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[...] ZEIT ONLINE: Die Wirtschaftskrise durch Corona trifft auch die Mittelschicht. Spiegelt sich das in der Zusammensetzung der Menschen wider, die zu den Tafeln kommen?

Kirkhart: Ja, absolut. Ich schätze, dass etwa 40 Prozent derjenigen, die durch die Pandemie neu zu unseren Verteilungsstellen kamen, nie zuvor auf Essensspenden angewiesen waren. Aber sie wussten sich nicht mehr anders zu helfen. Sie müssen wissen, die Menschen hier in Appalachia sind stolz. Viele haben geweint, als sie zum ersten Mal zur Lebensmittelverteilung kamen, ihre Kinder hinten im Auto. Sie sagten Dinge wie: "Ich würde das hier eigentlich nicht tun, aber ich habe Kinder." Es hat viel Zuspruch unsererseits gebraucht, um zu vermitteln: Es ist in Ordnung, das hier sind außergewöhnliche Umstände, niemand konnte das vorhersehen. Es ist wichtig, das so würdevoll wie möglich zu gestalten.

...


Aus: "Hunger in den USA: "Viele haben geweint"" Interview: Johanna Roth, Huntington (20. Oktober 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-10/ngo-facing-hunger-west-virginia-armut-cynthia-kirkhart-usa-lebensmittelverteilung/komplettansicht

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taxonix #8

Die USA haben eines der höchsten BIP pro Kopf der Welt, und trotzdem sind dort Menschen auf Lebensmittelspenden angewiesen. Das kapitalistische System erweist sich ein weiteres Mal als völlig ungeeignet, die grundlegendsten Bedürfnisse der Menschen zu erfüllen, aber das soll es vermutlich auch gar nicht. Es soll die Reichen einfach immer noch reicher machen, und noch reicher, und noch reicher. Und das klappt schließlich super, auch in Corona-Zeiten.


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mounia #8.1

Vor allem in Corona Zeiten.


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lilaa #56

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https://www.theguardian.com/business/2020/sep/17/wealth-of-us-billionaires-rises-by-nearly-a-third-during-pandemic

Dass es in den USA so wenig Aufstände gibt, wundert mich mittlerweile wirklich.


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stegie1 #23

Amerika weiss das und will das so.


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Ende Gelände #49

Bitte nicht immer dieser herablassende Blick auf die USA. Ja, es gibt Probleme und ja, dort ist nicht alles Gold was glänzt. Nur sollten wir nicht vergessen, dass es dort vielen besser geht als in den meisten anderen Länder auf der Welt. Und das es immer noch das Sehnsuchtsland Nr. 1 für Auswanderer auf der Welt ist und es wohl immer bleiben wird. Im Hinblick auf die momentane dt. Hochnäsigkeit gilt weiter der Spruch: Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall."


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Quer- und Weiterdenker #53

Jeder kann es schaffen in Amerika - bettelarm zu werden und zu verhungern. Das ist der amerikanische (Alb)Traum. Während andere Länder schon seit vielen Jahren einen funktionierenden Sozialstaat aufgebaut haben, bauen die US-Amerikaner ihre jüngsten Schritte in Richtung einer allgemeinen Gesundheitsfürsorge, Obamacare, ab. Den verhungernden Evangelikalen bleibt da noch der Glaube an ein Leben im Paradies nach dem Tod, allen anderen bleibt gar nichts. Außer den Superreichen natürlich, die machen fetten Gewinne mit Spekulationen an der Börse. Deren Vorratskammern sind voll und vor der Einfahrt parkt der neue Ferrari, schon der fünfte Neue dieses Jahr. Aber jeder kann es schaffen, man muss nur besonders fleißig, nicht wahr liebe Amerikaner?


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Sublime85 #72

... liebe ZEIT, wenn ihnen dieser Hunger eine Topplatzierung wert ist, wann wird genauso prominent eine Reportage über eine der anderen hungernden Bevölkerungen gemacht, welche, wohl wahr nicht in der nördlichen Hemisphäre leben. Jeden Tag hungern weltweit über 600 Mio Menschen, mehr als es Amerikaner gibt. Von denen habe ich in letzter Zeit bei ihnen nicht viel gehört.

Quelle: https://www.actionagainsthunger.org/world-hunger-facts-statistics


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DrkdD #72.1

Allerdings sind das meistens keine Hungernden aus einem reichen Land. Es sind die Länder die arm sind oder korrupte Regierungen haben. Oder beides. Dann ist eine hungernde Bevölkerung so gut wie sicher......


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  R4mbo #75

Hauptsache dem Aktienmarkt geht's gut.


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HH1960 #87

Es ist schon bitter, was sich die letzten 10-20 Jahre nicht nur in den USA zum Schlechten verändert hat. Auch bei uns sind ähnliche Tendenzen zu erkennen.

Arme gab es immer, aber einen solches Ausmaß wohl kaum. Tafeln hier wie dort, prekäre Arbeitsverhältnisse zuhauf. In den USA zusätzlich noch schlechte Schulen und viele Menschen ohne Krankenversicherung.

Gleichzeitig ist das BIP, die Aktienkurse und das
Vermögen der Reichen exorbitant gestiegen.
Wenn dann die Rede von höheren Spitzensteuersätzen oder einer Vermögensteuer ist, schallt einem das Wort „Sozialismus „ entgegen.

Dabei sieht ein Blinder, dass das System so nicht weitergehen kann.


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princline #93

"Viele haben geweint"
Auf der ganzen Welt weinen Menschen denen es noch viel schlechter geht als denen in Trumps Land. Afrika, Lateinamerika, Mexiko, Indien wie in Diktaturen in Asien.

