COMMUNICATIONS LASER #17

Laser#17 - Fraktal Text Akkumulation => Global-Politix und Micro-Welt, Randnotizen und Fussnoten => Topic started by: Textaris(txt*bot) on February 18, 2007, 02:21:01 PM

Title: [Menschen in Schichten und Klassen... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 18, 2007, 02:21:01 PM
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Wer auf dem Globus zu jener Milliarde Menschen gehört, die akut Hunger leidet, sieht die Weltwirtschafts-"Ordnung" eben mit anderen Augen als der durchschnittliche Europäer. Wer als Geringverdiener für die SPD Plakate klebt, wird die Verhältnisse hierzulande anders beurteilen als jene Genossen der Schröder-Ära, deren Parteikarriere vor allem mit einer privaten Finanz-Lebensplanung verknüpft ist. Ein sozialdemokratischer Gewerkschafter mit hochdotiertem Aufsichtsratsposten hat natürlich einen anderen ökonomischen Standpunkt als ein "Hartz-IV-Empfänger" oder ein prekärer Freiberufler. Auch das gehört zu den Erkenntnisgewinnen der Aufklärung: Es kommt nicht nur auf die funktionierende Gehirnmasse an, sondern ganz entscheidend auch darauf, WER jeweils mit welchen Augen die Weltgeschichte betrachtet.
Aus: "Und die Sozialdemokratie danach?" Peter Bürger (27.06.2012)
Quelle: http://www.heise.de/tp/blogs/8/152275 (http://www.heise.de/tp/blogs/8/152275)

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[...] „Die Unteren darf man nicht so schröpfen, dass sie nicht mehr konsumieren können. Sie müssen als Kunde überleben.“ (Hans-Martin Buhlmann, Aktionär der Allianz AG gegenüber dem Stern vom 12.Mai 2005)


Aus: "Das wahre Elend? - Zur Rede von der „neuen Unterschicht“" (Erschienen in "Wiedersprüche" Heft 98; 2005)
Quelle: http://www.uni-bielefeld.de/paedagogik/agn/ag8/das_wahre_elend.pdf (http://www.uni-bielefeld.de/paedagogik/agn/ag8/das_wahre_elend.pdf)

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... In den unteren Segmenten des Arbeitsmarktes ist es die Angst vor Hunger und Obdachlosigkeit, die einen die Arbeitsdespotie vergessen lässt. In den mittleren und höheren Sphären sind es Wohlstandsversprechen, Anerkennungsdrang und Arbeitsethik, die den Weg zur Knechtschaft ebnen. Geeint sind Arme und Selbstverwirklicher in der Einsicht, dass wir nicht nur vom Brot leben, wie Marcel Reich-Ranicki wusste: „Geld allein macht nicht glücklich. Aber es ist besser, in einem Taxi zu weinen als in der Straßenbahn.“


Aus: "Was vom Tage übrig bleibt" Christian Baron (Ausgabe 30/2019)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/cbaron/was-vom-tage-uebrig-bleibt (https://www.freitag.de/autoren/cbaron/was-vom-tage-uebrig-bleibt)

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Beim Tritt in die Glasscherben leiden wir alle klassenlos. Nur sollte man sich nicht über das Bestreben der Vermögenden wundern, die Strände jenen vorzubehalten, die nachher alles wieder in den Picnickoffer tun.

 - Don Alphonso (Stützen der Gesellschaft), 02. August 2012

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Jugger, 13.11.2019

Wenn [man] wissen will wie ein Vorgesetzter tickt, muss man sich nur sein Verhalten gegenüber der Putzfrau anschauen. Nach oben Buckeln alle, zur Putzfrau sind meistens nur die guten freundlich.


Kommentar zu: https://www.derstandard.at/story/2000110953224/da-wuerde-ich-lieber-putzen (https://www.derstandard.at/story/2000110953224/da-wuerde-ich-lieber-putzen)

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Menschen aus der working class, die nicht dem britischen Kastensystem als Sklaven dienen mochten, wurden als Exzentriker belächelt und ignoriert – eine raffinierte Methode, selbstbewusste Individualisten und Systemkritiker zu verharmlosen. ... Auch in diesem Jahrtausend gibt es noch tiefe Gräben zwischen den Klassen und riesige Einkommensunterschiede. Ich sage nicht, dass alle Menschen gleich viel besitzen müssen. Manchen Leuten steht mehr zu, weil sie mehr arbeiten, damit habe ich kein Problem. Aber diese drastische Armut ist durch nichts zu rechtfertigen, weder in England noch sonst wo auf der Welt. Wer akzeptiert, dass eine breite Bevölkerungsschicht ohne Geld und Bildung aufwächst, darf sich nicht über künftige Turbulenzen einer abgehängten Generation beschweren.  (John Lydon,  ZEITmagazin 19/2015)

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Aus Sicherheitsgründen werden alle Demonstrationen im Zentrum der spanischen Hauptstadt während der Krönungszeremonie, der anschließenden Militärparade und der Autofahrt des spanischen Königspaares vom Parlament zum Königspalast, sowie während des dort stattfindenden Staatsempfangs verboten. ...
Aus: "Proteste gegen spanische Monarchie verboten" (16. Juni 2014)
Quelle: http://derstandard.at/2000002070517/Proteste-gegen-spanische-Monarchie-verboten (http://derstandard.at/2000002070517/Proteste-gegen-spanische-Monarchie-verboten)


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Schlechter Umgang - Enge Kontakte zwischen einkommensschwachen Eltern schaden ihren Kindern in der Schule, sagt die Soziologieprofessorin Anette Fasang. ...

http://www.zeit.de/2014/11/schule-eltern-netzwerke-anette-fasang (http://www.zeit.de/2014/11/schule-eltern-netzwerke-anette-fasang)

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keats, 16.03.2013: ... Schlechter Umgang ist eine unmögliche Überschrift, weil sie pauschalisierend so tut, als sei einkommensschwach = schlecht. Schlechter Umgang sind Leute ohne Charakter und Manieren, fanden meine Eltern. Das findet man bekanntermassen in allen Schichten.
http://www.zeit.de/2014/11/schule-eltern-netzwerke-anette-fasang?commentstart=1#cid-3464413 (http://www.zeit.de/2014/11/schule-eltern-netzwerke-anette-fasang?commentstart=1#cid-3464413)

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[...] ElitePartner wirbt damit, "Akademiker und Singles mit Niveau" zu verkuppeln. Das Konzept scheint aufzugehen, im Monat Januar tummelten sich bei ElitePartner 557.000 Besucher, wie die Marktforschungsfirma Nielsen ermittelte. ... Im Foyer der loftähnlichen Büro-Etage hängen Hochzeitsfotos und Geburtsanzeigen, "ElitePartner-Kinder" nennt Schwaner diese Babys. ...

Aus: "Online-Partnerbörsen 7E46487C sucht die Liebe" Von Annette Bruhns (08.05.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/spiegelwissen/singleboersen-suche-nach-der-grossen-liebe-a-831821.html (http://www.spiegel.de/spiegelwissen/singleboersen-suche-nach-der-grossen-liebe-a-831821.html)

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[...] Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein bevorzugen besonders stark die Kinder der sogenannten "oberen Dienstklasse". Das bedeutet: Kinder aus akademisch gebildetem, reichem Elternhaus bekommen dort, trotz gleicher Leistung, sechsmal so große Chancen aufs Gymnasium wie Arbeiterkinder. ... Das Fazit der Forscher ist ernüchternd: "Die deutschen Schulsysteme bieten Kindern und Jugendlichen sehr unterschiedliche Chancen, ihre Kompetenzen zu entwickeln." ...


Aus: "Deutschland, Land der Schulabsteiger" Von Christian Füller (12.03.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,820475,00.html (http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,820475,00.html)

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[...] Sledgehammer (23. Juni 2019 — 08:05): "Das Untier in uns präferiert von jeher den abwärtsgerichteten sozialen Vergleich zur Selbstwertsteigerung."
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Elmar Benninghaus: " ... Die Frage, woher der Hass kommt,- ist ein bisschen scheinheilig, – oder? Die Frage, woher die Bösartigkeit kommen könnte, fände ich viel ehrlicher. Bau ne Leistungsgesellschaft, am besten noch per Agenda, lass Sprüche wie; „Ende des Schmusekurses“ los, sprich von Winnern and Loosern, erhebe den Egoismus zum ökonomischen Gesetz, fördere dieses „Ich/wir sind besser als der/die da, hetze und hack gewaltig auch noch per Medien auf Arbeitslose ein, beleg sie auch noch mit Sanktionen und verbreite damit Angst und Schrecken bei den Gläubigen dieses Wahnsinns, bring zwischendurch noch ein; „Wir sind Papst“ und überhaupt die King-Käse-Glocken in Europa, – desozialisiere und dehumansisiere alles für den großen Gott; „Markt“, und nenn die Menschen darin auch noch menschliche Ressourcen,- …. ja was glaubt ihr denn, was ihr danach für Barbaren habt? ..."


Quelle: https://klausbaum.wordpress.com/2019/06/22/woher-der-hass-kommt/ (https://klausbaum.wordpress.com/2019/06/22/woher-der-hass-kommt/)

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[...] Der „Schicht“-Begriff ist, verglichen mit dem „Klassen“- und „Standes“-Begriff, verhältnismäßig neu. Als Begründer der Schichtungssoziologie gilt Theodor Geiger, dieser entwickelte 1932 Ansätze des Schichtenbegriffs für die Sozialstrukturanalyse des Deutschen Reiches als eine Auseinandersetzung mit dem „Klassen“-Begriff.

[...] Laut dem französischen Soziologen Georges Balandier gibt es keine Gesellschaft ohne Macht und keine Macht ohne Hierarchie. Diese Vorstellung existiert nicht nur in der Soziologie, sondern hat sich tief in den sozialen Repräsentationen westlicher Gesellschaften verankert. Die Strukturierung der Gesellschaft in Schichten findet sich bereits in der Veda, der Bibel und dem Koran, auch in vielen Mythen von Naturvölkern; Mythen die die gesellschaftliche Schichtung gleichzeitig erklären als auch legitimieren. Andere religiöse/spirituelle Texte versprechen eine Umkehrung der auf der Erde existierenden Verhältnisse (z.B. Lukas 6, 20, vgl. auch Cargokult).

Max Weber, der Begründer der Religionssoziologie, hat in seiner Analyse feudaler Gesellschaften auf den Zusammenhang zwischen Religion und Klasse hingewiesen. Bei Weber reflektiert die Religion einerseits die existierenden gesellschaftlichen Hierarchien, andererseits drückt das Individuum durch seine religiöse Praxis auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht aus.

[...] Unabhängig davon, ob Hierarchien objektiv existieren oder nicht, haben Individuen immer das Bedürfnis, ihre soziale Umwelt zu ordnen und zu strukturieren (→ Kategorisierung). Ein Teilbereich der soziologischen Forschung befasst sich deswegen mit den sozialen Repräsentationen gesellschaftlicher Schichten. Mythen und religiöse Texte stellen einen Schwerpunkt der Analyse dar. So hat Stanislas Ossowski darauf hingewiesen, dass Mythen in den meisten Fällen eine vereinfachte Darstellung unserer Sicht des sozialen Raumes sind und diese erstaunlich häufig einfache Dichotomien aufweisen.

Auf die Schwierigkeiten, die objektive soziale Schichtung einer Gesellschaft zu untersuchen, hat u.a. der US-amerikanische Soziologe W. Lloyd Warner hingewiesen. Warners Ziel war es, eine Typologie des gesellschaftlichen Raumes in US-amerikanischen Städten zu erstellen. Er legte jedoch stattdessen eine Typologie der subjektiven Vorstellungen der US-Amerikaner über ihren sozialen Raum vor. Warner schloss daraus, das Klasse/Schicht nur dann vorhanden sein kann, wenn sich die Individuen ihr zugehörig fühlen und sich mit anderen Mitgliedern derselben Klasse/Schicht identifizieren. Diese Identifikation beruht auf der Vorstellung, die das Individuum von der bestehenden Sozialstruktur hat. Dort ordnet der Akteur sich und andere ein und weist Positionen zu.

Pierre Bourdieu verband das Konzept objektiver sozialer Klassifizierung mit dem der subjektiven Klassifizierung. Er untersuchte anhand einer umfangreichen empirischen Studie mit neu entwickeltem theoretischem Werkzeug, wie diese Klassifizierung vorzunehmen ist. Er stellte dabei fest, dass die Machtverhältnisse zwischen Individuen und Klassen bzw. Schichten ständigem Wandel unterworfen sind und jeweils neu ajustiert werden müssen. Dieser Vorgang ermöglicht es, dass die "hierarchisierte soziale Ordnung innerhalb einer sozialen Formation eine objektive Existenz" bekommt. Diese wird wiederum von den Individuuen verinnerlicht und die "soziale Ordnung brennt sich mit der Zeit in die Hirne ein. So werden soziale Unterschiede zur Grundlage der sozialen Unterscheidung, die die Wahrnehmung der sozialen Welt organisiert" (Bourdieu, 1979, S. 549).


Aus: "Sozialstruktur" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialstruktur (http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialstruktur)

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[...] Klassismus ist die Bezeichnung für die Diskriminierung von Angehörigen einer als 'niedriger' wahrgenommenen sozialen Klasse durch eine andere. Der Begriff setzt damit die Existenz einer Klassengesellschaft voraus und ist eine aus dem Englischen kommende Parallelbildung zu Racism, also Rassismus.

Der Begriff Klassismus ist negativ besetzt. Gegen Klassismus in der Politik, Gesellschaft und Kultur wendet sich der Antiklassismus.


Aus: "Klassismus" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Klassismus (http://de.wikipedia.org/wiki/Klassismus)

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[...] Unter einem Milieu versteht man in der Soziologie die Gesamtheit der räumlichen, kulturellen und sozialen Bedingungen, die ein Individuum, bzw. eine spezifische Gruppe von Individuen prägen. Zu den sozialen Bedingungen zählen z.B. Normen, Gesetze sowie wirtschaftliche und politische Bedingungen. Nach Hippolyte Taine zählt auch die innere geistige Umgebung (z.B. Mentalitäten und Gesinnungen) zum sozialen Milieu. Alle diese Bedingungen wirken sich auf die bloße Subsistenz, aber auch auf die Möglichkeiten zur Entwicklung (Sozialisation, d.h. Lern- und Reifungsprozesse) und Entfaltung (d.h. soziales Handeln) aus. Terminologisch bezeichnet man diese Bedingungen als Milieufaktoren.

Emile Durkheim unterscheidet begrifflich zwischen äußerem und innerem sozialen Milieu. Beide sind für ihn gesellschaftliche Subsysteme, wobei das äußere Milieu die sozial festgelegten Verhaltens- und Erlebensweisen, sowie die sozialen Gebilde insgesamt umfasst. Das innere Milieu besteht aus denjenigen Weisen der Festlegung von Verhalten und Erleben, sowie aus den Strukturprinzipen des Aufbaus sozialer Gebilde, die innerhalb einer Gesellschaft wirken. Das innere soziale Milieu definiert sich sequentiell als Verhältnis eines abgrenzbaren sozialen Gefüges zu allen seinen zeitlich vorhergegangenen Gegenständen und Produkten sozialer Aktivitäten. Als wichtigste Faktoren für das innere soziale Milieu begreift er Soziales Volumen (Zahl der sozialen Einheiten aus denen sich ein soziales Gebilde zusammensetzt) und Dichte (Anzahl der Interaktionen oder Kontakte innerhalb eines sozialen Volumens) der miteinander in Beziehung stehenden Individuen oder Gruppen.

[...] Jörg Ueltzhöffer, heute Geschäftsführer des SIGMA Instituts, legte 1980 unter dem Titel „Lebensweltanalyse: Explorationen zum Alltagsbewußtsein und Alltagshandeln“ ein Gutachten vor, das erstmals ein für die Markt- und Sozialforschung völlig neuartiges Zielgruppenmodell vorstellte, das er gemeinsam mit dem Marktpsychologen B. Flaig (heute Geschäftsführer des SINUS-Instituts) entwickelt hatte: das „Modell der Sozialen Milieus“. In den folgenden beiden Jahrzehnten erlebte dieses Modell unter verschiedenen Bezeichnungen (SIGMA Milieus, SINUS Milieus) einen Siegeszug ohnegleichen in der Markt-, Media-, Kommunikations- und Sozialforschung.

    * Konservativ gehobenes Milieu
    * Kleinbürgerliches Milieu
    * Traditionelles Arbeitermilieu
    * Traditionsloses Arbeitermilieu
    * Aufstiegsorientiertes Milieu
    * Technokratisch-liberales Milieu
    * Hedonistisches Milieu
    * Alternatives Milieu

Die Typologien wurden von den Sozialwissenschaften übernommen und lösten in den 1990er Jahren in der "neuen Sozialstrukturforschung" eine Welle von Lebensstiluntersuchungen aus. Das SIGMA-Institut führt diese ursprüngliche Milieuforschungs-Tradition in Form des SIGMA-Milieumodells bis heute bruchlos fort. Heute unterscheidet SIGMA die folgenden Sozialen Milieus in Deutschland:

    * Etabliertes Milieu
    * Traditionell Bürgerliches Milieu
    * Traditionelles Arbeitermilieu
    * Konsummaterialistisches Milieu
    * Aufstiegsorientiertes Milieu
    * Liberal-Intellektuelles Milieu
    * Modernes Bürgerliches Milieu
    * Modernes Arbeitnehmer Milieu
    * Hedonistisches Milieu
    * Postmodernes Milieu

Im Jahr 2001 hat das Sinus-Institut (jetzt: Sinus Sociovision) das Modell der Sinus-Milieus vorgelegt, das sich deutlich vom vorherigen Modell unterscheidet.

Ein weiteres Milieumodell, das in den vergangenen zehn Jahren erhebliche Popularität gewann, ist das Modell von Gerhard Schulze, das er in seinem Buch "Die Erlebnisgesellschaft" vertritt. Bei Gerhard Schulze treten an deren Stelle der o.g. Milieus, vegleichbare Milieus, die aber stärker über Freizeitgestaltung und gewähltem Lebensstil charakterisiert und benannt werden:

    * Niveaumilieu
    * Harmoniemilieu
    * Selbstverwirklichungsemilieu
    * Unterhaltungsmilieu
    * Integrationsmilieu



Aus: "Soziales Milieu" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Soziales_Milieu

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[...] TNS - Infratest beispielsweise hat für die aufsehenerregende Studie über Deutschland im Reformprozess neun Milieus ausgemacht und mit folgenden Namen ausgestattet:

   1. Abgehängtes Prekariat (8 %)
   2. Autoritätsorientierte Geringqualifizierte (7 %)
   3. Selbstgenügsame Traditionalisten (11 %)
   4. Bedrohte Arbeitnehmermitte (16 %)
   5. Zufriedene Aufsteiger (13 %)
   6. Engagiertes Bürgertum (10 %)
   7. Kritische Bildungselite (9 %)
   8. Etablierte Leistungsträger (15 %)
   9. Leistungsindividualisten (11 %)


Aus: "DEUTSCHE MILIEUS - Das alte und neue Unten" Von Franz Walter (SPON; 17. Februar 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,466865,00.html (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,466865,00.html)
Title: [Die Symbolik entstand in analphabetischer Zeit... (Notizen)]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 18, 2007, 02:47:51 PM
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[...] Gleichheit ist ein Begriff, der im Allgemeinen eine Übereinstimmung verschiedener Gegenstände, Methoden, Denkweisen oder Eigenschaften zum Ausdruck bringt. Von den Nachbarbegriffen kann Gleichheit wie folgt abgegrenzt werden: Identität bedeutet eine völlige Übereinstimmung in allen Merkmalen. Ähnlichkeit meint eine nur annähernde Übereinstimmung.


Aus: "Gleichheit" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gleichheit (http://de.wikipedia.org/wiki/Gleichheit)

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[...] Habitus (lateinisch habitus = "Gehaben", von habere = "haben") war im gehobenen Deutsch ein Ausdruck für ein besonderes Auftreten oder Benehmen eines Menschen (Beispiel: Obwohl er nun schon jahrelang Politiker ist, verfällt er immer noch in den Habitus eines Lehrers.)

[...] Der Habitus umfasst:

    * ein „System dauerhafter und übertragbarer Dispositionen“, welche als Erzeugungs- und Ordnungsgrundlage für Praktiken und Vorstellungen dienen, die sich in der Spontaneität des Momentes, also ohne Wissen und ohne Bewusstsein in der Praxis eines Menschen offenbaren;
    * einverleibte, zur Natur gewordene und damit als solche vergessene verinnerlichte, also inkorporierte Geschichte;
    * ein „sozial konstituiertes System von strukturierten und strukturierenden Dispositionen, das durch Praxis erworben wird und konstant auf praktische Funktionen ausgerichtet ist“;
    * Zeichen der Distinktion der einzelnen Klassen, die sich unter anderem in einer speziellen Kleidung, Sprache, Geschmack oder dem Konsumverhalten äußert;
    * Denk- und Sichtweise der Wahrnehmungsschemata, welche die Prinzipien des Urteilens und Bewertens - die "Doxa" - begründen.

Außerdem benutzt Bourdieu in diesem Zusammenhang folgende Terminologie:

    * „Körper gewordene Sprache“ bedeutet: Durch den Habitus verdinglichen sich Denk- und Sichtweisen am menschlichen Körper.

    * Praxis meint, dass der Habitus den Menschen jeden Moment seines Daseins durchdringt und seinen Handlungsspielraum einengt, ihm aber Möglichkeiten der Gestaltung innerhalb dieses Rahmens lässt.

    * Generativer Operator stellt eine erzeugende Verbindung von Strukturierendem und Strukturiertem bereit.

In modernen Industriegesellschaften unterscheiden sich gemäß Bourdieu die einzelnen sozialen Klassen nicht nur durch ihre unterschiedliche Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel, sondern auch durch „feine Unterschiede” in ihren Habitusformen. Diese Unterschiede, die Zeichen der Distinktion, beziehen sich z. B. auf Kleidung, Sprache, Geschmack und das Konsumverhalten.

Habitus meint bei Bourdieu die klassenspezifisch erworbene, unbewusste aber genaue Angepasstheit der Dispositionen, Verhaltensmuster und Einstellungen einer Person an das jeweilige soziale (Um-)Feld. Das gesamte Handeln der Individuen wird von diesem Habitus bestimmt: Der Habitus leistet die Umsetzung objektiver gesellschaftlicher Verhältnisse in subjektive, individuelle und klassenbestimmte Praxis. Unbewusst und trotzdem genau angepasst an das soziale Feld ist diese Praxis deshalb, weil der Habitus geschichtlich erst in Reaktion auf ein immer schon vorhandenes soziales Feld entsteht. Der Habitus ist daher das Produkt eines geschichtlichen Prozesses. In ihm manifestieren sich die objektiven Notwendigkeiten und Möglichkeiten des Handelns einer Klasse und werden mittels eines Klassenethos in subjektiven Sinn verwandelt.


Aus: "Habitus (Soziologie)" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Habitus_%28Soziologie%29 (http://de.wikipedia.org/wiki/Habitus_%28Soziologie%29)

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[...] Habituation (v. lat.: habituari: "etwas an sich haben" bzw. habitus: "Aussehen, Haltung"; Adjektiv habituell: "zur Gewohnheit geworden") bezeichnet eine einfache (und beim Menschen in der Regel nicht-bewusste) Form des Lernens. Habituation setzt ein, wenn ein Individuum wiederholt einem Reiz ausgesetzt ist, der sich als unbedeutend erweist. Die Reaktion auf diesen Reiz schwächt sich dann allmählich ab und unterbleibt schließlich womöglich völlig. Hält man nach Eintritt der Habituation den Reiz genügend lange fern, nimmt die Reaktionsbereitschaft des Individuums in der Regel wieder zu. Das Gegenteil zu Habituation ist Sensitivierung.


Aus: "Habituation" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Habituation (http://de.wikipedia.org/wiki/Habituation)


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[...] Unter dem Sammelbegriff Mittelschicht werden in der Soziologie diejenigen Bevölkerungsgruppen bezeichnet, die sich in Bezug auf ihr Einkommen bzw. ihren Besitz weder der vermögenden Oberschicht noch der besitzlosen und einkommensschwachen Unterschicht zuordnen lassen.

Entstanden ist dieser Begriff ursprünglich in Abgrenzung zur Theorie der Zwei-Klassen-Gesellschaft. Es sollte hervorgehoben werden, dass es eine Bevölkerungsschicht gibt, die weder den Kapitalisten noch dem Proletariat zuzurechnen ist.


Aus: "Mittelschicht" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelschicht (http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelschicht)

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[...] Prekariat ist ein Begriff aus der Soziologie und definiert "ungeschützte Arbeitende und Arbeitslose" als eine neue Soziale Schicht. Der Begriff selbst ist ein Neologismus, der vom Adjektiv prekär (schwierig, misslich, bedenklich) analog zu Proletariat abgeleitet worden ist.

Dabei handelt es sich um keine sozial homogene Gruppierung. Vielmehr setzt sich das Prekariat aus kleinen Selbständigen und Angestellten auf Zeit, aus Praktikanten, aber auch aus chronisch Kranken, Alleinerziehenden und Langzeitarbeitslosen zusammen. Evelyne Perrin von Stop-Précarité sagt hierzu: „In dieser neuen kapitalistischen Organisation wird das Prekariat strukturell und für die Arbeitgeber handelt es sich darum, dem Prekariat das Risiko der Beschäftigung aufzulasten, alles zu veräußerlichen, was sozialer Schutz und gemeinsame Garantie vor dem Verlust des Arbeitsplatzes war.“

[...] Die Idee der Existenz einer sozial als niedrig einzustufenden Gruppierung, die als Prekariat bezeichnet werden kann, ist an sich alt (vgl. Unehrliche Berufe, Lumpenproletariat, Sozial Verachtete), geht gegenwärtig [ab 2006] aber auf die Konzeption des Bordiguismus zurück, nach der das Proletariat als die Leute ohne Mittel definiert wird. Gruppen wie die französische "Sans Reserves" in den 1980er Jahren und die anarchistisch-bordiguistische italienische "Precari Nati" arbeiteten diese Konzeption aus.

Etymologisch sind für den deutschen Sprachbereich die Schreibweisen 'Prekariat' und 'Präkariat' gleichberechtigt akzeptabel. Vgl. lat. precarium = ein bittweises, auf Widerruf gewährtes Besitzverhältnis.

"Prekariat" ist heute eine neue Konzeption der post-industriellen Soziologie, wozu der italienische Politologe Alex Foti erklärt: „Das Prekariat ist in der post-industriellen Gesellschaft das, was das Proletariat in der Industriegesellschaft war“.


Aus: "Prekariat" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Prekariat (http://de.wikipedia.org/wiki/Prekariat)

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[...] Das Proletariat (vom lat. proletarius „der untersten Volksschicht angehörend“) bezeichnete die gesellschaftliche Schicht der Landlosen (Besitzlosen), welche aber nicht versklavt waren. Der Begriff wird auch so verstanden, dass die Proletarier diejenigen sind, die als Besitz nur ihre Nachkommen (lat. proles) haben.


Aus: "Proletariat" (0272007)
Quelle:  http://de.wikipedia.org/wiki/Proletariat (http://de.wikipedia.org/wiki/Proletariat)

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[...] Bemerkenswert schnell mündete die Debatte über die Unterschicht, die im Herbst ausbrach, in eine Diskussion über die Nöte der Mitte. SPD-Chef Kurt Beck will sich verstärkt um die »Mitte der Gesellschaft« kümmern. Und Guido Westerwelle positioniert seine FDP als Partei für die »vergessene Mitte«.


Aus: "Die Angst der Mittelschicht" Von Thomas Fischermann (DIE ZEIT, 15.02.2007 Nr. 08)
Quelle: http://www.zeit.de/2007/08/Mittelschicht-Deutschland?page=all (http://www.zeit.de/2007/08/Mittelschicht-Deutschland?page=all)

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[...] Den umstrittenen Begriff Neue Unterschicht kann man - trotz Verwendung des „Schicht“-Begriffes - der kulturalistischen Klassentheorie zuordnen. Wichtigster Vertreter ist Paul Nolte, der in seiner Schrift "Generation Reform" von 2004 eine kulturelle Spaltung der „Neuen Unterschicht“ von der Mehrheitsgesellschaft ausmacht.

Wichtige Eckpunkte der Theorie:

    * extreme Vermögensunterschiede würden als gegeben hingenommen
    * die Angehörigen der „Neuen Unterschicht“ seien durch sozialstaatliche Alimentierung kulturell verwahrlost (Zigaretten, Alkohol)
    * und sähen sich außer Stande, sich der „bürgerlichen Leitkultur“ (Nolte) anzupassen.

Kritik an diesem Ansatz: er konstruiert „eine Bedrohung für die Mehrheitsgesellschaft“ und setzt Personen, die zur Gruppe der „Neuen Unterschicht“ gerechnet werden, Diffamierungen aus. Seit Noltes Veröffentlichung wurde dem Begriff in allen größeren Magazinen Leitartikel gewidmet und es erschienen einige Fernsehreportagen eigens zu diesem Thema.


Aus: "Neue Unterschicht" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Unterschicht (http://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Unterschicht)

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[...] Unter „Elite“ (lat.: Auswahl) versteht man die Zusammenfassung überdurchschnittlich qualifizierter Personen (Funktionseliten, auch Leistungseliten) oder die herrschenden bzw. einflussreichen Kreise (Machteliten) in einer Gesellschaft, darüber hinaus je nach Bezug auch andere Eliten, wie z. B. die Bildungselite. Da aber die Begriffe ineinander übergehen, werden sie hier in einem Artikel abgehandelt. Als Gegenbegriff wird häufig Masse benutzt.

Im Duden ist Elite mit "Auslese der Besten" umschrieben.


Aus: "Elite" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Elite (http://de.wikipedia.org/wiki/Elite)

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[...] Als Statussymbol wird ein Objekt bezeichnet, das den gesellschaftlichen Stand oder sozialen Status seines Besitzers oder Trägers zum Ausdruck bringt. Die Symbolik entstand in analphabetischer Zeit, wo durch Pikto- oder Hierogramme auf einen Statusträger aufmerksam gemacht wurde. Ein Statussymbol ist umgekehrt ein Indikator für den gesellschaftlichen Status eines Menschen. Dabei kann es um den Status hinsichtlich gesellschaftlicher Werte (Einkommen, Ansehen, Bildung, Bekanntheit usw.) ebenso gehen wie um die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe.

Ein Statussymbol kann beispielsweise ein Titel, ein Abzeichen, ein Wirtschaftsgut oder eine Marke sein, aber auch eine Verhaltensweise oder die Partnerschaft zu einflussreichen, angesehenen oder mächtigen Menschen usw.

In der ursprünglichen Bedeutung kann ein Statussymbol nur erworben werden, wenn sein Besitzer den entsprechenden Status bereits besitzt, z. B. ein Monarch. Auch ein Doktortitel als Ausdruck der akademischen Karriere oder die erkennbare Mitgliedschaft in einem exklusiven Golfclub, die nur durch Fürsprache erworben werden kann.

Darüber hinaus werden aber auch Gegenständen zu Statussymbolen (Krone, Reichsapfel, Zepter), deren Besitz den Status als Voraussetzung haben und anzeigen dass der Betreffende den symbolisierten Status innehat. Für den Betrachter können auch Gegenstände zum Indikator für den Status einen Menschen werden, die von dem Träger nicht mit dieser Absicht angeschafft und getragen wurden.

Irrige Beispiele für Statussymbole: Wer ein teures Auto fährt, will mit großer Wahrscheinlichkeit anzeigen, dass er genug Einkommen hat, sich das leisten zu können oder zumindest ausreichend kreditwürdig zu sein. Wer über viele wissenschaftliche Bücher verfügt, ist wahrscheinlich belesen und verfügt über eine höhere Bildung. Wer einen in einem bestimmten Milieu üblichen Kleidungsstil trägt, gehört mit großer Wahrscheinlichkeit diesem Milieu an.

Umgangssprachlich wird „Statussymbol“ nahezu synonym mit „Prestigeobjekt“ verwendet. Dennoch gibt es auch Statussymbole für einen geringen gesellschaftlichen Status (Beispiel: derbe Umgangsformen als Indikator für geringe Bildung.) Und es gibt Symbole für den Status der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, die man nicht mit „oben“ oder „unten“ deklarieren kann (Beispiel Irokesenfrisur als Indikator der Zugehörigkeit zur Punk-Szene). Diese Statussymbole, die nicht auf einen prestige-trächtigen Status verweisen, sind keine Prestigeobjekte.

Statussymbole können auch dazu benutzt werden, sich den Schein eines höheren oder niedrigeren Status zu geben.


Aus: "Statussymbol" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Statussymbol (http://de.wikipedia.org/wiki/Statussymbol)

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[....] Unter Arbeiterkindern werden, neben der reinen Wortbedeutung „Kinder von Arbeitern und/oder Arbeiterinnen“, Kinder oder Jugendliche mit Zugehörigkeit zu einer unteren sozialen Schicht verstanden, die allgemein über geringes Einkommen, geringes Ansehen und geringe Bildungschancen verfügen. Der Begriff hat eine biographische Bedeutung, da das Umfeld der ersten Lebensjahre eines Menschen besonders prägend ist – diese Prägung wird mit dem Begriff Habitus umschrieben.

[...] Ende des 19. Jahrhunderts wandelte sich in Deutschland allmählich die Arbeiterfamilie vom bäuerlichen zum bürgerlichen Vorbild. Damit einhergehend wurde die Fürsorge- und Erziehungspflicht für Arbeiterkinder immer stärker auf die Mütter verschoben. Allerdings waren Mütter in Arbeiterfamilien im Gegensatz zu Müttern in bürgerlichen Familien in der Regel berufstätig. Die Fröbelschen Halbtagskindergärten, die als familienergänzende Bildungseinrichtungen konzipiert waren, wurden vor allem von Bürgerkindern besucht, für Arbeiterkinder waren bestenfalls Verwahranstalten vorgesehen.

[...] Aus der schwarzen Rude Boy- und der weißen Mod-Szene entwickelte sich in den britischen Arbeitervierteln die Jugendbewegung der Skinheads. Diese grenzten sich von den Mods ab durch das Tragen von typischer Arbeiterkleidung. Sie wollten die Werte der verschwindenen traditionellen Arbeiterkultur ihrer Heimat aufrechterhalten, was sich durch ihre Kleidung und ihr Verhalten ausdrückte.

Auch die Punk-Bewegung hat ihre Wurzeln sehr stark in den US-amerikanischen und westeuropäischen Arbeitervierteln. So war die englische Punk-Musik vormals unter dem Begriff Working Class Rock´n´Roll geläufig (Siehe auch Oi!).

[...] Im französischen und italienischem Sprachgebrauch fiel Ende der 60er Jahre des öfteren der Terminus Arbeiter-Studenten. Hiermit waren Studierende aus der Arbeiterschicht gemeint. Diese beteiligten sich in den Mai-Unruhen an der besetzten Universität Sorbonne oder an Hausbesetzungen in Italien. Auch in Deutschland gab es Ende der 60er / Anfang der 70er Jahre Hausbesetzungen von Jugendlichen aus Arbeiterfamilien. So ist z.B. das Georg-von-Rauch-Haus in Berlin fast ausschließlich von Arbeiterjugendlichen besetzt worden. Studenten wurden dort geduldet, linke Uni-Professoren hingegen nicht.

Zumindest in Deutschland entstammten die Protagonisten der frühen Punkbewegung jedoch fast durchweg dem bürgerlichen Milieu.

Auch der Hip-Hop hat seine Ursprünge in der urbanen Unterschicht. Vor allem in us-amerikanischen Innenstädten, aus denen die Industriebetriebe seit den 1970ern wegzogen, wodurch die Arbeitslosenrate unter den schwarzen Arbeiterkindern auf bis zu 40% stieg, entwickelten diese den Hip Hop mit seinen Ausprägungen Rap, (MCing), DJing, Breakdance und Graffiti zu einer immer populärer werdenden Subkultur. In Deutschland entwickelten seit den 1980er Jahren türkische Arbeiterkinder den türkischen Hip Hop.

In den letzten Jahren hat sich der ursprünglich rassistische und klassistische Begriff White Trash (Weißer Müll), ähnlich wie Nigger bei den Menschen afrikanischer Herkunft, unter Weißen zur Marke entwickelt. Künstler gehen heute offener mit ihrer proletarische Herkunft um und kokettieren sogar damit. Diese Entwicklung ist wahrscheinlich dem Wunsch nach einer kulturellen Identität dieser Künstler geschuldet und als solche wohl eine Reaktion auf den Urbanismus der Schwarzen, die gern damit prahlen aus dem Ghetto zu stammen, auch wenn dies oft nicht der Wahrheit entspricht.


Aus: "Arbeiterkinder" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiterkinder (http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiterkinder)

Title: [Unterschichtenfernsehen... (Notizen)]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 18, 2007, 03:16:40 PM
Quote
[...] Unterschichtenfernsehen ist eine Bezeichnung für Sender und Sendungen mit geringem Anspruch. Zuerst hatte das Satiremagazin Titanic den Ausdruck veröffentlicht. Eine Fernsehshow popularisierte ihn 2005, in der Harald Schmidt das Unterschichtenfernsehen dem Buch Generation Reform von Paul Nolte entnahm. Das beschreibt eine „neue Unterschicht“, die mangelnde Bildung kennzeichne. Schmidt bezieht sich explizit auf die mangelnde Bildung, die auch Schwerverdiener einbezieht und sich somit von der Unterschicht-Debatte löst.

Die Bezeichnung „Unterschicht“ für einkommensschwache und mit geringen Bildungstiteln ausgerüstete Mitglieder der Gesellschaft war längst negativ belegt, bevor „Unterschichtenfernsehen“ ihr einen Mangel an Geschmack und Bildung zuschob, der so eindeutig nicht zu belegen ist. Nach Ansicht von Kommentatoren hatten ausserdem Sozialreformen Angst vor Armut ausgelöst und den Begriff „Unterschichtenfernsehen“ öffentlich umso heftiger diskutieren lassen.

[...] Die Medienkritik trifft mit dem Begriff vor allem das Privatfernsehen. Das produziere - nur auf Gewinnmaximierung aus - mit Reality TV und sogenanntem Affektfernsehen anspruchslose, billig gemachte und geschmacklose Fernsehunterhaltung ohne Bildungswert. Anspruchsvolle Unterhaltung und Information zu kulturell oder politisch reflektierten Inhalten findet demgegenüber gerade im Privatfernsehen eher punktuell statt, da die kaufkraftrelevanten Zielgruppen der 14-49 jährigen Konsumenten mit hohem Bedarf an identitätsstärkenden Produkten und Dienstleistungen gerade zu den attraktiven Sendezeiten ein unterdurchschnittlich hohes Interesse an entsprechenden Sendungen haben. Selbst öffentlich-rechtliches Fernsehen legt bildungsrelevante und wissenschaftlich oder politisch fundierte Inhalte zugunsten der Unterhaltung i. d. R. auf Sendeplätze nach 22 Uhr und (sogenannte) "3. Programme" - wo konsumgüterorientiert kaufkraftrelevante Zuschauergruppen mehrheitlich nicht fernsehen. Insofern ist das Phänomen stark, jedoch nicht nur dem Privatfernsehen zuzuschreiben.

Auf der anderen Seite korreliert der Zusammenhang zwischen dem vermehrten Konsum hochwertiger Unterhaltung und Dokumentation überzufällig hoch mit Zuschauern mittlerer und höherer Bildungsabschlüsse. Sendungen mit obszönem oder niveaulosem Talk-Inhalt können schon aufgrund ihrer Sendezeit zur Kernarbeitszeit vollerwerbstätiger Bevölkerungsanteile überwiegend nur eher einkommensschwache Arbeitslose und Rentner sehen; oder sie kommen eben aufgrund der Sendezeit schon überwiegend zur Entspannung nach einer Wechselschichttätigkeit in Frage.

Die Diskussion führte sogar so weit, dass die ProSiebenSat.1 Media AG im April 2005 eine Studie vorlegte, die zeigen sollte, dass auch Gutverdienende und überdurchschnittlich Gebildete Privatfernsehen schauen. Die Interpretation der Daten durch die zu dem Konzern gehörige Vermarktungsgesellschaft SevenOneMedia ist jedoch umstritten, da zum einen die Unabhängigkeit der Untersuchung in Frage gestellt werden kann und zum anderen die Aussage über sämtliche Inhalte des Privatfernsehens hinweg, wenig über die spezielle Zusammensetzung der angesprochenen Konsumenten von Affektfernsehen und Reality TV zu den besagten Sendezeiten und Zuschauerzielgruppen aussagt.


Aus: "Unterschichtenfernsehen" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Unterschichtenfernsehen (http://de.wikipedia.org/wiki/Unterschichtenfernsehen)

Title: [Lebensgewohnheiten wurden erforscht wie die von Feldhasen... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 18, 2007, 03:27:39 PM
Quote
[...] Wir wissen mittlerweile eine ganze Menge über die Unterschichtler von heute, obwohl sie sich kaum zu Wort melden. Sie machen kein großes Aufhebens von sich, kriechen immer tiefer in ihre Wohnsilos hinein, wohin ihnen Dutzende von Soziologen gefolgt sind. Ihre Lebensgewohnheiten wurden erforscht wie die von Feldhasen. Wir verfügen über eine ziemlich scharf gerasterte Typologie, die uns die Fremdlinge im eigenen Land besser erkennen lassen.

Daher wissen wir: der Prolet von heute besitzt mehr Geld als die Arbeiter vergangener Generationen und wenn er im Anzapfen des Sozialstaats eine gewisse Fertigkeit entwickelt hat, verfügt er über ein Haushaltseinkommen, das mit dem von Streifenpolizisten, Lagerarbeitern und Taxifahrern allemal mithalten kann. Es ist nicht die materielle Armut, die ihn von anderen unterscheidet.

Auffällig hingegen sind die Symptome der geistigen Verwahrlosung.

Der neue Prolet schaut den halben Tag fern, weshalb die TV-Macher bereits von "Unterschichtenfernsehen" sprechen. Er isst viel und fettig, er raucht und trinkt gern. Rund acht Prozent der Deutschen konsumieren 40 Prozent allen im Land verkauften Alkohols. Er ist kinderreich und in seinen familiären Bindungen eher instabil. Er wählt am Wahltag aus Protest die Linken oder die Rechten, zuweilen wechselt er schnell hintereinander.

Selbst für seine Kinder unternimmt er keine allzu großen Anstrengungen, die Tür in Richtung Zukunft aufzustoßen. Ihre Spracherziehung ist so schlecht wie ihre Fähigkeit, sich zu konzentrieren. Der Analphabetismus wächst im gleichen Maß, wie die Chancen auf Integration der Deklassierten schrumpfen. Die Amerikaner sprechen in der ihnen eigenen Direktheit von "white trash", weißem Müll.

Das neue Proletariat als homogene Klasse ist erst in den vergangenen zehn Jahren entstanden. Überall in jenen Industrienationen, die sich die führenden nennen, bildet es sich heraus. Die moderne Volkswirtschaft hat offenbar nichts zu bieten für Leute, die wenig wissen und dann auch noch das Falsche.


Aus: "SOZIALER VERFALL: Die neuen Proleten" Von Gabor Steingart; Gabor Steingart, 44, leitet das Hauptstadtbüro des SPIEGEL. Sein vorheriges Buch heißt "Deutschland. Der Abstieg eines Superstars"(16. September 2006)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,436351,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,436351,00.html)

Quelle #2: http://de.wikipedia.org/wiki/White_Trash (http://de.wikipedia.org/wiki/White_Trash)
-.-

Quote
[...] "Nicht einmal Benimm weiß der Pöbel zu wahren. Der Verfassungsrichter
Udo Di Fabio klagt in seinem Buch "Die Kultur der Freiheit" über "Menschen,
die bei der Wahl ihrer Kleidung, in der Art, wie sie speisen oder wie sie
reden, inzwischen wieder dem Niveau vorkultureller Zeit zuzustreben scheinen.
Menschen, die schon morgens mit einer Alkoholfahne in öffentlichen
Verkehrsmitteln reisen, oder solche, die überzogen aggressiv ihre
Freizeitneigungen austoben, dürfen in unserer Kultur der selektiven Toleranz
gegenüber dem individuellen Sosein weder verlacht noch öffentlich auch unter
ästhetischen Gesichtspunkten kritisiert werden."

Aus Wüllenwebers und Di Fabios kaum kaschierten Ekel spricht, was der
Stammtisch schon immer gewusst hat: (Langzeit-)Arbeitslose sind an ihrem
Schicksal nicht nur selbst schuld ("Wer wirklich Arbeit will, der findet auch
welche"), sie sind auch noch ein Ärgernis für die restliche Gesellschaft
(Alkoholfahnen, schlechte Manieren). Neu ist allerdings, dass solche Vorurteile
zum Repertoire eines gesellschaftlichen Dialogs gehören, der sich intellektuell
gibt.

Vom Opfer zum Schuldigen in gut 20 Jahren. Was für eine paradoxe Karriere des
deutschen Arbeitslosen! War es bei einer Million Arbeitslosen nicht viel
wahrscheinlicher, dass die wenigen Betroffenen eine gewisse Mitschuld an ihrem
Schicksal trifft, als bei vier Millionen?

Es hat natürlich einen Grund, warum Langzeitarbeitslose ihren Opferstatus
verloren haben - es gibt einfach zu viele von ihnen, um sie noch zu bedauern.
Die Mittel- und Oberschicht beginnt stattdessen, sich von den Verlierern des
gesellschaftlichen Wandels abzugrenzen, und die neubürgerlichen Autoren
liefern die Argumentationshilfe.

In der Geschichte der Menschheit gab es wahrscheinlich keine Ungerechtigkeit,
die nicht von irgendwem irgendwie rational gerechtfertigt wurde. In den Romanen
Tolstois finden sich Szenen von makabrer Komik, in denen sich (meist selbst
völlig lebensuntüchtige) russische Adelige über die Notwendigkeit der
Leibeigenschaft ergehen: Die Leibeigenen ihre eigenen Äcker bestellen zu
lassen führe zu nichts. Das Gesindel sei derart faul, dass es sich nur unter
der Knute des Aufsehers zum Arbeiten aufraffe. Alles Geld würden sie
vertrinken, keine Kopeke für morgen zurücklegen.

Disziplinlosigkeit, Zukunftsvergessenheit, Alkoholismus: Alles, was Wüllenweber
und Konsorten heute an der Unterschicht beobachten, machten Tolstois Antihelden
schon vor 150 Jahre geltend. Es ging ihnen darum, die Existenz der
Leibeigenschaft vor sich und dem Rest der Gesellschaft zu rechtfertigen. Heute
geht es darum, die Existenz von Massenarbeitslosigkeit zu rechtfertigen.

Die Angehörigen der wiederentdeckten Unterschicht sind ja nicht alle erst in
den letzten 20 Jahren geboren worden. Es gab diese Menschen schon immer, sie
fielen früher nur nicht so auf. Bis in die achtziger Jahre hatte in
Westdeutschland auch das untere Fünftel der Gesellschaft zumeist einen
sicheren Arbeitsplatz, der dem Leben Halt und Struktur gab. Mit den jährlichen
tariflichen Lohnerhöhungen konnte auch diese Schicht vom wachsenden Wohlstand
profitieren. In Ostdeutschland war Arbeitslosigkeit bis zur Wiedervereinigung
ohnehin kein Thema.

Hüben wie drüben war die Unterschicht zur unteren Mittelschicht geworden, die
Bundesrepublik zum Heim einer "nivellierten Mittelstandsgesellschaft", so der
Soziologe Helmut Schelsky 1953. Wie viele Pornos der Fließbandarbeiter nach
Feierabend schaute, wie viel Bier er trank, wurde als das betrachtet, was es
natürlich auch heute noch sein sollte: seine Privatsache.

Doch seit die Arbeitslosigkeit rapide zu steigen begann - im Westen seit Anfang
der achtziger Jahre, im Osten schlagartig mit der Wiedervereinigung - wurde die
untere Mittelschicht von der Wohlstandsentwicklung abgekoppelt. Die bescheidene
berufliche Qualifikation dieser Menschen reichte immer seltener für eine
tariflich abgesicherte Vollzeitbeschäftigung. Heute leben die meisten
Angehörigen dieser Schicht von Hartz IV oder stecken in sogenannten prekären
Arbeitsverhältnissen - meist ohne Aufstiegschancen, Tarifbindung oder
Kündigungsschutz.

Warum aber reichten neun Jahre Hauptschule ohne Abschluss noch vor 30 Jahren
aus, um mit der allgemeinen Wohlstandsentwicklung Schritt zu halten, während
heute oft noch nicht einmal mehr die Mittlere Reife einen Ausbildungsplatz
garantiert?

Wichtigste Ursache ist die gewaltige Ausweitung des effektiven weltweiten
Arbeitsangebots in den letzten zwei Jahrzehnten. Vor einigen Jahrzehnten
begannen deutsche Textilfabriken mit neuen Anbietern in Asien zu konkurrieren -
und verloren, weil die deutschen Arbeiter natürlich ungleich höher bezahlt
wurden.

Die Entwicklung erfasste nach und nach immer weitere Industriezweige. Auf die
Textilindustrie folgten die Unterhaltungselektronik und schließlich auch
Stahlwerke wie das in Rheinhausen. Inzwischen sind es nicht mehr nur
Hilfsarbeiterjobs, die der Globalisierung zum Opfer fallen. Auch Aufträge in
Handwerk und Dienstleistung werden immer häufiger von ausländischen
Unternehmen übernommen, die dazu ihre niedrig entlohnten Mitarbeiter nach
Deutschland schicken - etwa auf Baustellen oder in Schlachthöfe.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Es gibt keine vernünftige Alternative zur
Marktöffnung. Zum einen aus ethischen Erwägungen, denn warum sollten ein
türkischer Bekleidungshersteller oder ein polnischer Handwerker weniger Recht
als ein Deutscher darauf haben, seine Ware oder seine Dienstleistung in
Deutschland anzubieten?

Zum anderen aus wirtschaftspolitischen Gründen, weil es keinen wissenschaftlich
begründbaren Zweifel daran gibt, dass freier Handel für Wohlstandszuwächse in
allen daran beteiligten Staaten sorgt und mehr Protektionismus umgekehrt
Wohlstand vernichtet.

Ungerechtigkeit? Welche Ungerechtigkeit?

Die volkswirtschaftliche Begründung des Freihandels weist jedoch einen Haken
auf, der in der öffentlichen Diskussion meist zu kurz kommt: Durch mehr Handel
steigt zwar der Wohlstand aller beteiligten Volkswirtschaften insgesamt.
Innerhalb der einzelnen Volkswirtschaften jedoch gibt es sehr wohl Gewinner und
Verlierer des Freihandels. Theoretisch reichen die Zuwächse zwar aus, um alle
Verlierer angemessen zu entschädigen. Ob und wie weit dies jedoch geschieht -
das ist eine politische Entscheidung jeder einzelnen Gesellschaft.

Die Verlierer des verstärkten internationalen Handels, das sind in Deutschland
die Anbieter gering qualifizierter Tätigkeiten. Egal ob es sich dabei um
Industriearbeiter oder um kleine Selbständige handelt: Sofern sie noch Arbeit
haben, sind ihre Realeinkommen in den vergangenen Jahren gesunken; sind sie
arbeitslos, dann wurde vielen von ihnen im Rahmen der Agenda 2010 die
Arbeitslosenunterstützung auf Sozialhilfeniveau gekürzt.

Kurz: Die deutschen Globalisierungsverlierer wurden für ihre Verluste nicht
entschädigt.

Wie gehen wir mit dieser Ungerechtigkeit um? Ist da überhaupt eine
Ungerechtigkeit?

Die einfachste Antwort besteht darin, die zweite Frage zu verneinen. Bisweilen
trägt der daraus resultierende Versuch, der wiederentdeckten Unterschicht die
Schuld an ihrem Schicksal zuzuschreiben, fast schon absurde Züge. Wenn etwa
die neuen Bürgerlichen beklagen, dass Unterschichtangehörige sich selbst um
ihre Chance auf gesellschaftliche Teilhabe brächten, weil sie sich nur von
ungesundem Fast Food ernährten, zu viel Alkohol tränken, Privatfernsehen
schauten und ihre Kinder nicht vernünftig erzögen. Während die wackeren
Proletarier früherer Zeiten natürlich ihren Körper beim Sport stählten,
sich pausenlos in Lesehallen weiterbildeten, im Arbeitergesangsvereinen die
Fahne hoch hielten und ihre Kinder niemals ohne Pausenbrot in die Volksschule
schickten.

Man wünscht die Herren Wüllenweber und Di Fabio in eine Zeitmaschine, die sie
zurückbefördert ins Deutschland der fünfziger Jahre. Sie könnten sich dann
selbst davon überzeugen, wie die Handlanger auf den unzähligen Baustellen des
Wirtschaftswunders in der Frühstückspause die "Frankfurter Allgemeine"
aufschlagen und vergnügt ihre Rohkostsalate futtern. Wie Frauen am Zahltag
ihre Männer am Werkstor abholen, damit die den Inhalt der Lohntüte nicht
gleich wieder für frischgepresste Fruchtsäfte verprassen; und wie die
Näherin von der Fabrik nach Hause eilt, um ihre Kinder mit einem gekonnten
Medley aus Schubert-Liedern in den Schlaf zu singen.

Im Ernst: Der Lebensstil der Unterschicht war tendenziell schon immer
ungesünder und unvernünftiger als jener der braven Bürgersleut'. Schon immer
drohte der unteren Mittelschicht mit dem Verlust des Arbeitsplatzes auch das
entscheidende bisschen Halt verloren zu gehen, der einen rauen Lebensstil von
einem selbstzerstörerischen trennt. Lange bevor es Fast Food und Privat-TV
gab, zeigte das bereits 1933 der österreichische Sozialforscher Paul Felix
Lazarsfeld in der Studie "Die Arbeitslosen von Marienthal".

Ebenfalls schon immer war das Bürgertum von den derben Sitten der "einfachen
Leute" abgestoßen und fasziniert zugleich, und umgekehrt war die Unterschicht
schon immer hin- und hergerissen zwischen der Imitation des bürgerlichen
Lebensstils und dem stolzen Beharren auf dem eigenen Proletentum. Warum ist es
gerade heute so populär, genau dies zu leugnen und auf die angeblich so
grundlegenden kulturellen Unterschiede zwischen Bürgertum und
"Unterschichtkultur" zu verweisen?

Zum einen weil, wie gesagt, der Unterschicht Mitschuld an ihrem eigenen
Schicksal zugeschrieben werden soll. Zum anderen weil die Globalisierung
inzwischen auch weite Teile der Mittelschicht in ihrem sozialen Status bedroht.
Es sind ja längst nicht mehr nur die geringqualifizierten Arbeitsplätze, die
von Verlagerung oder Einkommensverlust bedroht werden. Bedroht sind inzwischen
auch die klassischen Biotope der Mittelschicht: Dank gesunkener Kosten für die
elektronische Datenübertragung (auch dies eine Facette der Globalisierung)
lassen sich heute die Tätigkeiten von technischen oder kaufmännischen
Angestellten ebenso global verlagern wie vor zwanzig Jahren die Jobs der
Hilfsarbeiter. Wo dieser Prozess endet, wen es noch alles trifft, das weiß
niemand.

Umso größer das Bedürfnis der Mittelschichten, sich abzusetzen gegenüber den
gesellschaftlichen Verlierern. Sich und anderen zu vergewissern: Mir kann nicht
passieren, was der Unterschicht passiert, denn ich bin grundlegend anders als
die.

Ob es tatsächlich die Menge des Fernsehkonsums, die Häufigkeit der
McDonald's-Besuche oder die Vorliebe für Tätowierungen überm Gesäß sind,
die ursächlich die Verlierer der Globalisierung von denen scheiden, die noch
einmal davonkommen werden? Das ist zwar mehr als fraglich, aber es beruhigt
natürlich enorm, sich genau das von den neuen Bürgerlichen einreden zu
lassen."


Aus: ""BÜRGERTUM VS. UNTERSCHICHT - Arbeitslos? Selbst Schuld!" Von Christian Rickens (22. November 2006)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,449792,00.html (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,449792,00.html)

Title: [Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit... (Notizen)]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 18, 2007, 09:05:35 PM
Quote
[...] Die Französische Revolution war der Höhepunkt eines langen schwelenden Konflikts. Die französische Bevölkerung hatte sehr unterschiedliche Rechte: Alleiniger Herrscher war König Ludwig XVI. Adel und geistige Würdenträger mussten keine Steuern zahlen und hatten Zugang zu Staatsämtern. Die Bürger- gut verdienende Kaufleute- zahlten Steuern, durften aber nicht in der Politik mitsprechen. Die Bauern und Arbeiter hatten keinerlei Rechte, mussten aber bis zu zwei Drittel ihres ohnehin kargen Lohnes als Steuern abführen. Der König hatte durch Kriege und protzige Hofhaltung den Staatshaushalt ruiniert. Die Situation spitzte sich zu, als Missernten die Arbeiter und Bauern ins Elend stürzten. Ludwig XVI versuchte, das Loch im Staatshaushalt durch höhere Steuern zu beseitigen. Doch er hatte nicht mit dem Bürgertum, der Bourgeoisie , gerechnet. Es forderte Mitspracherecht in der Politik.

[...] Die Autoritätskrise ist die erste Ursache der französischen Revolution: Die Philosophie der Aufklärung während des 18. Jahrhunderts propagierte teilweise eine Abkehr von der absolutistischen hin zu einer demokratischen Staatsauffassung, die allgemeine Geltung von Menschen- und Bürgerrechten, den säkularen Staat sowie den Glauben an die Vernunft. Diese Philosophie entzog dem Herrschaftsanspruch von König (Gottesgnadentum) und Klerus die Grundlage.

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts beherrschte der kritische Geist der Aufklärung die Gesellschaft. Große Teile des Adels glaubten nicht mehr an die althergebrachten Privilegien, denen sie ihre Stellung verdankten. Die Salons, Zeitschriften, Debattierclubs und Freimaurerlogen wurden Träger der immer kritischer werdenden öffentlichen Meinung. In die breiten Schichten drangen einfache Schlagwörter vor, die Gründe für und einen Ausweg aus der desolaten Situation lieferten.

[...] Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit- unter dieser Parole verweigerten die französischen Bürger dem König den Gehorsam. Die Revolution war ausgebrochen. Die Bürger gründeten am 17.6.1789 die Nationalversammlung und begannen über eine Verfassung zu diskutieren. Sie sollte allen Franzosen gleiche Rechte sichern. Auch das einfache Volk revoltierte. Die Pariser stürmten am 14.7.1989 die Bastille. Im August wurden die Bauern befreit, das Feudalsystem abgeschafft. Die Menschenrechte wurden ausgerufen, doch Gleichheit gab es immer noch nicht. Das Parlament wurde nur von den Reichen gewählt. Am 10. August 1793 wurde der König eingesperrt und die Republik ausgerufen. Nach der Hinrichtung des Königs und seiner Familie 1793 begann in Frankreich eine Schreckensherrschaft und dem >>Wohlfahrtsausschuss<< um Robespierre. Wer sich gegen ihre Politik sperrte, wurde durch die Guillotine hingerichtet.


Aus: "Französische Revolution" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sische_Revolution (http://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sische_Revolution)
Title: [Die Bezeichnung "Unterschicht"... (Notizen)]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 18, 2007, 09:33:35 PM
Quote
[...] Wer ist schuld am Unterschichten-Problem? ...

Quote

Quote
Zitat von elas
In Ihrer Auflistung haben Sie die Hauptsache vergessen:

die Unterschichten selbst.
oder haben die am wenigsten mit ihrem Schicksal zu tun?

Unterschicht wird gemacht!
Oder glauben Sie ernsthaft, Unterschicht wird geboren?

Quote
[...] elas (17.10.2006)

Quote
Zitat von pps
Unterschicht wird gemacht!
Oder glauben Sie ernsthaft, Unterschicht wird geboren?

Frage ist nur von wem sie gemacht wird?
Von den Betroffenen selbst oder von anderen?

Eine urmenschliche Verhaltensweise ist auch die, wenn etwas schief läuft, anderen die Schuld zuzuweisen.

Quote
Jörn Bünning (17.10.2006)
Wie bitte, Unterschicht?
Pfui, so etwas sagt man nicht, habe ich gestern dem Politikermund entnehmen können.

Heute morgen gab es den passenden Begriff, der die Minimalforderungen nach political correctness entspricht:

Das Präkariat

Quote
[...] Alzheimer (17.10.2006)

Die Bezeichnung "Unterschicht" ist eine problematische Angelegenheit. Einen Wissenschaftler, der durch Arbeitslosigkeit zum HartzIV-Empfänger geworden ist, der sich weiterhin um Arbeit bemüht und nicht vor der Glotze versumpft, kann man sicher nicht darin einordnen. Bei einem wohlstandsverwahrlosten Jugendlichen aus finanziell gut situiertem Elternhaus wird es mit dem Begriff "Unterschicht" auch schwierig, weil keine materiellen Defizite vorhanden sind.
Oft standen und stehen Eltern auf dem Standpunkt: "Mein Kind soll es besser haben", was oft dazu führt, daß der Nachwuchs mit Wohltaten überschüttet wird, für die keine Gegenleistung (z.B. gute Schulnoten, entsprechendes Benehmen) erwartet werden. Solche Leute scheitern dann sehr oft, zumal alle Hindernisse von den Eltern aus dem Weg geräumt werden. Früher als noch genügend einfache Arbeit, die ausreichend bezahlt wurde, vorhanden war, konnte ein sozialer Abstieg besser abgefedert werden.


Quote
Karendric (17.10.2006)
Quote
Zitat von Alzheimer
Früher als noch genügend einfache Arbeit, die ausreichend bezahlt wurde, vorhanden war, konnte ein sozialer Abstieg besser abgefedert werden.
Wann soll das gewesen sein?

Gruß,
Karendric

Quote
underdog (17.10.2006)

..und dank der flächendeckenden Einführung von Studiengebühren wird es für die Kinder reicher Eltern nun noch einfacher, sich unliebsame Konkurrenz vom Hals zu halten. Zudem wird dank der nun zunehmenden Tendenz ärmerer Abiturienten, sich statt eines Studienplatzes einen Ausbildungsplatz zu suchen, die sowieso bereits vorhandene Lehrstellenknappheit verstärkt. Und dann wundern sich die Damen und Herren Politiker wieder und appellieren an die Betriebe, mehr auszubilden. Ein Witz.

Quote
Los (17.10.2006)
Was ist eigentlich "die Unterschicht"?

Die Dummen, die Armen, die Ignoranten, die Ungebildeten, die Gewalttätigen...
Sorry, aber ich kenne Menschen, die mit kleinen Einkommen auskommen müssen, zwei Kinder haben und jeden Cent zweimal umdrehen müssen.
Trotzdem passen diese Menschen nicht in das hier gezeichnete Bild "der Unterschicht".
Und ich kenne 18-Jährige, die von "Haus aus erst mal Kohle haben" und trotzdem auf der Hauptschule gescheitert sind und in etwa so viel Chancen auf eine Job haben wie ein Schneeball in der Hölle.
Sind die keine "Unterschicht", nur weil denen nicht das Sozialamt, sondern Daddy das Bier zahlt?

Also, was ist "die Unterschicht"?
Ein Sammlebegriff für Dinge, die wir nicht wollen, nicht mögen oder was?

Bevor man nach der Schuld fragt, sollte man denn doch mal klären woran wer Schuld sein soll.

In diesem Sinne,

Los



Text Bruchstücke aus: " Wer ist schuld am Unterschichten-Problem?" (SPON Forum; 17.10.2006)
Quelle: http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=867&page=1&pp=10 (http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=867&page=1&pp=10)

Title: [Ein Unterschichtenphänomen [?]... (Notizen)]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 25, 2007, 12:06:56 PM
Quote
[...] „Zigaretten rauchen ist nur noch eine underclass affair“, sagt die Geschäftsfrau. Ein Unterschichtenphänomen.

[...] Noch in den 80er Jahren bestellten die lässigsten aller Café-Besucher ein „Existenzialistenfrühstück“ aus Kaffee, Aspirintablette und Gauloises. Heute ist es aus den Speisekarten verschwunden. Nicht mehr die Künstler sind es, die zur Zigarette greifen, sondern vor allem diejenigen, die eine körperliche Arbeit verrichten (38 Prozent). Die meisten Raucher finden sich in Milieus mit niedrigem gesellschaftlichem Status. Eine Allensbach-Studie besagt, dass 30 Prozent der Deutschen rauchen. Bei denjenigen, die weniger als 1000 Euro Netto pro Haushalt verdienen, liegt dieser Anteil bei 41 Prozent. Steigt das Einkommen, nimmt die Zahl der Raucher kontinuierlich ab. Lediglich 26 Prozent der Gutverdienenden rauchen.

[...] „Welche Menschen rauchen?“ fragt Jochen Groß, wissenschaftlicher Mitarbeiter, verantwortlich für die Studie. „Wir können diese Frage nicht umfassend beantworten. Bei diesem Thema klafft in der Gesellschafts-Forschung eine Lücke.“
Bisher gibt es nur Einzeluntersuchungen und Erklärungsansätze. Dafür, dass mehr Mädchen rauchen, als Jungen. Dass im Osten mehr geraucht wird, als im Westen. Dass mehr arme Leute rauchen als Reiche. „Es ist vor allem eine Frage der Bildung“, sagt Groß. 63 Prozent der Hauptschüler rauchen, nur 30 Prozent der Abiturienten. „Wer gebildet ist, geht verantwortungsvoller mit sich selbst um. Gesundheit ist für ihn ein höheres Gut und er ist über die Risiken, sie zu gefährden, besser aufgeklärt.“

[...] Sabrina Müller zündete sich auch im Beisein ihrer zweijährigen Tochter gern und oft eine Zigarette an. Für Kaspar, Liebhaber schöner Körper, Vegetarier und Nichtraucher, eine Katastrophe. „Du vergiftest deine Tochter“, sagte er. Sabrina rastete aus. „Wenn ich nicht rauchen kann, werde ich nervös und hänge nur noch vor dem Kühlschrank!“ Als Kaspar ein Rauchverbot im Wohnzimmer verhängte, zog Sabrina aus.

[...]  So wie es aussieht, wird es in Deutschland bald nicht mehr viele Möglichkeiten zum Rauchen in Gesellschaft geben – abgesehen vom heimischen Sofa natürlich. Wenn er ein Bier getrunken hat, denkt der Fernfahrer sogar darüber nach, auszuwandern.


Aus: "Rauchverbot: Der neue Klassenkampf" Von Von Freia Peters (24. Februar 2007)
Quelle: http://www.welt.de/politik/article733976/Der_neue_Klassenkampf_.html (http://www.welt.de/politik/article733976/Der_neue_Klassenkampf_.html)
Title: [Weil die als "asozial und unmoralisch geltenden"... (Notizen)]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 28, 2007, 01:22:30 PM
Quote
[...] In der frühen Neuzeit war allein die Antwort darauf wichtig: Haben wir genügend Soldaten, haben wir genügend Arbeiter. Man hatte zu wenig oder man hatte genug. Zu viele gab es nicht. Dann legte der britische Ökonom Thomas Robert Maltus 1798 mit seinem "Essay on the principle of population" den Grundstein. Richtig los ging der Bevölkerungsdiskurs in den 1870ern, also mit der Industrialisierung und den elenden Lebensbedingungen der Menschen. Weil die als asozial und unmoralisch geltenden Unterschichten zu viele Kinder bekamen, hat man angefangen, Bevölkerung als Problem zu sehen. Das war völlig neu. Es drohte ein enormer Bevölkerungsanstieg der Unterschicht, von dem die bürgerliche Gesellschaft Angst hatte, überflutet zu werden.


Eine Parallele dazu ist wohl heute die Dritte Welt?

Ja, denn es geht nicht immer um zu wenig, sondern auch um zu viel Bevölkerung: Die "Falschen", früher die Unterschicht, heute die dritte Welt, bekommen zu viele Kinder. Die "Richtigen" zu wenig. Das ist die bürgerliche Mittelschicht oder die westliche Bevölkerung im Vergleich zur Dritten Welt. Diese Diskussion wird seit über 100 Jahren geführt.

[...] Basis für unsere Sozialsysteme ist immer die Aussage: Wenn wir nicht genügend Kinder von guter Qualität bekommen, sterben wir aus. Und das könne nur verhindert werden, indem Sozialpolitik betrieben wird.


Aus: "Demografie-Experte: "Das ist Politik mit der Angst"" (26. Februar 2007)
Quelle: http://stern.de/politik/deutschland/:Demografie-Experte-Das-Politik-Angst/583402.html (http://stern.de/politik/deutschland/:Demografie-Experte-Das-Politik-Angst/583402.html)

Title: [Selektieren, klassifizieren und internieren... (Notizen)]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 01, 2007, 10:12:59 AM
Quote
[...] Berlin (dpa) - Der UN-Menschenrechtsinspektor, Vernor Muñoz, hat
mit scharfen Worten die deutsche Bildungspolitik gerügt. Das
dreigliedrige Schulsystem mit Haupt-, Realschule und Gymnasium
benachteilige durch seine frühe Aufteilung Kinder aus armen
Elternhäusern und aus Migrantenfamilien. Es wirke «extrem selektiv»
und diskriminiere Behinderte, schreibt der Menschenrechtsexperte in
einem vorläufigen Bericht, der der Deutschen Presse-Agentur (dpa)
vorliegt. Der Jura-Professor aus Costa Rica besuchte im Auftrag der
UN-Menschenrechtskommission genau vor einem Jahr Deutschland.
Weitere Kritikpunkte in seinem Berichtsentwurf sind die völlig
unterschiedliche Schulorganisation der 16 Bundesländer, die Eltern
und Schülern den Wohnortwechsel erschwere, fehlende Durchlässigkeit
zwischen den Schulformen, die Lehrerausbildung, die Probleme beim
Schulbesuch von Kindern, deren Familien illegal in Deutschland leben,
sowie zu wenig Autonomie der einzelnen Schule gegenüber der
Verwaltung.
Muñoz will am 21. März bei der vierten Sitzung des
Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen in Genf über seine
Deutschland-Inspektion berichten. Sein vorläufiger Text, der vom
Auswärtigen Amt übersetzt wurde, liegt jetzt den Kultusministern und
dem Bundesbildungsministerium «vertraulich» vor.

Der Menschenrechtsexperte legt der Bundesrepublik «eindringlich
nahe», das mehrgliedrige Schulsystem «noch einmal zu überdenken». Bei
der im internationalen Vergleich «untypisch» frühen Aufteilung der in
der Regel zehnjährigen Kinder auf die verschiedenen Schulformen
könnten «die Schüler nicht angemessen beurteilt werden». Dies wirke
sich besonders negativ auf arme Kinder, Schüler aus
Migrationsfamilien sowie auf Kinder mit Behinderungen aus. Auch seien
die Lehrer für das Auswahlverfahren der Schüler «nicht immer
ausreichend geschult». Weltweit verteilt außer Deutschland nur noch
Österreich die Kinder so früh auf verschiedene Schulformen.
Mit Blick auf die PISA-Studie verweist Muñoz darauf, dass in
keinem anderen vergleichbaren Industriestaat der Bildungserfolg so
stark von der sozialen Herkunft abhängt wie in Deutschland. Durch den
internationalen Konkurrenzdruck wachse auch in der Bundesrepublik der
Bedarf an hoch qualifizierten Arbeitnehmern. Ungelernte hätten
dagegen kaum noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Dabei bezieht sich
Muñoz auch auf die im internationalen Vergleich geringe
Abiturientenquote in Deutschland und bemängelt die hohe Zahl von
Schulabgängern ohne Abschluss, insbesondere bei Migrantenkindern.


Aus: "bdt0506 3 pl 503 dpa 4370; Bildung/Menschenrechte; UN-Menschenrechtsinspektor übt harsche Kritik an deutscher Schule" (02/2007)
Quelle: http://www.gew.de/Binaries/Binary24757/dpaMunoz.pdf (http://www.gew.de/Binaries/Binary24757/dpaMunoz.pdf)

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[...] Nach dem nun vorliegenden Report des UN-Sonderberichterstatters hat die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer die Bundesregierung noch einmal nachdrücklich darauf hingewiesen, "dass die ständige Wiederholung konservativer Mythen und Rechtfertigungsrhetorik für ein nachweislich hoch selektives Bildungssystem international keinen Eindruck macht, sondern Kopfschütteln und Befremden hervorruft."


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1. März 2007 9:08
Hallo Herr Muñoz, die extreme Selektivität des Systems ist kein Mangel.....
afreak

....sondern ein Qualitätsmerkmal!
Wo kämen wir denn hin, wenn rauskäme, daß die Deutschen Mittelstands
und Oberschicht - Kinder nicht schlauer oder lernfähiger sind als die
"Asis und Kanacken". Da muß man doch vorsorgen!
Zumindest in der konservativen Oberschicht Deutschlands dürften
solche Ansichten weit verbreitet sein.
Selektieren, klassifizieren und internieren von Volksgruppen war
schon immer ein Hobbie der Deutschen.

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1. März 2007 0:54
Schulen sind Trivialisierungsanstalten
cassiel

wo Kinder und Jugendliche lernen auf die immer gleichen vorgegebene
Fragen die immer gleichen erwarteten Antworten zu geben. Kreativität,
Individualität und Querdenken ist unerwünscht, von demokratischer
Kultur ganz zu schweigen: ich habe in 13 Jahren Schule nicht ein Wort
über echte (direkte) Demokratie gehört. Dazu musste ich 22 Jahre auf
einen massenmedialen Betriebsunfall warten.
In sofern: Schule hat im preussisch-obrigkeitshörigen Deutschland
noch nie die Funktion einer humanitären Bildungseinrichtung gehabt,
sondern die der Konditionierung des beeinflußbaren aber auch
tendenziell rebellischen jungen Menschen zu einem Untertan und
Staatssklaven. Stohdumme Lohnsklaven nützen der Staatsmafia nichts,
zu schlaue aber auch nicht.


Kommentar zu: "Deutsches Schulsystem: "Extrem selektiv"" von Thorsten Stegemann (TP, 01.03.2007)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24744/1.html (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24744/1.html)

Quelle: http://www.heise.de/tp/foren/go.shtml?list=1&forum_id=113248 (http://www.heise.de/tp/foren/go.shtml?list=1&forum_id=113248)

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[...] Wo Rauch aufsteigt, muss irgendwo Feuer sein. Eine ganze Reihe von Kultusministern weist den Bericht eines gewissen Herrn Muñoz wütend zurück. Der Mann sei nur neun Tage durch die Republik gereist, schimpfte Niedersachsens Kultusminister Busemann (CDU), der könne sich gar kein Urteil über Schulen leisten.

[...] in einer Untersuchung hat der Hamburger Bildungsforscher Hans Wocken untersucht, wie sich Kinder in Sonderschulen intellektuell entwickeln. Das Ergebnis war: negativ. Die Sonderschule, die oft Förderschule heißt, fördert nicht etwa, sie macht dümmer. "Je länger ein Schüler in der Förderschule zugebracht hat", schreibt Wocken, "desto schlechter sind sowohl seine Rechtschreibleistungen als auch seine Intelligenztestwerte." Daraufhin forderten die versammelten Forscher für Sonderpädagogik im Februar 2006, die Sonderschulen abzuschaffen.

Das verlangt auch Muñoz. Die Kultusminister aber halten ihm vor, er habe keine Ahnung vom deutschen Bildungssystem. Dabei kokelt und raucht die Schule nicht nur - sie brennt lichterloh.


Aus: "brennpunkt 1 - Kinder ohne Chancen" Von CHRISTIAN FÜLLER (taz vom 5.3.2007, S. 3, 138 Z. (TAZ-Bericht))
Quelle: http://www.taz.de/pt/2007/03/05/a0170.1/text (http://www.taz.de/pt/2007/03/05/a0170.1/text)

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[...] In Österreich sind Bildungserfolg und Milieuzugehörigkeit immer noch eng miteinander verflochten, sagen die Autoren des Sammelbandes und führen als Beleg renommierte Soziologen wie Pierre Bourdieu oder Antonio Gramsci, aber auch die letzte Pisa-Studie an. Tenor: Eltern, die über hohe Bildungsabschlüsse (und, damit oft einhergehend, das nötige finanzielle und kulturelle Kapital) verfügen, vererben ihren sozialen Status an die Sprösslinge. Um dieser Praxis einen legitimen Anstrich zu geben, werden die Begriffe Leistung und Begabung ins Spiel gebracht.

[...] In der Realität, so die Tendenz des Buches, funktionieren die schulischen Spielregeln so, dass etwa Akademikerkinder, vorgeblich einer "natürlichen Begabung" gehorchend, die Anforderungen mehr oder weniger mühelos erfüllen, während Kinder aus bildungsfernen Schichten scheitern, nach und nach "ausgesiebt" werden. Was von Lehrern, Eltern, Schülern als biologisch angelegte Fähigkeit oder Unfähigkeit verstanden wird, ist in Wirklichkeit ein Set an Verhaltensweisen und Einstellungen, das von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben wird und über schulischen Erfolg oder Misserfolg entscheidet.

Wer seine vorgebliche kognitive Unterlegenheit einmal akzeptiert hat, neigt dazu, Hierarchien nicht in Frage zu stellen. "Weil ich dumm bin, drehe ich in einer Fabrik Schrauben in Felgen", zitiert Stefan Vater (S.58) einen Arbeiter.

So gesehen wirkt Schule in einer von Ungleichheit geprägten Gesellschaft als stabilisierender Faktor. Übrigens: Je früher man Kinder verschiedenen Schultypen zuweist, desto eher sind sie in der Lage (oder dazu verdammt), den sozialen Status ihrer Eltern zu übernehmen.


Aus: "Schule als soziales Sieb – zum Misserfolg verurteilt" Von Michael Schmölzer (09. April 2007) / Über: Keine Chance für Lisa Simpson?  Soziale Ungleichheit im Bildungssystem edition mandelbaum (310 Seiten) / Ingolf Erler (Hg.)
Quelle: http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3935&Alias=wzo&cob=278673 (http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3935&Alias=wzo&cob=278673)

Title: [Das "Stimulierende" der Ungleichheit [?]... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 20, 2007, 10:36:04 AM
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[...] Dass Ungleichheit auch etwas Stimulierendes, Produktives haben kann, wird in unserer Gleichheitskultur nicht gesehen, und dass Ungleichheit auch leistungssteigernd wirken kann, darf man kaum laut sagen.

[...] Was die Bildungsabstinenz der Jugendlichen aus der Unterschicht angeht - mit oder ohne Migrationshintergrund -, haben wir in der Tat ein erhebliches Problem. Aber das hat wenig mit materieller Armut zu tun und viel mit einer Verweigerungshaltung gegenüber Bildung. Großen Teilen der Unterschicht ist das bürgerliche Bildungs- und Aufstiegsideal schlicht abhanden gekommen. Dies ist unter anderem eine Spätfolge von 1968. Außerdem haben hier alle gesellschaftlichen Gruppen versagt, weil sie die Wichtigkeit von Bildung nicht ausreichend vermittelt und die kulturelle Verwahrlosung lange Zeit achselzuckend hingenommen haben.

Wir haben mehr kulturelle als materielle Armut. Und wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es eine wachsende Gruppe von Menschen gibt, die es gut findet, tagsüber Krawall-Talkshows zu schauen, Bier und Schnaps zu trinken und dabei zwei Schachteln Zigaretten zu rauchen. Für mich mag das erschreckend sein, aber in einer liberalen Gesellschaft muss ich akzeptieren, dass es verschiedene kulturelle Ausdrucksformen gibt.


Aus: "Reichtum wird überschätzt" Aus einem Ein Gespräch mit Klaus Schroeder, Jahrgang 1949, Professor für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin (brand eins 2/2007)
Quelle: http://www.brandeins.de/home/inhalt_detail.asp?id=2235&MenuID=8&MagID=84&sid=su8213570923767144&umenuid=1 (http://www.brandeins.de/home/inhalt_detail.asp?id=2235&MenuID=8&MagID=84&sid=su8213570923767144&umenuid=1)

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[...] Dresden. Die Zahl der Niedriglohnbezieher hat in den vergangenen Jahren auch in Sachsen stark zugenommen. „Es gibt immer mehr Arbeitnehmer, die unter sechs bis sieben Euro pro Stunde arbeiten“, sagte der Sprecher des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Sachsen, Markus Schlimbach. Ein genauer Zahlenvergleich sei aber kaum möglich. Durch die Hartz-Reformen seien zudem viele Sozialleistungen zusammengelegt worden. Derzeit benötigten rund 90 000 Sachsen neben dem Lohn zusätzliche Sozialleistungen, unter ihnen seien allein 40 000 Vollzeitbeschäftigte.


Aus: "Immer mehr Sachsen arbeiten für weniger als sieben Euro" (LVZ-Online vom: Montag, 19. März 2007)
Quelle: http://www.lvz-online.de/aktuell/content/19214.html (http://www.lvz-online.de/aktuell/content/19214.html)

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[...] Müntefering sagte der "Bild am Sonntag": "Ich will sittenwidrige Löhne gesetzlich verbieten. Es verstößt gegen die Menschenwürde, wenn Menschen, die voll arbeiten, mit ihrem Einkommen unter dem Existenzminimum liegen."


Aus: "SOZIALPOLITIK: Müntefering will Mini-Löhne verbieten, Milliarden in Infrastruktur investieren" (SPON; 25. März 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,473730,00.html (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,473730,00.html)

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[...] Zur Begründung sagte der SPD-Politiker, es könne nicht sein, "dass die öffentlichen Kassen von einigen Unternehmern ausgebeutet werden - weil wir über Sozialtransfers die Hungerlöhne aufstocken". 500.000 Menschen mit einem Vollzeitjob verdienten so wenig, dass sie anschließend Arbeitslosengeld II bekämen. Das dürfe "so nicht bleiben". (APA)


Aus: "Deutsche Regierung will "sittenwidrige" Löhne verbieten: Müntefering sieht in Minilöhnen "Verstoß gegen Menschenwürde"" (25. März 2007)
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=2818394 (http://derstandard.at/?url=/?id=2818394)

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[...] Der Einkommensvorteil einer akademischen Ausbildung gegenüber den Absolventen einer klassischen Lehre im dualen System ist seit 1998 von 30 Prozent auf 53 Prozent gestiegen. Ein so starker Anstieg ist außer in Ungarn in keinem anderen Land zu verzeichnen - ein deutlicher Hinweis auf die Knappheit von Humankapital. Auf der anderen Seite haben sich die Aussichten am Arbeitsmarkt für Geringqualifizierte im gleichen Zeitraum erheblich verschlechtert. [Andreas Schleicher, 42, ist Chef der Abteilung für Indikatoren und Analysen bei der OECD in Paris und leitet unter anderem die Pisa- Studien.]


Aus: "AKADEMIKERMANGEL: "Wir verschlafen den Bildungsboom"" (SPON; 20. März 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,470285,00.html (http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,470285,00.html)

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[...] Das Wort degradiere nicht nur Arbeitskräfte in Betrieben, sondern Menschen überhaupt „zu nur noch ökonomisch interessanten Größen“

[...] In dem Zusammenhang wird oftmals der Vergleich mit der Sklavenwirtschaft angeführt, als Menschen tatsächlich „Kapital“ waren, d.h. einen Preis hatten und wie Sachgüter gehandelt wurden.

Viele Ökonomen zeigen sich entsetzt über diese Argumentation und halten sie für falsch, denn die Sprachwissenschaftler hätten die ursprüngliche Bedeutung und Intention des Begriffs nicht verstanden. Wer sich mit der einschlägigen Literatur auseinandersetze, werde schnell feststellen, dass das Humankapital im ursprünglichen Sinn als Erfolgsfaktor, Ressource oder Potenzial angesehen wird, das maßgeblich die zukünftige Entwicklung und den künftigen Unternehmenserfolg determiniere, bzw. auf volkswirtschaftlicher Ebene den Wohlstand ganzer Nationen.


Aus: "Humankapital" (03/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Humankapital (http://de.wikipedia.org/wiki/Humankapital)

Title: [Das Geschäft blüht weiter... (Notizen)]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 25, 2007, 08:14:13 PM
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[...] London (AP) Rund 3.000 Menschen haben am Samstag in London an einer Gedenkprozession zur Abschaffung des Sklavenhandels in den britischen Kolonien vor 200 Jahren teilgenommen. An ihrer Spitze gingen die Erzbischöfe von Canterbury und York, Rowan Williams und John Sentamu. Die Kirche von England hat sich für ihre Rolle beim Sklavenhandel entschuldigt. Williams sagte, die Leute, die ein System der Unmenschlichkeit in Gang gehalten hätten, seien "Menschen wie du und ich" gewesen. "Es waren Leute, die in vielerlei Hinsicht anständige und verantwortungsvolle Menschen waren, aber sie waren verblendet."

Der Sklavenhandel - nicht aber die Sklaverei selbst - wurde am 25. März 1807 per Parlamentsbeschluss abgeschafft. Die beiden Erzbischöfe riefen dazu auf, am Jahrestag der Schrecken des transatlantischen Sklavenhandels zu gedenken. Sie drückten die Hoffnung aus, dass die Menschen auch über die bis heute wirksamen Folgen wie etwa Menschenschmuggel nachdenken.


Aus: "Tausende gedenken Abschaffung des Sklavenhandels in London" (03/2007)
Quelle: http://www.solms-braunfelser.de/ap/apnews.php?code=20070324APD5680 (http://www.solms-braunfelser.de/ap/apnews.php?code=20070324APD5680)

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[...] Es war Daniel Defoe, der 1713 eine unheimliche Rechnung aufmachte, in der der Sklavenhandel die ausschlaggebende Größe war: "Kein afrikanischer Handel, keine Neger. Keine Neger, kein Zucker. Kein Zucker, keine Inseln, keine Inseln, kein Kontinent, kein Kontinent, kein Handel. Und das alles sagt Lebewohl zu Eurem amerikanischen Handel, Eurem westindischen Handel . . ." Fast ein Jahrhundert hat es denn auch gedauert, bis man sich dieser Logik zu entwinden vermochte. Seit dem Juni 1806 wurden in Großbritannien nach einer zwanzigjährigen Kampagne gegen den Sklavenhandel die parlamentarischen Prozeduren eingeleitet, die im März 1807 Jahres zur Verabschiedung der "Bill for the Abolition of the Slave Trade" führten. Von nun an kontrollierte die britische Navy die Handelswege. Britische Kapitäne, die auf ihren Schiffen Sklaven beförderten, machten sich strafbar, und Schiffe anderer Nationen mit Sklaven an Bord konnten als Piratenschiffe behandelt werden.

[...] Im französischen Herrschaftsbereich brachte das Revolutionsjahr 1848 das Ende der Sklaverei, während die Plantagenbesitzer im amerikanischen Süden der Vereinigten Staaten ihre Sklaven erst 1865 freilassen mussten, entschädigungslos. In der spanischen Kolonie Kuba endete die Sklaverei 1886, die Befreiung der mehr als 1,2 Millionen Negersklaven Brasiliens ließ noch länger auf sich warten. In diesen Zusammenhang gehört auch die Aufhebung der bäuerlichen Leibeigenschaft in Russland 1861. Bis dahin waren die Leibeigenen nicht von persönlichem Sacheigentum unterschieden. In allen diesen einzelnen Reformschritten hat man zu Recht eine der großen weltgeschichtlichen Tendenzen des neunzehnten Jahrhunderts gesehen, die das Ende der von Weißen geführten Sklavenhaltersysteme herbeiführten.


Aus: "Die Erfindung der Moralpolitik" Vor zweihundert Jahren beschloss Großbritannien die Abschaffung des Sklavenhandels - Von Henning Ritter (10. März 2007)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub5C2BFD49230B472BA96E0B2CF9FAB88C/Doc~EBC2B809E73D74B7B83080E742C89196A~ATpl~Ecommon~Scontent.html (http://www.faz.net/s/Rub5C2BFD49230B472BA96E0B2CF9FAB88C/Doc~EBC2B809E73D74B7B83080E742C89196A~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

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[...] Der größte Unterschied zu früher aber ist, dass Sklaven noch nie so billig waren. Rechnet man den Preis, den ein Plantagenbesitzer in Alabama um 1850 für einen Leibeigenen bezahlen musste, auf heutige Verhältnisse um, dann kostete dieser 30000 Euro. Heute sind Sklaven für wenige hundert Euro zu bekommen, afrikanische Kinder werden schon für 20 oder 30 Euro verkauft.

Die Gründe für den stetig wachsenden Sklavenmarkt sind offensichtlich. Die Weltbevölkerung hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg verdreifacht, damit wuchs auch die Zahl potentieller Sklaven.

Die wachsende Armut in Entwicklungsländern veranlasst die Eltern dazu, ihre Kinder zu verkaufen - oft mit dem falschen Versprechen der Menschenhändler, die Jungen und Mädchen könnten sich auf den Plantagen, in den Bordellen oder in reichen Familien das Geld für ihre Ausbildung verdienen.

Und schließlich sorgen auch Korruption und Gesetzlosigkeit in vielen Staaten dafür, dass nichts gegen den Sklavenhandel unternommen wird. Oft arbeiten korrupte Beamte oder Polizisten mit Menschenhändlern zusammen - zum Beispiel indem sie entlaufene Sklaven wieder einfangen.


Aus: "200 Jahre nach Abschaffung des Sklavenhandels" - Das Geschäft blüht weiter: Noch nie gab es so viele und so billige Sklaven wie heute. Nur Waffenhandel und Drogen sind profitabler - Von Michael Bitala (SZ vom 24.3.2007)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/205/107098/ (http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/205/107098/)

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[...]  Richmond. AP/baz. Das Parlament von Virginia hat «tiefes Bedauern» über die Rolle des US-Staats an der Sklaverei geäussert. Beide Parlamenskammern verabschiedeten am Samstag einstimmig eine Resolution, in der die Sklaverei als die abscheulichste aller Verletzungen der Menschenrechte und der amerikanischen Gründerideale gebrandmarkt wird. Auch nach der Abschaffung der Sklaverei seien die Afroamerikaner weiter systematisch diskriminiert worden, heisst es darin.


Aus: "US-Staat Virginia äussert «tiefes Bedauern» über Sklaverei" (03/2007)
Quelle: http://www.baz.ch/news/index.cfm?ObjectID=F796DB8B-1422-0CEF-70D89AF83D092F34 (http://www.baz.ch/news/index.cfm?ObjectID=F796DB8B-1422-0CEF-70D89AF83D092F34)

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[...] Toyin Agbetu rannte vor den Altar der Westminster Abbey in London, in dem Königin Elizabeth II., Premierminister Tony Blair und zahlreiche weitere Würdenträger versammelt waren, und rief "Sie sollten sich schämen" sowie "Das ist eine Beleidigung für uns". Er kam bis auf drei Meter an die Queen heran, bevor Sicherheitskräfte ihn packten. Später wurde Agbetu in Handschellen abgeführt.

Der 39-jährige Farbige forderte außerhalb von Westminster Abbey, Königin Elizabeth müsse sich im Namen ihrer Vorfahren entschuldigen. "Die Queen und die Regierung und die Kirche sind alle dort drinnen und klopfen sich auf die Schulter", kritisierte er. "Diese Nation hat sich nie entschuldigt, die afrikanischen Freiheitskämpfer sind nicht erwähnt worden."


Aus: "Farbiger stört Londoner Feier zur Abschaffung der Sklaverei" (Dienstag 27. März 2007)
Quelle: http://de.news.yahoo.com/27032007/286/politik-farbiger-st-rt-londoner-feier-abschaffung-sklaverei.html (http://de.news.yahoo.com/27032007/286/politik-farbiger-st-rt-londoner-feier-abschaffung-sklaverei.html)

Title: [Pornografie werde zur Leitkultur der Unterschicht... (Notizen)]
Post by: Textaris(txt*bot) on April 12, 2007, 12:51:02 PM
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[...] Pornografie werde zur Leitkultur der Unterschicht, pflichtete der alarmierte Präsident der Deutschen Gesellschaft für sozialwissenschaftliche Sexualforschung bei, Professor Jakob Pastötter.


Aus: "SCHWARZER bei Maischberger: Pornografisierte Gesellschaft" (12.04.2007)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/medien/archiv/12.04.2007/3194177.asp (http://www.tagesspiegel.de/medien/archiv/12.04.2007/3194177.asp)
Title: [Wäre Leistungsbereitschaft wirklich das einzige oder wichtigste... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on May 15, 2007, 12:34:35 PM
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[...] Leistung ist durch nichts zu ersetzen!

Sicherlich gibt es Leute, die arm und im Unglück leben, weil sie Pech hatten oder ihnen über mitgespielt wurde.
Das ist überall auf der Welt so. Es ist aber die verdammte Pflicht und Schuldigkeit eines jeden, selbst zu schauen und daran zu arbeiten, daß es (wieder) besser wird. "Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott" ist eine alte Weislheit, die nichts an ihrer Gültigkeit verloren hat.

Die Weinerlichkeit der Unterschicht, die weder hungern noch frieren muß, finde ich unerträglich.
Noch schlimmer aber sind die Weltverbesserer, die, so wie der Sozialwissenschaftler Roland Merten, den Frustrierten auch noch Wasser auf die Mühlen gießen!

Reinhard Rupsch (14.5.2007 10:35 Uhr)


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[...] Täuschen wir uns nicht......Genau so war Hartz IV gedacht

denn genau so war Hartz IV gedacht. Schliesslich braucht es auch im Lande wieder eine Sklavenklasse, die für nichts arbeitet und zu Demonstrationszwecken dient. Anders hat diese Gesellschaft nie funktioniert, nur waren (und sind) die Sklaven nicht im eigenen Land zu finden. Die 2% der Gesellschaft, die im Besitz der Reichtümer, sprich grossen Aktienvermögen sind, haben längst beschlossen, den Rest der Gesellschaft an der Wertschöpfung nicht mehr zu beteiligen.
Klatten Quandt und Co. (14.5.2007 12:05 Uhr)


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[...] es sind nicht nur....

die arbeitslosen die unter die armutsgrenze gerutscht sind sondern auch die die arbeiten gehen und viel zu wenig lohn bekommen, frisoerinnen, kassiererinnen, putzfrauen usw. muessen sich mit bruttoloehne um 800,- bis 1000,- euro zufrieden geben damit kann man seine kinder nicht mehr ernaehren und kleiden obwohl man nicht zu hause sitzt und daeumchen dreht. das problem ist ganz klar die verteilung die nicht mehr statt findet!
Icke Berlin (14.5.2007 12:15 Uhr)


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Geehrter Herr Rupsch

Sie finden die Weinerlichkeit der Unterschicht unerträglich und ich die Ignoranz solcher Leute wie Sie, die zur Bestätigung ihres eher schlichten Weltbildes alle Erkenntnisse ausblenden, die nicht dazupassen.

Was ist mit jenen vielen Menschen (und es werden immer mehr!), die täglich 8 oder mehr Stunden ihrer Arbeit nachgehen und trotzdem am Monatsende nur unwesentlich mehr Geld auf dem Konto haben als ein Hartz 4 Empfänger? Haben die einfach Pech oder ist ihre Leistungsbereitschaft nicht hoch genug?

Was ist mit jenen Jugendlichen, die, obwohl mit guten Zeugnissen ausgestattet, keine Lehrstelle finden, weil sie Vornamen tragen wie Murat oder Stojko oder sonst was Fremdländisches? Wird denen übel mitgespielt oder ist deren Leistungsbereitschaft nicht hoch genug?

Wäre Leistungsbereitschaft wirklich das einzige oder wichtigste Kriterium, das über sozialen Erfolg oder Misserfolg bestimmt, die Welt wäre tatsächlich gerechter!

Mit freundlichen Grüssen
Daniel Bätscher (14.5.2007 13:14 Uhr)

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@ daniel

blödsinn, thomas, karl, und paul bekommen genauso wenig eine lehrstelle , wie ali oder ahmed oder murat. da muß eben neben den zensuren, auch noch das vitamin b, wie beziehung, vorhanden sein, ohne , geht garnichts.
und murat, ali, ahmed, wären als muttersprachler mit einer fremdsprache sogar noch im vorteil, bei unserer globalisierten gesellschaft.
leser (14.5.2007 13:28 Uhr)

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@ leser (14.5.2007 12:16 Uhr)

dann sagen sie ihrem sohn, auf nach bayern! wir haben landesweit 5,7% arbeitslose, tendenz eher fallend. gerade in südbayern wird jeder der laufen kann händeringend gesucht vom einfachen maurer bis hoch zum bauingenieur findet jeder mit qualifikationen GUTBEZAHLTE arbeit (durchschnittseinkommen in der industrie ist in meiner region mehr als 3mal so hoch wie in mecklenburg-vorpommern stand letztens in der zeitung) wer darauf besteht in seinem kuhdorf sonstwo eine arbeit als sonstwas zu bekommen und partu nicht umziehen mag ist aber selbst schuld.
bayer (14.5.2007 13:53 Uhr)

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Was denn

@keinduckmäuser
Warum sollten die Hartz4 Empfänger etwas unternehmen? Keiner muss hungern und frieren und das Geld reicht allemal für das Ganztagsfernsehen und die Kippen und das Bier. (Das trifft nicht auf alle zu, aber auf sehr viele) Und die etwas unternehmen wollen, sind in der Minderzahl, bzw. haben Minijobs und keine Zeit für Demos aller Art...
Wolfgang (14.5.2007 14:39 Uhr)

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@bayer
Ihr Rat ist gut...Aber er bekämpft in kleinem Umfang nur die Symtome, nicht die Ursache. Hat denn Bayern echt 3-4 Millionen freie Arbeitsplätze? Klar ist Flexibilität wichtig, aber sie ist nicht das Allheilmittel, scon jetzt veröden ganze Landstriche (nicht nur im Osten), weil die die können wegziehen...
Wolfgang (14.5.2007 15:08 Uhr)

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Kein Aufschwung für die Unterschicht

An Bürger usw.
Als aktives Gewerkschafts- und im Moment nur passives Parteimitglied und Bürgerin dieses Landes sehe ich mit großem Entsetzen, dass die jährlichen 10 Mio. Euro der Metallarbeitgeber für die Initiative neue soziale Marktwirtschaft auf fruchtbaren Boden fallen. Die Gesellschaft wird in mehrere Schichten geteilt. Die sog. Elite, die teilweise mehr Geld als Hirn hat, die Arbeitnehmer, die sich gegen die unfreiwillig arbeitslosen stellt und immer noch meint, sie würden für ihre Arbeit gerecht entlohnt.
Vom Steuerzahler würde ich gerne wissen, ob er jemals eine Beratungsstelle für Erwerbslose aufgesucht und mit Betroffenen gesprochen hat. Wie die sich fühlen, nach 20 Jahren und mehr mit über 50 Jahren entsorgt worden zu sein. Wie würden Sie sich fühlen?
mm1 (14.5.2007 22:14 Uhr)

Kommentare zu: "Soziales: Kein Aufschwung für die Unterschicht" - Die Wirtschaft boomt, aber die Armen merken nichts davon. Eine wachsende Unterschicht vor allem im Osten bleibt vom derzeitigen wirtschaftlichen Aufschwung ausgenommen, sagt ein Jenaer Sozialwissenschaftler (14.05.2007, 14:03 Uhr)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/nachrichten/soziales-aufschwung/102632.asp (http://www.tagesspiegel.de/politik/nachrichten/soziales-aufschwung/102632.asp)

Title: [Gleiche Arbeit - gleiches Geld [?]... (Notizen)]
Post by: Textaris(txt*bot) on June 11, 2007, 02:33:23 PM
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[...] Deutschland entwickle sich zunehmend zu einer "Zweiklassengesellschaft", "in der Menschen von der Hände Arbeit sich nicht mehr ernähren können", warnen deshalb Gewerkschafter wie Bodo Grzonka von der IG Metall Berlin/Brandenburg/Sachsen. "Sie sind zum Teil darauf angewiesen, noch Alg II, also Aufstockungszahlungen einzufordern, dass sie überhaupt die Familie über die Runden bringen". Jeder achte Vollzeit-Leiharbeiter braucht mittlerweile Unterstützung durch Hartz IV.

[...] Die Zeitarbeitsfirmen bezahlen ihren Mitarbeitern häufig die Hälfte von dem, was sie von ihren Kunden, den Unternehmen, kassieren. Die kostet deshalb ein Leiharbeiter durchaus mehr als die eigenen festen Mitarbeiter. Trotzdem bleibt das Modell Zeitarbeit für sie interessant: Sie ersparen sich Ärger beim Kündigungsschutz, können flexibel auf Auftragsschwankungen reagieren und Krankheits- sowie Urlaubsvertretungen organisieren. Die Zeitarbeits-Branche profitiert mit deutlichen Gewinnsteigerungen von dieser Entwicklung.
 
Nicht selten werden bestehende Jobs gleich ganz durch Leiharbeiter ersetzt. Eine aktuelle Umfrage der IG Metall Nordrhein-Westfalen unter Betriebsräten aus 123 Unternehmen hat ergeben, dass in gut der Hälfte der Betriebe Stammbelegschaft gegen Zeitarbeitnehmer ausgetauscht wurde. Nur in zehn Prozent der Unternehmen, die Beschäftigte in Zeitarbeit einsetzen, wird danach der Grundsatz "Gleiche Arbeit - gleiches Geld" angewandt. Außerdem zeigte die Umfrage, dass es nur für 12 Prozent der Beschäftigten den so genannten "Klebeeffekt" gibt, also den gelungenen Wechsel aus Zeitarbeit in reguläre Beschäftigung im Einsatzunternehmen.

[...] So hoffen viele Leiharbeiter vergeblich auf einen regulären Arbeitsplatz. Im Leipziger BMW-Werk zum Beispiel sind mehr als ein Drittel der Belegschaft Zeitarbeiter. Wenn die sich um eine feste Anstellung bemühen, winkt BMW ab, erzählt Steffen K.: Er habe sich mittlerweile mehrmals beworben. Doch sein Meister habe ihm gesagt: "Du kannst dich 1000 Mal bewerben, wenn du als Leiharbeiter für BMW arbeitest, hast du niemals die Chance, gleichzeitig bei BMW reinzukommen. Die haben dich ja schon."
 
"Einmal Zeitarbeit, immer Zeitarbeit", das weiß auch Gewerkschafter Grzonka. "Die Perspektiven sind auch gesetzlich so formuliert, dass jede Form der Befristung entfallen ist. Das heißt, man kann bis zu seinem Lebensende in der Zeitarbeit stecken." Eine Erkenntnis, an die sich viele erst gewöhnen müssen. Den sicheren Arbeitsplatz, ein Berufsleben lang, wird es für sie nicht mehr geben; der deutsche Arbeitsmarkt auf dem Weg in die "Zweiklassengesellschaft".


Aus: "ZDF (Frontal21 am 15. Mai 2007): Jobs auf Abruf - Fette Gewinne mit Zeitarbeitern" von St. Judzikowski, H. Koberstein und Herbert Klar (14.05.2007)
Quelle: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/11/0,1872,5385707,00.html (http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/11/0,1872,5385707,00.html)

Title: [Menschen in Schichten und Klassen [?]... (Notizen)]
Post by: Textaris(txt*bot) on July 10, 2007, 04:16:10 PM
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[...] Dabei macht es die besondere Lässigkeit der Oberschicht aus, dass ihre Mitglieder überhaupt keinen Witz und keine herausragenden Anlagen beweisen müssen, solange sie unter sich sind. Das Flügelschlagen ist eine bürgerliche Angestrengtheit. Entspannte Erhabenheit über alle Verdienste sorgt in Adelskreisen für eine gesunde Gemütlichkeit - je schlichter der einzelne im Gemüt, desto kerniger verkörpert er die Unerschütterlichkeit der Werte seiner Welt.

Hat das Buch eine Lehre? Vielleicht diese: Intelligenz, Witz, Schönheit, Leistungsfähigkeit - alles schön und gut, aber auf Dauer ist es doch angenehmer und für die Nerven beruhigender, auch mittelmäßige Vertreter der eigenen Klasse um sich zu haben, die einem die schöne Gewissheit geben, dass der eigene Lebensstil nicht an die Launen eines Tages gebunden ist.


Aus: "Sozialer Aufstieg: "Snobs": Hoch heiraten"  Von Ijoma Mangold (08.05.2007)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,tt8l1/kultur/artikel/175/113062/ (http://www.sueddeutsche.de/,tt8l1/kultur/artikel/175/113062/)
Title: [Bin ich ein Prolet?... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 15, 2007, 02:07:43 PM
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1. Sie tragen T-Shirts mit Botschaften auf der Brust.
2. Sie glauben an den Fußballgott.
3. Die Triebfeder Ihres Handelns ist das Erlangen möglichst vieler, nicht selbst verursachter Orgasmen.
4. Deren Armut kotzt Sie an.
5. In Ihrem Schlafzimmer befindet sich mindestens ein Kuscheltier.
6. Für Ihren Stil lassen Sie sich von Magazinen inspirieren, die unter fünf Euro kosten.
7. Sie bewundern Don Corleone, den Paten, für seine Stärke.
8. In manchen Fällen fänden Sie die Todesstrafe gar nicht so schlecht.
9. Hartz IV ist für Sie eine Art Subvention der Schwarzarbeit.
10. Wenn Sie an der Macht wären, wüssten Sie, was zu tun wäre.
11. Am wohlsten fühlen Sie sich noch immer im Jogging-Anzug.
12. Die RTL 2 Nachrichten interessieren Sie mehr als Sie zugeben.
13. Wenn Sie ein neues Handy haben, probieren Sie ihre neuen Klingeltöne in öffentlichen Verkehrsmitteln aus.
14. Ihr Englisch haben Sie aus Hiphop-Songs gelernt.
15. Wenn Sie sich belohnen wollen, essen Sie an der Currywurstbude.
16. Wenn Sie nicht mehr weiter wissen, werden Sie einfach immer lauter.
17. Sie haben beim Finale von Titanic geweint.
18. Sie haben Ihr Auto modifiziert.
19. Ihre Frisur war in einem vorigen Jahrzehnt der Hit.
20. Sie denken, Verona Feldbusch tut nur so, als wäre sie dumm.
21. Sie geben mindestens 40 Prozent Ihres Nettogehaltes für Markenklamotten aus.
22. Mindestens einer Ihrer Bekannten heißt Justin.
23. Sie pinkeln unter der Dusche.
24. Sie haben immer ein paar schlüpfrige Witze parat, um die Stimmung aufzulockern.
25. Sie beschimpfen Ihren Computer, obwohl er Sie nicht hören kann.
26. Von 25 Prozent Ihrer Freunde kennen Sie nur ihren Spitznamen, nicht den richtigen.
27. Kurz vor dem Aussteigen pupsen Sie auch mal in Fahrstühlen.
28. Sie haben mehr als vier Bücher von Steven King gelesen.
29. Manchmal beneiden Sie Dieter Bohlen.
30. Sie sind sich nicht sicher, was Prolet heißt.

