Author Topic: [The Lordship of Moneygaming... ]  (Read 138685 times)

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[The Lordship of Moneygaming... ]
« on: April 15, 2006, 05:07:44 nachm. »
Bei der in vielen Schichten entstandenen Erzählung vom Goldenen Kalb handelt es sich nicht um die Schilderung einer historischen Begebenheit, sondern in ihrer letzten deuteronomistischen Bearbeitung um eine ätiologische Erzählung, die den Untergang des Nordreiches nachträglich erklärt.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Goldenes_Kalb (2014)

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Quote

        Das goldene Kalb
        Doppelflöten, Hörner, Geigen
        Spielen auf zum Götzenreigen,
        Und es tanzen Jakobs Töchter
        Um das Goldne Kalb herum -
        Brum - brum - brum -
        Paukenschläge und Gelächter!
      
        Hochgeschürzt bis zu den Lenden
        Und sich fassend an den Händen,
        Jungfraun edelster Geschlechter
        Kreisen wie ein Wirbelwind
        Um das Rind -
        Paukenschläge und Gelächter!
        
        Aaron selbst wird fortgezogen
        Von des Tanzes Wahnsinnwogen,
        Und er selbst, der Glaubenswächter,
        Tanzt im Hohenpriesterrock,
        Wie ein Bock -
        Paukenschläge und Gelächter!



Heinrich Heine - Romanzero Gedichte (1851)
Quelle: http://www.textlog.de/heine-gedichte-goldene-kalb.html

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Der Spieler erschien 1867 kurz nach Schuld und Sühne ...
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Spieler

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" ... die Filmkritikerin Linda Williams bezeichnete Geld einmal als die „ultimative Obszönität“ ..."
Aus: "Komm zu Papa" Sarah Schaschek (02.09.2014)
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/komm-zu-papa

« Last Edit: September 16, 2014, 10:56:35 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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[Geheimbund auf Dauer... ]
« Reply #1 on: April 15, 2006, 05:20:31 nachm. »
Quote
... Die Flick- Affäre steht für die Käuflichkeit der politischen Elite in der Bonner Republik. Er [Friedrich Karl Flick] ließ sie alle schmieren. CDU, CSU, SPD und FDP. Fast die gesamte erste Garde der Bonner Politik. ... Ein Routinevorgang im Finanzamt St. Augustin bei Bonn bringt den damaligen Regierungsdirektor Klaus Förster auf die Spur ...


Aus: "Ein Mann und die Macht" (Hubert Seipel, 8.10.2006)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Die-Dritte-Seite;art705,1973065


Quote
[...]  Rückgrat - "Vier Jahre lang plagte sich später die damals SPD-regierte Düsseldorfer Staatskanzlei mit der Frage, ob [Klaus] Förster ein Bundesverdienstkreuz zustehe. Er bekam es nicht, weil er ja nur "seine Pflicht getan" habe. Förster hat diese Entscheidung bedauert, weil er gern das Bundesverdienstkreuz abgelehnt hätte." (06.02.2009  13:59:45, Rhinelander)


Kommentar zu: http://www.sueddeutsche.de/kultur/756/457416/text/



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Quote
[...] Mehr als elf Millionen Euro musste Hessens CDU wegen der Schwarzgeldaffäre an die Bundespartei zahlen – und verzichtet trotzdem auf Schadenersatz vom Hauptverantwortlichen, Ex-Parteichef und Bundesinnenminister Manfred Kanther.

Die finanziellen Risiken eines Prozesses seien zu hoch, teilte die Partei am Samstag mit. Auch gegen den ehemaligen Unions-Landesschatzmeister Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein und den ehemaligen Unions-Finanzberater Horst Weyrauch werde keine Klage erhoben. Knapp vier Monate vor der hessischen Kommunalwahl sorgt die Partei sich zudem, dass ein neuer langwieriger „Kanther- Prozess“ mit ungewissem Ausgang ihr Ansehen beschädigen könnte.


Aus: "Hessische CDU erspart Kanther neuen Prozess" (HANDELSBLATT, Samstag, 10. Dezember 2005)
Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/hessische-cdu-erspart-kanther-neuen-prozess;1002954


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Quote
[...]  Die Staatsanwaltschaft begründete ihre Forderung unter anderem mit dem hohen Schaden, der der Union durch die Abgabe unvollständiger Rechenschaftsberichte entstanden war. Der damalige hessische CDU-Generalsekretär Kanther, Weyrauch und der ehemalige hessische CDU-Schatzmeister Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein hatten Ende 1983 insgesamt 20,8 Millionen Mark (10,63 Millionen Euro) ins Ausland transferiert. Die Herkunft des Geldes ist nach Ansicht der Anklage auch weiterhin nicht völlig geklärt. In dieser Hinsicht sei man heute so schlau wie vor fünf Jahren, sagte Staatsanwalt Wolf Jördens.

Ihrer Partei verschwiegen Kanther, Weyrauch und Prinz Wittgenstein in den folgenden Jahren das Vermögen und holten es stattdessen unter anderem als jüdische Vermächtnisse getarnt wieder zurück. Sie hätten damals einen "Geheimbund auf Dauer" geschlossen, sagte Jördens. Sämtliche Gelder seien allerdings für die CDU verwendet worden, es habe nie persönliche Bereicherungen gegeben. Dies wertete die Anklage als strafmildernd für Kanther.


Aus: "Kanther Geldstrafe für Kanther wegen CDU-Affäre gefordert - Ex-Innenminister soll 72.000 Euro Strafe zahlen" (AFP vom 22.03.2005)
Quelle: http://www.123recht.net/article.asp?a=12400
« Last Edit: November 21, 2009, 12:19:32 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Schlüsselfiguren... ]
« Reply #2 on: Juli 13, 2006, 10:23:09 vorm. »
Quote
[...] Die Vermutung, dass die Unternehmensspitze Betriebsräte gekauft haben solle, sei „absurd“, sagt er. Im Vorstand seien solche Vorgänge keinem bekannt. Und: „Niemand im Vorstand hätte sie gebilligt.“ Hartz betonte: „Ich weise die Verunglimpfungen aufs Schärfste zurück.“


Aus: "Korruptionsskandal bei VW zieht Kreise" (07.07.2005)
Quelle: http://www.lr-online.de/nachrichten/wirtschaft/wirtschaft/art1067,957918.html?fCMS=cfe5563761c4bfb25ebded2f43cb6f10

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Quote
[...] Bei der Aufarbeitung der VW-Affäre und möglichen Schadenersatzforderungen zeigte sich VW-Chef Pischetsrieder hart: "Es geht um das Geld unserer Aktionäre. Wir werden versuchen, jeden einzelnen Euro, der dem Konzern an Schaden entstanden ist, zurückzuholen", sagte Pischetsrieder der "Welt am Sonntag". VW prüft der Zeitung zufolge auch Regressansprüche gegen den auf Grund der Affäre zurückgetretenen Personalvorstand Hartz.


Aus: "VW-Spitze lehnt Hartz-Nachfolger Neumann offenbar ab - Konzern will in Affäre Schadenersatz von Managern" (12.11.2005)
Quelle: http://newsfoxx.de/2530/VW-Spitze-lehnt-Hartz-Nachfolger-Neumann-offenbar-ab.html

-.-

Quote
[...] Wolfsburg (aktiencheck.de AG) - Aktuellen Presseberichten zufolge will die Wolfsburger Volkswagen AG anscheinend auf eine Schadenersatzklage gegen ihren Ex-Personalvorstand Peter Hartz verzichten. Dies berichtet die "Augsburger Allgemeine Zeitung" am Dienstag vorab aus ihrer Mittwochausgabe.

Nach Informationen der Zeitung liegt dazu nun ein Beschluss vom Präsidium des VW-Aufsichtsrats vor. Hartz ist einer der Schlüsselfiguren im VW-Korruptionsskandal.


Aus: "Presse: VW verzichtet auf Schadenersatzklage gegen Hartz" (Dienstag 11. Juli 2006)
Quelle: http://de.biz.yahoo.com/11072006/85/presse-vw-verzichtet-schadenersatzklage-hartz.html


-.-

Quote
[...] Vier Tage später wurde bekannt, daß der VW-Vorstand dem Betriebsrat teure Luxusreisen spendiert hat. Erst wies der damalige Personalvorstand Peter Hartz die Vorwürfe zurück, doch am 8. Juli stellte der Schröder-Freund und Namenspatron des Arbeitsmarktkonzeptes seinen Posten zur Verfügung. Die Annahme seines Rücktrittangebots durch den VW-Vorstand war am 8. August nur noch Formsache. Elf Tage später nahm die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen Volkert auf und prüfte, ob VW-Gelder für dessen Reisen mit dem Geschäftszweck vereinbar waren. Volkert räumte später Verbindungen zu Schuster ein.

Ende September wurde Hartz vernommen. "Kontrollen der Verwendung von Geldmitteln" hätten zeitweise offenbar nicht im erforderlichen Umfang stattgefunden, räumte er ein. Am 7. Oktober wurde der Ex-Arbeitsdirektor der Untreue verdächtigt.

[...] Piëch sagte, er habe davon nichts gewußt und sei an einer lückenlosen Aufklärung interessiert. Am 19. April wurde VW-Chef Bernd Pischetsrieder vernommen. Dabei ging es vor allem um den Verantwortungsbereich von Hartz und die Kostenstelle "1860", über die mit Eigenbelegen sogenannte Vertrauensspesen abgerechnet worden sein sollen. Im Mai stieg die Zahl der Beschuldigten, gegen die wegen des Verdachts auf Untreue und Betrug ermittelt wird, auf 14.


Aus: "Hartz kostete die Affäre den Posten" (Artikel erschienen am Sat, 15. July 2006)
Quelle: http://www.welt.de/data/2006/07/15/959849.html

-.-

Quote
[...] Der frühere VW-Personalvorstand Peter Hartz hat einen neuen Job. Im Saarland hat er eine eigene Firma registriert - die bietet Hilfe bei Unternehmensführung und Controlling an.

Wolfsburg/Hamburg - Das Unternehmen sei im Januar bei der IHK Saarland als Mitglied registriert worden, schreibt die "Wolfsburger Allgemeine Zeitung". Es sei als Firma "Professor Dr. h.c. Peter Hartz GmbH & Co." eingetragen und beschreibe seinen Geschäftszweck mit "Beratung, Unternehmensführung und Controlling".


Aus: "Peter Hartz ist jetzt Berater" (SPON; 25. Juli 2006)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,428390,00.html


-.-

Quote
[...] Objekte von Faurecia in München und einer anderen Stadt seien im Mai durchsucht worden. Der ehemalige BMW-Abteilungsleiter aus München sei schon seit einem Jahr in Untersuchungshaft. Er soll von mehreren Zulieferfirmen für Aufträge insgesamt mehrere 100.000 Euro in bar verlangt haben. Dabei sei es um Teile für den 3er-BMW und den Mini gegangen. Im Zuge dieser Ermittlungen sei man schließlich auch auf Faurecia gestoßen, erklärte Winkler.


Aus: "Auch BMW-Manager soll geschmiert worden sein" (.rp-online.de; 25.07.06)
Quelle: http://www.rp-online.de/public/article/nachrichten/wirtschaft/unternehmen/344541

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Quote
[...] Der ehemalige VW-Betriebsratschef Klaus Volkert hat sein Gehalt durch Sonderboni offenbar fast verdoppeln können. Sein Gönner, Ex-Personalvorstand Peter Hartz, habe die Zahlungen heimlich und eigenverantworlich veranlasst, heißt es.


Aus: "VW-AFFÄRE: Zwei Millionen für Ex-Betriebsrat Volkert" (15.10.2006)
Quelle: http://www.manager-magazin.de/koepfe/artikel/0,2828,442688,00.html

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Quote
[...] In der VW-Affäre um Schmiergeld, Sexpartys und Lustreisen für Betriebsräte erwägt die Staatsanwaltschaft die Verfahren in Einzelfällen schriftlich zu erledigen. Durch den Verzicht auf öffentliche Verhandlungen soll das Großverfahren gestrafft werden.

[...]  Ziehe sagte, in einzelnen Fällen werde erwogen, auf eine öffentliche Verhandlung zu verzichten, um das Verfahren zu beschleunigen und den Beteiligten aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes die Darstellung aller Details zu ersparen.

Das sei möglich, wenn die Beschuldigten auf einen Einspruch verzichteten und die ihnen zur Last gelegten Beschuldigungen mit Geldstrafe oder maximal einem Jahr Haft geahndet werden könnten. Ein "Deal" sei das allerdings nicht – und auch keine Einstellung des Verfahrens, sondern eine Erledigung auf schriftlichem Wege.


Aus: "VW-Affäre: Justiz verzichtet auf öffentliche Verhandlungen" (11/2006 Financial Times Deutschland)
Quelle: http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/137066.html?zid=90221



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Quote
[...] Die jüngsten Preiserhöhungen der Deutschen Bahn hat Bahn-Chef Hartmut Mehdorn mit hohen Energiekosten begründet. Die Gehälter für den Vorstand erwähnte er nicht - sie schnellten in den vergangenen Jahren um 400 Prozent nach oben.


Aus: "DEUTSCHE BAHN: Vorstandsbezüge steigen schneller als die Preise" (15.10.2006)
Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,442669,00.html

« Last Edit: September 16, 2014, 10:57:54 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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[Herzversagen und eine Leiche im Stadtpark]
« Reply #3 on: Juli 13, 2006, 10:46:57 vorm. »
Quote
[...] Der wegen Betrugs verurteilte einstige Chef des US-amerikanischen Energiekonzerns Enron, Kenneth Lay, ist tot. Das berichteten US-Medien am Mittwoch. Lay (64) sei in Aspen (Colorado) gestorben, hieß es unter Berufung auf die Familie. Über die Todesursache wollte sie keine Angaben machen. Laut CNN war Lay am Dienstagabend mit Herzproblemen ins Krankenhaus gebracht worden. Nach Angaben der Ärzte habe sein Herz am frühen Morgen versagt.


Aus: "Herzversagen - Enron-Gründer Lay tot" (n-tv.de; Mittwoch, 5. Juli 2006)
Quelle: http://www.n-tv.de/685880.html

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Quote
[...] London - Ein wichtiger Zeuge im Skandal um die Milliardenpleite des US-Energiekonzerns Enron ist am Mittwoch in London tot aufgefunden worden. Die Leiche des ehemaligen Chefs der Nordamerika-Abteilung der Royal Bank of Scotland, Neil Coulbeck, wurde in einem Stadtpark im Osten der Finanzmetropole entdeckt.


Aus: "ENRON-PROZESS - Topbanker tot im Park gefunden" (12.07.2006)
Quelle: http://www.manager-magazin.de/koepfe/artikel/0,2828,426453,00.html

« Last Edit: Juli 13, 2006, 04:45:44 nachm. by lemonhorse »

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[Händeschüttlern... ]
« Reply #4 on: Juli 18, 2006, 10:46:34 vorm. »
Quote
[...] Grasser betonte am Montag einmal mehr, dass er Flöttl nicht persönlich kenne und dass er mit dem Investmentbanker auf der Yacht lediglich "Smalltalk" betrieben habe.

