Author Topic: [Klimaveränderungen auf der Erde... ]  (Read 4608 times)

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[Klimaveränderungen auf der Erde... ]
« on: November 08, 2008, 04:34:53 PM »
Quote
Stefan Aust auf "Welt Online" schrieb: "Warten wir doch, bis der Klimahype abgeklungen ist", ein Grabsteinspruch zum Schmunzeln.

Aus: "Warum es so viele Frauen an der Klimafront gibt" Aus einer Kolumne von Margarete Stokowski (25.06.2019)
Quelle: https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/klimaschutz-warum-es-so-viele-frauen-an-der-klimafront-gibt-kolumne-a-1274166.html

-

Quote
[...] Als globale Erwärmung bezeichnet man den während der vergangenen Jahrzehnte beobachteten allmählichen Anstieg der Durchschnittstemperatur der erdnahen Atmosphäre und der Meere sowie die künftig erwartete steigende Erwärmung. Ihre hauptsächliche Ursache liegt nach dem gegenwärtigen wissenschaftlichen Verständnis „sehr wahrscheinlich“[1] in der Verstärkung des natürlichen Treibhauseffektes durch menschliches Einwirken.[2] [3] ...

[...]

# ↑ Intergovernmental Panel on Climate Change (2007): IPCC Fourth Assessment Report - Working Group I Report on "The Physical Science Basis"
# ↑ Hansen, J., Mki. Sato, R. Ruedy et al. (2005): Efficacy of climate forcings, in: Journal of Geophysical Research, 110, D18104, doi:10.1029/2005JD005776 (PDF, 20,5MB)


Aus: "Globale Erwärmung" (30. Oktober 2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Erw%C3%A4rmung

-.-

http://de.wikipedia.org/wiki/Kontroverse_um_die_globale_Erw%C3%A4rmung

-.-

« Last Edit: June 26, 2019, 02:06:01 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Gewaltigste Klimaveränderung seit 5.000 Jahren... ]
« Reply #1 on: November 08, 2008, 04:37:38 PM »
Quote
[...] Die Klimaveränderungen auf der Erde sind so stark wie seit 5.000 Jahren nicht mehr. Das geht aus einer Studie hervor, die die Ökosysteme in der Arktis und im Nordatlantik untersucht hat.

Die Forscher um den Meeresbiologen Charles Greene von der Cornell Universität im US-Bundesstaat New York analysierten die wichtigsten Wärme- und Kälteperioden in der Arktis in den vergangenen 65 Millionen Jahren.

Demnach gab es mehrere Temperaturstürze, bei denen die Durchschnittstemperatur innerhalb weniger Jahre um bis zu zehn Grad Celsius sank.

Eine Erwärmung wie in den vergangenen 50 Jahren habe es jedoch seit fünf Jahrtausenden nicht mehr gegeben. Sie sei "beispiellos" in der Geschichte der Menschheit, sagte Greene.

[...]


Aus: "Gewaltigste Klimaveränderung seit 5.000 Jahren" ([science.ORF.at/APA/AFP, 7.11.08] )
Quelle: http://science.orf.at/science/news/153263


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[Es könne plötzlich kippen... ]
« Reply #2 on: June 07, 2012, 03:40:17 PM »
Quote
[...] Fast die Hälfte der bewohnbaren Erdoberfläche ist heute besiedelt oder beackert. Forscher sehen das ökologische Gleichgewicht der Erde kippen – noch dieses Jahrhundert. Nach Ansicht von Forschern könnten Klimawandel, Bevölkerungswachstum und Umweltzerstörung möglicherweise noch in diesem Jahrhundert das Ökosystem unwiderruflich kollabieren lassen. Es könne plötzlich kippen und nicht, wie allgemein angenommen, über Jahrhunderte hinweg langsam zusammenbrechen, warnten sie in einer vom Fachmagazin Nature veröffentlichten Studie. Ohne Gegenmaßnahmen könnte der "kritische Punkt" schon bald erreicht sein, mahnten sie im Vorfeld der UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung Ende Juni in Rio de Janeiro.

Für die Studie arbeiteten insgesamt 22 Biologen, Ökologen, Geologen und Paläontologen aus drei Kontinenten zusammen. Sie verglichen die Auswirkungen früherer weltweiter Umweltveränderungen – wie etwa während der Eiszeit – auf Flora und Fauna mit dem aktuellen Wandel. In ihren Berechnungen gingen sie von einem Anstieg der Bevölkerung auf 9,3 Milliarden bis 2050 und einer Klimaerwärmung aus, die das UN-Begrenzungsziel von zwei Grad Celsius übersteigt. Demnach wird das gesamte weltweite Ökonetz kollabieren, sobald 50 bis 90 Prozent der kleineren Ökosysteme in ihrer bisherigen Form zerstört sind.

Laut der Studie werden schon heute 43 Prozent der eisfreien Erdoberfläche für Landwirtschaft und zum Wohnen genutzt. Sollte der Trend anhalten, wäre die potenziell gefährliche 50-Prozent-Marke bereits 2025 erreicht.

... Noch gebe es Zeit für Lösungen, wie etwa ein Ende der Verschwendung von Rohstoffen oder des Wachstumdenkens um jeden Preis. "Kurz gefasst: Bisher wurde noch nichts wirklich Relevantes unternommen, um das Schlimmste zu verhindern", sagte Arne Mooers, Professor für Biodiversität an der kanadischen Simon Fraser University.

...

Quote
    DerDoktor
    07.06.2012 um 10:16 Uhr

Und?..

- "Kurz gefasst: Bisher wurde noch nichts wirklich Relevantes unternommen, um das Schlimmste zu verhindern" -

... wird sich unter einer mächtigen globalen Wirtschaftsdiktatur, die mit glänzenden Dollarzeichen in den Augen im Rausch der Droge "Wachstum" von Krise zu Krise taumelt, zeitnah etwas daran ändern?



Quote
    Moika
    07.06.2012 um 10:34 Uhr

Der Bericht ist Gift für die Politik.

Den Menschen ist nicht zu helfen. Das beste Beispiel können wir derzeit erleben: Alles, aber auch wirklich alles dreht sich nur noch um das "heilige" Zauberwort Wachstum. Wer Wachstum kreiert, egal mit welchen Mitteln, ist der große Guru.

Schonend mit Ressourcen umgehen hieße doch im Umkehrschluß auf Wachstum zu verzichten. Darauf wird - und will vor allen Dingen, niemand verzichten wollen.

Bei Verzicht wird von einer beschleunigten Verarmung der Massen das Wort geredet. In China beispielsweise rechnet man bei einem Wachstum von weniger als 6 Prozent mit langfristig schweren gesellschaftlichen Verwerfungen, sprich Aufständen in der Bevölkerung.

Dem werden sich Politiker nicht aussetzen wollen - und weitermachen wie bisher. Man hat die Menschen bis heute eigentlich auf Nichts vorbereitet, obwohl es an allen Ecken und Kanten drückt. Verzichten können die vielleicht auf solche Warnungen aber auf Wachstum....


Quote
    thedaT
    07.06.2012 um 10:41 Uhr

... Es wird sich zeigen ob wir dümmer wie Ameisen sind.


Quote
    bergstroem
    07.06.2012 um 11:00 Uhr

Absolut unumkehrbar

Die menschliche Spezies schafft es nicht einmal, von Terror, Krieg und Mord abzulassen. Die Rettung der Ökosysteme ist somit aussichtslos. Sei's drum, das Universum wird uns nicht vermissen.


Quote
    Makmachtmobil
    07.06.2012 um 11:29 Uhr

Dieser Artikel gefährdet eindeutig das Wachstum! Die Märkte werden das mit Missmut quittieren und die Wissenschaftler herabstufen.



Aus: "Wissenschaftler warnen vor plötzlichem Kollaps des Ökosystems" (07.06.2012)
Quelle: http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2012-06/erde-oekosystem-klimawandel-studie


Study predicts imminent irreversible planetary collapse
June 06, 2012
http://www.sfu.ca/pamr/media-releases/2012/study-predicts-imminent-irreversible-planetary-collapse.html


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[Zu diesem Ergebnis kommt... ]
« Reply #3 on: June 25, 2012, 12:06:12 PM »
Quote
[...] POTSDAM afp | Selbst bei einer auf zwei Grad Celsius begrenzten globalen Erwärmung muss weltweit mit einem erheblichen Meeresspiegel-Anstieg von 1,5 bis vier Metern bis zum Jahr 2300 gerechnet werden. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie eines deutsch-niederländisch-australischen Forscherteams, wie das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) am Sonntag mitteilte.

Als den wahrscheinlichsten Schätzwert errechneten die Experten für dieses Klimawandel-Szenario einen Meeresspiegelanstieg von 2,7 Metern. Die Folgen für Küstenstädte und -gebiete wären erheblich, sagte der bekannte PIK-Forscher und Studien-Mitautor, Stefan Rahmstorf.

„Für New York City zum Beispiel wurde gezeigt, dass ein Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter die Häufigkeit schwerer Überflutungen von einmal pro Jahrhundert auf einmal alle drei Jahre steigern könnte.“ Auch niedrig liegende Länder wie Bangladesch wären betroffen.