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OnkelHeini meint:
15-11-2007, 08:50 Uhr

31. Sie sind am Körper mit sonderbaren Mustern und fernöstlichen Symbolen bemalt
32. Sie tragen Kleidung, welche anderen Mitmenschen den Blick auf (31.) aufnötigen
33. Sie "modifizieren" nicht nur Ihr Auto, sondern auch ihren Körper durch blitzende Teile
34. Ihr Nachwuchs trägt Namen, wie Luka-Fynn, Marvin, Yannick usw.
35. Sie rasieren sich (als Mann) nicht nur im Gesicht und machen sich verächtlich über andere, die das nicht so machen.
36. Ihre beste Sonntagskleidung ist kein schöner Anzug, sondern Ihr bei "New Yorker" erworbenes Outfit
37. Sie sind der festen Überzeugung, das Recht zu haben, viermal im Jahr, ohne Rücksicht auf die Nachbarschaft, es "richtig krachen" zu lassen


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Stefan meint:
15-11-2007, 09:20 Uhr

38. Sie gehen hauptsächlich in Großraumdiscos
39. Zu 38. auch nur wenn winw 1€-Party ist
40. Sie tragen eine Kurzhaar-Frisur mit blonden Strähnen
41. Sie gehen regelmäßig ins Solarium, obwohl es Ihnen nicht bekommt
42. Sie haben immer die neusten Chart-Hits auf ihrem Handy und hören sie im Lautsprecher Modus
43. Ihre Sonnenbrille hat nicht mehr als 20€ gekostet
44. Sie tragen außschließlich "G-Star" und "Energie" Klamotten

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Christine meint:
15-11-2007, 10:21 Uhr

45. Sie gehen regelmäßig ins Nagelstudio und haben lange Airbrush-Krallen
46. Sie rauchen und beugen sich dabei über den Kinderwagen, in dem Ihr bemitleidenswerter Nachwuchs sitzt
47. Sie haben in Ihrem Leben schon mal ein Buch gelesen. Damals, in der Schule, kurz bevor Sie sie abgebrochen haben
48. Sie lieben Diddlmäuse
49. Sie treffen sich mit Ihren Freunden nicht im Straßencafé, sondern im Solarium oder an der Fitneßstudio-Bar
50. Sie haben immer das allerneuste Handy und den allerneuesten Flatscreen-Fernseher und verbringen ganze Samstage bei Saturn
51. Ihr Kind bekommt noch im Krabbelalter einen eigenen Fernseher ins Zimmer
52. Sie gehen aufs DJ Ötzi-Konzert
53. Sie finden Buffalos immer noch toll
54. Bildung interessiert Sie nicht. Museen, Ausstellungen, Lesungen, Vorträge etc. sind nur was für Streber
55. Sie glauben, daß jeder Dr. ein Arzt ist
56. Sie fliegen zum Urlaub in die Dom. Rep. und freuen sich, daß dort alles so geil billig war
57. Sie schmücken Ihre Wohnung mit Harlekins und großen Fächern
58. Auf Ihrem Auto steht "Cherasette-Chantal an Bord" oder "Kenwood" plus Tribal-Autoaufkleber oder Vornamen-Nummernschild auf der Hutablage
59. Ihr kleiner Sohn hat einen Beckham-Iro und Gel in den Haaren
60. Beim Burger King lernen Sie immer die geilsten Weiber kennen


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Keule meint:
15-11-2007, 11:21 Uhr
Ich sehe, Ihr wisst alle Bescheid !

61. Sie glauben, Wrestling ist echt und nicht getürkt!
62. Wenn Ihr Mann wieder mal besoffen ist, machen Sie dem Nachbarn schöne Augen und fummeln mit ihm in der Küche.
63. Sie finden Ihr "Arschgeweih" immer noch total cool und crazy und laufen deswegen auch im Winter mit freiem Rücken rum.
64. Bier aus der Dose ist lecker und eine Flasche Wein für 2,99 ist "ziemlich gutes Zeug".
65. Diese bescheuerten Fuzzis vom Amt wollen mir immer Gutscheine für Lebensmittel geben. Die gehen aber nicht für Lullen und Stoff.


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  hammelbraten  meint:
15-11-2007, 11:28 Uhr

61. "Nachher" fragen Sie immer Ihre Partnerin mit einer Zigarette im Mund: "Hat es Dir auch soviel Spaß gemacht (wie mir)"?
62. Beim Sex wird alles ausgezogen, nur die Socken nicht!
63. Goldkettchen und Siegelringe sind in der Szene auch (immer noch) willkommen - allerdings nur in Verbindung mit aufgeknöpften Oberhemden.
64. Weiße (oder braune) Schuhe zu dunkler Bekleidung ist ein Muss.
65. Abba sind für Prols die Krönung!
66. Dalmatiner (große weiße Hunde mit schwarzen Einschüssen - oder umgekehrt). Allerdings in lasierter Keramik und vor dem Sofa sitzend.
67. Die Eltern erzählen auf Feten gerne und ausdauernd, dass ihr Sohnemann ohne das schöne alte Lied "Live is live!" nicht einschlafen kann.
68. Ein- bis zweimal in der Woche ist "Familientag" - und das auch nur zu festgelegten Zeiten.
69. Für die Silikonrestaurationen werden Kredite aufgenommen.
70. Kerner ist der Beste - und die Nachmittagssendungen von RTL und Sat 1 sind auch nicht zu verachten. Auf jeden Fall sind sie besser, als die Vormittagssendungen.
71. Da war doch jemand, der die Autobahnen gebaut hat. Der war gar nicht so schlecht!
72. Urlaub in Tirol (egal, woran wir sterben).
73. Die Einrichtung muss günstigstenfalls von Ikea sein - zu Not tut's auch Gelsenkirchener Barock oder die bei 68er-Prols beliebten Sperrmüllerzeugnisse.

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Na sowas! meint:
15-11-2007, 11:43 Uhr
Punkt 10: "Wenn Sie an der Macht wären, wüssten Sie, was zu tun wäre." ist der entscheidende Indikator.
Trifft auf die meisten Kommentar-Schreiber bei welt.de zu.

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Frank Abel meint:
15-11-2007, 13:50 Uhr
Bei mir war es knapp: 12 Jas immerhin. Ich bin froh, dass ich nicht eröffnen muss, welche das sind...


Aus: " Kolumne "Ab 18": Der große Selbsttest: Bin ich ein Prolet?" Tobias Schönpflug (15. November 2007)
Quelle: http://www.welt.de/vermischtes/article1364113/Der_grosse_Selbsttest_Bin_ich_ein_Prolet.html (http://www.welt.de/vermischtes/article1364113/Der_grosse_Selbsttest_Bin_ich_ein_Prolet.html)

Title: [Das sind die, welche nichts auf die Reihe kriegen [?]... (Notiz, BRD)]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 23, 2007, 10:24:44 AM
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[...] Grünen-Finanzexperte Oswald Metzger polarisiert. Er kritisierte Sozialhilfe-Empfänger als Menschen, deren Lebenssinn oft darin bestehe, "Kohlenhydrate oder Alkohol in sich hineinzustopfen". Die Partei tobt, doch Metzger beharrt auf seiner Einschätzung. Und denkt über einen Parteiaustritt nach.

Der in der eigenen Partei scharf kritisierte baden-württembergische Grünen-Landtagsabgeordnete Oswald Metzger hält an seinen umstrittenen Äußerungen über Sozialhilfeempfänger fest. Der „Schwäbischen Zeitung“ sagte er: „Ich bleibe bei meinen Äußerungen, aber das ist keinesfalls ein Pauschalurteil. Bei manchen Sozialhilfe-Empfängern in der zweiten oder dritten Generation gibt es eine Antriebsarmut von klein an.“

Quote
       

Umfrage:
Der Grünen-Politiker Oswald Metzger kritisiert, viele Empfänger von Hartz IV seien hauptsächlich an Alkohol und Kohlehydraten interessiert. Ihre Reaktion?       


        21%     Das ist eine Unverschämtheit, er sollte sich sofort entschuldigen
   3%    Das ist dreist, er sucht nach einem Anlass, aus der Partei auszutreten
   59%    Das ist politisch vielleicht nicht korrekt, aber durchaus wahr
   8%    Das fällt für mich unter Meinungsfreiheit
   9%    Wer ist Oswald Metzger?

Aktuell: 3026 Stimmen


„Für mich ist entscheidend, wie viel Realitätssinn beim Bundesparteitag herrscht“, hielt Metzger dagegen. Beim Bundesdelegiertentreffen in Nürnberg an diesem Wochenende wird auch über die heftig umstrittene Frage eines Grundeinkommens für jedermann debattiert. Dies lehnt Metzger strikt ab. Nachdem der Parteitag der Südwest-Grünen Mitte Oktober in Heilbronn einen entsprechenden Beschluss gefasst hatte, stellte der Grünen-Politiker öffentlich seinen Austritt aus der Partei in Aussicht.

Nun kündigte der wegen seiner wirtschaftsliberalen Ansichten bekannte Finanzexperte an: „Ich werde für meine Position kämpfen und Änderungsanträge beim Parteitag einbringen.“ Damit will Metzger das vorgeschlagene Modell einer verbesserten Grundsicherung ändern. Vor allem der Rückhalt in der Stuttgarter Landtagsfraktion habe ihn dazu bewogen, für seine Vorstellungen in der Partei einzutreten und nicht vorzeitig seine Mitgliedschaft aufzugeben. „Ich habe den Grünen auch viel zu verdanken“, meinte der 52-jährige Politiker.


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Coboldt meint:
22-11-2007, 07:13 Uhr
Wo er Recht hat, da hat er Recht.

Das ewige Gejammer über staalich verordnete Armut! Schaue ich Reportagen über Harzis, liegen immer Handys und Markenzigaretten auf dem Tisch. Guck ich bei Penny, was die so in den Einkaufswagen werfen - Chipstüten und Fertiggerichte. Ich koche da lieber günstig selbst.

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Toni aus Schwaben(der sich Sorgen macht) meint:
22-11-2007, 07:21 Uhr
...wie mehr die Oberen machen und Managergehälter kassieren,desto weniger fällt dennen etwas zu -die Elitemässig (durch Elite Reformen und Umschichtung-nach Unten ,zerdrückt-sind...........Die Gesundheitsfragen die auch noch durch (Industrie und Militär)Vergiftung der Umwelt und Menschen anstehen und auf uns zukommen,werden aber mit der zeit auch die Oberen treffen.Mancher merkt es schon in Ihrem denken-die Unteren in Alkohol-Streß und Trocken und die Oberen in Gehätern-raffen-Gier und Globalem Elite-Kriegs-W...sinn.Statt auf ein Normales Miteinander zu kommen und normales verteilen zu würdigen(gleiches Einkommen für Alle-gesund und Qualität,wird immer mehr auf gegeneinander-extremes und Zerstörerisches gesetzt.Der Turm zu Babel scheint umzukippen.....

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Ich kann es nicht mehr hoeren meint:
22-11-2007, 07:37 Uhr
Ich finde es einfach dumm ueber so etwas Meinung zu machen und mit der (die Gute seite) und die ( boese Seite) Spielchen die Leute zu polarisieren. Der Herr Metzger sollte lieber zum Unterschichten TV oder zur Bild gehen da findet sich Publikum die wie auch in diesen Kommentaren sagen und Schreiben er hat Recht die Harz IV Empfaenger sind selbst Schuld.....
Leute seid liber Froh das Ihr zum bevorstehenden Weinachtsfest euren Kindern,Frauen, Freunden etwas kaufen und Schenken koennt. Es giebt Leute die koennen es nicht und der Herr Metzger sollte einmal mit Harz IV Empfaengern sprechen um sich ein reales Bild dieser Leute zu machen und nicht auf unterstem Level Politik zu machen

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Ed Uscho meint:
22-11-2007, 07:40 Uhr
Das übliche Rumgekloppe vom täglichen Mob auf Minderheiten, die keine Lobby haben.

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Jos meint:
22-11-2007, 07:47 Uhr
Die Meinung Oswald Metztgers ist bekanntlich die Meinung der meisten Grünen. Das die Grüne Hartz-Partei jetzt - öffentlich - nicht zu ihrer eigenen Politik stehen will ist doch lächerlich, denn Metzger kann sich zumindest der schweigenden Zustimmung der meisten Grünen sicher sein. Zu einem Parteiaustritt besteht also keinerlei Anlass. Das Büttikofer u.a. Grüne jetzt plötzlich auf Sozial machen, nimmt ihnen nach ihrer Politik der letzten Jahre, doch sowieso niemand mehr ab.

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gerhardq meint:
22-11-2007, 07:49 Uhr
Wieder mal ein Politiker, der zu allem seinen Senf zugeben muß, ohne irgendwelche Ahnung zu haben.
Herr Metzger war selbst im Bundestag, er war also in der Lage, für entsprechende Bedingungen der Sozialhilfe-Empfänger zu sorgen. Also soll er jetzt nicht dumm rummaulen.
Vom bedingungslosen Grundeinkommen hat er überhaupt keine Ahnung, er brilliert hier durch gezeigtes Nichtwissen. Das bedingungslose Grundeinkommen wird wahrscheinlich die einzige Mögllichkeit sein, einen sozialen Staat einigermaßen aufrecht zu erhalten. Aber wer von staatlichen Pensionen sehr gut lebt, kann sich die Nöte und Sorgen von Erwerbslosen nicht vorstellen.

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arme sau meint:
22-11-2007, 08:38 Uhr
bin sozialhifeempfänger und auch nur am saufen.. recht hat er

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Ben meint:
22-11-2007, 08:54 Uhr
Metzger währe in der FDP besser aufgehoben als Mitglied des INSM.

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gGmbH ist erstrebenswert meint:
22-11-2007, 09:00 Uhr
Das Problem sind nicht die Sozialhilfeempfänger, sondern es wird einfach immer mehr Jobs unter dem Existenzminimum angeboten, weil der Staat bereitwillig zuzahlt.

Dafür werden z. B. im Wahlkreis von Herrn Metzger die Pflegeheime einfach in gGmbHs umgewandelt, damit sie die Steuerbegünstigungen abrufen und Ein-Euro-Jobber einstellen können - vermutlich ist es im übrigen Deutschland genauso.

Jetzt soll mir mal einer erklären, warum ein Pflegeheim, das ordentliche Honorare für seine Dienstleistung in Rechnung stellt, ein gemeinnütziger Verein sein soll.

Dazu kommt, das die Berichterstattung in der Lokalpresse den Eindruck erweckt, dass es sich um eine städtische Einrichtung handelt und über Zuschüssen beschlossen wird.

Das Geschäft mit den "Sozialschmarotzer" läuft doch recht gut für unsere Politik und die, die an diesen Geschäften unter dem Deckmantel solcher Gesellschaften beteiligt sind.

Quote
  Kammerjäger  meint:
22-11-2007, 09:10 Uhr
Wo er Recht hat - - da hat er Recht !
Es heisst ja auch "Assi" u. "Geschwartl"...
Das sind die, welche nichts auf die Reihe kriegen.

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dd meint:
22-11-2007, 09:20 Uhr
Faulheit ist ein menschliches Laster und sollte nicht auch noch gefördert werden, ein Tritt in den Arsch wirkt manchmal Wunder.

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Fragender meint:
22-11-2007, 09:24 Uhr
@ Marco Vogt.
Wer hat denn in Deutschland die Arbeitslosigkeit produziert ?
Der Bürger selber?
Die Wirtschaft?
Die Politiker?
Oder Wirtschaft und Politiker?


[...]

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  pingpong  meint:
22-11-2007, 09:40 Uhr

[...] Wenn Sie und Ihresgleichen nicht in den nächsten Jahren endlich ein Erweckungserlebnis haben, die Realität anerkennen und endlich Ihren Arsch hochbekommen, dann werden Sie alle noch erleben, was harte Arbeit bedeutet angesichts eines Konkurrenzkampfes mit fleissigen Nationen wie China, Indien oder den freien früheren Ostblockländern.
Die Menschen dort sind nicht dümmer als wir, aber dafür sind sie fleissiger, und sie wissen, dass man Wohlstand nur durch Lernen und Arbeit erreicht.

Die Kassen in Deutschland sind leer, und was meinen Sie wohl, was gutausgebildete und fleissige Bürger wie z.B. ich tun werden, wenn die Abgabenlast hierzulande von Jahr zu Jahr weiter steigt und wir arbeitenden Bürger uns noch von Arbeitsverweigerern wie Ihnen für unseren Fleiss beschimpfen lassen müssen?




Aus: "Empörung über Kritik an Sozialhilfe-Empfängern" (22. November 2007)
Quelle: http://www.welt.de/politik/article1387450/Empoerung_ueber_Kritik_an_Sozialhilfe-Empfaengern.html (http://www.welt.de/politik/article1387450/Empoerung_ueber_Kritik_an_Sozialhilfe-Empfaengern.html)


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Quote
[...] Ingolstadt - Gerade stand er noch im Rampenlicht der IAA in Frankfurt, jetzt testet ihn die frisch gekürte Kanzlerin: den Audi A8 Security. Gepanzert gegen Sprengstoff, Scharfschützengewehre und Handgranaten, könnte der schwere Junge in Zukunft Angela Merkel beschützen - wenn er den Test auf Herz und Nieren und Praktibilität im Kanzlerinnen-Alltag besteht. Zwei der rund ein Viertel Million Euro teuren Hochsicherheitswagen der Langversion hatte das Bundeskriminalamt (BKA) bei den Ingolstädtern zur Probe geordert.


Aus: "LUXUSPANZERLIMOUSINE: Merkel testet Audi A8 Security" Von Antje Blinda  (SPON, 23. November 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,387769,00.html (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,387769,00.html)

Title: [eine reiche und eine arme Bevölkerungsschicht... (Notiz, Brasilien)]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 24, 2007, 09:49:44 PM
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[...] Im vergangenen Jahr fielen rund 55.000 Brasilianer einem Tötungsdelikt zum Opfer - aktuellen Schätzungen zufolge starben damit in Brasilien einige Tausend Zivilisten mehr als in dem seit drei Jahren andauernden Irak-Krieg. Das lateinamerikanische Land mit rund 185 Millionen Einwohnern hat seit Jahren eine extrem hohe Mordrate und zerfällt stark in eine reiche und eine arme Bevölkerungsschicht. Millionen Menschen leben in städtischen Slum-Gebieten, in denen die Polizei wenig Einfluss hat und Waffen verbreitet sind.
 
Durch Initiativen zur Reduzierung der Gewalt konnte die Mordrate im vergangenen Jahr einem Vertreter des Justizministeriums zufolge leicht gesenkt werden. In Städten wie Rio de Janeiro gaben Bürger freiwillig Tausende Waffen ab. Eine Volksabstimmung zur Durchsetzung eines Waffenverbots scheiterte jedoch im vergangenen Jahr. Als einer der Gründe dafür wurde das fehlende Vertrauen in die Polizei genannt.


Aus: "Mordrate in Brasilien: Mehr Tote Zivilisten als im Irak" (26. September 2006)
Quelle: http://www.n-tv.de/714166.html (http://www.n-tv.de/714166.html)

Title: [Denn der Durchgang ist semipermeabel... (Notiz, BRD, DB AG, FAZ)]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 20, 2007, 12:24:00 PM
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[...] 19. Dezember 2007 Die Klassengesellschaft existiert noch, jedenfalls in der Bahn. Hier trennt das Bordrestaurant sorgsam die Erste von der Zweiten Klasse. Doch die egalitäre Gesellschaft drängt in die Welt der Ledersitze. Jedenfalls beim Aussteigen: In Kopfbahnhöfen wie Frankfurt, München oder Leipzig, in denen Züge mit der Ersten Klasse voraus einfahren, Reisende der Zweiten Klasse aber den Vorsprung der privilegierten Passagiere nicht hinnehmen wollen, schiebt sich regelmäßig ein Rudel von Rollkofferziehern nach vorne durch die bessere Gesellschaft - zu deren Ärger.

Die Bahn schreitet nun ein. Und dies, obwohl ihr sonst so ziemlich alles egal ist, was an Bord ihrer Züge passiert, von Sitzbelegungen mit Mänteln und Koffern bis hin zu lautesten Telefonaten. In diesem Fall aber mahnt die Bahn seit kurzem mit der Ansage: „Mit Rücksicht auf die Gäste der Ersten Klasse bitten wir Passagiere der Zweiten Klasse, nur die Ausgänge in der Zweiten Klasse zu benutzen.“ Klassentrennung also, wenngleich einseitig. Denn der Durchgang ist semipermeabel: Zwar werden selbst bei berstender Überladung die Zweite-Klasse-Passagiere aus den Gängen der Ersten Klasse verscheucht, doch niemand erhebt Protest, wenn ein Erstklässler mal nachsieht, wie es beim Volk so zugeht. Nicht so sehr erfreulich, um das mindeste zu sagen, und je voller, desto doller.

Eindrücke aus täglicher Bahnfahrt der vergangenen Wochen: Eine Geschäftsfrau beschwert sich beim Zugbegleiter in einem zu zwei Dritteln besetzten Zug, die Bahncomfortplätze seien wieder einmal unberechtigt belegt - sie weist auf eine Mutter mit kleinem Kind, die sie der Plätze verwiesen sehen will. Ein junger Mann reißt ein altes, nebeneinander sitzendes Ehepaar mit Hinweis auf seine Reservierung auseinander, den freien Sitz eine Reihe weiter will er nicht einnehmen, „aus Prinzip“.

Das Gerangel um die wenigen nichtreservierten Plätze, das mit dem Einsatz aller Mittel bereits am Bahnsteig beginnt, erreicht seinen Höhepunkt mit einem Mann, der einen Zugbegleiter beim Versuch, die Hebebühne für eine Rollstuhlfahrerin in Position zu bringen, zur Seite drängelt. Der Bahn scheint's egal. Oder ist sie der Wächter in einem soziologischen Experiment, an dem wir alle teilnehmen? Dann wäre auch das klar: Solange wir Volksfahrer uns so benehmen, gilt in Bezug auf die Erste Klasse wörtlich Exklusivität: Wir müssen leider draußenbleiben.



Aus: "Klassentrennung: Alles egal bei der Bahn" Von Tilmann Lahme (Text: F.A.Z., 20.12.2007, Nr. 296 / Seite 33)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub5A6DAB001EA2420BAC082C25414D2760/Doc~EB6647F188A6F4A949F1D19A3B6CD8A7C~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_feuilleton (http://www.faz.net/s/Rub5A6DAB001EA2420BAC082C25414D2760/Doc~EB6647F188A6F4A949F1D19A3B6CD8A7C~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_feuilleton)


Title: [Ein paar einsilbigen Eckdaten... (Notiz, BRD, Gesellschaftsbild)]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 10, 2008, 11:42:38 AM
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[...] Wo Bourdieu sich noch durchgängig leise angewidert davon zeigte, wie die sozial Schwachen von den sozial Starken Millimeter für Millimeter abgehängt und am Ende eben auch ästhetisch-körperlich zu einer quasi-aussätzigen Kaste gestempelt werden, gilt heute von Paul Nolte bis "Süddeutsche" der triumphierend-missbilligende Blick von oben auf die da unten. Es wird nicht länger nüchtern gezeigt, wie sich Milieus ökonomisch ausbilden und dann kulturell voneinander abgrenzen. Es wird vielmehr nur noch "gezeigt", wie die arbeitslosen Deppen selber daran schuld sind, wenn sie dick werden, krank und unglücklich.

[...] noch nie bin ich auf die Idee gekommen, dass bessere Esser auch bessere Menschen sein könnten, und niemals könnte ich mich den gerade modischen Denkschulen anschließen, die aus ein paar einsilbigen Eckdaten wie Schulabschluss, Essbudget und Body-Mass-Index gleich ein ganzes Menschen-, wo nicht Gesellschaftsbild zusammen rühren.

In diesem Sinne: Guten Appetit und gute Nacht!


Aus: "FICHTNERS TELLERGERICHT: Kampf dem Klassenmampf" Von ULLRICH FICHTNER ( 08. Februar 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,533874,00.html (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,533874,00.html)


Title: [Mit den neuen Realitäten möglichst nicht konfrontiert werden... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 24, 2008, 12:54:41 PM
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[...] Wer oder was ist dann aber überhaupt die „Elite“? Und was soll sie dürfen, wenn es sie denn gibt? „Elite ohne Moral“ titelt der aktuelle „Stern“ und zeigt den zurückgetretenen Post-Chef mit diabolischem Grinsen und ein paar Hundert-Euro-Scheinen in der Faust. „Wenn die Elite das Volk verrät“ hieß das Thema am Mittwochabend in der Talkshow „Hart, aber fair“ - bloß spulten SPD-Generalsekretär Hubertus Heil und Guido Westerwelle von der FDP bei dieser Gelegenheit doch nur wieder ihre Wahlprogramme herunter, während Ulrich Wickert den Werte-Onkel ohne Fehl und Tadel gab. Der Elite-Begriff jedoch bleibt auch weiterhin diffus - und gleichzeitig so brisant, dass vor allem Politiker die bürokratisch klingende, neutralere Worthülse „Leistungsträger“ bevorzugen. Ein gesellschaftlicher Konsens scheint allenfalls insofern zu bestehen, als diese als „Leistungsträger“ apostrophierten Wirtschaftsführer keine Steuern hinterziehen sollen und dass es schöner wäre, ihre Stiftungen verfolgten in Deutschland einen wohltätigen Zweck, anstatt in Liechtenstein als Schwarzgeld-Bunker zu dienen. Aber was wäre das wohl für eine Elite, die nicht von selbst weiß, was sich gehört?

[...] Es mag ja sogar sein, dass in Deutschland grundsätzlich der Pessimismus meist stärker ist als die Zuversicht und dass Ehrgeiz hierzulande gern als Strebertum verunglimpft wird. Aber wäre es nicht trotzdem ganz nett, wenn das von oben herab gern als „Neidgesellschaft“ diffamierte Fußvolk einmal aus dem Munde der sogenannten (beziehungsweise selbsternannten) Elite erführe, mit welchem Recht sie sich überhaupt in dieser Position sieht? Wenn etwa Hans Tietmeyer, ehemaliger Bundesbankpräsident und amtierender Präsident der „European Business School“ gewissermaßen pro domo verlangt, „wir müssen endlich den Begriff der Elite als Leistungselite verstehen und ihn so enttabuisieren“, wüsste man schon gern, ob sich aus dieser Enttabuisierung außer Rechten und Privilegien womöglich auch die eine oder andere Verpflichtung ableiten ließe. Und wenn ja, welche.

Als Julia Friedrichs am Dienstagabend während der Podiumsveranstaltung sagen sollte, welches denn nun ihr Wunschbild von „Elite“ sei, lautete ihre Antwort sinngemäß: Solange in Deutschland ohnehin jeder den Begriff so gebrauche, wie es ihm gerade in den Kram passen, sei es auch sinnlos, sich darüber Gedanken zu machen. Das kann man gut verstehen, und es stimmt nicht gerade zuversichtlich, dass jemand, der sich wie die Autorin mit großer Verve und viel Idealismus auf die Suche nach „Elite“ begeben hat, letztlich mit leeren Händen zurückgekehrt ist. Den zwei Plätze neben ihr sitzenden Eliten-Forscher Michael Hartmann dürfte das allerdings weniger verwundert haben: Einem Zuschauer, der von ihm wissen wollte, ob beispielsweise auch Umweltschützer oder Widerstandskämpfer zur Elite zu rechnen seien, wurde aus wissenschaftlicher Sicht beschieden: Im Wesentlichen zeichneten Eliten sich nur durch zwei Dinge aus, nämlich durch Macht und durch Geld; moralische Ansprüche seien folglich fehl am Platze.

In Deutschland sollten wir diese Lektion mittlerweile gelernt haben.


Aus: "Deutsche Elite: Von wegen Vorbild" Von Alexander Marguier (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24.02.2008, Nr. 8 / Seite 55)
Quelle: http://www.faz.net/s/RubCD175863466D41BB9A6A93D460B81174/Doc~ED1C13F4481CC49248EC0F2343A11D930~ATpl~Ecommon~Scontent.html (http://www.faz.net/s/RubCD175863466D41BB9A6A93D460B81174/Doc~ED1C13F4481CC49248EC0F2343A11D930~ATpl~Ecommon~Scontent.html)




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[...] Michael Hartmann (* 24. August 1952 in Paderborn) ist Professor für Soziologie mit den Schwerpunkten Eliteforschung, Managementsoziologie, Industrie- und Organisationssoziologie an der Technischen Universität Darmstadt. Er ist ein bekennender Sozialist.

In Paderborn besuchte er das Theodorianum und verließ es 1972 mit dem Abitur. Sein Studium von 1971 bis 1976 in Soziologie, Politikwissenschaft, Philosophie, Geschichte, Germanistik und Psychologie an den Universitäten in Marburg und Hannover schloss er mit dem M.A. ab. Im Jahre 1979 promovierte er in Hannover zum Dr. phil.

1983 habilitierte er sich in Soziologie an der Universität Osnabrück. Nach verschiedenen Gast- und Vertretungsprofessuren ist er seit 1999 Professor für Soziologie am Fachbereich Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften der Technische Universität Darmstadt.

Hartmann bezeichnet sich selbst als „Linker“. In seiner viel beachteten Studie Der Mythos von den Leistungseliten belegt er mit empirischen Daten, dass die so genannte Chancengleichheit beim Zugang zu Elitepositionen in der Bundesrepublik nicht existent ist. Er arbeitet den großen Einfluss heraus, den die soziale Herkunft bei der Besetzung solcher Position spielt. Er selbst setzt sich gegen Studiengebühren an deutschen Universitäten und die Förderung so genannter Eliteuniversitäten ein, da sie seiner Meinung nach nur zu einer Verschlechterung der Hochschullandschaft in Deutschland führen werden. Derzeit arbeitet er an einer Studie, welche sich mit der Frage nach den abschreckenden Wirkungen von Studiengebühren in den Vereinigten Staaten beschäftigt.

Michael Hartmann hat die Biografien von 6500 Doktoren in der Bundesrepublik Deutschland in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts untersucht, um herauszufinden, ob die soziale Herkunft bei Akademikern mit Doktortiteln relevant sei für den Aufstieg in die Elite. Sein Befund ist, dass die Wirtschaftselite (verstärkt seit Anfang der 90er Jahre) sich aus Abkömmlingen der Wirtschaftselite rekrutiere, dass Arbeiterkinder oder Frauen mit Doktortitel jedoch so gut wie keine Chance haben würden aufzusteigen. Eines zeigen die Bildungs- und Karriereverläufe von promovierten Personen ganz eindeutig: Die soziale Herkunft beeinflusst den Zugang zu Elitepositionen nicht nur indirekt über den Bildungserfolg, sondern auch ganz unmittelbar. Die vom funktionalistischen Mainstream der Eliteforschung vertretene Position, die Rekrutierung der Eliten erfolge vorrangig anhand der individuellen Leistung, hat sich nicht bestätigt.

[...]


Aus: "Michael Hartmann (Soziologe)" (02/2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Hartmann_(Soziologe) (http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Hartmann_(Soziologe))

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[...] mm.de: Herr Hartmann, Sie haben über Jahrzehnte hinweg die Lebensläufe und Einstellungen von Angestellten und Entscheidern untersucht. Wie kommt ein unbescholtener Manager wie Klaus Zumwinkel dazu - und mit ihm viele andere Wohlhabende -, in diesem Ausmaß Steuern zu hinterziehen?

Hartmann: Das entsteht aus einer Haltung, die sich über Generationen entwickelt hat. In den Chefetagen der Wirtschaft, gerade auch im Mittelstand, herrscht die Meinung vor, dass der Staat Unternehmertum systematisch behindert und hart erarbeitetes Eigentum durch seine Steuern raubt - das könne man sich nicht einfach gefallen lassen. Ganz selbstverständlich wird deshalb gegen gesetzliche Regeln verstoßen.

Der Fall Zumwinkel ist ja nicht der erste Beleg für dieses Phänomen. Denken Sie nur an die Durchsuchungsaktionen im Zusammenhang mit illegal nach Luxemburg transferierten Geldern oder die Batliner-Affäre in den neunziger Jahren. Die damals erwischten Leute sehen bis heute nicht ein, dass Sie Unrecht begangen haben könnten.

mm.de: Wie kann es sein, dass so gebildeten Menschen die Maßstäbe fehlen?

Hartmann: Sie bekommen das von Kindesbeinen an vermittelt. Schon wer in einer Familie von Selbstständigen aufwächst, kann an seinen Eltern beobachten, wie die kreative Vermischung von Geschäft und Privatem systematisch genutzt wird, um Steuern zu sparen.

[...]

mm.de: Der Steuerstaat wird nicht als Autorität anerkannt.

Hartmann: Richtig. Auch das haben diese Schichten verinnerlicht: Dass sie es sind, die die Regeln setzen, nicht die anderen, auch der Staat nicht.

mm.de: In der aufgeregten Debatte der vergangenen Tage weisen Experten darauf hin, dass die Summe, die die große Masse kleiner Steuerzahler unterschlägt, viel schwerer wiegt als die Hinterziehungssünden der Reichen.

Hartmann: Das ist falsch. Bei den oberen 10 Prozent der Bevölkerung - gemessen am Einkommen - bleiben etwa 80 Prozent der Einnahmen aus Vermögen unversteuert. Das zeigen Vergleiche der Steuereinnahmen mit Angaben über die Einkommen aus Vermögen. Sie dürfen nicht vergessen, dass hier die Einsparungsmöglichkeiten auch viel größer sind. Einem Angestellten wird die Steuer abgezogen, bevor das Gehalt überwiesen ist. Erst hinterher darf er seine Ansprüche belegen, wenn er einen Teil der Steuern zurückbekommen will. Bei Vermögenden ist es umgekehrt.

mm.de: Was läuft schief in Deutschland?

Hartmann: Es hat ein Mentalitätswandel stattgefunden. In den 60er Jahren war auch in der Bundesrepublik die Sicht noch relativ weit verbreitet, dass alle in der Gesellschaft ihren Teil am Wohlstand haben sollen und jeder seinen Beitrag dafür auch in Form von Steuern leisten muss. Eine Sicht, die bis heute in Schweden vorherrscht. Unter anderem mit der Konsequenz, dass der Spitzensteuersatz erheblich höher liegt und dass Steuererklärungen grundsätzlich öffentlich einsehbar sind.

Stellen Sie sich vor, da hätte ein Journalist in der Steuererklärung von Herrn Zumwinkel entdeckt, dass seine Vermögenserträge laut eigenen Angaben zeitweise unter dem Sparerfreibetrag lagen - das wäre auch ohne Geheimdienstermittlungen ein Skandal geworden. Das Risiko gehen in Schweden nur wenige ein. In Deutschland dagegen sind Steuererklärungen Staatsgeheimnisse.

mm.de: Welche Mentalität sehen Sie heute als verbreitet an?

Hartmann: Es hat sich die Sicht durchgesetzt, dass prinzipiell alles schiefgeht, wo der Staat seine Finger drin hat - privatwirtschaftliche Lösungen werden als ausschließliches Ideal dargestellt. Mit der IKB zum Beispiel hat sich eine staatliche Bank gehörig verspekuliert und das wird als Beispiel für öffentliche Misswirtschaft herangezogen. Privaten Großbanken wie UBS oder Merrill Lynch erging es aber genauso.

In Spanien hat die staatliche Bankenaufsicht private Banken sogar vor großen Dummheiten bewahrt. Einige Institute fragten an, ob sie außerbilanzielle Gesellschaften, etwa in Irland, einrichten dürften. Die Auflagen waren so unattraktiv, dass sie davon Abstand nahmen. Heute ist unter den Banken mit Abschreibungen auf Subprime-Ausfälle kein einziges spanisches Institut.

mm.de: Können sie sich vorstellen, dass die laufenden Steuerrazzien wie ein reinigendes Gewitter wirken? Wird die Elite tugendhafter?

Hartmann: Ich glaube nicht an eine Besserung der Moral. Der Fall Zumwinkel ist ja nur ein neuer Beleg für ein bekanntes Phänomen. Diese Form der Steuerhinterziehung gibt es seit Jahrzehnten im Stillen, immer wieder mal von Skandalen unterbrochen. Das Selbstverständnis der Steuersünder blieb davon unberührt.

[...]
mm.de: Wie wird sich das Verhältnis zwischen der Wirtschaftselite und dem Rest der Gesellschaft weiterentwickeln?

Hartmann: Historisch gesehen war es stets so, dass eine Gesellschaft die Privilegien ihrer Eliten beschneidet, wenn die zu weit gehen. Prominente Beispiele sind die Französische Revolution und - ohne Blutvergießen - der New Deal. Es lässt sich aber nicht vorhersagen, wann solch ein Punkt erreicht ist.

[...]

mm.de: Und in absehbarer Zeit?

Hartmann: Es könnte öffentliche Proteste geben, wie in Frankreich. Für sehr wahrscheinlich halte ich das derzeit nicht. Mittelfristig wird die Kriminalität zunehmen, aus der Kombination von Frust und sozialer Notlage heraus. Die Reichen berührt das aber wenig, weil sie sich weiter abkapseln.

[...]


Aus: "STEUERSKANDAL: Warum sich die Eliten dem Staat verweigern" Von Matthias Kaufmann (22.02.2008)
Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,537181-4,00.html (http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,537181-4,00.html)

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[...] Michael Hartmann unterrichtet Soziologie an der Technischen Hochschule in Darmstadt. Seine Studie "Der Mythos von den Leistungseliten" räumt gründlich mit der Vorstellung auf, wir lebten in einer Welt, in der die besten die besten Jobs bekämen. Die soziale Auslese, so macht Michael Hartmann klar, funktioniert nach anderen Gesetzen.

[...] Zur Elite gehören für Hartmann die Eigentümer oder die Topmanager der vierhundert größten deutschen Unternehmen, die Richter an den Bundesgerichten oder Spitzenpolitiker. Zur Elite im weiteren Sinne zählt Hartmann auch die Inhaber und Leiter von mittelständischen Firmen mit mindestens 20 Millionen Mark Umsatz, die Juristen vom Vizepräsidenten eines Landgerichts oder einem Richter am Oberlandesgericht an aufwärts sowie Politiker beginnend mit einfachen Bundestagsabgeordneten und Oberbürgermeistern von wichtigen Großstädten. Hartmann hat sich die Promotionsjahrgänge 1955, 1965, 1975 und 1985 aus den Ingenieur-, den Rechts- und den Wirtschaftswissenschaften angesehen und untersucht, wer davon in die von ihm definierten Elitepositionen gelangt ist. Dann hat er die Herkunft dieser Sieger untersucht und kam zu seinen niederschmetternden Ergebnissen. Hartmann macht klar, dass je stärker man das Bildungssystem öffnete, desto wichtiger andere Kriterien wurden. Das ist nicht in allen Bereichen mit gleicher Wucht geschehen. Aber man kann sagen, dass je wichtiger der Bereich ist, desto wichtiger werden die Kriterien, die weniger mit Bildung als mit sozialer Herkunft zu tun haben. Hartmann zitiert den Headhunter Eberhard Bremeier - "sein Vater war im Übrigen Vorstandsmitglied bei Siemens", merkt er lächelnd an -, der in einem Artikel in der Wirtschaftswoche vom 22. Februar 2001 feststellte: "Leistung ist kein Differenzierungsmerkmal der Elite mehr, wohl aber die soziale Herkunft."

Wenn man nicht begreift, dass jeder Versuch, denen, die die Macht haben, wenigstens ein Stück davon zu nehmen, nicht nur mit Gegenwehr, sondern auch mit raffinierten Anpassungstechniken an die neuen Gegebenheiten rechnen muss, dann hat man nicht die geringste Aussicht, ein Gemeinwesen so zu organisieren, dass es mit neuen Herausforderungen fertig wird. Alte Eliten verteidigen das Alte. Sie arbeiten daran, mit den neuen Realitäten möglichst nicht konfrontiert zu werden. Michael Hartmanns Buch öffnet uns dafür die Augen.


Aus: "Verlorene Illusionen" (Vom Nachttisch geräumt - Die Bücherkolumne. Von Arno Widmann, 30.06.2004.)
Michael Hartmann: "Der Mythos von den Leistungseliten - Spitzenkarrieren und soziale Herkunft in Wirtschaft, Politik, Justiz und Wissenschaft". Campus Verlag, Frankfurt/Main 2002, 208 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 3593371510.
Quelle: http://www.perlentaucher.de/artikel/1641.html#a2 (http://www.perlentaucher.de/artikel/1641.html#a2)

Title: [Der Begriffswechsel ist vermutlich Taktik... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 04, 2008, 12:34:37 PM
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[...] So habe sich der Anteil der Niedrigverdiener seit dem Jahr 2000 von 18,9 Prozent auf mehr als 25,4 Prozent erhöht. Der Anteil der Spitzenverdiener sei im selben Zeitraum von 18,8 auf 20,5 Prozent gestiegen. Insgesamt seien in den vergangenen sieben Jahren also fast fünf Millionen Deutsche aus der Mittelschicht in die Randzonen der Gesellschaft abgewandert.


Aus: "Millionen Deutsche ins Abseits gerutscht - DIW-Studie: Mittelschicht schrumpft drastisch" (04.03.2008)
Quelle: http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/21/0,3672,7165685,00.html (http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/21/0,3672,7165685,00.html)


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[...] m Landkreis Saalfeld-Rudolstadt waren Mitte letzten Jahres nach einer aktuellen Auswertung des DGB 794 Arbeitnehmer als Leiharbeiter beschäftigt. Damit hat sich allein in der Zeit von Juni 2003 bis Juni 2007 die Zahl der als Leiharbeiter Beschäftigten mehr als verdoppelt.

Insbesondere im konjunkturellen Aufschwung sei die Leiharbeit rasant gestiegen und ersetze in vielen Fällen reguläre Beschäftigung, heißt es in einer Mitteilung des DGB Ostthüringen. Während die Leiharbeit sich verdoppelt, ist die sozialversicherte Beschäftigung im gleichen Zeitraum sogar um zwei Prozent gesunken. In immer mehr Einsatzbetrieben stellen Leiharbeitskräfte ein Viertel bis ein Sechstel der Beschäftigten.

"Die Unternehmen wälzen damit die Risiken zunehmend auf die Beschäftigten und auf die Sozialversicherung ab , sagte Renate Licht, Vorsitzende der DGB-Region Ostthüringen.

Leiharbeit werde zunehmend missbraucht, um Menschen zu Niedriglöhnen deutlich unterhalb der Entgelte der Stammbelegschaften der Einsatzbetriebe zu beschäftigen. Jeder achte Leiharbeiter sei auf ergänzende Leistungen nach Hartz IV angewiesen. "Leiharbeiter leben oftmals in Angst vor Kündigung und müssen sich ständig auf neue Anforderungen in wechselnden Unternehmen einstellen; die gesundheitlichen Belastungen sind hoch, deswegen wird die niedrige Bezahlung erst recht als ungerecht angesehen , sagte Licht.

...


Aus: "Zahl der Leiharbeiter im Kreis hat sich verdoppelt" (OSTTHÜRINGER Zeitung, 03.03.2008)
Quelle: http://www.otz.de/otz/otz.saalfeld.volltext.php?kennung=on4otzLOKStaSaalfeld39509&zulieferer=otz&kategorie=LOK&rubrik=Stadt&region=Saalfeld&auftritt=OTZ&dbserver=1 (http://www.otz.de/otz/otz.saalfeld.volltext.php?kennung=on4otzLOKStaSaalfeld39509&zulieferer=otz&kategorie=LOK&rubrik=Stadt&region=Saalfeld&auftritt=OTZ&dbserver=1)



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[...] Grabka und Frick definieren die Mittelschicht ausschließlich mit dem kalten Blick der Ökonomen. Dazu gehört, wer genügend verdient - andere Kriterien wie Bildung, sozialer Status oder Herkunft zählen nicht. Im Jahr 2000 gehörten 62 Prozent der Deutschen dazu, inzwischen sind es nur noch 54. Spiegelbildlich dazu ist der Anteil der Deutschen mit extrem niedrigen oder extrem hohen Einkommen gestiegen.

Was Länder wie die USA oder Großbritannien in den achtziger und neunziger Jahren erlebten, hat nun auch Deutschland erfasst. Die Mittelschicht erodiert - und das in einem atemberaubenden Tempo.

Statistiker haben schon lange darauf hingewiesen, dass der Graben zwischen Arm und Reich auch in Deutschland immer tiefer wird. Doch bislang konnten die Experten stets eine beruhigende Erkenntnis hinterherschieben: In der Mitte sei die soziale Lage weitgehend stabil. Die neuen Zahlen der Berliner Wirtschaftsforscher belegen, dass diese Einschätzung überholt ist.

[...] Nüchtern konstatieren die Verteilungsforscher eine "Zunahme der Einkommensungleichheit".

[...] Der Mainzer Sozialforscher Stefan Hradil spricht von der "Angst, die die Bürotürme hinaufkriecht".


Aus: "UNGLEICHHEIT: Deutschlands Mitte schrumpft dramatisch - Top-Verdiener legen zu" Von Michael Sauga und Benjamin Triebe (03. März 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,539083,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,539083,00.html)

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[...] In der heutigen Gesellschaft Deutschlands ist eine klare Trennung in drei „Lebenswelten“ besonders hinsichtlich der Sorge von Eltern um die Ausbildung ihrer Kinder zu betrachten: Unterschicht, Mittelschicht und Oberschicht. Eltern der Mittelschicht versuchen, ihre Kinder von Kindern der Unterschicht fernzuhalten. Abgrenzbar ist die Unterschicht von der sehr breiten Mittelschicht im Wesentlichen dadurch, das sich die Eltern in der unteren Schicht kaum um die schulischen Belange ihrer Kinder kümmern oder kümmern können. Es handelt sich hier um etwa 5% der in einer Studie erfassten Eltern. Noch schärfer, als die Trennung zwischen Mittelschicht und Unterschicht ist die Trennung zwischen Mittelschicht und Oberschicht. Diese Trennung ist weitgehend unüberwindbar. Kinder, die in die Oberschicht eingeordnet werden können, erfahren eine von materiellen Beschränkungen weitgehend lösgelöste Förderung durch ihre Eltern, Helfer und private Schulen.


http://de.wikipedia.org/wiki/Klassengesellschaft (http://de.wikipedia.org/wiki/Klassengesellschaft) (30. Dezember 2007)

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[...] weil es allerorten viel Verständnis gibt für Gier: Die Verbraucher jagen hinter Schnäppchen her, die Anleger hinter den fettesten Renditen, die Reichsten hinter der nächsten Million.

[Der frühere Daimler-Chef Edzard Reuter] Manche propagieren ja Gier als etwas Gutes. Damit werden sie schuld an einer ganz schlimmen Entwicklung, die eine große Gefahr für unsere gesamte Gesellschaft nach sich ziehen kann. Es zeichnet sich nämlich jetzt schon etwas ab, was wir in der ganzen Nachkriegszeit nicht hatten: Das klaftertiefe Auseinanderbrechen unserer Gesellschaft mit dem Entstehen einer dauerhaft armen Unterschicht. Vor diesem Hintergrund ist es durch nichts zu rechtfertigen, materielle Gier zu einem positiven Maßstab zu erheben.

[...] Mehr als vier Fünftel der Kinder aus Akademikerfamilien besuchen eine Hochschule, aber weniger als ein Fünftel der Kinder aus Arbeiterfamilien. Verfestigt sich die Klassengesellschaft?

[Edzard Reuter:] Auf die Dauer wird das auf keinen Fall so bleiben dürfen. Das immense Kreativpotenzial, das in allen Schichten vorhanden ist, brauchen wir für die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft. Um dieses Potenzial nicht zu vergeuden, benötigen wir ein modernes und leistungsfähiges Bildungssystem. Ohne ausreichendes, qualifiziertes Lehrpersonal ist das nicht machbar. Das kostet Geld - und nicht zuletzt dafür brauchen wir die Steuern.

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Zur Person: KINDHEIT IN ANKARA: Edzard Reuter war sieben Jahre alt, als seine sozialdemokratischen Eltern 1935 vor den Nazis fliehen mussten. Sein Vater, Berlins späterer Bürgermeister Ernst Reuter, war in Ankara Professor. 1946 kam Edzard zurück. CHEF IN STUTTGART: Reuter leitete von 1987 bis 1995 die Daimler-Benz AG. Sein Nachfolger Schrempp gab dem "shareholder value" den Aktionärsinteressen, erste Priorität Reuter hat dies stets kritisiert [...] Edzard Reuter wurde vor 80 Jahren in Berlin geboren [...]


Aus: "Interview - Reuter: "Wir müssen unseren Mist auskehren" (Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 24.02.2008)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/div/Edzard-Reuter;art771,2482643 (http://www.tagesspiegel.de/politik/div/Edzard-Reuter;art771,2482643)

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[...] Die Harvardpläne sind Teil groß angelegter Bemühungen amerikanischer Eliteuniversitäten dem Eindruck entgegenzutreten, ein Studium sei selbst für wohlhabende Familien nur noch schwer zu finanzieren. So planen auch Elite-Unis wie Duke, Columbia, Yale und Princeton ähnliche Stipendien- und Darlehensprogramme, Yale sogar für Studenten aus Familien bis zu 200 000 Dollar Familien-Einkommen.

Dies alles geschieht vor dem Hintergrund einer intensiven Debatte über dramatisch steigende Studienkosten. Rechnet man Unterkunft und Verpflegung hinzu, fallen an staatlichen Universitäten heute bereits fast 13 000 Dollar an, bei privaten Colleges und Universitäten sind es rund 30 000 – fast ein Drittel mehr als noch vor zehn Jahren. Das hat Folgen. Obwohl die Studierendenquote steigt, ist die soziale Kluft bei der Hochschulbildung heute größer als noch vor 30 Jahren. So errechnete die Washingtoner Nichtregierungsorganisation Education Trust, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind aus niedrigen Einkommensverhältnissen mit 24 Jahren über einen Bachelor-Abschluss verfügt, mit neun Prozent achtmal niedriger ist als bei Kindern aus wohlhabenden Familien (75 Prozent). Die hohen Kosten beeinflussen in den USA Bildungsentscheidungen, und längst wird nicht mehr nur die Frage, wo, sondern auch was und wie studiert wird nach monetären Gesichtspunkten entschieden. Denn nicht nur die Uni, auch Forschungsprojekte, unbezahlte Praktika und Auslandssemester kosten Geld. „Diese Spaltungen gefährden unsere Demokratie und die Gesundheit unserer Volkswirtschaft“, so der Education Trust.

Angesichts stagnierender Reallöhne und einer seit Jahren über der Inflationsrate liegenden Steigerungsrate bei den Bildungskosten hat diese Disparität nun auch die Mittelschichten erreicht – eine Entwicklung, auf die Harvard und Co. jetzt reagieren. Wobei deren Motivlage mit dem Verweis auf das Gemeinwohl und die Zukunftsfähigkeit des Landes sicherlich unzureichend beschrieben wäre. Denn auch die Politik denkt darüber nach, aktiv zu werden und sich künftig genauer anzusehen, wofür die mittlerweile 76 US-Colleges und Universitäten mit einem Kapital von über einer Milliarden Dollar ihr Geld ausgeben.

So gibt es Überlegungen im Kongress, Universitäten zu verpflichten, für die finanzielle Unterstützung ihrer Studenten einen festgeschriebenen Anteil ihres Stiftungskapitals auszugeben. Das ist im Falle Harvards beträchtlich: Mit 35 Milliarden Dollar ist sie die reichste Universität weltweit.



Aus: "Universitäten: Elite für die Mittelschicht" (Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 26.02.2008)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/magazin/wissen/;art304,2483573 (http://www.tagesspiegel.de/magazin/wissen/;art304,2483573)

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[...] [Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) ]: Unser Problem ist, dass seit Jahren große Teile der Mittelschichten mit dem Möbelwagen abstimmen und wegziehen. Das betrifft nicht nur junge Familien. Aber ihr Wegzug ist besonders schmerzlich, denn mit ihnen verlassen nicht nur Möbel den Bezirk, sondern soziale Kompetenz. Wir sind attraktiv für junge Menschen, für Künstler und Studenten - bis sie eine Familie gründen. Dann ziehen die Ersten weg. Manche bleiben noch, weil sie eine gute Kita um die Ecke oder an ihrem Arbeitsplatz haben. Mit der Einschulung aber kommt der Aderlass. Viele haben einfach Angst, dass ihre Kinder nicht die Förderung bekommen, die sie sich wünschen. Das betrifft übrigens an allererster Stelle die bildungsorientierten Migranten. Sie telefonieren die Schulen ab und erkundigen sich nach dem Ausländeranteil. Aber auch "Taz"-Leser und Grünen-Wähler kehren Neukölln den Rücken oder melden ihre Kinder bei der Oma in Wilmersdorf an. [...] Fest steht, dass in den Grundschulen in Neukölln-Nord nur noch vermindert Kinder aus bildungsorientierten Haushalten ankommen. Ich habe oft Besuch von Schulklassen. Es ist ein Unterschied, ob sie aus Rudow oder aus Neukölln-Nord kommen. Man kann mit denen ganz anders reden. Es gibt da diesen alten Witz: Kinder lernen nicht durch die Schule, sondern trotz der Schule. Schule baut nur auf dem Fundament des Elternhauses auf.

[...] Weite Teile von Politik und Gesellschaft verweigern nach wie vor die Erkenntnis, dass wir zumindest in den Städten wieder ein Schichtenproblem haben wie zu Beginn der Industrialisierung. In Deutschland bildet sich deutlich eine neue Klassengesellschaft heraus: Die einen beherrschen nicht mal die Grundrechenarten, die anderen werden zur geistigen Elite und fühlen sich auch so.




Aus: " "Ihr da oben, wir hier unten" " (27. Februar 2008)
Quelle: http://www.welt.de/welt_print/article1729042/Ihr_da_oben_wir_hier_unten.html (http://www.welt.de/welt_print/article1729042/Ihr_da_oben_wir_hier_unten.html)

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[...] Diese Sorge um das Kindeswohl schlägt sich nieder in einem enormen Drang, den eigenen Nachwuchs von "Schmuddelkindern" - allen aus einer niedrigen Schicht - fernzuhalten. "Spätestens bei den eigenen Kindern hört die Toleranz auf", heißt es in der Untersuchung. Zwei Trennlinien prägen laut Sinus diese Klassengesellschaft: Ein Fünftel der Eltern sei total überfordert und lasse die Erziehung laufen. Diese passiven Eltern stammten aus den Milieus am unteren Rand. Die große Mehrheit scheue dagegen weder Kosten noch Mühe, um das Beste für die Kinder herauszuholen.

Zudem trenne ein tiefer Graben die bürgerliche Mitte von denen an der Spitze. Erstere suchten, Anschluss zu halten mit vielfältigen Anstrengungen, ihren Kindern etwa durch Nachhilfe oder Musikschule neue Perspektiven zu eröffnen. Doch die am oberen Rand der Gesellschaft bewahrten "bewusst die Distanz", so dass sich über die Milieus hinweg kaum Freundschaften bildeten.


Aus: "Umfrage: Bloß kein Schmuddelkind" VON MARKUS SIEVERS (27.02.2008)
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?sid=4a93a10241119863e58c94922899c757&em_cnt=1295317 (http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?sid=4a93a10241119863e58c94922899c757&em_cnt=1295317)

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[...] Unisono wird etwa gegen Studiengebühren mit dem Argument protestiert, diese würden die Kinder bildungsferner Herkunft vom Studium abhalten. Preisendörfer nennt dieses Argument scheinheilig, denn in Wirklichkeit würden die BifS-Kinder, wie er den Nachwuchs von Fabrikarbeitern, kleinen Angestellten, Putz- und Hausfrauen nennt, frühzeitig und ganz ohne finanzielle Hürden vom Gymnasium ferngehalten. Konkrete Maßnahmen für die erste Hälfte der Gesellschaft, wie etwa eine bessere Förderung im Vorschulbereich, existierten bislang kaum. Stattdessen, so Preisendörfer, sei der Protest etwa der Studierenden, die sich nach wie vor in der Mehrzahl aus Bürgerkindern zusammensetzen, von »diffusen Absturzängsten« geprägt. Aus der Unterschichtenperspektive stelle sich »kühl die Frage, warum es schlimmer sein soll, wenn es den anderen nicht mehr gut, als wenn es einem selbst seit jeher schlecht geht«.

Preisendörfers Angriff auf das Selbstverständnis des studierenden Bürgernachwuchses provoziert. Wie kann jemand das bürgerliche Bildungsideal verteidigen, indem er gegen die zunehmende Gewinn-Verlust-Orientierung der Hochschulen Stellung bezieht oder die Einführung des Elterngeldes als »Antwort des Staates auf die bizarre Benachteiligungsbehauptung seiner Akademiker« kritisieren, aber gleichzeitig nicht einstimmen in den Chor derer, die Studiengebühren als schlimmstes Übel des Neoliberalismus brandmarken?

Um das zu erklären, braucht es den Blick zurück in das Westdeutschland vor 1968. Zu der Zeit, als Bruno Preisendörfer eingeschult wurde, wurde die Trennung in ein Oben und ein Unten von niemandem ernsthaft in Frage gestellt: Wer Elite war, war das mit Recht, das galt als ausgemacht. Wessen Vater in der Fabrik malochte, schuftete selbst später in der Fabrik. »Schuster, bleib bei Deinem Leisten!« war ein geflügelter Spruch in der Adenauerzeit. Die 68er Rebellion der Bürgerkinder machte Schluss damit; ihre Befreiung sollte auch die der Arbeiterkinder vom Joch der Unbildung sein.

Doch dazu kam es nicht, die Öffnung der Hochschulen in den 1970ern geschah halbherzig, und viele Reformen wurden auf Druck des konservativen Bürgertums wieder rückgängig gemacht. Was blieb war der Selbstbetrug des konservativen wie des liberalen Bürgertums, durch die Bildungsreformen in der Ära der Kanzlerschaft Willy Brandts sei es tatsächlich zum Abbau der Bildungsschranken gekommen: Den Konservativen gingen selbst die Minireformen zu weit, das liberale Bürgertum hielt Gesamtschule, Bafög, Hochschulrahmengesetz und Abschaffung des Büchergeldes schon für die Abschaffung der Ständegesellschaft. Mit der formalen Öffnung des Bildungssystems aber entstand eine neue, unsichtbare Hürde. Wer die nicht übersprang, war stärker noch stigmatisiert als in der alten Klassengesellschaft. Jene ließ den Aufstieg gar nicht zu, die Nach-68er-Gesellschaft aber lockte damit. Die, die den Aufstieg nicht schafften, waren also doppelt bestraft: Gescheitert am möglichen Bildungsaufstieg und belegt mit dem vorwurfsvollen Blick des Volksschullehrers, der wahlweise die Tragöde kommen sah oder darüber enttäuscht war, dass seine Hoffnung, ein Arbeiterkind aus der Bildungsunmündigkeit zu führen, sich als vergebens erwies.

Wenn man wie Preisendörfer als Arbeiterkind die Ochsentour durchs deutsche Bildungssystem hinter sich hat und mit dem Gefühl leben lernen musste, dass alle Anstrengung möglicherweise zu wenig, schlimmstenfalls umsonst sein konnte, während der Sohn des Dorfarztes, die Tochter des Apothekers, die Kinder des Kleiderfabrikanten mühelos alle Hürden des Schulsystems übersprangen, schult das eine gewisse Skepsis gegenüber dem bürgerlichen Versprechen auf Gleichheit. Wer sich nach oben lesen und lernen musste, hat einen sicheren Instinkt dafür entwickelt, den Bürgerkindern zu misstrauen, wenn diese voller Pathos Chancengleichheit einfordern. »Solange man an der Uni ist, schiebt man die ›Arbeiterkinder‹ vor, die nicht mehr studieren könnten, wenn die Mittelschichtkinder Studiengebühren bezahlen«, schreibt Preisendörfer. Nach dem Studium aber, wenn die ersten Stufen der Karriereleiter erklommen sind, »wehrt man die Diskussion um Selbstkostenbeteiligung damit ab, dass Lebensgestaltung und -entfaltung durch einen ›Schuldenberg‹ erdrückt werde.« Menschen mit hoher Bildung bräuchten die Unterstützung des Staates, hieße es dann.

Preisendörfer trifft hier den Kern des Selbstbetrugs des Nach-68er-Bürgertums, und es ist sicherlich kein Zufall, dass er mit seiner Kritik fast allein auf weiter Flur steht. Das wiederum hat viel mit denen zu tun, die in der Öffentlichkeit tonangebend sind: Politiker, Journalisten, Talkshowprominenz. Welcher dieser Alpha-Tierchen würde schon freiwillig zugeben, dass seine Kinder ein Abo aufs Abitur haben? Das macht keiner gerne. Geklagt wird erst dann, wenn die Politik Hand an das Allerheiligste des Bürgertums legt: ans deutsche Gymnasium. Der Sturm, der nach der jüngsten öffentlichen Attacke des TV-Talkers Reinhold Beckmann aufs achtjährige Gymnasium aufbrauste, hat sich noch immer nicht gelegt – und er findet in den Medien deutlich mehr emotionalen Widerhall als sämtliche Analysen über die Benachteiligung der Unterschichten im Bildungssystem zusammen.

Bildungsbürgerkinder ertragen notfalls auch nicht ganz so gute Schulnoten, weil sie dennoch wissen, dass für die Karriere anderes zählt: Habitus, kulturelles Wissen, Herkunft eben. Nachzulesen ist das in dem bereits acht Jahre alten Buch »Generation Golf« des früheren FAZ-Redakteurs und Publizisten Florian Illies. Mit einer gehörigen Portion Chuzpe verallgemeinert Illies, Spross des Leiters eines Max-Planck-Instituts in der osthessischen Provinz, eigene Erlebnisse und Erfahrungen zur Geschichte aller zwischen 1965 und 1975 in der BRD Geborenen. Ganz so, als ob es zwischen dem Bürgerkind aus Ost-hessen, dem Arbeitersohn aus Offenbach oder der Tochter des türkischen Schichtarbeiters bei Opel in Rüsselsheim keine Unterschiede gäbe. Seine ehemalige Grundschullehrerin, die Kinderbuchautorin Gudrun Pausewang, bemerkte über ihren ehemaligen Schüler Illies einmal, man merke seinem Schreiben an, dass er als Kind ein privilegiertes Leben geführt habe. Und Illies ist bis heute in diesem privilegierten Leben geblieben. Schule und Universität sind in seinem Buch Randnotizen, läppische Pflichtübungen für die spätere Kür nach dem Uni-Abschluss. Mit welcher Durchschnittsnote das Abitur bestanden wurde, ist zweitrangig.

Für Preisendörfer aber wäre eine solche Gleichgültigkeit der eigenen Leistung gegenüber undenkbar. Schließlich musste er sich schon mit der »Schmach« abfinden, nach kaufmännischer Lehre nicht in Bayern, sondern im benachbarten Hessen seine Hochschulreife erworben zu haben. Den Bayern gilt noch heute das hessische Abitur als zweitklassig, dem konservativen Bildungseifer Roland Kochs zum Trotz. Mit ironischer Distanz schildert Preisendörfer, wie stolz er dennoch war, zumindest auf der traditionsreichen »Hohen Landesschule« (HoLa) in Hanau sein Abi-tur gemacht zu haben. Immerhin wahrte er durch den Besuch dieses Elite-Gymnasiums den Abstand zu den beim Bürgertum wie bei der aufstrebenden Mittelschicht verschmähten Gesamtschulen. Dass er zusätzlich erwähnt, die Schule mit dem Notendurchschnitt 1,7 abgeschlossen zu haben, ist typisch für Bildungsaufsteiger, die vor sich und der Welt diesen Erfolg permanent rechtfertigen müssen: Der ausgezeichnete Schulabschluss dient als Eintrittskarte ins Bildungsbürgertum.

Mit dem Eintritt in dieses neue Leben wird das alte Milieu aber hinter sich gelassen. Der Preis, den Arbeiterkinder dafür zahlen müssen, ist hoch: »Während ich in der Grundschule noch meist zum Klassensprecher gewählt wurde und viele Freunde hatte, war das zumindest zu Beginn meiner Gymnasialzeit völlig anders. Plötzlich galt mein durch ›Fleiß und Ordentlichkeit‹ erarbeiteter schulischer Erfolg als Strebertum«, beschrieb ein Bildungsaufsteiger in einem Internetforum, in dem rege über Preisendörfers Thesen diskutiert wurde, seine Erfahrungen. Auch das ist eine Form der Benachteiligung: Während das Akademikerkind zeitlebens im vertrauten Umfeld bleibt, verstärkt sich für das Arbeiterkind mit der Zeit noch das Gefühl der Fremdheit.

[...] Preisendörfers und meine Geschichte sind längst nicht Vergangenheit; sie spielen sich dort und in vielen ähnlichen Regionen in Deutschland noch heute hunderttausendfach ab und die Zahl derer, die sich durch selbst erkämpfte Zufälle auf den Weg machen, ist immer noch verschwindend gering. Dabei spielt nicht nur der Geldbeutel der Eltern eine Rolle: Die durchaus gutsituierten Handwerker und Facharbeiter können noch so viel Geld für die Nachhilfe ihres Nachwuchses ausgeben – auf dem Gymnasium wird dieser sich trotzdem nur in Ausnahmefällen halten. Bildung ist eben nicht für alle da!


Aus: "Wir Arbeiterkinder - Bruno Preisendörfers Abrechnung mit dem Bildungsprivileg des Bürgertums" Von Jürgen Amendt (15.02.2008)
Quelle: http://www.neues-deutschland.de/artikel/124019.html (http://www.neues-deutschland.de/artikel/124019.html)

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[...] Bei „Big Brother“ treffen Menschen aufeinander, die keine Vergangenheit miteinander teilen. Man lernt sich frisch kennen, entwickelt Sympathie aber auch Antipathie. Diese lässt sich kaum noch im Zaum halten, wenn man es selbst schlecht hat, weil die verhasste Person etwas vermurkst hat. Und durch die Zwei-Klassen-Gesellschaft, die mit dem Reich der „Reichen“ und dem der „Armen“ geschaffen wurden, wird auch fleißig Neid geschürt. Klar, ich würde auch lieber bei den Reichen im Pool hocken und Champagner schlürfen, statt bei den Armen Angst haben zu müssen, dass der Schimmel auf meine Haut überspringt. Ganz zu schweigen von dem Intimbereich schlechthin, der Toilette! Ich würde mich nicht wundern, wenn da einer einen Rekord im Nicht-Pipi-Machen aufstellt.

Rekordverdächtig ist auch der „Big Brother“-Liebesschnack. So packte Bianca gleich aus, dass sie sich schon auf den nächsten neuen Bewohner freut, um dann mit ihm kuscheln zu können. Dazu kam es aber nicht mehr. Bestach Bianca anfangs noch durch ihre offene und ehrliche Art, der Prototyp der „Berliner Schnauze“, entwickelte sie sich zunehmend zur Nörglerin, der alles und jeder gegen den Strich geht. Allzu offen zeigte sie, dass sie mit sich und der Welt nicht im Reinen ist. Sie konnte sich wunderbar darüber aufregen, dass Tänzerin Isi mit Hairman Hassan ein gemeinsames Bad genoss. Damit war sie nicht allein, denn auch Naddel kochte vor Eifersucht, wenngleich sie noch nicht wirklich hat durchblicken lassen, ob sie nun ihren Freund außerhalb der Kölner Hausmauern behalten oder auf Hassan umschwenken will. Ein Hin und Her das ebenso vertrackt und kompliziert ist, wie der unstete Versuch der Beiden, sich Kosenamen zu geben. So schwammig die Zwei mit ihrer Zuneigung umgehen, klarer bezieht Hausdrache Bianca Position, die in ihrem Verhalten Naddel gegenüber zeigt, dass ihr die Eigenschaft Neid ganz und gar nicht fremd ist.


Aus: " Natalie Langers Big-Brother-Kolumne" - Die ehemalige Big-Brother-Teilnehmerin Natalie Langer schreibt exklusiv für das Medienmagazin TVmatrix eine monatliche Kolumne über das Geschehen bei Big Brother (Samstag, 09.02.2008 - 09.30 Uhr)
Quelle: http://www.tvmatrix.net/?newsid=9128 (http://www.tvmatrix.net/?newsid=9128)

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[...] Während also insgesamt knapp zwei Milliarden Euro für Sonderprogramme den gekürten „Eliten“ sowie Einzelprojekten auch an anderen Hochschulen zur Verfügung gestellt werden, bröckelt zugleich die universitäre Basis von morgen. Deutschland bleibt damit weit davon entfernt, bei höheren Bildungsabschlüssen an vergleichbare Länder anzuschließen.

Im Gegenteil: Seit der Aufhebung des Studiengebührenverbots durch das Bundesverfassungs- gericht im Jahre 2005 brachen die Studienanfängerzahlen im gesamten Bundesgebiet ein. Während zum Wintersemester 2005/2006 mehr als 356.000 Studienanfänger gezählt wurden, waren es ein Jahr später lediglich 295.000, ein Rückgang um 17 Prozent. Obgleich die Anzahl der Hochschulzugangsberechtigten stieg, öffnet sich auch die Schere zwischen Studienberechtigten und Studienanfängern: Zum Wintersemester 2006/2007 nahmen nur 60 Prozent der Schulabgänger mit Studienberechtigung ein Studium auf, zwei Jahre zuvor waren es noch 79,2 Prozent.[2] Es ist zu erwarten, dass diese nun auch stärker auf den Ausbildungsmarkt drängen und so Real- und Hauptschüler noch geringere Aussichten auf Ausbildungsplätze haben werden. Hinzu kommt, dass diese auch zunehmend von den Bachelor-Absolventen verdrängt werden dürften.

Nun sind drohende oder bereits erhobene Gebühren nicht der einzige Grund, warum Schulabgänger nicht studieren. Doch sie verstärken die schon in der Schule praktizierte soziale Selektion: Überdurchschnittlich häufig verhindern (drohende) Studiengebühren sowie die Angst vor Bafög-Darlehensschulden die Aufnahme eines Studiums gerade bei Kindern nichtakademischer Eltern. Ein Problem, das sich Kindern aus besser situierten Häusern gar nicht stellt. Nicht nur, dass sie sich die bis zu 500 Euro pro Semester oft problemlos leisten können, auch starten sie nach dem Studium ohne Schulden in das Berufsleben.

[...] Hierzulande [ ] sorgt das dreigliedrige Schulsystem nach wie vor dafür, mit früher Auslese die Klassengesellschaft zu erhalten: Kein vergleichbares Land sortiert Kinder schon so früh in bestimmte Schulen und weist ihnen damit bereits im Alter von zehn Jahren zu, ob sie vermeintlich das Abitur schaffen werden oder nicht. Denn einmal aufgegliedert, ist zwar ein Abstieg jederzeit möglich, der Aufstieg von der Hauptschule zum Gymnasium kommt jedoch kaum vor.

[...] Und dabei ist es regelmäßig nicht die individuelle Leistung, die darüber entscheidet, welche Empfehlung die Schule nach der vierten Klasse ausspricht, sondern diese hängt maßgeblich vom sozialen Status der Eltern ab. Inzwischen haben diverse Studien nachgewiesen, dass bei gleicher intellektueller Leistung die Chance für ein Kind aus bildungsfernem Elternhaus, eine Gymnasialempfehlung zu erhalten, wesentlich geringer ausfällt als für ein Kind aus der bildungsnahen Mittelschicht. [6]

Bereits im Grundschulalter unterscheiden sich auch die Bildungswünsche der Kinder selbst eklatant: Insgesamt wünschen sich 40 Prozent der Schüler einen Gymnasialabschluss; dabei benennen Kinder aus der „Unterschicht“ dieses Ziel nur zu 20 Prozent, während Kinder aus der „Oberschicht“ zu 81 Prozent wünschen, das Abitur zu machen. Das angestrebte Bildungsziel unterscheidet sich im Übrigen von der Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit: Aus der Oberschicht sind es mit 74 Prozent weniger und aus der Unterschicht mit 28 Prozent mehr Kinder, die sich als gute bis sehr gute Schüler einschätzen, im Vergleich zu jenen, die ein Abitur anstreben. [7] Während folglich Kinder aus bildungsfernen Schichten selbst bei intellektuellem Vermögen oft nicht davon ausgehen, einmal das Abitur zu machen, zweifeln Kinder gutsituierter akademischer Eltern selbst bei mangelnder Leistungsfähigkeit nicht daran, dass sie es ihren Eltern einmal gleichtun werden.

[...] Bereits 1947 hatte der alliierte Kontrollrat über die deutsche Schule geurteilt: „Der Aufbau des deutschen Schulsystems betont den Klassengeist. Schon im Alter von 10 Jahren sieht sich das Kind eingruppiert oder klassifiziert durch Faktoren, auf die es keinen Einfluss hat, wobei die Einstufung fast unvermeidlich seine Stellung für das ganze Leben bestimmt. Diese Haltung hat bei einer kleinen Gruppe eine überlegene Haltung und bei der Mehrzahl der Deutschen ein Minderwertigkeitsgefühl entwickelt, das jene Unterwürfigkeit und jenen Mangel an Selbstbestimmung möglich machte, auf dem das autoritäre Führerprinzip gedieh.“ [8]

[...] Der Darmstädter Soziologe Michael Hartmann hat jüngst eindringlich gezeigt, wie sich die bundesdeutsche Elite weiterhin und – das ist das Erschreckende – seit einigen Jahren wieder verstärkt aus sich selbst reproduziert. Ganz offenbar hat sie kein Interesse daran, die Konkurrenz für die eigenen Kinder durch eine durchlässigere Bildungspolitik in Schulen und Hochschulen zu erhöhen. [9]

Es ist also nicht sehr erstaunlich, dass der nach jeder Pisa-Studie aufkommenden medialen Empörung über die Ungerechtigkeiten des bundesdeutschen Bildungssystems kaum nachhaltige Politikentscheidungen folgen. So bleibt es bis auf weiteres dabei, dass Kinder aufgrund ihrer sozialen Voraussetzungen mit ungleichen Chancen in ihre Bildungskarriere starten und die Gesellschaft sich kaum mehr um einen Ausgleich kümmert.

Vielmehr sorgen nicht zuletzt die jüngeren Sozialreformen für eine weitere Verschärfung: So sieht der Hartz-IV Regelsatz beispielsweise 2,72 Euro pro Tag für die Verpflegung von Kindern vor. Das Schulessen kostet, sofern es überhaupt eine Kantine gibt, jedoch oft bereits zwei Euro. Da wundert es nicht, dass heute viele Kinder hungrig dem Unterricht folgen. Und während Kinder aus gutsituiertem Hause sich auch in ihrer Freizeit musikalisch, sportlich oder auf andere Weise bilden, bleibt dies Kindern aus armen Elternhäusern oft versagt. Und wenn pauschal im Jahr lediglich 9,10 Euro für Spielzeug zur Verfügung stehen, dann liegt auf der Hand, dass selbst der Wunsch nach einer Kinderzeitschrift, einem Comic-Heft oder dem neuesten Harry-Potter-Band kaum zu erfüllen ist. Das ist umso dramatischer, als gerade die Möglichkeit zum und die Lust am Lesen großen Einfluss auf den Bildungserfolg hat: „Jedenfalls korreliert nichts so eng mit guten Pisa-Werten wie die Lesefreude und die Menge von Lesestoff im Haushalt.“ [10]

Wenn Bücher in Familien nicht zur Verfügung stehen, sei es aus finanziellen Gründen oder auch aus elterlichem Desinteresse, dann muss die Gesellschaft ein umso größeres Interesse daran haben, diesen Mangel zu kompensieren – schon um den steigenden Bedarf an gut ausgebildeten Absolventen zu decken. Daher müssen die Schulen in die Lage versetzt werden, dafür zu sorgen, dass alle Kinder bereits ab der ersten Klasse eine Bibliothek kennenund zu nutzen lernen. Und die Kommunen müssen die Möglichkeit behalten, flächendeckend Bibliotheken oder in ländlichen Räumen, Bibliotheksbusse zu unterhalten.

So sehr sich der Forschungsstandort Deutschland über die neuen Eliteunis freuen mag, er sollte nicht aus den Augen verlieren, dass die Grundlage für erfolgreiche Forscherinnen und Forscher in der Kinderzeit gelegt wird. Deshalb kann man nicht früh genug damit beginnen, alle Kinder in ihrem Lerneifer zu unterstützen und zu fördern. Dafür jedoch bräuchten auch die Schulen und Kindergärten endlich ein immerwährendes Exzellenz-Programm. (CH)




Aus: "Elitäre Exzellenz: Das deutsche Schulsystem betont den Klassengeist" Von Annett Mängel (Online-Flyer Nr. 132  vom 06.02.2008) / Annett Mängel ist Redakteurin der „Blätter für deutsche und Internationale Politik“, in deren Dezemberausgabe dieser Beitrag erschien.
Quelle: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=12058 (http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=12058)

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[...] Vor einiger Zeit kam es im Literarischen Colloquium am Berliner Wannsee zu einem semantischen Konflikt. Dort las der Autor Clemens Meyer aus seinem vielgelobten Roman „Als wir träumten“, in dem es um eine Clique gestrauchelter Jugendlicher im Leipzig der Nachwendezeit geht. Der Moderator des Abends nannte diese Jungen beharrlich Angehörige der „Unterschicht“.

Dem Autor, dessen ganzer tätowierter Habitus zeigte, daß ihm die von ihm beschriebenen Verhältnisse nicht fremd sind, gefiel das gar nicht. Er verbat sich das Wort mehrfach, was den Literaturredakteur überhaupt nicht davon abhielt, es wieder zu sagen. Man ging verstimmt auseinander.

Der Schriftsteller Clemens Meyer ist offensichtlich kein Jünger der neuesten Mode in der Distinktionsterminologie. Das Wort „Unterschicht“ gebraucht mittlerweile sogar der knochenbiedere SPD-Vorsitzende Kurt Beck, um jene so gut wie verlorenen Menschen zu beschreiben, die ohne jeden Aufstiegswillen in den letzten Resten des sozialen Netzes hängen. Das ist für einen SPD-Vorsitzenden genauso revolutionär wie die Tatsache, daß sich Gerhard Schröder einst im Brioni-Mantel fotografieren ließ. Denn nachdem der Ausdruck „Subproletariat“ zusammen mit dem Marxismus im Alt-Ideologie-Container gelandet war, redete man in der SPD eigentlich nur noch von den „sozial Schwachen“.

Der Begriffswechsel ist jetzt vermutlich Taktik, und es ist bestimmt kein Zufall, daß er just in jenem Moment kommt, wo sich gefrustete „bürgerliche“ Wähler von der CDU abwenden und man bei den Sozialdemokraten plötzlich sogar wieder von rot-gelben Koalitionen träumen darf. Genau wie der damalige Kanzler mit seinem Auftritt als Model macht auch Beck mit seinem semantischen Tabubruch ein Identifikationsangebot an die Mittelschicht. Jener meinte: Seht her, ich trage eure Klamotten! Dieser meint: Hört her, ich spreche eure Sprache!

Denn von diesen Kreisen wird das Wort „Unterschicht“ seit ein oder zwei Jahren geradezu inflationär gebraucht, um all jene zu benennen, von denen sie sich in ihrer Abstiegsfurcht abgrenzen wollen. Das „Unterschicht“-Sagen ist die Kehrseite des Bürgerlichkeits-Geschwätzes: Unterschicht sind immer die anderen. Die, mit denen man nicht in einen Topf geworfen werden möchte, obwohl man sich doch in jenem Punkt gar nicht so sehr von ihnen unterscheidet, der noch bei Marx allein die Klassen definierte: der eigenen ökonomischen Situation.

Das neuerdings so genannte „Prekariat“ aus Postgraduierten ohne Festanstellung, Endlospraktikanten oder freischaffenden Kreativen hat ja oft genug kaum ein größeres Einkommen als die Hartz-IV-Empfänger. Also muß man den gesellschaftlichen Rangunterschied anders definieren. Deshalb hat die Wiederkehr der Bildung als Wert auch nicht nur mit dem realen Pisa-Schock zu tun, sondern mit solchen panischen Distinktionsbedürfnissen. Die so genannten „bildungsfernen Schichten“ sind da bloß ein anderes Wort für die Unterschicht. Denn „variatio delectat - Abwechslung erfreut“ gilt auch für den Stil des vulgärsoziologischen Geredes.

Die Wiederkehr des Wortes „Unterschicht“ ist das größte Comeback seit Lazarus. Anhand der worthistorischen Datenbank „Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jahrhunderts“, die von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften betrieben wird, kann man belegen, daß der Begriff von den siebziger bis in die neunziger Jahre eigentlich nur noch im Plural „die Unterschichten“ verwendet wurde. Und bezogen wurde er fast ausschließlich auf Vergangenes und Fremdes: entweder in historischen Texten oder, um die Situation in den Vereinigten Staaten zu beschreiben. Für das Deutschland der Gegenwart bot der spätmarxistische Achtundsechziger-Jargon scheinbar wissenschaftlichere und differenziertere Analysebegriffe. Obendrein ähnelten die Bundesrepublik und die DDR einander auch darin, daß bei ihnen die Existenz einer Unterschicht schlicht als tabu galt, weil sonst das gesellschaftliche Erfolgsmodell in Frage gestellt worden wäre. Es gab im Westen höchstens „Sozialfälle“ - schon der Terminus hebt hervor, daß man diese Menschen nur als Einzelphänomene betrachten wollte.

Die Unterschicht besteht nach Nolte aus der „Fürsorgeklasse“ und den Arbeitern, die den Aufstieg in relative materielle Sicherheit und zu einem Bildungsminimum nicht geschafft haben. Weil die Trennlinie zwischen Arbeit und Nichtarbeit sich heute schwerer ziehen läßt, werden die Grenzen zwischen dieser Klasse und dem Kleinbürgertum oder dem unteren Mittelstand in wachsendem Maße kulturell statt ökonomisch definiert: Mehr durch die berühmten „feinen Unterschiede“ in Kleidung, Geschmack, Lebensstil, Konsum und Ernährung, die der Soziologe Pierre Bourdieu zuerst anhand der Gesellschaft in Frankreich beschrieben hatte, als durch das Einkommen.

Vorbereitet worden war die Erkenntnis, daß es eine solche bisher ignorierte Klasse in der Bundesrepublik gab, durch die Karriere des aus Amerika stammenden Begriffs „White Trash“ seit Mitte der neunziger Jahre. Dessen Import war ein erster Hinweis darauf, daß es eine Benennungslücke, einen blinden Fleck der sozialen Wahrnehmung gab. Auch in der Kunst war die „neue Armseligkeit“ längst dargestellt. In Frank Castorfs Inszenierung „Hauptmanns Weber“ litten 1997 die ausgepowerten Textilarbeiter längst keine lebensbedrohliche Not mehr. Stattdessen mutierten sie zu Prolls zwischen Ballermann und Tittytainment, die in der einschlägigen Schrottmode mit Leopardenrock und Cowboystiefeln gekleidet waren. Ein großer Theatermoment war der Monolog des Schmieds Wittig, der sich beim minutenlangen gemütlichen Räsonieren über die Schlechtigkeit der Welt zuletzt in ausländerfeindliches Gefasel hineinsteigert, das Oskar Lafontaines „Fremdarbeiter“-Polemik um Jahre vorwegnahm, nur um dann erschrocken festzustellen: „Was rede ich denn da? Ich bin doch in der SPD! Und das schon seit über hundert Jahren.“

Als Nolte sich entschied, die begriffliche Lücke durch die Wiederbelebung des Wortes „Unterschicht“ zu schließen, konnte er auch auf Vorarbeiten des großen Gesellschaftsanalytikers Harald Schmidt zurückgreifen. Der Fernsehentertainer hatte schon vor seinem Wechsel von der ARD zu Sat 1 den Privatkanal als „Unterschichtensender“ bezeichnet, und er hörte auch nicht damit auf, als er dort sein Geld verdiente. Schmidt hat wahrscheinlich mehr als jeder andere zur Renaissance des Wortes beigetragen, Nolte hat den Unterschicht-Begriff nur wissenschaftlich schärfer definiert und ihn damit endgültig in nicht-ironischer Kommunikation wieder satisfaktionsfähig gemacht. Eigentlich verfolgte er damit ehrenwerte volksaufklärerische Ziele.

Doch die prekären Neo-Bürger, die „Unterschicht“ zum Modewort gemacht haben, hegen selten hehre Absichten. Sie folgen eher einer schlichten Abgrenzungslogik: Je häufiger ich Unterschicht sage, desto klarer wird hoffentlich, daß ich nicht dazu gehöre. Man kann fast alles, was der Mittelstand unternimmt, interpretieren als einen Versuch, Distanz zu schaffen: „Retro“, „Vintage“ oder Manufactum sind Fluchtgebiete vor den bonbonfarbenen Plastikmoden der Billigkultur. Im Ökosupermarkt einzukaufen bedeutet, nicht mit Türken und Alkoholikern in der Schlange zu stehen. In rauchfreien vegetarischen Restaurants begegnet man garantiert keinen Unterschichtlern. Autofreies Wohnen heißt: prollfreies Wohnen. Und wenn das nicht hilft, wird bestimmt irgendeiner auf den Trick kommen, fernsehfreies Wohnen zu propagieren.

In diesem Klassenkampf hat der Begriff „Unterschicht“ immer eine latent rassistische Komponente: Man sagt „Unterschichtler“ und meint oft eigentlich „Kanake“. Rassenfrage und Klassenfrage sind ohnehin nicht zu trennen. Am offensten tritt das im englischen Begriff „White Trash“ zutage: Das Attribut besagt ja, daß der Trash normalerweise dunkelhäutig sein sollte. Sogar in den Gegensatz zwischen Ost und West, den schon Nolte zu Recht als Klassenfrage interpretiert sehen wollte, mischt sich rassistischer Dünkel: Der NPD-wählende Mob im mecklenbrandenburgischen Hinterwald scheint aus der Sicht des westdeutschen linksliberalen und gebildeten Mittelstands manchmal tatsächlich einer anderen biologischen Spezies anzugehören.

Ob Kurt Beck ahnt, auf welches verminte Begriffsgelände er sich begibt, wenn er das gefährlich schillernde Wort „Unterschicht“ ins sozialdemokratische Vokabular aufnimmt? Wohl eher nicht. Er hat diejenigen, die er damit meint, bloß als ideale Objekte seines neuen „mitfühlenden Konservativismus“ entdeckt. Damit zielt er auf Sympathiegewinne bei den sich neuerdings wieder gerne bürgerlich nennenden Noltisten, denen die sogenannten „bürgerlichen“ Parteien zu kalt und zu verantwortungslos sind - und im Falle der CDU wohl auch einfach zu wischiwaschi. Und durch die schroffe Wortwahl kann er gleichzeitig auf stille Sympathie bei denjenigen hoffen, deren Mitgefühl nicht annähernd so stark ausgeprägt ist wie ihre Angst. Nur die Unterschichtler - einst klassische Adressaten der SPD-Wahlpropaganda - redet Beck damit nicht an. Denn die mögen es überhaupt nicht, „Unterschichtler“ genannt zu werden.


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Besser anständige Unterschicht als Proleten-Mittelschicht
Jan Plaß (yoann), 16. Oktober 2006 09:32

Am schlimmsten sind doch Mittelschicht Proleten, die mit ihrem Geld nichts gescheites anfangen können. Von denen sollte man sich abgrenzen und sich dem anständigen Bettler zuwenden.

Schichtdebatten sind doch etwas feines, da kann jeder ordentlich draufhauen;-)

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Malocher in die Schlussredaktion
Andreas Jensen (andreasj), 16. Oktober 2006 09:56

Der Text persifliert unfreiwillig eine selbsternannte intellektuelle Oberschicht. Dies konnte passieren, weil der Schreiber sich dieser Schicht zugehörig wähnt und es nach außen signalisieren möchte. Vielleicht sollte man jemanden in die Redaktion setzen, der ein humanistisches Gymnasium höchstens während dort zu verrichtender Maurerarbeiten von innen gesehen hat.
Der könnte die Texte hinsichtlich übertriebener Länge, Ichbezogenheit und Beliebigkeit gegenlesen.


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Vegetarische Restaurants
Martin Rudiger (Prince_Cosmopol), 16. Oktober 2006

Vegetarische Restaurants dienen vor allem dazu, sich von jenen abzugrenzen, für die der Verzehr von toten Tieren immer noch Essens"kultur" bedeutet. Mit wilden Gedankensprüngen aus der Küchensoziologie kommen wir da vielleicht nicht weiter.

Mit unbedachten und überflüssigen Einwürfen kann man den besten Artikel in die Zweitklassigkeit hinabziehen. Und davon wollen wir uns ja abgrenzen, oder nicht?



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Einwurf zum "White Trash"
Marco Vogt (MarcoVogt), 16. Oktober 2006

Herr Heine schreibt: "Am offensten tritt das im englischen Begriff „White Trash“ zutage: Das Attribut besagt ja, daß der Trash normalerweise dunkelhäutig sein sollte. "

Nein, genau das sagt es nicht. Der Begriff des "White Trashs" wurde in den USA von Afro-Amerikanern geprägt, die sich bewußt von dieser Gruppe abgrenzen wollten.

Es ist richtig, dass der Begriff einen rassistischen Hintergrund hat, doch ist dieser genau invers zu dem, den der Autor unterstellt: Nicht die "Weißen" prägten ihn um auszudrücken, dass der Trash normalerweise "schwarz" sei, sondern die "Schwarzen" prägten ihn, um sich von den "Weissen" abzugrenzen. Hierzu verwendeten sie ein rassistisches Bild.

Der Begriff des "White Trashs" wurde Mitte des 19. Jahrhunderts geprägt.

Man könnte lange diskutieren, allerdings wird es nichts ander Existenz dieser Schichten ändern.


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Verkannt
gisbert heimes (gisbert4), 16. Oktober 2006

haben einige Kommentare offenbar den 'richtigen' Ansatz des Beitrags. Der Autor will sich m. E. keinesfalls über die 'Unterschichten' erheben. Allerdings, herabsteigen will er auch nicht zu ihnen ;-)

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Aus: "Klassengesellschaft: Das Proll-Problem" Von Matthias Heine (Datum [2006]?)
Quelle: http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E615ED5574AF946759FBE4B17A0B959E9~ATpl~Ecommon~Scontent.html (http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E615ED5574AF946759FBE4B17A0B959E9~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

Title: [Vorstandschef und Durchschnittsarbeiter... (Notiz, Finanzsystem)]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 11, 2008, 04:50:06 PM
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[...] 1980 verdienten Vorstandschef 40-mal so viel wie ein Durchschnittsarbeiter", sagte Waxman. "Heute bekommen sie 600-mal so viel." Zehn Prozent aller US-Konzerngewinne fließen inzwischen allein den CEOs zu - selbst wenn sie ihre Unternehmen ins Unheil stürzten.


Aus: "US-BANKMANAGER: Wie sich die Milliarden-Vernichter rausreden" Von Marc Pitzke, New York
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,540463,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,540463,00.html)

Title: [Mit dem Geld wolle er "Eliten fördern"... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 19, 2008, 11:37:17 AM
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[...] Die Universität Karlsruhe hatte am Montag 200 Mio. Euro von SAP-Gründer Hans-Werner Hector und seiner Frau Josefine erhalten. Mit dem Geld wolle er "Eliten fördern", sagte Hector.



Aus: "Neues Gesetz für 200-Millionen-Euro-Spende" von Antonia Götsch (18.03.2008)
Quelle: http://www.ftd.de/forschung_bildung/bildung/:Neues%20Gesetz%20Millionen%20Euro%20Spende/332675.html (http://www.ftd.de/forschung_bildung/bildung/:Neues%20Gesetz%20Millionen%20Euro%20Spende/332675.html)


Title: [Bisher nicht sehr transparent... (Julia Friedrichs, Elite)]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 29, 2008, 10:12:35 AM
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[...] SPIEGEL ONLINE: Deutschland braucht Eliten - was haben Sie gegen diesen Satz einzuwenden?

Julia Friedrichs: Nachdem ich dem Begriff ein Jahr lang hinterher gefahren bin, finde ich ihn sehr unpräzise. Er kann alles meinen. Dass Deutschland sich darum kümmern muss, die besonders Talentierten zu fördern, dass diejenigen das Sagen haben, die schon immer das Sagen hatten - oder dass sich gute Chancen durch Geld erkaufen lassen. In Deutschland werden Menschen gebraucht, die Ideen haben, die auch mal quer denken und Sachen in Frage stellen. Ich bezweifle, dass diese Leute sich selbst zur Elite zählen würden. Und umgekehrt glaube ich, dass diejenigen, die sich Elite nennen, das Land nicht unbedingt voranbringen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben eine Reihe von privaten Elite-Unis besucht. Was ist falsch daran, dort zu studieren?

Friedrichs: Überhaupt nichts. Dort gibt es viel bessere Lernbedingungen als an staatlichen Einrichtungen. Aber die Plätze werden nicht nur nach Leistung vergeben, sondern es geht auch immer ums Geld. Daher bewerben sich relativ wenig Leute. 10.000 Euro Gebühren im Jahr - das kann sich eben kaum jemand leisten.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrem Buch stellen Sie die Frage, wie man Elite wird. Welche Antworten haben Sie gefunden?

Friedrichs: Wenn man Elite damit gleichsetzt, dass jemand Karriere macht, glaube ich, dass viele, die ich getroffen habe, es schaffen können. Bei meiner Reise habe ich Institutionen besucht, die sagen: "Wir formen Elite." Da bekommen die Schüler und Studenten bessere Chancen, mehr Aufmerksamkeit, später mehr Geld. Und Elite heißt, man hat schon früh die richtigen Netzwerke. Wenn jemand von außen versucht, in diese Zirkel hineinzukommen, muss er sich viel mehr anstrengen und braucht Glück.

[...]

SPIEGEL ONLINE: Sie haben in Dortmund Journalistik studiert. Dafür braucht man einen Notenschnitt von 1,1 oder besser - auch Sie gehören also zu einer Elite ...

Friedrichs: Nein. Elite macht nur dann Sinn, wenn man davon ausgeht, dass ein Mensch einen gewissen Einfluss und eine gewisse Macht hat. Es wird zwar probiert, den Begriff zu entschärfen, indem man sagt, dass alle Talentierten und besonders Guten zur Elite gehören. Aber dann fallen schnell 30 oder 40 Prozent der Gesellschaft darunter. Und gerade das sagt der Begriff ja nicht. Zur Elite gehört nur eine ganz kleine Gruppe. Eliteforscher zählen etwa 4000 Leute im Land dazu, Richter, Politiker und Wirtschaftsbosse - also aus Leuten, die die Regeln aufstellen, nach denen wir leben.


[...]

SPIEGEL ONLINE: Bei Ihrer Recherche haben Sie immer wieder Menschen getroffen, die andere in Gewinner und Verlierer einteilen. Haben auch die Studenten an den Elite-Unis so gedacht?

Friedrichs: Den Studenten wurde in Workshops immer wieder vermittelt, dass das Leben ein Wettkampf ist und man zusehen muss, zu den Gewinnern zu gehören. Ein Top-Manager meinte: "Wer 40 Stunden pro Woche arbeitet, ist Minderleister. Ihr müsst Höchstleister sein." Unter den Studenten war dieses Denken weniger verbreitet. Sie haben immer noch versucht, die anderen mitzunehmen. Allerdings glaubten viele, dass man sich nicht genügend angestrengt hat, wenn man es nicht schafft. Und für Bummelstudenten an staatlichen Unis hatte kaum jemand Verständnis. Viele waren hart zu sich selbst - und erwarteten das auch von anderen.

[...]

SPIEGEL ONLINE: Bei Ihren Recherchen haben Sie einen Iraner getroffen, der dank eines Stipendiums auf einer Elite-Uni gelandet ist. Warum ist dieser Weg okay?

Friedrichs: Der Iraner war der einzige, der auf einer Elite-Uni war und das in Frage gestellt hat. Das hat mich überrascht. Denn er war jemand, bei dem ich verstanden habe, dass man sagt: "Er ist Elite." Er hat sich ganz nach oben gekämpft, die anderen nicht nur eingeholt, sondern sogar überholt. Doch gerade dieser Mann hatte die größten Probleme damit, sich zur Elite zu zählen. Er hatte das Gefühl, dass dieser Begriff benutzt wird, um sich von anderen abzugrenzen.

SPIEGEL ONLINE: Was genau wollen Sie mit Ihrem Buch erreichen?

Friedrichs: Ich fände es gut, wenn man den Satz "Wir brauchen Eliten" nicht so unreflektiert benutzen, sondern sich fragen würde: Was soll das eigentlich bedeuten? Und welche Konsequenzen hat es, wenn wir bestimmte Leute fördern, ihnen mehr Chancen geben, mehr Rechte einräumen? Wollen wir das? Wenn ja - nach welchen Kriterien wählen wir diese Leute aus? Das sollte diskutiert und gemeinsam festgelegt werden. Ich habe das Gefühl, dass das Verfahren bisher nicht sehr transparent ist.




Aus: ""Wer 40 Stunden in der Woche arbeitet, ist Minderleister"" Das Interview führte Katrin Schmiedekampf (28. März 2008)

Quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,539862,00.html (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,539862,00.html)



Title: [Tatsächlich wächst die Rendite wie auch die Unterschicht... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 31, 2008, 01:34:31 PM
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[...] Tatsächlich wächst heute beides gleichzeitig, sowohl die Rendite wie auch die Unterschicht. Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung belegt, dass auch die bislang stabile Mittelschicht in atemberaubendem Tempo in einer Richtung wegbricht: nach unten. Die bürgerliche Mitte, bislang der ökonomisch und politisch zuverlässigste Stützpfeiler der Republik, wankt, und selbst der Spiegel, dem es mit der rot-grünen »Steuerverschenkungspolitik« (Franz Walter) gar nicht schnell genug gehen konnte, ist von der »Abwärtsmobilität« alarmiert: »Millionen rutschen ab.«

Bekanntlich beschweren sich konservative wie neuliberale Intellektuelle gern darüber, das linke Gift von Gleichheit und Gerechtigkeit lähme kreative Energien und werfe Deutschland im Standort-Roulette auf hintere Plätze zurück. Das war schon immer ein Gerücht, nun ist es eine Falschmeldung. In Wirklichkeit wird die soziale Bruchlinie tiefer und die »Armut im Überfluss« größer. Jeden kann es treffen. Die Schere zwischen denen, die »drinnen«, und denen, die »draußen« sind, geht zuverlässig auseinander. Die Nettolöhne sanken in den vergangenen drei Jahren um 3,5 Prozent, während die Unternehmensgewinne in der jüngsten Aufschwungphase um 25 Prozent anzogen. Allein im vergangenen Jahr stiegen die Gehälter der Topmanager um durchschnittlich 20 Prozent. All das lässt den Eindruck entstehen, in Deutschland laufe etwas dramatisch aus dem Ruder: Eine wachsende Klasse von Selbstbereicherern kommt in den Genuss flächendeckender Steuersenkungen und bildet eine risikoarme Parallelgesellschaft mit eigenen Kindergärten, eigenen Schulen und eigenen Universitäten. »Ganz unten« dagegen, bei den Chancenlosen, klingelt der Vollzugsbeamte und schnüffelt an der Matratze, ob der Hartz-IV-Empfänger eine rechtlich anstößige Bedarfsgemeinschaft mit einer staatsfinanzierten Leidensgenossin unterhält.

[...]

Quote
Zaphod Beeblebrox. 30.03.2008 um 11:35


Zu Recht...

...hat man beim manager magazin Angst vor brennenden Barrikaden.
Denn der soziale Frieden ist in Deutschland schwer gestört. Es
verdichtet sich die Erkenntnis, dass eine soziale Durchlässigkeit nicht
gegeben ist, dass wer arm ist, es normalerweise auch bleibt. Dass
dieses Land von Eliten beherrscht wird, die sich zurück in den
Ständestaat wünschen, wo "jeder seinen Platz kennt".
Eigentlich Ironie des Schicksals, dass nach der grossen
Legitimationskrise des Kommunismus nun der Kapitalismus dieser Krise
entgegensteuert.
Es wäre schön, wenn sich die Erkenntnis durchsetzte, dass nur eine
Teilhabe auch am wirtschaftlichen Geschehen den Frieden in unserem Land
sichert.
Sonst gehen wir alle, auch die mit BMW-Roadstern als Zweitwagen, sehr
interessanten Zeiten entgegen, um es mal "chinesisch" auszudrücken...



Quote
Sammy Senkbley, 30.03.2008 um 12:41


Pathos kapitalistischer Verheißungen?

[...] Reichtum und Privilegien werden in dieser Gesellschaft überwiegend als private Früchte genommen und konsumiert. Die dabei auftretenden Glücksgefühle setzen kaum noch Hoffnungen, Entwürfe oder Projekte in Gang, die über die individuelle Sphäre hinausgehen.

Nicht der pathetische Überschuß ist in diesem Falle das Problem, sondern die Amputation des Humanum um eben diese Dimension des Pathos - ohne die das Menschsein insgesamt ein wenig dürftiger und flacher ausfällt.

Sammy Senkbley



Quote
Berliner, 30.03.2008 um 12:57

Wieso hält sich eigentlich der Aberglaube,

Kapitalismus hätte den (freien) Wettbewerb zum Ziel? Dann hieße es doch "Competitionismus"?


[...] "Doch wer sagt eigentlich, dass westliche Demokratien auf diese neue Herausforderung genauso reagieren werden wie bei der Systemkonkurrenz mit dem Kommunismus? Wer sagt, dass sie auf die Freiheit setzen, um dem autoritären Ausbeutungskapitalismus Paroli zu bieten?"

Allende würde im Grabe rotieren, könnte er diesen Unsinn lesen! Wer baute denn auf Diktatoren wie Pinocet, Schah von Persien, Franco, Marcos, Mobuto, Süd Afrikas Apartheit, griechische und türkische Militärdiktaturen -- um nur wenige Terrorregimes zu nennen? Nicht "Freiheit" war das Ziel des Westens, sondern, "Hauptsache der Hurensohn ist unser Hurensohn".

"Wie sehr die Ökonomie eine autonome, politisch kaum zu steuernde Macht geworden ist; wie sehr sie sich dabei von der Gesellschaft entkoppelt und verselbstständigt hat," Wann wird Ihnen, Herr Assheuer, endlich klar, das es sich bei dem hier geschilderten Phänomen um ein politisches Ziel handelt? Dem demokratischen Teil einer westlich geformten Gesellschaft wird die autoritäre Kommandowirtschaft gegenüber gestellt, die im Zweifelsfall das Primat hat.

Diktator Blatter und seine FIFA sind ein augenfälliges Beispiel, wie sich (freie) ökonomische Systeme im Idealfall organisieren. Nämlich wie die Mafia. An deren Casinos wird deutlich, daß ein freier Unternehmer nichts mehr haßt, als Verluste und den Zufall. Dafür werden die Spieltische manipuliert und glückliche Gewinner eleminiert.

Um beim Bild zu bleiben, entspricht Lobbyismus, Korruption, das Kaufen von Politikern und Gesetzen der Manipulation des Spielgerätes. Die Beseitigung der Konkurrenz geschieht gerne durch Monopolbildung, Dumping, Totklagen wegen Verletzung von Patenten, Geistigen Eigentum etc. In Steueroasen -- also Schurkenstaaten, die vom Regelverstoß profitieren -- wird die Beute in Sicherheit gebracht. Letztendlich verläuft die Front zwischen Freiheitlicher Demokratie und Autoritärem System INNERHALB jedes westlichen Staates [...]


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Anachronist, 30.03.2008 um 13:06

Das Traurige ist...

...der Haufen armseeliger BeckPofallaGysiWesterwelles, der uns regiert und dem ich ums Verrecken nicht zutraue auch nur einen Schritt zu unternehmen, der irgendetwas an den Problemen ändert. Unsere Sachzwangsverwalter sind im Begriff lächelnd den Untergang zu moderieren, um dann zu verkünden mehr wäre halt nicht drin gewesen, man habe gute Arbeit geleistet.

Ich erschrecke selbst davor, wie groß der innere Abstand zwischen mir und dem politischen System des Landes, in dem ich lebe, geworden ist. Die große Koalition ist nicht meine Regierung, die Gründen, FDP und die Linken nicht meine Opposition. Nichtwählen wäre die einzige Wahl, die meinen Gedanken und Überzeugungen gerecht würde.

In dieser Situation freut es mich an so prominenter Stelle in der Zeit lesen zu können: "die Bürger stellen die Systemfrage". Ja genau, das tun sie. Und hoffentlich erarbeiten wir uns bald eine Antwort. Und hoffentlich wird das Problem in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten und Jahren öfter von unseren Medien thematisiert. Es ist dringend nötig. Dringend!


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iDog, 30.03.2008 um 13:18

hat die ZEIT angst vor der eigenen courage ?

ein reisserischer titel wohl aber ein noch besserer artikel.

erstaunlich, dass er nicht mal 12 stunden auf der index seite der ZEIT online ueberlebt, dort nicht kommentierbar war, und sogleich im untermenubereich verschwindet unter KULTUR ???? ist das zu starker tobak fuer die werbekundschaft oder fuer das konservative publikum, das sich sowieso schon angstgelaehmt an die sesellehne klammert ? schade also , dass dieser artikel , der all die thematischen turbulenzen und stimmungen der letzten wochen hier in der zeit zu den aufeinandertreffenden umstaenden der sogenannten "groessten wirtschaftskrise seit..." und einigen anderen begebenheiten wie karl marx 125. todestag, die grundgesetztdebatten um innere sicherheit, gesellschfts- bzw kapitalismuskritig ausgehend von verschiedensten sozialen themenbereichen  etc. so hervorragend zusammenfasst und auf den punkt bringt so sang und klanglos im orkus der archive zu versinken droht. hat die ZEIT angst vor der eigenen courage ? ... oder werden solche inhalte mit kuenstlerisch wertvoller bebilderung aus angst vor etweigen folgen von der redaktion selbst als tabubruch gesehen oder noch schlimmer lediglich als kulturteil schmankerl zur glosse entwertet ?sie machen mich ratlos sehr geehrte redaktion - endlich spricht mal ein koenner gelassen aus, was viele laien, ihre leser- und kundschaft, hier in den foren thematisieren, und sie machen nichts daraus, sondern ersetzen diesen brillianten inhalt mit dem ueblichen, altbekannte noinfotainment ueber sich mit dreck beschmeissende praesidentschftkandidaten.chance vertan - keinen mut gehabt - falsche entscheidung getroffen - seuftz . ihrem herr assheuer alledings meine hochachtung fuer diesen artikel. danke.


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klier, 30.03.2008 um 13:38

Auf den Punkt gebracht

Thomas Assheuer hat in klaren Worten die drohende Gefahr beschrieben: nicht eine liberale Revolution wird unserer Demokratie  den Garaus machen, sondern eher ein Putsch der Oligarchen, die unser offene Gesellschaft als Hemmschuh ihrer Expansionswut betrachten. Das Biotop des Turbokapitalismus braucht die offene Gesellschaft am allerwenigsten. Die Beispiele von China, Russland  bis Saudi Arabien geben all jenen recht, die für ein Ende der Gewaltenteilung eintreten und dafür eine Verschmelzung von Staat und Konzernen fordern. Das dumme Volk soll arbeiten, kaufen und gefälligst das Maul halten. So regiert sich's am Schönsten. Ob diese Rechnung wirklich aufgeht, hängt jedoch von der Stärke des zivilen Ungehorsams ab, den die Bürger leisten wollen.

Heinz Klier, Dubai


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fkuebler, 30.03.2008 um 16:15


Die Gutmensch-Lemminge in der bundesrepublikanischen Lufthoheit

Ich weiss nicht, ob ich lachen oder weinen soll, wenn ich jetzt die Sturmtruppen der modisch linksgewirkten Gutmensch-Lemminge die elektronischen Stammtische stürmen und vom eigenen Narzissmus besoffen die Weltbeklagungsparolen krakeelen sehe...

[...] wie soll eine Gesellschaftsform florieren, in der ein dumpf informations-unwilliger oder unfähiger Prekariatsangehöriger genau das gleiche Stimmrecht hat wie der gesellschaftlich gebildete und zur verantwortungsvollen Abwägung befähigte Soziologe oder Politologe?

[...] Evolution bedeutet Vielfalt, den "Kampf" oder - gelinder ausgedrückt - Wettbewerb der Individuen und Gattungen. In der Demokratie und/oder Marktwirtschaft bedeutet das Pluralismus. Nur wenn wir dieses Grundprinzip erstmal verstehen und in der Folge auch innerlich akzeptieren, können wir innerhalb dieses Systems versuchen, für die Art, also uns selbst, den bestmöglichen Fortschritt zu schaffen.
Es braucht nicht viel, um in Anlehnung an Churchill in aller Demut zu erkennen, dass Demokratie eine der unperfektesten aller Gesellschaftsformen ist, aber die am wenigsten schlechte, die wir in der Realität haben können. Das gilt auch für die Marktwirtschaft. Es ändert nichts daran, dass beides - Demokratie und Marktwirtschaft - Regeln braucht, aber bitte schön aus einem bejahenden und konstruktiven (Ingenieurs-) Geist heraus.
Wenn dieser Kontext vergessen wird, dann werden unsere wirksamen Fortschrittskräfte erlahmen. Dann werden im ungünstigen Fall vielleicht sogar noch viel weniger als 15% der Bürger glauben, dass es in unserem System "gerecht" zugeht. Und nein, es würde gar nicht notwendig sein, dass eine Mehrheit sich dann irgendwann für die Abschaffung von Pluralismus in Demokratie und Marktwirtschaft/Kapitalismus entscheidet. Es würde völlig ausreichen, dass nicht mehr genug Leute von der Notwendigkeit der Verteidigung überzeugt sind. Für die Abschaffung würden dann schon andere sorgen. Davon gibt es genug, wenn man sich in den weltweiten Nachrichten so umsieht.
Und so komme ich unter dem Strich zum Assheuer-Artikel (von vielen Kommentaren ganz zu schweigen) zu der Bewertung: Thema verfehlt!

