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[...] Herr Appenzeller, Sie sind mit Ihrem Planungsbüro in Städten weltweit aktiv. Sind wir Berliner besonders von der Wohnungsnot betroffen?

Markus Appenzeller: Nein, das ist ein globales Problem. Überall, wo ich hinkomme, ob in China, in Afrika oder in Europa, gibt es kaum noch bezahlbaren Wohnraum in Städten. Durch den großen Drang in die Innenstädte werden vor allem die unteren Einkommensschichten verdrängt. Diese Dynamik wird durch einen zweiten Trend zusätzlich angeheizt.

Und der wäre?

Stadtentwicklung ist mittlerweile ein globalisiertes Geschäftsfeld, in das immer mehr Geld fließt. Man trifft immer wieder auf die gleichen Player, die an verschiedensten Stellen der Welt investieren. Ich war diese Woche in Nairobi, da ist ein Projektentwickler aus London mit Investoren aktiv, die wir aus Russland und den USA kennen.

War das nicht schon immer so?

Nein. Früher waren Projektentwickler beschränkt auf ein Land oder eine Region. Heute suchen sie sich gemeinsam mit Investoren zunehmend weltweit interessante Objekte, mit denen man gute Rendite erzielen kann. Seit fünf, sechs Jahren ist auch Deutschland im Fokus.

Wenn so viel gebaut wird, müsste dadurch der Wohnraum nicht billiger werden?

Ein Großteil der Preissteigerungen hat nichts mit der realen Nachfrage nach Wohnraum zu tun. Die gibt es, doch der explodierende virtuelle Immobilienmarkt kommt nun als Preistreiber hinzu. Er hat nicht mehr den Stadtbewohner als Mieter und Endverbraucher im Fokus. Sondern Investoren, die ihr Geld anlegen wollen. Die Folgen sind absurd: Man baut komplett am realen Bedarf vorbei und schafft Wohnraum, der im Zweifel gar nicht als Wohnraum gedacht ist, sondern nur als Geldanlageobjekt. Zum Beispiel werden bevorzugt kleine Wohnungen gebaut, um den Einstiegspreis gering zu halten. Je kleiner die Wohnung, desto interessanter ist sie als reines Investment.

Bedroht dieses globale Geschäft die lokalen Stadtgesellschaften?

Ja. Internationalen Investoren ist es im Gegensatz zum klassischen Hauseigentümer relativ gleichgültig, welche lokalen Folgen ihr Handeln hat. Sie haben nur zwei Entscheidungskriterien: die Rendite und die Sicherheit für ihr Kapital, die ihnen der Ort bieten kann. Die Stadt wird vom Wohn- und Lebensraum zu einem Finanzmodell für umherschwirrendes Geld, das Anlagemöglichkeiten sucht. Ich bin grundsätzlich Optimist, aber ich mache mir da schon Sorgen.

Welche Folgen befürchten Sie?

Der Neid und der Kampf ums Überleben in der Stadt wird größer werden. Auch die Nationalismustendenzen und latente Ausländerfeindlichkeit in manchen Vierteln sind ein Zeichen für diesen wachsenden sozialen Unfrieden. Die Politik hat inzwischen erkannt, dass das ein Problem ist, der Wohnungsgipfel zeigt das. Aber wenn man nicht schnell deutliche Schritte unternimmt, besteht aus meiner Sicht ein reales Risiko, dass sich das zu einem explosiven Gemisch aus ökonomischem Druck, Zukunftsangst und Xenophobie entwickelt.

 Wenn so viele Städte von diesen Gefahren bedroht sind, warum gibt es zwar internationale Immobilienmessen, aber keinen internationalen Städtegipfel?

Es fehlt tatsächlich ein Format, in dem man Lösungen für das weltweite Problem entwickelt. Leider sehe ich nicht, dass eine globale Städteallianz entsteht. Jede Stadt wurschtelt für sich, auch weil sie natürlich untereinander im Wettbewerb stehen und um Investitionen buhlen.

Bekommen Sie selbst unmoralische Bauangebote?

Jede Menge. Ein Projektentwickler wollte auf Madeira für britische Anleger bauen. Die brauchen dann keine Steuern auf Gewinne mit den Wohnungen zu zahlen. Das lehnen wir ab, obwohl es finanziell interessant wäre. Wir wollen Architektur und Strukturen für echte Menschen in echten Städten schaffen. Unser Büro ist deshalb eher im kostengünstigen Massenwohnungsbau aktiv. In manchen Städten ist das mittlerweile eher ein Nischenmarkt geworden.

Wo zum Beispiel?

In London etwa wird schon lange nicht mehr für Londoner gebaut, sondern fast nur noch für ausländische Anleger. Chinesische Firmen lassen für vermögende Chinesen bauen, die ihr Geld entweder direkt in Wohnungen oder in Anteile an einem Immobilienfonds investieren. Der Verkauf läuft meist in China ab, die Wohnung ist also auf dem lokalen Markt gar nicht verfügbar. Inzwischen sieht man dieses Vertriebsmodell in immer mehr Städten, auch in Berlin.

 Aber diese Objekte werden doch trotzdem nachher als Wohnraum vermietet.

Nicht unbedingt. Je nach Modell wird eine Wohnung durch die Vermietung für Anleger sogar weniger wert. Einerseits, weil sie dann schwieriger zu verkaufen ist. Außerdem besteht das Risiko, dass sie durch die real erwirtschaftete Miete abgewertet wird. Man schätzt, dass in China ein Drittel der Wohnungen leer steht. In Schanghai oder Peking gibt es bei Wohnungen Wertsteigerungen von mehr als 50 Prozent im Jahr – da gibt es keinerlei ökonomische Notwendigkeit, sie zu vermieten.

Was tut man dann damit?

Man lässt sie drei Jahre leer stehen und verkauft sie wieder. Diese Auswüchse des Renditekapitalismus sieht man weltweit. Es besteht das Risiko, dass sich die Innenstädte dadurch komplett entleeren und nur noch Arbeitsplätze, Tourismus und Dienstleistungen übrig bleiben.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Cansel Kiziltepe fordert deshalb, spekulative Renditejäger im Zweifel zu enteignen.

Man braucht in jedem Fall Regeln, die solche Praktiken unattraktiv machen. Im Grundgesetz ist die Sozialbindung des Eigentums formuliert. Wenn ich Wohnraum leer stehen lasse, ist das nicht sozial. Das muss unter Androhung hoher Strafen verhindert werden, im schlimmsten Fall bis zur Enteignung. Hier sind auch die Regierungen gefragt, da einzelne Städte in ihren gesetzgeberischen Möglichkeiten überfordert sind.

 Wie im Fall der umstrittenen Modernisierungsumlage.

Die muss abgeschafft werden. Sie ist schon in ihrer Grundidee absurd. Dabei werden notwendige Werterhaltungsmaßnahmen als Modernisierung umgedeutet und auf die Mieter umgelegt. Eigentlich müsste es genau umgekehrt sein: Mieten müssten automatisch sinken, wenn diese Maßnahmen ausbleiben.

Sollte man auch per Gesetz verhindern, dass Krankenkassen oder Rentenfonds in den virtuellen Markt investieren und bei der Preistreiberei mitmachen?

Zumindest Institutionen, die Geld aus staatlichen Töpfen bekommen, sollten solche Anlagestrategien nicht gestattet werden. Es ist eine schizophrene Situation, wenn die öffentliche Hand als Player und Antreiber solcher Praktiken und gleichzeitig als Regulierer auftritt.

Solche Gesetzesänderungen dauern lange. Was kann die Lokalpolitik ad hoc tun, um die Stadt nicht zum Spielball von Investoreninteressen werden zu lassen?

Selber aktiv werden. Zum Beispiel durch eigenen sozialen Wohnungsbau. Viele Städte verkaufen Grund und Boden noch immer zum Höchstgebot – das ist ein weiterer Schlüsselfaktor für die Preissteigerung. Die Lokalpolitik muss sich auch inhaltlich besser wappnen gegen Investoren, die von der Stadt profitieren wollen.

Wie denn?

In den letzten Jahren ist die Weltwirtschaft deutlich komplexer geworden. Gerade in der Lokalpolitik ist die Gefahr groß, dass Entscheidungen aus gutem Glauben und teilweise auch Naivität gefällt werden. Man sollte sich deshalb Experten aus der Branche in die Stadtplanungsämter holen, damit man hier auf Augenhöhe kämpfen kann.

 Gilt das auch für Berlin?

Ganz besonders. Berlin steht vor einer riesigen Herausforderung. Die internationalen Kapitalströme fließen extrem schnell und treffen auf Stadtentwicklungsprozesse, die sehr langsam ablaufen. In Berlin ist dadurch eine Dynamik entstanden, die viel größer als in etablierten Immobilienkapitalmärkten wie Hamburg oder Frankfurt ist. Berliner bekommen die Effekte durch den Mietwohnungsanteil von 85 Prozent viel stärker in kurzer Zeit zu spüren als Bewohner anderer Städte mit höherem Eigentumsanteil. Berlin muss schnell gezielte Gegenstrategien entwickeln.

Welche könnten das sein?

Die Stadt könnte dafür sorgen, dass bestimmte Projekte nicht mehr genehmigungsfähig sind. Das erfordert ein Umdenken bei Baugenehmigungen.

Ausgerechnet Sie als Architekt verteidigen trotz des Baudrucks den investitionskritischen Ansatz der Berliner Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher?

Man darf nicht einfach alles durchwinken. Baugenehmigungen sind bisher vor allem eine technische Angelegenheit. Aber man sollte auch ökonomische und soziale Aspekte betrachten. Ich plädiere dafür, die Baugenehmigung auch vom Finanzierungsmodell und dem angesprochenen Marktsegment abhängig zu machen.

Was soll das bringen?

So hätte man mehr Einfluss darauf, was tatsächlich realisiert wird. Hier kommt die Sozialbindung des Eigentums zum Tragen: Wohnungsbau muss einen positiven Beitrag für das Zusammenleben in der Stadt leisten. Was der Stadtbevölkerung hilft, sollte genehmigt werden – alles andere nicht.

Finanzexperten kündigen das Ende des Booms an. Sinken die Immobilienpreise, wenn die Kreditzinsen wieder steigen?

Nicht automatisch. Der Teilmarkt mit billigem geliehenen Geld könnte in den nächsten zehn Jahren zwar kleiner werden. Dann dürfte es eine Preiskorrektur geben, die die Mietsteigerungseffekte etwas abmildert. Andererseits bleibt der reale Drang in die Städte erhalten. Und es wird weiter Anleger geben, die sichere Investitionsmöglichkeiten suchen. Für die spielt das Zinsniveau eine untergeordnete Rolle. Wenn man das ändern will, dann braucht es politischen Willen.

Müssen wir uns in Berlin künftig also trotzdem mit weniger Platz begnügen?

Ich denke schon. Es ist global gesehen nicht die Norm, dass eine vierköpfige Familie auf 120 Quadratmetern lebt. Mit steigenden Preisen bei stagnierenden Einkommen verkleinert sich der Wohnraum.

Markus Appenzeller leitet das Planungsbüro MLA+ mit Büros in Berlin, London, Moskau, China und Brasilien. Außerdem lehrt er Stadtplanung an der Amsterdamer Academie für Architektur.