Nach Angaben der Verfasser handelt es sich bei der Studie, die nun in der Fachzeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht wurde, um die erste realistische Projektion des klimabedingten Meeresspiegelanstiegs über einen derart langen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten. Sie stützt sich dabei auf Beobachtungen im vergangenen Jahrtausend und überträgt diese auf Szenarien für die künftige Entwicklung der Treibhausgasemissionen.

Wesentlicher Fortschritt gegenüber älteren Studie sei die Einbeziehung der Effekte der abschmelzenden Eismassen etwa an den Polen, erklärte das PIK. Bislang hätten diese nur die wärmebedingte Volumenausdehnung des Meerwassers berücksichtigt. An diesem Punkt aber sei die Forschung inzwischen weiter. Die neue Untersuchung biete daher plausible Schätzungen für eine Risiko-Analyse.

Der Meeresspiegelanstieg gilt als eine potenziell besonders verheerende Begleiterscheinung des Klimawandels. Weltweit leben viele hundert Millionen Menschen in niedrigen küstennahen Gebieten. Betroffen wären neben vielen armen Staaten auch wichtige weltwirtschaftliche Zentren, etwa in Asien. Sollten sie unbewohnbar werden, drohen immense ökonomische Schäden und Flüchtlingskatastrophen.

Das von den Forschern als Bezugspunkt gewählte Zwei-Grad-Ziel ist die Grenze, auf die die internationale Staatengemeinschaft den Temperaturanstieg möglichst begrenzen will. In dieser Größenordnung gelten die Folgen noch als halbwegs beherrschbar. Experten bezweifeln angesichts der weiter schleppenden Klimaschutz-Fortschritte allerdings zunehmend, dass das Ziel eingehalten werden kann.

Bei einer stärkeren Temperaturerhöhung um drei Grad würde der Meeresspiegel entsprechend stärker steigen, errechneten die Forscher laut PIK. Dann wären es voraussichtlich zwei bis fünf Meter, als bester Schätzwert gelte dann ein Wert von 3,5. Andersherum würde der Anstieg des Meeres bei einer Begrenzung der Temperatursteigerung auf unter 1,5 Grad auch deutlich niedriger ausfallen.

Hauptautor der Untersuchung ist der niederländische Klimaforscher Michiel Schaeffer, ebenfalls beteiligt war der australische Wissenschaftler Bill Hare. Beide arbeiten bei der in Berlin angesiedelten nicht-kommerziellen Organisation "Climate Analytics", die Klima-Analysen erstellt und mit dem PIK kooperiert.


Aus: "Bis zu fünf Meter" (25.06.2012)
Quelle: https://www.taz.de/Anstieg-des-Meeresspiegels/!96038/


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[Und macht sie trotzdem... ]
« Reply #4 on: November 01, 2012, 09:08:29 AM »
Quote
[...] Man weiß, dass bestimmte Handlungen zu einer Katastrophe führen – und macht sie trotzdem. Genau das passiert zurzeit in den USA. Seit mehr als zwanzig Jahren warnen Wissenschaftler davor, dass der Klimawandel immer öfter zu extremen Wetterereignissen führen wird. In diesem Jahr erlebten die USA den heißesten Sommer überhaupt und die schlimmste Dürre seit fünfzig Jahren. Mega-Stürme wie Sandy werden noch häufiger die Ostküste heimsuchen.
Doch die Warnungen der Wissenschaftler werden ignoriert – zumindest in Washington. Selbst nach der Verwüstung von New York ist unklar, ob Amerika jetzt endlich aufwacht und ernsthaft etwas unternimmt.
Es gibt erste Hoffnungsschimmer: Den Anstieg des Meeresspiegels zu mindern, würde doch ganz sinnvoll klingen, wenn man sich die Folgen von Sandy anschauen würde, sagte am Dienstag Ex-Präsident Bill Clinton. Er ist damit das erste politische Schwergewicht, das explizit eine Verbindung zwischen Sandy und Klimawandel zieht.

Auch New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo redete Präsident Obama ins Gewissen. "Jedes zweite Jahr haben wir inzwischen eine Jahrhundertflut", sagte er nach dem Wirbelsturm, "jeder der glaubt, die Wettermodelle ändern sich gerade nicht dramatisch, verleugnet die Realität."

Obama dagegen schweigt. Ebenso sein Herausforderer Mitt Romney. Zum ersten Mal seit 1984 spielt das Thema Klimawandel keine Rolle während der TV-Duelle der Kandidaten. Und was sagt Obama in einem MTV-Interview, als er darauf angesprochen wird? Ja, das hätte ihn auch "überrascht" – so, als ob er nichts dafür könnte. Er ist ja nur Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Interessanterweise fand er aber genug Zeit, über rekordverdächtige Ölfördermengen und neue Pipelines zu reden.

Auch in den Medien spielt das Thema Klimawandel keine Rolle. Die Medien tun es als drittklassig ab. Es sei ein Nischenthema, das nur für ein paar einsame Umweltschützer interessant sei. Am Ende würden doch Wirtschaftsthemen die Menschen stärker interessieren, so eine CNN- Moderatorin nach einem TV-Duell der Präsidentschaftskandidaten.

Das sollte man der Versicherungsbranche sagen, die nach Sandy Schäden in Höhe von mindestens 20 Milliarden Dollar stemmen muss. Oder den amerikanischen Steuerzahlern, die sich auf zusätzliche zehn bis zwölf Milliarden Dollar einstellen müssen, weil Werte unversichert waren.

Dieser Betrag entspricht etwa den Subventionen für die Öl-, Gas und Kohleindustrie, die nicht nur den Klimawandel verantwortet, sondern auch verhindert, dass die Politik aktiv wird. "Wie wäre es, wenn wir unser Geld nicht dafür verwenden, den Klimawandel weiter anzuheizen, sondern zukünftige Naturkatastrophen verhindern", sagt Steve Kretzmann von der Organisation Oil Change International.

Und am Ende sollte man das zu Valerie Baumler sagen, die ihren 11-Jährigen Sohn Jack durch Sandy verloren hat.

"Wenn es irgendeine Gerechtigkeit in der Poesie gibt, dann sollte dieser Wirbelsturm Hurrikan Chevron oder Hurrikan Exxon heißen, nicht Hurrikan Sandy,” sagt Bill McKibben, Gründer der Klimaschutz-Organisation 350.org. Chevron, Exxon-Mobil und andere Ölkonzerne haben gezielt Desinformationskampagnen finanziert. Sie haben es geschafft, dass die USA die weltweit einzige Industrienation sind, die noch immer ernsthaft den wissenschaftlichen Konsens bezweifelt, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Big Oil sorgt dafür, dass solche Naturkatastrophen wahrscheinlicher werden – und tödlichere Folgen haben.

... Wie lange noch darf Big Oil die amerikanische Regierung in Geiselhaft nehmen? Wie lange noch haben Exxon-Mobils Geschäftspläne das Sagen ... ?

Quote
Schniebel, 01.11.2012 um 7:39 Uhr
Big Oil?

... Also Klimawandel, ja, den gibt es. Menschengemacht? nein, glaube ich nicht.


Quote
    Realpolitik
    01.11.2012 um 7:43 Uhr

Glauben

"Also Klimawandel, ja, den gibt es. Menschengemacht? nein, glaube ich nicht."

Glauben ersetzt keine Wissenschaft.



Aus: "Big Oil nimmt Amerika in Geiselhaft" Mark Hertsgaard (01.11.2012)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-10/gastbeitrag-hertsgaard


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[Klimaveränderungen auf der Erde... ]
« Reply #5 on: June 14, 2018, 09:25:37 AM »
Quote
[...] Der Eisschild der Antarktis hat in den vergangenen 20 Jahren knapp drei Milliarden Tonnen Eis verloren. Laut einer Studie, die jetzt im Magazin „Nature“ veröffentlich wird, schmolz das Eis des Südkontinents zwischen 1992 und 2017 um rund 2720 Milliarden Tonnen. Das entspricht einem Anstieg des Meeresspiegels um 7,6 Millimeter.

...


Aus: "Antarktis verliert binnen 20 Jahren drei Billionen Tonnen Eis" Sirinya Wattanasukchai (14.06.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wissen/klimawandel-antarktis-verliert-binnen-20-jahren-drei-billionen-tonnen-eis/22682770.html

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[Klimaveränderungen auf der Erde... ]
« Reply #6 on: August 08, 2018, 09:35:10 AM »
Quote
[...] Dürre, Waldbrandgefahr, Kreislaufprobleme: Der Sommer in Deutschland zeigt seit Wochen Schattenseiten – und in Zukunft müssen wir uns auf noch viel mehr Hitzetage und tropische Nächte einstellen. Davon sind Klimaexperten überzeugt.

"Es wird weiterhin schöne und schlechte Sommer geben, aber die extremen Sommer werden häufiger auftreten", sagt Daniela Jacob, Direktorin am Climate Service Center in Hamburg. Das Institut ist eine Einrichtung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht in Schleswig-Holstein. Zukünftige Klimaszenarien zeigen laut Jacob: Ob beim Städtebau oder in der Landwirtschaft – überall brauche es Anpassung an das Extremwetter. "Wir müssen heute handeln", betont die Professorin.

Bereits zur Mitte des Jahrhunderts wird es nach Worten von Jacob in Deutschland mehr Hitze- und Dürreperioden sowie Starkregen und heftigere Stürme geben. "Aber zum Ende des Jahrhunderts wird es sich noch viel deutlicher zeigen, ob wir Klimaschutz betrieben haben oder nicht", erklärt sie. Das Klima reagiere sehr langsam. "Heute eingeleitete globale Klimaschutzmaßnahmen greifen erst ab Mitte des Jahrhunderts." Veränderungen bis 2050 seien nur noch wenig zu beeinflussen.

