wurde
von den neoliberalen Ideologiefunktionären hierzulande die `dynamische US-Wirtschaft'
hofiert bis zum Abwinken. Wie oft wurde zB der fehlende Kündigungsschutz
in den USA gepriesen als Grund für den scheinbar immerwährenden Aufschwung
dort, im Unterschied zum `verkrusteten' Deutschland.
Meiner Meinung nach ist hierzulande vor allem eine Konsequenz notwendig:
die schonungslose Abrechnung mit den selbsternannten Wirtschaftsexperten
in den Wirtschaftsredaktionen und den Wirtschaftsinstituten die hier wieder mal
ihre völlige Inkompetenz und ideologische Verblendung schlagend unter Beweis gestellt
haben.


Quote

16.09.2008 08:54:24

Gerard1808: Zu Aquarius

Ich bin mit dir total einverstanden. Was ein Bankier macht ist viel schlimmer als der Räuber mit Hartz IV, der stehlen muss um den Monat abzurunden. Die Schaden sind viel größer. Bloß er muss ins Gefängnis und der Man mit dem schönen Anzug, schöne Frisur und schöne Krawatte geht vielleicht mit einem Golden Parachute von X-Millionen unbestraft davon.

Wir sollten uns auch Fragen um unsere Medien (Presse), Politikern, sogenannte Experten (Ifo-Institut), die das nicht vorausgesehen haben, weil sie Diener einer neoliberalische oder anarcho-liberlische Idee waren. Ich vergesse nicht Stoiber, als er sagte, dass wir das Beispiel von Spanien und England folgen sollten, und vergesse auch nicht unseren bayrische Finanzminister, der im Aufsichtsrat von bayrischen LB sitzt und denkt, er hat keinen Grund in der Politik aufzugeben. Ich vergesse auch nicht die Leute (wie Clemens und Schroeder, die von der Politik zu Firmen gehen, die sich das Geld aus der Taschen unserer Bürgern holen).

Es muss einfach mehr Ethik geben. Wir können das aber von Niemand (Mann, Unternehmen) spontan erwarten. Die Gesetze; Grenzen, sollen deutlicher sein. Wir müssen auch ein gemeinsames realistischer Projekt mit mehr Gerechtigkeit, Gleichheit und Solidarität, eigentlich sind wir eine Republik. Das haben viele, die zurück ins XIX Jahrhundert wollen, vergessen.


Quote

16.09.2008 08:53:47

rallmans: Wie bei Asterix

Das amerikanische WWirtschaftssystem der Jetztzeit erinnert mich an "Asterix und der Avernerschild": In Alesia leben die Händler davon, dass sie sich gegenseitig Wein und Kohle verkaufen. Produzieren tut niemand.

Und so auch in den USA. Gut verdienen taten die, die sich gegenseitig was verkauften: Häuser, Wertpapiere, Schulden und viele schöne andere Sachen. Die Produktion war unwichtig, brachte auch viel weniger Gewinn, die Bezahlung der Industriearbeiter wurde immer schlechter. Man konnte ja auch alles so billig aus dem Ausland haben, sollten die doch produzieren.

Jetzt wird, wenn auch in einem anderen Zusammenhang, der schön erfundene Satz vom Geld, das man nicht essen kann, wahr. Und die industriellen Strukturen - Fabriken, Entwicklung, Facharbeiter - sind, bis auf wenige Ausnahmen (Boing, GE) nicht mehr da. Auch wenn der $-Kurs sinkt bleibt das Handelsbilanzdefizit gleich, die US-Industrie hat nicht mehr dei Möglichkeit den Bedarf zu befriedigen.

Aber, so lange es gut ging war alles toll.


Quote

16.09.2008 10:08:18

Donata1: Jolandos: wohl gesprochen - geschrieben:

Den Artikelverfassern von SZ darf man es wohl nicht verübeln, dass man eins ums andere Mal nurmehr mässigen Boulevardjournalismus liest. Zur Meinungsbildung allerdings muss man sich einiges fragen, da er in Reihe Westentaschenbanker produziert, die für manche Fehlstellung verantwortlich sind - wenn in Deutschland gewählt wird beispielsweise, wenn über Deutschlands Rolle innerhalb der EU und NATO verhandelt wird. In der Summe wird solch Halbkenntnis- und -wahrheitsjournalismus dann schon zu einem Problem. Hoffen wir also auf den mündigen, sich doch noch gründlicher informierenden Bürger.

Ich bin sehr gespannt, was ein Verfasser wie H. Schäfer oder Herr von Hagen in - sagen wir 6, 8 Monaten schreibt? Ich prophezeie das Ärgste: es wird die USA immer noch geben, es wird hochinteressante prosperierende Neuerungen geben - und Jolandos: sehr richtig: es wird im Moment unglaublich "Geld gemacht". Eine heisse Küche ist halt nicht für jedermann das richtige Umfeld.


Quote

16.09.2008 10:57:02

LeanderSellenthin: Es war und ist keine "Selbsttäuschung"...

es ist Lüge!

Genauso wie Menschen lügen, wenn sie von sicherer Atommülllagerung reden, wenn Werbefritzen unwichtige Produkte verkaufen wollen, wenn Politiker den Schuldenberg weiterhin behäufen und vom "ausgeglichenem" Haushalt sprechen, wenn Industrielle mit Globalisierung deutschen Arbeitswert verbilligen müssen wollen, wenn Dumme erzählen, der heutige Kapitalismus funktioniert ewiglich.

Man muss den Menschen nur beschäftigen, egal womit und wenn es schwere unterbezahlte Arbeit sei, er darf um Gottes Willen nicht anfangen selbstständig zu denken! Immerhin fragte Brecht schon vor langer Zeit, wer ist den nun der Verbrecher, der der eine Bank ausraubt, oder der der eine eröffnet?



Aus: "Wall Street - Der Absturz" Ein Kommentar von Ulrich Schäfer (15.09.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/340/310270/text/

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Quote
[...] Die Europäische Zentralbank hat die Geschäftsbanken des Euroraums erneut mit zusätzlichen liquiden Mitteln in Milliardenhöhe versorgt, um ein Austrocknen der europäischen Kreditmärkte zu verhindern. Die Notenbank teilte den Geschäftsbanken 70 Milliarden Euro für einen Tag zu, teilte die EZB in Frankfurt mit. Bereits am Montag hatte die EZB gegen Liquiditätsengpässe am Geldmarkt 30 Milliarden Euro bereitgestellt. Damit soll eine Kreditklemme der Banken verhindert werden.

Am Dienstag lag die Nachfrage nach dem zusätzlichen Geld mit 102,48 Milliarden Euro höher als die ausgeschriebene Summe. Der Durchschnittszins betrug 4,40 (Vortag: 4,39) Prozent, teilte die EZB mit. Dies ist etwas höher als der Leitzins - zu dem Banken sich derzeit von der EZB Geld leihen können - von 4,25 Prozent.

Gleichzeitig erhöhten sich die Verbraucherpreise um 3,8 Prozent, während sie im Vormonatsvergleich um 0,1 Prozent sanken.Die Vorabschätzung für die Jahresrate wurde damit wie erwartet bestätigt.
Auf Monatssicht hatten Volkswirte im Mittel aber einen etwas stärkeren Rückgang um 0,2 Prozent prognostiziert. Im Juli und Juni hatte die jährliche Inflationsrate mit jeweils 4,0 Prozent den höchsten Stand seit der Einführung des Euro verzeichnet.




Aus: "EZB - Milliarden in den Markt gepumpt" (16.09.2008)
Quelle: http://www.fr-online.de/top_news/1595065_Milliarden-in-den-Markt-gepumpt.html

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Quote
[...] Die US-Notenbank rettet den ums Überleben kämpfenden Versicherungskonzern American International Group (AIG) mit einem Kredit in Höhe von 85 Milliarden Dollar - umgerechnet 60 Milliarden Euro. Im Gegenzug werde die Regierung einen Anteil von 79,9 Prozent an AIG übernehmen, erklärte die Fed in New York.

Ein Bankrott des Versicherers könne die wegen der Finanzmarktkrise bereits angeschlagenen Märkte untergraben, begründete die Fed ihre Entscheidung. Das Weiße Haus erklärte, man unterstütze den Rettungsplan.

...

[...] Die angekündigten Schritte sollten die Finanzmärkte stabilisieren und den Schaden für die Wirtschaft begrenzen, sagte Sprecher Tony Fratto. Auch Finanzminister Henry Paulson erklärte, er stehe hinter dem Megakredit.

Die Rettungsaktion läuft ähnlich ab wie die Hilfe für die Hypotheken-Banken Fannie Mae und Freddie Mac. Der Investmentbank Lehman Brothers hatte Washington am Wochenende dagegen Unterstützung durch Steuergelder verweigert.

...

Quote

17.09.2008 08:20:08

Feinstpartikel: Kalte Enteignung

In den USA, dem Mutterland der Idee vom freien Spiel der Marktkräfte, wird vorgemacht, wie sie funktioniert.

79,9 % der AIG sind über Nacht in die Hände der Regierung gelangt (keine 10 Oskar L.s. würden hierzulande ähnliches zustande bringen).

Werden die glühenden Verfechter-/AnbeterInnen der "freien" Marktwirtschaft nunmehr auch diese Vorgehensweise als die allein selig machende propagieren?

Ich bleibe sehr gespannt.


Quote

17.09.2008 08:17:25

ganescha40: Und was kommt als nächstes?

„Ein Bankrott des Versicherers könne die wegen der Finanzmarktkrise bereits angeschlagenen Märkte untergraben, begründete die Fed ihre Entscheidung. Das Weiße Haus erklärte, man unterstütze den Rettungsplan.“

So langsam habe ich es echt satt! Wenn Milliarden verdient (?) wurden und als Gewinne den „Großmeistern“ des Geldes in die Taschen flossen, war der Markt das allein selig machende Instrument. Wenn aber umgekehrt die „Großmeister“ des Geldes als naive Zauberlehrlinge entlarvt wurden, Milliarden in den Sand gesetzt hatten und damit gleichzeitig Tausende von Arbeitsplätzen vernichteten, ist der Staat (und damit der Steuerzahler!) gefragt, der den Herrschaften ihre Sessel retten soll. „Die Geister, die ich rief, die werd ich nicht mehr los.“ Das Ganze ist eine Tatsache, die man leider nicht mehr ändern kann.

Aber warum lässt man hier nicht auch den Märkten freies Spiel? Märkte sind doch in der Terminologie dieser „Marktwirtschaftler“ effizient. Das würde aber bedeuten, dass einige Unternehmen der Finanzbranche vom Markt verschwinden würden. Warum auch nicht? Wer schert sich denn darum, wenn Unternehmen in anderen Branchen in die Insolvenz gehen? „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“.

Und komme mir jetzt nur keiner mit dem „Argument“, dass dann die ganze Kreditwirtschaft zusammenbrechen würde! Das ist eine bloße Schutzbehauptung und steht in absolutem Widerspruch zum Credo der freien Marktwirtschaft. Es würden doch dann die „guten“ Finanzierer übrig bleiben, die nicht auf Eigenkapitalrenditen von 25% und mehr gesetzt haben (das sollte sogar jeder noch so naive Zeitgenosse verstanden haben, dass so etwas auf Dauer unmöglich funktionieren kann). Also warum immer wieder diese „Rettungsaktionen“? Das ist genau wie bei einem Rauschgiftsüchtigen, dem man immer wieder seine Droge gibt (= Stützung durch die Notenbanken), damit er kurzfristig auf die Beine kommt und dann nachher wieder um so schlimmer in den Entzug gerät.


Quote

17.09.2008 08:15:41

reinhardbuest: Finanzmärkte

Sie haben sich verspekuliert vor lauter Gier und einige der Investmentbanker, die sunnyboys der letzten Jahre müssen nun angeln oder segeln gehen. Gottlob, sie haben ja den einfachen Steuerzahler, der in der Not beispringt und sich geduldig schröpfen läßt, gern auch auf Kosten lünftiger Generationen. Natürlich werden die Apologeten des freien Marktes am Ende wieder behaupten, der freie Markt regele alles zum Besten, wenn man ihn nur lasse und jeder andere Gedanke oder gar Zweifel sei schnöder Kommunismus.

Ich glaube nicht, dass sich was ändert...





Aus: "Finanzkrise - US-Notenbank rettet AIG mit zig Milliarden" (17.09.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/529/310458/text/

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Quote
[...] Finanzminister Henry Paulson und Zentralbankchef Ben Bernanke wollen der American International Group (AIG) einen Überbrückungskredit von 85 Milliarden Dollar gewähren. Die Rettung kommt in letzter Sekunde. Die Geldnot von AIG hatte sich gestern dramatisch zugespitzt, nachdem Ratingagenturen die Einschätzung der Kreditwürdigkeit des Konzerns gesenkt hatten. Ohne staatliche Hilfe hätte AIG wahrscheinlich noch am Mittwoch Konkurs anmelden müssen.

Bis zuletzt schien es, als wolle Washington auf dem neuen Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Härte demonstrieren. Am Wochenende hatten Regierung und Zentralbank der Investmentbank Lehman Brothers Garantien verweigert und sie damit in die Pleite gestürzt. Doch AIG ist ungleich größer als Lehman und noch enger in das globale Finanzsystem eingebunden. Der Konzern beschäftigt 100.000 Mitarbeiter in etwa 130 Ländern. Sein Angebot reicht von Lebensversicherungen über Kreditgarantien bis hin zur Verpachtung von Flugzeugen.

Paulson und Bernanke mussten eine desaströse Kettenreaktion befürchten, wären sie ihrer neuen harten Linie gegen Staatshilfen treu geblieben. Es drohte die Implosion der Finanzmärkte. Alle Versuche der Regierung, Privatbanken und andere Investoren dazu zu bewegen, AIG Geld zu leihen, scheiterten am Dienstag. Offenbar glaubt die Finanzbranche, dass der Konzern selbst mit einem neuen Kredit der Zahlungsunfähigkeit nicht wird entgehen können.

Für die zumindest vorübergehende Rettung durch den Staates muss AIG nun einen hohen Preis zahlen. Die Regierung beschlagnahmt 80 Prozent Aktienkapitals. Diese Absicherung solle die "Interessen der US-Regierung und der amerikanischen Steuerzahler" schützen, meldete die Notenbank. Damit kontrolliert Washington einen der größten privaten Finanzkonzerne der Welt - ein einmaliger Fall in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte.

...



Quote

17.09.2008 09:06:35

rumburak2006: Linie, ich sehe keine

"wären sie ihrer neuen harten Linie gegen Staatshilfen treu geblieben", bloß weil die US Regierung EINMAL bei Lehman der eigenen neoliberalen Lehre gefolgt ist, mit der Milliarden von Menschen auf diesem Planeten in Hunger, Unglück und Tod getrieben werden, ist das noch lange keine Linie!

Die einzige Linie der US und auch der deutschen Regierung ist es Gewinne der Unternehmen zu privatisieren und deren Verluste zu sozialisieren. Die FTD spricht bisher schon von Kosten von 300 Milliarden Dollar für die USA alleine für Fannie Mae und Freddie Mac.

Wobei man auch hier differenzieren muss. Die Hypothekenbanken des Landes, die lässt die US Regierung sehr wohl über die Klinge springen.


Quote
17.09.2008 08:59:46, rossi1606:

Die kleinen Häuslebauer verlieren ihr Haus, danach zahlen sie noch für die Rettung von Banken und Versicherungen, die ihren Vorständen dann die Gehälter verdoppeln können.


Aus: "Wall Street in Aufruhr - Rettung in letzter Minute" Von Moritz Koch, New York (17.09.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/533/310462/text/

« Last Edit: September 17, 2008, 10:04:51 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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[Wenn die Welt nicht mehr mitkommt beim finanziellen Roulette... ]
« Reply #115 on: September 18, 2008, 10:54:48 vorm. »
Quote
[...] Nach jahrelangem blindem Vertrauen herrscht nun pure Angst. Den Anlegern wird nun plötzlich bewusst, dass sie keine Ahnung von den Finanzmärkten hatten und wollen nur noch raus. Der Goldpreis schiesst nach oben, die Kreditabsicherungen explodieren und die Aktienkurse sacken ein. Der amerikanische Senator Harry Reid fasste es kurz und trocken zusammen "Keiner weiss, was zu tun ist!"

...


Aus: "Vertrauen verzweifelt gesucht" (Donnerstag, 18. September 2008)
Quelle: http://blog.zeitenwende.ch/hansruedi-ramsauer/vertrauen-verzweifelt-gesucht/


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Quote
[...] "Ich weiß nicht, was ich dazu noch sagen soll", stammelte ein Broker, der sich mit ein paar Kollegen im nahen Straßencafé "Beckett's" mit Weißwein und Bier tröstete. Er hatte Sakko und Krawatte abgeworfen, doch auf seiner Stirn schimmerte trotz der Abendbrise immer noch ein Schweißfilm. Seine Worte umschrieben die Sprachlosigkeit einer Branche.

[...] Die Wall-Street-Institution Morgan Stanley - eine von zwei verbliebenen US-Investmentbanken - kämpft nach massiven Wertverlusten ums Überleben. Sie nahm Medienberichten zufolge Gespräche über einen Notverkauf oder eine Fusion auf. Unter den Interessenten, so wird gemunkelt, sind die Geschäftsbank Wachovia - und die chinesische Bank Citic.

China? "Leute", flehte der Ökonom Larry Kudlow, ein Moderator des Wirtschaftssenders CNBC, seine Zuschauer am Abend laut an, "gebt unser großartiges Land nicht verloren!"

[...] "Nichts wird mehr so sein wie früher", sagte der Broker James Allroy, der bei Starbucks an der Wall Street über einem Chai Latte grübelte. "Die Welt, wie wir sie kennen, geht unter."

[...] "Dies", sagte Finanzjongleur Donald Trump auf CNN, "ist die schlimmste Zeit seit 1929." Das "Wall Street Journal" stimmte ihm zu: "Wir befinden uns mitten in der größten finanziellen Umwälzung seit der Depression."

Doch was ist hier wirklich los? Selbst Experten können sich bisher nicht auf eine schlüssige Erklärung einigen. Ist dies der Anfang vom Ende? Oder ein schmerzhafter, doch normaler Zyklus, der die Exzesse der vergangenen Jahre ausgleicht? Sind die Ratingagenturen schuld, die die Kreditwürdigkeit der Finanzkonzerne so lange überbewertet haben? Oder stecken Kursmanipulation durch dubiose Shortseller dahinter, die schon bei der letzten Börsenkrise im Juli als Strippenzieher verdächtigt wurden?

Fest steht: Die Zeiten der ungezügelten Marktwirtschaft in den USA sind vorerst vorbei. Die Fast-Verstaatlichung der weltgrößten US-Versicherung AIG, mit einer 85-Milliarden-Dollar-Geldspritze auf Kosten der Steuerzahler, war ein atemberaubender Schritt: Die Summe ist dreimal so hoch wie die, mit der die US-Notenbank im März den Verkauf von Bear Stearns an JPMorgan Chase garantiert hatte.

Das wirklich Atemberaubende daran aber: Dieser Rettungsanker - den Washington zuvor nur den beiden Hypothekengiganten Fannie Mae und Freddie Mac gegönnt hatte - wird ausgerechnet von einer Regierung ausgeworfen, deren Partei sich sonst gegen jede Einmischung des Staates wehrt und sich das sogar ins Wahlprogramm geschrieben hat.

"Ich fürchte, die Regierung hat den Punkt überschritten, an dem es kein Zurück mehr gibt", sagte der Finanzhistoriker Ron Chernow der "New York Times". "Wir haben die Ironie einer Regierung der freien Marktwirtschaft, die Dinge tut, die die meisten linksliberalen, demokratischen Regierungen in ihren wildesten Träumen nicht zu tun gewagt hätten."

...


Aus: "US-FINANZKRISE - "Die Welt, wie wir sie kennen, geht unter"" Von Marc Pitzke, New York (18.09.2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,578876,00.html

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Quote
[...] Berlin - Ulrich Schröder stehen unangenehme Tage bevor. Der Chef der Förderbank KfW muss am Donnerstag vor den Verwaltungsrat des Instituts treten. Dann wird er den Gremienvertretern - darunter die Minister Peer Steinbrück (Finanzen) und Michael Glos (Wirtschaft) - erklären, warum sein Unternehmen der insolventen US-Investmentbank noch am Montag Kreditgelder in Höhe von 300 Millionen Euro überwies.

[...] Der Vorgang ist ebenso peinlich wie rätselhaft. Das Bund und Ländern gehörende Institut hatte dem maroden US-Finanzkonzern die Summe noch kurz vor dessen Zusammenbruch überwiesen. Dabei wurde schon an den Tagen zuvor über eine drohende Insolvenz der Investmentbank spekuliert. Die KfW sprach nun kleinlaut von einer technischen Panne, deren Umstände geprüft würden.

[...] KfW-Chef Schröder, der erst Anfang September von der Politik als Hoffnungsträger von der erfolgreichen Landesförderbank in Düsseldorf geholt worden war, dürfte dennoch mit Bangen auf die morgige Sitzung blicken. Im Vergleich zu seiner Vorgängerin Matthäus-Maier boxte er für sich eine Gehaltsverdoppelung auf über 800.000 Euro pro Jahr durch. In Regierungskreisen wurde ihm am Mittwoch immerhin positiv angerechnet, dass die KfW das missglückte Geschäft mit Lehman Brothers sofort eingeräumt und nicht gemauert habe.

suc/dpa


Aus: "300.000.000 FÜR LEHMAN BROTHERS - KfW-Chef muss Millionenkredit für Pleitebank rechtfertigen" (17.09.2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,578814,00.html

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Quote
[...]  Die Kapitalmärkte aber funktionieren anders als der Handel mit Kartoffeln und Maschinen. Dort kommt bei den "wirklich großen Spielen" um Zinsen, Wechselkurse, Aktien, Hauspreise und Rohstoffe eine Handvoll privilegierter Akteure zusammen, die alle nicht mehr wissen, als jede gut informierte Abteilung eines Ministeriums oder einer Zentralbank wissen kann. Alle sind ferngesteuert von ein paar Informationen, die für jeden zugänglich permanent über die Bildschirme jagen und von allen Beteiligten in ähnlicher Weise gedeutet werden. Wenn also bestimmte Ereignisse eintreten wie beispielsweise eine Rohstoffpreishausse, dann springen fast alle Spieler gleichzeitig auf diesen Zug und versuchen sich eine goldene Nase zu verdienen. Das geht genau so lange gut, bis sie den Preis weit weg von dem Wert getrieben haben, den die reale Welt, also die richtigen Menschen, zu zahlen in der Lage sind. Dann aber kollabiert das ganze Spielsystem.

Dieses Spiel wird dadurch noch absurder, dass die gierigen Finanzmarktzocker und ihre Banker alle paar Jahre auf die grandiose Idee kommen, man könne die eigenen Gewinne dadurch so richtig in die Höhe jubeln (auf Herrn Ackermanns berühmte 25 Prozent Eigenkapitalrendite etwa), indem man den Großteil der Spekulation mit Schulden finanziert. Man leiht sich also zu dem Geld, das man ohnehin schon in der Tasche hat, noch viel mehr Geld dazu und investiert es in Anlagen, die eine etwas höhere Rendite erbringen als der Zins, den man den anderen Banken oder den braven Anlegern zahlt. Das ist der große Hebel, mit dem Banken, Hedgefonds und sogenannte Private-Equity-Fonds die Rendite auf das Eigenkapital in ungeahnte Höhen treiben können, wenn sie nur genügend Kredit bekommen.

Würden alle Spekulanten mit dem geliehenen Geld lediglich ins Spielkasino gehen, wäre der Spuk schnell zu Ende. Die extrem einfallslose Methode, die Renditen zu hebeln, funktioniert für das gesamte globale Finanzsystem nur dann eine Weile, wenn alle Spieler bestimmte Objekte finden, bei denen sie sich mit einer gewissen Plausibilität einreden können, sie würden hohe Renditen bei geringem Risiko bieten. So ein Objekt war der amerikanische Häusermarkt in den letzten zehn Jahren. In den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts übernahmen diese Rolle Aktien neu aufgekommener Konsumgüterhersteller und in den Neunzigerjahren Aktien der Telekommunikation. Sehr oft sind es Währungen, bei denen die Regierungen den Kurs stützen oder die Zinsen hochhalten. Auch Unternehmen mit hohem Eigenkapitalanteil zu kaufen ist beliebt, weil man die Rendite allein dadurch hochjubeln kann, dass man Eigenkapital durch Schulden ersetzt. Letzteres tun sogenannte Private-Equity-Firmen, also Unternehmen, die genau das Gegenteil dessen tun, was ihr Name sagt; sie vermindern nämlich systematisch das Eigenkapital, statt solches zur Verfügung zu stellen. Sobald die Märkte ein solches Objekt der Begierde identifiziert haben, wird eine Art Kettenbriefmechanismus in Gang gesetzt, bei dem jeder versucht, nicht der Letzte in der Kette zu sein.

So primitiv ist das und doch kurzfristig so profitabel. Solange man willfährige "Wissenschaftler" hat, die nichts anderes tun, als die "unbestreitbare Effizienz der Kapitalmärkte" zu loben, solange man Politiker hat, die vor Hochachtung vor den "Werteschaffern" in den Banken in die Knie gehen, solange man eine Öffentlichkeit hat, die sich gerne einreden lässt, man bräuchte eigentlich nicht mehr zu arbeiten und könne mit einem schnellen Geschäft an den Finanzmärkten quasi ohne Risiko reich werden, solange man eine öffentliche Diskussion in den Medien hinbekommt, die den Leuten weismacht, ihre Rente könnte nur mit dem großen Spiel an den Finanzmärkten sicher gemacht werden, so lange wird es immer wieder große Krisen geben.

Was wir nämlich endlich begreifen müssten: Banken produzieren nichts. Die Volksverdummung beginnt schon damit, dass man das, was Banken ihren Kunden anbieten, als "Produkte" bezeichnet. Das klingt gut und seriös und vor allem so, als seien Banken ebenso innovativ wie Produktionsunternehmen und würden alle paar Wochen ein "neues Produkt" auf den Markt werfen. Banken machen aber immer das Gleiche: Sie leihen Geld über relativ kurze Fristen und verleihen es über längere Fristen. Dabei ist Geld zu verdienen, weil die Zinsen für lange Fristen meist höher sind als die für die kurzen. Dabei geht man aber auch ein Risiko ein, weil die pünktliche Rückzahlung von Krediten an die Banken über lange Fristen nie so sicher ist wie die kurzfristige Verpflichtung der Banken gegenüber den Einlegern. Insgesamt ist es ein Geschäft, aber sicher kein Bombengeschäft, bei dem man systematisch und auf längere Zeit Renditen von 25 Prozent erzielen könnte, wie noch immer von der größten deutschen Bank angestrebt.

Ging man in der guten alten Zeit zu einem Bankschalter, hatte man regelmäßig feuchte Hände. Der Mensch hinterm Tresen, der damals "Bankbeamter" hieß, hatte nämlich keineswegs im Sinn, uns die Freuden des Finanzlebens darzubieten, sondern war nur darauf aus, die Gefahren zu beschwören, die allenthalben lauern. "Das ist nichts für Sie", wäre uns bei allen Anlagen beschieden worden, die in irgendeiner Weise mit den wirklichen Finanzmärkten zu tun hatten. Noch schlimmer natürlich, verbunden mit hochnotpeinlichen Befragungen, war es, wenn man Geld wollte.

Wenn ein Anleger in den letzten Jahren zur Bank ging, begegnete er trendigen Damen und Herren, die ihm mit allem Charme der Welt eines ihrer neuesten "Produkte" verkaufen wollten. Sollten es denn 13 Prozent Rendite mit argentinischen Langläufern sein oder doch vielleicht gleich 23 Prozent mit einem ordentlichen Aktienfonds? Auch derjenige, der Geld brauchte, hatte es bei den modernen Banken leicht. Nichts mit hochnotpeinlicher Befragung und Sicherheiten. Einen maßgeschneiderten Finanzierungsplan hatte das junge Bankteam sofort für das junge Unternehmen - mit dem schnellen Gang zur Börse als Krönung. Hatten uns nicht die Wirtschaftspolitiker über Jahrzehnte gepredigt, dass diesem Land der Mut zum Risiko und damit das Risikokapital fehlt?

Das ist nun zu Ende und das ist gut so. In großen Teilen der Finanzwelt war jedes Gefühl dafür verloren gegangen, dass das "Spiel" mit den ersparten Geld von Menschen, die nicht verstehen, was auf den Finanzmärkten geschieht, nicht nur moralisch verwerflich ist, sondern auch wirtschaftlich in eine Krise führen muss, sobald die Wetten in großem Stil nicht aufgehen. Das aber ist immer dann der Fall, wenn irgendwo ein Schock ausgelöst wird, wenn sich die Konjunktur zu überhitzen droht und die Zinsen von den Notenbanken hochgezogen werden - oder wenn die reale Welt einfach nicht mehr mitkommt beim finanziellen Roulette.

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Quote
18.09.2008 01:09 Uhr:
Von Felix Krull:

Großer Gott. Solche Leute schaffen es bei uns bis in die Regierung? Ich bin sprachlos. Und Herr Flassbeck ahnungslos.

"Was wir nämlich endlich begreifen müssten: Banken produzieren nichts."

Doch. Tun sie. Risiko(um-)verteilung z.B. Kann man als Volkswirt wissen.

Im übrigen haben sich in Deutschland besonders die staatlichen Banken als die größten "Zocker" hervorgetan. Sollte Herrn Flassbeck zu denken geben.

Wird es aber nicht, denn dann kann man ja nicht mehr glaubwürdig für noch mehr staatliche Kontrolle sein.

Grundsätzlich: diese "Krisen" tauchen immer mal wieder auf, da die menschliche Natur nun mal zur Übertreibung (im Positiven wie im Negativen) neigt. Am Ende ist aber an der Überlegenheit freier Märkte nicht zu rütteln.

Sie sind die Demokratie ins Wirtschaftliche übersetzt.


Quote
17.09.2008 20:08 Uhr:
Von Ulrich Haussmann:

banken sind vor allem meist schmutzig. schlimm genug, dass jeder erwerbstätige, der n konto braucht, gezwungen ist, mit denen geschäfte zu machen. sehr demokratisch!!! freie wirtschaft???