Aus: "Wohnungspolitik "Berlin muss sich wappnen gegen Investoren"" Christian Hönicke (16.10.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/wohnungspolitik-berlin-muss-sich-wappnen-gegen-investoren/23189758.html
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[...] „Etwas von der Zeit retten, in der man nie wieder sein wird.“

Das war das Ziel von Annie Ernaux‘ Projekt „Die Jahre“. Zwei Jahrzehnte hat sie gerungen, bis sie die passende Form für die Materialfluten fand. Zum einen skizziert sie – ausgehend von Fotos und Videoaufnahmen – Stationen ihres eigenen Werdegangs. Zum anderen zapft sie das kollektive Gedächtnis der Franzosen an und beschreibt in komprimierter Form, was „man“ erlebt hat – oder was „wir“ oder „die Leute“ durchmachen mussten. Den zeitlichen Rahmen markieren Annie Ernaux‘ Geburtsjahr 1940 und der Beginn des 21. Jahrhunderts. Auf den ersten Seiten mit Werbe-Slogans, Lied-Zitaten und Schlüsselbegriffen der Nachkriegszeit glaubt man noch, diese sogenannte „unpersönliche Autobiografie“ sei ausschließlich ein Buch für Franzosen und eingefleischte Frankophile. Dann aber häufen sich für deutsche Leser die Vergleichsebenen: von der Invasion der amerikanischen Popkultur über die Aufbruchsstimmung der 68er bis hin zur großen materiellen Wohlstandsflut:

„Die Gesellschaft bekam einen neuen Namen, sie hieß jetzt ‚Konsum-Gesellschaft‘. […] Die Zeichen der Zeit standen auf Geldausgeben, und so schaffte man sich unermüdlich Gebrauchsgegenstände und Luxusgüter an. Man kaufte eine Kühl- und Gefrierschrank-Kombination, einen Renault 5, […] man erwarb einen Farbfernseher. Bunt war die Welt viel schöner [...]. Die Werbung zeigte, wie man zu leben, sich zu verhalten, und seine Wohnung einzurichten hatte, sie war die Kulturanimateurin der Nation.“

Annie Ernaux sucht nicht die Objektivität einer Kulturgeschichte. Vielmehr schreibt sie – zuweilen mit leise ironischem Unterton – immer aus der Sicht ihrer Prägungen. Der Kampf der Frauen für die Legalisierung der Abtreibung gehört genauso dazu wie der Milieuwechsel aus der Unter- in die Mittelschicht. Als gute Schülerin durfte sie studieren und wurde Gymnasiallehrerin für Französisch. Doch das Glück, das die zweifache Mutter sich erhoffte, sah für Annie Ernaux anders aus.

„Wenn sie Zeit mit ihrer Familie verbringt, fühlt sie nur und denkt nicht. Richtige Gedanken kommen ihr nur, wenn sie allein ist, […] Gedanken über sich selbst, über das, was sie hat und was sie ist, über ihr Leben. Diese Gedanken sind eine Vertiefung all der flüchtigen Gefühle, über die sie mit niemanden reden kann, all der Dinge, über die sie schreiben würde, wenn sie die Zeit dazu hätte – aber sie hat ja nicht mal mehr die Zeit zum Lesen. In ihrem Tagebuch, das sie nur noch selten aufschlägt, ganz so, als würde es eine Bedrohung für den Zusammenhalt der Familie darstellen, als hätte sie kein Recht auf ein Innenleben, notiert sie: ‚Mir fällt gar nichts mehr ein. Ich versuche nicht mehr, mir mein Leben zu erklären‘ und: ‚Ich bin zu einer arrivierten Kleinbürgerin geworden.‘“

Durch die Erzählperspektive in der dritten Person schafft Annie Ernaux Distanz zu sich selbst. Sie macht sich gleichsam zu einer historischen Figur, zu einer Repräsentantin ihrer Generation. Oft ist sie sich auf alten Fotos selbst fremd und betont die Vagheit ihrer Erinnerungen. Darin liegt die große Stärke ihrer „unpersönlichen Autobiografie“. Nie behauptet Annie Ernaux, es ganz genau zu wissen. Sie bleibt immer eine Suchende im großen Kontext des gesellschaftlichen Wandels. Besonders bewegend sind die nachdenklichen, melancholischen Passagen, so zum Beispiel über das Vergehen der Zeit.

„Auch wir werden eines Tages in den Erinnerungen unserer Kinder im Kreise der Enkel stehen, im Kreise von Menschen, die noch gar nicht geboren sind. Wie das sexuelle Verlangen ist auch die Erinnerung endlos. Sie stellt Lebende und Tote nebeneinander, reale und imaginäre Personen, eigene Träume und die Geschichte. Auch werden sich auf einen Schlag alle Wörter auflösen, mit denen man Dinge, Gesichter, Handlungen und Gefühle benannte, mit denen man Ordnung in die Welt gebracht hat, die das Herz höher schlagen und die Scheide feucht werden ließen: die Slogans, Graffiti an Häuser- und Klowänden, Gedichte und schmutzige Witze.“

Annie Ernaux findet für ihr Erinnerungsbuch „Die Jahre“ nicht nur eine gelungene Form, sondern auch einen eigenen, unverwechselbaren Ton, den ihre Übersetzerin Sonja Finck bestens getroffen hat. Ihre Beobachtungen zeigen eine nie selbstgewisse, immer fragende Frau im Strudel der sexuellen und politischen Ängste und Hoffnungen. Ihre „unpersönliche Autobiografie“ ist kein gemütliches Nostalgie-Buch, sondern eine vielstimmige, stets provozierende Aufforderung zur Selbstbesinnung in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt. Dazu gehört auch der Blick auf die mittelständische Vorstadt 40 Kilometer vor Paris, wo sie seit Jahrzehnten lebt; oder die Beschreibung der Desillusionierung, die sie als überzeugte Sozialistin seit Beginn der Mitterrand-Präsidentschaft durchleiden musste. Das anrührendste, da aussagestärkste Strukturelement ihres Buchs ist aber das klassische französische Festessen im Kreis der Familie. Annie Ernaux beschreibt hier, wie sich im Wandel der Jahrzehnte seit dem Zweiten Weltkrieg die Gepflogenheiten bei Tisch verändern. Auch das nachdenkliche Finale sollte man sich nicht entgehen lassen. Denn immer, wenn Annie Ernaux der Glaube an die Zukunft abhandenkam, hat sie das Schreiben gerettet: über alle Trennungen, den Brustkrebs und Präsident Sarkozy hinweg.


Aus: "Provozierende Aufforderung zur Selbstbesinnung" Christoph Vormweg (15.01.2018)
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/annie-ernaux-die-jahre-provozierende-aufforderung-zur.700.de.html?dram:article_id=408269

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[...] Annie Ernaux ist in Frankreich eine literarische Legende, hierzulande werden ihre Romane über ihre Herkunft aus dem Arbeitermilieu gerade erst entdeckt. ... Ihre autobiografischen Romane über ihre Herkunft aus dem französischen Kleinbürgertum waren eine Provokation. Das ist insofern verständlich, als die französische Literatur seit Jahrhunderten nahezu exklusiv vom Pariser Großbürgertum und von den Grandes Écoles der Hauptstadt beliefert wird. ... Annie Ernaux sagt, sie habe zu schreiben begonnen, weil die Familie sich nichts zu sagen gehabt habe. ... An seinen Ursprung zurückzukehren war ihr lebenswichtig: "Solange das Buch nicht geschrieben war, blieb etwas nicht verstanden." So ist es, seitdem Bücher geschrieben werden. Man kehrt an die Unfallorte zurück. Man versteht die Idiotie der Gegenwart immer erst nachträglich.

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Aus: "Annie Ernaux: "Ich fühle mich schuldig"" Iris Radisch (10. Oktober 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/2018/42/annie-ernaux-erinnerung-eines-maedchens-roman-frankreich-arbeitermilieu/komplettansicht

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[...] Sie selbst ist die Zeugin, aber sie sagt niemals «ich», sondern «man» oder «wir». Das Subjekt dieser Autobiografie sind also die durchlebten Jahrzehnte. Sie demokratisiert gewissermassen ihre private Geschichte, wir begegnen ihr als der Geschichte aller Zeitgenossinnen und Zeitgenossen. Nicht als individuelle Frau entwirft sie sich, obwohl sie aus bescheidenen Verhältnissen im normannischen Yvetot stammt und zur Akademikerin in Annecy, dann in der Nähe von Paris wurde.

Lediglich ein wiederkehrendes, strukturierendes Motiv ist persönlich gefärbt: In Abständen beschreibt Ernaux Fotos ihrer selbst vom Säugling bis zur pensionierten Literaturdozentin, zur Grossmutter mit ihren Enkeln. Auch sie aber zeugen primär von den Zeitabschnitten, den «Jahren». Eine parallele Gliederung ergibt sich aus den Schilderungen von Familienzusammenkünften – einst im Nachkrieg mit den Eltern, später in den sechziger, siebziger Jahren mit Ehemann und Nachwuchs, in den Achtzigern dann geschieden und mit wechselnden Partnern – das geht bis Weihnachten 2006. Identitäten sind brüchig geworden, die Individuen austauschbar. Es ging um die Rekonstruktion einer «gesellschaftlichen Zeit», die in ihr selbst und den Zeitgenossen sichtbar wurde.

Mit Erinnerungen allein war damit wenig auszurichten, es brauchte empirisches Material. Die Autorin sammelte Dokumente aller Art: Schulnotizen, Listen von Film- und Buchtiteln, von Fernsehserien und Chansons. Sie trieb Zeitungsartikel zu den prägenden Politikern auf: von de Gaulle und Pompidou über Giscard d’Estaing, Mitterrand und Chirac bis Sarkozy, dazu Verzeichnisse der jeweiligen Schlagwörter und Parolen. Die grossen Brennpunkte waren Algerien, der Vietnamkrieg, 1968 und – dies vor allem – die sexuelle Befreiung der Frau. Dazu kam das Material zu den wechselnden Moden, zum Essverhalten, zum anschwellenden Konsum, zur Mobilität und den gigantischen Einkaufszentren in den Vorstädten. Und sie sah, wie die Bilder alles überfluteten, Bilder, welche «die Wirklichkeit schröpfen».

In einer Autobiografie ohne ein Ich reden die Dinge deutlicher von der Epoche als die Personen. Dinge können auftauchen, allgegenwärtig sein und wieder verschwinden – in Frankreich beispielsweise das Minitel, der avantgardistische kleine Computer aus den frühen achtziger Jahren, ein Online-System vor dem Internet. Dinge seien ihre Proustsche Madeleine, notiert Annie Ernaux. Sie beschwört Georges Perec und dessen Buch «Les choses» von 1965. Vor allem aber hat ihr der Soziologe Pierre Bourdieu die Augen geöffnet. Bei ihm lernte sie, dass die Subjektivität sozial gesteuert sei. Bourdieus Schriften seien für sie «Synonyme der Befreiung» gewesen, schrieb sie bei dessen Tod 2002 in «Le Monde». Er habe sie aus dem Gefängnis einer weiblichen Existenz ausbrechen und teilhaben lassen an den Umwälzungen ihrer Epoche.

«Les années» wurden 2008 auf Anhieb ein Bestseller in Frankreich. In der autobiografisch tingierten Geschichtsschreibung erkannte man das eigene Leben wieder, und die Aufwertung des Gewöhnlichen und der alltäglichen Dinge bezauberte die Leser.