[...] Grasser hatte den Yacht-Ausflug mit Flöttl ursprünglich dementiert und erst nach Vorliegen aller Fakten bestätigt.

[...] Rückendeckung erhält Grasser nur von den Koalitionsparteien: BZÖ-Chef Peter Westenthaler bezeichnete ihn am Montag als "ausgezeichneten Finanzminister" und will über den Yacht-Ausflug nicht sprechen: "Ich befasse mich nicht mit Segelfahrten eines Ministers." Für den ÖVP-Politiker Werner Amon sind die Attacken der Opposition "unterstes Wahlkampfniveau" und ein Ablenkungsversuch von der Bawag-Affäre.

Auch Grasser selbst denkt nicht daran, wegen des Yacht-Ausflugs die Segel zu streichen: "Die Rücktrittsaufforderungen lassen mich völlig ungerührt", betonte der Minister - zumal bekannt sei, dass sich auch die Ex-Kanzler Franz Vranitzky und Viktor Klima mit Flöttl getroffen hätten und dessen Familie mit der Familie von Bundespräsident Heinz Fischer befreundet sei. Grasser: "Am Ende des Tages wird sich herausstellen, dass die Malversationen bei anderen Händeschüttlern liegen." (Ag.)


Aus: " Opposition fordert Grasser-Rücktritt" (diepresse.com; 17.07.2006)"
Quelle: http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=p&ressort=ip&id=572482

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Quote
[...] Die Refco-Gläubiger wollen von der BAWAG mehr als 1,3 Mrd. Dollar (rund 1 Milliarde Euro) einklagen. In einer umfangreichen Klagsschrift beschuldigen sie die Gewerkschaftsbank der Beihilfe zum Betrug. Den Vorwürfen zufolge soll die BAWAG in den vergangenen Jahren über "Ultimo-Geschäfte" wiederholt mitgeholfen haben, Verlustlöcher in Bilanzen des Brokers Refco zu stopfen. Die BAWAG sieht sich allerdings selber als Opfer.

Aus: "Entscheidung über Milliardenklage gegen BAWAG" (27. April 2006; SN/APA; salzburg.com)
Quelle: http://www.salzburg.com/sn/nachrichten/artikel/2016351.html

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Quote
[...] WIEN. Die Bank hat nach eigenen Angaben mit hochspekulativen Geschäften in den Jahren 1995 bis 2000 rund eine Mrd. Euro verloren. Als darauf die Eigenkapitalbasis des Instituts bedenklich zusammenschmolz, stand heimlich der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) mit seiner durch Mitgliedsbeiträge aufgefüllten Streikkasse für die Bawag gerade. Ohne diese Absicherung wäre die Bawag damals am Ende gewesen. Die Gewerkschaftsbank hatte erst vor kurzem wegen der Pleite eines US-Brokers 400 Mill. Euro abschreiben müssen.

Der heutige Bawag-Aufsichtsratschef Günter Weniger hatte die Rettungsaktion damals mit dem ÖGB eingefädelt und auch dessen Chef Fritz Verzetnitsch informiert. Beide bewahrten aber Stillschweigen. „Der Vorstand der Bank hat mich Ende 2000 von Verlusten in einer Höhe informiert, die die Erstellung der Bawag-Bilanz gefährdet hätten. In Abwägung aller Interessen habe ich beschlossen, diese Information für mich zu behalten“, erklärte Weninger am Freitag. Wären die horrenden Verluste publik geworden, so „hätte das die Gefahr von Mittelabflüssen, den Verlust von Arbeitsplätzen und Vermögen des Eigentümers bedeutet“. Weninger wird nun seinen Hut nehmen. Auch der Posten des österreichischen Gewerkschaftsbosses Verzetnitsch wackelte über das Wochenende zunehmend.

Der Skandal fällt in den anlaufenden Wahlkampf in Österreich, wo im Herbst ein neues Parlament gewählt werden soll. Entsprechend erbittert sind die politischen Reaktionen. Vizekanzler Hubert Gorbach, der dem rechten Bündnis BZÖ angehört, spricht vom größten Bankenskandal in der österreichischen Nachkriegsgeschichte und fordert den Rücktritt des ÖGB-Präsidenten. „Da hat ein Klüngel aus Parteifunktionären, Gewerkschaftsvertretern und Bawag-Managern die Beiträge der Gewerkschaftsmitglieder verzockt“, sagte Gorbach.


Aus: "Streikkasse rettete österreichische Bawag-Bank" Von Oliver Stock
(HANDELSBLATT, Montag, 27. März 2006)
Quelle: http://www.handelsblatt.com/news/Default.aspx?_p=200039&_t=ft&_b=1055630


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Quote
[...] Der Inhalt ist streng vertraulich. Grasser verriet nur soviel: Es verdichten sich die "Verdachtsmomente in Richtung Veruntreuung und krimineller Machenschaften sehr deutlich".

[....] Der Inhalt des Prüfberichts der Nationalbank ist bereits Ende Juni publik geworden. Die aktualisierte Version kommt just zu einer Zeit, in der Grasser wegen seiner Yacht-Affäre unter Beschuss ist, kommentiert die Opposition. Tatsächlich befinden sich zumindest einige interessante Neuheiten in dem Bericht. So fanden die Bawag-Prüfer bisher 120 Stiftungen und Sondergesellschaften, die laut Grasser nur dazu gegründet worden sind, um zu verschleiern.

Brisant sind auch die Erkenntnisse über das Vermögen von Wolfgang Flöttl jr. Dieser hat bekanntlich bei den Karibik-Geschäften 1,4 Mrd. Euro verspekuliert. "Es stellte sich in diesem Zusammenhang die grundsätzliche Frage, wie wahrscheinlich es ist, dass ein erfahrener Portfoliomanager wie Wolfgang Flöttl über Jahre hindurch jedes ihm anvertraute Geld in einen Totalverlust führt", heißt es im Bericht.

Zur Deckung des Schadens sollte Flöttls Vermögen herhalten. Gemälde, darunter Picassos und Van Goghs, Liegenschaften und ein Jet. Laut Berechnungen des Restrukturierungsteams in der Bawag war das Vermögen rund 240 Mio. Euro wert. Es wurde in drei liechtensteinische Stiftungen eingebracht, die ganze Aktion lief in der Bawag unter größter Geheimhaltung. Doch letztendlich flossen nur 100 Mio. Euro an die Bawag zurück. Der Rest? Es besteht der dringende Verdacht, so der Prüfbericht, dass ein Teil der Gelder veruntreut wurde. Sogar wertvolle Gemälde seien spurlos verschwunden.

Immerhin musste die Bawag 172 Mill. Dollar bezahlen, um an Flöttls Aktiva heranzukommen. Für die Bilder mussten noch ein 154-Mio.-Dollar-Kredit bei Sotheby's beglichen werden. Und dann hatte Flöttl auch noch einen 18-Mio.-Dollar-Kredit bei der Meinl Bank offen, dem Kreditinstitut seines Freundes Julius Meinl V.


Aus: "Wer kassierte die Flöttl-Millionen? (Die Presse; 19.07.2006)
Quelle: http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=p&ressort=i&id=572742

« Last Edit: September 12, 2008, 09:42:55 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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[in einem Anflug von Ganovenehre... ]
« Reply #5 on: Juli 19, 2006, 11:45:52 vorm. »
Quote
[...] Im Betrugsskandal um die Geldtransportfirma Heros ist nach Angaben des Insolvenzverwalters den Kunden ein Schaden von insgesamt 540 Mio. Euro entstanden.

[...] Heros hatte Preise verlangt, die zum Teil nur halb so hoch waren wie auf dem Markt üblich. Allein 230 Mio. Euro an Kundengeldern wurden Sack zufolge in den Jahren 2002 bis 2006 für die Aufrechterhaltung des Heros-Betriebs verwendet. Weiteres Geld floss in die Taschen führender Heros-Mitarbeiter. So habe etwa eine frühere Mitarbeiterin zwei Mio. Euro als Schweigegeld erhalten.

Der Verbleib von 95 Mio. Euro sei weiter unklar, sagte Sack. Wahrscheinlich sei, dass Heros-Führungskräfte auch diese Gelder zum Grossteil zu privaten Zwecken verbraucht hätten. "So wie wir das einschätzen, hat man sich wahrscheinlich eine Reserve für die Zeit nach der Haft geschaffen", sagte Sack. "Es gibt sicherlich Gelder, die noch keiner entdeckt hat." Der frühere Chef von Heros und drei führende Mitarbeiter sitzen seit Februar in Untersuchungshaft.

Heros hatte nach mutmasslichen Betrügereien Insolvenz angemeldet. Im Mai übernahm der US-Finanzinvestor MatlinPatterson das Unternehmen für 13,45 Mio. Euro und führt es unter dem Namen SecurLog weiter.

[...] Die Heros-Führung hatte nach Sacks Angaben ab Mitte der 90er Jahre Kundengelder veruntreut. Mit einem "fein ausgeklügelten Schneeballsystem" habe die Firma das bei Banken abgeholte Geld erst mit Verzögerung bei den Kunden abgeliefert und Beträge für die Aufrechterhaltung seines eigenen Betriebs abgezweigt. Insgesamt gebe es heute rund 1000 Forderungen von Gläubigern. Noch einen Tag vor der Insolvenzmeldung habe Heros die Forderungen einige kleinerer Kunden erfüllt, sagte Sack. "Das geschah wohl in einem Anflug von Ganovenehre." (apa)


Aus: "Gesamtschaden von 540 Mio. Euro für Heros-Kunden - 140 Mio. Euro auf Heros-Konten eingefroren" (wirtschaftsblatt.at; 18.07.2006)
Quelle: http://www.wirtschaftsblatt.at/pages/495926

« Last Edit: Dezember 16, 2008, 10:28:41 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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[Beraterhonorar oder Motivationszahlung... ]
« Reply #6 on: Juli 19, 2006, 11:55:13 vorm. »
Quote
[...] Die aktuelle Verleumdungsaffäre um angebliche Schwarzgeldkonten französischer Politiker bei der luxemburgischen Finanzgesellschaft Clearstream zeigt, wie vernichtend sich heute bereits der Vorwurf der Korruption auf Politik und Gesellschaft auswirkt. Selbst ihren eigenen Volksvertretern trauen die westeuropäischen Gesellschaften illegale Geschäfte zu. In Deutschland wie in Frankreich hat heute jeder zweite Fall, der die Gerichte beschäftigt, mit Bestechung und Bestechlichkeit zu tun - und dabei bleiben nach Schätzungen der Strafverfolger 90 Prozent der Fälle unentdeckt. Allein die erfassten Schmiergeldzahlungen belaufen sich auf fast sechs Milliarden Euro. Nichts lässt die Hemmschwelle so schnell sinken, wie die Überzeugung, dass die anderen es auch nicht anders machen. "In vielen Firmen und Behörden ist Korruption gelebter Alltag", schreibt Deutschlands führender Antikorruptionskämpfer Wolfgang Schaupensteiner. "Die meisten Täter, etwa 70 Prozent, sind ohne Unrechtsbewusstsein." Schmiergeld heißt bei ihnen Beraterhonorar oder Motivationszahlung. Die Täter sind oft Entscheidungsträger und begehen die Taten aus Kalkül, weil sie an die Notwendigkeit von Korruption glauben, aus Selbstüberschätzung, weil sie sicher sind, nicht erwischt zu werden, oder aus Gier, weil ihnen ein gutes Einkommen immer noch nicht reicht.


Aus: "Im Sumpf der Korruption" (1arte-tv.com/de; 8. Juli 2006)
Quelle: http://www.arte-tv.com/de/woche/244,broadcastingNum=538513,day=4,week=29,year=2006.html

« Last Edit: Dezember 16, 2008, 10:28:28 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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[Unregelmäßigkeiten... ]
« Reply #7 on: Juli 26, 2006, 10:05:37 vorm. »
Quote
[...] Im Einzelnen geht es um den ehemaligen CEO Greg Reyes, den ehemaligen Finanzchef Tony Canova sowie die Expersonalchefin Stephanie Jensen. Dies ist der bisher kräftigste Schlag gegen mutmaßliche Optionsbetrügereien. Gegen über 80 Firmen wird bereits ermittelt, doch könnten mehrere hundert Unternehmen betroffen sein. Eine breit angelegte Studie an den Universitäten in Iowa und Indiana weist darauf hin, dass zwischen 1996 und 2005 rund 30 Prozent von 7800 untersuchten Firmen Optionen zurückdatierten und dass 13,6 Prozent dieser Anrechte manipuliert waren.

[...] Interessanterweise ist das Zurückdatieren selbst nicht strafbar – wenn es die Firma gegenüber den anderen Aktionären öffentlich bekannt macht. Dies ist aber wohl in der Regel unterblieben. So wird denn auch Brocades Ex-CEO Reyes nicht vorgeworfen, eigene Optionen manipuliert und sich so bereichert zu haben. Profitiert von dem Verfahren hätten neu eingestellte Mitarbeiter, denen die werthaltigeren Optionen zum Unternehmenseintritt angeboten wurden. Jensen kontrollierte angeblich das System der Optionsausübung; Canova wird beschuldigt, dem Treiben von Reyes und Jensen kein Ende gesetzt zu haben. Reyes und Jensen drohen bis zu 20 Jahre Haft und Geldstrafen in Höhe von maximal fünf Millionen US-Dollar.

Wie es aussieht, will die SEC mit den Ex-Brocade-Managern ein Exempel statuieren. Ermittlungen räumen indes immer mehr Hightech-Unternehmen ein, darunter Verisign, Cnet Networks, Foundry Networks, Applied Micro Circuits, Cyberonics, M-Systems und Progress Software. Selbst Apple Computer gab an, dass man bei einer hausinternen Untersuchung „Unregelmäßigkeiten“ entdeckt habe – eine davon betreffe sogar den jetzigen Chef Steve Jobs. (speicherguide.de/cvi)


Aus: "Will die SEC bei Brocade ein Exempel statuieren?" (25.07.2006)
Quelle: http://www.tecchannel.de/news/themen/business/444204/

« Last Edit: Dezember 16, 2008, 10:29:00 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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[Das „Confesercenti“-Papier... ]
« Reply #8 on: Juli 26, 2006, 10:10:14 vorm. »
Quote
[...]  Der Umsatz, den das Organisierte Verbrechen durch Erpressung von Unternehmen und Kaufleuten generiert, beträgt 77,8 Mrd. Euro und ist damit so hoch wie jener eines Großunternehmens.