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17.09.2008 18:48 Uhr:
Von A.Grech:

Mieser Artikel, weil nur die halbe Wahrheit erzählt wird. Die zwei wichtigsten Verursacher der Probleme werden nicht mal erwähnt: die amerikanische und japanische Notenbank mit ihrer jahrzehntelangen Politik des "billigen" Geldes. Ohne diese Politik wären die Spekulationsblasen der letzten Jahre nicht möglich gewesen. Insofern tragen staatliche Organe einen ganz wesentlichen Teil der Verantwortung. Das zu sagen hätte aber wohl die Polemik des Artikels gestört.





Aus: "Lehren aus der Bankenkrise - Der absehbare Kollaps" VON HEINER FLASSBECK (18.09.2008)
Quelle: http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/der-absehbare-kollaps/


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[...] Mehrere mittelständische und kleine russische Banken haben laut Interfax anhaltende Liquiditätsprobleme. Das Finanzministerium hatte bereits am Dienstag eine Hilfe von 475 Mrd. Rubel (13,2 Mrd. Euro) bewilligt, am Mittwoch sollten weitere Milliardensummen bereitgestellt werden. Für die Abfederung der Liquiditätskrise stehen nach Angaben von Vize-Zentralbankchef Konstantin Korischtschenko insgesamt 3.000 Mrd. Rubel (knapp 82,6 Mrd. Euro) zur Verfügung.


Aus: "Folgen der Lehman-Pleite - Kreditklemme lähmt Russland" (17.09.2008)
Quelle: http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/marktberichte/:Folgen-der-Lehman-Pleite-Kreditklemme-l%E4hmt-Russland/414866.html

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[...] HB WASHINGTON. Das US-Finanzministerium hat die Ausgabe neuer Staatsanleihen beschlossen, um den zurzeit erhöhten Finanzbedarf der Notenbank zu decken. Schon am Mittwoch sollten Anleihen mit kurzer Laufzeit in einem Gesamtvolumen von 40 Milliarden Dollar platziert werden, wie Beamte des Finanzministeriums mitteilten.

Dadurch sollen der Fed Mittel zufließen, die die Notenbank nutzen kann, um den Liquiditätsdruck auf dem Finanzmarkt zu lindern. Das Progamm besteht aus einer Reihe von Treasury-Bills, die über das derzeitige Emissionsprogramm des Finanzministeriums hinausgehen.

Die New York Fed, der operative Arm der US-Notenbank, teilte unterdessen mit, das zeitlich befristete Finanzierungsprogramm des Ministeriums gleiche die Folgen der Liquiditätsmaßnahmen wieder aus. Die Mittel des Finanzprogramms werden auf einem Konto bei der New York Fed gehalten.

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Aus: "Unterstützung für die Notenbank - US-Ministerium kündigt Finanzhilfe für Fed an" (17.09.2008)
Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachrichten/us-ministerium-kuendigt-finanzhilfe-fuer-fed-an;2042134

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[...] Dobovisek:  Die Ausmaße der Finanzkrise sind - wir haben es im Bericht gehört - offenbar noch lange nicht in ihrer vollen Breite absehbar. Täglich gibt es neue Hiobsbotschaften. Wer ist Schuld an der Krise, Herr Thielemann?

Thielemann: Ich möchte lieber von Verantwortung sprechen. Man sollte das auch nicht zu leicht einfach personalisieren. Ich spreche gerne davon, dass es die Gier ist, aber man muss es eben auch im richtigen Zusammenhang sehen. Es sind vor allen Dingen die Anreizsysteme, die die Gier der Beschäftigten in diesen Banken entfacht haben. Und das bedeutete folgendes: Ihr könnt machen was ihr wollt, aber ihr müsst Cash für uns generieren und ihr bekommt dafür große Boni, große variable Vergütungen, Anreize, wie man auch gerne sagt. Damit ist man eben Geschäfte eingegangen, die nicht nur einen selbst, sondern auch andere in Mitleidenschaft ziehen und die hoch riskant und auch gefährlich sind für andere, und dort liegt das Problem oder eines der Hauptprobleme.

Dobovisek: Ist das auch ein Stück weit die Selbstüberschätzung der eigenen Fähigkeiten seitens der Bänker, oder ist das dann tatsächlich klares Kalkül, vielleicht sogar kriminelle Energie?

Thielemann: Das fragt man sich ja von außen, weil es war eigentlich klar. Die Experten mussten wissen, dass die Blase irgendwann platzen wird, wobei im Hintergrund spielt meines Erachtens immer auch die Marktgläubigkeit. Man glaubt an das Wunder des Marktes. Die unsichtbare Hand wird es ja schon richten. Und es ist ja dann richtig, dass wir unseren eigenen Interessen folgen, weil die unsichtbare Hand das zum Wohl aller irgendwann mal hinbiegen wird, und das hat sich jetzt eben als falsch erwiesen.

Dobovisek: Aber genau diejenigen, die am lautesten von den Selbstheilungskräften des Marktes tönten, fordern jetzt das Eingreifen des Staates. Warum sollten wir als Steuerzahler für die Fehler einzelner Manager einstehen, und zwar in Milliarden-Höhe?

Thielemann: Ja, das ist ein Skandal. Aber die Situation ist eben da und man sagt "too big to fail", weil sonst die Realwirtschaft, wir alle auch, die wir ja dort eigentlich keine Verantwortung tragen, sonst zu sehr in Mitleidenschaft gezogen würden. Das kann man auch hinterfragen, aber im Grundsatz stimmt es offenbar. Das bedeutet aber, man muss jetzt die Weichen stellen, damit es nicht noch mal passiert.

Dobovisek: Wie kann man das tun?

Thielemann: Mein Vorschlag wäre ja, dass man das Problem an der Wurzel packt, und das heißt, den Anteil variabler Vergütungen begrenzt. Das hört sich vielleicht harmlos an, und was hat das damit zu tun, könnte man meinen. Aber damit würde sich der Geist innerhalb der Unternehmen deutlich verändern, weil dann nicht mehr nach der Karotte sozusagen, nach den Boni gelaufen wird, sondern dann professionell gearbeitet wird nach der Branche, in der man halt ist. Da spielen auch viele andere Gesichtspunkte eine Rolle.

Dobovisek: Sie, Herr Thielemann, wollen sozusagen Wirtschaftsbeamte?

Thielemann: Nein. Sind Sie Beamter, weil Sie keinen Bonus bekommen? Man muss sich das noch mal klar machen, was das bedeutet. Die sachliche Aufgabenerfüllung ist etwas ganz anderes als "die Sache ist vollkommen egal und wie gut ich sie mache ist auch vollkommen egal; Hauptsache es wird Cash generiert". Das ist ein falsches Verständnis von Marktwirtschaft.

Dobovisek: Aber was muss dort genau passieren? Wer sollte da eingreifen?

Thielemann: Vermutlich - und da sind sich die Experten einig -, der Ruf nach der Begrenzung der variablen Vergütung ist ja auch im Schwange. Es sieht aber wahrscheinlich so aus, dass die globale Wirtschaft, dass die Staaten innerhalb der globalen Wirtschaft das nicht selbst machen können, weil sie sonst ins Hintertreffen geraten. Das ist letztlich vermutlich nur möglich in einer globalen Anstrengung. Das wäre eine globale Regulierung des Marktes, aber der Markt ist eben global und wenn er nicht global reguliert wird, dann gilt dieses System der Gier, wenn man so will, was dann zu den Folgen führt, die wir im Moment beobachten, und andere haben dafür die Zeche zu zahlen.

Dobovisek: Nun ist das aber höchst menschlich. Der Mensch ist ein homo oeconomicus, ein Nutzenmaximierer. Was ist also daran verwerflich, wenn einzelne auf ihr eigenes Konto schauen und sagen, wenn es mir gut geht, dann sind die anderen egal?

Thielemann: Man sieht dabei - sorry, wenn ich das so offen sagen darf -, wie weit der Ökonomismus und die Marktgläubigkeit um sich greift. Man lernt ja in Ökonomiestudien eigentlich nichts anderes als "der Mensch ist ein homo oeconomicus". Blödsinn! Eigene Interessen zu verfolgen, ist legitim. Aber sie dürfen nicht die Maßgabe sein. Das ist der feine und wichtige Unterschied dabei. Da werden die Eigeninteressen der Akteure zur Maßgabe erhoben und daraus erfolgt eben nicht, wie wir doch im Moment deutlich sehen, das Wohl aller, sondern das führt dazu, dass man in solche Krisen schliddert.

Dobovisek: Sie sagen, Herr Thielemann, wir müssten jetzt global handeln. Fragen wir aber nach der Institution: Welche Institution hätte denn genügend Kraft, um das tatsächlich anzugehen?

Thielemann: Da müssen die Regierungen, die entsprechenden Finanzminister vielleicht, zusammenspannen, die Finanzbranche regulieren in ihrem Land und dann eben sagen, Leute, wir brauchen eine Regelung dahin gehend, dass nicht beliebige variable Vergütungen vergeben werden dürfen. Man muss ja sehen: die Legitimität dessen ergibt sich daraus, dass die Privatwirtschaft offenkundig nicht bloß private Wirkungen hat. Wenn das ein Spiel der Finanzmarktakteure unter sich wäre, okay. Dann kann man vielleicht Pech haben. Dann ist man Risiken eingegangen. So spricht man ja auch dann. Das kann halt passieren. Aber es ist ja nicht so. Es ist so, dass alle anderen auch in Mitleidenschaft gezogen werden, sei es über die Folgen dieser Krise, die wir noch gar nicht absehen können, einerseits, andererseits dadurch, dass Milliarden messende Steuermittel in die Branche gepumpt werden müssen.

Dobovisek: Braucht die Wirtschaft vielleicht ein Verhaltenskodex?

Thielemann: Ja, aber der Verhaltenskodex ist zu schwach. Man muss ja sehen: Ich gehe nicht davon aus, dass die Leute, die Akteure das unbedingt von sich aus wollen, sondern es geht darum, dass ihnen der Freiraum gegeben wird, so dass sie dann, wenn sie Skrupel haben, etwas zu tun, was eigentlich falsch wäre, sich nicht auf der Verliererstraße finden und nicht die Dummen sind. Es geht bloß darum.

Dobovisek: Dass die Finanzminister weltweit sich jetzt zusammensetzen und möglicherweise einen Fahrplan generieren, um eben solchen Krisen entgegenzusteuern, das klingt erst mal höchst unrealistisch, zumindest mittelfristig. Was passiert, wenn das nicht gelingt?

Thielemann: Wenn das nicht gelingt, werden wir in die nächste Krise schliddern. Dann wird die nächste Blase kommen. Das dauert dann wieder fünf, vielleicht zehn Jahre, so in der Größenordnung. Vielleicht geht es auch schneller. Vermutlich wird die nächste Blase sich im Ressourcen-Bereich bewegen. Davon haben wir ja schon eine deutliche Andeutung. Das gilt übrigens auch für die Nahrungsmittel.

Dobovisek: Ulrich Thielemann, Wirtschaftsethiker an der Universität von St. Gallen in der Schweiz. Vielen Dank für das Gespräch.



Aus: "Finanzethiker: Variable Vergütungen fördern "System der Gier""
Thielemann fordert staatliche Regulierung der Finanzbranche
Ulrich Thielemann im Gespräch mit Mario Dobovisek" (17.09.2008)
Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/848180/

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Quote
[...]

Quote
Dietmar Fleischhauer (dfleischhauer), 17. September 2008 23:11

Also sprach Keynes

"Es müssen irgendwo Verrückte herumlaufen, die bis Montag nicht aufgefallen sind, weil ihr Wahn identisch war mit der Logik des etablierten Systems." Herzlichen Glückwunsch zu der Erkenntnis.


Kommentar zu: "Mehr als eine Finanzkrise - Das Zeitalter des Unglücks" Von Frank Schirrmacher (18. September 2008)
Quelle: http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E29F8FCC1E6094ED1BFE07AA7222B0AC4~ATpl~Ekom~SKom~Ak~E.html


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[...sich überschneidende Kreise (SIEMENS-AFFÄRE)]
« Reply #116 on: September 21, 2008, 11:06:45 vorm. »
Quote
[...] So hatte Adam gegenüber dem Bundestagspräsidenten lediglich eingeräumt, dass er von Schelsky verdeckte Wahlkampfzuwendungen im Gesamtwert von rund 60.000 Euro erhalten habe. Die Fahnder gehen indes von einer mehr als dreimal so hohen Summe aus. 200.840,58 Euro hat Adam ihren Berechnungen zufolge an "Zuwendungen/Schenkung" von Schelsky kassiert. Selbst die Kosten eines Mobiltelefons (Anbieter: Talkline) hat der Scheingewerkschaftsboss den Ermittlern zufolge für den Abgeordneten von Januar 2000 bis Dezember 2006 beglichen - insgesamt 11.363,36 Euro.

Adam wollte zu den Vorwürfen "mit Rücksicht auf das laufende Verfahren keine öffentliche Stellungnahme abgeben". Für die Ermittler aber scheint der Fall klar: "Die konspirative Vorgehensweise aller Beteiligten" zeige "deutlich das vorsätzliche Handeln der Beschuldigten und ihr Wissen um die Unrechtmäßigkeit ihres Tuns".

Auch IOC-Vizepräsident Bach, der auf Schelskys Vermittlung einen mit 400.000 Mark dotierten Beratervertrag mit Siemens hatte, gerät in Erklärungsnot. Der Wirtschaftsanwalt hatte gegenüber dem SPIEGEL behauptet, er habe stets strikt zwischen seinen "geschäftlichen Tätigkeiten" und seinen "ehrenamtlichen Funktionen im Sport" getrennt.

Eine E-Mail vom 31. Januar 2005, die Bach an den Siemens-Vorstand Rudi Lamprecht schickte, liest sich dagegen anders. Damals bemühte sich Siemens darum, Kuweit als Großinvestor zu gewinnen, und Bach meldete, sein "Freund und Kollege, Energieminister Scheich Ahmed al-Sabah", sei derzeit für eine vertrauliche Anfrage zum Stand der Verhandlungen schwer erreichbar. Am 9. März meldete der IOC-Funktionär dagegen an den Siemens-Vorstand, er habe "die Investitionsfrage noch einmal mit dem Energieminister vertraulich besprochen".

Da Bach kein Minister und der Scheich kein Rechtsanwalt ist, ergibt sich daraus, dass Bach den Scheich bei seiner Siemens-Tätigkeit nur in einer anderen Hinsicht als Kollegen angesprochen haben kann: Sabah ist Mitglied des IOC. Bach dementiert dennoch jede Verquickung "zwischen dem IOC-Ehrenamt" und seiner "beruflichen Tätigkeit". Es gebe aber "vielfältige Lebenssachverhalte, in denen sich persönliche, durch Freundschaften oder auch Ehrenämter begründete Bekanntschaften und berufliche Kreise überschneiden".


Aus: "SIEMENS-AFFÄRE - IOC-Vize Bach und CDU-Abgeordneter Adam in Erklärungsnot" (20.09.2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,579340,00.html


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[Siemens-Vorstand: "Wir haben die Angestellten gefickt! Und es war geil!"... ]
« Reply #117 on: September 25, 2008, 11:37:12 vorm. »
Quote
[...] Schelsky und Feldmayer nehmen an diesem Vormittag keinen Blickkontakt zueinander auf. Es redet nur der Ex-Siemens-Manager und er gibt tiefe Einblicke in den jahrelangen Siemens/Schelsky/AUB-Filz. Er lobt die AUB für ihre große Kooperationsbereitschaft gegenüber dem Management. Beispiele gebe es dafür zuhauf, sagt er. So hätten AUB-dominierte Betriebsräte in den Standorten Nürnberg-Moorenbrunn und Erlangen in den neunziger Jahren dem Verzicht auf Zuschläge und Zahlungen für die Belegschaft zugestimmt. Das habe nicht nur Arbeitsplätze gerettet. Siemens habe zudem "unterm Strich Geld gespart."


Aus: "AUB-Prozess: Lohnende Investition" (24.09.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/659/311580/text/

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Quote
[...] Im Sitzungssaal 600 im Landgericht Nürnberg-Fürth zeigte das Wirtschaftsstrafrecht unterschiedliche Seiten. Zahlen dominierten. Leise und konzentriert kämpfte sich die Staatsanwältin durch die Anklageschrift, die reich war an tabellarischen Rechnungsübersichten - Ziffer für Ziffer, Datum für Datum. Alle Anwesenden schienen trotz der trockenen Materie aber alles andere als gelangweilt zu sein. Die Staatsanwältin wurde sogar gebeten, die Zahlenkolonnen lauter vorzutragen.

Auf den Anklagebänken saßen Johannes Feldmayer und Wilhelm Schelsky. Der 51 Jahre alte Feldmayer hatte eine steile Karriere hinter sich: Seit 1977 im Siemens-Konzern stieg er 1999 zum Bereichsvorstand auf und schaffte es schließlich bis zum Zentralvorstand der Siemens AG. Der ruhig und eher unauffällig daherkommende Manager galt sogar einmal als aussichtsreicher Anwärter auf die Nachfolge des früheren Vorstandsvorsitzenden Heinrich von Pierer. Als Chef jedenfalls ist er im Sitzungssaal nicht aufgetreten. Während die Staatsanwältin die Anklageschrift vorlas, betrachtete er seine Umgebung neugierig mit hochgezogenen Augenbrauen; als würde er zusehen, wie mit aller Vorsicht eine Ausgrabungsstätte freigelegt wird.

Wilhelm Schelsky, 59 Jahre, hingegen machte einen angespannten Eindruck. Seit dem 14. Februar 2007 sitzt er schon in Untersuchungshaft. Er war Bundesvorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft unabhängiger Betriebsräte“ (AUB), jener arbeitgebernahen Gewerkschaft, die durch Siemens-Gelder bezahlt worden sein soll. Zu den Vorwürfen äußerte sich Schelsky nicht - noch nicht. Anders Feldmayer: Er sagte zu Beginn seiner Stellungnahme, dass er die Verantwortung für die Zahlung an die Firmen von Schelsky übernehme. Was nach einem Geständnis klang, sollte sich als Winkelzug entpuppen.


Die Staatsanwältin geht jedenfalls davon aus, dass Feldmayer im Januar 2001 für Siemens eine Vereinbarung mit Schelsky getroffen hat, deren wahrer Zweck der Aufbau der AUB als Gegenpol zur IG Metall gewesen sein soll. Vorgeblich ging es in dem Vertrag um diverse Leistungen, die Schelskys Beratungsfirma für Siemens erbringen sollte. Dazu gehörten Schulungen oder Veranstaltungen für Führungspersonal. Aufgrund dieser Vereinbarung wurden zwischen den Jahren 2001 und 2006 Rechnungen über einen Gesamtbetrag von 30 Millionen Euro ausgestellt. Doch das Geld soll nicht nur dem heimlichen Zweck gedient haben. Schelsky hat nach Ansicht der Ermittlungsbehörde entgegen der Vereinbarung mit Feldmayer 3,2 Millionen Euro für private Interessen verwendet, etwa die Unterstützung von Vereinen. So sollen die Gehälter der Damen-Handballmannschaft des 1. FC Nürnberg indirekt durch Siemens bezahlt worden sein.

Strafrechtlich geht es zunächst um Untreue: Denn den von Feldmayer veranlassten Zahlungen an Schelskys Beratungsfirma steht der Anklage zufolge mit dem Aufbau der AUB kein messbarer Vorteil gegenüber - auch wenn Feldmayer in der Verhandlung darauf verwies, dass Siemens der AUB gute Betriebsvereinbarungen verdankt. Feldmayer wird aber auch Steuerhinterziehung vorgeworfen. Denn das geltende Recht verbietet, die Wahl zum Betriebsrat zu beeinflussen und damit das Prinzip der Mitbestimmung zu untergraben. Deshalb durften die Ausgaben an die AUB der Anklage folgend nicht steuermindernd berücksichtigt werden. Schelsky soll Feldmayer bei dieser Steuerhinterziehung Beihilfe geleistet haben, indem er die fingierten Rechnungen erstellte. Auch Schelsky hat die Ausgaben seiner Beratungsfirma steuermindernd berücksichtigt, obwohl dies unter anderem wegen des Verstoßes gegen das Betriebsverfassungsgesetz unzulässig war. Das falsche Spiel gegenüber Feldmayer, mit dem Schelsky sich private Ausgaben ermöglicht haben soll, hält die Staatsanwaltschaft auch schlicht für Betrug.

Mit der Übernahme der Verantwortung hat Feldmayer - so viel zur Taktik - aber noch lange nicht einen, strafrechtlich gesehen, schädigenden Einfluss auf die Mitbestimmung eingeräumt. Ob er sich nicht habe vorstellen können, dass durch das Geld der AUB ein Wettbewerbsvorteil entstünde, wollte ein Richter beinahe süffisant wissen. Denn immerhin habe diese Beschäftigtenorganisation im Vergleich zur IG Metall niedrigere Beiträge von ihren Mitgliedern verlangt. Doch Feldmayer blieb bei seiner Auffassung. Wenn eine Mitarbeiterorganisation finanziell mit Millionenbeträgen unterstützt werde, erhöhe das nicht ihre Erfolgschancen bei Wahlen zum Betriebsrat, strapazierte er die Logik.

Als die Rahmenvereinbarung geschlossen wurde, waren die Parteien jedoch recht vorsichtig: Für Schelskys Firma soll seine ehemalige Frau mit ihrem Mädchennamen unterschrieben haben. Feldmayer wiederum verzichtete darauf, eine zweite Unterschrift einzuholen. Er hielt die Vereinbarung nicht für „wesentlich“. In dem Fall hätte er nämlich laut einer konzerninternen Regel die zweite Unterschrift einholen müssen. Die Rechnungen für die nicht erbrachten Leistungen haben ihren Weg zunächst über Feldmayers Privatadresse genommen, wie er selber zugegeben hat. Feldmayer begründete diesen „kontrollierten Weg in die Buchhaltung“ damit, dass ansonsten Mitarbeiter von den Zahlungen erfahren hätten. Er fürchtete insbesondere die Reaktion von Mitgliedern der IG Metall. Das irritierte die Staatsanwältin: Die Rechnungen selbst hätten schließlich unverdächtig ausgesehen. Von der Finanzierung der AUB war dort eben gerade nicht die Rede, nicht einmal Schelskys Name tauchte auf.


Aus: "Korruptionsprozess gegen Siemens: „Die Zahlen bitte etwas lauter“" Von Hendrik Wieduwilt (25. September 2008)
Quelle: http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~E28B19E53D09249DDBAE29126953E0CBE~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlefeed

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Quote
[...] Der frühere Siemens-Zentralvorstand Johannes Feldmayer hat am heutigen Mittwoch vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verdeckte Millionenzahlungen an die Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) eingeräumt. Die Staatsanwaltschaft wirft Feldmayer in diesem Zusammenhang Untreue sowie Steuerhinterziehung in mehreren Fällen vor. Mit dem ebenfalls angeklagten langjährigen ABU-Vorsitzenden Wilhelm Schelsky soll Feldmayer eine Vereinbarung getroffen haben, die der Betriebsräteorganisation 500.000 Euro pro Quartal einbrachte, ohne dass dafür pro forma vereinbarte Dienstleistungen (Schulung von Mitarbeitern, Analyse von Arbeitsabläufen) erbracht wurden. Ziel des Geldflusses sei vielmehr die Förderung der als arbeitgeberfreundlich geltenden Organisation gewesen, um ein Gegengewicht zur IG Metall aufzubauen.

[...] Zu Beginn des Prozesses räumte Feldmayer ein, die AUB mit mehr als 30 Millionen Euro unterstützt zu haben. Der einstige Zentralvorstand, der im Frühjahr 2007 mehrere Tage in Untersuchungshaft saß, erklärte aber, Betriebsräte seien nicht beeinflusst worden. Auch sei er nur Ausführender gewesen. Schelskys Rechnungen nahm Feldmayer laut Staatsanwaltschaft zunächst unter seiner Privatadresse an und leitete sie anschließend an die Buchhaltung des Geschäftsbereichs Automation and Drives weiter. Später seien die ausgezahlten Beträge dann in diesem Unternehmensbereich jeweils nur als durchlaufende Posten verbucht und anschließend im Wege einer konzerninternen Verrechnung der Zentrale der Siemens AG weiterbelastet worden. (pmz/c't) 


Quote
24. September 2008 20:00
"Betriebsräte seien nicht beeinflusst worden" - also 30 Millionen für nix??
Politikiller (133 Beiträge seit 18.04.07)

Wer's glaubt...



Quote
25. September 2008 09:43
"Auch sei er nur Ausführender gewesen."
NorFie (461 Beiträge seit 01.02.02)

Waere interessant, in welchem Auftrag bzw. auf wessen Weisung "der
Ausfuehrende" gehandelt hat. Weiterhin waere es interessant, wie die
Buchungen als "legale Zahlungen" durch die Buchhaltung gerutscht
sind, wenn die Privatadresse des "Ausfuehrenden" auf der Rechnung
steht. Fragen ueber Fragen.


Quote
24. September 2008 23:06
Wenn ein Elite-Manager etwas einräumt,
FrogmasterL (mehr als 1000 Beiträge seit 02.11.05)

heisst das, dass er mit dem Rücken zur Wand steht, die Beweislast so
erdrückend ist, dass sie auch mit der Standaradverteidigung 'Ich bin
zwar tausendmal wichtiger als alle anderen und für alles
verantwortlich, aber ich weiss jetzt nicht, wovon sie reden' nicht
weggeredet werden kann und er trotzdem so tut, als ob die Schweinerei
eine Petitesse nach dem Motto 'Achja, da war ja noch was' ist.

Es heisst aber auch, dass er nur einige Erdnüsse opfern muss und
ansonsten ungeschoren davonkommt.


Quote
24. September 2008 21:38
Machts doch wie die Telekom
copyandpaste (526 Beiträge seit 22.04.08)

Einfach entschuldigen, dann passt das schon.


Quote
24. September 2008 21:28
So einfach ist das?
RasT (mehr als 1000 Beiträge seit 29.02.00)

Ich bin immer wieder verblüfft, wie einfach es doch offensichtlich
ist in einem solchen Konzern größere Summen verschwinden zu lassen.
Wozu betreiben die eigentlich den ganzen Aufwand der sich
"Kontrolling" nennt? Womit rechtfertigen die Prüfungsunternehmen ihre
immensen Rechnungen? Wieso rückt denen nicht das Finanzamt jedes Jahr
mit einer Hundertschaft auf die Pelle?


Quote
24. September 2008 22:52
Re: So einfach ist das?
Algol (318 Beiträge seit 14.09.00)

RasT schrieb am 24. September 2008 21:28

> Wieso rückt denen nicht das Finanzamt jedes Jahr
> mit einer Hundertschaft auf die Pelle?

Geht nicht, denn das Finanzamt ist damit beschäftigt den Hartz4ler
nachzuweisen, dass sie 150€ schwarz nebenbei verdient haben um am
Leben zu bleiben. Das wird sofort strafrechtlich verfolgt, weil
öffentliches Interesse besteht. Lieber alles machen um den Bodensatz
der Gesellschaft noch weiter zu stigmatisieren und in die Illegalität
zu treiben. Ja, der Betrag muß nur groß genug sein, dann bekommt man
noch von den Verhandern die Tür aufgehalten wenn man mit schwarzen
Koffern das Land verlässt.

Manchmal bedauere ich den Rückzug der RAF, denn ne .38er zur
richtigen Zeit lässt bestimmt einige wieder auf den Boden der
Realität zurückkommen.

(Gefundene Veler, Ironie und Sarkasmus können behalten werden)


Quote
24. September 2008 20:37
Wettbewerbsnachteil für deutsche Unternehmen ?
nixXL (mehr als 1000 Beiträge seit 04.11.03)

Dass alte Zöpfe wie irgendwelche DGB-Zwangsbetriebsräte vom
Unternehmen durchgefüttert und schon mal mit Edelnutten bei Laune
gehalten werden müssen, wissen wir spätestens seit dem
DGB-Betriebsratskandal bei VW. Wann wird dieser Quatsch mit den
Zwangsbetriebsräte beendet ? Falls die AN einen Betriebsrat wollen,
soll der doch einfach durch die Arbeitnehmer direkt bezahlt und
eingesetzt werden; die Löhne sind ja in D im Vergleich zu anderen
EU-Nachbar-Ländern wie Polen oder Tschechien oder Slowakei 5-10-mal
höher: da kann der Arbeitnehmer sich diesen Luxus selber bezahlen,
wenns denn jemand braucht und will. Ansonsten werden neue Jobs in
wettbewerblich interessanteren Regionen in der Welt neugeschaffen,
wohl kaum im unternehmerfeindlichen Deutschland in der manche Deppen
von SED-PDS-NPD-Links-Rechts-Partei schon wieder von "Enteignung"
erfolgreicher Unternehmer und Einführung von Zwangs- und
Mangelwirtschaft träumen, und dafür mit Zusammenarbeitsangeboten von
Hessens SPD-Tante XY belohnt werden ...

Das Arbeitsrecht in Deutschland sollte dringend reformiert und
entrümpelt werden, um wieder eine Vollbeschäftigung zu erreichen.

Quote
24. September 2008 23:22
Toll.
FrogmasterL (mehr als 1000 Beiträge seit 02.11.05)

Hast Du diesen Erguss selbst aus irgendwelchen
Blut-Schweiss-und-Tränen-Reden zusammengebastelt oder ist das
tatsächlich Deine Meinung?

>Wann wird dieser Quatsch mit den
>Zwangsbetriebsräte beendet ?
Es gibt keine Zwangsbetriebsräte. Die Mitarbeiter haben ab einer
bestimmten Unternehmensgröße das Recht auf einen Betriebsrat. Das
heisst nicht, dass sie auch einen einsetzen.

>die Löhne sind ja in D im Vergleich zu anderen
>EU-Nachbar-Ländern wie Polen oder Tschechien
>oder Slowakei 5-10-mal
>höher
Typisches Necongeschwätz. Beinhaltet auch, die mehr als 10-mal so
hohen Lebenshaltungskosten zu verschweigen.

>Ansonsten werden neue Jobs in
>wettbewerblich interessanteren Regionen
>in der Welt neugeschaffen,
Stimmt. Während in den wichtigen Absatzmärkten keiner mehr das Geld
erwirtschaftet, die in den interessanten Regionen produzierten Güter
zu kaufen.