Knapp zehn Jahre später nun «Die Jahre» auf Deutsch. Die Resonanz kann nicht mehr ganz dieselbe sein. Finanzkrise, das Scheitern des Arabischen Frühlings, IS-Terror, die Kriege im Nahen Osten, die Flüchtlinge – dies alles hat ein neues Lebensgefühl geschaffen. Die betonte «Impassibilité», der leicht herablassende Umgang mit dem Auf und Ab in Gesellschaft und Politik, wirkt nicht mehr ganz zeitgemäss. Dazu kommt, dass die Übersetzung von Sonja Finck oft zu weit vom spezifisch Französischen abrückt. Die Umgangssprache wirkt zu berlinisch; Ausdrücke wie pennen, Klamotten, Kumpel, Bescheuertes verfälschen die Atmosphäre. Trotzdem: Annie Ernaux' konsequentes Unternehmen, das autobiografische Ich zu dezentrieren und den Nebensachen ein existenzielles Gewicht zu geben, verändert den eigenen Blick und wirkt lange nach.

Annie Ernaux: Die Jahre. Übersetzung aus dem Französischen von Sonja Finck. Suhrkamp-Verlag, Berlin 2017. 256 S.


Aus: "Annie Ernaux erzählt eine Autobiografie ohne Ich" Beatrice von Matt (14.2.2018)
Quelle: https://www.nzz.ch/feuilleton/eine-autobiografie-ohne-ich-ld.1355351
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[...] Bereits seit Monaten streiten sich die Patriarchate von Moskau und Istanbul über die Zuständigkeit für die Ukraine. Istanbul unterstützt die Gründung einer von Moskau unabhängigen Kirche in der Ukraine. Dadurch droht die russisch-orthodoxe Kirche in der Ukraine viele Gläubige und Gotteshäuser zu verlieren. Moskau will die Oberhoheit über die Ukraine behalten und wirft dem ökumenischen Patriarchat in Istanbul eine "Invasion" in das Territorium der russischen Kirche vor.

Auf Drängen des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko leitete der Istanbuler Patriarch Bartholomäus I. die Bildung einer eigenständigen orthodoxen Kirche in der Ukraine ein und entsandte zwei Bischöfe in das Land. Zudem lehnt er zukünftig nicht mehr die Oberhäupter abgespaltener orthodoxer Kirchen in der Ukraine ab. Als Reaktion verbot die russische Kirche ihren Bischöfen die Konzelebration – also gemeinsame liturgische Feier – mit Bischöfen von Konstantinopel. Auch setzte sie die Mitarbeit in kirchlichen Gremien, die von Konstantinopel geleitet werden, aus.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow verurteilte die Entscheidung der ukrainischen Kirche, sich von Russland zu lösen. Die Entscheidung des Ökumenischen Patriarchats zur Zulassung einer eigenständigen ukrainisch-orthodoxen Kirche sei eine "Provokation", die "mit direkter öffentlicher Unterstützung aus Washington" geschehen sei, sagte er. Lawrow warf den USA eine "Einmischung in Kirchenangelegenheiten" vor. Die mögliche Loslösung der Ukraine von der russisch-orthodoxen Kirche beschäftigte am Freitagabend auch den von Staatspräsident Wladimir Putin geleiteten russischen Sicherheitsrat.

Die russisch-orthodoxe Kirche ist die größte Nationalkirche und seit jeher eng mit der politischen Führung Russlands verbunden. Moskau werde die Entscheidungen aus Konstantinopel nicht anerkennen, sagte der russisch-orthodoxe Metropolit Hilarion. Er warf Bartholomäus I. vor, die Kirche zu spalten. 1996 hatte das Moskauer Patriarchat im Streit um die Kirche in Estland schon einmal den Kontakt zu Konstantinopel ausgesetzt.

Das Verhältnis zwischen der Ukraine und Russland ist wegen der Annexion der Halbinsel Krim durch Russland und des russischen Militäreinsatzes in der Ostukraine angespannt. Zwar ist die Ukraine laut Verfassung ein säkularer Staat, doch ist der Einsatz für die kirchliche Unabhängigkeit auch Teil der geplanten Wiederwahl von Petro Poroschenko 2019. Dementsprechend will der Präsident im Konflikt mit Russland den Einfluss der als feindlich empfundenen russischen Kirche zurückdrängen. In dem Land gibt es drei orthodoxe Kirchen, von denen eine mit Moskau verbunden ist. 70 Prozent der Ukrainer sind orthodoxe Christen.


Aus: "Moskauer Patriarchat trennt sich von Istanbul" (15. Oktober 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-10/orthodoxe-kirche-moskau-istanbul-ukraine-bartholomaeus-i-hilarion

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Paul Freiburger #3

Christliche Brüder unter sich. Kirchenspaltungen gibt es, seit es die Kirche gibt, das ist quasi frühchristliche Tradition ;-)

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Michel Angelo #7

... Es geht um Einfluss und natürlich auch Besitz. ...


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[...] Facebook hat im Vorfeld der Kongresswahlen in den USA am 6. November mehr als 800 Benutzeraccounts gesperrt. Damit will das Unternehmen gegen die Verbreitung von Falschmeldungen vorgehen. Insgesamt habe man 559 Seiten und 251 Nutzerkonten entfernt, die stetig die Regeln gegen Spam und koordinierte Aktivitäten unauthentischer Seiten verstoßen hätten, teilte das Unternehmen in einem Blogeintrag mit.

"Menschen müssen den Verbindungen vertrauen können, die sie auf Facebook eingehen", schrieben Nathaniel Gleicher, Facebook-Chef für Cybersicherheit, und der Produktverantwortliche Oscar Rodriguez. Daher gehe Facebook gegen Netzwerke von Accounts vor, die die Nutzer über ihre Identität und ihre Absichten täuschten.

Dabei gehe es um Benutzerkonten, Seiten und Gruppen, die versuchten, politische Auseinandersetzungen in den USA, dem Nahen Osten, Russland oder Großbritannien anzuheizen. Ein Großteil werde aber nicht mit einer politischen Absicht betrieben, sondern schlicht, um Geld zu verdienen. Die Betreiber verbreiteten massenhaft Inhalte über ein Netzwerk von Seiten und Gruppen, um Nutzer auf legitim scheinende Internetseiten zu locken. In Wirklichkeit handele es sich aber um "Werbefarmen".

"Diese Netzwerke benutzen heute vermehrt sensationalistische politische Inhalte – unabhängig von einer politischen Ausrichtung – um ein Publikum aufzubauen und Nutzerströme auf ihre Seiten zu locken", schrieben Gleicher und Rodriguez. Oft erweckten sie den Eindruck, beliebter zu sein, als eigentlich der Fall ist, da die Seiten sich massenhaft gegenseitig Likes geben und ihre Beiträge teilen.

Laut einem Bericht der Washington Post hatte eine der gesperrten Seiten mehr als 3,4 Millionen Likes und mehr als 3 Millionen Abonnenten. Sie habe für sich in Anspruch genommen, als erste Onlinepublikation Donald Trump unterstützt zu haben. Es seien aber auch Seiten darunter, die in ihren Beiträgen Trump und die Republikaner angegriffen hätten.

Das soziale Netzwerk sieht sich vor allem seit dem US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 dem Vorwurf ausgesetzt, nicht genug gegen gefälschte Accounts vorzugehen. Solche Seiten sollen massenhaft Falschmeldungen verbreitet und so den Wahlkampf beeinflusst haben. Bereits im August hatte Facebook 652 miteinander verknüpfte Konten, Seiten und Gruppen gesperrt. Diese sollen aus dem Iran und Russland gesteuert worden sein.


Aus: "Facebook sperrt Hunderte Spamkonten" (12. Oktober 2018,)
Quelle: https://www.zeit.de/digital/internet/2018-10/us-midterm-wahlen-facebook-falschinformation-propaganda

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Galgenstein #4

Die Auffälligkeiten vollziehen sich nicht nur auf Facebook, sondern oft auch in den Kommentarbereichen, bei denen man oft den Eindruck gewinnt, dass eine Minderheit überproportional stark vertreten ist. In den Wahlergebnissen spiegelt sich das nicht wieder. Ähnlich die Klickkamarilla bei der FAZ. Je extremer eine Meinung formuliert wird, desto mehr Likes erhält sie und dies oftmals mit erstaunlicher Geschwindigkeit.


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Brustring #4.2

Die FAZ ist noch harmlos. Bei Focus oder der Welt zieht es mir jedes mal die Schuhe aus.


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Something_is_rotten #4.3

... Nachvollziehen kann ich Ihre Verschwörungsvermutung nicht, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass Klicks auf Kommentare wirklich so wichtig sein sollen. ...


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Uncritical_Threshold #4.7

"Nachvollziehen kann ich Ihre Verschwörungsvermutung nicht"
Naja wenn bei fast jeder Onlinezeitung beispielsweise Pro-AfD Kommentare mehr oder zumindest genausoviele Empfehlungen kriegen, wie Kommentare die kritisch zur AfD stehen, obwohl die Partei laut Umfragen zwischen 14 und 19 % steht, dann fragt man sich schon woher diese Unverhältnismäßigkeit kommt. Mit "Verschwörungsvermutung" hat das nichts zu tun, es ist ja eindeutig unproportional. Und es gibt ja eigentlich nur zwei Erklärungen dafür, entweder verbringt ein wesentlich größerer Anteil der AfD-Wähler Zeit in Kommentarspalten, oder ein Teil dieser Likes kommt von Bots.


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contradore #4.9

"Und es gibt ja eigentlich nur zwei Erklärungen dafür, entweder verbringt ein wesentlich größerer Anteil der AfD-Wähler Zeit in Kommentarspalten, oder ein Teil dieser Likes kommt von Bots."

exakt.

hier im forum vergleiche ich als simple faustregel die anzahl der maximal-empfehlungen mit der anzahl der gesamtkommentare.

es gibt lediglich zwei themenbereiche, bei denen man (zumindest zwischenzeitlich) mehr maximal-empfehlungen als kommentare beobachten kann: wenn es um die afd oder um russland geht.


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Nette Haferflocken #4.10

Ein Forist beschrieb, daß die Russlanddeutschen besser vernetzt seien und vieleicht deshalb mehr klicks zustande kommen.
Bei der afd vermute ich auch manchmal einen Ortsverband nebst Freunden bei socialmedia-event.Ich glaube aber nicht an eine Mehrheit.
Die Mehrheit verabredet sich nicht zum liken.
Interessant ist aber auch, manchen Artikel mit im weitesten Sinne Russland zum Thema, bekommt die Gegenseite der "Putin-Fan-Boys" und "Kreml-Trolle", mehr Sterne.
Bizar waren manche aufpoppende Kommentare beim Artikel über die Pipeline Nordstream2


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Bberliner #4.11

Das Problrm ist, daß die "move fast break things"-Leute nie wirklich versucht haben zwischenmenschliche Kommunikation nach Offline-Vorbild nachzubauen (individuell und nach Tagesform unterschiedliche Kommunikationsformen und Inhalte, getragen von Respekt, Rücksicht, Interesse, Toleranz, Neugier - nur in Krisenmomentem von Gebrüll und Provokation) Nach Marketinglogik erzeugen Entertainment, Provokation und Kontroverse aber eben am meisten Interaktion und Reichweite. Alles andere hat Mark und Jack erst angefangen zu interessieren, als es längst zu spät war, die Demokratie ist durch die kaputten Algorithmen sozialer Netzwerke längst arg gebeutelt. ...