[...] In einigen Regionen Süditaliens wie Sizilien und Kalabrien zahlen fast 80 Prozent der Kaufleute Schutzgeld, geht aus dem „Confesercenti“-Papier hervor. Auf Sizilien seien es 50.000 Kaufleute. „In einigen Regionen zahlen nur jene Unternehmen, die direkt im Besitz der Mafia stehen, kein Schutzgeld“, hieß es im Dossier.

Zu den Branchen, in denen die Mafia besonders aktiv sind, zählen laut „Confersercenti“ die Freizeitindustrie, die Gastronomie, Supermärkte, Autosalons und die Modebranche. Auch im Immobilienbereich ist das Organisierte Verbrechen besonders aktiv. „Die Mafia ist bereits in die Finanzkreisen von halb Europa eingedrungen“, warnte der Bericht.


Aus: "Mafia: Druck auf Italiens Wirtschaft" (vienna.at; 24. Juli 2006)
Quelle: http://www.vienna.at/engine.aspx/page/vienna-article-detail-page/cn/vol-news-jsteiner-20060724-034415/dc/tp:vol:news-welt

« Last Edit: Dezember 16, 2008, 10:29:16 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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[Anonyme Spenden... ]
« Reply #9 on: Juli 27, 2006, 10:31:46 vorm. »
Quote
[...] Die SPD Wuppertal habe im Jahr 1999 anonyme Spenden in Höhe von einer halben Million Mark (256 000 Euro) angenommen, urteilte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. „Erst nachträglich in Erscheinung tretende Spender erkennt das Gesetz nicht an“, hieß es in der Entscheidung. Es müsse für die Parteimitglieder und für die interessierte Öffentlichkeit klar sein, wer durch namhafte Spenden gegebenenfalls auf die Willensbildung und die Entscheidungen einer Partei Einfluss nehmen könne.

Hintergrund des Rechtsstreits waren Spenden eines Bauunternehmers, der den Wahlkampf des damaligen Wuppertaler Oberbürgermeisters Hans Kremendahl (SPD) unterstützen wollte. Da der Geschäftsmann nicht selbst als Spender der gesamten Summe in Erscheinung treten wollte, nannte er nachträglich mehrere Privatpersonen als weitere Geber. Die Bundes-SPD übernahm zwei der Personen in ihren Rechenschaftsbericht für 1999, der Grundlage für die staatliche Parteienfinanzierung im Jahr 2000 war. Tatsächlich hatten beide Personen jedoch nicht gespendet.


Aus: "770 000 Euro Strafe für die SPD" (focus.msn.de; 26.07.06)
Quelle: http://focus.msn.de/politik/deutschland/parteispendenaffaere_nid_32598.html

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[Sonderkonditionen... ]
« Reply #10 on: Juli 27, 2006, 10:39:36 vorm. »
Quote
[...] Vor der letzten Unterhauswahl im Mai 2005 hatte sich die Labour Party von reichen Unternehmern Vorzugskredite in Höhe von umgerechnet rund 20 Millionen Euro gewähren lassen. Während Spenden binnen Jahresfrist deklariert werden müssen, konnten solche so genannten Kredite bisher geheim bleiben. Mindestens vier der Spender hatte der wiedergewählte Premier dann für einen Sitz im Oberhaus vorgeschlagen, was die zuständige Berufungskommission ablehnte. Blairs Beteuerung, das eine habe mit dem anderen „nichts zu tun“, klang wenig überzeugend. Dass im Gegenteil die Geldgeber mit Gegenleistungen rechnen dürfen, hielt MacNeils Parteichef Alex Salmond dem angeschlagenen Premierminister im Parlament vor: „80 Prozent der gesamten Spenden an Labour kamen von Leuten, die anschließend Orden, Ritterschlag oder Lord-Titel erhielten.“

[...] Schon gilt die Labour-Regierung in der Bevölkerung als ebenso „schmierig“ wie die letzte Tory-Administration des glücklosen John Major. Dabei wollte Blair 1997 „weißer als weiß” auftreten, um der Parteiverdrossenheit entgegenzuwirken. Immerhin hat die Regierung seit 1997 gegen den Widerstand der Torys das Spendensystem transparenter gemacht, beispielsweise auch dafür gesorgt, dass Spenden von Ausländern verboten wurden. Kredite zu Sonderkonditionen aber kamen in den einschlägigen Vorschriften nicht vor.

Inzwischen verstärken neue Details den Eindruck, dass in der Downing Street Schattengeschäfte zur Regel geworden sind. „Nicht zum ersten Mal“, seufzt der Labour-Abgeordnete Tony Wright, „bedarf es erst eines Skandals, bevor eine Reform zustande kommt.“ Als Vorsitzender des Parlamentsausschusses für die öffentliche Verwaltung hat Wright bisher der Polizeiuntersuchung den Vortritt gelassen. Das ist für Labour und Premier Blair einstweilen wahrscheinlich besser so. Schließlich gilt in der Politik die Unschuldsvermutung des Strafrechts nur in Ausnahmefällen – und ganz gewiss nicht, wenn es um Geld geht.


Aus: "Orden für die Gönner" Von SEBASTIAN BORGER, LONDON (Rheinischer Merkur Nr. 30, 27.07.2006)
Quelle: http://www.merkur.de/2006_30_Orden_fuer_die_G.14195.0.html?&no_cache=1

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[Rechnungen von Drittfirmen... ]
« Reply #11 on: Juli 31, 2006, 07:36:15 nachm. »
Quote
[...] Erneut muß sich ein Mitarbeiter des DaimlerChrysler-Konzerns wegen Korruption in Millionenhöhe verantworten. Es werde geprüft, ob sich der Mann Geld erschlichen habe, indem er sich Rechnungen von Drittfirmen ausstellen ließ, für die es keine Leistungen gab, bestätigte eine Sprecherin der Stuttgarter Staatsanwaltschaft.


Aus: "Früherer Daimler-Angestellter soll Millionen veruntreut haben" (welt.de; 31. Juli 2006)
Quelle: http://www.welt.de/data/2006/07/31/979793.html
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[Im Lenkungsbauausschuss... ]
« Reply #12 on: August 09, 2006, 07:46:58 nachm. »
Quote
[...] Wildmoser war bei der Vergabe des Bauauftrags für die Arena als Verantwortlicher des Fußballvereins 1860 München auch Geschäftsführer der Stadiongesellschaft und Mitglied eines Lenkungsbauausschusses. Für diese Funktionen erhielt er zwar ein Jahresgehalt von rund 400.000 Euro. Gleichwohl hatte er während des Bauvergabeverfahrens über einen Mitarbeiter Kontakt zu der Firma Alpine Bau aufgenommen und ihr gegen Zahlungen in Höhe von 2,8 Millionen Euro Insiderinformationen zugeschanzt.


Aus: "Allianz Arena: Vier Jahre Haft für Wildmoser" Karl-Heinz Wildmoser junior muss wegen der Schmiergeldaffäre um den Bau der Münchener "Allianz-Arena" ins Gefängnis. Laut Staatsanwaltschaft bleiben ihm noch maximal zwei Monate in Freiheit, bevor er seine Haftstrafe absitzen muss (ZEIT online, Tagesspiegel | 09.08.2006 18:05)
Quelle: http://www.zeit.de/news/artikel/2006/08/09/70270.xml?page=1
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[Geschenkgutscheine... ]
« Reply #13 on: August 13, 2006, 10:06:53 nachm. »
Quote
[...] Washington - Der ehemalige Vize-Präsident der US-Supermarktkette Wal-Mart, Thomas Coughlin, ist wegen Veruntreuung und Steuerhinterziehung zu einem 27-monatigen Hausarrest verurteilt worden.

Wie das "Wall Street Journal" am Freitag (Ortszeit) auf seiner Website berichtete, gestand Coughlin vor Gericht, mittels gefälschter Rechnungen und Missbrauch von Geschenkgutscheinen Firmengelder in Höhe von 500.000 Dollar (rund 392.000 Euro) in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben.

[...] Coughlin, ein langjähriger Vertrauter des verstorbenen Wal-Mart-Gründers Sam Walton, hatte das Unternehmen nach den Anschuldigungen vor mehr als einem Jahr verlassen. Er gab seinerzeit an, die Gelder unter anderem für ein betriebsinternes Vorgehen gegen Gewerkschafter eingesetzt zu haben.

Wal-Mart wies dies zurück, auch das Gericht fand keine Belege für eine solche Aktion. Laut "Wall Street Journal" hat das Unternehmen nun ein zivilrechtliches Verfahren angestrengt, um ein mit Coughlin vereinbartes Rentenpaket in Höhe von zehn Millionen Dollar zu streichen


Aus:"WAL-MART - Habgieriger Manager verurteilt" (manager-magazin.de; 13.08.2006)
Quelle: http://www.manager-magazin.de/koepfe/artikel/0,2828,431468,00.html

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[Ein Sonderkonto und Platzhaltergeschäfte]
« Reply #14 on: August 17, 2006, 12:16:22 nachm. »
Quote
[...] Das Sonderkonto wurde bei der Post-Privatisierung 1995 von der Bundesanstalt für Post und Telekommunikation eingerichtet. Darüber liefen diverse „Platzhaltergeschäfte“, deren Erträge aber nicht im Bundeshaushalt ausgewiesen wurden, schreiben die Rechnungsprüfer.

So seien von dem Konto rund 550 Millionen Euro als Darlehen an die KfW-Bank geflossen. Das Ministerium habe mehrere Zusagen gebrochen, das Konto aufzulösen.

Es setze diese „Umgehung des Bundeshaushalts und dessen parlamentarischer Kontrolle“ bis heute fort, obwohl 2005 die gesetzliche Grundlage weggefallen sei. Bei der jüngsten Kontrolle fiel auf, dass in diesem Jahr immer noch rund 42 Millionen Euro auf dem Konto parken.


Aus: "Millionensummen verschoben - Rechnungshof deckt Schattenhaushalt des Finanzministers auf" (Stefan Reker; 16.08.06)
Quelle: http://www.rp-online.de/public/article/nachrichten/politik/deutschland/347589


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[vorsätzlich]
« Reply #15 on: August 19, 2006, 01:22:36 nachm. »
Quote
[...] Heros heißt jetzt SecurLog - der alte Name galt als "verbrannt", doch das Firmen-Konglomerat existiert großenteils weiter. Nur zwei Monate nach der Großrazzia, nach der Heros Insolvenz anmelden musste, präsentierte Insolvenzverwalter Manuel Sack im April einen Käufer für das schwer angeschlagene Unternehmen: den New Yorker Finanzinvestor Matlin Patterson.

Insgesamt entstand durch die kriminellen Machenschaften, so der Insolvenzverwalter, ein Verlust von 540 Millionen Euro. Demgegenüber stehen 140 Millionen, die nach der Pleite auf Heros-Konten bei der Bundesbank eingefroren wurden. Allein 230 Millionen Euro an Kundengeld verwendeten die Heros-Manager demnach in den vergangenen vier Jahren zur Aufrechterhaltung des Betriebs. Die Dumpingpreise, mit denen der Geldtransporteur Konkurrenten ausstach, reichten bei Weitem nicht, um die Betriebskosten zu decken. Der Verbleib von 95 Millionen Euro ist unklar - floss das Geld in die Taschen der Bosse?

1600 der zuletzt etwa 4600 Mitarbeiter des einst größten deutschen Geldtransport-Unternehmens hat die Raffgier ihrer Führungsriege wahrscheinlich den Job gekostet. Sie sollen zumindest in einer Beschäftigungsgesellschaft übernommen werden. Von den insgesamt 62 Standorten soll etwa die Hälfte geschlossen werden, darunter auch Teile des Standorts Hamburg.

Die um Millionen geprellten Kunden des Geldtransport-Unternehmens werden wohl auf ihrem Schaden sitzen bleiben: Das Landgericht Hannover, so der "Spiegel", urteilte jüngst, dass der Transportversicherer von Heros, die "Mannheimer", nicht für die unterschlagenen 300 Millionen Euro aufkommen muss - wenn die Konzern-Spitze das Geld vorsätzlich veruntreut hat.


Aus:"Jeder Dritte verliert seinen Job in der Geldtransport-Firma" (19. August 2006)
Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2006/08/19/600057.html


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[Zunächst in bar und später über eine Scheinfirma...]
« Reply #16 on: August 27, 2006, 03:46:02 nachm. »
Quote
[...] Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft inzwischen gegen sieben ehemalige Mitarbeiter der IKEA-Bauabteilung sowie gegen 44 Mitarbeiter von Bau- und Handwerksfirmen. Sie stünden im Verdacht der Bestechlichkeit beziehungsweise der Bestechung und des Betrugs, berichtet das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf eine Sprecherin der Behörde.

Den Angaben zufolge soll allein der Hauptbeschuldigte seit Mitte der 80er Jahre zunächst in bar und später über eine Scheinfirma Schmiergelder in Millionenhöhe eingesteckt haben, unter anderem von einer Düsseldorfer Projektfirma und einem bayerischen Baukonzern. Sein Vermögen, das in Liechtenstein und der Schweiz lagere, habe der 56-Jährige laut einem internen Vermerk der Staatsanwaltschaft auf 2,8 Millionen Euro beziffert, heißt es in dem Bericht weiter. Der frühere Bauleiter aus der IKEA-Zentrale in Wallau (Main-Taunus-Kreis) hatte sich im September vorigen Jahres in seiner Zelle erhängt.



Aus: "IKEA-Korruptionsaffäre - Schmiergelder in Millionenhöhe?" (26.08.2006)
Quelle: http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/index.jsp?rubrik=15662&key=standard_document_25354830


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[Kopfzerbrechen]
« Reply #17 on: August 27, 2006, 03:53:00 nachm. »
Quote
[...] Der Anstieg der Wirtschaftskriminalität bereitet den Ermittlern in Schleswig-Holstein Kopfzerbrechen. Nach Aussage von Generalstaatsanwalt Erhard Rex hat sich die Zahl der Fälle in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Er kritisierte, dass derartige Delikte oftmals eher milde bestraft würden. Zudem seien Fälle von betrügerischem Immobilien- und Kapitalanlagebetrug oftmals komplizierter und umfassender als noch vor Jahren. Die im Land auf solche Fälle spezialisierten 29 Staatsanwälte in Kiel und Lübeck hätten im vergangenen Jahr 4.757 Fälle bearbeitet. 1995 waren es noch 1.850.

Nach Aussage von Rex stößt es auch bei Experten auf Unverständnis, dass Wirtschaftsstraftäter zuweilen sehr günstig vor Gericht davon kommen. So habe auch der Bundesgerichtshof gerügt, dass ein Betrüger, der einen Schaden von 1,5 Millionen Euro angerichtet habe, nur zu 240 Tagessätzen verurteilt worden sei. "So etwas halte ich für nicht erträglich; das destabilisiert unser Rechtssystem", sagte Rex. "Beim Bürger kommt nämlich die Botschaft an: Die Kleinen hängt man und die Großen lässt man laufen."