>Das Arbeitsrecht in Deutschland sollte
>dringend reformiert und
>entrümpelt werden,
>um wieder eine Vollbeschäftigung zu erreichen

Stimmt. Es darf keine bürokratischen Hürden bei der Neueinstellung
mehr geben.
Die feindselige Haltung gegenüber Älteren, Frauen, Ausländern und
Behinderten muss bekämpft werden.
Es müssen anständige Löhne für anständige Arbeit gezahlt werden.
Manager sollten dazu verpflichtet werden, drei Monate in dem Bereich
zu arbeiten, für den sie zuständig sind.

Quote
25. September 2008 00:38
Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen (Editiert vom Verfasser am 25.09.08 um 00:39)
nixXL (mehr als 1000 Beiträge seit 04.11.03)

> Es gibt keine Zwangsbetriebsräte. Die Mitarbeiter haben ab einer
> bestimmten Unternehmensgröße das Recht auf einen Betriebsrat.
Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen. Sollen die das doch
selber bezahlen, wenn sie diese Vögel wirklich wollen. Die mitunter
zur Erfüllung der "wichtigen Arbeitsaufgaben" von DGB-Betriebsräten
verlangten Edelnutten können die Arbeitnehmer dann auch gleich
mitsponsern, das verringert die Unternehmenskosten und schafft
(Blow-)Jobs in Deutschland :)

> >die Löhne sind ja in D im Vergleich zu anderen
> >EU-Nachbar-Ländern wie Polen oder Tschechien
> >oder Slowakei 5-10-mal
> >höher
> Typisches Neongeschwätz. Beinhaltet auch, die mehr als 10-mal so
> hohen Lebenshaltungskosten zu verschweigen.
Nein - die Mieten in Prag sind nicht 10-mal höher als in Berlin,
sondern nur etwa 20% höher. Die restlichen Lebenshaltungskosten sind
etwa gleichhoch. Reisen bildet ;-) Und was für ein Neongeschäft?

> >Ansonsten werden neue Jobs in
> >wettbewerblich interessanteren Regionen
> >in der Welt neugeschaffen,
> Stimmt. Während in den wichtigen Absatzmärkten keiner mehr das Geld
> erwirtschaftet, die in den interessanten Regionen produzierten Güter
> zu kaufen.
Genau - in Regionen in denen kein verzopftes Arbeitsrecht und dafür
ein Wirtschaftswachstum von 5-10% jährlich besteht: dort entstehen
die neuen Jobs. Nicht in Deutschland mit Null-wachstum und
Überbürokratisierung / Überregulierung in allen Lebensbereichen.

> >Das Arbeitsrecht in Deutschland sollte
> >dringend reformiert und
> >entrümpelt werden,
> >um wieder eine Vollbeschäftigung zu erreichen
>
> Stimmt. Es darf keine bürokratischen Hürden bei der Neueinstellung
> mehr geben.
Genau - endlich Abschaffung des überflüssigen Kündigungsschutzes. Da
stimme ich mit Dir überein.

> Es müssen anständige Löhne für anständige Arbeit gezahlt werden.
Richtig. Im Weltmarkt wettbewerbsfähige Löhne. Es kann nicht sein,
dass ein deutschar Arbeitnehmer nur wegen seines "doitschen Blutes"
(wie PDS/NPD argumentieren) bei gleicher Leistung automatisch 5-mal
mehr Lohn verlangen kann, als sein gleichqualifizierter polischer
Kollege in benachbarten EU-Land ... und die Minderleister mit
überhöhten ALG2-Zahlungen dauerhaft subventioniert und von Arbeit
entwöhnt werden. Dauerhaftes Schaukeln in der sozialen Hängematte
sollte nicht weiter belohnt werden.

> Manager sollten dazu verpflichtet werden, drei Monate in dem Bereich
> zu arbeiten, für den sie zuständig sind.
Sofern sie das mit dem Eigentümer ausgehandelt haben, kann das der
Manager oder jeder andere Arbeitnehmer verlangen Typischweise
arbeiten Manager und andere Arbeitnehmer jedoch ca 12 Monate in ihrem
Bereich. Pro Jahr.

Quote
25. September 2008 08:19
Danke.
FrogmasterL (mehr als 1000 Beiträge seit 02.11.05)

Ich habe herzliche gelacht, man könnte fast meinen, Du meinst es
ernst.


Quote
25. September 2008 09:06
Re: Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen
Neither (171 Beiträge seit 12.10.05)

nixXL schrieb am 25. September 2008 00:38

...vieles was schon wirklich amüsant ist :-)

> Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen.

Stimmt! :-)
Du willst hier in Deutschland Musik? Dann musst Du Dich eben an
unsere Regeln halten :-)

> Sollen die das doch
> selber bezahlen, wenn sie diese Vögel wirklich wollen....

Du weißt ja offenbar nicht einmal wirklich was die Aufgaben und die
(gesetzlichen) Grundlagen von Betriebsräten sind.

> Nein - die Mieten in Prag sind nicht 10-mal höher als in Berlin,
> sondern nur etwa 20% höher.

Prag!?
Warum nicht gleich der Vergleich mit Moskau?

> Genau - in Regionen in denen kein verzopftes Arbeitsrecht und dafür
> ein Wirtschaftswachstum von 5-10% jährlich besteht: dort entstehen
> die neuen Jobs. Nicht in Deutschland mit Null-wachstum und
> Überbürokratisierung / Überregulierung in allen Lebensbereichen.

Super! Fangen wir doch an die Bürokratie zurückzudrängen und zu
vereinfachen. Das hat allerdings gar nichts mit dem jetzigen Thema zu
tun.
Als erstes sollten wir solche Dinge wie die Absetzbarkeit von
Firmenwagen komplett streichen, die keine LKWs sind :-)
Dann streichen wir die Absetzbarkeit von angeblichen Arbeitszimmern
in privaten Häusern, und, und, und...

> Genau - endlich Abschaffung des überflüssigen Kündigungsschutzes. Da
> stimme ich mit Dir überein.

Ja, und wenn die Arbeiter streiken, dann rufen wir das Militär wie zu
Kaisers Zeiten ;-)

>...Es kann nicht sein,
> dass ein deutschar Arbeitnehmer nur wegen seines "doitschen Blutes"
> (wie PDS/NPD argumentieren)...

Wie krank wird Deine Argumentation jetzt eigentlich?

Es würde mich ehrlich interessieren aus welchem putzigen Land zu
kommst?!
Erfahrungsgemäß (und eigenartigerweise!) argumentieren gerade
Österreicher und Schweizer so wie Du es hier exerzierst <:*)





Quote
24. September 2008 21:21
Siemens-Vorstand: "Wir haben die Angestellten gefickt! Und es war geil!" /nt
Calibrator (mehr als 1000 Beiträge seit 16.03.01)

mt



Aus: "Ex-Siemens-Vorstand räumt verdeckte Millionenzahlungen ein" (24.09.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Ex-Siemens-Vorstand-raeumt-verdeckte-Millionenzahlungen-ein--/meldung/116441

-.-

Quote
[...] Der Schmiergeldskandal bei Siemens hat nach Einschätzung von Aufsichtsrat und IG-Metall-Funktionär Heinz Hawreliuk tausende Arbeitsplätze gekostet. Durch Korruptionszahlungen sei die wirtschaftliche Misere im ehemaligen Siemens-Telekommunikationsbereich "verschleiert, vertuscht und unter den Teppich gekehrt" worden, sagt Hawreliuk in der ZDF-Dokumentation "Der Fall Siemens: Der Konzern und die Korruption", die am nächsten Mittwoch (1. Oktober) ausgestrahlt werden soll.

"Bei Siemens sind Arbeitsplätze verloren gegangen, weil die Schwächen des Bereichs von Korruptionszahlungen überdeckt worden sind, die zu künstlich zugeführten Aufträgen geführt haben", sagte Hawreliuk. Die Bestechungspraktiken seien mitverantwortlich für die BenQ-Mobile-Krise und den Niedergang der Siemens-Telecomsparte.

Das Handygeschäft war 2006 an den taiwanischen Konzern BenQ gegangen. Ein Jahr darauf kam die Insolvenz. Mehr als 3000 Beschäftigte in Deutschland verloren ihren Job. Im größten Schmiergeld-Skandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte geht es insgesamt um 1,3 Milliarden Euro an dubiosen Zahlungen.

Quote
24. September 2008 14:13
Super Argumentation!
Advocadus Diaboli (mehr als 1000 Beiträge seit 10.01.00)

Zitat:
"Bei Siemens sind Arbeitsplätze verloren gegangen, weil die Schwächen
des Bereichs von Korruptionszahlungen überdeckt worden sind, die zu
künstlich zugeführten Aufträgen geführt haben"

Heißt im Klartext: "Ohne die Korruptionszahlungen hätten wir die
Bereiche schon viel früher dicht gemacht da wir dann ihre mangelnde
Rentabilität eher entdeckt hätten"

Nein, ich bin nicht für Korruption, ganz im Gegenteil, aber irgendwie
ist es müßig jetzt den Stellenabbau auf den Korruptionsskandal
schieben zu wollen.

Vor allem erscheint es mir recht seltsam, daß ein Bereich der tief in
einer Misere steckt trotzdem noch genügend Geld flüssig hat um
kräftig schmieren zu können...


Quote
24. September 2008 15:36
Immer ein minus Geschäft DIE WARHEIT
xyr0x (11 Beiträge seit 28.02.08)

Als ehemaliger Siemens Arbeiter kann ich gewissenhaft sagen, dass bei
Siemens vieles daneben läuft.

Die zahlreichen Abteile die es Siemens haben alle eine eigene Kasse
mit Geld. Ja mit vielem Geld.

Das Abteil kann mit dem Geld das Ihnen zur Verfügung steht immer
wieder etwas anstellen

- Ware bestellen (auch bei anderen Abteilen (intern))
- Mitarbeiter Laptops reparieren lassen (bei den zuständigen
IT-Abteilungen)
- Parkplätzer für Chefs und Mitarbeiter mieten (diese Parkplätze
gehören der Siemens AG selbst)
- Essen, Trinken,... kaufen

und vieles mehr.
Der Clou dabei ist. Das Geld exisitiert nur auf Papier
(Monopoly-Geld)
Aber dennoch wird alles schön bei dem Finanzamt angegeben. Man hat ja
Ausgaben :). Also auf gut deutsch, die Abteile bezahlen sich
untereinander mit Spielgeld.

Zu den Schmiergeldern kann man nur sagen...
Wenn ich einen Auftrag haben will, der mir z.B. 2000 Euro Gewinn
einbringen würde und bezahle aber schon 1500 Euro Schmiergeld um den
Auftrag zu bekommen, dann bleiben nurnoch 500 Euro üprig. Auf dauer
kann man dann keine Arbeitsplätze mehr halten.

[...]


Quote
24. September 2008 14:58
Aha. Soso. Jaja.
SeBiG (710 Beiträge seit 19.12.02)

"Bei Siemens sind Arbeitsplätze verloren gegangen, weil die Schwächen
des Bereichs von Korruptionszahlungen überdeckt worden sind, die zu
künstlich zugeführten Aufträgen geführt haben", sagte Hawreliuk. "Die
Bestechungspraktiken seien mitverantwortlich für die
BenQ-Mobile-Krise und den Niedergang der Siemens-Telecomsparte."
...und wann zieht die Politik daraus ENDLICH mal die notwendigen
Konsequenzen?

Wenn das Zauberwort A-R-B-E-I-T-S-P-L-Ä-T-Z-E in diesem Land alles
rechtfertigt, das Verschweigen übelster Skandale in der
Fleischindustrie, Sklaverei per Gesetz wie bei Zeitarbeitern, Armut
per Gesetz wie im Falle "Hartz-IV", warum kann nicht auch mal am Ende
der Sozialen Nahrungskette die Brechstange angesetzt werden?

Nur ein schlichter Paragraph: Die verantwortlichen Manager haften in
Deutschland ab sofort mit dem Privatvermögen ihrer Familie für grob
fahrlässiges Verhalten sowie Unternehmensschäden, die durch
ungesetzliche Praktiken herbeigeführt werden (auch im Falle ihrer
direkten Untergebenen)...

...und die allabendlichen Kotzanfälle beim Betrachten der Tagesschau
über all die Ackermanns, Zumwinkels und wie das Pack alles heißt, das
sich hinterher unbehelligt mit ins Privatvermögen abgezweigten
Millionen in den sehr angenehmen Altersruhesitz zurückzieht, gehören
EIN FÜR ALLEMAL der Vergangenheit an.

Ja, ich weiß... Laßt mich ein bißchen träumen. Da genau diese Leute
allabendlich in gediegensten Etablissements mit der ersten Reihe
unseres Bundestagspanoptikums speisen, und keine etablierte Partei
schon allein DARAN irgendwas zu ändern auch nur in kühnsten Träumen
in Erwägung zieht, spricht schon für sich, daß sich an diesem Filz
aus Politik und Wirtschaft nix ändern wird. Zahlen tun letzten
endlich immer nur die Doofköpppe, die für ihr Geld auch arbeiten
gehen müssen.

q.e.d. - siehe Artikelschlagzeile!

     >:-E = SeBiG


Quote
24. September 2008 17:48
Da wird wohl gerade an einem Sündenbock gebastelt...
viandante (234 Beiträge seit 28.09.05)

... denn bei Siemens wird es zu ganz dicken Entlassungen kommen und
zwar nicht wegen der Schmiergelder sondern wegen des Kurses des neuen
Chefs, dem GröMaZ mit an Größenwahn grenzenden Renditevorstellungen.
Habt ihr mal den Aktienkurs von Siemens verfolgt, seit der vorsteht?
Absolute Talfahrt.
Tja, schieben wir mal alles auf die Schmiergeldaffäre.

Just my 0.02 Eurocents,

V.


Quote
24. September 2008 15:25
Wer diesen Bullshit glaubt ...
Elko (mehr als 1000 Beiträge seit 21.02.01)

Will man in diesen korrupten Welt-Strukturen mit einem Konzern
überleben, bleibt einem nichts anderes übrig. Nein, ich stelle ehr
die These auf, das die Medien mit ihrer überschwenglichen Gier nach
Sensation am Zusammenbruch verantwortlich sind. Warscheinlich wurden
Sie noch von Mitbewerbern gefüttert, die jetzt königlich profitieren.

Gerade beim ZDF oder anderen off. rechtlichen Anstalten sollte man
lieber den Finger ganz weit unten halten. Was da an Absprachen
stattfindet ist genauso unter aller Sau.

Es ist nicht nur im Siemens Konzern Gang und Gebe.
Aber ih weiss ja, wir sind ja alle auf Kuschelkurs und Selbstfindung.




Aus: "Siemens-Aufsichtsrat: Korruptionsskandal kostete tausende Arbeitsplätze" (24.09.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Siemens-Aufsichtsrat-Korruptionsskandal-kostete-tausende-Arbeitsplaetze--/meldung/116410

« Last Edit: September 25, 2008, 11:45:11 vorm. by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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[Jürgen Wilhelm Möllemann... ]
« Reply #118 on: September 25, 2008, 12:16:33 nachm. »
Quote
[...] Jürgen Wilhelm Möllemann (* 15. Juli 1945 in Augsburg; † 5. Juni 2003 in Marl-Loemühle) war ein deutscher Politiker (FDP). Er war unter Kanzler Kohl von 1987 bis 1993 Bundesminister der Wirtschaft und Bundesminister der Bildung, ab Mai 1992 auch Vizekanzler. Im Januar 1993 trat er im Zuge der Briefbogen-Affäre aus der Bundesregierung aus.

[...] Möllemann war ein leidenschaftlicher Fallschirmspringer und hatte seine Absprünge häufig auch für Wahlkampfauftritte in Szene gesetzt. Am 5. Juni 2003 starb er an den vielfachen Verletzungen, die er bei Marl-Loemühle durch einen Absturz beim Fallschirmsprung erlitt. Er klinkte sich aus dem Haupt-Fallschirm aus, der Reserveschirm wurde aber nicht geöffnet, was zu einem ungebremsten Aufschlag führte. Die Gründe dafür sind ungeklärt. Jedoch war der Öffnungsautomat, welcher den Reservefallschirm automatisch ausgelöst hätte, abgeschaltet worden. Möllemann hat laut Aussage seiner Kameraden sich der gegenseitigen Kontrolle des Notsystems entzogen, da er ein Glas Wasser holen wollte.[2]

Der am 9. Juli des Jahres vorgelegte Abschlussbericht der untersuchenden Staatsanwaltschaft Essen schloss Fremdverschulden als Todesursache aus, es konnte aber nicht abschließend geklärt werden, ob es sich um einen Unfall oder um Suizid gehandelt hatte. Die zehn Sportkameraden, die mit ihm in die Luft gingen, hatten ihn gefragt, ob er wie oft zuvor einen Formationsflug, den „Sechserstern“, mitmachen würde. Möllemann erklärte daraufhin: „Ich springe heute einen Einzelstern.“

[...] Weniger als eine halbe Stunde vor dem tödlichen Sprung hatte der Deutsche Bundestag Möllemanns Immunität aufgehoben. Daraufhin durchsuchten Ermittler der Polizei und die Staatsanwaltschaft im Rahmen von Ermittlungen gegen ihn wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung sowie des Verstoßes gegen das Parteiengesetz Liegenschaften und Geschäftsräume in verschiedenen Ländern. Nach dem Tod von Jürgen Möllemann wurden die Ermittlungen in dem Strafverfahren eingestellt.

Im Dezember 2004 wurde ein Insolvenzverfahren über seinen Nachlass eröffnet.


Aus: "Jürgen Möllemann" (9. September 2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_M%C3%B6llemann

-.-

Quote
[...] Als Jürgen W. Möllemann am 5. Juni 2003 am Fallschirm in den Tod sprang, hinterließ er in seiner früheren Partei Entsetzen und eine bleierne Lähmung. Auch fünf Jahre danach hat die FDP mit ihrer schillernden einstigen Führungsfigur noch nicht abgeschlossen. „Jetzt kommt noch die Schlussabrechnung für seine Finanzmanipulationen“, sagt der Chef der FDP-Landtagsfraktion in NRW, Gerhard Papke. „Das gehört mit zu seinem Erbe.“

[...] Die FDP will ihren einstigen Bundes-Vize trotz Parteispenden- Affäre und seines zuletzt als anti-israelisch kritisierten Politik-Schwenks nicht länger aus ihrer Parteigeschichte verdrängen. „Er war kein Antisemit“, sind Pinkwart und Papke sich in ihrem Urteil über den langjährigen Weggefährten einig. „Aber er hat ganz gezielt den rechten Rand bedient, hat damit gespielt und versucht, das zu benutzen“, kritisiert Pinkwart. „Auch das ist nicht zulässig.“

Dass Möllemann vor dem Bundestagswahlkampf 2002 ein spektakuläres Flugblatt mit Kritik an der israelischen Regierung verdeckt über sein Privatvermögen finanziert hat, wird die FDP noch teuer zu stehen kommen. Rund 1,8 Millionen Euro hat die NRW-FDP vorsorglich an Rückstellungen für etwaige Strafzahlungen an die Bundestagsverwaltung in ihre Bilanz eingestellt, 874.000 Euro mit Hilfe eines Kredits bereits unter Vorbehalt bezahlt. Der Bescheid soll in Kürze eintreffen. Derzeit schuldet die NRW-FDP den Banken nach eigenen Angaben knapp 600.000 Euro.

[...]


Aus: " 5. Todestag - FDP hadert weiter mit Jürgen Möllemann" (5. Juni 2008)
Quelle: http://www.welt.de/politik/article2068823/FDP_hadert_weiter_mit_Juergen_Moellemann.html

-.-

Quote
[...] [ngo/ddp] Mehr als fünf Jahre nach dem Tod des FDP-Politikers Jürgen Möllemann ist am Amtsgericht Münster das Insolvenzverfahren über sein Vermögen beendet worden. Wie Insolvenzverwalter Norbert Kruse am Mittwoch mitteilte, stehen Aktivposten von rund 1,3 Millionen Euro Schulden von 4,4 Millionen Euro gegenüber. An die Gläubiger verteilt würden noch rund 1,3 Millionen Euro aus dem Verkauf einer Ferienvilla von Möllemann auf der Ferieninsel Gran Canaria. Übrig blieben dann noch mehr als drei Millionen Euro Schulden, teilte Kruse weiter mit. Hauptgläubiger ist das Finanzamt. Der Fiskus wird den Angaben zufolge wohl auf dem größten Teil seiner Forderungen sitzenbleiben.

Wie Insolvenzverwalter Kruse sagte, ist der Kreis der Gläubiger "klein, aber größer als drei".

Möllemann war im Juni 2003 bei einem Fallschirmabsprung auf dem Flugplatz Marl ums Leben gekommen. Bis heute konnte nicht geklärt werden, ob es sich um einen Unfall, Mord oder um Selbstmord gehandelt hat.

Im Zuge der FDP-Parteispendenaffäre war gegen Möllemann unter anderem wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und des Verstoßes gegen das Parteiengesetz ermittelt worden.



Aus: "Insolvenzverfahren gegen Möllemann: Privat-Gläubiger kassieren 1,3 Millionen, Finanzamt geht leer aus" (24. September 2008)
Quelle: http://www.ngo-online.de/ganze_nachricht.php?Nr=18661


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[Gamebling..It hurts doesn't it?... ]
« Reply #119 on: September 25, 2008, 05:18:10 nachm. »
Quote
[...] Es seien Vereinbarungen getroffen worden, über die beteiligte Notenbanken bis zu 30 Mrd. $ in ihre Bankensysteme pumpen können, teilte die Fed mit. "Die Zentralbanken arbeiten angesichts der angespannten Märkte weiterhin zusammen und sind bereit, falls nötig einzuschreiten." Konkret geht es um die Zentralbanken Australiens, Dänemarks, Norwegens und Schwedens.

Die Notenbanken Australiens und Schwedens erhalten über so genannte Swap-Linien mit der Fed jeweils 10 Mrd. $, die dänische und die norwegische Zentralbank können jeweils 5 Mrd. $ abrufen. Dabei handelt es sich um Währungstauschgeschäfte. Die Fed gibt den anderen Notenbanken Dollar, damit sie diese in ihren jeweiligen Währungsräumen verteilen. Ähnlich wie in anderen Währungsräumen brauchen die Kreditinstitute neben Liquidität in eigener Währung vor allem kurzfristige Dollar-Mittel.

Die neuen Vereinbarungen ergänzen die bisherigen Abkommen mit der Europäischen Zentralbank (EZB), der Bank of Japan, der Bank of England, der Schweizerischen Notenbank und der Bank of Canada. Diesen Zentralbanken räumte die Fed ein Swap-Linien über insgesamt 247 Mrd. $ ein.

Sowohl die Zinsen für Tagesgeld in heimischen Währungen als auch die für Dollar-Tagesgeld liegen derzeit zum Teil dramatisch über den jeweiligen Leitzinsen. Die Vereinbarung mit der Fed gibt der norwegischen Notenbank nach eigenen Angaben "mehr Flexibilität" für ihre Liquiditätsspritzen. Sie hatte zuletzt versucht, den Markt unter Rückgriff auf ihre Devisenreserven mit eigenen Währungstausch-Geschäften zu entspannen. Erst am Dienstag hatte die Norges Bank einen einwöchigen Währungs-Swap über 5 Mrd. $ verlängert.

Die Reserve Bank of Australia gibt die Dollar-Mittel erstmals am Freitag in einer Auktion für 28 Tage an die Banken weiter. Die Zinsen für Interbanken-Kredite am Geldmarkt reagierten dennoch bereits und gaben etwas nach.

Zugleich boten die EZB und die Bank of England erneut ihren Kreditinstituten Geldspritzen von jeweils 40 Mrd. $ für einen Tag an. Zusätzlich teilte die EZB den Banken der Eurozone nochmals 40 Mrd. Euro über einen Schnelltender für einen Tag zu und schleuste über ein reguläres Refinanzierungsgeschäft weitere 50 Mrd. Euro für 84 Tage in den Markt.

Die Institute boten beim Schnelltender hohe Zinsen von in der Spitze 4,80 Prozent, um berücksichtigt zu werden. Der Durchschnittszins der akzeptierten Gebote betrug 4,35 Prozent. Bei der Auktion langfristiger Mittel rissen sich die Institute um die Liquidität. Die Mittel hatten ein Volumen von 154,6 Mrd. $, der Durchschnittszins betrug 5,11 Prozent.

Die EZB reagierte damit einerseits auf die anhaltend hohen Tagesgeldzinsen. Noch stärker zogen allerdings weiterhin die Zinsen für längere Termingelder in der Eurozone an. So kletterte der Satz (Euribor) für einwöchige Interbanken-Ausleihungen nochmals deutlich auf 4,741 Prozent von 4,698 Prozent am Dienstag, der Drei-Monats-Euribor stieg auf 5,066 Prozent und der Sechs-Monats-Euribor auf ein Rekordhoch von 5,276 Prozent.

Auch die Bank of Japan und die australische Notenbank stellten in heimischer Währung umgerechnet 14,2 Mrd. und 680 Mio. $ bereit. Japans Notenbank setzte zudem die angekündigte Dollar-Auktion über 30 Mrd. $ um. Diese Mittel werden für einen Monat zur Verfügung gestellt.


Aus: "Wegen Vertrauenskrise: Notenbank weitet Dollar-Abkommen aus" von Doris Grass (Frankfurt) (24.09.2008)
Quelle: http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/anleihen_devisen/:Wegen-Vertrauenskrise-Notenbank-weitet-Dollar-Abkommen-aus/417672.html?nv=cd-topnews

-.-

Quote
[...] Die Scheidelinie verläuft zwischen Schein und Sein. Die Illusionswerte sind lukrativer als die Substanzwerte. Der Unterschied zwischen der virtuellen und der realen Welt lässt sich jedoch nicht beliebig steigern. Auch ein Luftballon kann platzen, und irgendwann platzen auch die größten Finanzblasen. Dazu bedarf es nicht eines kleinen Jungen, sondern nur irgendjemandes, der bei den großen Spielen plötzlich Angst um sein Geld bekommt und nicht mehr mitspielt. Man kann auch alles übertreiben, selbst Mutige bekommen bisweilen Angst vor ihrer Courage.

97 Prozent des Finanzkapitals, das den Erdball umkreist, haben mit Wertschöpfung und realen Gütern nichts mehr zu tun. Es ist Spielgeld, das zum Zocken verwendet wird. Mit den Dollar-Billionen, welche die Erde in sechs Tagen umkreisen, kann das amerikanische Sozialprodukt eines Jahres aufgekauft werden. Das Handelsvolumen der Frankfurter Derivatenbörse Eurex war im Jahr 2006 genau 46-mal größer als das deutsche Bruttoinlandsprodukt desselben Zeitraums. Der Handel mit Zinsderivaten war 1600-mal höher als die Summe aller Investitionen im Inland.

Die virtuelle Welt der Finanzgeschäfte hat die reale Welt der Wirtschaft abgehängt. Wertschöpfung, Arbeit und Produktion verkommen zur Restgröße. Mit Arbeit und Eigentum hat diese Art von Finanzkapitalismus so viel zu tun wie eine Fata Morgana mit einer real existierenden Oase. Die Sprache der Finanziers, Bankiers und Börsianer verrät schon ihr pubertäres Versteckspiel: "Expander-Zertifikate", "Airbag-Zertifikate", "Outperformance-Zertifikate". Diese Wortspiele sind Hokuspokus - wie die Sache, die sie ausdrücken sollen.

Die Kapitalmassen ziehen um den Erdball und suchen verzweifelt Bodenkontakt. Sie kreisen über den Börsenplätzen herum. Viele Landeplätze gibt es nicht mehr. Es wird privatisiert auf Teufel komm heraus. Denn was nicht privatisiert ist, eignet sich auch nicht zur Finanzvermarktung. Wasserversorgung, Strafvollzug ... alles wird privatisiert und kapitalisiert. Als letzte Beute steht das Sozialsystem im Visier der globalen Kapitalstrategen. Kapitalisierung von Rente, Pflege, Krankenversicherung, das ist deshalb der letzte Schrei der Finanzkapitalisten, die sich als Retter aus sozialer Not maskiert haben.

"Die Rente ist sicher", habe ich vor zwanzig Jahren gesagt. Nun darf man hinzufragen: Welche denn? Bestimmt nicht die börsenorientierte! Von 112.000 Pensionsfonds der Vereinigten Staaten haben 32.000 überlebt. Der umlagefinanzierten Rentenversicherung ist ein solches Desaster noch nie passiert. 700 Milliarden Dollar werden jetzt ins amerikanische Bankensystem gepumpt. Aber das ist nur die erste Anzahlung. Weitere Raten werden folgen. Das ist vorerst so viel Geld, wie die Rentenversicherung hierzulande ungefähr in drei Jahren ausgibt.

Die Umverteiler gelten als sozialistische Teufel. Auf der Börse aber wird mehr umverteilt, als es die Rentenversicherung je schaffte. Wenn sich der Kurs einer global gehandelten Aktie um ein Prozent ändert, wird mehr umverteilt, als an diesem Tag auf der ganzen Welt an Lohn verdient wird. Wenn ein Unternehmen mit hohem Aktienkurs verstaatlicht wird, ist das "Sozialismus". Bei niedrigen Aktienkursen ist es "Sicherung der Marktwirtschaft". Bei welchem Aktienkurs wandelt sich Verstaatlichung in Marktwirtschaft?

...

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25.09.2008 11:20:17

katzenbob: Einer der wenigen Mahner...

Einer der Wenigen, die gegen den absoluten Wahnsinn der letzten 15 Jahre noch anschreien... leider wird Blüm von den Mainstreammedien weitgehend ignoriert, bzw. als unglaubwürdig hingestellt. Entweder sind die aktuell einflussreichen Politker dumm, engstirnig oder korrupt... vermutlich aber alle 3 Dinge zusammen! Jetzt wird wahrscheinlich Geld zur Rettung der Krise in den Apparat gepumpt, Konsequenzen werden aber wohl ausbleiben... Bild, Spiegel, INSM und andere neoliberale Vorbeter werden es den Massen schon beibiegen... von den Massenmedien in den USA ganz zu schweigen. Vielleicht ist es aber auch das (un)bewusste Ziel dieser Entwicklung, zumindest die "linke" Hand des Staates weitestgehend handlungsunfähig/pleite zu machen. Und dann: Alle gegen alle - möge der (finanziell) stärkere gewinnen! Sozialdarwinismus pur!