Falk Kuebler



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Zaphod Beeblebrox, 30.03.2008 um 16:55

@fkuebler

Dazu nur soviel: Reiche Leute sind keine Löwen.  Und die
Evolution ist ein untaugliches Modell zur Erklärung menschlicher
Gesellschaften. Das nennt man nämlich Sozialdarwinismus und ist falsch.
Warum? In dem Moment, in dem einer Ihrer und meiner Vorfahren sich
entschieden hat, einem Bären das Fell abzuziehen und als Umhang zu
tragen, statt darauf zu warten, dass ihm selber ein Pelz wächst, hat
sich der Mensch für einen Sonderweg in der Evolution entschieden, und
zwar Kraft seiner Intelligenz. Also haben wir für uns die Evolution
natürlich nicht abgeschafft, aber doch mindestens vorläufig außer
Funktion gesetzt. Daher sind oberkluge Kommentare zu Löwen und Schafen
nicht besonders zielführend. Interessant, dass Sie bei Löwen und
Schafen an unsere Gesellschaft denken. Und komisch:  wo hat
denn  in  diesem  Forum  jemand  zum Umsturz
aufgerufen?? Oder zur Abschaffung der Marktwirtschaft?
Zentral  ist doch wohl die These, dass  das zentrale
Glücksversprechen der Marktwirtschaft heute nicht mehr erfüllt wird.
Und das wird unsere Gesellschaft schädigen. Um das zu sehen, muss man
kein "linker Gutmensch" sein - was immer Sie darunter verstehen. Ich
beklage mich nicht und Narzissmus scheint mir eher das Merkmal derer zu
sein, die beharrlich leugnen, dass es in D nicht so gerecht zugeht, wie
es sollte. Da haben wohl eher Sie das Thema verfehlt.


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a17, 30.03.2008 um 17:07

Schade dass dieser Artikel nicht als Aufmacher der Printausgabe zu lesen war, statt dessen ein blödsinniges Pro und Contra zur staatlichen Bankenrettung.



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mcfly71, 30.03.2008 um 17:39

@fkuebler

fkuebler,

hier ein Link, damit sie ein wenig Verständnis für die Realitäten im Lande bekommen...Ich weiß nicht, ob man die zunehmende Kinderarmut in einem der reichsten Länder der Welt noch mit der guten alten Natur rechtfertigen kann: www.ndrkultur.de/programm/sendungen/glaubenssachen/gsarmut6.pdf


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iDog, 30.03.2008 um 18:33


@ fKuebler #12

"wie kann es angehen" , dass ein scheinbar gebildeter mensch wie sie verkennt, dass der "dumpf informations-unwillige oder unfähige Prekariatsangehörige" vom system selbst erzeugt wird in der absicht seine macht zu konsolidieren. oder haben wir etwa einen staat , der mit allen zur verfuegung stehenden mitteln die bildung der bevoelkerung betreibt ?

nee , haben wir nicht, sondern das exakte gegenteil - nach phasen der lehrmittelfreiheit und bildungsfoerderung in den 70igern wurde langsam aber sicher wieder auf bildungsverkanppung umgestellet wie es einem echten feudalismus wuerdig ist. lesen koenenn duerfen nur die priester des systems. wenn man ueberschlaegt wie billig bildung wirklich ist, erkennt man , dass es keine andere investition in die zukunft mehr nutzen und profit fuer alle bringen kann, nur der ist eben nicht erwuenscht. sollten sie lust haben hierzu zu antworten sagen sie mir doch bitte vor allem warum die einmal etablierte bildungsoffensieve wieder abgeschaft wurde zumal in einer zeit in der know how angeblich alles ist. die welt, in der ein philosoph gaertnert ist eine besser welt als die, in derder ungebildete soldat wird.





Aus: "Der große Ausverkauf" Von Thomas Assheuer (DIE ZEIT, 27.03.2008 Nr. 14)
Quelle: http://www.zeit.de/2008/14/Vertrauenskrise-Kapitalismus?page=all (http://www.zeit.de/2008/14/Vertrauenskrise-Kapitalismus?page=all)

Title: [Was bisher nur vermutet werden konnte... (Kassenpatienten)]
Post by: Textaris(txt*bot) on April 01, 2008, 10:29:36 AM
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[...] Kassenpatienten müssen im Durchschnitt drei mal länger auf einen Termin beim Facharzt warten als privat Krankenversicherte. Das meldet der ''Kölner Stadt-Anzeiger'' und beruft sich dabei auf eine Studie der Universität Köln. ''Wir können mit der Studie erstmals wissenschaftlich fundiert zeigen, was bisher nur vermutet werden konnte, von Ärzteseite aber bestritten wird: dass Kassenpatienten sich bei der Terminvergabe hinten anstellen müssen'', sagte der kommisarische Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie und klinische Epidemologie, dessen Direktor der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist.

Wissenschaftliche Mitarbeiter meldeten sich telefonisch bei 189 Praxen im Raum Köln/ Bonn/ Leverkusen und baten - wechselweise als Kassen- oder Privatpatient - um eine von fünf ausgewählten Untersuchungen: einen Allergie- und Lungenfunktionstest, eine Augenuntersuchung, eine Magnetresonanztomographie des Knies, einen Hörtest oder eine Magenspiegelung. Dann wurden die Werktage vom Anruf bis zum angebotenen Termin gezählt.

Eindeutiges Ergebnis: Privatpatienten werden bevorzugt behandelt. In absoluten Zahlen reicht der Unterschied von durchschnittlich 4,6 Tagen bei Hörtests bis zu 25 Tagen bei einer Magenspiegelung. Während Privatpatienten im Schnitt nur 11,9 Werktage auf einen Termin warten müssen, können sich Kassenpatienten in Geduld üben: Bei ihnen dauerte es im Durchschnitt 36,7 Werktage, bis sie untersucht wurden.


Aus: "Unterschiedliche Wartezeiten auf FacharzttermineKassenpatienten müssen länger warten" (31.03.2008)
Quelle: http://www.swr.de/nachrichten/-/id=396/nid=396/did=3336496/1gtguhs/ (http://www.swr.de/nachrichten/-/id=396/nid=396/did=3336496/1gtguhs/)



-.-

Quote
[...] In allen fünf untersuchten Facharztbereichen harrten Kassenpatienten etwa dreimal so lange eines Untersuchungstermins wie die Privatpatienten. „Es zeigt sich, dass das Recht auf Versicherungsschutz für alle Bürger nicht ausreicht, um einen gleichen Zugang zur medizinischen Versorgung in Deutschland zu gewährleisten“, betont Studienleiter Lüngen. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach , der ebenfalls an der Studie mitwirkte, kritisiert die Benachteiligung der gesetzlich Versicherten als Ausdruck einer „Zwei-Klassen-Gesellschaft“. Besonders ungerecht sei dies für freiwillig gesetzlich Versicherte, die den Höchstbeitrag zahlten und damit die Versorgung gering verdienender Versicherter mitfinanzierten.

[...]


Aus: "Ärzte lassen Kassenpatienten länger warten" VON STEFAN SAUER (31.03.08, 15:13h, AKTUALISIERT 01.04.08)
Quelle: http://www.ksta.de/html/artikel/1206878687579.shtml (http://www.ksta.de/html/artikel/1206878687579.shtml)



Title: [Die Kluft zwischen dem Management und Angestellten... (Notiz, Allianz)]
Post by: Textaris(txt*bot) on April 17, 2008, 11:33:30 AM
Quote
[...] Seit Deutschland-Chef Gerhard Rupprecht 2006 den Umbau des Konzerns angekündigt hatte, sei die Kluft zwischen dem Management und den übrigen Angestellten immer tiefer geworden, schreibt der Innendienstler. „Die Führung hat keine Bindung mehr zu ihren Mitarbeitern. Sie hat keinerlei Unterstützung für den Umbau, sie erteilt deshalb nur noch Befehle. Ihr ist jedes Verständnis für die realen Verhältnisse im Konzern abhandengekommen.“

Einen Grund für die Malaise sieht Theodor M. in eingeschüchterten Führungskräften: „Aus Angst, ihren Job zu verlieren, traut sich keiner, Kritik zu äußern. Jede Führungskraft schönt die Berichte, die nach oben abgegeben werden. Bis die Berichte in der Konzernzentrale in München angekommen sind, sind sie so verfälscht, dass sie fast nichts mehr mit der Realität zu tun haben.“

[...]

Kommentar zu “Explosive Stimmung bei der Allianz”:

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von  G.Schmid  am 16.04.2008 22:54 Uhr

Nicht nur bei der Allianz gibt es diese Zustände. Alle diese Beschreibungen können übertragen werden z. B auf Wüstenrot/Württembergische

Quote
von  unbekannt  am 16.04.2008 21:36 Uhr

als langjähriger mitarbeiter ist es mir absolut unverständlich, wie dieses unternehmen binnen kürzester zeit seinen ruf so ruinieren konnte...und wenn ich sehe, wie die herren oberen in diversen mitarbeitermails, rundschreiben und firmenzeitung den eigenen frustrierten mitarbeitern, die das alltägliche "chaos" hautnah erleben, eine schöne voll funktionierende allianzwelt verkaufen, glaubt man sich im falschen film...


Quote
von  Ein Versicherungsangestellter  am 16.04.2008 20:54 Uhr

Ich würde mich freuen, wenn es so einen Artikel über die Skandia Lebensversicherung geben würde. Die beschriebenen Zustände bei der Alli passen exakt auf die Skandia. Vor Jahren noch der "beste Arbeitgeber Deutschlands". Und heute haben alle nur noch Angst, Ihren Job zu verlieren. Kritik ist offiziell erwünscht, aber keinen interessiert sie. Stattdessen werden die Mitarbeiter, die Kritik üben, unter Druck gesetzt. Es gibt Arbeit ohne Ende, aber die Mitarbeiter werden abgebaut. Der Service leidet entsprechend, aber das wird in Kauf genommen. Wie einer der Vorredner schon sagte: Die Chefs haben kein persönliches Interesse mehr an der Firma, es geht nur noch um Profit. Und das auf Kosten der kleinsten Räder im Getriebe. Das aber ein zufriedener Angestellter viel besser arbeitet, darauf sind sie noch nicht gekommen. Arbeitsrechtler hätten Ihre Freunde an diesem Unternehmen. Das beste aber ist das sogenannte Outsourcing. Programmierer, die kein Wort deutsch sprechen und dann Anforderungen irgendwie umsetzen- nur nicht richtig.
So genug gekotzt.


Quote
von  es reicht  am 16.04.2008 18:19 Uhr

ich bin seit 40 Jahre dabei - so etwas habe ich noch nicht erlebt! H/Diekmann hat in einer internen Zeitschrift mal geschrieben (zum neuen Zielbetriebsmodell) .......er habe nun mal als Manager nur die Gelegenheit alles aus der Vogelperspektive zu sehe. Wissen Sie Herr Diekmann - aus der Vogelperspektive ist auch Afghanistan ein schönes Land. So geht das nicht - so können Sie mit Mitarbeitern nicht umgehen. Von Kundenorientierung zu reden und dann eine Versicherungsfabrik (einschl. Callcenter) einzurichten - es ist lächerlich und traurig. Welche Ziele haben denn Ihre Leute von McK? Kundenorientierung oder Gewinnmaximierung? Denken Sie mal darüber nach. Leider leider leider ist das nicht mehr unsere Firma - und das schmerzt - das können Sie mir glauben.
Wie können Sie nur den geschönten Berichten Ihrer Führungskräfte glauben? Ihre Führungskräfte melden natürlich....Ampel auf grün / Umst.ellung auf ZBM war prima. Ich glaube es nicht. Die Top Führungskräfte der alten Niederlassungen haben früher gemacht was Sie wollten - Vorstandsrundschreiben???was kümmert es mich. Heute predigen Sie "ZBM über alles". Es ist / sie sind einfach nicht mehr glaubwürdig. Sorry - aber es schmerzt!


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von  ExAllianzer  am 16.04.2008 15:21 Uhr

Liebe Ex Kollegen/innen, vor 7Jahren hab ich aus diesen Gründen die allianz verlassen weil damals schon einige Dinge absehbar waren. Ich ging zu dem letzten Familienunternehmen in der Versicherungsbranche, der ARAG, und was soll ich euch sagen: Genau das selbe Spiel. Vielleicht noch ein wenig krasser.... Jeder spielt jeden aus. 3 Vertriebsvorstände in 2 Jahren, ein schelm wer böses dabei denkt das dies nun der ehemalige Chef der Allianz Österreich ist.... Leider werden wir von komplett inkompetenten Führungen gedrückt und nicht geführt.

Also mein Ergebnis aus 15 Jahren Versicherung inklusive Führungspositionen, Innendienst und Aussendienst: Nix wie weg aus der Branche.

...


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von  Makler-Angestellter  am 16.04.2008 15:03 Uhr

Ich habe bis vor neun Jahren selbst bei der Allianz im Außendienst gearbeitet. Dort wird man nicht als Mensch, sondern nur als "Nummer" behandelt. Sehr verwerflich sind auch Wettbewerbe, in deren Rahmen die Kunden Produkte verkauft bekommen, die sie gar nicht brauchen oder die nichts taugen (als Beispiel UPR = Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr). Viele meiner damaligen Kollegen haben die Allianz inzwischen auch schon enttäuscht verlassen. Die jetzige Unruhe wundert mich demzufolge nicht.


Quote
von  Allianzer  am 16.04.2008 00:14 Uhr

Das Unternehmen wird nur noch von McKinsey geführt - was kann man da erwarten. Der neue COO: ein Ex Mc Kinsey, der schon seit Jahren die Strategie der Allianz bestimmt hat. Jemand, der noch nie mit einen Kunden gesprochen oder einen Versicherungsvertrag verhandelt hat.
In der zweiten und dritten Ebene das gleiche Bild. Herr Diekmann traut nur den Beratern etwas zu. Hochqualifizierte Mitarbeiter und Führungskraefte der Allianz kommen nicht mehr weiter und werden von den Beratern gegeneinander ausgespielt. Da gibt es Einstellungsstops, aber für einen Ex-Mck gibt es immer ein warmes Postchen mit Dienstwagen. Dass da die Motivation der Mitarbeiter noch zusätzlich leidet, ist nur allzu verständlich.
In der Zentrale ist es am schlimmsten. Ich frage mich, ob das McK Netzwerk Kopfprämien zahlt fur jeden Berater, den es bei der Allianz unterbringt?
Und wie ist eigentlich Herr Diekmann an seinen CEO Posten gekommen ?


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von  Allianzler  am 15.04.2008 23:53 Uhr

Ich kann zu 100% bestätigen, was hier geschrieben wird. Meine Kollegen und ich gehen nur noch des Geldes wegen zur Arbeit; einen anderen Grund gibt es (leider) nicht (mehr). Alles muss schnell gehen, einzig und allein die Zahlen zählen. Qualität? Wen interessiert das.

RÜCKSTÄNDE ohne Ende, WOCHENENDARBEIT und massenweise UNQUALIFIZIERTE AUSHILFEN, die am laufenden Band Fehler produzieren - ganz genau, das ist die ALLIANZ in 2008!

Mir fällt da nur ein Wort zu ein: PERVERS!

Man sagt ja immer so schön: Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken ...


Quote
von  wiwo-Leser  am 15.04.2008 21:25 Uhr

„Good Corporate Citizen“




 

Aus: "Versicherung - Explosive Stimmung bei der Allianz" Martin Seiwert (15.04.2008)
Quelle: http://www.wiwo.de/unternehmer-maerkte/explosive-stimmung-bei-der-allianz-272624/ (http://www.wiwo.de/unternehmer-maerkte/explosive-stimmung-bei-der-allianz-272624/)



Title: [Ein perfider Trick [?]... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on April 27, 2008, 12:11:25 PM
Quote
[...] Es ist ein perfider Trick der herrschenden Klasse, diejenigen, die fast nichts haben, gegen diejenigen auszuspielen, die noch weniger haben.


Aus: "Ein neuer Rassismus" Von Katja Kipping (25.04.2008)
Quelle: http://freitag.de/2008/17/08170203.php (http://freitag.de/2008/17/08170203.php)

Title: [Die verunsicherte Mitte [?]... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on May 06, 2008, 09:06:59 AM
Quote
[....] Der Parteichef der Sozialdemokraten kündigte an, etwas für die verunsicherte Mitte der Gesellschaft tun zu wollen.


Aus: "STEUER-DEBATTE: Beck kündigt eigenes Steuerkonzept an" (06. Mai 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,551620,00.html (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,551620,00.html)

-.-

Quote
[...] Die Lücke zwischen Arm und Reich wird demnach immer größer - die Mittelschicht kleiner. Dies bestätigt die Union in ihrer Forderung nach schnellen Steuersenkungen: "Ich bin schon dafür, dass wir gerade diese Mittelschicht, die jetzt angesprochen wurde, mehr entlasten müssen", auch steuerlich, sagte der mittelstandspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Michael Fuchs (CDU), im ZDF.


Aus: "VERSCHWINDEN DER MITTELSCHICHT: Alarmierender Armutsbericht entfacht Steuerstreit" (19. Mai 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,554023,00.html (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,554023,00.html)

Title: [Gated Community oder auch geschlossene Wohnanlage... ]
Post by: lemonhorse on May 19, 2008, 05:01:33 PM
Quote
[...] Als Gated Community oder auch geschlossene Wohnanlage wird ein Siedlungszentrum der Ober- oder Mittelschicht bezeichnet, welches durch Sicherheitseinrichtungen und Absperrungen - wie Alarmanlagen, Mauern, Zäune, Kameraüberwachung, privates Sicherheitspersonal - von der übrigen Gesellschaft separiert ist.

Die Größe von Gated Communities variiert von einzelnen bewachten Appartementblöcken bis hin zu großflächigen Siedlungen (mit über 100.000 Einwohnern) mit eigener Infrastruktur (Einkaufsmöglichkeiten, Gemeinschaftseinrichtungen, eigene Schulen und Krankenhäuser, sogar eigene Bürozentren und Arbeitsstätten).

Diese Anlagen ähneln dabei den klassischen Ghettos in der Art, dass eine Segregation, in erster Linie auf Basis des sozialen Standes und möglicher Unterschiede in Kultur, Hautfarbe, Religion oder Abstammung geschieht. Aber auch andere Gleichgesinnte oder aus ähnlichen Schichten, Kulturen oder Ethnien stammende Menschen schließen sich, als Gegentrend zur sogenannten Globalisierung vor allem in den USA vermehrt zu derartigen Wohnformen zusammen.

Diese Sonderform eines Ghettos ist jedoch nur selten historisch gewachsen, sondern wird fast ausschließlich außerhalb bereits bestehender Städte neu errichtet.

Die Ursprünge der modernen Gated Communities sind in den Vereinigten Staaten von Amerika zu suchen - ein frühes Beispiel hierfür ist Llewellyn Park in New Jersey (1857). Gated Communities sind darüber hinaus vor allem in Ländern mit erheblichen sozialen Ungleichgewichten vorzufinden, etwa in Südafrika, Brasilien, Argentinien oder anderen ehemaligen Kolonialstaaten. Auch in Südostasien und Europa sind solche oder ähnliche Formen abgeschotteter und speziell gesicherter Wohnanlagen bereits vorhanden.

Bekanntestes Objekt in Deutschland ist die Arcadia-Wohnanlage in Potsdam.

[...]


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gated_Community (http://de.wikipedia.org/wiki/Gated_Community) (9. Mai 2008)


Title: [Nur wenige Hauptschüler finden... (Notiz, Hauptschüler + Heiseforum)]
Post by: Textaris(txt*bot) on June 10, 2008, 10:53:17 AM
Quote
[...] Die Hälfte aller Hauptschulabgänger hat 13 Monate nach dem Verlassen der Schule noch keinen Ausbildungsplatz gefunden, und selbst nach zweieinhalb Jahren gilt dies noch für 40 Prozent. Dies geht aus dem Bildungsbericht 2008 von Bund und Ländern hervor, den die Kultusministerkonferenz am Donnerstag vorstellen will.

Nach Informationen von dpa, die bereits vorab aus dem Bericht zitiert, haben insbesondere junge Männer ohne Hauptschulabschluss, mit schlechtem Abschluss und Kinder aus Migrantenfamilien das Nachsehen. Dagegen findet jeder zweite Realschüler bereits nach drei Monaten eine qualifizierte Ausbildung.

Die Chancenungleichheit im deutschen Bildungssystem habe sich weiter vergrößert. Das zeige sich, wenn man Kinder gleichen Intelligenzstandes aus Unterschichtenfamilien mit denen aus Akademikerfamilien vergleiche.

Damit bestätigt sich das Bild, das der erstmals vor zwei Jahren veröffentlichte Bildungsbericht schon 2006 gezeichnet hat. Er hatte beklagt, dass sich 2004 über die Hälfte der Absolventen mit Hauptschulabschluss und mehr als 84 Prozent derjenigen ohne Abschluss in Maßnahmen des Übergangssystems aufhielten und dass ihnen annähernd zwei Drittel, im Berufsschulsystem sogar 82 Prozent der Ausbildungsplätze von Absolventen mit mittlerem oder höherem Abschluss weggeschnappt worden sind. (fm/c't)


Quote
9. Juni 2008 13:09
Wie seltsam
FrogmasterL (mehr als 1000 Beiträge seit 02.11.05)

[...] Was für 'Humanressourcen' muss dieses System haben,
wenn es sich das leisten kann?

Quote
10. Juni 2008 08:57
Re: Wie seltsam
mode7 (516 Beiträge seit 19.11.07)

Tja leider ist das so. [...] Diese Lustlosigkeit, Faulheit und agressivität inkl. grosse Klappe ist typisch. Deshalb auch die Hauptschule. Die waren schon in der Schulezeit zu faul, mal ein Buch in die Hand zu nehmen und zu lernen. Und so geht es, das ganze Leben weiter. Sich immerzu über das System beschweren. Die einen laßen dann andere für sich arbeiten. Prostitution, Diebstahl, Drogenhandel. Oder nehmen selber Drogen und landen früher oder später im Knast.
Einige versuchen es als Pop, Rapstar oder Schauspieler. Da brauchtse nicht viel zu tun und hast Kohle und Mädchen bis zum Abwinken. Merken sie dann, daß auch diese Berufe Arbeit machen. Und man an sich selber arbeiten muss, laßen sie es bleiben. Auch wenn Talent vorhanden wäre. Schuld sind dann wie immer andere und das System!

Die sind keine Opfer.
Die sind einfach nur faul!



Quote
9. Juni 2008 13:10
Und was lernen wir daraus?
Kalle Kloeppel (672 Beiträge seit 07.12.06)

Unis auch für Hauptschüler öffnen, und das Lehrniveau weiter
absenken, bis wirklich _JEDER_ _MINDESTENS_ den Hauptschulabschluss
packt.

Ich wäre z.B. für Pflichtfächer wie z.B. "TV schauen", "SMS
schreiben" und "Unartikulierte Laute gröhlen".
Darin ist die angesprochene Zielgruppe nämlich oftmals wirklich
weltmeisterlich.

Quote
9. Juni 2008 13:12
Re: Und was lernen wir daraus?
Knarz1981 (mehr als 1000 Beiträge seit 30.06.06)

ey alda, machst mich an, oder was lan, alda?

xD


Quote
9. Juni 2008 13:15
Re: Und was lernen wir daraus?
3G-UMTS (mehr als 1000 Beiträge seit 26.02.04)

Das "TV-Schauen" muß man aber auf RTL begrenzen. Es gibt Programme
die würden der Entwicklung entgegenwirken (arte, phoenix,...)

Quote
9. Juni 2008 13:22
Re: Und was lernen wir daraus?
Knarz1981 (mehr als 1000 Beiträge seit 30.06.06)

Vergiss aber nicht die pädagogisch Wertvollen Sendungen wie Galileo.
Da sehen die Kids immerhin schon mal, wie das Fließband aussieht
hinter dem sie irgendwann stehen werden.


Quote
9. Juni 2008 13:21
ey alder produziehr misch net!
monty03 (mehr als 1000 Beiträge seit 21.02.04)

isch weis wo dein haus wohnt!

Ansonsten 100% ACK und ++.

Fakt ist leider, dass sich das allgemeine Niveau immer weiter
(erschreckend) senkt.
Das ist auch an den Realschulen und Gymnasien deutlich zu spüren.

In meinem Bekanntenkreis gibt es mehr als nur ein (deutsches) Kind in
der Oberstufe, welches nicht in der Lage ist, ohne längeres Überlegen
einen einzigen fehlerfreien deutschsprachigen Satz von sich zu geben.
Aber dafür BWL in 12/2 und die Programmliste der Privatsender nebst
Spirituosenangebot beim nächsten Discounter beherrscht man
auswendig...


Quote
9. Juni 2008 13:42
Re: oder kurz:
Noel Byron, Noel Byron (mehr als 1000 Beiträge seit 23.06.00)

[...] Die Dummen leben von der Arbeit und die Schlauen
von den Dummen. Uralt aber wird immer wahrer...

Aber solls, man muss es nur (rechtzeitig) wissen.
;o)

Nur die besten Grüße,
Noel


Quote
9. Juni 2008 19:53
Re: Und was lernen wir daraus?
pk (mehr als 1000 Beiträge seit 10.10.00)

Kalle Kloeppel schrieb am 9. Juni 2008 13:10

> Unis auch für Hauptschüler öffnen, und das Lehrniveau weiter
> absenken, bis wirklich _JEDER_ _MINDESTENS_ den Hauptschulabschluss
> packt.
>
> Ich wäre z.B. für Pflichtfächer wie z.B. "TV schauen", "SMS
> schreiben" und "Unartikulierte Laute gröhlen".
> Darin ist die angesprochene Zielgruppe nämlich oftmals wirklich
> weltmeisterlich.

Und warum ist das so? Mittlerweile dürfte sich herumgesprochen haben,
dass das perverse System der Selektion nach der 4. Klasse in
Deutschland die relativ undurchlässigen Schichtgrenzen des
Bildungssystems noch mal zusätzlich mit einer Betonbarriere
verfestigt. Wer zur Hauptschule geht, ist per Definition ein
Halbidiot, wird dann Jahre lang wie ein Halbidiot behandelt und
erfährt in ausschliesslicher Umgebung anderer "Kandidaten", dass ihm
ein Leben in der Sklavenkaste der Republik bevorsteht und er sich
keine Hoffnung auf irgendetwas besseres machen sollte.

Und solchen arroganten Arschlöchern, die wie DU dann noch mal kräftig
nachtreten, sollten am Besten alle höheren Abschlüsse Aberkannt
werden, um mal zu sehen, ob die Behandlung als Bildungsabschaum
eventuell auch die eine oder andere Auswirkung auf die eigene
Verhaltensweise hat.


Mann, denkt doch mal EINMAL ein bisschen nach, bevor ihr anfangt, auf
irgendeiner anderen Gruppe in diesem System rumzutrampeln.


Quote
9. Juni 2008 13:21
Die Hälfte aller Hauptschüler findet keinen, Jeder zweite Realschüler findet...
matzescd (mehr als 1000 Beiträge seit 11.06.03)

Das ist Journalismus, wie ich ihn liebe!

Lesen wir das mal etwas genauer:

Zitate:

>Die Hälfte aller Hauptschulabgänger hat 13 Monate nach dem Verlassen
>der Schule noch keinen Ausbildungsplatz gefunden

>insbesondere junge Männer ohne Hauptschulabschluss

>Dagegen findet jeder zweite Realschüler bereits nach drei Monaten
>eine qualifizierte Ausbildung

Also wissen wir jetzt, dass "jeder zweite" Realschüler binnen 3
Monaten einen Ausbildungsplatz findet. Die anderen (wieviel Prozent
waren gleich "die Hälfte") finden in welchem Zeitraum?

Was hat plötzlich die Aussage "ohne Hauptschulabschluss" darin
verloren?

Wie schnell die anderen 50% der Hauptschüler etwas gefunden haben
steht auch nirgends...

*kopfschüttel*


Quote
9. Juni 2008 13:22
Ja und ?? (Editiert vom Verfasser am 09.06.08 um 13:53)
3G-UMTS (mehr als 1000 Beiträge seit 26.02.04)

Was wundert einen daran ? Ein Realschüler hat einfach mal eine
bessere Ausbildung und dann bekommt er/sie dann auch die besseren
Chancen. Wo ist das Problem.
Jedem steht es frei seinen Weg selbst zu finden.
Wenn es RTL, Bild und GameBoy sein müssen.... naja dann gibt es
einfach keine guten Chancen.

Im TV kam zu dem Thema mal ein passender Bericht. Es ging um die
Neueröffnung eines Hotels. Es waren 17 Mädels zu Gesprächen
eingeladen. Eine hat eine Weltkarte mit Landesgrenzen gezeigt
bekommen. Es war alles zu sehen außer die Beschriftung. Dann kam die
Frage: "Wo ist Deutschland?" Antwort: Achselzucken.
"Ok... wo ist Europa?" Antwort: Achselzucken "Weis net..."
Und jetzt der Hammer: Sie wurde genommen, da die anderen
Bewerberinnen teilweise deutlich schlechter waren. (Wer ist bei uns
Bundespräsident? Antwort: "Franz Beckenbauer" ).

Was soll man da noch sagen ??? Das waren Deutsche Kinder. Also die
Ausrede mit Migration greift auch hier nicht....

3G-UMTS


Quote
9. Juni 2008 23:26
Das "Problem" dabe ist:
Frittieroel-Porsche (268 Beiträge seit 04.10.03)

Hi,

> Ein Realschüler hat einfach mal eine bessere Ausbildung und dann bekommt
> er/sie dann auch die besseren Chancen. Wo ist das Problem.

das "Problem" dabei ist, dass sich diese Chancen nach der sechsten
oder gar vierten Klasse, zumindest von der Theorie her, für einen
Schüler endgültig entscheiden.

Und das Problem ist, dass dabei Vorurteile offenbar sehr weitgehenden
Einfluss haben. Vorurteile von Lehrern, die dem Schüler nicht mehr
Leistzugsvermögen zutrauen. Vorurteile von gewissen Volksparteien,
die den Lernerfolg ihrer "Eliten" durch "schwache Schüler"
"ausgebremst" durch "Gleichmacherei" sehen. Vorurteile von Eltern,
die sich - oft aus gutem Grund - nicht an die "Laufbahnempfehlungen"
der Schule halten.

Das Problem ist, dass das Bildungssystem eine Chancenungleichheit
nicht etwa verringert, sondern sie geradezu ausprägt. Von besagten
Vorurteilen gestützt.

Ich bin fest davon überzeugt, dass man bei einem Schüler der Klassen
vier bis acht nur wenig über das tatsächliche spätere
Leistungsvermögen aussagen kann.

Ich bin fest davon überzeugt, dass das Leistungsvermögen der Schüler
weit mehr von Motivation und Selbstvertrauen abhängt, dass ein Kind
gerade in diesem Alter mit seinen Aufgaben wachsen kann, sofern nur
die Umgebungsbedingungen dafür vorhanden sind.

Das Problem ist, dass ein guter Prozentsatz "Bodensatz"
offensichtlich politisch gewollt ist. Das ist dabei nicht nur
schelcht für die betroffenen Schulversager, sondern auch für die
Gesellschaft. Denn mit unqualifizierten Arbeitskräften kann ein Land
wie Deutschland kein Hi-Tech produzieren.



Quote
9. Juni 2008 13:23
Die bösen Akademiker sind schuld, das sie ihre Kinder fördern anstatt sie ...
Mardo (903 Beiträge seit 25.11.04)

vor die Glotze zu setzen.

Ich schäme mich auch sehr, daß ich als Akademiker meinen Sohn
versuche möglichst gut zu frödern.
Würde ich ihn einfach vor die Glotze setzen, würde ich etwas für die
Gerechtigkeit tun.

Quote
9. Juni 2008 13:35
Re: Die bösen Akademiker sind schuld, das sie ihre Kinder fördern anstatt sie ..
aeOne (50 Beiträge seit 19.06.07)

Du hast absolut keinen Plan. Mehr Zeit werde ich an dich nicht
verschwenden.


Quote
9. Juni 2008 13:24
Klaus erklärt Hauptschule
Lamarck (74 Beiträge seit 08.07.03)

das video von extra3 ist ne bissel überspitz, aber es leider so.

http://youtube.com/watch?v=RmiRSfKHSLk (http://youtube.com/watch?v=RmiRSfKHSLk)


Quote
9. Juni 2008 13:35
Es gibt auch Hauptschüler die es zu was gebracht haben!
Patrick123 (15 Beiträge seit 21.09.06)

Das viele der Hauptschüle einfach keine Lust auf Schule haben oder
andere Defizite besitzen möchte ich garnicht abstreiten.
Aber es gibt auch viele die es bis zum Studium schaffen.
Ich hab nach meiner Hauptschule erstmal Metaller gelernt und danach
wieder die Schule besucht.
Jetzt bin ich Elektroniker und SPS-Techniker.
Was ich aber in meiner Ausbildung feststellen konnte, ist das viele
Realschüler und Gymnasiasten dumm und faul sind. Eigendlich genau das
was den Hauptschülern vorgeworfen wird.
Solche Personen gibt es in jeder Bildungsschicht. Nicht nur in den
Hauptschulen.


Quote
9. Juni 2008 13:48
Endlich greift die Selektion mal langsam.. (Editiert vom Verfasser am 09.06.08 um 13:53)
Verschoben, ct5l@gmx.de (505 Beiträge seit 30.07.03)

Wenn ich mir angucke, wie verbreitet mittlerweile Dummheit,
Lernunfähigkeit und asoziales Verhalten in Deutschland ist, freue ich
mich dann doch ein bisschen, dass die Söhne und Töchter der dummen
Bevölkerungsschicht langsam das Problem bekommen, dass sie keinen Job
kriegen.

Auch wenn sie gar nichts dafür können, dass sie von ihren Eltern
vernachlässigt und zu Deutschland-sucht-den-Superstar- und
BigBrother-Guckern wurden und jetzt jeden Morgen auf dem Weg zum
Bierholen BILD-Zeitung lesen.

Wenn dann noch die Sozialhilfe oder wie sich das momentan auch
schimpfen mag gekürzt bzw. zeitlich beschränkt wird, wird vielleicht
sogar dem dümmsten BILD-Leser und Stammtischler klar, dass man eben
DOCH etwas lesen und lernen muss, um hier zu überleben.

Aber staatsführtechnisch gesehen sollte man dem schleunigst
entgegenwirken und die Dummheit wie bisher immer weiter fördern -
schliesslich lässt sich dummes Volk wesentlich einfacher
kontrollieren als selbständig denkendes.

Wir hatten mal eine Stelle ausgeschrieben, was da teilweise für eine
SCHEISSE als Bewerbung kam ist echt unglaublich.

[...]

Quote
9. Juni 2008 14:05
Re: Endlich greift die Selektion mal langsam..
Karsten14478 (mehr als 1000 Beiträge seit 10.12.01)

Das schlimme ist doch nicht das die Kinder aus bildungsfernen
Schichten stammen, sondern das sie den Schulen nix beigebracht
bekommen, das es dort hinten und vorne klemmt. Ich höre da immer
Gruselgeschichten von Erstklässlern die weder die Mappe gepackt
bekommen noch was zu Essen mitbekommen. Da braucht man die Schuld
nicht bei den Kleinen zu suchen: wer _SO_ gross wird der hat NIE eine
Chance was zu Lernen gehabt.



Quote
9. Juni 2008 14:17
Re: Huch, wieso freust du dich da?
SoL2000 (22 Beiträge seit 14.05.08)

Warum sollte etwas dagegen getan werden, dass faule und
lernresistente Jugendliche, die "Kein Bock" auf nen Abschluss haben,
keinen Job kriegen?

Jedem das, was er verdient...

Quote
9. Juni 2008 14:26
Re: Huch, wieso freust du dich da?
Noel Byron, Noel Byron (mehr als 1000 Beiträge seit 23.06.00)

SoL2000 schrieb am 9. Juni 2008 14:17

> Warum sollte etwas dagegen getan werden, dass faule und
> lernresistente Jugendliche, die "Kein Bock" auf nen Abschluss haben,
> keinen Job kriegen?
>
> Jedem das, was er verdient...

Das Problem ist halt, dass man die dann zum Einen verhalten
muss und zum Anderen baut sich damit jede Menge sozialer
Sprengstoff auf. Der kann sich durch Kriminalität bemerkbar
machen oder durch politische Radikalisierung. Das kann dann
alles auch plötzlich Dich betreffen.

Nur die besten Grüße,
Noel

Quote
9. Juni 2008 15:18
Re: Huch, wieso freust du dich da?
EulenNachAthen (mehr als 1000 Beiträge seit 16.03.06)

Noel Byron schrieb am 9. Juni 2008 14:26

> Das Problem ist halt, dass man die dann zum Einen verhalten
> muss und zum Anderen baut sich damit jede Menge sozialer
> Sprengstoff auf. Der kann sich durch Kriminalität bemerkbar
> machen oder durch politische Radikalisierung. Das kann dann
> alles auch plötzlich Dich betreffen.

Deshalb wurde die beste Droge erfunden, seit die Religion nicht mehr
so gut zieht wie im Mittelalter: Das Fernsehen.

Geh mal in ein beliebiges Gefängnis. Dort wird man Dir sicher
bestätigen, dass die Ausbruchsversuche/Umtriebe seit Einführung des
Fernsehens abgenommen haben.

Opium fürs Volk und so.


Quote
9. Juni 2008 18:11
Re: Huch, wieso freust du dich da?
Niederrheinischer Patriarch (mehr als 1000 Beiträge seit 30.08.06)

Noel Byron schrieb am 9. Juni 2008 14:26

> Das Problem ist halt, dass man die dann zum Einen verhalten
> muss und zum Anderen baut sich damit jede Menge sozialer
> Sprengstoff auf. Der kann sich durch Kriminalität bemerkbar
> machen oder durch politische Radikalisierung. Das kann dann
> alles auch plötzlich Dich betreffen.

An diesem Problem wird ja gearbeitet. Früher hat man solche Leute in
Kolonien geschickt. Wir fangen ja jetzt an (auch wenn wir noch am
Anfang stehen), den Weltraum zu kolonialisieren. In 100 Jahren
schießen wir solche Leute also einfach auf den Mond.




Quote
9. Juni 2008 13:40
Kein Wunder.
ichwersonst (mehr als 1000 Beiträge seit 24.04.02)

Wir schauen bei den Einstellungen nicht wirklich danach, aus welcher
Schule das Zeugniss stammt. Wir schauen sogar nur mit einem halben
Auge auf die Noten, wie haben auch attraktive Jobs zu vergeben
(Werbekaufleute), aber was da an Gesocks, an indiskutabelen Volk, an
gelangweilten "Yos" und Checkern auftaucht ist unerträglich - selbst
bei Realschülern setzt das zusehends ein, aber die Hauptschüler sind
durchweg nicht zu gebrauchen.



Quote
9. Juni 2008 13:37
Gibt es hier auch mal 'nen "normalen" Kommentar?
so_ist_es (135 Beiträge seit 26.08.05)

In dem Artikel steht _nicht_, dass das Niveau an der Hauptschule zu
hoch sei, sondern dass allgemein Hauptschueler schlechte Chancen auf
dem Arbeitsmarkt haben und soziale oder ethnische Herkunft stark mit
den Erfolgsaussichten korrelieren. Ausserdem steht dort, dass
nachtraegliche Weiterbildung im Anschluss an den Hauptschulabschluss
vermutlich ineffizienter ist als bessere Foerderung waehrend oder vor
der Schulpflicht.

Ich verstehe nicht, warum hier alle auf der Hauptschule herumhacken.
Das Niveau dort ist niedrig, aber nicht, weil die Schueler per se
ueberhaupt keine Lust auf nix haben (gibt es auch), sondern auch,
weil viele von Ihnen instinktiv wissen, dass sie eh (fast) keine
Chance haben. Ich finde die Tendenz in Deutschland auf andere
herabzublicken und haemisch zu denken "schauen wir mal wie weit
der/die damit kommt" unertraeglich. Das sind in der Regel Schwaechere
(nicht koerperlich gemeint;) ), und deswegen gilt es eher zu stuetzen
als zu unterdruecken.


Quote
9. Juni 2008 13:43
Re: Kein Wunder.
Passat35i (29 Beiträge seit 16.05.08)

Aber, aber...

Ist doch überall im Fernsehen zu sehen, wie man mit Coolness alleine
die dicksten Schlitten, die geilsten Weiber und die größten Villas
bekommt.

Wozu dann noch Schule?

Und notfalls tut's doch H4.

Yo man!


Quote
9. Juni 2008 13:59
Re: Kein Wunder.
wursti (197 Beiträge seit 21.06.05)
[...] Es gibt aber auch Ausnahmen. So gibt es auch Hauptschüler die den
Sprung geschafft haben. Erst den erweitereten Sekundarabschluss II
erreicht und danach ABI gemacht.
Was dieses Yo und Checker Volk betrifft: Leider gibt es auch viele
solcher Leute an Gymnasien. Man sieht also dass das Nivea runter
geht.

Quote
9. Juni 2008 13:49
Kinder sollen immer mehr lernen und das ich kürzerer Zeit
T.Netz, Thomas Netz, t.netz@immo-exchange.net (5 Beiträge seit 05.06.08)

Das will die Industrie.

Aber, wie soll das gehen? Die Technik entwickelt sich permanent
weiter und viele Kinder kommen schon mit 14-16 Jahren damit nicht
mehr klar und deshalb flüchten sie sich in "Jobs" wie
Soap-Darsteller, Modell, Casting Star oder IWMM (Irgend was mit
Medien).

Kinder, die sich Mühe geben, in Mathe mitzukommen, auch mit Brüchen,
Wurzeln rechnen zu können, die auch mal eine Rotation mit dem Zirkel
und Geo-Dreieck hinbekommen, werden gehänselt und für dumm, d.h.
nicht-gesellschaftstauglich angesehen. Warum fehlen heute Fachkräfte
in allen natur-technischen oder wisseschaftlichen Berufen?

1. Weil in den '90-ern an den Unis und Bildungsetats massiv
gestrichen worden ist. Ohne gute Lerner gibt es nur "Superstars"!
2. Weil die Eltern nur damit beschäftigt sind, die Brut mit den
neusten Gadgets zu versorgen, aber im nicht mehr vorlesen, mit denen
nicht mehr die Hausaufgaben machen oder sonst wie sich noch um diese
kümmert. Es sein denn, man entdeckt, die können singen.

Aber da hört es schon auf - welcher dieser "Super Stars" kann noch
ein Instrument spielen? Ein einziges?

Es gibt nur eine Lösung - eine Reform:

1. auf 12 Kinder ein Lehrer.
2. Haupt- und Realschule ganz abschaffen.
3. die Eltern der Kindern die schwänzen wandern hinter gitter, für
jeden Tag
4. Lernzeit verlängern - Studiengänge dürfen auch verknüpfen werden
5. ein Grundeinkommen für Studierende und Einkommenssteuerfreiheit -
je schneller du bist, desto mehr Kohle kannst du machen
6. Firmen, welche in der EU tätig sein möchten (auch die
chinesischen) müssen 10% ihres Gewinns in Bildung und Forschulg in
der EU(!) stecken.

Es gibt noch viele Ideen, aber die werden scheitern. Warum? Weil der
Staat keine gebildeten Menschen brauchen kann. Sie denken. Denken des
Volkes ist Gift für die Politik, denn dann kann man die Menschen mit
2-3 Reden 2 Tage vor den Wahlen beeinflussen.


Quote
9. Juni 2008 13:52
Aus dem Nähkästchen eines Zivis im soz. Brennpunkt
P.Barin (449 Beiträge seit 10.10.07)

Damals (!) ergab es sich, dass ein 9jähriges Mädchen echt was *aufm
Kasten* hatte. Es kam der Zeitpunkt zu wählen, welche Schule besucht
werden sollte. OTon Mama: die braucht kein Gümnassium oder
Realeschule - die heiratet ja später !"

Wenn die Eltern schon Assi sind, was soll aus den Kindern werden ?

Heute seh ich *dasselbe* schon im KiGa meiner Tochter: Es gibt solche
und solche Eltern. Kommt die Mami im Trainingsanzug, Kippe im Maul
und der Sohnemann hat nen *ganz trendy Namen*  ist alles klar !
SORRY, IST ABER SO. Das sind dann auch die Jungens, die sich immer
schlagen, nicht hören oder sonstwie auffallen unhd alle 2 Tage bei
der KiGa-Leiterin sitzen ! DAS gabs zu meiner zeit nicht, im Kiga zum
Direktor ist schon grass, oder? Aber was erwarte ich denn auch von
Menschen, die mit 19 Jahren schon das 3. Balg auf die Welt bringen,
die anderen 2 schon Mangelerscheinungen habe etc .....


Quote
9. Juni 2008 13:56
Schuld daran sind die (Özgürs) Eltern
arnix (348 Beiträge seit 23.12.01)

Wer sich schulische Versager einmal anschaut und sieht die Eltern
dazu, dem wird schnell vieles klar.

Es sind nicht die Schüler die dumm sind, sondern es sind oft die
Eltern die pädagogisch gesehen völlige Versager sind. Wirklich dumme
Kinder (mal abgesehen von den Fällen wo es durch Krankheiten
begründet ist) gibt es nicht.

Wer soll den Schülern denn noch irgendwelche Werte und
Zukunftsperspektiven vermitteln wenn es nicht die Eltern sind? Aber
die sind teilweise so unterbelichtet und mit ihren Kindern
hoffnungslos überfordert, dass es schon eine Schande ist das solche
Menschen überhaupt Kinder haben.

Ja, und sicherlich ist Özgür, der kaum ein Wort Deutsch kann, eher
kein Kandidat der deutlich über das Hauptschullevel hinauskommen
wird. Aber ist das die Schuld von Özgür? Was kann er dafür wenn seine
Eltern ihr Leben wie "Klein Türkei in Deutschland" leben und das
Interesse einer Migration eher wenig bis gar nicht vorhanden ist.

Quote
9. Juni 2008 14:04
Re: Schuld daran sind die (Özgürs) Eltern
Wolfgang Nohl, Wolfgang Nohl (mehr als 1000 Beiträge seit 12.05.03)

arnix schrieb am 9. Juni 2008 13:56

> Ja, und sicherlich ist Özgür, der kaum ein Wort Deutsch kann, eher
> kein Kandidat der deutlich über das Hauptschullevel hinauskommen
> wird. Aber ist das die Schuld von Özgür? Was kann er dafür wenn seine
> Eltern ihr Leben wie "Klein Türkei in Deutschland" leben und das
> Interesse einer Migration eher wenig bis gar nicht vorhanden ist.

Hast du die News überhaupt bis zum Schluß gelesen?
In der News steht:
[Zitat]
Die Chancenungleichheit im deutschen Bildungssystem habe sich weiter
vergrößert. Das zeige sich, wenn man Kinder gleichen
Intelligenzstandes aus Unterschichtenfamilien mit denen aus
Akademikerfamilien vergleiche.
[/Zitat]

Den Inhalt dieser beiden einfachen Sätze versteht bestimmt auch
"Özgür".
Du scheinst damit jedoch Probleme zu haben.

mfg Wolfgang Nohl

Quote
9. Juni 2008 14:29
Re: Schuld daran sind die (Özgürs) Eltern
arnix (349 Beiträge seit 23.12.01)

Emigrantenfamilien sind nicht zwangsläufig Familien der Unterschicht.
Du hast anscheinend grundlegendes nicht verstanden, von der News
einmal gar nicht zu reden.

Wolfgang Nohl schrieb am 9. Juni 2008 14:04
[wirres Zeugs]

[...]

Quote
9. Juni 2008 15:23
Re: Schuld daran sind die (Özgürs) Eltern
Attoparsec (mehr als 1000 Beiträge seit 12.11.03)

DasItsch schrieb am 9. Juni 2008 14:48

>
> Na? Wer findet den Fehler?

Der Fehler sind die Lehrer, die ausländische und nicht-kaukasische
Kinder bewusst/unbewusst in die Hauptschule abschieben, unabhängig
vom IQ der Kinder.

Quote
9. Juni 2008 15:26
Re: Schuld daran sind die (Özgürs) Eltern
Mettwurscht (mehr als 1000 Beiträge seit 10.05.01)

> Der Fehler sind die Lehrer, die ausländische und nicht-kaukasische
> Kinder bewusst/unbewusst in die Hauptschule abschieben, unabhängig
> vom IQ der Kinder.

Nur mal so am Rande: Der IQ sagt insgesamt recht wenig aus.

Gute Nacht

Quote
9. Juni 2008 16:53
Re: Schuld daran sind die (Özgürs) Eltern
moemar (mehr als 1000 Beiträge seit 03.02.04)

Jaja, die Menschen aus dem Kaukasus.



Quote
9. Juni 2008 18:03
Re: Schuld daran sind die (Özgürs) Eltern
Niederrheinischer Patriarch (mehr als 1000 Beiträge seit 30.08.06)

Wolfgang Nohl schrieb am 9. Juni 2008 14:04

> arnix schrieb am 9. Juni 2008 13:56
>
> > Ja, und sicherlich ist Özgür, der kaum ein Wort Deutsch kann, eher
> > kein Kandidat der deutlich über das Hauptschullevel hinauskommen
> > wird. Aber ist das die Schuld von Özgür? Was kann er dafür wenn seine
> > Eltern ihr Leben wie "Klein Türkei in Deutschland" leben und das
> > Interesse einer Migration eher wenig bis gar nicht vorhanden ist.
>
> Hast du die News überhaupt bis zum Schluß gelesen?
> In der News steht:
> [Zitat]
> Die Chancenungleichheit im deutschen Bildungssystem habe sich weiter
> vergrößert. Das zeige sich, wenn man Kinder gleichen
> Intelligenzstandes aus Unterschichtenfamilien mit denen aus
> Akademikerfamilien vergleiche.
> [/Zitat]

Die Ursache der Chancenungleichheit liegt bei den Eltern. Da sich die
Unterschicht von ihrer Einstellung und Leistungsbereitschaft immer
stärker von der Mittel- und Oberschicht unterscheidet, bestätigt Dein
Zitat seine Aussage.








Quote
9. Juni 2008 14:18
Migrantenkinder in die Hauptschule - Geschichten aus dem Leben
OzzyBC42 (6 Beiträge seit 12.12.07)

Der Geschichten Teil 1:

Eine gute Bekannte von mir hat einen sehr aufgeweckten 3 Jährigen
Sohn. Die Familie selbst würde ich auch nicht umbedingt als
"Migrantenfamilie" bezeichnen, da Sie auch schon seit 2-3
Generationen hier in Deutschland leben. Die Eltern sind übrigens
beide Akademiker.

Letztens war ich die Familie mal wieder besuchen( haben ein sehr
hübsches, grosses Einfamilienhaus übrigens ) und habe dabei auch eine
Nachbarin, die, wie mir später gesagt wurde, Grundschullehrerin ist,
kennengelernt. Nach einem kurzem Gespräch über das Wetter sind wir
dann zu dem Satz gekommen, den ich wahrscheinlich mein Leben lang
nicht vergessen werde :

" ... da sind Sie doch bestimmt Froh, wenn der Kleine auch endlich in
die Hauptschule gehen kann."

JA, NATÜRLICH! DER TRAUM EINER JEDEN MUTTER!

Wie gesagt, der Kleine ist drei geworden und alles andere als
Auffällig, weder vom Verhalten noch vom Aussehen, bis auf die
schwarzen Haare und braunen Augen ...

Der Geschichten Teil 2:

Ein anderer Bekannter aus Ungarn hat seinen Namen ändern lassen. Der
Vater seiner Freundin, seines Zeichens zuständig für Human Resources
bei einem großen Pharmakonzern, hatte Ihm gesagt, daß er mit seinem
alten Namen höchstens als Putzhilfe in Erwägung gezogen werden
könnte. Er selbst ist auch Akademiker übrigens. Hat
Amerikawissenschaften in B. studiert.

Teil 3:

Als ich ABI gemacht habe, hat mein Geschichte-LK Lehrer in unserem
Dorf Gymnasium uns erklärt wie glücklich wir uns schätzen dürfen, daß
es bei uns nicht so viele türkische Mitschüler ( einer um genau zu
sein, ich ) wie in Schulen der nächst gelegenen Großstadt gibt. Schon
alleine wegen dem Niveau ...
war aber nett von Ihm, daß er während der Ansprache so getan hat als
wäre ich nicht anwesend.
Die Mitschüler haben sich übrigens rechts schnell an mich gewöhnt,
einige wenige Lehrer leider nie.

Ich selbst habe übrigens ein Diplom in Informatik und ich weiß ganz
genau, daß ich diesen Umstand nur der Tatsache zu verdanken habe, daß
sich meine Eltern geweigert haben mich wie empfohlen in die
Hauptschule einzuschreiben, sondern stattdessen zur Realschule
geschickt haben und ich mir mit Zeugnis + Qualifikation aussuchen
konnte wo ich weiter mache.

Nein, ich hatte nie Probleme mit meine schulischen Leistungen, nur
mit einigen "Pädagogen" und deren "Humor": "Unsere ausländischen
Mitbürger können sich nun auch Medizin leisten seitdem es Aldi im
Angebot hat."

Und nein, ich will nicht sagen, daß alle diese Personen "typisch
deutsch und typisch rassistisch" sind, aber das die Vorurteile bei
einigen Menschen so tief im Kopf sind, das Sie es selbst mehr merken,
wann sie einfach mal die Fresse halten sollten.

*FRESSE HALT*


// -------

Quote
[...] ARBEITSMARKT - Jung, gut und unerwünscht

Hochqualifizierte türkischstämmige Akademiker wandern aus, weil sie sich in Deutschland missachtet fühlen - in anderen Ländern werden die Talente umworben.

[...] Für das Bewerbungsgespräch bei einer großen Möbelfirma in der Nähe von Mönchengladbach hatte sich Oguz-Han Yavuz ordentlich in Schale geworfen: feiner Anzug, weißes Hemd, silberfarbene Krawatte. Als dem Betriebswirt der Bus vor der Nase wegfuhr, beschloss er, ein Stück zu Fuß zu gehen. Doch er kam nicht weit.

[...] "Was lungern Sie hier herum?", sagt Yavuz, habe ihn ein Polizist angeherrscht, der seinen Streifenwagen neben ihm zum Stehen gebracht hatte. Obwohl Yavuz keineswegs wie ein Stadtstreicher aussah, bestand der Beamte darauf, dessen Personalien zu überprüfen. Nachdem er seinen Ausweis zurückbekommen hatte, sagte Yavuz "Tschüs". Der Polizist sagte nichts.

Das war der Moment, so erzählt es Yavuz, 30, in dem er genug hatte. Genug von diesem Land, genauer gesagt: genug davon, in diesem Land Türke zu sein. Er ist in Neuss geboren und besitzt seit 13 Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft. Aber er hat eine dunklere Haut als die meisten Deutschen. Deshalb wird er beim Einkaufen oder in der Bank immer wieder gefragt: "Verstehen Sie Deutsch?"

Der Betriebswirt will nun das Land, in dem er geboren wurde und aufgewachsen ist, verlassen. Er plant, in die Türkei auszuwandern. Sein älterer Bruder ist Pilot bei der Fluglinie Emirates und wohnt in Dubai. "Aber ich würde auch nach China gehen", sagt Yavuz. "Ob ich am Ende in Deutschland oder im Ausland Ausländer bin, spielt keine große Rolle."

Yavuz ist Teil einer Bewegung, die türkischstämmige Akademiker in Deutschland erfasst hat. Viele der klügsten Köpfe der rund 2,7 Millionen Menschen starken türkischen Community werden, wie einst ihre Eltern, zu Migranten - allerdings in entgegengesetzter Richtung: Sie kehren Deutschland den Rücken, weil sie sich hier unerwünscht fühlen und anderswo bessere Chancen sehen. Aus Kindern von Einwanderern werden Auswanderer.

Migration sei "wie ein Barometer für den Standort Deutschland", sagt der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet (CDU): "Attraktive Länder haben Einwanderer, weniger attraktive haben Auswanderer."

[...] Ein Betriebswirt aus Düsseldorf sah sich unlängst in New York nach Jobs um. "Nach einer Woche", erzählt er, "fühlte ich mich wie ein Amerikaner." In Deutschland fühlt er sich auch nach 26 Jahren nicht ganz heimisch. Hier suchte er auch, obwohl er sein Diplom mit 1,0 machte, wesentlich länger nach einem Job als deutsche Kommilitonen - die deutlich schlechtere Noten hatten.

Eine Erfahrung, die alle türkischstämmigen Akademiker verbindet - irgendwann fordern Deutsche sie mehr oder weniger unfreundlich auf: Geh doch wieder dahin, wo du herkommst.

Dilsad Budak, 27, die mit anderthalb Jahren aus Istanbul nach Deutschland kam, antwortet dann manchmal pampig: "Nein, ich hole alle meine Verwandten aus der Türkei hierher und bekomme noch dazu zehn Kinder."

Im vergangenen Jahr arbeitete die Rechtsreferendarin aus Düsseldorf vier Monate in einer Anwaltskanzlei in Istanbul. Sie bekam sofort mehrere gute Jobangebote. "In der Türkei wird deine Bikulturalität geschätzt", sagt sie.

[...]

Von Michael Sontheimer (19. Mai 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,554163,00.html (http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,554163,00.html)




// -------

Quote
9. Juni 2008 18:43
An alle, die hier schreiben, die Kinder seien selbst schuld (Editiert vom Verfasser am 09.06.08 um 18:44)
vollbio (610 Beiträge seit 20.02.07)

Als ich mich ein paar Jahre in der Schweiz rumgetrieben habe, ist mir
aufgefallen, dass die Eidgenossen über die Gnadenlosigkeit, mit der
man in Deutschland miteinander umgeht, die Nase gerümpft haben.
Dieses Forum bestätigt diesen Eindruck mal wieder.

Hauptschüler sind Kinder oder pubertierende Jugendliche. Es ist
schlichtweg unmöglich, von diesen jungen Menschen so etwas wie
"Eigenverantwortung" zu verlangen. Sie sind keine gereiften, sondern
schwache Persönlichkeiten.

Verschlimmert wird das Ganze dadurch, dass sie schon mit 10, 11
Jahren von ihren Altersgenossen, mit denen sie vier Jahre auf der
Grundschule verbracht haben, immer wieder aufs Brot geschmiert
bekommen, dass sie Versager sind. Bei vielen wird es dadurch
verschlimmert, dass die familiären Verhältnisse nicht in Ordnung
sind, dass ihre Eltern unfähig sind oder dass niemand ihnen die
Sprache dieses Landes ordentlich beigebracht hat.

Es tut mir leid, aber Gefasel wie "Man muss nur wollen" ist völliger
Bullshit. Selbstverständlich sind diese Kinder NICHT schuld daran,
dass sie so drauf sind, wie sie es sind.

Ich warte noch darauf, dass die Eigenverantwortungs-Fraktion "selbst
schuld!!1" ruft, wenn ein 5jähriges Kind sich eine bestimmte
Infektionskrankheit holt, schließlich hätte es wissen müssen, dass es
sich hätte impfen lassen sollen.

Quote
9. Juni 2008 18:46
Als ob das in der Schweiz anders sei ..
DrNihil (278 Beiträge seit 03.03.08)

Überall der gleiche Schmonz ...

Man kann nicht alle retten .. es ist nunmal so, dass Menschen nicht
gleich-leistungs-fähig sind .. und es ist auch so, dass nicht alle
Menschen die gleichen Chancen haben (können).

Wir können das nun zur gemeinsamen Beruhigung unseres Gewissens alles
total schrecklich finden und heimlich froh drum sein, dass es uns
nicht selbst betrifft.

Quote
9. Juni 2008 20:20
Aufs Maul
D'Spayre (mehr als 1000 Beiträge seit 13.01.02)

DrNihil schrieb am 9. Juni 2008 19:29

> 5. kann ich Sozial-Heuchler nicht ausstehen

[...] Ich mag Leute wie dich, die auf Solidarität und Zusammenhalt
verzichten. :-)


Quote
9. Juni 2008 19:04
Re: An alle, die hier schreiben, die Kinder seien selbst schuld
Norman Railer (mehr als 1000 Beiträge seit 17.01.00)

vollbio schrieb am 9. Juni 2008 18:43

> Es tut mir leid, aber Gefasel wie "Man muss nur wollen" ist völliger
> Bullshit. Selbstverständlich sind diese Kinder NICHT schuld daran,
> dass sie so drauf sind, wie sie es sind.

Bei einem 5-Jährigen: Ja.
Bei einem 19-Jährigen: Nein.

Wenn man jemandem das Wahlrecht, Führerschein, die Berechtigung
Verträge bis hin zur Eher zu schließen und Strafmündigkeit zugesteht,
dann muß man ihm auch die Verantwortlichkeit für seine eigene Bildung
zugestehen und anlasten.
Soweit d'accord?

In der Entwicklung zwischen Kind und Erwachsenem muß sich die
Entscheidungsfähigkeit und die Verantwortung für das eigene Leben
entwickeln, die wird nicht mit dem 18. Geburtstag per Urkunde
ausgeteilt. Entsprechend wird bei anderen Altersgrenzen schon
Entscheidungsfähigkeit zugestanden: Religionswahl, Fächerwahl,
eigenes Sexualleben. Abgesehen von den rechtlichen Grenzen gibt es
auch anderes, was Heranwachsenden von den Eltern schrittweise
zugestanden wird, z.B. alleine aus dem Haus zu gehen oder über
eigenes Geld zu verfügen.

Ab irgend einem Punkt muß jeder Verantwortung für das eigene Leben
übernehmen.
Du kannst jetzt diskutieren, ob die Altersgrenzen zu niedrig gesetzt
wurden und Jugendliche "eine härtere Hand brauchen"; aber sobald sie
selbst entscheiden, müssen sie auch die Konsequenzen tragen.


Quote
9. Juni 2008 19:29
Re: An alle, die hier schreiben, die Kinder seien selbst schuld
Norman Railer (mehr als 1000 Beiträge seit 17.01.00)

vollbio schrieb am 9. Juni 2008 19:17

> Norman Railer schrieb am 9. Juni 2008 19:04
>
>> vollbio schrieb am 9. Juni 2008 18:43
>>
>>> Es tut mir leid, aber Gefasel wie "Man muss nur wollen" ist völliger
>>> Bullshit. Selbstverständlich sind diese Kinder NICHT schuld daran,
>>> dass sie so drauf sind, wie sie es sind.

>> Ab irgend einem Punkt muß jeder Verantwortung für das eigene Leben
>> übernehmen.
>
> Ich finde es dagegen nur recht und billig, dass 15-17jährige
> Hauptschulabgänger, die aufgrund von Pflichtverletzungen von Eltern,
> Schulen und Behörden in eine perspektivlose Lage geraden sind, dafür
> eine Art Schadensersatz verlangen können.

Kann man so sehen.
Allerdings mußt du dann Eltern, Schulen und Behörden auch Mittel
zugestehen, die Kinder zuvor zum erwünschten Verhalten zu zwingen.

Entweder du hältst sie für unmündig und nicht verantwortlich für ihr
eigenes Handeln - dann mußt du aber auch Zwangsmaßnahmen zulassen, ja
fordern.

Oder du läßt den 16-jährigen, rauchenden, obercoolen Schuleschwänzer
mit Jugendstrafe und x-ter "bitch" verantwortlich für sein Handeln
sein und die Folgen selbst tragen.

Ich bin von keiner der beiden Möglichkeiten zur Gänze angetan, aber
gegen Wischiwaschi in den Konsequenzen. Wer nicht selbst entscheiden
darf, ist nicht verantwortlich; wer aber selbst entscheiden darf, der
ist auch selbst verantwortlich.

> > Du kannst jetzt diskutieren, ob die Altersgrenzen zu niedrig gesetzt
> > wurden und Jugendliche "eine härtere Hand brauchen";
>
> Ich glaube eher, dass die Erwachsenen, die bei der Erziehung bzw.
> schulischen Ausbildung dieser Kinder versagt haben, eine härtere Hand
> brauchen.

Du meinst, statt einfach Geld pro existierendes Kind zu bekommen?
Welch schockierende Idee.




Quote
9. Juni 2008 20:48
In der Natur
DrNihil (290 Beiträge seit 03.03.08)

hat es noch keine Spezies nur deshalb zu etwas gebracht, weil man mit
ihr besonders viel gekuschelt hat - oder der Säbelzahntiger sagte
"och dü büschd mer abbär ei niddelischer - disch fressch mär heide
nüsch" ..

Gestern war ich in einem botanischen Garten - da liefen auch ein paar
Küken samt Mama umher (Spezies habe ich noch nicht recherchiert) ..
als die Mama uns entdeckte lief sie samt Bälger in ein Gesträuch.
Eines ihrer Zöglinge - wohl ein Hauptschülerküken - war gerade auf
einem SIDO-Konzert und bemerkte - vollgedrönt vom Gras - unser Kommen
nicht.

Was glaubt ihr? Hat die Mamma das fehlende AGRO-Küken abgeholt? Es
laut zu sich gerufen? Oder hatte es einfach Glück, dass nur ich es
war - und nicht die Säbelzahnwirklichkeit ?

Man sollte nicht an der falschen Stelle anfangen von der Natur
wegzuschauen

Gruß

Quote
9. Juni 2008 23:58
Re: In der Natur
moemar (mehr als 1000 Beiträge seit 03.02.04)

Du kannst dir sicher sein, das meine Nachfahren deine Nachfahren aus
dem Gene- und Memepool entfernen.

Viel Spass weiterhin auf diesem Planeten :D


Quote
10. Juni 2008 07:46
Re: In der Natur
ZOMTEC (mehr als 1000 Beiträge seit 12.09.01)

DrNihil schrieb am 9. Juni 2008 20:48

[...] Sozialdarwinismus?

> Man sollte nicht an der falschen Stelle anfangen von der Natur
> wegzuschauen

Ok. Lass uns treffen und dem biologischen Darwinismus zu seinem Recht
verhelfen. Ist dann Dein Pech, wenn ich dabei der Säbelzahntiger bin
und Du das Küken, das dann aus dem Genpool entfernt wird, oder? Ich
schwanke noch, ob Du mehr dumm oder mehr primitiv gestrickt bist.

MfG

ZOMTEC

Quote
10. Juni 2008 10:00
Re: In der Natur
Der_Irre_Polterer (mehr als 1000 Beiträge seit 23.02.04)

ZOMTEC schrieb am 10. Juni 2008 07:46

[...]
> Ich schwanke noch, ob Du mehr dumm oder mehr primitiv gestrickt bist.

Weder noch: Er propagiert knallhart eine rechte Agenda.








Quote
9. Juni 2008 21:45
Endlich. Das heiseforum ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
FrogmasterL (mehr als 1000 Beiträge seit 02.11.05)

Kein Gerede mehr von Chancengleichheit, statt dessen werden bewährte
Vorurteile ('selber schuld','faules Pack','die Jugend von heute')
propagiert und bejubelt.
Vergleicht man die Beiträge hier mit denen, die bei allem, was mit
der Fachkräftemangel zu tun hat, ist schon ein gewisses Gefälle in
den Ansichten zu
erkennen, und das ist auch nicht verwunderlich:

Die Arbeitswelt kennt hier fast jeder, die Hauptschulwelt kaum
jemand(mich eingeschlossen). Ich finde dieses Gebashe erschreckend.
Das heisst nicht, dass ich nachts jubelnd durch Rothenburgsort laufe
und alle Jugendlichen umarme, aber diese Menschen wird schon in
jungen Jahren eingeimpft, dass sie den Bodensatz der Gesellschaft
darstellen, wen verwundert dann die Gewalt und das ewige
'Digger'-Gerede?


Quote
10. Juni 2008 09:32
Das Bildungssystem liegt darnieder! (Editiert vom Verfasser am 10.06.08 um 09:33)
croorg (619 Beiträge seit 28.05.06)

Es ist ja nicht verwunderlich, dass Hauptschüler heutzutage zu nichts
mehr zu gebrauchen sind. Allerdings liegt die Schuld daran nicht bei
den Jugendlichen, und nicht nur bei den Eltern, sondern vorallem auch
am Bildungssystem. Wir brauchen ein Bildungssystem das die Leute
motiviert und ausbildet, und nicht demotiviert und aussortiert. Wenn
das Bildungssystem nicht schon bei den Eltern versagt hätte, wäre die
Ausgangssituation der Jugendlichen auch besser gewesen, usw.. Das ist
ein Teufelskreis der dringend gestoppt werden müsste. Schon heute
steht das Funktionieren der Demokratie auf der Kippe, weil großen
Teilen des Volkes die Bildung fehlt ...




Aus: "Nur wenige Hauptschüler finden einen Ausbildungsplatz" (09.06.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Nur-wenige-Hauptschueler-finden-einen-Ausbildungsplatz--/meldung/109188 (http://www.heise.de/newsticker/Nur-wenige-Hauptschueler-finden-einen-Ausbildungsplatz--/meldung/109188)


Title: [In Deutschland studieren... (Notiz)]
Post by: Textaris(txt*bot) on June 18, 2008, 11:14:04 AM
Quote
[...] 94 Prozent der Abiturienten, deren Eltern Akademiker sind, nehmen ein Studium auf. Bei den Arbeiterkindern sind es nur 50 Prozent. Die Schere ist in den vergangenen Jahren noch weiter auseinander gegangen. Wie diese Zahlen aus der Sozialerhebung des Studentenwerkes zeigen, ist die Aufnahme eines Studiums »komplett unabhängig von der schulischen Leistung«, sagt Bildungsforscher Andrä Wolter. Akademikerkinder mit mäßigen Noten studieren häufiger als die Arbeiterkinder mit guten Zensuren. »Wenn aber nicht Qualifikation ausschlaggebend ist, sondern Herkunft, widerspricht das dem Selbstbild unserer Leistungsgesellschaft«, sagt Wolter.

[...] »Studienfinanzierung« und »Erwerbstätigkeit« sind für Bildungsaufsteiger die größten Probleme im Studium. Das geht aus dem Studierendensurvey hervor, in dem Konstanzer Soziologen regelmäßig Studenten befragen. Aktuelle Reformen könnten diese Probleme noch verschärfen. Sieben Bundesländer erheben mittlerweile Studiengebühren. Das könnte diejenigen, für die die Finanzierung eines Studiums ohnehin ein Problem ist, zusätzlich davon abschrecken.

Erste Zahlen aus Baden-Württemberg, die Ende Mai bekannt wurden, scheinen das zu bestätigen. Dort sank in den zwei Jahren vor der Gebühreneinführung im Frühjahr 2007 die Übergangsquote von Nichtakademikerkindern nach dem Abitur von 62 auf 50 Prozent.

[...] Ein von der Landesregierung eingesetzter Gebührenbeirat aus Hochschul- und Studentenvertretern stellte fest, dass die soziale Selektion »durch die unmittelbar bevorstehende Einführung von Studiengebühren verstärkt worden ist«. Hinzu kommt, dass Bachelorstudenten deutlich weniger Zeit als die Magistervorgänger haben, sich neben der Uni ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Über diese Reformen ist viel gestritten geworden. Weit weniger beachtet wurde eine dritte Reform, der Kritiker ebenfalls soziale Sprengkraft zuschreiben. In Numerus-clausus- Studienfächern können Universitäten nun bis zu 60 Prozent der Studienplätze auch nach Auswahlgesprächen vergeben. Wenn Professoren nach solchen Gesprächen entscheiden, könnten sie unbewusst die Bewerber bevorzugen, die aus dem gleichen Milieu stammen wie sie selbst. Studienbewerber mit nichtakademischem Hintergrund hätten dann das Nachsehen, befürchtet der Soziologe Tino Bargel, der den Studierendensurvey durchführt.

Eine Studie der Uni Marburg zeigte, dass das schon der Fall ist, wenn Professoren Uni-Jobs vergeben: Von 150 studentischen Hilfskräften an der Hochschule waren nur drei Arbeiterkinder.

[...]

Quote
WIHE, 16.06.2008 um 11:45

5. Kommentar

Rohstoffarmes Land

Auch die in Deutschland vererbte Intelligenz ist begrenzt, nicht beliebig vermehrbar. Intelligenz ist heute ein Hindernis  für die Fortpflanzung, wie man an den inteilligenten, gebildeteten aber kinderarmen Frauen sieht. Den Intelligenzpeak haben wir deshalb schon wohl überschritten. Von nun an geht es bergab. Ob Arbeiterkinder studieren oder nicht, ist dabei fast unerheblich.


Quote
Intelligenz
Dies ist eine Antwort auf Kommentar Nr. 5

"Auch die in Deutschland vererbte Intelligenz ist begrenzt, nicht beliebig vermehrbar.Intelligenz ist heute ein Hindernis für die Fortpflanzung, wie man an den inteilligenten, gebildeteten aber kinderarmen Frauen sieht. Den Intelligenzpeak haben wir deshalb schon wohl überschritten. Von nun an geht es bergab."

Das entspricht der Ideologie der Nationalsozialisten, nämlich dass minderwertiges, dümmeres, respektive "asoziales" Leben sich sowieso stärker vermehrt und das "höherwertige", intelligente und edle irgendwann verdrängt.

Leider gibt es auch heute Wissenschaftler die diesen Unsinn gerne glauben und weiter verbreiten:

http://www.welt.de/print-wams/article609081/Deutschland_in_der_Intelligenzfalle.html

Dem spricht schon die bloße Tatsache entgegen, dass der IQ der Bevölkerung von Generation zu Generation steigt. Intelligenz ist nach neuesten Studien nämlich eher: Umwelt x Gene

Eine Ideologie die voraussetzt, dass alle Menschen sich IQ-mässig bereits in der richtigen sozialen Schicht befinden ist daher zwangsläufig falsch. Die höheren Bildungsschichten sind gemischt und bestehen aus Intelligenten ebenso wie aus stark geförderten "Dummköpfen".  Während die mittleren und niederen Bildungsschichten ebenso gemischt sind und mit vernachlässigt Intelligenten durchsetzt.

Fallen wir also bitte nicht auf derart primitive Weltbilder herein, Intelligenz fächert sich über ein breites Spektrum und verschiedene Fähigkeiten, außerdem ist sie kontinuierlich (nicht diskret) und wächst mit der Erfahrung und Förderung.



Quote
Morido, 16.06.2008 um 16:55

7. Tsss

Jetzt haben wir gerade eben mittels Studiengebühren ne halbwegs wirksame Barriere aufgebaut - und jetzt kommen wegen solchen Leuten die Looser wieder...

Was soll man denn da noch alles unternehmen?


Quote
llebanna, 17.06.2008 um 03:05

12. Ich bin ein Arbeiterkind

Ich bin ein Arbeiterkind bzw. man ist ja kein Kind mehr, wenn man studiert.
 Ich schlag mich ganz gut durch und studiere das, was mir liegt.
Mein Eltern hatte diese Chancen nicht ( 1941 geboren)  und sie leide bis heute darunter, dass sie  intellektuell nicht ausreichend gefordert wurden.

Ich will das auf keinen Fall erleben.


[...]


Aus: "Geschlossene Gesellschaft" Von Fabian Reinbold (DIE ZEIT, 05.06.2008 Nr. 24)
In Deutschland studieren vor allem Akademikerkinder. Die Politik tut kaum etwas gegen die soziale Schieflage. Studenten setzen sich nun selbst für mehr Gerechtigkeit ein.
Quelle: http://www.zeit.de/2008/24/C-Soz-Stud?page=1 (http://www.zeit.de/2008/24/C-Soz-Stud?page=1)



Title: [Blindwütiges Hinbeissen... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on June 19, 2008, 02:31:59 PM
Quote

Quote
²ur des °es | 01.05.2008 13:44
Re: Re:
Frontex hilft die elementaren Rechte der EU-Bürger zu schützen.
Ich weiss nicht wie Sie sich kleiden, aber mir ist das Hemd näher als der Rock.

Quote
   ²ur des °es | 16.05.2008 17:55
Re: Re: Re: Re:
Hierbei geht es um Territorialrechte.


Quote
Sponge Bob | 01.05.2008 10:06
Ich würde gerne was für FRONTEX spenden!
hat jemand eine Kontonummer für mich?


Quote
   Dr. Seltsam | 30.04.2008 17:38
Re: Re: Re:
Ahsoo. Jemand der vor Hunger, Dürre oder Gewalt flüchtet, hat also kein Recht auf Leben!

Quote
fahrenheit 451 | 30.04.2008 20:38
Re: Re: Re: Re:
sorry, ihr humanistischer ansatz in ehren aber europa kann 2 mrd menschen nicht einfach aufnehmen...


Quote
woory | 30.04.2008 14:30
Re: Re:
Illegale Einreise ist kein Menschenrecht.
Bis jetzt war die Grenzüberwachung eine nationale Aufgabe, diese Aufgabe wird jetzt eben immer mehr von der EU übernommen, so what.

Quote
Der Wählerwille | 30.04.2008 16:18
Re: Re: Re: Re:
ich wander dann mal in ihre wohnung
verbrauche ab diesem zeitpunkt 33% ihrer ressourcen.

danke im voraus.


Quote
power-cat, 01.05.2008 13:58


Grauen packt mich wenn ich die Postings zu diesem Artikel lese. Bei solchen MitbürgerInnen wundern mich einige Zustände in diesem Staat gar nicht mehr.  Differenzierte Wahrnehmung, erkennen komplexer Zusammenhänge wird durch reflexartiges, blindwütiges Hinbeissen auf sozial schlechter Gestellte und weniger Priveligierte ersetzt. 


Ein Kommentar zu: ""Frontex führt fast ein Eigenleben"" (derStandard.at, 05.05.2008)
Quelle: http://derstandard.at/Text/?id=3312341&_view=forum (http://derstandard.at/Text/?id=3312341&_view=forum)

-.-

KonText:
Topic: [Fortress Europe... (Notizen)]
http://www.subfrequenz.net/forum/index.php/topic,137.0.html (http://www.subfrequenz.net/forum/index.php/topic,137.0.html)

Title: [Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on July 07, 2008, 11:07:28 AM
Quote
[...] Das Aschenputtel, das bei Ludwig Bechstein Aschenbrödel genannt wird, ist im englischen Sprachraum als Cinderella bekannt, im französischen als Cendrillon, im spanischen als Cenicienta, im italienischen als Cenerentola, im griechischen als η σταχτοπούτα (i staktopouta), im ungarischen Hamupipőke, im russischen als Soluschka, im tschechischen als Popelka im schwedischen als Askungen.

[...] Der König lässt [...] auf seinem Schloss ein dreitägiges Fest ausrichten, zu dem alle Jungfrauen des Landes eingeladen werden, damit sein Sohn eine Gemahlin wählen kann. Die Stiefmutter und die eitlen Stiefschwestern wollen nicht, dass Aschenputtel auch an dem Fest teilnimmt, obwohl es darum bittet. Die Stiefmutter gibt ihm stattdessen auf, Linsen aus der Asche zu lesen (auszusortieren). Dies gelingt Aschenputtel mit Hilfe der von ihm herbei gerufenen Tauben: „…die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen!“

...


Aus: "Aschenputtel" (30. Juni 2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Aschenputtel (http://de.wikipedia.org/wiki/Aschenputtel)

-.-

Quote
[...] Köln (dpa) - Die Koalition will die Freizügigkeit für Billiglohn- Arbeiter aus den neuen EU-Ländern im Osten nach den Worten des innenpolitischen Sprechers der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl, um weitere zwei Jahre bis 2011 verschieben. Im Gegenzug wolle man qualifizierte Fachkräfte nach Deutschland holen, sagte Uhl dem Kölner Stadt-Anzeiger . Geduldete Akademiker sollen demnach bereits dann eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis erhalten, wenn sie zwei Jahre lang hier in ihrem erlernten Beruf gearbeitet haben.




Aus: "Union will keine Freizügigkeit für Billig-Arbeitskräfte bis 2011" (07.07.2008)
Quelle: http://www.focus.de/politik/schlagzeilen?day=20080707&did=868554 (http://www.focus.de/politik/schlagzeilen?day=20080707&did=868554)

-.-

Quote
[...] Köln (dpa) - Die Koalition will die Freizügigkeit für unqualifizierte Billiglohn-Arbeiter aus den neuen EU-Ländern im Osten nach den Worten des innenpolitischen Sprechers der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU), um weitere zwei Jahre bis 2011 verschieben.

[...] Geduldete Akademiker und Facharbeiter sollen nach Uhls Angaben bereits dann eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis erhalten, wenn sie zwei Jahre lang in Deutschland in ihrem erlernten Beruf gearbeitet haben.


Aus: "Union gegen Freizügigkeit für Billig-Arbeitskräfte" (07. 07. 2008)
Quelle: http://www.badisches-tagblatt.de/html/ticker/00_20080707103251_Union_gegen_Freizuegigkeit_fuer_Billig_Arbeitskr.html (http://www.badisches-tagblatt.de/html/ticker/00_20080707103251_Union_gegen_Freizuegigkeit_fuer_Billig_Arbeitskr.html)

-.-

[...]

Kontext: [Fortress Europe... (Notizen)]
http://www.subfrequenz.net/forum/index.php/topic,137.0.html (http://www.subfrequenz.net/forum/index.php/topic,137.0.html)

Title: [Die Lehmschicht... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on July 09, 2008, 09:47:14 AM
Quote
[...] Der damalige Chef der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, sprach von "Peanuts", als 1994 der Baulöwe Jürgen Schneider pleite ging und Dutzende Handwerker ihr Geld nicht mehr bekamen.

Kopper entlarvte auf diese Weise, wie unwichtig der Bank ihre mittelständischen Kunden sind. Franz Müntefering, seinerzeit SPD-Vorsitzender, prägte im Frühjahr 2005 den Begriff der "Heuschrecke" und verhalf damit aggressiven Fonds, die deutsche Firmen kaufen und teils fleddern, zu plötzlicher Berühmtheit; als Hedgefonds oder Private-Equity-Gesellschaften, wie sie im Branchenjargon heißen, hätten diese Fonds es keinesfalls auf die erste Zeitungsseite oder in die Tagesschau gebracht.

Und nun kommt Siemens-Chef Peter Löscher daher und redet von einer "Lehmschicht", die es abzutragen gelte. Die Lehmschicht: Das sind jene Menschen bei Siemens (und auch in anderen Unternehmen), die man gemeinhin nicht sieht, die normalen Angestellten in der Verwaltung, die Referenten und Sachbearbeiter, die untere und vielleicht auch noch die mittlere Führungsebene.

Sie sitzen in klimatisierten Büros, nicht in stickigen Fabriken; sie wickeln den Papierkram ab, der inzwischen zum Computerkram geworden ist; sie buchen Reisen und Rechnungen; sie sitzen im Herzen von Siemens, recht nahe an der Macht, aber oftmals weit weg von der Produktion, von den Fabriken, von den Märkten.

Die Lehmschicht: Es gibt sie in vielen deutschen Unternehmen. Bei der Allianz. Bei der Deutschen Bank. Bei Volkswagen. Bei der Telekom. Bei der Post. Bei der Bahn. Man könnte sie auch als Mittelschicht bezeichnen. Denn ihre Mitglieder sind - neben den Facharbeitern und den Handwerkern - ein bedeutender Teil jener Schicht, die das Herz der deutschen Gesellschaft bildet.




Aus: "Siemens baut weltweit Stellen ab - In der Lehmschicht" (08.07.2008)
Aus einem Kommentar von Ulrich Schäfer
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/410/184830/ (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/410/184830/)

Title: [Die Zahl der Billigkräfte... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on July 24, 2008, 10:42:43 AM
Quote
[...] Berlin - Die Zahl der Billigkräfte im Staatsdienst hat rapide zugenommen: Waren 2001 in den Bundesministerien noch 31 Zeitarbeiter tätig, arbeiteten dort 2007 schon 247 - das berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

...


Aus: "Ministerien beschäftigen immer mehr Billigkräfte" (24.07.2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,567678,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,567678,00.html)
Title: [Die Übergänge zwischen den Schichten... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on August 29, 2008, 11:47:43 AM
Quote
[...]  Es wächst nicht nur die Kluft zwischen den Reichen und Armen, sondern es verschließen sich auch die Übergänge zwischen den Schichten stärker, wodurch sich der soziale Status zementiert. Nach Angaben des Office for National Statistics (ONS) haben in 3 Millionen britischen Familien alle Mitglieder in arbeitsfähigem Alter keinen Vollzeitjob (workless households), das sind fast 16 Prozent aller Haushalte.

4,3 Millionen Menschen in arbeitsfähigem Alter (Männer zwischen 16 und 64, Frauen zwischen 16 und 59 Jahren) leben in Haushalten, die durch Arbeitslosigkeit gekennzeichnet sind. Das sind immer 11,4 Prozent aller Arbeitsfähigen. Besonders düster sieht es bei den Kindern aus. 1,8 Millionen oder fast jedes siebte lebt in einem Haushalt, in dem niemand einer Lohnarbeit nachgeht. Meist leben sie bei einem alleinerziehenden Elternteil. 40 Prozent der Alleinerziehenden sind arbeitslos, während die Arbeitslosigkeit bei verheirateten oder zusammen lebenden Paaren nur 5 Prozent beträgt.

Seit 2003 hat sich, trotz des in den letzten Jahren bis zur Kreditkrise guten Wirtschaftswachstums in Großbritannien, daran kaum etwas verändert. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Gesellschaft fällt damit auf Dauer aus dem Arbeitsleben heraus, ist angewiesen auf soziale Unterstützung und bleibt wohl auch weiterhin von der Möglichkeit des sozialen Aufstiegs ausgeschlossen.

Quote
29. August 2008 04:14
Lieber Herr Rötzer...
StefanSch78 (mehr als 1000 Beiträge seit 17.04.01)

... könnten Sie bitte in Zukunft in Ihrem Zahlenkauderwelsch und
"typischem" Dreizeilergeschreibsel auch mal etwas eigenen Inhalt
dazwischenbringen?

Schaffen doch andere irgendwie auch...

Aber diese ständige Wiedergabe von irgendwelchen lieblos
zusammengewürfelten Statistikwerten, teilweise mit verwirrendem
Inhalt, das empfinde ich persönlich nicht gerade als eine
stilistische Meisterleistung mit schöpferischen, journalistischen
Wert.

Dass Langzeitarbeitslose nur schwer bis gar nicht aus ihrer Situation
herausfinden, das ist nichts Neues; ebenso wenig, dass
Alleinerziehende besonders betroffen sind und keine Anstellung
finden.
Auch dass deren Kinder es oft unnötig und schwerer haben, ist
hinlänglich bekannt. Sei es aufgrund mangelnder Förderung, fehlender
Bildung, Vorabselektion in der Schule trotz Talent, mangelnde
berufliche Kontakte der Eltern oder einfach fehlendes Vitamin B.

Mit dem Finger auf Großbritannien zeigen wird auch nicht viel
weiterhelfen, denn ähnliche Situationen finden wir hierzulande ebenso
vor, die Briten haben es eben inzwischen perfektioniert, sind uns
lediglich zwei bis drei Jahre voraus in der (Negativ-)"Entwicklung".


Quote
29. August 2008 02:05
Dieses ständige Herumgesuhle
Mario Schmid, Mario Schmid (840 Beiträge seit 21.10.01)

von Telepolis in Klamauk über Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrisen,
Verelendung, Verdummung und das Ende der Zivilisation an sich in der
letzten Zeit hier hängt mir zum Hals raus.
Diese ewige Sauertöpfigkeit, dieser ewige Pessimismus durchzieht die
Berichterstattung hier schon seit knapp 10 Jahren, und trotzdem wurde
für die überwiegende Mehrheit der Menschen alles besser.
Immer und immer wieder die gleiche öde Litanei über die
Ungerechtigkeit der Welt, das drohende Ende allen Wohlstands bis hin
zum Ende allen Seins.
Dauergeseier über Wirtschaftssysteme und wie doof und korrupt doch
alle sind, die es zu etwas gebracht haben und denen nicht ihr ganzes
Leben im sozialen Wohnungsbaughetto versickert ist. Dauergesabbel von
Leuten, die sich für die ganz großen Durchblickhaber halten und einem
praktisch ALLES erklären können (was sie nicht erklären können wird
als nutzloser Mist klassifiziert).

Ja, so ca. 20% der Gesellschaft sind Verlierer. Na und ?
Niemand muß verhungern oder erfrieren hier. Woanders würden diese
nutzlosen Gestalten geschossen oder verheizt. Daß die Unteren 20% das
System kritisieren und die Oberen 80%, gar das oberste 1%,
schlechtreden ist das natürlichste der Welt.
Wenn man selbst unfairerweise zu etwas kommt hält man die Klappe,
wenn man es hingegen zu nichts bringt reißt man selbige ob der ja
sooo skandalösen Zustände weit auf. So war es immer und so wird es
sein.

Niemals, niemals werden die Verlierer die Meinung vertreten: OK, ich
bin weniger
konkurrenzfähig, mein Strauß an notwendigen Fähigkeiten den ich
brauche um in der sozialen Hackordnung nach oben zu steigen ist
vergleichsweise eher kümmerlich, tja, kann man nichts machen,
arrangiere ich mich eben damit.
Stattdessen wird gefordert ALLES umzuorganisieren, so daß man selbst
sich nicht mehr in einem unangenehmen unteren Fünftel wiederfindet.
Daher die Forderungen nach "sozialer Gerechtigkeit", Kommunismus,
Enteignung und Inhaftierung der Reichen, Schönen und Kompetenten.
Alles Feine, Bessere soll soweit kaputtgedroschen, soweit "bestraft"
und heruntergerissen werden, daß irgendwie alle Verlierer sind und
die ursprünglichen Verlierer, ohne etwas selbst leisten zu müssen
sich plötzlich in der kuscheligen Mitte der Gesellschaft wiederfinden
können.

Hier habt ihr hunderte Bilder dieser Verlierer aus den USA
(Mugshots).
SO sehen diese linken Typen zum großen Teil aus, das ist ihre
angebliche  Klientel:

http://www.abcactionnews.com/Photo.aspx?slideshow=0785b230-e8eb-4a24-8172-408ce6d1ce85&photo=e83d728c-5460-4caa-91af-e1fb0c58a59f (http://www.abcactionnews.com/Photo.aspx?slideshow=0785b230-e8eb-4a24-8172-408ce6d1ce85&photo=e83d728c-5460-4caa-91af-e1fb0c58a59f)

Verbrecher, die nicht den Grips haben, erfolgreich zu sein enden halt
in Knast und Elend,die andere Sorte stellt die Regierung und die
sonstigen Gewinner.
So läuft es nunmal in der Praxis, so lief es immer und so wird es
immer laufen.

Ständiges Herumgeheule der Schwächsten daß sie keinen BENZ fahren und
keinen Butler haben dürfen wegen der UNGERECHTIGKEIT ist lächerlich;
GERADE diese Bürschlein hätten, wären die Verhältnisse umgekehrt, gar
keine Kritik am System.

Quote
29. August 2008 03:02
sdfds
ichwersonst (mehr als 1000 Beiträge seit 24.04.02)

Mario Schmid schrieb am 29. August 2008 02:05

> von Telepolis in Klamauk über Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrisen,
> Verelendung, Verdummung und das Ende der Zivilisation an sich in der
> letzten Zeit hier hängt mir zum Hals raus.
> Diese ewige Sauertöpfigkeit, dieser ewige Pessimismus durchzieht die
> Berichterstattung hier schon seit knapp 10 Jahren, und trotzdem wurde
> für die überwiegende Mehrheit der Menschen alles besser.

Hast Du die überwiegende Mehrheit der Menschen (welcher eigentlich)
mal gefragt?


Quote
29. August 2008 10:53, krawelkrawel

wo soll das sein?

Mario Schmid schrieb am 29. August 2008 02:05

> Woanders würden diese
> nutzlosen Gestalten geschossen oder verheizt.

neu schwabenland?
ich empfehle dir und aehnlichen sozialdarwinisten dahin auszuwandern.

bis denn!
    martin






Aus: "Workless Households: Arbeitslosigkeit auf Dauer" Florian Rötzer (29.08.2008)
Quelle: http://www.heise.de/tp/blogs/8/115044 (http://www.heise.de/tp/blogs/8/115044)

Title: [Das große Thema der nächsten Jahre... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 14, 2008, 10:34:43 AM
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[...] Wer könnte bestreiten, dass die ökonomische Bedrohung der Mittelschichten und der noch bedrohtere ökonomische Aufstieg der unteren Schichten, das große Thema unserer nächsten Jahre ist?

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13. Oktober 2008

Geschlossene Gesellschaft
Gordian Hense (Klar_und_hell)

Ich kann mich hier Herrn M. Krüger nur anschliessen. Nicht nur das der Zins dafür sorgt, dass vorhandenes Vermögen immer grösser wird, nein es wird auch noch in der Familie verbleibend vererbt, ohne dass ein Zwang vorläge, der es wieder in den Wirtschaftskreislauf bringt. Das System hat zig Multiplikatoren für Reiche immer reicher zu werden, aber umgekehrt wirkt die Spirale für Arme nach unten. Ein solches System führt über kurz oder lang zu einem auseinander driften von Gesellschaftsteilen und zwar einer kleinen und einer grossen Gruppe. Und was ist das Ende des Systems. Die grosse, arme Gruppe geht auf die kleine, reiche Gruppe mit den Fäusten los (im übertr. Sinn) und erschlägt sie, nimmt ihnen alles weg und das ganze Spiel geht von vorne los. Was für eine Dummheit. Man könnte glauben, die Menschheit hat ihren Kopf nur damit der Regen nicht in den Hals fällt. Wir bauen die tollsten elektronischen Geräte und wollen zum Mars fliegen, aber unser Zusammenleben können wir nicht vernünftig regulieren. Es gibt Institute und Forschungsanstalten für alle erdenklichen Dinge. Ich möchte nicht wissen, was alleine in den Umweltschutz gesteckt wird, aber ein Vernünftiges Finanz- und Gesellschaftssystem aufzubauen gelingt uns nicht. Grotesk.


Quote
13. Oktober 2008

Einfache "Wahrheiten"
Andreas Noreikat (derherold)

Die Sache mit "die Reichen immer reicher, die vielen arm und die Mitte vor dem Abrutschen" hat Krugman aber noch 1999 ganz anders gesehen. Er schrieb, mit guter Ausbildung bekäme man idR auch einen guten Job und eine gute Bezahlung; die Ängste der Mittelschicht seien unbegründet (Auch Stiglitz machte sich für die Clinton-Administration stark). Im Nov. 2000 wird Bush gewählt, kommt Jan. 2001 (?) ins Amt und gerade ein Jahr später ist schon der "Untergang der Mittelschicht" erreicht ? In D. ist es ähnlich. Der DGB-geförderte Konjunktur-Experte Horn erklärt, wir werden immer reicher. Die Erbengeneration entsteht und man muß Studiengebühren einführen, weil die Kinder der verarmenden Mittelschicht sonst "alle" mit *30* noch auf der Uni hängen; die Tatsache, daß nicht jede Apotheker-Tochter einen gut bezahlten Job in einer Werbeagentur oder einer Filmproduktion bekommt, bezeichnen wir als "Praktikanten-Dilemma". Vllt. sind einige in dem reichsten Deutschland einfach zu satt und gieren nach einer Diktatur - aber da sollte man sich keine Illusionen machen: Wir sind eine überalternde Gesellschaft, die ganz andere Probleme als "Reiche" hat. q.e.d.


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13. Oktober 2008

Das Verschwinden der Mittelschicht oder die Schere zwischen Arm und Reich
Manfred Krüger (manfredkrg)

Zitat: "Krugman stellt eine einzige Frage: Wie kann es sein, dass die modernen ökonomischen Verhältnisse im Begriff sind ein paar sehr Reiche, viele Arme und eine große Schicht, der ständig um ihre Existenz fürchtende Mittelschicht produzieren?" Das läßt sich sehr leicht erklären: es ist der Umverteilungsmechanismus durch den Zins. Alle Besitzer von Kapitalvermögen werden von Jahr zu Jahr reicher, alle Schuldner werden von Jahr zu Jahr ärmer. Nachdem dieses Spiel nun 60 Jahre gespielt wurde, gibt es fast nur noch Superreiche und hoch verschuldete Arme. Die Mittelschicht ist fast verschwunden. Man nennt diesen Prozeß auch die Schere zwischen Arm und Reich und sie öffnet sich in *allen* Ländern der Erde, weil alle Länder ein auf Zins und Zinseszins basierendes Geldsystem haben. Die FAZ berichtet Jahr für Jahr darüber, daß die Kapitalbesitzer reicher werden, mit gewaltigen Zuwachsraten von 7-10% pro Jahr. Und sie berichtet Jahr für Jahr darüber, daß die Lage bei den Menschen der Unterschicht immer schlimmer wird, die Verschuldung immer höher und die Lebensverhältnisse immer prekärer. Aber dem Zusammenhang mit dem Geldsystem und der Umverteilung durch den Zins sieht auch die FAZ nicht - leider.


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Lese ich noch die gleiche Zeitung?
San Isidro (San_Isidro)

Wo ist die Rhetorik der "Wirtschaftsreformen" geblieben, der "Flexibilisiserung", des "Fitmachens für die Börse", der "Notwendigkeit eines Niedriglohnsektors", der "notwendigen Senkung der Lohnnebenkosten", der "Finanzierung der Arbeit statt der Arbeitslosigkeit", der "Gegenfinanzierung" für eine Milliarde zurück an die Rentner. Mit dieser einen Milliarde hat sich Josef "Peanuts-Joe" Ackermann vorhin eine Habanna angesteckt. Wie lange brauchen die FAZ-Redakteure für eine neue Sprache?


...


Aus: "Vordenker Paul Krugman: Was uns arm gemacht hat" Von Frank Schirrmacher (13. Oktober 2008)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EE44D97D8EC814A0A91E5AFA41CE40348~ATpl~Ecommon~Scontent.html (http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EE44D97D8EC814A0A91E5AFA41CE40348~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

Title: [Trennung von Italienern und Immigranten... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 17, 2008, 12:52:53 PM
Quote
[...] ROM taz Italiens Abgeordnetenhaus hat am Mittwoch die Trennung von Immigrantenkindern und italienischen Schülern gebilligt. Damit hatte ein Antrag der fremdenfeindlichen Regierungspartei Lega Nord Erfolg. Dieser sieht die Bildung von separaten Klassen für alle Ausländer vor, die nachgewiesenermaßen nur über unzureichende Italienischkenntnisse verfügen.

...

Quote
16.10.2008 22:30 Uhr:
Von Arminius:

Es ist eine ausgezeichnete Idee, Kinder von Integrationsverweigerern erst einmal von den bildungsbereiten Kindern zu trennen und sie gesondert zu betreuen, bis sie bildungsfähig sind.

Unsere Kinder sind unsere Hoffnung und unsere Zukunft. Wir versündigen uns gegen sie, wenn wir es zulassen, daß sie weniger lernen als möglich ist, nur weil die Lehrkräfte ihre Aufmerksamkeit an nicht bildungsbereiten Kindern vergeuden müssen.


Quote
16.10.2008 16:16 Uhr:
Von felix:

Berlusconi ist der King of Unsinn.



Aus: "Trennung von Italienern und Immigranten: Parlament billigt Apartheid in Schulen" (16.10.2008)
Quelle: http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/parlament-billigt-apartheid-in-schulen/ (http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/parlament-billigt-apartheid-in-schulen/)

Title: [Für immer Unterschicht... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 20, 2008, 09:49:29 AM
Quote
[...] SPIEGEL ONLINE: In Ihrem Buch über den "Aufstand der Unterschicht" entwerfen Sie ein düsteres Zukunftsszenario: Darin gehören mindestens 20 Prozent der Deutschen zu einer Unterschicht, die ihr ganzes Leben lang von Sozialleistungen abhängig ist. Die Kriminalität breitet sich im Land wie eine Seuche aus, davor schützen die Wohlhabenden sich mit immer rigideren Methoden. Das klingt nach professioneller Schwarzmalerei.

Kloepfer: So weit weg sind wir davon wirklich nicht. Diese 20 Prozent habe ich aus den Pisa-Ergebnissen und aus Unternehmensstudien errechnet. Die Menschen, um die es geht, sind alle schon geboren, sie gehen vor allem in die Hauptschulen, sie kriegen keine vernünftige Ausbildung, sie landen als junge Leute im Sozialsystem - praktisch ohne Chance, wieder herauszufinden. Sie gehören vielleicht heute noch nicht zur Unterschicht, rutschen aber fast zwangsläufig hinein. Ich habe mir viele Schulen angeschaut und bin zum Teil völlig entsetzt wieder herausgekommen, entsetzt über die geballte Hoffnungslosigkeit.

[...]

Inge Kloepfer: Die Veränderungen müssen in der Lehrerausbildung beginnen. Die erzieherische Kompetenz der Pädagogen muss deutlich gestärkt werden. Das würde sie auch besser als bisher in die Lage versetzen, mit den oft sehr unterschiedlichen Begabungen in einer Klasse zurechtzukommen, mit dem Ziel, dass schwache Schüler gestärkt werden, ohne dass die starken darunter leiden. Entscheidend ist, was im Unterricht passiert, erst dann kann man sinnvoll über die großen Strukturfragen nachdenken. Wobei ich schon glaube, dass wir sehr viel mehr Abiturienten brauchen als bisher. Und niemand kann mir erzählen, dass das automatisch mit einem Niveauverlust einhergeht. Das ist eine Legende.

SPIEGEL ONLINE: Stehen dahinter nicht romantische Träume von einer Gleichheit aller, die es nie gab und nie geben wird?

Kloepfer: Es geht um die Gleichheit der Chancen, nicht um die Gleichheit der Ergebnisse. Jeder sollte die Chance bekommen, das Abitur zu machen. Heute ist das aber de facto nicht der Fall. Dass am Ende Abitur nicht gleich Abitur ist, liegt ja auf der Hand, dafür gibt es schließlich Noten.

...


Aus: "BILDUNGSMISERE: Heute Hauptschüler - für immer Unterschicht" (17.10.2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,584417,00.html (http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,584417,00.html)


Title: [Was für überraschende Ergebnisse... (Studiengebühren, BRD)]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 20, 2008, 11:01:23 AM
Quote
[...] Nach der bislang unter Verschluss gehaltenen Studie, die nun der Agentur dpa vorliegt, haben allein vom Abiturienten-Jahrgang 2006 bis zu 18.000 junge Menschen wegen der neuen Gebühren kein Studium aufgenommen. 2006 hatten erst zwei Bundesländer - Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen - Gebühren verlangt. Danach erfolgte ihre Einführung in fünf weiteren unionsgeführten Ländern - in Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, im Saarland sowie in Hessen, wo sie jedoch nach der jüngsten Landtagswahl wieder abgeschafft wurden.

[...] Nach der Studie verzichten insbesondere Frauen und junge Menschen aus bildungsfernen Elternhäusern wegen der Gebühren häufiger auf das Studium. Dagegen lassen sich Kinder aus Akademikerfamilien "deutlich seltener in ihrer Hochschulwahl beeinflussen", stellt das Hochschul-Informations-System in der Studie fest. Die Gebührendebatte habe unter Abiturienten und jungen Menschen mit Fachhochschulreife zu "erheblicher Verunsicherung" beigetragen - auch in Ländern, die noch keine Gebühren verlangen.


Aus: "Studiengebühren: Empörung über Schavans verheimlichte Studie" (ZEIT ONLINE, tso, 20.10.2008)
Quelle: http://www.zeit.de/online/2008/43/studiengebuehren-schavan (http://www.zeit.de/online/2008/43/studiengebuehren-schavan)

-.-

Quote
[...] Berlin (dpa) - Bundesbildungsministerium Annette Schavan (CDU) hält die Zahl der jungen Menschen, die wegen Studiengebühren auf eine Hochschulausbildung verzichten «nicht für beträchtlich».

Die Ministerin bestätigte, dass in ihrem Hause zwei Studien vorlägen, und zwar eine Abiturientenbefragung des Jahrganges 2006 sowie eine Studienanfängerbefragung 2007. Sie würden derzeit ausgewertet und in etwa vier Wochen veröffentlicht, sagte sie am Montag in Berlin.

Aus den Studien wisse sie, dass für 91 Prozent der jungen Menschen Gebühren bei der Studienentscheidung keine entscheidende Rolle spielten, sagte Schavan. 2006 hatten 415 000 junge Menschen die Schule mit einer Studienberechtigung verlassen, 2007 waren dies 432 500. Eine Ministeriums-Sprecherin sagte, «die negative Tendenz» der ersten Studie werde «aus der Gesamtschau nicht bestätigt».

...


Aus: "Schavan: Studiengebühren kein Uni-Hindernis" (20.10.2008)
Quelle: http://newsticker.welt.de/index.php?channel=pol&module=dpa&id=19269182 (http://newsticker.welt.de/index.php?channel=pol&module=dpa&id=19269182)


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Quote
[...] DIW-Chef Klaus Zimmermann rechnet mittelfristig mit Studiengebühren in Höhe von 2500 Euro pro Semester.

Klaus Zimmermann: Ich bin sicher, dass wir gestern einen historischen Augenblick erlebt haben: Das Urteil markiert einen entscheidenden Wendepunkt für die deutsche Bildungspolitik. Die Entscheidung des Gerichts öffnet die Tür für mehr Wettbewerb im Hochschulwesen – und das ist die entscheidende Voraussetzung dafür, dass unsere Universitäten international konkurrenzfähig werden können.

[...] Wie hoch sollten die Gebühren sein?

Klaus Zimmermann: Klar ist, dass die 500 Euro pro Semester, die derzeit diskutiert werden, nur ein Einstieg sein können. Auf die Dauer ist das viel zu wenig, um den Universitäten Anreize zu geben, ihre Studenten als Kunden zu betrachten. Ich rechne damit, dass ein Studiengang an einer durchschnittlichen deutschen Uni in fünf Jahren etwa 2500 Euro pro Semester kosten wird. Das klingt nach viel, wäre aber im internationalen Vergleich immer noch wenig. Spitzenhochschulen in den USA verlangen von ihren Studenten pro Semester 30 000 bis 40 000 Dollar.

Was passiert dann mit Studenten, die aus kleinen Verhältnissen kommen und so viel Geld nicht haben?

Der Blick ins Ausland zeigt, dass sich dieses Problem lösen lässt. Die Länder, die Studiengebühren erheben, haben gleichzeitig ein Stipendien- und Darlehenssystem für junge Leute, die fachlich qualifiziert sind, aber kein Geld haben. Wenn das der Markt nicht aus eigener Kraft schafft, wäre der Staat gefragt – zum Beispiel über die Kreditanstalt für Wiederaufbau.


Aus: "DIW-Chef Zimmermann im Handelsblatt-Interview: „500 Euro Studiengebühr sind nur Einstieg“" (27.01.2005)
Die Fragen stellte Olaf Storbeck.
Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/500-euro-studiengebuehr-sind-nur-einstieg;851776 (http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/500-euro-studiengebuehr-sind-nur-einstieg;851776)

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[...] Am vergangenen Mittwoch hob das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil das Verbot von Studiengebühren auf. In den nächsten Jahren wollen nicht nur die CDU-regierten Länder Gebühren ab dem Erstsemester von bis zu 1000 Euro pro Semester einführen. Das ist jedoch nur der Einstieg.
Bundesweit kam es daraufhin zu Vollversammlungen der Studierenden und spontanen Demonstrationen, weitere Demonstrationen wurden angekündigt. Der studentische Dachverband fzs, sowie das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren wollen dann ab Mai Aktionswochen starten. Die Proteste am 3.2. sollen Auftakt für eine neue Protestwelle sein.

[update, 3.2.] Heute protestierten in mehreren Städten mehr als 20.000 Studierende gegen die Einführung von Studiengebühren.

[...]


