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[...] Auch 2018 hat sich die Situation für Medienschaffende wieder in Regionen verschlechtert, die im globalen Vergleich bisher als sicher galten – darunter Europa und die USA. Reporter ohne Grenzen warnt angesichts der diesjährigen Veröffentlichung der Rangliste der Pressefreiheit eindringlich: "Die systematische Hetze gegen Journalistinnen und Journalisten hat dazu geführt, dass Medienschaffende zunehmend in einem Klima der Angst arbeiten." Auch in Deutschland hat sich die Situation demnach zugespitzt, aber weil Island und vor allem Österreich stärker absackten, machte die Bundesrepublik trotzdem zwei Plätze gut.

"Gezielte Diffamierungen und aggressive, zum Teil hetzerische Kampagnen populistischer Politikerinnen und Politiker gegen Medien" münden auch in Europa in reale Gewalt, warnt Katja Gloger, Vorstandssprecherin der Organisation. Wer Journalistinnen und Journalisten pauschal zu Sündenböcken für gesellschaftliche Missstände mache, bereite Übergriffen, Attentate und sogar Morden damit den Boden, erklärt sie weiter. Namentlich nennt Gloger den EU-Mitgliedsstaat Tschechien und den Beitrittskandidaten Serbien. Die Slowakei, wo Anfang 2018 der Journalist Ján Kuciak und seine Verlobte ermordet wurden, gehört sogar zu den zehn Staaten der Welt mit den größten Punktverlusten in der Rangliste.

In Deutschland ist die Zahl der tätlichen Angriffe gegen Journalistinnen und Journalisten sogar gestiegen, rechnet Reporter ohne Grenzen vor. Vergangenes Jahr zählte die Organisation 22 derartige Fälle, im Jahr davor waren es noch 16. Derartige Gewalt wurde demnach vor allem am Rande rechtspopulistischer Veranstaltungen beobachtet, allen voran in Chemnitz im vergangenen Sommer. Seit der Hochphase von Pegida im Jahr 2015 sei ein derart medienfeindliches Klima nicht mehr beobachtet worden. Abgesehen davon kritisiert Reporter ohne Grenzen auch Gesetze wie das Netzwerkdurchsetzungsgesetz und das BND-Gesetz.

Besonderes Augenmerk legt die Organisation in diesem Jahr außerdem auf Österreich, wo "medienfeindliche Rhetorik und Drohungen gegen Medienschaffende" stark zugenommen hätten. Journalistinnen und Journalisten, die kritisch über die rechtskonservative Regierung berichten, würden häufig als "Linksextreme" gebrandmarkt, die das Land destabilisieren wollten. Das von der FPÖ geführte Innenministerium habe die Polizei intern vor bestimmten Medien gewarnt und empfohlen, die Zusammenarbeit mit diesen "auf das nötigste (rechtlich vorgesehene) Maß zu beschränken".

Weltweit ist die Situation uneinheitlich: Die größten Punktgewinne konnten Äthiopien, Malaysia und Äquatorialguinea für sich verbuchen. Äthiopien und Gambia machten mit 40 und 30 die meisten Plätze in der Rangliste gut. In Tunesien sei die Zahl der Übergriffe auf Medienschaffende deutlich gesunken, lobt Reporter ohne Grenzen noch. An der Spitze stand zum dritten mal in Folge Norwegen vor Finnland und Schweden. Die größten Punktverluste verzeichneten die Zentralafrikanische Republik, Tansania und Nicaragua. Am Ende der Rangliste wechselten die Diktaturen Turkmenistan, Nordkorea und Eritrea lediglich untereinander die Plätze. (mho)


Aus: "Reporter ohne Grenzen: Immer mehr Hetze gegen Medienschaffende in Europa und den USA" Martin Holland (18.04.2019)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Reporter-ohne-Grenzen-Immer-mehr-Hetze-gegen-Medienschaffende-in-Europa-und-den-USA-4402518.html
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[...] Sechs Tage die Woche von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends arbeiten: Genau das fordert Jack Ma, Gründer und Chef des Online-Händlers Alibaba. Der 40-fache Milliardär schrieb im sozialen Netzwerk Weibo, dass eine 72-Stunden-Woche gar "kein Problem" darstelle. Problematisch wäre die nur für Leute, die ihre Arbeit ohnehin nicht mögen.

 Ma gehört laut "Forbes" zu den reichsten Männern Asiens. Die 9-to-9-Arbeitszeit, in China auch bekannt unter der Abkürzung "996", sei seiner Meinung nach "ein großer Segen". Er selbst habe Zwölf-Stunden-Tage nie bereut. "Wie soll man den angestrebten Erfolg erzielen, wenn man nicht besonders viel Zeit dafür aufwendet?", fragte der Geschäftsmann seine Angestellten. Zudem machte er gegenüber seinen Mitarbeitern eine klare Ansage: All diejenigen, die wirklich erfolgreich sein wollen bei Alibaba, sollten sich mit zwölf Stunden Arbeit täglich an sechs Tagen die Woche anfreunden. "Von denen, die bequeme acht Stunden arbeiten, haben wir genug", so der Alibaba-Chef.

Die Medienlandschaft in China distanzierte sich von Ma. Loyalität und harte Arbeit zeige sich nicht durch erzwungene Überstunden, so die Zeitung "People's Daily".

Der Mitgründer von Tesla, Elon Musk, hält viel Arbeitszeit ebenfalls für einen Erfolgsgaranten. Bei Twitter schrieb er, dass niemand die Welt in einer 40-Stunden-Woche verändert hätte. Er selbst habe 120 Stunden pro Woche gearbeitet, als die Produktion in der Firma nicht so lief, wie er sich das erhofft hatte.