Quote

25.09.2008 11:35:35

speisekuchen: Rente

Es ist schon verrückt: da darf Herr Blüm eine zwanzig Jahre alte Lüge die in Form eines Wahlkampfslogans daherkam wiederholt als Titel auf`s Tablett bringen...


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25.09.2008 12:14:11

fair-play: "Der Neoliberalismus scheitert am Menschen, wie er ist, sein will und soll." ...

wie zuvor schon die "Kommunismus-Derivate" des ehemaligen Ostblock ...



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25.09.2008 11:24:16

Legis: Ja - für die, die Geld zum Zocken haben!

Und das ist eine Minderheit!

Aber nach dieser Minderheit haben sich unsere Bundesregierungen zusammen mit den USA gerichtet!

Warnungen von Joseph Stiglitz wurden in den Wind geschlagen und die Bevölkerung wurde bzw. wird noch geplündert!

Bill Clinton hinterließ einen ausgeglichenen US-Haushalt. Bush hat dieses Amerika zugrunde gewirtschaftet. Jetzt will der die Notstandsgesetze ausrufen und die US-Armee soll die eigene Bevölkerung im Zaum halten! Fakt!

Oder denkt jemand, dass diese Raubritter des totalitären Kapitalismus sind von irgendjemandem noch bremsen lassen?

http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_E._Stiglitz


Quote

25.09.2008 12:04:03

HansJoachim44:

Norbert Blüm hat und hatte Recht mit seiner Ablehnung einer privaten Rentenversicherung. Es war schon damals absehbar, daß kapitalgedeckte Renten keineswegs so sicher sein konnten wie solche, die täglich neu vom arbeitenden Teil der Bevölkerung erwirtschaftet werden. So weit so gut.

Falsch ist und war allerdings die Behauptung, daß die Rente sicher sei. Die staatliche Rente ist einigermaßen sicher vor Spekulationattacken oder Finanzkrisen, dafür ist sie umso anfälliger gegenüber der Bevölkerungsentwicklung. Wer soll sie denn erarbeiten, diese Rente, wenn kein Mensch mehr Kinder kriegt?


Quote
25.09.2008  12:15:40

yarx: Zocken?

Das ist dass richtige Wort in diesem Beitrag, einige werden es nie lernen, aber jetzt haben sie sich VERZOCKT! Gamebling..It hurts doesn't it? Naja, Life ai'nt a Ballpark ! Die Rente war sicher? Ich habe Ihnen. nie getraut, diiesen Vasallen. der Finanzmartwirtschaft!




Aus: "Unsichere Altersvorsorge: Die Rente war sicher" Eine Außenansicht von Norbert Blüm (25.09.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/653/311574/text/4/


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[Deswegen geben wir unser Geld jetzt nicht aggressiv aus... ]
« Reply #120 on: Oktober 01, 2008, 10:35:34 vorm. »
Quote
[...] "Die Wirkung auf die Private-Equity-Branche ist vernichtend", sagte Ian Cash, Managing Director des britischen Finanzinvestors Alchemy, auf einer Konferenz der Private-Equity-Dachfondsgesellschaft VCM. "Das gesamte Geschäftsmodell der Private-Equity-Gesellschaften ist bedroht." Michael Hinderer, Chef von Altium Capital, meinte: "So etwas wie jetzt habe ich noch nie gesehen." Als ein Mitgründer einer Vorläuferfirma von Apax ist Hinderer seit Jahrzehnten im Geschäft.

Die bis Mitte 2007 andauernde Kredithausse hatte jahrelang die Deals der Private-Equity-Firmen getrieben - und ihre Gewinne. Da Milliardendarlehen kaum mehr vergeben werden, ist ihre Übernahmetätigkeit stark geschrumpft: Laut Thomson Financial ist das weltweite Dealvolumen in diesem Jahr bis Mitte September gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 72 Prozent auf 184 Mrd. $ eingebrochen und sank in Deutschland von 27 auf 13 Mrd. $.

Die größte Bedrohung ist jedoch, dass sich die Werte vieler Firmen in den Portofolios drastisch verringern dürften. "Die Ausfallraten steigen, wir erwarten 20 Prozent oder mehr", so Cash. Wegen des Konjunktureinbruchs dürften sich die Umsätze vieler Unternehmen in den Private-Equity-Portfolios verschlechtern und damit auch ihre Margen. Die Folge für die Private-Equity-Firmen sind hohe Abschreibungen: So hatte KKR die Werte seiner Portfoliofirmen jüngst um 1,2 Mrd. Euro herabgesetzt. Dies ist erst der Anfang: "Der Schaden ist bereits entstanden, aber noch nicht in Erscheinung getreten", meinte Lemy Gresh, Gründer des Mezzaninefonds Mezzvest.

Zudem hat die Kreditbereitschaft der Banken auch für kleine Private-Equity-Deals stark nachgelassen - was die Unternehmensbewertungen ebenfalls drückt: Hinderer berichtet von einem Fall, in dem die Banken noch im Juni einen Kredit in Höhe des 5,5-fachen operativen Unternehmensgewinns (Ebitda) versprochen hätten. Im September hätten sie nur noch das vierfache Ebitda gewährt.

Mit Blick auf den Abschwung haben sich sogenannte Distressed-Investoren, die auf problembehaftete Unternehmen spezialisiert sind, bereits seit Ende 2006 mit Milliardenfonds munitioniert und kräftig investiert. Der Chef des US-Fonds Oaktree, Howard Marks, räumte am Montag ein, dass man damit früh dran war. "Wir haben die Talsohle noch nicht erreicht, deswegen geben wir unser Geld jetzt nicht aggressiv aus."


Aus: "Private Equity
Unter "Heuschrecken" bricht Panik aus" von Angela Maier (München) (FTD, 30.09.2008)
Quelle: http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:Private-Equity-Unter-Heuschrecken-bricht-Panik-aus/420186.html

-.-

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[...] Kursrutsch an US-Börsen vernichtete etwa 1,2 Billionen Dollar
Damit sind die Verluste fast doppelt so hoch wie das von der US-Regierung geplante Rettungspaket für den US-Finanzsektor - Tokio startet mit Minus

Washington/Tokio - Beim Absturz der Aktienkurse in den USA am Montag sind etwa 1,2 Billionen Dollar (834 Milliarden Euro) Börsenwert vernichtet worden. Dies ergibt sich aus dem Dow-Jones-Wilshire-5000-Index, dem größten Messwert für Börsenbewegungen in den USA. Damit sind die Verluste fast doppelt so hoch wie das von der US-Regierung geplante Rettungspaket für den US-Finanzsektor.

Die Ablehnung dieses 700-Milliarden-Dollar (488 Mrd. Euro) schweren Paketes durch das Repräsentantenhaus hatte den Absturz der Kurse an den US-Finanzmärkten ausgelöst. Der New Yorker Dow Jones Index sank dabei um mehr als 770 Punkte und verbuchte den höchsten Tagesverlust in seiner Geschichte.

Nach dem massiven Kurseinbruch an der Wall Street gerieten auch die Börsen in Lateinamerika sowie am Dienstag auch die Aktienbörse in Tokio in den Abwärtssog. Bereits zehn Minuten nach Handelsauftakt notierte der 225 führende Werte umfassende japanische Nikkei-Index einen Abschlag von 342,64 Punkte oder 2,91 Prozent beim Stand von 11 400,97 Punkten. (APA/AFP/dpa)


Aus: "Kursrutsch an US-Börsen vernichtete etwa 1,2 Billionen Dollar" (30. September 2008)
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=1220459468601


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[....der immer wollte, dass sich der Staat nicht einmischt (Ackermann)]
« Reply #121 on: Oktober 02, 2008, 01:14:21 nachm. »
Quote
[...] Josef Ackermann begrüßte die diversen Liquiditäts- und Stützungsmaßnahmen für die Finanzmärkte der vergangenen Tage. „Ohne diese Liquiditätseinschüsse der Notenbanken hätten wir eine ganz schwierige Situation gehabt“, sagte Ackermann am Dienstagabend auf einer Veranstaltung in Frankfurt. Auch die Regierungen in den Benelux-Staaten, Großbritannien und Deutschland hätten am vergangenen Wochenende einen „wichtigen Schritt“ gemacht. In der Nacht zum Montag hatte die Bundesregierung zusammen mit anderen Banken ein Rettungspaket für den Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate geschnürt. In den Benelux-Staaten und Großbritannien griffen die jeweiligen Regierungen ebenfalls angeschlagenen Finanzinstituten unter die Arme.

Ackermann räumte ein, keiner wisse, ob diese Maßnahmen reichten. „Aber jeder Schritt ist ein wichtiger Schritt, um wieder Vertrauen an den Finanzmärkten zu schaffen“. Mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers sei die Angst der Marktteilnehmer zurückgekehrt. Und sie habe zu einem Dominoeffekte geführt. „Dieser Teufelskreis muss nun durchbrochen werden, durch ein schnelles Bewilligen des Rettungspakets in den USA“, sagte Ackermann. Die US-Regierung will das US-Finanzsystem mit einem Rettungspaket von 700 Milliarden Dollar stützen.

Auch EZB-Chef Jean-Claude Trichet lobte die Rettungsaktionen europäischer Regierungen für angeschlagene Banken. Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg hätten bewiesen, dass die Europäer in der Lage seien, rasch und gut zu reagieren, sagte Trichet in einem am Dienstagabend im französischen Fernsehsender France-2 ausgestrahlten Interview. Der Chef der Europäischen Zentralbank betonte, dass Europa über die notwendigen Mittel verfüge, um der Krise an den Finanzmärkten zu begegnen.

Das milliardenschwere Rettungspaket für den taumelnden DAX-Konzern Hypo Real Estate ist unter Dach und Fach. Die Bundestagsfraktionen von Union und SPD stimmten am Dienstag dem Finanzplan von Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück zu. Danach gewährt der Bund dem Münchener Konzern eine Bundesbürgschaft von 26,6 Milliarden Euro. Merkel sagte, dies sei nötig, um bei Bürgern und Wirtschaft das Vertrauen in den Finanzplatz Deutschland zu erhalten.

Insgesamt beläuft sich die Bürgschaft auf 35 Milliarden Euro, davon tragen die Privatbanken aber nur maximal 8,5 Milliarden Euro.

Steinbrück sieht für die Beteiligung des Bundes an der Stützung des Immobilienfinanzierers eine breite Unterstützung durch den Bundestag. Er habe keine gewichtige Stimme gehört, die gegen die Rettung gewesen wäre, sagte er nach einer Sitzung des Haushaltsausschusses in Berlin. Die Alternativen wären ein Zusammenbruch der HRE oder eine Lösung gewesen, bei der der Bund viel Geld hätte in die Hand nehmen müssen. Der Bund stelle keine Steuergelder bereit, sondern übernehme lediglich eine Garantieposition für den Notfall.

Ziel sei es nun, das Vermögen der Hypo Real Estate unter Führung eines neuen Managements marktschonend zu verwerten, so dass die Bürgschaft möglichst nicht zum Tragen komme, sagte Steinbrück. Dies sei besser als nichts zu tun, was zu einer „Crash-Lösung“ geführt hätte. Der angeschlagene Immobilienfinanzierer aus München mit einer Bilanzsumme von 395 Milliarden Euro beschäftigt 1900 Mitarbeiter in Europa, Asien und Amerika.
flf/Reuters/dpa/AP

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Z_rulez | 33 Kommentare (02.10.2008 10:39)
dass Ackermann das begrüsst ist klar..
... In einer Volkswirtschaft (und in jedem Unternehmen) sind die beiden Einsatzfaktoren Arbeit und Kapital. Leider ist in den letzten Jahrzehnten zunehmend ein Missverhältnis in der Wertigkeit dieser beiden Faktoren fest zu stellen. So wird sich der Arbeitnehmer, der ohnehin schon zu knapsen hat auch von der ohnehin nur vagen Hoffnung verabschieden dürfen, daß sein Arbeitsweg und seine Mobilitätsbereitschaft durch Pendlerpauschalengeld etwas erleichtert wird. Statt dessen werden Bubbleökonomische Flurschäden bereinigt... Grausam....


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Wolfgang-GV | 2437 Kommentare (02.10.2008 07:11)
Bis vor kurzem haben Ackermann & Co.
immer gefordert, dass sich der Staat aus der Wirtschaft, einschliesslich der Banken, heraushalten soll. Aber jetzt, wo die Banken durch Gier und Überheblichkeit Hunderte Milliarden versenkten, kann es nicht genug Staatsknete sein.


Quote
markaurel (01.10.2008 18:43)
Aufgabe der Banken
und nicht des Steuerzahlers! Wo bleibt das Opfer dieser Pseudo-Manager die wenn es um ihren Vorteil geht die größten sind wenn sie sich verzockt haben aber nach Staatshilfe schreien. Wo bleiben die Aktionäre wegen deren Profit Mitarbeiter entlassen werden bei Verlusten sich aber gleich an den Mitarbeiter als Steuerzahler erinnern?


Quote
Jotaoa | 116 Kommentare (01.10.2008 10:23)
Ich bin dafür,
dass es über solche Ausgaben von Steuergeldern künftig Volksabstimmungen gibt!


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Rheinhesse | 1527 Kommentare (01.10.2008 08:58)
Unglaublich
Ackermann? Das ist doch der, der immer wollte, dass sich der Staat nicht einmischt.


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jottemmvdo | 493 Kommentare (01.10.2008 08:52)
mit was für eine Arroganz
redet er Herr Ackermann daher?! Erst kassiert er und seine Kollegen Millionen an Gehältern und Millarden an Gewinnen, die nur zu einem Bruchteil versteuert werden, und nun muss der Steuerzahler für diese Zocker haften. Es wäre doch besser gewesen, all diese Zockerbuden in die Preite laufen zu lassen. Dann würden die in Zukunft von solchen Geschäften die Finger lassen. Wie wäre es, wenn jede Bank in den nächsten Jahrzehnten die Steuermillarden mit Zinsen zurückzahlt. Natürlich nicht steuerfrei, d,h. diese Zahlungen dürfen sie nicht von der Steuer absetzten.


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corado081250 | 2 Kommentare (01.10.2008 08:35)
Ackermann
Um es kurz zu machen: Kapital und Politik handeln nach dem Motto, ich halt sie Dumm und du hälts sie arm, so einfach ist das, also warum aufregen?


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Der Mahner (01.10.2008 07:31)
Verantwortung übernehmen
Eingreifen oder nicht. Ich habe bisher in keiner Diskussion gehört wer und wie die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Jeder Handwerker/GmbH oder Haushalt kann nur mit dem wirtschaften was er hat und muss auch dafür persönlich gerade stehen. Das Grundproblem unserer Gesellschaft ist doch gerade das in allen Schichten "keine Verantwortung für sein eigenes Handeln" übernommen wird.


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mexx66 | 1 Kommentar (01.10.2008 07:23)
Bundesregierung hat richtig gehandelt
Die Hypo Real Estate hat ein funktionierendes Geschäftsmodell und hat nur aufgrund der Tatsache das im Moment auf dem Markt kein vertrauen herrscht Liquiditätsprobleme. Aufgrund der Bürgschaft ist nun das Vertrauen wieder hergestellt und die Geschäfte können weiter laufen. Das wird uns Bürgern letztendlich keine Cent kosten. Ohne diese Unterstützung wären jedoch auch andere Banken in Schwierigkeiten geraten und die Krise hätte sich stark ausgeweitet. Folglich war die Entscheidung völlig richtig!


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JethroTull | 130 Kommentare (01.10.2008 06:46)
Ist ja schon komisch,
hat Herr Ackermann nicht noch vor nicht all zulanger Zeit getönt, das sich die Politik raushalten soll. Der Markt reguliert sich selber hieß es. Naja, ich bin ja mal gespannt wie nun die Wahlgeschenke für nächstes Jahr finanziert werden sollen. Es ist doch wohl hoffentlich jedem klar, das da gelogen wird bis sich die Balken biegen. Erst immer Behaupten für den Bürger ist kein Geld da, jetzt fließen die Milliarden. Da bleibt wohl für Wahlversprechen nichts übrig. Also bitte, nicht darauf hereinfallen. Die große Abrechnung für den Bürger kommt nach der Wahl, und das wird dann zwar auch ein Geschenk, aber mit Sicherheit kein Positives.


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ThomasHempel | 12953 Kommentare (01.10.2008 06:41)
Anderes hätte ich ...
von Herrn Ackermann auch nicht erwartet, das er diese Finanzspritzen des Staates gutheisst, letztendlich ist es doch eine Art von Freifahrtschein der Banken hier eigene Unzulänglichkeiten auf Kosten der Steuerzahler ausgleichen zu lassen und das ohne schlechtes Gewissen.


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blogger (01.10.2008 00:13)
so kann es nicht weiter gehen
Wie kann es Vertretbar sein, wenn im Sozialen Bereich mit dem Argument der mehr Eigenverantwortung gekürzt wird, und Banken ein Persilschein ausgefüllt wird? Ich meine gar nicht. Alles was der Staat in den Finanzmarkt steckt, sollte er sich teuer zurück zahlen lassen. Die Zügel für den Finanzsektor müssen stark angezogen werden. Ich erwarte das die Politik jetzt handelt!


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FF (30.09.2008 23:56)
Globalisierung aber nur für die Armen
Seltsame Dinge spielen sich dieser Tage ab. Jahrelang wurde ein Hochlied auf die Globalisierung gesungen, von der nur wenige profitierten. Von der Masse wurde Einsicht bezügl. sinkender Realeinkommen u. Dumpinglöhnen gefordert. Die daraus erzielten Gewinne wurde verzockt, verspekuliert, vorneweg die Banken. Plötzlich gilt das nicht mehr: werden Gewinne privatisiert ,Verluste sozialisiert


Quote
melita44 | 57 Kommentare (30.09.2008 23:49)
Natürlich hacken jetzt wieder ALLE auf Ackermann
herum! Aber auch sein Einkommen wird im nächsten Jahr sinken, denn die Aktienoptionen sind an den Gewinn gekoppelt. Aber wo bitteschön hat die Deutsche Bank Verluste sozialisiert? Seit Ackermann Chef ist, hat die DB in keinem Jahr Verluste ausgewiesen, wieviele Mitarbeiter hat die DB seit 2005 entlassen, ca. 300 Investment-Banker in London. Und was die HRE betrifft, auch die Bundesregierung finanziert Projekte über die Tochter-Depfa, und muss ein Interesse daran haben, dass diese Projekte ausgeführt werden! Nun wird bereits über die Bürgschaft des Bundes für die HRE gejammert, obwohl noch nicht ein Cent beansprucht wurde! Kein Mensch käme auf die Idee ein Haus über kurzfristige Kredite zu finanzieren, wie die Depfa das gemacht hat, das ist nicht nachvollziehbar und musste so enden!


Quote
Demokrat2008 (30.09.2008 23:21)
Verkehrte Finanzwelt...
Ist schon absurd. Überweist ein Normalbürger 11000 Euro für ein neues Auto an Verwandte im Ausland greifen sämtliche Sicherungsmechanismen, vom pauschalen Geldwäscheverdacht bis zur Befragungsrunde am Bankschalter. Auf der anderen Seite verzocken Banker ohne jegliche Kontrolle Milliardenbeträge und der Staat zahlt hinterher auch noch die Zeche. Darüber sollten einige Politiker mal nachdenken!


Quote
Stefan Rothe (30.09.2008 23:21)
Illusionen
Die umlaufenden Diskussionen um Pfandbriefe, Tagesgeld, Sparkassen und Privatbanken sind bloß Geplänkel. Eine echte Weltwirtschaftskrise (wie in den 20er-Jahren) würde bei der Verfaßtheit von Industrie und Handel in Deutschland in wenigen Wochen zu Hungersnot und Anarchie mit Plünderungen und Straßenkämpfen führen. Erst dann wird der deutsche Michel die Schwätzer als das erkennen, was sie sind.


Quote
GoethesAhne | 73 Kommentare (30.09.2008 23:00)
Wer hat Sie denn gewählt?
So ist das eben. Man wettert eifrig gegen eine moderne Sozialpolitik, wählt weiter CDU & FDP... und meckert über Ackermann.

...





Aus: "Deutsche-Bank-Chef: Ackermann begrüßt Staatshilfe für Banken" (30.09.08)
Quelle: http://www.focus.de/finanzen/boerse/finanzkrise/deutsche-bank-chef-ackermann-begruesst-staatshilfe-fuer-banken_aid_337376.html

« Last Edit: Oktober 06, 2008, 04:07:40 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Nebenbemerkung: The Lordship of Moneygaming... ]
« Reply #122 on: Oktober 06, 2008, 04:13:17 nachm. »
Quote
[...] Die Deutschen waren noch nie so reich wie vor der Finanzkrise. Auf knapp 4,6 Billionen Euro war das Geldvermögen der privaten Haushalte zum Jahresende 2007 gestiegen. Zehn Jahre zuvor registrierte die Deutsche Bundesbank ein Vermögen von nicht einmal drei Billionen Euro. Das durchaus umfangreiche Immobilienvermögen vieler Sparer wird bei dieser Statistik allerdings nicht berücksichtigt.

...


Aus: "Vermögen der Deutschen: Sicher ist sicher" Von Simone Boehringer (06.10.2008)
Mit einer Billion Euro bürgt die Regierung auch für Giro- und Tagesgeldkonten. So will die Politik verhindern, dass es zu Massenabhebungen kommt.
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/925/312836/text/


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[US-Finanzkrise Krisenticker (08.10.2008)... ]
« Reply #123 on: Oktober 08, 2008, 01:36:39 nachm. »
Quote
[...] LOS ANGELES. Die Finanzkrise hat in den USA ein Familiendrama ausgelöst. Ein arbeitsloser Finanzberater tötete seine Familie.

Weil die Börsenkurse in den Keller fielen und sein einst stattliches Vermögen vernichteten, hat ein arbeitsloser Finanzberater in Los Angeles seine Ehefrau, seine drei Söhne sowie seine Schwiegermutter erschossen. Anschließend tötete sich der 45-Jährige selbst.

Der Mann, der noch vor Kurzem über ein Jahreseinkommen von rund 880.000 Euro verfügte, hat die Bluttat als „einzigen Ausweg“ gesehen, sagte der stellvertretende Polizeichef von Los Angeles, Michel Moore. „Wir befinden uns in schwierigen Zeiten.“

Die Tragödie ereignete sich am Wochenende in einem Einfamilienhaus in einem der wohlhabenden Vororte von Los Angeles. Die drei Söhne des Paars waren sieben, zwölf und 19 Jahre alt. „Das ist eine perfekte amerikanische Familie, die zerstört wurde“, sagte Moore. Der Mann war über die finanzielle Situation verzweifelt. Das Verbrechen wurde erst am Montag bemerkt, nachdem die Ehefrau (39) der aus Indien stammenden Familie nicht zur Arbeit erschienen war.

„Er liebte seine Kinder“, sagte ein Nachbar. Andere Nachbarn meinten, der Mann habe in letzter Zeit einen „angespannten“ Eindruck gemacht.


Aus: "Sechs Tote wegen US-Finanzkrise" (08.10.2008)
Quelle: http://www.nachrichten.at/weltspiegel/741443?PHPSESSID=83c3692adab5fe924bd4a4988b185605

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[...] Washington (dpa) - US-Präsident George W. Bush hat zu verstärkter internationaler Zusammenarbeit bei der Lösung der Finanzkrise aufgerufen. Er hatte mit dem britischen Premierminister Gordon Brown, dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy sowie Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi gesprochen. London kündigte ein Rettungspaket für Banken an.


Aus: "Bush für internationale Zusammenarbeit in Finanzkrise" (08.10.2008)
Quelle: http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/213562


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[...] Mittwoch, 8. Oktober 2008
US-Finanzkrise
Krisenticker

08.10.08
 
+++Moskau zapft Reserven an +++
 
Die russische Regierung will 450 Mrd. Rubel (12,6 Mrd. Euro) aus dem nationalen Reservefonds nehmen, um die heimischen Banken angesichts der Weltfinanzkrise zu unterstützen. Das teilt Finanzminister Alexej Kudrin in Moskau mit. Nach seinen Worten sollen die Gelder zuerst bei der Wneschekonombank (WEB) landen, die dann Kredite an andere Banken vergeben soll, heißt es laut RIA Nowosti.

+++ US-Vizeminister räumt Fehler ein +++
 
Der stellvertretende US-Finanzminister Robert Kimmitt räumt Versäumnisse in der Finanzkrise ein. "Ja, es wurden Fehler gemacht", sagt Kimmitt in einem "Stern"-Interview. Die USA zögen aber Konsequenzen. Das Weltfinanzsystem werde insgesamt gestärkt aus der Krise hervorgehen. Allerdings sehe die Welt schwierigen Zeiten entgegen. "Es wird lange dauern, das Vertrauen in die Märkte wiederherzustellen." Notwendig sei außerdem mehr Transparenz vor allem bei bestimmten hochkomplexen Finanzierungsinstrumenten.

+++ Island schreitet wieder ein +++
 
Islands Regierung verstaatlicht die zweite große Bank in dieser Woche. Die Behörden übernehmen die vollständige Kontrolle über die landesweit drittgrößte Bank Glitnir, wie die Finanzaufsicht in Reykjavik mitteilt. Die zweitgrößte Bank Landsbanki war am Vortag verstaatlicht worden. Gleichzeitig bestätigt die schwedische Nationalbank in Stockholm einen Kredit über fünf Milliarden Kronen (500 Mio. Euro) an Islands größte Bank Kaupthing. Sie wird noch in privater Regie geführt und hat auch in Deutschland Anleger mit Hochzins-Konten angelockt.
 

+++ Verheugen: Notfalls Banken verstaatlichen +++
 
Die europäischen Regierungen sollten in der Finanzkrise nach Auffassung von EU-Industriekommissar Günter Verheugen notfalls Banken verstaatlichen. "Ich würde auch vor sehr unkonventionellen Schritten nicht zurückschrecken, selbst wenn am Ende eine kurzfristige Verstaatlichung von Instituten die einzige Möglichkeit ist, den Kollaps zu verhindern", sagt Verheugen der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".
 
+++ DIW: Noch keine Folgen für Realwirtschaft +++
 
Die Finanzmarktkrise hat sich nach Einschätzung von DIW-Chef Klaus Zimmermann noch nicht negativ auf die Realwirtschaft ausgewirkt. "Die Konjunktur ist weiterhin sehr robust", sagt der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im ZDF.

+++ Steinbrück: Krise dauert noch +++
 
Finanzminister Peer Steinbrück sieht ungeachtet der bisher beschlossenen Maßnahmen kein Ende der gegenwärtigen Finanzkrise. Die Märkte seien längst noch nicht aus dem Gröbsten heraus, schreibt Steinbrück in einem Brief an US-Finanzminister Henry Paulson und unterstreicht die Notwendigkeit einer vollständigen und schnellen Umsetzung dieser Maßnahmen. "Die wichtigste Herausforderung vor der wir stehen ist die Wiederherstellung des Vertrauens in das internationale Finanzsystem", schreibt Steinbrück an seinen US-Kollegen.

 
+++ Hilfe für Briten-Banken +++
 
Die britische Regierung stabilisiert das angeschlagene Bankensystem mit einem Rettungspaket. Das britische Finanzministerium stellt dem angeschlagenen Bankensystem des Landes mindestens 200 Mrd. Pfund zur Verfügung. Das Finanzministerium will nach eigenen Angaben damit sicherstellen, dass kurzfristig genügend Liquidität vorhanden ist. Bis zu 50 Mrd. Pfund sollen die größten Geldhäuser Großbritanniens als Kapitalspritze erhalten.

+++ Ausverkauf in Asien +++
 
Die Finanzkrise führt zu Panikverkäufen in Asien, Tokio erlebt den schlimmsten Crash seit mehr als zwei Jahrzehnten. Der Nikkei-Index bricht um fast zehn Prozent ein, weil Anleger aus Furcht vor weiteren Folgen der Finanzkrise ihre Papiere massenweise abstießen. Der Kurssturz ist der heftigste seit dem "schwarzen Montag" im Jahr 1987.
 

+++ Ex-AIG-Manager sahnt ab +++
 
Der mit einem Staatskredit gerettete US-Versicherer AIG hat seinen für das desaströse Risikogeschäft zuständigen Ex-Manager als Berater weiterbeschäftigt - für eine Million Dollar monatlich. Joseph Cassano durfte nach seinem Rücktritt auch bis zu 34 Millionen Dollar an Gehaltszulagen behalten. Ex-AIG-Boss Sullivan wollte den "Wissensfundus von Mr. Cassano bewahren".
 
+++ Riesiges US-Etatloch +++
 

Das Defizit im US-Haushalt dürfte sich im laufenden Fiskaljahr stärker erhöhen als bislang angenommen. Wie das Congressional Budget Office (CBO) mitteilt, wird sich der Fehlbetrag im Staatshaushalt bis zum Ende des Fiskaljahres am 30. September auf 438 Milliarden Dollar ausweiten. Das entspricht 3,1 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts. Damit revidiert das CBO seine vorherige Prognose um 31 Milliarden Dollar nach oben.

07.10.08

+++ AIG zahlt Millionen an Berater +++
 
Der mit einem Staatskredit vor der Pleite gerettete US-Versicherer American International Group (AIG) hat seinen für das desaströse Risikogeschäft zuständigen Ex-Manager als Berater weiterbeschäftigt - für eine Million Dollar monatlich. Joseph Cassano durfte nach seinem Rücktritt auch bis zu 34 Millionen Dollar an Gehaltszulagen behalten, wie am Dienstag aus Dokumenten hervorging, die dem Aufsichtsausschuss des US-Repräsentantenhauses vorliegen. Vor dem Gremium verteidigte der ehemalige AIG-Chef Martin Sullivan den Beratervertrag. "Ich wollte den 20-jährigen Wissensfundus von Mr. Cassano bewahren", sagte Sullivan.
 