Aus: "Nach BVerfG-Urteil bundesweit Proteste"
Von Peter P. (update, 1.2.) 26.01.2005 19:50 Themen: Bildung Globalisierung
Quelle: http://de.indymedia.org/2005/01/105013.shtml (http://de.indymedia.org/2005/01/105013.shtml)


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[...] Insgesamt 208 Verhaftungen waren es schließlich. Gegenüber der Frankfurter Rundschau beklagt sich Detlef zum Winkel. Seine 17-jährige Tochter sei vollkommen unangemessen behandelt worden. Sie habe nicht randaliert und von Gewalttätigkeiten auch nichts mitbekommen, sagt Detlef zum Winkel. Trotzdem landete sie im Polizeikessel und hatte keine Chance, die Versammlung zu verlassen. "Ihr wurde zwar über Lautsprecher immer wieder gesagt, in welche Richtung sie sich entfernen soll - das ging aber nicht, weil dort Polizeiketten standen." Sie wurde mit über 200 anderen TeilnehmerInnen zum Polizeipräsidium gebracht. "Sie musste sich ausziehen und wie eine Verbrecherin behandeln lassen", schimpft zum Winkel.

Polizeibrutalität und -willkür nicht das erste Mal

Leider häufen sich solche Aktionen. Und die Polizei ist kreativ: mal ist mitten im Sommer die Heizung im Gefangenentransporter auf volle stärke eingestellt und die Leute müssen Stunden darin verharren, mal wird ein Studierendencafe gestürmt und verwüstet. Mal wird eine Demonstration gegen Studiengebühren ganz verboten, weil die Veranstalter eine Route wollten, die der Polizei nicht gefiel (schließlich wurde das Verbot aber vom Verwaltungsgericht aufgehoben). Und eine weitere gängige Taktik der Polizei: einfach so viele Polizisten in 3er oder 4er Reihen um die Demo herum mitlaufen lassen, dass die Demo nicht mehr sichtbar ist.

[...]


Aus: "Die Polizei treibt falsches Spiel - Studierendenvertreter sprechen von "Brutalität und Willkür"" (28.01.08)
Quelle: http://www.uebergebuehr.de/de/aktuell/news/meldung/ansicht/2008/01/nachbericht-zum-bundesweiten-aktionstag/ (http://www.uebergebuehr.de/de/aktuell/news/meldung/ansicht/2008/01/nachbericht-zum-bundesweiten-aktionstag/)


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Die Studienbeiträge werden ein Jahr alt. Nur an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste werden sie noch bekämpft – sonst sind die Proteste tot.

Von FOCUS-Online-Autor Martin Giesler

[...]

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[...] D-Land  (29.09.2007 21:12)
Die Politik hat sich diese unkritische und gleichgültige Generation herangezüchtet. Keine Proteste, egal was geschieht. Menschenrechte werden in der Welt mehr denn je mit Füssen getreten. Kein Wort von den Studenten. Wozu dieses Volk überwachen, Herr Schäuble ? Willenlos und ohne eigene Meinung.

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Sven (29.09.2007 19:05)
Studenten sind konservativ geworden
Und das ist gut so! Als ich vor 5 Jahren studiert habe, haben auch ein paar Retro-68er versucht, uns zum Demonstrieren zu bewegen. Keiner hat mitgemacht. Sogar die Professoren haben sich beschwert, hatten sie doch auf mehr Freizeit spekuliert. Witzig waren auch diese "Wir sind gegen alles"-Banner, die ständig überall aufgehängt wurden. Hat bestimmt viel Arbeit gemacht, interessiert hat es keinen.


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AC-3EX | (29.09.2007 18:32)
So ist doch Deutschland.
Achtung Ironie: Auf die Straße gehen? Weg vom Fernseher? Weg vom PC? In Deutschland? Nicht mehr bei Shell oder Aral tanken? Das ich nicht lache. Das gilt für Studenten und Studiengebühren, sowie für alle Anderen auch. Zu bequem und anscheinend zuviel Geld, aber Hauptsache motzen.


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Florian_Steinhoff  (29.09.2007 18:10)
Meckern auf hohem Niveau verklingt leise
Was sind auch schon 500 EUR. Aus meinem Jahrgang (1981) haben mehr als 50%, ich leider nicht, ein Auto zum 18ten bekommen. Wenn dann 1000 EUR im Jahr für Bildung zu viel sind, schlage ich den Verkauf des selbigen vor.



Aus: "Studiengebühren Proteste? Ohne mich" (29.09.07)
Quelle: http://www.focus.de/wissen/campus/tid-7409/studiengebuehren_aid_132749.html (http://www.focus.de/wissen/campus/tid-7409/studiengebuehren_aid_132749.html)

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[...] Studiengebühren schrecken doch deutlich mehr junge Menschen vom Studium ab als bisher angenommen. Dies zeigt eine bislang unveröffentlichte Untersuchung im Auftrag von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Die Studie wird seit Wochen in ihrem Ministerium unter Verschluss gehalten. Das Papier liegt der Deutschen Presse-Agentur dpa vor.

Demnach haben allein vom Abiturienten-Jahrgang 2006 bis zu 18.000 junge Menschen wegen der neuen Gebühren kein Studium aufgenommen. 2006 hatten erst zwei Bundesländer - Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen - Gebühren verlangt. Danach folgte die Einführung in fünf weiteren unionsgeführten Ländern, darunter Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und das Saarland. In Hessen wurden die Gebühren nach der jüngsten Landtagswahl wieder abgeschafft.

Insbesondere Frauen und junge Menschen aus bildungsfernen Elternhäusern verzichten der Untersuchung zufolge wegen der Gebühren häufiger auf das Studium. Dagegen lassen sich Kinder aus Akademikerfamilien "deutlich seltener in ihrer Hochschulwahl beeinflussen", stellt das Hochschul-Informations-System (HIS) in der Studie fest. Die Gebührendebatte habe unter Abiturienten und jungen Menschen mit Fachhochschulreife zu "erheblicher Verunsicherung" beigetragen - auch in Ländern, die noch keine Gebühren verlangen.

Weiter heißt es in der Studie, eine Abwanderung von Studien-Interessierten von "Gebühren-" in "Nicht-Gebührenländer" sei "in großem Umfang nicht zu verzeichnen". Gleichwohl wollten im Vergleich zu früheren Jahren weniger Abiturienten aus dem Osten im Westen studieren, wo Gebühren verlangt werden. Die Studie stützt sich auf der Befragung von 5240 repräsentativ ausgewählten Studienberechtigten des Jahrgangs 2006 sowie auf regelmäßige Abiturienten-Untersuchungen des HIS. Das Institut mit Sitz in Hannover arbeitet im Auftrag von Bund und Ländern sowie der Hochschulrektorenkonferenz.

Im Vergleich zu 2003 gab es im vergangenem Jahr wegen der starken Abiturienten-Jahrgänge bundesweit zwar 17 Prozent mehr junge Menschen mit Hochschulreife, gleichzeitig aber fünf Prozent weniger Studienanfänger. 2003 war mit 377.500 Neueinschreibungen an den deutschen Hochschulen ein Anfänger-Rekord erzielt worden. 2007 waren dies mit 358.670 Anfängern knapp 19.000 Neueinschreibungen weniger. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Studienberechtigten um mehr als 63.000 auf 432.500.

Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), forderte am Montag die unverzügliche Veröffentlichung der Studie. Sie habe schon vor Wochen eine Unterrichtung durch das Ministerium verlangt. Die Ergebnisse dürften vor dem Bildungsgipfel von Bund und Ländern "nicht vertuscht werden", sagte Burchardt. Das Thema gehöre auf den Bildungsgipfel am Mittwoch in Dresden.
 
DPA

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-Dagegen- (20.10.2008, 9:19 Uhr)

Was für überraschende Ergebnisse...

[...]


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Solartaschenlampe (20.10.2008, 8:15 Uhr)

Na sowas

Da ist also genau das eingetreten, was Frau Schavan und andere vehement verneint haben: Dass die Studiengebühren die soziale Kluft in unserem Land weiter vertiefen. Besonders pikant dabei ist, dass die Kanzlerin das Thema 'Bildung' quasi zur Chefsache gemacht hat und dass gleichzeitig Lobbyverbände wie der Bitkom seit Jahren vor einem Akademikermangel warnen. 'Beruhigend' zu sehen, dass Deutschland auch im sechzigsten Jahr seines Bestehens Probleme auf die gewohnte Art anpackt ...



Aus: "Unveröffentlichte Studie - Gebühren schrecken vom Studium ab" (20. Oktober 2008)
Quelle: http://www.stern.de/politik/deutschland/:Unver%F6ffentlichte-Studie-Geb%FChren-Studium/642777.html (http://www.stern.de/politik/deutschland/:Unver%F6ffentlichte-Studie-Geb%FChren-Studium/642777.html)

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[...] Täusche ich mich, oder war es nicht nicht sogar Sinn und Zweck von Studiengebühren, Abiturienten vom Studieren abzuhalten und nur die zahlungskräftigsten bildungsversessensten von ihnen in die Unis zu lassen? Wenn man den Bericht dieses Untersuchungsausschusses liest, könnte man zu der Auffassung gelangen, alle Beteiligten würden sich über das Ergebnis wundern. Was hat man denn eigentlich geglaubt, welchen Effekt die Gebühren haben würden? Vielleicht hätte Frau Schavan anstatt katholischer Religion besser Volkswirtschaftslehre belegt. ;)

(Und wer weiß, ob nicht noch eine weitere Studie unter Verschluss gehalten wird, die - ähnlich der Pisa-Studie - Bachelors und Magister miteinander vergleicht …)



Aus: "Studiengebühren" (20. Oktober 2008, 10:29 Uhr, Autor: Stefan Höltgen, in: Uni)
Quelle: http://www.simulationsraum.de/blog/2008/10/20/studiengebuhren/ (http://www.simulationsraum.de/blog/2008/10/20/studiengebuhren/)

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Quote
[...] Dobischat schilderte in der Sendung "Hallo Ü-Wagen" von WDR5, wie stark in Deutschland die soziale Herkunft über den Bildungsweg eines Menschen entscheidet: "Von 100 Akademikerkindern studieren 83, von 100 Nicht-Akademikerkindern nur 23. Von 100 Einser-Abiturienten wollen 81 sicher studieren, von 100 Einser-Abiturienten aus Nicht-Akademikerfamilien aber nur 68." Für Dobischat ist klar: "Wir müssen ein Hochschulstudium vor allem für einkommensschwächere, hochschulferne Familien attraktiver machen. Da sind Studiengebühren völlig falsch."

500 Euro Studiengebühren im Semester machten mit 83 Euro im Monat immerhin 11 Prozent des durchschnittlichen studentischen Budgets von 770 Euro aus. "Das trifft vor allem jenes Drittel der Studierenden, das weniger als den BAföG-Höchstsatz von 640 Euro zur Verfügung hat."

"Die von den Gebührenländern angekündigten Stipendienprogramme zur sozialen Abfederung von Studiengebühren gibt es noch immer nicht", kritisierte Dobischat, "stattdessen werden den Studierenden zur Finanzierung der Gebühren Darlehen angeboten. Mit Zins und Zinseszinsen müssen einkommensschwächere Studierende, die solch Darlehen in Anspruch nehmen, viel mehr zurückzahlen als jene Studierende, die sich die Studiengebühren leisten können". ...


Quote
20. Oktober 2008 12:21
Meine Erfahrungen
Florian Leber, Florian Leber, flo@spacezone.de (38 Beiträge seit 15.03.07)

Meine Erfahrungen als Student sind in der Tat auch so, dass sich seit
Einführung der Studiengebühren nur marginal etwas zum positiven
geändert hat. Die Bibliothek ist bei der Anschaffung von Büchern
etwas großzügiger geworden, Sanitärräume wurden saniert, es wurden
einige Studenten an den Lehrstühlen mehr eingestellt zum Anbieten von
Tutorien und die Uni wurde flächendeckend mit WLAN ausgestattet - aus
Studiengebühren, wie die Universitätsleitung immer wieder betont.

Diesen positiven Veränderungen stehen aber in der Tat viele Negative
gegenüber: Viele Studenten sind in Geldnöte gekommen und müssen
nebenher noch mehr Arbeiten um Studium, Wohnung und Co finanzieren zu
können, wodurch sich die Studienzeiten in die Länge ziehen. Einige
werden von vornherein abgeschreckt ein Studium aufzunehmen.
Privilegiert sind die Studenten, die finanzielle Unterstützung der
Eltern sicher haben. Eine Entwicklung ansatzweise wie in den USA, in
denen die soziale Herkunft auch über die soziale Zukunft entscheidet
und ein Studium an angesehenen Universitäten nur für Wohlhabende
finanzierbar ist.

Sicher bekommt man eine Gegenleistung für diese Gebühren in Form
einer nach wie vor sehr wertvollen und umfassenden Ausbildung. Nur
ist der Zeitpunkt für die Entrichtung der Gebühren eben der Falsche.
Besserverdienende zahlen später ohnehin mehr Steuern (absolut und
auch prozentual was den Steuersatz angeht). Wenn man unbedingt Geld
für die Ausbildung "zurück" haben will, dann sollte man lieber dort
ansetzen und von mir aus die Steuern noch weiter erhöhen. Denn wenn
man später dank der Ausbildung gut verdient, ist es weniger
schmerzhaft etwas abzugeben.

Trotzdem, und damit schließe ich meinen Kommentar, sollte man sich
doch auch fragen, ob wir als Staat Deutschland uns nicht gewisse
Dinge nach wie vor leisten wollen und das heisst aus meiner Sicht:
Kostenloser Zugang zu allen staatlichen Bildungseinrichtungen und
Förderung der Bildung. Bildung ist der wichtigste Standortvorteil im
weltweiten Wettbewerb. Unser Bildungsetat entspricht aber nur einem
Bruchteil von dem der Bundeswehr und im Vergleich zum
Bankenrettungspaket ist er verschwindend gering.

Quote
20. Oktober 2008 13:45
Re: Meine Erfahrungen
eupp, eupp7349@yahoo.de (mehr als 1000 Beiträge seit 26.08.02)

Florian Leber schrieb am 20. Oktober 2008 12:21

> Privilegiert sind die Studenten, die finanzielle Unterstützung der
> Eltern sicher haben. Eine Entwicklung ansatzweise wie in den USA, in
> denen die soziale Herkunft auch über die soziale Zukunft entscheidet
> und ein Studium an angesehenen Universitäten nur für Wohlhabende
> finanzierbar ist.

Stimmt nicht , schon was von Stipendiatensystemen gehört ??

eupp / Berlin

Quote
20. Oktober 2008 14:11
Re: Meine Erfahrungen
ichwersonst (mehr als 1000 Beiträge seit 24.04.02)

eupp schrieb am 20. Oktober 2008 13:45

> Florian Leber schrieb am 20. Oktober 2008 12:21
>
> > Privilegiert sind die Studenten, die finanzielle Unterstützung der
> > Eltern sicher haben. Eine Entwicklung ansatzweise wie in den USA, in
> > denen die soziale Herkunft auch über die soziale Zukunft entscheidet
> > und ein Studium an angesehenen Universitäten nur für Wohlhabende
> > finanzierbar ist.
>
> Stimmt nicht , schon was von Stipendiatensystemen gehört ??

Ja. Almosen bei wohlfälligem Verhalten. An vielen Unis besteht da das
Prinziep (abgesehen von Studienplätzen für bestimmte Firmen) der
Quotenfrau, des Quotenscharzen, der Quotenunterprivilegierten - dabei
sind dann die Auflagen so streng, daß die Leute tatsächlich nur
studieren können, soziale Kontakte, Netzwerkaufbau - was in den
Staaten enorm wichtig ist - alles Fehlanzeige.

Un dennoch ist das System noch besser ausgebildet als bei uns, wo man
das Stipendiatensystem das zur Lehrbezahlung eigentlich dazugehört,
gerne unter den Tisch fallen lässt.




Quote
20. Oktober 2008 14:42
Re: Meine Erfahrungen
ichwersonst (mehr als 1000 Beiträge seit 24.04.02)

eupp schrieb am 20. Oktober 2008 14:21

> ichwersonst schrieb am 20. Oktober 2008 14:11
>
> > eupp schrieb am 20. Oktober 2008 13:45
> >
> > > Florian Leber schrieb am 20. Oktober 2008 12:21
> > >
> > > > Privilegiert sind die Studenten, die finanzielle Unterstützung der
> > > > Eltern sicher haben. Eine Entwicklung ansatzweise wie in den USA, in
> > > > denen die soziale Herkunft auch über die soziale Zukunft entscheidet
> > > > und ein Studium an angesehenen Universitäten nur für Wohlhabende
> > > > finanzierbar ist.
> > >
> > > Stimmt nicht , schon was von Stipendiatensystemen gehört ??
> >
> > Ja. Almosen bei wohlfälligem Verhalten.
>
> So kann man es nicht sagen ..

Doch, Genau so kann man es sagen - sieh Dir mal bei Gelegenheit die
Verhaltensregeln der einzelnen Stipendien an.

>
> > An vielen Unis besteht da das
> > Prinziep (abgesehen von Studienplätzen für bestimmte Firmen) der
> > Quotenfrau, des Quotenscharzen, der Quotenunterprivilegierten - dabei
> > sind dann die Auflagen so streng, daß die Leute tatsächlich nur
> > studieren können, soziale Kontakte, Netzwerkaufbau - was in den
> > Staaten enorm wichtig ist - alles Fehlanzeige.
>
> Glaube es nicht , da LEBT man auf dem Campus , nicht wie hier in
> Deutschland ..

Das ist falsch. AUF dem Campus leben dort durchweg nur
Verbindungsmitglieder.
Ebendieser Weg ist den Stipendiaten verbaut. Und selbst wenn dies
nicht der Fall wäre - es ist schon ein Unterschied, ob jemand den
ganzen tag nur studiert, oder aber auch an den Unternehmungen (und
sei es Komasaufen) teilnehmen kann.

>
> > Un dennoch ist das System noch besser ausgebildet als bei uns, wo man
> > das Stipendiatensystem das zur Lehrbezahlung eigentlich dazugehört,
> > gerne unter den Tisch fallen lässt.
>
> Würde es eher sagen VIEL besser ausgebildet

In Deutschland haben wir kein relevantes Stipendiensystem.



Quote
20. Oktober 2008 13:54
du hast was vergessen...
bws (540 Beiträge seit 25.02.06)

die beamer die in jeder putzkammer installiert wurden.
als die semnirarräume voll davon waren musste man ja noch ein paar
studiengebühren loswerden und hat überall wo die decke gross genug
war so ein ding hingehangen.

Quote
20. Oktober 2008 12:31
Ist doch alles bestens
marasek (mehr als 1000 Beiträge seit 16.11.01)

Ich weiss nicht, was ihr habt, die Studiengebühren sind eine der
erfolgreichsten politischen Maßnahmen der vergangenen Zeit, das ist
doch Erfolg auf ganzer Linie:
-Wenn Abiturienten abgeschreckt werden, reduziert das die Zahl der
Konkurrenten um die Elitejobs. Und da vor allem ärmere Abiturienten
abgeschreckt werden, bleibt man zusehends entre nous und hat nicht
den Pöbel ante portas. So kann sichergestellt werden, dass die Elite
des Landes stromlinienförmiger wird und man alles wunderschön
untereinander regeln kann.
-An den Hochschulen laufen weniger Bewerber auf, deswegen gibt es
auch weniger Studentenpack, das sich über mangelnde Ausstattung
beklagt oder untätige Professoren.
-diejenigen, die es sich so mittel leisten können und
Studentenkredite aufnehmen, tun was für die (Banken)wirtschaft und
haben direkt eine gute Motivation für den Start ins Berufsleben

Wer Ironie findet...


Quote
20. Oktober 2008 12:32
Genauso war das auch geplant.
Nordstern67 (mehr als 1000 Beiträge seit 07.04.06)

Die Wirtschaft hat scheinheilig gejammert, dass sie niemanden für
ihre mies bezahlten Drecksjobs findet und dass die Abiturienten
"zuviel Zeit an den Hochschulen vetrödeln", die Politik will
grundsätzlich sowenig selbständig denkende Mitbürger wie nur möglich
und die Hochschulen haben gemeint, weniger Studenten und mehr Geld in
der Kasse wären doch mal ein echter "Gewinn".

Hauptsache wir spendieren den gemeingefährlichsten Schmarotzern
unseres Systems jetzt kurz mal ein paar hundert Milliarden Euro für
ihr Pyramidenspiel.

Der Nordstern.


Quote
20. Oktober 2008 12:51
Studiengebühren? Ziemlich verlogene Diskussion!
blöd_brot (mehr als 1000 Beiträge seit 27.01.05)

[...] dass man in seine eigene Ausbildung
investieren muss, dass man am Ende seines Studiums mit 20.000 Pfund
Sterling ins Berufsleben startet, oder ist in Deutschland der staatl.
Kuschelwohlfühfaktor so hoch, dass die die eine Ausbildung machen,
mit ihrer Ausbildung die Studenten schon jetzt mitfinanzieren und das
gefälligst gerne auch noch mehr machen sollen? Nicht nur dass die
eine geringere Aussicht auf besseren Verdienst haben. Nein, sie
sollen es den Studenten doch bitte schön auch noch kostenlos
ermöglichen! Was für eine dreiste Frechheit!

Dass Vaddi Staat bankrott ist (jemand schon mal auf die 1.500 Mrd.
EUR Schulden geblickt, die D. hat?) ändert nichts daran, dass Bildung
anscheinend nichts kostet. Welche Träume in D. gelebt werden und wer
dafür zur Kasse gebeten wird, d.h. auf welchem Rücken das alles
gebuckelt werden soll ist klar - zu Lasten der Auszubildenden. Aber
das wird gerne verschwiegen, wenn der Studi erstmal seine 40k
Jahresgehalt einfährt und der Azubi sich bei 15k jahresgehalt fragt,
ob er denn nun auf die Familie, das Auto oder die Lebensversicherung
verzichtet. Scheinheilig und verlogen - mehr fällt mir dazu nicht
mehr ein.

Quote
20. Oktober 2008 12:56
Re: Studiengebühren? Ziemlich verlogene Diskussion!
DOSenoeffner (mehr als 1000 Beiträge seit 01.05.03)

Na, dann bilde Dir mal schön etwas auf Deine von Deinen Verwandten
finanzierte Ausbildung ein!

Aber klar, das Auslandsstudium hast Du bestimmt von Deinem jahrelang
ersparten Taschengeld bezahlt.;-) Apropos, wo kam eigentlich das
Taschengeld her?

Es soll auch Leute geben, die ihre Ausbildung selbst
finanzieren/erarbeiten. Und für die ist jeder Euro zusätzliche
Belastung zu viel. Zumal sie die öffentlich erbrachten Gelder später
x-fach als Steuergelder oder in Form von Mehrwerterbringung der
Gesellschaft/dem Staat zurück zahlen.

Quote
20. Oktober 2008 13:12
Re: Studiengebühren? Ziemlich verlogene Diskussion!
Magic23 (794 Beiträge seit 23.10.01)

500 Euro als Student zu verdienen bedarf wie lange etwa? Eine Woche?
Dämliches Geheule einer schlicht und ergreifend faulen Generation..

Quote
20. Oktober 2008 13:15
Re: Studiengebühren? Ziemlich verlogene Diskussion!
megablaster (104 Beiträge seit 03.04.05)

damit ist alles gesagt.


Quote
20. Oktober 2008 13:21
Re: Studiengebühren? Ziemlich verlogene Diskussion!
Crion,

Bei einem 40-Stunden/Monat-HiWi-Vertrag immerhin 6 Wochen. Und dabei
braucht man das Geld eigentlich zum Leben, und nicht für asoziale
Studiengebühren. Und nein, es nicht realistisch dass alle
Studierenden mehr als 8 €/h verdienen und mehr als 10 h/Woche Zeit
zum Arbeiten haben, nebenbei...


Quote
20. Oktober 2008 13:27
Re: Studiengebühren? Ziemlich verlogene Diskussion!
oey5337 (11 Beiträge seit 03.09.02)

Magic23 schrieb am 20. Oktober 2008 13:12

> 500 Euro als Student zu verdienen bedarf wie lange etwa? Eine Woche?
> Dämliches Geheule einer schlicht und ergreifend faulen Generation..

Als wissenschaftliche Hilfskraft in Baden-Württemberg mit einem
Stundenlohn von 7,53 € an der Uni oder 5,24 € an der FH dauert das
erheblich länger.

Als Nebenjob während der Vorlesungszeit kaum zu machen, und in der
"vorlesungsfreien Zeit" gehts auch nicht so dolle, weil da sind
Prüfungen und teilweise vorgeschriebene Praktika.
Und die meisten Studis brauchen auch Geld zum Leben, nicht nur für
die Studiengebühren.

nichts für ungut, aber das ist die Realität vieler Studis.


Quote
20. Oktober 2008 14:12
Re: Studiengebühren? Ziemlich verlogene Diskussion!
ichwersonst (mehr als 1000 Beiträge seit 24.04.02)

Magic23 schrieb am 20. Oktober 2008 13:12

> 500 Euro als Student zu verdienen bedarf wie lange etwa? Eine Woche?
> Dämliches Geheule einer schlicht und ergreifend faulen Generation..

*lach* - das wären dann 2000,- im Moment - netto versteht sich, ein
Gehalt, das die meisten Angestellten nicht erreichen.




Quote
20. Oktober 2008 13:32
Das war Jedem klar außer unseren Politikern.
Gotgalf (mehr als 1000 Beiträge seit 22.02.00)

Wie dumm kann man eigentlich sein, bzw. wie dumm muß man
sein um Bildungsminister zu werden?

Ich hätte mit Studiengebühren nicht studiert. Ich mache nicht
gerne Schulden und noch mahr nebenbei hätte ich nicht arbeiten
können, sonst hätte sich das mit Studium automatisch erledigt.
Ist ja nicht so, daß ein Studium keine Arbeit machen würde.

Und was auch immer gerne vergessen wird: Studienabbrecher stehen
ohne alles und mit einem Arsch voll Schulden da.
Ich kenne einige Kommilitonen, die wegen nicht selbst ver-
schuldeter Probleme aufhören mußten.
Dann läßt man es doch lieber ganz und geht direkt arbeiten.


Quote
Askaaron, 20. Oktober 2008 14:43
Was für eine verlogene Politik...

Einerseits verlangt man von denen, die ohnehin wenig haben, noch
Gebühren für ihre Ausbildung. Andererseits stellt man 400 Mrd. EUR -
das sind 5000 EUR pro Einwohner(!) bereit, um die Fehler von Managern
auszubügeln.

Oder Praxisgebühren - warum reichen die mehreren hundert EUR
Krankenkassenbeiträge pro Monat nicht aus, dass ich auch noch jedes
Quartal 10 EUR extra abdrücken muss, wenn ich medizinische Hilfe in
Anspruch nehme, die in der Regel nur einen Bruchteil der Kosten
verursacht, die ich monatlich zahle - zumal ohnehin fast nur noch
absolut nötige, lebenserhaltende Maßnahmen bezahlt werden und
praktisch der komplette Rest privat finanziert werden muß oder mit
kräftigen Zuzahlung versehen ist (so erlebt mit einer
Borellien-Infektion, die mich fast 200 EUR Zuzahlung für die
Antibiotika gekostet hat, bei einem Nettoeinkommen von rund 2100 EUR
- ohne die Medikamente wäre ich vermutlich tot).


Quote
20. Oktober 2008 14:54
Hartz IV haelt vom Arbeiten ab ...
Franky_Boy (181 Beiträge seit 25.06.04)

... nicht das hinterher einer behauptet, er haette das nicht gewusst
;-)))

Haette ja bei den Studiengebuehren auch keiner gewusst.


Quote
0. Oktober 2008 15:32
Re: In den USA klappt es doch auch!?
Great White Handkerchief (mehr als 1000 Beiträge seit 09.03.05)

mal was anderes... schrieb am 20. Oktober 2008 15:27

> Die Professoren sollten besser entlohnt werden, und die Unis
> technisch besser ausgerüstet. Das Geld muss ja irgendwoher kommen!
>
> Was nichts kostet, ist nichts wert!
>
> In den USA klappt es doch auch super!
> Kein Land hat so viele Spitzenforscher hervorgebracht und steht
> dementsprechend wirtschaftlich gut da.

Gelächter!

GWH


Quote
20. Oktober 2008 15:57
Re: In den USA klappt es doch auch!?
sirbb (142 Beiträge seit 13.11.05)

mir ist neu, dass Amerika wirtschaftlich gut dasteht...
Joa, ein paar Spitzenwissenschaftler haben sie schon, aber auch
erstaunlich viele sehr arme Menschen


Quote
20. Oktober 2008 14:54
...warum kaufen so viele Leute bei ALDI ein?
SeBiG (751 Beiträge seit 19.12.02)

Hm. Es muss wohl am Preis liegen! 8-|

Studiengebühren schrecken Abiturienten ab? (Der Vollständigkeit
halber muss man wohl hinzufügen: "Abiturienten aus den sog.
einkommensfernen Schichten".)

Ja, was haben die netten Herren auf den weichen Bundestagssesseln
denn erwartet, als sie dieses Gesetz verabschiedet haben?

...



Aus: "Studiengebühren schrecken Abiturienten ab" (20.10.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Studiengebuehren-schrecken-Abiturienten-ab--/meldung/117611 (http://www.heise.de/newsticker/Studiengebuehren-schrecken-Abiturienten-ab--/meldung/117611)

-.-

Quote
[...] Man kann es drehen, wie man will: Wenn junge Leute an eine Uni oder Fachhochschule gehen könnten, aber nicht wollen, liegt es vor allem am Geld.

Wie stark Geldsorgen verhindern, dass in Deutschland mehr Schulabgänger ein Studium beginnen, belegt die vorläufige Fassung einer Studie, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Danach lässt ein knappes Drittel der potentiellen Studenten das Ticket für ein Hochschulstudium ungenutzt verfallen - vor allem, weil sie fürchten, sich ein Studium nicht leisten zu können, oder weil sie schnell eigenes Geld verdienen wollen.

31 Prozent der Schulabgänger mit Hochschulreife des Jahres 2008 haben ein halbes Jahr nach ihrem Schulabschluss nicht die Absicht, an einer Universität oder Fachhochschule zu studieren. Demgegenüber haben 44 Prozent der Abschlussklasse 2008 bereits ein Studium aufgenommen, 25 gaben an, dies "sicher" zu planen.

Erstellt haben die Studie die Forscher des Hochschulinformations-Systems (HIS) im Auftrag des Bundesbildungsministeriums. Sie befragten 6100 Schulabgänger aus dem Jahr 2008 ein halbes Jahr nach Schulabgang, der vorläufige Bericht basiert auf etwa der Hälfte der Antwortbögen, die Autoren nennen ihn Projektbericht - sind aber sicher, dass das Endergebnis maximal um ein bis zwei Prozentpunkten schwanken wird.

Die Forscher fragten genau danach, warum rund 86.000 potentielle Studenten dem deutschen Hochschulwesen verloren gehen. Sie unterschieden nach inhaltlichen und formalen Gründen. An der Spitze lagen zwei Gründe gegen das Studieren gleichauf: der Wunsch, "möglichst bald selbst Geld zu verdienen", und die Sorge um fehlende "nötige finanzielle Voraussetzungen". 77 Prozent der Schulabgänger mit Hochschulreife aber ohne Studienwunsch gaben an, diese Gründe hielten sie "sehr stark" von einem Studium ab.

Weitere 73 Prozent kreuzten an, ihnen widerstrebe es besonders, sich für einen Studienkredit oder das Bafög zu verschulden. 69 Prozent gaben an, sie gingen nicht an eine Hochschule, weil die Studiengebühren ihre finanziellen Möglichkeiten überstiegen.

Was die Erhebung auch belegte: Die Studierneigung der Schulabgänger mit Hochschulreife stagniert, in den vergangenen Jahren war sie kontinuierlich gesunken. Nahmen 2002 noch 73 Prozent eines Abi-Jahrgangs ein Studium auf oder hatten dies fest vor, sank die Quote von da ab kontinuierlich auf zuletzt 68 Prozent im Jahr 2006. Dieser negative Trend sei nun "zumindest gestoppt", analysieren die HIS-Forscher. Ihr vorläufiges Ergebnis gibt die Quote jetzt mit 69 Prozent an.

...


Aus: "Geldsorgen halten Abiturienten vom Studium ab" Von Christoph Titz (04.12.2009)
Quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,665039,00.html (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,665039,00.html)

Title: [Die Position der Sans papiers... (keine gültigen Papiere)]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 26, 2008, 10:07:31 AM
Quote
[...] Patrizier ist die Bezeichnung für Angehörige der alteingesessenen Oberschicht im antiken Rom. Davon abgeleitet wird auch die sozial relativ abgeschlossene Oberschicht in vielen mittelalterlichen Städten Patriziat genannt.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Patrizier (http://de.wikipedia.org/wiki/Patrizier) (25. September 2008)

-.-

Quote
[...] Die Plebejer (lat. plebs „Menge, Volk“) waren in der römischen Republik das einfache Volk, das nicht dem alten Adel, den Patriziern (lat. patres „Väter, Vorfahren“), angehörte. Es bestand vor allem aus Bauern und Handwerkern. Sie galten als Römer und standen nach den Ständekämpfen (ca. 500-287 v. Chr.) unter dem Schutz des römischen Rechts. Sie sind zu unterscheiden von den Sklaven, die zeitweise zwei Drittel der römischen Bevölkerung ausmachten.


Aus: "Plebejer" (22. Oktober 2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Plebejer (http://de.wikipedia.org/wiki/Plebejer)

-.-


Quote
[...] Prinzipiell wird die Position der Sans papiers von zwei Seiten gesehen. Zum einen gibt es die Ansicht, dass jeder Mensch grundsätzlich das Recht hat, an dem Ort, an dem er sich aufhält, ein Leben ohne Diskriminierung zu führen. Das Schlagwort dieser Sichtweise ist "Kein Mensch ist illegal!". Auf der anderen Seite wird vorgebracht, dass die Flucht vor wirtschaftlich schwierigen Situationen zwar durchaus verständlich ist, aber das aufnehmende Land vor nicht geringe Probleme stellt. Diese Gruppe hält die Abschiebung für ein geeignetes Mittel, die eigene Gesellschaft zu schützen.

Problematisiert werden in diesem Zusammenhang die Bedingungen in Abschiebebereichen. Als Beispiel anzuführen sind Abschiebungen unter Inkaufnahme des Todes der Migranten, oder Abschiebungen in Länder, aus denen die Migranten gar nicht herkommen.

Gelegentlich wird in diesem Zusammenhang vorgebracht, dass allein in der Unterscheidung zwischen Staatsbürgern und Ausländern eine gleichheitswidrige Diskriminierung liege. Dem entsprechend wird zum Beispiel die Residenzpflicht von Asylbewerbern als institutioneller Rassismus angesehen. Die Unterscheidung zwischen Staatsbürgern und Ausländern wird jedoch von der gegenwärtigen Rechtslage in Deutschland nicht als gleichheitswidrig angesehen; das Grundgesetz gewährt Deutschen stärkere Grundrechte als Nichtdeutschen, so etwa in Fragen der Niederlassungsfreiheit. Die Diskussion ist daher eher eine politische als eine rechtsdogmatische.

Im Gegensatz zu dieser theoretischen Betrachtung steht die Realität, dass in allen westeuropäischen Ländern sehr viele Menschen ohne Aufenthaltsbewilligung von der "legalen" Wirtschaft gebraucht werden, für Arbeiten, die von den Westeuropäern zumindest zu den dafür angebotenen Löhnen nicht mehr geleistet werden (vor allem im Bereich Landwirtschaft, Bau und Hausarbeit). Die Betroffenen nützen der Wirtschaft, und damit den Staaten, in denen sie arbeiten, ohne aber Anspruch auf die Grundrechte zu haben. Es wird in diesem Zusammenhang auch von "modernen Sklaven" gesprochen.


...


    * Jörg Alt: Leben in der Schattenwelt – Problemkomplex illegale Migration. Neue Erkenntnisse zur Lebenssituation 'illegaler' Migranten in München und anderen Städten Deutschlands. Loeper Literaturverlag, Karlsruhe 2003, ISBN 3-86059-499-0

    * Cissé, Madjiguène: Papiere für alle. Die Bewegung der Sans Papiers in Frankreich, ISBN 3-935936-14-1



Aus: "Sans papiers" (16. Juli 2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ohne_Papiere (http://de.wikipedia.org/wiki/Ohne_Papiere)
-.-

Quote
[...] Ein illegaler Migrant (umgangssprachlich z. T. Illegaler) ist eine Person, die unerlaubt (illegal) in ein Land einreist und/oder sich unerlaubt in einem Land aufhält.

    * Unter einer unerlaubten Einreise wird verstanden, dass die betreffenden Personen für ihre Einreise keine gültigen Papiere besitzen beziehungsweise besitzen können, die ihnen diese Einreise erlauben würden. Sie müssten deshalb, im Falle einer Kontrolle, mit einer Einreiseverweigerung, einer Abschiebung, Ausweisung oder einer Verhaftung rechnen.

    * Unerlaubte Einreise besteht auch dann wenn die Papiere ungültig werden, die einst regulär erhalten wurden und einen erlaubten Aufenthalt begründeten; das sind zum Beispiel: (Aufenthaltserlaubnisse und -bewilligungen, Duldungen, Asyl, Visa...). Besonders ist das dann der Fall, wenn ihr Aufenthalt (wie z. B. im Fall von Asylbewerbern, die vollziehbar zur Ausreise aufgefordert und zur Abschiebung ausgeschrieben sind) nicht mehr regulierbar ist.

[...] Aufgrund der zunehmenden Abschottung der Außengrenzen sowie des zunehmenden Kontrolldrucks im Inland festigt sich der Eindruck, dass der Anteil der Scheinlegalen in den letzten Jahren deutlich ansteigt und quantitativ in Relation zu den Illegalen an Bedeutung als eigenständige und distinkte Gruppe mit spezifischen Problemen innerhalb des Illegalenmilieus gewinnt. Laut Migrationsbericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) aus dem Jahr 2005 gehen Schätzungen von bis zu einer Million Illegalen aus. Dies entspricht bis zu zwei Prozent der in Deutschland Erwerbstätigen.[1] Vor dem 1. Mai 2004, dem EU-Beitritt von Ländern wie Polen, der Slowakei oder Ungarn, war die Zahl jedenfalls deutlich höher, da sich bis zu diesem Zeitpunkt auch Bürger dieser Länder unerlaubt in Deutschland aufgehalten haben.[2]

[...] Unrechtmäßig eingewanderte Migranten stellen eine extrem profitables und kostengünstiges Potential für die Wirtschaft dar. Sie sind innerhalb der EU laut Klaus J. Bade ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor. Der Migrationsexperte ist der Meinung, dass ohne illegaler Beschäftigung europaweit ganze Wirtschaftsbranchen zusammenbrächen. Bade führt an, dass illegal Eingereiste ein Drittel der französischen Autobahnen gebaut haben, und die Autoproduktion zu einem Drittel von irregulär Beschäftigten bestritten wird. Im Süden Italiens erwirtschafteten sie 30 Prozent des Bruttosozialprodukts und erhalten damit ganze Wirtschaftsstrukturen am Leben. In Großbritannien würden sich laut Bade Modebranche und Bauindustrie auflösen. Und der deutsche Regierungsumzug von Bonn nach Berlin hätte sich deutlich verzögert.

[...] Die Lebensumstände von illegal anwesenden Migranten spielen in der politischen Diskussion keine bedeutende Rolle. Vor allem die Kirchen und Wohlfahrtsverbaende weisen in regelmäßigen Abständen auf die desolate soziale Situation der nicht rechtmäßig in Deutschland lebenden Migranten hin.

Eingereiste ohne Aufenthaltsrecht führen ein Leben außerhalb der sozialen Absicherung. Folglich stehen sie den üblichen Risiken wie Unfall, Arbeitslosigkeit und Krankheit schutzlos gegenüber. Zudem laufen vornehmlich eingeschleuste Migranten Gefahr, sich gegen ihren Willen in kriminellen Netzwerken zu verstricken, welche den Ausstieg erheblich erschweren. Auch leben sie in der Regel in Wohnbedingungen, welche weit unter dem in Mitteleuropa üblichen Standard liegen. Bezüglich der Arbeitsbedingungen genießen sie keinen Arbeitsschutz und erhalten keinen leistungsgerechten Lohn. „Die Arbeits-, Lebens- und Abhängigkeitsverhältnisse vieler Migranten ohne Aufenthaltsrecht nehmen so Züge an, die durchaus mit dem Begriff der Modernen Sklaverei umschrieben werden können.“ (Friedrich-Ebert-Stiftung, Mai 2000)

Von den beschriebenen Umständen sind nicht alle illegal aufhältlichen Migranten im selben Maße betroffen. Je ärmer die Verhältnisse im Ursprungsland, desto höher ist die Bereitschaft, diese Zustände in Kauf zu nehmen, soweit sie eine feste Rückkehroption und gesicherte Beschäftigung in Aussicht haben. So verdiente in den neunziger Jahren ein polnischer, illegal beschäftigter Eingereister, trotz des damit verbundenen Lohndumpings in einer Woche genug, um in der Heimat einen Monat lang die fünfköpfige Familie zu versorgen.

Neben der zum Teil inhumanen Lebenssituation am Rande der Gesellschaft, stellt sich für die Friedrich Ebert Stiftung zusätzlich im Mai 2000 die Frage, ob illegale Migration nicht dazu beitragen könne, die in Deutschland für die Einheimischen gültigen Mindestlebensstandards neu zu überdenken und die Zumutbarkeitskriterien zu verschärfen.

Insbesondere unrechtmäßig Eingewanderte geben eine ideale Zielscheibe ab für xenophobe Aktivitäten. So stellten sie während der Krise der Baubranche in den neunziger Jahren einen geeigneten Sündenbock dar für Aggressionen als Ausdruck von Verdrängungsängsten, Sozialneid und Furcht vor einem sinkenden Lebensstandard von seiten der Einheimischen. Die Öffentlichkeit kriminalisierte eher die Gruppe der unrechtmäßig Beschäftigten als die Institutionen der illegalen Beschäftigung, ohne deren Vermittlung und Gewinn die illegale Beschäftigung unmöglich wäre.

[...] In Deutschland ist die gesellschaftspolitische Debatte seit Jahren zwischen zwei Polen gefangen:

    * Auf der einen Seite stehen jene, die eine Verbindung zwischen aufenthaltsrechtlicher Illegalität und schwerer Kriminalität ziehen und sich auf repressive Ansätze wie beispielsweise Aufrüstung der Bundespolizei, Abschiebungen oder die Bekämpfung von Schwarzarbeit durch Arbeitsamt und Zoll konzentrieren.

    * Dagegen stehen diejenigen, die die Ansicht vertreten mit diesen Mitteln könne man den komplexen Abläufen zwischen den Nationalstaaten und innerhalb der eigenen Gesellschaft nicht beikommen. Vor allem linksorientierte Gruppen vertreten die Forderung nach Legalisierungskampagnen, ähnlich denen in Spanien, Italien oder den USA. Dabei handelt es sich etwa um Stichtagsregelungen, die an die Länge des Aufenthalts oder vorhandenen Beschäftigungsverhältnissen gebunden sind.

        * Aber auch hiergegen gibt es gewichtige Einwände: Die Erfahrungen jener Länder, die dieses Instrument zur Aufenthaltsregularisierung durchführten belegt, dass relativ schnell neue Illegale Migranten nachzogen sodass früher oder später eine neue Legalisierung erforderlich wurde. Der wichtige Kritikpunkt, dass Legalisierungen einen Pull-Faktor (siehe Migrationsforschung) bedeuten, ist also nicht rundweg von der Hand zu weisen. Entsprechend wenig tut sich im Bereich Politik und Recht, wie die Abwesenheit des Themas im inzwischen in Kraft getretenen Zuwanderungsgesetz belegt.

        * Auf der anderen Seite steht das Argument, dass die Anwesenheit von mehreren Hunderttausend Menschen ohne Zugang zu grundlegenden Rechten mit dem Ideal eines Rechtsstaates nur schwer zu vermitteln ist. Ein offenes Geheimnis ist außerdem, dass bestimmte Teile der Wirtschaft, insbesondere in der Landwirtschaft, der Lebensmittelverarbeitung und der Baubranche, auf billige Arbeitskräfte angewiesen sind. Solange dieser Bedarf besteht und nicht durch legale Möglichkeiten der (temporären) Einwanderung gedeckt wird, wird es illegale Migration geben, so dass der Einfluss von Legalisierungsprogrammen hierauf nicht allzu hoch sein dürfte.

[...] Im Gegensatz zur USA und anderen europäischen Staaten wie Spanien und Italien kam es in Deutschland zu keinen politisch motivierten Legalisierungen unerlaubt Eingereister.


Aus: "Unerlaubte Migration" (18. Oktober 2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Unerlaubte_Migration (http://de.wikipedia.org/wiki/Unerlaubte_Migration)

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Quote
[...] 500.000 bis zu 1,5 Millionen Menschen leben illegal in Deutschland, schätzt die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl.


Aus: "ANGST VOR ABSCHIEBUNG: Die eine Dummheit des Afro Hesse" Von Christina Hebel (26.10.2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,585960,00.html (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,585960,00.html)

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Quote
[...] Am Donnerstag letzter Woche hatte es in den Lübecker Nachrichten einen Zeitungsartikel gegeben, der über die geplante Abschiebung der 12 köpfigen Familie (bis auf zwei ältere Söhne, die mit Deutschen verheiratet sind) berichtete. Die Familie lebt seit 19 Jahren hier, der Großteil ist in Deutschland geboren. Abgeschoben werden sollen sie in die Türkei, obwohl niemand von ihnen Türkisch spricht (sie stammen aus dem Grenzgebiet zu Syrien und sprechen neben Deutsch nur Arabisch). Volker Fehring, Sachgebietsleiter der Ausländerbehörde Ostholstein, meint nun nach 19 Jahren falsche Angaben bei der Einreise der Familie entdeckt zu haben.

[...] Als Reaktion auf den Zeitungsartikel wurden am Freitag morgen der Vater sowie zwei Söhne gegen 6.30 Uhr festgenommen und in Abschiebehaft gesteckt (sie sitzen im Abschiebeknast in Rendsburg). Der Rest der Familie sollte sich Dienstag in Neumünster einfinden, um dann Mittwoch von Düsseldorf aus mit dem Flugzeug in ein fremdes Land abgeschoben werden.


Aus: "Eutin (SH): 200 gegen Abschiebung der Culums" (22.09.2008)
Quelle: http://de.indymedia.org/2008/09/227716.shtml (http://de.indymedia.org/2008/09/227716.shtml)


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Quote
[...] Heute, Dienstag 21.Oktober, versammelten sich ca. 60 Leute in Kiel um gegen die
Abschiebung der Familie Culum aus Bad Schwartau zu demonstrieren.
Lautstark zogen die Demonstranten vom Asmus-Bremer-Platz zum
schleswig-holsteinischen Innenministerium. Dort wurden Unterlagen der Familie, die
eine freiwillige Ausreise bestätigen, eingereicht. Jedoch bisher unkommentiert
hinterlassen.
Eine Abschiebung durch die Behörden hätte zur Folge, dass die Familie 3 Jahre nicht
zurückkehren dürfte und in einem ihnen völlig fremden Land bleiben muss.
Zusätzlicher Anlass für die zweite Demonstration war die Hochzeit Alis und seiner
Freundin, welche seit einem Jahr nicht zugelassen wird, vorige Woche im Standesamt
wurde ihm der Pass mit Hilfe der Polizei entzogen. Zudem fordern wir, dass die
Kindern Zainhab und Osdin bei ihren Verwandten in Deutschland bleiben dürfen, nach
geltendem Gesetz ist dies möglich.
Weiterhin wurde bekannt, dass am frühen Morgen erneut PolizistInnen in das Haus der
Familie eingedrungen sind, glücklicherweise befand sich die Familie nicht zu Hause.
Schon der erste Einsatz stellte für die Familie, vor allem für die Kleinsten, ein
traumatisches Ereignis dar. Anschließend wurden die Schlösser ausgetauscht und die
Polizei führte ihre Suche bei dem ältesten Sohn erfolglos fort. Gespräche mit
BürgerInnen zeigten der Fall der Familie Culum ist kein Einzelfall, die europäische
Migrationspolitik hindert viele Menschen daran sich global frei zu bewegen


Aus: "Kiel: Demo gegen Abschiebung der Culums" (22.10.2008)
Quelle: http://de.indymedia.org/2008/10/230158.shtml (http://de.indymedia.org/2008/10/230158.shtml)


Title: [Millionäre protestieren gegen «Marat»-Premiere... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 28, 2008, 12:48:07 PM
Quote
[...] «Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspieltruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade» liest ein Chor von (echten) Arbeitslosen eine Liste der reichsten Hamburger vor. Dagegen hatten bereits einen Tag vor der Premiere am Freitagabend vier der 28 genannten Millionäre protestiert. «Die vier Personen drohten mit einer einstweiligen Verfügung, sollten ihre Namen auf der Bühne genannt werden», sagte Uwe Heinrichs, Sprecher des Schauspielhauses.

Die betroffenen Namen wurden deshalb bei der Premiere nicht vorgelesen, stattdessen das anwaltliche Schreiben zitiert. Hamburger Medien veröffentlichten jedoch die vier Namen. Die restlichen 24 Hamburger stammen aus der Liste der 300 reichsten Deutschen, die das «Manager Magazin Spezial 2008» regelmäßig veröffentlicht ...


Aus: "Millionäre protestieren gegen «Marat»-Premiere" (27.10.2008, DPA)
Quelle: http://de.news.yahoo.com/26/20081027/ten-millionre-protestieren-gegen-marat-p-c134cff.html (http://de.news.yahoo.com/26/20081027/ten-millionre-protestieren-gegen-marat-p-c134cff.html)

Title: [Es hat sich etwas verändert im Wirtschaftswunderland Deutschland.... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 29, 2008, 10:15:40 AM
Quote
[...] Bourdieu analysiert die Rolle objektiv gegebener, sozial ungleicher Strukturen in der Gesellschaft (Bildungsgang, Herkunftsfamilie, Stellung in Kulturbetrieb und Wirtschaftsordnung) auf die Herausbildung subjektiver Denk- und Handlungsmuster und beschreibt den individuellen „Habitus“ eines Menschen (z.B. Geschmack, Sprache, Konsumverhalten) als unbewusste Verinnerlichung strukturell vorgegebener, klassenspezifischer Grenzen. Auf diese Weise versucht er das erkenntnistheoretische Problem der Vermittlung zwischen objektiven Strukturen und subjektiven Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsweisen zu lösen, das auch die gegenwärtige geschichtswissenschaftliche Diskussion in Deutschland prägt.


[...] Der Habitus ist nach Bourdieu der „Erzeugungsmodus der Praxisformen“, d.h. die sozialen Akteure sind mit systematisch strukturierten Anlagen ausgestattet, die für ihre Praxis konstitutiv sind. Der Mensch ist also kein völlig freies Subjekt, wie es die Subjektivisten manchmal gerne sähen, sondern ein gesellschaftlich geprägter Akteur. Der Habitus gewährleistet die aktive und unbewusste Präsenz früherer Erfahrungen und setzt sich zusammen aus Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsschemata, die bestimmen, wie ein Akteur seine Umwelt sensuell wahrnimmt, welche Alltagstheorien, Klassifikationsmuster, ethischen Normen und ästhetischen Maßstäbe er vertritt und welche individuellen und kollektiven Praktiken der Akteur hervorbringt. Das habituelle Dispositionssystem ist geprägt durch die spezifische Position, die der betreffende Akteur oder eine Gruppe von Akteuren innerhalb der Sozialstruktur einnimmt. Ein Habitus formt sich also im Zuge der Verinnerlichung der äußeren gesellschaftlichen (materiellen und kulturellen) Bedingungen des Lebens, durch die spezifische Stellung, die ein Akteur und seine soziale Klasse innerhalb der gesellschaftlichen Relationen einnimmt. Dabei wird der Akteur nicht vollständig determiniert, vielmehr stellen die äußeren materiellen, kulturellen und sozialen Existenzbedingungen und ihre verinnerlichte Form als Habitus nur die Grenzen möglicher und unmöglicher Praktiken zur Verfügung. Die einzelnen individuellen Praktiken sind dem Akteur und seiner Wahlfreiheit überlassen. Durch den Habitus werden also Praxisformen und nicht einzelne Praktiken festgelegt. Außerdem lässt Bourdieu auch andere Produktionsprinzipien von Praxis gelten, die unabhängig vom Habitus sind. Dies sind z.B. rationales Kalkül und die Befolgung ausdrücklicher Normen, zu deren Anwendung es nach B. dann kommt, wenn die objektiven Strukturen mit dem angelernten Habitus in Konflikt geraten, so dass der Habitus nicht mehr seine Orientierungsfunktion übernehmen kann. Dies geschieht in ökonomischen oder kulturellen Krisensituationen, aus denen auch Revolutionen oder Revolten entstehen können.

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Aus: "Theorien der Frühen Neuzeit: Modernisierung - Zivilisierung - Disziplinierung / 5. Habitustheorie und Kapitalbegriff (Pierre Bourdieu) - 5.3. HABITUSTHEORIE" Von Reemda Tieben (2003 by Barbara Stollberg-Rilinger)
Quelle: http://www.uni-muenster.de/FNZ-Online/theorien/modernisierung/unterpunkte/habtheorie.htm (http://www.uni-muenster.de/FNZ-Online/theorien/modernisierung/unterpunkte/habtheorie.htm)

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[...] Was Breitscheidel in den 18 Monaten verdeckter Recherche erlebt und erfährt, wirft einige Fragen nach der Effizienz des Systems auf. Er ist etwa auf eine Praxis gestoßen, die es, wie er sagt, "Unternehmen in diesem Land möglich macht, kostenlos an Arbeitskräfte zu kommen".

Breitscheidel beschreibt das am Beispiel eines deutschen Briefdienstleisters: Ein privater Arbeitsvermittler bekommt von der Arbeitsagentur im Erfolgsfall bis zu 2000 Euro Provision für jeden vermittelten Hartz-IV-Empfänger. Für den Briefdienstleister ein lohnendes Geschäft, weil er an der privaten Agentur beteiligt ist. Nach drei Monaten werden diese Mitarbeiter wieder entlassen. Solange müssen sie mindestens im Unternehmen beschäftigt sein, damit die Vermittlungsprovision gezahlt wird.

Breitscheidels erste Station als Zeitarbeiter war die Adam Opel AG. An die war er nur wenige Wochen von einer Zeitarbeitsfirma entliehen worden, um in Rüsselsheim Scheinwerfer einer letzten Qualitätskontrolle zu unterziehen.

Das heißt, gearbeitet hat Breitscheidel zwar auf dem Gelände der Adam Opel AG, dort aber im Lager, dessen Betrieb von einer Firma namens SCR betreut werde. Die wiederum habe eine weitere Firma namens Formel D mit der Qualitätskontrolle beauftragt, welche Teile ihres Personals für diese Aufgabe von der Zeitarbeitsfirma Nova bezog, mit der Breitscheidel einen Arbeitsvertrag hatte.

Die Konditionen: 7,15 Euro brutto. Zum Vergleich: Das niedrigste Einstiegsgehalt bei Opel soll 13,50 Euro betragen. Plus Zuschläge. Für Zeitarbeiter gibt es Nacht- oder Feiertagszuschläge nicht. Gearbeitet wird auf Zuruf. Meistens nach dem Muster: Anruf und in einer halben Stunde Treffen am Werkstor. Bezahlt werde nur für tatsächlich geleistete Stunden, schildert Breitscheidel.

Für die Zeitarbeitnehmer bei Opel gibt es keine Pausenräume, keine Umkleideräume und in der Kantine wird der doppelte Preis für ein Essen verlangt, etwa sieben Euro, wie Breitscheidel schreibt. Zeitarbeiter: Arbeiter zweiter Klasse.

Überraschend gesteht Breitscheidel zum Schluss der Buchvorstellung, er habe gar nichts gegen Zeitarbeit. Allerdings müsse der Grundsatz gelten: gleiches Geld für gleiche Arbeit. Weil eine Vollzeitstelle in der Zeitarbeit heute nicht zum Leben reiche. Breitscheidel musste immer wieder zur Arbeitsagentur und dort seinen Lohn per Aufstockung auf den Hartz-IV-Satz anheben lassen.

Fast belustigend wirken da Breitscheidels Erlebnisse in der Landwirtschaft. Einer Stellenbeschreibung für einen Erntehelfer entnimmt er, dass er 3,21 Euro die Stunde verdienen soll. Einstellungsvoraussetzung sei ein eigenes Auto, um zu den Feldern zu kommen.

Auf einem Erdbeerfeld ist ebenfalls das eigene Auto Pflicht, aber hier wird er nicht mal nach Stunden bezahlt, sondern nach geernteten Schälchen. Jede Schale bringt 25 Cent. Stundenlohn etwa 2,50 Euro. Wie er davon das Auto finanzieren soll, konnte ihm keiner erklären.

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24.10.2008  10:46:04

d-i-w: Unfassbar? - Leider nicht

Als Kind der 70er fällt es mir oft schwer, den aktiv in Richtung Ungleichheit betriebenen Wandel unserer Gesellschaft nachzuvollziehen. So vieles von dem, was wir heute erschrocken bestaunen, war doch schon seit Anfang der Ära Schröder absehbar. Die bürgerbezahlte Subventionierung des Niedriglohnsektors musste selbstverständlich zu all den Auswüchsen führen, über die sich heute so viele scheinbar wundern. Nur: Die logischen Konsequenzen, also die Abschaffung der Subventionierung in diesen Bereichen, zieht natürlich keiner aus unseren Eliten in Betracht. Wieso auch, müsste er oder sie sich doch handfest mit jenen anlegen, die von den neuen Zuständen in Wahrheit profitieren. Geliebt hat man die Deutschen im Ausland nie, wohl aber bewundert. Ich fürchte, auch das ist bald nicht mehr der Fall.

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23.10.2008 09:16:00

doran: Zeitarbeit

Ist, wie sie in Deutschland, in den meisten Fällen praktiziert wird, niederträchtigster Sklavenhandel.

Allein der Trick der angeblichen Vermittlung, dann wird der noch in der Zeitarbeit Beschäftigte seitens des Verleihers schickaniert, gemobbt und verleumdet, nur um eine Übernahme zu verhindern oder hinauszuzögern.

In der Öffentlichkeit wird auf große Familie gemacht, mit Zertifizierungen, Bundesverdienstkreuz und Unternehmerpreisen geworben, schaut genau hin, erfährt man wie respektlos mit dem Nächsten umgegangen wird, und wie herabwürdigend Mitmenschen behandelt werden. Hier zählt nur die brutale Macht; Wissen, Bildung, Anstand darauf wird ..zählt nichts.

Beispiele aus meinem Bekanntenkreis und meinem Arbeitsumfeld haben mich derart erschrocken, ich wollte es nicht glauben, ich dachte, dass hast du eben gar nicht erlebt, das hast du dir eingebildet.

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  23.10.2008  09:55:25

Angus71: Herzlich

wilkommen in der Realitaet,

wir sind ein zivilsierte Hochkultur mit allem was dazu gehoert Koenigen in den Banken, Sklaven, Sklavenhaendlern und Sklaventreibern ...


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22.10.2008 13:47:44

Mitternacht: Sieht nicht jeder, wohin wir steuern?

Damit auch jedem klar wird, wohin die Reise in D geht, hier eine aktuelle Liste der von der Arge abgesegneten Ein-Euro-Jobs einer städtischen „Beschäftigungsgesellschaft“, Vertragspartner der Arge (leider nur die erste Seite, kopieren wurde nicht gestattet und die Zeit reichte durch das händische Abschreiben nur für die Hälfte):

Archivmitarbeiter, Bibliothekshilfe, Bote, Bürohilfskraft, Hilfskraft/Lager/Archiv, Pforte/Empfang, Projektmitarbeiter, Veranstaltungsbetreuer/in, Verkaufshilfe, Verkaufskraft, Verwaltungshilfe, Verwaltungskraft, Koordinationsassistent in der Verwaltung, Altenpflegehelfer/in, Anleiter, Arzthelferin, Sozialhelfer im Seniorenbereich, Sozialhelfer, Sozialpädagoge, Pädagogischer Mitarbeiter, Physiotherapeutin, Archäologin, Öffentlichkeitsarbeit, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Cafehilfskraft, Gastrohelfer/Eventgehilfe, Metzger, Gärtner, Bauhelfer, Beleuchter, Elektriker, Kfz-Mechaniker, Schneider, Schreiner, Trockenbaumonteur, Zerleger, Bauzeichner, CAD-Zeichner, Fahrer, Fotograf, Funker, Kulissenmaler, Programmierer, Psychologe/in.

Dazu sollte man wissen, dass die Ein-Euro-Jobs zunehmend zu „Bürgerservice“-Stellen umgewidmet werden, zu finanziell gleichen Konditionen , aber mit drei Jahren Zwangsarbeitsdauer.

Wie sollte unter diesen Umständen die vielgepriesene gute Qualifikation vor Sklavenarbeit und Lohndumping schützen?

Und an alle, die hier die armen Unternehmer bedauern: Das massive Klaffen der Einkommensschere bedeutet nicht nur sinkende Löhne am unteren Rand, sondern prozentual weit mehr steigende Löhne am oberen Rand…


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22.10.2008  12:26:27

pixelfisch:

Ich empfehle Ihnen einen Blick auf die Jahresabschlüsse der meisten Unternehmen. ...


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22.10.2008 11:59:45

Impertinenzija:

Das erinnert mich alles in zunehmendem Maße an John Steinbecks "Die Früchte des Zorns": Willkür, Lohndumping, Company Stores.


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  22.10.2008  11:17:34

Dirri:

[...] Aber das Hauptthema, und das regt mich wirklich auf, ist, dass den Konzernen es GELUNGEN ist, von den Regierungen hierzulande GESETZE zu "erhalten", die ihnen erlaubt, die Herstellungskosten (= Löhne, Gehälter) sich vom STEUERZAHLER zahlen und hochsubventionieren zu lassen!

Man nennt dies auch Gewinne PRIVATISIEREN, Verluste und Risiken (siehe Banken derzeit) SOZISALISIEREN/verstaatlichen!

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22.10.2008 10:57:31

Northerer: @Flavourmetz

[...] Wenn man mit 8h Arbeit 5 tage die Woche sich nicht mehr als Essen und die Miete leisten kann und dabei kaum Rentenansprüche erwirbt läuft nunmal was schief. Die die hier so grosse Töne spucken wären die ersten die Jammern wenns sie selbst mal betrifft.

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22.10.2008 10:46:49

christoph-sz: Nicht überraschend

Die Beschreibungen von Herrn Breitscheidel überraschen mich nicht. Unsere Marltwirtschaft ist eben nur noch für manche der Arbeitnehmer sozial, nicht für alle. Was an Ausbeutung möglich ist, wird gemacht, es ist illusorisch, zu glauben, dass das Wort "Sklaventreiber" nur noch im Duden existiert, und nicht in der Realität. Und wenn solche Zustände angeprangert werden, dann zuckt die Politik nur mit den Schultern und verweist vorgeblich resignierend auf die "Globalisierung", die so etwas angeblich nötig macht. Man läßt die armen Menschen im Stich und ist zufrieden damit, dass es ausreichend Wähler im gehobenen EInkommensbereich gibt.


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22.10.2008  10:42:37

szonlineleser: Hart aber fair?

Es hat sich etwas verändert im Wirtschaftswunderland Deutschland. Menschen, von denen man dies auf den ersten Blick nicht erwarten würde, wühlen in Abfalleimern nach verwertbarem Pfandgut. Ein ungewöhnlicher Anblick für jemanden wie mich, der in den 60er und 70er Jahren in diesem Land aufgewachsen ist und für den Armut etwas abstraktes war, etwas historisches, das man nur aus Nachkriegserzählungen der Eltern, Büchern oder von Reisen her kannte. Frappant wird die Armutserfahrung freilich dann, wenn sie im Kontrast zu offen gelebtem Wohlstand und Reichtum gemacht wird. Gerade die deutschen Großstädte, allen voran München, bieten da ganz neue Erlebniswelten.

Nie war das Gefälle von reich zu arm für mich so deutlich spürbar wie in den letzten Jahren. Man könnte das noch weiterführen, beispielsweise in Form des Gefälles von bildungsnah zu bildungsfern, Gewinner zu Verlierer, stark zu schwach. Wir leben wieder in einer Klassengesellschaft mit all ihren hässlichen Ausprägungen. Die Utopie einer Gesellschaft, in der das Verhältnis der Klassen zueinander keine Brisanz mehr hat, gehört der Vergangenheit an. Wir haben kein klassisches Proletariat mehr, nur mehr ein Prekariat. Die Mittelschicht dünnt aus und spaltet sich in Leute, die noch von ihrem Einkommen leben können und solchen, denen das nicht mehr gelingt. Darüber hinaus gibt es nur noch reich und arm.

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22.10.2008 10:37:00

Legis: Clement und Konsorten haben den Sklavenmarkt eröffnet!

Das sage ich seit Jahren und habe bei Siemens - besonders in München - beobachtet, wie ältere Mitarbeiter - das war bereits ab 45 - aus der Firma gedrängt wurden - und über Zeitarbeits- oder Leihfirmen - Siemens hat hier die eigenen Komptime GmbH - auf ihren alten Arbeitsplätzen für billiges Geld weiterarbeiten mußten.

Das ist ein Skandal! Wer war Berater von Schröder und Merkel - Ja, Heinrich von Pierer, er ist auch der beste Freund vom vorbestraften Peter Hartz!

Die Elite sorgt für einen guten Sklavenhandel. Die Einkommen der Mittelschicht sanken und diese Mittelschicht wurde durch diese Gauner aus Politik und Wirtschaft systematisch abgebaut! Die Armut der breiten Masse ist systematisch geplant!

Aber die Warner wurden als Verschwörungstheoretiker oder linke Spinner betitelt!


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22.10.2008 10:51:09

Axolotl79:

Leider werden die Erlebnisse Breitscheidels viel zu wenig publik gemacht. Wo bleibt eine ZDF/ARD Sondersendung zu solche einen erschuetternden und wachruettelndem Thema??? Wenn ein Adliger seine Blondchen heiratet sind sie doch sofort dabei!!!





Aus: "Enthüllungsbuch über Leben mit Hartz IV: Mit Lizenz zur Ausbeutung" (22.10.2008)
Von Thorsten Denkler, Berlin
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/2/314896/text/ (http://www.sueddeutsche.de/politik/2/314896/text/)

Title: [Der Ex-Post-Chef... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 10, 2008, 11:17:31 AM
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[...] Klaus-Gerhard Maximilian Zumwinkel (* 15. Dezember 1943 in Rheinberg, Nordrhein-Westfalen) ist ein deutscher Unternehmensberater. Er war von 1990 bis 2008 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post.

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Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Zumwinkel (http://de.wikipedia.org/wiki/Zumwinkel) (9. November 2008)

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[...] Der Ex-Post-Chef muss selbst im Falle eines doppelten Schuldspruchs wegen Steuerhinterziehung und der Telekom-Spitzelaffäre nicht damit rechnen, eine Haftstrafe zu verbüßen.

Vielmehr gehen Strafrechtsexperten davon aus, dass sich Zumwinkel durch eine Geldzahlung in Millionenhöhe den Gang ins Gefängnis ersparen kann. "Selbst wenn Herr Klaus Zumwinkel im Steuerprozess sowie später auch als Drahtzieher im Spitzelskandal verurteilt werden sollte, heißt das noch lange nicht, dass er auch einsitzen muss", heißt es aus nordrhein-westfälischen Justizkreisen. Damit könnten beide Affären noch ein glimpfliches Ende für den Ex-Post-Chef nehmen.

Am Donnerstag hatte die Staatsanwaltschaft Bochum Anklage gegen den 64-Jährigen wegen Steuerhinterziehung erhoben. Zumwinkel wird zur Last gelegt, Einnahmen aus Anlagen seiner Liechtensteiner Stiftung Devotion Family Foundation in Höhe von etwa 2,5 Mio. Euro nicht angegeben und so Steuern von schätzungsweise 1,2 Mio. Euro hinterzogen zu haben. In einem zweiten Verfahren ermittelt die Staatsanwaltschaft Bonn gegen Zumwinkel wegen Verletzung des Telekommunikationsgesetzes beim Skandal um die Bespitzelung von Aufsichtsräten der Telekom sowie Journalisten, die über den Konzern berichteten.


Im Falle einer doppelten Verurteilung käme der Manager eigentlich um eine Haftstrafe nicht herum. Doch in der nordrhein-westfälischen Justiz wird mit einer wenig bekannten Auslegung von Paragraf 56 des Strafgesetzbuchs geliebäugelt. Danach würde Zumwinkel eine hohe Geldstrafe zahlen, die in Gefängniszeit umgerechnet und von der Gesamtfreiheitsstrafe abgezogen würde. Dieser Strafrest wäre dann so gering, dass er zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. Zumindest seien die Gerichte in vergleichbaren Verfahren zu ähnlichen Urteilen gekommen, hieß es in den Justizkreisen.


"Das ist außerhalb der üblichen Bahnen", sagte Franz-Josef Schillo von der Kanzlei Nörr Stiefenhofer Lutz. Allerdings böte diese Variante sowohl Zumwinkel wie den Justizbehörden einige Vorteile. "Es wahren alle ihr Gesicht", sagte Schillo. Die Staatsanwaltschaft könne eine zweifache Verurteilung vorweisen, die Vollstreckung der Urteile sei aber milde und komme damit Zumwinkel entgegen.

Zudem dürfte der Manager von einer ganzen Reihe von Besonderheiten profitieren. Denn allein eine Steuerhinterziehung über 1 Mio. Euro macht es eigentlich schwierig, eine Strafe zur Bewährung auszusetzen. Das Landgericht Bochum habe aber vor einigen Monaten in einem anderen Fall eine sehr hohe Steuerhinterziehung nur mit Bewährungsstrafe geahndet, sagte Anke Müller-Jacobsen von der Kanzlei Ignor & Partner: "Es ist daher unwahrscheinlich, dass das gleiche Gericht bei Zumwinkel über sein eigenes Strafmaß hinausgeht und ihn zu einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt."


Aus: "Spitzelaffäre: Zumwinkel kommt mit blauem Auge davon"  (FTD vom 10.11.2008)
von Thomas Wendel und Nicola de Paoli (Hamburg)
Quelle: http://www.ftd.de/koepfe/:Spitzelaff%E4re-Zumwinkel-kommt-mit-blauem-Auge-davon/436925.html (http://www.ftd.de/koepfe/:Spitzelaff%E4re-Zumwinkel-kommt-mit-blauem-Auge-davon/436925.html)



Title: [Diese Kausalkette ist leider ganz fest... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 12, 2008, 06:59:15 PM
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[...] Heinlein: Wird die Leiharbeit auch künftig den Unternehmen helfen, die kommende Konjunkturdelle dann besser zu verkraften, weil man eben flexibler ist?

Kloepfer: Ich glaube, dass diese Flexibilität sehr wohl dazu beitragen wird, dass es so ist. Die Unternehmen müssen sich allerdings auch bemühen zu vermitteln, warum sie zwei Klassen von Arbeitnehmern akzeptieren oder brauchen. Das ist ja ein Problem der Vermittlung der Grundprinzipien unserer freien Marktwirtschaft. Warum haben die einen Chancen und die anderen nicht? - Die Lösung dieses Problems, die haben wir noch nicht gefunden.

Heinlein: Droht, Frau Kloepfer, nun vielen Leiharbeitern der Absturz in die Unterschicht, die Sie in Ihrem Buch beschreiben?

Kloepfer: Der Absturz in die Unterschicht kann natürlich relativ schnell kommen. Das heißt, wenn die Konjunkturkrise nur lang genug ist und die Leiharbeiter oder auch die anderen einfach qualifizierten in schlecht bezahlten Jobs länger wieder arbeitslos werden, dann werden sie von Hartz IV abhängig und sind ganz schnell gesellschaftlich unten. Dazu muss man allerdings sagen, dass Unterschicht natürlich mehr meint als nur eine prekäre materielle Situation. Dazu kommt dann oft noch eine Bildungsferne und ein gewisses Verhalten, was dazu führt, dass man im Grunde sich weiter von der Gesellschaft entfernt. Das ist natürlich nicht bei jedem der Fall, der dann länger arbeitslos ist, aber es kann natürlich ganz schnell passieren, dass wenn man die Perspektive verliert man auch sein Verhalten so ändert, dass man weniger Chancen hat.

Heinlein: Kann man eine Kausalkette beschreiben? Heute Hauptschule, morgen Hilfsarbeit und übermorgen Unterschicht?

Kloepfer: Diese Kausalkette ist leider ganz fest. Die kann man feststellen. Das ist der große Systemfehler in unserer Gesellschaft. Wer heute auf schlechten Schulen ist, in schlechten Milieus groß geworden ist, der hat keine Chance. Das ist die Unterschicht von morgen und das betrifft inzwischen fast 20 Prozent unserer Jugendlichen. Das heißt, wenn wir heute von dem Prekariat sprechen, das etwa acht, neun Prozent ist, von dem abgehängten Prekariat derjenigen, die keine Chancen haben, dann könnte das in 10 Jahren fast jeden Fünften unserer Gesellschaft betreffen. Das ist eine gesellschaftliche Katastrophe.

[...] Heinlein: In einem Kapitel Ihres Buches beschreiben Sie die Angst der Mittelschicht vor einem Absturz. Was sind die Gründe dafür?

Kloepfer: Die Gründe dafür sind einfach, dass viele der Mittelschicht, vor allen Dingen der unteren Mittelschicht natürlich mitbekommen, wie brüchig Erwerbsbiographien sind. Wir wissen, wie wir uns bilden und qualifizieren müssen, damit wir eine Aufstiegschance haben und eine Chance auf Sicherheit, aber diese ist keinesfalls mehr garantiert. Die Risiken sind einfach größer geworden. Auch der Zusammenhang zwischen beruflichem Erfolg und eigener Leistung ist brüchig geworden. Denken Sie an die Restrukturierungsmaßnahmen vieler großer Unternehmen. Da kann es schon auch die Mittelschicht sehr schnell treffen, wenn es in die Arbeitslosigkeit geht, ohne dass der einzelne überhaupt etwas Schlechtes geleistet hat. Das heißt, das spürt die Mittelschicht und daher kommt die große Sorge vor dem gesellschaftlichen Abstieg, die natürlich die eigentliche Tatsache weit überzeichnet.

Heinlein: Also es gilt nicht mehr, wer gut lernt und fleißig ist, braucht sich keine Sorgen in der Zukunft zu machen?

Kloepfer: Nein. Es gilt nur noch, wer gut lernt und fleißig ist, der hat auch gute Chancen, aber er hat keineswegs eine Erfolgsgarantie. Das ist die eigentliche Erschütterung, die die gesellschaftliche Mitte in Deutschland trifft.

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Aus: ""Der Absturz in die Unterschicht kann natürlich relativ schnell kommen""
Buchautorin: Wer auf schlechten Schulen ist, hat keine Chance
Inge Kloepfer im Gespräch mit Stefan Heinlein (11.11.2008)
Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/873878/ (http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/873878/)

Title: [In welchem Land leben wir eigentlich?... (zur Arte Sendun: „Arm trotz Arbeit“)]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 14, 2008, 01:43:24 AM
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[...] Eine Akademikerin arbeitet im Call Center. Dort gibt es wenig Geld. Und keine Zeit für den Gang zum Klo. Ein Wachmann lässt regelmäßig das Frühstück ausfallen, um zu sparen. In welchem Land leben wir eigentlich?
Von FOCUS-Redakteurin Carin Pawlak



Dass sich Menschen in unserer Gesellschaft darüber aufregen, wenn andere keine Lust auf Arbeit haben, verwundert nicht. Aber es ist wahrhaft nicht die Masse, die sich ihr Nichtstun vom Staat bezahlen lässt. Vielmehr gibt es eine größer werdende Masse von Menschen in Deutschland, die vom Niedriglohn leben. Inzwischen sind es 22 Prozent, und es sind wahrhaft nicht nur die schlecht Ausgebildeten.

22 Prozent, Tendenz steigend. Ein negativer Trend, den es in anderen Ländern wie Frankreich schon länger gibt. Zwar zahlen die Unternehmen dort einen Mindestlohn, doch der verpufft, weil viele Stellen von Vollzeit- in Teilzeitjobs umgewandelt sind. Deutschland sei auf gutem Weg, wie Markus M. Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin sagt, den Niedriglohnsektor gründlich auszubauen. Andere Studien haben es jüngst belegt: die Mittelschicht schrumpft deutlich.

Wie ein Mensch trotz Arbeit arm bleibt, zeigt die Dokumentation auf Arte ohne den schrillen Ton der Anklage. Ohne Moll-Klänge der Betroffenheit. Die Journalisten präsentieren sehr schlicht eine neue Arbeitswelt an gut gewählten Beispielen. Wir lernen Markus kennen, einen jungen Mann, der eigentlich Facharbeiter ist. Klassische Mittelschicht also. Sparen für ein Häuschen. Ein Auto. Ein Urlaub im Jahr. Könnte man meinen.

Aber Markus verdingt sich als Leiharbeiter. Die Zeitarbeit scheint der Garant für den gesellschaftlichen Abstieg, und Fleiß wird mit wenig Lohn belohnt. Nach Abzug der Miete und Fixkosten bleiben ihm und seiner Frau und seinem Kind 210 Euro im Monat. Er sagt, er denke „von Monat zu Monat“, weil er auf eine Festanstellung nicht hoffen kann. Sein Schuldnerberater sagt: „Bei ihm gibt es nichts mehr einzusparen.“ Und Markus? Hofft, nicht krank zu werden. Und zeigt sich der Kamera nur anonymisiert. Weil er sonst mit einer Kündigung rechnen muss.

Werner war selbstständiger Baustoff-Händler. Bis die Aufträge zurückgehen und er seine Firma aufgeben muss. Er schreibt mehr als 4000 Bewerbungen. Er ist einer von denen, die mit über 50 zu den Scheintoten des Arbeitsmarktes zählen. Die immer nur hören: zu alt. Er arbeitet im Wachschutz für 4,20 Euro die Stunde. Mit seiner Frau spart er am Essen.

Morgens fällt das Frühstück aus, abends gibt es Suppe aus der Konserve. Er sagt: „Ohne Überstunden könnte ich nicht überleben.“ Werner hat Herzprobleme. Was ihn nicht hindert an Schichten, die weit über den Acht-Stunden-Tag hinausgehen. Eine Studie hat ergeben, dass Niedriglöhner sieben Mal so häufig an Depressionen erkranken. Die fehlenden Aufstiegschancen, die mangelnde Anerkennung des Arbeitgebers und der Stress, den Job zu verlieren, es sind ungesunde Faktoren.

Karin hat BWL studiert. Als ihre Bank Stellen abbaut, ist ihre dabei. Sie lässt sich nicht hängen, fängt in einem Call Center an. Sie ist gut, sie verdient gut. Ihr Arbeitgeber lagert Karins Arbeitsplatz in eine Unterfirma aus. Weniger Geld, mehr Einbußen. Pausen sind von nun an gestrichen, der Gang zur Toilette ist meist nicht drin. Karin fordert ihre Rechte ein. Und wird gekündigt. Jetzt wird sie ergänzende Sozialhilfe beantragen müssen. Gerne verweisen Firmen darauf, dass man mit Billiglohnländern konkurrieren müsse.

Für Sanitäter in einer Stadt in Ostdeutschland gibt es seit fünf Jahren keine tariflich festgelegten Lohnerhöhungen mehr, und neu eingestellte Kollegen verdienen 300 Euro weniger. Bekommen nur noch befristete Verträge. Es gärt im Arbeitsalltag. Sanitäter sind übrigens Menschen, die das Leben anderer Menschen retten. Wie viel Geld ist uns so ein Beruf eigentlich wert?

Und auch das: Wie viel muss man sich als Arbeitnehmer eigentlich gefallen lassen? Eine Mini-Jobberin bei KiK klagt wegen sittenwidriger Bezahlung. Das Gericht gibt ihr Recht. Der Konzern müsste nachzahlen. Zuvor geht er in Berufung. Die Niedriglöhner müssen damit leben. Wir anderen sollten uns fragen, ob wir in einer solchen neuen deutschen Arbeitswelt leben wollen.

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Melanie Gatzke (13.11.2008 09:24)
Alle haben das mit verursacht.
Jetz hilft alles jammern nicht, auch wenn es nur noch zum jammern ist, für einen Teil der Menschen. Diese verhältnisse wurden von der gesamten Gesellschaft herbeigeführt. der blinde Wahn an grenzenloses schneller schneller-weiter - weiter- hat alle mitgerissen. Keiner hat mehr nachgedacht. Die-werden es schon richten -die Politiker. Sie haben zuspät begriffen und gedacht, sie haben sie gewählt.


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riesenkind | 11 Kommentare (12.11.2008 21:59)
Ist das menschenwürdig?
Einige der im Artikel angeführten Dinge habe ich von Bekannten, die in ähnlich unguter Lage sind auch erfahren müssen. - Doch ganz im Ernst - wenn beispielsweise den Mitarbeitern selbst der Toilettengang verwährt wird, so muss man sich fragen: Ist das noch menschenwürdig? Wer solche Dinge nach außen trägt, muss dann auch noch um den kargen Verdienst fürchten, der ohnehin hinten und vorne nicht reicht? - Aber Mindestlöhne und rechtliche Unterstützung für diese Menschen ist ja ein Tabu-Thema in der Regierungspolitik dieses Landes. Alles was sich nur opfern lässt, wird dem Goldenen Kalb namens "Globalisierung" geopfert. Wer Zustände wie diese zulässt, verdient es nicht Mandatsträger zu sein.


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pegasusfl | 72 Kommentare (12.11.2008 20:25)
Kurzeitdenken!
Wenn man als Konzern 3%Lohnkosten eines Jahresumsatzes als zuviel ansieht, kann man doch erahnen wie der Hase läuft. Nur hatten diese "T(Fl)op-Manager wohl nicht daran gedacht, das Autos keine Autos und Maschinen keine Maschinen kaufen. Aber nun baut sich die Welle eines finanzwirtschaftlichen Tsunamis langsam aber sicher auf.


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wiki (12.11.2008 17:07)
wenn keiner mehr gut verdient
geht irgendwann die Wirtschaft und ein Land kaputt! Wer soll da noch kaufen? Wer bekommt dann noch Kinder und traut sich eine Familie zu? Wer konsumiert und baut Häuser? Wer soll privat fürs Alter vorsorgen ohne Geld,der Staat wird 40%der Bürger Sozialrente zahlen müssen. Wenn die BRD nicht sozialer wird, werden massenhaft die Bürger auswandern,es gehen die Jungen und gut Gebildeten


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hericium | 1 Kommentar (12.11.2008 16:17)
Wir nicht......
Wir haben selbst ein Unternehmen mit 15 Mitarbeitern. Unsere Arbeitnehmer sind das wichtigste Kapital! Sie bekommen einen hohen Stundenlohn, freies Essen und Getränke. Wir loben unsere Mitarbeiter und unterstützen Sie nach Möglichkeit. Wir arbeiten zusammen als Team. Erst wenn die Arbeitgeber verstehen, das Mitarbeiter das Aushängeschild Ihrer Firma sind wird sich was ändern...


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Reuss (12.11.2008 15:19)
Ausbeutung...
befragt dazu doch mal jemanden, der im Asiatischen Raum arbeitet...2 Tage Urlaub...vom Stundenlohn mal abgesehen! Es kann nicht jeder alles haben! In Deutschland möchte jeder alles haben,dass das nicht funktioniert, spuehren viele leider erst jetzt.Es tut mir nur um ältere Menschen leid...unter 40 und ohne Job- selbst dran schuld!


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Castor (12.11.2008 13:20)
Frau Merkel
Mir stößt ja immer noch der Kommentar auf, den unsere Kanzlerin vor einigen Monaten abgelassen hat. "Ich sehe keinen Handlungsbedarf". Stimmt - es ist ja nur das Volk, nicht die Autohersteller, Banken und hilfsbedürftige Staaten die Geld benötigen...


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D-Land | 491 Kommentare (12.11.2008 13:11)
Ist doch so vom Wähler gewollt. Siehe
Wahl in Bayern, eine Mehrheit für CSU und FDP. Denn die Mehrheit kümmert sich einen feuchten Kehricht umd die armen Schlucker in diesem Land, solange sie noch nicht selbst an der Reihe sind. Kommt aber noch.


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Tom (12.11.2008 12:43)
Das Fundament des Systems ist Ausbeutung!
Solange noch Ressourcen zum ausbeuten das sind wird weitergemacht,das verschärft sich massiv momentan.Ausbeutung der Natur und des Menschen hat oberste Priorität in unserem System,und das geht solange bis alles restlos ruiniert ist.


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harry14240 | 31 Kommentare (12.11.2008 12:42)
relativ
"arm"ist international betrachtet sehr relativ. Auswirkungen der Globaliserung auf den deutschen Arbeitsmarkt (und die sehen und fuehlen wir jetzt) erscheinen hart und ungerecht. Subjektiv. International sind selbst die deutschen Armen noch gut versorgt. Sehen Sie sich die dritte Welt an (in die die Jobs ja ausgelagert werden). Wer die Globalisierung wollte (all die Politiker, die nie in der Lage waren die negativen Folgen vorherzusehen) scheint jetzt unfaehig die Konsequenzen zu verwalten. Es wird schlimmer werden!


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Michael (12.11.2008 12:34)
Trotz Arbeit Arm
Wann erkennen die Unternehmen, dass der (geknechtete) Angestellte auch der Kunde ist. Nur Kunden, die konsumieren sind gute Kunden und nur dank der Kunden und dank der (meist) fleißigen Angestellten kann ein Unternehmen leben und überleben. Mindestlöhne sind keine Lösung - irgendwann verdienen wir dann alle nur noch einen Mindestlohn. Wann wehren wir uns gegen die Ausbeutung?


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anglerhorsti | 87 Kommentare (12.11.2008 12:32)
Der Staat, bzw. die ARGE machen methodisch mit....
um sich diesem Dilemma zu entziehen, gehe ich mit 60 in Rente. Über 2 Jahre habe ich nicht einen Job, obwohl ich hochqualifiziert bin, vermittelt bekommen. Jetzt, wo ich 1 Jahr vor der Rente stehe, mus ich alle 14 Tage zu dubiosen Trainingsmaßnahmen gehen. Als IT-ler u.a. PC-Training. Diesen Wahnsinn und erhebliche Kosten stört niemand. Sich dagegen wehren wird i.d.R. mit Zahlungseinstellung bestraft. Wo leben wir eigentlich. Wird der Bürger hier bewußt der Verblödung und Hirnwäsche unterzogen?


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Reuss (12.11.2008 12:20)
Deutsche, kommt von eurem hohen Ross herunter
Ich finde es lächerlich, sich ueber soetwas zu beschweren!In Deutschland leben zu viele Menschen ueber ihre Verhältnisse, willkommen in der Real World!Wer sich kein Humankaptial aneignet, ist selbst Schuld!Eine BWL-Studentin im Call-Center,kann mir ihre Karriere vorstellen:unflexibel,die Heimatstadt zu verlassen,keine Auslandserfahrung-also bitte, nicht beschweren!


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Karamba (12.11.2008 11:53)
ich glaub ich spinne
Das darf nicht wahr sein, dass es in DEUTSCHLAND sowas gibt!!!! Habe die Reportage gestern bei Arte gesehen und war sprachlos! Ich bin echt dankbar für meinen gutbezahlten Job.


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Beuchel | 479 Kommentare (12.11.2008 11:52)
2 Seiten.
Auf der einen Seite werden durch die Konzerne Milliardengewinne eingefahren, auf der anderen Seite wird insbesondere am personal und dessen Entlohnung gespart, was nur geht. Denn erstens fordern die Aktionäre den höchstmöglichen Gewinn, andererseits gibt es, wenn dem eigenen Personal die Arbeitsumstände nicht mehr passen, genug willige Arbeitslose, die gern deren Job übernehmen würden. Und der eigentliche Skandal ist, dass HartzIV-Empfänger teilweise erheblich mehr Geld zur Verfügung haben als Personen, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Und da wundern wir uns, dass oftmals Auslönder Billiugjobs annehmen ? Das liegt daran, dass einige Deutsche leiber von der staatlichen Stütze leben, als selbst arbeiten zu gehen. Das trifft nicht für alle zu. Und es klingt hart, ist aber so.


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wibi40 | 12408 Kommentare (12.11.2008 11:45)
Öfter mal ARTE schauen
Denn dort laufen wirklich gute Sendungen - über die würde sich sogar Reich-Ranicki freuen. Aber diese Reportage zeigte in eindrucksvoller Weise, wo der sogenannte Aufschwung wirklich nicht hinging. Und sie zeigte auch eine Zukunftsperspektive, nämlich dass es eher schlechter als besser wird. Dank der Politik, wohlgemerkt.


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GreenBriar | 6 Kommentare (12.11.2008 10:48)
Jetzt plötzlich Katzenjammer?
Seit Jahren wird deutsche Politik von allen Politikern und Parteien vor die Wand gefahren. Und das Volk? Geht das wählen was da ist. Gleiche Leute die auf Posten versagt haben und an neuen Stellen wieder auftauchen. Im Schach nennt man sowas Rochade. Wann kommt Deutschland aus dem aktiven Schlaf? Ein freies Volk kann vieles ändern, auch mit neuen demokratischen Parteien und Köpfen. Warum fängt eigentlich keiner damit an? Lieber Jammern!


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mats.w. (12.11.2008 10:23)
In den 70ern und 80ern hat man den Leuten..
.. eigeredet, sie könnten mit immer weniger Arbeit (35-Std-Woche etc) immer mehr verdienen, ein kollektiver Wahn. Daraus folgte zugleich, dass die Unternehmen und der Staat alle Preise und Steuern immer weiter nach oben treiben konnten, dann auch noch der Euro-Schub. Heute zahlt die Mittelschicht den Preis, denn auf Dauer kann man nur verteilen, was voher erarbeitet wurde - so einfach ist das.


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Daniel17042005 | 187 Kommentare (12.11.2008 10:21)
Schuld an diesen Verhältnissen...
Menschen, deren Beruf es ist, andere zu retten und die dafür Hungerlöhne bekommen, Menschen, die trotz Vollzeit-Arbeit am Essen sparen müssen – solche Verhältnisse sind erschreckend, sie sind zynisch, sie sind zutiefst menschenverachtend. Aktuelle Regierungspolitik trägt dafür nicht allein die Verantwortung, vielmehr das gesellschaftliche System, unter dem wir leben.


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AndiBN | 9 Kommentare (12.11.2008 10:17)
Personalverantwortung
Ein Großteil der Personalverantwortlichen in Deutschland scheint völlig fehl am Platz zu sein. Sollte es nicht einmal möglich sein, zur Toilette zu gehen, frage ich mich, wie sich ein Mitarbeiter dann noch auf seine Arbeit konzentrieren soll. Dort liegt das Hauptproblem!Wer gerne zur Arbeit geht, ist motiviert und produktiv! Bekommt er dazu noch einen angemessenen Lohn, geht es aufwärts in diesem Land!


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Quoos | 8 Kommentare (12.11.2008 09:40)
Weltanschauung
Diese Fehlentwicklung hat sich über lange Jahre aufgebaut. Es gibt kaum Führungspersönlichkeiten wie ein Herr Bosch die von sich aus seinen Angestellten mehr zahlen, Sozialleistungen aufbauen etc. Dadurch wurde eine Identifikation mit dem Unternehmen geschaffen. Das war die Historie. Heute gibt es die Kaste der Manager in den AG's. Hier wir von Jahresbilanz zu Jahresbilanz gedacht oder anders gesagt bis zur Nasenspitze und auch das nur für drei bis fünf Jahre. Danach kommt eine neuer Geschäftsführer der sich profilieren will mit günstigeren Kostenstrukturen. Sollte es keine langfristige Strategie geben, und davon gehe ich bei vielen AG's aus, wird bei dem schnellen Kostenfaktor HR (neudeutsch human ressources) gespart. HR sind übrigens Menschen und die kaufen Produkte !!


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THOMM | 1632 Kommentare (12.11.2008 09:36)
Die Rot-Grüne Koalition hat als "Neue Mitte" der
Industrie die Sklaven zurück gebracht. Schröder hat die Arbeiter verkauft. Und jetzt wundert sich die SPD, dass die Linke geboren wurde. Unter Merkel geht es munter weiter, die Arbeitslosenzahlen gehen ja zurück, alles super. Dass aber die Arbeiter unter asozialen Bedingungen leben, interessiert nicht. Und weil ja jede Menge Kriege und jetzt auch die Bänker fianziert werden müssen, muß man dem sowieso Minderverdienenden auch ständig immer mehr aus der Tasche stehlen. Das wird sich spätestens dann rächen, wenn diejenigen, die absolut nichts für die Altersvorsorge tun können, als Sozialfall-Rentner vor dem Staat stehen! Da wird es sowohl einen noch stärkeren Links- als auch Rechtsruck geben. Und das völlig zu Recht. Schuld sind die Versager von Rot, Schwarz und Grün heute.


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Kohlenschipper (12.11.2008 09:36)
Ich arbeite beim zweitgrößten deutschen Verleger..
und bin dort als sog. "Freier Mitarbeiter" angestellt. D.h. für mich: Seit August '07 keinen freien Tag mehr, keine bezahlte Krankheit, keinen bezahlten Urlaub und jederzeit kündbar. Dass es diese Form der Anstellung eigentlich so nicht gibt, interessiert den Verlag allerdings nicht. Zitat eines Abteilungsleiters auf die Frage nach bezahlter Krankheit:"Wir sind hier nicht im Schlaraffenland"


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lb. (12.11.2008 09:31)
Ausbeutung
Angeblich gibt es in Deutschland immer noch die freie, soziale Marktwirtschaft. In Wahrheit haben wir längst die unmenschliche Ausbeutung des Arbeitnehmers. Wir sind wohl nicht mehr weit entfernt von den Verhältnissen, wie sie in Fernost herrschen. Wozu haben wir Gewerkschaften? Diese leisten keine konstruktiven, zukunftsweisenden Vorschläge für die neue Arbeitswelt.


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kittykatze | 3 Kommentare (12.11.2008 09:26)
Mit Macht kommt Verantwortung!!!
Die Firmen hauen sich die Taschen auf Kosten der Arbeitnehmer voll und ignorieren dabei komplett, dass man als Arbeitgeber auch Verantwortung hat. Fuer Deutschland. Wo sind die Zeiten von Zeiss, Schott und wie sie alle hiessen, die Betriebsrenten usw. einfuehrten und die Mitarbeiter moeglichst ein Leben lang in der Firma halten wollten????? Nur ein zufriedener Arbeitnehmer ist ein guter Konsument, was wieder saemtlichen anderen Branchen mehr Umsatz bringt. Muss erst alles kaputt sein, bis endlich jemand einsieht, dass diese Beutezugmentalitaet langfristig nichts bringt???


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Gerd98 | 1 Kommentar (12.11.2008 09:22)
Für die nächsten 20 Jahre
sieht es wirklich düster aus. Große Teile des Mittelstandes werden in prekäre soziale Verhältnisse abgleiten, nur wenige werden den Sprung nach oben schaffen. Im Grunde genommen sind die meisten Löhne und Gehälter brutto nicht zu niedrig aber, durch Steuern, Lohnnebenkosten und Abgaben bleibt als verfügbares Einkommen so gut wie nichts mehr übrg. Hier ist unser Staat der Hauptverantworliche und Preistreiber. Energie - massiv besteuert und Lobby gesteuert. Krankenevrsicherung - Es ist bei weitem genug Geld im System, aber auch hier verteilt die Lobby das Geld. Hinzu kommen immer weiter steigende kommunale Abgaben - Abwasser, Müll etc. Was bleibt: Auswandern. Und das werde ich auch tun (Die verspekulierten Gelder der Kommunen müssen ja wieder herein kommen) usw. usw.


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amplitude | 268 Kommentare (12.11.2008 09:15)
Die Verhältnisse sind nicht tragbar
Die Verhältnisse sind nicht tragbar. Immerhin ist die Erkenntnis ein erster Schritt. Nur fehlen tragbare Konzepte. Frankreich hat mit Mindestlohn versucht, Mißstande zu beseitigen. Das Gegenteil ist der Fall. Nach einer kurzen Pause der Entspannung sind die Probleme heute größer als zuvor. So jedenfalls ein französischischer Wirtschaftssachverständige gestern im TV. GW-Bisrske schaute bedeppert drein. Befristete Arbeitnehmerverhältnisse müssen vom Lohn den unbefristeten gleichgestellt werden. Das wäre der zweite Schritt. Arbeitgebern, die Mitarbeiter kündigen, weil sie sich über haarsträubende Zustände beschweren, müssen von allen Staatsaufträgen sofort ausgeschlossen werden. Das wäre der dritte Schritt. So jedenfalls der Vorschlag eines FDP-Wählers.


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Peter_K (12.11.2008 09:11)
Wir haben es verstanden!
War der beliebter Kalauer bei Gerd S. und Rot-Grün. Aus dem Begriff "Die neuen Mitte" ist längst ein Schreckgespenst geworden. Wer heute über 40zig ist und seine Arbeit verliert, egal was der vorher gelernt oder studiert hatte, hat in diesem System keine Zukunft und kann jeden Tag im Spiegel zusehen, wie er jede Stunde älter wird! 160000 Auswanderer in 2007 hatten es auch verstanden. Hut ab!


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Susanne_Ka | 2 Kommentare (12.11.2008 09:05)
Das Problem sind die Sozialsysteme
Wieviel jemand verdient ist seine eigene Sache. Man kann schlecht von der Gesellschaft verlangen, man wolle mehr verdienen. Unfair ist es aber von der Gesellschaft, dass sie den Werktätigen so viel abzieht. Schon die kleinsten Einkommen werden so hoch belastet, dass kaum etwas bleibt. Man muss schon ein echter "Besserverdiener" sein, um netto mehr nach Hause zu bringen als ein Sozialhilfeempfänger mit zwei Kindern. Die Relationen in diesem Land sind einfach dahin.


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wiking (12.11.2008 08:57)
Nationale Wirtschaft
Die so genannte Globalisierung ist kein unverrückbares Naturgesetz. Jahrelang haben die liberalen De-Regulierer nach "weniger Staat" geschrien. Das Gute an der Bankenkrise ist, dass es jetzt vielleicht wieder mehr Staat und Regulierung gibt, die solche Zustände eindämmen. Dass es ein Sozi-Kanzler war, der diese Zustände beflkügelt hat, wird immer ein Witz der Geschichte bleiben!


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jottemmvdo | 586 Kommentare (12.11.2008 08:53)
ich hoffe, dass diesen
Bericht die Pol tiker und vor allen Dingen die Beamten angesehen haben, denn die kennen diese Situation noch nicht mal vom hörensagen. Wie gesagt es gibt eine 4 Klassengesellschaft: Ganz ganz Oben die Manager von Banken, eine 1/2 Stufe tiefer die Politiker, dann fast auf der Selben Stufe die Beamten, und mit einem Hochhaus verglichen, also da die unterste Stufe die richtig arbeitende Bevölkerungsschicht und noch tiefer, also unter dem Keller die die im Bericht erwähnten und die Hartz Empfänger. Wo soll das noch hinführen?


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masterdoc | 15 Kommentare (12.11.2008 08:51)
Die absehrbaren Erfolge der Globalisierung
Einfach mal über den Zaun nach Asien und Indien schauen, die über unsere Feiertage, auch die heimlichen, wie z.B. Rosenmontag etc. und "Brückentage" nur den Kopf schütteln. Dort wird ibereits der Arbeitstakt der Woche bestimmt. Kein asiatischer Angestellter traut sich vor dem Chef den Betrieb zu verlassen und das ohne an Überstunden zu denken. Langsam kommt das auch im verschlafenen Europa an und das kann nur weh tun. Die Wirtschaftszentren werden sich in Zukunft von Europa wegverlagern und wir werden zu einem Ziel für Touristen werden, die sich anschauen, wie man es nicht macht.


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Steffi (12.11.2008 08:41)
Leiharbeit nicht nur negativ
Mein Mann wollte nach der Uni unbedingt bei der Firma anfangen, bei der er die Diplomarbeit geschrieben hatte. Keine freien Stellen. Er fand eine Leihfirma, die genau an diese Firma Leute verlieh und ließ sich hin-verleihen hat auf eine freie Stelle gelauert. Heute ist er in seinem Traumjob angekommen, die Firma hat ihn tatsächlich übernommen. So kannst auch gehen.


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88alina88 | 188 Kommentare (12.11.2008 08:32)
Ob sich Frau Merkel dafür interessiert ?
man hat zu diesem Thema noch kein Wort von ihr gehört !


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ohnfstudios | 46 Kommentare (12.11.2008 08:23)
Macht mal Reklame für Hartz IV
dann können die, die mit ihrer (Vollzeit-)Arbeit auch nicht mehr verdienen (können) als diesen Satz wenigstens fair überlegen was für sie der bessere Weg ist. Ob denn ein verheizter Arbeitnehmer mit Depressionen aus dem Niedriglohnsektor und anschließendem hartz IV der billigere Mitbürger für die Gesellschaft ist, oder der der gleich hartz IV genommen hat und vielleicht ehrenamtlicher Materialwart beim örtlichen Sportverein, das sollen die hochdekorierten Beamten doch mal ausrechnen, auf das Ergebnis bin ich gespannt...


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didi3434 | 1058 Kommentare (12.11.2008 08:18)
Politisch so gewollt.
Diese Zustände sind von der Rot-Grünen Bundesregierung unter Schröder so eingerichtet worden. Das Motto war: Arbeit um jeden Preis. Jetzt haben wir Arbeit um jeden Preis, zu lasten der Arbeitnehmer und Steuerzahler. Zeitarbeit war einmal gedacht um Arbeitsspitzen abzufangen. Das machte auch sinn, für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Inzwischen hat Zeitarbeit nur einen Sinn: Vollzeitarbeitsplätze abzubauen. Die Linken freuen sich über solche Zustände. Sie brauchen sich keine Argumente suchen, die liegen reihenweise auf der Straße herum.


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Snert | 35 Kommentare (12.11.2008 08:17)
In was für einem Land leben wir?
Ganz klar. In einem egoistischen, von Geldgier getriebenen Land. Keiner der Verantwortlichen Geschäftsführer und Manager legt noch Eigenschaften wie Führsorgepflicht und Vorbildfunktion an den Tag. Arbeitnehmer sind nur lästige Kostenfaktoren die es zu drücken gilt bis die Zahlen unter dem Strich wieder schwarz sind. AG's fühlen sich den Aktionären mehr verpflichtet als der eigenen Belegschaft. Und wenn in einem Jahr weniger Gewinn gemacht wird, so wird daraus gleich ein Verlust, der durch Einsparungen von Lohnkosten wieder ausgeglichen werden muss. Und solange sich unsere Führenden Köpfe mit lahmen Ermahnungen zufrieden geben anstatt zu Handeln wird sich auch nichts daran ändern.


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Diplomand (12.11.2008 08:09)
Erschreckend,
dass es noch immer soviele Leute gibt (auch auf dieser Seite), die glauben das Armut etwas mit Faulheit und Dummheit zu tun hat.


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Kein-Blatt-vorm-Mund | 43 Kommentare (12.11.2008 07:57)
Mindestlohn
Ich bin für den Mindestlohn in allen Berufszweigen. Es kann in unserem Deutschland von heute nicht sein, dass durch die Auslagerung von Arbeitsplätzen in schein Agenturen (die aber komischerweise 100% dem Mutterkonzern angehören) plötzlich weniger Lohn für die selbe Arbeit bezahlt wird. Auch die Sache mit den Leiharbeitern darf im heutigen Deutschland nicht tolleriert werden. Ich bin selbstständig und habe 35 Angestellte. Schon etliche Leiharbeiterfirmen haben bei mir Klinke geputzt und wollten mir vorrechnen wie viel man monatlich durch Leiharbeiter sparen kann. Ich habe ihnen jedesmal gesagt, dass ich den modernen Sklavenhandel nicht unterstütze. Doch solange von der Politik nichts vernünftiges kommt, geht der Sklavenhandel weiter.


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AdrianausB | 2 Kommentare (12.11.2008 07:55)
Ganz normal
Frühstück und Mittagspause , beides an einem Tag,kann mir nicht vorstellen das es dieses noch gibt . Bezahlte Überstunden , Geld für Samstag und Sonntagsarbeit ,was ist das . Nachdem ich 34Jahre in zwei Firmen war kam das Ende dieser .Hier gab es das alles , auch Weihnachts und Urlaubsgeld . In den letzten 2 Jahren war ich dann ich 3 Firmen beschäftigt , keine Pausen dafür aber 80 unbezahlte Überstunden . Willkommen in der Realität.


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Duetscher69 | 44 Kommentare (12.11.2008 07:30)
Du bist Deutschland
Deutschland das Armenhaus Europas? Sicher nicht, aber es geht zu vielen zu wenig gut und sobald die kritische Masse erreicht ist, wird es eine Reaktion geben


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RudiMentaer | 71 Kommentare (12.11.2008 07:09)
Mit BWL-Studium keinen Job?
Wer mit einem abgeschlossenem BWL-Studium keinen halbwegs vernünftigen Job gekommt muß sich sehr blöd anstellen.


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adach | 1 Kommentar (12.11.2008 06:54)
Niedriglohnsektor
Der Bericht zeigt viel wahres. Wir haben ein Bauunternehmen in Ausland und suchen Händeringend Personal. Da bekomme ich sehr oft zur Antwort bevor ich ins Ausland gehe nehme ich lieber Harz4 und kann da bleiben. Das ist die Kehrseite der Medaille. Da unsere Lohnebenkosten exorbitant hoch sind ist eine Festanstellung für kleine Unternehmen kaum noch möglich. Der Mindestlohn zerstört den Rest an Flexibilität .


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Gazzette (12.11.2008 06:53)
Schöne Neue Arbeitswelt
ich frage mich, wer in unserer Gesellschaft aus welchen Motiven festlegt, wie viel ein Mensch zu verdienen hat. Und warum dies in vielen Fällen so furchtbar ungleich ausfällt im Ergebnis. Da stimmt was nicht.


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Veers (12.11.2008 06:36)
Unterschiede
Ja, selbst in dem Sektor der wenig verdienenden gibt es noch Unterschiede, Studenten, die mit 400 Euro vollem BaFög nicht zufrieden sind und andererseits Leute, die von 200 Euro Miete leben können. Es ist halt auch vieles Einstellungssache. Nichtsdestotrotz sind die Ausbeutermethoden am unteren Ende der Skala oft widerwärtig.


...


Aus: "„Arm trotz Arbeit“ Wer nicht spurt, fliegt" Carin Pawlak (12.11.08)
Quelle: http://www.focus.de/kultur/kino_tv/focus-fernsehclub/arm-trotz-arbeit-wer-nicht-spurt-fliegt_aid_346877.html (http://www.focus.de/kultur/kino_tv/focus-fernsehclub/arm-trotz-arbeit-wer-nicht-spurt-fliegt_aid_346877.html)

Title: [Aktenzeichen: B 14 AS 66/07... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 14, 2008, 01:57:57 AM
Quote
[...] Berlin (dpa) - Soldaten im Auslandseinsatz werden künftig besser bezahlt. Das entschied der Bundestag. Die Aufstockung ist Teil der Reform des Dienstrechts.

...


Aus: "Newsticker: Soldaten im Auslandseinsatz werden besser bezahlt" (12.11.2008 )
Quelle: http://newsticker.welt.de/index.php?channel=new&module=dpa&id=19530620

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Quote
[...] Kassel (AP) Ein-Euro-Jobber müssen grundsätzlich die Fahrtkosten zu ihrer Arbeitsgelegenheit selbst bezahlen. Sie können von ihrer Arbeitsgemeinschaft (Arge) keine zusätzliche Kostenerstattung beanspruchen, wie das Bundessozialgericht (BSG) am Donnerstag urteilte. Zunächst müsse die erhaltene Mehraufwandsentschädigung aus dem Ein-Euro-Job aufgebraucht werden. Erst wenn Fahrtkosten oder Berufskleidung nicht mehr finanziert werden könnten, müsse die Arge die Kosten dafür erstatten.