Aus: "Schleswig-Holstein - Generalstaatsanwalt sieht dramatische Tendenz bei Wirtschaftskriminalität" (26.08.2006)
Quelle: http://www1.ndr.de/ndr_pages_std/0,2570,OID3017018,00.html


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[...aufgrund von Zufällen]
« Reply #18 on: August 28, 2006, 10:14:24 vorm. »
Quote
[...] Berlin - Die jüngsten Korruptionsskandale bei Media Markt/Saturn oder Karstadt Sport sind nach Meinung von Fachleuten keine Einzelfälle. „Das ist im Einzelhandel verbreitet“, sagte die Berliner Korruptionsexpertin Birgit Galley dem Tagesspiegel.

[...] Die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, sie sei einer größeren Korruptionsaffäre bei deutschen Elektronikhändlern auf der Spur. Vertriebsmitarbeiter des Philips-Konzerns sollen im großen Stil Einkäufer verschiedener deutscher Elektronikmärkte, darunter Media Markt/Saturn, bestochen haben. Gegen mehr als 100 Personen wird ermittelt. Bei Karstadt Sport sollen vier inzwischen entlassene Abteilungsleiter mit Lieferanten überhöhte Preise abgesprochen und Bestechungsgeschenke gefordert haben.

„Große Kunden erwarten, dass Einkäufer Verhandlungsspielräume nutzen und individuelle Absprachen treffen“, sagt Birgit Galley. Was wird wo in den Regalen platziert? Welche Produkte und Marken kommen in die Werbung? Wenn über Mengen und Preise und die so genannten „listing-fees“ (Regalgebühr) im Einzelhandel gesprochen werde, seien die Grenzen zwischen Annehmlichkeiten und Bestechung häufig fließend. „Viele Vertriebsleiter sind mit allen Wassern gewaschen“, weiß Waldemar Baier, Leiter der Konzernrevision bei Rewe.

Da die Hersteller es mit mächtigen Großkunden wie Media Markt oder Karstadt zu tun haben und selten Spielraum bei ihren Preisen sehen, werden eben andere Argumente bemüht: Reisen, Uhren, Tankgutscheine. „Da zahlt mancher Anbieter gerne das Doppelte für einen Auftrag und lässt den Einkäufer daran teilhaben“, sagt Birgit Galley. „Kickback“-Zahlungen nennt man so etwas. Das Nachsehen haben die Kunden: „Bestechungsgelder werden immer auf den Preis aufgeschlagen“, sagt die Korruptionsexpertin.

Aufgedeckt wird Bestechung meist aufgrund von Zufällen. „Entweder die Beteiligten streiten sich ums Geld – oder um die Frauen“, sagt Waldemar Baier von Rewe.


Aus: "Korruptionsfälle erschüttern den Einzelhandel: Philips schmierte Mitarbeiter von Media Markt/Saturn – doch offenbar sind solche Praktiken auch in anderen Firmen verbreitet" von Von Henrik Mortsiefer (28.08.2006)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/archiv/28.08.2006/2736513.asp


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[...unrechtmäßige Spenden]
« Reply #19 on: September 11, 2006, 11:23:56 vorm. »
Quote
[...] Die Parteien der großen Koalition sowie die FDP wollen einem Bericht zufolge das Parteiengesetz ändern, um Strafen bei unrechtmäßigen Spenden zu entgehen.
 
Wie das Magazin "Focus" am Sonntag vorab berichtete, einigten sich die Schatzmeister von CDU, CSU, SPD und FDP darauf, dass Parteien künftig straffrei bleiben sollen, wenn sie Fehler selbst entdecken und beim Bundestagspräsidenten anzeigen. Dies solle für unrechtmäßige Spenden sowie fehlerhafte Rechenschaftsberichte gelten, heißt es in dem Bericht weiter.
 
Nach der Neuregelung müsste die betroffene Partei demzufolge nur noch die unrechtmäßige Spende abführen, nicht aber den doppelten oder dreifachen Betrag als Strafe. Fälle bis 10.000 Euro sollten die Parteien nicht mehr sofort melden müssen. Nach Auffassung der Schatzmeister reiche eine Korrektur im nächsten Rechenschaftsbericht aus, schreibt das am Montag erscheinende Magazin weiter.


Aus: "Parteien wollen Gesetz ändern - Keine Strafen für Schwarzgeld" (10. September 2006)
Quelle: http://www.n-tv.de/708745.html

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[Die Abläufe in der Bankenaufsicht]
« Reply #20 on: September 12, 2006, 10:03:29 vorm. »
Quote
[...]  Schon im Frühjahr war ein Fall millionenschwerer Selbstbedienung in der IT-Abteilung aufgeflogen. Der durch einen leitenden Beamten im IT-Bereich verursachte Schaden beläuft sich laut Staatsanwaltschaft mittlerweile auf mehr als 4 Millionen Euro. Nun stehen laut Staatsanwaltschaft in Bonn weitere BaFin-Mitarbeiter unter Verdacht. Wie der "Spiegel" berichtet, gab es Durchsuchungen in Wohnungen und Büros von fünf BaFin-Mitarbeitern. Einer von ihnen steht dem Magazin zufolge unter dem Verdacht, für seine Töchter und die Ehepartner anderer Mitarbeiter Planstellen geschaffen und ihnen die Fragen der Bewerbungsgespräche vorab zugesteckt zu haben. In anderen Fällen lauteten die Vorwürfe auf Untreue, Vorteilsnahme sowie Beihilfe zur Bestechlichkeit.

Im Auftrag des Finanzministeriums haben Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) die Abläufe in der BaFin untersucht. In einem Gutachten bescheinigen sie nach Angaben des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ der Führung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) mangelnde Kontrollen im eigenen Haus.


Aus: "Bankenaufsicht - Rückhalt für BaFin-Chef schwindet: Deutschlands oberster Bankenaufseher Jochen Sanio gerät zunehmend unter Druck. Ein Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass die Führung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu spät reagiert hat" (11.09.2006)
Quelle: http://www.welt.de/data/2006/09/11/1031486.html


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[Systematische Steuerhinterziehungen]
« Reply #21 on: September 13, 2006, 10:28:38 vorm. »
Quote
[...] Die DaimlerChrysler AG, Stuttgart, gerät in der Affäre um Schmiergeldzahlungen, Steuerhinterziehung und schwarze Konten immer weiter unter Druck. "Die ermittelnden US-Behörden verlangen, dass jemand auf Vorstandsebene die Verantwortung übernimmt", sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Dienstag zu Dow Jones Newswires. Dies könne auch ein Ex-Vorstand sein, da die Verfehlungen bis in die Anfänge der 90er Jahre zurückreichten.

Das US-Justizministerium und die US-Börsenaufsicht SEC ermitteln bereits seit über zwei Jahren gegen den Automobilhersteller. Dabei wurden zahlreiche schwarze Konten entdeckt, die seit Jahren für Bestechungszahlungen in Afrika, Asien und Osteuropa genutzt worden waren. Zusätzlich deckten die Ermittler systematische Steuerhinterziehungen bei Auslandsmitarbeitern in Millionenhöhe auf. DaimlerChrysler hat die Vorwürfe bereits eingeräumt und rückwirkend die eigenen Bilanzen korrigiert.


Aus: "SEC fordert von Daimler Konsequenzen" (de.biz.yahoo.com; 12. September 2006)
Quelle: http://de.biz.yahoo.com/12092006/341/sec-fordert-daimler-konsequenzen-steueraffaere-kreise.html

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[Ein ganz beliebter Waschsalon]
« Reply #22 on: Oktober 11, 2006, 01:17:08 nachm. »
Quote
[...] «Die Türkei ist offensichtlich ein ganz beliebter Waschsalon», sagte er: «Wir wissen das aus dem Bereich der Banken.» Nach Erkenntnissen der Deutschen Bundesbank habe es erhebliche Kapitalverlagerungen ins Ausland gegeben, insbesondere seit der Einführung der Zinsabschlagsteuer. «Man spricht davon, dass in die Türkei und nach Ex-Jugoslawien insgesamt etwa 40 Milliarden Euro geflossen sind», sagte Kilmer.


Aus: "Türkei «offenes Tor» für deutsches Schwarzgeld" (Dienstag 10. Oktober 2006)
Quelle: http://de.news.yahoo.com/10102006/12/tuerkei-offenes-tor-deutsches-schwarzgeld.html

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[steuerschonend geprüft]
« Reply #23 on: Oktober 16, 2006, 11:36:36 vorm. »
Quote
[...] Innsbruck (APA/syr). Eigentlich sollten sie österreichische Steuersünder jagen, ab heute, Montag, müssen sie sich aber selber wegen Steuervergehen vor Gericht verantworten: Zehn Betriebsprüfern des Finanzamts Innsbruck sowie einem ehemaligen Mitarbeiter einer Steuerberatungsfirma wird Beitrag zur vorsätzlichen Abgabenhinterziehung und Missbrauch der Amtsgewalt vorgeworfen.

Sollten sie schuldig gesprochen werden, drohen ihnen bis zu zehn Jahre Haft. Beobachter halten es für möglich, dass das Finanzstrafverfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden wird.

Die derzeit vom Dienst suspendierten Finanzbeamten sollen jahrelang etliche Unternehmen "steuerschonend" geprüft haben. Der entstandene Schaden wird von der Anklage mit 20 Millionen Euro beziffert.

16 Unternehmer, die wegen vorsätzlicher Abgabenhinterziehung mitangeklagt sind, wurden aus dem Prozess ausgeschieden. Gegen sie wird zu einem anderen, noch unbekannten Zeitpunkt verhandelt. Die Dauer des Strafprozesses, in dem alleine die Staatsanwaltschaft 100 Zeugen beantragt hat, ist noch nicht absehbar.


Aus: "Tirol: Zehn Finanzbeamte vor dem Richter" (Die Presse) 16.10.2006
Quelle: http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=c&ressort=w&id=592613


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[„Minen“ und der Zugang zu Spendenlisten]
« Reply #24 on: Oktober 31, 2006, 12:26:29 nachm. »
Quote
[...] Trotzdem ist die Sorge groß, dass sich die Affäre ausweitet und „weitere Minen hochgehen“, so ein Spitzenpolitiker. Zugang zu Spendenlisten und Finanzunterlagen hatten nur Schönbohm, der Landesschatzmeister sowie Petke und Nelte, heißt es. Letztere waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Dass interne Finanzunterlagen und Papiere zur Spendenpraxis der Partei abhanden gekommen oder kopiert worden sind, hat die Union inzwischen aber offiziell bestätigt. „Das Zimmer des Landesgeschäftsführers ist praktisch leer“, so ein CDU-Politiker. In der Parteispitze geht man davon aus, dass Petke auch die Mitglieder- und Delegierten-Datei aus dem Computer kopiert hat. Einige der 200 Delegierten, die über die Schönbohm-Nachfolge zu befinden, fanden in ihrer privaten Post jüngst eine Geburtstagskarte des Ex-Generalsekretärs.


Aus: "In der CDU wächst die Sorge vor weiteren „Minen“ - Spendenaffäre könnte die Suche nach neuem Parteivorsitzenden beeinflussen / Landeschef Jörg Schönbohm kündigt Strafanzeige an" Von Thorsten Metzner (30.10.2006)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/brandenburg/archiv/30.10.2006/2866640.asp


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[transportiert, überwiesen, konvertiert (money laundering)]
« Reply #25 on: Oktober 31, 2006, 12:33:07 nachm. »
Quote
[...] Schneider: In den vergangenen zahn Jahren hat sich das Geldwäschevolumen ungefähr verdoppelt. Weltweit betrug das Geldwäschevolumen aus Drogengeschäften im vergangenen Jahr 1039 Milliarden Dollar, das gesamte Geldwäschevolumen lag bei 1500 Milliarden Dollar. Das sind 3 bis 5 Prozent des Welt-Bruttoinlandsprodukts (BIP). Solange der globale Drogen- und Waffenhandel weiter floriert, ist mit einem Rückgang nicht zu rechnen. In Deutschland belief sich das Geldwäschevolumen auf sieben Milliarden Euro.

mm.de: Wie kommen Sie auf diese Zahlen?

Schneider: Bei diesen Zahlen handelt es sich natürlich um Schätzungen. Hier gibt es verschiedene Methoden, diese aufzustellen. Recht häufig wird der Umfang der Geldwäsche über die Erlöse aus dem Drogenhandel geschätzt, denn die organisierte Kriminalität erzielt knapp 40 Prozent ihres Umsatzes aus Suchtgift. Da man über die Zahl der Drogenabhängigen ziemlich genau Bescheid weiß und deren Konsum gut kalkulieren kann, lassen sich auch recht detaillierte Angaben über die Erlöse aus diesem Bereich machen.

mm.de: Was genau bedeutet Geldwäsche?

Schneider: Geldwäsche ist der Prozess, durch den Erlöse, die aus kriminellen Tätigkeiten stammen, transportiert, überwiesen, konvertiert oder mit legalen Geschäften vermischt werden. Das geschieht in der Absicht, die wahre Herkunft, die Beschaffenheit, das Eigentum an solchen Erlösen zu verschleiern oder zu verheimlichen.

mm.de: Woher stammt der Begriff?

Schneider: Der Begriff Geldwäsche stammt aus den Vereinigten Staaten der 1920er und 1930er Jahre, als die ersten Waschsalons ihren Betrieb aufnahmen. Kriminelle Gruppen investierten ihre Bargeldeinkünfte aus Verbrechen in diese "laundromats", weil deren Umsätze kaum zu kontrollieren waren. Sie gaben dem Staat überhöhte Gewinne an und mussten dann nur noch die Waschmaschinen im leeren Zustand laufen lassen, um den Strom- und Wasserverbrauch dem Gewinn anzupassen. Dieses "money laundering" wurde später wörtlich als Geldwäsche übersetzt.


Aus: "GELDWÄSCHE: "Al Qaida braucht 50 Millionen Dollar jährlich"" Von Martin Hintze (30.10.2006)
Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,443568,00.html


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[Macht und andererseits Verantwortung]
« Reply #26 on: November 06, 2006, 11:55:57 vorm. »
Quote
[...] "Wir haben in Deutschland eine immer größere Verteilung von immer mehr vermögenden Menschen und immer mehr armen Menschen. Das Mittelfeld löst sich auf. Ich finde diese Entwicklung sehr dramatisch, obwohl ich auf der Gewinnerseite bin", erklärt sie. Die ungerechte Verteilung erlebt sie hautnah. Ihr Mann ist Landwirt und arbeitet sehr hart, um sein Geld zu verdienen, während sie durch Zinserträge mehr verdient, als ein normaler Mensch es in seinem Leben üblicherweise kann.