Für die Zeit 2050 bis 2100 aber sind laut Jacob noch gravierende Unterschiede bei der Erwärmung möglich – abhängig vom Klimaschutz. Das zeige sehr anschaulich die Zahl der Hitzetage, die die Temperaturen auf mehr als 30 Grad steigen lassen: Zum Ende dieses Jahrhunderts sind es den Modellen zufolge im Schnitt in Deutschland lediglich drei Hitzetage mehr als im Vergleichszeitraum 100 Jahre zuvor, wenn das Ziel des Pariser Klimaabkommens – die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen – wirklich geschafft wird.

Wenn aber wie bisher Treibhausgase in die Atmosphäre entlassen werden, das sogenannte Weiter-wie-bisher-Szenario, dann sind es schon zwölf Hitzetage mehr. Die Jahresmittel-Temperatur würde dabei um etwa 3,7 Grad steigen.

"Das bedeutet, extreme Sommer wie 2003 oder wie wahrscheinlich auch dieser können dann ein mittlerer Sommer werden", sagt Peter Hoffmann, Meteorologe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Es werde eine Verschiebung geben: "Das zukünftige Berlin wird nach unseren Berechnungen 2050 das gegenwärtige Freiburg sein." Die Temperaturen in Freiburg wiederum könnten dann mediterran werden.

Was oberflächlich betrachtet vielleicht nett klingt, bringt viele Probleme mit sich. "Je wärmer es zukünftig im Sommer wird, umso mehr müssen wir auch kühlen. Dabei verbrauchen wir mehr Energie, das wird richtig teuer werden", sagt etwa der Sprecher des Deutschen Wetterdienstes, Gerhard Lux, in Offenbach.

Auch Ernteausfälle, Fischsterben, niedrige Wasserstände in den Flüssen und schlechter Schlaf gehören zu den Folgen von Hitze und Trockenheit – die ja auch jetzt schon spürbar sind. "Alle haben außerdem nur 30 Tage Urlaub, wenn nicht sogar weniger", sagt Hoffmann. "Man muss auch bei solchen Extrembedingungen seine tägliche Arbeit leisten, das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Produktivität."

Die Klimaveränderungen zeigen sich nach Angaben von Jacob auch im Winter: Sie werden milder und feuchter, die Zahl der Frosttage geht zurück. "18 Tage weniger, wenn wir Klimaschutz betreiben und wenn wir so weitermachen wie bisher, sind es über 55 Tage weniger", erklärt Jacob. "Wir brauchen den Frost aber für die Vegetation." Das Climate Service Center berät Politiker und Unternehmen zur Anpassung an den Klimawandel. Es untersucht Änderungen des Klimas auf Basis regionaler Simulationen der vom Bund finanzierten Initiative namens ReKliEs-De.

Was muss heute konkret getan werden, um sich auf diese Änderungen einzustellen? "In einem gewissen Rahmen können wir uns in Deutschland anpassen, aber es wird wehtun", meint Lux. In den Großstädten gibt es laut Jacob einen Konflikt: Verdichtung spare zwar Energie, sei aber ein Problem für die wichtige Anpassung an die Hitzeperioden. "Dafür müsste man Lüftungskorridore schaffen und viel Grün in die Städte bringen", sagt die Wissenschaftlerin.

Der Einsatz von Materialien sollte überdacht werden. "Ich weiß, dass es einige Regionen in Europa gibt, die wieder an die Lehmbauweise denken, weil das einfach Feuchtigkeit und Kühle speichert", erklärt Jacob. Beim Hausbau solle man in den kommenden Jahren weniger auf Glasfassaden setzen. "Klimaanlagen überall einzubauen, ist keine Alternative, weil sie zu viel Energie verbrauchen." Das ganze Kanalsystem in den Städten müsse auf mehr Starkregen angepasst werden. In der Landwirtschaft laufe derzeit die Diskussion über hitze- und trockenstressresistente Sorten.

Aufhalten lässt sich die Klimaveränderung nach Expertenangaben nicht mehr, nur noch mit Schutzmaßnahmen eindämmen. "Wir können das Rad nicht mehr zurückdrehen", sagt Lux. "Aber wir können verhindern, dass es bis Ende des Jahrhunderts noch schlimmer wird."




Aus: "Das künftige Klima in Deutschland: "Extreme Sommer werden häufiger"" Stephanie Lettgen, dpa  (08.08.2018)
Quelle: https://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Das-kuenftige-Klima-in-Deutschland-Extreme-Sommer-werden-haeufiger/

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[Klimaveränderungen auf der Erde... ]
« Reply #7 on: November 21, 2018, 11:01:31 AM »
Quote
[...] Es beginnt mit Blitz und Donner, Sturm und Überschwemmungen. Mit den ersten Bildern lässt der Dokumentarfilmer Thomas Aders keinen Zweifel daran, worum es ihm geht: die Klimaveränderung als Katastrophe – die selbst verschuldete Katastrophe, wohlgemerkt. Denn all zu lange haben wir den Klimawandel und seine Folgen ignoriert. Das tun heute immer noch geistig oder ideologisch beschränkte Politiker wie etwa US-Präsident Donald Trump.  Es müsste nur einmal nach Indonesien reisen oder Jakutien im Norden Russlands. Dort hat Autor Aders erdrückende Beweise gefunden dafür, dass sich die Lebensbedingungen auf der Erde drastisch ändern. Mit Konsequenzen, die bald nicht nur im Verschwinden von Inselgruppen wie den Malediven oder in von der Dürre geplagten Gegenden wie der Sahelzone zu erleben sind. Die Veränderungen der Natur sind das eine, aber die Reaktionen der davon betroffenen Menschen sind das andere: „Klimafluch und Klimaflucht“ heißt der Film.

Immer wieder macht Aders mit Aussagen von Wissenschaftlern deutlich: Der Klimawandel wird zur „Klimaflucht“ führen, und dann bleibt es nicht bei ein paar tausend Betroffenen, die sich in Richtung Europa oder, wie jetzt, USA auf den Weg machen. Schon jetzt fliehen 50 Millionen Menschen pro Jahr, weiß Nina Birkeland vom Norwegian Refugee Council. In dreißig Jahren könnten es hunderte Millionen sein, prophezeit der belgische Umweltforscher Francois Gemenne von der Universität Lüttich.

Aders hat seinen Film im Untertitel  „Massenmigration – Die wahre Umweltkatastrophe“ genannt. Das klingt zunächst ein wenig nach der Borniertheit eines bayerischen Provinzpolitikers, der ja die Migration unlängst zur „Mutter aller Probleme“ erklärt hatte. Aber Aders geht es nicht um Abschottung gegen Flüchtlinge, sondern um die unausweichlichen Folgen der Zerstörung des Planeten.

Die Indizien, die der Filmemacher rund um den Globus sammelt, sprechen eine klare Sprache. Indonesien zum Beispiel, ein Staat aus 17000 Inseln, wird bis zur Mitte des Jahrhunderts womöglich einen Großteil dieser Eilande ans Meer verloren haben. Schon jetzt sind manche Küstenorte nicht mehr bewohnbar, weil das Wasser immer wieder in Schulen und Häuser dringt.

Die Hauptstadt Djakarta, ein Moloch von zehn Millionen Einwohnern, versucht sich noch mit Betonmauern gegen die Überflutungen zu wehren –­ ein hilfloser Akt. Denn während das Wasser  vier bis sechs Millimeter pro Jahr steigt, sinkt der Untergrund der Stadt zugleich jährlich zwischen drei und 20 Zentimetern. Ein Drittel der Metropole liegt schon tiefer als der Meeresspiegel.  Wissenschaftler schätzen, dass bis zu 40 Millionen der 170 Millionen Indonesier früher oder später ihre Heimat verlassen müssen.

Ist es im südostasiatischen Inselstaat das Wasser, das die Existenz der Menschen bedroht, ist es in der Mitte Afrikas der Mangel daran. Der Tschadsee am Südrand der Sahara, Lebensraum für 40 Millionen Fischer und Bauern, ist aufgrund der Erderwärmung zwischen 1963 und 2007  von 25 000 Quadratmeter Fläche auf 2500 Quadratmeter geschrumpft. Die Regenzeit hat sich auf weniger als vier Monate verkürzt. Mensch und Vieh fehlt die Lebensgrundlage. Immer mehr machen sich auf den Weg gen Süden, wo es grüner und regenreicher ist.

Die Erderwärmung wirkt auch an einem ganz anderen Teil des Globus: Im Norden Russlands, in Jakutien, taut der Permafrost-Boden auf. Nachrichten von spektakulären Funden von Mammutknochen gingen durch die Medien. Aber das Erscheinen der Fossilien bedeutet zugleich: Die Erde weicht auf, Straßen und Häuser verrutschen, und Gase entweichen in großen Mengen: Methan und CO2. Der Osten Russlands sei vollständig wohl nicht mehr zu retten, diagnostiziert ein Wissenschaftler.