Chefs arbeiten meistens länger als ihre Angestellten. Das ist nichts Ungewöhnliches. Jedoch sind nicht alle der Auffassung, dass Erfolg proportional mit der Zunahme der Arbeitszeit steigt. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat sich für eine "deutsche" Arbeitszeit entschieden. Der 66,3 Milliarden Dollar schwere Gründer des sozialen Netzwerkes arbeitet laut Mitarbeiter Lee Byron meist 40 bis 50 Stunden die Woche und das von Montag bis Freitag. Wenn es brennt, würde er jedoch auch am Wochenende das Büro aufsuchen.

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Aus: "Karrieretipp von Jack Ma Milliardär empfiehlt die 72-Stunden-Woche" (Mittwoch, 17. April 2019)
Quelle: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Milliardaer-empfiehlt-die-72-Stunden-Woche-article20975198.html
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[...] Es ist eine Tragödie: Mit dem Brand von Notre-Dame wurde am Montag eines der großen abendländischen Kulturdenkmäler zerstört. Der Wiederaufbau dauert Jahre und kostet viel Geld. Zum Glück gib es in Frankreich reiche Menschen mit Verantwortungsbewusstsein und Bürgersinn, die das Projekt großzügig unterstützen. Die drei reichsten Familien des Landes spendeten mal schnell eine halbe Milliarde Euro. Toll. Eine rundum positive Sache. Oder etwa nicht?

Das sehen leider nicht alle so. Denn wie das in Deutschland so üblich ist: Sobald jemand etwas Gutes oder Besonderes erbringt, kommen sie aus ihren Löchern gekrochen. Die Mittelmäßigen, die Neider, die Besserwisser und Schlechtmacher. In öffentlichen Foren und sozialen Netzwerken tun sie das, was sie am besten können: rumnörgeln und die Taten anderer zerreden. Ihr Kritikpunkt: Für die zerstörte Kirche geben sie Geld - aber gegen den Hunger in der Welt oder die sterbenden Flüchtlinge im Mittelmeer tun sie nichts.

Ein irrsinniges Argument - das sich letztlich auf jeden anwenden lässt, der sich für wohltätige Zwecke einsetzt. Spendet man für Straßenhunde in Rumänien, sagen die Nörgler: Aber denk doch an die armen Kinder in Deutschland. Unterstützt man die, heißt es: In Osteuropa sind die Kinder noch viel ärmer dran. Aber was ist dann mit den Menschen in Afrika - geht es denen nicht noch viel schlechter?

Wer den Bau einer Schule in Malawi unterstützt, muss sich demnach den Vorwurf gefallen lassen, dass ein Brunnen doch viel wichtiger sei - schließlich können die Kinder ja nur lernen, wenn sie genug zu trinken haben. Und warum überhaupt Malawi - die Zentralafrikanische Republik ist schließlich noch ärmer.

Ein Wettlauf, der die Möglichkeiten der guten Tat immer weiter einschränkt - anstatt sie zu fördern und Helfer zu ermutigen. So lässt sich letztlich jedes Engagement kaputt reden. Der Wohltäter ist am Ende der Dumme - und derjenige, der gar nichts tut, steht als moralische Instanz da. So ist es schon jetzt auf Facebook, Twitter und Instagram zu beobachten.

Doch wenn einem wirklich etwas an den Hungernden in der Welt liegt oder dem Leid der Flüchtlinge, dann gibt es einen ganz einfachen Weg, diese zu unterstützen: Ein jeder könnte spenden, das ist kinderleicht. Aber andere zu kritisieren macht halt viel mehr Spaß, anstatt selbst etwas zu leisten. Und das Beste: Es kostet nichts.

Wie absurd: Hätten die drei reichsten Familien Frankreichs gar nichts gemacht und sich eine neue Yacht gekauft, anstatt Geld für Notre-Dame zu spenden - niemand hätte sich beschwert. Zum Glück haben sich die Familien Pinault, Arnault und Bettencourt davon nicht beirren lassen.


Aus: "Die Stunde der Miesmacher - wie gegen Wohltäter Stimmung gemacht wird" Carsten Heidböhmer (17. April 2019)
Quelle: https://www.stern.de/kultur/notre-dame--die-stunde-der-miesmacher---wie-gegen-wohltaeter-stimmung-gemacht-wird-8671766.html

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[...] Die Flammen waren noch nicht gelöscht, da kündigten erst die Pinaults und dann die Arnaults an, 100 und 200 Millionen Euro für den Wiederaufbau von Notre-Dame zu spenden.  ... Bis Dienstagabend (16.04.2019) lagen für Notre-Dame insgesamt Spendenzusagen von mehr als 750 Millionen Euro vor. Mehrere französische Konzerne kündigten Spenden in Millionenhöhe an, die Stadt Paris sagte 50 Millionen Euro zu. ...


Aus: "Notre-Dame: Wer sind die Spender für den Wiederaufbau?" (16.04.2019)
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/notre-dame-225.html

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[...] Für den Wiederaufbau der schwer beschädigten Pariser Kathedrale Notre-Dame ist schon fast eine Milliarde Euro an Spenden zusammengekommen. „Heute Morgen waren es fast 900 Millionen. Ich denke, wir werden heute noch die Milliardengrenze überschreiten“, sagte der Fernsehmoderator Stéphane Bern, der im Auftrag von Staatschef Emmanuel Macron für die Renovierung historischer Baudenkmäler in Frankreich zuständig ist, am Mittwoch dem Sender RMC. „Die ganze Welt ist an unserer Seite“, sagte Bern. Er erhalte Spenden aus vielen Ländern für die berühmte Kathedrale im Herzen von Paris, in der am Montagabend ein heftiges Feuer ausgebrochen war. ...