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contradore #4.12

"Ein Forist beschrieb, daß die Russlanddeutschen besser vernetzt seien und vieleicht deshalb mehr klicks zustande kommen."

ich rede nicht von mehr klicks als bei einem anderen kommentar sondern von mehr klicks, als es überhaupt kommentare gib.

soetwas finden sie sonst nicht einmal ansatzweise, bei welchem themenbereich auch immer - selbst bei einem nachruf auf mutter teresa, mahatma gandhi und albert schweitzer in personalunion.


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SPON-Flüchtling #17

Ist Bellingcat schon mit der Analyse der gesperrten Konten beschäftigt?


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Offene Augen #21

"Mir ist aufgefallen, dass Arschlöcher mehr zu sagen haben auf der Welt, seit Social Media so erfolgreich ist. Auf Bummer-Plattformen ist ein Pendeln zwischen zwei Extremen zu beobachten: Entweder gerät man in einen von Arschlöchern ausgelösten Shitstorm, oder alle sind supervorsichtig und aufgesetzt nett. Die größten Arschlöcher ziehen die meiste Aufmerksamkeit auf sich, und daher bestimmen sie letztlich häufig die Atmosphäre einer Plattform."

Jaron Lanier


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[...] Das Deutsche Studentenwerk fordert zu Semesterbeginn, dass mehr Studenten in Deutschland Bafög erhalten. Es sei ein "Riesenproblem", dass die Zahl derer, die gefördert werden könnten, zurückgehe, sagte der Generalsekretär des Studentenwerks, Achim Meyer, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Elternfreibeträge müssten daher kräftig erhöht werden.

"Wir haben ein Untere-Mittelschicht-Problem", sagte Meyer und kritisierte die Regierung: "Die Politik behauptet, die Eltern verdienten genug, um das Studium ihrer Kinder zu finanzieren. In der Realität müssen sie ihren Kindern sagen: 'Das Geld reicht nicht. Geht arbeiten!'"

Der Generalsekretär des Studentenwerks verwies darauf, dass die große Koalition angekündigt habe, das Bafög im Herbst 2019 zu erhöhen. "Wenn die Regierung sich beeilt hätte, dann hätte sie das Bafög schneller erhöhen können – nämlich jetzt. Das haben Union und SPD versäumt."

Viele Studenten müssen nach Angaben Meyers Geld verdienen, um überhaupt über die Runden zu kommen. Das Bafög sei zu niedrig, zudem gäbe es nicht genügend bezahlbare Wohnungen. Es müsse gebaut werden, um das Angebot für Studenten zu vergrößern. Nicht jeder Student habe die Wahl beim Studienort: "Nicht jeden Studiengang gibt es überall."


Aus: "Studentenwerk: "Wir haben ein Untere-Mittelschicht-Problem"" ()
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2018-10/studentenwerk-bafoeg-erhoehung-elternfreibetraege-studierende

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Dr. Möbius #2.15

Ich habe während des Studiums gearbeitet. Teilweise 3 Jobs parallel. Als Nachhilfelehrer, als Kellner und als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Ich sehe ganz ehrlich nicht, dass es schwierig ist einen passenden Job zu finden.

Das es dann mit dem Lernen gut organisiert werden will, stimmt sicherlich. Aber auch das geht. Würden alle die vielen Stunden nutzen, die die Uni eigentlich zum Lernen vorsieht, wäre es wirklich kein Problem. Aber seien wir ehrlich, die Meisten nutzen die Zeit doch lieber für spaßigere Dinge.

Ich habe einiges an Party gemacht, habe meinen Abschluss selbstorganisiert im Ausland gemacht, habe für gute Leistung DAAD Unterstützung erhalten und habe ein paar Monate schneller als Regelstudienzeit studiert. Meine Abschlussarbeit war 1,0 und ich war in der Gruppe der besten 10% Studenten im Jahrgang. Ich muss ehrlich sagen, meine Kumpels die länger gebraucht haben, wussten auch genau warum. Fehlendes Bafög oder arbeiten zu müssen war nicht der Grund.


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  jawthruster #2.18

Angeber


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Wunderwuzzi #2.19

"habe meinen Abschluss selbstorganisiert im Ausland gemacht, "

Glückwunsch, wenn Sie das alles so vortrefflich unter einen Hut gebracht haben. ...


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Rollmann #2.40

Aus dem Almanach der Selbstverherrlichung:

"Ich habe während des Studiums gearbeitet. Teilweise 3 Jobs parallel. Als Nachhilfelehrer, als Kellner und als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Ich sehe ganz ehrlich nicht, dass es schwierig ist einen passenden Job zu finden.[...]. Meine Abschlussarbeit war 1,0 und ich war in der Gruppe der besten 10% Studenten im Jahrgang. Ich muss ehrlich sagen, meine Kumpels die länger gebraucht haben, wussten auch genau warum. Fehlendes Bafög oder arbeiten zu müssen war nicht der Grund. "

Sehen Sie, ich hatte auch nie Probleme wegen Arbeiten neben Studium. Andere schon. Um die geht's. Barrierefreie Bahnhöfe werden auch nicht für Berufssportler gebaut (zu pauschal, ich weiss).


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  DemDeutschenVolke #14

Ich bin dafür das Barfög um die Hälfte zu senken oder ganz abzuschaffen, das Geld kann besser eingesetzt werden.
Meiner Meinung nach haben wir viel zu viele Studenten, die dann trotz Studium in Teilen unterqualifiziert sind.


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DerJoker1991 #14.1

Sie haben vermutlich nicht studiert oder haben privat finanzielle Unterstützung bekommen.



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DemDeutschenVolke #14.2

Studiert, Bachelor Mechatronik neben dem Studium gearbeitet, keine finazielle Unterstützung.
War wenn ich ehrlich bin auch kein Problem da Zug umsonst war und ich weiter Zuhause gewohnt habe.


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DemDeutschenVolke #14.5

Nun ja ich spreche aus meiner persönlichen Erfahrung wie ich teilweise Studenten oder eben fertig Studierte in meinem Arbeitsumfeld wahrnehme.
Ob ich qualifizierter bin, steht nicht zur Disposition.
Es geht mir darum das wir zu viele Studenten haben die in Teilen nicht das Halten, was ein Studium verspricht.
Weshalb ich die Voraussetzungen für ein Studium erschweren möchte sowohl finanziell als auch Zugangsvoraussetzungen. ...


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jolande9 #14.9

Und Sie meinen, dass sich daran was ändert, wenn nur noch Kinder reicher Eltern studieren können?
Komische Weltsicht.


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Hanna_E #14.13

Wenn Sie bei Ihren Eltern gewohnt hatten, hatten Sie finanzielle Unterstützung in Form von Kost und Logis. Wenn Sie so die Spreu vom Weizen trennen wollen, hätten Sie auch nicht studieren dürfen.


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DemDeutschenVolke #14.18

Natürlich musste ich nicht die Kosten eines Selbstversorgers tragen, trotzdem habe ich meine Mutter finanziell unterstützt.


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Rollmann #14.25

"Nun ja ich spreche aus meiner persönlichen Erfahrung wie ich teilweise Studenten oder eben fertig Studierte in meinem Arbeitsumfeld wahrnehme."

Der in Psychologie bewanderte Leser kennt sicher einen Namen für das hier schön präsentierte Beispiel der zu persönlichen Gunsten verzerrten Wahrnehmung.


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Gabriel Seth #30

Man könnte ja auch eine Lehre machen....


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Gelassener Bürger #30.1

Man könnte ja auch aufhören arm zu sein...


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DerJoker1991 #30.3

Man könnte auch die Schule abbrechen und direkt arbeiten gehen....


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olivern #30.2

Das könnte man. Nur hilft es der Allgemeinheit nicht, wenn schlaue Arme eine Lehre machen aber dumme Reiche studieren.


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wulewuu #35

Die Politik muss Prioritäten setzen und tut dies auch, wie z.B. die Fast-Verdoppelung der Militärausgaben in innerhalb der nächsten Jahre. Deswegen: dienen statt studieren und nebenher ferne Länder kennenlernen.


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vincentvision #36

Da wissen wir alle, dass Bildung, Bildung, Bildung in Deutschland:

a) zu gering ausfällt

b) wesentlich abhängt vom Einkommen der Eltern

c) zu lange dauert

Und vielen hier fällt angesichts des sehr vernünftigen Vorstoßes der Studenten nach mehr Geld, der alle drei Punkte positiv beeinflussen würde, in einer Mischung aus Neid, Häme und Unwissen nicht mehr ein, als das Ganze niederzumachen.

Mit so einer begrenzten Einstellung wird das aber nichts mit der Begabtenförderung und späteren qualifizerten Arbeitnehmern - es sei denn, man holt sie aus dem Ausland.

Aber das wollen die Angesprochenen ja erst recht nicht...


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Grails_Knight #37

Studenten sind übrigens die einzige Gruppe, die Unterhalb des Existenzminimums bleiben können in Deutschland. (Kein Anspruch aus Sozialleistungen beim Unibesuch)

Ist wohl die selbe Denke, die es bei unter 25jährigen bei Hartz IV erlaubt hat, 100% Sanktionen inklusive gestrichener Miete für zumutbar zu halten.


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ParisMatch #38

Das Problem ist schon ein halbes Jahrhundert alt


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123Valentino #40

Da habe ich aber Glück gehabt, ich gehöre zur oberen Unterschicht die hat keine Probleme?
Ich kann mich nur erinnern, es musste immer gearbeitet werden, Einige hatte das Glück Kohle genug aus dem Elternhaus zu bekommen.
Wieviel Schichten gibt es eigentlich ?


...
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[...] Seit 1980 hat das Magazin den deutschen Popdiskurs maßgeblich geprägt. Aufgrund sinkender Leserzahlen und Werbeeinnahmen wird die "Spex" nun aufgelöst. ... Wie die Redaktion der deutschen Zeitschrift Spex auf ihrer Website bekannt gibt, wird das Magazin nach 38 Jahren eingestellt. Als Gründe werden sinkende Auflagen und Abonnentenzahlen sowie ein angespannter Anzeigenmarkt genannt. Über vier Jahrzehnte hat die Spex einen Blick auf internationale Popkultur vermittelt, der akademische Diskurse mit großer Nähe zu Subkulturen und subjektivem Musikerleben verband.

Die Spex wurde 1980 von einem Herausgeberkollektiv in Köln gegründet, namensgebend war die Punkband X-Ray Spex. In ihren prägenden Jahren zwischen 1983 und 1999 gehörten Diedrich Diederichsen, Hans Nieswandt, Mark Terkessidis oder auch Dietmar Dath zum Autorenstamm. 

... Wie der Spex erging es in diesem Jahr mehreren Magazinen mit popkultureller Ausrichtung: Im April verkündeten sowohl Neon als auch Intro ihr Ende. Die Spex-Redaktion wird noch zwei Ausgaben produzieren, die nächste erscheint am 25. Oktober. Das letzte Heft wird voraussichtlich am 27. Dezember herauskommen.


Aus: "Musikzeitschrift "Spex" wird eingestellt" (15. Oktober 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/musik/2018-10/popkultur-spex-zeitschrift-eingestellt

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volumen #2

angespannter Anzeigenmarkt - ich höre es direkt knirschen. Es wollte halt keiner mehr lesen, den selbstreferentiellen Diskurs. Ich auch nicht. Wenn es natürlich auch ein wenig schade ist. Servus Spex.