Pandemie stürzt in Lateinamerika 45 Millionen in Armut.


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Lobotominho #93.1

Können wir uns darauf einigen, Arme nicht gegen andere Arme auszuspielen? ...


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schorndruck #113

Das Essen scheint dazu sein, nur fehlt das Geld um Essen kaufen zu können. Ich mag den Kapitalismus so sehr, dass ich manchmal kotzen könnte.


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[...] ZEIT ONLINE: Die Wirtschaftskrise durch Corona trifft auch die Mittelschicht. Spiegelt sich das in der Zusammensetzung der Menschen wider, die zu den Tafeln kommen?

Kirkhart: Ja, absolut. Ich schätze, dass etwa 40 Prozent derjenigen, die durch die Pandemie neu zu unseren Verteilungsstellen kamen, nie zuvor auf Essensspenden angewiesen waren. Aber sie wussten sich nicht mehr anders zu helfen. Sie müssen wissen, die Menschen hier in Appalachia sind stolz. Viele haben geweint, als sie zum ersten Mal zur Lebensmittelverteilung kamen, ihre Kinder hinten im Auto. Sie sagten Dinge wie: "Ich würde das hier eigentlich nicht tun, aber ich habe Kinder." Es hat viel Zuspruch unsererseits gebraucht, um zu vermitteln: Es ist in Ordnung, das hier sind außergewöhnliche Umstände, niemand konnte das vorhersehen. Es ist wichtig, das so würdevoll wie möglich zu gestalten.

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Aus: "Hunger in den USA: "Viele haben geweint"" Interview: Johanna Roth, Huntington (20. Oktober 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-10/ngo-facing-hunger-west-virginia-armut-cynthia-kirkhart-usa-lebensmittelverteilung/komplettansicht

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taxonix #8

Die USA haben eines der höchsten BIP pro Kopf der Welt, und trotzdem sind dort Menschen auf Lebensmittelspenden angewiesen. Das kapitalistische System erweist sich ein weiteres Mal als völlig ungeeignet, die grundlegendsten Bedürfnisse der Menschen zu erfüllen, aber das soll es vermutlich auch gar nicht. Es soll die Reichen einfach immer noch reicher machen, und noch reicher, und noch reicher. Und das klappt schließlich super, auch in Corona-Zeiten.


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mounia #8.1

Vor allem in Corona Zeiten.


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lilaa #56

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https://www.theguardian.com/business/2020/sep/17/wealth-of-us-billionaires-rises-by-nearly-a-third-during-pandemic

Dass es in den USA so wenig Aufstände gibt, wundert mich mittlerweile wirklich.


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stegie1 #23

Amerika weiss das und will das so.


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Ende Gelände #49

Bitte nicht immer dieser herablassende Blick auf die USA. Ja, es gibt Probleme und ja, dort ist nicht alles Gold was glänzt. Nur sollten wir nicht vergessen, dass es dort vielen besser geht als in den meisten anderen Länder auf der Welt. Und das es immer noch das Sehnsuchtsland Nr. 1 für Auswanderer auf der Welt ist und es wohl immer bleiben wird. Im Hinblick auf die momentane dt. Hochnäsigkeit gilt weiter der Spruch: Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall."


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Quer- und Weiterdenker #53

Jeder kann es schaffen in Amerika - bettelarm zu werden und zu verhungern. Das ist der amerikanische (Alb)Traum. Während andere Länder schon seit vielen Jahren einen funktionierenden Sozialstaat aufgebaut haben, bauen die US-Amerikaner ihre jüngsten Schritte in Richtung einer allgemeinen Gesundheitsfürsorge, Obamacare, ab. Den verhungernden Evangelikalen bleibt da noch der Glaube an ein Leben im Paradies nach dem Tod, allen anderen bleibt gar nichts. Außer den Superreichen natürlich, die machen fetten Gewinne mit Spekulationen an der Börse. Deren Vorratskammern sind voll und vor der Einfahrt parkt der neue Ferrari, schon der fünfte Neue dieses Jahr. Aber jeder kann es schaffen, man muss nur besonders fleißig, nicht wahr liebe Amerikaner?


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Sublime85 #72

... liebe ZEIT, wenn ihnen dieser Hunger eine Topplatzierung wert ist, wann wird genauso prominent eine Reportage über eine der anderen hungernden Bevölkerungen gemacht, welche, wohl wahr nicht in der nördlichen Hemisphäre leben. Jeden Tag hungern weltweit über 600 Mio Menschen, mehr als es Amerikaner gibt. Von denen habe ich in letzter Zeit bei ihnen nicht viel gehört.

Quelle: https://www.actionagainsthunger.org/world-hunger-facts-statistics


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DrkdD #72.1

Allerdings sind das meistens keine Hungernden aus einem reichen Land. Es sind die Länder die arm sind oder korrupte Regierungen haben. Oder beides. Dann ist eine hungernde Bevölkerung so gut wie sicher......


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  R4mbo #75

Hauptsache dem Aktienmarkt geht's gut.


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HH1960 #87

Es ist schon bitter, was sich die letzten 10-20 Jahre nicht nur in den USA zum Schlechten verändert hat. Auch bei uns sind ähnliche Tendenzen zu erkennen.

Arme gab es immer, aber einen solches Ausmaß wohl kaum. Tafeln hier wie dort, prekäre Arbeitsverhältnisse zuhauf. In den USA zusätzlich noch schlechte Schulen und viele Menschen ohne Krankenversicherung.

Gleichzeitig ist das BIP, die Aktienkurse und das
Vermögen der Reichen exorbitant gestiegen.
Wenn dann die Rede von höheren Spitzensteuersätzen oder einer Vermögensteuer ist, schallt einem das Wort „Sozialismus „ entgegen.