"Die Probleme hätte ich gerne", hört Auwärter-Brodbeck oft. "Es ist ein ungutes Gefühl, wenn man spürt, dass jemand einen unmittelbaren Mangel erlebt und derjenige aber weiß, dass ich die finanziellen Mittel habe, um diesen Mangel aufzulösen. Das ist keine einfache Situation", erzählt sie. In der Öffentlichkeit spricht sie nicht über ihren Reichtum, weil sie nicht auf Geld reduziert werden möchte. Sie möchte wahrgenommen werden als Mensch, als Person, als Mutter, als das, was sie kann und ist und nicht als reich.

Doch bedeutet Geld auch oft Macht. Und welche Macht hat Geld für Auwärter-Brodbeck? "Ich bin diejenige, die darüber entscheidet, spende ich mein Geld jetzt lieber Unicef oder Greenpeace oder schenke ich es meinen Nachbarn, damit er sein krankes Kind gut versorgen kann? Das ist einerseits Macht und andererseits aber auch genau das Thema mit der Verantwortung", so Auwärter-Brodbeck.


Aus: "Die armen Reichen - Verein für reiche Erbinnen" (Sendung am 05.11.2006)
Quelle: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/4/0,1872,3977476,00.html


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« Reply #27 on: November 13, 2006, 10:53:13 vorm. »
Quote
[...] Sein Fünf-Millionenvolk hält er in eisernem Würgegriff. Die Menschen leben in Angst und Armut. In Turkmenbashis Reich gibt es keine unabhängige Berichterstattung, und die Menschenrechte werden mit Füßen getreten. Die Medien sind in staatlichem Besitz, das Fernsehen ist zum Regierungsinstrument mutiert. Im Hinblick auf die Pressefreiheit rangiert Turkmenistan auf der Liste der Organisation "Reporter ohne Grenzen" auf dem drittletzten Platz. Oppositionelle Journalisten werden drangsaliert oder verschwinden einfach. Unlängst starb die "Radio Free Europe/Radio Liberty"-Mitarbeiterin Ogulsapar Muradowa während der Haft. Das 58-jährige Gründungsmitglied der nichtstaatlichen Menschenrechtsorganisation "Turkmenistan Helsinki Foundation" (THF) hatte es gewagt, westlichen Journalisten bei ungenehmigten Filmaufnahmen zu helfen, die ttt in Ausschnitten erstmals im deutschen Fernsehen ausstrahlt. Daraufhin wurde die Journalistin verhaftet und der Planung eines Umsturzes beschuldigt. Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass Ogulsapar Muradowa zu Tode gefoltert wurde. "Turkmenistan ist eines der Länder mit den schwerwiegendsten Menschenrechtsverletzungen, vergleichbar nur noch mit Nordkorea oder Burma", bestätigt Marianne Heuwagen von Human Rights Watch. "Es gibt dort keine Meinungs-, keine Religions- und keine Pressefreiheit. Journalisten, die unabhängig berichten, landen entweder im Gefängnis oder in einer psychiatrischen Klinik oder werden ins Exil getrieben."

 
Doch weil der sich nach außen großherzig gerierende Staatschef auf schier unerschöpflichen Erdöl- und Erdgasvorkommen sitzt, sein Land zudem in einer geopolitisch wichtigen Region liegt, wird Turkmenbashi vom Westen hofiert und als Partner der neuen EU-Zentralasienstrategie von der Bundesregierung umworben. "Die Zentralasien-Initiative der Bundesregierung ist ganz auf die Energiepolitik ausgerichtet, auf die großen Gas- und Ölvorkommen in Turkmenistan. Da haben wir schon sehr den Verdacht, dass da die Menschenrechte hinten runterfallen", meint Marianne Heuwagen. Gerade war Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Rahmen seiner Reise durch die zentralasiatischen Republiken zu Gast in Aschgabad.

Dabei unterhält der Operettenfürst Nijasow zu Deutschland ohnehin bereits beste Beziehungen: Die Deutsche Bank verwaltet das Vermögen seiner Präsidentenstiftung, Siemens modernisierte seinen TV-Sender, und Daimler Chrysler ließ als Dank für ein lukratives Geschäft die Diktatorenbibel "Ruhnama" ins Deutsche übersetzen.

Der im Exil lebende Abdu Kuliev und Ex-Außenminister von Turkmenistan macht keinen Hehl daraus, was er von solchen Kooperationen hält: "Es ist natürlich unmoralisch einen Mann wie Nijasow zu unterstützen, der sein Volk quält. In Turkmenistan hungern die Menschen, sie sterben wegen der schlechten medizinischen Versorgung. Nur: Wer denkt über Moral nach, wenn es ums Geld geht?"

Auch im Hinblick auf die Funktion, die das "Ruhnama" in Nijasows System erfüllt, hat Kuliev eine klare Meinung: "Ziel des Buches ist es, nach dem Niedergang von Marxismus und Leninismus den Menschen eine neue, quasi-religiöse Ideologie zu präsentieren und sie damit zu indoktrinieren." Das Buch diene - flankiert von anderen Maßnahmen wie der Verkürzung der Schulzeit, der Schließung von Bibliotheken und Universitäten - schlichtweg der Volksverdummung. "Nijasow möchte das turkmenische Volk in eine Schafherde verwandeln, die nichts weiß und nichts versteht und abgeschnitten ist von der modernen Welt".

Tatsächlich ist das nationalistische Machwerk in Turkmenistan Pflichtlektüre. Der Tag, an dem es der selbsternannte Prophet Gottes auf Erden vollendete, ist inzwischen nationaler Feiertag. Nicht nur Anwärter des öffentlichen Dienstes müssen aus dem Inhalt rezitieren können. Auch wer den Führerschein machen möchte, kommt an ihm nicht vorbei. Bereits im Kindergarten wird es gepaukt, in Schulen und Universitäten ist das "Buch der Seele" zum Hauptgegenstand des Unterrichts geworden. Verse daraus ließ Nijasow neben denen des Korans in der vom ihm erbauten gigantischen Moschee von Kiptschak anbringen. Dem dortigen Mufti trug sein Protest 20 Jahre Haft ein.

Jetzt wurde das Werk in einem groß angelegten PR-Coup an 1.200 Bibliotheken der ganzen Welt verschickt. Die Universität Göttingen nahm vor wenigen Wochen ein Exemplar in einer feierlichen Prozession in Anwesenheit des turkmenischen Fernsehens entgegen. "Wir waren daran interessiert, weil wir hier ein Sonderprojekt zu den mittelasiatischen Staaten haben. Und wir haben es sehr erfreulich gefunden, dass wir damit die Beziehungen zu dem Land und zu der Botschaft intensivieren konnten", sagt Elmar Mittler, der ehemalige Leiter der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen. Eine solche Sicht ist für die Menschenrechtsaktivistin Marianne Heuwegen eher naiv: "Mittels des Ruhnama werden die Leute einer Gehirnwäsche unterzogen. Alle müssen es gelesen haben. Ein Arzt, der die Prüfungen machen will, muss nachweisen, dass er es kennt. Das ist ja absurd. Wenn man sich in Hollywood einen Diktator ausgedacht hätte, wäre man auf eine Figur wie Nijasow gekommen. Aber der existiert ja wirklich."


Aus: "Diktator, Dichter und Prophet: Wie Turkmenbashi vom Westen hofiert wird" Autoren: Marcus Bensmann und Joachim Gaertner (wdr.de; 12.11.2006)
Quelle: http://www.wdr.de/tv/kulturweltspiegel/20061112/4.html


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[...ein international weit verzweigtes Finanzsystem (Siemens)]
« Reply #28 on: November 17, 2006, 09:36:29 vorm. »
Quote
[...] Ermittlungsbehörden mehrerer Länder entdeckten ein geheimes, international weit verzweigtes Finanzsystem, das offenbar dazu diente, hohe Millionenbeträge in schwarze Kassen zu schleusen. Die Fahnder prüfen, ob es sich um Schmiergeld handelt.

In einer groß angelegten Razzia haben 200 Polizisten, Staatsanwälte und Steuerfahnder am Mittwoch die Siemens AG sowie Privatwohnungen von Managern und ehemaligen Mitarbeitern durchsucht. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue.

Oberstaatsanwaltschaft Anton Winkler erklärte, es bestehe der Verdacht, dass "einzelne Mitarbeiter Gelder veruntreut haben". Zunächste habe es noch keine Festnahmen gegeben, sagte Winkler. Die Anschuldigungen richten sich gegen neun derzeitige und frühere Beschäftigte.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ermitteln die Fahnder auch, ob der Konzern in großem Stil schwarze Kassen gebildet hat, um die dort deponierten Millionenbeträge im Ausland als Schmiergeld einzusetzen.

Untersucht wird beispielsweise die Zusammenarbeit mit hochrangigen Persönlichkeiten in Russland, die dort helfen sollten, Aufträge zu besorgen.

Siemens erklärte, man kooperiere mit den Ermittlungsbehörden. Zu den gegenwärtig laufenden Untersuchungen äußerte sich der Konzern am Mittwoch nicht.

Der Konzern kommt nach der umstrittenen Gehaltserhöhung für Vorstände und der Pleite der ehemaligen Handysparte unter dem neuen Eigentümer BenQ erneut in schwere Bedrängnis.

Ermittlungsbehörden in der Schweiz und Italien haben, wie die SZ erfuhr, in den vergangenen Monaten ein geheimes Finanzsystem entdeckt, über das die Kommunikationssparte (Com) von Siemens in diesem Jahrzehnt mindestens 20 bis 30 Millionen Euro auf verborgene Konten geschleust haben soll.

Aufgeflogen war dieses System, nachdem einzelne Banken die Behörden wegen des Verdachts der Geldwäsche eingeschaltet hatten. Dreh- und Angelpunkt zahlreicher Transaktionen war die Schweiz.

Die ausländischen Behörden schalteten die Münchner Staatsanwaltschaft ein, die am Mittwoch mit Hilfe des Landeskriminalamtes (LKA) zuschlug. Mehrere Manager und ehemalige Mitarbeiter von Siemens wurden im LKA vernommen, darunter auch eine frühere Führungskraft der Kommunikationssparte.

Dieser Ex-Manager agierte nach ersten Erkenntnissen zusammen mit weiteren Personen aus dem Konzern und dessen Umfeld als Treuhänder für Firmen und Konten, über die Millionenbeträge geschleust wurden. Die Transaktionen liefen beispielsweise über Firmen aus den USA oder den in der Karibik gelegenen Virgin Islands.

Diese Gesellschaften rechneten bei der Siemens-Kommunikationssparte hohe Beträge für teure Dienstleistungen ab, etwa Beratung oder Projektentwicklungen. Die Ermittler prüfen, ob es sich um Scheinrechnungen von Briefkastenfirmen handelt.

Nachdem hohe Millionenbeträge auf diese Weise aus Siemens herausgezogen worden waren und mit dem Konzern offiziell nicht mehr zugeordnet werden konnten, verfügten die Treuhänder über dieses Geld. Zu welchem Zweck das geschah, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Als gesichert gilt, dass der ehemalige Kommunikations-Manager und die weiteren Treuhänder nicht aus eigenen Antrieb, sondern auf Anweisungen aus dem Konzern handelten. Hochrangige Mitarbeiter von Siemens sollen in die Affäre verstrickt sein.

In einem Fall soll die Bundesanwaltschaft in der Schweiz einen hohen Millionenbetrag beschlagnahmt haben, der dort auf einem auffällig gewordenen Konto lagerte.

Dem Vernehmen nach handelt es sich um Mittel aus dem geheimen Finanzsystem, die Siemens in Griechenland einsetzen wollte. Angeblich fragte die Bundesanwaltschaft in der Schweiz vergeblich bei Siemens in München an, wofür diese Mittel genutzt werden sollten.

Das Ermittlungsverfahren rund um den Konzernbereich Kommunikation ist auch deshalb brisant, weil der heutige Konzernchef Klaus Kleinfeld von Anfang 2004 bis zum Sommer dieses Jahres für diese Sparte verantwortlich war. Derzeit löst Siemens die Com-Sparte auf und bringt große Teile des Geschäftsfeldes in ein Joint Venture mit Nokia ein, das Anfang nächsten Jahres starten soll.

Nokia wollte sich zunächst nicht zu den Vorgängen äußern. Nach Siemens-Richtlinien sind Schmiergeldzahlungen verboten. Dennoch waren in den vergangenen Jahren immer wieder Bestechungsvorwürfe laut geworden, zuletzt im Fall des italienischen Enel-Konzerns.


Aus: "Geheimes Finanzsystem bei Siemens: Aufgeflogen in der Schweiz"  Von Markus Balser und Klaus Ott (SZ vom 16.11.2006)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/759/91668/

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Quote
[...] Es besteht der Verdacht, dass Angestellte im großen Stil Siemens-Vermögen veruntreut hätten, unter anderem, um Bestechungsgelder an mögliche Auftraggeber zu zahlen. Der Transfer soll teilweise auch über Auslandskonten, unter anderem in der Schweiz, abgewickelt worden sein.


Aus: "Erste Festnahmen nach Razzia bei Siemens" (ftd.de, 16.11.2006)
Quelle: http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/132386.html



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Quote
[...] Ein Münchner Nachrichtenmagazin meldet vorab, am Montag mehr über die inzwischen gut dreistelligen Millionen verraten zu wollen, von der die Ermittlungsbehörden inzwischen ausgehen. In Österreich wurden 60 Millionen Euro eingefroren. Auf dem Konto eines Siemens-Managers in Griechenland wurden weitere 40 Millionen Euro gefunden. Die Jagd nach den global und mit Schwarzgeld-Methoden verschobenen Millionen wird die Summe also deutlich erhöhen, soweit das Geld noch auffindbar ist.
Siemens behauptet, jetzt erste Konsequenzen ziehen zu wollen. Man wolle die internen Kontrollsysteme auf Lücken überprüfen und ein Anwaltsbüro als Ombudsmann fungieren lassen, dem gewissensgeplagte Mitarbeiter gefahrlos beichten können. Das aber ist mehr als scheinheilig, denn wie ein Hamburger Nachrichtenmagazin ebenfalls vermeldet, am Montag melden zu wollen, wusste Siemens bereits seit fast einem Jahr von den Korruptionsvorwürfen, ohne etwas zu unternehmen. Dieses Versäumnis mussten daher über 270 Polizisten, Staatsanwälte und Steuerfahnder ausbügeln mit einer Razzia in der Siemens-Zentrale und 30 weiteren Siemens-Läden.
Die Süddeutsche Zeitung war auch näher dran und folgte der Spur des Geldes bis auf die karibischen Virgin Islands zu ominösen Handelsfirmen, bei deren Namenswahl wie etwa "Eagle Invest" die Siemens-Manager mal richtig viel Phantasie entwickelten. Zwischenstationen waren unter anderem amerikanische Beraterfirmen namens Weavind und Prom Export sowie eine österreichische Krhoma Handels GmbH. Von dort ging es vermutlich über Offshore-Firmen retour zu Schweizer Banken.
Im Mittelpunkt des undurchsichtigen Finanzsystems, das angeblich für Schmiergeldzahlungen in aller Welt eingerichtet wurde, stand ausgerechnet die Siemens-Sparte Com, die weltweit Datennetze aufbaut und ganze Staaten verkabelt. Sie gilt als "Konzern im Konzern" mit einem Jahresumsatz von 87 Milliarden Euro.
Auch der heutige Konzernchef Klaus Kleinfeld wird Fragen der Staatsanwälte zu beantworten haben. Er betreute bei Siemens 2004 das Kommunikationsgeschäft und war für die von den Ermittlungen betroffene Festnetzsparte zuständig.