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xion #2.1

Ganz ihrer Meinung. Die Spex drehte sich immer schneller im Kreis und diskutierte irgendwann den eigenen Schwanz. Ich hab irgendwann nach langem Augenzudrücken abbestellt. Leider gibt's keinen Ersatz. Aber der Verlust der SPEX trat schon vor längerem zu ihren Lebzeiten ein.


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slocum #4

Schade ist das schon. Allerdings hat sich das Blatt längst zur gegenseitigen Nabelschau einiger Leute entwickelt. Für mich praktisch nicht mehr relevant. Die meisten alten Hefte hab ich noch gestapelt in einer Ecke, in den letzten Jahren kamen kaum welche hinzu.


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Innenrüttler #10

In den späten 80ern und frühen 90ern in der öden Provinz war die monatliche Spexlektüre voller Offenbarungen und Trost. Vor knapp 10 Jahren habe ich, eigentlich auch schon etwas spät, das Abonnement gekündigt. Habe in der Stadtbibliothek immer mal wieder reingelesen, mäßig begeistert. Es ist schade, aber heutzutage kein echter Verlust mehr. Daher bleibt: Danke für die frühen Jahre der Begeisterung!


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Artimorty #13

Ich hatte es ein paar Male in den 80ern und 90ern versucht, mich mit der Spex anzufreunden. Hab einige bis heute gern gehörte Musiker und Songschreiber dadurch kennengerlernt. In meiner Erinnerung fand ich zu viel Apotheose drin und übrig bleibt bei mir nicht viel. Vielleicht am ehesten die Diederichsen-Hymnen auf bestimmte Pop-Bands, die ich immer noch liebe.


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the obscure lobster #13.1

Hehe. Sternchen für apoteose. [(Apotheose (altgriechisch ἀποθέωσις apothéōsis „Vergottung“) bezeichnet ursprünglich die Erhebung eines Menschen zu einem Gott oder Halbgott, wird aber auch nur zur Beschreibung einer Verherrlichung oder Verklärung verwendet. )]


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Clock DVA #18

Ein Sternchen und ein Tränchen für die SPEX - zwischendurch immer wieder gerne gelesen - trotz Kryptotalk.


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[...] Polen hat als einziges EU-Land die sogenannten Schlussfolgerungen zur EU-Grundrechtecharta blockiert. Die polnische Regierung argumentierte, dass sie eine Diskriminierung von Christen und Juden in die gemeinsame Grundrechte-Erklärung aufnehmen wolle, statt nur allgemein von religiösen Gruppen zu sprechen.

Dafür aber fand Polen keine Mehrheit im Kreise der EU-Justizminister - und entschloss sich, im Alleingang das ganze Dokument zu blockieren. Denn für die sogenannten Schlussfolgerungen der EU-Grundrechtecharta braucht es Einstimmigkeit. EU-Diplomaten sprachen von einem präzedenzlosen Vorgang.

 In einer noch am Abend verbreiteten Erklärung verwies das zuständige polnische Justizministerium auf religiös motivierte Attentate wie auf dem Berliner Weihnachtsmarkt oder die Ermordung eines Priesters in der Normandie. In der Erklärung ist aber auch von Übergriffen auf gläubige Polen im Westen die Rede und von Spott und Hetze, der praktizierende Christen ausgesetzt seien.

Vizejustizminister Lukas Piebiak bedauerte gegenüber polnischen Medien, dass vor allem westeuropäische Staaten nicht bereit gewesen seien, Diskriminierung von Christen auf eine Stufe mit der von Schwulen oder Lesben zu stellen. Menschen würden ermordet, weil sie Christen seien. Ein Dokument, dass das nicht widerspiegle, sei nicht wert, unterzeichnet zu werden, so der Minister.

Im Kommuniqué seines Ministeriums hieß es außerdem, Polen habe sein Veto im Geiste grundlegender Rechte ausgesprochen, die alle seine Bürger gleichermaßen genössen. Die Wahrung bürgerlicher Freiheiten und Rechte habe in Polen eine lange Tradition, betont das Ministerium, die weit über Verordnungen hinausginge: Schon im 16. Jahrhundert sei Polen das gelobte Land für im Westen verfolgte Juden gewesen. Frauen hätte wählen dürfen, lange bevor dies in Frankreich der Fall gewesen sei. Und während in Deutschland Homosexuelle noch bis in die 1960er-Jahre hinein strafrechtlich verfolgt wurden, hätte ihnen das in Polen nicht gedroht.

 Tatsächlich werfen derzeit EU-Kommission und einige westliche EU-Staaten der aktuellen polnischen Regierung vor, gegen EU-Grundwerte zu verstoßen, etwa durch den umstrittenen Umbau der Justiz. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften erkennt Polen bislang nicht an.

Allerdings veröffentlichte das Oberverwaltungsgericht in Warschau gestern ein in dieser Frage möglicherweise wegweisenden Urteil: Es verpflichtet eine polnische Behörde, das Kind eines in England lebenden lesbischen Paares auch in Polen anzuerkennen.

Im ostpolnischen Lublin hob zudem ein Berufungsgericht das Verbot einer sogenannten Gleichheitsparade dauf. Der Lubliner Stadtpräsident hatte die sogenannte LGBT-Parade wie auch eine Gegenveranstaltung untersagen wollen und dabei Sicherheitsgründe genannt. Der Lubliner Bürgermeister gehört indes gar nicht zur nationalkonservativen PIS, sondern zur oppositionellen "Bürgerplattform".


Aus: "Deshalb blockiert Polen" Jan Pallokat, ARD-Studio Warschau (12.10.2018)
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/eu-polen-eklat-103.html

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Am 12. Oktober 2018 um 13:56 von frosthorn
interessante Argumentation

Man möchte also die Rechte von Christen und Juden auf die selbe Stufe stellen wie die von Schwulen und Lesben. Klingt ja erst mal ganz gut, jedenfalls, wenn man nichts dabei findet, Äpfeln mit Birnen zu vergleichen. Gleichzeitig will man aber andere Religionen von dieser Gleichstellung ausnehmen? Und zwar deshalb, weil Nicht-Christen Blutbäder veranstaltet haben (wie alle anderen auch)? Sollten dann nicht die Christen sowie die Europäer und vor allem die Arier ebenfalls ausgenommen werden wegen eines Anders Brejvik?
Es ist ein Glück für die Polen, dass eine Verweigerungshaltung nicht mit Vernuft begründet werden muss, sondern dass man sich irgendeinen Schwachsinn als Rechtfertigung einfallen lassen kann.


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Am 12. Oktober 2018 um 14:00 von to be stupid - first
Nach dieer Argumentationsweise

müßten nach den poln. Vertretern die Muslime, und natürlich alle anderen, außer der christlichen Religion, aus dieser Schlußfolgerung ausgeschlossen werden. Wie ist das dann mit Christen, denen ja schon nach ihrem Glauben verboten ist, zu töten, die in andere Länder, wie z. B. den Irak, Afghanistan, Lybien, und wenn man die Dronenangriffe dazu nimmt, werden es noch mehr Staaten, in denen die Mehrheit muslimisch geprägt ist, fliegen, und dort Menschen muslimischen Glaubens töten? Werden dann für alle die Grundrechte abgeschafft, so, wie es die PIS in Polen, oder Orban in Ungarn, macht.


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Am 12. Oktober 2018 um 15:18 von dermulla
Hm, Polen will also

Hm, Polen will also ausdrücklich, daß auch Juden und Christen in der Erklärung erwähnt werden. Was ist denn dann mit anderen Religionen? Buddhisten, Hindus, Muslime, Pagane, Satanisten, Gläubige des Spagghettimonsters? Und vor allem die wohl größte Minderheit Europas, die Atheisten? Schließlich werden die ja auch (zumindest in Deutschland) diskriminiert durch Kirchensteuer bei Alg oder Tanzverbot an Karfreitag.
Da Religionsfreiheit bereits Bestandteil der Grundrechtecharta ist besteht keine Notwendigkeit der Erwähnung von einzelnen Gruppen.
Falls es zu Benachteiligungen bestimmter Gruppen kommt, steht jedem Betroffenen der Gang nach Strasbourg offen.


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Am 12. Oktober 2018 um 15:00 von Dieter Schmidthuber

Die Macht der katholischen Kirche in Polen.


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[...] „Ein Frauenarzt ist kein Zahnarzt, du musst nicht regelmäßig hingehen.“ - „Das beste Mittel für die Verhütung ist dein Kalender.“ - „Wenn du einen Minirock anziehst, ist es deine Schuld, wenn du belästigt wirst.“ Sätze wie diese lesen polnische Schüler in ihren Schulbüchern, wenn Sexualerziehung auf dem Lehrplan steht. Dabei ist Sexualerziehung eigentlich der falsche Begriff. Das Fach heißt stattdessen „Vorbereitung auf das Familienleben“. Oft unterrichten Priester oder Nonnen. Nun bekommen sie Konkurrenz: Das Topmodel Anja Rubik will mit ihrem neuen Buch die Aufklärung in Polen revolutionieren. Ihr Ziel ist, Sex als Thema in der streng katholischen Gesellschaft zu enttabuisieren.

Dabei soll Rubik ihre Prominenz helfen. Sie zählt zu den bekanntesten Models der Welt und stand schon für Yves Saint-Laurent, Chanel und Victoria's Secret auf dem Laufsteg. Die 33-Jährige war außerdem Gastjurorin der polnischen Version von „Germany's Next Topmodel“, auf Instagram folgen ihr mehr als eine Million Menschen.

Wenn sie nicht vor der Kamera steht, setzt sich Rubik für Frauenrechte ein. Als die rechtskonservative Regierungspartei PiS im Jahr 2016 verkündet, das ohnehin schon sehr restriktive Abtreibungsgesetz noch weiter zu verschärfen, demonstriert Rubik mit tausenden Polinnen dagegen und hält Reden bei den Protesten. Nebenbei liest sie wissenschaftliche Studien zum Thema Abtreibung und vergleicht Polen mit anderen europäischen Ländern. Sie findet heraus, dass in Ländern, in denen Abtreibung legal ist, die Sexualerziehung viel gründlicher ist. Dort gebe es auch geringere Abtreibungszahlen.

Rubik versucht, sich an ihre eigene Aufklärung zu erinnern. Nur: Es gab keine. „Ich selbst hatte nie Sexualunterricht in der Schule und obwohl meine Eltern Ärzte und sehr offen und tolerant sind, haben wir zu Hause nie über Sex gesprochen“, erzählt Rubik. „Das Problem in Polen ist, dass die Eltern auch keine Sexualerziehung hatten und nicht wissen, wie sie eine solche Konversation mit ihren Kindern beginnen sollen. Und um ehrlich zu sein: Sie haben wahrscheinlich auch keine Ahnung.“ Rubik untersucht, ob sich mittlerweile etwas geändert hat, liest in Schulbüchern, spricht mit Psychologen und Lehrern. Doch alles sei noch wie früher. „Ich war geschockt!“, sagt sie. So werde zum Beispiel Homosexualität noch immer als Krankheit dargestellt.

Dass die Informationen aus den polnischen Schulbüchern problematisch sind, bestätigt auch eine Studie der Wissenschaftlerin Maria Wozniak, die an der Universität Warschau zum Thema Sexualerziehung promoviert hat. Die Schulbücher, die das polnische Bildungsministerium den Lehrern empfiehlt, sind wissenschaftlich nicht auf dem aktuellen Stand, schreibt Wozniak. Außerdem würden vor allem natürliche Verhütungsmethoden vorgestellt. Gesundheitsvorsorge sei nur ein marginalisiertes Randthema.