+++ London kündigt Hilfe an +++
 
Angesichts der dramatischen Entwicklung der internationalen Finanzmarktkrise hat der britische Finanzminister Alistair Darling ein Rettungspaket für die Banken des Landes angekündigt. Er werde vor Börseneröffnung am Mittwoch Einzelheiten mitteilen, sagte Darling am Dienstagabend nach einem Krisentreffen in der Downing Street mit Premierminister Gordon Brown, dem Notenbankchef Mervyn King und dem Vorsitzenden der Finanzaufsichtsbehörde, Adair Turner.
 
+++ Wells Fargo kämpft um Wachovia +++
 
Im Kampf um die angeschlagene US-Bank Wachovia könnte sich Wells Fargo Kreisen zufolge deutlich mehr Einlagen sichern als die ebenfalls interessierte Citigroup. Demnach könnte Wells Fargo rund 75 bis 80 Prozent und Citigroup 20 bis 25 Prozent der Wachovia-Einlagen bekommen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Dienstag. Die Verhandlungen dauerten aber noch an und das Ergebnis sei noch ungewiss. Citigroup und Wachovia lehnten eine Stellungnahme ab. Bei Wells Fargo war dafür zunächst niemand zu erreichen.
 
+++ Bush: "Harte Zeiten" +++
 
Die USA stehen nach den Worten von US-Präsident George W. Bush vor wirtschaftlich schwierigen Zeiten. "Keine Frage, es sind harte Zeiten, aber wir werden da auch wieder herauskommen", sagte Bush am Dienstag in Chantilly (US-Bundesstaat Virginia). Die USA hätten schon oft unter Wirtschaftskrisen gelitten und jedes Mal seien diese auch wieder überwunden worden.
 
+++ Bernanke bereit zum Zinsschritt +++
 
US-Notenbankchef Ben Bernanke hat eine mögliche Senkung des US-Leitzinses angedeutet. Während sich die Konjunkturaussichten durch die jüngste Zuspitzung der Finanzkrise verschlechtert hätten, habe sich das Inflationsbild etwas aufgehellt, sagte Bernanke am Dienstag in Washington. Vor diesem Hintergrund müsse die Federal Reserve prüfen, "ob ihre gegenwärtige Zinspolitik weiterhin angemessen ist".
 
+++ EZB rechnet mit weiteren Sorgenkindern +++
 
Die sich verschärfende Finanzkrise wird die Bankenlandschaft in Europa nach Ansicht von EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny dauerhaft verändern. In Europa werde es weitere Verstaatlichungen und Zusammenschlüssen von Banken geben, sagte Nowotny in einem am Dienstagabend vorab veröffentlichten Interview mit der Zeitung Oberösterreichische Nachrichten. Der Grund für die Schieflage des Systems seien eine zu expansive Geldpolitik der US-Notenbank Fed und ein Mangel an Regulierung. Dies habe zu einer Blase auf dem Immobilienmarkt geführt, "deren Platzen wir alle nun abarbeiten müssen."
 
+++ Wieandt löst Funke ab +++
 
Der Deutsche-Bank-Manager Axel Wieandt wird neuer Vorstandschef des angeschlagenen Münchner Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE). Wieandt sei mit Wirkung zum kommenden Montag (13. Oktober) zum Vorstandsvorsitzenden berufen worden, teilte das Unternehmen am Dienstagabend nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Das komplette Finanzierungsmanagement des Unternehmens soll künftig der Commerzbank-Manager Kai Wilhelm Franzmeyer verantworten.
 
+++ AIG hat Warnung ignoriert +++
 
US-Behörden haben den nur knapp vor dem Bankrott geretteten Versicherungskonzern AIG schon vor einem halben Jahr vor unkontrollierten Risiken gewarnt. Der internen Aufsicht bei AIG mangele es an entscheidenden Elementen wie Eigenständigkeit, Transparenz und Detailgenauigkeit, hieß es in einem Brief der Sparkassenaufsichtsbehörde an AIG vom 10. März, der einem Ausschuss des Repräsentantenhauses am Dienstag vorgelegt wurde.
 
+++ Spanien erhöht auf 100.000 +++
 
Spanien erhöht aufgrund der internationalen Finanzkrise die Garantiesumme für Sparguthaben auf bis zu 100.000 Euro. Dies kündigte Ministerpräsident Zapatero an. Bislang war der spanische Staat im Fall des Zusammenbruchs einer Bank für Einlagen von bis zu einer Summe von 20.000 Euro pro Sparer eingestanden. "Mit der Aufstockung dieser Summe können die spanischen Bürger darauf vertrauen, dass ihre Ersparnisse sicher sind", sagte der Regierungschef.
 
+++ Trichet signalisiert Bereitschaft +++
 
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat Zinssenkungen im Kampf gegen die Finanzkrise nicht ausgeschlossen. Es sei ein Punkt erreicht, an dem die Notenbank alles in ihrer Macht stehende tun werde, um Schlimmeres zu verhindern, sagte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) am Dienstag in der französischen Stadt Evian. Die Krise habe mittlerweile das Herz des Weltfinanzsystems erreicht.
 
+++ Merkel wiederholt Staatsgarantie +++
 
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Garantie der Bundesregierung für alle Spareinlagen in Deutschland bekräftigt. Kein Sparer müsse um seine Einlagen fürchten, sagte Merkel am Dienstag in ihrer Regierungserklärung im Bundestag zur Bankenkrise. "Und ich sage hier noch einmal: Diese Erklärung gilt." Nähere Details nannte sie nicht.
 
+++ Aufsicht in der Kritik +++
 
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat angesichts der Finanzmarktkrise neue Aufsichtsstrukturen auch in Deutschland ins Spiel gebracht. Es müsse überlegt werden, ob das Zusammenspiel zwischen Bundesbank und der Finanzaufsicht BaFin noch effizienter gestaltet werden könne, sagte Merkel in ihrer Regierungserklärung vor dem Bundestag. Sie warnte allerdings vor Schnellschüssen. Insgesamt müsste auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene erreicht werden, dass Aufsichtsbehörden vorausschauend agieren und rechtzeitig auf Fehlentwicklungen reagieren.
 
+++ Athen garantiert Spareinlagen +++
 
Der griechische Staat will für die Geldeinlagen in den Banken in Höhe von 100 000 Euro garantieren. Dies teilte Finanzminister Giorgos Alogoskoufis am Dienstag im Fernsehen mit. "Wir haben die Absicht, sehr bald eine entsprechende Gesetzesänderung vor das Parlament zu bringen und die Obergrenze (der garantierten Auszahlung von Geldeinlagen) von 20 000 auf 100 000 zu erhöhen", sagte der Minister. Dies werde für ein Jahr gelten, hieß es. Bereits am vergangenen Dienstag hatte der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis für die Sicherheit der Geldeinlagen bei griechischen Banken politisch gebürgt.
 
+++ London bereitet Hilfe vor +++
 
Im Zuge der Finanzkrise bereitet nun auch Großbritannien Branchenkreisen zufolge staatliche Hilfen für die Banken vor. Die Regierung wolle in den nächsten Tagen mit den führenden Banken des Landes über Rekapitalisierungsmaßnahmen beraten, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person. Ein erstes Gespräch zwischen Schatzkanzler und den großen Banken habe es bereits in der Nacht zum Montag gegeben. Das Finanzministerium wollte dies nicht kommentieren, betonte aber, Schatzkanzler Alistair Darling tue alles, um die Stabilität zu wahren.
 
+++ Dänen erhöhen Leitzins +++
 
Die dänische Notenbank hat ihren Leitzins erhöht und zur Stützung der Landeswährung direkt am Devisenmarkt interveniert. Der Leitzins steige um 40 Basispunkte auf 5,0 Prozent, erklärte die Zentralbank am Dienstag. Dies sei nötig, um den positiven Zinsvorsprung zur Euro-Zone wiederherzustellen.

+++ Viemetz will bleiben +++
 
Der Aufsichtsratschef des angeschlagenen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE), Kurt Viermetz, will seinen Stuhl nach Informationen aus Unternehmenskreisen nicht räumen. Viermetz sehe trotz Rücktrittsforderungen gegenwärtig keine Veranlassung, sein Amt aufzugeben, hieß es aus dem Umfeld des Unternehmens. Zuvor hatte sich HRE-Chef Georg Funke dem massiven Druck aus Berlin gebeugt und seine Ämter mit sofortiger Wirkung niedergelegt.

+++ Merkel lehnt EU-Rettungsfonds ab +++
 
Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnet den irischen Weg als nicht geeignete Lösung.
 
+++ Wieandt für Funke +++
 
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat nach Angaben der Bundestagspressestelle im Haushaltsausschuss angekündigt, dass Axel Wieandt neuer Vorstandsvorsitzender der Hypo Real Estate (HRE) werden soll. Steinbrück erklärte demnach, dass der HRE-Vorstand mit Ausnahme eines "sehr tüchtigen" weiblichen Mitglieds ausgetauscht und überwiegend von Vertretern der Deutschen Bank und der Commerzbank neu formiert werde.
 
+++ Fed rettet US-Commercial-Papers +++
 
Die US-Notenbank kündigt an, nun auch eine Finanzierungsfazilität für Commercial Papers (CP) wie beispielsweise kurzfristige Unternehmensanleihen zu schaffen und diese in Zahlung zu nehmen. Der CP-Markt ist Marktexperten zufolge in den vergangenen Wochen nahezu ausgetrocknet gewesen und
bedrohte die Refinanzierung von Unternehmen.
 
+++ Frisches Geld für Bank of America +++
 
Die angekündigte Kapitalerhöhung der Bank of America über 10,0 Mrd Dollar ist nach einem Bericht des US-Fernsehsenders CNBC bereits zur Hälfte von Investoren gezeichnet worden. Der CNBC-Reporter David Faber berichtet, dass am Abend die Preisfestsetzung erfolgen soll.
 
+++ Airlines spüren Gegenwind +++
 
Nach einigen Monaten mit teilweise deutlichen Passagierzuwächsen stehen Europas Fluggesellschaften an einem Wendepunkt. Die schwächelnde Wirtschaft und Preissteigerungen führen vor allem bei den alteingesessenen Airlines zu einer geringeren Nachfrage, während Billigflieger mit Kampfpreisen weiterhin neue Kunden anlocken. Die größte europäische Fluggesellschaft Air France-KLM verbucht im September lediglich ein Passagierplus von 0,5 Prozent, während die Auslastung der Flugzeuge um 1,4 Punkte auf 80,9 Prozent zurückgeht. Besonders dramatisch fällt der Rückgang im Frachtverkehr aus, wo das Volumen wegen der einbrechenden Nachfrage auf Asienstrecken um gut zwölf Prozent zurückgeht.

+++ IWF rechnet Verluste hoch +++

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet inzwischen mit 1,4 Billionen Dollar (1,03 Billionen Euro) Verlusten durch die Finanzkrise und damit weit mehr als bislang befürchtet. Da der Höhepunkt der Kreditausfälle noch bevorstehe und angesichts der jüngsten Verschärfung der Krise an den Märkten sei ein Anstieg der zu erwartenden Einbußen wahrscheinlich, heißt es in dem veröffentlichten IWF-Bericht zur Stabilität der globalen Finanzmärkte. Im April hatte der Fonds die vermuteten Gesamtverluste durch die Krise noch auf 945 Milliarden Dollar beziffert.
+++ EU verbürgt sich für alle "wichtigen Banken" +++
 
Die Europäische Union will Pleiten von großen Banken verhinden. "Wir haben beschlossen, systemrelevante Finanzinstitute zu unterstützen", heißt es in der Abschlusserklärung des Luxemburger Finanzministertreffens.
 
+++ HRE-Chef Funke tritt ab +++
 
Der Chef des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate, Georg Funke, tritt zurück. Im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat habe Funke seine Mandate mit sofortiger Wirkung niedergelegt, teilt das Unternehmen in München mit. Über eine Nachfolge werde der Aufsichtsrat noch an diesem Dienstag entscheiden. Funke war im Zusammenhang mit der Schieflage der Hypo Real Estate (HRE) scharf kritisiert worden.

+++ Keine Verhandlungen mit Island +++
 
Das russische Finanzministerium dementiert eine Mitteilung der isländischen Nationalbank über einen Kredit in Höhe von vier Milliarden Euro. Es habe bislang noch nicht einmal eine entsprechende Anfrage Islands an Russland gegeben, sagt ein Ministeriumssprecher in Moskau. "Es gab keine Kreditverhandlungen mit Island", betont er.

+++ Russland dementiert Island-Darlehen +++
 
Russland hat nach den Worten von Vizefinanzminister Dimitri Pankin noch keine Entscheidung über ein milliardenschweres Darlehen für das von einer Wirtschaftskrise geschüttelte Island getroffen. "Es hat noch keine Entscheidung gegeben, Island ein Darlehen zu gewähren", sagt Pankin der Nachrichtenagentur Reuters.
 
+++ Finanzwerte in Island vom Handel ausgesetzt +++
 
Die isländische Finanzaufsicht FSA setzt die Aktien von Finanzunternehmen bis 14.00 Uhr MESZ vom Handel aus. Die Aufsicht teilt mit, dass sie um 14.00 Uhr entscheiden werde, ob der Handel wieder aufgenommen wird. Zuvor hatte die Behörde Landsbanki Islands unter ihre Kontrolle gebracht.
 
+++ Der Rubel rollt nach Island +++
 
Russland greift Island mit einem Kredit über vier Mrd. Euro unter die Arme. Das teilt die isländische Nationalbank in Reykjavik mit. Das Darlehen solle über vier Jahre laufen.
 
+++ Britische Banken ersuchen um Hilfe +++
 
Die wichtigsten Banken in Großbritannien haben offenbar die britische Regierung um staatliche Hilfen gebeten. Das berichtet der Fernsehsender BBC. Demnach bedürfen Lloyds TSB, Royal Bank of Scotland und Barclays jeweils eine Kapitalspritze über 15 Mrd. Euro. Davon sollen 7,5 Mrd. Euro sofort zugeschossen werden, die übrigen 7,5 Mrd. würde das US-Schatzamt garantieren. Im Gegenzug würde das Schatzamt Vorzugsaktien und Optionsscheine auf Stammaktien erhalten.
 
+++ Zwangspause für russischen Aktienmarkt +++
 
Nach dramatischen Kursverlusten zum Wochenbeginn ist der Aktienhandel in Russland am Dienstag vorerst ausgesetzt worden. Bis um 13 Uhr Ortszeit (11 Uhr MESZ) werden auf Anordnung der Finanzbehörde an den führenden Börsen des Landes, RTS und MICEX, keine Geschäfte getätigt, meldet die Agentur Interfax. Am Montag war der Leitindex RTS um 19,1 Prozent abgesackt. Die russische Regierung kündigt am Dienstag weitere Stützungsmaßnahmen für den Finanzsektor an.
 
+++ Schweiz wappnet sich +++
 
Die Schweiz überprüft angesichts der Finanzkrise ihr System der Einlagensicherung für Kontoinhaber. Die Regierung werde alles daran setzen, um die Einlagen von Bankkunden zu schützen, sagt Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf im Schweizer Fernsehen. Die Regierung werde falls notwendig weitere Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsystems ergreifen. Einzelheiten nennt sich zunächst nicht.

+++ EZB entzieht dem Markt Geld +++
 
Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigt eine liquiditätsabsorbierende Feinsteuerungsoperation für 15.00 Uhr MESZ an. Am letzten Tag der Mindestreserveperiode sieht die EZB ein Liquiditätsungleichgewicht von 231,5 Mrd. Euro, dem mit dem Schnelltender begegnet werden soll.
 
+++ Fed vermittelt wegen Wachovia +++
 
In dem Streit um die Übernahme der Wachovia Corp verständigen sich die Citigroup und die Wells Fargo & Co auf eine Unterbrechung ihrer juristischen Auseinandersetzung. Bis Mittwochmittag (18.00 Uhr MESZ) soll eine Entscheidung über die Übernahme getroffen sein, teilt Wachovia am Montagabend mit. Dies sei in Abstimmung mit der Federal Reserve (Fed) beschlossen worden.
 
+++ Island steht vor dem Abgrund +++
 
Islands Ministerpräsident Geir H. Haarde zeigt sich sehr besorgt über die finanzielle Stabilität des Landes und kündigt einen Gesetzentwurf an, der der Regierung umfassende Befugnisse über das Finanzsystem einräumt. In einer Rede an die Nation sagt Haarde, es bestehe im schlimmsten Fall die Gefahr, dass die isländische Wirtschaft in den Strudel der Banken hineingezogen werde, was den nationalen Bankrott zur Folge haben könnte.
 
+++ EU-Finanzminister beraten +++
 
Die EU-Finanzminister kommen heute in Luxemburg zusammen, um über gemeinsame Grundsätze bei der Rettung von angeschlagenen Banken zu beraten. Am Vortag hatte sich die Runde darauf geeinigt, systemrelevante Finanzinstitute notfalls zu stützen. Damit sollen große Bankenpleiten in Europa verhindert werden.
 
+++ Geldpumpe läuft auf Hochtouren +++
 
Angesichts der Finanzkrise greift die japanische Zentralbank erneut ein, um für Stabilität zu sorgen. Am 15. Handelstag in Folge pumpt die Bank of Japan erneut eine Billion Yen (7,1 Milliarden Euro) in den Geldmarkt. Sie belässt den Leitzins unverändert bei 0,5 Prozent. Die australische Zentralbank senkt ihren Leitzins um 100 Basispunkte auf 6,00 Prozent.

+++ BoA meldet Gewinneinbruch +++
 
Die Kreditkrise hat die Geschäfte der Bank of America deutlicher in Mitleidenschaft gezogen als erwartet. Die größte US-Bank teilte am Montag zwei Wochen früher als erwartet mit, dass ihr Gewinn im dritten Quartal auf 1,18 Mrd. Dollar von 3,7 Mrd. im Vorjahreszeitraum geschrumpft ist. Das entspricht einem Rückgang von mehr als 68 Prozent. Mit einem Gewinn je Aktie von 15 Cent bleibt Bank of America weit hinter den Erwartungen der Experten zurück, die um Sonderposten bereinigt mit 60 Cent je Aktie gerechnet hatten. Die Bank kürzte ihre Dividende und kündigte an, sich zehn Milliarden Dollar zusätzliches Kapital beschaffen zu wollen. Bank-of-America-Aktien gaben nachbörslich nach.


Aus: "Mittwoch, 8. Oktober 2008 - US-Finanzkrise Krisenticker" (08.10.08)
Quelle: http://www.n-tv.de/USFinanzkrise_Krisenticker/081020084411/1034013.html

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[...]  Mit Verlusten in Höhe von 1,4 Billionen Dollar (1,03 Billionen Euro) durch die Finanzkrise rechnen die Experten - und das ist weit mehr als bislang befürchtet.

Denn der Höhepunkt der Kreditausfälle stehe noch bevor und zudem sei angesichts der jüngsten Verschärfung der Krise an den Märkten ein Anstieg der zu erwartenden Einbußen wahrscheinlich, hieß es in dem IWF-Bericht zur Stabilität der globalen Finanzmärkte. Im April hatte der Fonds die vermuteten Gesamtverluste durch die Krise noch auf 945 Milliarden Dollar beziffert.

Das Vertrauen in die globalen Finanzinstitutionen und -märkte sei "auf das Schwerste erschüttert", hieß es in dem Text. Die Belastungen des weltweiten Finanzsystems ließen erwarten, dass sich der globale Abschwung beschleunige und eine Erholung hemme. Nach Berechnungen des IWF benötigten internationale Großbanken über die nächsten Jahre etwa 675 Milliarden Dollar an Kapitalspritzen, um ein moderates Wachstum des privaten Kreditsektors zu gewährleisten.

Der IWF ruft in seinem Bericht zu "international einheitlichen und entschiedenen" Maßnahmen auf, um das Vertrauen in das globale Finanzsystem wieder herzustellen. Sollte dies ausbleiben, drohten ein ungeordneter Abbau von Schulden und zunehmende Kosten für die Realwirtschaft. Der Währungsfonds und die Weltbank kommen an diesem Wochenende in Washington zu ihrer Jahrestagung zusammen. Zudem treffen sich am Freitag die Finanzminister der sieben wichtigsten Industrienationen (G7) in der US-Hauptstadt.

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07.10.2008  16:20:33

rheinelbe: Ja, Neoliberalismus

ist teuer! Aber für die Deregulierung der jetzt ach so "freien" Märkte sollten uns 1,7 Billionen (Trillionen, Trilliarden, Phantastilliarden) Dollar, Dukaten oder Dublonen wirklich nicht zu viel sein. Schlaue Köpfe haben uns in diversen TV-Talkshows immer und immer wieder Entsprechendes gegen Bezahlung erzählt.

Wo sind sie jetzt? Im Akltien-Pool? ...

Wo ist der Wissenschaftler Prof. Sinn geblieben?

Wo ist der Sinn hin? ....


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07.10.2008 17:25:18

HoChiMinh:

"Finanzkrise kostet 1,4 Billionen Dollar"

Ich denke mir, dass unseren weinseufenden, wasserpredigenden Sozialschmarotzern aus dem neoliberalen Lager sicherlich noch diverse Sozialsystemkürzungen einfallen, die den Schaden wiedergutmachen.

Beispielsweise könnte man Hartz4-Empfängern das Fehrsehgucken verbieten und die korrekte Einhaltung von den Hartz4-Kontroleuren überprüfen lassen.

Was Hartz4-Empfaänger mit der "1,4 Billionen Dollar"-Finanzkrise zu tun hat? Eigentlich nichts. Ausser, dass in den letzten Jahren die Hartz4-Unterschicht von der Herrschaft als Gesellschaftssündenbock aufgebaut worden ist, denen man die Schuld für schlechte Wirtschaftspolitik in die Schuhe schiebt.

Dabei sitzen die Sozialschmarotzer ganz woanders. Bezahlen dürfen aber die Schwachen. Denn die können sich nicht wehren.


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07.10.2008 17:45:16

Ariane88: @feinstpartikel

Finanzmarktkrisenschadenschätzungsunrichtigkeitsskala

Wow! was für eine Wortschöpfung. Habe sehr gelacht. Das nenn' ich kompakt.

Man kann über den ganzen Mist nur noch lachen. Hauptsächlich über sich selbst, weil wir uns das alles "ach so verständnisvoll" bieten lassen und – zahlen.

Mannomann sind wir doof.


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07.10.2008 17:28:50

DateDoktor_reloaded: charakterlose Finanzbranche

Was soll man dazu sagen? Wie viele Kinder hätte man mit diesem Betrag vor Armut, Hunger und Gewalt retten können? Vermutlich Alle!


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08.10.2008 08:38:23

Geronimo.: @Peter.49:Ihr Kommentar an den sozialistischen Block

Die aktuellen Staatsschulden belaufen sich bereits auf 1590 Milliarden €. Durch den Solidarpakt wurden bisher ca. 1400 Milliarden € gen Osten transferiert, ein Fass ohne Boden.

Solidarpaktmittel werden nicht dazu verwendet, neue Arbeitsplätze zu schaffen, sondern größtenteils für die laufenden Kosten der kommunalen Haushalte und den unzähligen „Beraterverträgen“ verwendet. Anderseits werden jedes Jahr ganz legal Milliardenbeträge vom Solidarpakt zweckentfremdet, für den privaten Konsum „abgezweigt“. Juristisch werden diese gigantischen Straftaten schon lange nicht mehr verfolgt. Man kann sich ja nicht selbst einsperren.

Kommen Sie nach Leipzig, dann ersparen Sie sich die Eintrittskarten für die Automobil-Messen. Nirgends habe ich mehr nagelneue M3, M5, S6, S8 und AMG`s gesehen als hier. Und in den unzähligen Neubaugebieten um Leipzig können Sie die standesgemäßen Villen dazu betrachten. Und im Westen kämpfen die Kommunen ums überleben. Sie nehmen sogar Kredite auf, um diese Plünderungen im Osten zu finanzieren. Eine verkehrte Welt.



Aus: "Düstere Prognose des IWF: Finanzkrise kostet 1,4 Billionen Dollar" (07.10.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/173/313081/text/

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[...] Die Diskussionen um ein Rettungspaket für die angeschlagene Immobilienbank Hypo Real Estate haben Politiker, Banker und Finanzaufseher schon das zweite Wochenende hintereinander in Atem gehalten. Vordergründig geht es um die Frage, wer der Bank wie viel Geld geben muss, damit sie nicht zusammenbricht. Tatsächlich wissen aber alle Beteiligten, dass viel mehr auf dem Spiel steht: Der Fall der Hypo Real Estate, die mit ihren Aktien im Deutschen Aktienindex Dax vertreten ist, darf nicht dazu führen, dass die Deutschen das Vertrauen in ihr Bankensystem verlieren. Deshalb hat der Bund am Sonntag angekündigt, alle privaten Spareinlagen in Deutschland komplett zu schützen.

Denn das Vertrauen der Bürger ist die einzig verlässliche Konstante, die es in der Finanzmarktkrise noch gibt. Allein die Deutschen haben 570 Milliarden Euro auf ihren Bankkonten. Niemand mag sich ausmalen, was passiert, wenn die Menschen beginnen, diese Einlagen abzuziehen. Deshalb ist es gut, dass es sich noch nicht bei jedermann herumgesprochen hat, mit welchen Horrorszenarien die Banker Politiker um Hilfe anflehen. Denn nicht die Bürger, die Banker sind in Panik: Sie geben ihren jeweiligen Instituten untereinander kaum noch Geld. Einige von ihnen lösen längst ihre privaten Konten bei Instituten auf, die ihnen wackelig erscheinen.

Die Banker haben versagt. Jetzt liegen ihre Nerven blank. Und sie sorgen über ihre Nervosität und den gegenseitigen Vertrauensverlust selbst am stärksten dafür, das System, das sie eigentlich am besten kennen müssten, dem sie aber vielleicht gerade deshalb am meisten misstrauen, zu destabilisieren.


[...] Unter den großen Instituten vollzieht sich in großer Not eine Marktbereinigung, die vor kurzem niemand für möglich gehalten hätte. Selbst die bisher stolzesten Investmentbanker krempeln ihr Geschäftsmodell zu dem einer „normalen“ Geschäftsbank um. Und dass zuvor, in der Zeit der Entstehung der Kreditblase, das System der Kreditvergabe über die Stückelung der Kredite in unüberschaubar viele Tranchen in dieser Art und Weise pervertiert wurde, ist zwar keine Werbung für die freien Marktkräfte, aber auch nicht für die staatlichen Aufsichtsbehörden und die Zentralbanken, die dem Treiben viel zu lange zugeschaut haben.

Einige Jahre haben denn auch alle profitiert: Banken, Häuslebauer, Unternehmen - und auch der Staat. Denn die Steuereinnahmen sind im Aufschwung kräftig gesprudelt.

...

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05. Oktober 2008,

Nein, kein Versagen.
henry nold (henrynold)

"Ja, alles ist Zufall im Leben. Rein zufällig - die Banker haben versagt! " Die Banker sind nur der Firnis der Weltwirtschaft - nützliche Idioten gewissermassen. Hier ist ein wunderbares Timing zu besichtigen, eines, über Jahrzente vorbereitet (Fed/Greenspan), mit erheblichen weltpolitischen-geostrategischen Implikationen (auch heute noch - und gerade jetzt interessant: Zbigniew Brzezinski, Die Einzige Weltmacht/The Grand Chessboard. Es gibt auch Menschen, die von einer "financial controlled demolition" sprechen.


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05. Oktober 2008 22:51 Kein Versagen (eine etwas andere Sicht als mein Vorkommentator)
Chi Tamago (tamago)

Banker machen nur das, was der Markt verlangt. Die Staaten verschulden sich immer schneller, das Geld beschaffen die Banker. Die Konsumenten verschulden sich mit Hoffnungen, die unerfüllbar sind – nehmen sich also die Staaten zum Vorbild. Die Geldgeber wollen ordentliche Rendite. Die Banker sitzen wie die Spinne im Netz, sie bedienen die Bedürfnisse der Konsumenten, seien es Staaten oder einfache Bürger. Jetzt ist es die Hypothekenblase, in Kürze wird die Kreditkartenblase platzen. Eigentlich müßten unsere Staaten auch Bankrott erklären, wenn sie ihre tatsächlichen Schulden offen legen würden. Vergleichbar mit den Banken haben sie auch „außer bilanzielle“ Risiken, z.B. Pensionszusagen, in extremen Größenordnungen angehäuft. Nicht nur die Banken verlieren das Vertrauen, das System selbst ist in Frage gestellt. Ein Verschuldungsverbot für demokratische Staaten könnte eine neue Basis schaffen. Da die Staaten das nicht wollen, wollen sie die Banken retten. Das Geld soll fließen, insbesondere in neue Staatsschulden.

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06. Oktober 2008

Das System hat versagt
gisbert heimes (gisbert4)

Vielmehr: das System kann gar nicht funktionieren. Das ist ganz leicht zu verstehen, aber von seinen Nutznießern natürlich nur sehr schwer zuzugeben. Sicher haben 'die Banker' Fehler gemacht. Aber sie glaubten wie die mit ihnen symbiotisch verbundenen liberalen Nationalökonomen und Politiker daran, daß das System hält, was es verspricht. Doch dieses System kann immer nur für eine gewisse Zeit funktionieren, weil seine Teilnehmer kein gemeinsames Ziel haben. Systeme mit Zielvielfalt führen aber nun mal zu Instabilität und in zyklischen Verläufen zu katastrophischen Ungleichgewichten. Im speziellen Fall der Marktwirtschaft kommt hinzu, daß diese in der Praxis ihre eigenen Voraussetzungen nicht erfüllen kann: vollständige Markttransparenz und infinitesimale Reaktionszeit.

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06. Oktober 2008

Wider dem Herdentrieb der Regulierung!
Hannes Heilmannsstedt (mediumdry)

Es wurde nicht zu wenig, wie uns die linksgrünen Sozialromantiker weißmachen wollen, sondern zu viel reguliert. Dieses Staatsversagen in ein Marktversagen umzudeuten ist eine riesige Frechheit. Wenn hier wieder der Sozialismus blüht und alle Privatbanken - gegen jede ordoliberale Vernunft - verstaatlicht wurden, dann wird es zu spät sein, denn dann haben wir den letzten Zipfel Freiheit verloren, für den es sich zu kämpfen lohnt. Der Markt bereinigt sich selber und wird das auch weiterhin tun. Bei dieser Reinigung sollten auch endlich die laienhaften Politiker aus den Aufsichtsräten von Banken und den Schaltzentren der Zentralbanken herausgeweht werden - sie sind mit ihrer maßlosen Geldpolitik Schuld an diesem Debakel. Schon Schumpeter wusste, dass nur aus der schöpferischen Zerstörung eine Chance der Neuordnung (Liberalisierung) des Marktes erwächst!