Aus: "Nach Feuer in Notre-Dame : Fast eine Milliarde Euro an Spenden für Wiederaufbau" (17.04.2019)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/notre-dame-fast-eine-milliarde-euro-an-spenden-fuer-wiederaufbau-16145455.html

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[...]  Warum geben die Familien, die so eng mit den Marken Louis Vuitton, L’Oréal und Gucci verbunden sind, ausgerechnet ihren finanziellen Segen für den Wiederaufbau einer Kirche? Gibt es nicht gravierendere Probleme als Steine? Was ist mit den Menschen? Was mit den sozialen Verwerfungen in den Pariser Vorstädten? Oder auch global: Was ist mit dem Klimawandel, der Armut, der mangelnden Chancengleichheit und der kritischen Gesundheitsversorgung?...


Aus: "Spenden für beschädigte Kathedrale: Die Bettler von Notre-Dame" Fabian Löhe (18.04.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/spenden-fuer-beschaedigte-kathedrale-die-bettler-von-notre-dame/24232840.html

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MartinKetzer 12:27 Uhr
Notre Dame... 700 Mio € wurden angeblich am 1. Tag gesammelt! Toll, das entkräftet natürlich den Ruf nach Umverteilung, super die Hilfsbereitschaft der Superreichen, nicht?
Also mal ganz ehrlich, hat die römisch katholische Kirche nicht genug Mittel das selbst zu machen?? Und sollte das Herz nicht eher bei leidenden Kindern/Tieren/Regenwald/Obdachlose/Kranke erweichen, als bei einem Hafen alter kalter Steine??

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Charybdis66 13:10 Uhr
Antwort auf den Beitrag von MartinKetzer 12:27 Uhr

    Also mal ganz ehrlich, hat die römisch katholische Kirche nicht genug Mittel das selbst zu machen??

Die römisch-katholische Kirche ist aufgrund eines Gesetzes von 1905 NICHT Eigentümerin der Kathedrale. Zuständig für den Erhalt praktisch aller Kirchengebäude vor 1905 ist der französische Staat.


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MartinKetzer 13:23 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Charybdis66 13:10 Uhr

danke, das ist ja interessant! und der Staat "vermietet" die alten Gebäude dann an die Kirche?


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Charybdis66 13:34 Uhr
Antwort auf den Beitrag von MartinKetzer 13:23 Uhr
Der Staat stellt sie der Kirche dann zur Verfügung, wobei die Kirche wohl einige Ausgaben wie Heizkosten selbst trägt. Wie exakt abgerechnet wird, weiß ich nicht im letzten Detail.

Das Gesetz soll eine Staatsform unterstützen, in der Staat und Religion strikt getrennt sind. Insofern werden beispielsweise die Kirchenangestellten in Frankreich nicht vom Staat bezahlt, und es wird auch keine Kirchensteuer eingezogen, sondern es gibt ein Kirchgeld für die Gläubigen, das, neben Spenden und anderen Einnahmen, für die Finanzierung der kirchlichen Arbeit notwendig ist.


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MartinKetzer 13:47 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Charybdis66 13:34 Uhr
danke für die Infos, das ist dann besser als bei uns zu Lande, wo der Staat die Gelder für die Kirche eintreibt! Aber hier hat die Bevölkerung ja auch die Köpfe rollen lassen, das hat offenbar nachhaltig Wirkung gezeigt! :-)
In dem Sinne: Frohe Ostern!


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Charybdis66 11:12 Uhr
Das Beste wäre gewesen, die reichen Familien hätten ihre Spendenbereitschaft nicht publik gemacht, denn dann wäre dieses ganze moralinsaure Gewäsch, das schon während des Brandes so sicher kommen würde wie das sprichwörtliche Amen in der Kirche, überflüssig.

Ich bin einmal, als ich als praktisches Beispiel erzählte, dass ich in Afrika eine Schule unterstütze, von einem Diskussionspartner angegriffen worden, warum ich nicht für die Flüchtlinge spenden und warum ich da nichts tun würde. Dabei hatte ich gar nichts darüber gesagt, ob ich etwas für Flüchtlinge tue oder nicht (das auch gar nicht das Thema der Diskussion war, denn es ging um Afrika). Aber sofort wurde mein kleines Investment auf die moralische Goldwaage gelegt, und der Diskussionspartner machte mich sofort auf meine unverrückbare moralische Verfehlung aufmerksam.

Es ist jedermanns eigene Entscheidung, für was er Geld spendet oder auch nicht. Manche Spenden gefallen mir tatsächlich besser und manche auch nicht. Aber ich beklage nicht ständig moralinsauer triefend, was andere Menschen tun.

Apropos: Ich habe auch für Notre Dame gespendet, wenn auch vielleicht etwas weniger als ein paar Millionen Euro.


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tweet4fun 10:19 Uhr

... Ich finde, daß man es den Franzosen überlassen sollte, wie sie mit der Akzeptanz der Millionenspenden umgehen und wie sie über ihre Milliardäre denken, denn die sind durchaus fähig zum eigenen Denken! ...

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betroffener72378 09:54 Uhr
Milliardäre, die für Notre Dame spenden, erinnern mich an den Ablasshandel des Mittelalters.


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Charybdis66 11:06 Uhr
Antwort auf den Beitrag von betroffener72378 09:54 Uhr
Ach echt? Hat die katholische Kirche die Milliardäre unter Druck gesetzt, dass sie in der Hölle schmoren werden, falls sie nicht spenden? Haben Sie Quellen dazu? Ich warte neugierig auf Ihre Belege.