Im verhandelten Fall war ein Arbeitsloser aus Iserlohn in einem Möbellager eines Sozialkaufhauses beschäftigt. Bei dem Ein-Euro-Job arbeitete er 30 Stunden wöchentlich und erhielt monatlich höchstens 130 Euro. Für den vier Kilometer langen Weg zur Arbeit benötigte er eine Monatskarte für öffentliche Verkehrsmittel. Die Kosten in Höhe von 51,90 Euro wollte die Arge Märkischer Kreis aber nicht erstatten. Der Verdienst aus dem Ein-Euro-Job reiche aus, um die Anfahrt bezahlen.

Der Arbeitslose führte dagegen an, dass sich die Arbeit nicht mehr lohne. Er müsse 40 Prozent seiner Aufwandsentschädigung für die Fahrtkosten aufwenden. Dies sei unangemessen. Die Kasseler Richter wiesen jedoch darauf hin, dass bei Ein-Euro-Jobs kein Arbeitsentgelt, sondern eine Sozialleistung gezahlt werde. Die Aufwandsentschädigung könne für alle beruflich anfallenden Kosten aufgebraucht werden. Dies sei für Empfänger von Arbeitslosengeld II auch zumutbar.

Bei Arbeitslosengeld II wird die Geldleistung meistens von Kommunen und Agenturen für Arbeit gemeinsam ausgezahlt. Beide haben dafür Arbeitsgemeinschaften (Arge) oder Jobcenter gegründet.

(Aktenzeichen: B 14 AS 66/07)

http://www.bundessozialgericht.de



Aus: "Ein-Euro-Jobber müssen Fahrtkosten selbst zahlen" (The Associated Press, 13.11.2008)
Quelle: http://de.news.yahoo.com/1/20081113/tde-ein-euro-jobber-mssen-fahrtkosten-se-5788066.html (http://de.news.yahoo.com/1/20081113/tde-ein-euro-jobber-mssen-fahrtkosten-se-5788066.html)


Title: [Jeder weiß ja hier, woher der oder die Neue kommt... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 18, 2008, 10:26:21 AM
Quote
[...] Knigge befragte nun rund 900 Hauptschüler in Berlin, wie die Gesellschaft sie wahrnimmt. Ihre Antwort lässt kräftig schlucken: Dumm, faul, unsozial. So, glauben sie selbst, urteilen andere über sie. "Hirnamputiert und nicht in der Lage, irgendwas zustande zu bringen." So bringt es einer der befragten Schüler auf den Punkt. "Eigentlich reicht die Skala negativer Beurteilungen, wie sie in meiner Befragung vorgegeben waren, gar nicht aus", hat Knigge beobachtet. "Sie hätte nach Einschätzung der Hauptschüler noch viel weiter gehen können."

Gymnasiasten etwa, die Knigge ebenfalls befragte, haben da ein wesentlich besseres Bild von sich.

[...] Seine Studie zeigt: Je stärker Hauptschüler von ihrem negativen Außenbild überzeugt sind, umso geringer ist ihre Motivation, sich in der Schule zu engagieren und zusätzliche Aufgaben zu übernehmen, aber auch die Freude auf die Schule.

Knigges Studie haut damit in die gleiche Kerbe wie die Untersuchung der US-Psychologen Claude Steele und Joshua Aronson. Diese hatten in den 90er Jahren die Bedrohung durch Stereotype am Beispiel junger Afroamerikaner nachgewiesen: Obwohl erfolgreiche Studenten an der renommierten Stanford University, sanken ihre Leistungen bei einem Test, nachdem sie zuvor Auskunft über ihre ethnische Herkunft erteilt hatten. Ein ähnlicher Effekt zeigte sich auch bei naturwissenschaftlichen Prüfungen von Frauen, die zuvor ihr Geschlecht angaben. "Gerade das Stereotyp, das über die eigene Gruppe besteht und das man eben nicht bestätigen möchte, wird wirksam", so Knigge. Auch bei den von ihm untersuchten Hauptschülern zeigte sich: Unabhängig von ihrer tatsächlichen Leistungsfähigkeit wird das Stigma vom schlechten Schüler zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Das gilt auch für die Bereitschaft, auf eine höhere Schulform zu wechseln: Da das Image des Hauptschülers besonders dann auf ihm lastet, wenn er sich in der Minderheit fühlt, reizt ein Wechsel an Realschule und Gymnasium nur wenig: Jeder weiß ja hier, woher der oder die Neue kommt.

...


Aus: "Pisa-Studie: "Dumm, unsozial und faul" VON YVONNE GLOBERT (17.11.2008)
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wissen_und_bildung/aktuell/1631189_Dumm-unsozial-und-faul.html (http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wissen_und_bildung/aktuell/1631189_Dumm-unsozial-und-faul.html)


Title: [Das Ausmaß der Einkommensungleichheit... (BRD, Datenreport 2008, DIW, OECD)]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 20, 2008, 11:00:02 AM
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[...] Die Schere zwischen Arm und Reich geht in Deutschland weiter auseinander. Das geht aus dem "Datenreport 2008" hervor, den das Statistische Bundesamt, das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und andere Institute am Mittwoch in Berlin vorgestellt haben.

Damit haben sich Studien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bestätigt, die ebenfalls eine wachsende soziale Kluft in der Bundesrepublik feststellten.

Der Datenreport 2008 ist ein 450 Seiten starker "Sozialbericht für Deutschland", der in diesem Jahr zum 25. Mal erscheint. In ihn fließen auch repräsentative wissenschaftliche Sozialerhebungen und Umfragen ein.

Laut dem Report sind die Realeinkommen von 2001 bis 2006 nur minimal gestiegen. 2001 betrug das reale Haushaltsnettoeinkommen im Durchschnitt 1392 Euro monatlich. 2006 waren es 1413 Euro. Die Mittelwerte sagen aber nichts darüber aus, wie die Einkommen in der Bevölkerung verteilt sind. Hier nehmen die Unterschiede laut der Studie zu: So verfügten die ärmsten 20 Prozent der Bevölkerung im Jahr 2006 über einen Anteil von 9,3 Prozent am monatlichen Gesamteinkommen der privaten Haushalte. 1997 betrug der Anteil noch 10,1 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil der wohlhabendsten 20 Prozent am Gesamteinkommen gewachsen.

"Inzwischen ist das Ausmaß der Einkommensungleichheit auf einem der höchsten Niveaus der vergangenen Jahrzehnte angelangt", heißt es in dem Sozialbericht. Die Forscher führen dies nicht nur auf die zunehmende Spreizung der Einkommen zurück. Auch die Reformen im Bereich der sozialstaatlichen Sicherung wirkten sich aus.

So werde die gestiegene Ungleichheit "weniger stark als früher durch staatliche Umverteilungsmaßnahmen reduziert". Bestätigt wird in der Studie auch die These von der schrumpfenden Mittelschicht: "Während die Bevölkerungsanteile am unteren und am oberen Ende der Einkommensschichtung zumindest in den letzten beiden Jahren zunehmen, gehen die entsprechenden Anteile in den mittleren Schichten zurück", so der Sozialbericht.


[...] "Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Perspektivlosigkeit einzelner Bevölkerungsgruppen und deren Abkoppelung vom allgemeinen Wohlstandsniveau ein Risiko und Konfliktpotenzial für die Demokratie insgesamt darstellen könnten", sagte Heinz-Herbert Noll von der Gesellschaft sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen.

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19.11.2008 17:58:55
mona_7:

Glückwunsch all unseren Politikern und Damen und Herren aus den millionenschweren Lobbyverbänden der Arbeitgeber, Sie haben sich auf dem Weg in die Feudalgesellschaft als wahre Leistungsträger erwiesen!


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19.11.2008 18:42:16

Elbelotse: Demokratiezufriedenheit?

"in besorgniserregend niedriges Niveau der Demokratiezufriedenheit in Deutschland"

- Ich denke, die meisten Menschen wären mit der Demokratie sehr zufrieden - wenn sie überhaupt existieren würde.

In Deutschland dürfen die Bürger wählen, haben aber keine Wahl bei den EED (Etablierten Einheitsparteien Deutschlands).




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19.11.2008  18:18:07

moby17: 10 Jahre SPD in der Bundesregierung

Und das ist das erschütternde Ergebnis. Von der CDU/CSU und der FDP könnte man so etwas ja erwarten. Danke Schröder, Münte, Clement und allen Genossen vom Seeheimer Kreis.

...



Aus: "Sozialbericht: Deutschlands Mittelschicht schrumpft" Von Thomas Öchsner (19.11.2008)
In der Bundesrepublik gibt es mehr reiche und mehr arme Menschen - und immer weniger dazwischen.
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/945/344785/text/ (http://www.sueddeutsche.de/politik/945/344785/text/)

Title: [Die Geduldeten... (BRD, Migranten)]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 20, 2008, 11:02:30 AM
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[...] Ende September, so bilanziert die Bundesregierung, lebten weiter 110 000 Migranten als nur Geduldete in Deutschland. 65000 von ihnen sind über sechs Jahre hier zu Hause und müssen weiter auf ein Bleiberecht warten.

Die schwarz-rote Koalition hatte sich vor einem Jahr nach langem Streit auf eine gesetzliche Altfallregelung verständigt. Sie sollte nach Angaben der SPD rund 60 000 seit Jahren in Deutschland lebenden Einwanderern zu einem sicheren Aufenthalt verhelfen. Nun aber zeigen die Zahlen, dass bisher nicht einmal die Hälfte der Betroffenen von der Bleiberegelung profitiert hat. "Was die Bundesregierung als Erfolg verkauft ist in Wahrheit ein potemkinsches Dorf" , kritisiert die Linken-Abgeordnete Ulla Jelpke die Bilanz.

Rechnet man 25 000 Geduldete hinzu, die bereits ein Jahr zuvor durch eine Sonderregelung der Innenministerkonferenz eine Aufenthaltserlaubnis bekamen, haben bisher insgesamt 55 000 von der Bleiberechtsregelung profitiert. Doch auch ihre Zukunft in Deutschland steht auf der Kippe. Denn angesichts der Arbeitsmarktlage werden nur die wenigsten nach zwei Jahren den geforderten Nachweis erbringen können, dass sie dauerhaft ganz ohne staatliche Hilfe auskommen.


Aus: "Bleiberecht greift kaum - Geduldete bangen weiter" VON VERA GASEROW (19.11.2008)
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/1632523_Geduldete-bangen-weiter.html (http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/1632523_Geduldete-bangen-weiter.html)

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[...] Nach der Reform des Zuwanderungsrechst Mitte 2007 dürfen Ehepartner aus Nicht-EU-Staaten nur nach Deutschland nachziehen, wenn sie bereits vor der Einreise einfache Deutschkenntnisse nachweisen können. Ausgenommen sind Ehemänner und -frauen aus privilegierten Ländern wie den USA, Australien und Japan,die visumfrei einreisen können.

In Russland ist die Bestehensquote mit 71 Prozent besonders hoch, in Kasachstan mit 38 Prozent sehr niedrig...


Aus: " Nachzug - Ausländische Ehepartner scheitern an Deutschtest" (19. November 2008)
Quelle: http://www.welt.de/politik/article2748025/Auslaendische-Ehepartner-scheitern-an-Deutschtest.html (http://www.welt.de/politik/article2748025/Auslaendische-Ehepartner-scheitern-an-Deutschtest.html)

Title: [Der Mittelschicht müsse damit gezeigt werden... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 24, 2008, 10:26:17 AM
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[...] Wirtschaftsvertreter unterstützten die Forderung nach rascher Entlastung. Der Mittelschicht müsse damit gezeigt werden, dass sich Leistung lohne, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Thumann, der F.A.Z..


Aus: "Steuersenkungen - Paris: Deutschland muss mehr leisten" Von Manfred Schäfers (24. November 2008)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E19372F8C0CBC4799B452D8CB01A71BBF~ATpl~Ecommon~Scontent.html (http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E19372F8C0CBC4799B452D8CB01A71BBF~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

Title: [Unter Punkt 4 des Vertrages heißt es... (Leiharbeiter)]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 25, 2008, 01:26:21 PM
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[...] Jan Mendes* Hände sind zu geschwollen für seinen Ehering. Seine zehn Fingernägel sind weiß unterlaufen. Mende ist Krempler bei einem Autozulieferer im Ruhrgebiet. Wenn er hundertfach am Tag den Stoff über Autositze zieht, knicken seine Nägel oft um. "Wir müssen die scheußlichste Arbeit machen", sagt der Endvierziger. Wir, das sind Mende und 50 weitere Leiharbeiter, die in diesem Werk Innenausstattung für Autos von Opel und Ford fabrizieren.

Aus Angst vor einer Entlassung wollen sie anonym bleiben. "Ich traue mich nicht einmal, eine Zigarette zu rauchen", erzählt Mende. Während die fest angestellten Mitarbeiter alle zwei Stunden mal auf eine Kippe rausgehen, harrt er am Fließband aus.

Seit zwei Monaten arbeitet er im Betrieb, er kann von heute auf morgen abgezogen werden. Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung schätzt, dass aktuell 250.000 Leiharbeiter auf die Straße gesetzt werden könnten. Insgesamt gab es im vorigen Jahr über 700.000 Menschen, die nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz angestellt sind.

In Zeiten der Krise sind sie die ersten, die gehen müssen. Lautlos, ohne Streik und ohne öffentliche Aufregung, werden die geliehenen Malocher seit Monaten nach Hause geschickt.

Jeremy Miller* hat in diesem Jahr schon in drei Fabriken gearbeitet. War ein Auftrag für die Firma erledigt, ist auch sein Job beendet. Dann sitzt der groß gewachsene Mann mit Schnurrbart zu Hause neben dem Telefon und wartet darauf, dass seine Leiharbeitsfirma ihn anruft. "Morgen haben Sie Frühschicht in Hamm", heißt es dann etwa am Nachmittag vorher.

Früher hat Miller zwanzig Jahre bei einer kleinen Fahrradfirma Laufräder montiert. Als sie pleiteging wandte er sich an die Arbeitsagentur. Für Menschen wie ihn, gering qualifiziert und über 45 Jahre alt, hat das Amt keine Jobs.

Der dreifache Vater erhielt einen Vermittlungsgutschein über 2000 Euro für die Leiharbeitsfirmen, die in jeder Stadt wie Pilze aus dem Boden schießen. Für das Geld vermittelte ihn die Agentur an Firmen, die gerade "Produktionshilfen" benötigen. Miller füllte einen dreiseitigen Vertrag aus.

Es ist ein Knebelwerk. "Sie werden eventuell bundesweit eingesetzt", heißt es da. Der Mitarbeiter ist zur auswärtigen Arbeitsleistung verpflichtet, auf jeder ihm zugewiesenen Stelle. Er erhalte in der Entgeltgruppe E1 pro Stunde 6,53 Euro brutto. Macht für Miller 900 Euro netto, bei 38 Stunden pro Woche, Frühschicht und Samstagsarbeit inklusive.

Am ersten Tag in der Fabrik erhielt er einen blauen Overall und schwarze Stiefel, die vorgeschriebene Sicherheitskleidung. Dafür wurden ihm 150 Euro vom ersten Lohn abgezogen. "Da musste ich ein paar alte Möbel zum Pfandhaus bringen", sagt Miller müde.

Er kommt von der Frühschicht und sitzt zusammengesunken auf einem Barhocker einer kleinen Eckkneipe. Zu trinken hat er sich nichts bestellt. Und sprechen darf er über seinen Billiglohn eigentlich auch nicht. Unter Punkt 4 des Vertrages heißt es: "Der Mitarbeiter ist zum Stillschweigen über die Höhe seines Arbeitsentgeltes verpflichtet."

Im Werk sprechen sie natürlich trotzdem darüber. Jeder weiß, dass die Festangestellten, die einen Meter weiter dieselbe Arbeit verrichten, mindestens 2000 Euro netto verdienen. Sie werden von den Leiharbeitern wie Könige beschrieben, weil sie sich auch mal krankmelden oder zu spät kommen können, weil sie sich Autos kaufen und schon heute wissen, wo sie im kommenden Jahr arbeiten werden.

Es sind zwei Kasten im selben Betrieb. Während die Stammleute zwischen sieben verschiedenen Positionen rotieren, bleiben die Leiharbeiter an den schlechten Geräten hängen. Denn auch die Maschinenarbeit ist hierarchisch: Schrauben ist weniger ermüdend als Tackern, Bezüge zu dampfen ist angenehmer, als sie zu krempeln. "Wir sagen immer nur: Ja, ja, ja", meint Krempler Mende. "Wir sind wie Hunde."

Die liberalisierte Leiharbeit ohne Zeitbegrenzung ist eine Idee der Schröder’schen Agenda 2010. So sollten Firmen bei guter Auftragslage schnell ein paar Arbeiter anheuern und auch wieder loswerden können. Es sollte eine Brücke in den Arbeitsmarkt für Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose sein.

Doch inzwischen leiden auch die Stammbelegschaften darunter. Jede dritte Stelle der seit 2003 entstandenen Jobs ist Leiharbeit. "Dass sich so ein reiches Land wie unseres Arbeiter als Sklaven hält, ist furchtbar", sagt Dietmar Kupfer, Betriebsratsvorsitzender von Johnson Control in Bochum.

Die Firma für Autozubehör hat weltweit 140000 Mitarbeiter. Der Arbeitervertreter mit den schütteren grauen Haaren fühlt sich machtlos und vom Gesetz alleingelassen. "Wir haben auf einen gleichen Lohn bestanden, darauf, dass nach einer gewissen Zeit die Menschen übernommen werden müssen. Aber die Geschäftsleitung hat es einfach abgelehnt."

Früher, sagt Kupfer, hätten auch die Gewerkschaften noch über die Leiharbeit gejubelt. "Viele haben geglaubt, dadurch würde die Stammbelegschaft geschützt." Ein Irrtum. Wo heute Leiharbeiter sitzen, wären früher echte Jobs entstanden. "Früher hatten die Neuen bei uns befristete Verträge und wurden dann fest übernommen. Dann hatten sie nur noch begrenzte Verträge. Jetzt haben sie überhaupt nichts mehr und werden monatsweise verheizt", erzählt Dietmar Kupfer. Der Mittfünfziger ist vor 16 Jahren ins Werk gekommen, seitdem wird die Belegschaft immer kleiner, die geliehenen Menschen an den Bändern immer zahlreicher.

Die Billiglöhner sind ganz auf sich allein gestellt. Einmal aus dem Betrieb entlassen, verlieren sie den Kontakt zu Kollegen und Gewerkschaft. Sie sind Arbeitslose auf Abruf. Wo die 1000 Menschen hingelangt sind, die bis zur Schließung im Juli dieses Jahres bei Nokia in Bochum gearbeitet haben, weiß auch die Bochumer Bevollmächtigte der IG Metall nicht.

"Je größer der Betrieb, desto versteckter ist die Leiharbeit", sagt Ulrike Kleinebrahm. Konzernriesen wie Thyssen-Krupp hätten in ihren Stammwerken keine, dafür würden sie aber zahlreiche Subfirmen mit schwankender Mitarbeiterzahl engagieren. "Es dient nur dazu, alles billiger zu machen, und ist absolut zu ächten", so Kleinebrahm.

Auch der sonst so kämpferische Reiner Einenkel, Betriebsratsvorsitzender von Opel Bochum, weiß wenig über die Leiharbeiter. "Seit den Sommerferien sind keine mehr da", sagt er. Bis dahin hätten sie aber zu ähnlichen Bedingungen gearbeitet wie die Stammbelegschaft. Was aus ihnen geworden ist, weiß auch er nicht.

Die Angst vor der Kündigung ist so groß, dass Murat Yusal* seine Freizeit der Arbeit opfert. Seine Frühschicht beginnt um sechs, aber schon um 5.15 Uhr fährt er mit der Straßenbahn an der Betriebshaltestelle vor. Zur Sicherheit. Falls die nachfolgende Tram zu spät käme. Später wird er fünf Kilo schwere Autositze auf das unaufhörlich rotierende Band hieven, mit Lederbezug sind sie sogar zehn Kilo schwer. Murat Yusal ist noch jung, 23 Jahre alt, er hat die ungünstigste Steuerklasse und bekommt am Monatsende 700 Euro. Zu wenig, um seine 1,5-Zimmer-Wohnung zu heizen.

Seine Augen verengen sich zu Schlitzen, er hat mehr Energie, um wütend zu sein, als seine älteren Kollegen. "Ich will nur noch hier weg", sagt er. In ein anderes Land, wo er besser behandelt würde.

Vier Jahre nach Hartz IV wollen nun auch die Gewerkschaften gegen die "Armutslöhne" kämpfen. Die IG Metall hat Anfang des Jahres eine Kampagne mit dem Ziel allgemeingültiger Mindestlöhne für die Leiharbeits-Branche gestartet.

Die von den Gewerkschaften geforderte gleiche Behandlung von Leiharbeitern und Stammbelegschaft steht eigentlich im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, kann aber von einem nach unten nicht begrenzten Tarifvertrag abgelöst werden. Auch die EU hat in diesem Monat auf Druck der sozialistischen Fraktion eine Gleichbehandlung von 2012 an gesetzlich verabschiedet.

Die Leiharbeiter glauben nicht daran. Schon jetzt haben Arbeitsschutzgesetze für sie keine Bedeutung. Als Mende einmal mit Fieber zu seiner Leiharbeitsfirma ging, um sich pflichtgemäß abzumelden, sagte die Angestellte nur: "Glauben Sie, der Job wartet auf Sie? Übermorgen sitzt dort ein anderer."

So ging Mendes mit heißem Kopf ans Band. An eine "normale Arbeit" sei für ihn nicht zu denken, sagt er kopfschüttelnd. Immer wieder betrachtet er seine Hände. Sie scheinen ein fremder Körperteil für ihn zu sein.

* Name von der Redaktion geändert


Aus: "Rechtlos - "Ich will nur noch hier weg""
VON ANNIKA JOERES (24.11.2008)
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/1635057_Ich-will-nur-noch-hier-weg.html (http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/1635057_Ich-will-nur-noch-hier-weg.html)


Title: [Die Kluft zwischen Spitzen- und Niedriglöhnen... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 27, 2008, 10:12:46 AM
Quote
[...] Gern/Berlin - Der Abstand zwischen hohen und niedrigen Löhnen ist in Deutschland laut einer Studie jüngst besonders stark gewachsen. Im Vergleich der Industriestaaten sei die Schere nur in Polen noch deutlicher auseinandergegangen, errechnete die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in ihrem am Dienstagabend vorgelegten Globalen Lohnreport 2008/2009. Hierzulande stiegen die Reallöhne demnach in den vergangenen Jahren relativ langsam.

Laut ILO lag die Lohnungleichheit auch in den USA, Kanada oder Australien zwischen 2004 und 2006 höher als noch Mitte der neunziger Jahre. Im Vergleich aller Länder habe sich die Kluft zwischen Spitzen- und Niedriglöhnen allerdings mit Abstand am stärksten in Argentinien vergrößert. Eine ähnlich deutliche Entwicklung sei in China oder Thailand zu beobachten, erklärte die Uno-Arbeitsorganisation.

Andere Länder wie Österreich oder Frankreich schafften es dagegen der Studie zufolge, die Lohnungleichheit zu verringern. Auch Brasilien oder Indonesien gelang dies - wobei aber die Kluft zum Beispiel in Indonesien demnach immer noch viermal so groß ist wie in Deutschland. Während die Löhne der am besten verdienenden zehn Prozent dort im Schnitt 13,4-mal so hoch ausfallen wie diejenigen der zehn Prozent am unteren Ende der Lohnskala, liegt dieser Quotient hierzulande mit 3,26 noch deutlich niedriger.

Die Reallöhne stiegen in Deutschland in den vergangenen Jahren nur sehr wenig. So gab es für die Beschäftigten hierzulande zwischen 2001 und 2007 im Schnitt ein jährliches Lohnplus von 0,51 Prozent. In Frankreich lag das Plus ähnlich niedrig. Dagegen verbuchten einige Schwellenländer rapide Zuwächse. In China stiegen die Löhne im Schnitt um knapp 13 Prozent, in Russland sogar um etwa 14 Prozent pro Jahr.

Für das kommende Jahr prognostiziert der Bericht "schmerzhafte Einschnitte" bei den Reallöhnen. Weltweit sei für 2008 ein Zuwachs von 1,7 und für 2009 von maximal 1,1 Prozent zu erwarten. In den Industrieländern sei nach einem für 2008 erwarteten durchschnittlichen Lohnplus von noch 0,8 Prozent im kommenden Jahr mit einem Rückgang um 0,5 Prozent zu rechnen. Die ILO warnte in diesem Fall vor zunehmenden sozialen Spannungen.

Der Rückgang der Reallöhne folge auf ein Jahrzehnt, in dem die Einkommen nicht mit der Wirtschaft Schritt gehalten hätten, erklärte die ILO: Zwischen 1995 und 2007 seien die durchschnittlichen Löhne für jedes Prozent Wachstum der Weltwirtschaft nur um ein dreiviertel Prozent mitgewachsen - aber für jedes Prozent Schrumpfen der Weltwirtschaft gleich um gut anderthalb Prozent gesunken.

Nicht nur die Reallöhne nahmen hierzulande jüngst nur wenig zu: Laut einer Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung gilt dies auch für die Arbeitskosten. Diese seien 2007 um 1,2 Prozent und damit erneut weitaus langsamer gestiegen als im Durchschnitt von EU und Eurozone. Damit hat Exportweltmeister Deutschland seine Wettbewerbskosten bei den Lohnkosten im europäischen Vergleich weiter verbessert.

Mit im Schnitt 28 Euro pro geleisteter Arbeitsstunde in der Privatwirtschaft liege Deutschland im EU-Vergleich auf Rang acht. In Dänemark, Schweden, Belgien, Luxemburg, Frankreich, den Niederlanden und in Finnland lagen die Lohnkosten mit 28,10 Euro und 34,30 Euro je Arbeitsstunde höher als in Deutschland. Geringfügig niedriger als in der Bundesrepublik waren die Kosten in Österreich (27,50 Euro) und in Großbritannien (26,70 Euro). Im Euro-Raum waren es im Schnitt 26 Euro.

Zwar helfe das geringe Wachstum der Arbeitskosten den deutschen Exporten, doch als "Kehrseite der Medaille" schwächelten im Inland Einkommensentwicklung und Nachfrage, heißt es in der IMK-Studie. In Zeiten von Finanzkrise und Rezession fehle es so an binnenwirtschaftlicher Stabilität. IMK-Direktor Adolf Horn kritisierte, die Lohnzurückhaltung habe sich daher nicht ausgezahlt. Sie wirke nun "krisenverschärfend". Länder, in denen die Arbeitskosten bei vergleichbarem Ausgangsniveau stärker zugelegt hätten als in Deutschland, stünden heute wirtschaftlich besser da.

kaz/AFP/dpa


Aus: "WELTWEITER VERGLEICH - Lohngefälle in Deutschland nimmt in Rekordtempo zu" (26.11.2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,592779,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,592779,00.html)

Title: [Keine Hand oben.]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 04, 2008, 12:24:29 PM
Quote
[...] Es war eine echte TV-Sensation in Amerika vor wenigen Tagen. Die drei mächtigen Bosse von Ford, General Motors und Chrysler müssen sich unangenehmen Fragen im US-Senat stellen. Wegen Löchern in den Firmenkassen fordern sie schlappe 25 Milliarden Dollar Hilfe vom Staat. Thema auch: die Privatjets der Firmenbosse.

O-Ton:

»Ich möchte gerne wissen, wer von den drei Vorständen mit einem Linienflugzeug gekommen ist, der hebe bitte die Hand. Für das Protokoll: Keine Hand oben.
Wenn sie als persönliche Geste jetzt ihre Jets verkaufen und Linie zurück fliegen wollen, heben sie die Hand. Für das Protokoll: Keine Hand oben.«

Solche Fragen – in Deutschland bislang undenkbar.

...


Aus: "Manager betteln um Steuergelder - Auf wie viel würden Sie persönlich verzichten?"
(01.12.2008, 21.45 Uhr, Report Mainz, Das Erste)
Quelle: http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=4124470/17obz4j/index.html (http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=4124470/17obz4j/index.html)

Title: [Alleinerziehende, die wieder mal in die Ideologiefalle laufen... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 04, 2008, 02:18:50 PM
Quote
[...] Bundesfamilienministerin Uschi von der Leyen (CDU) hat ein neues Gesetz eingebracht, das Familien helfen soll. Ein genauerer Blick: Das Kindergeld steigt zum ersten Mal seit sieben Jahren ab Januar pro kleinem Kopf um 10 auf 164 Euro, plus Bonus für weitere Kinder. Dazu kommt ein steuerlicher Kinderfreibetrag für Familien mit mehr als 67.000 Euro Bruttoeinkommen jährlich. Alleinerziehende müssen mindestens 35.000 im Jahr machen, damit sie profitieren. “Verdienen sie weniger, wird das Kindergeld voll auf die Unterhaltsrechnungen angerechnet.” Auch bei Sozialhilfempfängern (”Hartz 4″) wird die Kindergelderhöhung auf die Stütze angerechnet. Zum “Ausgleich” sollen Kinder aus armen Verhältnissen (…”Hartz 4″) pro Schuljahr 100 Euro für hefte und Stifte bekommen, allerdings nur bis zum 10. Schuljahr, wie die Unionsparteien “aus Kostengründen” durchsetzten. Wohl, damit die Gymnasien sauber bleiben. Die neuen Steuervorteile geniessen vor allem Ehepaare mit nur einem berufstätigen Partner (und einem Haushaltseinkommen von mehr als 67.000), sie können Kosten für Kinderbetreuung direkt absetzen. Anders Alleinerziehende, die wieder mal in die Ideologiefalle laufen. In anderen News vom selben Tag erfahren wird, dass die Zahle der Bundesbürger, die von Vollzeitarbeit nicht kleben können, auch 2008 weiter stark gestiegen. Im Juli dieses Jahres mussten 1,35 Millionen zusätzliche Hilfe in Anspruch nehmen, obwohl sie ganztags arbeiten. Insgesamt bezieht jeder Zehnte in unserem Land irgendeine Form von Sozialhilfe. Danke an Anschi und Uschi für die tatkräftige Förderung von Klassenunterschieden in Deutschland.

Und: “Im vergangenen Jahr wurde mit 161.105 Auswanderungen der höchste Stand seit über 50 Jahren erreicht, wie aus dem Migrationsbericht 2007 hervorgeht”. (via tagesschau, heute, tagesschau, pic treffab35)

http://www.tagesschau.de/inland/familienleistungsgesetzfaq100.html (http://www.tagesschau.de/inland/familienleistungsgesetzfaq100.html)

http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/20/0,3672,7486740,00.html (http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/20/0,3672,7486740,00.html)

http://www.tagesschau.de/inland/migrations100.html (http://www.tagesschau.de/inland/migrations100.html)

http://www.treffab35.de/ (http://www.treffab35.de/)

Quote
Kommentar von Gördi on 4. Dezember 2008 12:19

Na klasse… ab einem Monatseinkommen von über 5500€ kann ich also auch noch was extra absetzen, darunter nicht… klasse… Auf wieviel promille trifft dieses zu ?

...





Aus: "Neues Familienleistungsgesetz verschärft die Klassenunterschiede"  (4. Dezember 2008)
Kategorien: planet . Tags:armut, hartz 4, politik . Autor: Fritz
Quelle: http://11k2.wordpress.com/2008/12/04/neues-familienleistungsgesetz-verscharft-die-klassenunterschiede/#more-1869 (http://11k2.wordpress.com/2008/12/04/neues-familienleistungsgesetz-verscharft-die-klassenunterschiede/#more-1869)

Title: [Im historischen Vergleich außergewöhnlich hohe Werte... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 04, 2008, 02:26:41 PM
Quote
[...] Berlin. Arm und Reich driften in der deutschen Gesellschaft weiter auseinander. Das belegt der neue Verteilungsbericht des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI).

Demnach fällt vom privat verfügbaren Einkommen so viel wie niemals zuvor in der Republikgeschichte für Gewinne und Vermögen ab. Die Gewinnquote kletterte laut WSI von 33,7 Prozent in 2006 auf 34,0 Prozent in 2007 und noch einmal auf 35,8 Prozent im ersten Halbjahr 2008.

Das sind im historischen Vergleich außergewöhnlich hohe Werte. Als im Jahr 1960 ein Wirtschaftsminister Ludwig Erhard die soziale Marktwirtschaft dirigierte, machten die Einkommen aus Gewinnen und Vermögen 1960 gerade 24,4 Prozent des gesamten privaten Einkommens aus. Umgekehrt konnten sich die Lohnempfänger damals in der Nettorechnung 55,8 Prozent sichern, gegenüber 39,3 Prozent heute.

Selbst im Aufschwung sei es nicht gelungen, den "Trend zu zunehmender sozialer Ungleichheit zu stoppen", kritisierte WSI-Forscher Claus Schäfer. Viele der neuen Stellen seien schlecht bezahlt.

Die Zahl der Niedriglöhner habe im Konjunkturhoch zugenommen. Die Hoffnung auf eine Besserung durch die Finanzkrise teilt der Ökonom nicht. Zwar stehe die neoliberale Haltung in der Kritik. Doch konkrete Korrekturen seien bisher nicht erkennbar.

Stattdessen habe die Bundesregierung zuletzt durch ihre Steuer- und Abgabenpolitik die Ungleichheit verschärft. Obwohl das Aufkommen aus Gewinn- und Vermögensteuern parallel zu den Rekordgewinnen der Unternehmen gestiegen sei, bleibe ihr Anteil am Gesamtsteuervolumen mit etwas mehr als einem Fünftel gering.

Anfang der 60er Jahre habe die Quote mehr als ein Drittel betragen. Schäfer wies die im Armutsbericht der Bundesregierung vertretene Behauptung zurück, der Sozialstaat wirke und kompensiere die Ungleichheit bei den am Markt erzielten Einkommen zu einem großen Teil.

Auch die Internationale Arbeitsorganisation hatte kürzlich darauf hingewiesen, dass die Kluft zwischen niedrigen und hohen Löhnen in Deutschland besonders stark gewachsen sei. Dagegen sieht das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) keine Anzeichen für ein Auseinanderdriften der Nettoeinkommen.

Laut IW haben sich die Unterschiede zwischen Spitzen- und Niedrigverdienern dank der staatlichen Umverteilung in den vergangenen zehn Jahren kaum verändert.

...


Aus: "Löhne - Deutsches Kastensystem" VON MARKUS SIEVERS (27.11.2008)
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/1637093_Deutsches-Kastensystem.html (http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/1637093_Deutsches-Kastensystem.html)

Title: [Für ranghohe EU-Beamte... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 06, 2008, 02:41:08 PM
Quote
[...] Nach Angaben einer Kommissionsbeamtin kosten die Geräte pro Stück über 6.000 Euro. Sie wurden laut "Internationale Herald Tribune" erst im Jänner für ranghohe EU-Beamte in ihren Büros im Brüsseler Berlaymont - dem Kommissionsgebäude - aufgestellt.


Aus: "Schwermetalle vergällten EU-Beamten Kaffeegenuss" (05.12.2008)
Quelle: http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/eu/1674703/index.do (http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/eu/1674703/index.do)

Title: [Das Verhältnis zu den Putzfrauen ist schwierig... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 08, 2008, 02:09:13 PM
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[...] 07.07.08, 18:17

Das Verhältnis zu den Putzfrauen ist schwierig. Natürlich hätte ich das gerne unkompliziert und bin deswegen übertrieben nett. Die Putzfrauen sind auch sehr nett. Aber letztlich weiss man ja, dass die armen, geschundenen Seelen ausschließlich afrikanischer Herkunft doch furchtbar ausgebeutet werden und wenn sich jemand beschwert, weil am Urinal noch Schamhaare kleben, sogar am Wochenende nacharbeiten müssen. Man begegnet ihnen dann auch häufiger. Nur, falls man am Wochenende arbeitet, natürlich. Lebte man in einer sozialromantischen deutschen Komödie, würde man sich mit ihnen verbrüdern. Aber nur mein Kollege K. hat ein wirklich unkompliziertes Verhältnis zu ihnen, begrüßt sie mit einem überschwänglichen Haallooo, als hätte er mit ihnen Abi gemacht und klaut ihnen manchmal Gummibärchen aus ihrem Putzwagen. Seit kurzem singt eine während des Putzens sehr laut - ich weiss nicht, ob aus reiner Lebensfreude oder ob sie uns nicht eigentlich vorsingt. Da man aber nicht in einer deutschen Komödie lebt, singt sie leider schief, was Begegnungen wirklich nicht einfacher macht.

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Quelle: http://www.struppig.de/anagnorisis/?p=38 (http://www.struppig.de/anagnorisis/?p=38) (Anagnorisis, 07.07.08, 18:17)

Title: [Schokolade, Intellektuelle Verpackungen und Prolls... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 08, 2008, 02:14:52 PM
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[...] Intellektuelle essen lieber Zartbitterschokolade, am besten mit Orangenschaleraspeln oder Himalajasalz oder Rosenblüten. Ich habe keine Ahnung, warum das so ist, vermutlich weil die Verpackungen schon intellektueller aussehen, viel Schwarz und Gold, eben tiefgründig. Und weil die wenigsten Prolls wissen, wonach um Gottes Willen Himalaja schmeckt. Ein Grund mehr für die Intellektuellen, sich die Salzschokolade zu kaufen. Schnöde Abgrenzung (boundaries!) vom Volke und dessen lila Einkäufen. An dieser Stelle jedoch ein Plädoyer für 'Dumm fickt gut.': Es lebe die Vollmilchschokolade!!!

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Quelle: http://breakfastcancelling.blogspot.com/2008/12/intellektuelle-essen-lieber.html (http://breakfastcancelling.blogspot.com/2008/12/intellektuelle-essen-lieber.html) (12/2008)

Title: [Ahnungslos stehe ich beim Inder... (BRD, Gaststättenkontrollen)]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 10, 2008, 01:03:45 PM
Quote
[...] Frankfurt Mittag 13 Uhr. Ahnungslos stehe ich beim Inder. Es duftet nach Reis und Curry. Hunger. Zeitdruck.

Plötzlich treten unscheinbare Herren in Aktion. Stadtpolizei in Zivil. Gaststättenkontrolle.

Nichts geht mehr beim Inder. Tellerwäscher und Köche lassen die Arbeit ruhen, schauen mit schreckverzerrtem Gesicht in die Runde. Ausweiskontrolle.  Hauptverdächtige asiatischer Herkunft werden aus der Küche gezerrt.

Während der Magen knurrt brennen Reis und Curry an. Die Asiaten müssen nun ihren Ausweis, Aufenthaltgenehmigung und Arbeitserlaubnis nachweisen. "Wer das nicht kann, wird mitgenommen" - erklärt mir einer der Herren in Zivil.

Ich frage, ob man diese Kontrollen nicht ausserhalb der Stoßzeit durchführen könne, schließlich stünden hier viele Gäste unter Zeitdruck, außerdem hätten wir alle Hunger. "Wir machen das ja hier nicht zum Vergnügen" - antwortet der Gaststättenkontrolleur ebenso barsch wie pflichtbewußt.

Als ich den Wächter über Recht und Ordnung von oben bis unten mustere ,fällt der Blick auf eine Schußwaffe, die lässig, aber auch bedrohlich aus dem Loden lugt.
 
Ich frage: "Machen Sie hier Jagd auf Tellerwäscher mit Schußwaffen?"

Anwort: "Ja, wir tragen immer eine Waffe bei uns."

Ich: "Aber wieso brauchen Sie eine Waffe? Sind Tellerwäscher gefährlich?"

Er: "Nein, nicht immer, die tragen wir nur zu unserem Schutz"

Ich: "Aber wovor müssen Sie sich den schützen?"

Er: "Mmmmhhh"

Ich:"Hauen denn die Verdächtigen auch manchmal ab?"

Er: "Ja, kommt ab und zu vor. Oder sie verstecken sich."

Ich: "Und wenn einer flieht, drohen Sie dann mit der Waffe, ohne schießen villeicht sogar?"

Er: "Nein, das nicht. Aber wir versuchen natürlich, sie zu fangen"

Ich: "Und was passiert dann?"

Er: "Dann kommen Sie in U-Haft und werden erkennungsdienstlich behandelt"

Ich: "Also vom Tellerwäscher ins Gefängnis?"

Er: "Ja so ungefähr."

Ich: "Und dann?"

Er: "Wenn sie nicht über Papiere verfügen, werden sie irgendwan abgeschoben."

Ich: "Kontrollieren Sie auch HarzIV - Empfänger und Schwarzarbeiter?"

Er: "Nein, wir suchen hier nur nach Illegalen. Für echte Schwarzarbeiter ist der Zoll zuständig."

Ich: "Wieso der Zoll?"

Er: "Das eine ist Betrug, dass andere ist Steuerhinterziehung."

Nach 15 Minuten ist die Überwachungsaktion beendet. Ich frage die entnervte Chefin, wie oft so was vorkommt? "Mindestens einmal pro Woche" - so die Antwort. Beim Rausgehen entdecke ich noch einige weitere verdächtige Herren in Zivil.

"Was machen Sie denn hier", will ich wissen "Gehören Sie auch zu dieser Truppe?" und verweise auf die Kontrollaktionen an der Essenausgabe.

"Ja, wir passen hier auf, das keiner abhaut."

"Ist die Aktion nicht ein wenig übertrieben?", frage ich.

"Nein, wir müssen das machen, wir schützen deutsche Arbeitsplätze und den Steuerzahler. Denn die Illegalen fallen am Ende allen zur Last und alle müssen für sie zahlen"

Dieses Land reguliert sich noch mal zu Tode, denke ich  und trotte mit hungrigem Magen von Dannen. Das nächste Mal gehts zum Thailänder.

Quote
#12 lächerlich
2008-12-0918:05:41 Skandal.

Das Reiscurry von Herrn Mross ist angebrannt.

Frau Merkel muss sofort zurücktreten.




Aus: "Bewaffnete Jagd auf Tellerwäscher"
Von Michael Mross   (Dienstag, 9. Dezember 2008)
Quelle: http://www.mmnews.de/index.php/200812091733/MM-News/Bewaffnete-Jagd-auf-Tellerwascher.html (http://www.mmnews.de/index.php/200812091733/MM-News/Bewaffnete-Jagd-auf-Tellerwascher.html)

Title: [Lloyd Blankfein, der Vorstandschef von Goldman Sachs... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 10, 2008, 01:36:28 PM
Quote
[...] Lloyd Craig Blankfein (* 1954 in Brooklyn, New York) ist ein amerikanischer Bankmanager. Er ist der Chief Executive Officer (CEO) und Präsident der amerikanischen Bank Goldman Sachs. Er gilt als einer der einflussreichsten Bankiers der Welt.

...


http://de.wikipedia.org/wiki/Lloyd_Blankfein (http://de.wikipedia.org/wiki/Lloyd_Blankfein)

-.-

Quote
[...] Lloyd Blankfein, der Vorstandschef von Goldman Sachs und im vergangenen Jahr der bestbezahlte Vorstandschef an der Wall Street, verdiente damals 68,5 Millionen Dollar. Sein Grundgehalt, mit dem er sich in diesem Jahr bescheiden muss, beläuft sich nur auf 600.000 Dollar.

Die Verwaltungsräte der Banken, welche die Boni für die Spitzenmanager festsetzen, reagieren mit diesen Entscheidungen auf öffentlichen Druck. Der Wall Street wird eine starke Verantwortung für die globale Finanzkrise und den Wirtschaftsabschwung zugeschrieben. Alle großen Banken haben im Rahmen des 700-Milliarden-Dollar-Stützungspakets für die Finanzbranche zudem staatliche Hilfen angenommen – also Gelder der Steuerzahler. Auch aus Sicht der Aktionäre lassen sich hohe Boni kaum rechtfertigen. Die Aktienkurse der Wall-Street-Häuser sind in der Finanzkrise stark eingebrochen. Die Gewinne schrumpften, obwohl Institute wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley die Finanzkrise in den vergangenen Quartalen vergleichsweise gut gemeistert hatten.

Die Chefs der Banken haben aber auf die Boni dennoch nicht immer freiwillig verzichtet. Merrill-Vorstandschef John Thain forderte nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ zunächst eine Sondervergütung von bis zu 10 Millionen Dollar. In einem Brief an den Verwaltungsrat von Merrill Lynch bezeichnete der Generalstaatsanwalt des Bundesstaats New York, Andrew Cuomo, das als „nichts weniger als schockierend“. Angesichts der Verluste von insgesamt 11 Milliarden Dollar, die Merrill Lynch 2008 angehäuft habe, sei ein Bonus in dieser Höhe nicht zu vertreten. „Die Leistung der Spitzenmanager von Merrill während dieses miserablen Jahres rechtfertigt in keinster Weise bedeutende Boni für die Manager, eingeschlossen dem Vorstandschef“, schrieb Cuomo.

...


Aus: "Spuren der Finanzkrise: Die neue Wirklichkeit der Wall Street" Von Norbert Kuls, New York (10. Dezember 2008)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~ED74C3EF377434FC48F581292D94C01B0~ATpl~Ecommon~Scontent.html (http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~ED74C3EF377434FC48F581292D94C01B0~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

Title: [Damit enthalte der Staat gerade jenen Kindern... (BRD)]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 16, 2008, 01:46:51 PM
Quote
[...] Nürnberg. Immer mehr Menschen können von ihrem Lohn allein nicht leben und sind zusätzlich auf Arbeitslosengeld II angewiesen. Allein von Januar bis Ende Juli 2008 sei die Zahl der sogenannten Aufstocker um 64736 auf 1,352 Millionen gestiegen, geht aus einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor. Über das im Internet veröffentlichte Zahlenwerk hatte zunächst die "Süddeutschen Zeitung" berichtet.

Problematisch sei die Entwicklung hauptsächlich in der Gruppe jener, die mehr als 800 Euro verdienten, sagte eine BA-Sprecherin.

Als sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gingen sie in der Regel einem Vollzeitjob nach. Von Ende Januar bis Ende Juli 2008 sei ihre Zahl um 14870 auf 384476 gestiegen. In der Gruppe der Beschäftigten, die zwischen 400 und 800 Euro verdienten, wuchs die Zahl der Aufstocker in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um 11867 auf 243550.

Vor Fehlschlüssen warnte die Bundesagentur unterdessen bei Zahlen über Aufstocker, die weniger als 400 Euro verdienten. Diese besserten in der Regel ihren Lohn nicht mit Arbeitslosengeld-II auf, sondern die staatliche Grundsicherung mit dem Einkommen aus einem 400-Euro- Job. Auch nutzten viele solche Jobs, um sich eine Brücke zum regulären Arbeitsmarkt zu bauen. Diese Gruppe machte mit 724504 Menschen Ende Juli mehr als die Hälfte aller Aufstocker aus.

Nach Erkenntnissen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) beziehen die meisten Aufstocker ohnehin nur vorübergehend Arbeitslosengeld II. So seien etwa im Jahr 2005 lediglich 325000 der damals 1,3 Millionen erwerbstätigen Hilfebedürftigen ganzjährig auf finanzielle Leistungen der Jobcenter angewiesen gewesen. Vor allem von den Vollzeitzeitbeschäftigten habe nur ein kleiner Teil ergänzendes Arbeitslosengeld II bezogen, hatten die Arbeitsmarktforscher in einer Studie vom November 2007 betont.

Meist seien Familien betroffen. Höhere Wohngeld- und Kindergeldzahlungen könnten verhindern, dass diese auf Arbeitslosengeld II angewiesen seien.

Gering ausgeprägt ist bei den Aufstockern das sonst auf dem Arbeitsmarkt übliche Ost-West-Gefälle. Hatte Ende Juli die Zahl der Aufstocker mit mehr als 800 Euro im Monat im Westen bei 6,5 Prozent gelegen, so lag dieser Anteil im Osten bei 8,6 Prozent. Am höchsten ist der Anteil der BA-Statistik zufolge in Sachsen mit 9,6 Prozent, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (9,4 Prozent) und Brandenburg (9,2 Prozent). Den geringsten Aufstocker-Anteil gibt es der Bundesagentur zufolge in Nordrhein-Westfalen mit 5,4 Prozent und dem Saarland mit 5,8 Prozent. (dpa)


Aus: "Hartz IV - Vom Lohn allein nicht leben können" (16. Dezember 2008)
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/1640430_Vom-Lohn-allein-nicht-leben-koennen.html (http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/1640430_Vom-Lohn-allein-nicht-leben-koennen.html)


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[...] Frankfurt/Main. Von der geplanten Erhöhung des Kindergelds werden Hartz-IV-Empfänger keinen Cent bekommen. Eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit bestätigte am Freitag auf Anfrage, dass das Kindergeld weiter in voller Höhe als Einkommen auf das Arbeitslosengeld II angerechnet wird.

[...] Der Bundestag hatte am Donnerstag das Familienleistungsgesetz verabschiedet, das eine Erhöhung des Kindergelds um zehn auf 154 Euro für das erste und zweite Kind sowie etwas für höhere Anhebungen ab dem dritten Kind vorsieht. Am Freitag stoppte es der Bundesrat wegen eines Bund-Länder-Streits um die Finanzierung zunächst. Es soll aber noch in diesem Monat in den Vermittlungsausschuss gehen, damit die Kindergelderhöhung rechtzeitig zum 1. Januar in Kraft treten kann.

Wer zum Bestreiten seines Lebensunterhalts auf Hartz IV angewiesen ist, dem kann der Politikerstreit egal sein: Auch wenn er Kinder hat, bekommt er trotz steigender Preise ohnehin nicht mehr Geld. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP sagte Erwerbslosensprecher Behrsing, faktisch würden mit dem Kindergeld und dem neuen Schulgeld von 100 Euro im Jahr sogar die Bezüge von Hartz-IV-Empfängern noch gekürzt.

Das Schulgeld, das nach dem Familienleistungsgesetz ab dem kommenden Jahr an Bezieher von Sozialleistungen gezahlt werden soll, entspreche monatlich einem Betrag von 8,33 Euro. Ziehe man davon die monatlich zehn Euro Kindererhöhung ab, hätten Hartz-IV-Bezieher mit Kindern real 1,67 Euro weniger im Monat.

Die Bundesagentur für Arbeit hat allerdings die Jobcenter zu einer Übergangsregelung angewiesen. Danach ändert sich für den jeweils schon bewilligten Zeitraum bei den Betroffenen noch nichts. Wer also etwa im November noch einen Bescheid für sechs Monate Arbeitslosengeld II erhalten hat, dem wird das Kindergeld trotz der Anhebung noch bis April in alter Höhe angerechnet.

Längstens gilt diese Übergangsregelung aber bis Ende Mai 2009. Danach werden grundsätzlich die zehn Euro mehr auf das Arbeitslosengeld II angerechnet. Die Betroffenen bekommen also wirklich durch die Kindergelderhöhung "keinen Cent mehr", wie die Sprecherin der Bundesagentur in Nürnberg einräumte.

Die Darmstädter Sozialrechtlerin Lenze zweifelte im Gespräch mit der "Frankfurter Rundschau" die Verfassungsmäßigkeit der gesamten Familienförderung der Bundesregierung an. So bekämen nur Gutverdienende mit zu versteuernden Einkommen ab 60.000 Euro vom kommenden Jahr an für den Bildungsbedarf ihrer Kinder einen Steuerfreibetrag von monatlich 210 Euro. Alle übrigen Eltern müssten sich mit dem Kindergeld begnügen, von dem Hartz-IV-Empfänger auch nichts haben, weil es ja mit dem Regelsatz verrechnet wird.

Damit enthalte der Staat gerade jenen Kindern den vom Bundesverfassungsgericht 1998 geforderten Ausbildungs- und Erziehungsbetrag vor, die ihn am bittersten nötig hätten. Der Gesetzgeber habe die Forderung des höchsten deutschen Gerichts nur im Einkommensteuerrecht umgesetzt, "sich aber nie die Mühe gemacht, zu überlegen, wie auch Kinder, die Kindergeld bekommen oder deren Eltern von Hartz IV leben, in ihren Bildungsbemühungen unterstützt werden können", wird Lenze zitiert.

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Aus: "Kindergelderhöhung - Kein Cent für Hartz-IV-Empfänger" (05.12.2008)
Quelle: http://www.fr-online.de/top_news/1641363_Kein-Cent-fuer-Hartz-IV-Empfaenger.html (http://www.fr-online.de/top_news/1641363_Kein-Cent-fuer-Hartz-IV-Empfaenger.html)

Title: [Teppichetage und tiefere Stufen... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 03, 2009, 02:20:59 PM
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[...] Die Wirtschaftskriminalität nimmt zu, die Dunkelziffer ist hoch. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Beratungsunternehmens KPMG. Dabei werden die meisten Wirtschaftsdelikte in der Teppichetage ausgeübt. Die Studie untersuchte 74 in Tages- und Wochenzeitschriften publizierte und von Gerichten erledigte Fälle von Wirtschaftskriminalität aus dem Jahr 2008 mit einer Deliktsumme von mindestens 50'000 Franken.

In der Studie kommen die Manager besonders schlecht weg. Gemessen an der Deliktsumme verursachten sie in 28 Fällen mehr als die Hälfte des Schadens (606 Millionen Franken). Demgegenüber ergaunerten Mitarbeitende auf tieferen Stufen in 17 Fällen eine Deliktsumme von 20 Mio Franken. Alle Fälle repräsentieren zusammen eine Schadenssumme von über 1 Mrd. Franken.

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Aus: "Wirtschaftskriminelle sind oft Manager" (02.02.2009)
Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Wirtschaftskriminelle-sind-oft-Manager/story/30841667 (http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Wirtschaftskriminelle-sind-oft-Manager/story/30841667)

Title: [Kopfwelten: Armut, die zu Kopf steigt... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 04, 2009, 11:08:29 AM
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[...] Nehmen wir für das Folgende eine gedankliche Abkürzung und lassen wir beiseite, dass sicher fast überall in Afrika und vermutlich auch in Bangladesch noch für "reich" gehalten würde, wer bei uns das amtliche Existenzminimum von monatlich 617 Euro unterschreitet. Hier ist nicht Afrika, und hier fließt auch nicht der Ganges. Wer an Elbe, Rhein oder Isar arm ist, sieht selbst in Krisenzeiten den mehr oder minder satten Wohlstand von fast allen anderen - und weiß darum auch schon als Kind, wo sein eigener gesellschaftlicher Platz ist: ganz unten. Das ist weit mehr als ein Schönheitsfehler unseres Sozialstaates.

Vom "sozio-ökonomischen Status" sprechen Wissenschaftler, wenn sie Menschen nach Einkommen, Bildung und Beschäftigungsstand einteilen (international abgekürzt "SES" = "socioeconomic status"). Für unser armes Kind ändert sich dadurch zunächst einmal nichts - es bleibt "unten". Weil sich das jetzt aber bis hinauf nach "ganz oben" über klar definierte Stufen vergleichen lässt, können Forscher sich auch der Frage widmen, wie es einem Kind aus dem sozialen Bodensatz im Vergleich zu den anderen ergeht. Besser, schlechter oder genau so? Statistisch lässt sich so zum Beispiel seine Gesundheit beurteilen, auch sein Stressverhalten oder das Konzentrationsvermögen, seine schulischen Leistungen und überhaupt alles, was der kleine Kopf so hergibt. Auch wie der sich über die Jahre entwickelt, lässt sich nun beobachten und jeweils mit der Reifung von Kindern ins Verhältnis setzen, die vielleicht nicht schlauer oder netter, trotzdem aber schon per Geburt "Elite" sind.

Seit etlichen Jahren wird dieses Forschungsfeld beackert. Martha Farah und Daniel Hackman, Psychologen der University of Pennsylvania in Philadelphia, haben jetzt alles zusammengetragen und ziehen eine erschreckende Bilanz. Vor allem in zwei wichtigen Hirnbereichen lassen sich Entwicklungsstörungen festmachen, die mit einem niedrigen Sozialstatus einhergehen: In Arealen der linken Hirnhälfte nämlich, die mit dem Sprachvermögen zusammenhängen, und dazu auch im Stirnhirn, dem "präfrontalen Kortex", der entscheidend dazu beiträgt, wie wir uns tagtäglich verhalten. Dort werden Handlungsalternativen abgeschätzt. Dort wird der Gefühlsstrom aus dem Inneren des Gehirns kontrolliert und reguliert. Dort wird auch anhand sozialer Erfahrungen beurteilt, was "man" so tut in einer bestimmten Situation und was eher nicht. Was also soll aus einem werden, wenn die verinnerlichten Maßstäbe entweder nicht stimmen oder aber nicht angelegt werden können?

Schon früh lassen sich Veränderungen entdecken. Bei gerade mal sechs Monate alten Babys fanden niederländische Forscher der Erasmus-Universität Rotterdam deutliche Einflüsse eines niedrigen Sozialstatus auf das Temperament der Kinder. Die stärkste Beziehung fanden die Rotterdamer bei der Ängstlichkeit der Kinder - je ärmer, desto zaghafter. Und je ärmer die Umgebung war, in der sie aufwuchsen, desto zappeliger waren die Babys. Auch wenn diese frische Studie noch manche Frage offen lässt und mit ähnlichen Untersuchungen verglichen werden muss, gibt es doch klare Tendenzen, die sich in der Entwicklung von über 7000 Kleinkindern verschiedener ethnischer Herkunft abzeichnen. Schon in den Köpfen von Kindern, die erst wenige Monate alt sind, lässt sich wenigstens statistisch ablesen, aus welcher gesellschaftlichen Schicht sie stammen.

Es wäre trotzdem zu einfach, frühkindliche Prägungen als einen biologischen Panzer zu sehen, aus dem es zeitlebens kein Entrinnen mehr gibt. Immer wieder lassen sich einzelne Biografien finden, die das eindrucksvoll widerlegen. Was sie aber trotz aller Erfolge nicht vom Tisch wischen können, ist die statistische Last, die Kinder in Armut - auch in "relativer Armut", wie es bei uns offiziell heißt - in jedem Fall tragen müssen. Ihre Herkunft und die Verhältnisse, in denen sich ihr Gehirn entwickeln musste, werden sie ein Leben lang nicht mehr los. Auch dann nicht, wenn sie "es schaffen" und sich vielleicht sogar bis an die Spitze kämpfen, hinauf in den Lebensraum der "Elite". Schwerer als die meisten Altersgenossen aus begüterten Familien haben sie es immer. Nicht weil sie dümmer oder weniger nett sind, sondern allein wegen ihrer Herkunft.

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Literatur:
Adler, N. E. et al. 1994: Socioeconomic Status and Heath, American Psychologist 49, 15-24
Evans, G. W. 2004: The Environment of Childhood Poverty, American Psychologist 59, 77-92
Farah, M. J. et al. 2006: Childhood poverty: Specific associations with neurocognitive development, Brain Research 1110, 166-174
Hackman, D. A. & Farah, M. J 2009: Socioeconomic status and the developing brain, Trends in Cognitive Sciences 13, 65-73
Jansen, P. W. et al. 2009: Socioeconomic inequalities in infant temperament - The Generation R Study, Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology 44, 87-95
Raizada, R. D. S. et al. 2008: Socioeconomic status predicts hemispheric specialisation of the left inferior frontal gyrus in young children, NeuroImage 40, 1392-1401


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audio001 (4.2.2009, 8:28 Uhr)

[...] Der Armutsbericht der Bundesregierung spricht eine klare Sprache: 13 % der Menschen in Deutschland lebten in 2005 unterhalb der Armutsschwelle, weitere 13 % nur oberhalb der Armutsschwelle, weil sie staatliche Transferleistungen (Wohngeld, Kindergeld, ALG I, ALG II etc.) erhalten.
Die Situation in Deutschland ist schlichtweg bereits dramatisch! Faktisch befinden wir uns nicht nur in einer Finanz- u. Wirtschaftskrise, sondern gleichfalls in einer Sozialkrise, die leider in der öffentlichen Diskussion völlig verdrängt wird.


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RDUKE7777777 (3.2.2009, 21:26 Uhr)
Stern.de Hauptseite
Wie lange war dieser wichtige Artikel dort zu sehen? Ne Stunde?


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Nursery (3.2.2009, 20:12 Uhr)
Vergebene Chance
Es zeigt sich in was für einer Dimension hier Kinder selektiv an der Chancenwahl den kürzeren zieht.Man kann es als "Schicksal" bezeichnen oder "Unfair". ...





Aus: "Kopfwelten: Armut, die zu Kopf steigt" Von Frank Ochmann (03.02.2009)
Quelle: http://www.stern.de/wissenschaft/mensch/:Kolumne-Kopfwelten/643739.html (http://www.stern.de/wissenschaft/mensch/:Kolumne-Kopfwelten/643739.html)

Title: [Leute wie ich... (Milch-Baron Theo Müller )]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 11, 2009, 12:07:41 PM
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[...] "Leute wie ich kommen wegen der Pauschalbesteuerung in die Schweiz". Müller ist seit 2003 in der Schweiz gemeldet. Wenn die Regelung falle, könne er auch woanders hinziehen, hatte Müller durchblicken lassen.

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Aus: "Steuerparadies Schweiz - Theo Müller droht mit Abwanderung" (09.02.2009 )
Quelle: http://www.manager-magazin.de/koepfe/artikel/0,2828,606361-2,00.html (http://www.manager-magazin.de/koepfe/artikel/0,2828,606361-2,00.html)

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[...] Klaus Zumwinkel verlässt das Land: Der wegen Steuerhinterziehung verurteile Ex-Post-Chef will künftig in seiner Burg am Gardasee leben. Trotzdem muss er wegen seiner Bewährungsstrafe für die deutsche Justiz erreichbar bleiben.

Köln - Klaus Zumwinkel geht: Der frühere Post-Chef habe sich vor einigen Tagen ordnungsgemäß abgemeldet und wolle jetzt nach Italien ziehen, bestätigte am Montag ein Sprecher des Landgerichts Bochum laut Berichten der "Bild"-Zeitung und der "Rheinischen Post". Künftig werde er auf Burg Tenno am Gardasee leben. Laut "Bild" hat Zumwinkel das "mittelalterliche Gemäuer auf einem Felsvorsprung (mit Pool)" 1997 gekauft.

[...] Zumwinkel hatte sich mehrfach darüber beklagt, dass ihm, seiner Frau und seinen Kindern "nachgestellt" werde. Er habe "üble Drohbriefe" erhalten, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" nach der Urteilsverkündung Ende Januar. Es seien "schlimme Dinge passiert, über die ich nicht reden möchte".

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Aus: "Zumwinkel kehrt Deutschland den Rücken" (16.02.2009)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,607929,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,607929,00.html)

Title: [Die Mittelklassen in der Zone der Verwundbarkeit... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 12, 2009, 12:34:06 PM
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[...] Im Innern der Klassengesellschaft haben sich die sozialen Gewichte dramatisch verschoben. Aber nach wie vor schreibt der Alltagsverstand dem ideal gedachten Bürger die gesicherte Lebenslage, den angesehenen Beruf und eine risikoscheue Mentalität zu. Bemüht man die in Zeiten der Globalisierung wieder plausible Unterscheidung zwischen "Kosmopoliten" und "Lokalisten", so hält sich die Mehrheit der selbst ernannten Mittelklassen für mobile, leistungswillige und konsumfreudige Kosmopoliten.

Mit den Unterschichten, die eine gängige Modernisierungsrhetorik als unbewegliche, allenfalls fernsehende Lokalisten abtut, will man eher nichts zu schaffen haben. Aber auch der Zutritt zur notorisch schmalen Elite bleibt verwehrt. Hier herrschen die Besitzklassen und ihre maßgeblichen Manager, die mit der Selbstgewissheit von Sozialdarwinisten das Geschäft der schöpferischen Zerstörung weltweit betreiben. Sie meiden die lästigen Regeln der steuerfinanzierten, sozialstaatlich geordneten Nächstenliebe. Stattdessen suchen sie die Galadiners der Fernstenliebe auf, wo essen und trinken für weitab hungernde Kinder das öffentliche Ansehen mehrt und den privaten Reichtum nach Steuern. Irgendwo dazwischen wollen die bunt gescheckten Mittelklassen ihre unproletarische Daseinsform in den neuen Kapitalismus hinüberretten. Das wird schwierig, denn der Widerspruch zwischen den propagierten Leitbildern des Erfolgs und dem wirklichen Leben wird immer größer. Wenn sich besser verdienende Arbeiter und qualifizierte Angestellte nicht mehr als redliche Nutznießer des ökonomischen Fortschritts empfinden, sondern als Geprellte, dann sind die persönlichen und politischen Folgen dieser Entwicklung neu zu bedenken.

In ihrer Studie über die Middle Class der USA beschreibt Barbara Ehrenreich, wie sich die "Angst vor dem Absturz" in reale Erfahrung verwandelt. Für viele wird der alte Traum vom Erfolg zur Lebenslüge, obwohl sie die einschlägigen Regeln genauestens beachten: "In manchen Fällen handelt es sich um wahre Erfolgsmenschen auf gehobenen Posten, die gerade deshalb in Schwierigkeiten geraten sind, weil die Einsparung ihres Gehalts einen bequemen Weg zur Kostendämpfung darstellt ... Sie waren die Verlierer bei der klassischen Jagd nach dem immer besseren Job."[2]

Gefährdet sind damit zunehmend gerade diejenigen, die nach herrschender Wirtschaftslehre und Erfolgsratgebern "alles richtig gemacht" haben. Der ungeduldige Kapitalismus droht auch den arbeitenden Mittelklassen in den reichen Ländern[3] mit dem Gespenst der Nutzlosigkeit.

Wenn den individuell leistungswilligen und politisch geduldigen Bürgern die Verdrängung der realen Probleme immer schwerer fällt, stellt sich die Frage: Welche Umstände könnten auch bei ihnen die Einsicht in die gesellschaftlichen Verhältnisse, ihre eigene Rolle und die Möglichkeiten der Veränderung befördern? In Westeuropa war in den Mittelklassen die Angst vor dem Absturz bis vor kurzem fast unbekannt. Die Sorge galt allenfalls dem beruflichen Stillstand oder der Abschiebung in die Frührente. Dauerhaft garantiert erschien den meisten ein durch berufliche Qualifikation, betriebliche Stellung und die Sozialsysteme gesicherter Wohlstand, der die Lust am gehobenen Konsum in Gang hielt.

Heute sind vom sozialen Abstieg auch qualifizierte Berufe bedroht: der mit 50 ausgemusterte Vertriebsangestellte; der 45-jährige Schichtleiter des insolventen BenQ-Betriebs; die junge Psychologin, die sich mit Honorarverträgen durchschlägt und ihre Weiterbildung über Kredite finanziert; der 40-jährige freischwebende Dozent, dessen Eltern die Miete zahlen und damit die staatliche Hochschule mit finanzieren; die frisch diplomierte Betriebswirtin, die qualifizierte Arbeit im dritten unterbezahlten Praktikum leistet. Natürlich sind nach wie vor die minder qualifizierten Menschen den Arbeitsplatzrisiken und materiellen Einbußen am stärksten ausgesetzt. Aber die Unsicherheit kriecht in die Mittelschichten hoch. "I may look middle class", sagt der 45-jährige amerikanische Angestellte. "But I'm not. My boat is sinking fast."[4]

Viele geraten aus der Zone der Integration in die der Verwundbarkeit, wie es Robert Castel nennt.[5] Das trifft vor allem immer mehr Jüngere beim Übergang von der gehobenen Ausbildung in den Arbeitsmarkt. Die angestellten Mittelklassen, die ihren sozialen Aufstieg mehrheitlich dem Ausbau des Wohlfahrtsstaats und des Bildungssystems verdankten, beginnen zu erfahren, dass das verinnerlichte Leistungsprinzip und die sozialen Institutionen, die es bislang stützen, nicht mehr zuverlässig greifen. Die Proteste der französischen Studenten gegen den prekären ersten Arbeitsvertrag (CPE) entspringen nicht nur diffusen Ängsten, sondern auch der realistischen Furcht vor dauerhaften und sehr persönlichen Risiken.

Die politischen Folgen dieser Veränderungen werden bislang ziemlich ratlos und eher spekulativ diskutiert. In den Feuilletons herrschen neue Spielarten der alten Diagnosen vor: Natürlich gebe es neue Unsicherheiten, aber sie führten eher dazu, dass die Betroffenen sich verschärft nach unten abgrenzen, gegen jene, die nach ihrem Weltbild nicht zur Gruppe der Leistungsträger gehören; darin zeige sich der "Neid der Abgehetzten auf die Abgehängten"[6]. Nur wenige Beobachter denken an die Möglichkeit, dass sich europaweit eine rebellische génération précaire herausbilden könnte, eine neue Klasse, in der "die Burgerbrater der Fast-Food-Ketten mit den freien Grafikdesignern demonstrieren".[7] Selbst nach den Protestaktionen in Frankreich traut kaum jemand den zukünftigen Mittelklassen rebellische Neigungen zu, geschweige denn ein Interesse an grundlegenden Veränderungen.

Diese Diagnose mag zutreffen und greift dennoch zu kurz. Sie fordert dazu auf, das Gelände der entgrenzten Arbeit und die gesellschaftlichen Spaltungslinien neu zu vermessen.[8]

Obwohl die Mittelklassen in ihrer großen Mehrheit lohnabhängig sind, bleibt der reale, und erst recht der gefühlte Abstand zu den Unterklassen groß. Aber einige gründliche Veränderungen sind nicht mehr individuell zu bewältigen.

- Für junge, fachlich gut ausgebildete Menschen verlängern sich die Übergangsstadien in die Erwerbswelt; viele Unternehmen beuten mit Praktika, Probezeiten und Honorarverträgen junge, qualifizierter Arbeitskräfte aus.

- Der Wechsel zwischen festem Arbeitsverhältnis, prekären Beschäftigungsformen und trügerischer Scheinselbstständigkeit wird eher zur Regel. Wenn zwischenzeitlich etwas boomt, ist es die Arbeit auf Zeit, eben Zeitarbeit.

- Im System der persönlichen Netzwerke entscheiden die soziale Herkunft und das ererbte kulturelle Kapital weit stärker über den beruflichen Erfolg als die bescheinigte Qualifikation.

- In die soziale Abwärtsspirale geraten viele bislang verlässlich geschützte Gruppen.[9] Die Armut greift "nach oben" aus und bedroht auch qualifizierte Mitglieder der Mittelklassen.

- Mit der Privatisierung vormals öffentlicher Dienste wächst in den Professionen der Mittelklassen die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern. In Hochschulen und Sozialeinrichtungen, in der Medien- und Kulturszene entsteht ein neues Proletariat von hoch qualifizierten Wissensarbeitern: Honorarkräfte, "freie" Mitarbeiter und ganz Unbezahlte arbeiten in Institutionen, die ohne sie nicht überleben könnten.

- Selbst die Sieger im "darwiportunistischen" Unternehmen (zumeist Männer, die sich Manager nennen dürfen), bleiben "Spieler ohne Stammplatzgarantie".[10] Die Karriere verlangt die rastlose Selbstvermarktung und ist ohne Stress nicht zu haben. Sie zementiert das traditionelle Geschlechterverhältnis und macht den Versuch, Beruf und Kinder zu lieben, zum Privatabenteuer.

- Die Zukunft ist noch ungewisser. Die Kinder aus den "neuen" Mittelklassen erleben, dass nach dem Studium weder das dritte Praktikum noch die Gründung einer Rockband mit Elternknete die Zukunft als "Arbeitskraftunternehmer" sichert. Stattdessen steht vielen das Schicksal als Händler, ja Hausierer der eigenen Arbeitskraft vor Augen.

Große Erwartungen, verlorene Illusionen; das fremdbestimmte Auf und Ab wird in der zukünftigen Mitte zur allgemeinen Lebenserfahrung. Die Predigt der individuellen Strebsamkeit, die allen Willigen und Tüchtigen das Ende des Arbeiterschicksals versprach, tönt immer hohler. Im Beruf wie im Leben tritt an die Stelle des Leistungsprinzips ein neu gemünzter Begriff von Erfolg. Während im Goldenen Zeitalter des Kapitalismus (1950-1975) das Lohnarbeitsverhältnis in einen Sozialkontrakt eingebettet war, der Kompetenz und Loyalität des qualifizierten Berufsmenschen mit stetiger Beschäftigung und Karrierechancen belohnte, prägt nun der (oft nur scheinhaft) berechenbare Beitrag des Einzelnen zum Erfolg des Unternehmens das Idealbild des erfolgreichen Mitarbeiters. Ständig muss der "Arbeitskraftunternehmer" versuchen, aus den betrieblichen Eingangszonen auf die Kommandohöhen vorzudringen, wo die errungene Macht gegen den drohenden Verlust der Stelle zu schützen verspricht. Indes verwandeln die Unternehmensstrategien das Happy End des Angestelltentraums - der Einzug ins Korps der Führungskräfte, das über Gewinner und Verlierer entscheidet - zum beweglichen Ziel, weil sich die betrieblichen Koordinaten der Macht im Netzwerk der Unternehmen ständig verschieben. Über Nacht kann der Gewinner zum Verlierer werden.

Die Enttäuschungen, die das Berufsleben bereithält, fasst Barbara Ehrenreich in dem Befund zusammen, dass nun auch mittlere und höhere Angestellte "häufig denselben mörderischen Anforderungen ausgesetzt sind wie die Niedriglohnverdiener, die zwei Jobs annehmen müssen". Die neuen, nur noch atemlos zu bewältigenden Vorgaben machen die Mittelklassen besonders ratlos, denen der berufliche Erfolg als stärkster Beweis für ein geglücktes Leben gilt. Nun erleben die vom "Lustprinzip der Professionalität" geprägten Angestellten, dass gerade die Aufgaben, die von der fachlichen Kompetenz und deren ständiger Interpretation lebten, in verfeinerten Kennziffersystemen entkernt und zerschrotet werden.

Die Strategen für Bilanzen, Portfolio und Benchmarks, die nun das Sagen haben, wissen wenig vom geheimen Hedonismus der Mittelklassen und seinen Produktivitätsreserven. Sie glauben an die Macht der Angst, die dienende Angestellte dazu bringt, am Callcenter-Telefon stets die Mundwinkel hochzuziehen, und die Sperrsitzhalter im mittleren Management dazu, das tägliche Windhundrennen durchzustehen. Für beide gilt es, lächelnd auf die Zähne zu beißen: "Come to work each day willing to be fired!"[11]

[...] der Mittelklassemann verdrängt seine Ängste, indem er die alte Frage der Gerechtigkeit, beklommen zwar und mit leisem Bedauern, gleich mit beiseite schiebt: "Die meisten Menschen neigen zu einer fatalistischen Haltung - wer zum Lebensunterhalt die Straße fegen muss, hat einfach Pech gehabt. Wir leben in keinem visionären Zeitalter. Die Straßen müssen gesäubert werden. Sollen sich die Pechvögel darum kümmern."[12]

Das verheißt wenig Gutes. Vieles spricht dafür, dass die noch Bessergestellten mit dem Blick auf das, was sie verlieren könnten, die verschärften Regeln des kapitalistischen Erfolgsspiels zunächst besonders artig befolgen. Man zeigt sich, wie eine Studie über mittlere Manager darlegt, noch im betrieblichen Überlebenskampf so lange wie möglich von seiner "egoistisch-distinguierenden Seite".[13]

[...] Die soziale Polarisierung zwischen den und innerhalb der Klassen zeigt sich in zunehmen rabiaten Verkehrsformen. Bei den Eliten und Gewinnern der Mitte wirkt das familiär vererbte kulturelle Kapital machtstabilisierend. Es sichert den Einlass in die lukrativen Zonen des Arbeitsmarkts, samt fetten Prämien auf den Finanzmärkten der Eingeweihten und Ausgebufften. Dagegen erfahren die Aufsteiger, und zumal deren Kinder, die Wiederkehr jener Unsicherheit, die zu beenden der prosperierende Kapitalismus versprochen hatte.

Die Schockwelle, die nun auch Teile der Mittelklassen erreicht, mag aber auch wie ein reinigendes Gewitter wirken. Sie könnte der großen Illusion ein Ende bereiten, die im Goldenen Zeitalter das gesellschaftliche Bewusstsein der angestellten Mittelklassen an die Herrschaftsmentalität der eigentlichen Managerklasse band. Deren Macht gründete, wie es W. H. Auden in seiner poetischen Diagnose ausdrückte, in dem Wissen, "dass sie unter den ganz Wenigen sind, / Den Auserlesenen, / Denen, wenn's wirklich schiefgeht, im letzten Flugzeug ein Platz / Sicher ist - hinaus aus der Katastrophe ..."[14]

Derart elitäre Selbstgewissheit tritt bis heute in der Arroganz, mit der auserwählte Topmanager sich über die Masse und das Gesetz erheben. Aber diese Haltung kann nach unten keine starken Loyalitäten mehr erzeugen. Dies ahnend, verkünden die Ackermanns den leistungswilligen Mittelklassen: Das alte Spiel, in dem jeder mehr oder minder gewinnen, aber niemand verlieren kann, ist endgültig aus. Berufliche Hingabe zählt nur noch im Maße ihres Beitrags zur Rendite.

Was ist zu erwarten, wenn die Menschen in der gesellschaftlichen Mitte aus dem meritokratischen Tagtraum erwachen? Wie berührt die Legitimationskrise des Sozialen die Interessen und Lebensvorstellungen derer, denen es vor Tische anders erzählt worden war? Den verwundbaren Mitgliedern der Mittelklassen bleiben, in Anlehnung an Hirschmans einleuchtende Alternative[15], nur zwei Wege: Abwanderung (exit) oder Widerspruch (voice). Den ersten wählt das isolierte Individuum, den zweiten das soziale Wesen, das sich mit ähnlich betroffenen Beschäftigtengruppen über gemeinsame Interessen verbunden weiß.

Der zweite Weg erfordert wenigstens den Anflug eines Willens, die Arbeitsverhältnisse und sich selbst zu verändern. Aber gerade in den Mittelklassen sind die Menschen zur individuellen Reaktion auf zwiespältige Lagen erzogen. Wenn Betrieb und Gesellschaft ihnen kalt ihre Entbehrlichkeit bescheinigen, trifft sie das hart und unvorbereitet. Die meisten blicken sehnsüchtig nach oben und eher verschreckt nach unten. So lange wie möglich versuchen sie, sich in der halb durchschauten Wirklichkeit einzurichten und die verschärften Positionskämpfe durchzustehen. Sofern die erzwungene Exit-Option zum Arbeitsamt, in die Frührente oder fingierte Selbstständigkeit führt, wollen sie kein Aufsehen erregen. In der ungewohnten Zone der Verwundbarkeit verhalten sie sich wie Lottospieler, die vom besser informierten Paten noch den todsicheren Tipp erwarten.

[...] Der alte, typisch männliche Angestellte der Mitte war ein unschlüssiger Charakter, der sich nüchtern als Arbeitnehmer empfand, aber nicht im Gegensatz zum Unternehmen, solange dies seiner Leistung vertraute. Als typischer Experte konnte er fachliche Probleme weit besser durchschauen als seine eigene Lage. Das gilt bis heute und erst recht für den modernen "Arbeitskraftunternehmer". Nach Erziehung und innerer Motivation ist er kaum imstande, auf die neuen Zumutungen der entgrenzten Arbeit mit der bescheidenen Unbedingtheit zu reagieren, die den Schreiber Bartleby in Melvilles Geschichte sagen lässt: "Ich möchte lieber nicht."[16]

Weil die professionellen Mittelschichten weder eine belastbare Individualität erworben noch Solidarität erlernt haben, lassen sie sich durch das Unternehmen mit Haut und Haaren einverleiben. Gegen die modernen Verhaltensregeln ist kaum ein Überschuss an rebellischem Gefühl oder gar kollektives Handeln zu erwarten. Selbst ausgefeilte Selektionsspiele des Managements ertragen deren Opfer in einer "Haltung anmutiger Agonie".[17] Das individuelle Schicksal der Gefährdung ist im Bewusstsein der betroffenen Mittelklassen kein öffentliches Problem; die betrieblich und gesellschaftlich bedingte Erfahrung der eigenen Ökonomisierung bleibt in der Regel privat, ja intim.

Wer wie das Gros der Ingenieure, Betriebswirte und Informatiker schon in der fachwissenschaftlichen Ausbildung gelernt hat, dass der Markt kalt, aber angeblich gerecht bestraft, wird sich von Gleichheit und Solidarität nicht viel erhoffen. Die Ökonomisierung der sozialen Beziehungen zieht solchen Ansprüchen und Handlungsformen enge Grenzen; sie fördert Ideologien der Ungleichheit, nach denen die Verlierer nur bekommen, was sie ohnehin verdienen. Wo das zur Besänftigung nicht reicht, unterbreitet unsere Spaßgesellschaft den Gefährdeten aller Klassen und Schichten das kostenpflichtige Angebot, sich den grauen Alltag mit banalen Träumen und Events zu verklären oder erträglich zu halten.

[...] Im Gefängnis ihrer Versagensängste fällt es den Menschen schwer, die Regeln des kapitalistischen Kasinos - und nicht bloß das Elend der Politik oder die Gier der ganz Reichen - als Quelle ihrer drohenden Verluste und Niederlagen zu begreifen. So verbindet sich in den einzelkämpferischen Überlebenstechniken der Mittelklassen die verblassende Illusion der Selbstbestimmung mit einer politischer Apathie, der die abgehängten Mitglieder der Unterklassen noch einige kollektive Einsichten voraus haben. Der Selbstaufklärung in der Mitte der Gesellschaft ist der rachsüchtig auf herabstürzende Banker gerichtete "Blick nach oben" so wenig dienlich wie der Glauben, sich zum eigenen Nutzen aus nichtmarktlichen Bindungen lösen zu können.

Quote

    * [1] Guillaume Paoli, "Lasst euch nicht gehen. Weisheiten der Kampfkunst", in: Carl Hegemann (Hg.), "Erniedrigung genießen. Kapitalismus und Depression III", Berlin (Alexander) 2001, S. 75 f.
    * [2] Barbara Ehrenreich, "qualifiziert & arbeitslos. Eine Irrfahrt durch die neue Bewerbungswüste", München (Antje Kunstmann) 2006, S. 8.
    * [3] Die historisch-kulturellen Unterschiede zwischen den amerikanischen (gewisse Blue-Collar-Berufe einschließenden), den französischen (employées und auch cadres umfassenden) und den deutschen (zumeist angestellten) Mittelklassen bleiben hier ebenso unberücksichtigt wie die Unterschiede zwischen privaten und öffentlichen Beschäftigungsformen.
    * [4] Tim Egan, "No Degree, and No Way Back to the Middle", in: The New York Times, May 24, 2005.
    * [5] Vgl. Robert Castel, "Das Verschwimmen der sozialen Klassen", in: Joachim Bischoff u. a., "Klassen und soziale Bewegungen", Hamburg (VSA) 2003, S. 7-17.
    * [6] Jens Jessen, "Hauptstadt der Unterschicht", in: Die Zeit, Nr. 44, vom 26. Oktober 2006.
    * [7] Moritz Ege, Tobias Timm, "Das Internationale Prekariat", in: Süddeutsche Zeitung vom 3. April 2006, S. 11.
    * [8] Dazu die glänzenden Analysen in dem Sammelband: Stephan Lessenich, Frank Nullmeier (Hg.), "Deutschland - eine gespaltene Nation", Frankfurt am Main/New York (Campus) 2006.
    * [9] Vgl. Anne Daguerre, "Hartz IV international", Le Monde diplomatique, Juli 2005.
    * [10] Vgl. Christian Scholz, "Spieler ohne Stammplatzgarantie. Darwiportunismus in der neuen Arbeitswelt", Weinheim (Wiley) 2003.
    * [11] "Intrapreneur's Ten Commandments", Ratschlag No. 8 der amerikanischen Beratungsfirma Pinchot & Company (2003).
    * [12] Ian McEwan, "Saturday", Zürich 2005, S. 104 f.
    * [13] Karola Brede, "Leistung aus Leidenschaft?", in: Arbeitsgruppe SubArO (Hg.), "Ökonomie der Subjektivität - Subjektivität der Ökonomie", Berlin 2005, S. 227-251.
    * [14] W. H. Auden: "Die Manager" (um 1950), in: "Gedichte - Poems", Wien (Europa) 1973 (deutsch von Erich Fried).
    * [15] Albert O. Hirschman, "Abwanderung und Widerspruch", Tübingen (Mohr) 1974.
    * [16] Hermann Melville, "Bartleby, der Schreibgehilfe. Eine Geschichte aus der Wallstreet" (1856), Zürich (Manesse) 2002, S. 26.
    * [17] Richard Yates, "Ein Masochist", in: "Elf Arten der Einsamkeit", München (DVA) 2006, S. 97.
    * [18] Rita Müller-Hilmer, "Gesellschaft im Reformprozess" (Friedrich-Ebert-Stiftung), Juli 2006.
    * [19] Bob Herbert, "The White Collar Blues". In: The New York Times vom 29. Dezember 2003. Diesen Rat haben inzwischen Barbara Ehrenreich und andere mit der Gründung einer Organisation "United Professionals" aufgegriffen.
    * [20] Sighard Neckel, "Gewinner - Verlierer", in: Stephan Lessenich, Frank Nullmeier (Fußnote 8), S. 353-371.
    * [21] Hans Georg Zilian, "Unglück im Glück. Überleben in der Spaßgesellschaft", Graz/Wien (Styria) 2005, S. 219.



Aus: "Kein Platz mehr im letzten Flugzeug - Die Mittelklassen in der Zone der Verwundbarkeit"
Von Ulf Kadritzke (First published in Le Monde diplomatique (Berlin) 12/2006)
Quelle: http://www.eurozine.com/articles/2006-12-21-ukadritzke-de.html (http://www.eurozine.com/articles/2006-12-21-ukadritzke-de.html)


Title: [Eine Berliner Supermarkt-Kassiererin und Prinz Max... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 24, 2009, 12:11:25 PM
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[...] Kiel (dpa/lno) - Letzte Beratungen über ein Rettungspaket für die angeschlagene HSH Nordbank haben die Landesregierungen von Schleswig-Holstein und Hamburg am Dienstagvormittag aufgenommen.

[...] Beide Kabinette wollen am Mittag ein Hilfspaket für die Bank beschließen, die für 2008 2,8 Milliarden Euro Verlust ausgewiesen hat. Vorgesehen sind eine Kapitalspritze von drei Milliarden Euro und eine Sicherheitsgarantie über zehn Milliarden.

...


Aus: "Landesregierungen beraten Rettung der HSH Nordbank" (02/2009)
Quelle: http://newsticker.welt.de/?module=dpa&id=20453504 (http://newsticker.welt.de/?module=dpa&id=20453504)

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Quote
[...] Prinz Max von und zu Liechtenstein gibt sich reumütig, ja zerknirscht: "Stets nach bestem Wissen und Gewissen" habe er seine Steuerpflicht in Deutschland erfüllt, lässt der in München lebende zweitgeborene Sohn des liechtensteinischen Fürsten Hans-Adam II per Erklärung verbreiten. "Meine Steuerverpflichtungen nicht zu erfüllen, war ganz sicher nie meine Absicht", versichert der Adlige - schließlich habe er seinen "Wohnsitz bewusst in Deutschland" gewählt, zahle hier "Steuern in beträchtlichem Ausmaß".

Die Erklärung des Prinzen erinnert nicht zufällig an die Argumentation des rechtskräftig verurteilten Steuerhinterziehers Klaus Zumwinkel. Wie der Ex-Postchef ist auch Prinz Max ins Visier der auf Wirtschaftskriminalität spezialisierten Schwerpunktstaatsanwaltschaft Bochum geraten. Wie Zumwinkel werfen die Bochumer Ermittler auch dem Adligen vor, mit Hilfe der liechtensteinischen LGT-Bank Steuern über eine Familienstiftung am Finanzamt vorbeigeschleust zu gaben. Doch Prinz Max ist kein einfacher Kunde der LGT: Der Fürstensohn ist der Chef des auf reiche Privatkunden spezialisierten Instituts.

 Erst ein Datenleck seiner LGT verschaffte den Bochumer Staatsanwälten belastetendes Material gegen rund 780 Kunden der Privatbank, darunter auch der Prinz selbst: Für rund 4,3 Millionen Euro hatte der Bundesnachrichtendienst BND dem ehemaligen LGT-Mitarbeiter Heinrich Kieber Informationen über deutsche Steuerflüchtlinge mit Konten in der Steueroase abgekauft und Anfang 2008 über die Steuerfahndung Wuppertal nach Bochum weitergereicht.

Die Bundesrepublik entwickle sich zu einem totalitären "Vierten Reich", hatte Liechtensteins Staatsoberhaupt Hans-Adam II daraufhin getobt, sein ältester Sohn, der "amtsausübende Stellvertreter" Erbprinz Alois wütete über "Hehlerei im großen Stil", begangen vom deutschen Staat.

Sein Bruder Max aber hielt sich auffallend zurück: Erst im Dezember, als die erste Welle der Empörung über den Steuerhinterziehungsskandal abgeklungen war und sich das Interesse der Öffentlichkeit auf Zumwinkel konzentrierte, mokierte er sich in einem Interview mit dem Handelsblatt über "den Datendiebstahl". Dabei hatte die Rolle als good guy offenbar Methode: Waren Vater und Bruder für die Abteilung Attacke zuständig, gab sich Prinz Max verhandlungsbereit und konziliant, warb bereits im Februar 2008 für Vertrauen durch eine eine "für alle Seiten akzeptable Lösung" - schließlich hatte seine LGT nach seinen eigenen Angaben durch den Skandal Kundeneinlagen von "mehreren Milliarden" Schweizer Franken verloren. Und an einem Image als freundlicher Banker arbeitete "Seine Durchlaucht", so der offizielle Titel des Prinzen, schon länger: Schon Anfang 2008 erschient in der Frankfurter Allgemeinen ein längeres Portrait über den Fürstensohn. Der Titel: "Ein feiner Kerl".

In welcher Höhe Prinz Max Steuern hinterzogen hat, wollte die Bochumer Staatsanwaltschaft am Freitag nicht kommentieren. "Bei Ermittlungsverfahren in Steuerstrafsachen geben wir generell keine Auskünfte", so deren Sprecher Oberstaatsanwalt Bernd Bienioßek zur taz. Die Bochumer haben aus dem Zumwinkel-Verfahren gelernt: Die Anwälte es Ex-Postchefs hatten vor Gericht argumentiert, die "Prangerwirkung" der Berichterstattung müsse strafmildernd berücksichtigt werden.

Prinz Max, der offenbar nicht über einen Diplomatenpass verfügt und damit voll der deutschen Gerichtsbarkeit unterliegt, wird dagegen konkreter: Die Bochumer Ermittler rechneten ihm das gesamte Vermögen der Familienstiftung des Fürstenhauses zu. Dabei habe er nur "den größten Teil der Ausschüttungen erhalten" - und sei im September 2001 sogar so knapp gewesen, dass ihm die Stiftung "einen Kredit gewähren" musste.



Aus: "Liechtensteiner Steueraffäre - Prinz von und zu als Steuerflüchtling" A.WYPUTTA (20.02.2009)
Quelle: http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/prinz-von-und-zu-als-steuerfluechtling/ (http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/prinz-von-und-zu-als-steuerfluechtling/)


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[...] Eine Berliner Supermarkt-Kassiererin, der die Unterschlagung von Pfandbons im Werte von 1,30 Euro vorgeworfen wurde, hat den Rechtsstreit um ihre Kündigung auch in zweiter Instanz verloren.

Das Landesarbeitsgericht erklärte die fristlose Kündigung durch ihren Arbeitgeber am Dienstag für wirksam. Es seien alle Voraussetzungen für eine Verdachtskündigung erfüllt, urteilten die Richter und bestätigten damit die Vorinstanz.

Eine Kassiererin müsse "unbedingte Zuverlässigkeit und absolute Korrektheit" zeigen, begründete das Gericht am Dienstag in Berlin sein Urteil. Kündigungsgrund sei der Vertrauensverlust, nicht aber der Wert der Sache.

[...] Auch die Vorinstanz hatte die Kündigung als rechtswirksam angesehen - wegen eines nachdrücklich zerrütteten Vertrauensverhältnisses. Die Kassiererin, die eine Unterschlagung der beiden Pfandbons im Wert von 48 und 82 Cent bestreitet, war daraufhin in die Berufung gegangen.

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24.02.2009 10:32:29,
Marcopeschko: In dieser Zeit ist dieses Urteil schlicht eine Frechheit

Nicht weil das Gericht einen kleinen gestohlen Betrag, als entscheidend anzieht. Schließlich ist Diebstahl, Diebstahl egal ob ein EURO oder eine Millionen.

Vielmehr geht es darum, dass nichts, aber wirklich nichts ausgelassen wurde bei der Beweiserhebung die Frau mit ihrer Klage baden gehen zu lassen.

Sieht man den Fall Zumwinkel an und andere Verfahren gegen sog. Promis dann kann man genau das Gegenteil feststellen. Es wird nichts ausgelassen um Milde zu walten oder diesen Herren Recht zu zusprechen.

Die Unverhältnismäßigkeit zeigt einmal mehr, dass die gesamte Justiz ein Büttel der korrupten Politiker-Kaste ist.



Aus: "Urteil im Fall Barbara E. - Kündigung wegen 1,30 Euro rechtens" (24.02.2009)
Quelle http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/822/459464/text/?page=10#readcomment (http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/822/459464/text/?page=10#readcomment)

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[...] Der Beweisaufnahme des Arbeitsgerichtes zufolge wurden am 12. Januar im Backshop einer Kaiser’s-Filiale in Hohenschönhausen zwei Leergut-Pfandbons im Gesamtwert von 1,30 Euro gefunden. Diese Bons wurden im Kassenraum hinterlegt und sollten ausgehändigt werden, wenn ein Kunde diesen Verlust reklamierte. Am 23. Januar soll die 49-jährige Barbara E., von den Kollegen „Emmely“ genannt, diese Pfandbons beim Personaleinkauf an der Kasse als eigene Pfandbons eingereicht haben. Das wurde von der leitenden Kassiererin bemerkt und führte zur fristlosen Kündigung.

Das Arbeitsgericht sah die Vorwürfe gegen die Kassiererin durch mehrere Zeugenaussagen als bestätigt an. Richter Schleusener verwies bei seiner Urteilsbegründung auf ein Grundsatzurteil des Bundesarbeitsgerichtes (BAG) aus dem Jahre 1984, an dem sich die ständige Rechtsprechung orientiere. Die Verkäuferin eines Warenhauses hatte damals ein Stück Bienenstich vom Kuchenbuffet genommen und hinter ihrer Theke verzehrt. Die Frau erhielt eine fristlose Kündigung, weil sie gestohlen hatte. Und das zu Recht, wie das Bundesarbeitsgericht befand. Heute gehört das „Bienenstich-Urteil“ zum Einmaleins jedes Arbeitsrechtlers.

Nach Auskunft von Richter Schleusener hätte Barbara E. wegen ihrer vielen Dienstjahre aber dennoch eine Chance gehabt, mit ihrer Klage gegen die fristlose Kündigung Erfolg zu haben. Dafür wäre es jedoch erforderlich gewesen, einzuräumen, dass sie ihr Verhalten bedauere. Sie und ihr Anwalt Benedikt Hopman hätten dagegen mehrfach betont, dass sie die vorgeworfene Tat als nicht gravierend sähen.
Barbara E. sagte nach der Urteilsverkündung dieser Zeitung, sie sei unschuldig und habe die Bons nicht genommen. Ihr Anwalt sprach von einem „Skandal“ angesichts der 31 Beschäftigungsjahre seiner Mandantin. Barbara E. will in Berufung gehen.
Besondere Schärfe hatte dieser Rechtsstreit bekommen, weil Gewerkschaftsvertreter und Mitglieder eines Komitees namens „Solidarität mit Emmely“ einen Zusammenhang zwischen der Kündigung und einem Streik von Ver.di Ende 2007 sahen. In der Kaiser’s-Filiale in Hohenschönhausen streikten damals acht von 36 Mitarbeitern. Nach Gesprächen mit einer Distriktmanagerin war Barbara E. schließlich als einzige Streikende übrig geblieben.
Die Arbeitsrechtlerin Karin Schindler-Abbes, die für die Kaiser’s Tengelmann AG vor Gericht auftrat, widersprach diesen Behauptungen. Sie habe in 20 Jahren als Anwältin vor dem Arbeitsgericht schon Hunderte ähnliche Fälle erlebt, ohne dass etwa ein Streik oder andere Differenzen Hintergrund für die Entlassung gewesen seien, sagte sie.
Heribert Jöris, Arbeitsrechtsexperte des Hauptverbandes des deutschen Einzelhandels, bestätigte das: „Hier handelt es sich keinesfalls um einen Einzelfall.“ Allein im vergangenen Jahr habe es im Einzelhandel Inventurdifferenzen von mehr als vier Millionen Euro gegeben. Etwa ein Viertel dieser Verluste seien auf Diebstähle von Mitarbeitern zurückzuführen. „In diesem Zusammenhang muss auch gesehen werden“, so Jöris, „dass die Arbeitgeber bei derartigen Vorfällen konsequent reagieren.“


Aus: "Gerichtsurteil - Kassiererin unterschlägt Pfand und fliegt raus" Von Michael Mielke (21. August 2008)
Quelle: http://www.morgenpost.de/wirtschaft/article856371/Kassiererin_unterschlaegt_Pfand_und_fliegt_raus.html (http://www.morgenpost.de/wirtschaft/article856371/Kassiererin_unterschlaegt_Pfand_und_fliegt_raus.html)


Title: [Es sind kurzfristige und kleine Arbeitsverhältnisse... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 25, 2009, 11:36:00 AM
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[...] Ein Tagelöhner ist jemand, der keine feste Arbeitsstelle hat, sondern sich in der Regel immer wieder bei neuen Arbeitgebern um neue Hilfsarbeiten bemühen muss.

Der Name kommt daher, dass die Tagelöhner nicht stundenweise, sondern tageweise bezahlt werden. Schon in frühester Zeit wurden in der Landwirtschaft Tagelöhner (auch Ackersmann, Plural: Ackersleute bezeichnet) gebraucht, um Arbeitsspitzen abzufangen (Aussaat, Ernte, Dreschen). Tagelöhner standen meist weit unten in der gesellschaftlichen Hierarchie. In einer mittelalterlichen Stadt waren immerhin 4% der Bevölkerung den Tagelöhnern zuzurechnen.

Als Instleute wurden vor dem ersten Weltkrieg (z.T. auch bis 1945) im Norden und Nordosten Deutschlands fest angestellte Tagelöhner bezeichnet, die neben dem Lohn noch ein Deputat erhielten. Der Instmann hatte oft noch auf eigene Kosten einen Scharwerker zu stellen, (Sohn oder Ehefrau mit entsprechender Zusatzentlohnung, dauernd oder saisonbedingt).

Bei der Weltausstellung 1851 in London erschienen neue „Ackerwerkzeuge“, darunter die Dampfdreschmaschinen, die seitdem in Deutschland Eingang fanden. Das hatte zur Folge, dass der Getreidedrusch in wenigen Wochen erledigt werden konnte. Zuvor hatte man die Getreideernte mit dem Dreschflegel ausgedroschen, was etwa 30 Wochen von Ende September bis Anfang Mai dauerte. Die Gutstagelöhner bekamen vom Drusch einen Teil des ausgedroschenen Korns und hatten eine Dauerbeschäftigung durch den Winter. Mit der Dreschmaschine wurden sie winterarbeitslos oder unterbeschäftigt und mussten bei anderer Beschäftigung einen geringeren Barlohn hinnehmen.

In Deutschland spricht man heute in der Regel von Saisonarbeitskräften oder kurzfristig Beschäftigten. Diese stammen häufig aus Osteuropa und führen zumeist Erntearbeiten (Erdbeeren, Spargel, Gemüse, Wein, Äpfel und Beeren) aus. In Deutschland gibt es laut statistischem Bundesamt etwa 62 Millionen Personen zwischen 18 und 64 Jahren, von denen ca. 65% ihren Lebensunterhalt hauptsächlich aus Erwerbstätigkeit beziehen. Laut dem Forschungsinstitut für Arbeit Nürnberg arbeiten etwa 1 Million Menschen als Tagelöhner.

Im engerem Sinne werden heute damit meist arbeitslose Menschen bezeichnet, die sich mit Personalausweis eine Arbeitsgelegenheit in Jobbörsen für Sofortvermittlungen im Sinne eines Zuverdienstes für einen oder wenige Tage suchen. ...


Aus: "Tagelöhner" (24. Februar 2009)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Tagel%C3%B6hner (http://de.wikipedia.org/wiki/Tagel%C3%B6hner)

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[...] Es sind kurzfristige und kleine Arbeitsverhältnisse, sie sind schlecht bezahlt und doch begehrt: "Hauptsache Arbeit", hört man im Jobcenter Berlin zur frühen Stunde, "aufs Amt gehe ich nicht, das bisschen Ehre muss sein." Ludwig (56), Wolfgang (36), Andreas (36) und Sascha (36) sind Tagelöhner und arbeiten für sieben bis zehn Euro die Stunde. Manchmal auch für weniger, das kommt darauf an, wie viel die Ein-Tag-Arbeitgeber bezahlen. Die Lebensgeschichten der Männer sind unterschiedlich. Doch sie alle suchen verzweifelt Beschäftigung.

Tagelöhner müssen früh aufstehen, gegen vier Uhr öffnen die Tagesjobvermittlungs-Stellen in der Regel. Wie die Tagesjobs an den Mann kommen, wird dabei unterschiedlich gehandhabt: In der Tagesjobvermittlung in Berlin wird die Rangliste der Arbeiter für den Tag ausgelost. In München wird nicht nach Los, sondern von Fall zu Fall entschieden. Dabei spielt auch die Ausrüstung eine Rolle: Für Arbeiten am Bau brauchen die Männer etwa spezielle Schuhe. Frauen werden wegen der harten körperlichen Arbeit kaum vermittelt.

Oft haben Tagelöhner etwas gelernt, sind aber schon lange arbeitslos oder sie haben den Halt in ihrem Leben verloren, erzählen die Vermittler. Trotzdem ist es Tagelöhnern wichtig, nicht nur von öffentlichen Geldern und staatlicher Unterstützung zu leben. Da haben viele ihren Stolz. Sie sind bereit, jeden Tag kurz nach 3 Uhr aufzustehen, um auf die wenigen Jobs zu warten, möchten sich ihren Unterhalt selbst verdienen. Manche Tagelöhner möchten nicht erkannt werden, aus Angst vor der Reaktion der Nachbarn oder der Freunde. Bei ihnen ist die Scham groß.

Viele Tagelöhner bekommen Unterstützung oder haben sogar eine reguläre Arbeit. Trotzdem stellen sie sich morgens an. Ihnen reicht das Geld einfach nicht aus zum Leben, sie brauchen es, um Rechnungen zu bezahlen, haben Schulden, die ausgeglichen werden müssen. Oder sie halten es einfach nicht aus, tagein, tagaus zu Hause zu sitzen - ohne Beschäftigung. Lieber nehmen sie es auf sich, einen der Knochenjobs zu ergattern, für die viele anstehen.

Thomas Schröder ist Arbeitsvermittler der Jobbörse in Berlin. Er ärgert sich über die Vorurteile, mit denen Tagelöhner zu kämpfen haben: "Es wird gedacht, dass die Leute, die hier vermitteln werden, nicht sehr viel können, sonst würden sie nicht hier her kommen. Das ist aber nicht so. Von Studium über den Hilfsarbeiter bis zum Rentner, wir haben alle hier", erzählt Schröder: "Das sind alles Leute, die jahrelange gearbeitet haben, die eine gewisse Berufspraxis haben. Es ist schwierig, das den Arbeitgebern zu vermitteln, dass es vielleicht nicht nur - wie es vielleicht früher im Klischee hieß - Penner, Alkoholiker und Drogenabhängige gibt, das ist überhaupt nicht der Fall."
 

Auch Brigitte Buchfellner von der Job Sofortvermittlung in München fühlt mit den Arbeitssuchenden: "Ich fühle mich besser, wenn ich ganz viele Firmen da habe, die die Leute am besten abholen und mitnehmen oder anrufen. Wenn wir viele Leute vermitteln können, dann geht es mir auch gut."

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Infobox: Regelungen für den Zuverdienst:

Arbeitslosengeld-II- oder Sozialgeld-Bezieher können monatlich 100 Euro dazuverdienen ohne Kürzung der staatlichen Unterstützung. Liegt das Bruttoeinkommen zwischen 100 Euro und 800 Euro, bleiben dem Arbeitslosengeld-II-Empfänger 20 Prozent. Liegt das Einkommen darüber, sind zehn Prozent anrechnungsfrei. Ein Beispiel des Bundesministeriums:(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster) Bei 900 Euro Zuverdienst: 100 Euro (Grundfreibetrag) plus 140 Euro (20 Prozent von 700 Euro) plus zehn Euro (zehn Prozent von 100 Euro), also insgesamt 250 Euro. Der Rest wird auf die Sozialleistung angerechnet.




Zwar ist es laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales ausdrücklich gewünscht, dass sich Hilfsbedürftige durch Nebenjobs Geld zur staatlichen Unterstützung dazu verdienen, doch auf telefonische Nachfragen reagieren viele Stellen eher zurückhaltend.
 
"Die haben fast in allen deutschen Städten die ganzen Jobs dicht gemacht", beschwert sich Herr Läufer, ein Arbeitssuchender, der von Stadt zu Stadt reist, um Beschäftigung zu finden: "In Hamburg haben sie einen Ein-Euro-Job daraus gemacht. Um so mehr Lagerfritzen und Baufirmen ordern schon für 1,50 Euro die Leute dort über das Arbeitsamt. Und das ist eine Sauerei", findet Läufer, der sein Glück derzeit in der Tagesjobvermittlung Berlin versucht.

Die Stimmung an den Jobvermittlungs-Zentren ist explosiv, jeder der Wartenden hat Angst, der andere könnte ihm Arbeit wegnehmen. Wenn der Zuschlag für einen Job am Bau kommt, bedeutet sowohl in Berlin als auch in München um die 54 Euro für einen Tag, bar auf die Hand. Sieben Euro pro Stunde gibt es für einen Tagelöhner, wenn er nach einer Großveranstaltung hilft, den Dreck zu beseitigen. Einen Arbeitshelm und eine Arbeitsschürze, Besen und Haken, und die Arbeit beginnt. Die Wartezeit wird natürlich nicht mit eingerechnet.
 

Ein Tag Arbeit - 50 bis 80 Euro. Dass es sie in Deutschland wieder vermehrt gibt, ist eine Folge unserer Sozialgesetze, aber auch der immer größeren Qualifizierungsansprüche für Arbeit auf dem freien Markt. Menschen wie unsere Tagelöhner fallen durch alle Netze, kämpfen mit dem letzten bisschen Stolz um ihre Ehre. Dabei verlieren sie sich oft; in den Jobcentern geht es nicht zimperlich zu. Es geht um den nächsten Einsatz, um die Existenz, um das nächste Stück Brot im Kampf um die ständige Angst vor dem Versagen.

Wer einen Job ergattert, und einen Anschlussauftrag bekommt, hat so eine Art Hauptgewinn gemacht. Arbeit für den nächsten Tag zu haben bedeutet auch, sich am nächsten Morgen nicht um 4 Uhr anstellen zu müssen, sondern ganz "regulär" zur Arbeit gehen zu können. Viele Tagelöhner träumen davon, doch noch einen normalen Job zu bekommen.



Aus: "Tagelöhner: Jeden Tag ein neuer Job?" von P. Schmidt / U. Hansen (24.02.2009)
Quelle: http://37grad.zdf.de/ZDFde/inhalt/18/0,1872,7520466,00.html (http://37grad.zdf.de/ZDFde/inhalt/18/0,1872,7520466,00.html)

Title: [Der Markt für höhere Führungskräfte... (BRD)]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 26, 2009, 02:29:38 PM
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[...] Hamburg - Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis - dieser simple Mechanismus scheint bei Topmanagern außer Kraft gesetzt. Das zumindest schreiben die Pforzheimer Wissenschaftler Bernd Noll und Jürgen Volkert in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Hochschule Pforzheim und des Tübinger Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung (IAW).