Aus: "Siemens: Schmiergeld-Millionen jetzt schon dreistellig" von Bernd Kling (18 November 2006)
Quelle: http://de.theinquirer.net/2006/11/18/siemens_schmiergeldmillionen_j.html

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Quote
[...] In einem Anfang Oktober veröffentlichten Ranking der Schmiergeldzahler unter den 30 führenden Exportnationen landete Deutschland auf dem siebten Platz der "saubersten Nationen".

Damals lobte der Vorsitzende von TI Deutschland, Hansjörg Elshorst, die deutsche Ehrlichkeit noch: "Man muss nicht Weltmeister im Schmieren sein, um sich auf immer stärker umkämpften Märkten als Exportweltmeister zu halten." Dass es aber auch die deutschen Unternehmen mit der Aufrichtigkeit nicht immer ganz genau nehmen, zeigen die aktuellen Untersuchungen in den Siemens-Standorten exemplarisch.

Ein Überblick über die Skandale der letzten Jahre...

    * Siemens

    * Volkswagen

    * Porsche

    * BMW

    * DaimlerChrysler

    * Philips

    * Heros

    * Rewe


Aus: "Wie Deutschlands Konzerne schmieren" von Susanne Amann (ftd.de, 20.11.2006)
Quelle: http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/133501.html


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[...] Als 2002 die Gefahr bestanden habe, dass schwarze Kassen in Österreich enttarnt werden könnten, habe eine dieser beiden Führungskräfte intern mitgeteilt, man müsse sich ein anderes Modell überlegen.

[...] Kunert sagte [ ], man könne nicht ausschließen, dass so etwas auch bei anderen Unternehmen vorgekommen sei oder noch vorkomme. "Es ist zumindest befremdlich, dass jetzt nach VW mit Siemens der zweite große Dax Konzern in interne Korruptionsaffären verwickelt worden ist. Da stellt sich die Frage durchaus, inwiefern die internen Kontrollmechanismen der Unternehmen greifen, um so etwas früh zu erkennen"...


Aus: "SIEMENS-FINANZAFFÄRE: Auch Korruptionsjäger sollen verstrickt sein" (27. November 2006)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,450799,00.html

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Quote
[...] Laut "Spiegel" soll "eine verschworene Managertruppe" mindestens 200 Mio. Euro abgezweigt haben - Pierer und Kleinfeld wollen kompromisslos aufklären.
Der Korruptionsskandal bei Siemens war angeblich bis in die höchsten Kreise des Konzerns bekannt. Laut "Süddeutscher Zeitung" soll ein in U-Haft sitzender Beschuldigter ausgesagt haben, dass ein führendes Mitglied des Konzerns die Korruptionspraxis gekannt habe. Weder Siemens noch die Staatsanwaltschaft München I nahmen am Wochenende dazu Stellung. Unterdessen berichtete der "Spiegel", angeblich habe "eine verschworene Managertruppe mindestens 200 Mio. Euro aus der Kommunikationssparte des Konzerns abgezweigt".


Aus: "Konzern-Spitze bei Siemens soll von Korruption gewusst haben" (27. November 2006)
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=2675004

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Quote
[...] In den Skandal um Schmier– und Schwarzgelder beim Elektronikkonzern Siemens  soll auch die eigens für Korruptionsbekämpfung eingerichtete Abteilung Compliance verwickelt sein:
Mehr als 30 Beschäftigte der Abteilung sollen vom angeblichen Schwarzgeldsystem gewusst haben, berichtete die «Süddeutsche Zeitung». Das Blatt beruft sich auf Aussagen zweier in Untersuchungshaft sitzende langjährige Mitarbeiter, die demnach Schwarze Kassen in der Schweiz und Österreich betreuten. Die Gelder sollen vor allem über leitende Angestellte geflossen sein, die jeweils für bestimmte Regionen wie Naher Osten, Afrika oder Amerika zum Teil als Vertriebschef zuständige waren.

Einer der beiden Untersuchungshäftlinge soll laut «SZ» bei den Vernehmungen ausgesagt haben, zwei Führungskräfte der Abteilung Compliance seien nicht nur über die Existenz der Schwarzgeldkonten informiert gewesen. Sie hätten darüber hinaus auch versucht, die Vorgänge zu vertuschen. Die Abteilung Compliance hat die Aufgabe, Gesetzesverstöße zu verhindern oder zu bekämpfen und Ethikrichtlinien zu schaffen. Ähnliche Abteilungen existieren auch in anderen großen und mittelständischen Unternehmen.


Aus: "Bestechungen hießen bei Siemens Provisionen" (nz; 27.11.2006)
Quelle: http://www.netzeitung.de/wirtschaft/unternehmen/455511.html

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Quote
[...] Mit Sarkasmus kommentiert der Mitarbeiter den Verdacht, es handle sich um ein ganzes System schwarzer Kassen: "Wenn Siemens etwas macht, dann richtig und systematisch."

„Korruption gehört zum Geschäft“

Siemens ist mit 475.000 Mitarbeitern nahezu in der ganzen Welt tätig. Aufsichtsratsvorsitzender Heinrich von Pierer sagt stets mit Stolz, nur Coca-Cola sei in noch mehr Ländern präsent. Im vergangenen Geschäftsjahr, das am 30. September endete, erzielte der Konzern mehr als 80 Prozent des Umsatzes im Ausland. Seit langem sind die Wachstumsraten außerhalb Deutschlands viel höher: Zuletzt stieg der Auftragseingang im internationalen Geschäft um 18 Prozent, der Umsatz um 19 Prozent.

"Globalisierung ist Globalisierung und kennt keine Moral", schreibt Wigand Cramer von der IG Metall in einem Kommentar auf der Internetseite "Siemens Dialog" der Gewerkschaft. "Da bleiben die Hände nun mal nicht sauber." Den Medien wirft er Scheinheiligkeit vor: "Allgemeine Empörung über einen ganz normalen Vorgang." Das Ziel, doppelt so schnell zu wachsen wie die Weltwirtschaft, erreiche Siemens nur mit Geschäften in Schwellenländern wie China, Indien, Indonesien und Rußland - am besten mit Projekten industrieller Infrastruktur. "Jeder weiß, daß das sowohl geographisch als auch von den Zielkunden her die Bereiche sind, in denen Korruption nun mal zum Geschäft gehört."

Im Siemens-Management wird zumindest angedeutet, daß die Methoden, mit denen lokale Partner in manchen Ländern für den Konzern tätig seien, nicht hinterfragt würden. In der Sportartikelindustrie haben sich Hersteller längst verpflichtet, daß auch ihre Partner in Entwicklungsländern, zum Beispiel Auftragsfertiger, Sozialstandards einhalten. Ethikstandards für Geschäftspartner von Siemens gibt es dagegen offenbar nicht. "Da wird dann eine Rechnung an Siemens für Beratungsleistungen ausgestellt", berichtet ein ehemaliger Mitarbeiter. "Und jeder weiß, was dahintersteckt." Bis 1999 konnten deutsche Unternehmen solche Arten von Beratung sogar als "nützliche Aufwendungen" von der Steuer absetzen.

Für wenig glaubwürdig hält deshalb ein Mitarbeiter von Com die Reaktion seines spanischen Bereichschefs Eduardo Montes, der auch im Vorstand der Siemens AG sitzt. Montes habe seinen Mitarbeitern geschrieben, die Affäre und die Ermittlungen träfen ihn bis ins Mark. "Besser wäre von ihm gewesen, gar nichts dazu zu sagen."


Aus: "Wirtschaftskriminalität: „Globalisierung kennt keine Moral“" Von Joachim Herr (27. November 2006)
Quelle: http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~EEA1BA53CC1A4440883989374665B2788~ATpl~Ecommon~Scontent.html
« Last Edit: November 28, 2006, 11:32:16 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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[...zur Leuna-Affäre]
« Reply #29 on: November 21, 2006, 10:01:51 vorm. »
Leuna-Affäre:
http://de.wikipedia.org/wiki/Leuna-Aff%C3%A4re

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[...] BRÜSSEL Es war nur eine kleine Frage. Aber sie scheuchte gestern die EU-Kommission auf: Wird der größte Wirtschaftskrimi der Nachkriegsgeschichte, die Affäre um den Bau der Leuna-Raffinerie durch den damaligen Betreiber, den französischen Konzern Elf-Aquitaine, wieder aufgerollt? Morgens hieß es noch "Wir sehen keinen Anlass dafür." Am Nachmittag teilte eine Sprecherin von Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes mit: "Wir haben Informationen angefordert."

Im deutschen Nach-Wende-Jahr 1992 beginnt das, was sich später zur Affäre ausweiten sollte. Der französische Mineralölkonzern Elf-Aquitaine hatte angekündigt, 3,4 Milliarden Mark in den Bau einer neuen Raffinerie zu stecken. Dafür gab es Subventionen aus Brüssel – 550 Millionen Euro. Scharen von EU-Ermittlern und Staatsanwälten gingen später den Vorwürfen nach, es sei zu Subventionsbetrug gekommen. Doch als 2002 der damalige Wettbewerbskommissar Karel van Miert die Akten schloss, hieß es, Hinweise auf eine "missbräuchliche Verwendung von Beihilfen beim Bau der Raffinerie" habe es nicht gegeben. War der Satz falsch?

Journalisten der Zeitung "Die Zeit" haben den pensionierten van Miert jetzt mit neuen Unterlagen konfrontiert. "Wenn wir das damals gehabt hätten, wäre die Sache anders ausgegangen", sagt er heute. Denn die Recherchen besagen: Elf und der deutsche Thyssen-Konzern haben die überhöht angesetzten Baukosten indirekt über ihre Tochterfirmen Technip und Thyssen-Reinstahl kassiert. Diese beiden Firmen bildeten damals gemeinsam mit dem Anlagenbauer Lurgi das TLT-Konsortium, dass die Raffinerie im Süden Sachsen-Anhalts von 1994 bis 1998 errichtete. Die zitierten Dokumente belegen die Manipulation der Baukosten. Die französischen Elf-Manager hätten die Summen für die Errichtung um 350 Millionen Euro nach oben korrigiert, was zu einer völlig unüblichen Rendite "von bis zu 20 Prozent" geführt habe, so ein Augenzeuge. Der Knackpunkt: Damals wurden die Finanzübersichten des Konsortiums den Ermittlern vorenthalten. Nun liegen sie vor.


Aus: "Frisierte Renditen: Neue Erkenntnisse zur Leuna-Affäre: Rollt die EU den Fall wieder auf?" (21.11.2006)
Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/10821723/492531/
« Last Edit: Juli 02, 2007, 09:53:11 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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[..."ausgeprägtes Problembewusstsein"]
« Reply #30 on: November 27, 2006, 02:48:20 nachm. »
Quote
[...] Eine Einstellung des Verfahrens gegen Geldzahlung sei eine "juristische Unkultur, die gegen fundamentale Rechtsgrundsätze verstößt", sagte Naucke der FTD.

Die Staatsanwaltschaft vor dem Düsseldorfer Landgericht war am Freitag überraschend dem Antrag der Verteidiger gefolgt, den spektakulärsten Strafprozess der deutschen Wirtschaftsgeschichte gegen Zahlungen von insgesamt rund 5,8 Mio. Euro abzubrechen. Richter Stefan Drees hat nach Angaben von Prozessbeteiligten im Vorfeld bereits signalisiert, dass er dem Deal am Mittwoch zustimmen wird.

[...] Der Deal zwischen Staatsanwalt und Verteidigung beruht auf Paragraf 153a der Strafprozessordnung. Diese umstrittene Vorschrift ermöglicht die Einstellung eines Verfahrens gegen Auflagen, wenn das Ergebnis allen Beteiligten gerecht und auch das öffentliche Interesse nicht verletzt wird. Bereits der Untreueprozess gegen Ex-Kanzler Helmut Kohl wegen der CDU-Parteispendenaffäre war nach dieser Vorschrift eingestellt worden.

[...] Auch Oberstaatsanwalt Peter Lichtenberg bestritt, dass die Angeklagten sich "freikaufen". "Dies ist kein Handel mit der Gerechtigkeit", sagte er. Selbst bei einer Verurteilung hätten die Angeklagten höchstens eine Geld- oder Bewährungsstrafe erhalten. Zudem habe der Prozess bei Managern und Unternehmen ein "ausgeprägtes Problembewusstsein" hervorgerufen.


Aus: "Harsche Kritik am Mannesmann-Deal" von Matthias Ruch (Düsseldorf), Benno Stieber (Karlsruhe) und Doris Grass (Frankfurt); (Aus der FTD vom 27.11.2006)
Quelle: http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/135672.html

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[...] Nichts ist es also mit der strafrechtlichen Ächtung von Habgier und Machtmissbrauch. Und auch wer weiß, dass in Strafprozessen Moral und Ethik keinen Platz haben, schon gar nicht das berühmte gesunde Volksempfinden, wird staunen dürfen. So einfach und so schnell können die Vertreter des Gesetzes ihr Handtuch werfen, ohne auch nur ernsthaft zu versuchen, einen passenden Haken zu finden.

Zur Erinnerung: Es geht um angeblich zu Unrecht bewilligte und kassierte Prämien und Abfindungen von 57 Millionen Euro. Untreue nennen Juristen das respektive Beihilfe dazu. Geflossen ist das Geld im Frühjahr 2000, nach der Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch den britischen Konkurrenten Vodafone. Angeklagt sind unter anderen die früheren Mannesmann-Aufsichtsräte Josef Ackermann (heute Chef der Deutschen Bank), Joachim Funk (damals Mannesmann-Aufsichtsratschef) und Klaus Zwickel, der der IG Metall vorstand. Außerdem Klaus Esser, der den Abwehrkampf gegen Vodafone zwar letztlich erfolglos geführt hatte, dabei aber den Aktienkurs des Besiegten in heute unvorstellbare Höhen beförderte. Die Einzelprämie für ihn, 16 Millionen Euro, hielt und hält sich beständig im Fokus des öffentlichen Interesses.