Aders porträtiert einen Mann, der sich dagegen stemmt: Klimaforscher Nikita Zimov führt einen individuellen Kampf, will mit Viehhaltung auf einem von ihm gekauften Landstrich zeigen: Wo die Tiere winters den Schnee stampfen, taut der Boden darunter weniger rasch. Aders nennt ihn den „Visionär, der aus der Kälte kam“. Aber Zimov steht allein auf weiter Flur – im Wortsinne.

Aders spricht mit den Opfern des Wandels, wie dem Kameltreiber Mohammed. Er hat statt gut 50 Tieren nur noch fünf. Der Autor spricht nicht mit den Apologeten, mit Leugnern des Klimawandels, denn er hat eine Mission. Er will aufrütteln.  Er hat darin recht. Die Beweise sind zu erdrückend. Dennoch wünschte man sich eine weniger pessimistische Darstellung, einen Blick auch auf die vielen Menschen weltweit, die etwas tun gegen die Zerstörung des Planeten, nicht nur einen energischen Bewohner Sibiriens. Am Ende sieht man afrikanische Kinder, die sich an einem sprudelnden Wasserhahn gütlich tun.  Es wirkt, als wolle Aders seiner bedrückenden Diagnose ein versöhnliches Ende verschaffen. Es wirkt: aufgesetzt.


Aus: "„Klimafluch und Klimaflucht“, Arte: Katastrophen-Szenario" Daland Segler (20.11.2018)
Quelle: http://www.fr.de/kultur/netz-tv-kritik-medien/tv-kritik/klimafluch-und-klimaflucht-arte-katastrophen-szenario-a-1624645

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[Klimaveränderungen auf der Erde... ]
« Reply #8 on: March 28, 2019, 08:02:26 PM »
Quote
[...] 2018 ist der Meeresspiegel erneut angestiegen. Der globale Mittelwert lag nach Angaben der Weltwetter-Organisation (WMO) um etwa 3,7 Millimeter über dem Wert des Vorjahres. Der durchschnittliche Anstieg seit 1993 betrage nun 3,15 Millimeter pro Jahr, berichtet die WMO.

Den Angaben zufolge hat der Meeresspiegel damit den höchsten Stand seit dem Beginn systematischer Satellitenmessungen erreicht. Insgesamt liegt er ungefähr acht Zentimeter über dem Wert von 1993. Die wichtigste Ursache ist das Schmelzen der Gletscher. Eine wichtige Rolle spielte zuletzt auch das Klimaphänomen El Niño, das die Erde in den Jahren 2015 und 2016 deutlich aufheizte.

Die WMO weist auch darauf hin, dass die vergangenen vier Jahre die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen waren. Die globale Durchschnittstemperatur an der Oberfläche habe im Jahr 2018 rund ein Grad Celsius über dem Referenzwert für die vorindustrielle Zeit gelegen. "Zum Zögern ist keine Zeit mehr", warnte Uno-Generalsekretär António Guterres.

...


Aus: "Untersuchung der Weltwetter-Organisation Meeresspiegel steigt auf Rekordwert" (28.03.2019)
Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/meeresspiegel-steigt-auf-rekordwert-a-1260193.html

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[Klimaveränderungen auf der Erde... ]
« Reply #9 on: August 01, 2019, 01:39:21 PM »
Quote
[...] Das Problem an vorhergesagten Katastrophen ist, dass die Prognose so lange fragwürdig bleibt, bis die Katastrophe eintritt. Der Restzweifel, der jeder Wissenschaft innewohnt, wenn sie in die Zukunft extrapoliert, eignet sich, um die Ergebnisse grundsätzlich infrage zu stellen. Letztlich, so könnte man sagen, handelt es sich auch bei wissenschaftlichen Prognosen somit um eine Fiktion, die sich von der realen Welt insofern abhebt, als sie sich in ihr (noch) nicht ereignet hat.

Was das für die Gegenwart bedeutet, erleben wir gerade in der Konfrontation von Klimawissenschaft (im weitesten Sinn) und den Diskursformationen der sozialen Medien, in denen jeder Autorität auf gleicher Ebene eine Scheinautorität entgegentreten kann und jedem Faktum ein wissenschaftlich klingendes Pseudofaktum. Je dringlicher Wissenschaftlerinnen vor baldigen gravierenden Konsequenzen des weltweiten CO2-Ausstoßs warnen, je surrealer die von ihnen genannten points of no return in zeitliche Nähe rücken (zuletzt war in einem BBC-News-Artikel von 18 Monaten die Rede, in denen sich die Zukunft der Menschheit entscheidet), desto umstrittener wird ihre Position. Angesichts einer immer noch lebenswerten Umwelt, angesichts gefüllter Supermarktregale in Mitteleuropa und dem bisherigen Ausbleiben transnationaler Hungerkatastrophen in ärmeren Regionen, scheint es vielen glaubwürdiger, dass die Klimaforscher eine geheime Agenda oder gar Persönlichkeitsstörungen haben, als dass ihre Alarmstufe auf ihrem Wissen basiert.

Dass am Mittwoch, 24. Juli, dem bis dato heißesten Tag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland, im deutschen Twitter das Hashtag Klimahysterie trendete, ist in diesem Kontext eine bittere Pointe. Dass sich der momentane Unwille der Mehrheit, etwas Entscheidendes zu verändern, auch daraus speist, dass die vermeintlich exakten Wissenschaften nun eine unerwartet schnelle Verschlechterung der Zustände registrieren, mit Feuern in der Arktis und tauendem Permafrostboden in Sibirien, ist zum Verzweifeln. Letztlich stärkt jede Ungenauigkeit nur den Fatalismus. Solange wir nicht wissen, wie wir gestorben sind, glauben wir erst einmal nicht, dass wir überhaupt sterben können.

Wie aber konnte es so weit kommen? Wie konnte es passieren, dass eine Zivilisation, der doch im vergangenen Jahrhundert immer nachgesagt wurde, die Metaphysik zugunsten der Naturwissenschaften und dem von ihnen beförderten technischen Fortschritt zu vernachlässigen, im entscheidenden Moment nicht an wissenschaftliche Ergebnisse glaubt? Und stattdessen die von ihnen wiederum wissenschaftlich dokumentierte Unschärfe überbetont? So bleibt am Ende ja nur hängen, dass sich die Zukunft eben nicht detailgenau vorhersagen lässt und dass sich die Phänomene der Gegenwart nur in der Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens, nicht aber in der Intensität des Einzelereignisses kausal mit dem Klimawandel verbinden lassen.

Wir erleben einen Triumph des Halbwissens: Angesichts jeder einzelnen Dürre, jedes Temperaturrekords können klimaskeptische Meteorologen durchaus mit Recht auf vorangegangene Extremereignisse verweisen, sowie auf die konkreten Formationen, die bestimmte Hoch- und Tiefdruckgebiete entstehen lassen. Dass die Beweislast für einen nie dagewesenen Wandel dennoch erdrückend ist, verschwindet fürderhin in der Detaildiskussion sowie im Zweifel an der Vergleichbarkeit verschiedener Messungen zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten des Planeten, auf denen alle großen Klimastudien und -modelle basieren. Die Folge: In einem gewaltigen zivilisatorischen Rückschritt auf der Diskursebene verweigern Twitter-Trolle ebenso wie Politikerinnen (auch grüne) die naturwissenschaftlich begründete Erkenntnis von der Notwendigkeit eines zivilisatorischen Rückschritts auf der materiellen Ebene, vom Verzicht auf oder Verbot von Flugreisen, Plastik, motorisiertem Individualverkehr. Stattdessen glaubt man an ein grünes Wachstum, das vielleicht nicht unmöglich ist, aber in Anbetracht der (sich beschleunigenden) Entwicklungen als "Rettung" heutiger westlicher Lebensbedingungen in etwa so realistisch wie eine kriegsentscheidende Wirkung der "Wunderwaffe" V2 im Jahr 1944.

Es entsteht der Eindruck einer bleiernen Fantasielosigkeit in der Mitte der Gesellschaft, die sich daran gewöhnt hat, ihre demokratische Aufgeklärtheit in der Geste des Maßvollen und Panikfreien manifestiert zu sehen. Aus einem abgeklärten "Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird" resultiert die Unfähigkeit zu erkennen, dass die Menschheit schon längst begonnen hat, die Dinge ziemlich heiß in sich hineinzufressen; oder dass sie, um ein anderes Bild zu bemühen, das als solches natürlich immer zweifelhaft ist, schon ein erstaunlich halbgarer Frosch im sich langsam erhitzenden Wasser ist.

Das zugrundeliegende Problem ist dabei eben ein metaphysisches. So zumindest gehen es die Philosophin Deborah Danowski und der Anthropologe Eduardo Viveiros de Castro in einem Versuch über die Angst vor dem Ende an, der in diesem Frühjahr im Berliner Verlag Matthes & Seitz auf Deutsch erschienen ist. Den alten Topos vom Ende der Welt sehen sie in der Gegenwart "formuliert in den strengen Termen von aufs Höchste empirischen Wissenschaften wie der Klimatologie, der Geophysik, der Meereskunde, der Biochemie und der Ökologie". Das bedeutet zugleich: Die Wissenschaften werden, indem sie so von der Welt erzählen (müssen) wie zuvor Mythos, Kult und Fiktion, diesen zwangsläufig ähnlich.