Der Markt für höhere Führungskräfte reguliere sich weder selbst noch sei er besonders durchlässig, teilten die beiden Volkswirte mit. Die Gehälter der Manager seien als "Bezahlung ohne Gegenleistung" in den vergangenen Jahren überproportional gestiegen, interessanterweise besonders, seitdem diese öffentlich bekanntgegeben werden müssen. "Nach den derzeitigen Gehältern zu urteilen, müsste der Manager ein sehr seltenes 'Gut' sein", führen die Autoren der Studie aus.

Oftmals sind die massiv gestiegenen Entlohnungen unabhängig vom Erfolg des Unternehmens, belegt die Untersuchung. Nach Angaben der Wissenschaftler begann in den 1990er Jahren ein unverhältnismäßig starker Anstieg der Managergehälter. Ein Topmanager der Deutschen Bank Chart zeigen verdiente demnach in den 1970er Jahren noch das 30fache eines durchschnittlichen Mitarbeiters, im Jahr 2000 war es bereits fast das 300fache.

"Der Vergleich mit anderen global agierenden Unternehmen initiierte eine Gehaltsspirale, die immer weiter nach oben kletterte", erläutern die Autoren. Dabei habe allerdings keine Rolle gespielt, dass in den deutschen Topunternehmen kaum ausländische Spitzenkräfte vertreten waren. So seien im Jahr 2005 nur 9 Prozent der Vorstandsposten in den führenden 100 deutschen Unternehmen mit ausländischen Managern besetzt gewesen, vor allem mit Österreichern und Schweizern.

Die Autoren kritisieren, dass die notwendige Unabhängigkeit kontrollierender Gremien vielfach nicht gegeben sei. Denn die Mitglieder von Aufsichtsräten stammten sehr häufig aus demselben "Pool" wie die zu kontrollierenden Manager. Außerdem ergab die Untersuchung, dass die Schicht der Manager wenig durchlässig ist. Die Besetzung von Spitzenpositionen sei immer noch stark herkunftsabhängig. 80 bis 90 Prozent der Topmanager hätten einen Hochschulabschluss oder Doktortitel, Nachkommen aus großbürgerlichen Schichten deutlich bessere Chancen als Kinder aus der Arbeiterklasse.

Die Studie entstand im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums im Rahmen des Armuts- und Reichtumsberichtes.


Aus: "Managergehälter: Job mit Wohlstandsgarantie" manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa  (25.02.2009)
Quelle: http://www.manager-magazin.de/koepfe/karriere/0,2828,609902,00.html (http://www.manager-magazin.de/koepfe/karriere/0,2828,609902,00.html)

Title: [Hinter den Fassaden ist man ja gar nicht so... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 02, 2009, 11:05:47 AM
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[...]

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[...] Es ist bekannt, dass in bildungsfernen nichtsozialisierten Schichten sich nur über "Materielles", "egoistisches und brutales Verhalten" und "KONSUMIEREN" definiert wird, während Bildung und Wissen und Arbeiten eher in der Bildungsoberschicht und mittleren Bildungsschicht einen "Wert"(!) darstellt. ...

Maria1000 (1.3.2009, 18:27 Uhr)




Kommentar zu: "Studie: Studenten sind unpolitisch und resigniert"
http://www.stern.de/panorama/:Studie-Studenten/656320.html?id=656320&ks=2&rendermode=comment#comments (http://www.stern.de/panorama/:Studie-Studenten/656320.html?id=656320&ks=2&rendermode=comment#comments)


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[...] und diese unsere Elite, [...] entzieht sich nun der Verantwortung, das Problem so schneidig anzugehen, wie sie später Abteilungen aufgeben, Humanrohstoffe abbauen und Kassiererinnen feuern werden, die angeblich Bons im Wert von 1,30 Euro unterschlagen haben sollen. Im eigenen Hinterhof, unter Kollegen, hinter den Fassaden ist man ja gar nicht so. Später würde keine Putzfrau ihren Lohn erhalten, die auch nur ein Blatt Papier im Gang herumliegen lassen würde, aber unter sich kann man schon mal. Elite. Sie verstehen. Hält zusammen. Netzwerke. Und so.

...

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alpenfoen
27. Februar 2009, 21:11

Sehr treffend, der Artikel. Sozusagen dem Übel an die Wurzel gegangen. Es ist tatsächlich so: in bestimmten Kreisen wird ein unumstößliches Bekenntnis zur Elite verlangt. Legitimität von Herrschaft wird nach außen durch formale Qualifikation gestiftet. Hier wird allerdings Unfehlbarkeit eingetrichtert. Das immunisiert gegen andere Meinungen. Die viel beschworene Beratungsresistenz ist anerzogen und untrennbar mit dem Elitebegriff verbunden. Zweifel und Bescheidenheit sind da nicht angebracht.


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kopfschütteln
27. Februar 2009, 21:47

nach meiner überzeugung haben wir es oft mit einer herkunftselite zu tun, die fast deckungsgleich der bildungselite entspricht. und das ist eigentlich der knackpunkt. denn die herkunftselite wird dank ihrer bildungsmöglichkeiten per se zur elite erklärt. das fatale ist, dass das eine das andere nicht ausschließt,  aber auch nicht zwangsläufig einschließt.

was bleibt, ist der verkrampfte umgang mit eliten. einerseits die ewige zwangsunterstellung nur monetärbegründet das etikett “elite” zu tragen,  andererseits die skepsis der elite selbst gegenüber, woher sie auch kommen mag. ...


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Herrentorte
27. Februar 2009, 23:06

@kopfschütteln.

Herkunftselite = Bildungselite? Höhöhöhö. Wo haben Sie das denn her? Weil Privatschulen angeblich besser sein sollen als die öffentlichen? Der Begriff Elite wird heute überwiegend mit Korruption in der Dritten Welt verbunden. Ganz unverkrampft z.B. bei Politikwissenschaftlern. Da wundert es doch, wie selbstverständlich sich viele zur Elite zählen. Manch einer davon hält auch den richtigen Umgang mit der Austernzange für Bildung. Von daher gesehen wäre der Begriff "Bildungselite" natürlich eh reine Definitionssache.


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bluecotton
27. Februar 2009, 23:11

Ihr Gedanke ist klar und man kann darüber reflektieren. Über sich selbst. Bin ich überall immer der, der ich vorgebe zu sein? Ist es nicht lächerlich im Anzug eine Rolle zu spielen und sobald alles vorbei ist an das Gegenteil zu denken? Ist das wie ich mich sehe in meinem Leben tatsächlich vorhanden? Wenn ich privat für alles gleichgültig bin, sollte ich öffentlich Verantwortung übernehme oder tue ich das aus Eitelkeit oder einer eigenen oder fremden Erwartung zu entsprechen?


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mmaltensen
28. Februar 2009, 17:53

ah ja, die neue Elite hat kein Verantwortungsgefühl. Warum auch? Und Ahnung hat sie auch nicht. Warum auch? Die meisten studieren doch sowieso BWL. Und bitte was ist daran Wissenschaft? Doppelte Buchführung ist ein Algorithmus und der wissenschaftliche Gehalt von den diversen Buchhaltungen und Kostenrechnungen ist auch eher dürftig. Das Ganze wird mit etwas Mathematik aufgepeppt, damit man auch was zum Auswählen hat und der eine oder andere scheitert. Damit es nach Leistungselite aussieht. Abgesehen von den Grundrechenarten und der Zinseszinsrechnung wird aber praktisch nichts gebraucht. Weil leider müsste man immer ein paar Zahlen aus der Zukunft kennen, um jetzt etwas auszurechnen. oder das Ganze läuft nur unter "ceteris paribus" und die Modellvereinfachungen sind so beschaffen, dass sie eh nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben. Aber das reicht doch! Schliesslich soll die Elite doch eher den Erfolg repräsentieren. Das muss sie in den Schädel bekommen, dass es darum geht und worin er besteht. Eine Denkungsart, die halt immer weiss worauf es ankommt, Gewinn machen und dafür den Gewinner repräsentieren, auf dass er mehr wird - sozusagen einen "Goodwill" ad personam schaffen. Dafür sind Fallstudien und Powerpoint-Präsentationen gerade recht. Und dafür müssen (!) sie sogar angeben. So zu tun als wüssten sie wos langgeht. Der Personenkult feiert in der Marktwirtschaft wahre Triumphe - Greenspan, Schrempp, Gates usw.. Gehts gut macht man Karriere, gehts schief, meistens fällt man weich. Im übrigen: Dass es früher besser war, na ja. Eine bessere Welt hat sie schon immer versprochen. Geblutet und geschuftet für die Ambitionen der Elite wurde schon immer von Anderen. Die Rechnung hat sie nie selber bezahlt, obwohl sie auch früher viel von Verantwortung geredet hat. So, nichts Neues.



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Alter Sack
01. März 2009, 10:54

@mmaltensen

Das Herrn Greenspans "Zinsamoklauf" aus den Jahren 2001/2002 eine neue gigantische Spekulationsblase auslösen würde war absehbar und vorhersagbar.

Die einzige Frage blieb war: Wo? Ich kenne ein paar Leute die schon damals auf den Immobilienmarkt tippten. Die gleiche Leute sehen heute den Dax bei unter 2.500 Punkten und ich bin fast geneigt ihnen zu glauben.

Die ersten Warnungen vor den Praktiken (Subprime) gab es 2004, ab 2006 hörte man sie regelmäßig. Es war nur schlicht und einfach nicht opportun gegen den allgemeinen Konsens zu reden. Das Blendwerk, was in gewissen Finanz- und Politikkreisen inszeniert worden ist hat hervorragend funktioniert.

Es ist übrigens im Moment interessant zu beobachten wie gewisse Kreise nach ein paar Monaten "Schockstarre" wieder anfangen dazu übergehen aktiv "Wirtschaftspropaganda" zu betreiben, die einzig und allein dazu dient von ihrer Mitschuld abzulenken und die "Krise" als Unglück darzustellen das durch höhere Gewalt über sie gekommen ist.

@Don:

Wenn das hier zu sehr vom Thema abweicht, kann das gerne gelöscht werden.




Aus: "Stützen der Gesellschaft: Das Buchsbäumchen der Apokalypse" Don Alphonso (27. Februar 2009, 16:15 Uhr)
http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2009/02/27/das-buchsbaeumchen-der-apokalypse.aspx (http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2009/02/27/das-buchsbaeumchen-der-apokalypse.aspx)


http://faz-community.faz.net/blogs/wort/archive/2009/02/24/k-252-ndigung-f-252-r-quot-emmely-quot.aspx (http://faz-community.faz.net/blogs/wort/archive/2009/02/24/k-252-ndigung-f-252-r-quot-emmely-quot.aspx)

Title: [Ein neues abstraktes Übervolk... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 09, 2009, 11:30:54 AM
Quote
[...] Sloterdijk: [...] Es dürfte zurzeit auf der Erde rund zehn Millionen Menschen in der Millionärs- und Multimillionärskategorie geben, dazu schon über tausend Milliardäre. Aus diesen Vermögenseliten bildet sich ein neues abstraktes Übervolk, das dieselben Eigenschaften aufweist, die man vom alten europäischen Adel kannte: Sie denken kosmopolitisch, sie reisen viel, sie leben mehrsprachig, sie sind gut informiert und beschäftigen die besten Berater, sie reden ständig über Beziehungen, Sport, Kunst und Essen. Beim Volksthema Sex bleiben sie diskret.


Frage: Sie beschreiben die neue Feudalklasse, eine Klasse, die über neue Machtmittel verfügt: Früher geboten die Feudalherren über Ländereien, samt Dörfern und Menschen. Heute gebieten sie über Unternehmen samt den Menschen.

Sloterdijk: Der amerikanische Autor Jeremy Rifkin hat vor ein paar Jahren ein Buch vorgelegt unter dem Titel "Access", das indirekt die Entstehung des neofeudalen Systems behandelt: Wir ersetzen, so seine These, heute Grundbesitz durch Zugang zu privilegierten Gütern, zu wertvollen Informationen, zu Luxusobjekten, zu elitären Adressen, zu exquisiten Kanälen und machtnahen Korridoren. Zugangskompetenz ist heute das Schlüsselgut, nicht Grundeigentum. Wir beobachten eine rasante Refeudalisierung auf überterritorialem Niveau. Und naturgemäß lebt niemand feudaler als jemand, der innerhalb des neuen Metavolks, des Zehn-Millionen-Volkes der Reichen, von gleich zu gleich kommuniziert.




Aus: "Finanzmarktkrise - "Weltverschwörung der Spießer"" Von Von Frank A. Meyer (08.03.2009)
Der Philosoph Peter Sloterdijk im Gespräch über Spekulation, Größenwahn, Gier und das Ende unseres High-Speed-Zeitalters
Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,611768,00.html (http://Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,611768,00.html)


Title: [Dieses reduzierte Menschsein... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 09, 2009, 03:03:23 PM
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[...] Der seit 1979 in der Schweiz lebende Psychologe Arno Gruen hat in seinem 77. Lebensjahr eine Standortbestimmung über das Fremdsein «in unserem eigenen Innern» publiziert. Ausgehend davon, dass die Menschen heute in einer Welt lebten, in der sie zunehmend voneinander abhängig sind, sei es doch augenfällig, wie sehr sich Menschen immer wieder gegeneinander wendeten. Anstatt nach Gemeinsamem im Menschsein zu suchen, sei heute eine Anthropologie der Ab- und Ausgrenzung zu beobachten. Ein Kapitel der anzuzeigenden Analyse handelt davon, «wie alles anfängt». Ob Völkermorde, Folter oder die «alltägliche Erniedrigung von Kindern durch ihre Eltern» – alle noch so unterschiedlichen Beispiele für Gewalt und Hass hätten doch immer das Gefühl der Abscheu vor dem «fremden» Anderen gemeinsam. Zur Psychologie der Täter gehöre es, dass sie sich selbst als Menschen einstuften, dem erniedrigten Gegenüber aber just dieses Menschsein absprächen. – Gruen entwickelt seine These exemplarisch an den Exponenten des nazistischen Terrors. Doch auch bei den Managern von heute ließen sich Aspekte dieses «reduzierten» Menschseins beobachten.


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Der Hass und seine Ursachen, 4. November 2001:

... Es gibt eine Grundthese, die ihn bei seiner Suche leitet: verkürzt gesagt beinhaltet diese These, daß die schwache Mutter das Kind nicht vor dem starken, oftmals grausamen und autoritären Vater zu schützen versteht. Daß sie sich in Ängstlichkeit dem zu schützenden Kind verbündet, und das Kind für eigene Zwecke der Liebesbedürftigkeit mißbraucht. So kann das Kind nicht mit seinen eigenen vorhandenen Teilen wachsen, sondern muß Substitut für die Mutter sein. Gleichzeitig identifiziert sich das Kind mit dem Aggressor(Vater), dem es gehorchen gelernt hat. Aus der Identifikation mit dem Aggressor heraus wird das Verachtenswerte, die Schwäche, abgespalten und auf einen äußeren Feind gerichtet [...]. Im Hass gegen die schwache Mutter, mit der das Kind gleichzeitig Loyalität zu praktizieren hat, und Gehorsam gegen den prügelnden Vater, entsteht eine Art Loyalitätsspaltung, bei der das Kind niemandem, am wenigsten sich selbst, gerecht werden kann. So wird der entstandene Hass, der sich gegen das Selbst richtet, nach außen auf einen imaginären Feind projiziert, der in vielerlei Gestalt auftauchen kann: als Jude, als Andersgläubiger , in Gestalt von Zigeunern, Ausländern, meist osteuropäischer Abstammung, und nicht zuletzt im politischen Gegner.
Es ist also der Selbsthaß, der sich als Projektion auf den äußeren Feind richtet.

[...] Diese These handelt A. Gruen an vielen Beispielen aus seinen Therapien in der Praxis als Psychoanalytiker ab. Er zieht Berichte und Zitate über Hitler und aus dessen Umfeld hinzu, um seine These von allen Seiten zu beleuchten, zu untermauern und zu festigen. Eine Vielzahl von Studienergebnissen komplettiert das Bild dieser für mich sehr monokausalen Begründungskette für die Erscheinungen von Terror, Kampf, Unterdrückung und Gefolgschaft in Diktaturen. Demokratien sind nach Gruen nur in aufgeklärten und emanzipierten Gesellschaften möglich.

Ich meinerseits glaube, daß diese These zu einseitig und verkürzt in seiner Darstellung ist. Mit Berufung auf S. Freud kritisiert Gruen dessen Vorstellung, daß der Mensch erst durch Erziehung, d.h. das Erlernen von Triebverzicht, zu kulturellen Leistungen und zivilisatorischem Verhalten befähigt wird. Gruen seinerseits bedeutet uns, nur Liebe und Bestätigung gegenüber dem Kind könne dieses vor Verdrängung und introjizierter Hassbeziehung zu sich selber schützen.
Dieser Verzicht würde nach meiner Einschätzung einer Absage an Erziehung gleichkommen.
Hundert Jahre nach S. Freud sind dessen Thesen auch heute noch gültig,--mit
Einschränkungen. Die Weitertentwicklung psychotherapeutischer Ansätze geht in eine Richtung, die soziale und verhaltenstheoretische Komponenten zur Persönlichkeitsentwicklung mit berücksichtigen. Psychoanalytiker aus der Richtung um Freud umkreisen in erster Linie die enge Kleinfamilie als Zelle krankmachender Ursachen bei der Behandlung ihrer Patienten.
Ich halte diese Einseitigkeit für falsch. So fehlt mir trotz vieler Literaturhinweise auf Soziologen, Historiker und anderer Literaturquellen ein weitergefächertes Spektrum zur Begründung von Hass, Folter, Grausamkeit, Unterdrückung und der Faszination des Bösen für den in vielen Formen sich wiederholenden Völkermord.

Ich halte das Buch ungeachtet meiner Einwendungen als Anregung zum Nachdenken über die Ursachen grausamer Schandtaten von Menschen gegen Menschen für wichtig und gut.

Claudine Borries



Über "Der Fremde in uns (Taschenbuch) - von Arno Gruen"
Quelle: http://www.amazon.de/Fremde-uns-Arno-Gruen/dp/3423351616/ref=sr_1_3/279-9568668-0056320?ie=UTF8&s=books&qid=1236613559&sr=1-3 (http://www.amazon.de/Fremde-uns-Arno-Gruen/dp/3423351616/ref=sr_1_3/279-9568668-0056320?ie=UTF8&s=books&qid=1236613559&sr=1-3)


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[...] Die Parteifreunde gaben sich keine Mühe, ihre Ablehnung zu verbergen. Als Volkan Baran im vergangenen Jahr zum Vizevorsitzenden seines Dortmunder SPD-Ortsvereins gewählt wurde, standen zwei Genossen auf, gaben ihre Parteibücher zurück und verließen den Saal.

Ein weiterer trat wenig später aus der SPD aus. Baran ist Deutsch-Türke, und daran machte sich der Widerstand fest, sagt Hubert Nagusch, der Vorsitzende des Dortmunder Ortsvereins Borsigplatz, einem Viertel mit 60 Prozent Migrantenanteil im Kernland der Sozialdemokraten.

Baran ist gelernter Bergmann und seit 14 Jahren in der Gewerkschaft, dennoch wollte eine ältere Genossin dem 30-Jährigen nicht einmal die Hand geben, erinnert sich Nagusch. Und während einer gemeinsamen Werbetour bei Parteimitgliedern fragten sie den Vorsitzenden: "Er ist gut, aber habt ihr keinen Deutschen?"

Dass Baran dabeistand, störte offenbar nicht. Einige Genossen schimpften ihn "Schwarzfuß" oder "Zigeuner". Diejenigen, die ausgetreten sind, wollten sich trotz Anfragen der Süddeutschen Zeitung über den Ortsverein nicht zu den Vorwürfen äußern. Baran setzte sich schließlich durch: Der Ortsverein wählte ihn mit knapper Mehrheit zum Vizevorsitzenden, die SPD nominierte ihn zudem in einem sicheren Wahlkreis für die Stadtratswahl im August 2009.

Offiziell heißen die Bundestagsparteien Zuwanderer willkommen. Die Union solle sich stärker für Menschen mit ausländischen Wurzeln öffnen, sagt zum Beispiel der niedersächsische CDU-Vorsitzende David McAllister. Deutsch-Türken und andere Migranten sollen Stimmen unter den Neubürgern gewinnen, die immer mehr Wähler stellen. Allein seit dem Jahr 2000 ließen sich etwa 1,2 Millionen Zuwanderer einbürgern.

[...] Gerade deutsche Herren im gesetzten Alter blockierten die Aufstiegschancen türkischstämmiger Kommunalpolitiker - von dieser Erfahrung berichten zahlreiche Zuwanderer. "Man sagte mir nach, Anhängerin der türkisch-nationalistischen Grauen Wölfe zu sein, um meinen Ruf zu ruinieren", sagt eine Genossin aus dem Ruhrgebiet. Viele Zuwanderer wollen aber nicht öffentlich über das Thema sprechen, da sie Nachteile für ihre weitere Laufbahn befürchten.

Und auch eine zweite, abschreckende Erfahrung eint offenbar viele Einwanderer: Sie werden für alles verantwortlich gemacht, was Migranten so anstellen. "Da drückte mir ein Genosse das Flugblatt einer fundamentalistischen islamischen Gruppierung in die Hand und fragt: Was habt ihr denn da wieder gemacht?", erzählt Cem Demircan von der SPD im nordrhein-westfälischen Velbert. Dabei kannte Demircan die Organisation nicht einmal. Die Velberter SPD gilt eigentlich als vorbildlich, was die Integration von Migranten angeht. Drei Menschen mit ausländischen Wurzeln sitzen für sie im Stadtrat. Trotzdem sagt Demircan: "Wir brauchen ein Umdenken."

Auch Ergun Can, SPD-Ratsherr aus Stuttgart, sieht ein "Riesen-Defizit" beim Umgang mit Zuwanderern in deutschen Parteien. Er ist der Bundesvorsitzende des parteiübergreifenden "Netzwerks türkeistämmiger Mandatsträger". Darin haben sich etwa hundert Kommunal-, Landes-, Bundes- und Europapolitiker aus ganz Deutschland zusammengeschlossen. Can, ein schwäbelnder Diplom-Ingenieur, sagt: "Migranten werden nicht die gleichen Chancen gegeben. Vor allem, wenn es um Mandate oberhalb der Stadträte geht, scheitern wir." Dadurch aber fehlten den jungen Zuwanderern Vorbilder.

Wer in den etablierten Parteien nicht durchdringt, der könnte sich jedoch anders Gehör verschaffen, sagt Can. "Es gab mancherorts schon Überlegungen, ob die Migranten nicht ihre eigenen Parteien aufstellen sollten." Auf kommunaler Ebene sei das durchaus realisierbar. "Das", sagt er, "wäre das Ende der Integration, der Super-GAU."


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09.03.2009 11:00:32

Rhinelander:

Integration ist gewünscht - aber nur bei den anderen.



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09.03.2009 11:33:00

Nasevoll: Abwehrreaktionen

Nicht jeder, der einen deutschen Paß hat, gehört unserem Kulturkreis an und unterstützt unsere Werte und Normen. Klar, dass es da Abwehrreaktionen gibt.

Im übrigen habe ich oft den Eindruck, dass den Befürwortern der massenhaften Migration das Thema Integration völlig egal ist. Was sie in Wirklichkeit wollen, ist die Anpassung der Deutschen an ihre vornehmlich islamischen Mitbürger. Und wer das nicht möchte, ist ein ganz böser, böser Nazi.

Frei nach Wilhelm Busch: Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe.


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09.03.2009 11:37:43

juergen2008: Wahrheit

tut weh. Ich selber hatte einen türkischen Kollegen, der felsenfest überzeugt war, daß die SPD allein den Ausländern gegenüber positiv eingestellt ist. Leider hat er nie die Gelegenheit wahrgenommen, sich mal die Sitzungen der SPD oder der Gewerkschaften auch nach dem offiziellen Ende anzusehen. Dann hätte er erlebt, mit wie viel Fremdenhass und Vorurteilen die Mitglieder und Wähler eigentlich ausgestattet sind / waren.



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09.03.2009 11:44:04

technicus44: Gegenfrage

Kemal Atatürks bis heute vehement verbreiteter Leitsatz lautet: "Glücklich ist, wer sich Türke nennen darf". MP Erdogan hat die (subversive?) Parole ausgeben: "Integrieren, nicht assimilieren".

Warum sollen sich Deutsche in der Politik von Kandidaten vertreten lassen, die eine solche "Hidden Agenda" haben? Warum muss es gleich Rassismus, Antisemitismus usw. sein, wenn sich Deutsche durch deutsche Kandidaten vertreten lassen wollen? Muss man Migranten, nur weil sie Migranten sind, den deutschen Kandidaten vorziehen?


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09.03.2009 12:01:47

BennoR:

Diesen Kommentar können wir leider nicht veröffentlichen. Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB.



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09.03.2009  11:48:27

U.T.: Wer...

...hat 'ne 'Hidden Agenda', @tecnicus?

Cem Özdemir?

Oder vllt doch Erika Steinbach?


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09.03.2009 12:09:41

mesopotamia: ach echt?

gebe es dann wirklich krieg, oder wünscht man sich diesen hier im lande?

das reflexartige bellen ist bei so einem heiklen thema ja gewiss. oh gott! ein migrant als bt-abgeordneter (bt für bundestags). mein gott! ja und? es geht doch nicht darum im schützengraben zu sitzen und zu warten ob nun ein mensch politiker wird oder nicht. es geht darum, dass sich nun mal menschen für die politik entscheiden und auch ausüben wollen und nicht herumsitzen und über politik couch-philosophisch durch die gegend tippen, wie ich. wenn ein mensch nun mal, egal welcher herkunft, die lust hat und gleichzeitig in einem land lebt in der das möglich ist, dann soll ers tun - zefix!

einerseits integration fordern und andererseits die integrierten wegschubsen. gehts noch vernünftiger? hallo? irgendwann, wenn der deutsche staatsbürger (a... herkunft) noch vereinzelt hier in diesem land existiert, braucht es immer noch ein staatsapparat, der für recht und ordnung sorgt, oder


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09.03.2009 12:12:46

juergen2008: ca-canaris

Eine Frage: ... Sind die Kebap-Buden die Ursache der Wirtschaftskrise? Dürfen Türken im Stadtrat nicht mitstimmen, wenn es um Gelder für Spielplätze geht? Ist die Entscheidung über Straßenbau von der Rasse abhängig?


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09.03.2009 12:14:25

kadircik: der artikel paßt

Hallo,

zu dem Artikel: ich finde der Artikel ist gut geschrieben und entspricht der Wahrheit.

Andererseits verstehe ich nicht was ein Türke bzw ein Moslem in der CDU (Christliche Union Deutschland), wobei die Betonung auf Christlich liegt, zu suchen hat.

Wäre doch fast das Gleiche wie zur NPD zu gehen, man kann die Meinung bzw. die Einstellung der Partei als "Ausländer" einfach nicht vertreten.

Die SPD, Grünen, Linken, Liberalen wären da eine viel bessere Partei für Deutsche mit Migrationshintergrund.

Grüße



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09.03.2009 12:49:31

Veltliner: Da bin ich mit meinem CDU-Stadtverband froh. Wir haben türkisch-stämmige Mitglieder, die sich bestens engagieren, die wie alle anderen Neuzugänge ohne weiteres Gewese aufgenommen wurden, auf unserer Liste an durchaus aussichtsreicher Platzierung für den Gemeinderat kandidieren und als eine Bereicherung wahrgenommen werden.


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09.03.2009 14:01:44

Wiesodasdenn: Wenn es nur die NPD wäre, aber...

...latente Ausländerfeindlichkeit gibt es leider überall - von der CDU bis zur Linkspartei. Die meisten Betroffenen würden sich wahrscheinlich nicht einmal als fremdenfeindlich bezeichnen.



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09.03.2009 14:03:18

manesse: Der im Artikel

zu Wort kommende Herr Can, weiß genau, warum er gegen ethnische Parteien in den Stadtparlamenten argumentiert. Derlei ethnische Parteien könnten für ihr Klientel nämlich viel weniger erreichen als durch ethnische Repräsentanten innerhalb der bestehenden Parteien. Vor allem die SPD - geplagt von der Zwangsvorstellung versehentlicher politischer Unkorrektheit - ändert unter dem Einfluss ethnischer Zugänge ihre Programmlinie deutlich: Was bei den Sozis freilich zu einem erstaunlichen Wählerschwund im städtischen Bereich geführt hat.



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09.03.2009 14:08:41

U.T.: ...

Ethnische Parteien für...

Cem Özdemir, den Schwaben...

Necla Kelek, die Islamkritikerin...

Seyran Ates, die Frauenrechtlerin...

...oder etwa Al-Wazir (dessen zart-hessisches Timbre in der Stimme ich so schätze...:-))...

...?




Aus: "Migranten in der Politik: "Habt ihr keinen Deutschen?"" (09.03.2009)
Offiziell heißen die Parteien Zuwanderer willkommen. Kein Wunder, sollen sie doch neue Stimmen gewinnen. Die Wahrheit an der Basis sieht aber oft anders aus.
Von Johannes Schmitz und Roland Preuß
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/330/460959/text/ (http://www.sueddeutsche.de/politik/330/460959/text/)

Title: [Unregelmäßigkeiten und Brotbelag... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 09, 2009, 10:13:07 PM
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[...]  Vor dem Arbeitsgericht in Dortmund geht es an diesem Dienstag um zwei Bäcker aus dem westfälischen Bergkamen, die ihre Frühstücksbrötchen unerlaubt mit einem pikanten Belag aus dem Eigentum der Backstube bestrichen haben sollen.

Die Bergkamener Bäckerei-Kette Westermann hatte den beiden daraufhin im Spätsommer vergangenen Jahres fristlos gekündigt. Nachdem eine gütliche Einigung gescheitert ist, klagen die entlassenen Mitarbeiter nun vor dem Arbeitsgericht.

Vor knapp zwei Wochen hatte das Berliner Landesarbeitsgericht die fristlose Kündigung einer Frau für rechtens erklärt, die zwei Pfandbons im Gesamtwert von 1,30 Euro unterschlagen haben soll.

Der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in der Region Dortmund, Manfred Sträter, verteidigte die Bäcker: "Hier kann man überhaupt nicht von Diebstahl reden."

Die Männer hätten den Brotbelag mit selbstgekauften Brötchen während der Produktion lediglich abgeschmeckt, als der Geschäftsleiter in der Backstube erschien. Die Gewerkschaft vertritt am kommenden Dienstag vor Gericht einen der gekündigten Mitarbeiter (26), der gleichzeitig Betriebsratsmitglied war. Darin sieht Sträter den eigentlichen Grund der Entlassung. Er wirft der Firma Westermann vor, "die Betriebsräte entsorgen" zu wollen.

Die Bäckerei Westermann räumt in einer Mitteilung ein, dass es sich bei der Entlassung wegen eines Brotbelags um eine "unpopuläre Entscheidung" handele, die aber im Sinne einer "Gleichbehandlung aller 300 Mitarbeiter" notwendig gewesen sei.

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09.03.2009 15:15:37

topomoos: Bin mal gespannt....

Bin mal gespannt, wann die erste Kündigung wegen übermäßiger Nutzung von firmeneigenem Toilettenpapier publik wird...


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09.03.2009 15:13:47

chrisvha:

Als ehmaliger Mitarbeiter einer großen Versicherungsgesellschaft kenne ich keinen, der sich nicht mit den damals noch üppigen Werbeartikeln" bereichert" hat. Es ist schon merkwürdig, daß in Zeiten der wirtschaftlichen Not der Moralbegriff der Unternehmer plötzlich so hochgehängt wird.


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09.03.2009 15:31:12

trobare:

Und wenn ein Mitarbeiter eine Minute länger arbeiten muß als im Arbeitsvertrag steht, darf er dann fristlos kündigen?


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09.03.2009 15:34:28

Besoge:

Hinweis an die SZ.

Zur fristlosen Kündigung eines BR-Mitglieds bedarf es der Zustimmung des Betriebsrats. Wird die Zustimmung verweigert, muss der Arbeitgeber die Ersetzung der Zustimmung beim Arbeitsgericht beantragen. Erst wenn die Zustimmung erteilt worden ist, sei es durch den BR , sei es durch das Arbeitsgericht, kann der Arbeitgeber die Kündigung aussprechen.

Wenn die SZ also schreibt, dem BR-Mitglied sei gekündigt worden, muss zwingend entweder der BR oder das Arbeitsgericht bereits die Zustimmung dazu erteilt haben. Oder der SZ ist das arbeitsrechtliche Prozedere einfach nicht geläufig. Der Hinweis in dem Artikel, dass die Entscheidung gemeinsam mit dem BR getroffen worden sei, lässt allerdings vermuten, dass der BR der fristlosen Kündigung bereits zugestimmt hatte. Wenn aber der eigene BR der fristlosen Kündigung eines seiner Kollegen zustimmt, darf man - wenn man die Praxis kennt - annehmen, dass es um deutlich mehr ging als nur um einen Brotbelag.


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09.03.2009 15:38:53

Das Grauen: Hmm, und wann wird endlich der erste Unternehmer enteignet...

..weil er seine Mitarbeiter durch falsche Abrechnung, geforderte unbezahlte Mehrarbeit, Verlagerung durch Betriebskosten auf die Beschäftigten (Arbeitskleidung, Nutzung des eigenen Fahrzeugs) oder ähnliches bestohlen hat? Hier wird doch offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen! Der zu beobachtende Trend zu extremer Pingeligkeit wäre doch nur moralisch vertretbar, wenn auch die Arbeitgeber den gleichen Maßstäben genügen würden. Davon ist aber doch wirklich rein gar nichts zu erkennen! Und da dies unmal die Realität ist, sollte die Politik dem einseitigen Mißbrauch der Gesetze zugunsten der Unternehmer schleunigst unterbinden. Oder durch harte Strafgesetze, bis hin zur Enteignung, gegen Unternehmer, die ihre Angestellten ausbeuten, für Chancengleichheit sorgen. So wie es jetzt ist, kann es jedenfalls nicht bleiben!


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09.03.2009 15:43:06

Das Grauen: @trobare: Würde ihm doch nix helfen! Dem Chef kündigen müßte er dürfen!

Das wäre doch was. Wenn der Chef seine Angestellten beklaut, wie es ja beinah überall gang und gäbe ist (mal ehrlich, wer wurde noch nicht bei der Abrechnung behumpst, oder zu Mehrarbeit gezwungen?), müßte er das Unternehmen verlassen. Dann könnte man mit der neuen Pingeligkeit ja vieleicht leben!


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09.03.2009 15:51:15

grxlwpf:

Ich fürchte, meine lieben Arbeitgeber, das wird nach hinten los gehen...

Wenn so etwas breitflächig Schule macht, dann doch ist die völlig natürliche Reaktion jedes (Noch)-Angestellten: Ab sofort nur noch überkorrektes Arbeiten. Dienst nach Vorschrift. Kurzer Dienstweg? Lieber nicht, es könnte ja als Fehlverhalten ausgelegt werden. Jede Kleinigkeit vom Chef extra genehmigen lassen. Nur noch exakt das tun, was einem aufgetragen wurde, jegliches Zusatzengagement sofort einstellen. Je weniger man sich hervortut, umso weniger läuft man Gefahr, Fehler zu machen.

Und blitzschnell wird der ganze Betrieb in den Dornröschenschlaf 'Innere Kündigung' fallen. Kunden werden nach und nach unzufrieden, die Produktivität wird einbrechen, der Karren wird an die Wand fahren, während die Belegschaft nur noch schulterzuckend danebenstehen wird, und sich dabei denkt: 'Interessierts mich? Hauptsache das Gehalt abgreifen, solange man noch welches kriegt. Wenn man hier jederzeit wegen völliger Nichtigkeiten gekündigt werden kann...'


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09.03.2009 15:54:17

Shera Zade: Steuerhinterziehung und Staatsbedienstete

Vielleicht sollte man mal klar stellen, dass Politiker, Parteien und andere Staatsbedienstete ihre Diäten/Pensionen/Gehälter/Wahlkampfkostenerstattungen aus Steuern bekommen und damit bei Steuerhinterziehung ihren Arbeitgeber bestehlen. Hier ist dann wohl ganz offensichtlich das Vertrauen der Bevölkerung in die Ehrlichkeit ihrer Politker gestört und man sollte sie ebenfalls auf Verdacht fristlos entlassen können. Und dann auch noch ohne Pensionsansprüche... Wenn ich da an R. K. denke, komme ich ins träumen......

Ich hoffe, dass sich Steinbrück diesen Artikel gut durchliest. Anstatt sich mit den HRE Managern vor Gericht anzulegen, sollte er ihre Spesenabrechnungen prüfen, oder mal ihre Häuser durchsuchen. Es findet sich bestimmt ein geklauter Kugelschreiber.


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09.03.2009 15:56:27

Unschuldsvermutung:

Die Arbeitgeber schneiden sich mit dieser Masche auch ins eigene Fleisch. Welcher Mitarbeiter, der der ständigen Angst ausgesetzt ist, beim kleinsten Fehltritt seine fristlose Kündigung zu erhalten, geht noch motiviert seiner Arbeit nach ? Gerade die Mitarbeiter, die nicht zu allem Ja und Amen sagen, sind doch häufig auch diejenigen, die eine Firma wirtschaftlich wirklich weiterbringen.

Man hat das Gefühl, dass in Deutschland immer sehr, sehr gründlich gearbeitet wird. Momentan steht offenbar die Endlösung der sozialen Marktwirtschaft auf dem Tableau. Und die Justiz ist willfähriger Vollstrecker - wie schon einmal.....

PS: Da nun sicherlich wieder Juristen in diesem Forum auflaufen - Es gibt kein Gesetz, dass ein Arbeitgeber in solchen Fällen fristlos kündigen darf. Das ist langjährige RECHTSPRECHUNG, die man auch ÄNDERN könnte. Vor allem, weil sich die Situation für Arbeitssuchende in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert hat. Es kann doch nicht sein, dass ein normaler Ladendieb, der bisher unbescholten war, damit zu rechnen hat, dass sein Richter ihn am Ohrwaschel zieht, ihn ermahnt und ihn dann laufen lässt, während ein Arbeitnehmer, dessen Schuld noch nicht einmal bewiesen sein muss, seine EXISTENZGRUNDLAGE verliert.


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09.03.2009  15:59:11

Das Grauen: Der veraltete Passus mit dem "Vertrauensverhältnis" muß raus aus dem Arbeitsrecht!

Hat doch mit der Realität nichts mehr zu tun, diese Idee, die überhaupt nur zu Zeiten der Vollbeschäftigung während des Wirtschaftswunders einigermaßen funktioniert hat. Tatsächlich sieht es doch heute so aus, daß man seinem Arbeitgeber nur begrenzt vertraut, wohl wissend, daß dieser jede noch so and den Haaren herbeigezogene Begürdnung zur Kündigung nutzen würde, wenn man es wagen sollte, sich durch beharren auf Rechten unbeliebt zu machen. Und mit dem Vertrauen der Arbeitgeber in ihre Mitarbeiter kann es doch auch nicht mehr weit her sein, siehe die weitverbreiteten offenen oder gar verdeckten Überwachungsmaßnahmen, a la Lidl, Bahn, Telekom etc etc.

Also, das mit em Vertrauensverhältnis hat sich im 21sten Jahrhundert erledigt. Es war sowieso immer nur eine einseitige Sache, wenn die Geschäftsleitung das Vertrauen gebrochen hat, konnte der Arbeitnehmer sowieso noch nie ernsthaft was deagegen machen. Also weg mit dem verstaubten Passus aus dem Arbeitsrecht! Das würde zumindest für etwas mehr Fairness bei Kündigungen wg. Diebstahl sorgen. Zumindest müßte dann die Tat nachvollziehbar nachgewiesen werden. ...


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09.03.2009 16:15:23

laVictoria: Unsere Gerichtsurteile zeigen uns wo wir stehen.

Den Herrschaften wünsche ich, künftig nur noch in Restaurants speisen zu müssen, in denen der Maître de Cuisine keinerlei Entlassungs Risko eingeht.

Soll heißen: Nicht abschmecken, das soll der Gast machen der dafür bezahlt.


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09.03.2009 17:05:00

Alexander Weiss 2: Frage?

Was ware denn los, wenn z.B. folgendes passiert - wahrscheinlich wuerde nix passieren: ein Muenchner Richter, der bei Eigentumsdelikten Urteile faellen muss, faehrt vom Justizpalast zum Odeonsplatz, um bei Eilles ein Produkt zu kaufen, das in seiner Umverpackung neutral gehalten ist; auf dem Weg zum Dallmayr verliert er aus Versehen den Kassenbon, als er sein Handy aus der Tasche zieht; bei Dallmayr taetigt er nun einige Einkaeufe und stellt sich an der Kasse an; die Kassiererin laesst sich nun seine Einkaufstuete zeigen und findet das Eilles-Feinkostprodukt, dass es in gleicher Art auch bei

Dallmayr gibt - nur er hat dafuer nun keinen Kassenbon, und nun? und ich glaube, hier liegt im wesentlich auch ein Problem: einem Richter, der in seiner Tagesarbeit die Rechtmaessigkeit einer Kuendigung aufgrund von Diebstahl bestaetigt hat, wuerde man doch eher seine Unschuld hier glauben als einer normalsterblichen Person, oder?


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09.03.2009 17:15:17

forell: kündigung....

demnächst wird eine(r) entlassen weil er gearbeitet hat..... soll doch tatsächlich schon mal vorgekommen sein....völlig schuldlos entlassen....ein skandal und verbrechen das jeden tag in deutschland passiert.....



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09.03.2009 17:12:07

peer.armutat: Um was geht es hier?

Um Diebstahl ? Um Gleichbehandlung von Mitarbeitern? Um das Hochhalten von Prinzipien in einer verwahrlosten Gesellschaft?

Alles Kokolores - was wir hier erleben, in Vorfällen wie diesem ins Bizarrste auf die Spitze getrieben, ist der Klassenkampf von oben.

Ausgelöst von unhaltbaren Theorien über Massen von Sozialschmarotzern (das fing bereits mit Kohl's Verdikt vom angeblichen Faulenzerparadies Deutschland an), befeuert von einer subtilen Breitbandmedienkampagne der INSM (Institution zur Förderung der Neidgesellschaft, des Sozialabbaus und des Manchesterkapitalismus) gehen nunmehr immer mehr kleine und mittlere Unternehmen dazu über, in diesem durch jahrelange Propagande vergiftetem Sozialklima, ihr vermeintlich "gutes Recht" in die eigenen Hände zu nehmen und aus nichtigsten Anlässen eine Exempel zu statuieren.

Wäre doch gelacht, wernn es nicht gelingen sollte, diese kommunistische Brut zur Strecke zu bringen!


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09.03.2009 17:29:52

forell: deutschland deine rechtsbeugung...

-nachdem viele altrichter vor nicht allzu langer zeit in bester freisler`scher manier recht gesprochen haben ( marinerichter filbinger) ist es in justizkreisen nach wie vor üblich dem vorwurf einer zwei klassenjustiz die stange zu halten---die kleinen hängt man ( arbeiter-sozialschmarotzer-kommunisten-linksintellektuelle-querulanten) und die großen lässt man laufen.... man ist ja einer gleichen schicht zugehörig -gelle.....


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09.03.2009 17:23:55

DC Rohwedder: Straf- und Zivilverfahren gegen die Vorgesetzten und Inhaber!

Ich bin wahrlich kein "Linksaußen" sondern selbst Arbeitgeber.

Aber wenn ich sehe, dass Arbeitgeber wegen solcher Lappalien (die bei einem nomalen Vertrauensverhältnis niemanden stören sondern geradezu Selbstverständlichkeiten sind), unliebige Mitarbeiter um ihre Existenzgrundlage bringen (ob nun weil sie unbequeme Betriebsräte waren oder aus anderen Gründen, die für eine ordnungsgemäße Kündigung offenbar nicht gereicht hätten sei völlig dahin gestellt), dann sehe ich massiven Handlungsbedarf gegen die Vorgesetzten oder die Inhaber! Das ist meines Erachtens sträflicher Missbrauch einer Machtposition.

Dass es (in Deutschland) Gereichte gibt, die für einen Pfandbon oder einen Brotbelag eine Kündigung unterstützen ist natürlich gänzlich unselig. In Frankreich wurde ein Arbeitgeber in einem grob vergleichbaren Fall zu Schadenersatz in fünfstelliger Höhe verurteilt. Recht geschieht ihm



Aus: "Gekündigt nach Bagatelldelikt - Brotbelag gegessen - Mitarbeiter entlassen" (09.03.2009)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/382/461010/text/ (http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/382/461010/text/)

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D.Anke (09.03.2009 15:39)

In Zeiten wie diesen..
...wo alles drunter und drüber geht, wo einem die Milliarden und Billionen nur so um die Ohren gehauen werden, wo keiner mehr weiß, ob es überhaupt noch irgendwelche moralischen Maßstäbe bei unseren gesellschaftlichen "Eliten" gibt, da tut es gut zu wissen, dass zumindest in den Bäckereien unseres Landes der hochbezahlten Bäcker-Elite genauestens auf die Finger und den Mund geschaut wird. Bravo.


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istdochwahr (09.03.2009 13:57)
Im Mittelalter ...
... hätte man diese Bäcker sicherlich für ihr schweres Verbrechen auf der Stelle gelyncht. Was sind im Vergleich zu deren unverschämten Mundraub schon ein paar Milliarden Kunden- oder Steuergelder, die man mal eben verzockt oder veruntreut hat: Peanuts, was sonst.


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plex (09.03.2009 18:07)
Arbeitnehmer..
wegen Luft holen im Büro des Chefs entlassen - die Luft war dem Chef.


http://www.focus.de/karriere/arbeitsrecht/klage-baecker-schmiert-kuendigung-aufs-brot_aid_378530.html (http://www.focus.de/karriere/arbeitsrecht/klage-baecker-schmiert-kuendigung-aufs-brot_aid_378530.html)

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[...] Dortmund - [...] Zwei Bäcker aus Bergkamen waren im vergangenen Spätsommer fristlos entlassen worden, weil sie einen Brotaufstrich im Wert von 50 Cent probiert hatten, der zum Etat der Backstube gehörte. Schockiert und frustriert über die plötzliche Entscheidung ihres Chefs, zogen Benjamin Lassak (26) und Horst Dorkowski (44) vor das Arbeitsgericht in Dortmund. Mit Erfolg: Der Richter entschied zugunsten der Kläger und bewirkte eine Aufhebung der Kündigung. Der Filialleiter ist verpflichtet, die Männer wieder bei der Bäckerei Westermann zu beschäftigen.

Über die Zukunft des jüngeren Bäckers hatte das Gericht sehr schnell ein Urteil gefällt. Ausschlaggebend war in seinem Fall seine Mitgliedschaft im Betriebsrat. "Es ist nur aus einem besonderen Grund möglich, Betriebsratsmitglieder zu kündigen", erklärte Richter Guido Marek. "Grundsätzlich muss bei einer beabsichtigten Kündigung der Betriebsrat geladen werden und zustimmen. Dabei sind hier formale Fehler unterlaufen, weswegen die Kündigung unwirksam ist." Der Anwalt des Filialleiters, Rudolf Halstrick, reagierte mit Unverständnis: "Das war alles in Ordnung von den Fristen her. Ab wann erlaubt die Betriebszugehörigkeit, in die Kasse zu greifen?" Er kündigte Revision an.

Lassak hingegen war erleichtert: "Ich habe eigentlich nicht damit gerechnet, dass es so ausgeht." Das konnte er auch nicht, denn wäre er nicht im Betriebsrat gewesen, hätte der Prozess nicht zu seinem Vorteil ausgehen können, da der 26-Jährige erst kurz bei Westermann als Bäcker gearbeitet hatte.

Das Urteil für den 44-jährigen Kollegen fiel erst nach längerer Verhandlung. Bei Horst Dorkowski war die lange Betriebszugehörigkeit der entscheidende Faktor, um die Kündigung rückgängig zu machen. Er arbeitete bereits seit 24 Jahren für Westermann und hatte sich bislang nie etwas zuschulden kommen lassen. Das lasse auf eine ehrliche Grundhaltung des Mannes schließen, so Marek in seiner Urteilsbegründung.

Zudem hatte Dorkowski zugegeben, den Brötchenbelag gegessen zu haben: "Ich habe die Masse aus Schafskäse, Kräutern und Öl angerührt und war der Meinung, ich hätte sie verwürzt", erklärte der Ältere der beiden Bäcker. "Ich wollte den Geschmack des sogenannten Hirtenfladen-Aufstrichs" nur überprüfen und haben deswegen den Rat meines Kollegen Benjamin Lassak hinzugezogen." Trotz der positiven Nachricht für die Kläger betonte der Richter noch einmal, dass Bagatelldiebstähle prinzipiell ein Grund für eine fristlose Entlassung sein können.

Das öffentliche Interesse an dem Fall war immens: Der Gerichtssaal war voll. Ob die beiden Bäcker nun tatsächlich wieder in ihren alten Betrieb zurückkehren werden, bleibt zunächst ungewiss.



Aus: "Urteil: Zwei Bäcker aus Bergkamen klagten auf Wiedereinstellung: Käse probiert: Kündigung unwirksam - Zugehörigkeit zum Betriebsrat und lange Jahre treue Mitarbeit retteten die Kläger vor der Arbeitslosigkeit." (erschienen am 11. März 2009) Von Nina Schröder
Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2009/03/11/1080553.html (http://www.abendblatt.de/daten/2009/03/11/1080553.html)

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[...] Die Sondervergütung sei schließlich im Mai des vergangenen Jahres beschlossen und nach der Einigung mit der Deutschen Bank entsprechend im September ausgezahlt worden, sagte ein Sprecher. Wenige Tage vor den Überweisungen der Millionensummen war allerdings die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers pleite gegangen. Darauf folgte eine rasante Talfahrt der Finanzwirtschaft, die Stimmung kippte. Ein Rückzieher bei der Sondervergütung sei unmöglich gewesen, heißt es bei der Bank fast trotzig. Und die Vorstände der Postbank hätten auf die veränderte Stimmungslage im Land reagiert. Sie hätten die Sonderboni auf ein Sperrkonto bei der Postbank eingezahlt - und würden dieses Geld erst endgültig erhalten, wenn die Finanzkrise vorüber sei, sagte ein Sprecher.

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09.03.2009 18:57:11

Herbert.Küster:

"Allein Bankchef Klein strich 3,3 Millionen Euro ein" - Das bedeutet in der neuen Leitwährung des kleinen Mannes: "2,5 Millionen Pfandbons".



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09.03.2009 18:53:53

josef2396: @oildrum

Es ist noch viel schlimmer als Sie denken. Der Staat ist immer noch Mehrheitseigentümer der Postbank, es geht hier um Unfähigkeit, bzw absichtliches wegsehen der Politik.

Die Enteignung führt uns dahin, wo Honecker geglaubt hat zu sein.




Aus: "Postbank - Süße Boni, über die man lieber schwieg " (09.03.2009)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/450/461078/text/ (http://www.sueddeutsche.de/finanzen/450/461078/text/)

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[...]  Die "New York Times" berichtete, die Bank of America prüfe, ob Merrill Verluste im Handel so lange zurückgehalten habe, bis große Boni für Mitarbeiter bewilligt worden seien und die Übernahme unter Dach und Fach gewesen sei. Es gehe vor allem um einen Devisenhändler in London, der in das Visier der Aufsicht geraten sei.

Die Bank of America war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Merrill Lynch teilte mit, hochrangige Manager kümmerten sich um die Angelegenheit. Sie seien sicher, dass die Bank mögliche Verluste unter Kontrolle habe. Merill Lynch hatte im vierten Quartal wegen massiven Abschreibungen und Verlusten mit strukturierten Kreditpapieren sowie anderen riskanten Anlagen 15,8 Milliarden Dollar Verlust angehäuft.

Die Investmentbank war am 15. September - dem Tag der Pleite von Lehman Brothers unter das Dach der Bank of America geschlüpft. Die Bank of America hatte später angesichts wachsender Verluste erwogen, von dem Kauf wieder zurückzutreten, beugte sich aber dem Druck der US-Regierung. Die Bank of America hat seit Oktober 45 Milliarden Dollar an staatlichen Hilfen angenommen.

Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo prüft derzeit die Rechtmäßigkeit von Boni über 3,6 Milliarden Dollar, die Merrill Lynch seinen Managern noch kurz vor der Übernahme gewährt hatte.



Aus: "Merrill Lynch räumt "Unregelmäßigkeiten" im Londoner Handel ein" (Freitag, 6. März)
Quelle: http://de.reuters.com/article/companiesNews/idDEBEE5250G520090306 (http://de.reuters.com/article/companiesNews/idDEBEE5250G520090306)

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[...] In der Londoner City bereiten rund 250 Händler der Investmentbank Dresdner Kleinwort Klagen gegen ihren neuen Arbeitgeber Commerzbank vor. Die Banker monieren, dass ihnen der alte Eigentümer Allianz im vergangenen Dezember einen Bonustopf von 400 Mio. Euro zugesagt hatte. Die Commerzbank hat nach der Übernahme der Dresdner Bank den Löwenanteil der Boni dann aber um 90 Prozent zusammengestrichen.

Grundlage für diese Entscheidung war eine Klausel in den meisten Bonusbriefen, die besagt, dass die Ausschüttung noch einmal überprüft werden kann, falls sich die wirtschaftliche Lage der Investmentbank deutlich verschlechtern sollte. Dresdner Kleinwort hat im vergangenen Jahr einenVerlust von 6,3 Mrd. Euro erlitten, und die Commerzbank musste vom Staat mit 18 Mrd. Euro gestützt werden.

Die drohende Klagewelle bei der neuen Commerzbank-Tochter beschäftigt auch die britische Finanzaufsicht FSA. Die Kontrolleure fürchten, dass bei einer Kündigungswelle der Dresdner Banker vor dem endgültigen Abschluss der Übernahme im Mai nicht mehr genügend qualifiziertes Personal übrig bleiben könnte, um die oft komplexen Handelspositionen zu betreuen.

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Aus: "Händler bereiten Klage vor - Boni bescheren neuen Ärger" von Michael Maisch (05.03.2009)
Quelle: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/boni-bescheren-neuen-aerger;2189283 (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/boni-bescheren-neuen-aerger;2189283)

Title: [Ein gutes Geschäft für uns... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 19, 2009, 12:01:43 PM
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[...] Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt kündigte bei einer TV-Debatte am Dienstag an, dass die Regierung trotz zunehmender Arbeitslosigkeit und finsteren Konjunkturprognosen Steuergelder für Victorias Vermählung locker machen will. Die Hochzeit mit ihrem Ex-Fitnesstrainer Daniel Westling (35) ist für den kommenden Frühsommer geplant. «Das wird alles in allem ganz bestimmt ein gutes Geschäft für uns», meinte Reinfeldt mit Blick auf den Werbeeffekt der Hochzeit mit schönen Bildern aus Schweden für das Ausland.

Der König hatte sich nach Bekanntgabe der Verlobung mit der Bitte um Staatszuschüsse an das Stockholmer Finanzministerium gewandt. Die direkten Kosten für die Hochzeit von Carl Gustafs und Königin Silvias (65) ältester Tochter werden auf 20 Millionen Kronen (1,8 Mio. Euro) geschätzt.

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Aus: "Steuergelder für Victorias Hochzeit" (dpa, 18.03.2009)
Quelle: http://de.news.yahoo.com/26/20090318/ten-steuergelder-fr-victorias-hochzeit-1f9f147.html (http://de.news.yahoo.com/26/20090318/ten-steuergelder-fr-victorias-hochzeit-1f9f147.html)



Title: [Fiese Zeiten und der Honorar-Kuchen... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 19, 2009, 12:10:53 PM
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[...] Dass er einmal als Bittsteller bei der Arbeitsagentur sitzen würde, hätte Bernd Strowel (Name geändert) sich niemals träumen lassen. Das Jurastudium sollte doch eigentlich seine Eintrittskarte zu einer bürgerlichen Karriere sein. Doch der Tag, an dem der Jurist Hartz IV beantragen musste, hat sich eingebrannt. "Ich hatte richtig Angst um meine Existenz", erinnert sich der 31-Jährige. Und so wurde Strowel zu einem der vielen "Aufstocker" – Menschen, deren Gehalt nicht reicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten und die daher Hilfe vom Staat brauchen.

Strowel, der in seinem Elternhaus nie Not erlebt hatte, begann, sein Leben komplett umzustellen. Denn von nun an hatte er inklusive Hilfe nur 800 Euro im Monat zum Leben. Für Lebensmittel konnte er gerade einmal 30 Euro pro Woche ausgeben. Nicht nur die Einkäufe fielen spartanischer aus: Kneipengänge mit den Freunden wurden komplett gestrichen. "Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich regelmäßig am Karate-Training teilgenommen", erinnert er sich. Die 50 Euro Vereinsbeitrag wurden allerdings zur Belastung. Das Training hängte er vorerst an den Nagel. Strowel ist kein Einzelfall. Denn die Flut der Jura-Absolventen hat den Wettbewerb in der Branche dramatisch verschärft. 150  375 Rechtsanwälte zählte die Bundesanwaltskammer Anfang März in Deutschland, elf Mal so viel wie 1950. Vor allem in Metropolen knubbelt es sich: Fast zwei Drittel der Juristen praktizieren in nur acht Kammerregionen um Ballungszentren herum.

"Und die Schere geht derzeit weiter auseinander", sagt Susanne Offermann-Burckart, Sprecherin der Rechtsanwaltskammer Düsseldorf: "Natürlich gibt es viele Rechtsanwälte, die sich hervorragend am Markt behaupten – auch viele exzellente Junganwälte." Allerdings gebe es auch genug, die überhaupt nicht ins Geschäft kämen. "Der Honorar-Kuchen ist nicht unbegrenzt vergrößerbar", sagt sie. Ohne Nebenjobs oder eben staatliche Hilfe könnten viele nicht leben. Mit der Anwaltsflut steigt die Gefahr, dass vor allem Anfänger ihre Dienstleistung unter Wert verkaufen. Nach Ansicht von Christian Christiani, Geschäftsführer des Anwaltsvereins Berlin, sind Dumpingpreise vor allem bei der Beratung denkbar. Während die Gebührenordnung für alle Bereiche, in denen der Anwalt seinen Klienten nach außen vertritt, Untergrenzen vorschreibt, dürfen Juristen außergerichtliche Beratung auch mit drastischen Preisnachlässen anbieten.

Und selbst die Honorarordnung schützt nach Ansicht von Helmut Rudolph vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vor Armut nicht. "Wer nur wenige Aufträge im Monat bekommt, vielleicht nur zwei Geschwindigkeitsübertretungen, dem droht auch der Absturz." Zwar gibt es keine amtliche Übersicht über die Zahl aufstockender Anwälte, aber auch Rudolph kennt welche.

Insgesamt sind 109 259 Selbstständige und Freiberufler in Deutschland auf staatliche Fürsorge angewiesen, so die Bundesagentur für Arbeit. Vor zwei Jahren waren es nur halb so viele. Bezogen auf den Anteil der Anwälte an den Selbstständigen könnten bis zu 10 000 Rechtsberater zu den Aufstockern zählen.

Strowel ist froh, dass er die "fiese Zeit", wie er sie nennt, inzwischen durchgestanden hat. Abwägungen zwischen dem Geld für den Internetzugang oder doch lieber für einen Sportkursus liegen hinter ihm. Er hat nach einem qualvollen Jahr einen neuen Job: Der Jurist ist jetzt Berater bei der Arbeitsagentur.


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Autor: AnnegretE. / Datum: 18.03.09 08:07
Wenn man allerdings zu Guttenberg heißt,
braucht man als ''Jurist'' nicht mal das zweite Staatsexamen, um sofort auf höchstem Level einzusteigen und sich täglich medienwirksam nebst Gattin zu präsentieren. Die Rechtsanwälte, um die es hier geht und die Hartz IV benötigen, sind dagegen alle Volljuristen!

Warum führen wir eigentlich nicht gleich die Monarchie bzw. Oligarchie des Adels wieder ein?


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Autor: Ulenspiegel / Datum: 18.03.09 08:21
Staatliche Fürsorge
''Insgesamt sind 109 259 Selbstständige und Freiberufler in Deutschland auf staatliche Fürsorge angewiesen, so die Bundesagentur für Arbeit.''

Sowohl der Begriff ''staatlich'' als auch ''Fürsorge'' ist falsch.

Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts besteht für die BRD die sachlich neutrale Pflicht, ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen. Da es dem Bürger verboten ist, in den Wald zu gehen und Tiere zu jagen und in der Wohnstraße zu grillen, haben diese Leistungen überwiegend als Geldleistungen zu erfolgen.

Ein Zelt darf er ja auch nicht im Villenviertel aufschlagen, dann rasten die Multimilliardäre ja gleich aus. Das ist dann echte Fürsorge.


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Autor: Ulenspiegel / Datum: 18.03.09 09:01
Schauspieler
@Guenter.C.Lange / Datum: 18.03.09 08:37
''Zu Guttenberg vermag ich nicht zu beurteilen - aber er hinterlässt bislang einen hervorragenden Eindruck.''

Umfeldbedingt habe ich mit so vielen Nachkömmlingen aus diesen Kreisen zu schaffen, deren einzigen Fähigkeiten im Leben darin bestehen, gute Schauspieler zu sein. Da sie aber unter Ihresgleichen ''verbrannt'' sind, können sie da wegen ihrer überzogenen Schwächen keine Karriere machen.

Aber das gemeine Volk läßt sich gut und gerne blenden von solchen Schauspielern; oftmals gelingt es ihnen, durch eine Geldheirat den Mangel an beruflicher Kompetenz auszugleichen. Oder sogar im Rang auch noch aufzusteigen, wenn die Frau den besseren Titel vorweisen kann.


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Autor: nowitzky / Datum: 18.03.09 09:45
Juristen?
Mein Mitleid mit dieser Kaste hält sich in Grenzen :-)


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Autor: tommineuss / Datum: 18.03.09 09:46
Wenn Juristen Hartz IV brauchen...
... dann geht es ihnen wie vielen mit überhöhter Raffgier und Standeseitelkeiten. Sie haben anstelle eines tatsächlich für sie in Frage kommenden Berufes, der ihren Kenntnissen, Neigungen und Fähigkeiten entspricht, wohl nur oftmals nur Geld und Glamouröses im Sinn gehabt, als sie ihre vermeintliche Karriere gestartet haben. Papi ist Rechtsanwalt, Mami auch und Sohnemann wird? Richtig... Papi ist Apotheker, Mami ist Ärztin und was studiert das Töcherlein? Wieder richtig. Papi ist Architekt und Mami bauzeichnert auch ein wenig. Was wird Sohnemann: Nochmal richtig...

...


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Autor: Sandra Maria / Datum: 18.03.09 11:16
zusammen
Ein schlechter Scherz? Ein vorgezogner Aprilscherz? Langsam weiß man nicht mehr was man zu dem selbstinzinierten Desaster noch sagen soll....meine sehr verehrten Damen und Herren, der Politik und Obrigkeiten, hier wird ein Hase zum Wolf gemacht. Ich selber habe leider schon Juristen erlebt, die mir persönlich ins Gesicht sagten; wir übernehmen keine ''Billig'' Klagen mehr, denn wir verdienen mit diesen Fällen einfach zu wenig!! Es tut uns leid. .... nun, was sollen denn wir kleine Arbeiter sagen, die jetzt schon bis zu 11 oder 12 std pro tag, körperliche Arbeit leisten müssen ohne auch nur einmal dran denken zu können mal Krank zu werden, da wir Menschen sind und keine Maschinen? Was sollen die Menschen sagen, die am Ende ihrer Physischen und Körperlichen Kräften sind und behandelt werden als hätten sie sich Ebula persönlich eingefangen?! Man hört nur noch Wirtschaftskrise und was dem kleinen Mann zwar zugestanden wird aber gleichzeitig auf de anderen Seite wieder abgezogen wird. Was soll man als Bürger dieses Landes, mit einem EU stand und auch EU preisen, davon halten?? Wenn ein Harz4 Empfänger Hilfe sucht wird er kreutz und quer geschickt, bekommt auflagen, die meines Erachtens und ich glaube ich spreche für die Mehrheit der Betroffenen, fragwürdig und ausbeuterrisch sind. Die Menschen würde ist unantastbar.. so steht es in unserem Grundgesetzt, doch man erlebt zum teil leider nur noch das Gegenteil. Wie wäre es wenn die Herren Anwälte, sich auf solche Fälle speziallisieren, wo ein Mensch als Laie nur noch versagen kann, weil die Gesetzteslagen immer Komplizierter und undurchsichter werden? Zusammen gegen eine unwürdige und Menschenverachtetende Situation ankämpfen, gegen eine unfaire Politik, gegen eine unfaire behandlung der sogenannten Menschenrechte, die nur noch der als Blanker hohn angesehen werden kann. Sie, meine sehr geehrten Anwälte, kennen die Juristischen Sachverhalte am Besten, dann helfen sie denjenigen die diese nicht verstehen zu ihrem recht zu kommen- kämpfen sie mit uns gegen dieses Marorde und zusammen fallende System.. gemeinsam.


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Autor: Jo-MG / Datum: 18.03.09 13:16
Verehrte @Sandra Maria - was wollen Sie uns sagen ??
Ein wenig Struktur in Ihrem Aufsatz würde das lesen einfacher machen und vor allem Ihr Ansinnen verständlich machen.
Aufstockerleistungen für Anwälte und Architekten sind nichts neues, die gab es bereits zu Zeiten des BSHG, da hat H4 nichts neues produziert.
Großkotzige Anwälte, die sich ihre Mandantschaft aussuchen können gab es schon immer und die wird es auch immer geben.
Als Anwalt der auf sich hält würde ich auch die Hälfte der Verfahren ablehnen weil ich sie mit meinem Rechtsempfinden nicht vereinbaren könnte. Aber es gibt auch Anwälte die von Prozesskostenhilfe ihr Greenfeeabo bezahlen....
Tatsache ist nun mal und da ist der Anwalt keine Ausnahme, wenn du schlechte Arbeit lieferst gibts keine Aufträge! Wenn man nur einen mittelmäßigen Abschluß hat und keine Kanzlei findet die einen Aufnimmt, dann ist die Karriere gelaufen oder man lebt recht aber schlecht von der PKH.
Da geht es dem Anwalt, dem Arzt, dem Architekten und Gott weiß wem nicht besser als dem Handwerker oder dem Angestellten.

Es kann nun mal nicht jeder mit dem Porsche vor das Gericht vorfahren.


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Autor: Sandra Maria / Datum: 18.03.09 15:57
Jo-MG
nur am Rande bemerkt, mir geht es nicht darum Anwälte im Prinzip zu vertreufeln, mir geht es darum, das Anwälte nun auch noch anfangen zu mosern... und; ich habe 3 Ausbildungen, vielleicht hätte ich Jurist werden sollen um mich in den Deutschen Gesetzten besser auszukennen. Ich finde es nur zum Schreien, das Anwälte sich auch noch Pikieren einen PKH fall anzunehmen und dreist noch oben drein, denn ich habe bisher immer gearbeitet, sogar auch untertariflich bezahlt und Jobs die Sie niemals ausgeübt hätten, weil da macht man sich nämlich die Hände so richtig dreckig. Ich habe mich selten beschwert, meinen soll geleistet und werde, wenn ich einen Anwalt benötige; ob nun wegen Bagatellschäden oder Arge konflikten ect, sei dahin gestellt, abgewiesen weil es vom Staat ( bei PKH) abgewiesen? ich habe als Bürger dieses Landes halt ein recht auf einen Anwalt und wenn dann die hälfte der befragten Anwälte mir dann dreister weise dann auch noch sagt; wir verdienen zu wenig an Ihnen.. SORRY aber ich muss mich auch mit 5 euro Std lohn über wasser halten um nich unter zu gehen ob es mir nun passt oder nicht. Ich rede hier von ZUSAMMEN ARBEITEN und nicht gegeneinander.



Aus: "Immer mehr "Aufstocker" - Wenn Juristen Hartz IV brauchen" VON MAXIMILIAN PLÜCK (18.03.2009)
Quelle: http://www.rp-online.de/public/article/wirtschaft/news/686388/Wenn-Juristen-Hartz-IV-brauchen.html (http://www.rp-online.de/public/article/wirtschaft/news/686388/Wenn-Juristen-Hartz-IV-brauchen.html)
Title: [Daher müsse die Behörde im Einzelfall prüfen... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 19, 2009, 12:26:26 PM
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[...] Kassel. Zahlen Erwerbslose keinen Unterhalt für ihre Kinder, müssen sie unter Umständen mit weniger Hartz IV auskommen. Das Bundessozialgericht (BSG) entschied am Dienstag, daß das Jobcenter nach seinem Ermessen einen Teil des Arbeitslosengelds II für die unterhaltsberechtigten, minderjährigen Kinder abzweigen kann. Dabei dürfe es nicht ohne weiteres die sogenannte Düsseldorfer Tabelle als Berechnungsgrundlage heranziehen, so die Kasseler Richter. Nach dieser beträgt der Selbstbehalt von Unterhaltspflichtigen 770 Euro. Da das ALG II diese Höhe nicht erreicht, müsse die Behörde im Einzelfall prüfen, inwieweit der Arbeitslose Zahlungen leisten könne, so das Gericht.

(AP/jW)


Aus: "Jobcenter dürfen ­Unterhalt abzweigen" (18.03.2009 / Inland / Seite 5)
Quelle: http://www.jungewelt.de/2009/03-18/052.php (http://www.jungewelt.de/2009/03-18/052.php)

Title: [Zudem steckt Koordinator Berger in einem Interessenkonflikt... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 25, 2009, 01:00:03 PM
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"Der prominente Industrie- und Politikberater Roland Berger soll im Auftrag der Bundesregierung die Verhandlungen zur Rettung Opels koordinieren. Wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte, soll Berger "seine nationalen und internationalen Kontakte sowie seine Erfahrung aus jahrelanger Tätigkeit als Unternehmensberater einbringen, um die komplizierten Fragen im Verhältnis zwischen Opel und General Motors zu lösen." Er solle überdies die Suche nach internationalen Investoren für eine europäische Gesellschaft vorantreiben. Opel strebt eine weitgehende Abkopplung des Europa-Geschäfts vom US-Mutterkonzern an, kann dies aber nicht allein schaffen. Vom Staat werden europaweit Hilfen von 3,3 Milliarden Euro für die nächsten zwei Jahre erhofft - über Bürgschaften, Kredite oder Beteiligungen. (...) Roland Berger hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten als gefragter Partner in Politik und Wirtschaft einen Namen gemacht. Die von ihm 1967 gegründete Beratungsgesellschaft Roland Berger Strategy Consultants zählt zu den wichtigsten der Branche weltweit. Der 71-Jährige hat beste Kontakte in die Entscheidungszentren und gilt in Wirtschaft und Politik als hervorragend vernetzt. Er beriet nicht nur den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), sondern auch dessen einstigen Herausforderer 2002, den früheren Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU)." (http://www.n-tv.de/1122941.html)

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Nachtrag (21.03.2009):
" ....Zudem steckt Koordinator Berger in einem Interessenkonflikt. Die Unternehmensberatung, die der 71-Jährige einst gegründet hat, zum Erfolg führte und deren Aushängeschild er nach wie vor ist, arbeitet gleichzeitig für General Motors in Europa. Berger wiederum, übrigens auch Verwaltungsrat beim Opel-Konkurrenten Fiat, soll nun für Berlin vermitteln. Er sitzt auf zu vielen Seiten des Tisches, auch wenn er mit der Bundesregierung keinen Vertrag gemacht hat, für den er Geld bekommt. Das könnte zu einem Problem für Guttenberg werden - auch wenn Berger möglicherweise Erfahrung mit Interessenkonflikten hat: So war er als Wirtschaftsberater sowohl von Unions- als auch von SPD-Politikern tätig." (www.sueddeutsche.de)



Aus: "Die Kunst der Gehirnwäsche #72: Das Mafia-Karussell dreht sich weiter"
posted by The Revolver at 11:52 PM  0 comments (18 März 2009)
Quelle: http://welteninwelten.blogspot.com/2009/03/die-kunst-der-gehirnwasche-72-das-mafia.html (http://welteninwelten.blogspot.com/2009/03/die-kunst-der-gehirnwasche-72-das-mafia.html)



Title: [Liberté, égalité, fraternité, mais pas dans les cités... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 26, 2009, 08:58:17 AM
"Furcht macht verächtlich, und Verachtung ist gefahrvoller als Haß."
- Johann Jakob Engel, Sicherheit. Aus: Schriften, Dritter Band: Der Fürstenspiegel. Berlin: Myliussisch, 1802. S. 332.

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[...] 1912 behauptete der Hygieniker Alfred Grotjahn, Mitglied der SPD und in der Weimarer Republik Mitglied des Reichstags und Autor des gesundheitspolitischen Abschnitts des Görlitzer Programms der SPD von 1922:

    „Die Verbrechernaturen erheben sich als heroische Spitzen […] aus einem Bevölkerungskonglomerat, das sich aus Vagabunden, Arbeitsscheuen, Hausierbettlern, Prostituierten, Zuhältern, Trunkenbolden und sonstigen Verwahrlosten zusammensetzt. Das Bestehen dieses Bodensatzes der Bevölkerung […] ist eine Gefahr und eine Bürde für jedes Gemeinwesen.“

    – zitiert nach Patrick Wagner: Kriminalprävention qua Massenmord. Die gesellschaftsbiologische Konzeption der NS-Kriminalpolizei und ihre Bedeutung für die Zigeunerverfolgung[1]

Im Nationalsozialismus geriet das sog. Lumpenproletariat, ein Begriff, der mit erbbiologischem Inhalt auch in der nationalsozialistischen Gesellschaftspolitik verwendet wurde, als „asozial“ und „gemeinschaftsfremd“ in den Fokus der Rassenhygiene und damit der Verfolgung bis hin zur Vernichtung.

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 Gerd Stein: Lumpenproletarier – Bonze – Held der Arbeit. Verrat und Solidarität. Kulturfiguren und Sozialcharaktere des 19. und 20. Jahrhunderts. Band 5, Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 1985


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Lumpenproletariat (http://de.wikipedia.org/wiki/Lumpenproletariat) (21. Februar 2009)

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[...] Verachtung ist eine negative menschliche Emotion, die durch die Betrachtung einer anderen Person als moralisch minderwertig entsteht.[1] Nach Meyers Enzyklopädie von 1905 ist „Verachtung, das Gefühl, das der Voraussetzung persönlichen Unwertes bei sich selbst (Selbstverachtung) oder bei anderen (Verachtung anderer) entstammt“.[2] Es handelt sich um das Gegenteil von Achtung. Das Wort verachten stammt vom mittelhochdeutschen verahten.

In der Emotionspsychologie wird Verachtung entweder als spezielle Formen von Ekel betrachtet,[3] oder von Ärger (speziell Wut)[4] oder als eine Mischung aus beiden Emotionen.[5]

Nach der Ansicht bestimmter Emotionsforscher (z.B. Paul Ekman) gehört Verachtung zu den menschlichen Basisemotionen, deren mimischer Ausdruck angeboren ist. Er ist in allen Kulturen gleich und wird kulturübergreifend entsprechend decodiert bzw. erkannt.[6] Nach Auffassung von Robert Plutchik, einem anderen namhaften Emotionsforscher, ist Verachtung insofern keine Basisemotion, als sie aus Ekel und Ärger (Wut) zusammengesetzt sei.[7]

Unabhängig davon, ob Verachtung eine Basisemotion darstelle oder nicht, besteht Einigkeit darüber, wie Verachtung entsteht: durch die Bewertung einer anderen Person als moralisch minderwertig.

[...]  Entstehung: Verachtung entsteht durch die Bewertung einer anderen Person als minderwertig. In streng hierarchischen Kulturen entsteht Verachtung somit durch den sozialen Rang oder das Prestige, das eine Person innehat, und verläuft „nach unten“. In egalitären Kulturen entsteht Verachtung durch die Bewertung, ob eine Person den entsprechenden sozialen Rang, den sie innehat, und das damit einhergehende Prestige, verdiene.[8] Somit scheint es in demokratischen Kulturen möglich zu sein, Verachtung auch gegenüber sozial höher Stehenden zu empfinden, beispielsweise „zu Verachtung des Chefs durch seine Arbeiter, zu Verachtung der Oberschicht durch die Arbeiterschicht, und zur Verachtung von selbstproklamierten Eliten jeglicher Art“ (Haidt, 2001, S. 858).

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Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Verachtung (http://de.wikipedia.org/wiki/Verachtung) (14. März 2009)

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[...] Ebenbürtigkeit bezeichnet die Standesgleichheit der Geburt nach. [...] Ebenbürtigkeit galt früher beim Adel adelsrechtlich als Bedingung einer standesgemäßen Ehe. Ebenbürtigkeit lag nicht vor bei Ehen zwischen Adeligen und Nichtadeligen, in manchen Fällen aber auch nicht bei Ehen zwischen Angehörigen des hohen Adels und des niederen Adels. Ehen, die diesen Regeln nicht entsprachen, wurden als Missheirat oder Mesalliance bezeichnet, rechtlich als Ehe zur linken Hand oder morganatische Ehe.

Die Maßstäbe dafür, was als ebenbürtig angesehen wurde und was nicht, waren in einzelnen Ländern, auch je nach historischer Epoche und in den beteiligten Familien unterschiedlich.

So waren die Kriterien in Deutschland strenger als z. B. in England, wo die Heirat zwischen den Spitzen des Bürgertums und dem Adel zu keinen Rechtsnachteilen führte. Beispiel für das gegenteilige Extrem war die Familie Habsburg, die als ebenbürtig nur Mitglieder des Hochadels anerkennt. Das formale Verfahren, dies sicherzustellen, war die Adelsprobe.


[...] Das Bundesverfassungsgericht hat in einer Entscheidung vom 22. März 2004 festgestellt, dass das Ebenbürtigkeitsprinzip mit der Eheschließungsfreiheit nach Art. 6 Abs. 1 des Grundgesetzes unvereinbar ist. Dem lag folgender Sachverhalt zugrunde: Von vier Söhnen Louis Ferdinands von Preußen heirateten nur die beiden jüngeren Söhne, Louis Ferdinand jr. und Christian Sigismund, hausgesetzmäßig. Der Vater Louis Ferdinands, Kronprinz Wilhelm, hatte durch Erbvertrag mit seinem Vater, dem exilierten Kaiser Wilhelm II., und seinem Sohn Louis Ferdinand festgelegt, dass jeder Nachkomme vom Erbe ausgeschlossen sei, der „nicht aus einer den Grundsätzen der alten Hausverfassung des Brandenburg-Preußischen Hauses entsprechenden Ehe stammt oder in einer nicht hausverfassungsmäßigen Ehe lebt“. Dagegen klagten nach dem Tode Louis Ferdinands († 1994) die dadurch vom Erbe ausgeschlossenen beiden älteren Söhne, Dr. Friedrich Wilhelm und Michael.

...


Aus: "Ebenbürtigkeit" (25. Februar 2009)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ebenb%C3%BCrtigkeit (http://de.wikipedia.org/wiki/Ebenb%C3%BCrtigkeit)

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[...] In der Rollentheorie von Ralph Linton ist der „soziale Status“ bedeutungsgleich mit der sozialen Position, die einem Akteur in einem – relativ festen – sozialen Zusammenhang zugewiesen wird (z. B. als Lehrer in der Schule, als Mutter in der Kernfamilie). Mit diesen Positionen sind gesellschaftliche Erwartungen und Rollenansprüche verbunden. [...] Über den sozialen Status werden Lebenschancen ungleich verteilt. So gehen mit einem höheren sozialen Status bessere Bildung, Gesundheit und höheres Einkommen einher.

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Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialer_Status (http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialer_Status) (16. März 2009)

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[...] "Liberté, égalité, fraternité, mais pas dans les cités". Eine zweite und dritte Generation in Frankreich geborener und aufgewachsener Vorstadtjugendlicher sah sich angesichts eines deregulierten und entsolidarisierenden Kapitalismus nicht nur um die Erfüllung der Versprechen der französischen Republik betrogen, sondern auch ohne Hoffnung für die Zukunft.

Stattdessen haftete und haftet ihnen wie ein Mal das Etikett "mit Migrationshintergrund" an, das nüchtern und sachlich klingt, aber die Einwanderersituation gewissermaßen erblich macht. Warum, so fragt der französische Soziologe Robert Castel in seinem jüngsten Buch, diese nicht nachlassende Härte des Einwandererschicksals bei den Enkeln und Urenkeln einstiger maghrebinischer und subsaharischer Einwanderer? Wieso dieser Unterschied zur unproblematischer ablaufenden Integration anderer Immigranten? Was spielt sich da ab?

Auf der Suche nach einer Antwort auf diese Fragen verbindet Castel eine Analyse der sozialen Situation revoltierender Vorstadtjugendlicher mit der Darlegung des Selbstbildes und der Vorurteilsstrukturen einer Gesellschaft mit kolonialer Vergangenheit und voller Unwillen, sich offen dem Problem ihrer strukturellen Ungerechtigkeit und ihrer Missachtung der eigenen Normen zu stellen.

Nach dem Ende des wirtschaftlichen Nachkriegsaufschwungs und einer relativen Vollbeschäftigung wurden die "Grands Ensembles", die Hochhaussiedlungen und Trabantenstädte der dreißig "goldenen" Nachkriegsjahre, zu Orten sozialen Abstiegs mit einem dreimal so hohen Anteil prekär Beschäftigter, Arbeitsloser und Empfänger staatlicher Transferzahlungen wie die französische Gesellschaft insgesamt.

Der Migrantenanteil wirkt sich als zusätzliche Benachteiligung aus. "Die Vorstadt als Randzone", so Castel, "ist ein Teil der heutigen sozialen Frage, die sie aber gleichzeitig dramatisiert, indem sie ihr eine ethnisch-rassische Konnotation verleiht." Darin sieht er gleichzeitig die Erklärung für den auffälligen Umstand, dass im Unterschied zu den Nachfahren "westlicher" Immigranten die Nachfahren "südlicher" Immigranten gewissermaßen in einem "Abschiebungsraum" festgehalten werden, "weder drinnen noch draußen" sind - Jugendliche "mit Migrationshintergrund", und das heißt "südlichem" Migrationshintergrund bleiben.

Sie dienen einer Ethnisierung der sozialen Frage, haben dadurch eine entscheidende Bedeutung für die Funktionsweise einer ungerechten und krisenhaften Gesellschaftsstruktur und haben eben den ,Nutzen', den, wie Castel in einem knappen historischen Rückblick vergegenwärtigt, auch früher die "gefährlichen Klassen" hatten.

Einst waren die Landstreicher die Sündenböcke für die grundlegenden Fehler der Arbeitsorganisation in den vorindustriellen Gesellschaften. Nach der Durchsetzung der industriellen Lohnarbeit waren es die Proletarier, die als unentbehrliche Faktoren kapitalistischen Wirtschaftswachstums physischer Ausbeutung und sozialer Missachtung ausgesetzt waren. Heute werden revoltierende Vorstadtjugendliche "zu Trägern und Hauptakteuren der Ausbreitung einer für uns alle bedrohlichen Unsicherheit" gemacht - einer zunehmenden öffentlichen und sozialen Unsicherheit, die in Wirklichkeit wesentlich mit einer deregulierten und globalisierten Wirtschaft, Abbau des Sozialstaats, Abstiegsangst und Perspektivlosigkeit zusammenhängt. Mit der Verschiebung innergesellschaftlicher Konflikte an die Ränder geht eine Verengung der Unsicherheitsproblematik auf die öffentliche Sicherheit und damit auf ein Problem der Kriminalität einher, für das letztlich die Polizei zuständig ist.

Castels Analyse und Interpretation erlauben zweierlei. Zum einen eine angemessene und nüchterne Sicht auf eine republikanische Rhetorik, die einer bestimmten Kategorie von Bürgern "mit Migrationshintergrund" den Part der "gefährlichen Klasse" zuweist und aus Kriterien der Anerkennung als volle und in jeder Hinsicht gleichberechtigte Staatsbürger Instrumente des Ausschlusses und der Abwertung von Differenzen macht. Sie verweist zum anderen auf das eigentliche Problem und die eigentliche Herausforderung nicht nur der französischen Gegenwartsgesellschaft: "Das republikanische Modell muß beweisen, dass es sich nicht auf die Form reduziert, die einer weitgehend monoethnischen, monokulturellen und monoreligiösen Gesellschaft entsprach."



Aus: ""Negative Diskriminierung" - Im Abschiebungsraum" VON ROLF WIGGERSHAUS (24.03.2009)
Robert Castel: Negative Diskriminierung. Jugendrevolten in den Pariser Banlieues. A. d. Frz. v. Thomas Laugstien. Hamburger Edition 2009, 122 S., 15 Euro.
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/1697744_Negative-Diskriminierung-Im-Abschiebungsraum.html (http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/1697744_Negative-Diskriminierung-Im-Abschiebungsraum.html)

Title: [Sie sind weitgehend frei in ihrer Anlagestrategie... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 26, 2009, 12:46:25 PM
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[...] New York - Einkommenskrösus mit allein 2,5 Milliarden Dollar sei im Jahr 2008 der 70-jährige James Simons mit seiner US-Investmentfirma Renaissance Technologies gewesen, berichtet das Branchenmagazin "Alpha" am Mittwoch. Aber auch drei weitere Hedgefondsmanager, darunter der legendäre George Soros, profitierten von der Krise und strichen im vergangenen Jahr jeweils mehr als eine Milliarde Dollar an Vergütungen und Prämien ein.

Hedgefonds gelten als eine der risikoreichsten Formen von Investments. Ihre Manager nutzen die gesamte Trickkiste der Finanzmärkte und sie sind weitgehend frei in ihrer Anlagestrategie. Die Fonds können etwa auch mit fallenden Kursen Geld verdienen - wenn sie denn rechtzeitig auf einen Absturz der Kurse und der Weltwirtschaft wetten.

Auf die ersten Plätze schafften es hinter Simons der Vorjahressieger John Paulson (Paulson & Co) mit einem Einkommen von rund 2 Milliarden Dollar sowie John Arnold (Centaurus Energy) mit 1,5 Milliarden Dollar Jahresverdienst.

John Paulson hatte im Krisenjahr 2007 3,7 Milliarden Dollar verdient, weil er früher als alle anderen auf das Platzen der Kreditblase gesetzt hatte. Soviel hatte bislang noch kein anderer Hedgefondsmanager eingestrichen - insofern dürfte Paulson sein auf 2 Milliarden Dollar gesunkenes Einkommen im Jahr 2008 locker verkraften.

Auf Platz vier der Rangliste für 2008 folgt bereits George Soros mit 1,1 Milliarden Dollar. Soros hatte Anfang der 90er Jahre mit seinen Spekulationen das britische Pfund schwer unter Druck gebracht. An fünfter Stelle rangiert Raymond Dalio, der es mit seinem Hedgefonds Bridgewater Associates "nur" auf ein persönliches Jahreseinkommen von 780 Millionen Dollar brachte.

Die besten Europäer unter den Krisengewinnlern kamen auf Rang neun. Jeweils 250 Millionen Dollar kassierten David Harding (Winton Capital Management) und Alan Howard (Brevan Howard Asset Management) mit Sitz in London.

Im Schnitt seien die Vergütungen der Branche in der Finanzkrise allerdings 2008 gesunken, hieß es. So vernichteten die acht größten Verlierer der Rangliste zusammen 6,2 Milliarden Dollar ihres eigenen Vermögens.

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Aus: "Hedgefondsmanager - Finanzjongleure streichen Milliarden ein" (25.03.2009)
Quelle: http://www.manager-magazin.de/koepfe/artikel/0,2828,615431,00.html (http://www.manager-magazin.de/koepfe/artikel/0,2828,615431,00.html)

Title: [So weit unten waren wir noch nie... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 27, 2009, 11:15:55 PM
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[...] Ein Mitarbeiter des Göttinger Sozialamts hat einem Sozialhilfe-Empfänger, den er eigenen Angaben zufolge mehrfach beim Betteln gesehen hatte, die Unterstützung gekürzt. Das berichtete NDR 1 Niedersachsen am Donnerstag. Der Mitarbeiter des Fachbereichs Sozialdienst kündigte laut dem Bericht in einem Schreiben an, einen Betrag von 120 Euro als Einkommen durch Betteln von der Sozialhilfe abzuziehen. Die Summe habe er hochgerechnet, nachdem er den Mann mehrfach beim Betteln in die Blechdose geschaut habe.

Manfred Grönig vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Göttingen reagierte erschüttert: "So weit unten waren wir noch nie", sagt er NDR 1 Niedersachsen. Das Schreiben des Sozialamts sei demütigend und unterstelle, dass der Mann durch Betteln ein regelmäßiges Einkommen habe. Der Wohlfahrtsverband überprüft den Angaben zufolge nun, ob die Hochrechnung und die damit verbundene Kürzung rechtens sind. Die Stadt Göttingen will einen Weg finden, wie der Sozialhilfesatz gerecht berechnet werden kann. Mitarbeiter des Sozialamtes würden nicht darauf trainiert, Sozialhilfeempfänger aufzuspüren, die ein zusätzliches Einkommen hätten, sagte ein Sprecher.



Aus: "Niedersachsen - Beim Betteln beobachtet: Amt kürzt Sozialhilfe" (26.03.2009)
Quelle: http://www1.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/bettler100.html (http://www1.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/bettler100.html)

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[...] Göttingen.  Angesichts großer Empörung will die Stadt Göttingen bettelnden Sozialhilfeempfängern künftig nicht mehr die staatliche Unterstützung kürzen.

Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) erklärte, er lehne eine solche Praxis ab, auch wenn Erlöse aus Bettelei bei strenger Auslegung des Sozialgesetzbuches als Einkommen angerechnet werden könnten. Wer einem Bettler einen Euro in den Hut werfe, wolle in einer Notlage helfen. Meyer ordnete an, alle derartigen Bescheide sofort aufzuheben und entsprechend zu korrigieren.

Wie in der vergangenen Woche bekanntwurde, hatte ein Sozialamts- Mitarbeiter einen Sozialhilfeempfänger zweimal beim Betteln erwischt und 1,40 Euro beziehungsweise 6 Euro in dessen Blechdose gezählt. Daraufhin kürzte die Behörde seine monatliche Unterstützung von 351 Euro auf Basis einer "Hochrechnung" zunächst um 140 Euro und nach einem Widerspruch des Mannes schließlich um 50 Euro. Inzwischen sei bekannt, dass auch in zwei anderen Fällen ähnlich verfahren worden sei, teilte die Stadt weiter mit. Es habe aber keine "systematische Recherche" gegeben.

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Aus: "Bettler: Göttingen nimmt Hartz-IV-Kürzung zurück" (30.03.2009)
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/1704456_Bettler-Goettingen-nimmt-Hartz-IV-Kuerzung-zurueck.html (http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/1704456_Bettler-Goettingen-nimmt-Hartz-IV-Kuerzung-zurueck.html)
Title: [Das ist keine 100:0-Entscheidung... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on April 01, 2009, 11:38:49 AM
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[...] Wuppertal (RPO) [...] Gute Nachricht für eine 48-jährige Discounter-Mitarbeiterin: Ihre fristlose Kündigung wegen 59 Cent ist unwirksam. Das entschied das Arbeitsgericht Wuppertal. Die Frau hatte nach Kassenschluss eine Packung Damenbinden benötigt und das Geld dafür im Aufenthaltsraum auf den Tisch gelegt.

Man sei nicht überzeugt, dass die Frau eine Schädigungsabsicht hatte, sagte Richterin Doris Budde-Haldenwang. Die Höhe des Betrages sei für die Entscheidung hingegen ohne Bedeutung gewesen: "Der Wert spielt keine Rolle."

Die 48-jährige Frau hatte an einem Samstag nach Kassenschluss noch eine Packung Damenbinden benötigt und das Geld dafür nach Absprache mit einer Kollegin im Aufenthaltsraum der Filiale auf den Tisch gelegt. Am Montag lag es noch dort, als sie mit der Bezirksleiterin in den Raum kam. Die Angestellte berichtete, ihre Vorgesetzte habe gefragt, wem das Geld gehöre, und gesagt, sie wolle nicht, dass Geld dort liege. Daraufhin habe sie es wieder eingesteckt.

Sie habe gewusst, dass es ihr gehöre, weil nur ihre Sachen dort gelegen hätten, sagte die Klägerin. Doch sie habe sich in dem Moment nicht erinnert, wofür sie es dorthin gelegt hatte. "Mir ging es nicht gut. Und ich hatte noch so viele Dinge zu erledigen." Unter Tränen beschrieb sie den Stress am Tag des Vorfalls und beteuerte: "Ich habe nur daran gedacht, was ich jetzt noch alles machen muss." Sie habe nichts stehlen wollen. Eine gütliche Einigung auf eine fristgerechte Kündigung lehnte die Klägerin ab: "Ich arbeite gerne dort und möchte meinen Job behalten."

Die Arbeitgeberseite betonte, die Frau hätte an diesem Tag nicht arbeiten müssen. Jeder könne sich krankmelden, wenn es ihm schlechtgehe, sagte Rechtsanwalt Till Wegmann. Überdies sieht der Discounter schon das Mitnehmen der Waren als Verstoß, wenn das Geld nicht korrekt abkassiert wird. Der Anwalt fügte hinzu, wenn man einen Vorfall wie den vorliegenden nur mit einer Abmahnung ahnde, schnitze man "die Handlungsanleitung zum Nachmachen". Jeder könne dann etwas mitnehmen, nicht sofort bezahlen, das Geld hinlegen und es später wieder einstecken.

Das Gericht folgte dieser Argumentation letztlich nicht. Zwar sei grundsätzlich auch wegen eines so geringen Betrages eine Kündigung möglich. Man nehme aber im vorliegenden Fall zugunsten der Frau an, dass sie ihren Arbeitgeber nicht schädigen wollte. "Ich sage es offen: Das ist keine 100:0-Entscheidung", betonte die Richterin.

Die 48-Jährige kündigte nach dem Urteil an, schon am nächsten Tag wieder zur Arbeit gehen zu wollen. Sie müsse dies aber noch mit ihrem Anwalt besprechen. "Ich bin sehr erleichtert", sagte sie.



Aus: "Aldi-Mitarbeiterin brauchte Damenbinden - Kündigung wegen 59 Cent unwirksam" (31.03.2009)
Quelle: http://www.rp-online.de/public/comments/index/aktuelles/beruf/ratgeber/691719?skip=5 (http://www.rp-online.de/public/comments/index/aktuelles/beruf/ratgeber/691719?skip=5)


Title: [Moralfreie Miniatur-Heuschrecken... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on April 01, 2009, 11:50:40 AM
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[...] Wieso nur wurde Herr Konz millionenschwer mit seinen “1000 ganz legalen Steuertipps”, die in der praktischen Anwendung durch die Leser natürlich in unzähligen Fällen nichts anderes sind als schnöde Steuerhinterziehung?

Wir, die Verbraucher, sind doch über weite Strecken gänzlich moralfreie Miniatur-Heuschrecken, solange wir millionenhaft die “Sonderangebote” und “Schnäppchen” aus den Regalen von Aldi, Penny, Plus mit den noch-noch-noch billigeren Lebensmitteln leerfressen und dabei höchst geflissentlich ignorieren, dass dafür andernorts Hungerlöhne bezahlt werden, sich Arbeitnehmer mit Insekten- und Pflanzenschutzmittel vergiften lassen oder ganze Regionen wie in Südspanien der Dürre ausgeliefert werden, nur weil wir im Februar Erdbeeren speisen müssen.

Solche Listen und Beispiele liessen sich doch ins Unendliche fortsetzen…

Aber sosehr sich unsereins weigert, über seine Horizonte zu sehen, so sehr haben sich die Banker geweigert, über die ihren zu sehen. So what’s the difference? Nur die Spiel-Liga ist eine andere, keinesfalls die “Moral”….
Da aber das Gros der Politik, Polemiker, Fernsehmoderatoren, Chefredaktionen, Blogger und sonstigen Rattenfänger wissen, wie plump das Volk mit dem Thema Moral geködert werden kann, können wir beobachten, was wir derzeit beobachten.

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Draculette Says:
March 31st, 2009 at 14:31

Wie sagte schon Bertolt Brecht 1928 in seiner Dreigroschenoper: “Erst kommt das Fressen, dann die Moral”: ein zwar viel bemühtes Zitat, das aber nichtsdestotrotz wie kein anderes den Opportunismus des Verbrauchers - genau der passender Begriff, von “Bürger” noch dazu vom “mündigen” kann man da nicht (mehr) reden - beschreibt. Das, was des Verbrauchers vermeintlich “gutes Recht” ist, nimmt er sich, danach lässt es sich viel besser über die “die da oben” herziehen.

Jeder, der das Spiel mitspielt - das tun wir mehr oder weniger fast alle, da nehme ich mich nicht aus - braucht sich nicht zu beklagen, wenn im Jackpot nichts mehr drin ist - ups, wie überraschend! Aber schön, wenn man nen Schuldigen dafür ausmacht, das erspart einem die Auseinandersetzung mit der eigenen Verantwortung.

Ein schönes Beispiel ist die Reaktion eines Bekannten (fester Job, mehrere Urlaub im Jahr, gesichertes finanzielles Polster), der ob des Wertverlustes seines Aktiendepots in kindlich-naiver Manier meinte: das kann doch nicht sein, dass das ganze Geld weg ist, so ein Anlage-Angebot kann einem die Bank doch nicht verkaufen, das ist ja….UNMORALISCH?!






Aus: "Shoppen und ficken - Essay zur Moral in der Wirtschaftskrise"
Transatlantikblog T.A.B. (This entry was posted on Tuesday, March 31st, 2009 at 13:21)
Quelle: http://www.algore2008.de/blog/index.php/2009/03/31/shoppen-und-ficken-moral-ethik-wirtschaftskrise/ (http://www.algore2008.de/blog/index.php/2009/03/31/shoppen-und-ficken-moral-ethik-wirtschaftskrise/)
Title: [Eine Ahnung von dem, was noch kommen könnte... (Mittelschicht)]
Post by: Textaris(txt*bot) on April 10, 2009, 01:44:37 PM
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[...] „Für jeden Job, um den ich mich bewerbe, konkurriere ich mit 150 anderen“, sagt der 35-jährige Londoner Nathan Dean, und: „Ich musste mich zum ersten Mal in meinem Leben arbeitslos melden.“ Nathan kann jetzt weder Geld zurücklegen noch Pensionsansprüche aufbauen. Und Nathan weiß, dass er und seine Generation die Unsummen werden bezahlen müssen, die jetzt zur Rettung der Banken ins Finanzsystem gepumpt werden.

Bei Anlegern und Steuerzahlern wachsen Wut und Zukunftsangst – auch in Deutschland. In Bielefeld, Mainz und Hamburg gingen Anleger auf die Straße, die ihre Altersvorsorge mit Zertifikaten der insolventen Lehman Brothers verloren haben. In Berlin protestierten Ende März mehr als 20.000 unter dem Motto „Wir zahlen nicht für Eure Krise“, in Frankfurt waren es mehr als 12.000, die eine schweigende Mehrheit repräsentierten. Denn von der Krise getroffen wird vor allem die Mittelschicht, zu der Haushalte mit einem Netto-Jahreseinkommen zwischen 35.000 und 70.000 Euro zählen. Die Durchschnittsverdiener sind besonders stark durch Steuern belastet. Der deutsche Spitzensteuersatz von rund 42 Prozent greift eben nicht nur bei Spitzenverdienern, sondern schon ab einem zu versteuernden Einkommen von gut 52.000 Euro (demnächst 60.000 Euro). In einer Studie der Beratungsgesellschaft Mercer landete Deutschland wegen der hohen Steuerlast für mittlere Einkommen auf dem viertletzten von 32 Plätzen. Die mittleren Einkommen schmerzt die hohe Belastung besonders. Und der Schmerz dürfte angesichts explodierender Staatsausgaben im Zuge der globalen Finanzmarktrettung noch größer werden. Zumal der Crash auch die Altersvorsorge zerlegt. Das Finanzvermögen der europäischen Haushalte ist allein im dritten Jahresviertel 2008 um 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gefallen, so die Statistikbehörde Eurostat. Tendenz fallend. Besonders betroffen: die arbeitende Mittelschicht, die – wie vom Staat befohlen – einen Teil ihres sauer verdienten Geldes auf die hohe Kante legt.

Hinzu kommt die Angst vor dem Jobverlust: Die OECD erwartet, dass im kommenden Jahr mehr als fünf Millionen Deutsche arbeitslos sein werden. Seit der Reform des Arbeitslosengeldes (Hartz IV) zum Januar 2005 droht nach nur einem Jahr Arbeitslosigkeit der Absturz auf das Existenzminimum. Die Angst davor ist selbst im bei Frankfurt gelegenen Bad Homburg, einer der reichsten Städte Deutschlands, zu spüren. Hier werden bereits wöchentlich 700 Menschen mit kostenlosem Essen versorgt, berichtet Alexander Dietz, Referent bei der Evangelischen Kirche. „Viele, denen es gut ging, leben jetzt in Armut, auch hier im Hochtaunuskreis“, sagt er. „Die Krise wird dazu führen, dass mehr Leute aus der Mittelschicht arbeitslos werden und bald von Sozialleistungen leben müssen.“

Eine Ahnung von dem, was noch kommen könnte, vermitteln die USA. Deren Bürger haben nicht wie die Deutschen die Erfahrung schleichender Einbußen gemacht, mit stagnierenden Reallöhnen, gestrichenen Feiertagen, Rente mit 67 oder Praxisgebühr. Für sie bringt die Finanzkrise die abrupte Umwertung aller Werte. Jahrelang wurden die Amerikaner über ihre wirtschaftlich fragile Lage hinweggetäuscht, zum Ratenkauf und zu immer wieder neuen Hypotheken selbst auf marode Bruchbuden ermuntert. So wurden sie Opfer einer Politik, die im Namen der Selbstverantwortung ein Eigenheim für alle versprach und sich über zunehmend billiges Geld der Notenbanken freute.

Reich gemacht hat dieses System vor allem die Banken. Ihr Anteil an den US-Unternehmensgewinnen stieg von unter zehn Prozent 1980 auf mehr als 40 Prozent zum Höhepunkt des Finanzbooms. 2007 strichen Angestellte im Finanzsektor fast doppelt so viel ein wie in anderen Branchen. „Die Finanzbranche hat unsere Regierung gekapert“, sagt Simon Johnson, ehemaliger Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds: „Die Erholung wird scheitern, wenn wir nicht die Finanzoligarchie aufbrechen, die grundlegende Reformen blockiert.“ Danach sieht es nicht aus. Finanzminister Timothy Geithner etwa segnete im US-Notenbankrat die Niedrigzinspolitik von Fed-Chef Alan Greenspan ab, Obama-Berater Lawrence Summers blockierte schon 1998 neue Finanzmarktregeln.

Weiten Teilen der Finanzelite geht es noch immer prächtig. Die Mittelschicht zahlt dagegen weltweit für die Folgen der Exzesse. Sie, die sich reich und sicher wähnte, steht plötzlich nackt da; hat weder Haus noch Vermögen und schon gar keine sichere Rente.

Der soziale Abstieg kann aus heiterem Himmel kommen. So wie bei Carol. Die 35-Jährige hat mehr als drei Jahre in einer New Yorker Event-Agentur gearbeitet, davor in der Modebranche. In den besten Jahren machte die Single-Frau bis zu 90.000 Dollar pro Jahr. Sie ging aus, leistete sich Luxusurlaube auf den Bahamas, verwöhnte sich mit teuren Schuhen. 2002 kaufte sie in der Finanzmeile ein Apartment, dessen Wert schnell stieg. Ein Freund überredete sie 2005 zum Kauf einer weiteren Immobilie: in Florida und auf Kredit. Heute ist sie nur noch die Hälfte wert. 150.000 Dollar Nettovermögen haben sich binnen drei Jahren in Schulden verwandelt. Im Januar verlor Carol ihren Job, Reserven hat sie keine. Den Kredit für das Florida-Apartment bedient sie schon nicht mehr, die Zinsen für die New Yorker Wohnung zahlte sie zuletzt mit einer ihrer Kreditkarten. Wenn ich nicht schnell einen neuen Job finde“, sagt sie, „werde ich wegziehen müssen.“ So wie Carol zahlt die US-Mittelschicht für ihre Teilnahme an einem System, das steigenden Wohlstand versprach – unter der Annahme, dass sich das Geld an der Wall Street und der Wert der eigenen Immobilie von selbst vermehren würden.

Die Finanzkrise offenbart das Grundproblem der gesättigten Volkswirtschaften, allen voran der USA: Sie können ihr Wachstums- und Wohlstandsversprechen nicht mehr aufrechterhalten. Kein Kapital kann dreimal so schnell wachsen wie die Wirtschaft, auf die es verwiesen ist. Die angehäuften Staatsschulden zeigen, wohin die Reise geht: Spätestens unsere Kinder werden harten Einschränkungen unterworfen sein – weil die Eltern über ihre Verhältnisse leben.

Die Mittelschicht wird deshalb zwangsläufig der Lastesel der Wohlstandsgesellschaft bleiben: Die zunehmend vielen Niedriglöhner sind von Steuern befreit – und die wenigen Superreichen setzen entweder ihre Reichtümer oder sich selbst ab. Die arbeitende und ausreichend bis gut verdienende Mitte hingegen wird von Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen in die Zange genommen: Sie muss lernen, für die Maßlosigkeit ihrer Vorfahren zu büßen, nur noch mit niedrigen Renditen zu rechnen, weiter für den Sozialstaat aufzukommen und für sich und andere vorzusorgen.

[...] „Das Platzen der Immobilienblase“, so prognostiziert das Washingtoner Center for Economic and Policy Research in einer Studie, „wird voraussichtlich den größten Teil, wenn nicht die gesamten Gewinne eliminieren, die Familien bei der Vermögensansammlung in den vergangenen zwei Dekaden gemacht haben.“ Verschärfend hinzu kommt der Crash am Aktienmarkt: Sieben Billionen Dollar verloren US-Bürger mit direkt gehaltenen Aktien.

Damit entspricht der Vermögensverlust der US-Amerikaner seit Anfang 2008 dem 1,5-fachen Jahreseinkommen. „Die Haushalte haben quasi anderthalb Jahre lang umsonst gearbeitet“, sagt Harm Bandholz, Volkswirt bei der Bank UniCredit. „Der wohlverdiente Ruhestand ist für viele Arbeitnehmer in weite Ferne gerückt.“

Hinter den nackten Zahlen verbergen sich Millionen tragischer Einzelschicksale. Die neuen amerikanischen Slums, Zeltstädte außerhalb großer Städte wie zum Beispiel nahe Sacramento, wachsen. „Der Absturz von einem bescheidenen Wohlstand in die Obdachlosigkeit kann ganz schnell passieren, denn die meisten Familien haben keine Reserven“, sagt Leslie Linfield vom Institute for Financial Literacy, das die US-Bürger in Finanzfragen weiterbilden will.

Ihre Wurzeln hat die zunehmend prekäre Lage der Mittelschichten in den Achtzigerjahren, als sich die gesellschaftsspaltende Schere zwischen schamlos hohen Managergehältern und beschämenden Niedriglöhnen immer weiter auftat – zwei Jahrzehnte früher als in Kontinentaleuropa. Nach Margaret Thatcher war es vor allem US-Präsident Ronald Reagan, der im Namen der Eigenverantwortung einen „Kreuzzug für die Demontage des Wohlfahrtsstaats“ (Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman) initiierte, Mindestlöhne drückte und Gewerkschaften entmachtete.

Reagan versuchte, die mittleren Einkommensschichten durch Steuersenkungen zu entschädigen. Und tatsächlich – die Amerikaner glaubten wieder daran, dass sie ihren Aufstieg selbst in der Hand hätten. Doch die Steuersenkungen konnten die Einkommenseinbußen nicht abfedern, zumal im mittleren Segment. Unter Reagans Nachfolgern – Bush-Clinton-Bush – drohte der Glaube der Mittelschicht an ihren fortwährenden Wohlstand verloren zu gehen.