[...] Dass die Verteidiger zufrieden sind, lässt sich nachvollziehen. Aber die Staatsanwälte? Einer der ihren, Dirk Negenborn, sagt heute, es sei doch »theoretisch denkbar«, dass die Prämien eben nicht zum Schaden des Unternehmens bezahlt wurden, also keine reinen Geschenke waren, sondern »möglicherweise eine Anreizwirkung« entfaltet hätten. Kein Schaden, keine Untreue. Und außerdem habe der angeblich letztlich Geschädigte, Vodafone, doch zugestimmt. Und: »Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht.«

Nicht leicht gemacht? Kann man Aufklärung leichter verweigern als mit so faden Begründungen, die sich schon vor Jahren hätten vorbringen lassen? Womit der ganze Prozess überflüssig geworden wäre. Ein Irrtum, das Ganze? Tut mir leid, Jungs, war nur so ne Idee?

[...] Kein Zweifel: Die Mannesmann-Jahre haben ihr Gutes gehabt. Sie haben die öffentliche Diskussion über Unternehmensführung, maßlose Vergütungen und Selbstbedienungs-Mentalität angeregt. Auf den Führungsetagen weiß man jetzt, dass willkürliche Entscheidungen von Folgen bedroht sind.

Der so vollmundig angekündigte Mannesmann-Prozess aber, er trägt die Züge einer Farce.


Aus: "Eiertanz in Saal 111" Von Von Rainer Frenkel (DIE ZEIT, 30.11.2006 Nr. 49)
Quelle: http://www.zeit.de/2006/49/Mannesmann?page=1

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[...]  Die Kanzlei Dommels Schlosser & Partner erhebt in der Anzeige den Vorwurf der Rechtsbeugung und Strafvereitelung. "Die Beteiligten haben die Durchführung des rechtsstaatlich vorgegebenen Strafverfahrens pflichtwidrig unterlassen", sagte Rechtsanwalt Andreas Dimke, der Partner der Kanzlei ist.

Der Jurist kritisierte, dass es Spitzenverdienern offensichtlich gelinge, "Untreuehandlungen ohne abschließende rechtliche Prüfung in einem rechtsstaatlichen Verfahren gegen stattliche Geldzahlungen einstellen zu lassen". Dem Normalbürger dränge sich der Eindruck auf, dass Beschuldigte in Deutschland sich durch teure Verteidiger und Geldzahlungen einer Verurteilung im Strafverfahren entziehen könnten.

Der Prozess gegen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, den früheren Mannesmann-Lenker Klaus Esser sowie vier weitere Angeklagte war am Mittwoch gegen eine Geldauflage von insgesamt 5,8 Millionen Euro eingestellt worden. In dem Verfahren ging es um die Rechtmäßigkeit von Prämien und Abfindungen in Höhe von 57 Millionen Euro, die nach der Mannesmann-Übernahme durch die britische Vodafone Anfang 2000 an amtierende und frühere Konzernmanager geflossen waren.(APA/AFP)


Aus: "Mannesmann-Prozess soll juristisches Nachspiel haben - Hamburger Kanzlei zeigte Richter und Ankläger an" (02.12.2006)
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=2682540


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[...] München - Siemens Der Siemens-Chef bereitete sich so auf die Möglichkeit vor, dass sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der Schmiergeld-Affäre auch gegen ihn selbst richten könnten, heißt es in dem Bericht.

Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer werde von Sven Thomas beraten, der im Mannesmann-Verfahren den ehemaligen Konzernchef Klaus Esser vertrat. Ein Siemens-Sprecher bestätigte die Verbindungen zu den beiden Anwälten. Er wies aber darauf hin, dass sie schon seit längerer Zeit bestünden. Bisher waren offiziell nur Hausjuristen des Konzerns mit dem Fall befasst gewesen.


Aus: "SIEMENS-AFFÄRE: Ackermann-Anwalt soll Kleinfeld schützen" (SPON; 13. Dezember 2006)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,454320,00.html

« Last Edit: Dezember 14, 2006, 03:19:00 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[..."ist der Bundesregierung die Beantwortung der Fragen verwehrt"]
« Reply #31 on: November 28, 2006, 12:24:45 nachm. »
Quote
[...] Der Gelsenberg-Affäre bezeichnet den heimlichen und überteuerten Kauf eines Aktienpakets der Gelsenkirchener Bergwerks-AG aus dem Besitz Friedrich Flicks durch die damalige Reichsregierung unter Heinrich Brüning im Jahr 1932.

[...] Zunächst war der schwedische Industrielle Ivar Kreuger interessiert, auch amerikanische Investoren waren im Gespräch. Nachdem diese Verhandlungen erfolglos blieben, bot Fritz Thyssen für die Anteile 120 Mio. Reichsmark, die er mit Hilfe von holländischen und französischen Geldgebern aufbringen wollte. Zu diesen zählte unter anderem die französische Großbank Credit Lyonnais, welche mit dem Berliner Bankhaus Mendelsohn zusammenarbeitete. Nachdem dieses Vorhaben durch Indiskretionen an die Öffentlichkeit gelangte, kam es in der deutschnationalen Presse zu Hetzkampagnen gegen das jüdische Bankhaus Mendelsohn und die französischen Investoren. Es wurden Parrallelen zur Ruhrbesetzung durch französische Truppen gezogen. Kurze Zeit später meldeten holländische Medien, der luxemburgische Stahlkonzern Arbed wolle Flick zusammen mit dem französischen Rüstungskonzern Schneider das fünffache des Börsenwerts (also rund 125 Mio. Reichsmark) für die Anteile an der Gelsenkirchener Bergwerks-AG zahlen. Später wurde bekannt, dass diese Meldung aus Flicks Umfeld lanciert wurde.

Die Situation spitzte sich im Januar 1932 noch zu, da die Vereinigten Stahlwerke kurz vor dem Konkurs standen. Nun nahm Flick über seinen Vertrauten Otto Steinbrinck, der als hochdekorierter Militär aus dem Ersten Weltkrieg über gute Kontakte zur Berliner Politik verfügte, im Geheimen Kontakt mit der Reichsregierung unter Brüning auf und verhandelte über einen Verkauf der Anteile an den deutschen Staat, mit der Drohung, ansonsten an die französischen Investoren verkaufen zu müssen. In Hinblick auf den zu befürchtenden öffentlichen Unmut und dem erstarken der nationalistischen und revanchistischen Kräfte stimmte die Reichregierung schließlich am 31. Mai 1932 einem Kauf der Anteile zu 90 Prozent des Nennwertes zu, was einem Preis von 99 Mio. Reichsmark für das Paket der Gelsenberg-Aktien entsprach. Der Börsenwert betrug zur gleichen Zeit gerade einmal 25 Mio. Reichsmark. Kritiker sprachen von einer indirekten Staatssubvention oder gar von Korruption (in Hinblick auf Flicks gute Kontakte in die Politik).

Mit dem Verkaufspreis war Flick in der Lage, sämtliche Verbindlichkeiten zu tilgen, später (während des Flick-Prozesses) rechtfertigte er den überhöhten Preis mit der tatsächlichen Möglichkeit des Verkaufs eines Schlüsselunternehmens an ausländische Investoren und mit der Gefahr einer Insolvenz seiner gesamten Unternehmensgruppe, was den Wegfall zehntausender Arbeitsplätze bedeutet hätte. Das Geschäft wurde über eine Tochter der damals staatlich dominierten Dresdner Bank, der Hardy & Co GmbH abgewickelt, was den Vorteil hatte, dass dieses Tochterunternehmen als GmbH keine Bilanzen veröffentlichen musste und so die Transaktion im Verborgenen bleiben konnte.

[...] Am 19. Juli des gleichen Jahres veröffentlichten die Frankfurter Zeitung und die Kölnische Zeitung Berichte über das umstrittene Geschäft. Die öffentliche Empörung über eine solche indirekte Subventionierung des deutschen Großindustrie in Person Friedrich Flicks in Zeiten wirtschaftlicher Not sorgte für große Empörung quer durch alle politischen Lager. Da allerdings die Regierung unter Brüning mittlerweile durch die Regierung Franz von Papen abgelöst worden war, verzögerte sich eine Aufklärung des Falls, und wurde nach der Machtübernahme der NSDAP am 30. Januar 1933 nicht weiter verfolgt, was den guten Kontakten Flicks zu der NS-Führung zuzurechnen war.


Aus: "Die Gelsenberg-Affäre" (11/2006)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gelsenberg-Aff%C3%A4re

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[...] Die Geschichte begann unspektakulär. Am 6. Oktober 1975 erstattete der Bonner Kaufmann Peter Müllenbach Anzeige, weil er sich von seinem Kompagnon um 110.000 Mark betrogen fühlte. Der Steuerfahnder Klaus Förster nahm die Spur auf und stieß auf einen Politkrimi ungeahnten Ausmaßes. In den Listen des ehemaligen Flick-Buchhalters Rudolf Diehl über Geldtransfers wurden diverse Vermerke nach diesem Muster "FKF wg FJS" entdeckt. Im Klartext: "Friedrich Karl Flick wegen Franz Josef Strauß" - die Eintragungen summierten sich auf 925.000 Mark. Nach eigener Aussage hatte Flick dem bayerischen Ministerpräsidenten mehrfach hohe Barbeträge übergeben.


Aus: "Hintergrund: Die "Flick-Affäre" sorgte für den ersten großen Spendenskandal" (tagesschau.de; 06.10.2006)
Quelle: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID33582_REF1_NAV_BAB,00.html

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Quote
[...] Jan 1975: Der Bonner Steuerfahnder Klaus Förster entdeckt, dass die CDU über eine
Scheinfirma in Liechtenstein Spenden sammelt und zahlreiche deutsche Firmen
diese Spenden illegal von der Steuer absetzen. Der Versuch der CDU, weitere
Ermittlungen im Keim zu ersticken, scheitert an der Beharrlichkeit Försters.

1975-1980: Steuerfahnder und Staatsanwälte leiten zahlreiche Verfahren gegen Firmen ein,
die auf der „Kundenliste“ der CDU-Scheinfirma standen. Obwohl die
Vorgänge in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden, belastet die
CDU, dass sie die einzige Partei ist, gegen die wegen illegaler Parteispenden
ermittelt wird. Es wird beschlossen, die Ermittler auch auf die illegale
Spendenpraxis anderer Parteien hinzuweisen. Ein CDU-Steuerberater leitet die
notariell beglaubigten Aussagen einer entlassenen FDP-Sekretärin an die
Staatsanwaltschaft weiter. Bei den Ermittlungen wird deutlich, dass der
frühere FDP-Schatzmeister in NRW und jetzige Bundeswirtschaftsminister
Otto Graf Lambsdorf ein System von „Geldwaschanlagen“ geschaffen hat.
Gemeinnützige (Schein-) Vereine stellen steuerabzugsfähige Quittungen aus
und leiten ihre Spenden über Auslandskonten in die FDP-Kassen. Bereits hier
fällt den Ermittlern der Flick-Konzern als großer Geber ins Auge.

[...] Dez. 1981 Der Skandal erreicht die Öffentlichkeit: Als erste berichtet die Neue Rhein-
Zeitung über den Verdacht, kurz darauf ausführlich Spiegel und Stern. Wenig
später wurde bekannt, dass die Staatsanwälte weitere Spendenwaschanlangen
entdeckt hatten, etwa die „Staatsbürgerliche Vereinigung von 1954 eV“.
Jan.1982 Die Parteien wollen mit einer Generalamnestie den Skandal beenden und ein
drohendes Ermittlungsverfahren gegen Wirtschaftsminister Graf Lambsdorff
und seinen Vorgänger Hans Friderichs verhindern. Der Spiegel macht das
Vorhaben bekannt. Es scheitert schließlich am Widerstand von SPDJustizminister
Jürgen Schmude und Kritikern in der SPD-Fraktion.

Feb. 1982: Staatsanwaltschaft eröffnet ein Ermittlungsverfahren gegen Flick-Manager
Eberhardt von Brauchitsch, Minister Graf Lambsdorff und Ex-Minister
Friderichs. Die Medien weiten ihre Berichterstattung aus. Die „gekaufte
Republik“ wird zum geflügelten Wort...


Aus: "Chronologie der Flick-Affäre" (phil.uni-passau.de; 29.04.2005)
Quelle: http://www.phil.uni-passau.de/politik/_ss05/wanninger/medien_skandale/Seminarunterlagen_29_4_05.pdf

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Quote
[...] Berlin - Flick und dessen Generalbevollmächtiger Eberhard von Brauchitsch kümmerten sich um die immer wieder zitierte
„Pflege der Bonner Landschaft“. Sie versahen Politiker von Union, SPD und FDP mit Geldzuwendungen, in der Hoffnung auf politische Gegenleistungen.

Die Affäre kostete zahlreiche Politiker und in die Wirtschaft gewechselte Ex-Politiker Ämter und Mandate. In Prozessen um illegale Spenden wurden hochrangige Personen des öffentlichen Lebens wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Auch ein Untersuchungsausschuss des Bundestages versuchte, Licht in das Dunkel der Affäre zu bringen. Einige Medien - vor allem auch der „Spiegel“ - förderten immer neue Details zu Tage.

Allein Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl ging unbestraft, wenngleich keinesfalls unbeschadet, aus der Affäre hervor. Er hatte sich vor Gericht und vor dem Ausschuss auf Lücken in seiner Erinnerung berufen. „Blackout“ wurde zum geflügelten Wort.


Aus: "Flick-Affäre: Der größte Wirtschaftsskandal der Bundesrepublik" (WELT.de; 06.10.2006)
Quelle: http://www.welt.de/data/2006/10/06/1062003.html

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Quote
[...] Nach Darstellung der Linksabgeordneten Barbara Höll soll das Land Nordrhein-Westfalen 75 Millionen an die Erben des Milliardärs Friedrich Karl Flick zurückzahlen, weil sich das Verfahren seit 1997 "hinzieht und die Steuerhinterziehung inzwischen verjährt ist". Obwohl die öffentlichen Kassen voraussichtlich dafür geradestehen müssten, erfahre die Öffentlichkeit "keinerlei Hintergründe über die Verantwortung für diesen Skandal". Das zeige die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag: Auf neun detaillierte Fragen, etwa worauf die Regierung die Länge des Verfahrens zurückführe und welche Defizite bei den Instrumenten der Behörden bestünden, habee das Finanzministerium lediglich mit dem folgenden Satz geantwortet: "Wegen der Verpflichtung, das Steuergeheimnis zu beachten, ist der Bundesregierung die Beantwortung der Fragen verwehrt."


Aus: "Keine Auskünfte: 75 Millionen für die Erben von Milliardär Flick" (27. Nov. 2006)
Quelle: http://www.ngo-online.de/ganze_nachricht.php?Nr=14823


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[Die Aufklärungsrate läge über dem internationalen Schnitt...]
« Reply #32 on: Dezember 02, 2006, 12:26:30 nachm. »
Quote
[...] Nur fünf Prozent der in Deutschland getätigten Korruption fliegt auf, schätzen die Anti-Korruptionsexperten von Transparency International. Und diese Aufklärungsrate läge über dem internationalen Schnitt, so Blomberg.