Diese Wiederbegegnung von Wissenschaft und Mythos am (vermuteten) Ende der Zeit wäre nun nicht weiter problematisch, wenn damit nicht ein spezifisches Glaubwürdigkeitsproblem einherginge: Die Apokalypse, so scheint es, ist auserzählt, und jede Prognose, die ihr ähnelt, wird genau durch diese Ähnlichkeit unglaubwürdig. Darin gründet sich der Effekt, den wir gerade erleben. Trägt die Gegenwart tatsächlich (prä-)apokalyptische Züge, ist das nicht wahrnehmbar, beziehungsweise leicht zu verdrängen oder im Kleinen zu rationalisieren. Und zwar in doppelter Hinsicht: Bleibt die Gestalt der (unmittelbaren) Umwelt halbwegs erhalten (vorerst), drängt sich ohnehin der Verdacht auf, dass alles schon nicht so schlimm sein wird und dass wie jede Weltuntergangsvision irgendwelcher Psycho-Sekten auch jene der Wissenschaftler mit einem Tag X endet, an dem nichts Gravierendes passiert. Ereignet sich aber eine vorerst regionale Katastrophe, ist sie gemessen an apokalyptischen Fiktionen nichtig und somit als Einzelereignis wahr-, ihre Folgen sind als neue Realität anzunehmen (bis einen der Wandel der Umwelt schließlich selbst letal trifft).

Fast scheint es, die Menschheit, die westliche zumindest, habe sich mit Erzählungen so lange abgestumpft (und abgelenkt), bis ihr der Untergang erträglich wird, während er passiert. Auch die Literaturwissenschaftlerin Eva Horn konstatiert 2014 in ihrem Buch Zukunft als Katastrophe ein popkulturelles "Vergnügen an Katastrophenszenarien und postapokalyptischen Perspektiven" und bringt sie mit ebenjener Schwierigkeit in Verbindung, die die globale Erwärmung als "eine latente, nicht wahrnehmbare und schwer darstellbare Katastrophe" mit sich führt, die eben "kein plötzlich über uns hereinbrechender Untergang" ist, "den man in satten Farben ausmalen kann".

Fünf Jahre nach Horns großer Bestandsaufnahme apokalyptischer Erzählungen zeigt sich die Erderwärmung (oder -erhitzung) nach wie vor als (in ihrer wachsenden Dringlichkeit) schwer erzählerisch darstellbar, aber etwas anders als in der Mitte des Jahrzehnts noch gedacht. Denn längst gibt es ja – auch in seriösen Medien – eine immer höhere Frequenz drastischer Beschreibungen einer Zukunft voll Feuer, Fluten und sonstiger Vernichtungsszenarien. Längst hat Greta Thunbergs erklärte "Panik" eine breite Öffentlichkeit mobilisiert. Zugleich bietet aber jede Drastik auch drastische Angriffsfläche, dringt der Zweifel in die Poren jeder (vermeintlich) zu groben Erzählung. Es ist ein Dilemma: Weist Wissenschaft auf ihre (notwendigen) Unschärfen hin, dann entwickelt sie eben genau keine appellative Wucht und versäumt es, den Punkt zu machen, dass die Welt den fiktionalen Untergangsszenarien sehr bald sehr ähnlich werden könnte. Bedient sie sich apokalyptischer Erzählstrategien, zeigt eben Bilder von Feuer, Fluten und Vernichtung, beschwört einen Tag X, ab dem es kein Zurück gibt, gleicht sie sich den Fiktionen an und wird so lange zweifelhaft, bis es keinen Zweifel mehr geben kann.

Die spezifische Unglaubwürdigkeit der zu oft erzählten Apokalypse wird dabei nicht nur von solchen empfunden, die aus Dummheit oder Bequemlichkeit (oder beidem) den Klimawandel plump leugnen, sondern auch von jener diskursiven Intelligenz, die Daseinszweck und Distinktionsgewinn aus der Tätigkeit des Zweifelns zieht, auch und besonders an Erzählungen von Zukunft. Vielleicht kann sie gar nicht anders, als jedem Vorbehalt gegen eine spezifische Version viel Raum zu geben. Vielleicht ist die Talkshowlogik, wonach es zu jedem Thema immer mindestens zwei Meinungen gibt (und die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt), demokratisch unvermeidlich. Damit verrät der gegenwärtige Diskurs aber in diesem konkreten Fall sein intellektuelles Erbe der letzten Jahrhunderte. Im Versuch, den "cooleren" Denkern der Vergangenheit (die natürlich unter ganz anderen Bedingungen gelebt haben) ähnlich zu werden, setzen die Analytiker der Gegenwart sich inzwischen weitab naturwissenschaftlicher Evidenz und suchen – in gewisser Weise – einen Kompromiss, wonach die Welt weder Scheibe noch Kugel, sondern wahrscheinlich zur Hälfte gekrümmt ist.

Vernunft in ihrer Christian-Lindner-Variante ist damit endgültig kein Erkenntnisprinzip mehr, sondern beschreibt die Fähigkeit, die eigenen Lebensbedingungen nicht grundsätzlich zu hinterfragen oder zu verändern, bis sie tatsächlich unmöglich werden. Das wird besonders zweifelhaft, wenn man erkennt, dass das entscheidende Problem viel eher in der Gegenwart oder Vergangenheit liegt als in der Zukunft, deren Offenheit bis zum Ende der Geschichte beschworen werden kann.

Denn die Apokalypse geschieht ja längst, wir bemerken es nur nicht, indem wir auf ihre äußere Manifestation in Form eines besonders grauenhaften Ereignisses warten. Sie ist passiert, als der Ottomotor erfunden wurde, sie ist mit der Wachstumslogik in die Welt gekommen, sie verbirgt sich im angereicherten Uran auf diesem Planeten. Die Katastrophe – so paraphrasiert Eva Horn Aristoteles – ist aber nur jener letzte Teil einer Handlung, "in dem alles seinen endgültigen Lauf (zum Guten oder Schlechten) genommen hat". Und auch Danowski und De Castro weisen darauf hin, dass der "Zusammenbruch" nicht vor uns liegt, sondern hinter uns. "Er hat schon begonnen und ist nicht umkehrbar, er kann höchstens entschleunigt werden."

Wer nun glaubt, die Befunde würden in den zitierten Werken mit höchster Erregung vorgebracht, der irrt. Horn betreibt ohnehin eine gänzlich unaufgeregte Darstellung apokalyptischer Erzählweisen, und auch Danowski und De Castro weisen andere Denkerinnen eher freundlich darauf hin, dass ihre Annahmen und Grundsätze eben in Konflikt stehen könnten mit den ökologischen Gegebenheiten der Erde. So geht an die Verteidiger eines grünen Kapitalismus sowie an die Singularisten, die eine nahe Welttransformation durch eine "höhere Form des Maschinenbewusstseins" erwarten, lediglich die kühle Überlegung, "ob die Grenzen des Systems Erde weit genug entfernt liegen, um ihnen den großen Sprung nach vorne zu gestatten". Und sonstige ideologisch und ideell progressive Kräfte, die im radikalen Umweltschutz ein retardierendes Moment für die von ihnen erträumten Gesellschaften sehen, müssen sich fragen lassen, wie erstrebenswert etwa eine postmarxistische Utopie ist, wenn auf der Welt kein menschliches Leben mehr möglich ist.

Vielleicht liegt in dieser diskursiven Ruhe eine Chance, um die aktuell verfahrene Debatte noch einmal in andere Bahnen zu lenken. Momentan ist da eine Naturwissenschaft, die Erkenntnisse liefert, welche von einer kritischen Masse der Weltbevölkerung und Staatschefs nicht entscheidend anerkannt werden. Selbst die letzte Ausgabe der chronisch zukunftsoptimistischen Ted-Konferenzen in Edinburgh ließ laut Süddeutscher Zeitung die Zuhörer mit der Überlegung allein, "ob denn all die späten Lösungen nicht sowieso an der Erosion der Demokratie scheitern werden". Neben den Wissenschaftlerinnen gibt es einen von Greta Thunberg mit Bedacht emotionalisierten Protest, der sich auf die wissenschaftliche Evidenz beruft. Dessen Wirkung ist nicht hoch genug zu schätzen, weil er das abstrakte Thema greifbar gemacht hat. Zugleich wird er aber angreifbarer, je emotionaler er wird – und je ähnlicher seine Narrative den Katastrophenszenarien aus Film und Literatur sind.

Wenn nun das nächste Mal #Klimahysterie bei Twitter trendet, ließe sich sagen: Nein, nein, die Anerkenntnis des Klimawandels und seiner absehbaren negativen Folgen ist mitnichten hysterisch. Sie bedeutet nur, nicht Teil eines kollektiven Verdrängungsprozesses zu sein. Man muss auch nicht panisch sein wie Greta Thunberg. Wenn die Gewissheit des eigenen Todes und die Wahrscheinlichkeit unschöner Todesumstände Panik erzeugen würden, wäre Panik ja – paradoxerweise – ein menschlicher Normalzustand, zumindest ab Mitte 30 oder so. Man muss auch, um das einmal semantisch präzise zu fassen, weder an das Ende der Welt noch zwingend an das Ende der Menschheit glauben. Salopp gesprochen: Irgendein Prepper-Kollektiv wird schon überleben und sich durch postapokalyptische Fiktionen perfekt vorbereitet wissen auf die Umstände, unter welchen es dann, zu seinem Unglück, existieren muss.