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betroffener72378 08:45 Uhr
Würden diese Gönner nicht 600 Millionen Euro und mehr Spenden, würde offensichtlich, dass der Staatshaushalt (aufgrund Schuldenbremse/Maastricht Kriterien) nicht genügend Mittel hat, um Notre Dame zu restaurieren.

Dann käme das Volk auf die Idee grosse Vermögen zu besteuern um öffentliche Zwecke zu finanzieren.

Mit dem möglichen Ergebnis der Wiedereinführung der Vermögenssteuer.

Dann käme auch das deutsche Volk auf die Idee. Und dann die EU: EU-weite Regeln für eine Vermögenssteuer, wie bei der Mehrwertsteuer.

Der Horror.

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affogato 08:07 Uhr

Eines der Privilegien des Eigentums ist es, dass man sich aussuchen kann wofür man es spendet oder wem man es schenkt (in den Grenzen steuerrechtlicher Regeln). ...


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mcgyver 17.04.2019, 20:44 Uhr

    Gibt es nicht gravierendere Probleme als Steine?

Auch bei den Pyramiden handelt es sich lediglich um Steine. Aber zusammen mit der Geschichte der Pharaonen verschaffen sie einen faszinierenden Einblick in die antike Geschichte, der niemals möglich gewesen wäre, wenn Ägypten das Geld für soziale Zwecke anstatt für Königsgräber verwendet hätte.

Wichtig ist das Überzeitliche. Das, was der Einzelne über sich selbst hinaus erschafft und der Nachwelt hinterlässt. Das kulturelle Erbe unserer europäischen Geschichte. Die wenigen Menschen, die ihre Epoche als Denker, Künstler, Herrscher oder Feldherren prägten. Der Rest ist spätestens nach drei Generationen vergessen.

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Diele 17.04.2019, 19:42 Uhr

Warum die Superreichen für die Notre Dame ihre Millionen spenden, ist mit einem Satz zu erklären: Kultur schlägt Humanität.


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[...] US-Präsident Donald Trump hat sein Veto gegen eine Resolution des Kongresses eingelegt, die der US-Hilfe für die Militäroperation im Jemen unter Führung Saudi-Arabiens ein Ende setzen sollte. In dem von beiden Parlamentskammern verabschiedeten Beschluss war Trump angewiesen worden, alle Kräfte zur Unterstützung der umstrittenen Operation binnen 30 Tagen abzuziehen. Am Dienstagabend (Ortszeit) ließ Trump aber mitteilen, dass er sein Veto dagegen eingelegt hat - das erst zweite seiner Amtszeit. Die Resolution sei ein unnötiger und gefährlicher Versuch, seine verfassungsmäßigen Befugnisse zu schwächen, erklärte der Republikaner. Der Beschluss würde das Leben amerikanischer Bürger und Soldaten gefährden, fügte er hinzu.

Der unabhängige Senator Bernie Sanders, eine treibende Kraft hinter der Resolution, nannte Trumps Entscheidung enttäuschend, aber nicht überraschend. Er kündigte an, in seinen Bemühungen nicht nachlassen zu wollen. „Die Menschen im Jemen brauchen dringend humanitäre Hilfe, nicht noch mehr Bomben“, erklärte der Senator, der sich um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bewirbt.

Um Trumps Veto zu überstimmen, wäre in beiden Kongress-Kammern jeweils eine Zweidrittelmehrheit notwendig, die kaum zu erzielen sein dürfte - auch wenn im Senat vorher einige Republikaner mit den Demokraten gestimmt und so für die nötige Mehrheit gesorgt hatten.

Die USA unterstützen die saudisch geführte Koalition im Jemen unter anderem mit Geheimdienstinformationen für die Ermittlung von Zieldaten. Der Kongress bemängelte mit seinem Beschluss, dass US-Streitkräfte im Rahmen der Operation ohne Genehmigung des Parlaments eingesetzt würden. Die Resolution untersagte ausdrücklich auch das Betanken nicht-amerikanischer Flugzeuge in der Luft, die für die Koalition im Jemen fliegen. Diese Praxis hatten die USA bereits im vergangenen Herbst gestoppt.

Im Jemen kämpfen Huthi-Rebellen seit mehr als vier Jahren gegen Anhänger der international anerkannten Regierung. Deren Truppen werden von der saudisch geführten Koalition mit Luftangriffen unterstützt. Das sunnitische Königshaus in Saudi-Arabien sieht in den Rebellen einen engen Verbündeten seines Erzfeindes, des schiitischen Irans. Saudi-Arabien wird vorgeworfen, bei den Militärangriffen nicht ausreichend Rücksicht auf den Schutz von Zivilisten zu nehmen.

Die Resolution des US-Parlaments war ein klares politisches Zeichen gegen Trumps Unterstützung für Saudi-Arabien - und ein seltenes Signal der Einigkeit zwischen den Demokraten und Teilen der Republikaner. Die US-Unterstützung für die Koalition im Jemen ist auch unter Trumps Konservativen umstritten, die die Mehrheit im Senat stellen. Sieben republikanische Senatoren hatten im März gemeinsam mit den Demokraten gestimmt.