Rubik beschließt, etwas zu tun. Ihr hören die Menschen in Polen zu, vor allem junge Frauen. Ende 2017 startet sie eine kleine Kampagne und veröffentlicht Videos, in denen Freunde von ihr eine Minute lang über Sex reden. „So wollte ich Sex überhaupt einmal in der Gesellschaft thematisieren“, sagt sie. Die Videos werden ein Erfolg und erreichen mehr als zehn Millionen Klicks.

Viele Jugendliche melden sich bei Rubik: „Ich bekam Briefe von Menschen aus allen Altersstufen, vor allem von Teenagern, die mir sagten, wie diese Kampagne ihr Leben beeinflusst hat, dass sie mit ihren Eltern vor dem Bildschirm saßen, die Videos geguckt haben und nun über Sex sprechen können.“ Angetrieben von den positiven Rückmeldungen und dem Ärger über die Bildungspolitik der Regierung macht das Model weiter. Sie will eine Alternative zu den polnischen Schulbüchern. Ihre Idee: Ein eigenes Aufklärungsbuch.

Zusammen mit einer Psychologin reist sie durch Polen und führt Interviews mit verschiedenen Experten, Virologen, Sexualwissenschaftlern und Gynäkologen. Rubik überarbeitet die Texte in Zusammenarbeit mit Jugendlichen. „Mir war wichtig, dass es in einer einfachen Sprache geschrieben und interessant für Teenager ist“, erklärt Rubik. Dabei richte sich ihr Buch „#sexedpl“ gar nicht nur an Jugendliche: „Es ist ein Buch für jeden. Die Leute denken, sie wissen über Sex Bescheid, nur weil sie Sex haben. Das ist aber nicht wahr. Allein während der acht Monate, in denen ich das Buch gemacht habe, habe ich so viel gelernt, über mich, über Sexualität und über andere Menschen.“

Ihr Modelberuf hat mit ihrem Engagement nichts zu tun, sagt Rubik, „denn Sexualerziehung geht alle etwas an, egal ob du ein Model, eine Anwältin oder eine Journalistin bist“. Doch das Buch gefällt erwartungsgemäß nicht allen: Vor allem vom sehr katholischen Teil der Gesellschaft wird sie attackiert, berichtet Rubik. „Sie haben das Buch noch nicht mal gesehen und sagen, ich würde Kinder sexualisieren. Das ist absurd.“

Sie fand einen Verlag, der das Buch für umgerechnet fünf Euro als Non-Profit-Projekt herausgibt. Es soll für Jugendliche bezahlbar sein. Ihre Suche nach Sponsoren für die Videokampagne und das Buch verlief aber erfolglos. „Sexualerziehung ist in Polen ein sehr politisches Thema. Jeder hat Angst, sich zu äußern“, sagt Rubik.

Deshalb plant sie schon die nächsten Schritte. Im Dezember will Rubik einen Song veröffentlichen und für das nächste Jahr plant sie, mit einem Bus durch Polen zu fahren und Workshops für Jugendliche anzubieten. Sie träumt davon, eine große Bewegung zu starten: „Ich will, dass Sex kein Tabu mehr ist. Und wenn ich mir etwas vornehme, dann ziehe ich das auch durch.“




Aus: "Ein Topmodel will Polen aufklären" (14.10.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sexualerziehung-ein-topmodel-will-polen-aufklaeren/23185216.html

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[...]  "Die Blitzmädchen" seit ein paar Monaten in sozialen Medien die Rolle der Frau in der Wehrmacht im Nazischick als schöne, heile und perfekte Welt nachzuzeichnen. Mit ihrem bewussten Spiel an der Grenze zur NS-Verherrlichung erreichen sie tausende "Fans".

"Da ich mich schon seit einiger Zeit mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftige und mich insbesondere auch für die Aufgaben der deutschen Frau in dieser Zeit interessiere, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, diese so authentisch wie möglich darzustellen", stellt sich etwa Margarete aus dem Norden Deutschlands auf der Facebook-Seite vor.

Als "Reenactmentgruppe" bezeichnen sich die drei jungen deutschen Frauen, die für ihren Onlineauftritt Nachrichtenhelferinnen des deutschen Heeres darstellen und für ihr hauptsächlich männliches Publikum posieren. Das englische Wort reenactment bezeichnet dabei die Neuinszenierung konkreter geschichtlicher Ereignisse in möglichst authentischer Weise. Vor allem in den USA erfreuen sich etwa Wiederaufführungen von Bürgerkriegsschlachten großer Beliebtheit.

Von einer "möglichst authentischen" Darstellung der Rolle der Frau in der deutschen Wehrmacht sind "Die Blitzmädchen" jedoch weit entfernt. Viel eher verherrlichen und romantisieren sie die Rolle zahlreicher zwangsrekrutierter, aber auch freiwillig zum Dienst gemeldeter Frauen während des Zweiten Weltkrieges. Rund 500.000 Wehrmachthelferinnen waren ab 1939 als Nachrichten-, Stabs-, Flak- und Luftwaffenhelferinnen aktiv. Aufgrund des Blitzabzeichens in Runenoptik wurden die Frauen meist abschätzig "Blitzmädchen" genannt. Mindestens 20.000 von ihnen sollen laut Schätzungen in Kriegsgefangenschaft oder durch Tieffliegerangriffe, Bombardments und Partisanenüberfälle gestorben sein.

Das treibende Argument hinter der Rekrutierung der Frauen, so wurde es ihnen zumindest beigebracht, war stets, "Männer für die Front freizumachen", schreibt die deutsche Historikerin Rosemarie Killius. Dass seitens der jungen Mädchen nun die Rolle der Wehrmachthelferin schöngeredet wird und die grausamen Verbrechen der diktatorischen Naziherrschaft sowie der Holocaust keinerlei Erwähnung in den Postings der "Blitzmädchen" finden, empfindet Killius im STANDARD-Gespräch als "oberflächlich und dumm", wenn man sich die Reaktionen in den sozialen Medien darauf anschaue, sogar als "gefährlich". Killius, die im Rahmen eines Buchprojektes einst selbst zahlreiche Wehrdiensthelferinnen interviewt hat, stören dabei weniger die "faktischen Ungenauigkeiten", sondern vor allem die Schönfärbung einer grausamen Zeit der deutschen Geschichte.

"Für die meisten Frauen im Dienste der Wehrmacht war es eine grausame Zeit", sagt Killius. Rund ein Drittel der Frauen habe sich damals freiwillig zum Dienst gemeldet, vor allem, weil man ihnen einen Auslandseinsatz in Paris versprach und zu Hause oft ein weit tristerer Arbeitsalltag drohte. Es wurde letztendlich meist ein körperlich und seelisch äußerst anstrengender Posten im Osten Europas, wo vor allem beim Rückzug nach der absehbaren Niederlage Nazideutschlands viele der Frauen in Gefangenschaft gerieten oder starben. In den Jahren nach dem Krieg wurde die Rolle der Wehrmachthelferin kaum thematisiert. In Killius' Buch sprachen erstmals einige einerseits vom Stolz, ihren Dienst für das Vaterland geleistet zu haben, aber auch von der großen Kameradschaft unter den Frauen. Mit zunehmendem Alter habe sie aber zusehends die Scham ergriffen, einem verbrecherischen Regime gedient und zu wenig zu dessen Unterdrückung unternommen zu haben. Dass nun junge Mädchen für ein wenig Aufmerksamkeit diese Zeit verherrlichen, empört auch eine 98-jährige ehemalige Wehrmachthelferin gewaltig, wie diese dem STANDARD bestätigt.

"Die Blitzmädchen" jedoch zeigen weder Scham noch Verständnis für die Gräueltaten der Nazis. Zwar streiten sie diese nicht offen ab und verleugnen sie auch nicht, auch zeigen sie keinerlei verbotene Zeichen wie etwa die doppelte Siegrune der SS oder das Hakenkreuz, dennoch spielen sie ganz bewusst mit jener Optik und lassen alle Grausamkeiten der Nationalsozialisten bei ihren Bildern einfach außen vor. Zudem erklären sie unwissenden ausländischen Website-Besuchern gerne einmal im freundlichen Ton, dass aufgrund des Verbotsgesetzes viele Abzeichen nun einmal nicht hergezeigt werden dürften. STANDARD-Anfragen wollte man nicht beantworten, es bestehe "kein Interesse", hieß es. Neben dem einschlägigen Publikum mit teils rassistischen, sexistischen und hetzerischen privaten Profilen, das auch auf zahlreichen ähnlichen Plattformen fleißig kommentiert, fällt bei der Durchschau der öffentlichen Social-Media-Profile der "Blitzmädchen" vor allem die Besinnung auf deutsche Werte und deutsche Dichter auf. Dort finden sich neben äußerst streitbaren Persönlichkeiten mit antisemitischen Tendenzen wie Ernst Moritz Arndt auch immer wieder Gedichte von Johann Wolfgang Goethe. Auch die zahlreichen angeblichen Freizeitaktivitäten (Kerzen gießen, in der "Wehrmacht"-Zeitung über das Weltgeschehen informieren, Frühlingsspaziergänge) sind laut Historikerin Killius reine Schönfärberei einer verbrecherischen Zeit. (Fabian Sommavilla, 15.10.2018)


Aus: ""Die Blitzmädchen": Auf Like-Suche im Nazischick" Fabian Sommavilla (15. Oktober 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000088908198/Die-Blitzmaedchen-Auf-Like-Suche-im-Nazi-Schick

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peter schmidt

... das erinnert mich an gerhard polt "im biergarten" "dann sitz ich da und denke an was schönes zum beispiel die schlacht von verdun!"


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Jerry Fletcher

wer nichts weiß und wer nichts kann, schnappt sich einen nazi mann!


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Kernel Decker

Diese "tollen" Blusen und Röcke gibts sicher bald bei "Heimatmode" zu kaufen.
Made in Bangladesh ....


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T-m-s-i-d-R-Schnapper

Der Daseinszweck von Reenactment und Living History ist es Bestandteil der Geschichtsvermittlung zu sein um ein möglichst umfassendes Geschichtsbild zu vermitteln. Sich an Uniformen aufzugeilen ist keine Wissensvermittlungsmethode, das als Reenactment zu titulieren eine Lüge.


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el campesino

dem kickl wird's gefallen.


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Sehr geehrte Herrinnen und Damische! Mit großer ...

N(S)ostalgie nach 50 shades of brown
Diesmal: Fashion-Tipps aus den 1930er bis Mitte der 1940er, für die "deutsche Frau", die ihr "Deutschtum" aber sowas von eindeutig zeigen will (ohne verbotene Zeichen)


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B. Enzo di Azepin

Die Rolle der Frauen während des NS
Zunächst haushaltschupfende Gebährkuh. Traditionelles Familienbild. Als die Männer an der Front wegstarben dann Frau für Arbeit gut genug und die Frau als Schlüssel zum Endsieg stilisiert Diesen Werdegang dokumentieren auch gut Plakate von damals.


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Mathias Steinlaus

STANDARD-Anfragen wollte man nicht beantworten, es bestehe "kein Interesse", hieß es.
Wen überrascht das auch? In den Kreisen wird der Standard sicher als "linkes Propagandamaterial" angesehen ... der Falter dürfte da wohl auch Probleme haben, oder die Süddeutsche, NZZ, FAZ usw...