Es ist aber eine legitime Lesart der Geschichte, die Katastrophe dieser Zivilisation als längst passiert zu begreifen. Sie gründet dabei auch in der Unaussetzbarkeit von zähen Aushandlungsprozessen und (objektiv kurzsichtigen) Interessensabwägungen in modernen Gesellschaften. Die weltweite Umsetzung lästiger Klimaschutzmaßnahmen wäre just in den Neunzigerjahren, als ein entscheidender Effekt noch realistischer erschien, unmöglich gewesen, da dem aus Sicherheitsgefühl und Zukunftsoptimismus gespeisten Zeitgeist am "Ende der Geschichte" nicht vermittelbar. Diese Maßnahmen wären aber zur langfristigen Rettung genau dieser Gesellschaften mit ihren Aushandlungsprozessen und Abwägungen wohl nötig gewesen.

Man könnte diese unsere Katastrophe nun irgendwie utilitaristisch verrechnen mit den vielen tollen Gegebenheiten des Status quo, der Lebensspanne der westdeutschen Nachkriegsgenerationen in Frieden, Freiheit und Wohlstand etwa und nicht zuletzt der deutschen Gegenwart, die natürlich – mit ihren schönen Seiten, Annehmlichkeiten und Angeregtheiten – nur zu diesem Zeitpunkt auf diesem Planeten denkbar ist. Doch würde dies den Rahmen dieses Textes ebenso sprengen wie eine noch grundsätzlichere Auseinandersetzung mit der Frage, ob auch demokratische Errungenschaften einer ökologisch autoritär betriebenen Bewahrung basaler Lebensbedingungen geopfert werden sollten – oder umgekehrt Klimaziele den schwierigen Aushandlungsprozessen.

Leider oder zum Glück stellen sich diese Fragen auf absehbare Sicht auch gar nicht in einer Welt der Trumps und deutschen Autofahrerinnen. Daher reicht vorerst die Erkenntnis: Wer für sich und künftige Generationen das große Ganze retten will, wäre schneller desillusioniert, als eine kommende grün-schwarze Bundesregierung "Am Kohleausstieg bis 2038 halten wir fest" in ihren Koalitionsvertrag schreiben kann.

Die Folge ist so klar wie traurig und befreiend zugleich: Jedes Mitglied dieser Gesellschaft kann – zumindest, wenn es den Ausgleich zwischen seinen und anderen Interessen als notwendig akzeptiert – Klimaschützerin zunächst nur für sich selbst sein. Denn Klimaschutz kann nur aus einer grundlegenden Motivation heraus geschehen wie etwa dem Respekt vor der Schöpfung, den eigenen Kindern oder schlicht der Idee, kein gewissenloses Arschloch zu sein. Er ist verloren oder wird notwendig terroristisch, wenn er mit allen Mitteln zu verhindern sucht, was doch seine Gewissheit ist, so überheblich sie auch klingt: Als erste Generation der Menschheitsgeschichte können die jetzt Lebenden – auch aufgrund ihres immensen Wissens – realistisch damit rechnen, dass ihr eigenes Ende mit einem Ende oder radikalen Bruch dieser Geschichte zu tun hat.

Das heißt nun überhaupt nicht, dass Klimaschutz nur ein privates Exerzitium sein soll. Natürlich lässt sich diskutieren, konfrontieren, auch moralisch verurteilen. Vielleicht aber können mit der hier hergeleiteten relativen Coolness Menschen mobilisiert werden, die – auch aus Gründen der Erzählgeschichte – immun sind gegen die appellative Beschwörung von Weltuntergangsbildern. Vielleicht gelingt genau auf diese Weise ein Aufschub für das Wunder, das – auch davon künden die großen Erzählungen – immer noch kommen kann.

Dem momentan verbreiteten Argument, "Was soll es denn bringen, wenn wir hier in Deutschland etwas ändern", lässt sich in jedem Fall umso besser begegnen, je weniger die eigene Urmotivation die Rettung des großen Ganzen ist, sondern das Handeln nach einer Maxime, von der man eben wollen würde, dass sie im großen Ganzen zur Rettung beiträgt. Kants solchermaßen abgewandelter kategorischer Imperativ stand am Anfang der säkularen Denkgeschichte, als eine Art Auftakt zur kritischen Selbstbeobachtung des vernunftbegabten Wesens. Nun könnte er seine Ultima Ratio sein: als letzter Anker der im kantischen Sinn Vernünftigen, als Immunisierung gegen die Egoisten, Zynikerinnen und Scheinvernünftigen, die glauben, die halbgekrümmte Erde sei in irgendeiner Weise realistisch.


Aus: "Klimakatastrophe: Die Apokalypse ist leider auserzählt" Ein Essay von Johannes Schneider (31. Juli 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2019-07/klimakatastrophe-apokalypse-weltuntergang-hysterie-erderwaermung/komplettansicht

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Verbesserungsvorschlagsprogramm #1.153

"Mutter Natur regelt gerade die aus dem Ruder gelaufene Population der Menschheit auf ein für sie erträgliches Maß. "
Schon richtig, aber so arrogant kann auch nur jemand reden, der in den gemäßigten Breiten mit 'nem Drink in der Hand im Pool sitzt. ...


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SdelMo #3

Seit die Menschen die Religion erfunden haben, wird vor der Apokalypse gewarnt und dennoch weigert sich die Erde unterzugehen, auch wenn seither behauptet wird, diesmal ist es wirklich soweit.


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Muschelschubser146 #3.1

Die Erde wird auch so schnell nicht untergehen.
Wenn, dann ist es die Menschheit.  ...


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Pommer79 #3.2

"Seit die Menschen die Religion erfunden haben, wird vor der Apokalypse gewarnt und dennoch weigert sich die Erde unterzugehen, auch wenn seither behauptet wird, diesmal ist es wirklich soweit."

Den Planeten Erde wird es noch in 100.000 Jahren geben. Es ist nur fraglich ob es in 100 bis 1000 Jahren noch Menschen geben wird. Das Problem ist nicht, dass wir den Planeten zerstören könnten. Das Problem ist, dass wir auf diesem Planeten nicht mehr leben können. ...


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Quax der Bruchpilot #3.9

Weil es schlicht nicht so ist. Selbst die negativsten Szenarien die vorhergesagt werden würden nicht das Ende der Menschheit bedeuten. Wir können uns anpassen und werden das auch tun. Das Land das durch steigende Meeresspiegel verloren geht, gewinnt man durch das auftauen der Permafrostböden. Wenn es bei uns ein paar Grad wärmer wird, wird das Wetter wie im heutigen Spanien (fänd ich nicht schlecht). Gut, dass die Nordsee dann in Hannover startet ist nicht so toll, aber die Apokalypse bedeutet das auch nicht. Also mal nen Gang runterschalten u d mit diesem Apokalypse Geschwurbel aufhören. Ja es wird mitunter ungemütlich, aber Apokalypse ist doch was anderes.


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TomS. #3.16

Korrekt. Weltuntergang ist was anderes...
Wir in unseren Breitengraden sind nicht so schlimm betroffen wie Länder in südlicheren Zonen, in Bangladesch, usw.
Das wissen natürlich auch die "Klimaleugner". In Wirklichkeit wollen die nicht auf Ihren Wohlstand verzichten, weil Sie mit einiger Berechtigung hoffen dürfen, in ihrer Lebenszeit und der ihrer Kinder glimpflich davonzukommen.


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RiechtNachFuchs #3.27

Ist das diese German-Angst, von der man immer hört?
Dieser Planet hat schon so einiges durchgemacht und die Sauerstoff atmenden Lebewesen haben es trotzdem über die Jahrmillionen geschafft.
Und jetzt geht uns die Luft aus?
Das ist typische Panikmache mit einem Apokalypsen-Szenario wie aus dem Lehrbuch. ...


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robertcray #3.44

Es ist nicht bewiesen das der Klimawandel menschengemacht ist.


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Interzoni #4.22

Kürzlich las ich in einem Artikel von Prof. Niko Paech zu genau diesem Thema den sehr zutreffenden Satz:
Individuelle Freiheit ist der Kosename für ökologischen Vandalismus.
Auch hier im Forum immer zu besichtigen...


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Pommer79 #4

"Solange wir nicht wissen, wie wir gestorben sind, glauben wir erst einmal nicht, dass wir überhaupt sterben können."

Erlebt man hier im Forum regelmäßig. Es ist echt erstaunlich. ...


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Iskar Jarak #6

"Von alten Mythen bis zu aktuellen Blockbustern: Die Menschheit hat sich zu allen Zeiten gern mit ihrem Ende befasst. Deshalb bemerkt sie nicht, dass es jetzt so weit ist. "

Ein Satz den auch die Anhänger bisheriger Weltuntergangsszenarien mit Sicherheit unterschrieben hätten.


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Obliviously #7

Die Klimakatastrophe is die vierte Kränkung der Menschheit nach Siegmund Freuds dreien. Die Einsicht, dass es doch etwas gibt dem sich der Mensch unterordnen muss: Der Natur.