Dabei sieht ein Blinder, dass das System so nicht weitergehen kann.


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princline #93

"Viele haben geweint"
Auf der ganzen Welt weinen Menschen denen es noch viel schlechter geht als denen in Trumps Land. Afrika, Lateinamerika, Mexiko, Indien wie in Diktaturen in Asien.

Pandemie stürzt in Lateinamerika 45 Millionen in Armut.


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Lobotominho #93.1

Können wir uns darauf einigen, Arme nicht gegen andere Arme auszuspielen? ...


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schorndruck #113

Das Essen scheint dazu sein, nur fehlt das Geld um Essen kaufen zu können. Ich mag den Kapitalismus so sehr, dass ich manchmal kotzen könnte.


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[...] Wenn Babys mit Fläschchen aus den weit verbreiteten Kunststoff Polypropylen (PP) trinken, nehmen sie offenbar sehr große Mengen an winzigen Plastikpartikeln zu sich – so genanntes Mikro- und Nanoplastik. Das ist das Ergebnis einer Studie irischer Forscher um Jing Jing Wang. Ihren Schätzungen zufolge dürfte ein Kind, das in seinem ersten Lebensjahr (auch) mit der Flasche gefüttert wird, im Schnitt zwischen ein und zwei Millionen Plastikpartikel pro Tag aufnehmen. Erwachsene hingegen nehmen laut einer früheren Studie aus dem Jahr 2019 gerade einmal rund 600 Partikel pro Tag über die Nahrung auf.

Die PP-Flaschen setzen vor allem dann Mikroplastik frei, wenn sie mit heißen Flüssigkeiten in Kontakt kommen. Das geschieht zwangsläufig, sobald man sich an die offiziellen Empfehlungen für mikrobiologisch sichere Säuglingsernährung hält: also die Flaschen mit kochendem Wasser sterilisiert und dann Babynahrung mit 70 Grad heißem Wasser anmischt. Würde man statt 70 Grad heißen Wassers theoretisch nur 25 Grad heißes Wasser einfüllen, sinke die Anzahl von Partikeln von 16,2 Millionen pro Liter auf 600 000 pro Liter, schreiben die Forscher im Fachmagazin »Nature Food«. Das zeige, wie entscheidend der Faktor Temperatur sei.

Im Test setzten die Flaschen auch nach drei Wochen noch unvermindert Mikroplastik frei. Das Problem erledigte sich also nicht mit zunehmender Nutzung von selbst. Auch heftiges Schütteln greift laut den Wissenschaftlern des Dubliner Trinity College den Kunststoff an.

Wie gefährlich Mikroplastik für den Organismus von Kindern oder Erwachsenen ist, ist unbekannt. Das Phänomen ist noch kaum erforscht. Als wahrscheinlich gilt, dass die meisten Partikel ab einer bestimmten Größe einfach wieder ausgeschieden werden und nicht vom Körper aufgenommen werden. Insofern könnten die gesundheitlichen Auswirkungen für die meisten Menschen eher gering sein.

... Diese Einschätzung gilt jedoch möglicherweise nicht für Menschen mit einer Störung der Darmbarriere, wie sie beispielsweise bei entzündlichen Darmerkrankungen auftritt. Insbesondere bei sehr jungen Neugeborenen ist diese Sperre zudem noch nicht voll ausgereift. Auch wie sich die Plastikteilchen auf die Bakterien auswirken, die den Darm besiedeln, ist noch nicht näher erforscht.

Vom Science Media Center zu den Ergebnissen der aktuellen Studie befragt, erklärt Eleonore Fröhlich von der Medizinischen Universität Graz, wesentlich beunruhigender als die Anzahl der Mikropartikel sei aus ihrer Sicht, dass die Forscher um Wang auch Billionen von Nanopartikeln pro Liter fanden. »Solche Partikel in einem Größenbereich zwischen 50 und 200 Nanometern können die Darmwand sehr gut passieren und stellen dadurch eine weit höhere Belastung des Organismus dar als Mikropartikel.« Auf Grund ihrer relativ gesehen deutlich größeren Oberfläche könnten sie den Körperzellen gefährlicher werden.

In ihrer Studie konzentrierten sich die irischen Forscher allerdings in der Hauptsache auf Teilchen mit mehr als 0,8 Mikrometer Durchmesser. Wie viele davon in die Trinkflüssigkeit gelangten, ermittelten sie, indem sie 70 Grad heißes Wasser einfüllten, die Flasche 60 Sekunden lang schüttelten und dann den Inhalt durch eine feine Membran filterten. Mit Hilfe der Raman-Spektroskopie zählten sie anschließend Zahl und Größe der herausgefilterten Partikel.


Aus: "Polypropylen: Babyflaschen setzen große Mengen an Mikroplastik frei" Jan Dönges (19.10.2020)
Quelle: https://www.spektrum.de/news/babyflaschen-setzen-grosse-mengen-an-mikroplastik-frei/1783613
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Enno Lenze @ennolenze

„Der Mord an einer Journalistin stürzte Malta in eine Krise. Nun kommt heraus: Die Regierung war Teil des Komplotts.“ - was in einem EU Land alles möglich ist.