Das Abgeordnetenhaus wird von den Demokraten dominiert. Auch hier stimmten mehr als ein Dutzend Republikaner mit den Demokraten. Eine Zweidrittelmehrheit erhielt die Resolution aber in keiner der beiden Kammern. Daher ist unwahrscheinlich, dass der Kongress ein Veto des Präsidenten überstimmen würde. (dpa)


Aus: "Jemen-Krieg: Trump lässt Militärhilfe für Saudi-Arabien im Jemen-Krieg weiterlaufen" (17.04.2019)
Quelle: https://www.fr.de/politik/jemen-krieg-donald-trump-laesst-militaerhilfe-saudi-arabien-weiterlaufen-12199317.html
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[...] Der linke US-Politiker Bernie Sanders muss nach der Veröffentlichung seiner Steuerunterlagen um seine Glaubwürdigkeit fürchten. Die Dokumente, die seit Montag öffentlich zugänglich sind, zeigen, dass er in den Jahren 2016 und 2017 ein Einkommen von jeweils mehr als einer Million Dollar hatte. Sanders ist vor allem wegen seines Kampfes für mehr Einkommensgerechtigkeit bekannt.

Sanders steht innerhalb der demokratischen Partei weit links und hofft auf die Nominierung als ihr Präsidentschaftskandidat für die Wahl 2020. "Millionäre und Milliardäre" sowie die Schieflage bei der Verteilung von Reichtum sind regelmäßig Thema seiner politischen Reden, er vertritt zahlreiche sozialistische Positionen.

Die jetzt veröffentlichten Unterlagen aus zehn Jahren zeigen, dass Sanders selbst zumindest zwischenzeitlich zu denen gehörte, die er kritisiert: Demnach lag sein bereinigtes Bruttoeinkommen im Jahr 2016 bei 1.062.626 Dollar (939.664 Euro), im Jahr 2017 waren es 1.131.925 Dollar (1.000.940 Euro).

Die Millioneneinnahmen waren den Unterlagen zufolge ein Ausreißer nach oben: 2015 hatte Sanders noch weniger als 250.000 Dollar verbucht, dann aber das extrem erfolgreiche Buch "Unsere Revolution" geschrieben. 2018 lagen seine Einnahmen dann noch bei rund 560.000 Dollar.

Sanders erklärte, seine Steuerunterlagen zeigten, dass seine Familie "Glück gehabt" habe. Er sei dafür sehr dankbar, da er aus seiner Jugend wisse, welchen Druck finanzielle Unsicherheit bedeute. Mit seinem steigenden Einkommen auch höhere Steuern zu zahlen, sei für ihn "eine Verpflichtung und eine Investition in unser Land". Sanders fügte hinzu, er werde weiterhin dafür kämpfen, dass jeder Amerikaner ein Gehalt bekomme, von dem er leben könne.

Während Sanders' Steuerunterlagen nun öffentlich sind, wächst der Druck auf US-Präsident Donald Trump, seine Unterlagen ebenfalls zu veröffentlichen. Bisher hat Trump dies stets verweigert. Die Demokraten im Repräsentantenhaus versuchen derzeit, ihn zur Veröffentlichung zu zwingen. (AFP)


Aus: "Reicher Sozialist Bernie Sanders ist laut Steuerunterlagen Millionär" (16.04.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/reicher-sozialist-bernie-sanders-ist-laut-steuerunterlagen-millionaer/24225026.html

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BraverBuerger 11:10 Uhr

    Der linke US-Politiker Bernie Sanders muss nach der Veröffentlichung seiner Steuerunterlagen um seine Glaubwürdigkeit fürchten.

Warum, *deswegen*?


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commentator 10:49 Uhr

    Bernie Sanders ist laut Steuerunterlagen Millionär

Und es gibt wohl kaum redlichere Millionäre als jene, die das durch Bücher zur sozialen Gerechtigkeit geworden sind.


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Mmh 12:03 Uhr

Was ist denn das für eine Debatte? Dürfen sich Einkommensmillionäre nicht für eine Angleichung der Lebensverhältnisse und mehr Steuergerechtigkeit einsetzen? ...


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[...] Frankfurt am Main/Frankfurt – Aktien und vor allem Immobilien machen den Unterschied: Nach Daten der Bundesbank sind die Vermögen der privaten Haushalte in Deutschland weiterhin ungleich verteilt – auch wenn sie im Schnitt gestiegen sind. Das geht aus der am Montag veröffentlichten Bundesbank-Studie "Private Haushalte und ihre Finanzen" (PHF) hervor. Demnach gehören den reichsten zehn Prozent der Haushalte 55 Prozent des gesamten Nettovermögens – also des Vermögens abzüglich Schulden. Bei der vorherigen Studie 2014 waren es 60 Prozent. Die untere Hälfte der Haushalte muss sich unverändert mit mageren 3 Prozent begnügen. Der Rest des Nettovermögens ist im Besitz von 40 Prozent der Haushalte. "Insbesondere die Nettovermögen von Immobilieneigentümern haben sich in Folge der gestiegenen Immobilienpreise erhöht", heißt es im Bundesbank-Monatsbericht. Allerdings besitzen nur 44 Prozent der Privathaushalte in Deutschland Wohneigentum. An vielen Menschen geht der Immobilienboom somit vorbei. In anderen Ländern im Euroraum, zum Beispiel in Italien oder Spanien, ist die Quote der Immobilienbesitzer mit zuletzt etwa 70 beziehungsweise rund 80 Prozent deutlich höher.