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ulschmitz #7.1

Sie dürfen nicht vergessen: Kränkung Nr. 1: DieErde ist nicht Mittelpunkt des Weltalls (Galilei u.a.). Kränkung Nr. 2: Der Mensch ist ein Tier, näherhin Primat (Darwin), nicht Gottes Geschöpf, sondern vorläufiges Ergebnis von rd. 65 MIO Jahren Evolution der Säugetiere, 3. Kränkung: Freud: Der Mensch ist nicht Herr im eigenen Haus. 4. Kränkung: Das Verweilen des Menschen auf dieser Erde ist endlich - für das Individuum gilt dies ebenso wie für alles, was momentan rumwuselt. Nicht vergessen: Homo sap. sap. ist die letzte überlebende Art von rd. 10-15 Hominiden/Homininen - und alle Säugetiere gesamt sind eh ein absterbender Zweig der Evolution.


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OlafSch #8

die Apokalypse... die größte Sehnsucht der Deutschen ....


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mf2016 #10

Auf den Wogen der Apokalypse zu reiten, macht vielen Freude.


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Briefkastenopa #20

Klima"schutz" ist primär Grünenwahlkampf ...


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Fridolin v.T.S #18

Der Blick in die Kommentare eines jeden Artikels zum Thema Klima dient als ausgezeichneter Indikator dafür, dass der Menschheit nicht zu helfen ist.


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Maulwurfschanze #22

Ganz ernst gemeint, ich fände eine Apokalypse nicht schlecht. Ich könnte dann meine Träume verwirklichen, alles was jetzt zu langen Haftstrafen führen würde. Richtig leben ohne Einschränkungen.


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Lavendelzweig #22.5

Ja, es gäbe viele wie Sie. ...


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[Klimaveränderungen auf der Erde... ]
« Reply #10 on: August 12, 2019, 10:32:18 AM »
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[...] Dass die Erwärmung der Meere den Korallen an die Existenz geht, ist bekannt. Einer neuen Studie zufolge führen Hitzewellen aber sogar weitaus schneller zum Korallensterben als bisher angenommen: Der Prozess könne sich binnen Tagen oder Wochen abspielen, heißt es in der im Fachblatt "Current Biology" veröffentlichten Studie von Forschern der Universität New South Wales.

Die Meereserwärmung als Folge des Klimawandels führt zur sogenannten Korallen-Bleiche, bei der die auf den Korallen sitzenden Algen vermehrt Giftstoffe produzieren und deshalb abgestoßen werden. Übrig bleibt das helle Korallenskelett. Die Algen leben eigentlich in Symbiose mit den Nesseltieren: Sie sind in ihren Nährstoffhaushalt eingebunden und geben ihnen ihr buntschillerndes Aussehen. Bei sinkenden Wassertemperaturen innerhalb eines gewissen Zeitraums besteht die Möglichkeit einer Regenerierung der Riffe.

Wiederholte Bleichen jedoch, wie etwa am australischen Great Barrier Reef in den Jahren 2016 und 2017, können demnach auch die Korallen selbst abtöten – und zwar binnen Tagen oder Wochen und nicht wie bisher angenommen über Monate und Jahre. Im Great Barrier Reef kam es in den Jahr 2016 und 2017 zu einer Bleiche gigantischen Ausmaßes, fast die Hälfte des 2.300 Kilometer langen UN-Weltnaturerbes war betroffen.

"Die Schwere dieser Hitzewellen-Ereignisse geht über den Bleichprozess hinaus, es ist der Punkt, an dem das Korallenlebewesen selbst stirbt", sagte Studien-Koautorin Tracy Ainsworth. "Die Wassertemperaturen steigen in einem Ausmaß an, dass es nicht nur zu einem Verlust der Symbiose kommt, sondern zum Tod der Nesseltiere."

Scott Heron von der James Cook Universität in Australien sagte, er und seine Kollegen seien von der Geschwindigkeit der Auflösung des Korallengerippes nach Hitzewellen überrascht gewesen. Diese Erkenntnis zähle zu der Kategorie der "unbekannten Unbekannten" des Klimawandels, von denen Forscher sprechen, wenn es um nicht aus Erfahrungen oder bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen ableitbare Phänomene gehe. Heron: "Die Frage ist, wie viele dieser 'unbekannten Unbekannten' es noch gibt." (red, APA, 12.8.2019)


Aus: "Studie: Hitzewellen töten Korallen binnen Tagen" (12. August 2019)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000107297603/hitzewellen-toeten-korallen-binnen-tagen

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[Klimaveränderungen auf der Erde... ]
« Reply #11 on: October 25, 2019, 11:36:03 AM »
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[...] Gernot Laganda, 47, ist Leiter der Klima- und Katastrophenpräventionsabteilung im Welternährungsprogramm (WFP) der UN. Das Programm erreicht jährlich 90 Millionen Menschen.

... Derzeit gehen wir von 822 Millionen hungernden Menschen weltweit aus. ... Seit den frühen 1990er-Jahren hat sich die Zahl der Klimakatastrophen auf rund 200 mehr als verdoppelt. Derzeit sind 22 Millionen Menschen im Jahr gezwungen aufgrund von Klimaereignissen zu migrieren, weil sie ihre Lebensgrundlagen verlieren. Die meisten innerhalb des jeweiligen Landes. Erzwungene Migration wird ein immer größeres Problem. ... Wir erleben jetzt die Auswirkungen auf das Klima, die wir durch unseren CO2-Ausstoß längst erzeugt haben.  Die Entscheidungen, die wir heute in unseren Volkswirtschaften treffen, bekommt erst die Generation unserer Kinder zu spüren. Die 1,5-Grad-Schwelle wird auf jeden Fall überschritten. In einigen afrikanischen Ländern ist das Durchschnittsklima bereits jetzt bis zu zwei Grad höher als in vorindustriellen Zeiten. Das ist die Realität, in der wir leben. ...


Aus: "Klimawandelfolgen und Hunger „Bei uns schrillt immer öfter die Sirene“"  Matthias Jauch Nantke Garrelts (24.10.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/klimawandelfolgen-und-hunger-bei-uns-schrillt-immer-oefter-die-sirene/25152562.html

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[Klimaveränderungen auf der Erde... ]
« Reply #12 on: November 06, 2019, 09:06:17 AM »
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[...] Mehr als 11.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 153 Ländern fordern mehr Klimaschutz. In einer gemeinsamen Erklärung im Fachjournal BioScience (Ripple et al., 2019) konstatieren sie, ohne grundlegendes Umsteuern sei "unsägliches menschliches Leid" nicht mehr zu verhindern. "Aus den vorliegenden Daten wird klar, dass ein Klima-Notfall auf uns zukommt." Fast drei Viertel der 184 Zusagen zum Einsparen von Treibhausgasen, die Länder im Rahmen des Pariser Abkommens eingereicht haben, sind dem zugehörigen Bericht zufolge nicht ehrgeizig genug.

Der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen lag 2017 bei rund 50 Milliarden Tonnen C02—Äquivalenten. Gemessen am Ziel, diesen Ausstoß bis 2030 um mindestens 40 Prozent zu reduzieren, seien nur die 28 EU-Staaten gemeinsam und sieben weitere Länder auf Kurs. Die fünf Autoren fordern Veränderungen vor allem in sechs Bereichen: Umstieg auf erneuerbare Energien, Reduzierung des Ausstoßes von Stoffen wie Methan und Ruß, besserer Schutz von Ökosystemen wie Wäldern und Mooren, Konsum von mehr pflanzlichen und weniger tierischen Produkten, nachhaltige Veränderung der Weltwirtschaft und Eindämmung des Anwachsens der Weltbevölkerung.

Im Fokus des Berichts stehen vier Nationen, die zusammen mehr als die Hälfte der weltweiten Treibhausgase ausstoßen: China, Indien, die USA und Russland. China und Indien haben zugesagt, die Emissionen langsamer wachsen zu lassen als ihre Wirtschaft. Russland hat noch keinen Plan eingereicht.

Die USA haben am Montag – wie von Präsident Donald Trump im Juni 2017 angekündigt – bei den Vereinten Nationen offiziell ihre Kündigung für das Pariser Abkommen eingereicht. Trump hatte das Abkommen als zu kostspielig und den Vereinigten Staaten gegenüber unfair kritisiert. Der Schritt stieß international auf Kritik. "Der Rest der Welt steht zusammen beim Klimaschutz", sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD).

Im Pariser Abkommen haben sich fast alle Staaten der Welt das Ziel gesetzt, die Erderhitzung auf deutlich unter zwei Grad und möglichst 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, um katastrophale Folgen wie Hitzewellen und Dürren, extreme Regenfälle und den Anstieg der Meeresspiegel zu begrenzen. Ginge es weiter wie bisher, läge der Anstieg Ende dieses Jahrhunderts wohl bei gut drei Grad. Alle fünf Jahre sollen die Pläne des Pariser Abkommens nachgeschärft werden, das nächste Mal 2020.


Aus: "Tausende Wissenschaftler warnen vor Klima-Notfall" (5. November 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2019-11/klimawandel-klimaschutz-pariser-klimaabkommen


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[Klimaveränderungen auf der Erde... ]
« Reply #13 on: November 11, 2019, 03:30:23 PM »
Quote
[...] Der Name des seit dem Jahr 2015 von mehr als einem Dutzend Umwelt- und Klimagruppen vorgelegten Berichts ist Programm: „Brown to Green“. Doch sein Name passt auch in der fünften Ausgabe so gar nicht zum Inhalt. Die Untersuchung zur Klimapolitik der 20 wichtigsten Staaten der Erde, der G 20, kommt vielmehr abermals zu ernüchternden Ergebnissen. Allen voran: Keiner der Staaten befindet sich auf einem Kurs, der geeignet erscheint, das im Pariser Klimaabkommen verabredete Limit des Temperaturanstiegs von 1,5, höchstens aber zwei Grad Celsius einzuhalten.