6:45 PM · Oct 15, 2020


https://twitter.com/ennolenze/status/1316782369341399040


"Daphne Caruana Galizia: Wer steckt hinter ihrem Tod?" (15. Oktober 2020 DIE ZEIT Nr. 43/2020)
Der Mord an einer Journalistin stürzte Malta in eine Krise. Nun kommt heraus: Die Regierung war Teil des Komplotts.
Von Holger Stark und Fritz Zimmermann
https://www.zeit.de/2020/43/daphne-caruana-galizia-malta-journalistin-mord-korruption-regierung-kronzeuge

Daphne Caruana Galizia (* 26. August 1964 als Daphne Anne Vella in Sliema; † 16. Oktober 2017 in Bidnija) war eine maltesische Journalistin und Bloggerin. Sie war für ihre investigative Arbeit bekannt und dafür, kontroverse und heikle Informationen offenzulegen. Im Oktober 2017 wurde sie durch ein Attentat mit einer in oder an ihrem Auto platzierten Bombe ermordet. ... Caruana Galizia war die maltesische Partnerin des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) bei der Auswertung der Panama Papers. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Daphne_Caruana_Galizia


Als Panama Papers [ˈpanaˌmaː ˈpeɪpəʳz] (deutsch Panama-Papiere) werden vertrauliche Unterlagen des panamaischen Offshore-Dienstleisters Mossack Fonseca bezeichnet, die infolge eines 2,6 Terabyte großen Datenlecks am 3. April 2016 an die Öffentlichkeit gelangten. Nach Einschätzung der beteiligten Medien belegen die Unterlagen legale Strategien der Steuervermeidung, aber auch Steuer- und Geldwäschedelikte, den Bruch von UN-Sanktionen sowie andere Straftaten durch Kunden von Mossack Fonseca. Die Enthüllungen haben in zahlreichen Ländern zu Ermittlungen gegen Politiker und andere Prominente geführt und öffentliche Debatten über Steuerschlupflöcher, Briefkastenfirmen, Steueroasen, Steuerdelikte und Steuermoral ausgelöst.
https://de.wikipedia.org/wiki/Panama_Papers
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Enno Lenze @ennolenze

„Der Mord an einer Journalistin stürzte Malta in eine Krise. Nun kommt heraus: Die Regierung war Teil des Komplotts.“ - was in einem EU Land alles möglich ist.

6:45 PM · Oct 15, 2020


https://twitter.com/ennolenze/status/1316782369341399040


"Daphne Caruana Galizia: Wer steckt hinter ihrem Tod?" (15. Oktober 2020 DIE ZEIT Nr. 43/2020)
Der Mord an einer Journalistin stürzte Malta in eine Krise. Nun kommt heraus: Die Regierung war Teil des Komplotts.
Von Holger Stark und Fritz Zimmermann
https://www.zeit.de/2020/43/daphne-caruana-galizia-malta-journalistin-mord-korruption-regierung-kronzeuge

Daphne Caruana Galizia (* 26. August 1964 als Daphne Anne Vella in Sliema; † 16. Oktober 2017 in Bidnija) war eine maltesische Journalistin und Bloggerin. Sie war für ihre investigative Arbeit bekannt und dafür, kontroverse und heikle Informationen offenzulegen. Im Oktober 2017 wurde sie durch ein Attentat mit einer in oder an ihrem Auto platzierten Bombe ermordet. ... Caruana Galizia war die maltesische Partnerin des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) bei der Auswertung der Panama Papers. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Daphne_Caruana_Galizia


Als Panama Papers [ˈpanaˌmaː ˈpeɪpəʳz] (deutsch Panama-Papiere) werden vertrauliche Unterlagen des panamaischen Offshore-Dienstleisters Mossack Fonseca bezeichnet, die infolge eines 2,6 Terabyte großen Datenlecks am 3. April 2016 an die Öffentlichkeit gelangten. Nach Einschätzung der beteiligten Medien belegen die Unterlagen legale Strategien der Steuervermeidung, aber auch Steuer- und Geldwäschedelikte, den Bruch von UN-Sanktionen sowie andere Straftaten durch Kunden von Mossack Fonseca. Die Enthüllungen haben in zahlreichen Ländern zu Ermittlungen gegen Politiker und andere Prominente geführt und öffentliche Debatten über Steuerschlupflöcher, Briefkastenfirmen, Steueroasen, Steuerdelikte und Steuermoral ausgelöst.
https://de.wikipedia.org/wiki/Panama_Papers
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[...] [Viola Nordsieck ist freie Journalistin und angehende Lehrerin. Ihre Promotion in Philosophie befasste sich u. a. mit dem französischen Philosophen Henri Bergson und erschien unter dem Titel „Formen der Wirklichkeit und der Erfahrung“ bei Karl Alber. Ihr nächstes Buch erscheint 2020 beim Neofelis Verlag, ein Kollektivprojekt mit dem Titel „Kultur und Politik des prekären Lebens“]

... Die „offene Gesellschaft“ gilt vielen heute einfach als eine, in der alle tun und lassen, denken und sagen können, was sie möchten. Dabei hatte der Ausdruck ursprünglich eine präzisere Bedeutung. Um genau zu sein, sogar zwei unterschiedliche Bedeutungen.

Bekannt wurde der Ausdruck durch das Buch „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ des Philosophen Karl Popper, der es 1945 publizierte als neoliberale Intervention gegen Kommunismus und Faschismus. Den Ausdruck „offene Gesellschaft“ hat er von einem Philosophen übernommen, der, wie Popper sagte, absolut alles anders denke als er selbst: Henri Bergson. In dem damals viel gelesenen Buch „Die beiden Quellen der Moral und der Religion“ (1932) entwarf der französische Philosoph das Bild von der offenen und der geschlossenen Gesellschaft.