Irgendwo zwischen Weißem Haus, Notenbank und Wall Street erfanden Banken und US-Politik deshalb eine zweite Einnahmequelle für die Mittelschicht: Die sinkenden Arbeitseinkommen, so US-Ökonom Robert Shiller bereits vor einem Jahrzehnt, sollten durch steigende Spekulationsgewinne kompensiert werden.

Die Idee erwies sich als so genial wie gefährlich: Der Aufstiegswillen der Mitte verwandelte sich in eine Aufstiegsillusion, das moralische Aufbauprogramm Reagans mündete in ein gigantisches Täuschungsmanöver. Das heute für Wertpapiere und Häuser eingesetzte Geld, so die Wahnvorstellung, werde dauerhaft schneller wachsen als die Wirtschaft – und sich bis ins hohe Alter hinein rentieren.

Offensichtlich glaubten die USA, mit den Selbstbeschwörungskräften des Geldes eine gültige Antwort auf den Sozialstaat europäischer Prägung gefunden zu haben. Doch heute bekommen die Steuerzahler die drei Jahrzehnte gestundete Rechnung für diese politisch gewollte Fehlkalkulation, für eine Sozialpolitik des schlanken Staates, die sich an Zinsen, Aktien und Hypotheken orientiert, mit einem Schlag nachgereicht. Und die amerikanische Mittelschicht stürzt ab in die harte Wirklichkeit.

[...] Dramatisch ist die Situation auch in Russland: Der Staat muss laut Weltbank seine Ausgaben drastisch erhöhen, um soziale Unruhen zu verhindern. Der Wirtschaftsabschwung drohe vier Millionen für sich selbst aufkommende Russen in Armut und Abhängigkeit zu stürzen. ...

[...] Verarmungsängste sind in Deutschland für viele noch fern – zu gut ausgebaut das soziale Netz, glauben viele. Doch für die Mittelschicht ist dieses Netz auch eine Belastung: Weit mehr als 50 Prozent der Sozialabgaben schultern die mittleren Einkommensgruppen.

Und die schiere Zahl der leistungsfähigen Durchschnittsverdiener nimmt dramatisch ab. Laut Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung hatten bereits 2006 nur noch 54 Prozent der Deutschen zwischen 70 und 150 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung (2000: 62 Prozent). Die Zahl der Absteiger übertrifft die der Aufsteiger. Der Kölner Sozialstaats-Forscher Christoph Butterwegge spricht von einem „Paternoster-Effekt“, bei dem „die meisten leider nicht nach oben, sondern nach unten befördert werden“.

Ein Effekt, der auch jene trifft, die in der Mitte verbleiben, denn auf sie greift der Staat zu – so oder so. Wer wie die FDP und Teile der Union die Ausweitung des Niedriglohnsektors fordert und zur Eigenverantwortung ermahnt, wird nicht umhinkönnen, Geringverdiener noch stärker zu entlasten, damit diese für sich selbst vorsorgen können – eine Entlastung auf Kosten der Mitte. Und wer umgekehrt, wie die Linke und Teile der SPD, die Abschaffung der Rente mit 67 und die Erhöhung der Hartz-IV-Sätze fordert, müsste dabei schon so ehrlich sein zu sagen, dass er damit den Druck auf die Mitte erhöht.

Die Mittelschicht hat eben deshalb das Recht, forscher denn je von der Politik, für deren Segnungen sie bezahlt wie nie, ihre Interessen einzufordern – den intelligenten Umbau des Sozialstaats zum Beispiel und seine möglichst weitgehende Selbstbeschränkung auf ihm ureigene Aufgaben: die Gewährung von Sicherheit, Bildung und Gesundheit. Und eben nicht das Retten von immer mehr Unternehmen mit Milliarden vom Staat.

Der Umverteilungskampf kommt so oder so – da kann die Politik noch so hohe Schulden anhäufen, um ihn hinauszuzögern. Siehe USA: Dort hat die Mittelschicht abrupt gelernt, dass sie über ihre Lage systematisch getäuscht wurde. In Deutschland wird sie es noch lernen müssen.

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von  Zinsknecht  am 10.04.2009 09:20 Uhr

( in memoriam John Swinton und Josef Pulitzer )

Warum schweigen die Massenmedien über Wesen und Wirkung unseres Geldsystems ?

Warum läßt sich der Bürger - unter tatkräftiger Mithilfe jener Medien - zum Urnenpöbel degradieren ?


Quote
von  Siggi  am 10.04.2009 11:14 Uhr

Zitat: "Warum läßt sich der Bürger - unter tatkräftiger Mithilfe jener Medien - zum Urnenpöbel degradieren ?"

...weil die Medien nun einmal das Medium sind über das sich der Bürger üblicherweise informiert. Diese kommen ihrer Aufgabe nach objektiver Berichterstattung aber längst nicht mehr nach sondern hängen genau wie die Politik am Tropf von Lobbygruppen. Erstere sind abhängig von Werbeaufträgen, die Privatisierung der Medien unter Kohl macht’s möglich und der Politik scheint es längst nicht mehr um des Wohl des Volkes, sondern nur noch um den Beratervertrag nach der politischen Kariere zu gehen.

So erfahren wir dann eben in den nachmittäglichen Talkshows was sich ein Hartz IV Empfänger so alles von seinen 430 Euro leisten kann und natürlich ist für wertlos verfallene „absolut sichere“ Wertpapiere mit AAA Rating auch nicht der Betrüger, sondern der Betrogene selbst Schuld, er hätte sich halt besser informieren müssen.

Wer hat denn jahrelang Eigenvorsorge und Rendite statt staatlicher Rente propagiert und hat damit der privaten Versicherungslobby und Gaunerbanken wie Lehman erst die Hasen in den Stall getrieben?

Wenn wir nur einen Bruchteil der Steuergeldern die jetzt in so genannten Bankenrettungsplänen versickern für freie Medien ausgegeben hätten, wären uns vermutlich einige der aktuellen Exzesse erspart geblieben und wir mussten uns nun von den Verursachern der Krise nicht auch noch verhöhnen lassen, wir wären doch selbst schuld an dem Desaster weil wir den ganzen Mist der uns da täglich eingehämmert wurde geglaubt haben.

Inzwischen bleibt einem nur noch den Fernseher aus zu lassen und sich stattdessen über kritische Internetseiten zu informieren, wenn man der alltäglichen Gehirnwäsche entgehen will.


Quote
von  zockerfein  am 10.04.2009 12:57 Uhr

siqqi, man kann auch wählen gehen.

Aber wen?

Gibt es wirklich Alternativen?

Auch ein Lafontaine sitzt im Verwaltungsrat der IKB.
Hat er was bewegt?



Aus: "Finanzkrise  Die Enteignung der Mittelschicht" (09.04.2009 )
Mark Böschen (Frankfurt), Dieter Schnaas (Berlin), Yvonne Esterhazy (London), Andreas Henry (New York), Matthias Kamp (Peking), Hauke Reimer (Frankfurt)
Quelle: http://www.wiwo.de/finanzen/die-enteignung-der-mittelschicht-393020/ (http://www.wiwo.de/finanzen/die-enteignung-der-mittelschicht-393020/)

Title: [Mehdorn, der zur Zeit in Frankreich Urlaub macht... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on April 10, 2009, 01:52:16 PM
Quote
[...] Mehdorns Position ist klar: Er pocht auf Erfüllung seines Vertrags als Vorstandsvorsitzender. 750.000 Euro erhielt er zuletzt pro Jahr garantiert, dazu Prämien und Boni. Im Bahn-Rekordjahr 2007 kamen so rund 2,9 Millionen Euro zusammen, 2008 waren es etwa eine Million weniger. Mehdorns Vertrag lief ursprünglich bis Mai 2011.

Den möchte er nun erfüllt sehen - was aus seiner Sicht nachvollziehbar ist. Denn Mehdorn hält sich nach wie vor für den besten aller möglichen Bahn-Chefs, auch wenn er lobende Worte für seinen Nachfolger Rüdiger Grube findet.

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Aus: "Verkehrsministerium gönnt Mehdorn komfortablen Abgang" Von Florian Gathmann  (10.04.2009)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,618433,00.html (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,618433,00.html)


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Quote
[...] Berlin. Trotz der seit Monaten schwelenden Datenaffäre hat Bahnchef Hartmut Mehdorn offenbar bis zuletzt nicht mit seinem Abgang von der Unternehmensspitze gerechnet. "Das kam ja alles auch überraschend, das hätte ich ja nie gedacht, dass so was so möglich ist. Ich bin ja noch ganz perplex", sagte er im Gespräch mit Reuters.

Verwundert zeigte er sich auch über die Gewerkschaften, die mit ihrem Vertrauensentzug bei der Aufsichtsratssitzung Ende März den Rückzug erzwangen: "Ich hab das bis heute nicht verstanden. Ich hab nie ein Problem mit Gewerkschaften gehabt, nie ein Problem mit Betriebsräten gehabt", sagte Mehdorn in seinen ersten öffentlichen Äußerungen nach seinem angekündigten Abschied von der Spitze der Deutschen Bahn.
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Mehdorn, der zur Zeit in Frankreich Urlaub macht, sagte, das Verhältnis zu den Arbeitnehmervertretern von Transnet und GDBA sei sonst gut gewesen. "Die haben eigentlich auch immer profitiert von unserer Arbeit. Was da passiert ist, weiß ich nicht. Das muss man dann mal mit ein bisschen Abstand angucken."

[...] Entschieden wehrt sich der amtierende Bahnchef gegen Vorwürfe, er wolle für sein Ausscheiden noch eine Abfindung: "Es geht um keine Abfindung, will ich auch gar nicht, es geht einfach um Vertragserfüllung." Daher seien Vorwürfe der Maßlosigkeit abwegig. "Das ist jetzt so eine Welle."

Die Regierung hatte an ihn appelliert, angesichts der Diskussion um Managerbezüge ein "gewisses Gebot zur Mäßigung zu berücksichtigen." Ein Regierungssprecher räumte aber ein, er kenne Mehdorns Arbeitsvertrag nicht, der formal noch bis Mitte 2011 läuft. "Da wird Stimmung gemacht, da kann man sich nicht wehren, das ist eben das Problem", sagte Mehdorn.

Der Bahn-Aufsichtsrat und damit der Bund als Eigentümervertreter hatten noch im Sommer 2008 die Verträge Mehdorns und anderer Vorstände erneuert beziehungsweise verlängert. Dabei setzten sie sich auch über die Grundsätze der guten Unternehmensführung (Corporate Governance) hinweg, nach der Vorstände nicht älter als 65 Jahre sein dürfen.

Mehdorn hatte vergangenes Jahr rund zwei Millionen Euro verdient, inklusive Boni. Laut "Handelsblatt" hat er aus seinem Vertrag Ansprüche auch auf diese bis zum Laufzeitende 2011.
Mehdorn sagte, er werde am 25. April bei einer Sitzung des Aufsichtsrates ausscheiden. Dann werde sein Nachfolger Rüdiger Grube formal bestellt: "Ich glaube, das ist ein guter Mann, ich schätze ihn sehr, der geht da mit Herz ran. Ich glaube, der kann das schaffen." Allerdings: "Er muss ein dickes Fell mitbringen."

...


Aus: "Bahn-Chef - Hartmut Mehdorn "ganz perplex"" VON MARKUS WACKET (09.04.2009)
Quelle: http://www.fr-online.de/top_news/1716607_Bahn-Chef-Hartmut-Mehdorn-ganz-perplex.html (http://www.fr-online.de/top_news/1716607_Bahn-Chef-Hartmut-Mehdorn-ganz-perplex.html)

Title: [Als Auftakt zu seiner Rente... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on April 22, 2009, 01:41:22 PM
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[...] Oldenburg. Aus Protest gegen Hausbesuche bei Arbeitslosengeld II (ALG II) Beziehern, besuchten aktive Erwerbslose nun ihrerseits einen ehemaligen "Außendienstmitarbeiter" der Arge. Dazu hatten sich rund 50 Hartz IV Betroffene versammelt und unternahmen einen "überraschenden Hausbesuch bei einem ehemaligen Außendienstmitarbeiter der ARGE". In einer Pressemitteilung der Aktivisten heißt es: "Als Auftakt zu seiner Rente wollten die Erwerbslosen einmal sein Haus, seine Kleiderschränke und die Wohnungseinrichtung begutachten." Der Oldenburger Arge Mitarbeiter habe, so die Initiative, jahrelang unangemeldet vor der Tür von ALG II-Empfängern gestanden und mit dem Hinweis auf sonst drohende Hartz IV Sanktion Einlass gefordert.

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Aus: "Hartz IV Hausbesuch mal "anders rum"" (21.04.2009)
Quelle: http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-hausbesuch-mal-anders-rum4998.php (http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-hausbesuch-mal-anders-rum4998.php)

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[...] Auf dem Schild an dem unscheinbaren grün-braunen Bürogebäude steht "Investor House". Luxemburg, Allée Scheffer Nummer 5 - hier ist der Sitz der Caceis Bank und einer wenig bekannten Investmentgesellschaft.
 
Die Liste ihrer Eigentümer ist das wohl bestgehütete Geheimnis der Abgeordneten des Europaparlaments. Zeitweise standen Werte von 212 Millionen Euro in den Büchern der Investmentgesellschaft, über Jahre aufgehäuft, aus Steuergeldern, aber ohne Rechtsgrundlage.

Mehr als 1000 EU-Abgeordneten soll der Fonds eine luxuriöse Zusatzpension garantieren - nach 20 Jahren im Parlament stolze 5575 Euro pro Monat. Doch nun haben sich die Parlamentarier verspekuliert. Die Verluste sollen die Bürger tragen. Zugleich will das EU-Parlaments eines keinesfalls verraten: Wer profitiert?

478 aktive und 635 ehemalige Volksvertreter aus allen Ecken Europas sind Mitglieder des so genannten freiwilligen Pensionsfonds. Um ihre "Privatsphäre" zu schützen, wolle das EU-Parlament die Namen nicht nennen, sagt die Parlamentsvizepräsidentin Diane Wallis - weil die Angaben "in der politischen Auseinandersetzung" womöglich "missbraucht werden" könnten.

...


Aus: "Luxemburger Pensionsfonds: Das Schweigen der EU-Parlamentarier" (24.02.2009)
Quelle: http://www.stern.de/politik/deutschland/:Luxemburger-Pensionsfonds-Das-Schweigen-EU-Parlamentarier/655826.html?id=655826 (http://www.stern.de/politik/deutschland/:Luxemburger-Pensionsfonds-Das-Schweigen-EU-Parlamentarier/655826.html?id=655826)

Title: [Die Anwältin von Neumann war zunächst nicht erreichbar... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on April 22, 2009, 01:51:49 PM
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[...] Erstmals in der aktuellen Finanzkrise hat ein Ex-Manager der Dresdner Bank seinen ehemaligen Arbeitgeber auf Zahlung einer Millionenabfindung verklagt. Jens-Peter Neumann, der die Dresdner Bank nach dem Verkauf an die Commerzbank im Januar verlassen hatte, pocht auf die Zahlung von 1,5 Millionen Euro. Er machte seine Forderung am Dienstag vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt geltend.

Die Dresdner will jedoch nicht zahlen, weil sie unter anderem wegen Belastungen in der von Neumann früher verantworteten Kapitalmarktsparte 2008 einen Verlust von 6,3 Milliarden Euro eingefahren hatte, davon fielen 5,7 Milliarden im Geschäftsbereich des nun klagenden Managers an.

Am Dienstag scheiterte der Versuch der Kontrahenten, sich vor dem Arbeitsgericht Frankfurt gütlich zu einigen. Das Gericht setzte nach Angaben eines Sprechers darauf eine Verhandlung für den 6. August an. Ein Sprecher der Dresdner Bank wollte sich nicht dazu äußern. Die Anwältin von Neumann war zunächst nicht erreichbar.

Kurz vor seinem Ausscheiden hatte Neumann noch einen Bonus von drei Millionen Euro erhalten, den die Dresdner Bank überdies zurückhaben will. Die Bonuszahlung an den Banker stammt dem Vernehmen nach aus dem 400-Millionen-Topf, den die Dresdner-Mutter Allianz vor der Übernahme durch die Commerzbank zugesichert hatte - auch um Führungskräfte zu halten. Doch der neue Eigner strich mit Hinweis auf das schlechte Abschneiden die Boni für die Mitarbeiter der Gruppe. Von den 400 Millionen wurden trotzdem etwa 130 Millionen Euro ausgezahlt, weil diese Zahlungen vertraglich garantiert waren. Unter anderem der ehemalige Bankchef Herbert Walter hatte jedoch auf seinen Bonus verzichtet.

Neumann war im April 2006 zu der Investmentbanktochter der Dresdner Bank gekommen. Zuvor war der heute 50-Jährige bei der HVB, Goldman Sachs und Credit Suisse First Boston beschäftigt.

Das Verfahren mit Neumann ist wohl nicht das einzige für die Commerzbank und ihre Tochter Dresdner Bank: Mehrere ehemalige und noch angestellte Investmentbanker wollen die Häuser auf die Zahlung bereits zugesagter Boni verklagen. Medienberichten zufolge haben die Banker bereits Anwaltskanzleien eingeschaltet.

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21.04.2009 17:38:40

enki_muc: und ich poche nach 10 Jahren Selbständigkeit in der ich

dem Finanzamt 3 Häuser (also weit über eine Mio) überwiesen habe und in einer Mietwohnung lebe darauf, dass ich wenigstens in einer schimmelfreien Wohnung vegetieren darf, um in ein paar Jahren meine üppige staatliche Rente von € 259 monatlich einzustreichen...



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22.04.2009 12:57:06
Peeperkorn: @tinididi

.... aber ... wer hat die rechtlichen Rahmenbedingungen und das politische Klima dafür geschaffen?



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21.04.2009 17:54:49

Veltliner: Liebe Mitforisten

hier werden von Ihnen zwei Sachverhalte miteinander vermengt. Zum einen geht es um die Rückforderung einer Bonus-Zahlung, die N. bereits erhalten hat und nun zurückgefordert wrd, zum anderen geht es um die von Neumann vor dem ArbG geltend gemachte Abfindungszahlung, die er vermutlich für den Fall des vorzeitigen Ausscheidens aus seinem Arbeitsvertrag mit der DreBa vertraglich vereinbart hat. Beim ersten Punkt halte ich die Empörung für angebracht, im zweiten Fall wird es wohl fraglich sein, ob gegen diesen Anspruch mit den im Artikel genannten Verlusten aufgerechnet werden kann. Dafür kommt es m. E. auif den genauen Wortlaut der arbeitsvertraglichen Vereinbarung an, ob diese für diesen Fall eine solche Verrechnungsmöglichkeit oder einen Wegfall der Abfindung vorsieht. Wenn nicht, dann würde ich auch klagen. Und jeder, der sich hier empört, sollte mal sich selber fragen, ob er mit 50 auf eine fette Abfindung freiwillig verzichten würde.



Aus: "Ex-Banker pocht auf Millionenabfindung" (21.04.2009)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/237/465823/text/ (http://www.sueddeutsche.de/finanzen/237/465823/text/)

Title: [Es wird zur Realität... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on May 12, 2009, 12:08:50 PM
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[...] Wegen der Finanzkrise wird der Wechsel von der teuren Privatschule zur kostenlosen öffentlichen Schule für immer mehr ehemals privilegierte Kinder zur Realität.

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Aus: "Banker schicken Kinder wieder in öffentliche Schulen" von Désirée Pomper (10.05.2009)
Quelle: http://www.20min.ch/finance/dossier/finanzkrise/story/14469784 (http://www.20min.ch/finance/dossier/finanzkrise/story/14469784)

Title: [Doch die in den unteren Rängen... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on May 26, 2009, 11:03:41 AM
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[...] Neil Gilbert: Für die meisten Männer und Frauen, die für ein Gehalt arbeiten, wird die finanzielle Unabhängigkeit begleitet vom Gehorsam gegenüber der Macht von Vorgesetzten, von der Unterwerfung unter Terminzwänge und der Disziplin des Jobs, von der Unterwürfigkeit gegenüber Kunden und der allgemeinen Unsicherheit des modernen Arbeitsplatzes. [...] Ausnahmen, wie schon erwähnt, sind die Leute an der Spitze der Wirtschaftspyramide, in der Politik, in der Kunst, in der Universität, im Management – eben die Berufseliten, die Ermächtigung durch Arbeit beschwören. Sie erleben ein hohes Maß an Unabhängigkeit. Doch die in den unteren Rängen erleben vor allem Überwachung, Wiederholung, tägliche Reglementierung und die Forderungen von Kunden.

[...] Wenn die Angehörigen der interessanten Berufe über die Freuden und die Bereicherung durch Arbeit schreiben und reden, sollten sie zugeben, dass sie ihre Arbeit meinen. Sie reden nicht von den Arbeitnehmerinnen, die Papierkörbe ausleeren oder Busse steuern. Man muss nicht Marx gelesen haben, um zu erkennen, dass manche Jobs erfüllend und interessant sind, die Mehrheit der Jobs es aber nicht ist und auch kaum wird.

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Aus: "»Feminismus sticht Sozialismus«" (DIE ZEIT, 26.02.2009 Nr. 10)
Quelle: http://www.zeit.de/2009/10/Interview-Gilbert (http://www.zeit.de/2009/10/Interview-Gilbert)

Title: [Enthusiasmus für 3,56 Euro... (Zimmermädchen)]
Post by: Textaris(txt*bot) on June 15, 2009, 10:35:39 AM
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[...] Ramona Sonntag dagegen ist schon für 2,71 Euro die Stunde zu haben. Dafür arbeitet sie ab 8.30 Uhr im QF. Um 15.30 Uhr ist Feierabend, dann hat sie drei Classic-Zimmer gereinigt und vier Superior-Unterkünfte - und am Ende des Tages insgesamt 19 Euro verdient.

Manchmal schafft sie auch 24 Euro am Tag, dann reinigt sie lediglich die kleineren Classic-Zimmer und erledigt in fünf Stunden rund zwölf Räume. Sie wechselt die Bettwäsche, wischt überall Staub, saugt, reinigt Waschbecken, Badewanne und Toilette, füllt die Minibar auf. Zwischen zwei Euro und drei Euro bekommt sie pro Zimmer.

Im Mai lag ihr durchschnittlicher Stundenlohn bei 3,56 Euro, im April betrug der Monatsverdienst netto 372,04 Euro, 100 Euro einmalige Prämie inklusive. Hätte sie den gesetzlichen Mindestlohn von 6,58 Euro pro Stunde erhalten, hätte sie fast das Doppelte verdienen müssen.

Obwohl Ramona Sonntag für das QF arbeitet, arbeitet sie nicht beim QF. Angestellt ist sie bei der Berliner Firma B+K Dienstleistung, die für Hunderte Hotels bundesweit die Zimmer und Suiten reinigt. Das Unternehmen zählt mit mehr als 3.100 Beschäftigten zu den Großen der Branche. Eine Vielzahl von Hotels, darunter namhafte Häuser, haben ihre Zimmermädchen outgesourct. Auch das Hotel Elbflorenz, in dem Ramona Sonntag gelegentlich arbeitet. Vollmundig verspricht B+K den Luxusherbergen: "Entlasten Sie Ihre Mitarbeiter und Ihr Budget gleich mit."

Die Lasten dieses Sparvorschlags trägt das Reinigungspersonal. Kaum ein Hotelmanager weiß, wie viel seine Zimmermädchen am Ende verdienen, er will es wohl auch nicht wissen.

"Ich habe einen Vertrag mit B+K, der Rest interessiert mich nicht", sagt Maria Daniela Schulze, die QF-Direktorin. "Ich zahle zwischen sieben und neun Euro für die Reinigung eines Zimmers an meinen Dienstleister. Das ist oberstes Niveau. Dem Hotel die niedrigen Löhne anzulasten, ist deshalb unfair."

Man könne die Debatte ja auch einmal anders führen, sagt die Managerin. "Es gibt viel zu wenige geeignete Arbeitskräfte, die qualifiziert, mit hoher Arbeitsmoral und Enthusiasmus ihren Job verrichten." Enthusiasmus für 3,56 Euro pro Stunde?

Sonntag hatte keine Wahl, sie musste den Job annehmen, obwohl sie in Dresden Englisch und Architektur studiert und in einem Architekturbüro in Washington gearbeitet hatte. Weil ihr Visum auslief, kehrte sie im April vorübergehend nach Deutschland zurück. Diese Zwischenzeit wollte sie sinnvoll nutzen. Doch sie fand keine Arbeit, so wurde sie Zimmermädchen.

"Es sind die Nebenaufgaben, die das Erreichen des gesetzlichen Mindestlohns unmöglich machen", sagt sie. Zustellbetten müssen aufgebaut, die Etagenwagen mit Shampoo-Fläschchen und Utensilien für die Minibar bestückt werden. Doch das findet außerhalb des Hotelzimmers statt - und wird deshalb nicht bezahlt.

"Die Zimmermädchen sammeln leere Flaschen aus der Minibar und bringen sie zur nächsten Lidl-Filiale, um ihren Verdienst aufzubessern", erzählt die 31-Jährige. Und der reicht dennoch nicht. Sie und fast alle ihre Kolleginnen beziehen Lohnzusatzleistungen von den Arbeitsagenturen. Bei ihr sind es 130 Euro im Monat. "In gewissem Sinne sind die teuren Hotelzimmer auch noch staatlich subventioniert", sagt Sonntag.

Er wisse, dass die Zimmermädchen "einen Knochenjob haben", sagt Thorsten Benthin, Geschäftsführer von B+K Dienstleistung. Deshalb gestatte man ja ausdrücklich, dass die Flaschen aus den Hotelzimmern gesammelt werden dürfen. Zudem gebe es ja auch Trinkgeld.

[...] Ramona Sonntag war jedenfalls geschockt, als sie ihre erste Lohnabrechnung sah. "Ich dachte, solche Löhne gibt es vielleicht in Rumänien oder der Slowakei. Aber nicht in Deutschland."

So schnell wie möglich will sie jetzt wieder ins Ausland, um als Architektin arbeiten zu können. Als sie ihrer Arbeitsvermittlerin von ihrem Vorhaben erzählte, sagte die nur: "Was anderes kann ich Ihnen leider auch nicht empfehlen."


Aus: "ARBEITSMARKT - Enthusiasmus für 3,56 Euro" Von Janko Tietz
Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,630737,00.html (http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,630737,00.html)


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[...] Hamburg - Das Serviceunternehmen B+K Dienstleistung, das unter anderem für die Reinigung des Reichstagsgebäudes verantwortlich ist, verstößt massiv gegen den gesetzlichen Mindestlohn der Branche, berichtete das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL am Sonntag vorab. Neben der Bundestagsverwaltung unterhalte B+K auch mit Hunderten Hotels bundesweit Verträge über die Reinigung von Hotelzimmern.

Die bei B+K angestellten Zimmermädchen erhalten ihren Lohn demnach nicht pro Stunde, sondern pro gereinigtem Zimmer. In den Dresdner Luxushotels "QF" (Quartier an der Frauenkirche) und "Elbflorenz" beispielsweise erhielt eine Reinigungskraft jüngst umgerechnet einen durchschnittlichen Stundenlohn von 3,56 Euro, obwohl in Ostdeutschland der gesetzliche Mindestlohn von 6,58 Euro gilt.

Die Geschäftsführung von B+K Dienstleistung argumentierte gegenüber dem Magazin, der Mindestlohn sei bei Zimmermädchen nicht anzuwenden, da diese überwiegend mit "Servicetätigkeiten" und nicht mit "Reinigungstätigkeiten" beschäftigt seien. "Wenn bei uns wirklich ein Mädchen nur 3,56 Euro pro Stunde verdient, dann ist es eben die Falsche für den Job", so Geschäftsführer Thorsten Benthin.

Im Übrigen gestatte man ausdrücklich, dass die Zimmermädchen leere Flaschen aus den Hotelzimmern sammeln dürfen, um sich mit dem Pfand den Verdienst aufzubessern. Zudem gebe es Trinkgeld.

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Aus: "Dumpinglöhne - Bundestagsputzdienst im Zwielicht" (14.06.2009  )
Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,630370,00.html (http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,630370,00.html)

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[...] München - Bis zu 20.000 Euro Bußgeld drohen einigen Münchner Fünf-Sterne-Hotels wegen der Zahlung von Dumpinglöhnen für ihre Zimmermädchen.

Dies ist im Rahmen einer Zoll-Razzia im Oktober 2008 festgestellt worden. Die „Finanzkontrolle Schwarzarbeit“ stattete 13 Hotels, darunter dem Bayerischen Hof und dem Mandarin Oriental, einen Überraschungsbesuch ab. Jetzt werden die Bußgeldbescheide verschickt.

Hintergrund: Es bestand der Verdacht, dass die Luxushotels – allesamt Kunden der Firma Power Clean Gebäudereinigung – besagter Firma nicht genügend Geld gezahlt haben, sodass Power Clean nicht einmal den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn von 8,15 Euro pro Stunde an die Angestellten weitergeben konnte. „Es muss ein Stundenlohn von mindestens 14 Euro gezahlt werden, damit die Firma Lohn, Sozialabgaben und Urlaubsgeld zahlen kann“, erklärt René Matschke, Leiter der Finanzkontrolle Schwarzarbeit. Dies wird von einigen Top-Hotels umgangen. „Dort bekommen die Raumpflegerinnen pro geputztem Zimmer 5,50 Euro. „Vom Hotel wird aber festgelegt, dass nur zwei Zimmer pro Stunde zu reinigen sind“, sagt Matschke. Die teuer zahlenden Luxusgäste sollen ja ein top gepflegtes Zimmer vorfinden.

Der Umkehrschluss: Zwei Zimmer pro Stunde à 5,50 Euro – macht nur 11 Euro die Stunde. Lohn-Dumping! Die betroffenen Hotels erwartet eine Strafe von bis zu 20 000 Euro. Bayerischer-Hof-Chefin Innegrit Volkhardt hat keinen Bescheid erhalten. „Wir bezahlen weit über Mindestlohn und ich habe Einsicht in die Lohnabrechnungen der Angestellten von Power Clean – da ist alles in Ordnung.“ Volkhardt sei sehr darauf bedacht, angemessen zu bezahlen und niemanden auszubeuten. „Wir haben 37 eigene Zimmermädchen. Auf Fremdpersonal greife ich nur zu Hoch-Zeiten zurück, dann unterstützen uns zwei bis maximal zehn Mitarbeiter von Power Clean.“

Beim Hotel Mandarin Oriental wollten man sich zu dem Fall nicht äußern. Fest steht: Mehr als die Hälfte der Hotels werden einen Bußgeldbescheid erhalten – jedoch nicht alle wegen Lohndumpings. „Viele Mitarbeiter von Power Clean sind Scheinselbstständige“, so Matschke. Zimmermädchen aus Osteuropa, die als „Unternehmerinnen“ keinen Anspruch auf Mindestlohn haben. „Die Hotels sind verpflichtet, auch die Arbeitserlaubnis dieser Power-Clean-Mitarbeiter zu prüfen.“ Das tun die meisten aber nicht. Hierfür erwartet sie ein Bußgeld zwischen 1500 und 1800 Euro.

DM /SH

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12.06.09 meint Radhelfer (anonym)

Nicht verwunderlich, dass gerade in Luxushotels so eine Ausbeute stattfindet. ...


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13.06.09 meint dieGerechte (anonym)

Hallo, das ist doch auch nichts Neues!! ...




Aus: "Hungerlöhne: Geldbußen für Münchner Top-Hotels" (12.06.09)
Quelle: http://www.tz-online.de/aktuelles/muenchen/tz-geldbussen-top-hotels-muenchen-lohndumping-351593.html (http://www.tz-online.de/aktuelles/muenchen/tz-geldbussen-top-hotels-muenchen-lohndumping-351593.html)
Title: [Arbeitsagentur-Vorstand fordert... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on July 14, 2009, 11:33:16 AM
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[...] Das “bessere Hartz4″ ist die neue, erstrebenswerte Gewinnsituation für die zukünftig arbeitslose Mittelschicht.

Wurde das “schlechte Hartz4″ bis vor ein paar Monaten noch als für den Bodensatz einer Gesellschaft dargestellt – für Schmarotzer und bildungsferne Schichten, müssen nun, in der Krise, seitens der Politik und Wirtschaft neue Wege gegangen werden:

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    Bürger aus der Mittelschicht könnten in Hartz IV abrutschen – das befürchtet Bundesagentur-Vorstand Alt. Sein Vorschlag: Wer vor der Arbeitslosigkeit in die Sozialkassen eingezahlt hat, soll dauerhaft bessergestellt werden.


Aus: "Arbeitsagentur-Vorstand fordert Zweiklassen-Hartz-IV" (12.07.2009)
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,635704,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,635704,00.html)

Die betreffenden Personenkreise diskutieren noch ganz hitzig das Für und Wider, während die politischen Parteien ihre Vorteile längst erkannt haben und zu ihren Gunsten nutzen:
Mit dem Vorschlag eines Zweiklassensystems, werden in den Reihen der betroffenen Mittleschicht Fürsprecher generiert. Systemvasallen, die zwar Hartz4 vielleicht wirklich nie gut fanden, aber wenn es denn schon sein muß, darf es es ruhig für sie eine “Edelversion” geben. Fast dankbar können sie diese dann annehmen, und schon sieht Hartz4 gar nicht mehr so unfreundlich aus. So dürfen sie sich auch unter Hartz4 noch, wenigstens etwas, als bevorzugte Leistungsträger fühlen, denn das Fanal eines bildungsfernen Schmarotzertums ist für sie wenigstens etwas in die Ferne gerückt.

Der andere Hintergedanke dieses Vorschlages ist es schlicht, die Masse an Hartz4ern zu teilen um einer Solidarisierung untereinander entgegenzuwirken. Denn wenn sie erst merken wie viele sie sind, ist eine Zusammenrottung eher möglich, und nicht mehr so leicht zu kontrollieren.

Wie für diese Mittelschicht üblich, wird sich aber auch nur langsam die Gewissheit darüber breit machen, nicht zu denen zu gehören, die mit den verkündeten Aufschwünge gemeint sind. Denn zu gerne machen sie sich etwas vor: Hartz4 ist und bleibt das Abstellgleis in das überflüssige Personen hereinrangiert werden. Wieviel Eigenverantwortung jeder hätte aufbringen müssen und auch zukünftig aufbringen muß, um nicht dort hinein zu geraten, diese Frage bleibt offen. Sie wird aber sicherlich von “Experten” im Stile eines Hans-Werner Sinn, Sarrazin und Clement über z.B. die BILD beanwortet werden. Nützliche Tipps inklusive.

Was bleibt, ist schon wieder eine über den Tisch gezogenen Mittelschicht, die sich damals, 2003, nie hätte vorstellen können, daß Hartz4 für sie gedacht ist.

Damals, als sie die Vorschläge beklatschten weil sie glaubten, daß allein die “Aktivierung von bildungsfernen Schichten” ausreiche, um ihren Status Quo zu halten oder sogar, um ihre eigenen überzogenen Gewinnerwartungen irgendwelcher Aktienfonds und Daxunternehmen zu realisieren.



Aus: "Hartz4 als Zweiklassensystem"
gepostet von PolitikBasis am 13 - Juli - 2009
Quelle: http://www.politikbasis.de/2009/07/das-zweiklassensystem-bei-hartz4/ (http://www.politikbasis.de/2009/07/das-zweiklassensystem-bei-hartz4/)

Title: [Trotz der Insolvenz... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on July 15, 2009, 04:25:02 PM
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[...] Trotz der Insolvenz und Verlusten in Milliardenhöhe erhält der ehemalige Unternehmenschef in den kommenden fünf Jahren Pensionszahlungen über 8,6 Millionen Dollar und eine Lebensversicherung im Wert von rund 2,6 Millionen Dollar, die er sich bar auszahlen lassen kann. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

Wagoner arbeitete insgesamt 32 Jahre beim größten amerikanischen Autobauer - davon neun Jahre als Vorstandschef. Zuletzt bekam er nur noch das symbolische Jahresgehalt von einem Dollar. Seine Rentenansprüche sind durch das Insolvenzverfahren um rund 60 Prozent gesunken. Ende 2008 hätten Wagoner alleine Pensionszahlungen in Höhe von 23 Millionen Dollar zugestanden. Statt wie jetzt 1,6 Millionen Dollar pro Jahr hätte er dann fast das Dreifache bekommen.


[...] Die Mehrheit am Unternehmen hält für die nächsten Jahre der Staat, von dem bereits 50 Milliarden Dollar kamen. Wagoner hatte als GM-Chef seit dem Jahr 2000 auch schon Zehntausende Jobs gestrichen und zahlreiche Werke geschlossen.

cte/Reuters/dpa


Aus: "Ehemaliger GM-Chef erhält Millionen-Rente" (15.07.2009)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,636215,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,636215,00.html)

Title: [Nonnenmacher... (HSH-Nordbank, Carstensen)]
Post by: Textaris(txt*bot) on July 20, 2009, 11:14:43 AM
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[...] Die Lage der HSH Nordbank sorgt weiter für politische Diskussionen. So verurteilt auch die Junge Union Hamburg die Bonuszahlungen an den Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher. Außerdem steht das Institut möglicherweise vor neuen Belastungen. Werner Marnette (CDU), Schleswig-Holsteins ehemaliger Wirtschaftsminister, sagte in der "Wirtschaftswoche", er habe Hinweise, dass die Kernkapitalquote der Bank "nach internen Berechnungen schon in diesem Jahr wieder unter fünf Prozent sinken könnte". Rutscht sie sogar unter vier Prozent, müsste die Bankenaufsicht das Institut schließen.

[...] Unterdessen soll die HSH Nordbank einem weiteren Spitzenmanager Sonderzahlungen genehmigt haben. Der "Focus" berichtet, dem mittlerweile entlassenen Manager Frank Roth seien Sonderzahlungen in Höhe von etwa einer Million Euro bewilligt wurden. Eine letzte Zahlung von 400 000 Euro sei auf Anweisung von Nonnenmacher zurückgehalten worden, weil Schadenersatzansprüche geprüft würden. flo/ddp

...


Aus: "HSH Nordbank vor neuen Belastungen" (20. Juli 2009)
Quelle: http://www.welt.de/die-welt/article4152140/HSH-Nordbank-vor-neuen-Belastungen.html (http://www.welt.de/die-welt/article4152140/HSH-Nordbank-vor-neuen-Belastungen.html)

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[...] Nonnenmacher wurde nach dramatischen Verlusten der HSH Nordbank im Herbst 2008 zum neuen Vorstandsvorsitzenden bestellt. Die Bank musste mit Bürgschaften in Milliardenhöhe und direkten Finanzhilfen der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein gestützt werden. Offiziell wurde zu diesem Zeitpunkt verbreitet, dass Nonnenmachers Gehalt auf maximal 500.000 Euro jährlich gedeckelt sei. Die gleiche Grenze gilt für Vorstandsmitglieder von vom Bundes-Fonds Soffin gestützten Banken. Im Sommer 2009 wurde jedoch bekannt, dass Nonnenmacher eine Sonder-Bonuszahlung in Höhe von 2,9 Millionen Euro erhalten solle. Die vertraglichen Grundlagen waren bereits im Vorjahr geschaffen worden.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Dirk_Jens_Nonnenmacher (http://de.wikipedia.org/wiki/Dirk_Jens_Nonnenmacher) (18. Juli 2009)

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[...] Wie "NDR Info" berichtet, kann eine durch die Bank geleistete Altersvorsorge je nach Verzinsung zu Rentenzahlungen von 3,8 Millionen Euro oder sogar noch mehr führen. Bisher war von einer Sondervergütung in Höhe von 2,9 Millionen Euro ausgegangen worden. Weder die Bank noch die Finanzbehörde wollten sich zu Details des Vertragswerks äußern.


Aus: "Noch mehr Geld für HSH-Chef  - Bank-Krise: Ärger in Kiel und Hamburg" CHRISTIAN BURMEISTER (20.07.2009)
Quelle: http://www.mopo.de/2009/20090720/hamburg/politik/noch_mehr_geld_fuer_hsh_chef.html (http://www.mopo.de/2009/20090720/hamburg/politik/noch_mehr_geld_fuer_hsh_chef.html)

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[...] Werner Marnette (CDU) war Ende März aus Protest gegen das Krisenmanagement von Carstensen bei der HSH-Nordbank zurückgetreten. Scharf griff Marnette HSH-Nordbank-Chef Nonnenmacher an. „Dass Herr Nonnemacher, der in den entscheidenden Jahren die Weichen für die katastrophale Entwicklung bei der HSH Nordbank mit gestellt hat, jetzt, wo die Bank Hilfen der Steuerzahler in Anspruch nimmt, auf seine Bonizahlungen besteht, ist ein Skandal ersten Ranges“, sagte Marnette. „Nonnenmacher schmeißt bei der HSH-Nordbank 1100 Leute raus und kassiert Boni –wie wollen Sie Bankmitarbeiter da für ihre Arbeit motivieren? Dass führende Politiker im Präsidialausschuss der Bank dies genehmigen, übersteigt meine Vorstellungskräfte“, so der CDU-Politiker

Marnette betonte, dass die Bilanzsumme der Bank die Haushalte der Länder Schleswig-Holstein und Hamburg um das Zehnfache übersteige, die Risiken für die an der Bank beteiligten Länder also erheblich seien.


Aus: "Schleswig-Holstein: Marnette: Carstensen täuscht Wähler über HSH" (19.07.2009)
Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/marnette-carstensen-taeuscht-waehler-ueber-hsh;2434259 (http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/marnette-carstensen-taeuscht-waehler-ueber-hsh;2434259)

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[...] Carstensen hatte in einem Brief geschrieben, dass die Zuwendung an den HSH-Vorstandsvorsitzenden Dirk Jens Nonnenmacher mit vorherigem Einverständnis "der Spitzen der die Regierung tragenden Fraktionen beschlossen" worden sei, also auch mit der SPD-Fraktion. Diese Formulierung, so der Ministerpräsident am Sonntag, sei nicht richtig gewesen. "Das ist eine Formulierung, über die ich vielleicht ein bisschen flott hinweggegangen bin." Er sei eben nicht davon ausgegangen, dass sie falsch war. "Da es seitens der SPD keine Reaktion gegeben hat, bin ich von deren Zustimmung ausgegangen", sagt Carstensen. Zudem habe ja SPD-Innenminister Lothar Hay sein Einverständnis gegeben.

Die Auseinandersetzung um diese Bonuszahlungen führten überhaupt erst zum Bruch der Großen Koalition. Stegner hatte angegeben, von den Millionen für Nonnenmacher nichts gewusst zu haben – eine Äußerung, die sich nach Carstensens Geständnis nun als Wahrheit entpuppt. Am vergangen Donnerstag aber verkündete der Regierungschef seinerseits das Aus der Zusammenarbeit mit der SPD, wiederum mit Verweis auf Stegners Unzuverlässlichkeit. Der Sozialdemokrat würde sich an keine Vereinbarung halten.

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Paula48 »
20.07.2009

Ja und wo bleiben die Schlagzeilen?

"Putsch von rechts"
"Fratze der Macht"
"Der Lügner ist nicht der Kotzbrocken"
"Unrechtmäßige Millionenzahlungen an Banker"

Nein die Überschrift lautet: "Carstensen steuert reuevoll in den Wahlkampf", nachdem er wegen der angeblichen Unzuverlässigkeit von Stegner (nicht im Kabinett) die Koalition aufgekündigt hat, und jetzt zugeben muss, dass er das Parlament nicht wahrheitsgemäß unterrichtet hat, und Nonnenmacher unrechtmäßige Boni gewährt hat, und man verweist auf die hohe Beliebtheit (Glaubwürdigkeit?) in den Umfragen.

Man kann sich nur noch wundern.

...



Aus: "Carstensen startet reuevoll in den Wahlkampf" (ZEIT ONLINE, kg, dpa, Reuters  20.7.2009)
Quelle: http://www.zeit.de/online/2009/30/carstensen-luege-landtag (http://www.zeit.de/online/2009/30/carstensen-luege-landtag)


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[...] Nach dem Ärger um die 2,9 Mio. Euro Halteprämie für Nonnenmacher, wenden sich laut "Welt am Sonntag" Kunden von dem Geldhaus ab. "Mir ist völlig unverständlich, wie ein Vorstandsmitglied Ihres Hauses in der momentanen Situation den Weitblick und mögliche Konsequenzen aufgrund der öffentlichen Wirkung vermissen lässt", schreibt Andreas Foidl, Chef des Berliner Großmarkts, in einem Brief an die Bank.

Auch bei der Schuh-Kette Görtz ist man dem Bericht zufolge verärgert. Derweil soll Nonnenmacher die Manager der Bank aufgefordert haben, die Mitarbeiter von einem Verzicht auf ihren Bonus zu überzeugen. "Nonnenmacher misst mit zweierlei Maß", sagte eine Führungskraft. "Was ihm recht ist, steht seinen Angestellten längst nicht zu."

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Aus: "Schwere Versäumnisse bei HSH Nordbank" (02.08.2009)
Quelle: http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:Gutachten-von-KPMG-Schwere-Vers%E4umnisse-bei-HSH-Nordbank/547955.html (http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:Gutachten-von-KPMG-Schwere-Vers%E4umnisse-bei-HSH-Nordbank/547955.html)

Title: [Da ist der Kopf leer und die Beine tun weh... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on July 30, 2009, 10:41:15 AM
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[...] Zehn Stunden war Ulrike S. unterwegs, hat am Fließband Fisch verpackt. "Da ist der Kopf leer und die Beine tun weh", sagt sie. Am Abend bringt die alleinerziehende Mutter 34,82 Euro nach Hause, so viel bleibt ihr nach allen Abzügen von der Tageseinnahme übrig. Leiharbeiter wie Ulrike S. schuften für Niedriglöhne und müssen ständig verfügbar sein. Wer nicht mitzieht, fliegt raus. Mehr als 4.000 Zeitarbeitsfirmen gibt es in Deutschland.

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Aus: "Die Reportage: Lohnsklaven in Deutschland - Das Geschäft mit Leiharbeitern" (29. Juli 2009)
Mittwoch, 29. Juli 2009 23:02 bis 23:30 Uhr (VPS 22:30), Reportage + Dokumentation
Quelle: http://www3.ndr.de/programm/epghomepage100_sid-551205.html (http://www3.ndr.de/programm/epghomepage100_sid-551205.html)

Title: [Die Mitte... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on August 04, 2009, 12:13:48 PM
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[...] Die Steinmeier-SPD umwirbt wieder wie einst im sozialdemokratischen Mai mit dem Wählerfänger Gerhard Schröder die "Neue Mitte". Die FDP hat sich, seit ihr der Selbstauskunft-Ausrutscher "Partei der Besserverdienenden" Image-Nachteile bescherte, zur einzig wahren Advokatin der Mitte erklärt. Die Merkel-CDU lässt plakatieren "Die Mitte. Deutschlands Stärke".

[...] Konzernen hat die Politik geholfen, den Habenichtsen will sie mehr geben. Von der Mittelschicht und ihren Nöten ist wenig die Rede, so als sei das eine Luxusdiskussion für bürgerliche Salons. Beise: "Man kann die Mittelschicht schröpfen, klar. Sie wehrt sich nicht, auch klar. Aber Vorsicht: Der Langmut kann täuschen. Tatsächlich verabschiedet sich die Mittelschicht bereits von diesem Staat, sie tut das auf ihre Weise: leise und unauffällig."

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Autor: Erna Weitblick / Datum: 03.08.09 22:23
Huch...

Netter Artikel, der mich, als Zugehörige der Mittelschicht, fast in die Arme der FDP hätte treiben können, wäre dieser Artikel nicht zu kurz gegriffen und ignorierte die Auswirkungen des angloamerikanischen (auch neoliberalen) Wirtschaftskonzepts komplett. Also im Grunde die Auswirkungen der Initiative neue soziale Marktwirtschaft, die von CDU/ CSU, SPD, Grüne und insbesondere FDP in den letzten Jahren propagiert, protegiert und umgesetzt wurde und insbesondere die Mittelschicht traf. Hierzu ein kleines Filmchen:

http://www.youtube.com/watch?v=57aaqtyEzOQ

Bedingt durch die Reformen schrumpfte die Mittelschicht nicht nur um fast 10%.
Bis zum Jahr 2000 lag der prozentuale Anteil der Mittelschichtzugehörigen fast konstant zwischen 63.1 und 62,3%. Dann schrumpfte sie sukzessive auf den heutigen Stand von 51,4%.

Auch spielt die Ausweitung des Niedriglohnsektors genau so eine Rolle, wie der Ausbau der Arbeitnehmerüberlassung / Zeitarbeit. Erwarben 1995 noch 15% der abhängig Beschäftigten ihren Lebensunterhalt im Niedriglohnbereich, waren es 2006 schon 22,2 %. - Oder 7 Millionen Menschen, von denen 6.1 % einen Hochschulabschluss, 68% eine Berufsausbildung und 26.4 % keine Ausbildung hatten. Neben den Steuerbelastungen kam in den letzten Jahren noch ein Reallohnverlust von 3,5% hinzu.

Das die Rentenreform für die Sandwich-Generation der Mittelschicht später einmal zu einem Anstieg der Altersarmut führen wird, ist auch noch nicht hinreichend kommuniziert. Zumal die private Vorsorge sowohl durch schlecht kontrollierte Finanzmärkte als auch durch die Wirtschaftskrise zu einer zynischen Veranstaltung mutierte.

Danke CDU, SPD, GRÜNE, und insbesondere FDP.

Die Zahlen habe ich schon vor einem Jahr recherchiert und meine Quelle ist:
http://www.jjahnke.net/index.html


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Aus: "Im Wahlkampf heftig umworben - Mittelschicht – Melkkuh der Nation" VON REINHOLD MICHELS (03.08.2009)
Quelle: http://www.rp-online.de/public/article/politik/deutschland/740235/Mittelschicht-Melkkuh-der-Nation.html (http://www.rp-online.de/public/article/politik/deutschland/740235/Mittelschicht-Melkkuh-der-Nation.html)

Title: [Zusammenhang zwischen Arbeitslosenquote und Wahlbeteiligung... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on September 07, 2009, 11:00:09 AM
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[...] Je ärmer die Menschen in einem Stadtteil sind, desto niedriger fällt dort die Wahlbeteiligung aus. "Dieser Zusammenhang gilt systematisch. Wenn man die Arbeitslosenquote kennt, kann man die Höhe der Wahlbeteiligung schon fast voraussagen", sagte der Politologe Armin Schäfer.

Der Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, der zu Wahlbeteiligung und sozialem Status der Stadtteile seit den Bundestagswahlen 2005 forscht, belegte seine Thesen mit einem Beispiel von der jüngsten Kommunalwahl in Köln: "Im sozialen Brennpunkt Köln-Chorweiler sind 25,7 Prozent zur Wahl gegangen, im gehobenen Hahnwald waren es 64,4 Prozent." Dasselbe Muster zeigte sich bei Europa-, Landtags- und Bundestagswahlen.

"Es gab lange die These, wer unzufrieden ist, will etwas ändern und geht wählen. Aber das stimmt nicht", betonte der Experte. "Eine persönlich schwierige oder unzufriedenstellende Lage wie Arbeitslosigkeit führt eben nicht zur Mobilisierung." Was in Köln bei der Kommunalwahl vor einer Woche zu beobachten gewesen sei, gelte auch für andere Großstädte: "Ich bin sicher, dass es den Zusammenhang zwischen Arbeitslosenquote und Wahlbeteiligung auch in jeder anderen größeren Stadt gibt."

Für die Bundestagswahl 2005 hat Schäfer auch für Städte wie Hamburg, Düsseldorf, Dortmund, Hannover oder Dresden belegt: Stadtteile mit hoher Hartz-IV-Quote oder mit starker Arbeitslosigkeit hatten durchweg eine auffallend niedrige Wahlbeteiligung. "Es galt immer dasselbe System, es waren immer dieselben Ergebnisse."

Diese Beobachtungen aus den Stadtteilen deckten sich auch mit den Ergebnissen von individuellen Umfragen oder der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften: "Auch hier zeigt sich, dass geringe Bildung und niedriges Einkommen infolge von Arbeitslosigkeit dazu führen, eher nicht zur Wahl zu gehen", meinte der Politologe. "Je niedriger aber die Wahlbeteiligung ausfällt, desto stärker ist sie sozial verzerrt."

dpa


Aus: "Arme gehen seltener wählen" (05. September 2009)
Quelle: http://www.n-tv.de/politik/Arme-gehen-seltener-waehlen-article491620.html (http://www.n-tv.de/politik/Arme-gehen-seltener-waehlen-article491620.html)

Title: [Flüchtlinge in Kettenduldung... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on September 08, 2009, 12:36:14 PM
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[...] Das Asylbewerberleistungsgesetz, das Flüchtlinge wie Menschen zweiter Klasse behandele, gehöre abgeschafft. Zudem sei eine neue Bleiberechtsregelung dringend erforderlich, sagte Burkhardt. Pro Asyl fordere die Abschaffung der sogenannten Kettenduldung. Inzwischen seien mehr als 60 000 Menschen seit über sechs Jahren in Deutschland geduldet - ohne Chance auf ein Bleiberecht. «Wer lange in Deutschland lebt, muss bleiben dürfen», sagte Burkhardt. «Eine Abschiebung nach so langer Zeit wäre ein Akt der Inhumanität.»

Die beiden Preisträger Nissrin Ali und Felleke Bahiru Kum erhalten die Auszeichnung für ihren Einsatz gegen Lagerunterbringungen von Asylbewerbern. Zudem engagieren sich die staatenlose Kurdin aus Syrien und der Äthiopier für eine gerechte Bleiberechtsregelung.

ddp/kah/mwa



Aus: "Asylbewerberleistungsgesetz - Flüchtlinge mit Menschenrechtspreis ausgezeichnet" (05.09.2009)
Quelle: http://www.ad-hoc-news.de/asylbewerberleistungsgesetz-fluechtlinge-mit--/de/Politik/20493967 (http://www.ad-hoc-news.de/asylbewerberleistungsgesetz-fluechtlinge-mit--/de/Politik/20493967)


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[...] Auch der vielfach kritisierte, jede Integration verhindernde Status der „Kettenduldung“ wurde – entgegen der Ankündigung – nicht abgeschafft. Ende 2005 lebten nach wie vor etwa 200.000 Ausländer mit einer Bescheinigung über die „Aussetzung der Abschiebung“ (Duldung) in Deutschland, manche davon bereits über mehr als 10 Jahre.[5]

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[5] # ↑ Vgl. zur Zahl der längerfristig Geduldeten Bundestags-Drucksache 16/307 v. 21. Dezember 2005 http://dip.bundestag.de/btd/16/003/1600307.pdf

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Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Zuwanderungsgesetz (http://de.wikipedia.org/wiki/Zuwanderungsgesetz) (14. August 2009)


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[...] Frankfurt am Main (Pro Asyl) 17.08.2009: Die Stiftung PRO ASYL verleiht ihren Menschenrechtspreis, die PRO ASYL-Hand, in diesem Jahr an Nissrin Ali und Felleke Bahiru Kum für ihren Einsatz gegen die Lagerunterbringung von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern.
 
In Deutschland leben zahlreiche Asylbewerber in Flüchtlingslagern ohne Chance auf ein selbstbestimmtes Leben und in ständiger Angst vor Abschiebung. Nissrin Ali, eine staatenlose Kurdin aus Syrien, die mit 13 Jahren nach Deutschland kam, lebt seitdem mit ihrer Familie im Lager. Sie hat hier ihren Hauptschulabschluss gemacht, darf aber nicht arbeiten. „Man lebt nicht, man stirbt langsam“, sagt Nissrin Ali über ihre Erfahrungen in der Sammelunterkunft. Statt sich in die vorgegebene Passivität einzufügen, engagiert sie sich politisch gegen Lagerunterbringung und für eine gerechte Bleiberechtsregelung.
 
Der Äthiopier Felleke Bahiru Kum hat sich während seines inzwischen über 9 Jahre dauernden Aufenthalts in Flüchtlingslagern unermüdlich für die Rechte der Bewohner eingesetzt und jede Gelegenheit genutzt, die Öffentlichkeit auf die Missstände aufmerksam zu machen. Die beiden haben der bayerischen Sozialministerin persönlich eine Petition mit über 3.000 Unterschriften gegen die Lagerpflicht überreicht und sind im bayerischen Landtag als Experten zum Asylbewerberleistungsgesetz angehört worden.

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Aus: "Verleihung des Menschenrechtspreises 2009 an geduldete Flüchtlinge" (17. August 2009)
Quelle: =58971&tx_ttnews[backPid]=23&cHash=4573cd54dc]http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=55&tx_ttnews[tt_news]=58971&tx_ttnews[backPid]=23&cHash=4573cd54dc (http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=55&tx_ttnews[tt_news)

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Menschenrechtspreis für Flüchtlinge
Gotthilf Unsallen 25.08.2009
http://de.indymedia.org/2009/08/258986.shtml (http://de.indymedia.org/2009/08/258986.shtml)

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http://www.fluechtlingsrat-bayern.de/felleke-bahiru-kum.html (http://www.fluechtlingsrat-bayern.de/felleke-bahiru-kum.html)

http://www.fluechtlingsrat-bayern.de/menschenrechtspreis-fuer-lagerland-aktivistinnen.html (http://www.fluechtlingsrat-bayern.de/menschenrechtspreis-fuer-lagerland-aktivistinnen.html)


Title: [Die Rechtssicherheit, die wie ein Granitblock war... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on September 14, 2009, 10:08:35 AM
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[...] Peter Brabeck-Letmathe (* 13. November 1944 in Villach) ist ein österreichischer Manager.

[...] In dem Film We Feed the World, welcher insbesondere die Massenproduktion verschiedener Lebensmittel kritisiert, gab Peter Brabeck ein Interview, in welchem er unter anderem die Erfolge Nestlés präsentiert und die Idee des Grundrechts auf Trinkwasser als "extrem" bezeichnet. Auf die Privatisierung der Wasserversorgung angesprochen, sieht er Wasser als ein Lebensmittel von vielen, das einen regulären Wert (implizit: einen Marktwert) haben soll. Er erklärt, so die Wertschätzung des Wassers erhöhen zu wollen. Er schlägt vor, auf diejenigen, die sich dann kein Trinkwasser mehr leisten können, spezifisch einzugehen, ohne dies weiter zu präzisieren.

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Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Brabeck (http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Brabeck)


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[...] Bern - Nestle-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck droht mit einem Wegzug des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns aus der Schweiz, sollten dort staatlich festgelegte Gehaltsobergrenzen eingeführt werden. "Das wäre der Anfang vom Ende", sagte er in einem Interview mit der Zeitung "Sonntag".

Die Schweiz müsse aufpassen, dass sie ihren Standortvorteil nicht verscherze, sagte der Österreicher Brabeck. "Die Rechtssicherheit, die wie ein Granitblock war, ist aufgeweicht worden." In letzter Zeit habe es Druck von außen, aber auch populistischen Druck von innen auf die Schweiz gegeben. "Da hat man gesehen, dass Regierung und Parlament relativ schnell bereit waren, bisheriges Recht zu ändern."

Die Schweizer Politik habe zu wenig vorausschauend gehandelt, kritisierte Brabeck weiter. "Dass die Schweiz hinsichtlich des Finanzplatzes unter Druck kommen würde, war absehbar. Die Zeichen standen an der Wand. Hätte man rechtzeitig reagiert, wäre es nicht so weit gekommen."

(APA/sda)

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Brücke   
 13.09.2009 21:05   

... Nokia hat in Finnland mit Abwanderungsdrohung einen Gesetzesbeschluß zur elektronischen Überwachung der Firmenmitarbeiter durchgesetzt.



Aus: "Nein zu Gehaltsobergrenze - Nestle droht der Schweiz" (13. September 2009)
Quelle: http://derstandard.at/fs/1252771203483/Nestle-droht-der-Schweiz (http://derstandard.at/fs/1252771203483/Nestle-droht-der-Schweiz)

Title: [Es gibt kein Verbot von Mehrfamilienhäusern auf Facebook.. ]
Post by: Textaris(txt*bot) on September 22, 2009, 10:28:12 AM
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[...] Jüngste Zahlen belegen, dass Facebook mittlerweile das populärste Soziale Netzwerk ist. So wurde die Website im Mai von 124 Millionen Menschen weltweit besucht. Diese Woche gab Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zudem bekannt, dass sein Netzwerk heute 300 Millionen Nutzer besitzt.

Der einstige Branchenprimus MySpace gilt dagegen als Verlierer dieser Wanderbewegungen. Zwar wurde die Website im Mai noch von 116 Millionen Menschen besucht, doch in der IT-Presse gilt MySpace längst als gescheiterter Fall. Mashable.com-Gründer Pete Cashmore mutmaßte beispielsweise jüngst, das Ende von MySpace sei nah.

Boyd glaubt jedoch, dass die Dynamik hinter dem Aufstieg und dem angeblichen Untergang von MySpace komplexer ist. Boyd sagte dazu kürzlich auf einer Konferenz für Online-Politik, dass immer noch zahllose Menschen Accounts bei MySpace anlegen.

"Ich schätze allerdings, dass die meisten von ihnen keinen dieser neuen MySpace-Nutzer kennen", so Boyd in ihrer jetzt veröffentlichten Rede vor dem Publikum des Personal Democracy Forum, "ganz einfach, weil sie sich zu stark von Ihnen unterscheiden."

Boyd hat in den letzten vier Jahren zahllose Interviews mit Teenagern und Erwachsenen zur Nutzung von Sozialen Netzwerken geführt und dabei die Wanderbewegung von MySpace zu Facebook quasi in Echtzeit erforschen können.

Das Ergebnis ihrer Untersuchungen ist ernüchternd: Besser gebildete weiße Mittelstandsjugendliche ließen in Scharen ihre MySpace-Profile im Stich, um es sich bei Facebook bequem zu machen. "MySpace ist zum Ghetto der digitalen Gesellschaft geworden", so Boyd. "Seine Nutzer sind eher braun oder schwarz und haben Werte, vor denen sich die weiße Gesellschaft fürchtet."

Die Forscherin vergleicht dieses Phänomen mit der "weißen Flucht", die zum Entstehen der US-amerikanischen Vorstädte führte. In den vergangenen Jahrzehnten verließen zahllose weiße Mittelstandsfamilien US-amerikanische Innenstädte, um sich in wohlhabenden, homogen weißen Vorstädten anzusiedeln. Menschen mit geringerem Einkommen blieb der Zuzug in diese Vorstädte gezielt verwehrt, indem beispielsweise durch lokale Baubestimmungen die Konstruktion von Mehrfamilienhäusern unterbunden wurde.

Begründet wurden solche Bestimmungen oft mit dem negativen Einfluss von Mehrfamilienhäusern auf den Wert umliegender Immobilien. Der kaum verhohlene Subtext war eine Angst vor einer urbanen und oftmals nicht-weißen Unterschicht.

Boyd sieht in der Hysterie um Pädophile und exhibitionistische Teenager auf MySpace eine Parallele zu diesen Ängsten. Forschung habe immer wieder gezeigt, dass Chat-Räume viel gefährlicher seien als MySpace. Die Berichterstattung der von einer weißen Mittelschicht dominierten Presse sehe jedoch anders aus. "Sie präsentierten uns MySpace als eine gefährliche Schattenweld des Internets und Facebook als utopischen Retter."

Nutzer, die von MySpace zu Facebook wechselten, versprachen sich von der Site eine friedlichere, ruhigere und weniger öffentliche Umgebung als von MySpace - ganz so wie die Einwohner der US-amerikanischen Vororte.

Nicht jeder teilt Boyds Analyse. So schrieb US-Journalist Jonathan Pourzal in einer Erwiderung, der eigentliche Grund für Facebooks Popularität sei, dass es für College-Studenten unentbehrlich sei. Wer wissen wolle, was an seiner Uni los sei, brauche dazu heute einfach einen Facebook-Account. Gleichzeitig habe er auf Facebook jede Menge Freunde mit verschiedenen ethnischen Hintergründen. "Facebook ist einfach eine komfortable Möglichkeit zum Online-Netzwerken", so Pourzal, "komfortabler, als MySpace das je war."

Tatsächlich haben die unterschiedlichen Nutzerschaften von Facebook und MySpace auch mit den Gründungsbedingungen der beiden Sites zu tun. MySpace begann als Website für musikbegeisterte Jugendliche, Facebook als geschlossenes Netzwerk einiger weniger ausgesuchter Eliteuniversitäten. Diese Nutzer luden dann wiederum ihre Freunde und Freundesfreunde ein - und der erweiterte Bekanntenkreis eines typischen Harvard-Studenten ist eben in der Regel gut betucht und gebildet.

"Das erklärt jedoch nicht, warum einge Leute von MySpace zu Facebook wechselten und andere nicht", argumentiert Boyd. Die Trennung zwischen Facebook und MySpace ist in ihren Augen vielmehr ein Ausdruck existierender kultureller Abgrenzung in der US-amerikanischen Gesellschaft. "Weiße kennen Weiße. Demokraten kennen Demokraten. Reiche Leute kennen reiche Leute", so Boyd.

Dass sich dieser Trend online so stark manifestiert, widerlegt ihrer Meinung nach den Mythos vom Internet als demokratisches Medium, das Grenzen überbrückt und alle mit allen kommunizieren lässt. "Wir glauben oftmals an das Internet als eine Art utopischen Retter", so Boyd. "Wir können jedoch nicht erwarten, dass Technologie automatisch Grenzen aufhebt und kulturelle Harmonie herstellt."

Deswegen sei es um so wichtiger, dass man sich dieser Grenzen bewusst sei. Wer Soziale Netzwerke für politische Arbeit nutze, müsse sich darüber im Klaren sein, dass er mit jeder Website immer nur eine bestimmte Zielgruppe erreiche. Boyd dazu: "Je mehr wir uns auf soziale Online-Medien als Lösung verlassen, desto mehr schaffen wir die moderne Version einer Zweiklassengesellschaft."

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Und ewig lockt der Klassenkampf

maxitb, vor 7 Minuten

Ganze Politikgruppierungen und Lehrrichtungen würden ihre Existenzberechtigung verlieren, sollte es ihn nicht mehr geben. Kein Wunder, daß man gerade von diesen Gruppen regelmäßig tolle neue Ideen geliefert bekommt, wie man die Gesellschaft künstlich in zwei Rassen aufteilen kann. Einfach pervers.


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rayoflight, vor 23 Minuten

lächerlicher geht's wohl nimmer, und mit sowas beschäftigen sich die soziologen. facebook ist derzeit halt einfach trendy, myspace war's die jahre davor. die junge community ist eben wankelmütig, nicht mehr und nicht weniger.


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wenn ich mir

neusprechat, vor 31 Minuten

diese trähen mit musciplayer, videoplayer, diashow usw vollbepackten myspace seiten anseh kommt mir regelmäßig das grauen. da wundert micht rein gar nichts.

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genau das ist der Grund

hossilein, vor 26 Minuten

neusprechat, hast recht. MySpace Seiten verursachen Augenkrebs.



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das problem
gunslinger, vor 27 Minuten

besteht aber nur an der schnittstelle. es gibt keinen grund, warum sich nicht auf facebook zirkel von personen aus niedrigeren sozialen Schichten bilden sollten. es gibt kein verbot von mehrfamilienhäusern auf facebook.





Aus: "MySpace als "Ghetto der digitalen Gesellschaft"" Janko Röttgers (22.09.2009)
Quelle: http://futurezone.orf.at/stories/1627828/ (http://futurezone.orf.at/stories/1627828/)

Title: [42 Prozent der Ostdeutschen fühlen sich... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on September 27, 2009, 12:14:24 PM
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[...] Das Empfinden, Bürger zweiter Klasse zu sein, haben 42 Prozent der Ostdeutschen, 46 Prozent halten diesen Eindruck für unberechtigt.

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Aus: "42 Prozent der Ostdeutschen fühlen sich als Bürger zweiter Klasse" Renate Köcher  (26.09.2009)
Quelle: http://www.wiwo.de/politik/42-prozent-der-ostdeutschen-fuehlen-sich-als-buerger-zweiter-klasse-409340/2/ (http://www.wiwo.de/politik/42-prozent-der-ostdeutschen-fuehlen-sich-als-buerger-zweiter-klasse-409340/2/)

Title: [Der Rest sollte woanders hingehen... (Unterschicht, Berlin, Sarrazin)]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 01, 2009, 12:44:40 PM
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[...] BERLIN. Für die Armen hatte Thilo Sarrazin ein Herz. Als der Sozialdemokrat noch Finanzsenator in Berlin war, schrieb er Hartz-IV-Empfängern einen Speiseplan, nach dem sie sich für 4,25 Euro am Tag ernähren sollten. Er empfahl auch, dicke Pullover im Winter zu tragen, das spare Heizkosten. Aber auch um die Besserverdienenden der Stadt kümmerte sich Sarrazin. Bevor er in diesem Jahr in den Vorstand der Bundesbank wechselte, verschaffte Sarrazin dem 1895 gegründeten Golfclub Wannsee noch einen günstigen Pachtvertrag über 99 Jahre für das 56 Hektar große Areal, am Wannsee gelegen.

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Aus: "Ein Geruch von Vetternwirtschaft" Von Sabine Rennefanz (Archiv » 2009 » 29. August » Seite 3)
Quelle: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0829/seite3/0015/index.html (http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0829/seite3/0015/index.html)


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[...] Seine Erlebnisse im Roten Rathaus müssen verstörend gewesen sein. Jedenfalls lässt Sozialdemokrat Sarrazin, der durch abträgliche Bermerkungen über Hartz-IV-Empfänger bundesweit bekannt geworden ist, kein gutes Haar an seiner alten Heimat.

[...] Sarrazin hat wie gewohnt einen Blick für das Prekariat. Es gebe auch das Problem, "dass 40 Prozent aller Geburten in der Unterschicht stattfinden", sagt er, und sie füllten die Schulen und die Klassen.

Zudem gebe es in Berlin stärker als anderswo das Problem "einer am normalen Wirtschaftskreislauf nicht teilnehmenden Unterschicht", so Sarrazin. "Wir müssen in der Familienpolitik völlig umstellen: Weg von Geldleistungen, vor allem bei der Unterschicht."

[...] Sarrazin plädiert beispielsweise für eine Änderung bei der Immigration: "Die Medien sind orientiert auf die soziale Problematik, aber türkische Wärmestuben können die Stadt nicht vorantreiben", meinte der Ex-Senator.

"Ich würde einen völlig anderen Ton anschlagen und sagen: Jeder, der bei uns etwas kann und anstrebt, ist willkommen; der Rest sollte woanders hingehen."

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30.09.2009 17:46:04

gerhardrolf: sarazin und die Wahrheit!

Was gibt es da zu deuteln. Wo Sarazin Recht ha,t hat er Recht. Die Polemiken, wenn mal ausgesprochen wird, wenn Asoziale,. Arbeitscheue und auf Kosten der arbeitenden Gessellschaft Lebende als das benannt werden was sie sind, nämlich unterstes Level der Gesellschaft. .

Wer nicht arbeiten will kann höchstens Almosen bekommen.

Wirtschaftsflüchtlinge die nur auf unsere Kosten leben können draussen bleiben.

So einfach ist das. Wer das nicht möchte kann für jeden solch Kostgänger die Patenschaft übernehmen und ihn durchfüttern.

Da möchte ich mal einige Debattiere sehen.



Quote
30.09.2009 17:18:29

wawerka: @HoChiMinh

"Zündelnde Rattenfänger verfügen auch heutzutage über einen willigen Mop. "

Sonst nicht meine Art, aber es heißt "Mob". Ein Mop ist zum Aufwischen gedacht. Und es verleiht Ihrem durchaus zutreffenden Beitrag eine belustigende Note, die nicht angebracht ist.


Quote
30.09.2009 18:57:17
Parvis:

Diesen Kommentar können wir leider nicht veröffentlichen. Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB.


Quote

30.09.2009 18:48:22

Schnolfi:

Diesen Kommentar können wir leider nicht veröffentlichen. Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB.



Quote
30.09.2009 17:55:18

P-Dinho: Hier diskutiert das Halb- und Bildungsbürgertum über ein Thema mit dem sich die meisten Foristen (unterstelle ich mal) im wahren Leben eher selten konfrontiert sehen. Wer aber beruflich, ehrenamtlich oder durch wohngeografischen Zwang häufig bis täglich mit dem Prekariat (Unterschicht, Migranten; kann man der Einfachheit alles zusammenwerfen und muss es dann bei differenzierter Analyse doch wieder trennen) konfrontiert ist, weiß, dass Sarrazin mit seinen Aussagen einen realen Kern pointiert darstellt. Mit seiner selbstgefälligen, bewusst bösartigen Überspitzung macht er es den anders Denkenden leicht, den Inhalt gleich mit der Form rundweg abzulehnen.


Quote

30.09.2009 18:06:47

U.T.: @P-Dinho

Ist aber komisch, dass ich gerade viele Leute kenne, die "beruflich, ehrenamtlich oder durch wohngeografischen ZWANG (?)" mit dem von Ihnen in einen Pott geschmissenen 'Prekariat' sehr viel Erfahrung haben und absolut abgestoßen von solchen aggressiven Polemiken sind. Ganz besonders die!!


Quote

30.09.2009 18:27:50

M.W.R.W.:

Peinlich, wie viele Foristen hier auf die polemischen Äußerungen eines Sarrazin eingehen. Ich habe den noch nie ernstgenommen, natürlich auch damals nicht mit seinen bösartigen Äußerungen zu Hartz4-Empfängern. Solange jemand wie er nur darauf bedacht ist, mit abwertenden Äußerungen über Menschen Öl ins Feuer zu gießen, bleibt er für mich irgendeine unangenehm polternde Person in der falschen Partei. Bei solchen Aussagen wie "Jeder, der bei uns etwas kann und anstrebt, ist willkommen; der Rest sollte woanders hingehen." wird speiübel. Wer beurteilt denn vorurteilsfrei, wer etwas kann und anstrebt? Der Herr Sarrazin? Lach.


Quote
30.09.2009 17:18:29

wawerka: @HoChiMinh

"Zündelnde Rattenfänger verfügen auch heutzutage über einen willigen Mop. "

Sonst nicht meine Art, aber es heißt "Mob". Ein Mop ist zum Aufwischen gedacht. Und es verleiht Ihrem durchaus zutreffenden Beitrag eine belustigende Note, die nicht angebracht ist.



Quote
01.10.2009 11:37:58

Nächstenliebe:

Ersetzt man in vielen Kommentaren die Wörter "Arbeitsloser" und "Türke" durch J.ude, dann könnte man denken, man sei hier versehentlich beim Stürmer gelandet.

Deutschland quo vadis ?

Quote

01.10.2009 10:25:25

Guderian: Fakten. Fakten. Fakten.

Über unseren Freund Sarrazin wurde hier ja schon viel richtiges und falsches gesagt. Ich werde mir hier nicht die Mühe machen, zu erklären weshalb rassistische Hetze keine erfrischende Ehrlichkeit ist. Erlauben sie mir einfach die Diskussion zum Thema Berlin mit etwas Fakten anzureichern.

- Im Jahr 2008 wuchs die Wirtschaft Berlins von allen 16 Bundesländern am stärksten.

- Im 1.HJ 2009 sank das BIP in allen anderen Bundesländern stärker als in Berlin.

- Im Durchschnitt schrumpf die deutsche Wirtschaft derzeit dreimal so stark wie die Berlins.

- Letztes Jahr konnte nur Hamburg einen höheren Zuwachs an Arbeitsplätzen verzeichnen.

- Berlin hat den höchsten Anteil an Akademikern in der Bevölkerung.

- Berlin hat die höchste Dynamik bei Unternehmensgründungen.

- Türken sind überproportional häufig Selbstständige

Und last but not least, dieser Kommentar wurde an einem PC geschrieben, den ich von einem türkischen Mittelständler in Berlin für meine Bedürfnisse habe zusammen stellen lassen. Sein Service war excellent und das Gerät ein Drittel billiger als bei allen anderen Anbietern.



Aus: "Sarrazin lästert über "türkische Wärmestuben"" (30.09.2009)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/72/489459/text/ (http://www.sueddeutsche.de/politik/72/489459/text/)

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Quote
[...] Mit seinen jüngsten Ausfällen gegen sein Lieblingsfeindbild - die Berliner Unterschicht - ist Sarrazin ...


Aus: "Äußerungen des Bundesbankvorstandes: Sarrazin - Zu viel ist zu viel" (30.09.2009)
Quelle: http://www.ftd.de/politik/deutschland/:aeusserungen-des-bundesbankvorstandes-sarrazin-zu-viel-ist-zu-viel/50017437.html (http://www.ftd.de/politik/deutschland/:aeusserungen-des-bundesbankvorstandes-sarrazin-zu-viel-ist-zu-viel/50017437.html)

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[...] Berlin sei „plebejisch und kleinbürgerlich“, sagte Sarrazin der Zeitschrift „Lettre International“. Ein Problem der Stadt sei, „dass 40 Prozent aller Geburten in der Unterschicht stattfinden“.

Die Bundesbank distanzierte sich am Mittwoch „entschieden in Inhalt und Form von den diskriminierenden Äußerungen“ Sarrazins. Er gebe nicht die Ansichten der Bundesbank wieder, das Interview stehe „in keinerlei Zusammenhang mit den Aufgaben von Dr. Sarrazin bei der Bundesbank“, heißt es in einer am frühen Abend eilig verbreiteten Stellungnahme.

Auch in seiner Partei schlugen die Wellen hoch. „Als Obmann für Scheine und Münzen langweilt sich Sarrazin offenbar“, sagte Ülker Radziwill, sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Morgenpost Online. Die Ansichten des früheren Finanzsenators und heutigen Chef-Bankers seien „hochnäsig und einfältig“. Sarrazin solle aufhören, „auf einzelne Bevölkerungsgruppen einprügeln“.

In dem Interview hatte Sarrazin gegen die Berliner Integrationspolitik polemisiert. „Türkische Wärmestuben“ könnten die Stadt nicht voranbringen, sagte der streitbare SPD-Politiker und riet seinen früheren Senatskollegen: „Ich würde einen völlig anderen Ton anschlagen und sagen: Jeder, der bei uns etwas kann und anstrebt, ist willkommen; der Rest sollte woanders hingehen.“ Zudem sei die Hauptstadt von „der 68er-Tradition und dem Westberliner Schlamp-Faktor“ geprägt. Sarrazin beklagte das Fehlen von Eliten und die „kleinbürgerliche Gesinnung“ der Berliner Politiker. „Der Intellekt, den Berlin braucht, muss also importiert werden.“

Froh äußert sich Sarrazin aber über das Ende der alten "Berliner Subventionswirtschaft“. Gutes könne nur von außen kommen. Jede Metropole lebe davon, dass sie Zuwachs aus der Provinz bekomme. So solle es auch mit Berlin werden. Er habe als Berliner Finanzsenator seinen Beitrag dazu geleistet, findet er. Durch Personalabbau. "Die Berliner Verwaltung ist keine gute Verwaltung, auch wenn sie etwas besser geworden ist, weil sie kontinuierlich kleiner wurde. Das war ein Beitrag zur Qualitätssteigerung.“ Allerdings würden Führungskräfte zu schlecht bezahlt. "Wenn ich Regierender Bürgermeister wäre, würde ich erst mal dafür sorgen, dass der Senat vernünftig bezahlt wird.“ Sarrazin gibt auch als Bildungsexperte Tipps: "Die Schulen müssen von unten nach oben anders gestaltet werden. Dazu gehört, den Nichtleistungsträgern zu vermitteln, dass sie ebenso gerne woanders nichts leisten sollten.“

Doch Sarrazin sieht auch Fortschritte in der Entwicklung der Stadt: Topanwälte, Wirtschaftsberater, Manager, Ingenieure, Wissenschaftler – „viele möchten gern in Berlin leben, viele Firmen eröffnen deshalb Dependancen“, sagte Sarrazin. Berlin gehe es wie dem New York der 50er-Jahre, als sich die Stadt mittels Zuwanderung wieder gestärkt habe. Denn Berlin werde „niemals von den Berlinern gerettet werden können“.

Wesentliches Problem der Stadt ist aus Sarrazins Sicht, "dass 40 Prozent aller Geburten in der Unterschicht stattfinden“. Doch nicht nur das, auch die Migranten sind seiner Meinung nach mitverantwortlich für das schlechte Bild der Stadt: Eine große Anzahl der Türken und Araber "hat keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel, und es wird sich vermutlich auch keine Perspektive entwickeln.“

Das gelte auch "für einen Teil der deutschen Unterschicht, die einmal in den subventionierten Betrieben Spulen gedreht oder Zigarettenmaschinen bedient hat“. Für alle anderen Zuwanderer hat Sarrazin ebenfalls charakteristische Beschreibungen parat. "Die Vietnamesen: Die Eltern können kaum Deutsch, verkaufen Zigaretten oder haben einen Kiosk.“ Die zweite Generation sei aber integrationswillig wie die Osteuropäer.

"Die Deutschrussen haben große Probleme in der ersten, teilweise auch der zweiten Generation, danach läuft es wie am Schnürchen, weil sie noch eine altdeutsche Arbeitsauffassung haben.“ Bei den Ostasiaten, Chinesen und Indern sei es dasselbe. "Bei den Kerngruppen der Jugoslawen sieht man dann schon eher ,türkische' Probleme.“ Was der Ex-Senator damit meint: "Ständig werden Bräute nachgeliefert: Das türkische Mädchen hier wird mit einem Anatolen verheiratet, der türkische Junge hier bekommt eine Braut aus einem anatolischen Dorf.“

Bei den Arabern sei es "noch schlimmer“, so Sarrazin. "Meine Vorstellung wäre: generell kein Zuzug mehr außer für Hochqualifizierte und perspektivisch keine Transferleistungen mehr für Einwanderer.“ Zudem würden die Türken versuchen, mit einer hohen Geburtenrate in Deutschland die Einheimischen zu übertreffen. Dazu Sarrazin – womöglich ironisch: "Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung.“

Empört reagierte auch Berlins CDU-Chef Frank Henkel auf Sarrazins Äußerungen. „Es ist schon interessant, wie jemand über unsere Stadt urteilt, der jahrelang von Berliner Steuergeld gelebt hat“, sagte Henkel. „Ich denke, weder die Berliner noch die vielen Neuberliner müssen sich für ihre Leistungsfähigkeit schämen. Berlin hat genug kreatives Potenzial und ist offen für Impulse von außen. Wir scheuen weder, Intellekt zu importieren, noch, Stumpfsinn zu exportieren, wie es offensichtlich bei Herrn Sarrazin der Fall ist.“


Aus: "Bundesbank distanziert sich von Ex-Senator Sarrazin" Von Stefan Schulz (Mittwoch, 30. September 2009)
Quelle: http://www.morgenpost.de/berlin/article1182304/Bundesbank_distanziert_sich_von_Ex_Senator_Sarrazin.html (http://www.morgenpost.de/berlin/article1182304/Bundesbank_distanziert_sich_von_Ex_Senator_Sarrazin.html)

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[...] Sarrazin ist seit Mai bei der Bundesbank für Risikocontrolling und Bargeldumlauf zuständig und seitdem häufiger in den Schlagzeilen, als es für seinen Arbeitgeber schicklich ist. Das ehemalige Mitglied des Berliner Senats gebe in dem Interview nicht die Ansichten der Bundesbank wieder, teilt die Bundesbank mit. Das Interview stehe in keinerlei Zusammenhang mit seinen Aufgaben bei der Bundesbank.

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Gefällt - nicht
Martin Weigele (mgweigele)

Es gefällt mir an Herrn Sarrazin, dass er ohne Rücksicht auf political correctness sagt, was er denkt.
Es gefällt mir gar nicht an Herrn Sarrazin, dass er sich in unbeschreiblicher Arroganz über Mitmenschen erhebt, die schwächer sind als er.





Aus: "Bundesbank in Aufruhr" Von Stefan Ruhkamp (30. September 2009)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~EF42E5C6077AC4DBE8AB31DD654CE61D4~ATpl~Ecommon~Scontent.html (http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~EF42E5C6077AC4DBE8AB31DD654CE61D4~ATpl~Ecommon~Scontent.html)


Title: [Eine dicke Kruste zwischen Besserverdienern und Überflüssigen... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 12, 2009, 01:14:56 PM
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[...] Nach den Berechnungen der Gewerkschaft sei die Zahl der Hartz-IV-Empfänger bei Hochqualifizierten im August binnen Jahresfrist um fast 14 Prozent emporgeschnellt. Bei Hauptschulabsolventen stieg dieser Wert im selben Zeitraum nur um 1,4 Prozent, bei Schulabbrechern um 1,6 Prozent.

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12.10.2009 10:12:50

Raul:

Sind dann höherqualifizierte Hartz4 Empfänger auch Sozial Schmarotzer oder wird da bei den Neo-Liberalen ein Unterschied gemacht?


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12.10.2009 12:29:53

Prof. Weise: Das ist gut für Deutschland!

Ein harter Satz ist das, aber ich kanns mir IMO erlauben, weil ich selbst Akademiker und seit 3 Jahren in Hartz 4 bin (durch einen persönlichen Fehler am Arbeitsplatz).

Man entscheide selber was schlimmer ist: schon gespart zu haben und erst ALLES aufbrauchen zu müssen, um Geld zu bekommen. Oder gleich in Hartz 4 zu rutschen und an ALLEN Ecken gedemütigt zu werden. Deine Bank nimmt dir - ohne dich zu informieren - den Dispo, die Kreditkarte, das Aktiendepot weg. Die ARGE verlangt - unaufgefordert - die Offenlegung der Kontoauszüge eines jeden Kontos. JEDEN Tag muss in den Briefkasten wegen Vorladungen zur ARGE geschaut werden, also keine Spontan-verlängerte-Weekends mehr!

Kurzum: ich wurde in den 3 Jahren geläutert und es hat meiner Persönlichkeit und meiner Sicht auf Minderheiten und arme Leute grundlegend (zum besseren) geändert und das ist GUT für Deutschland!

PS: Trotzdem wünsche ich jedem Betroffenen natürlich keine Depression, der Partner möge bleiben (auch wenn man die gemeinsame Wohnung aufgeben muss) und wieder einen Job im gelernten Beruf! ...aber erst nachdem das Yuppie-Gehabe weg ist!

mfg


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12.10.2009 10:31:59

izmir.übül: @prophet46

"Ich glaube nur Studien die ich selbst gefälscht habe."

Die Geringqualifizierten waren halt schon vorher zu einem höheren Prozentsatz arbeitslos, da war das Potenzial für neue Arbeitslose nicht mehr so groß.

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12.10.2009 10:30:08

California-Ralf:

Was, haben wir denn etwa schon wieder eine "Akademikerschwemme" wie in den siebzigern?


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12.10.2009 10:28:33

California-Ralf:

@ -Raul-: "Sind dann höherqualifizierte Hartz4 Empfänger auch Sozial Schmarotzer oder wird da bei den Neo-Liberalen ein Unterschied gemacht?"

Das richtet sich wohl danach, ob sie in einem "bildungsfernen" Haushalt aufgewachsen sind oder nicht ;o)


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12.10.2009  10:35:24

FritzV: in die Tonne

Lese ich recht? Ich dachte immer, Bildung ist der Schlüssel aller Probleme. Bildung, Bildung, Bildung, so schallt es jedenfalls aus jedem medialen Rohr. Klar, die Wirtschaft kann gar nicht genug "Hochqualifizierte" im "Pool" haben. Nur, wenn alle hoch qualifiziert sind - wer kriegt dann den Job? Müssen dann Geschlecht oder Rasse herhalten? Es läuft auf eine, weltweite, quasifeudalistische Herrschaft des "Kapitals" hinaus. Mit Bildung oder ohne. Und wer sich jetzt nicht mit aller Kraft dem status quo entgegenstemmt, der darf sich nicht wundern, wenn er irgendwann mal vom System überrollt wird. Und dann als "Einkommensloser" automatisch als "Nichtleistungsträger" und "Sozialschmarotzer" stigmatisiert wird.

...


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12.10.2009 11:49:07

thh-ebe: @Tafelsalz: Manipulationen mit Statistik!

Tafelsalz weist mit Recht darauf hin, dass diese Aussagen nur eine Tendenz anzeigen, die ohne die Angabe der Bezugsgrößen falsche Assoziationen wecken können und dies vielfach auch tun!

Wenn dieser Artikel aus Gewerkschaftskreisen kommt, könnte man ihn als einseitige Darstellung durchgehen lassen.

Wenn dieser Artikel aber von den Journalisten der SZ und vom Bayerischen Rundfunk unkommentiert weitergegeben wird, dann halte ich das für hochgradig unseriös und nicht tolerierbar - egal, ob das aus Schlamperei oder bewusst geschieht. Und wenn es bewusst geschieht, ist es billiger Populismus an der Grenze zur Manipulation.


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12.10.2009 11:32:26

bundesboy:

[...]

Da Lebenslügen jedoch unseren Alltag bestimmen und mittlerweile eine dicke Kruste bilden, die den Kontakt zwischen Besserverdienern und Überflüssigen verhindert, wird noch viel Aufklärungsarbeit vonnöten sein, bis die ganze Wahrheit über den Zynismus unseres Wirtschaftssystems erkennbar wird.



Aus: "Jobkrise trifft Höherqualifizierte" (12.10.2009)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/240/490614/text/ (http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/240/490614/text/)
Title: [In fremder Haut... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 19, 2009, 03:16:11 PM
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[...] Meine Hautfarbe, die Perücke mit den krausen Haaren – meine Verkleidung ist nicht perfekt, aber wieder fällt mir auf, was mich schon bei meinen Recherchen als Türke "Ali" verblüfft hat: Die meisten schauen nicht so genau hin. Diesmal reise ich ein Jahr lang immer wieder als Schwarzer durch Deutschland, durch Ost und West. Ich unternehme diesen Bootsausflug, gehe zu Straßenfesten, mische mich unter Fußballfans, spreche bei Behörden vor. Ich will herausfinden, wie es sich als Schwarzer in Deutschland lebt, ob die Vorstellung vom unverbesserlich fremdenfeindlichen deutschen Wesen nur noch ein Klischee ist – oder ob das von der Boulevardpresse gepflegte Schreckbild vom Schwarzen als Dealer, Asylbetrüger und Kriminellen die Stimmung im Lande kennzeichnet.


[...] Der alltägliche Rassismus [ ] schafft es nur selten in die Zeitungen [...]. Er schafft es nicht über die Wahrnehmungsschwelle, er gehört zum deutschen Alltag fast so wie die rassistisch anmutenden Aussprüche von Politikern und selbst ernannten Meinungsführern, die mich immer wieder empört haben.

Schon vor zwanzig Jahren hatte ich die Idee, die Rolle eines Schwarzen anzunehmen. Ich hatte meine Gründe.

...

[Aus: "Günter Wallraff - In fremder Haut" - Ein Jahr lang war Günter Wallraff immer wieder als Schwarzer unterwegs: bei einem Fussballspiel in Cottbus, auf Wohnungssuche in Köln, in einer Rosenheimer Kneipe und bei einer Behörde in Berlin-Marzahn (17.10.2009)]

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# 17.10.2009 um 8:06 Uhr
# Guenter Seitz

12. Generalisierung

[...] Manche Menschen neigen infolge autoritärer Erziehung zum Hass gegenüber Schwachen - seien es nun Frauen, Ausländer, Dicke, schlecht gekleidete Hartzempfänger, gut gekleidete Modepuppen oder betrunkene Alkoholiker. Es ist schon Aufgabe der Schule und des Elternhauses das durch eine angemessene Erziehung zu verhindern. Es ist nur eine Minderheit der Jugendlichen - Gott sei Dank. Auch ich erlebe sie fast täglich in der Strassenbahn - am schlimmsten ist es freitags. Das ist nicht nur Rassismus - das ist schiere Frechheit, oft gepaart mit Alkoholkonsum.


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# 17.10.2009 um 10:22 Uhr
# richardrund

[...] Wenn man die Doku gesehen hat, dann weiß man, dass Wallraff nicht nur als Schwarzer rumgelaufen ist, sondern dass er auch extrem versifft rumgelaufen ist.

Und arme, verwahrloste Menschen sind nirgendwo willkommen -egal, ob weiß oder schwarz.


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# 17.10.2009 um 11:05 Uhr
# keter

20. Schwarz auf Weiß

Ich finde den Beitrag sehr interrasant, aber nichts neues. Ich bin selbst Schwarz, komme aus der Karibik und wohne seit 5 Jahren hier in Deutschland.Ich habe die Berufsschule hier besucht und arbeite seit einem Jahr in diesem Beruf(Altenpfleger).Bis jetzt habe ich nie Diskriemienierung hier erlebt und ich hoffe,dass das so bleiben wird.Aber in jedem Land gibt es solche Leute.In Süd amerika ist es genauso und sogar in den Staaten , wo ich aufwuchs ist genauso.Und es gibt durchaus ''No Go Areas'' in den Staaten und Karibik.


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# 17.10.2009 um 11:06 Uhr
# StaplerfahrerKlaus

21. Re: Generalisierung

Zitat: "Das Thema Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit ist ein Unterthema des allgemeinen Themas "Verhalten gegenüber sozial Schwachen". Manche Menschen neigen infolge autoritärer Erziehung zum Hass gegenüber Schwachen - seien es nun Frauen, Ausländer, Dicke, ..."

Hui! Bitte Vorsicht mit den Begriffen: Frauen, Ausländer etc. sind per se als "sozial schwach" zu bezeichnen?? Besser fände ich "als anders empfunden". Denn einige der genannten Gruppen können ja nicht einmal "Randgruppen", geschweige denn "Minderheiten" genannt werden.

Aber inhaltlich: Zustimmung, Personen mit gestörtem Selbstwertgefühl versuchen gerne dasselbe aufzubessern, indem sie sich gegenüber "denen, die anders sind" subjektiv erhöhen.
Ich würde allerdings schon vermuten, dass Feindlichkeit gegen und Benachteiligung von "ausländisch Aussehenden" mal eine ganz andere Dimension / Intensität hat als gegen alle anderen genannten Gruppen!

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# 7.10.2009 um 12:25 Uhr
# Frank N. Stein

[...] Erstens behaupte ich kraft meiner Wassersuppe, daß das, was Wallraff als Rassismus interpretiert, nichts anderes ist als eine allen Menschen eigene Scheu vor dem Unbekannten und Fremden sowie dem Bestreben, sich der eigenen Gruppe zu versichern. So gesehen könnte er das in ausnahmslos jedem Land und jeder Gruppe finden, und zwar mindestens in dem Ausmaß, wie er das in seinem Bericht beschreibt. Und zweitens behaupte ich immmer noch kraft meiner Wassersuppe, daß dieses Verhalten in Deutschland tendenziell viel weniger ausgeprägt ist als in anderen Ländern, nämlich aus dem Hintergrund heraus, der uns immer vorgehalten wird, wenn es die Deutschen mal wieder zu disziplinieren gilt: Die Zeit von 1933-45.


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# 17.10.2009 um 12:26 Uhr
# Jim Knopf

[...] Das, was Günter Wallraff hier schildert, ist zugleich richtig und falsch! Ich spreche aus Erfahrung (man möge mein Pseudonym in diesem Forum deuten).

Die Erlebnisse, welche er in seinem Jahr als Schwarzer gemacht hat, werden jeden Tag vielfach von in Deutschland lebenden Schwarzen gemacht und so sammeln sich mit der Zeit Anekdoten eines jeden, die das, was in diesem Artikel geschildert wird, qualitativ und quantitativ bei Weitem übersteigen. Beim Lesen von Wallraffs Artikel überkam mich immer wieder eine Gänsehaut: Wie sehr sich das von ihm Geschilderte mit dem von mir Erlebten überschneidet, wie es sich zum Teil gleicht. Insofern bildet sein Erfahrungsbericht, nichts als die Wirklichkeit ab.

Auf der anderen Seite erzeugt, der Artikel den Eindruck, dass egal wo ein Schwarzer in Deutschland auch auftaucht, er in erster Linie mit Rassismus konfrontiert wird. Das ist natürlich falsch.

Auch Herr Wallraff wird dies wissen, schließlich musste er sich ein Jahr lang in besonders sensible Situationen begeben, um einen zweistündigen Film drehen zu können. Er brauchte dazu ein Jahr, keinen Tag: das ist die quantitative Realität des gegenwärtigen deutschen Rassismus.


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# 17.10.2009 um 13:52 Uhr
# KaterKarloPauloPinkel

Was kommt als nächstes...

Was kommt als nächstes Herr Wallfraff?? Als Christ in den Sudan? Im Bikini durch Kabul? Als Schwuler nach Saudi Arabien? Als Armenier nach Istanbul? Als deutsche Kartoffel in die türkische Jugendgang? Als Rentner in die U-Bahn? Als Jude in die Mosche? Als Rindvieh zu Metzger Müsül? Als Lehrer in die Hauptschule? Als Polizeibeamter auf die Antifa-Demo? ...

Dort kennt Sie noch keiner und Ihre platten Berichte über den Rassismus der Deutschen. Sie brauchen sich nicht mal zu schminken.


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# 17.10.2009 um 13:52 Uhr
# Lobotomie auf Kassenrezept

Mutig wäre Wallraffs Recherche dann gewesen, wenn er sich spät abends z.B. mal ins Berliner Rollbergviertel oder in die Duisburger Stadtteile Marxloh und Hochfeld begeben hätte. Allerdings ohne seinen grotesken Mummenschanz, sondern für jeden ersichtlich als Nichtaraber, bzw. Nichttürke. Noch tollkühner wäre es, er ginge dabei mit einem anderen Mann Hand in Hand durch die Straßen.
Mir geht es furchtbar gegen den Strich, daß Alltagsrassismus durch Migranten qua Gutmenschenverordnung als nichtexistent weggeleugnet wird und die entsprechenden Fälle unter den Teppich gekehrt werden.


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# 17.10.2009 um 14:00 Uhr
# KHJ

Der Begriff Rassismus kommt aus dem Biologischen und da gehört er auch hin! Das es den sogenannten Rassismus schon immer gegeben hat, ist wirklich nicht neu! Und das es ihn auch in Zukunft geben wird, dafür braucht man kein Hellseher zu sein. Wer viel reist, der erfährt auf Verschiedenerweise, was es heißt, abgelehnt zu werden. Die Gründe dafür sind unterschiedlich und beruhen sich meist auf Vorurteile, die entweder bestätigt werden oder nicht.

In Deutschland gibt es auch eine Vielfalt von "Rassismen" (Ablehnung vieler Arten). Wenn Herr Wallraff seine Einzel-Fälle darüber schreibt, das er massive Ablehnung erfahren hat, dann wird es schon stimmen. Dabei braucht man auch nicht genau hinzuschauen, ob sein Auftreten provokant oder einfach nur platt gewesen war. Nein, es ist wirklich so, wie er berichtet.

Doch leider lässt er sich wieder zum Generalverdacht hinreißen, indem er alle Deutsche für Rassisten (gemeint sind Unmenschen)hält. Und das ist natürlich völliger Unsinn! Es ist aber die Frage erlaubt, wo Ablehnung (Rassismus) anfängt und wo sie aufhört. Im politischen Bereich lässt sich das schnell fest machen. Die NPD ist ganz offen gegen Ausländer und Juden. Und die Linksextremisten sind gegen Alle, die eine andere Meinung haben.

Und weil das so ist, hoffe ich inbrünstig, dass uns die Aliens aus dem Weltall nicht besuchen sollen, sonst gibt wahrscheinlich auf der ganzen Erde nur noch Rassisten!

KHJ aus Köln


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# 17.10.2009 um 14:35 Uhr
# kayob

[...] migranten sind auch "rassistisch"? ja, und was ändert das, an dem geschilderten problem? nichts!

...


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# 17.10.2009 um 19:39 Uhr
# Hammett

... was an Wallraff nervt ist doch dieser Furor, mit dem er seit 40 Jahren immer wieder dieselbe Sache erzählt, als hätte er etwas gänzlich Unfassbares entdeckt, was bis dahin immer verdrängt wurde: Dass es in Deutschland in Unterschicht, Kleingärter-Spießbürgertum und kleingeistigem 68er-Mittelschichts-Beamtenmilieu Angst, Unsicherheit, Überforderung und meinthalbes auch offenen Rassismus gegenüber Ausländern gibt. Wir haben mittlerweile in dieser Gesellschaft eine Kultur etabliert, die derartige Äußerungen eindeutig missbilligt und sanktioniert - zu recht. Trotzdem gibt es dieses Phänomen nach wie vor. Das ist schade, aber leider wohl nicht zu ändern. Wenn jetzt Wallraff jedes Jahr erneut diesen Misstand "aufdeckt", indem er alltägliche Blödheit gegenüber Fremden sucht und findet, nehme ich das zur Kenntnis, kann das aber nicht mehr als große Enthüllung bezeichnen. Und insofern ist die gewaltige Empörung, mit der er seine Ergebnisse präsentiert, irgendwann albern und nervt. Auch die hunderste Reportage dieser Sorte wird nicht dazu führen, dass jeder Deutsche aufgeschlossen-tolerant und allem Fremden gegenüber neugierig wird und Weltmusik hört. Mit einem gewissen geistigen Bodensatz quer durch die Gesellschaft müssen wir leben, ohne ihn gutzuheißen. Insofern nervt Wallraff als Überzeugungstäter genauso wie Frau Schwarzer, die seit Jahrzehnten mit derselben Sache hausieren geht, die mittlerweile jeder intelligente Mensch (Mann) einsieht.


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# 17.10.2009 um 19:49 Uhr
# lotosblüte

[...] Der Wallraff mag ja nerven und auch Frau Schwarzer mag das tun, aber deswegen wird ja nicht weniger richtig, was sie zu existierenden Ungerechtigkeiten sagen. Und selbst wenn es zutreffend wäre, dass MITTLERWEILE jeder intelligente Mensch (Mann) einsähe, dass das Frauenbild der bürgerlichen Gesellschaft ein diskriminierendes ist, unterstreicht das ja auch nur die Notwendigkeit jener unbeliebten Geister, die nicht müde werden, darauf hinzuweisen.


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[...] # 17.10.2009 um 20:12 Uhr
# AktenzeichenXY

Übrigens könnte sich Wallraff auch mal als Frau verkleiden und nachts in eine Bar gehen, wohin auch Türken und Araber gehen. Da könnte er ab und zu auch mal "erleben", was Diskriminierung heißt. Die Zeiten haben sich geändert.

Die altlinke Mode, als Deutsche/r immer ein schlechtes Gewissen haben zu müssen wegen dem 3. Reich, wurde eben von Manchen der muslimischen Bürger ausgenutzt, um sich als Könige zu fühlen und immer mehr Forderungen und Extra-Würste zu fordern. Dies zu erkennen - jenseits von Sarrazins Herrenmenschen-Sprüchen der "ökonomischen Verwertbarkeit" - hat nichts mit Rassismus zu tun.  ... Kein Wunder, dass die verwöhnten Jungs austicken, wenn sie merken, dass sie doch keine Fürsten sind - als die sie erzogen wurden - und niemand sie braucht.


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# 17.10.2009 um 21:55 Uhr
# Ironstorm

Physiker

Bisher habe ich die Artikel von Herrn Wallraff mit besonderem Interesse gelesen und habe ihn als sehr guten Journalisten wahrgenommen.
Umso mehr hat mich folgender Satz in diesem Artikel getroffen:
"[...]Einer der Gäste, ein auf den ersten Blick nicht unsympathisch wirkender Zeitgenosse – Typ Gymnasiallehrer für Physik und Mathematik [...]"
Ich stehe momentan kurz davor, mein Studium der Physik zu beenden und wurde während meines Studium regelmäßig mit Vorurteilen überhäuft, sobald ich mich "oute" Physiker zu sein. Oft wird zwar angemerkt, dass ich aber überhaupt nicht wie ein Physiker aussehen würde oder mich so verhalten würde. Die Vorurteile über Physiker scheinen jedoch fest in den Köpfen vieler Menschen verankert zu sein. Diese sind zwar bei weitem nicht so tragisch, wie Vorurteile über Farbige oder Menschen aus anderen Kulturräumen. Wird man jedoch regelmäßig in die Kategorie Physiker einsortiert und von anderen Menschen häufig mit einem erfürchtigen Abstand betrachtet, wird einem deutlich, was es bedeutet, anhand seiner Äußerlichkeiten oder seines Berufes, absonderlich behandelt zu werden.
Ich hätte von Herrn Wallraff erwartet, gerade in einem Artikel über Vorurteile sich dieser nicht zu bedienen. Offensichtlich ist es für ihn kein Problem einerseits andere Menschen aufgrund von Äußerlichkeiten in Kategorien einzuordnen und auf der anderen Seite gerade diese Vorverurteilung aufgrund des Aussehens anzuprangern.


Quote
# 17.10.2009 um 22:18 Uhr
# zeit98789

[Entfernt, bitte beachten

[Entfernt, bitte beachten Sie, dass wir auf rassistische Inhalte nicht verlinken wollen. Danke. /Die Redaktion pt.]


Quote
# 18.10.2009 um 9:16 Uhr
# lowkey

So sehr ich die Arbeit Herrn Wallraffs auch schätze.

Ich habe zu Teilen am hier beschriebenen Filmprojekt mitgearbeitet und muss sagen, dass viele der vermeintlich fremdenfeindlichen Äußerungen und Verhaltensweisen der Menschen, von ehrgeizigen Realisatoren nachträglich in das Material hineininterpretiert und im Geiste des angestrebten Films hochstilisiert und zusammengeschnitten wurden.

Das mehr als umfangreiche Rohmaterial ist voll von Szenen, die die These des Films widerlegen, nur werden diese zu Gunsten gesteigerter Dramatik außen vor gelassen. So läufts halt im Mediengeschäft.

Damit will ich keinesfalls leugnen, dass Fremdenfeindlichkeit selbst im 21 Jahrhundert noch bittere Realität ist. Nur sollte man den Film als redaktionelles Konstrukt begreifen, dessen Macher durch Suggestion und zweckbestimmtes Verhalten vor Ort, die gewünschten Reaktionen zu Teilen provoziert haben.


Quote
# 18.10.2009 um 11:45 Uhr
# lef

In der "Sendung mit der Maus" vom letzten Sonntag (11.10.)
ist ein Beitrag über "die Schweizer" und ihre Ordentlichkeit - unglaublich verächtlich wird dort "der Schweizer" als völlig verblödeter Ordnungsfanatiker dargestellt (er sortiert alle Blumen im öffentlichen Blumenbeet nach Farbe und Größe usw.)

Ich stelle mir dann immer vor, es würde umgekehrt laufen,
z. B.
zur Wahl:
Männer wählen Männer, Deutsche nur Deutsche, Weiße nur Weiße,
oder im fall der "Sendung mit der Maus" würden Deutsche ähnlich verächtlich mit ihren angeblichen Marotten analysiert,
oder schlimmer:
Ähnliches würde über Türken berichtet (trinken den ganzen Tag Tee oder so),

der Aufschrei wäre immens groß.


Quote
# 18.10.2009 um 15:58 Uhr
# TorbenBellinghoff

Perfide an Wallraffs Reportage finde ich, dass ein weißer(!) Deutscher anderen weißen Deutschen erklären muss, wie sich Schwarze Deutsche oder Schwarze Migranten in Deutschland fühlen. Es gibt genug Schwarze Deutsche (Journalisten, Autoren, Wissenschaftler etc), die ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus in Deutschland bereits niedergeschrieben haben. Diese Stimmen sind weißen Deutschen Lesern wohl nicht objektiv und/oder authentisch und/oder hinreichend genug. Nein, in bester kolonial-rassistischer blackface-Tradition macht sich der weiße Mann den Rassismus zu erklären. Alles Anzeichen von paternalistischem Dominanzverhalten. Der weiße(!) Mann(!) Wallraff klärt auf und sagt wie Schwarze sich fühlen.
Wie man an den meisten Kommentaren hier sieht, geht diese Reportage gehörig nach hinten los: Munter werden die Begriffe "Rassismus", "Fremden-" und "Ausländerfeindlichkeit" miteinander vermischt. Man liest von individuellen Befindlichkeiten oder verweist darauf, dass Weiße in arabischen Ländern oder Stadtteilen Berlins ebenfalls Opfer "rassistischer" Übergriffe werden. Oftmals sind Schwarze unterschwellig sowieso nie "richtige Deutsche". Andererseits sind manche Kommentatoren so "aufgeklärt, weltoffen und tolerant", dass für sie alle Menschen gleich sind. Eine Aussage, die an der alltäglichen Realität Schwarzer Deutscher vorbei geht. Wir weißen Deutschen haben mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit alle mal rassistische Aussagen getätigt, z.B. "Wo kommen Sie denn (wirklich) her?"