Insgesamt konnten die Bundesbürger dank niedriger Arbeitslosigkeit und höherer Einkommen in den vergangenen Jahren mehr auf die Seite legen. Zugleich profitierten sie von steigenden Aktienkursen und Immobilienpreisen. Abzüglich Schulden verfügten die Haushalte 2017 im Schnitt über ein Nettovermögen von 232.800 Euro. Das waren 18.300 Euro mehr als bei der Auswertung drei Jahre zuvor. Befragt wurden 4.942 repräsentativ ausgewählte Haushalte. Weil die Durchschnittswerte stark durch Extremwerte beeinflusst sind, halten die Bundesbank-Experten eine andere Auswertung für aussagekräftiger: den sogenannten Medianwert. Er liegt in der Mitte, wenn man die Werte der Größe nach sortiert. Die Haushalte werden in eine reichere und eine ärmere Hälfte geteilt. Der Medianwert liegt deutlich niedriger als der Durchschnittswert: Netto bei 70.800 (2014: 60.400) Euro. "In der Mitte und im unteren Bereich der Verteilung findet man kaum Haushalte mit Immobilieneigentum und Aktienbesitz", erläuterte die Bundesbank.

Um zu den zehn Prozent der vermögendsten Haushalte in Deutschland zu gehören, waren im Jahr 2017 den Angaben zufolge gut 555.400 Euro nötig. Das waren knapp acht Mal soviel wie der Median. Der Medianwert ist in Deutschland weiterhin geringer als in anderen Ländern, für die vergleichbare Daten vorliegen. In Italien lag er zuletzt bei 126.000 Euro, in Österreich waren es 83.000 Euro. In den vergangenen Jahren profitierten den Angaben zufolge allerdings auch Menschen, die zur Miete leben, sowie Haushalte, die zur vermögensärmeren Hälfte zählen, von gestiegenen Einkommen. "Sie versetzen diese Haushalte in die Lage, mehr zu sparen und verringern die Notwendigkeit neue Konsumentenkredite aufzunehmen", heißt es in der Untersuchung. Regional gibt es in Deutschland deutliche Unterschiede. So ist der Median im Westen mit 92.500 Euro etwa viermal so hoch wie im Osten (23.400 Euro). Grund sei vermutlich der geringere Anteil an Wohneigentümern in den neuen Ländern. Der höchste Medianwert findet sich in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen mit 139.800 Euro. Die Notenbank hat die Studie zum dritten Mal durchgeführt. 9.710 Menschen ab einem Alter von 16 Jahren gaben Auskunft über ihr Vermögen: Haus und Auto, wertvolle Sammlungen und Schmuck, Guthaben auf Sparkonten, Bausparverträge, Aktien, Lebensversicherungen. Auf der Soll-Seite: Hypotheken, Konsumentenkredite, Kreditkartenschulden, Bafög-Schulden. Zwar sei die Vermögensungleichheit im Vergleich zur vorherigen Befragung geringfügig gesunken, heißt es in der Studie. Ein eindeutiger Trend sei aber nicht erkennbar, folgert die Bundesbank: "Nach wie vor ist Deutschland ein Land, in dem die privaten Vermögen ungleich verteilt sind." (dpa, 15.4.2019)



Aus: "Reichstes Zehntel besitzt mehr als die Hälfte des Vermögens" (15. April 2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000101450972/Deutschland-Zehn-Prozent-der-Haushalte-halten-55-Prozent-des-Vermoegens

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wiental_fan

Das ewige Gejammer um das ungleich verteilte Vermögen nervt schon langsam. Es sollte bekannt sein, dass dies systembedingt quasi "natürlich" stattfindet. Was allerdings endlich dazu gesagt werden sollte, werte Journalistengemeinde, dass dies nur durch die Politik ausgeglichen werden kann, insoweit dies gesamtwirtschaftlich notwendig ist. Der jetzige politische Kurs fördert die Vermögensungleichheit europa- und weltweit nur.


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Der Gummibaumtroll

Interessant ist doch vielmehr, wie das in anderen Ländern aussieht.
Hier die Zahlen für die reichsten 1% (nicht 10% wie im Artikel oben)

Japan - die reichsten 1% besitzen 19%
Österreich - 23%
UK - 23%
NL - 24%
D - 30%
Schweden - 32%
USA - 37%
China - reichste 1% besitzen 39%
ARG - 44%
BRA - 48%
Rußland - reichste 1% besitzen 70%

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JackTravni

Hat nix mit "Neo-Liberalen" zu tun!

Z.B. sei erinnert, dass eine sozialistische Regierung unter Schröder das menschenverachtende System von Hartz-IV eingeführt hat, wo alles Ersparte bis auf einen Mindestsatz aufgebraucht sein muß, um Sozialgeld zu bekommen. Außerdem werden Verwandte wie Kinder oder Ehepartner zur Versorgung herangezogen. DAVON SIND WIR IN ÖSTERREICH WEIT ENTFERNT. ...


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W. B.

Erinnerung an das Schröder-Blair-Papier: 8. Juni 1999 - Der Titel des Dokumentes lautet in seiner deutschen Fassung Der Weg nach vorne für Europas Sozialdemokraten. Es wird darin der Grundsatz „Gerechtigkeit ist modern“ verkündet. Die Autoren betonen, dass Werte wie Fairness, soziale Gerechtigkeit, Freiheit, Verantwortung für andere, Chancengleichheit und Solidarität zeitlos sind.

Insgesamt geht es in dem Papier um eine wirtschaftsfreundlichere Ausrichtung, eine Reform der Sozialsysteme und die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte. Betont wurde, dass eine nach Auffassung der Verfasser pragmatische und keine ideologische Wirtschaftspolitik betrieben werden müsse.

Zwanzig Jahre später: Reichstes deutsches Zehntel besitzt mehr als die Hälfte des Vermögens. ...


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sociovation

Die Ungleichheit ist übrigens im reichsten Zehntel noch wesentlich größer als unter den restlichen 90 Prozent.
Außerdem schließt die Studie die noch viel größere Ungleicheit in der Verteilung an Firmenvermögen aus.
Solche Studien sind eine einzige Verschleierung der wahren Dimension des neoliberalen Ungleichheitswahnsinns.