Seine offene Gesellschaft hat keine ökonomische Zweckrationalität im Zentrum, sondern besteht aus Akteuren, die auch emotionale und soziale Bedürfnisse haben und in der Lage sind, diese zu erkennen. Demgegenüber würden sich die zweckrationalen Entscheidungen eines homo oeconomicus letztlich immer als kurzsichtig und selbstzentriert erweisen. Die Verantwortung für das Gemeinwesen dürften deshalb nicht die Einzelnen selbst tragen, sondern sie müsste kollektiv übernommen werden. In allen Werken Bergsons betont er die Wichtigkeit eines Denkens über Zweckrationalität hinaus. Konkret hieße das heute: soziale Gerechtigkeit, Klimagerechtigkeit, und ein Mitdenken für alle, die Teil der Gesellschaft sind.

Bergson beschreibt die individuelle Haltung als eine Art emotionaler Grundausrichtung, die in wechselnden Stufen offen oder geschlossen sein kann und sich im Handeln, Fühlen und Denken der Menschen ausdrückt. Ist diese Haltung eher eine geschlossene, dann wird sich die Aufmerksamkeit und die Liebe der Menschen auf einen engen Kreis beschränken, etwa die eigene Kernfamilie. Eine offenere Haltung zeigt sich darin, dass Ambiguität nicht als bedrohlich, sondern als interessant wahrgenommen wird. In Ergänzung zu Bergson können wir sagen: Eine prekäre, ständig bedrohte Existenz wird einer offenen Haltung nicht förderlich sein.

In welchem Maß eine Gesellschaft offen ist, zeigt sich nicht nur an ihrer Verfasstheit, sondern vor allem an den Erfahrungen, die Menschen machen. Es braucht Vertrauen in die Gemeinschaft, damit Menschen den Mut haben, offen zu sein. Solange Menschen etwa rassistisch ausgeschlossen werden oder in Lagern zurück und dem Tod überlassen werden, solange darüber nachgedacht wird, ob es verschmerzbar ist, dass Menschen mit Vorerkrankungen sterben, mit denen sich noch viele Jahre gut leben ließe: so lange werden Menschen der Gesellschaft nicht vertrauen – so lange ist sie eben keine offene. Denn alle wissen, dass im Zweifel auf sich selbst zurückgeworfen sind, dass sie es nur schaffen können, wenn sie selbst zu den Starken gehören.

Bergson betont, dass es die offene Gesellschaft nicht gibt: beide Tendenzen sind immer vorhanden. Das Ideal einer offenen Gesellschaft aber wäre so gestaltet, dass alle Menschen sich sicher fühlen könnten. Wer immer also dieses Ideal bemüht, sollte sich über die Ambiguität des Begriffes klar sein und deutlich machen, ob es um eine neoliberale Fiktion von Ideologiefreiheit geht oder um eine Entwicklung hin zu einer offenen Haltung, die auf die Gemeinschaft vertraut.


Aus: "Offen heißt, offen für alle Menschen" Überlegungen von Viola Nordsieck (13.05.2020)
Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/ueber-das-wesen-einer-offenen-gesellschaft-offen-heisst.1005.de.html?dram:article_id=476492
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[...] Vor 50 Jahren Auf dem Laufsteg wird er als Lieblingskind der Mode gefeiert, Boutiquen und gutbürgerliche Bekleidungshäuser räumen ihm bereitwillig Platz in der Vitrine ein. Und auch im modischen Straßenbild bedeutet er längst eine Selbstverständlichkeit. Im Büro, am Arbeitsplatz aber ist der Hosenanzug als „korrekte Kleidung“ noch umstritten, um nicht zu sagen, verpönt. Während Miniröcke den durchaus wohlwollenden Blick vieler Chefs ernten, sind die durch lange Hosen züchtig bedeckten Beine – sofern sie überhaupt im Büro aufmarschieren – auch im Jahr 1970 bei einigen Firmen Stein des Anstoßes. Für das Mißfallen, das Hosen an Damenbeinen bei Personalchefs offenbar auch im Zeitalter der Frauenemanzipation manchmal noch erregen können, gibt es ein verblüffendes Beispiel: Vor kurzem wurde bei einer Bremer Filiale einer Weltfirma eine Kontoristin entlassen. Der Kündigungsgrund: eine rote lange Hose und die Weigerung der Trägerin, in Zukunft auf diese „nicht passende Aufmachung“ zu verzichten. (30./31. Mai 1970)   

Hintergrund Man mag es kaum für möglich halten, aber das Thema Hosenanzug rief im Frühjahr 1970 einen handfesten Skandal hervor. Dafür sorgte eine gebürtige Bremerin, die frisch gewählte SPD-Bundestagsabgeordnete Lenelotte von Bothmer (1915-1997) aus Isernhagen bei Hannover. Bis dahin hatte es noch keine Frau gewagt, das Parlament in Hosen statt mit Rock zu betreten und damit gegen die ungeschriebene Kleiderordnung zu verstoßen.

Doch als der damalige Bundestagsvizepräsident Richard Jaeger (CSU) kundtat, er werde keiner Frau erlauben, mit Hosen im Plenum zu erscheinen und erst recht nicht, in einer solchen Aufmachung auch noch das Wort zu ergreifen, stachelte das den Widerstand einer kleinen Gruppe gewählter Volksvertreterinnen an. Dabei konnte die Sozialdemokratin keineswegs als junge Wilde durchgehen, im Gegenteil: Die damals 54-Jährige musste sich ihren beigen Hosenanzug extra kaufen, eigentlich bevorzugte sie den Rock. Aber die patriarchalische Haltung Jaegers entfachte nun einmal ihren Zorn, es ging ums Prinzip.