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06. Oktober 2008

Gemeinwohl und Gemeingut
Johannes Hintzen (JohannesLeonhard)

Unser Finanzsystem mißachtet ein Grundprinzip, auf das der Jesuit F.Hengsbach hingewiesen hat: Die Währung ist kein Privateigentum sondern Gemeingut. Deshalb ist die augenblickliche Bankenkrise nicht nur ein Versagen der Banker, sondern auch eines der Politker, der obersten Währungshüter im Land. Es ist ein unerhörter Vorgang, daß nun Menschen, die überhaupt keinen Einfluß haben, die Zeche bezahlen sollen: die Steuerzahler. Als erstes müssen die Privatbanken und die verantwortlichen Politiker zur Kasse gebeten werden, die mit ihrer Verantwortungslosigkeit gegen das Gemeinwohl verstoßen haben. Es ist eine bodenlose Frechheit, wie die Vertreter dieser Versagerkaste und Mitverursacher dieses Debakels in Gestalt von Frau Merkel und Herrn Steinbrück es wagen, an die Öffentlichkeit zu treten und sich als "Retter der Enterbten" hinzustellen ("Wir sichern die Sparguthaben."). Dabei sagen sie nichts anderes, als daß sie uns zur "Sicherung" neue Steuern abknöpfen werden. Ein unerhörter Vorgang. Und keiner regt sich auf.



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06. Oktober 2008

@Hannes Heilmannsstedt (mediumdry) - Selber Illusionist!
Gustav Lebeding (Lebeding)

"Der Markt bereinigt sich selber und wird das auch weiterhin tun." Genau dieses wurde doch mit dieser Finanzkatastrophe widerlegt, weil nämlich nach dem Staat und damit nach dem Steuerzahler seitens der Bankenmanagerbüros gebrüllt wird! Wer also von dieser Selbstregulierung des Kapitals heute noch redet und so tut, als seien all diese für die Katastrophe verantwortlichen Chefs und Obermanager des Kapitals nur gute und wunderbare Menschen, die nur das Beste für die Welt wollen, der ist ein riesiger Illusionist und Blender! Aber ich denke, Sie, Herr Heilmannsstedt, sehen das in Wirklichkeit auch etwas kritischer. Denn so naiv kann heute doch keiner mehr sein und von der Selbstregulierung des Kapitals reden.


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06. Oktober 2008

Vertrauen schaffen ...
Andreas M. Wirth (mightyson)

... soll jetzt ausgerechnet der "Staat", der durch sein jahrzehntelanges Mißmanagement, Deregulierung und Privatisierung seine eigene Bevölkerung ja gerade erst in die Hände dieser Quacksalber getrieben hat. Im Übrigen: Welche "Fähigkeiten" unsere Obersten im Staate haben, wird ja zwischenzeitlich ohne jede Scham ständig zur Schau gestellt ! Warum nicht endlich mal bei denen zugreifen, die von dem System auch so lange so sehr profitiert haben ? Wenn ich mein Geld im Kasino verzocke hilft mir doch hinterher auch kein Staat ! Nein lieben Freunde, das ist keine katastrophe, das ist der Ausgang eines konsequent betriebenen Systemes zur Umverteilung des Wohlstandes aus der Mittelschicht ! Gute Nacht Deutschland !


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06. Oktober 2008

Wann endlich ?
Bernd Hafenberg (Bernie0711)

Wann wird man endlich damit aufhören, den Bankern bei ihrem Ausscheiden nach ihrem Totalversagen noch Millionen an Abfindungen zu zahlen ? Wann wird man endlich damit anfangen, den Bankern ihr Gehalt zu pfänden, um den von ihnen angerichteten Schaden wenigstens symbolisch wieder gut zu machen ? Jeder andere Bürger haftet mit seinem Einkommen und Vermögen für Schäden, die er anrichtet, nur die Banker und die Politiker nicht. Warum ist das so ?


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06. Oktober 2008

Das System darf nicht sterben .....
bernd ullrich (demokrat2)

...das ist die Botschaft. Da, wo es konkret hätte werden können, bleibt es bei dem Satz: Die Banker, die versagt haben, werden gehen müssen. So zu denken ist naiv. Die werden bleiben und wenn man sie lässt, werden sie dasselbe tun, was sie jetzt getan haben, schnelles Geld machen. Lafontaine hatte schon 1999 als Finanzminister die notwendigen Gesetzesinitiativen gefordert. Weder die CDU/CSU noch die FDP haben ihn unterstützt. Die Amerikaner haben ihn ausgelacht. Und heute lachen sie wieder. Ihre Finanzpolitik ist nur auf ein Ziel ausgerichtet: Möglichst billig auf Kosten anderer Nationen zu leben. So lange der Dollar Leitwährung bleibt, wird es da keine Änderung geben und so lange das so ist, bleibt Amerika die dominante Wirtschafts- und Kriegsmacht. Schon aus letzterem Grund sollte sich die übrige Welt um neue Lösungen bemühen.


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06. Oktober 2008

Gier hüben wie drüben
Gerry Stadler (Gerry_Stadler)

Die Banker als alleiniges Problem zu bezeichnen geht an der Realität vorbei. Das Problem ist, dass immer mehr Menschen der westlichen Gesellschaft sowie die meisten Staaten auf der Welt über ihre Verhältnisse leben. Man muss kein Hellseher sein, dass dies nicht gutgehen kann: Wenn mehr Geld ausgegeben als eingenommen wird, klafft eine Lücke. Irgendwann wird die Lücke so gross, dass die Gesellschaft und die Staaten entzweibrechen. Die Staaten machen es mit ihrer Schuldenwirtschaft den einfachen Bürgern vor: Konsumiere heute, zahle morgen, oder zahle gar nicht und melde stattdessen Konkurs an. Wenn bürgerliche Parteien zu rigorosem Sparen und einem Abbau der Staatsschulden ansetzen, geht ein Aufschrei durch die Bevölkerung, und die entsprechenden Politiker werden bei der nächsten Wahl abgestraft. Die Menschen sind in ihrer Gesamtheit einfach zu kurz- und uneinsichtig (andere sagen blöd dazu). Verzicht ist out, Konsum ist in. Dabei haben wir doch alles, was nötig ist: ein Dach über dem Kopf und genug zu essen. Alles, was darüber hinausgeht, ist Luxus. Aber sage das mal einer der hirnlosen Handy- und Fernsehgesellschaft!


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06. Oktober 2008

Zahlen und Fakten
Hanspeter Bühler (Napoleon3)

1980 hatten wir weltweit eine Geldmenge von 12 Billionen Dollar. Das Weltinlandsprodukt war identisch mit der Geldmenge. Heute haben wir eine Geldmenge von 150 Billionen Dollar, aber dem entgegen steht lediglich ein Weltinlandsprodukt von nur 54 Billionen Dollar. Schon das allein ist eine katastrophale Blase. (Das Weltinlandsprodukt ist die real erarbeitete Wirtschaft der gesamten Welt.) Wenn wir jetzt noch die gigantische Blase der imaginären, irrealen, also kursabhängigen Werte (Derivate etc.) anschauen, sehen wir eine unglaubliche Zahl - sage und schreibe 500 !!! Billionen Dollar. Fazit: diese sogenannten Rettungsmassnahmen der Regierungen sind nichts anderes als ein wenig Kosmetik, ein Tropfen auf den heissen Stein! Man wirft schlechtem Geld nun auch noch gutes Geld nach, dasjenige der "öffentlichen Hand", des Steuerzahlers! Man würde besser an die Wurzeln des Übels arbeiten, als nutzlos Symptome zu bekämpfen. Was mich stutzig macht sind die Reaktionen der Petro-Dollars. Praktisch keine arabische Finanz-Supermacht lässt sich zurzeit in Re-Finanzierungen der Finanzinstutute ein. Diese sind zwar unendlich liquide, warten aber ab bis die Kurse auf einen absoluten Tiefstniveau stehen. Dann übernehmen sie!!


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06. Oktober 2008

@Hannes Heilmannsstedt (mediumdry)
Andreas Neubert (Citizen_Kane)

"Es wurde nicht zu wenig, wie uns die linksgrünen Sozialromantiker weißmachen wollen, sondern zu viel reguliert." Mir machen momentan weniger linke Ideologen Angst als viel mehr die Ideologen aus der entgegengesetzte Ecke, die gemäß dem Leitsatz aller Ideologen "Weil nicht sein kann, was nicht sein darf" die Realität so lange umdeuten, bis die eigenen einfachen Glaubenssätze wieder passen. Der Finanzmarkt ist in den letzten Jahren immer weiter dereguliert worden, das Ergebnis haben wir jetzt. Und um die Karre aus dem Dreck zu ziehen, muss jetzt der verteufelte Staat (also die Allgemeinheit) für die Schäden einspringen, die sich bei den Gewinnen der Vorjahre auch immer raushalten sollten. Wie realitätsresistent muss man sein, immer noch an vorbehaltlos an Sätze wie "Der Markt wirds richten" und "Der Staat ist das Problem." zu glauben. Leider treten Ideologien meist erst dann ab, wenn sie viel Geschirr zerdeppert haben. Das war bei den Sozialisten so und ich fürchte bei unseren vehemtenten Verfechtern freier Märkte auch. Mal sehen, wie viel noch kaputt gehen muss, bis alte Glaubenssätze überdacht werden.


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06. Oktober 2008

Schuldig?
heinz Kaiserbubu (Kaiserbubu)

Gerne zeigt man schnell man auf die Anderen. Dabei ist das Ergebnis des Finanzzunamis nicht nur das Problem einer Gesellschaftsgruppe. Nein, in das Boot der Beschuldigten dürfen auf Augenhöhe auch Politiker, Experten, Berater, die Medien und schließlich auch eine unkritische Gesellschaft, die sich nie gefragt hat, wohin geht die Reise? Siche, die Bänker sind mit Brechts Zitat:" Was ist der Überfall auf eine Ban, gegen die Gründung einer Bank" hinreichend characterisi, aber Schuld tragen wir alle. Man hat Lafontaine zum Abschuß freigegegeben, weil er das vorausgesagt hat was heute eingetroffen ist. Aber es war ja einfacher mit den alten Reflexen von den eigentlichen Problemen abzulenken. Es lief ja wie geschmiert. Und jetzt? Wenn noch irgendein Funke von Anstand und Moral in uns stecken würde, müssten wir Lafontaine um Verzeihung bitten und zu gebenman hätte sich geirrt. Aber wer besitzt schon Größe? Die Schuld immer nur anderen in die Schuhe zu schieben löst das Problem nicht.


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06. Oktober 2008

Banken haben versagt?
Steve Lutzmann (TomderAffe)

Da haben wir doch in Zeiten des amerikanischen Wahlkampfes den idealen Buhmann gefunden. Die Banken haben versagt. Ganz übersehen wir dabei das Grundübel. Unmündige Konsumenten, die wesentl. mehr Geld ausgeben, als ihnen zur Verfügung steht. Finanziert über Schulden; ist diese Konsumgier etwas anderes als die angebliche Gier der Banken? Aber, die Banken haben den einfachen Mann ja in die Schuldenfalle getrieben. Gern übersehen wir dabei, dass Freddie Mac und Fannie Mae sog. "government sponored enterprises" sind. Die grosszügige Kreditvergabe also Teil des staatlichen Auftrags war. Es ist schon absurd, dass genau jene, die schon immer die Bösartigkeit des Kapitalismus kannten ... nun plötzlich nach dem Verursacher um Hilfe rufen. Versagt hat nicht der Finanzmarkt, nicht die Banken. Versagt hat der allumsorgende Vater Staat, der die Kreditvergabe an eigentl. Kreditunwürdige ankurbelte. Dessen Notenbank den Geldhahn aufdrehte, sobald die Konjunktur kleinste Niesanfälle hatte. Versagt haben Konsumenten, die geradeso tun, als ginge sie Geld eigentlich nichts an. Dennoch, sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe zu schieben, hilft nicht weiter. Hinsetzen und nach allen möglichen Lösungen suchen, das kann die einzige Aufgabe sein.


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06. Oktober 2008 15:03

Kulturelle Fehlentwicklung
Peter Kolb (thales4)

Es geht nicht einfach nur darum, eine Finanzkrise zu bewältigen. Es geht viel weiter: kulturelle Fehlentwicklungen müssen korrigiert werden. Wir alle wären zuständig gewesen,- so ist das in einer demokratischen Gesellschaft. Kant hat die Aufklärung definiert als Ausgang aus selbstverschuldeter Unmündigkeit. Das konservative Bürgertum hat die Aufklärung stattdessen schon längst als gescheitert erklärt. Warum denn selber denken, wo wir doch Fachleute haben?! Kant hatte empfohlen, auch keinen Fachleuten zu glauben. Nun haben sie uns ruiniert, Arm in Arm mit einer in Wirtschaftsfragen nahezu gleichgeschalteten Presse. Man sollte sich erinnern an die Neidgesellschaft, bewohnt von Bedenkenträgern und Besitzstandwahrern. Wir haben uns zu lange verblöden lassen von Popindustrie und Unterhaltung in 30 Fernsehprogrammen. Kultur war mal anders gedacht Wir haben die Welt den Antiaufklärern, den Woodoo-Zauberern überlassen. Schon war die Rede von Postdemokratie und wie in China widerspruchslos Projekte in Rekordzeit sich durchführen lassen. Bleibt die vage Hoffnung, daß der Kapitalismus noch gerettet werden kann von einer aufgeklärten Linken. Bleibt die Befürchtung, daß sich die Rufer nach irgendwelchen Alten Werten durchsetzen werden.


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06. Oktober 2008 15:03


@ Lebeding, Wertezerfall I
Steve Lutzmann (TomderAffe)

Oh Herr Lebeding. Ich gebe Ihnen ja ganz grundsätzlich recht. Unsere Gesellschaft erlebt einen Wertezerfall. In der Wirtschaft wird das nun nur besonders offensichtlich. Nun ganz ehrlich, wer von uns begreift sich denn noch als wirklicher Staatsbürger? Wer denkt noch darüber nach, welche Auswirkungen die eigene Handlung auf die Gesellschaft hat? Wer sieht sich den als Teil des Staates? Kaum einer! Die allermeisten Menschen sind ganz allein auf ihren eigenen Vorteil bedacht; nutzen den Staat (ich meine damit nicht nur die jur. Konstruktion) so wie sie es gerne hätten. Unabhängig, was das Verhalten kostet. Wie es Altbundespräsident Herzog einmal formulierte: "Der Ehrliche ist eigentlich der Dumme." Es ist nicht nur das mögliche Fehlverhalten der Banker. Es ist genauso der Steuerhinterzieher, genauso der Sozialschamrotzer, genauso der Politiker der allein um sein Mandat bemüht ist. Wer steht denn eigentlich noch richtig hinter diesem Staat? Leben wir in dem Bürgerkriegsszenario, dass -in seltener Einigkeit- Sternberger und Schmitt verhindern wollte bzw. anmahnten? Wir müssen uns am Ende eingestehen, dass Staat immer auch eine Wertegemeinschaft ist. Dem reinen positivisten Staatskonstrukt fehlt am Ende das Blut in den Adern, es ist kalt. Die Menschen hält an sich nichts zusammen.


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06. Oktober 2008 15:03


@ Lebeding, Wertezerfall II
Steve Lutzmann (TomderAffe)

Zwar mag die Politik kurzfristig einschreiten können und alles regeln. Ihr fehlt es aber bereits jetzt an Glaubwürdigkeit. Haben Sie in den letzten Jahren einen Politiker erlebt, der sein Gewissen vor das Mandat gestellt hat? Die Politik ist heute eine Ansammlung von Apparateschiks. Die funktionieren, wie Investmentbanker auch. Von moralischer Verantwortung ist hier wie da keine Rede! Langfristig müssen wir -und damit meine ich ALLE- uns fragen, wie wir in Zukunft zusammenleben wollen. Das gesteht sogar ein liberaler Sturrkopf wie ich ein: eine Gesellschaft funktioniert nicht ohne Werte. Am Ende sind wir bei Böckenförde (1976!): der freiheitl.-säkularisierte (und damit rein positivistische) Staat lebt von den Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.





Aus: "Finanzkrise: Die Banker haben versagt" Von Carsten Knop (05. Oktober 2008)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~EE362FC60FFE542BC8F422CC6B9DA1BF8~ATpl~Ecommon~Scontent.html

« Last Edit: Oktober 08, 2008, 02:12:52 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Banken und Rettungspläne... ]
« Reply #124 on: Oktober 08, 2008, 04:40:56 nachm. »
Quote
[...] 500 Milliarden Pfund (640 Mrd Euro) legt der Staat in die Waagschale, um einen Kollaps des Bankensystems zu verhindern und einen noch größeren Schaden von Wirtschaft und Steuerzahlern im Königreich abzuwenden. Neben einer 200-Milliarden- Spritze der Zentralbank für kurzfristige Leihgeschäfte und einer staatlichen Garantie für langfristige Anleihen über 250 Milliarden Pfund bringt das Rettungspaket einen neuen Aktionär für die Banken ins Spiel, den die Kreditinstitute bislang so noch nicht hatten - den Staat selbst. Schnell machte das Wort von einer «Teilverstaatlichung» die Runde.

«Wir verstaatlichen die Banken nicht und wir wollen auch keine öffentliche Kontrolle», betonte Finanzminister Alistair Darling. Tatsächlich müssen die Banken nur kleinere Zugeständnisse an den neuen Aktionär machen, etwa mittelständische Unternehmen nicht vom Kreditfluss abzuschneiden. Dafür stellt der Staat bis zu 50 Milliarden Pfund für den Erwerb von Vorzugsaktien bei den acht größten Kreditinstituten zur Verfügung. Statt Einfluss will die Regierung offensichtlich Vertrauen zurückkaufen - ein Gut, das in der Finanzkrise absolut aufgebraucht ist und Banken davon abhält, einander das dringend notwendige Geld zu leihen.


Aus: "Analyse: London will Kollaps verhindern" (08.10.2008)
Quelle: http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/213722

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Quote
[...] Auch beim Blick auf die Insel muss man sich jetzt die Augen reiben: Mit 50 Milliarden Pfund will die britische Regierung acht große Banken zum Teil verstaatlichen, darunter so namhafte wie Barclays und die Royal Bank of Scotland. Von "radikalen Maßnahmen“ spricht Premierminister Gordon Brown. Seine Angst, dass selbst die größten britischen Finanzhäuser abrutschen könnten, muss groß sein.

"Was wir hier erleben, ist ein absoluter Mentalitätsbruch“, sagt Markus Rudolf, Finanz-Professor an der Hochschule Vallendar. „Bis Ende letzten Jahres hätte ich zwei Dinge für unmöglich gehalten: Erstens, dass der amerikanische Investmentbankingsektor aufhört zu existieren. Und zweites, dass britische Banken verstaatlicht werden.“ Schließlich sei es gerade die Stärke der privaten Banken gewesen, die den britischen Finanzsektor immer ausgemacht habe.

Doch in eben diese Privatbanken will die Regierung in London jetzt massiv eingreifen. Außergewöhnliche Zeiten erforderten eben außergewöhnliche Maßnahmen, heißt es. Für "konventionelles Denken oder angestaubte Dogmen“ sei keine Zeit, erklärt Regierungschef Brown. Vielmehr seien "innovative Interventionen“ gefragt, um zum "Kern der Finanzmarktkrise“ vordringen zu können.

Im Klartext heißt dies, dass die britische Regierung bis zu 50 Milliarden Pfund (64,5 Milliarden Euro) in die Hand nehmen will, um sich mit Hilfe von Vorzugsaktien bei acht Branchengrößen einzukaufen. Und keiner weiß, ob damit das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Oder ob die Regierung vielleicht noch weitere Teile der Banken unter ihre Kontrolle bringen muss.

Eine leicht nachvollziehbare Maßnahme, wie Rudolf findet: „Das Finanzsystem entpuppt sich als ausgesprochen fragil, und jede Volkswirtschaft der Welt würde alles versuchen, um einen Systemeinsturz zu verhindern. Insofern hat die britische Regierung keine andere Wahl.“


Aus: " Verstaatlichung: Großbritannien bricht mit liberaler Tradition" (8. Oktober 2008)
Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article2548086/Grossbritannien-bricht-mit-liberaler-Tradition.html

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Quote
[...] New York (dpa) - Die US-Regierung erwägt nach einem Pressebericht Beteiligungen an amerikanischen Banken. Mit einem solchen Schritt könnte das Vertrauen in die Finanzbranche gestärkt werden, berichtete die «New York Times» unter Berufung auf die Regierung.

Ein Einstieg könnte Teil des geplanten Rettungspakets sein, das ein Volumen von 700 Milliarden Dollar haben soll. Die US-Regierung würde bei einer Teilübernahme von Bankhäusern dem Vorbild Großbritanniens folgen. Die Regierung in London hatte am Mittwoch einen Plan vorgestellt, der eine Beteiligung an britischen Banken bei Bedarf ermöglichen würde.

Die konkreten Details für den US-Rettungsplan sollen in den kommenden Tagen vorgestellt werde, wie die «New York Times» schreibt. Viele US-Banken sind durch die Finanzkrise an den Rand der Pleite geraten oder mussten sich unter das Dach von Konkurrenten retten.

US-Präsident George W. Bush hat in einem Telefongespräch mit Brasiliens Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva versichert, dass die Maßnahmen des US-Bankenrettungsplans in zweieinhalb Wochen erste Wirkungen zeigen werden.

Bush sprach auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Finanzkrise. Er erörterte nach US-Angaben mit Merkel unterschiedliche amerikanischen Maßnahmen zur Stabilisierung der Märkte und betonte, die Wichtigkeit eines gemeinsamen Vorgehens aller Staaten bei der Eindämmung der Finanzkrise.

US-Finanzminister Henry Paulson Paulson sprach sich für eine enge Abstimmung der betroffenen Staaten aus. Er habe zu diesem Zweck eine Sonderkonferenz der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) am Samstag vorgeschlagen, sagte Paulson. Dabei sollen sich die Teilnehmer untereinander koordinieren, um die Folgen der Krise und die Abschwächung der Konjunktur in den jeweiligen Ländern zu verringern.

Laut Paulson ist ein baldiges Ende der Finanzkrise in den USA nicht absehbar. «Es ist Geduld gefragt, weil diese Turbulenzen kein schnelles Ende finden werden und noch bedeutsame Herausforderungen zu meistern sind.» Er sei aber überzeugt, dass die Probleme überwunden werden können. Er warnte aber auch, dass es weitere Zusammenbrüche von US-Banken geben könne, solange die US-Wirtschaft in schwierigem Fahrwasser sei.




Aus: "US-Regierung prüft Banken-Verstaatlichung" (09.10.2008)
Quelle: http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/214014

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Quote
[...] Die US-Banken Citigroup und Wells Fargo sind bei der Prüfung der Bücher ihres Übernahmeziels Wachovia einem Bericht zufolge auf böse Überraschungen gestoßen. Beide Firmen seien schockiert von der hohen Zahl an ihrer Einschätzung nach minderwertigen Anlagen bei Wachovia gewesen, berichtete das "Wall Street Journal". Die rivalisierenden Institute befürchteten nun, dass sie beim Kauf von Wachovia-Anteilen höhere Verluste erleiden könnten als bisher erwartet.
 
Unterdessen haben sich Citigroup und Wells Fargo im Streit um die Wachovia-Übernahme darauf verständigt, ihre juristische Auseinandersetzung nun bis Freitag zu unterbrechen. Das teilten die drei Banken nach vorheriger Abstimmung mit der Fed mit.

[...] Wachovia ist die viertgrößte Bank der USA mit knapp 3500 Filialen im ganzen Land. Die Citigroup, drittgrößtes Institut, hatte zunächst mit Unterstützung der Regierung den Zuschlag für die Übernahme erhalten und so die Pleite von Wachovia verhindert. Vier Tage später kündigte dann Wells Fargo überraschend den Kauf von Wachovia an.
 
Citigroup verklagte daraufhin Wachovia und Wells Fargo, wogegen Wells Fargo wiederum vorging. Die Citigroup forderte daraufhin eine milliardenschwere Entschädigung.


Aus: "Schock bei Buchprüfung: Viel Wachovia-"Schrott"" (9. Oktober 2008)
Quelle: http://www.n-tv.de/Schock_bei_Buchpruefung_Viel_WachoviaSchrott/091020083810/1035284.html

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Quote
[...] Die Regierungen Belgiens, Frankreichs und Luxemburgs haben sich auf einen neuen Rettungsplan für die Hypothekenbank Dexia geeinigt. Die Regierungen garantieren ein Jahr lang für neue Mittelaufnahmen von Dexia bei anderen Banken und institutionellen Anlegern, berichtete der belgische Rundfunksender RTBF am Donnerstag. Diese Garantie werde es der französisch- belgischen Bank ermöglichen, über ausreichend Liquidität zu verfügen.

[...] Laut RTBF steht eine Lösung für die amerikanische Tochter von Dexia, die Financial Security Assurance Inc. (FSA), noch aus. Diese hatte bis zum August hochriskante strukturierte Finanzprodukte versichert.



Aus: "Hypothekenbank: Belgien, Frankreich und Luxemburg retten Dexia" (09. Oktober 2008)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~E53100D37BF554365892C143273582E58~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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Quote
[...] Die japanische Zentralbank hat dem Geldmarkt angesichts der Finanzkrise am Donnerstag weitere Liquidität in Rekordhöhe zur Verfügung gestellt. Am 17. Handelstag in Folge pumpte die Bank of Japan (BoJ) abermals in zwei Schritten 4,0 Billionen Yen (29,2 Milliarden Euro) in den Markt, um für Stabilität zu sorgen.


Aus: "Asien: Bank of Japan pumpt Rekordbetrag in den Markt" (09. Oktober 2008)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~E10E79E026DFC473A8A6088A380B6368F~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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Quote
[...] Derweil hat der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, die Händler an den Börsen mit drastischen Worten zur Ordnung gerufen. Trichet forderte die Akteure auf den Finanzmärkten im französischen Fernsehen auf, „wieder zur Besinnung zu kommen“.

Quote
09. Oktober 2008 08:59,

Was bringt eine Zinssenkung?
Roman Puff (romanpuff)

Ich bin zwar 'nur' Historiker und kein Ökonom, aber bei Anwendung eines gewissen - gar nicht übertrieben großen - Quantums an gesundem Menschenverstand und bei paralleler Lektüre der Berichte aus der realen Wirtschaft mit denen aus der zunehmend surrealen ist doch klar, dass eine solche Maßnahme maximal psychologisch hilft - wenn überhaupt. Vielleicht steigert das Ausmaß der Verzweiflung, das sich darin ausdrückt aber auch eher die Demoralisierung. Glauben Trichet, Bernanke und ihr akademischer Überbau denn wirklich, dass sich eine Realwirtschaft, die in einem Monat mittlere bis hohe zweistellige Umsatzrückgänge erfährt, die deshalb allein in Deutschland binnen kurzer Zeit zehntausende Leute für mehr oder weniger lange Zeit nach Hause schickt (GM, Ford, Daimler, BMW, Volvo, Unicredit ...) wieder anspringt, wenn sie die Zinsen um ein halbes Prozent senken? Da kann ich, wenn ich daran glaube (ist mein Privatproblem das hier nicht erörtert werden muss), genauso gut zu Gott, Allah oder dem großen Zampano beten und hoffen, dass das hilft!



Aus: "Nach britischem Vorbild: Amerika erwägt Teilverstaatlichung der Banken" (09. Oktober 2008)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~EB78C078FB7354D958AB11B4E1F0E221F~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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Quote
[...] Die vom Kongress jetzt im Rahmen des 700 Milliarden Dollar umfassenden Rettungspakets gewährten Vollmachten zum Umgang mit der Finanzkrise eröffneten der Regierung eine Reihe von Möglichkeiten, hieß es.

An erster Stelle stehe für US-Finanzminister Henry Paulson hierbei jedoch die Befugnis, den Finanzinstitutionen weiteres Kapital zur Verfügung zu stellen. "Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht", zitiert die New York Times Paulson. "Dazu gehört auch die Unterstützung der Gesamtkapitalausstattung von Finanzinstitutionen in jeder Größe."

 Wie die New York Times weiter berichtet, sei dieser Plan laut Regierungsbeamten die von vielen in Washington und an der Wall Street favorisierte Optionen zur Verwendung der 700 Milliarden Dollar. Denn eine kräftige Finanzspritze würde den Banken helfen, ihre Kreditprobleme zu lindern. Andererseits sorgen sich die Beamten darum, dass ein derart aggressives staatliches Vorgehen dem Finanzsektor schaden könnte: Aktionäre könnten meinen, sie sollten abgestraft werden oder der Markt könnte es als ein Zeichen werten, dass Kreditbanken gescheitert sind.

Ein derartiger staatlicher Einstieg bei Banken wäre zu vergleichen mit dem Vorgehen der britischen Regierung. Die britische Regierung kündigte am Mittwoch an, acht der größten Banken teilweise zu verstaatlichen, um die Stabilität auf dem Finanzmarkt wiederherzustellen. Premierminister Gordon Brown sprach von "radikalen" Eingriffen ins Bankensystem.

Auf den britischen Plan angesprochen, sagte Paulson am Mittwoch, er weise diese Idee nicht zurück. Er wolle jedoch nicht darüber spekulieren, welches der neuen Rechte die Regierung nun anwende.

[...]

Quote

09.10.2008 11:45:52

WillmaHorst: Wow!!! Landesbank auf amerikanisch

Aber wem stört's - außer der FDP?



Quote

09.10.2008 11:48:45

Waldheim, Karl: Wer hats erfunden ? die Schweden

Zitat: "Ein derartiger staatlicher Einstieg bei Banken wäre zu vergleichen mit dem Vorgehen der britischen Regierung. Die britische Regierung kündigte am Mittwoch an, acht der größten Banken teilweise zu verstaatlichen, um die Stabilität auf dem Finanzmarkt wiederherzustellen. Premierminister Gordon Brown sprach von "radikalen" Eingriffen ins Bankensystem."