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[...] Film [Der Funktionär Andreas Goldstein Deutschland 2018, 72 Minuten] - Andreas Goldstein spürt seinem lange verstorbenen Vater nach, dem einstigen DDR-Kulturminister Klaus Gysi

... Goldstein spricht an einer Stelle davon, dass er in der DDR-Schule keine Angst gehabt hätte, zu sagen, was er dachte. Erst später habe er begriffen, dass das ein Privileg war, das er nur als Sohn eines hohen Funktionärs genoss. ...


Aus: "Beschränkt funktional" Michael Suckow (Ausgabe 15/2019)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/msuckow/beschraenkt-funktional
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[...] Film [Der Funktionär Andreas Goldstein Deutschland 2018, 72 Minuten] - Andreas Goldstein spürt seinem lange verstorbenen Vater nach, dem einstigen DDR-Kulturminister Klaus Gysi

... Goldstein spricht an einer Stelle davon, dass er in der DDR-Schule keine Angst gehabt hätte, zu sagen, was er dachte. Erst später habe er begriffen, dass das ein Privileg war, das er nur als Sohn eines hohen Funktionärs genoss. ...


Aus: "Beschränkt funktional" Michael Suckow (Ausgabe 15/2019)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/msuckow/beschraenkt-funktional
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[...] Eigentlich sollte es mittlerweile allen bewusst sein: Wer ein Smartphone nutzt, der hinterlässt damit auch umfassende Datenspuren. Das gilt im Besonderen für Android-Smartphones, wo Google ein recht exaktes Bild der Bewegungen seiner Nutzer erhält – vor allem wenn sich diese dazu bewegen lassen, optionale Features wie den "Standortverlauf" zu aktivieren. Dabei entsteht ein Datenschatz – Google-intern "Sensorvault" genannt -, den zunehmend auch Strafverfolger für sich nutzen wollen.

US-Behörden fordern in Ermittlungen zu Kriminalfällen immer öfter die Herausgabe von Standortdaten durch Google, berichtet die New York Times. Diese Methode der Ermittlung erfreue sich bei der Polizei derzeit rasch wachsender Beliebtheit, zuletzt soll es bereits bis zu 180 solcher Anfragen an Google gegeben haben – und zwar pro Woche. Doch nicht nur die Zahl der Anfragen steigt, auch fallen diese immer weitreichender aus. Geht es dabei doch längst nicht mehr um einzelne Personen. Eine typische Anordnung sieht so aus, dass die Strafverfolger Zeitraum und Ort definieren, für die sie dann sämtliche Smartphone-Bewegungen erhalten wollen. Für den Zugriff auf all diese Daten ist eine richterliche Anordnung vonnöten, dies scheint aber angesichts des aktuellen Volumens der Anfragen kein sonderliches Hindernis darzustellen.

Google hat mittlerweile ein eigenes Protokoll etabliert, um die Kommunikation mit den Behörden abzuzwickeln, und die Datenweitergabe zu minimieren. So werden zunächst lediglich anonymisierte Daten geliefert, mithilfe derer die Strafverfolger dann eingrenzen können, welche Geräte potentiell für ihre Ermittlung von Interesse sind. Dann erhalten sie – noch immer anonym – weitere Bewegungsdaten zu den jeweiligen Geräten. Erst danach können sie dann Details wie E-Mail-Adresse oder Name zu den zugehörigen Google-Accounts abfragen.

So gern die Strafverfolger dieses neue Tool in ihren Ermittlungen einsetzen, so umstritten ist es auch. Rechtsexperten sehen in solch einer Form der Schleppnetzfahndung einen Verstoß gegen die US-Verfassung. Zudem bestehe die Gefahr, dass durch diese Daten erst recht Unschuldige ins Visier der Ermittlungen kommen. Die New York Times berichtet etwa von einem Mordfall, in dem ein Verdächtiger nicht zuletzt aufgrund dieser Standortdaten verhaftet wurde – und zu unrecht eine Woche im Gefängnis verbringen musste. Aber auch bei Google selbst ist man mit der Nutzung von "Sensorvault" als Strafermittlungstools alles andere als glücklich. Zwar sei es unumstritten, dass man gezielten Anfragen der Behörden nachgeben müsse, viele Richter würde aber äußerst große Bereiche in Durchsuchungsbefehlen zulassen. Zudem verweisen Mitarbeiter des Unternehmens noch auf ein anderes Problem: "Sensorvault" sei nie für solche Aufgaben konzipiert worden, die Daten seien entsprechend auch gar nicht genau genug, um wirklich zuverlässige Zuordnungen zu erlauben.

Grundlage dieses für die Behörden so interessanten Datenschatzes, ist der sogenannte "Standortverlauf". Dabei handelt es sich um ein optionales Features eines Google-Accounts, das nicht von Haus aus aktiviert ist. Da es aber für zahlreiche Google-Dienste genutzt wird, drängen Android-Smartphones öfters einmal auf dessen Aktivierung. Insofern dürfte diese Funktion auch bei vielen Nutzern aktiviert sein. Die damit gesammelten Daten werden etwa genutzt, um in Echtzeit Informationen zur Verkehrslage zu sammeln, die dann in Google Maps als Service angeboten werden. Zudem können sich die User dieser "Location History" selbst auf einer Karte anzeigen lassen, wo sie seit der Aktivierung dieses Features unterwegs waren. Über die Account-Einstellungen bei Google kann sowohl die weitere Erfassung solcher Daten deaktiviert als auch bereits gesammelte Informationen gelöscht werden.