Als Lenelotte von Bothmer sich im April 1970 erstmals in Hosen im Bundestag blicken ließ, ging ein Raunen durch die Reihen, etliche Stimmen fürchteten um die Würde des Hohen Hauses. Dass sie bei dieser Gelegenheit noch nicht einmal eine Rede hielt, spielte keine Rolle. Ein mächtiges Rauschen durchzog den medialen Blätterwald, alarmierte Bürger ergingen sich in wüsten Beschimpfungen. „Armes Deutschland, so tief bist du gesunken mit den roten Parteiweibern“, hieß es in einer anonymen Zuschrift. Freilich beruhigten sich die Gemüter auch bald wieder. Entgegen gern kolportierter Ansicht tobte der Saal keineswegs, als die unerschrockene Politikern am 14. Oktober 1970 ihr Rededebüt im Hosenanzug gab. Das Protokoll vermerkt nur einen einzigen, vergleichsweise harmlosen Zwischenruf des CDU-Abgeordneten Berthold Martin: „Die erste Hose am Pult!“

Bereits in den 1930er-Jahren hatten Schauspielerinnen wie Marlene Dietrich einen Hosenanzug getragen. In breiteren Schichten setzte sich die Kombination aus Jacke und Hose aber erst in den 1960er-Jahren durch, ironischerweise erregten die doch eigentlich untadeligen Hosenanzüge fast noch mehr gesellschaftlichen Disput als die zeitgleich aufkommenden Miniröcke. Das Beispiel der angefeindeten Bremer Kontoristin zeigt, wie schwer sich manche Firmen taten, den Hosenanzug als Alternative zum Rock zu akzeptieren. Dazu der WESER-KURIER: „Was im Bonner Bundestag möglich ist, sollte in einem Bremer Büro eigentlich nicht unmöglich sein.“ Inzwischen sind Hosenanzüge längst salonfähig, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sogar eine ausgesprochene Vorliebe dafür.

Aus: "Vor 50 Jahren - „Der Kündigungsgrund: eine rote lange Hose“" Frank Hethey (30.05.2020)
Quelle: https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-der-kuendigungsgrund-eine-rote-lange-hose-_arid,1915827.html

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[...] Spendengelder für Luxusappartements und ein internationaler Haftbefehl wegen Veruntreuung: Der Vatikan steckt tief in einem Finanzskandal. Im Mittelpunkt steht ein mittlerweile in Ungnade gefallener Kardinal. Jetzt ist der Fall um eine Verhaftung reicher.

 Im Zusammenhang mit dubiosen Geldströmen im Vatikan wurde eine italienische Managerin festgenommen. Die 39-jährige Expertin für Geopolitik soll engen Kontakt zu dem in Ungnade gefallenen Kardinal Becciu gehabt haben. Die Frau ist aufgrund eines internationalen Haftbefehls festgenommen worden, sagte ein Sprecher der Polizei. Laut Medien wurde sie bereits am Dienstag in Mailand gefasst.

Nach Angaben der Tageszeitung "La Repubblica" wurde sie wegen Veruntreuung gesucht. Vergangene Woche hatte die Managerin der Zeitung "Corriere della Sera" gesagt, sie habe 500.000 Euro von Kardinal Angelo Becciu erhalten. Das Geld sei für geopolitische Beratungsarbeit an ein von ihr in Slowenien registriertes Unternehmen gezahlt worden, nicht für Designer-Handtaschen und andere Luxusgüter, wie die italienische Fernsehsendung "Le Iene" behauptet hatte. Der Skandal war nach dem Rücktritt des Kardinals bekannt geworden.


Aus: "Festnahme im Vatikan-Skandal" (Donnerstag, 15. Oktober 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Festnahme-im-Vatikan-Skandal-article22102088.html

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[...] Nach einem gewittrigen Tag hatte der Himmel über Rom aufgeklart, da ging am Abend unerwartet ein Blitz nieder. Er traf Giovanni Angelo Becciu, den Präfekten der Heiligsprechungskongregation. Das vatikanische Presseamt teilte mit, Papst Franziskus habe ihn von seinem Amt entbunden und zugleich seinen Verzicht auf "die mit der Kardinalswürde verbundenen Rechte" angenommen. Gründe nannte der Vatikan nicht.

Franziskus hatte Becciu erst 2018 an die Spitze der Heiligsprechungsbehörde berufen und zum Kardinal kreiert. Zuvor war er sieben Jahre Substitut des Staatssekretariats und somit für zentrale personelle und finanzielle Angelegenheiten in der Kirchenleitung zuständig. Der 72-jährige Sarde galt als machtbewusst. Unter anderem ging er mit dem damaligen vatikanischen Wirtschaftschef Kardinal George Pell offen in einen Konflikt um Kompetenzen bei der Vermögenskontrolle. Auch am Rücktritt des vatikanischen Wirtschaftsprüfers Libero Milone 2017 war er beteiligt.

Becciu ist im Vatikan ausgezeichnet vernetzt. Umso erstaunlicher, dass aus seinem verzweigten Umfeld keine Hinweise auf den bevorstehenden Sturz drangen. Das lässt denken, dass der Wink zum Rücktritt unvermutet und von ganz oben kam. Zufällig erscheint das italienische Magazin "L'Espresso" dieses Wochenende mit einer Investigativgeschichte, nach der Becciu seine Position im Staatssekretariat nutzte, um eigene Familienangehörige bei fragwürdigen Sozialprojekten finanziell zu unterstützen. Die Vorwürfe sind nicht überprüfbar. Aber es entsteht der Eindruck, der Vatikan wollte dem Mediencoup zuvorkommen.