In der Bewahrung des Ökosystems spielt die G 20 eine Schlüsselrolle, denn sie verantwortet rund 80 Prozent der globalen Emissionen, mit wachsender Tendenz. Im vergangenen Jahr stießen die 20 größten Volkswirtschaften 1,8 Prozent mehr Klimagase aus als im Vorjahr. Zwei der drängendsten Problemfelder sind laut dem Report Gebäude und der Verkehr. In beiden Sektoren gehöre Deutschland zu den Negativbeispielen. Mit Emissionen im Gebäudesektor von mehr als drei Tonnen je Einwohner liege Deutschland fast 50 Prozent über dem EU-Schnitt und doppelt so hoch wie der G-20-Durchschnitt.

Die Bundesregierung will die Herausforderung mit den neuen Klimagesetzen angehen, den Umweltgruppen reicht das aber nicht. So müsse die Rate der Sanierung des Gebäudebestands für einen klimafreundlichen Kurs verfünffacht werden. Nur bei Neubauten stellen sie Deutschland ein besseres Zeugnis aus. Insgesamt seien die Emissionen der G 20 in keinem anderen Sektor 2018 so stark gestiegen wie im Gebäudebereich – um 4,1 Prozent.

Wenig anders das Bild im Verkehrssektor. Hier habe der Abgasausstoß das Vorjahresniveau um 1,2 Prozent übertroffen. Deutschland liege dort bei den Pro-Kopf-Emissionen direkt hinter den großen Flächenstaaten Amerika, Kanada, Australien sowie Saudi-Arabien. Während die Deutschen im Schnitt 84 Prozent ihrer Reisen mit dem Auto machten, drohe das Land in der Elektromobilität den Anschluss zu verlieren.

Amerika, Kanada und Südkorea hätten das Autoland Deutschland mit seinen knapp 2 Prozent Marktanteil für neu zugelassene E-Autos in den vergangenen beiden Jahren überholt. Spitzenreiter China habe ihn binnen Jahresfrist sogar auf 4,5 Prozent fast verdoppelt. Lob für China, den weiter wachsenden größten Kohlendioxidemittenten der Welt, gibt es auch für dessen ambitionierte Bus- und Bahn-Pläne: In den Großstädten des Landes sollten schon nächstes Jahr 30 Prozent aller Fahrten mit Bus und Bahn absolviert werden.

Eine langjährige Forderung der Klimaschützer ist, die Subventionen für kohlendioxidhaltige Energieträger wie Kohle und Öl abzuschaffen. Aber auch hier sehen sie wenig Fortschritte. So seien nach letzten Zahlen im Jahr 2017 weiter 127 Milliarden Dollar an Subventionen in fossile Energien geflossen. Doch räumen sie ein, dass die Zahlen schwierig zu bewerten seien, weil darin auch „sinnvolle Subventionen“ etwa für den Kohleausstieg enthalten sein könnten.

Ungebrochen hängen die 20 wirtschaftlich stärksten Länder an fossilen Quellen. Vier Fünftel ihrer Energie bezogen sie aus Kohle, Öl und Gas. Zwar nahm der Anteil grüner Energien, vor allem in der Elektrizitätserzeugung, um 5 Prozent zu, doch blieb der Anteil fossiler Träger wegen einer insgesamt steigenden Nachfrage nach Energieleistungen mit 82 Prozent der Gesamtnachfrage hoch.

Der Ausbau des Grünstromangebots sorgte indes auch dafür, dass die Emissionen im Elektrizitätssektor „nur“ um 1,6 Prozent zulegten. Die Spannweite der Ökostromerzeugung unter den G-20-Staaten sei dabei groß. Während Brasilien mit seinem hohen Angebot an Wasserkraft 82,5 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Quellen gewinne, seien es in Saudi-Arabien, Südkorea und Südafrika weniger als 5 Prozent. Deutschland schneide hier gut ab. Zuletzt lag der Öko-Anteil an der Stromerzeugung bei 43 Prozent.

Der Report listet auch Schäden und Verluste auf, die dem Klimawandel zugerechnet werden. Extremwetterereignisse hätten in den Jahren 1998 bis 2017 in den G-20-Staaten mehr als 260.000 Menschen das Leben gekostet. Die materiellen Schäden beliefen sich auf 2,65 Billionen Dollar. Deutschland gehöre in der G 20 neben Russland, Frankreich, Italien und Indien zu den am stärksten betroffenen Staaten.

Einen Lichtblick erkennen die Autoren des Reports trotz aller schlechten Botschaften. Immerhin sei etwa die Hälfte der G-20-Mitglieder auf einem guten Weg, selbstgesetzte Klimaziele zu erreichen oder zu überbieten. Zwar reichen die Versprechen nicht, um die Vorgaben des Pariser Protokolls zu erfüllen.

Die Umweltschützer wollen das gleichwohl zu einem politischen Vorteil nutzen. Staaten, die ihre Ziele überböten, könnten ihre bisherigen Zusagen demnach erhöhen – vertraglich und verbindlich. Darum soll es auf der Klimakonferenz im nächsten Jahr gehen, die im schottischen Glasgow stattfindet. Vorbereitungen dazu sollen auf dem von Chile nach Madrid verlegten Dezember-Gipfel getroffen werden.


Aus: "Neue Untersuchung : Die Klimaschutzbilanz fällt verheerend aus" Andreas Mihm, Berlin (11.11.2019)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/klima-energie-und-umwelt/die-g-20-staaten-tun-zu-wenig-fuer-den-klimaschutz-16478544.html

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[Klimaveränderungen auf der Erde... ]
« Reply #14 on: December 04, 2019, 10:28:50 AM »
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[...] Der weltweite Ausstoß von klimaschädlichem CO2 hat einer Studie zufolge auch in diesem Jahr weiter zugenommen. Der internationale Forscherverbund Global Carbon Project prognostizierte am Mittwoch am Rande der UN-Klimakonferenz in Madrid einen Anstieg der weltweiten CO2-Emissionen um 0,6 Prozent für 2019. Das ist zwar weniger als in den beiden Vorjahren, aber immer noch zu viel, um die Erderwärmung zu begrenzen.

Das UN-Umweltprogramm (Unep) hatte vergangene Woche angemahnt, die weltweiten Treibhausgas-Emissionen zwischen 2020 und 2030 jährlich um 7,6 Prozent zurückzufahren. Anderenfalls werde das im Pariser Klimaabkommen formulierte Ziel verpasst, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Der verlangsamte Anstieg der CO2-Emissionen im Jahr 2019 ist nach Einschätzung der Forscher vom Global Carbon Project unter anderem auf das verlangsamte Wirtschaftswachstum und eine geringere Kohlenutzung in den USA und der EU zurückzuführen. Stattdessen sei aber mehr Erdöl und vor allem mehr Erdgas genutzt worden.

Die 25. UN-Klimakonferenz hat am Montag in Madrid begonnen. Umweltorganisationen dringen darauf, dass zumindest einige der Länder mit dem größten CO2-Ausstoß eine Anhebung ihrer Klimaschutzziele fest zusagen. Weitere Knackpunkte sind Hilfen für die Entwicklungsländer bei der Bewältigung klimabedingter Schäden sowie konkrete Regeln zur Einbeziehung des Emissionszertifikatehandels in die internationalen Klimaschutzbemühungen.

Das Jahrzehnt von 2010 bis 2019 war mit größter Wahrscheinlichkeit das heißeste seit Beginn der Messungen 1850, wie die Weltwetterorganisation (WMO) in Madrid mitteilte. Und auch im Jahr der großen Klima-Demonstrationen von Fridays for Future stieg der weltweite Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) Berechnungen zufolge weiter, wenn auch langsamer als in den Vorjahren.

Ein neues Rekordjahr war 2019 global betrachtet zwar wahrscheinlich nicht, es dürfte aber das zweit- oder drittwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen werden, berichtete die Weltwetterorganisation. Die Durchschnittstemperatur lag demnach etwa 1,1 Grad über dem Niveau des langjährigen Mittels der vorindustriellen Zeit (1850-1900).

Seit den 1980er Jahren sei jedes Jahrzehnt wärmer gewesen als das jeweilige davor. Die Temperatur der Ozeane sei im Schnitt ebenfalls auf Rekordwert, und die Ozeane seien 26 Prozent saurer als zu Beginn der Industrialisierung.

... Eine eindringliche Warnung an die Politik sandte [ ] die Europäischen Umweltagentur (EEA). Die Fortschritte im Kampf gegen Klimawandel und Artensterben in Europa reichen nach Ansicht der Experten längst nicht aus. Ein Kurswechsel sei dringend notwendig, um letztlich den Wohlstand der Zukunft zu sichern, erklärte die EEA zur Veröffentlichung ihres Fünfjahresberichts. Es bestehe aber auch Grund zur Hoffnung, da das öffentliche Interesse an Klima- und Umweltthemen sowie einer nachhaltigen Zukunft zugenommen habe.

...


Aus: "CO2-Ausstoß erreicht neuen Rekord" (04.12.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/alarmierende-zahlen-zur-klimakonferenz-co2-ausstoss-erreicht-neuen-rekord/25298080.html