Ganz generell sei angemerkt, dass der Standortverlauf nicht die einzige Funktion ist, über die Google Ortsdaten seiner Nutzer erfasst. So werden etwa bei Suchanfragen oder auch bei der Nutzung gewisser Apps von Haus aus solche Informationen gesammelt. Diese ergeben meist aber nur ein vergleichsweise ungenaues Bild. Zudem gibt es für die Behörden auch jenseits von Google Wege an Standortdaten einzelner Mobiltelefonnutzer zu kommen. Zentraler Anlaufpunkt waren dabei bisher immer die Mobilfunker, die ebenfalls ein recht gutes Bild über die Bewegung jedes einzelnen Nutzers haben. Diese Quelle scheint man aber eben nun mit Googles "Sensorvault" zu ergänzen, da dieser oft präzisere Daten liefert.

Der Bericht ist natürlich Wasser auf den Mühlen von Privatsphärenverfechtern. Seit Jahren verweisen diese auf ein simples Prinzip, das sich "wenn man es baut, werden sie kommen" nennt. Auf den konkreten Fall umgelegt, heißt das also: Wer massiv Daten sammelt, wird früher oder später zum Ziel von Überwachungsbehörden – ob man es will oder nicht. Insofern sei es also besser solche Sammlungen erst gar nicht entstehen zu lassen.


Aus: "Google weiß immer wo wir sind – und die US-Polizei damit auch" (apo, 14.4.2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000101383737/Google-weiss-immer-wo-sie-sind-und-die-Polizei-damit

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Grimmewald

Eins steht fest, sollte ich jemals eine Leiche zu entsorgen haben, dann bleibt das Handy Zuhause.


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TomTom34

Auf der anderen Seite kann man damit unter Umständen aber auch seine Unschuld beweisen indem man beweisen kann dass zumindest das Handy sich an einem anderen Ort befunden hat.


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Der weise Uhu

In einem Rechtsstaat

Muss man nie seine Unschuld beweisen.


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\caliban/

Tjaja, den Standortverlauf deaktivieren bzw. löschen. Ersteres mach ich natürlich auch immer schon, aber alter Zyniker, der ich bin, gehe ich davon aus, dass das anders funktioniert. Da wird nichts deaktiviert oder gelöscht, sondern ein Hakerl gesetzt: "Dem User nicht anzeigen."


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[...] Dutzende Dateien mit sensiblen personenbezogenen Informationen von Strafverfolgern und weiteren Ermittlern des FBI sind Hackern in die Hände gefallen. Die Übeltäter sollen einen Teil der abgezogenen Daten auch auf ihrer Webseite veröffentlicht haben, schreibt der Online-Dienst Techcrunch. Es handle sich um rund 4000 Einzeleinträge mit Klarnamen, privaten und dienstlichen E-Mail-Adressen, Berufsbezeichnungen, Telefonnummern und Postanschriften.

Die Hackergruppe und ihre Webadresse nennt das Magazin nicht angesichts der Sensibilität der publizierten Daten. Die Verantwortlichen sollen dem Bericht nach drei Seiten geknackt haben, die mit der FBI National Academy Association (FBINAA) in Zusammenhang stehen. Die Organisation hat es sich zum Ziel gesetzt, Standards, Know-how und die Zusammenarbeit von Strafverfolgungsbehörden in den USA und weltweit zu verbessern. Sie unterhält unter anderem das FBI-Ausbildungszentrum in Quantico im Bundesstaat Virginia.

Offenbar haben sich die Hacker Zugang zu geschlossenen Mitgliederbereichen der FBINAA und verschiedener Untergruppen der Vereinigung verschafft. In einem verschlüsselten Chat mit Techcrunch sollen sie angegeben haben, bekannte Sicherheitsschwachstellen in Form von "öffentlichen Exploits" verwendet zu haben.

Die von ihnen ins Visier genommenen Webseiten scheinen demnach nicht ganz auf dem aktuellen Sicherheitsstand gewesen zu sein und veraltete Plugins verwendet zu haben. Einzelne der betroffenen Homepages verunstaltete die Gruppe auch, die nach eigenen Angaben über zehn Mitglieder zählt. Welche Hacking-Methoden das FBI und andere US-Sicherheitsbehörden verwenden, wollen derweil Bürgerrechtler per Klage herausfinden.

Angeblich haben die Angreifer insgesamt über 1000 Seiten gehackt und sind noch dabei, die erbeuteten Daten zu strukturieren. Die publik gemachten Informationen sollen als Lockvogel für Interessenten dienen, die weiteres Material kaufen wollen. Insgesamt wollen die Hacker über eine Million Datensätze aus den verschiedensten US-Behörden und Wohlfahrtsorganisationen in ihren Besitz gebracht haben. Sie schließen nicht aus, weitere Informationen davon zunächst gratis auf ihrer Seite verfügbar zu machen. Letztlich gehe es ihnen darum, Erfahrungen zu sammeln und die Daten zu Geld zu machen.

In dem Messenger-Austausch hat die Gruppe laut der Meldung auch Nachweise erbracht, die Sicherheitsmechanismen anderer Webauftritte umgangen zu haben. Dazu sollen Seiten des südostasiatischen Tech-Zulieferers Foxconn gehören. Ein angebotener Link habe zu einem Lotus-basierten Webmail-System mit tausenden Mitarbeitereinträgen inklusive Mail-Adressen und Telefonnummern geführt. (bme)



Aus: "FBI-Hack: Rund 4000 Datensätze von US-Polizisten im Netz" Stefan Krempl  (13.04.2019)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/FBI-Hack-Rund-4000-Datensaetze-von-US-Polizisten-im-Netz-4399128.html

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