In die Zeit Beccius als Substitut fällt eine unglücklich verlaufene Investition einer dreistelligen Millionensumme in eine Immobilie in London. Dabei vertraute der Vatikan Recherchen zufolge weitgehend auf einzelne italienische Geschäftsfreunde wie die Finanzmanager Raffaele Mincione und Enrico Crasso. Offenbar flossen auch Spenden, die für mildtätige Zwecke gedacht waren, in das teuer bezahlte Geschäftshaus in der Sloane Avenue. Das Staatssekretariat braucht verzweifelt Renditen.

Inzwischen ermittelt die vatikanische Staatsanwaltschaft gegen Mitarbeiter des Staatssekretariats und der vatikanischen Finanzaufsicht sowie gegen italienische Banker. Es geht um Veruntreuung, Betrug, Geldwäsche, Korruption. Becciu gehört nicht zu den offiziell Beschuldigten. Eine Antwort auf die Fragen, welche Rolle er bei den Investitionen spielte und ob er als früherer Substitut die Verantwortung übernehmen würde, lehnte Becciu gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) im Oktober 2019 ab.

In der Kurie heißt es, dass ein Kardinal der heiligen römischen Kirche wegen Versäumnissen im Amt vor ein Vatikangericht komme, sei aus theologischen Gründen eigentlich undenkbar. So mussten sich in einer Affäre um eine 700-Quadratmeter-Ruhestandswohnung für Ex-Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone mehrere Personen juristisch verantworten, nicht jedoch der Bauherr Bertone.

Becciu darf sich jetzt ebenfalls nach einem Alterssitz umsehen. Hinter dem promovierten Kirchenrechtler liegen 36 Jahre Kuriendienst, eine glänzende Laufbahn als Vatikandiplomat in Afrika, Europa, Neuseeland und den USA, dann als Nuntius in Angola, Sao Tome und Principe und schließlich Kuba. 2011 gab Benedikt XVI. ihm das Amt des Substituten, den dritthöchsten Posten der Kirche. Als der Malteserorden 2017 in einer Leitungskrise steckte, machte Franziskus Becciu zu seinem Sondergesandten.

Dass ein Kardinal in dieser Weise demissioniert, war vor 2015 äußerst selten. Damals verzichtete der schottische Kardinal Keith O'Brien (1938-2018) wegen "unangemessenen Verhaltens" gegenüber Seminaristen freiwillig auf Rechte und Privilegien eines Kardinals. 2018 verlor der US-Amerikaner Theodore McCarrick (90) die Kardinalswürde im Zusammenhang mit Vorwürfen früherer sexueller Übergriffe.

Mit dem Verzicht auf die Kardinalsrechte ist Becciu praktisch jenen Purpurträgern gleichgestellt, die das 80. Lebensjahr vollendet haben und damit weder an einem Konklave teilnehmen noch weiter ihre Ämter ausüben. Bis Dienstag zählt der Kreis der Papstwähler nun noch 121 Kardinäle, nach dem altersbedingten Ausscheiden von Lorenzo Baldisseri dann 120.

Becciu hatte Einfluss und machte sich damit viele Freunde. Den Job als Heiligsprechungspräfekt ist er los. Der Ruf als Märtyrer wird nicht auf sich warten lassen.


Aus: "Unheiliger Abgang eines Kardinals: Die Causa Becciu" Burkhard Jürgens (KNA, Vatikanstadt - 25.09.2020)
Quelle: https://www.katholisch.de/artikel/26999-unheiliger-abgang-eines-kardinals-die-causa-becciu
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[...] Spendengelder für Luxusappartements und ein internationaler Haftbefehl wegen Veruntreuung: Der Vatikan steckt tief in einem Finanzskandal. Im Mittelpunkt steht ein mittlerweile in Ungnade gefallener Kardinal. Jetzt ist der Fall um eine Verhaftung reicher.

 Im Zusammenhang mit dubiosen Geldströmen im Vatikan wurde eine italienische Managerin festgenommen. Die 39-jährige Expertin für Geopolitik soll engen Kontakt zu dem in Ungnade gefallenen Kardinal Becciu gehabt haben. Die Frau ist aufgrund eines internationalen Haftbefehls festgenommen worden, sagte ein Sprecher der Polizei. Laut Medien wurde sie bereits am Dienstag in Mailand gefasst.

Nach Angaben der Tageszeitung "La Repubblica" wurde sie wegen Veruntreuung gesucht. Vergangene Woche hatte die Managerin der Zeitung "Corriere della Sera" gesagt, sie habe 500.000 Euro von Kardinal Angelo Becciu erhalten. Das Geld sei für geopolitische Beratungsarbeit an ein von ihr in Slowenien registriertes Unternehmen gezahlt worden, nicht für Designer-Handtaschen und andere Luxusgüter, wie die italienische Fernsehsendung "Le Iene" behauptet hatte. Der Skandal war nach dem Rücktritt des Kardinals bekannt geworden.


Aus: "Festnahme im Vatikan-Skandal" (Donnerstag, 15. Oktober 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Festnahme-im-Vatikan-Skandal-article22102088.html

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[...] Nach einem gewittrigen Tag hatte der Himmel über Rom aufgeklart, da ging am Abend unerwartet ein Blitz nieder. Er traf Giovanni Angelo Becciu, den Präfekten der Heiligsprechungskongregation. Das vatikanische Presseamt teilte mit, Papst Franziskus habe ihn von seinem Amt entbunden und zugleich seinen Verzicht auf "die mit der Kardinalswürde verbundenen Rechte" angenommen. Gründe nannte der Vatikan nicht.