Nicht Großbritannien, sondern Schweden ist das Vorbild für ein solches Vorgehen, welches sich im Nachhinein als äußerst gelungen darstellt. Wollen wir doch die richtigen loben. Die Briten müssens erst noch beweisen.

Das sollte doch den Journalisten der SZ auch bekannt sein, findet sich hier doch ein Interview mit dem schwedischen Ex-Finanzminister Bo Lundgren.



Quote
09.10.2008  12:39:05, oelauge:
Wohin mit 700 Milliarden Dollar?

[...] mister paulson kommt mir vor wie ein drogendealer der jetzt mit der regulierung des rauschgifthandel beauftragt wird .
 

Quote
09.10.2008 12:33:36, rheinelbe:

Wohin?

Vertrauen heißt jetzt Geld.

Ansonsten: Wohin mit den 700 Milliarden (Phantastillionen, Phantastilliarden) Dollar, Euro, Dublonen oder was? Ist doch kein Problem. Die Börse wird's locker verbrennen!

Im Wort wohin? steckt ha auch "hin"...

Und man kann mit Sicherheit sagen, wohin das Geld nicht fließt: zu den Armen.

Das steht fest!




Aus: "US-Rettungspaket: Wohin mit 700 Milliarden Dollar?" (09.10.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/437/313344/text/?page=2#readcomment

« Last Edit: Oktober 09, 2008, 01:49:50 nachm. by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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[Eine kleine Notiz und Globale-Finanzmaerkte... ]
« Reply #125 on: Oktober 08, 2008, 05:25:38 nachm. »
Quote
[...] Die New Yorker Investmentbank Goldman Sachs hat im vergangenen Jahr 16 Milliarden Dollar an ihre Vorstände und Mitarbeiter ausgezahlt, die fünf größten amerikanischen Investmenthäuser zahlten insgesamt 36 Milliarden Dollar. Für einen normalen deutschen Staatsbürger ist das eine unvorstellbare Summe, sie entspricht in der Größenordnung der Jahreskreditaufnahme  durch den deutschen Finanzminister. Man fragt sich unwillkürlich, ob auf den Finanzmärkten  alles mit rechten Dingen zugeht.


Aus: "Globale Finanzmärkte - Beaufsichtigt die neuen Großspekulanten!" (DIE ZEIT, 01.02.2007 (!))
Quelle: http://www.zeit.de/2007/06/Globale-Finanzmaerkte


-.-

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[...] Bemerkenswert finde ich eine kleine Notiz, die ich heute in einem täglichen Privatbanken-Informationsdienst über die Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Pensionskassen der US-Bürger las. Das Büro der US-Kongress-Rechnungsbehörde Congressional Budget Office (CBO) ließ verlauten, dass die amerikanischen Pensionskassen in den vergangenen 15 Monaten wegen der Finanzmarktkrise rund 2.000 Milliarden US-Dollar verloren haben. Viele Arbeitnehmer würden wegen dieser Verluste wahrscheinlich gezwungen, auf größere Konsumausgaben zu verzichten und mehr zu sparen – oder später in Rente zu gehen, sagte der CBO-Leiter R. Orszag.


Aus: "Die Finanzmarktkrise belastet die US-Pensionskassen" (8 Oktober. 2008)
Quelle: http://blog.focus.de/metzger/archives/337

-.-

Quote
[...] Zwei Billionen Dollar in 15 Monaten - die US-Pensionskassen müssen durch die Turbulenzen der Finanzkrise dramatische Verluste hinnehmen. [...] Washington - Die Finanzkrise lässt viele US-Bürger um ihre Altersvorsorge bangen: Öffentliche und private Pensionsfonds in den USA haben in den vergangenen anderthalb Jahren zwei Billionen Dollar (knapp 1,5 Billionen Euro) verloren, wie der Präsident des Rechnungshofs des US-Kongresses (CBO), Peter Orszag, am Dienstag erklärte. Seit Mitte 2007, dem Beginn der Krise um faule Kredite in den USA, sei der Wert der Fonds um 20 Prozent gesunken.

Dies könne dazu führen, dass Beschäftigte, die im Alter auf Rentenzahlungen aus den Fonds angewiesen seien, länger arbeiten müssten. Zudem schränke die Krise bei den Rentenfonds vermutlich die Ausgaben der US-Bürger ein, was die Wirtschaft weiter belasten könne, sagte Orszag. Laut einer Erhebung haben kürzlich mehr als die Hälfte der Befragten die Befürchtung geäußert, dass sie wegen sinkender Erträge aus der Altersversorgung länger arbeiten müssten.

"Anders als bei Wall-Street-Managern gibt es für amerikanische Familien keinen Goldenen Handschlag, auf den sie sich im Notfall verlassen können", sagte Arbeitsmarktexperte George Miller, demokratischer Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus, der "Washington Post". "Es ist ganz klar, dass das amerikanische Rentensystem der Finanzkrise zum Opfer fallen kann."

Besonders betroffen von der Finanzkrise sind private Rentenfonds, die die Anlagen ihrer Mitglieder vor allem in Börsentitel investieren, die nun deutlich an Wert verloren haben. Weniger betroffen sind die öffentlichen Fonds, etwa von Kommunen und Behörden, die vor allem in US-Schatzbriefe investieren.

In die Rentenfonds zahlen in den USA Arbeitgeber und - auf freiwilliger Basis - auch Arbeitnehmer ein. Einer Studie zufolge haben angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage zuletzt viele Beschäftigte ihre Zuzahlungen eingestellt.

ffr/AP/AFP


Aus: "Finanzkrise kostet Pensionskassen zwei Billionen Dollar" (08.10.2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,582969,00.html

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[...] Die Kleinsparer, die sich ihre Rücklagen mühsam vom Lohn abzwacken, könnten durch die Finanzkrise jedoch auf andere Art hart getroffen werden: Durch eine weltweit schwächere Konjunktur. Schon jetzt gilt es als ausgemacht, dass die USA in eine Rezession rutschen. Die größte Volkswirtschaft der Welt hat in diesem Jahr so viele Stellen gestrichen wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr.

Eine Wirtschaftskrise in den USA könnte auch nach Europa herüberschwappen. Dann wären auch deutsche Arbeitsplätze in Gefahr. Das bedeutet neue Mindereinnahmen bei den Steuern und höhere Ausgaben bei den Sozialleistungen.

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sünnerklaas »
06.10.2008 um 16:26

Zitat:

"Um zu signalisieren, dass die Spargelder in Deutschland sicher sind, hat die Bundesregierung eine Staatsgarantie für die kompletten privaten Einlagen hierzulande abgegeben."

Das ist eine politische Erklärung - und im Moment so viel wert, wie Barschel'sche Ehrenwörter... Etwas Aufklärung verspricht die FTD:

Zitat:
"Vorbereitungen für den Tag X hat die Regierung nicht getroffen. Es habe Hinweise gegeben, dass die Bürger deutlich mehr Bargeld abheben, sagte ein Sprecher Steinbrücks.
(...)
Im Endeffekt ist es eine politische Absichtserklärung", sagte der Vorsitzende des Bundestagshaushaltsausschusses Otto Fricke (FDP) im "Deutschlandfunk". Es gebe keinen Fonds oder Ähnliches, "in dem das Geld steckt".

Quelle: FTD

Regierungssprecher Ullrich Wilhelm wird vom Handelsblatt wie folgt zitiert:

Zitat:
""Bei den Garantien für die deutschen Sparer handele sich um eine „belastbare und entscheidende politische Aussage“, hinter der die Bundesregierung mit ihren Möglichkeiten stehe, betonte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Montag in Berlin."
Quelle: Handelsblatt

Für das Versprechen - oder das gegebene Wort gibt es zur Zeit keine Rechtsgrundlage. Die Bundesregierung kann auch nicht so ohne weiteres solch eine Zusage geben, weil dies das Haushaltsrecht betrifft - und das Haushaltsrecht liegt beim Bundestag. Bis ein für die Sicherung der Spareinlagen notwendigen Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen ist, ist es u.U. schon zu spät.



Quote
frankmayer »
06.10.2008 um 21:26

Ganz einfach: Schiss vorm Bank-Rush

[...]

Es ist doch offensichtlich, dass die Stimmung geeignet ist, dass die Leute auf die Bank rennen und ihr Geld abheben - und dann ist tatsächlich Sabbat - tödliche Sepsis sozusagen ..

Vor diesem Hintergrund sei dann auch Frau Merkel diese Lüge (zumindest von mir) verziehen - auch wenn mir sowohl sie als auch diese ganze konservative Gesindel ein echter Greul sind. Diese Lobbyistenhörigkeit gerade der Konservativen mit ihren Seilschaften - wer hat nochmal die Legende gebildet, die Sozen könnten nicht mit dem Geld und so? Kurzer Blick über den Teich oder in unsere Bundesregierung ..

Dennoch empfinde ich diese Entlastung des Systems von Lügereien und Betrügereien insgesamt als äusserst heilsam und gesund. Klar geht das an die Grenzen, und gerade spritzt uns eine besonders übel riechende Sorte Finanz-Eiter aus den Banken und Finanzplätzen entgegen. Das ist zwar super eklig, tut weh und stinkt wie die Hölle, aber es ist reinigend und heilsam!

Man wird - wenn es vorbei ist - noch etwas nachschneiden müssen und das verbleibende Gewebe von unten nachwachsen lassen müssen - eine Narbe wird wohl länger bleiben..

In diesem Sinne: Ubi pus, ibi evacua!
F. Mayer


Quote
mwo »
07.10.2008 um 08:56

Kleine Randbemerkung

... gehört nicht ganz hier her, aber ich musste es gerade auf der Titelseite des Hamburger Abendblattes lesen, und will nicht alleine leiden:

"Der Papst mahnt: Wer auf Geld baut, baut auf Sand ... Nur das Wort Gottes ist die einzige dauerhafte Realität."

Das ist doch mal eine Einstellung. Nie vergessen: Jede Krise hat ihre Krisengewinnler!


Quote
Hepo »
07.10.2008 um 11:12

Ja, ja, immer schön den Abstand wahren...

und so tun, als würde uns das alles nichts angehen. Bin ich froh, dass bestimmte Teilnehmer dieses Forums in diesem Land nichts zu sagen haben!

Wiedermal wird über ein Thema, das uns alle angeht, geschrieben, als würde es uns nicht betreffen. Wer sich einigermaßen informiert hatte wusste schon seit mindestens zwei Jahren, dass die Blase irgendwann platzen würde. Aber offensichtlich blendet Gier jeden gesunden Menschenverstand und das Gespür für die drohende Gefahr aus.

Wie sähe denn die Alternative zu einer staatlichen Absicherung der Sparguthaben, damit wir nicht sehenden Auges in eine Inflation rutschen?



Quote
sjdv »
07.10.2008 um 11:14

Beunruhigende Beruhigung

Wenn die Regierung jetzt die Sicherheit aller Einlagen garantiert, beunruhigt das eigentlich mehr als es beruhigt. Es beunruhigt deshalb, weil es offensichtlich die Befürchtung eines Runs auf die Banken gibt, sonst hätte die Regierung nicht zu diesem Mittel gegriffen. Und beruhigen kann es nicht, weil der Staat im Zweifelsfall natürlich niemals die Mittel (1,6 Billionen) hätte um das Versprechen einzuhalten.
So ist das manchmal: Wenn die Falschen sagen, es gäbe keinen Grund sich sorgen zu machen, macht gerade das Sorgen.


Quote
korushe »
07.10.2008 um 18:52

Gedaechtniss der Menschen

[...]

Wie einige schon geschrieben habe, was wuerde passieren wenn die Banken aufhoeren wuerden. Nur so als Idee. Geld verliert seinen Wert. Schlagartig. Das ergebniss sah man kurz in Argentinien. Es mag Ihnen zwar entgangen sein aber auch wenn alle vom Virtuellen Geld reden, es gibt kein "reelles Geld". Was sie haben ist ein Stueck Papier das aufgrund eines Abkommens zwischen den Menschen rundherum einen Wert bekommt. In dem Augenblick wo die anderen dem Stueck Papier nicht mehr vertrauen ist es nichts Wert. Wir haben uns geeinigt Dienstleistung und Waren einem fiktieven Wert beizumessen und den auf ein Papier zu schreiben. Die Verwaltung dieser Papiere wurden den Banken uebergeben. (wo sich Menschen bereichert haben auf unverschaemte weise). Was alle gewusst haben und die die dagegen waren entweder zu wenig Macht hatten oder verlacht wurden. Warum? Klar weil die die die Moeglichkeit gehabt haetten zu bremsen oder zu kontrolieren selber davon Profitierten und alle mit der Hoffnung weg zu sein wenns Kracht (hinter mir die Sintflut) (die ja jetzt da ist) Man koennte schuldige suchen (und wuerde welche finden WENN man wollte) aber es heist nicht umsonnst wer 50 Gulden stiehlt ist ein Dieb wer 5 Millionen Gulden stiehlt ist ein Staatsmann. Daran hat sich bis heute nichts geaendert.





Aus: "Finanzkrise: Wo es wirklich brennt" Von Marlies Uken  (ZEIT ONLINE,  7.10.2008)
Quelle: http://www.zeit.de/online/2008/41/Finanzkrise-Fragenkatalog

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[Schockfrost für Kunden der isländischen Internetbank Icesave... ]
« Reply #126 on: Oktober 09, 2008, 10:47:19 vorm. »
Quote
[...] Alle Kontobewegungen auf Icesave.co.uk sind eingefroren. Die Erklärungen der Bank halten sich nun nicht mehr an technische Fehler und das Wort "Zufall", wie noch am Montag, sie bleiben ganz aus. Auf der Webseite der Bank wird nur frostig statuiert, dass keinerlei Geldtransfers online durchgeführt werden können: "We are not currently processing any deposits or any withdrawal requests through our Icesave internet accounts. We apologise for any inconvenience this may cause our customers. We hope to provide you with more information shortly."

Icesave gehört zur isländischen Landsbanki, die gerade verstaatlicht wurde, weshalb eigentlich die Icelandic Financial Supervisory Authority für Einlagen bis zu 20.000 Euro aufkommen soll. Wie der britische Schatzkanzler Alistair Darling heute mit einigem Erstaunen mitteilte, beschied ihm die isländische Regierung allerdings, dass sie keine Absicht habe, ihren Verpflichtungen gegenüber den britischen Kunden nachzukommen. Nun will der britische Staat dafür einstehen – nach Informationen der Times sogar bei Einlagen über 50.000 Pfund. Wann und wie die Kunden ihr Geld zurückbekommen sollen, werde allerdings noch geklärt.

Wie heute Vormittag gemeldet wurde, hat das staatliche Inkasso-Büro der Niederlande (NIB) den niederländischen Zweig von Icesave zur Freistellung der Guthaben in den Niederlanden aufgefordert. Nach Schätzungen des NIBs dürften sie mit etwa 250.000 Euro nur einen geringen Teil der Verbindlichkeiten ausmachen. Aussagen von NIB-Direktor Maarten van der Donk zufolge könnten die meisten Kunden der Online-Bank nur darauf hoffen, dass sie am "Ende eines langwierigen Inkasso-Verfahrens" wenigsten teilweise durch den isländischen Staat entschädigt werden.

Van der Donk kritisierte deutlich die Politik der Bank, welche die Kunden, die sich über Probleme beim Zugang zu ihren Onlinekonten beschwerten, mit irreführenden Entschuldigungen abgespeist hatte: Icesave hatte demnach noch bis gestern Nachmittag wider besseren Wissens behauptet, liquide und kreditwürdig zu sein. "Davon war längst kein Wort mehr wahr", wird Van der Donk zitiert. Zu diesem Zeitpunkt hätten, wie berichtet, Sparer bereits keinerlei Transaktionen mehr bei der Online-Bank vornehmen können.

Die niederländische Sparte existiert erst seit vier Monaten, konnte aber in dieser Zeit durch höhere Zinsversprechen (5 Prozent und später 5,25 Prozent; der Durchschnittszinssatz in den Niederlanden wird mit 4 Prozent angegeben) viele Kunden (50.000) gewinnen. (tpa/Telepolis)




Aus: "Schockfrost für Kunden der isländischen Internetbank Icesave" (08.10.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Schockfrost-fuer-Kunden-der-islaendischen-Internetbank-Icesave--/meldung/117089



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[Die Leute heben Geld ab... ]
« Reply #127 on: Oktober 09, 2008, 11:58:22 vorm. »
Quote
[...] MÜNCHEN  -  Der Angestellte der Sicherheitsfirma, der am Eingang der Deutschen Bank am Marienplatz steht, überblickt nicht nur das Gewusel in der Filiale. Seine Firma macht Sicherheitslogistik für Filialen mehrerer Banken in München, und er sagt: „Es wird vermehrt abgehoben. Das ist in allen Filialen so.“ Und bekräftigt: „Die Leute heben große Mengen Geld ab.“

[...]  Drei Anzugträger, vermutlich Geschäftsleute in der Mittagspause, eilen zum Viktualienmarkt und unterhalten sich lautstark über „die Knallköpfe“ bei der HRE, die von den Banken „mal eben 50 Prozent mehr fordern“. Die Hypo Real Estate hält Peter Geißler „nur für die Spitze des Eisbergs“. Der Technische Angestellte tritt aus der HypoVereinsbank- Filiale in der Sendlinger Straße. Das Vertrauen in seine Bank habe er verloren. „Der Normalbürger kann die Dimensionen gar nicht mehr erfassen – 1000 Milliarden Euro Staatsgarantie, wer soll sich das vorstellen?“ fragt Geißler kopfschüttelnd.

Auch Edith Eiden ist Kundin der HVB. „Ich gebe jetzt erhöht Obacht, lese jeden Tag den Wirtschaftsteil und verfolge die Börsenkurse“, sagt die 60-Jährige. Sie ist der Überzeugung, „dass wir auf unser Geld selbst aufpassen müssen. Wir dürfen uns nicht auf Berater verlassen“. Ihr Geld will Eiden aber auf der Bank lassen, auch kein Anlagen verkaufen. Sie ist sicher: „Panikverkäufe haben noch nie was gebracht.“

Mit der Staatsgarantie für alle Sparguthaben wollte Finanzminister Steinbrück vermeiden, dass Bankkunden kurzfristig Guthaben abheben „und unter die Matratze“ legen. Ob diese Vertrauensmaßnahme greift? „Blüm hat auch gesagt, die Rente sei sicher. Jetzt sollen wir das glauben“, sagte eine Kundin der Deutschen Bank, die ihren Namen nicht nennen will.


Aus: "Angst vor dem Crash: "Die Leute heben Geld ab"" (07. Okt 2008) Elena Panagiotidis
Quelle: http://www.abendzeitung.de/nachrichten/wirtschaft/58091



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[Island verstaatlicht größte Bank... ]
« Reply #128 on: Oktober 09, 2008, 01:14:21 nachm. »
Quote
[...] Island ist wie kein anderer europäischer Staat in den Finanzstrudel gerissen worden. Die Regierung will durch Verstaatlichungen von Banken und mit russischer Hilfe eine Staatspleite verhindern. Die Verhandlungen über ein russisches Darlehen in Höhe von 4 Mrd. Euro sollen am kommenden Dienstag beginnen.


Aus: "Millionen-Einlagen: Island macht britischen Gemeinden Angst" (09.10.2008)
Quelle: http://www.ftd.de/politik/international/:Millionen-Einlagen-Island-macht-britischen-Gemeinden-Angst/423838.html

-.-

Quote
[...] Angesichts der Folgen der internationalen Finanzkrise hat die isländische Regierung mit der Kaupthing-Bank das größte Finanzinstitut des Landes verstaatlicht.

Die Regierung hatte die Möglichkeit zur Zwangsverstaatlichung mit einem Eilgesetz geschaffen, um den kompletten Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern. Alle nationalen Spareinlagen seien jedoch sicher, auch der Geschäftsverkehr werde wie gewohnt aufrecht gehalten, teilte die Behörde am Donnerstag mit.

Mit der Verstaatlichung von Kaupthing ist binnen kurzer Zeit die dritte isländische Bank unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt worden. Die Glitnir-Bank, das drittgrößte Geldinstitut des Landes wurde am Mittwoch unter Zwangsverwaltung gestellt und besitzt damit vorerst Gläubigerschutz. Am Dienstag hatte die Finanzaufsichtsbehörde die Kontrolle über Landsbanki, Islands zweitgrößtes Finanzinstitut, übernommen.

[...]


Aus: "Kaupthing-Bank: Island verstaatlicht größte Bank" (09.10.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/420/313327/text/


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[Banken-Hilfspakete... ]
« Reply #129 on: Oktober 12, 2008, 01:18:03 nachm. »
Quote
[...] Beraten wird Koalitionskreisen zufolge über staatliche Garantien für Kredite zwischen den Banken, aber auch über direkte Finanzhilfen des Staates für angeschlagene Geldinstitute. Dies könnte dann auf eine staatliche Beteiligung an Banken hinauslaufen, um deren Eigenkapital zu erhöhen. Im Bundestag könnten die Maßnahmen noch in dieser Woche beschlossen werden. Der Bundesrat tagt erst Anfang November wieder, könnte aber möglicherweise zu einer Sondersitzung einberufen werden.

Für zusätzliche Kapitalspritzen sind nach Schätzungen von Koalitionskreisen 50 bis 100 Milliarden Euro im Gespräch. Das gesamte Paket wird auf bis zu 400 Milliarden Euro veranschlagt. Im Gegenzug für das staatliche Geld wolle die Regierung die Banken auf eine Reform ihrer Geschäftsmodelle Bonussysteme und Abfindungsregeln verpflichten, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf einen Verhandlungsteilnehmer weiter. Es sei aber nicht daran gedacht, Regierungsvertreter ins Management oder in Aufsichtsräte von Banken zu entsenden, hieß es demnach in Regierungskreisen.

An dem Konzept arbeiteten laut "Spiegel" neben Kanzleramt und Finanzministerium auch Bundesbankpräsident Axel Weber, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, Commerzbank-Chef Martin Blessing und Bankenpräsident Klaus-Peter Müller mit. Vor allem Weber sowie der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, hätten die Bundesregierung gedrängt, staatliche Eigenkapitalspritzen für den Bankensektor zu ermöglichen. Zu einem ähnlichen Schritt hatte sich vorige Woche bereits die britische Regierung entschlossen und die Verstaatlichung führender Geldinstitute angekündigt. (APA/Reuters)


Aus: "Deutsches Banken-Hilfspaket bis 400 Milliarden Euro schwer" (11. Oktober 2008)
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=1220460571695

-.-

Quote
[...] +++ Frankreich plant 360-Milliarden-Paket +++
 
Frankreichs Rettungsplan für die Banken soll insgesamt 360 Mrd. Euro umfassen. Das sagte Präsident Sarkozy nach einer Kabinettssitzung . Ein entsprechender Gesetzentwurf soll bis Ende der Woche vom Parlament verabschiedet werden.

+++ Bundesregierung beschließt Rettungsplan +++
 
Die Bundesregierung hat nach Angaben aus Koalitionskreisen das hunderte Milliarden Euro schwere Rettungspaket für deutsche Banken beschlossen. Das Paket sieht Kapitalspritzen und Kreditbürgschaften im Volumen von 470 Milliarden Euro vor.
 
+++ Bund kalkuliert mit 20 Mrd. Verlust +++
 
Die Bundesregierung kalkuliert bei ihrer 400-Mrd-Euro-Garantie für die Banken mit einem Verlustrisiko von fünf Prozent. Damit könnten auf den Haushalt tatsächliche Belastungen aus dem Fonds von 20 Mrd. Euro zukommen, geht aus dem Gesetzentwurf für den Finanzmarkt-Stabilisierungsfonds hervor. Für diesen Fall soll Finanzminister Steinbrück weitere Kredite von bis zu 20 Mrd. Euro aufnehmen dürfen.


Aus: "Finanzkrise +++ Krisenticker +++" (Montag, 13. Oktober 2008)
Quelle: http://www.n-tv.de/Finanzkrise__Krisenticker_/131020080016/1036815.html

-.-

Quote
[...] In einer beispiellosen Rettungsaktion stellen europäische Regierungen etwa eine Billion Euro für die angeschlagene Finanzbranche zur Verfügung. Das Bundeskabinett beschloss mit bis zu 500 Milliarden Euro das größte Rettungspaket. Frankreich plant Hilfen von bis zu 360 Milliarden Euro, die Niederlande bürgen für 200 Milliarden Euro, in Spanien und Österreich sind es jeweils bis zu 100 Milliarden Euro. Ähnlich wie beim deutschen Paket übernimmt der Staat vor allem Garantien für die Kredite, die sich die Banken gegenseitig gewähren. Auf dieses Vorgehen hatten sich die Euro-Länder am Wochenende geeinigt.


Aus: "Mehr als eine Billion Euro für Europas Finanzbranche - Regierungen beschließen Bürgschaften und Kapitalspritzen" (13.10.2008)
Quelle: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/rettungspakete100.html

« Last Edit: Oktober 14, 2008, 09:57:37 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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[The National Debt Clock... ]
« Reply #130 on: Oktober 14, 2008, 10:17:07 vorm. »
Quote
[...] Die Staatsverschuldung der USA hat ein derart riesiges Ausmaß angenommen, dass sie von der Schuldenuhr in New York nicht mehr angezeigt werden kann. Die LCD-Anzeige der im Jahr 1989 eingerichteten „Nationale Schuldenuhr“ (National Debt Clock) war nur für einen Maximalwert von zehn Billionen Dollar vorgesehen. Inzwischen hat die Staatsverschuldung diesen Betrag überstiegen. Am Wochenende waren es rund 10,2 Billionen Dollar oder ganz genau 10.150.603.734.720 Dollar.

Im nächsten Jahr soll die Uhr an der West 44th Street durch eine neue Anzeige ersetzt werden, wie ein Sprecher der Durst Organization mitteilte, die die Schuldenuhr nach einer Idee des Immobilienunternehmers Seymour Durst eingerichtet hat. 1989 betrug die Staatsverschuldung lediglich 2,7 Billionen Dollar. Als die Verschuldung in den 90er Jahren abgebaut wurde, war die Uhr zeitweise abgeschaltet. Inzwischen wird als Notbehelf die eigentlich für die Dollaranzeige reservierte Stelle verwendet, um die Höhe der Verschuldung darzustellen. Die geplante neue Anzeige soll einen Betrag bis zur Höhe von einer Billiarde Dollar anzeigen.
AP


Aus: "USA - New York erhält Schuldenuhr bis eine Billiarde Dollar" (13.10.08)
Quelle: http://www.focus.de/panorama/welt/usa-new-york-erhaelt-schuldenuhr-bis-eine-billiarde-dollar-_aid_340223.html

-.-

Quote
[...] Die Zahlen spiegelten die Krise des US-Immobilienmarkts und deren Folgen für den Finanzsektor und das Wirtschaftswachstum wider, erklärte Finanzminister Henry Paulson. Zur Bekämpfung der Finanzkrise haben die USA ein Rettungspaket mit einem Volumen von 700 Milliarden Dollar beschlossen, um faule Kredite aufzukaufen. US-Präsident George W. Bush und Paulson hatten ankündigt, der Staat kaufe für rund 250 Milliarden Dollar (184 Milliarden Euro) Anteile an Banken im Land. Neun Finanzinstitutionen hätten einen solchen Staatseinstieg akzeptiert.

Für das Jahr 2009 wagt das Finanzministerium derzeit offensichtlich keine Prognose. Der aktuelle Bericht jedenfalls verzichtet darauf. Denkbar ist aber, dass zunächst die aktuellen Konjunkturdaten ausgewertet werden müssen, die wenig Anlass zur Zuversicht geben: Nach Angaben der Präsidentin der US-Notenbank Federal Reserve von San Francisco, Janet Yellen hat die Wirtschaft im dritten und vierten Quartal schwächer abgeschnitten als erwartet und wird wahrscheinlich gar nicht wachsen. "Tatsächlich, die US-Wirtschaft scheint in einer Rezession zu sein", sagte sie.

...


Aus: "AUSGABENEXPLOSION: Haushaltsdefizit der USA erreicht historischen Höchststand" (15.10.2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,584200,00.html

-.-

Quote
[...] New York (BoerseGo.de) - Gemäß dem Wirtschafts- und Finanznachrichtensender CNBC hat die US-Regierung in den letzen 12 Monaten die astronomische Summe von 4,28 Billionen Dollar im Rahmen ihrer Hilfsmaßnahmen und Kapitalspritzen zur Bekämpfung der Finanzkrise bereitgestellt. Inflationsbereinigt übersteigt diese Summe die Gesamtkosten für den zweiten Weltkrieg. Etwa 68 Prozent der Summe rühren aus Stützungsmaßnahmen der US-Notenbank Fed , 16 Prozent entfallen auf das  Bankenrettungspaket Tarp (Troubled Asset Relief Programm).


Aus: "CNBC: Finanzkrise teurer als zweiter Weltkrieg" von Christian Hoyer (19. November 2008)
Quelle: http://de.biz.yahoo.com/19112008/389/cnbc-finanzkrise-teurer-weltkrieg.html

« Last Edit: November 20, 2008, 10:07:24 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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[Die zweite Welle... (Kreditkartenverträge)]
« Reply #131 on: Oktober 20, 2008, 02:44:59 nachm. »
Quote
[...] (Istanbul/dpa) - Millionen Türken wachsen die Schulden über den Kopf. Ein Konsumrausch, die von Banken betriebene Verbreitung von Kreditkarten und leicht verfügbare Verbraucherkredite drohen viele Menschen ins Unglück zu stürzen. Verbraucherschützer warnen nun, dass mit der weltweiten Finanzkrise härtere Zeiten auf private Schuldner zukommen werden. Scham und Verzweiflung haben in den vergangenen Jahren dutzende Menschen in den Selbstmord getrieben.

Bis vor einigen Jahren wurde Geld vor allem innerhalb der Familie oder unter Freunden geliehen, mit einer entsprechenden sozialen Kontrolle. Mit dem Plastikgeld hielt eine oftmals unkontrollierte Verschuldung Einzug. Etwa 38 Millionen Kreditkarten gab es im vergangenen Jahr, inzwischen seien es 41 Millionen, sagt Nazim Kaya von einem Verbraucherverband in Istanbul. Zahlungsschwierigkeiten treffen viele Menschen wie ein Schlag.