Aus: "Korruption weltweit: Geschäftsabschluss dank Geheimdienst" (sz; 30.11.2006)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/159/93066/
« Last Edit: M?RZ 25, 2008, 03:50:14 nachm. by lemonhorse »

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[In der Obdachlosenkneipe Jolly... (Siemens)]
« Reply #33 on: Dezember 12, 2006, 01:38:43 nachm. »
Quote
Budapest vergangene Woche. Die Gerüchte über dubiose Machenschaften des Siemens Konzerns reichen bis hierher, ins Obdachlosenviertel der ungarischen Hauptstadt. Ein Mann von der Straße, ein gewisser Laszlo Kutrutz soll mehr wissen.
In diesem Haus in Budapest hat er Unterschlupf gefunden. Angeblich hat Siemens seine Identität für Scheinfirmen benutzt. Was ist an den Gerüchten dran?

Reporterfrage: „Sind Sie Laszlo Kutrutz?“

[...] Laszlo Kutrutz, Obdachloser: „Ich war in einer Gaststätte. Ich ruhte mich dort aus. Und dann kam ein fremder Mann herein und fragte mich, ob ich Geld verdienen will.“

Und hier wurde Kutruz angesprochen, vom ex-Siemens Berater András Schrödl, in der Obdachlosenkneipe Jolly. Ein Dach über dem Kopf und immer wieder auch kleine Geldgeschenke bietet der. Dafür leiht er sich die Identität zur Gründung von Scheinfirmen, am 16. Juli 2001 ist der erste Eintrag im Handelsregister verzeichnet. Und weil Schrödl noch mehr Firmen gründen will, soll Kutrutz Freunde von der Straße ranschaffen.
In das dreckige Geschäft hineingezogen wird so auch Laszlo Barath. Da über die Scheinfirmen von insgesamt sieben Obdachlosen zwar 60 Millionen Euro gedreht wurden, aber keiner von ihnen Steuern gezahlt hat, haben jetzt alle die Fahndung am Hals. Riesensummen gingen auf ihre Firmen ein, die sie in bar abheben und an den Siemens-Berater übergeben mussten, sagen sie. Laszlo Kutrutz hat deshalb einen Anwalt besorgt.
Der will ihnen helfen, die Sache der Polizei zu erklären, denn Kutrutz und Barath haben keine Ahnung, was sich wirklich abgespielt hat.



Aus: "Das Siemens-Schmiergeld-Geflecht" (daserste/report/archiv/2006)
Quelle: http://www.br-online.de/daserste/report/archiv/2006/00363/

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Quote
[...] Den "Mann mit dem Schnauzbart" nennen ihn manche, als P. M. kennen ihn andere, seine Freunde nennen ihn Makis. Der 45-jährige Grieche, der im vornehmen Athener Villenviertel Ekali wohnt, ist eine Schlüsselfigur in der Affäre um die Siemens-Schmiergelder. Fast zwei Jahrzehnte lang war P. M. dem deutschen Konzern treu zu Diensten, erst in Deutschland. Später, bei Siemens Hellas in Athen, genoss er sogar zuletzt eine "besondere Vertrauensstellung", wie Siemens selbst unterstreicht. Im April, als die Affäre um mutmaßliche schwarze Kassen und Schmiergelder bereits brodelte, trennte man sich - einvernehmlich, wie es heißt. Aber jetzt ist es mit der Eintracht vorbei. Der Konzern fordert mit einer am 17. November vor dem Landgericht Athen eingereichten Klage von P. M. acht Millionen Euro zurück, die der Ex-Manager sich aus einer schwarzen Kasse unter den Nagel gerissen haben soll. Als P. M. von der Klage erfuhr, war er nach Aussage seines Anwalts überrascht. Eine Mahnung, die Siemens nach eigener Darstellung Ende Mai an ihn verschickte, will er nicht erhalten haben. "Mein Mandant hat nie bestritten, dass die Gelder Siemens gehören." Im Auftrag seines Mandanten habe er Siemens Ende November die Überweisung der acht Millionen angeboten. "Wir warten aber bisher vergeblich auf eine Antwort", sagt der Anwalt. P. M.s Motiv, die acht Millionen herauszurücken, liegt auf der Hand: Er will ein mögliches Strafverfahren wegen Unterschlagung abblocken. Aber auch Siemens hätte eigentlich allen Grund, sich schnell und diskret mit dem Ex-Manager zu einigen. Denn die von den Siemens-Anwälten in Athen eingereichte Klageschrift enthüllt das merkwürdige Finanzgebaren des Konzerns. Außerordentliche Zahlungen P. M. fing 1988 nach seinem Studium in München bei Siemens als Ingenieur an. 1992 wechselte er zu Siemens Nixdorf nach Athen, wo er zunächst Direktor für Verkauf und Marketing und später Generaldirektor war. Von 1998 bis zu seinem Ausscheiden im April 2006 leitete P. M. die Telefon- und Nachrichtentechniksparte von Siemens Hellas. In dieser Funktion war er auch für Siemens-Aufträge in Albanien, Mazedonien und Zypern zuständig. Zu seinen Aufgaben gehörte, so heißt es in der Klageschrift, "die Verwendung von Geldmitteln unseres Unternehmens im Rahmen dessen geschäftlicher Aktivitäten in Griechenland, dem Balkanraum und anderen Ländern". Die Gelder seien P. M. zur Verfügung gestellt worden, um sie "für außerordentliche, unmittelbare und laufende Zahlungen unserer Firma bei der Förderung ihrer Tätigkeit" in diesen Ländern zu verwenden, lautet die wolkige Formulierung in der Klageschrift. Dabei habe es sich um Geld "in Höhe vieler Millionen Euro" gehandelt, woraus sich ergebe, dass der Beklagte "das absolute Vertrauen der Hauptverwaltung der Gesellschaft und der Leitung der Tochtergesellschaft in Athen genossen" habe. Die für P. M. bestimmten Gelder wurden auf einem Konto bei der Dresdner Bank in der Schweiz gebunkert. Dabei soll es sich nach Ermittlungen der Berner Staatsanwaltschaft um mehr als 40 Millionen Euro gehandelt haben. Neben P. M. scheinen weitere Siemens-Manager Zugriff auf den Schweizer Geldtopf gehabt zu haben. P. M. wurde im Zusammenhang mit diesem Konto bereits zwei Mal, Ende März und Mitte Juni 2006, von Berner Staatsanwälten vernommen. Von diesem Schweizer Konto wurden am 24. September 2003 zwei Millionen Euro und am 28. Januar 2005 weitere sechs Millionen Euro auf ein persönliches Konto P. M.s bei der Société Générale in Athen überwiesen. Siemens behauptet heute, mehr als drei Jahre nach der ersten Überweisung, von der Existenz dieses Athener Kontos nichts gewusst zu haben. P. M. habe auch seit dem Sommer 2005 keine Auskunft mehr über die Verwendung der Gelder gegeben, auf deren Rückzahlung Siemens jetzt klagt. Warum Siemens Hellas dann P. M. bei seinem einvernehmlichen Ausscheiden im April 2006 noch einen Bonus zahlte, statt die Gelder zurückzufordern, bleibt ein Rätsel. Hat man womöglich gar nicht gemerkt, dass die acht Millionen fehlten?


Aus: "Zugriff auf großen Geldtopf in der Schweiz" Von GERD HÖHLER, ATHEN (Rubrik 'Brennpunkt' - SWP - 14.12.2006)
Quelle: http://www.hnp-online.de/index.php?mode=full&cat=16&open=&open_u=&minDate=&s_id=e99d8b5c9245e52eb8c6e8a0926aeec9&ident=&id=266206



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[...] Als die Liechtensteiner Staatsanwaltschaft Ende 2004 in der Causa Siemens ihre Ermittlungen aufnahm, gab es vier Beschuldigte; inzwischen sind es fast 20 Verdächtige bei Verfahren in drei Ländern.

Erst ging es um 20 Millionen Euro Schmiergeld und jetzt werden schon Summen zwischen 200 und 420 Millionen Euro genannt - Rekord in Deutschland.

Erst war es Untreue, dann schwere Untreue und in den Akten der Fahnder tauchte in den Dezembertagen erstmals der Begriff ,,Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr‘‘ auf.

[...] Die Fahnder erfuhren, dass erst einmal der Bedarf an ,,Provisionen‘‘ sorgsam notiert wurde - wie dies unter gewissenhaften Kaufleuten üblich ist. Der kaufmännische Leiter und der jeweilige Regionalchef bei Com und den Vorgängersparten hätten ein Papier unterschrieben, in dem das Land, das Projekt, das Auftragsvolumen und die zu zahlenden Beträge vermerkt gewesen seien. Je nach Auftragsvolumen seien das zwischen fünf bis 30 Prozent der Projektsumme gewesen. Für Außenstehende sei das System nicht zu durchschauen gewesen. Neben dem Stichwort Provisionen habe man auch andere Tarnbegriffe verwendet, und selbst die Ländernamen hätten teilweise der Täuschung gedient. Bestimmte Mittel, die man beispielsweise für Nigeria deklariert habe, seien stattdessen nach Italien geflossen.

Bargeld: In einem der vielen Siemens-Bürohäuser in München lagerten laut den Geständnissen in einem Panzerschrank im Keller manchmal bis zu eine Million Euro. Das Geld sei bei Bedarf an Siemens-Mitarbeiter im Ausland ausgereicht oder auf Konten in fernen Ländern transferiert worden. Daneben gab es in den neunziger Jahren Schwarzgeldkonten in Innsbruck und Salzburg, die mit Barem gespeist wurden.

Der Kompagnon von S. sagte aus, er habe bei der Filiale einer Großbank am Münchner Promenadeplatz regelmäßig Hunderttausende D-Mark abgehoben und um die Ecke in die Kardinal-Faulhaber-Straße getragen. Dort habe er die vielen Scheine bei einem anderen Finanzinstitut wieder abgeliefert. Mit den Einzahlungsbelegen sei er dann nach Innsbruck gefahren und habe die Beträge dort auf Geheimkonten der Raiffeisen-Landesbank Tirol gutschreiben lassen. Auch habe er große Summen im Koffer über die Grenze gebracht. Von Innsbruck aus erfolgten, ohne Hinweis auf Siemens, Überweisungen in alle Welt. Der Geldbote erzählte, er habe auch die Konten in Salzburg betreut - als Urlaubs- und Krankheitsvertretung für einen Kollegen.

System- und Ortswechsel: Lange Zeit ging das gut, doch Anfang des Jahrzehnts entstand ein neues System. Nun schleusten die Com-Leute die erforderlichen Mittel mit Hilfe von Scheinrechnungen und Tarnfirmen aus dem Konzern, per Überweisung. Einer der Gründe: Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA wurden die Vorschriften und Kontrollen zur Verhinderung von Geldwäsche drastisch verschärft. Die Trickser bei Siemens bekamen offenbar Furcht, ihre Transfers könnten amerikanischen Behörden auffallen, die Finanzströme nach schmutzigem Geld für die al-Qaida durchleuchteten. Der kleine Angestellte aus München war wohl erleichtert, nicht mehr, wie er sagte, mit Koffern voller Geld durch die Straßen ziehen zu müssen. Die Konten in Österreich wurden geschlossen; die Millionen flossen fortan über Firmen und Konten in der Karibik, Liechtenstein, der Schweiz, Dubai oder Monaco.


Aus: "Korruptionsskandal bei Siemens: Bargeld im Panzerschrank" Von Hans Leyendecker und Klaus Ott (SZ vom 13.01.07)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/972/97875/1/

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Quote
[...] Rudolf Vogel war bis zum Jahr 2000 verantwortlich für den Verkauf von Kraftwerken nach Osteuropa. Und damit das Geschäft richtig flutschte, war Vogel mit einem Koffer unterwegs. Darin befand sich immer reichlich Bargeld. Hunderttausende, ja Millionen. Bestimmt vor allem für Beamte in fernen Ländern.

Mit einem Wort: Die Zahlung von Bestechungsgeldern an ausländische Politiker war beim Siemenskonzern gang und gäbe. Sie war nicht Ausnahme, sondern Regel.

[...] Auch US-Firmen würden nach dem gleichen Muster arbeiten, sagte Rudolf Vogel. Sie hätten aber nicht nur Bargeld im Angebot: "Sie bieten ihren Geschäftspartnern Green Cards oder Uni-Stipendien für die Kinder an", sagte Rudolf Vogel. Das käme besonders in der Karibik und in Südamerika gut an.


Aus: "Ein Koffer voller Bargeld: Siemens-Manager erzählt im Fernsehen, wie und wo Schmiergeld bezahlt wurde" Von Frank Thonicke (29.03.2007)
Quelle: http://hna.de/wirtschaftstart/00_20070329182742_Ein_Koffer_voller_Bargeld.html

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Quote
[...] Am Dienstag war Zentralvorstand Johannes Feldmayer als bisher ranghöchster Siemens-Funktionär verhaftet worden. Gegen Feldmayer ermittelt die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth wegen dubioser Millionenzahlungen an den Gründer der Arbeitnehmer-Organisation AUB. Bei den jüngsten Verhaftungen der Staatsanwaltschaft München wiederum geht es um die bis zu 420 Millionen Euro, die bei Com in schwarze Kassen geflossen sein sollen. Das Geld soll für Schmiergeldzahlungen im Ausland verwendet worden sein.

Einer der beiden jetzt Verhafteten war noch bei Siemens beschäftigt und wurde suspendiert. Der andere hatte den Konzern bereits im Herbst verlassen. "Siemens kooperiert mit der Staatsanwaltschaft und hat ihr alle benötigten Unterlagen zur Verfügung gestellt", hieß es. Auch Oberstaatsanwalt Schmidt-Sommerfeld bestätigte: "Die Zusammenarbeit mit der Firma Siemens verläuft reibungslos."


Aus: "Siemens-Affäre eskaliert weiter: Verhaftungen und Durchsuchungen" (30.3.2007)
Quelle: http://www.channelpartner.de/unternehmenundmaerkte/590711/

« Last Edit: M?RZ 30, 2007, 12:45:57 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Die Bereitschaft zur Käuflichkeit...]
« Reply #34 on: Dezember 27, 2006, 05:05:35 nachm. »
Quote
[...] FRANKFURT. Die Bereitschaft zur Käuflichkeit ist in der deutschen Wirtschaft nach Ansicht des Frankfurter Oberstaatsanwalts Wolfgang Schaupensteiner deutlich gestiegen. "Hersteller sind bereit, auch mal einen Scheck auszustellen. Es lässt sich statistisch belegen, dass wir bei den Ermittlungsbehörden eine steigende Zahl von Fällen haben."


Aus: "DEUTSCHLAND: Staatsanwalt fordert Verhaltenskodex gegen Korruption bei Unternehmen - Bereitschaft zur Käuflichkeit deutlich gestiegen" (Mittwoch, 27. Dezember 2006)
Quelle: http://www.nachrichten.at/wirtschaft/504340?PHPSESSID=2b71b580c7c41b383894f7e781baea07