Franziskus hatte Becciu erst 2018 an die Spitze der Heiligsprechungsbehörde berufen und zum Kardinal kreiert. Zuvor war er sieben Jahre Substitut des Staatssekretariats und somit für zentrale personelle und finanzielle Angelegenheiten in der Kirchenleitung zuständig. Der 72-jährige Sarde galt als machtbewusst. Unter anderem ging er mit dem damaligen vatikanischen Wirtschaftschef Kardinal George Pell offen in einen Konflikt um Kompetenzen bei der Vermögenskontrolle. Auch am Rücktritt des vatikanischen Wirtschaftsprüfers Libero Milone 2017 war er beteiligt.

Becciu ist im Vatikan ausgezeichnet vernetzt. Umso erstaunlicher, dass aus seinem verzweigten Umfeld keine Hinweise auf den bevorstehenden Sturz drangen. Das lässt denken, dass der Wink zum Rücktritt unvermutet und von ganz oben kam. Zufällig erscheint das italienische Magazin "L'Espresso" dieses Wochenende mit einer Investigativgeschichte, nach der Becciu seine Position im Staatssekretariat nutzte, um eigene Familienangehörige bei fragwürdigen Sozialprojekten finanziell zu unterstützen. Die Vorwürfe sind nicht überprüfbar. Aber es entsteht der Eindruck, der Vatikan wollte dem Mediencoup zuvorkommen.

In die Zeit Beccius als Substitut fällt eine unglücklich verlaufene Investition einer dreistelligen Millionensumme in eine Immobilie in London. Dabei vertraute der Vatikan Recherchen zufolge weitgehend auf einzelne italienische Geschäftsfreunde wie die Finanzmanager Raffaele Mincione und Enrico Crasso. Offenbar flossen auch Spenden, die für mildtätige Zwecke gedacht waren, in das teuer bezahlte Geschäftshaus in der Sloane Avenue. Das Staatssekretariat braucht verzweifelt Renditen.

Inzwischen ermittelt die vatikanische Staatsanwaltschaft gegen Mitarbeiter des Staatssekretariats und der vatikanischen Finanzaufsicht sowie gegen italienische Banker. Es geht um Veruntreuung, Betrug, Geldwäsche, Korruption. Becciu gehört nicht zu den offiziell Beschuldigten. Eine Antwort auf die Fragen, welche Rolle er bei den Investitionen spielte und ob er als früherer Substitut die Verantwortung übernehmen würde, lehnte Becciu gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) im Oktober 2019 ab.

In der Kurie heißt es, dass ein Kardinal der heiligen römischen Kirche wegen Versäumnissen im Amt vor ein Vatikangericht komme, sei aus theologischen Gründen eigentlich undenkbar. So mussten sich in einer Affäre um eine 700-Quadratmeter-Ruhestandswohnung für Ex-Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone mehrere Personen juristisch verantworten, nicht jedoch der Bauherr Bertone.

Becciu darf sich jetzt ebenfalls nach einem Alterssitz umsehen. Hinter dem promovierten Kirchenrechtler liegen 36 Jahre Kuriendienst, eine glänzende Laufbahn als Vatikandiplomat in Afrika, Europa, Neuseeland und den USA, dann als Nuntius in Angola, Sao Tome und Principe und schließlich Kuba. 2011 gab Benedikt XVI. ihm das Amt des Substituten, den dritthöchsten Posten der Kirche. Als der Malteserorden 2017 in einer Leitungskrise steckte, machte Franziskus Becciu zu seinem Sondergesandten.

Dass ein Kardinal in dieser Weise demissioniert, war vor 2015 äußerst selten. Damals verzichtete der schottische Kardinal Keith O'Brien (1938-2018) wegen "unangemessenen Verhaltens" gegenüber Seminaristen freiwillig auf Rechte und Privilegien eines Kardinals. 2018 verlor der US-Amerikaner Theodore McCarrick (90) die Kardinalswürde im Zusammenhang mit Vorwürfen früherer sexueller Übergriffe.

Mit dem Verzicht auf die Kardinalsrechte ist Becciu praktisch jenen Purpurträgern gleichgestellt, die das 80. Lebensjahr vollendet haben und damit weder an einem Konklave teilnehmen noch weiter ihre Ämter ausüben. Bis Dienstag zählt der Kreis der Papstwähler nun noch 121 Kardinäle, nach dem altersbedingten Ausscheiden von Lorenzo Baldisseri dann 120.

Becciu hatte Einfluss und machte sich damit viele Freunde. Den Job als Heiligsprechungspräfekt ist er los. Der Ruf als Märtyrer wird nicht auf sich warten lassen.


Aus: "Unheiliger Abgang eines Kardinals: Die Causa Becciu" Burkhard Jürgens (KNA, Vatikanstadt - 25.09.2020)
Quelle: https://www.katholisch.de/artikel/26999-unheiliger-abgang-eines-kardinals-die-causa-becciu

Giovanni Angelo Becciu
https://de.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Angelo_Becciu
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[..] Thomas Gehringer: Sie wurden als Sohn eines syrischen Vaters in der DDR angefeindet.

Kai Schumann: Es gab extremen Rassismus in der DDR. Als Kind wurde ich regelmäßig von einem Nachbarsjungen wahlweise mit Ausländersau, Jude oder dem N-Wort beschimpft. Ich wurde verprügelt, einmal wurde auch mit einem Luftgewehr auf mich geschossen. Meine Mutter schickte mich zum Judo, weil ich lernen musste, mich zu wehren. Heute finde ich Gewalt in jeder Hinsicht uninteressant.

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Aus: "Interview mit „Heldt“-Darsteller Kai Schumann „Ich war ziemlich radikal“" (13.10.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/interview-mit-heldt-darsteller-kai-schumann-ich-war-ziemlich-radikal/26271462.html
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