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TheBirdOfHermes

Es gibt native weibliche Österreicher die FREIWILLIG zum Islam konvertierten und dann mit Burka rumlaufen.
Aber mit Vollschutz und Handschuhen und wenn sie dann telefonieren, hören sie sich wie Steirer & Co an (Mundart bis zum geht nicht mehr).
Wie sehen solche Frauen ihren "Stellenwert"?


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Blunschli

whataboutism


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[...] Schon an den ersten drei Tagen haben in Polen 935.357 Menschen den Kinofilm "Kleriker" (polnisch: Kler) gesehen. Ein Zuschauerrekord. Kein anderer Film lockte in den vergangenen 30 Jahren so viele Polen ins Kino. Die fiktive Handlung dreht sich um drei befreundete katholische Priester. Einer misshandelt Kinder sexuell; ein anderer führt eine Liebesbeziehung zu einer Frau. Hinzu kommt ein im Luxus lebender Bischof, der eng mit der Regierungspartei verbunden ist und Einfluss auf die große Politik nimmt.

Der Skandalfilm könne zu einem der größten Publikumserfolge der polnischen Kinogeschichte werden, schreibt die Warschauer Zeitung "Rzeczpospolita" (Dienstag). "Klerus" sei keine romantische Komödie, sondern ein "ernster und schmerzhafter Film über die polnische Wirklichkeit, die bereits ein wesentliches Phänomen der Gesellschaft geworden ist", so das liberal-konservative Blatt.

Der regierungsnahe Online-Dienst "wPolityce.pl" protestierte dagegen. Der Film erinnere "viele Beobachter an die Propaganda der Nazis gegen die Juden". Denn er hetze gegen eine ganze Bevölkerungsgruppe: die Geistlichen. Er sei der "Beweis für eine Verrohung eines Teils des kulturellen Milieus sowie für den barbarischen Hass eines Teils des medialen Establishments".

Der bekannte Regisseur Wojtek Smarzowski (55) gewann mit dem Film bereits den Publikumspreis beim landesweit wichtigsten Filmfestival in der Ostseestadt Gdynia (Gdingen). Wie angespannt die Stimmung ist, zeigte der staatliche Sender TVP Kultura. Er zensierte die zeitlich verzögerte Übertragung der Preisverleihung an Smarzowski, weil dieser in seiner Ansprache über den TVP-Intendanten Jacek Kurski scherzte. Kurski hatte die TVP-Programme auf Linie der nationalkonservativen Regierungspartei PiS gebracht - die wiederum sehr gute Kontakte zur Kirche unterhält.

Die Kirche reagierte ruhiger auf den umstrittenen Film als die Regierungspartei. Sie schweigt fast. Einen offiziellen Kommentar zu "Klerus" wollte Polens Bischofskonferenz bislang nicht abgeben. Manche Bischöfe sagten, dass sie den Film gar nicht anschauen werden. Auch Journalisten katholischer Medien erklärten, dass sie ihn nicht sehen wollen. Einige Kinos boykottieren ihn sogar - offiziell aus Rücksicht auf die Kirche und die Gläubigen.

Polens Bischöfe betonen schon lange, dass sie keinerlei sexuelle Übergriffe duldeten. Wie ihre Amtsbrüder in anderen Ländern erarbeiteten sie auch Leitlinien zur Prävention. Diese seien "viel restriktiver als das geltende polnische Recht", so der Kinderschutzbeauftragte der Bischofskonferenz, Pater Adam Zak. Der Schutz von Minderjährigen sei eine der "vorrangigsten Tätigkeiten der Kirche". Er verweist auf das 2013 eröffnete katholische Kinderschutzzentrum, das bereits mehr als 2.000 Menschen geschult habe. "Null Toleranz für Pädophilie - das ist die Haltung der gesamten Kirche in Polen, sowohl der Geistlichen als auch der katholischen Laien", so Zak.

Die Kirche könne allerdings durchaus noch mehr tun, meint etwa die liberale katholische Zeitschrift "Tygodnik Powszechny". Fast die Hälfte der Bistümer nenne auf ihren Internetseiten nicht die Telefonnummer ihres zuständigen Beauftragten, an den sich Missbrauchsopfer und ihre Angehörigen wenden sollen. Das hindere Opfer daran, sich zu melden, kritisiert das Blatt.

Im November will die Bischofskonferenz landesweite Zahlen zum Ausmaß von Kindesmissbrauch durch Kirchenvertreter veröffentlichen. Einen so umfangreichen Untersuchungsbericht wie in Deutschland wird es in Polen jedoch vorerst nicht geben. Ein weiterer Unterschied zu Deutschland: Polens Bischöfe lehnen bislang Schadenersatzzahlungen an Missbrauchsopfer ab, die über eine Übernahme von Therapiekosten hinausgehen.

Von Oliver Hinz (KNA)


Aus: "Rekordstart für Kinofilm "Kleriker" in Polen" Oliver Hinz (KNA) (Warschau - 04.10.2018)
Quelle: https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/rekordstart-fur-kinofilm-kleriker-in-polen

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[...] Sie steht für "außergewöhnliche Reize" und eine "besondere Optik": Dazu zählt neben der pechschwarzen Mähne, dem prallen Dekolleté und den sinnlichen Lippen mittlerweile auch ein Hakenkreuz-Tattoo auf dem Oberschenkel. Und das soll sich Domina Charlize jetzt entfernen lassen.

Ihre XXL-Tätowierung am Oberschenkel hat in den vergangenen Tagen nicht nur bei Venus-Besuchern für mächtiges Aufsehen gesorgt. Auch die Veranstalter der weltweit größten Erotikmesse zeigten sich überrascht und vor allem entsetzt von der Körperkunst der Domina. Denn Lady Charlize ist das Werbegesicht der "Kinky-Venus", dem Paradies für BDSM-Fans.

... Mit dieser Tätowierung wollte Domina Charlize nach eigenen Angaben ein  Zeichen setzen. "Ich bin Perserin und absolut nicht rechts. Ich habe versucht, dieses Tattoo so darzustellen, dass ich gegen Rechts bin und nicht dafür", erklärt sie das Bild auf ihrem Bein im Gespräch mit t-online.de.

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Aus: "Venus-Domina muss Nazi-Tattoo entfernen lassen" Ricarda Heil, Nicole Faßbender (15.10.2018)
Quelle: https://www.t-online.de/unterhaltung/stars/id_84612658/hakenkreuz-eklat-bei-der-venus-domina-muss-nazi-tattoo-entfernen-lassen.html#utm_source=websuche&utm_medium=t-online-ergebnisse&utm_campaign=link1

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[...] Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

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Quelle: https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/parteien/id_84607012/vor-bayern-wahl-wolfgang-schaeuble-schliesst-rueckzug-angela-merkels-nicht-aus.html

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Die Chefredaktion von t-online.de


Aus: "In eigener Sache: Warum wir viele Leserkommentare nicht veröffentlichen können" (Stand: 14. Oktober 2018, 11:24:04 MESZ)
Quelle: https://www.t-online.de/nachrichten/id_73113032/leserkommentare-statement-der-chefredaktion.html
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[...] jene, die noch einige Jahre zuvor eine virale Gegenkultur euphorisch prognostiziert hatten, verstummten plötzlich. Denn diese neue Bewegung ließ den Frosch Pepe in Witzbildchen bevorzugt spotten über "ungefickte Feministinnen mit behaarten Beinen" und "pädophile Mexikaner". Gleichzeitig beschworen diese Netzkämpfer Donald Trump als neuen Messias. Wer sich auf die verwinkelten Unterseiten von Reddit begibt, kann ihre Fantasien mitlesen, welcher Feministin dringend mal welches Werkzeug in welche Körperöffnungen gezwängt gehöre.

Früher rebellierten die Punks, die Situationisten, die 68er gegen die Regeln der Mächtigen, der Spießer. Doch was ist, wenn die Regeln nun von Linksliberalen gemacht werden? Sind dann Vergewaltigungswitze der neue Punk?

Die 34-jährige Autorin Angela Nagle geht dieser Frage nach in ihrem Buch Die digitale Gegenrevolution, das letztes Jahr in den USA für Furore sorgte und nun auf Deutsch erscheint. Nagle, die als Autorin der marxistischen Hipster-Zeitschrift Jacobin bekannt wurde, ist sich sicher: Der Erfolg von Trump wurzelt in ebenjener neuen, dynamischen Internet-Subkultur, in der sich Nerds und organisierte Rechte der Alt-Right-Bewegung zusammengefunden haben – zusammengeschweißt durch die Ablehnung eines angeblich linksliberalen Mainstreams.

 Diesem Mainstream will auch Nagle auf den 145 Seiten ihres kurzweiligen Büchleins ans Leder. Dem linksliberale Lager um Hillary Clinton wirft sie vor, durch eine Amour fou mit dem Neoliberalismus die universelle Idee der Emanzipation verraten zu haben. In Tumblr-Blogs und Sonntagsreden predige man eine selbstgerechte Identitätspolitik, in der noch jede bis ins Kleinste parzellierte Minderheit zu ihrem Ausdruck komme. Aber eben nicht: zu ihrem Recht. McDonald’s etwa drucke am Weltfrauentag sein Logo, das goldene M, verkehrt herum auf seine Colabecher, weil das W für woman steht – aber, so fragt Nagle, wieso tut ihr Liberalen nichts gegen den Hungerlohn der Burgerbraterin?

Stattdessen vergrätze man andere lieber und trete auf als "sauertöpfische Identitäre", die, "getrieben von der Sehnsucht eines Priesters, zu exkommunizieren", jeden diffamierten, der in Diskussionen ein falsches, politisch nicht opportunes Wort benutze – womit man "massenhaft" Menschen in die Arme der Rechten scheuche.

Nachdem die alten Konservativen durch ihre moralinsaure Verbotspolitik in vergangenen Kulturkämpfen als träge Besitzstandswahrer diskreditiert seien, habe die neue Rechte ihre Taktik geändert und die ursprünglich linke Idee einer subversiven Gegenkultur gekapert: "Erst die auf Satire-Bildern beruhende Kultur mit ihrer Grenzüberschreitung und ihren Hacker-Taktiken verlieh der Alt-Right ihre jugendliche Energie."

Nagle zeichnet ausführlich Genese und Entwicklung dieser virtuellen Schattenwelten nach. Teilweise jagt sie dabei den Details mit einer Akribie nach, die an Obsession erinnert, und doch lohnt sich die Lektüre. Denn so unermesslich der Einfluss der rechten Online-Subkultur auf die US-amerikanische Politik, so unbekannt ist sie für all jene, die sich nicht stundenlang auf Internetseiten rumtreiben, die sich lesen wie die Wand einer Schultoilette.

Und jetzt, wo die Neue Rechte im Weißen Haus sitzt, verliert sie da nicht ihren Nimbus als tapferer David, der sich unerschrocken mit den Mächtigen anlegt? Nagle glaubt: Ja, das Bündnis aus Reddit-Trollen, Stahlarbeitern und konservativen Republikanern wird zerbrechen. In Umfragen betont mittlerweile die Mehrheit der jungen Amerikaner, der sogenannten Millennials (auch so eine identitätspolitische Kategorie), dass sie Sozialismus für eine gute Sache halten. Landesweit bringen linke Jungpolitiker aus dem Umfeld von Bernie Sanders die als "neoliberal" geschmähte Führung der Demokratischen Partei in Bedrängnis.