In den vergangenen drei Jahren des wirtschaftlichen Booms seien viele Menschen «verrückt nach Konsum» gewesen, bilanziert die türkische Tageszeitung «Vatan». Inzwischen türme sich der Berg privater Schulden in Höhe von fast 115 Milliarden Türkische Lira (etwa 60 Milliarden Euro). Das Geld sei vor allem in Form von Konsumentenkrediten aufgenommen. Nur 38 Milliarden Lira seien Immobilienkredite. Zum Vergleich: Bei der letzten türkischen Wirtschaftskrise im Jahr 2001 habe die private Schuldenlast umgerechnet nur 6,7 Milliarden Lira betragen.

«Banken gaben Kreditkarten sehr großzügig aus. Beim Eintreiben des Geldes wird der ausstehende Betrag dann zur Ehrenschuld erklärt, für die man sich schämen muss. Der Druck ist enorm», sagt Kaya. Im Jahr 2006 hat zwar ein neues Gesetz Zinsen auf Kreditkartenschulden begrenzt und die schlimmsten Auswüchse beendet. In diesem Jahr hatten sich nach Angaben von Kaya 45 Menschen wegen Schulden das Leben genommen. Nun fürchtet Kaya: «Wegen der Finanzkrise wird auch auf türkische Banken der Druck wachsen. Sie werden das an ihre Schuldner weitergeben.»

In türkischen Medien finden sich immer wieder Bericht über angedrohte, versuchte und erfolgte Selbstmorde. Spektakulär war vor mehr als zwei Jahren der Fall eines türkischen Polizisten, der sich während des Wachdienstes im Parlament aus einer Dienstwaffe erschoss, weil 6000 Lira Schulden zu Streit in der Familie geführt hatten. Ein anderer Beamter feuerte sich auf der Istanbuler Einkaufsstraße wegen 50 000 Lira in den Kopf. In Izmir erschoss sich ein 28-jähriger Toilettenklempner, der im Besitz von neun überzogenen Kreditkarten war.

Oft geht es glimpflich ab, wie im Fall eines Familienvaters, der im September mit nacktem Oberkörper auf dem Dach eines Hauses in der nordwestlichen Stadt Kocaeli Schlagzeilen machte. Arbeitslos, mit 15 000 Lira Schulden und der Verantwortung für drei Kinder drohte er zu springen, bevor ein Politiker ihm Hilfe versprach und von dem Selbstmord abbrachte. Wenn zu den Schulden der Verlust des Einkommens kommt, wird es schnell eng.

[...]


Aus: "Viele Türken stecken in der Schuldenfalle - Scham und Selbstmorde" Von Carsten Hoffmann, dpa (13.10.2008)
Quelle: http://www.glaubeaktuell.net/portal/nachrichten/nachricht.php?useSpr=&IDD=1223788164&IDDParent=1067270715&IDDTyp=&IDDPExtra=&IDDTExtra=&IDB=1&Aktuell=0


-.-

Quote
[...] Berlin - Den Finanzmärkten stehen weitere Erschütterungen bevor. Nachdem US-Ramschhypotheken Banken und Börsen weltweit in den Abgrund gerissen haben, rollt nach Meinung von Experten nun eine zweite Welle auf die Institute zu: geplatzte Forderungen aus Kreditkartenverträgen. Das Ausfallrisiko könnte eine ähnliche Dimension wie im Fall der Immobilienkredite haben. Die Ratingagentur Moody’s schätzt das Volumen der Wertpapiere, die auf Forderungen aus US-Kreditkarten basieren, auf insgesamt 450 Milliarden Dollar.

„Hier hat sich in den vergangenen zehn Jahren eine enorme Bedrohung aufgebaut“, warnt der Bochumer Finanzwissenschaftler Stephan Paul.

[...] die Kreditkartenfirmen und die meisten US-Banken haben – nach dem Muster der Immobilienfinanzierer – ihre Forderungen aus Kreditkarten und Verbraucherdarlehen gebündelt und weiterverkauft. Wie bei den Ramschhypotheken wurden dabei Risiken gemischt und in komplizierte und intransparente Wertpapiere umgewandelt. Versehen mit dem Gütesiegel der Ratingagenturen wurden so aus Kreditforderungen handelbare Anlageprodukte, die hohe Renditen versprachen. In einem Umfang, den Experten für bedrohlich halten. Denn die Erfahrung aus der Finanzkrise lehrt, dass die in sogenannten forderungsbesicherten Wertpapieren (ABS) versteckten Risiken zwar aus den Bilanzen einiger Finanzinstitute verschwinden, nicht aber aus dem Finanzsystem insgesamt. Platzen die den Papieren zugrunde liegenden Kredite massenhaft, kann eine gefährliche Kettenreaktion ausgelöst werden.

„Konsumfinanzierung per Kredit spielt in den USA eine große Rolle“, sagt Michael Schubert, Abteilungsleiter Research bei der Landesbank Berlin. Shoppen auf Kredit ist in den USA keine Ausnahme, sondern die Regel. Die Sparquote lag nach Angaben von HSBC Trinkaus &Burkhardt in den USA im Durchschnitt der letzten drei Jahre nur bei 0,4 Prozent. In Deutschland beträgt sie rund zehn Prozent. Dem „Wall Street Journal“ zufolge gehen in einem durchschnittlichen US-Haushalt von jedem verdienten Dollar 15 Cent fürs Abzahlen von Autokrediten, Hypotheken, Kreditkarten und anderen Schulden drauf, in Kalifornien sogar 19 Cent. Denn US-Kreditkarten funktionieren anders als das in Deutschland genutzte Plastikgeld. Die per Karte gezahlten Beträge werden nicht – innerhalb eines festen Verfügungsrahmens – monatlich abgebucht, sondern sammeln sich über längere Zeit wie ein laufender Kredit an. „Ähnlich wie beim Dispokredit entsteht so ein wachsender Schuldensaldo“, erklärt Finanzexperte Paul. Statt in schlechten Zeiten zu sparen, hätten viele Amerikaner in den vergangenen Monaten erst recht Geld auf Pump ausgegeben, um Zahlungsengpässe zu überbrücken. „Die Auslastung der US-Kreditkarten ist zuletzt noch einmal deutlich gestiegen“, sagt Paul. Eine tickende Zeitbombe.

Überschulden sich viele US-Haushalte und platzen die Kreditkartendarlehen in großer Zahl, seien die Ratingagenturen zu einem „Downgrade“, also Herunterstufen der entsprechenden ABS-Papiere gezwungen. Das Finanzsystem stünde vor einer weiteren Kernschmelze. Wie bei den Immobilienkrediten entstünde ein riesiger Wertberichtigungsbedarf bei allen Finanzinstituten und Investoren, die solche Papiere in ihren Büchern stehen haben. Einige Pakete sind zwar schon zusammen mit den Immobilienkrediten abgeschrieben worden. „Das größte steht aber noch aus“, befürchtet Paul.

[...]


Aus: "Finanzkrise: Die zweite Welle" (19.10.2008)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/Finanzkrise;art271,2639682


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[Wachovia verbrennt 24 Milliarden Dollar... ]
« Reply #132 on: Oktober 23, 2008, 04:29:28 nachm. »
Quote
[...] Mit dem Verlust von 24 Milliarden Dollar im dritten Quartal hat das Geldhaus den höchsten Verlust einer US-Bank im Zuge der weltweiten Kreditkrise erwirtschaftet.


Aus: "US-Bank leidet unter der Immobilienkrise: Wachovia verbrennt 24 Milliarden Dollar" (22.10.2008)
Quelle: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/wachovia-verbrennt-24-milliarden-dollar;2069800


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[Die Analysen wurden dafür genutzt, Handel zu betreiben... ]
« Reply #133 on: November 06, 2008, 03:10:48 nachm. »
Quote
[...] Der Mitarbeiter verkaufte demnach fünf Jahre lang - von 2001 bis 2006 - nicht-öffentliche UBS-Empfehlungen für Aktienkäufe. Die Analysen wurden dafür genutzt, Handel zu betreiben, bevor Höher- oder Herabstufungen von Aktien durch UBS-Analysten bekannt oder Firmennachrichten von Morgan-Stanley-Kunden publiziert wurden.

Dem Insider-Ring gehörten 13 Personen an, darunter Mitarbeiter ehemals angesehener Wall-Street-Institute wie Bank of America, Morgan Stanley und Bear Stearns. Mit den Transaktionen sackten die Beteiligen der Anklageschrift zufolge 17,5 Millionen Dollar (13,62 Mio. Euro) ein.

Aufgeflogen ist der Ring im März des Vorjahres im Zuge einer Untersuchung der US-Börsenaufsicht SEC. Sie hatte mehrere Großbanken auf Insiderhandel durchleuchtet. (Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 05.11.2008)

...


Aus: "Belgien: Minister unter Insider-Verdacht" (04. November 2008)
Karel De Gucht soll Fortis-Aktien verkauft haben, bevor die Bank zerschlagen wurde
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=1225359035379


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[Ein 65-jähriger Rentner aus Illingen sagte aus... ]
« Reply #134 on: November 14, 2008, 02:02:47 vorm. »
Quote
[...] Saarbrücken. Der Mann aus Blieskastel hat eingeräumt, zwischen August 2001 und Anfang Januar 2005 ohne Wissen seiner Kundern deren Geld in riskante Optionsgeschäfte investiert zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Schaden von mehr als 2,6 Millionen Euro aus.

Eine 71-jährige Hausfrau berichtete, ihr seinen von dem Ex-Bankberater höhere Zinsen zugesagt worden. Ein Sparbuch über 26.000 Euro habe sie ihm überlassen. Später habe ihr die Bank mitgeteilt, das Sparbuch sei nicht mehr auffindbar. Der Angeklagte offenbarte, er habe dieses und andere Sparbücher verbrannt. Ein 65-jähriger Rentner aus Illingen sagte aus, er habe dem Berater auf dessen Wunsch hin ein ungenutztes Depot-Konto für eigene Optionsgeschäfte überlassen. Er ging davon aus, dass der Bankangestellte unter seinem Namen solche Geschäfte nicht abwickeln durfte. Zur sicheren Kapitalanlage hatte der Kunde dem Berater 70.000 Euro überlassen. Als dessen Machenschaften aufflogen ersetzte die Bank dem Kunden die Summe.


Aus: "Ex-Bankberater verbrannte Sparbücher seiner Kunden" (mju, Lokalnews, 12.11.2008)
Quelle: http://www.saarbruecker-zeitung.de/nachrichten/titelseite/lokalnews/Bank-Betrug-Sparbuch-Berater-Bank-1-Saar-Volksbank-Spiesen-Elversberg-;art27857,2602087


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[Echte Exzesse waren das... (Das Kommunikationsgeschäft von Siemens)]
« Reply #135 on: November 19, 2008, 11:23:45 vorm. »
Quote
[...] Es dauert eine Weile, bis Ernst K. auf der Anklagebank im schmucklosen Saal 173 des Münchner Landgerichts ins Plaudern kommt. Früher war K. eine Schlüsselfigur im Kommunikationsgeschäft von Siemens. Er lieferte Millionen für schmierige Geschäfte dorthin, wo Vorgesetzte sie brauchten: Nach Nigeria, Russland, Vietnam oder Indonesien.

Oft sei das Geld an Minister gegangen, erinnert sich der 58-Jährige. Manchmal seien ganze Delegationen auch nach München gekommen, um sich ihre Belohnung für Aufträge abzuholen - fürstliche Bewirtung und Einkleiden inklusive. Immer lief alles streng geheim ab. Denn der Post habe bei Siemens keiner getraut. "Anweisungen für diskrete Zahlungen habe ich persönlich übergeben", sagt K. "Echte Exzesse waren das. Da gingen viele Schuhsohlen drauf."

Der zweite Prozess um die milliardenschwere Korruptionsaffäre bei Siemens brachte schon am ersten Tag bizarre Details der Korruptionsaffäre ans Licht. Kaufmann Ernst K. und sein mitangeklagter Ex-Kollege Wolfgang R., 69, legten am Dienstag umfangreiche Geständnisse ab.

Die beiden räumten ein, geholfen zu haben, mehrere Millionen Euro aus dem Technologiekonzern auszuschleusen und auf geheimen Auslandskonten zu parken. Mit dem Geld sollten Amtsträger oder Geschäftspartner bestochen werden.

Die Staatsanwaltschaft wirft K. eine lange Liste von Vergehen vor: Beihilfe zur Untreue in 79 Fällen, Beihilfe zur Bestechung ausländischer Amtsträger im internationalen Geschäftsverkehr in 17 Fällen und Beihilfe zur Bestechung im geschäftlichen Verkehr in drei Fällen. Dem mitangeklagten Rentner werden drei Fälle von Beihilfe zur Untreue zur Last gelegt.

[...] Schwere Vorwürfe erhob einer der Angeklagten gegen Top-Manager des Konzerns. Viele Bereichsvorstände des Kommunikationsgeschäfts hätten das System der schwarzen Kassen gekannt.

Namentlich nannte der Angeklagte Ex-Top-Manager Lothar Pauly, der von Siemens zur Telekom gegangen war. Seinen Posten hatte Pauly, gegen den auch die Staatsanwaltschaft ermittelt, wegen der Siemens-Affäre verloren. Paulys Anwalt Kurt Kiethe wies die Vorwürfe zurück. Seinem Mandanten sei von Schmiergeldzahlungen nichts bekannt gewesen.

[...] Bei den Akteuren des Systems sitzt die Angst inzwischen tief. Ein ehemaliger Siemens-Manager berichtete am Dienstag als Zeuge von zahlreichen Korruptionsfällen in Russland, in die auch die Angeklagten verstrickt waren. Er selbst habe einige Generaldirektoren, Techniker und Buchhalter geschmiert. Allerdings wollte der Zeuge keine Namen nennen. "Ich möchte noch ein bisschen länger leben", sagte der pensionierte Manager.

Nachdem Details seiner Aussage vor dem Landeskriminalamt in die US-Medien gelangt seien, habe er Polizeischutz erhalten. Er lehnte nun auch eine Aussage unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab, weil er kein Vertrauen zu den Ermittlungsbehörden in Deutschland mehr habe. Im Gegenzug zu ihren umfangreichen Geständnissen stellte das Gericht den Angeklagten am Dienstag Bewährungsstrafen in Aussicht. Der Technologiekonzern Siemens geht von dubiosen Zahlungen in einer Gesamthöhe von 1,3 Milliarden Euro aus




Aus: "Korruptions-Affäre: Stille Post bei Siemens"
Der zweite Prozess um Korruption legt ein beispielloses Verschleierungssystem im Konzern offen.
Von Markus Balser  (18.11.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/418/337266/text/


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[Rettung des Finanzsystems kostet Washington... ]
« Reply #136 on: November 26, 2008, 11:35:53 vorm. »
Quote
[...] Die amerikanische Regierung ist bereit, für die Rettung des Finanzsystems mehr als 7400 Milliarden Dollar aufzubringen - eine Zahl so hoch wie die Hälfte des Bruttoinlandprodukts der USA.

Es ist eine schwindelerregende Zahl: 7400 Milliarden (oder anders ausgedrückt 7'400'000'000'000 oder 7,4 Billionen Dollar) ist die amerikanische Regierung bereit, für die Rettung des Finanzsystems aufzubringen. In der Zahl enthalten sind laut der Nachrichtenagentur Bloomberg 2800 Milliarden an bereits abgerufenen Krediten für Finanzinstitute.

Bei der Rettungsaktion kommen 4400 Milliarden Dollar oder 60 Prozent der Gesamtsumme von der Notenbank. Das vom Kongress verabschiedete Sanierungsprogramm für die Banken (TARP) nimmt sich mit 700 Milliarden dagegen schon bescheiden aus. Die Summe von 7400 Milliarden Dollar entspricht einem Betrag von 24'000 Dollar für jeden amerikanischen Bürger. Sie ist neunmal so hoch wie die Ausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan zusammen und würde ausreichen, um mehr als die Hälfte aller Hypothekendarlehen in den USA abzuzahlen.

Vom Umfang her mit der aktuellen Rettungsaktion mithalten kann nur noch knapp der von Präsident Franklin D. Roosevelt in den Dreissigerjahren eingeführte New Deal, der nach dem Zusammenbruch von 10'000 Banken die amerikanische Wirtschaft wieder auf Trab bringen sollte. Für die Rettung der ins Trudeln geratenen Sparkassen in den Neunzigerjahren legte die damalige Regierung nach heutigem Wert nur gerade 210 Milliarden Dollar hin, wie aus einem Bericht des US-Rechnungshofes von 1996 hervorgeht.

Das jetzt vorgesehene Volumen ist für Ethan Harris der Gefahr angemessen. «Das ist die schlimmste Kapitalmarktkrise der modernen Geschichte», erklärt der Co-Leiter der Volkswirtschaftlichen Analyse bei Barclays Capital. «Deswegen gibt es den stärksten staatlichen Eingriff der modernen Geschichte.»

Als der Kongress das sogenannte Troubled Asset Relief Program am 3. Oktober verabschiedete, hatten Notenbankchef Ben S. Bernanke und Finanzminister Henry Paulson eingeräumt, dass hierbei Transparenz und Aufsicht nötig seien. Jetzt vergeben die Behörden jedoch sehr viel höhere Beträge und legen weder Kreditempfänger noch Kreditsicherheiten offen. Das erregt den Zorn einiger Parlamentarier. «Ob Kredite oder Staatsausgaben, hier werden Steuergelder verwendet und wir sitzen am Ende mit Sicherheiten da, über die wir nichts wissen», kritisiert der republikanische Kongressabgeordnete Scott Garrett. «Es ist Zeit zu prüfen, welche Beschränkungen wir der Fed auferlegen sollten, damit die Entscheidungen wieder von gewählten und nicht von eingesetzten Amtsträgern getroffen werden.»

Gesteuert werden die Ausgabenprogramme zum grössten Teil von der Federal Reserve Bank of New York, deren Präsident Timothy Geithner der nächste Finanzminister der USA sein wird. Begonnen hat es mit der Einführung der Term Auction Facility im vergangenen Dezember, die Kredite an Geschäftsbanken gegen Sicherheiten vergab. Nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Bear Stearns im März stellte das Federal Rerserve auch Investmentbanken Kredite zu den gleichen Konditionen wie den Geschäftsbanken zur Verfügung.

In den drei Jahren vor Beginn der Kreditkrise liehen sich die Banken im Schnitt wöchentlich 48 Millionen Dollar. Vergangene Woche lag die Ausleihungsssumme bei 91,5 Milliarden - rund 1900- mal so viel. Im September, nach der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers, führte das Federal Reserve die Commercial Paper Funding Facility sowie die Money Market Investor Funding Facility ein. Beide Programme haben rund 2400 Milliarden Dollar für den Aufkauf von kurzfristigen Anleihen zugesagt.

Von der Einlagensicherung FDIC kommen weitere Zusagen im Sanierungspaket. Sie gibt Garantien in Höhe von 1400 Milliarden ab. So arrangierte die FDIC Kreditgarantien in Höhe von 139 Milliarden für die Finanztochter von General Electric. Kongress und Finanzministerium bringen 892 Milliarden Dollar in das Rettungspaket ein.

Die Federal Housing Administration hat im Rahmen des Rettungspakets die Befugnis erhalten, Hypothekendarlehen im Volumen von 300 Milliarden Dollar zu garantieren. Die staatlichen Garantien sorgen dafür, dass Geldhäuser aufgrund der besseren staatlichen Bonität weniger Zinsen für Kredite zahlen müssen.

Insgesamt würden die Massnahmen Subventionen von mindestens 6,6 Milliarden jährlich entsprechen, geht aus Berechnungen von Bloomberg hervor. Darüber hinaus haben Bernanke und Paulson bis zu 200 Milliarden für die Sanierung der inzwischen verstaatlichten Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac zugesagt.

(se/Bloomberg)

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L Grob
13:37 Uhr

Es hat keinen Zweck, ein System mit aller Macht reparieren zu wollen, das offensichtlich nicht richtig funktioniert. Wie bereits erwähnt wurde, wird der Schuldenberg niemals abgetragen werden können, auch wenn ein grosser Teil dieses aktuellen Pakets nur aus Garantien besteht. Es kann doch irgendetwas nicht stimmen, wenn jedes Land, selbst die Schweiz, Schulden hat und das ein Normalzustand ist...


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Werner Meier
13:13 Uhr

Und wieso spricht hier niemand von den irrsinnigen Massnahmen der Schweiz? Verglichen zum BIP sind die noch viel höher als die bisherigen Kosten der Pakete in den USA! 68 Mia. und das ist noch nicht alles! Auch etwa 60% der SNB Bilanz! Ca. 15% des BIP der Schweiz. Alles erst für die UBS. Gelder für andere Banken und Konjunkturspritzen noch nicht gezählt! Wacht auf, Schweizer!


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Bastian B.
13:11 Uhr

Es war scho alles einmal da, mann muss nur in die Geschichtsbücher schauen: Great Depression (http://de.wikipedia.org/wiki/Great_Depression). Auf einen unregulierten Kapitalismus folgt eine Finanzkrise, darauf eine Weltwirtschaftskrise und zum Schluss ein Krieg.


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Thomas Allmendinger
12:59 Uhr

Beim Lesen solcher "Rechnungen" bekomme ich ein arithmetisches Problem, welches auf die Frage hinausläuft, wo denn dieses ganze Geld herkommen soll. Mehr Staatsausgaben bei weniger Steuern - wie soll das aufgehen? Staatsanleihen können es bei der bisherigen US-Sparquote Null auch nicht sein. Das geht wohl nur so, dass die Notenbank laufend Geld druckt und "ausleiht", ohne es je zurück zu bekommen.


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Peter Meier
12:55 Uhr

Amerika hat den vollen ernst der Lage begriffen und ist bereit total umzusteuern. Das sollte man auch von den anderen Volkswirtschaften erwarten dürfen. Hier geht es ums Ganze.


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Daniel Peter
11:40 Uhr

Man sollte endlich damit aufhören, diese absurden Zahlenspiele zu machen. Der Grossteil der vorgerechneten Summe besteht aus Garantien und kostet den Steuerzahler a priori einmal nichts, solange nicht das ganze Finanzsystem zusammenbricht, was aufgrund der Staatsaktionen nicht passieren wird.


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John Doze
11:30 Uhr

Eigentlich kann ja nichts schiefgehen, die Leute verschwinden ja nicht einfach so vom Angesicht der Erde. Oder anders Ausgedrückt: Alle arbeiten und niemand hat Geld, das ist das wirkliche Problem!


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A O
11:18 Uhr

Amerika versucht zu retten was noch zu retten ist. Was ist, wenn es trotz allen Versuchen nicht klappt? Wenn die Löcher von Kreditkarten in den Markt hauen, dann kann es ziemlich schnell ziemlich düster aussehen. Irgendwann wird auch Amerika einsehen müssen, dass das Geld schlichtweg nicht mehr ausreicht um alles zu retten, dann wird man einsehen, dass alles eingepumpte Geld vernichtet wurde...



Aus: "Rettung des Finanzsystems kostet Washington neunmal so viel wie der Irakkrieg" (25.11.2008)
Quelle: http://www.bazonline.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Rettung-des-Finanzsystems-kostet-Washington-neunmal-so-viel-wie-der-Irakkrieg/story/29616975


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[Finanzabenteuer... (Cross Border Leasing)]
« Reply #137 on: November 27, 2008, 10:19:26 vorm. »
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[...] Von der Nordseeküste bis zum Bodensee haben neunmalkluge Kommunalpolitiker in den vergangenen Jahren Stadtwerke, U-Bahnen oder die Müllabfuhr an amerikanische Investoren verkauft und zurückgemietet, um so die Löcher in den öffentlichen Haushalten zu stopfen.



Aus: "Kommentar zum Cross Border Leasing: Kein Einzelfall" VON ANNA SLEEGERS (26.11.2008)
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/1636399_Kein-Einzelfall.html

-.-

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[...] Stuttgart. Uli Sckerl hat es vorausgesagt. Der Landtagsabgeordnete und langjährige Kommunalpolitiker der Grünen aus Weinheim warnte schon vor fünf Jahren vor so genannten Cross-Border-Leasing-Geschäften, bei denen Kommunen Infrastrukturbetriebe an US-Investoren verkaufen und wieder anmieten.

Doch die CDU/FDP-Landesregierung lehnte ein Verbot ab. Nun ist das Geschrei groß: Der Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung (BWV) und die Landeswasserversorgung (LWV) erleiden Verluste von 50 Millionen Euro, und der Wasserpreis für vier Millionen Menschen ihres Einzugsgebietes steigt um zwei Cent pro Kubikmeter an.

Die BWV hat 2002 die Wasseraufbereitungsanlage sowie das 1700 Kilometer lange Leitungsnetz an US-Investoren vermietet. Das war wegen der Steuervorteile in den USA günstig - die Wasserversorger erhielten Ausschüttungen von 26 Millionen Euro. Im Gegenzug mieteten sie ihre Infrastruktur zurück, blieben aber zivilrechtlich Eigentümer. Die Trusts oder Fonds waren lediglich wirtschaftliche Eigentümer mit Abschreibungsmöglichkeit - ein Konstrukt, das in den USA 2004 verboten wurde. Doch die deutschen Leasingnehmer überwiesen weiterhin ihre Leasingraten.

Dann kam die Krise. Und mit ihr fielen Finanzdienstleister aus, die die Geschäfte absicherten. Im Falle der schwäbischen Wasserversorger wickelte der US-Versicherungsriese AIG ab. Um die Lücke zu schließen, müssen die Verbände nun US-Staatsanleihen in Höhe von 50 Millionen Euro kaufen. Abgewickelt wird das Ganze am deutschen Fiskus vorbei über eine Stiftung in Amsterdam, da sonst Zinsen in Millionenhöhe anfielen.

"Wer will jetzt noch bestreiten, dass die Bürger für diese hochriskanten Geschäfte zahlen müssen?", fragt Sckerl. Im Falle eines Ausstiegs werde der einstige Barwertvorteil "wie Butter in der Sonne schmelzen". Das hat jetzt auch die Regierung verstanden. Pochten bisher nur SPD und Grüne darauf, Aufgaben der Daseinsvorsorge in der öffentlichen Hand zu behalten, meldete sich nun Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) zu Wort: "Es muss verhindert werden, dass sich solche Finanzabenteuer wiederholen."




Aus: "Cross-Border-Leasing: Finanzkrise lässt Wasserpreise steigen" VON GABRIELE RENZ (26.11.2008)
Quelle: http://www.fr-online.de/top_news/1636290_Finanzkrise-laesst-Wasserpreise-steigen.html


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[Es hat viele Treueschwüre gegeben... (Pflege der Bonner Landschaft)]
« Reply #138 on: Dezember 02, 2008, 10:54:27 vorm. »
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[...] Im Februar 1987 verkündete schließlich das Landgericht Bonn nach anderthalbjähriger Verhandlung die Urteile: Eberhard von Brauchitsch wurde wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, die gegen Zahlung von 550.000 DM zur Bewährung ausgesetzt wurden. Otto Graf Lambsdorff und Hans Friderichs erhielten ebenfalls wegen Steuerhinterziehung Geldstrafen von 180.000 bzw. 61.500 DM. Vom Verdacht der Bestechung bzw. Bestechlichkeit sprach sie das Gericht mangels Beweisen frei. Der Politikwissenschaftler Jürgen Treulieb:

Die eigentliche Fragestellung, ob diese Geldzahlungen die Bundesregierung damals beeinflusst haben, die Steuerbefreiung für Flick durchzusetzen, das wurde nicht abschließend geklärt, nur dass Geldzahlungen in diesem Umfang an politische Parteien rechts- und verfassungswidrig waren und ein riesiger politischer Skandal sind, dass kann man wohl sagen.


Zogen die Parteien Konsequenzen aus der Flick-Affäre? Immerhin erstritt sich der Untersuchungsausschuss vor dem Bundesverfassungsgericht erweiterte Kompetenzen und der Bundestag änderte die Parteienfinanzierung. Aber die "Pflege der Bonner Landschaft", wie sie der Flickkonzern betrieben hatte, war damit, so der Journalist Hans Leyendecker, keineswegs Geschichte.

Es hat viele Treueschwüre gegeben, es hat den Ruf nach Katharsis, nach Reinigung gegeben. Und ich beispielsweise hab diesem ganzen Quatsch geglaubt. Also ich weiß noch, Mitte der 80er Jahre: Das kommt alles nie mehr vor! Und ich hab dann 1997 alle Unterlagen weggeworfen, die sich mit Liechtenstein und den Wegen der Parteien beschäftigten, weil ich gedacht habe, das braucht man alles nie mehr, das waren 20, 30, 40 Leitzordner. Und dann kam im Herbst 1999 die Kohl-Affäre, die genau auf den alten Wegen wieder spielte. Man war naiv zu glauben, dass die das wirklich nicht mehr machen würden.



Aus: "Geschichte aktuell: Die "Pflege der Bonner Landschaft"
Vor 25 Jahren begann die Flick-Affäre um schwarze Parteigelder
Von Otto Langels (30.11.2008)
Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/883268/


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[Es wäre sehr ungewöhnlich... ]
« Reply #139 on: Dezember 04, 2008, 12:12:00 nachm. »
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[...] So wiederholt Finanzminister Henry Paulson bei jeder sich bietenden Gelegenheit: „Es wäre sehr ungewöhnlich, wenn die Regierung nicht das ganze Geld zurückbekäme.“ Trotzdem verängstigt die schiere Größe der Summe die Öffentlichkeit: Sie fühlt sich überrollt von den alltäglichen Hiobsbotschaften seit Ausbruch der Krise und hat den Überblick über die Hilfsprogramme längst verloren.

Mit dem bislang dicksten Brocken von 3,1 Bill. Dollar versichert die Regierung Anleihen, Geldmarktfonds und die Spareinlagen gegen Ausfall. Die bisher größten Risikopositionen dürften die Verlustübernahme für ein gut 300 Mrd. Dollar schweres Kreditportfolio der Citigroup sowie ein ähnliches Kreditbuch der zusammengebrochenen Investmentbank Bear Stearns sein. In Washington mag derzeit niemand weitere Hiobsbotschaften ausschließen.


Aus: "Staatshilfen - Was kostet die Rettung der Welt?" von Rolf Benders und Matthias Eberle (03.12.2008)
Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/international/was-kostet-die-rettung-der-welt;2102262