Folgt man Nagle, ist die Steppe also staubtrocken, und für den Flächenbrand bedarf es nur noch eines Funkens. Doch, und das will man ihr entgegnen: Wenn die USA unter Trump für eines als Beispiel dienen, dann dafür, dass Vorhersagen und Wahrscheinlichkeiten keine harte Währung mehr sind, mit der sich krisensicher investieren lässt.

Angela Nagle: Die digitale Gegenrevolution. Online-Kulturkämpfe der Neuen Rechten von 4chan und Tumblr bis zur Alt-Right und Trump. A. d. Engl. v. D. Niehaus; transcript Verlag, Bielefeld 2018; 148 S


Aus: "Ist Sexismus der neue Punk?"  Eine Rezension von Martin Eimermacher (3. Oktober 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/2018/41/digitale-gegenrevolution-angela-nagle-sexismus-kulturkaempfe

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daxer #1

Wenn dieses Buch sich tatsächlich wie in dieser Rezension dargestellt auf die Durchforstung von 4chan oder bestimmten Reddit-Foren beschränkt, dann ist die Analyse für deutsche Verhältnisse relativ wertlos. Das sind die extremen hard-core Ränder eines weltweiten sozialen Phänomens, die aber nach meinem Eindruck nur die häßliche Spitze eines Eisbergs sind. Darunter liegt ein bis weit in die Mitte der Gesellschaft reichender Eindruck, daß "die Linke" (was immer das genau ist) mit ihrer Identitätspolitik erheblich zur Spaltung der Gesellschaft und zum Erstarken der Extreme beigetragen hat.

Ferner habe ich starke Zweifel, ob eine Analyse, die sich so stark auf Nordamerika bezieht, irgendwelche Erkenntnisse für D. liefert. Dieses Buch bezieht sich sowohl bei den politischen Bewegungen wie den alt right wie auch bei den Internetauftritten, die stark von dort dominiert werden, offenbar fast nur auf Nordamerika. Man kann sich gerne für die USA interessieren, aber wir haben hier in D. vollkommen andere Verhältnisse.


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White_Chocobo #1.10

Was bitte ist 'die Linke' mit 'ihrer Identitätspolitik'? Es gibt sowohl Links wie Rechts 'Identitätspolitik' und die ist sicherlich kein 'linkes' Markenzeichen. Vielmehr sehe ich in Teilen der Linke eher den Versuch, sich gegen starre Identitätskonstruktionen und -zuschreibungen zu positionieren, während die neue Rechte mit bspw. der Identitären Bewegung ganz klar auf eine rassistisch-völkische Identität setzt.

Etliche soziologische Studien zeigen aber dennoch, dass das asymmetrische Geschlechterverhältnis auch dann noch erhalten bleibt, wenn wir bspw. das Beispiel von McDonalds ansehen. Auch dort stehen häufig Männer über Frauen. Bei Reinigungsunternehmen sind es i.d.R. die Männer, die entsprechende Trupps leiten, während Frauen putzen und die Mülleimer leeren. Strukturen wiederholen sich, nur eben in kleinerem Maßstab.

Sicher bin ich auch dafür, dass man negative Entwicklungen auch für Männer in den Blick nimmt, aber sowohl weltweit als auch lokal sind es nach wie vor in aller Regel nicht Männer, die auf der Seite der Verlierer stehen, wenngleich es natürlich auch solche gibt. Insofern sollte man dies definitiv im Blick haben, bevor man entsprechende Probleme versucht damit zu relativieren, dass ja 'auch' Männer betroffen sind - oder wird das Problem erst für Sie relevant WENN Männer betroffen sind? Ich hoffe nicht.


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Danke für dieses Geräusch #1.14

"Es gibt sowohl Links wie Rechts 'Identitätspolitik' und die ist sicherlich kein 'linkes' Markenzeichen."
Die rechte Identitätspolitik ist völkisch-ethnisch und ziemlich offensichtlich Käse.
Hongkong z.B. hat über 40% Ausländeranteil, darunter ein zweistelliger Anteil Muslime. Und diese Mischung bringt keine Probleme. Die Probleme stammen aus Sozialisierungen, nicht Ethnien.
Die linke Identitätspolitik betrifft Gruppenidentitäten (Schwule, Frauen, People of Color usw.) und deren gemutmaßte relative Unterdrückung. Was bei den Linken früher Klassenunterschiede waren, sind heute solche Gruppenidentitäten.
Dass diese Betrachtungsweise Teil des Mainstreams ist, kann man sich an ganz einfachen Beispiel veranschaulichen. Wichtig ist demnach nicht, was jemand sagt, sondern wer es sagt. Wenn z.B. ein Mann einen kritischen Artikel über den Feminismus schreibt, hat es ganz andere Folgen als wenn eine Frau den identischen Artikel verfasst.
Diese Art zu denken ist also bereits Mainstream.
Die Probleme, die damit einhergehen, sind aber weniger offensichtlich als im Fall der rechten Identitätspolitik.


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babasikander #16.1

Ich erinnere mich an die Sparkassenwerbung mit den Hippie-Eltern, die vor einigen Jahren lief. Der Revolutionär war der Spießersohn im Anzug.
Das Pendel. Es schwingt hin. Und her...


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Graf Porno von Geilenkirchen #17

Normies raus!


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Pausenbrot #18

Natürlich sind die Linksgrünversifften heute die arrivierten Spießer, die die Macht besitzen. Nur dass die Punks heute nicht mehr so wie Sid Vicious ein Hakenkreuz-T-Shirt tragen...


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SpätzleundSauerbraten #21

Guten Morgen liebe Gemeinde. Ich poste heute zum ersten mal. Love & Peace.

Ich finde, dass dieser Artikel sehr wichtig ist und fast schon zu spät kommt. Die meisten Schreiber im Kommentarbereich sind halt schon recht alt (Ü40) und verstehen die Vernetzungen der jungen Konservativen nicht. Wie auch, wenn man dem gedrucken Medium aus Altersgründern noch näher steht als dem "Neuland."

Für viele hier ist der klassische Nationalkonservative oder auch der Rechte, der grölende Schlapphut mit Deutschlandflagge past 50y, also der klassische besorgte Bürger. Das ist aber schon lange nicht mehr so. Im digitalen Underground wächst eine sehr große Gemeinschaft heran die sehr stark ist. Hauptsächlich wächst die neue Generation-Z zu konservativ, patriotischen Jugendlichen heran.

Sie rufen sich als Erkennungszeichen "Reeee" zu, singen die Punkversion von "Shadilay" und setzen mit Aktionen über 4chan sogar Prominente unter Druck. Beispiel Shia LaBeouf mit seinem #HWNDU wurde so unter Druck gesetzt, dass er fast verzweifelte und sich in Behandlung geben musste. Die Jugendlichen um die 17-22y alt, College Degree, kopieren Aktionen der Linken und setzten sie gekonnt ein. Sie sehen auch so aus. ...
Und nein, dies ist nicht nur auf die USA beschränkt, auch hierzulande vernetzen sich diese Jugendlichen untereinander. Der Haschtag #wirsindmehr, kann man eigentlich so nicht mehr stehen lassen. Diese Ignoranz ist gefährlich.


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KognitiveDissonanz #23

"Im Internet haben die Rechten die alten linken Formen des Widerstands gekapert. Ihre Provokationen halfen Trump ins Amt."

Können wir uns darauf einigen, daß es die amerikanischen Wähler waren, die Trump ins Amt geholfen haben?


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Nantiane #30

Mich ekeln rechte Trolle an aber ich sehne mich auch nicht danach durch linke Manipulationen (Vogelsterben, Glyphosat, Ökobilanz von E-Autos, Migration der "Fachkräfte" usw) ganz sanft in Richtung glorreiche sozialistisch-marxistische Zukunft geschubst zu werden.
Die Autorin des Buches hat es schon richtig erkannt. Die Rechten haben die Werkzeuge der Manipulation von den Linken übernommen und solange man für die bessere Sache Statistiken frisiert und Stimmung macht gegen alle wissenschaftlichen Erkenntnisse ist es ja ok. Oder?


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Balduin-das-Schloß #31

Marxistische Hipsters gegen Alt-Right Tricksters ...

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[...] In Frankreich ist ein massiver Fall des Missbrauchs sensibler Daten aus Überwachungssystemen der Sicherheitsbehörden aufgeflogen. Nachdem der französische Zoll im Juni den illegalen Darknet-Marktplatz "Black Hand" hochgenommen und zerschlagen hatte, stießen die Ermittler zu ihrer Überraschung auch auf sensible Dokumente und Informationen etwa aus nationalen Polizei-Datenbanken, die ein Nutzer der Plattform unter dem Pseudonym "Haurus" verscherbelte.

Den Fahndern gelang es mittlerweile unter anderem anhand spezifischer, in die Dateien eingebauter Codes, die Identität des Verkäufers herauszubekommen. Laut der Zeitung Le Parisien handelt es sich dabei um einen französischen Geheimdienstmitarbeiter.

Der Agent arbeitete demnach für den Inlandsnachrichtendienst Direction générale de la sécurité intérieure (DGSI), der sich eigentlich um den Kampf gegen Terrorismus und Cybercrime kümmern soll. Der Spion sei Ende September verhaftet worden unter der Anklage, vertrauenswürdige Daten über das Online-Forum verkauft zu haben, heißt es. Sollte er verurteilt werden, drohen ihm bis zu sieben Jahre Haft sowie eine Geldstrafe von bis zu 100.000 Euro.

Für rund 300 Euro je Auskunft soll der Beschuldigte etwa zu beliebigen Handynummern die Aufenthaltsorte und Anruflisten des jeweiligen Inhabers angeboten haben. Dem Vernehmen nach hat der Agent auch einen Service beworben, über den er Kunden darüber informieren wollte, ob sie von der Polizei gesucht werden und was gegebenenfalls gegen sie vorliegt.

Die Ermittler gehen davon aus, dass Kriminelle von Haurus verkaufte Papiere genutzt haben, um Dokumente zu fälschen. Datenschützer warnen seit Langem vor dem großen Missbrauchspotenzial der zunehmenden staatlichen Überwachung. Hierzulande sorgten zuletzt Mitarbeiter der Berliner Polizei für Schlagzeilen, die Dritte unberechtigt über das System Poliks ausgespäht haben sollen. Die Berliner Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk untersucht aktuell noch, ob es Sicherheitslücken gibt. (Stefan Krempl) / (tiw)


Aus: ""Haurus": Französischer Agent verkauft Überwachungsdaten übers Darknet" (08.10.2018)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Haurus-Franzoesischer-Agent-verkauft-Ueberwachungsdaten-uebers-Darknet-4183392.html

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     nonexistent, 08.10.2018 14:00

Aber wir, die genau sowas befüchten, sind alles Aluhutträger ...
Eigentlich sollte ich mich gut fühlen, weil meine Theorie bestätigt wurde.


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     FrogmasterL, 08.10.2018 14:30

Ja Moment mal. Ist das etwa nicht verboten in Frankreich?

Da gibt es wohl eine Schutzlücke. Einfach den Handel mit Überwachungsdaten verhindern und schon ist das Problem behoben. Gut, die Zusicherung, dass die Daten sicher sind und nur in so eng begrenzten Ausnahmefällen verwendet werden, dass sie praktisch nutzlos sind und jeder, der nichts zu verbergen hat auch nichts zu befürchten hat ... dieser Datendiebstahl ist natürlich nur ein höchst bedauerlicher Einzelfall


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