Quote
# 18.10.2009 um 16:12 Uhr
# lotosblüte

"Der weiße(!) Mann(!) Wallraff klärt auf und sagt wie Schwarze sich fühlen."

Ich habe eine Reportage gelesen, in der ein als Farbiger verkleideter deutscher und weißer Mann seine Erfahrungen beschreibt. Ich habe nicht gelesen, dass Wallraff den Farbigen zu erklären versucht, wie sie sich fühlen (sollen), sondern lediglich, was ihm persönlich passiert ist und wie seine ganz subjektive Wahrnehmung aussieht. Warum muss man aus dieser Reportage mehr machen, als sie selbst tut - nämlich behaupten, sie stünde für mehr als in ihr drin steht (s.o.)?


Quote
# 18.10.2009 um 17:07 Uhr
# DrSchmidt

Psychologen (Harvard) haben einen cleveren online Test ausgearbeitet an dem jeder seine (un)bewussten Vorurteile gegenüber Weissen und Schwarzen überprüfen lassen kann. Siehe: https://implicit.harvard.edu/implicit/
Ergebnis: bis zu 75% aller Weissen haben (negative) Vorurteile gegenüber Schwarzen.
Interessanterweise haben aber auch über 50% der Afroamerikaner (in den USA) negative Vorurteile gegenüber Schwarzen. So lässt etwa ein schwarzer Taxifahrer öfter mal einen schwarzen potentiellen Fahrgast stehen, bei weissen hält er aber immer an, usw.

Wir Deutschen sind da nicht allein. Fragt sich ob es dem Wallraff um die Aufdeckung von Vorurteilen an sich geht (bei schwarzen und weissen) oder ob es um ein spezifisches Deutschland-bashing geht nach dem Motto die-deutschen-haben-seit-den-Nazis -nichts-dazugelernt?


Quote
# 18.10.2009 um 18:55 Uhr
# aware

Dass seit gestern Nachmittag 87 neue Kommentare geschrieben wurden, ist ja eigentlich ein gutes Zeichen. Die Menschen reden miteinader, wie ist eine andere Frage.

...

Quote
# 19.10.2009 um 9:54 Uhr
# dido07

 Wie absurd ist das denn?

Wallraff hätte sich als Berliner Busfahrer verkleiden sollen, dann wüsste er, wer in diesem Land angegriffen wird. Oder als deutsches Schulkind in Kreuzberg. Oder bekommt er was ab vom Geld für solche Verblödungs-Kampagnen?
( Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf unnötige Polemik und tragen Sie zu einer sachbezogenen Debatte bei. Danke. Die Redaktion/m.e. )


Quote
# 19.10.2009 um 11:11 Uhr
# Loki45Xenophobie

Der Mensch ist evolutionsbedingt xenophob - fremdenängstlich! Dazu gibt es wohl genügend verhaltenspsychologische Untersuchungen. Die Horde der Urmenschen betrachtete vermutlich jeden Fremden zuerst einmal als zusätzlichen Nahrungskonkurrenten, bevor er sich nicht als vielleicht besonders geschickter Jäger zu erkennen gab. Im Altertum bedeuteten eindringende Fremde oft Eroberung, Gefangenschaft und Sklaverei oder Tod. Ähnlich war es im Mittelalter, denken wir nur an den Dreißigjährigen Krieg - Mord und Todschlag.

Fremdenfreundlichkeit ist ein Sozialisierungsprozess, die "erlernt" werden muss - in der Großstadt eher, als in der "Provinz". In meiner Kindheit gab es auch "Rassismus", die Kinder aus den Nachbardörfern wurden verkloppt, weil sie nicht aus unserem Dorf waren und umgekehrt, bekamen wir Kloppe, wenn sie uns erwischten - der alltägliche Wahnsinn auf dem Land!


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# 19.10.2009 um 11:48 Uhr
# schwarzbart

Sarrazins Zielgruppe und Afrikaner

können Sie nicht vergleichen. Die meisten Afrikaner, mit denen ich - in der IT-Weiterbildung - zu tun hatte, können nach 2 Jahren gut deutsch und wollen etwas lernen , etwas werden. Da unterscheiden sie sich nicht von Rumänen oder Argentiniern, die hier leben.
Von Türken und Arabern schon.
Dieser Kommmentar ist eine Antwort auf
"Chapeau Günter Wallraff!"


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# 19.10.2009 um 12:37 Uhr
# MilleMiglia

[...] Der Mensch ist von Natur aus mißtrauisch gegenüber dem Andersartigen. Nur, die Botschaft des Artikel ist ja, daß wir, die Deutschen besonders oder außergewöhnlich fremdenfeindlich sind. Nach den Diskussionen um Sarrazins Äußerungen und auch den vielen( wohl ungewollten ) positiven Reaktionen mußte jetzt natürlich unbedingt
ein Artikel her, der die Fremdenfeindlichkeit der Deutschen geradezu zementiert. Was für ein Quatsch. In meinem Bekanntenkreis gibt es ebenfalls einen Freund, der schwarz ist. Das war und ist nie irgend ein Thema gewesen. Ganz im Gegenteil, er selbst geht mit dem Thema wesentlich entspannter um, als manche bionade-schlürfenden Gutmenschen es für möglich halten würden.


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# 17.10.2009 um 20:20 Uhr
# lef

Als Vermieter, obendrein mit

freunden in Gambia, habe ich mal einen "Schwarzen" durchaus gern eine wohnung gegeben (8-familienhaus).
Probleme gab es während der (kurzen) Mietzeit nicht, obwohl immer sehr seltsame Grüche (vom Essenkochen herrührend) durchs Haus zogen.
Ehrlich gesagt hat mich eher die gutwillige Fürsorglichkeit der übrigen Bewohner genervt ("unser Hausbimbo ff).

Auch bei vielen Kommentaren bis jetzt finde ich diese positive Diskrimierung durchschimmern.

Allerdings hat die Geschichte ein anderes Ende:
Die Wohnung war nach dem Auszug ein halbes Jahr unvermietbar - die Küche roch intensiv nach sehr seltsamen Gewürzen (oder wasweißich!). Und zwar TROTZ Neuanstrich und Intensivlüftung.
Deswegen werde ich ziemlich sicher nicht mehr vorbehaltlos an Farbige vermieten, sorry, das ist mir zu teuer gewesen.


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# 19.10.2009 um 13:25 Uhr
# Boono

Vermietung

Ich bin mal in eine Wohnung eingezogen, deren Vormieter ein so starker Raucher war, dass es in der Wohnung noch Jahre später nach abgestandenem Rauch roch. An Raucher dürfen Sie also auch nicht vermieten, wenn Ihnen die Renovierung zu teuer ist.
Und nicht an Studenten, Knoblauchesser, unverheiratete Paare, HartzIV-Empfänger, ... also besser überhaupt an niemanden!

Dieser Kommmentar ist eine Antwort auf
"Als Vermieter, obendrein mit"


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# 19.10.2009 um 13:44 Uhr
# inservo

Traurig, traurig

Als Jugendlicher habe ich - quasi als Pflichtlektüre - "Ganz unten" von Herrn Wallraff mehr oder weniger verschlungen. Gut geschrieben und wie leider zugeben muss nur zu realistisch.

Irgendwie war ich der Meinung, dass sich diese Haltung in den letzten 20 Jahren vielleicht doch ein wenig geändert hat. Von wegen friedlicher Revolution, Mauerfall usw.

Herr Wallraff zeigt mal wieder, dass dem leider nicht so ist. Ich kann mir schon vorstellen, dass es einigen Leuten auf den Nerv geht, das immer wieder dieses Thema Faschismus und latenter Rassismus hochkommt, unangenehme Wahrheiten werden halt nicht gern gehört und meistens triffts ja den Überbringer (hier Günther Wallraff). Dieser Artikel zeigt aber eben, dass es offensichtlich immer noch höchstnotwendig ist, solche Experimente zu wagen. Es macht mich traurig und bestürzt, wenn ich lese, welchen Schikanen Deutsche (denn das sind viele unserer "andersfarbigen" Mitbürger ja) ausgesetzt sind. Die Steuergelder und Sozialbeiträge dieser Mitbürger werden hingegen gerne akzeptiert, denn auch wenn der Boulevard immer wieder suggeriert, dass Ausländer und Deutsche mit Migrationshintergrund durch die Bank ALGII-Empfänger und unwillig zu arbeiten sind, so entspricht dies doch keinesfalls den Realitäten.

[...] Bravo für Ihren Mut, Herr Wallraff und machen Sie weiter so. Wir brauchen solche Aktionen und Experimente.


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# 19.10.2009 um 14:18 Uhr
# delsa

Selsbstinszenierung

Schon wieder eine Selbstinszenierung eines Egomanen und die linke
Presse , auch Die Zeit, fällt darauf ein !


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Aus: "Günter Wallraff - In fremder Haut" Von Günter Wallraff (17.10.2009)
Quelle: http://www.zeit.de/2009/43/Wallraff-43 (http://www.zeit.de/2009/43/Wallraff-43)

Title: [Abgeschotteten Parallelwelten (Gated Communitys)... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 22, 2009, 11:35:59 AM
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[...] Uwe Peter Braun und seine Frau Andrea wohnen in der Arkadien-Siedlung am Glienicker Horn in Potsdam - Deutschlands erster "Gated Community", wie abgeriegelte Wohnanlagen für die Oberschicht weltweit genannt werden. Durch das Nobelviertel der brandenburgischen Landeshauptstadt weht ein Hauch von Johannesburg oder Rio de Janeiro. Es ist ein Ort, an dem neue Mauern entstanden sind, die die wachsende soziale Kluft zwischen Oben und Unten in der Gesellschaft spürbar werden lassen.

Hier sind die Reichen unter sich. Zutritt bekommt nur, wen die Bewohner der Luxusapartments beim Pförtner anmelden. Damit das auch so bleibt, umgibt ein schwarzer Zaun das Anwesen, Kameras beobachten jeden, der sich der Siedlung nähert.

...


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Jassu1979, 22.10.2009

Der neue Feudalismus in seiner ganzen Pracht...
Während die soziale Schere aufgrund neoliberaler Wirtschaftspolitik weiter und weiter auseinander klafft, richtet sich der aufstrebende Geldadel schon einmal seine abgeschotteten Parallelwelten ein, wo man die Zustände im Rest der Gesellschaft sauber ausblenden kann - ungefähr so, wie dies einst schon Aristokraten in Versailles und ähnlichen abgeschotteten Palästen taten.



Aus: "Gated Communitys - Todsicher in der Isolation" Von Julian Heissler  (22.10.2009)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,656192,00.html (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,656192,00.html)

Title: [...dass ihnen das Unternehmen seit Monaten den Lohn vorenthält]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 27, 2009, 11:35:20 AM
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[...] sueddeutsche.de: Wie wurden die Arbeiter, die Sie vor Gericht vertreten, von ihrem Arbeitgeber betrogen?

Ulusan: Das türkische Subunternehmen suchte sich in der Türkei Bauarbeiter, die dann über das Unternehmen eine sogenannte Werkvertragsarbeitnehmererlaubnis als Ausnahmegenehmigung vom Arbeitsamt bekamen. Das heißt, für die Zeit, die sie in Deutschland für das betreffende Unternehmen arbeiten, haben sie auch eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis. Das türkische Subunternehmen suchte sich speziell Leute, die eine geringe Bildung, dafür aber eine große Arbeitserfahrung auf dem Bau hatten. Viele von ihnen können nicht lesen oder schreiben. Noch in der Türkei wurde dann der Lohn ausgehandelt: Immer zwischen 4,50 und 7,00 Euro pro Stunde, also weit unter dem Mindestlohn von 8,30 Euro netto. Aber für viele immer noch mehr, als sie in der Türkei verdienen würden. Als sie schließlich in Deutschland waren, erhielten sie nach einiger Zeit nicht einmal mehr den vereinbarten Stundenlohn.

sueddeutsche.de: Warum haben sich die Arbeiter in Deutschland nicht gegen solche Bedingungen gewehrt, sie waren ja nicht illegal im Land?

Ulusan: Vielen war bewusst, dass ihnen eigentlich viel mehr Geld zusteht. Aber solange sie das bekamen, für das sie in der Türkei unterschrieben hatten, waren sie zufrieden. Hinzu kommt, dass sie gar nicht wussten, bei wem sie sich hätten beschweren sollen. Sie sprechen kein Deutsch und ihre einzigen Bezugspersonen sind die Betreuer auf dem Bau, die auch zum Arbeitgeber gehören.

sueddeutsche.de: Wie haben Sie von dem Fall erfahren?

Ulusan: Das war Zufall. Zwei der betroffenen Arbeiter sollten vom Arbeitgeber in die Türkei abgeschoben werden. Am Flughafen haben sie über einen Bekannten schließlich den Zoll kontaktiert und berichtet, dass ihnen das Unternehmen seit Monaten den Lohn vorenthält. Über diesen Bekannten wurde der Kontakt zu mir hergestellt. Sie wurden dann als Zeugen vom Ermittlungsrichter vernommen. Im Laufe der Zeit meldeten sich dann immer mehr Arbeiter bei mir.

sueddeutsche.de: Ursprünglich haben Sie 44 Arbeiter vertreten, jetzt sind es nur noch 28. Warum?

Ulusan: Das Problem ist, dass viele der Arbeiter schon wieder in die Türkei zurückgekehrt sind, und mir deshalb nicht fristgerecht ihre Vollmachten zuschicken konnten, die besagen, dass ich sie in diesem Fall vertreten soll. Das Gericht hatte diese Vollmachten verlangt, per Fax wurden sie aber nicht akzeptiert.

sueddeutsche.de: Im laufenden Verfahren geht es um einen konkreten Fall von Lohnwucher, Vorenthalten von Sozialbeiträgen und Verstoß gegen das Ausländergesetz. Wie akut ist diese Problematik in Deutschland allgemein?

Ulusan: Das dreiste Vorgehen der ausländischen Subunternehmen scheint eher die Regel als die Ausnahme zu sein. Betroffen sind nicht nur türkische Arbeiter, sondern auch Polen, Rumänen und andere Ausländer. Allein seit 2007 habe ich drei oder vier ähnliche Verfahren mitverfolgt. Das Problem ist, dass viele Arbeiter Angst haben, sich an den Zoll oder die deutsche Justiz zu wenden.

sueddeutsche.de: Woher kommt diese Angst?

Ulusan: Sie werden schon früh unter Druck gesetzt. Schon in der Türkei müssen sie jede Menge Unterlagen für die Einreise nach Deutschland unterschreiben. Dabei schiebt ihnen das Unternehmen auch Schuldscheine unter - natürlich unter dem Vorwand, dass die nie eingelöst werden. Auf dem Papier steht so aber schon vor Arbeitsantritt fest, dass die Arbeiter dem Unternehmen Geld schulden. Unter diesen Voraussetzungen trauen sich viele nicht, ausstehenden Lohn einzufordern.

sueddeutsche.de: Was finden Sie an dem aktuellen Fall am schlimmsten?

Ulusan: Dass die Gegenseite so weit geht, meine Klienten massiv zu bedrohen. Fünf Anwälte des Unternehmens sind quer durch die Türkei gereist und haben die bereits zurückgekehrten Arbeiter zu Hause aufgesucht, um die Schuldscheine einzutreiben. Viele riefen dann unter Tränen bei mir in der Kanzlei an, weil sie sich in ihrer Existenz bedroht sahen. Anderen Arbeitern boten die Anwälte einen Deal an: Wenn sie ihre Klage zurückziehen, würden sie auch die Schuldscheine nicht einlösen.

sueddeutsche.de: Wie sichern sich die Subunternehmen, die ausländische Arbeiter beschäftigen, rechtlich ab? Ist ihnen der Lohnwucher nicht leicht nachzuweisen?

Ulusan: Sie sind wirklich sehr professionell kriminell. Sie lassen die Arbeiter noch vor der Einreise nach Deutschland alles Mögliche unterschreiben, unter anderem Blankoquittungen, auf die sie später schreiben, wie viel Geld die Arbeiter angeblich erhalten haben. Oft waren das einfach Zettel, die die Arbeiter unterschrieben hatten, ohne zu wissen, was draufstand, oder ohne die Gelegenheit gehabt zu haben, zu lesen, was dort geschrieben war. Die Unterschriften wurden kurz vor der Abreise am Flughafen verlangt. Den Arbeitern wurde erklärt, dass dies Dokumente wären, die für die Einreise nach Deutschland erforderlich wären. Im Nachhinein tauchte auch ein Dokument auf, das besagt, der betroffene Arbeiter wäre zu einer Klage gegen den Arbeitgeber gezwungen worden und ich hätte ihm dafür 25.000 Euro angeboten. Das hat einer der Arbeiter unterschrieben, um der Zwangsvollstreckung durch die ausgesandten Anwälte zu entgehen.

sueddeutsche.de: Wie sehen sie die Chancen für den anstehenden Prozess?

Ulusan: Erstmals gibt es eine Sammelklage von mehreren Arbeitern, das gab es bisher wohl nicht. Gegen einzelne Klagen konnten sich die Unternehmen stets leicht wehren, aber dieses Mal glaube und hoffe ich, stehen unsere Chancen besser.

sueddeutsche.de: Wie lassen sich solche Fälle von Ausnutzung und Betrug vermeiden?

Ulusan: Es sollte auf jeden Fall eine schwarze Liste geben von Arbeitgebern, die durch Lohnbetrug aufgefallen sind. Diesen Unternehmen dürften keine Aufträge mehr gegeben werden. Außerdem ist mehr Aufklärungsarbeit auf den Baustellen nötig. Gewerkschaftsvertreter oder Repräsentanten der Konsulate sollten die Baustellen besuchen und den Arbeitern ihre Rechte erklären.



Aus: ""Die Unternehmen sind professionell kriminell"" (26.10.2009)
Die Rechtsanwältin Nihal Ulusan kämpft gegen die Ausbeutung türkischer Bauarbeiter.
Interview: Maria Holzmüller
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/352/491716/text/ (http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/352/491716/text/)

Title: [Berichte aus zwei Welten... (Bad Godesberg)]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 27, 2009, 03:57:34 PM
Zwei Welten, Theater Bonn
27. August 2009 | Autor: Ingrid Müller-Münch
http://www.mueller-muench-web.de/tag/zwei-welten/ (http://www.mueller-muench-web.de/tag/zwei-welten/)

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[...] Entgegen der sonst gewohnten und üblichen Berichterstattung über deutschfeindliche Übergriffe und Gewaltdelikte von Ausländern der Gutmensch-Qualitätsjournalisten wartet die Frankfurter Rundschau jetzt mit einer “etwas anderen” Berichterstattung auf.

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#60 Puseratze   (27. Okt 2009 15:04) 

Bad-Godesberg-”Phänomen”?

Das ist kein Phänomen weil es keine Ausnahmeerscheinung ist,wieder so eine weichgespülte Wortkreation *kotz*!

Bad-Godesberg ist mittlerweile überall!

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#61 phpeter   (27. Okt 2009 15:06) 

Oh oh. Da ist das Nazometer aber am Anschlag.



Aus: "“Gib mal Kippe, deutscher Pisser!”" (Political Correctness | PI, 27. Okt 2009)
Quelle: http://www.pi-news.net/2009/10/gib-mal-kippe-deutscher-pisser/



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[...] Ein Abend in Bonn-Bad Godesberg. Im Kurpark werden Schüler eines Elite-Gymnasiums von jugendlichen Migranten attackiert. Der systematische Überfall ist kein Einzelfall. Bundesweit spricht man schon vom Bad-Godesberg-Phänomen. Eine Ursache: Problemviertel und Villenviertel liegen im einstigen Diplomaten-Stadtteil dicht beieinander. Ingrid Müller-Münch hat sich bei Bad Godesbergern umgehört – und Berichte aus zwei Welten erhalten.

[...]

Wir wollten doch nur feiern

Ein Gymnasiast schildert den Überfall aus seiner Sicht

Ein halbes Stufentreffen war das, privat organisiert, im Kurpark. Wir waren 30 Mann, die Mädchen mitgezählt. Wir haben ein bisschen getrunken. Ich stand abseits mit meiner Freundin, hatte ein Headset auf. Irgendwann habe ich Krawall gehört, mich umgedreht und gesehen, wie ein Freund von mir ins Gesicht geschlagen wurde. Da hat mich gleich jemand mit einem Baseballschläger weggeschoben. Ich habe zu meiner Freundin gesagt: "Geh schnell ins Taxi!" War halt klar, wie aggressiv die waren. Und dann habe ich die Flasche schon an den Hinterkopf bekommen. Zwei Minuten später waren alle weg, Polizeiwagen da. Großaufgebot.

Es kam angeblich so dazu, dass ein paar bei uns aus der Stufe kurz austreten wollten. Dann kamen so sechs von den Migranten auf die zu. Handys her! Blöd angemacht. Unsere meinten, tja, ihr seid zwar hier in der Überzahl. Aber da vorne stehen 30 Leute von uns. Gab ein kurzes Wortgefecht.

Dann haben die zugeschlagen. Ohrfeigen oder so was. Nicht richtig zusammengeschlagen. Dann kamen immer mehr, waren aggressiv, es waren 30 bis 40 von denen. Bewaffnet auch, jetzt nicht mit Schusswaffen. Aber mit Messern, Baseballschlägern, Eisenstangen. Mit Bussen kamen die, so VW-Sprinter, diese Familiendinger, aus denen kamen die rausgesprungen. Haben zwei Minuten lang die ganzen Leute zusammengeschlagen. Dann sind sie wieder von dannen gezogen. Mein Eindruck ist, dass man sich gezielt verabredet und zu Grillpartys in der Rheinaue oder zu so einer Abi-Vorfinanzierungsfete hinfährt, um den Laden da aufzumischen.

So was ähnliches gab es erst kürzlich in Oberkassel, wo dann auch 20 bis 25 Leute angereist sind, um die Abiturfeier aufzumischen. Auf der anderen Rheinseite am Kardinal-Frings-Gymnasium hat es vor Kurzem dasselbe gegeben.

Die wehren sich nicht

Ein jugendlicher Migrant spricht über deutsche Opfer

Es gibt drei Kategorien von Deutschen. Erstens Nazis, zweitens solche, die wie wir sind, und drittens Opfer. Die nennt man so. Tut mir leid, das so zu sagen. Deutsche Opfer sind die, die man abzieht. Auch zum Beispiel die Gymnasiasten. Die reden uninteressant, meistens von oben herab. Aber man nennt die halt Opfer. Und wenn die am Ausländer vorbei gehen und gucken so auf den Boden …

In Medinghoven, wo ich wohne, sehe ich gar keine Deutschen mehr. Hier im Jugendzentrum sind hundert Prozent Ausländer. Hier kommen keine Deutsche. Hier wohnen einige. Aber die kommen nicht raus. Weil die denken, ich werd abgezogen. Deutsche lassen sich auch viel gefallen. Die wehren sich nicht.

Sagen wir mal: Die Leute vom Gymnasium treffen sich im Kurpark. Dann weiß das zum Beispiel einer von uns und sagt: Ja, heute gehen wir in den Kurpark. Da gibt es genug Jackys, so heißt die Beute, die man abzieht, Handys und Jacken.


Wir haben eine ganz andere Hemmschwelle

Ein Schüler des Aloisiuskollegs, genannt Ako, einer der bundesweit renommiertesten Gymnasien, beschreibt das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Welten

Die nutzen es natürlich auch aus, dass wir eine ganz andere Hemmschwelle haben als die. Also zum Beispiel, wenn ich jetzt zu einem hingehe, den anmache, hey, was willste, dann hätte ich sofort eine gekriegt

Wenn die zu einem hingehen, schlagen wir längst nicht direkt zu. Die haben auch schon mal ein Messer oder Ähnliches dabei. Sind häufig in der Überzahl, weil die sich immer so zusammenrotten. Das ist halt sehr cool, vor der Freundin einen auf besonders gefährlich zu machen. Ein bisschen Anlehnung an die ganzen Fifty-Cent-Gangsta-Sachen, die es in Amerika gibt. Total cool, lässig!

Also nicht wir in Person sind Provokation für die. Sondern grundsätzlich Leute wie wir. Provokation besteht in den Unterschieden. Mein selbstbewusstes Auftreten, trotz keiner schlagfähigen Statur.

Es ist weit verbreitet, dass auch Jugendliche aus gutem Hause einen auf gefährlich machen. Weil es halt cool ist. Nur, ich finde das ein bisschen übertrieben, sich hier zu verhalten, als würde man im Ghetto in Amerika leben. Wo man jeder Zeit auf offener Straße erschossen werden kann. Das ist hier nicht so.

Ratschläge kriegen wir genug: Geht dem Problem aus dem Weg! Ruft frühzeitig die Polizei! Haltet euch nicht in den oder den Gegenden auf! Aber ernsthaft bringt das nichts. Es ist nicht nur so, dass wir da Straßenkrieg führen. Es ist hier kein Ausnahmezustand.
Manchmal kommt es vor, dass man sich friedlich mit solchen Leuten unterhält. Wenn zum Beispiel eine Freundin von uns mit so einem zusammen ist. Das ist nicht selten, dass sich Mädchen so einen primitiven Proleten suchen. Vielleicht machen die das, um einen Typen zu haben, der ihnen immer irgendwie unterlegen ist. Ich habe manchmal den Eindruck, dass die sich extra einen Freund holen, den man ein bisschen deckeln kann. Die sind gut in der Schule, haben eine rosige Zukunft, ein gutes Elternhaus – und gehen dann mit so einem.

Ich hab mich vermasselt

Ein 19-jähriger Syrer schildert, wie er immer mehr in die Kriminalität abgedriftet ist

Ich bin 19 Jahre alt, syrischer Kurde. Ich bin mit drei Jahren hierher gezogen. Meine Religion bedeutet mir sehr viel. Aber ab und zu passieren Dinge, die die Religion eigentlich verbietet. Alkohol. Klauen. Ich habe auch Drogen genommen. Ich hab mit allem aufgehört, außer Rauchen. Ich hatte viele Anzeigen und eine wegen schwerer Körperverletzung. Die war vor zwei Jahren, wurde aber erst vor Kurzem verhandelt. Ich war dann vier Wochen im Knast. Jugenddauerarrest. Jetzt muss ich nochmal vier Wochen.
Ich hatte dem Jungen auf die Nase geschlagen, die war dann kaputt. Er war auf meiner Schule. Er war Türke oder Spanier oder so was. Er hat mich beleidigt. Du Hurensohn! Weil er wusste, ich habe in der Schule Macht. Er wollte sich mit mir messen. Komm, wir kämpfen eins gegen eins. Und dann kam es, dass ich total ausgerastet bin. Und ich hab ihn zu hart geschlagen. Hat er mich angezeigt. Und ich hatte ja Bewährung.

Mit der Polizei hatte ich zum ersten Mal mit elf oder zwölf zu tun. Das war ein Ladendiebstahl. Es gab so Basketballstifte von Michael Jordan. Die waren damals sehr teuer. Und die haben wir uns unbedingt gewünscht. Und haben sie nicht bekommen. Finanziell gab es Probleme, Familie und so. Und da haben wir gedacht: Klauen wir es mal. Danach kam es zu bösen Sachen. Körperverletzung. Einbrüche. Raub. Überfall. Ich hab mich vermasselt, weil ich wollte unbedingt Geld.

In Medinghoven und den anderen Vierteln von uns, da will man unbedingt schnell an Geld kommen. Wenn man was haben will, muss man es auch bekommen. Ich bin daran gewöhnt, wenn ich was haben will. Ich habe es mir auch genommen. Ich muss das kriegen.
Von der Familie hab ich nie was bekommen. Meine Kindheit war echt nicht gut. Ich erinnere mich noch. Kindergarten. Die hatten immer so Murmeln. Alle haben mit Murmeln gespielt. Papa, warum haben alle Kinder im Kindergarten Murmeln außer ich hab keine? Da hat mein Vater Tränen. Hat er sogar geweint. Wenn du älter wirst, dann stell mir die Frage nochmal. Dann antworte ich dir.

Mit neun kam ich nach Medinghoven. Und da habe ich Leute getroffen, die genau wie ich waren. Alle Jugendlichen in meinem Alter, die hier leben, die haben dasselbe Problem wie ich. Dann haben wir uns zusammengesetzt. Warum sollen wir den anderen zugucken? Die haben das und das. Warum nehmen wir es denen nicht einfach weg?
Wir haben niemals darauf geachtet, eine Gang zu werden. Aber dann wurden wir älter und kräftiger. Und da haben wir uns gedacht, wir sind so viel Männer. Und dann haben wir angefangen, uns Soldaten zu nennen. Und dann haben wir gedacht, warum machen wir keine Gang? Wir sind doch genug Leute. Es gab BadGo, Tannenbusch. Wir nennen uns MV, Medinghoven-Viertel. Haben wir am Anfang nur aus Spaß gemacht. Andere Gangs haben gehört, da gibt es diese MV. Dann natürlich Gangs gegen Gangs. Die wollen sich messen. Dann haben wir uns immer geschlagen. Haben gemerkt, wir werden langsam auch mächtiger. In Bonn gibt es zum Beispiel AT, Araber, TBC Tannenbuscher, BadGo Godesberg, MV, also, es gibt einige.

Ich sag nicht, Deutsche sind schwach, aber die trauen sich nicht wie Ausländer drauf zu schlagen. Weil die sind anders aufgewachsen. Die werden nicht von ihren Eltern geschlagen. Und ausländische, wie man hört, ja. Wenn ich wo runter gefallen bin und habe geweint, dann haben mich meine Cousins geschlagen. Haben gesagt warum, du bist doch kein Mädchen. Ein Mann weint nicht. Du musst ein Mann sein. Dann haben die mich geschlagen. Wenn mein Vater sauer war, hat er mich auch geschlagen. Erst mal Wut rauslassen.

Wenn ich jetzt Kinder kriegen würde, ich glaube, ich würde die auch schlagen. Ich sage jetzt, ich weiß, wie das ist, ich würde niemals schlagen. Aber ich glaube, dass wenn ich älter werde, ich weiß nicht … Es geht ja immer weiter. Ich denke mal, ich werde später auch schlagen.


Die Gangmitglieder sind hier Stammgäste

Der Leiter eines Jugendtreffs kennt seine Pappenheimer ganz genau

Dieses Viertel hier ist geprägt von Plattenbauten aus den Sechzigern. Damals wurden die Häuser schnell gebaut, diese Hochhäuser, damit die Mitarbeiter des Bundestages darin wohnen konnten. Nachdem die 90 nach Berlin gezogen sind, einfach weggezogen sind, hat man diese Häuser an Migranten weitervermietet. So ist das in Tannenbusch, Pennenfeld, Heiderhof, Büser Berg, so dass da überall mittlerweile fast 50 Prozent Migranten drin leben. Von den 330 Jugendlichen, die zum Beispiel in Medinghoven leben, da auf der Hartdhöhe, wo früher das Verteidigungsministerium war, von den 330 sind über 190 Migrantenkinder. Und ein Teil von denen sind Stammgäste bei uns im Jugendzentrum. Sind eigentlich alle liebe Jungs. Sind halt looser, die nichts auf die Reihe gekriegt haben. Die haben nur eine Sache, mit der sie Anerkennung kriegen und sich identifizieren, das ist aufzufallen.
Egal in welchem Zusammenhang.

Einzeln sind das ganze liebe Kerle. Die kriegen in der Schule gesagt, ihr seid dumm und kriegt nichts auf die Reihe. Landen auf der Sonderschule oder kriegen entsprechende Noten, weil sie dem Lehrer nicht passen. Und da sie früh lernen, ich kriege nichts auf die Reihe, sagen die sich, wenn wir so keine Anerkennung kriegen in dem, was wir können, dann fallen wir eben anders auf – negativ. Hauptsache Aufmerksamkeit.

Wir sind die Elite

Ein Schüler des Aloisiuskollegs sieht seine Zukunft durchaus rosig

Es wird zwar von der Schulleitung sehr ungern gesehen, weil es auch gar nicht in die jesuitische Philosophie passt. Aber man sieht sich so als Elite an. Man hat später die besseren Jobchancen, meist sehr gute, weil die Eltern über entsprechende Kontakte verfügen.
Die Kinder haben auch durchschnittlich mehr Geld als auf normalen Schulen. Und dadurch fühlt man sich halt zu so einer gewissen Avantgarde.

Wie die Provokationen unsererseits aussehen? Verächtlicher Blick oder die Nummer Die unten wir oben. In Discos zum Beispiel, wo wir oben im VIP-Bereich sind und Getränke von oben runterkippen oder so. Gerade wenn man betrunken ist, macht man das mal eher. In Discos reservieren wir uns im VIP-Bereich einen Tisch. Den bekommt man nur, wenn man einen gewissen Mindestverzehr von etwa 250 Euro deckt. Das ist nicht wenig.

Wenn man sich dann noch überlegt, dass von den fünf Leuten zwei, drei Mädchen dabei sind, dann bleiben die 250 Euro an zwei oder drei Leuten hängen. Dann wird einem bewusst, wie teuer das ist. Und dass das nicht viele können. Der Vorteil ist, man kann direkt über den Eingang in den VIP-Bereich gehen und steht dann sozusagen über den anderen. Das ist wirklich geil.

Dann beginnt die Neiddebatte

Ein Lehrer des Pädagogikums, ein Sozialarbeiter und ein Berufsberater schätzen die Lage ein

Es gibt hier einige Internatsschulen, darum hat es sich immer wieder kristallisiert. Das eine ist das Pädagogikum, Päda genannt, das andere das Ako. So nennen wir die beiden Schulen. Den Internatsschülern geht der Ruf voraus, die Eltern hätten viel Geld und dann kommt diese Neiddebatte hinzu, und es kommt immer wieder zu provozierten Rempeleien, an denen die nicht unschuldig sind. Es fallen schon mal Bemerkungen wie Scheißtürke, dann kommt Scheißdeutscher zurück.

Die Eltern dieser Gymnasiasten haben nie gemerkt, dass diese Statussymbole nur der äußere Schein sind. Die Kinder haben eine innere Leere. Und deswegen bezeichnen wir das als so eine Art Wohlstandverwahrlosung. Soziale Kompetenz, die ist bei denen überhaupt nicht mehr gegeben.

Gib mal Kippe, deutscher Pisser

Ein Gymnasiast wird verhauen

Mir wurden halt sämtliche Vorderzähne ausgeschlagen. War vier Tage stationär im Krankenhaus. In Bonn ist das passiert, als wir abends unterwegs waren. Wir sind durch Bad Godesberg gezogen – äh Bonn – mit ein paar Freunden. Hatten irgendwie im Paulaner vorher Maß-Wett-Exen gemacht. Deswegen waren wir schon leicht angetrunken. Ich hatte so drei Maß intus. Dann wurden wir halt ein bisschen angemacht. Nennen wir sie mal Halbstarke mit Migrationshintergrund, so umgangssprachlich Muchel genannt. Keine Ahnung, was das bedeutet.

Wir waren vier. Dann haben wir zurück angemacht. Die anderen waren anfangs zwei und gegen Ende.
Gib mal Kippe deutscher Pisser!
Hä, verzieht euch und so!
Der hatte so ein HipHop-Cappy an. Und dann hab ich so gemeint:
Äh, Hiphopper, bleib mal cool!
Hab so zugespitzt mit ihm geredet, das fand er, glaube ich, nicht so lustig wie ich. Dann kam auf einmal ein Auto an, ein alter Fünfer-BMW, tiefer gelegt, so asozial aufgetuned, prollig, da stiegen dann irgendwie fünf Kickboxer aus. Dann kam nochmal ein Dreier an.
Ein Freund von mir lag am Boden. Der andere wollte dem gerade ins Gesicht treten. Und ich stand so schräg hinter ihm. Hatte noch so überlegt, ob ich ihm auf den Hinterkopfhaue. Kann ich aber nicht einfach, jemandem auf den Hinterkopf hauen. Und dann habe ich ihn so weggeschubst, dass er meinem Freund nicht ins Gesicht treten kann. Da hat der sich umgedreht und sich sozusagen mit mir beschäftigt. Hat dann voll durchgezogen. Hat mir dann richtig aufs Gesicht gehauen.

Das sind Muchel, die richtig Kampfsport betreiben. Danach wusste ich genau, in zwei Minuten tut es weh. Man hat ja zunächst noch so einen Adrenalinkick, spürt nichts. Aber dann habe ich das ganze Blut gesehen, und mir war klar, dass es ein bisschen ernster ist. Dann erst habe ich langsam realisiert, dass mir Zähne fehlen. Das war ärgerlich.

Hey, ihr Scheißkanaken

Der persische Freund des Ako-Schülers sieht das alles etwas anders

Mein Freund, dem sie die Zähne ausgeschlagen haben, ist ja nicht gerade ein Engel. Die waren unten in der U-Bahn. Waren auf der einen Seite. Auf der anderen Seite waren zehn Türken oder so was. Und mein Freund so: Hey ihr Scheißkanaken. Da sind die losgerannt und dann haben sie die gekriegt.

Mein Freund, wenn der nicht den Macker markieren würde, dann hätte der auch nicht seine Zähne verloren. Wenn er und seine Kumpels da mit ihren Poloshirts, Gucci-Gürteln und Lackschuhen rumlaufen, wie wollen die da im Streetfight irgendjemanden umhauen? Wenn die Türken kommen mit Schlagstöcken in der Hose, mit Bomberjacken – ist ja klar, wer da körperlich überlegen ist. Ich weiß nicht, ob die sich jemals in Ruhe lassen werden. Ich glaube es eigentlich nicht.

Selbst wenn die Ausländer die Deutschen in Ruhe lassen würden, wär es nicht vorbei. Die Deutschen würden trotzdem über die Ausländer weiterlabern und sagen: Scheißkanaken und so.

Ich bin 18 Jahre alt, in Deutschland geboren mit persischen Wurzeln. Sozusagen neudeutscher Mitbürger mit Migrationshintergrund. Habe gerade mein Abi am Ako gemacht, werde Medizin studieren. Offiziell bin ich Moslem, ja schon.

Meine Eltern haben immer sehr viel Wert darauf gelegt, dass ich mich anpasse. Also einen starken Akzent nicht auf Integration gelegt, sondern sogar partiell auf Assimilation, mit einer Besinnung auf die Wurzeln. Denn die kann ich nicht verschweigen.

Ohne jetzt arrogant wirken zu wollen, war ich immer ein guter Schüler. Meine Eltern haben Wert darauf gelegt, dass ich gut ausgebildet bin, weil ich es automatisch schwerer haben werde.

Das ist kein Makel. Ich empfinde es eher als Ansporn. Wenn ich eine Bewerbung irgendwohin schicke und ein anderer Heinz-Uwe oder irgendwer seine Bewerbung hinschickt, werde ich bei gleicher Qualifikation nicht bevorzugt werden. Schon vom Namen her.
Das Aloisiuskolleg ist ja nicht mit anderen Schulen zu vergleichen. Der typische Ako-Haushalt ist ein konservativer CDU- oder FDP-Haushalt, der den Anschein erweckt, viel Geld zu haben. Ob das immer stimmt, weiß ich nicht.

Es gibt da eine Anmache wegen Nichtigkeiten. Unter den Akos. Wir sind in der Klasse. Das Fenster ist offen, mitten im Winter. Alle beschweren sich. Mach das Fenster zu. Und ich bitte auch einfach das Fenster zuzumachen. Dann kommt: Du Scheißasylbetrüger. Ich fang an zu lachen. Ich finde es einfach lächerlich. Dann halte ich die Klappe. Ein Klassenkamerad, dessen Vater Hochschullehrer ist und der auch eine ausländische Mutter hat, sagt dann: Mach das Fenster zu! Und dann kommt als einziges: Du Scheißnigger, halt die Klappe und setz dich wieder hin.

Der Kommentar vom Lehrer: Man müsse mal eine Nacht darüber schlafen und sich beruhigen und dann mit weniger Temperament an die Sache ran gehen. So was sei intolerant.

"Von Pariser Vorstadt-Verhältnissen sind wir noch weit entfernt"

Ein Polizist ist ratlos

Meine persönliche private Einschätzung ist, dass wir schon Potential für erhebliche Auseinandersetzungen haben, auch auf der Straße, aber was soll man tun? Kleine Ghettobildungen haben wir definitiv in einigen Gebieten. Aus meiner Sicht als Polizeibeamter hier aus Godesberg, wo ich seit Jahren schon Dienst mache, bin ich der Meinung, dass wir noch weit von etwaigen Pariser Verhältnissen entfernt sind. Aber ich bin kein Prophet. Mal sehen.


Die Justiz macht Fehler

Ein Jugendrichter weiß auch nicht weiter

Ein Anstieg der Kriminalität würde ich insgesamt als Befund sagen. In Bad Godesberg. Und dann eben vor allen Dingen im Bereich der jugendlichen Straftäter Zunahme von Raubdelikten, also das, was man unter Jugendlichen als Abziehen bezeichnet, also Lederjacke klauen, Schuhe klauen, Skateboard wegnehmen, Handys vor allen Dingen. Übergriffe auf ältere Mitbürger, Handtaschenraub.
In dem Bereich hat es spektakuläre Fälle in Bad Godesberg gegeben. Dann haben wir natürlich die Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Gruppen, auch ethnischen Gruppen von Jugendlichen, die gewalttätig ausgeführt werden.

Deutsche begehen natürlich genauso Straftaten wie ausländische Jugendliche oder solche mit Migrationshintergrund. Was ich ausmachen würde, wäre eine tendenziell höhere Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Wir können das auch an bestimmten Ethnien festmachen. Wir haben also mit bestimmten Bevölkerungsgruppen ganz spezifische Probleme. Wenn man jugendliche Deutschrussen sich anschaut, dann haben wir sofort ein großes Alkoholproblem, Drogenproblem. Und natürlich auch eine ausufernde Kriminalität.

Mir sind eine Reihe von Verfahren in Erinnerung, wo dann türkische Gruppen auftauchen und sagen, wir sind Türkenpower, wir zeigen euch das jetzt. Scheißdeutsche! Und dann geht es zur Sache.
Umgekehrt gibt es natürlich ähnliche Konstellationen, wo eine Gruppe von gewaltbereiten Deutschen auf ein paar Türken trifft und die dann in Anführungszeichen aufmischt.

Selbstverständlich hat die Justiz nicht die Mittel, diese gesellschaftlichen Zustände zu beheben. Wir sind ja kein Reparaturbetrieb für fehlgeschlagene gesellschaftliche Entwicklungen.
Dieser starke Familienzusammenhalt ist übrigens eines der Probleme, die wir mit denen haben. Man erlebt bei männlichen, insbesondere aus dem muslimischen Bereich stammenden Straftätern, dass die zu Hause die Könige sind. Die erfahren nicht das, was man sich unter Erziehung vorstellt, nämlich, dass man irgendwo Leitplanken im Leben einzieht, sondern, die sind die Könige, und was die machen, wird nicht angezweifelt. Selbst wenn die Eltern der Auffassung sind, das ist falsch, was er macht, haben sie offensichtlich keine Schemata im erzieherischen Gepäck, um das irgendwie einzufangen.

Da läuft in der Justiz auch manches schief. Wir erleben es gerade im Bereich der Gewaltkriminalität oft, dass auch seitens der Justiz keine Konsequenz gezeigt wird. Jugendliche erfahren zu Hause keine Konsequenz im Hinblick auf Fehlverhalten. Und die Justiz macht dann dasselbe.


Wer soll diese Strafen eigentlich ernst nehmen?

Ein Sozialarbeiter beschwert sich über die Milde der Justiz

Ich hatte einen Jugendlichen, der musste 50 Sozialstunden machen.
Was haste denn gemacht?

Ich hab nur schwere Körperverletzung begangen.

50 Sozialstunden und schwere Körperverletzung, da muss ich mich fragen, was muss eigentlich passieren, dass einer in den Jugendarrest kommt. Muss er erst einen totschlagen? Auf der anderen Seite hab ich Jugendliche gehabt, die haben eine CD geklaut und kamen auch mit 40 Sozialstunden an.

Eine weitere Problematik ist, dass nach der Straftat nicht zeitnah verurteilt wird. Es gibt Jugendliche hier, die haben Akten, da sträuben sich einem die Haare. Ich war mal bei der Polizei zu einer Vernehmung und hatte Einsicht in Personenverzeichnisse.

Ich dachte, das wär eine Besucherkartei des Hauses. Ich kannte sie alle. Und mir wurde gesagt, wer da drin ist, da ist schon was vorgefallen. Und auch im Kontakt mit Jugendrichtern wurde mir bestätigt, dass die dem nicht nachkommen.

Für die Jugendlichen ist das so: Wenn sie sagen, ich gehe abziehen, ist das für die wie einkaufen. Abziehen ist die kostengünstige Variante. Das Risiko, das besteht, man wird erwischt, dann kriegt man Hausverbot, wird zur Polizei vorgeladen. Das war es dann.
Die ziehen vor allem Bessergestellte ab. Wobei die Opfer dann unter Druck gesetzt werden.

Wenn du was Falsches sagst, dann gibt es was.

Das hat mir die Polizei auch bestätigt, dass jugendliche Opfer bereit waren auszusagen und bei der Verhandlung eingeknickt sind. Ich weiß doch nicht, ob es der war.


An der Ko, da knubbelt es sich

Die Leiterin eines Jugendtreffs kennt die Lage genau

Allein da vorne an der Ko, der Koblenzer Straße in Bad Godesberg, da ist ein beliebter Treffpunkt. Das ist da, wo die Busse halten. Da trifft man sich eigentlich immer so um 19, 20 Uhr, wenn es abends losgeht. Da sind ja auch direkt die Supermärkte, da holt man sich ein bisschen Alkohol. Da sind die immer alle, die ganzen Migranten. Und da gibt es immer so Aneinanderreibung. Gib mal Kippe oder so! Koblenzer Straße. Das ist so der Tiegel, wo alles zusammenschmilzt.

Stadthalle, Kurpark zum Teil. Manchmal werden Situationen auch hochgeschaukelt, wo bei genauem Hinsehen gar nicht so viel passiert ist. Der eine macht den anderen an der Bushaltestelle an. Und die beschimpfen sich dann gegenseitig. Und stehen dann Nase an Nase gegenüber. Aber keiner der Kontrahenten schafft es zu sagen, ach komm, lass es.

Der Gymnasiast geht später nach oben und erzählt den Eltern oder dem Lehrkörper: Boa, das war so und so, und die sind dann in heller Aufregung.

Und der andere Jugendliche, der ausländische, erzählt das dann seinen Freunden. Und die sagen, das lassen wir uns nicht gefallen.
Und dann geht es einfach weiter. Und es ist keiner von den beiden Seiten bereit, das zu unterbrechen. Und wirklich mal zu gucken, was ist denn da eigentlich genau gewesen.



Der Staat ist selber schuld

Ein junger Migrant übt Kritik

Ich trinke nicht. Ich bin ja Moslem. Kiffen auch nicht. Ist nicht mein Ding. Einfach mit Freunden rumhängen. Fußball spielen. Solche Sachen. Einfach rumhängen mit all den Leuten. Das sind einfach Freunde, die zusammen rumhängen.

Ich find, die sind selber schuld, wenn die Jugendlichen heute so gewalttätig sind und Scheiße bauen. Weil, es gibt keine Alternative
für die. Die haben nichts zu tun. Die hängen nur auf der Straße rum. Was sollen die machen, außer Scheiße bauen. Die verbieten alle Fußballplätze, die es hier gab.

Man darf nirgendwo spielen. Und was sollen die machen? Von klein an wissen die schon nicht, was sie machen sollen. Hängen auf der Straße rum. Und dann ist immer einer dazwischen, der Scheißideen hat und so. Dann zieht er die anderen mit. Ich finde, der Staat ist selber schuld.


Annäherungsversuche

Aus einem Artikel im Lokalteil des Bonner Generalanzeiger:

Rosalie war zu Besuch beim arabischen Lebensmittelhändler. Fanny beim marokkanischen Fleischer und Kevin interviewte und fotografierte einen türkischen "Döner-Mann".

"Wir wollten die Ausländer aus unserer Heimatstadt besser verstehen lernen und herausfinden, was sie bewegt und warum sie ihre Heimat verlassen haben", beschreibt Mitstreiter Moritz die Aktion "Rezepte gegen Gewalt".

Neun Schüler eines Bad Godesberger Gymnasiums hatten sich ein Herz genommen und mit Notizblock und Fotoapparat in fremde Kulturen hineingeschnuppert.

"Schon als wir die Straßen abklapperten, gefiel uns das ausländische Flair, der Geruch exotischer Gewürze", schwärmen Paula und Victoria. "Wir konnten früher nicht verstehen, warum gerade so viele Moslems nach Deutschland kommen", erzählen Alvaro und Cedric.

Jetzt, nach den Gesprächen in Feinkostläden und Callcentern, hätten sie gelernt, dass hauptsächlich Kriege, Armut und Not diese Menschen aus ihrer Heimat vertrieben hätten.



Aus: "Randale, Prügel und Attacken - Das Bad-Godesberg-Phänomen" (26.10.2009)
Ingrid Müller-Münch hat sich bei Bad Godesbergern umgehört – und Berichte aus zwei Welten erhalten
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/panorama/?em_cnt=2041294&em_cnt_page=1 (http://www.fr-online.de/in_und_ausland/panorama/?em_cnt=2041294&em_cnt_page=1)

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Quote
[...]

Quote
27.10.2009,
14:36 Uhr
    mündiger Staatsbürger sagt:
    Vom schicken Diplomatenviertel zur "No-Go-Area"


    Das nennt man wohl die "Erfolgsgeschichte der Integration"

    Im übrigen gibt es in nahezu JEDER deutschen Großstadt solche No-Go-Areas...
    Bremen, Düsseldorf, Essen, Berlin usw.usw

    Das ist bittere Realität, in die sich nichtmal die Polizei alleine reintraut.


Quote
27.10.2009,
15:07 Uhr
    Ini sagt:
    Die Gymnasiasten verhalten sich arrogant?

    Können, Fleiß und Bildung sehen von unten betrachtet schnell wie Arroganz aus!

    Ini


Quote
27.10.2009,
15:58 Uhr
    Ein Migrant sagt:
    No-Go-Areas gibt es auch für Migranten [...]. Die Problematik liegt in der Gesellschaft und vor allem in der Bildung. Alle die in einem der besagten Felder zu wenig abbekommen haben, müssen es allen anderen auf der Straße zeigen, wie hart, stark, cool uvm. sie noch sind.

    Es hat aber nichts mit der Herkunft oder der Religion zu tun, kapiert es endlich!

 ...



Kommentare zu: " Vom schicken Diplomatenviertel zur "No-Go-Area"" Von Edgar Bauer (27. Oktober 2009)
Quelle: http://www.welt.de/vermischtes/article4993393/Vom-schicken-Diplomatenviertel-zur-No-Go-Area.html (http://www.welt.de/vermischtes/article4993393/Vom-schicken-Diplomatenviertel-zur-No-Go-Area.html)



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Quote
[...] "Die Probleme mit Aggression und Gewalt sind hausgemacht." Arrogante Elite-Gymnasiasten und in Ghettos lebende Migranten auch anderer Stadtteile fänden in der Realität keine Berührungspunkte. Wer Täter, wer Opfer sei, sei keineswegs mehr klar. Und da stehe Bad Godesberg natürlich exemplarisch für andere Städte. "Wir wollen, dass der Dialog hier im Theater stattfindet.


Aus: "Premiere von "Zwei Welten" in den Kammerspielen"
Am 30. Oktober wird Bad Godesberg bei der Premiere der Spiegel vorgehalten
Von Ebba Hagenberg-Miliu
Quelle: http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10003&detailid=650763 (http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10003&detailid=650763)

Title: [Kleinfeld beharre aber darauf... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 14, 2009, 09:02:32 PM
Quote
[...] Der frühere Siemens-Vorstandschef Klaus Kleinfeld ist nach Informationen der Süddeutschen Zeitung (SZ) bereit, zwei Millionen Euro Schadensersatz im Zusammenhang mit dem Schmiergeldskandal des Konzerns zu zahlen. Kleinfeld, der Siemens von 2005 bis 2007 geleitet hatte, beharre aber darauf, dass die Zahlung kein Eingeständnis sei, dass er etwas falsch gemacht habe, heißt es bei der SZ. Vielmehr wolle er offenbar ein langwieriges Gerichtsverfahren vermeiden.

Kleinfelds Anwalt hatte früher bereits betont, dass ein Schuldanerkenntnis seines Mandanten "das Ende seiner beruflichen Karriere" bedeute. Kleinfeld ist seit Mai 2008 CEO des US-Aluminiumkonzerns Alcoa.

Eine Einigung mit dem langjährigen Vorstandschef Heinrich von Pierer, von dem der Siemens-Konzern 6 Millionen Euro Schadensersatz fordert, ist laut Süddeutscher Zeitung unterdessen nicht absehbar. Pierer wehre sich dagegen, dass er deutlich mehr als die anderen Vorstandsmitglieder zahlen und somit gewissermaßen als Hauptschuldiger im ehemaligen Vorstand gelten solle. Heinrich von Pierer stand dem Konzern von 1992 bis 2005 vor – in diese Zeit fallen viele der Schmiergeldzahlungen, über die sich der Konzern weltweit lukrative Aufträge verschafft hatte. Den Schaden des Korruptionsskandals beziffert Siemens auf mehr als zwei Milliarden Euro.

...

Quote
13. November 2009 16:22
das Ende seiner beruflichen Karriere
Cyborg70 (686 Beiträge seit 13.06.01)

Das ist ja wohl ein Witz. Wenn ein LKW Fahrer geblitzt wird dann ist
er den Lappen los, auch wenn es das Ende seiner beruflichen Karriere
bedeutet.
Wenn sich ein "normaler" Arbeitnehmer was zuschulden kommen lässt was
zu seiner Entlassung führt und auch in seinem Zeugniss auftaucht dann
ist das ebenfalls das Ende der beruflichen Karriere.
Aber wenn einer der hohen Herren sowas an den Hacken hat, dann muss
da eine andere Lösung gefunden werden. Denn es kann ja nicht sein,
dass seine berufliche Karriere beendet wird. Wie sollte er denn sonst
die Millionen verdienen die er zum leben braucht...


Quote
13. November 2009 16:08
Kein Eingeständnis? (Editiert vom Verfasser am 13.11.09 um 16:09)
Stiefelwutz (287 Beiträge seit 07.06.09)

Er zahlt 2 Mio. aus seiner Portokasse. Aber er habe
keine Schuld.

...

Kleinfeld müsste aussagen allein schon wegen Pierer.


Quote
13. November 2009 16:07
Solange große Gangster nur die Portokasse bemühen müssen
Jordy (mehr als 1000 Beiträge seit 14.05.04)

...und nur kleine Gangster in den Knast kommen, wird D kein
Rechtstaat.


Quote
14. November 2009 16:26
Hm, zwei Millionen ...
deb2006 (mehr als 1000 Beiträge seit 24.01.06)

... also das trägt Kleinfeld wahrscheinlich immer bei sich. Von daher
sind das die berühmten peanuts. ...


Quote
14. November 2009 17:05
Roemische Verhaeltnisse
skipjack (481 Beiträge seit 25.12.05)

nannte man es frueher...

Um einfacher zu erklaeren:
>Die Kleinen haengt man, die Grossen laesst man laufen...

Bsp. Wirtschaft:
Kassiererin, die Pfandbon fuer Cents verschwinden laesst, bezieht nun
ALGII, doch der Banker, der etliche zu ALGII-Emfaenger macht, bekommt
Mio. Abfindung...

Fuer einen Kleinfeld scheinen 2 Mio offenbar kein Geld bzw.
Klein-Geld zu sein und bis auf die Presse wird er auch wohl nie
erfahren, was es heisst Arbeit zu suchen...

Alle vor dem Gesetz gleich???



Aus: "Bericht: Ex-Siemens-Chef Kleinfeld zahlt zwei Millionen Euro Schadensersatz" (13.11.2009)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bericht-Ex-Siemens-Chef-Kleinfeld-zahlt-zwei-Millionen-Euro-Schadensersatz-859504.html (http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bericht-Ex-Siemens-Chef-Kleinfeld-zahlt-zwei-Millionen-Euro-Schadensersatz-859504.html)

Title: [Das steht mir zu... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 21, 2009, 12:03:53 PM
Quote
[...] Einer körperbehinderten langjährigen Mitarbeiterin eine Pflegeheimes der Caritas in Hannover ist wegen des Verzehrs eines Teewurstbrotes fristlos gekündigt worden. Nach Angaben des Arbeitsgerichtes Hannover hatte sich die 41-Jährige mit der Wurst, die für Patienten des Heimes bestimmt war, ein Brot geschmiert.

Sie erhielt am 23. Oktober die fristlose Kündigung und erhob Kündigungsschutzklage. Über die Klage werde am 1. Dezember in einem Gütetermin verhandelt, sagte ein Gerichtssprecher am Freitag.

Die 41-Jährige ist nach Angaben ihrer Rechtsanwaltes bereits seit 18 Jahren in der Einrichtung tätig. "In dem Pflegeheim, war es den Mitarbeitern keineswegs untersagt, überschüssige Lebensmittel der Patienten zu verzehren", sagte Rechtsanwalt Rolf Schaefer.

Zwar habe der Arbeitgeber in der Kündigung auf eine entsprechende Dienstanweisung verwiesen. "Solche Dienstanweisungen haben aber oft rein steuerliche Gründe", betonte der Verteidiger. Die Praxis in dem Pflegeheim habe der Anweisung nicht entsprochen.

Das Pflegeheim wolle sich ohnehin von der Mitarbeiterin trennen, sagte der Anwalt weiter. "Man hatte keine Kündigungsgründe und nun soll die Teewurst herhalten", fügte er hinzu. Seine Mandantin habe vor dem Arbeitsgericht bereits erfolgreich gegen eine vorangegangene erste unbegründete Kündigung gewehrt. Anschließend habe sie zudem erfolgreich Gehaltsnachzahlungen in fünfstelliger Höhe eingeklagt. Die Nachzahlungen seien Folge der ungerechtfertigten Kündigung gewesen.

Bei dem betroffenen Pflegheim hat es nach Angaben der Caritas in Hannover inzwischen einen Besitzerwechsel gegeben. Neuer Gesellschafter der Caritas-Pflegeeinrichtung ist das Evangelische Johannesstift Berlin.

Der Fall erinnert an zahlreiche andere Prozesse dieser Art in der jüngsten Zeit. So hat beispielsweise die Mitnahme von sechs übriggebliebenen Maultaschen eine Altenpflegerin aus Konstanz nach 17 Jahren Betriebszugehörigkeit ihren Job gekostet.

Quote
20.11.2009  17:43:42

Nächstenliebe:

Die Menschlichkeit bleibt in dieser unbarmherzigen Gesellschaft immer mehr auf der Strecke. Vom Gleichheitsgrundsatz und allgemeinen Gerechtigkeitserwägungen mal ganz abgesehen (miese Manager bekommen den goldenen Handschlag und kleine Angestellte bei minimalsten Verfehlungen einen A....tritt mit der Aussicht auf Hartz-IV). Es stimmt einfach die Balance nicht mehr und ich fürchte, dass dies über kurz oder lang ganz schreckliche gesellschaftliche Auswirkungen haben wird !

Der Gipfel der Unmoral im oben genannten Fall ist jedoch, das es sich bei dem o.a. Arbeitgeber auch noch um die evangelische Kirche handelt.

...



Aus: "Alles hat ein Ende - Kündigung wegen Teewurstbrot" (20.11.2009)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/798/495128/text/ (http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/798/495128/text/)


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Quote
[...] Hamburg - Zeitloses Design verspricht die Nobelmarke in ihren Annoncen, Füller aus Edelharz mit Goldfedern. Eine Zierde für jeden Schreibtisch. 115 Bundestagsabgeordnete mochten im laufenden Jahr nicht auf solche exklusiven Schreibgeräte verzichten, mancher bestellte gleich mehrere davon. Sie orderten von Januar bis Oktober dieses Jahres insgesamt 296 Füllfederhalter von Montblanc im Wert von 68.800 Euro auf Kosten der Steuerzahler.

Offenbar animierte besonders das nahende Ende der Wahlperiode zu verstärktem Einkauf, denn allein von August bis Oktober orderten die Politiker 216 dieser Stifte - in den sieben Monaten zuvor waren es mit 180 Stück deutlich weniger gewesen, berichtet die "Bild"-Zeitung. Ein Phänomen, das regelmäßig wieder zu beobachten ist; sowohl jeweils zum Jahresende, "Dezember-Fieber" genannt, als auch zum Ende von Wahlperioden. Denn den Parlamentariern steht eine feste Summe von 12.000 Euro pro Jahr für laufende Bürokosten zu. Das Sachleistungskonto. Davon müssen zum Beispiel Computer, Telefonkosten, Notizblöcke und eben auch Stifte bezahlt werden. Und was nicht ausgegeben wird, verfällt einfach. Sparsamkeit zahlt sich hier nicht aus.

Das Sachleistungskonto gehört nach Paragraph zwölf des Abgeordnetengesetzes zu den finanziellen Leistungen, die den 622 Bundestagsabgeordneten zustehen - neben der Diät von rund 92.000 Euro im Jahr und der steuerfreien Kostenpauschale von knapp 46.000 Euro jährlich. Es ist eine Pauschale. Einzelkosten müssen nicht nachgewiesen werden, denn das wäre ein gigantischer Verwaltungsaufwand für den Bundestag, der wiederum Kosten nach sich ziehen würde. Die Verlockung, manchmal Dinge zu bestellen, die nicht unbedingt nötig sind, ist für den einen oder anderen groß.

Auch die Pensionsansprüche der Abgeordneten sorgen immer wieder für Aufregung. Ohne Beiträge gezahlt zu haben, erhalten die Politiker für ihre Zeit im Parlament Altersbezüge, die für normale Arbeitnehmer kaum jemals zu erreichen sind. 2,5 Prozent der monatlichen Diät pro Jahr der Zugehörigkeit - macht nach nur zehn Jahren derzeit 1917 Euro. Anspruch auf die Zahlung erwirbt man schon nach einem Jahr im Reichstag.

Über die Geldtöpfe hinaus können Mandatsträger weitere Annehmlichkeiten genießen: In Berlin bietet rund um die Uhr ein Fahrservice in dunkler Limousine inklusive Chauffeur seine Dienste an. Eine Netzkarte erster Klasse der Bahn gehört ebenso zur Grundausstattung wie Tickets für Berliner Busse und Bahnen.

Das alles sind Aufreger, doch sie entsprechen dem Gesetz. Einen unguten Beigeschmack haben dagegen manche andere Privilegien. Die Lufthansa verteilt eine Senator-Card, ein goldenes Plastikkärtchen, das sonst nur vielgereiste Top-Manager erhalten. Dafür erhalten die Inhaber Zutritt zu feinen Flughafen-Lounges, in denen warmes Essen und Getränke bereitstehen. Auch andere Unternehmen spendieren teils großzügige Bonbons. So gab es in der Vergangenheit schon kostenlose Dauerkarten für Kino- und Theaterbesuche, Gutscheine für McDonald's und Friseurbesuche zum Nulltarif.

Diese Privilegien stiegen schon manchem Abgeordneten zu Kopf. So zahlten Parlamentarier ihre Privatflüge von den Bonusmeilen, die sie sich mit ihrer Senator-Card erflogen. Besonders die Grünen wurden im Zuge der Affäre 2002 politisch beschädigt. Der heutige Parteichef Cem Özdemir trat - auch wegen eines umstrittenen Kredits - von seinem Amt als innenpolitischer Sprecher der Fraktion zurück. Ludger Volmer, Staatsminister im Auswärtigen Amt, sah sich gezwungen, die Kosten eines Freiflugs seines Sohnes dem Bundestag zu erstatten.

Gregor Gysi musste sich vom Posten des Berliner Wirtschaftssenators zurückziehen. Er habe begonnen, "Privilegien als Selbstverständlichkeit hinzunehmen", gestand der heutige Linken-Fraktionschef, der ebenfalls 2002 in eine Bonusmeilen-Affäre verstrickt war. Er fürchte sich sogar vor seinen "Persönlichkeitsveränderungen".

Zuletzt geriet die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt im Sommer 2009 unter Druck. Als ihr Dienstwagen im Spanien-Urlaub gestohlen wurde, sprachen Oppositionspolitiker von "skandalöser Verschwendung". Rechtlich war ihr nichts vorzuwerfen. Die Empörung entzündete sich an dem Satz. "Das steht mir zu." Sie hatte ihr Gespür dafür verloren, wie weit sie sich vom Volk entfernt hatte.


Aus: "Privilegien von Abgeordneten - Veredelter Dienst am Volk" (21.11.2009)
Von Lisa Erdmann und Katharina Peters
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,662481,00.html (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,662481,00.html)

Title: [Lebenswelt, Milieu und Figuration.... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 24, 2009, 10:28:44 AM
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[...] Hamburg . In der Soziologie ist der Klassenbegriff „out“ – zu statisch, zu eindimensional, zu undifferenziert. Um soziale Gruppen in ihrer Komplexität zu erfassen, arbeiten SozialwissenschaftlerInnen seit einigen Jahren mit den Begriffen Lebenswelt, Milieu und Figuration.

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Aus: "Der Traum von der klassenlosen Sportgesellschaft" Dr. Markus Friederici (5. November 2009)
Quelle: http://www.abendblatt.de/sport/article1259655/Der-Traum-von-der-klassenlosen-Sportgesellschaft.html (http://www.abendblatt.de/sport/article1259655/Der-Traum-von-der-klassenlosen-Sportgesellschaft.html)

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[...] Die Beerdigungsklassen zeigten offen auf, welchem Stand der Mensch angehört hat, was er gegolten hat und ob er und die Familie sich eine „bessere Beerdigung“ leisten konnten. Dafür waren sogar entsprechend abgestufte Gebührenordnungen erlassen worden. Diese nannte man „Stolgebühren“.

In Pfaffenhausen zum Beispiel wurde vor 125 Jahren, genau am 16. November 1884, durch die Marktgemeinde eine von der Regierung vorgegebene „Stol-Gebühren-Ordnung“ erlassen, die für die Kirchengemeinde galt und drei Beerdigungsklassen vorsah. Darin hieß es: „Um die Klassen bei den Leichenbegängnissen unterscheiden zu können, werden bestimmte äußere Zeichen festgesetzt, welche streng einzuhalten sind. In welcher Klasse die Leiche beerdigt werden soll, hat der Antragsteller der Beerdigung selbst zu bestimmen.“ Es war also damals eine Frage des Geldes.

Bis ins Detail waren die Unterschiede zwischen den Klassen festgelegt. Sie begannen schon bei der Aufmachung der Pferde, die den Leichenwagen zogen. So hatten die beiden Rappen von Leichenwagenfahrer Karl Leichtle in Pfaffenhausen bei der ersten Klasse schwarze Rückenbedeckungen und einen dunklen Kopfschmuck, bei dem nur die Augen herausschauten. Bei der zweiten Klasse wurde den Pferden nur eine schwarze Rückendecke aufgelegt und bei der dritten Klasse blieben sie völlig schmucklos.

Auch die früher zahlreich vorhandene Geistlichkeit rückte bei der Beerdigung in unterschiedlicher Begleitung aus. Nicht anders die Ministranten. Bei der ersten Klasse waren sechs Ministranten mit zwei Fahnen, einem Kreuz sowie mit Rauchfass, Weihrauch und Weihwasser vorgesehen. Bei der zweiten Klasse entfiel eine Fahne. Bei der dritten Klasse wurde nur ein einfaches Kreuz mitgetragen und lediglich zwei Ministranten begleiteten den mit schlichtem Chorrock und Stola bekleideten Pfarrer, während der Geistliche bei der ersten Klasse einen schweren Rauchmantel (Pluviale) trug.

Auch am Grab gab es deutliche Abstufungen. Zum Beispiel, ob ein Chor sang, ob ein Holzgestell für die Kränze aufgestellt war oder ob die Kränze nur schlicht auf den Grabhügel gelegt wurden.

Auch in der Kirche, wo zum Requiem die „Tumba“ aufgebaut war, erkannte man an der Höhe und Ausstattung dieser „Scheinbahre“ die Klasse. Bei der ersten Klasse war die Tumba auf zwei Stufen gestellt und von zahlreichen Blumen umgeben.

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Aus: "Die Klassengesellschaft gab es auch auf dem Friedhof" von Josef Hölzle (21.11.2009)
Quelle: http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Lokales/Mindelheim/Lokalnachrichten/Artikel,-Die-Klassengesellschaft-gab-es-auch-auf-dem-Friedhof-_arid,1998914_regid,2_puid,2_pageid,4501.html (http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Lokales/Mindelheim/Lokalnachrichten/Artikel,-Die-Klassengesellschaft-gab-es-auch-auf-dem-Friedhof-_arid,1998914_regid,2_puid,2_pageid,4501.html)


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[...] Die HSH Nordbank hat offenbar mithilfe von Zweckgesellschaften und Beraterverträgen die Bezüge führender Angestellter bis Anfang 2007 aufgestockt, ohne die eigenen Bilanzen damit zu belasten. Im eigenen Sprachgebrauch war von „dualen Vergütungsstrukturen“ die Rede, berichtet die „Welt“. Die SPD in Schleswig-Holstein nennt es Bonuszahlungen durch die Hintertür. Die Bank gibt keine Stellungnahme ab.

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Aus: "Streit um Manager-Vergütung bei HSH Nordbank" (Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 24.11.2009)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/art771,2957854 (http://www.tagesspiegel.de/politik/art771,2957854)

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[...] "Unsere Möglichkeiten, die US-Politik im Irak zu beeinflussen, scheinen sehr gering zu sein", urteilte der oberste Kommandeur der britischen Truppen, Andrew Stewart, über die Zeit nach dem eigentlichen Irakkrieg. Seine US-Kollegen verglich der Generalmajor mit einer "Gruppe Marsmenschen", denen jeder "Dialog völlig fremd" sei. Stabschef JK Tanner klagte, dass die britische Militärführung "ungeachtet unserer sogenannten 'besonderen Beziehungen' nicht anders behandelt wird als die Portugiesen".

...


Aus: "Briten sauer auf US-Army" (23. November 2009)
Quelle: http://www.n-tv.de/politik/Briten-sauer-auf-US-Army-article601580.html (http://www.n-tv.de/politik/Briten-sauer-auf-US-Army-article601580.html)


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[...] Zahlen soll jeder, der mehr als 500.000 auf dem Konto hat, und weil das in Deutschland nicht Wenige sind, würde Lehmkuhls Vermögensabgabe auf einen Schlag 100 Milliarden Euro in den Haushalt spülen. Durch die Vermögenssteuer kämen jedes Jahr zusätzlich 14 Milliarden rein.

Gemeinsam mit ein paar reichen Freunden und Bekannten hat Dieter Lehmkuhl im Mai den Appell für eine Vermögensabgabe ins Leben gerufen. Mittlerweile sind 46 Vermögende dabei. Wie Lehmkuhl halten sie das jetzige Steuersystem für ungerecht und unsolidarisch. "Es ist so, dass die Einnahmen bei Kapitalvermögen bei mir in acht Jahren um das Doppelte gestiegen sind, und die Steuerlast ist um das Doppelte gesunken." In den vergangenen 20 Jahren hat es eine enorme Umverteilung gegeben, sagt Lehmkuhl – von unten nach oben. "In keinem anderen westlichen Land ist die Zahl der Millionäre so gestiegen wie bei uns."

Die Statistiken geben ihm recht: Heute besitzen die oberen zehn Prozent in Deutschland 61 Prozent des Vermögens. Die Einkommen der Angestellten und Arbeiter dagegen stagnieren oder sind gesunken. Eine Entwicklung, die sich an verschiedenen Gesetzen festmachen lässt: Beim Einkommen wurde der Spitzensteuersatz gesenkt, von damals 53 auf heute 43, Prozent, für Kapitaleinkünfte ist weniger Geld fällig und auch Erben müssen heute weniger zahlen.

"Auf der anderen Seite ist inzwischen ein Drittel der erwerbsfähigen Bevölkerung entweder arbeitslos, lebt von Hartz 4 oder ist im Niedriglohnsektor, macht Minijobs oder Leiharbeit", sagt Lehmkuhl. Armut ist heute kein Randphänomen der Gesellschaft mehr, sondern in der Mitte angekommen.

Sein Leben lang hat Lehmkuhl von seiner Arbeit als Arzt gelebt, erzählt der groß gewachsene, schlanke Mann mit dem kurzen schlohweißen Haar. Dann wurde er auf einen Schlag reich: Er erbte eine kleine Traditionsbrauerei in Dortmund. Lehmkuhl kommt aus der 68er-Bewegung, hat sich Jahrzehnte lang gegen Atomkrieg und Armut in Afrika engagiert – mit dem Erbe kam er anfangs nicht so richtig klar. "Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich gelernt habe: Geld arbeitet nicht."


Aus: "Reiche wollen mehr Steuern zahlen" Manfred Götzke (23.11.2009)
Quelle: http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4916789,00.html (http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4916789,00.html)

Title: [In der deutschen Unterschicht wird es versoffen... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 25, 2009, 11:09:16 AM
Quote
[...] Der Bezirksbürgermeister hatte die Betreuungsgeldpläne der schwarz-gelben Bundesregierung mit den Worten kritisiert, dass das Betreuungsgeld nicht zur Förderung und Bildung der Kinder ausgegeben werde. „Im Klartext: In der deutschen Unterschicht wird es versoffen und in der migrantischen Unterschicht kommt die Oma aus der Heimat zum Erziehen.“ Kinder würden durch die staatliche Unterstützung „noch mehr zu einem Einkommensfaktor“.

Das Familiennetzwerk Deutschland beauftragte daraufhin die Düsseldorfer Strafrechtsexpertin Esther Boos mit der Einreichung einer Strafanzeige – nicht nur wegen Volksverhetzung, auch wegen übler Nachrede, Beleidigung und Verleumdung.

Die Staatsanwaltschaft stellte jetzt fest, dass mit den Aussagen Buschkowskys „keine feindselige Stimmung gegen die Unterschicht“ gemacht werde. Schmähkritik, Angriffe oder eine Verletzung der Menschenwürde seien nicht zu erkennen, heißt es. Vielmehr handele es sich um „Übertreibungen und Pointierungen“, die für eine gewisse Medienwirksamkeit sorgen sollten. Die Unterschicht sei von dem SPD-Politiker weder diffamiert, noch herabgesetzt worden; ihr „Menschsein“ werde nicht in Frage gestellt.

[...] Buschkowsky bekräftigte unterdessen seine Kritik am geplanten Betreuungsgeld. „Es wird dazu führen, dass ein Großteil der Unterschicht-Eltern ihr Kind nicht in die Kita geben oder aus der Kita herausnehmen, um das Geld für ihre Bedürfnisse auszugeben – zum Beispiel für Zigaretten, Alkohol, den Pay-TV-Beitrag oder um Schulden abzubauen“, sagte er. Für die Kinder bedeute dies, dass keiner mit ihnen spiele oder ihnen etwas vorlese, sagte Buschkowsky. „Sie lernen nicht, wie man spricht oder mit Messer und Gabel isst, wie man ein Bild malt und dass man nicht einfach zuschlägt, wenn man etwas haben will. Das sind die Grundlagen zur Verwahrlosung schon in frühester Kindheit.“

In Migrantenfamilien würden so „überkommene Rollenklischees zementiert, wie es vom Opa überliefert ist: Mädchen müssen rein, keusch und gehorsam sein, die Jungen stark, tapfer und Beschützer“, sagte Buschkowsky. Der SPD-Politiker schätzt, dass bis zu zwei Millionen Kinder in Deutschland in prekären Verhältnissen leben: „Kinder aus diesen Milieus müssen durch die Gesellschaft so früh wie möglich gefördert werden, damit sie eine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben haben und nicht zur Kopie ihrer Eltern werden.“

Buschkowsky forderte deshalb eine Kita-Pflicht ab dem ersten Lebensjahr in sozialen Brennpunkten sowie flächendeckende Ganztagsschulen.




Aus: "Verfahren gegen Buschkowsky eingestellt"
Von Axel Lier  (Dienstag, 24. November 2009)
Quelle: http://www.morgenpost.de/berlin/article1212429/Verfahren-gegen-Buschkowsky-eingestellt.html (http://www.morgenpost.de/berlin/article1212429/Verfahren-gegen-Buschkowsky-eingestellt.html)

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[...] Der Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) hat seine Kritik am von der neuen Bundesregierung geplanten Betreuungsgeld mit drastischen Worten untermauert. In der Sendung "Busch@n-tv" sagte er: "Es gibt Familien, da sind die Eltern eine Gefahr für die Entwicklung ihrer Kinder. Das muss man einfach sehen. Und ich denke, da muss sich eine Gesellschaft auch kümmern und da eingreifen." Bei Eltern "aus bildungsfernen Schichten" käme ein Betreuungsgeld leider oft nicht an, sondern würde in Konsum und Alkohol angelegt. Dort stehe der Beitrag für das Pay-TV an erster Stelle, nicht die Investition in ein Schulbuch. In einer n-tv Umfrage während der Sendung hielten lediglich 18 Prozent der Teilnehmer das geplante Betreuungsgeld für sinnvoll.

"Ich sage es wie eine tibetanische Gebetsmühle: Wir müssen in die Kinder investieren und nicht in den Konsum der Eltern", forderte Buschkowsky. Ihm gehe es nicht darum, auf den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft herumzutrampeln, sondern für die Schwachen etwas zu bewegen. Darum sei es ihm auch egal, wenn er jetzt wieder "hundert Mails" bekomme: "Ich konzentriere mich auf die Kinder, und da sind mir die Belange und Bedürfnisse der Eltern völlig piepe. Ich will, dass aus den Kindern was wird."

Buschkowsky betonte außerdem: "Die vorherige Bundesregierung hat Milliardenprogramme aufgelegt, um die Vorschulerziehung auszubauen. Und die nächste Bundesregierung, unter der gleichen Kanzlerin, sagt, wir zahlen dir eine Prämie, wenn du das von uns geschaffene Angebot nicht annimmst. Das ist für mich politischer Irrsinn, wer soll denn das noch verstehen!"

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Aus: ""Manche Eltern sind eine Gefahr"" (Donnerstag, 29. Oktober 2009)
Quelle: http://www.n-tv.de/politik/Buschkowsky-legt-nach-article569776.html (http://www.n-tv.de/politik/Buschkowsky-legt-nach-article569776.html)



Title: [Irgendwas mit "unten"... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 29, 2009, 10:54:08 AM
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[...] Ich, Kolumnistin der Rundschau, Gesellschaftsreporterin und Sanitäterin des Gemeinwesens, bin am Ende meiner Weisheit. All die Monate hindurch mahne und gedenke, warne und korrigiere ich und kann doch nicht verhindern, dass passiert, was passiert. Ich kam zur Welt und vertrat drei Jahrzehnte hindurch die anthropologische Prämisse, dass der Mensch gut ist und nur verdorben wird aufgrund der Widrigkeiten und Umstände des Lebens. Nun aber habe ich mein Menschenbild geändert. Der Mensch kommt missgünstig zur Welt und verlässt sie ebenso.

[...] In den vergangenen Wochen lernte ich, dass es eine Gesellschaftsschicht in Deutschland gibt, die Geld, das sie für ihre Kinder treuhänderisch verwalten soll, versaufen würde, gäbe man es ihr bar auf die Hand. Der Vorschlag, an diese Menschen Coupons statt Geld zu vergeben, fand eine Anhängerschaft. Was mit den Bons eingelöst werden soll, wurde nicht erörtert.


[...] Diese heutige Gesellschaftsschicht, die keinen rechten Namen hat (irgendwas mit "unten"), zu der jeder werden kann und keiner gehören will, die also soll erzogen und in ihrer Armut diszipliniert werden. Aus Gründen der Fürsorge und Gerechtigkeit?

Leise nachgefragt: Welcher Unterschied besteht zwischen einem Vater, der das erhöhte Kindergeld versäuft, und einem Studenten, der die Bafög-Erhöhung in die Kneipe trägt? Welcher Unterschied besteht zwischen einem Vater, der das Betreuungsgeld versäuft, und dem saufenden Parlament, das Joschka Fischer einst als Schnapsbude titulierte? Dem Vater, der das Kindergeld versäuft, und Unternehmern, die Subventionen in Millionenhöhe bekommen, um im Gegenzug Fabriken zu schließen und den Überschuss versaufen? Wieso soll der saufende Vater Gutscheine bekommen und Vater Staat, der Versoffene, nicht? Ist verfressen moralischer als versaufen? Darf der Moralapostel an der Unmoral verdienen? Sind fast drei Milliarden Euro Steuereinnahmen jährlich durch Alkoholkonsum eigentlich unmoralisch?



Aus: "Kolumne - Liebe Säufer!" Von Mely Kiyak (27.11.2009)
Quelle: http://www.fr-online.de/top_news/2107372_Kolumne-Liebe-Saeufer.html (http://www.fr-online.de/top_news/2107372_Kolumne-Liebe-Saeufer.html)

Title: [Einseitige Sozialstrukturen... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 01, 2009, 01:06:29 PM
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[...] Einzelne Ortsbeiräte leisteten Widerstand gegen diese Häuser "aus Sorge vor einseitigen Sozialstrukturen".


Aus: "Kein Platz für Arme in Frankfurt" Von Claus-Jürgen Göpfert (30.11.2009)
Quelle: http://www.fr-online.de/top_news/2113265_Zu-wenig-Sozialwohnungen-Kein-Platz-fuer-Arme-in-Frankfurt.html (http://www.fr-online.de/top_news/2113265_Zu-wenig-Sozialwohnungen-Kein-Platz-fuer-Arme-in-Frankfurt.html)
Title: [Damit wäre eine Klage vom Tisch.... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 02, 2009, 09:24:43 AM
Quote
[...] Von Pierer sei bereit, wegen des Schmiergeldskandals fünf Millionen Euro zu zahlen, heißt es übereinstimmend in der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwoch-Ausgabe) und auf der Website des "Handelsblatts". Damit wäre eine Klage gegen Pierer vom Tisch.

[...] Von Pierer müsse offenbar nicht die ursprünglich von Siemens geforderten sechs Millionen Euro überweisen. Allerdings müsse er mit fünf Millionen Euro weiterhin mehr als alle anderen Ex-Vorstände bezahlen.


Aus: "SCHMIERGELDSKANDAL - Siemens und Von Pierer offenbar vor Vergleich" (01.12.2009)
Quelle: http://futurezone.orf.at/stories/1633158/ (http://futurezone.orf.at/stories/1633158/)

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[...] Rund 2,5 Milliarden Euro Schaden hat der Korruptionsskandal in finanzieller Hinsicht bei Siemens angerichtet. Für von Pierer geht es um Geld und um Ansehen. Siemens wirft ihm nicht vor, aktiv in die Schmiergeldpraktiken verstrickt zu sein, sondern seine Kontrollpflichten vernachlässigt zu haben.

[...] Ein vom Konzern jüngst in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zum Schluss, dass das Management unter von Pierer spätestens 2004 gegen besseres Wissen den Kampf gegen Korruption vernachlässigt und manchmal bewusst verhindert habe. Von Pierer lässt nur eine "politische Verantwortung" und keine persönliche Schuld für sich gelten. (rtr/tma)


Aus: "Ex-Siemens-Chef: Von Pierer zahlt angeblich fünf Millionen" Von Thomas Magenheim (01.12.2009)
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/2114645_Ex-Siemens-Chef-Von-Pierer-zahlt-angeblich-fuenf-Millionen.html (http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/2114645_Ex-Siemens-Chef-Von-Pierer-zahlt-angeblich-fuenf-Millionen.html)

Title: [Wirkung auf ein bestimmtes Klientel... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 15, 2009, 11:42:38 AM
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[...] Am Ziel der Vertreibung von unerwünschten Personen will man in der Chefetage der BVG auf jeden Fall festhalten. »Wir wissen aus den Erfahrungen anderer Städte, daß genau diese Mischung abschreckende Wirkung auf eine bestimmte Klientel hat. Insofern denke ich, werden wir an der Musik erst einmal nichts ändern«, erklärte Wazlak.

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Aus: "Mit Beethoven gegen Bettler" (14.12.2009)
Quelle: http://www.jungewelt.de/2009/12-14/051.php (http://www.jungewelt.de/2009/12-14/051.php)

Title: [Plutokratie und Neofeudalismus... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 17, 2009, 12:44:20 PM
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[...]  In Deutschland gibt es 1,4 Millionen Vollzeitstellen weniger als vor zehn Jahren. Das berichtet die "Frankfurter Rundschau". Die Zeitung beruft sich auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei.

Im gleichen Zeitraum wuchs dagegen die Zahl der Teilzeitbeschäftigten um 1,3 Millionen auf fünf Millionen. Dies entspricht einem Plus von 36 Prozent. Auf dem Vormarsch sind auch Minijobs, deren Zahl allein in den vergangenen sechs Jahren um 29 Prozent auf über sieben Millionen hochschnellte.

[...] Das Problem: Die Bezahlung reicht oft nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Laut "FR" kommen viele Arbeitnehmer mit einem einzelnen Job nicht über die Runden. Nach Angaben der Bundesregierung verdoppelte sich die Zahl der Menschen mit zwei Jobs zwischen 2002 und 2007 auf 1,8 Millionen. Neuere Daten liegen nicht vor.

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[...] DanT., 16.12.2009

Wie wir langsam aber sicher in diktatorische Plutokratie und Neofeudalismus gleiten?

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martinius26,  16.12.2009

Soviel zum Thema.....

......Leistung muss sich wieder lohnen :-)

Und zum Thema selbst, nein, ich habe keine Angst meinen Job zu verlieren weil ich das gejammere satt habe mir auf der einen Seite anzuhören das Zig Millionen und Milliarden Gewinn in den Unternehmen gemacht werden und auf der anderen Seite soll ich mir permanent anhören das man sparen muss etc.

Und selbst wenn ich wieder Arbeitslos werde, ich habe keine Lust mehr mich durch 1000 AC zu kämpfen und mir anzuhören ich wäre zu teuer usw. Nur noch Asozial alles.
Und das schlimme ist das das alles so gewollt ist.



Aus: "Zehn-Jahres-Vergleich: Deutschland hat 1,4 Millionen Vollzeitjobs verloren" (16.12.2009)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,667381,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,667381,00.html)

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[...] Seine Amtszeit währte nur kurz: Im März 2008 hatte Michael Kemmer im Chefsessel der BayernLB Platz genommen. Am Montag trat er ab. Das Desaster um die Hypo Group Alpe Adria (HGAA) machte dem Frontmann den Garaus. In einem dramatischen Rettungsakt musste die österreichische Tochter am Wochenende verkauft werden. Unterm Strich bleibt ein Verlust von 3,7 Milliarden Euro. Kemmer stand auf verlorenem Posten.

[...] Die Münchner „Abendzeitung“ berichtete am Dienstag, Kemmer werde 1,5 Millionen Euro Abfindung kassieren – auch wenn er den Kauf der HGAA bereits als Finanzvorstand im Jahr 2007 unterstützt hatte.

[...] Kemmers Vertrag laufe noch bis 2013, pro Jahr habe er Recht auf 500 000 Euro Gehalt, schreibt die „Abendzeitung“. In seinem ersten Jahr als Vorstandschef hatte Kemmer noch 811 000 Euro kassiert. Da die Bank aber Milliarden aus dem staatlichen Rettungspaket für Banken beantragte, sollte auch der Vorstandschef Abstriche machen. Das Salär wurde auf eine halbe Million Euro gedeckelt.

Der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) – er leitet den Verwaltungsrat der BayernLB – wollte sich auf Anfrage von FOCUS Online nicht zu Kemmers finanziellen Ansprüchen äußern.

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Si tacuisses (16.12.2009 16:28)
Attribution bias
Wenn's gut läuft, war's der Chef. Wenn's schlecht läuft, die Wirtschaftskrise.

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Cek (16.12.2009 15:34)
Hat der nicht bei der letzen Sitzung
sich eine Flasche Mineralwasser in den Aktenkoffer gesteckt? Was für Hilfskräfte gilt gilt auch für Manager. Gestörtes Vertrauen.


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Sigurn Mentler (16.12.2009 13:45)
Und dann wird gejammert
wenn Arbeitnehmer 3 oder 4 Prozent Lohnerhöhung fordern! Diese Selbstbedienungsmentalität innerhalb der Managerkaste muß endlich aufhören! Eine Verkäuferin wird wg. eines Pfandbons zu Recht (sagt das Gericht) gekündigt- aber ein Manager darf straflos Milliarden verbrennen und wird noch belohnt! Kein Wunder, daß der Glaube an Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft immer weiter abnimmt.


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cranien | 91 Kommentare (16.12.2009 13:43)
Bezeichnend...
...ich habe gestern erfahren, dass dieses Jahr die Frankfurt School of Finance 50% mehr Anmeldungen verzeichnet.

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Modern (16.12.2009 13:38)
wer soll so etwas verstehen?
da wird die Kassiererin entlassen, hat 3 Pafandbons unterschlagen, da wird eine Köchin entlassen, hat abgelaufene Frikadellen mitgehen lassen. Harte Strafen, Jobverlust. o.k. Ein Angestellter einer Bank versenkt 3,7 Milliarden Euro und wird mit einem dicken Geschenk verabschiedet. Es ist so viel Geld, daß jedermann ein ganzes Leben damit bestreiten kann. Wer kann das noch verstehen?


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  Noergler | 256 Kommentare  (16.12.2009 13:32)
Überaschung?
Es kann doch niemand im Ernst an etwas anderes geglaubt haben. Gespart wird an kleinen Ausgaben. Bei 3,7 Mrd kommt es ja auf ein paar Millionen mehr oder weniger nicht mehr an. Das sind übrigens fast 50 Euro für jeden Bundesbürger - vom Säugling bis zum Greis!


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Norbert (16.12.2009 13:28)
In unserem Land herrscht ein sehr
großer Filz zwischen Bankmanagern, Managern, Politik und Justiz. Die BRD ist reicher als Simbabwe aber die Korruption und Begünstigung ist mindestens genauso ausgeprägt!!! Das beweisen die rießigen Gehälter und Abfindungen trotz großer Fehlleistungen und Verfehlungen bei vielen Managern.


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Max Mustermann (16.12.2009 12:48)
Wie Bitte?????
"Zu persönlichen Vertragsangelegenheiten nimmt das Finanzministerium keine Stellung Wir alle als Souverän haben das Recht zu erfahren wie diese Verträge aussehen. Hier macht nicht Hinz und Kunz einen Vertrag über ein altes Auto. Hier geht es um unser Steuergeld. Und ich verlange die Offenlegung der Verträge.


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200Puls (16.12.2009 12:42)
Warum Warum und nochmal Warum
jeder "normale" Arbeitnehmer geht mit Fußtritt vom Hof aber die Politiker und Managerkaste bedient sich reichlich am Geld das ihnen nicht gehört. Und seltsamerweise ist kein Staatsanwalt in Sicht dem das komisch vorkommt und entsprechende Untersuchungen einleitet


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sharlaste | 96 Kommentare (16.12.2009 12:35)
hier stimmt was nicht
Ich frage mich allmählich was hier los ist, da versenkt ein Mann Milliarden und bekommt noch eine Abfindung, wenn ein Hartz4 Empfänger ein wenig Zinsen erwirtschaftet mit dem Vermögen was Er haben darf wird das Geld sofort verrechnet mit dem AlG2 Bezug und solchen Typen passiert nichts, die Kleinen müssen von ihrem wenigen Geld immer noch abgeben und solche Leute ziehen dann über Hartz4 Empfänger her und bezeichnen Sie als Schmarotzer


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Bernd (16.12.2009 12:23)
Irrwitz
Da verursacht ein Manager Milliardenschäden und geht mit vollen Geldsäcken nach Hause: Deutschland ein Tollhaus!


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namenlos (16.12.2009 11:48)
Das ist der eigentliche Skandal
wie soll das einem Arbeitslosen, einer alleinerziehenden Mutter oder einem normal arbeitendem Familienvater zu erklärenn sein.

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HR (16.12.2009 10:23)
Dank "Wachstumsbeschleunigungsgesetz"...
...finanzieren wir das leicht. Da sind sicher noch ein paar Extra-Millionen drin. Schließlich war der Mann 20 Mon. am Ruder. Und wir haben gelernt: Trotz Multimilliarden-Sozialisierung des Zocker-Desasters können gescheiterte Manager jederzeit mit dem Verständnis der Steuerzahler rechnen.

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F.L.O. (16.12.2009 10:04)
Wieso Abfindung?
Absolut nicht nachvollziehbar! Statt eine Abfindung zu kassieren sollte er Schadenersatz leisten! Die Bank gehört zu 90% dem Staat, das ganze Desaster müssen wir Steuerzahler begleichen und von der Regierung knicken alle ein "das Gehalt von Herrn Kemmer geht uns nichts an - können wir nicht sagen". Da stimmt doch was nicht!


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Takeshi (16.12.2009 09:46)
Gerecht
Jasst doch den armen Mann in Ruhe. Er hat doch weder fremde Brötchen gegessen noch fremde Pfandbons eingelöst. Also hat er das Geld auch verdient. ...



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zensiert (16.12.2009 09:38)
Wieso
überrascht mich das jetzt nicht? ....


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Marco (16.12.2009 09:14)

Was solls,...

... das bisschen Zeug wird der Steuerzahler doch gerne noch beisteuern - wir wollen doch nicht, dass der arme Mann verhungert. Das Geld wird sowieso abgeschafft - ich habe gestern einen getroffen, der hatte schon keins mehr.



Aus: "BayernLB - Desaster-Chef geht mit vollen Taschen" (16.12.2009)
Quelle: http://www.focus.de/finanzen/banken/bayernlb-desaster-chef-geht-mit-vollen-taschen_aid_463533.html (http://www.focus.de/finanzen/banken/bayernlb-desaster-chef-geht-mit-vollen-taschen_aid_463533.html)

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[...] In seiner Doppelfunktion als Präsident des DIW und Direktor des IZA ist er [Klaus F. Zimmermann] regelmäßig als Gastkommentator in deutschen und internationalen Medien präsent. Darüber hinaus widmet er sich weiterhin der wissenschaftlichen Forschung auf den Gebieten der Arbeitsökonomik, Bevölkerungsökonomik, Migration, Industrieökonomik und Ökonometrie.

Er kritisierte die Einführung von Mindestlöhnen in der Zeitarbeitsbranche und einen schleppenden Subventionsabbau scharf.[3]

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Aus: „Klaus F. Zimmermann“
Bearbeitungsstand: 28. Oktober 2009, 17:42 UTC. (Abgerufen: 17. Dezember 2009, 12:18 UTC)
URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Klaus_F._Zimmermann&oldid=66127421 (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Klaus_F._Zimmermann&oldid=66127421)


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[...] Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) muss sich einem schlimmen Verdacht stellen: Die Berliner Wirtschaftsforscher um ihren Chef Zimmermann sollen in ihrem Washingtoner Parnetinstitut DIW DC öffentliche Mittel falsch verwendet haben. Die Bundesregierung erwartet schnelle Aufklärung. Doch das DIW mauert eisern.

[...] Ein Sprecher verweigerte am Dienstag zur Art der Beziehungen zu DIW DC auf Anfrage jede Auskunft. Zimmermann muss sich bis 4. Januar gegenüber dem Berliner Senat zu dem Rechnungshofbericht äußern. Dazu, ob Zimmermanns in zwei Wochen auslaufender Vertrag als DIW-Chef verlängert wurde, oder verlängert werden wird, wollte der DIW-Sprecher gestern ebenfalls keine Auskunft geben.

Auch von dem geheimnisumwitterten Partnerinstitut in Washington, das Zimmermann so in Erklärungsnot setzt, ist nichts zu erfahren. Das gemeinnützige Institut, das in einem repräsentativen Bürohaus ganz in der Nähe vom Weißen Haus residiert, listet als Mitarbeiterstab neben der Exekutivdirektorin Amelie Constant nur eine weitere Mitarbeiterin, die unter anderem auch für Kommunikation zuständig sein soll. Auf Anfrage des Handelsblatts wollte diese aber mangels Zuständigkeit keine Auskunft zu DIW DC geben. Institutschefin Constant sei nicht erreichbar. Die auf der Website diwdc.org als Ansprechpartnerin für die Presse genannte Person gehöre dem Institut nicht mehr an, hieß es.

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Kommentare (1)
      16.12. 19:44
      norbert

      ist es ein Wunder? die Banker haben es vorgemacht. alle Dämme brechen jeder ist sich selbst der nächste. was kommt wohl als nächstes?



Aus: "Skandal in Washington: DIW-Chef Zimmermann gerät in Erklärungsnot"
von Norbert Häring, Axel Schrinner und Markus Ziener (16.12.2009)
Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachrichten/skandal-in-washington-diw-chef-zimmermann-geraet-in-erklaerungsnot;2500717 (http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachrichten/skandal-in-washington-diw-chef-zimmermann-geraet-in-erklaerungsnot;2500717)

Title: [Zudem seien einige der Mitglieder Nachforschungen der Bafin ausgesetzt... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 22, 2009, 01:49:47 PM
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[...] Die drei noch verbleibenden Gesellschafter Friedrich Carl Janssen, Christopher Freiherr von Oppenheim und Dieter Pfundt würden zugleich Anfang 2010 von ihren Funktionen zurücktreten. Weder die Deutsche Bank noch Sal. Oppenheim wollten die Vorgänge bislang kommentieren.

Ursprünglich hätte der Führungswechsel erst mit Abschluss des Verkaufs der Privatbank an die Deutsche Bank erfolgen sollen, also spätestens Ende März des neuen Jahres. Ein Verlust von etwa 320 Millionen Euro im zweiten Halbjahr 2009 sei jedoch der Grund für den schnelleren Wechsel, hieß es weiter. Der Fehlbetrag sei zustande gekommen, weil Wertberichtigungen nötig gewesen seien. Zudem habe die Risikovorsorge für möglicherweise ausfallende Kredite erhöht werden müssen, auch hätten sich hohe Abschreibungen aus dem Engagement beim insolventen Einzelhändler Arcandor ergeben.

Zudem seien einige der Mitglieder Nachforschungen der Bafin ausgesetzt, da sie sich und ihren Familien in größerem Umfang Kredite zu Vorzugsbedingungen gewährt haben sollen.

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Aus: "Oppenheims Führungsmannschaft tritt vorzeitig ab" (21. Dezember 2009)
Quelle: http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~E86A650AEB65B4D588ABB27ED0DAC19B3~ATpl~Ecommon~Scontent.html (http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~E86A650AEB65B4D588ABB27ED0DAC19B3~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

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[...] Laffer: Wenn man die Reichen besteuert und ihr Geld den Armen gibt, bekommt man immer mehr arme Menschen im Land. Sie merken nämlich, dass sie auch fürs Nichtstun Geld erhalten.

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Aus: "US-Ökonom für einheitliche Steuer in Deutschland" Von Viktoria Unterreiner  (21. Dezember 2009)
Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article5598936/US-Oekonom-fuer-einheitliche-Steuer-in-Deutschland.html#vote_5598928 (http://www.welt.de/wirtschaft/article5598936/US-Oekonom-fuer-einheitliche-Steuer-in-Deutschland.html#vote_5598928)

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[...] Hamburg - Es war eine äußerst riskante Wette, aber sie ging prächtig auf: Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten, im Februar und März dieses Jahres, kaufte David Tepper Bankaktien im großen Stil. Zu diesem Zeitpunkt stießen die anderen Anleger massenweise die Papiere der Finanzinstitute ab. Der Hedgefondsmanager aber vertraute darauf, dass die US-Regierung nicht noch weitere Banken Pleite gehen lassen würde und nahm Aktien der Citigroup Chart zeigen in sein Portfolio - genauso wie Titel der Bank of America Chart zeigen.

Weil die Märkte seit dem Frühjahr deutlich stiegen, hat sich die Wette mehr als ausgezahlt: Teppers Firma Appaloosa Management verdiente in diesem Jahr nach einem Bericht des "Wall Street Journals" ("WSJ") rund sieben Milliarden Dollar - der Manager selbst könnte davon mehr als 2,5 Milliarden Dollar bekommen. Dies wäre einer der größten Jahresverdienste eines Hedgefondsmanagers überhaupt.

Tepper, der angesichts der riesigen Gewinne inzwischen einen der größten Hedgefonds der Welt managt, hat seit längerem eine klare Strategie: Seine Firma kauft vor allem Aktien und Anleihen von Unternehmen, die kurz vor dem Bankrott stehen. Zwischen seiner Gründung 1993 und 2008 machte der Fonds durchschnittlich 30 Prozent Gewinn pro Jahr.

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Aus: "Fondsmanager verdient Milliarden mit Banken-Wette" (21.12.2009)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,668318,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,668318,00.html)

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[...] Fünf Jahre nach Inkrafttreten der Hartz-IV-Reform hat sich der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für eine Kürzung des Arbeitslosengelds II ausgesprochen. ZEW-Chef Wolfgang Franz verwies auf ein Modell des Sachverständigenrats der Bundesregierung, dessen Vorsitzender Franz ist.

„Kernstück des Modells sind eine Absenkung des Regelsatzes um 30 Prozent und gleichzeitig bessere Hinzuverdienstmöglichkeiten“, sagte der Wirtschaftsweise der „Rheinischen Post“. Eine Mindestsicherung werde durch Aufstockungszahlungen gewährleistet.

Wenn Hartz-IV-Bezüge um 30 Prozent gekürzt würden, läge der Regelsatz statt bei 359 Euro im Monat nur noch bei 251,30 Euro. Die Summe entspricht dem bisherigen Satz für Kinder von Hartz-IV-Empfängern zwischen 6 und 13 Jahren.

[...]


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22.12.2009,
13:18 Uhr

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Aus: "Wirtschaftsweise schlagen 250 Euro Hartz IV vor" (21. Dezember 2009)
Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article5599668/Wirtschaftsweise-schlagen-250-Euro-Hartz-IV-vor.html (http://www.welt.de/wirtschaft/article5599668/Wirtschaftsweise-schlagen-250-Euro-Hartz-IV-vor.html)

Title: [Auswahl zieht sich ja durch sämtliche Lebensbereiche... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 23, 2009, 12:31:19 PM
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[...] Beim Berliner Tube-Club traf man bis vor kurzem noch die 23-jährige Chi Cao Hanh an. Mit jetzt.de spricht sie über Oberflächlichkeit, psychische Gewalt und die Wertigkeit des Samstags.


[...] Warum ist es denn überhaupt wichtig, bestimmte Leute in einen Club reinzulassen und andere nicht? Warum kann man denn nicht alle gemeinsam miteinander feiern lassen?

[Chi Cao Hanh:] Auswahl zieht sich ja durch sämtliche Lebensbereiche, sei es im Job, in Freundschaften oder in Beziehungen. Im Nachtleben hat das vor allem mit Imagegründen zu tun. Aber Auswahl bedeutet ja nicht nur, bestimmte Menschen auszugrenzen, sondern auch einige Leute bevorzugt zu behandeln. Das ist eine Form von Kundenbetreuung. Natürlich ist das stets eine oberflächliche und vor allem sehr subjektive Angelegenheit, aber für die Partyszene ist das eine Art Statussymbol und ungemein wichtig. Gerade wenn man irgendwo Stammgast ist, viel Geld ausgibt und seine spendablen Freunde mitbringt, dann möchte man auch entsprechend behandelt werden.

Für viele Menschen gelten Türsteher und Selekteure jedoch als Hassobjekte.

Klar. In dieser Hinsicht ist das manchmal schon ein Scheißjob, bei dem man ein ziemlich dickes Fell haben muss. Man bietet seinem Gegenüber auf jeden Fall eine sehr große Angriffsfläche, und zwar vor allem auf seine Psyche. Bezeichnungen wie „Scheiß Chinesin“ oder „Blöder Reisfresser“ habe ich mehr als einmal gehört. Damit muss man klarkommen.

Vorher wollten die aber doch sicherlich mit dir diskutieren.

Ja. Viele wollen wissen, warum sie nicht reinkommen und nehmen das sehr persönlich. Dabei tue ich den meisten Leuten einen Gefallen damit, denn die würden sich im Club ohnehin nicht wohl fühlen. Trotzdem haben mir die Leute natürlich oft leid getan, wenn ich sie nicht reingelassen und dadurch ihren Abend versaut habe.

...

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    talk_is_cheap 23.12.2009 | 07:28

Selection ist nur in gehobeneren independet clubs wichtig um leute welche die musik weder kennen noch mögen fernzuhalten.
In weniger ansprechenden locations ist das weniger ein problem.


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rousseau 22.12.2009 | 18:38
Vor einem "Club" um Einlass betteln oder sich bewerten lassen und auf Gnade hoffen.
Wie arm ist das denn?


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Winterzauber 22.12.2009 | 19:05

Und "Selekteure". Hahaha. Als ob das was ändern würde. Genau wie "Kunden" der Arbeitsagentur oder facility manager für Hausmeister ...



Aus: "Die Helferin der Türsteher: Yoko Ono der Clubtüre"
Text: daniel-schieferdecker
| Interview  | Job | 22.12.2009 18:30   
Quelle: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/493880 (http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/493880)

Title: [Diese Kritik war völlig daneben... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 29, 2009, 08:14:31 PM
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[...] SZ: Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse von der SPD hat die Rechtsprechung der deutschen Arbeitsgerichte neulich barbarisch und asozial genannt. Er regt sich über etwas anderes auf: Dass man fristlos gekündigt werden darf, wenn man sechs Maultaschen mitnimmt.

[Ingrid Schmidt, Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts]: Diese Kritik war völlig daneben. Seit Jahrzehnten sagt die Rechtsprechung: Diebstahl und Unterschlagung auch geringwertiger Sachen sind ein Kündigungsgrund. Es gibt in dem Sinne also keine Bagatellen. Jeder frage sich mal, wie viel er sich denn aus der eigenen Tasche nehmen lassen würde, bevor er reagiert. Wir Arbeitsrichter müssen aber prüfen, ob ein Arbeitgeber mit Recht sagen kann: Ich habe das Vertrauen in meinen Mitarbeiter verloren und will mich deshalb von ihm trennen. Oder wiegt das Interesse des Arbeitnehmers schwerer - sodass der Arbeitgeber angewiesen werden muss, den Mitarbeiter zu behalten?

SZ: Trotzdem hat sich bei den Leuten der Eindruck breitgemacht: Wer seine Firma ruiniert, kriegt eine Abfindung; wer sich sechs Maultaschen nimmt, kriegt die fristlose Kündigung.

Schmidt: Wir haben eine Wirtschaftskrise. Deshalb werden nun fundamentale Gerechtigkeitsfragen diskutiert. Das ist auch richtig so. Aber diese Fragen können nicht stellvertretend von den Arbeitsrichtern beantwortet werden. Die müssen sich ans geltende Recht halten, in dem Fall ans Bürgerliche Gesetzbuch.

SZ: Und wie steht es mit Artikel eins des Grundgesetzes: Wird nicht die Würde des Menschen verletzt, wenn wegen - sagen wir - 2,39 Euro seine Lebensleistung nichts mehr gilt?

Schmidt: Meine Frage ist eine andere: Wie kommt man eigentlich dazu, ungefragt Maultaschen mitzunehmen? Oder eine Klorolle, oder stapelweise Papier aus dem Büro? Warum solche Eigenmächtigkeiten? Das hat was mit fehlendem Anstand, aber auch mit unerfüllten Erwartungen zu tun. Ein Arbeitnehmer erwartet doch von seinem Arbeitgeber nicht nur, dass er sein Geld bekommt. Er erwartet auch Anerkennung, und dass er wie ein Mensch behandelt wird. Aber umgekehrt ist es genauso: Ein Arbeitgeber erwartet, dass ein Arbeitnehmer das Interesse des Unternehmens mitdenkt. Wenn diese Beziehung gestört ist, dann kommt es dazu, dass ein Arbeitnehmer etwas mitgehen lässt und ein Arbeitgeber auch bei Kleinigkeiten die Vertrauensfrage stellt.

SZ: Und für die Rechtsprechung macht es dann keinen Unterschied, ob jemand Maultaschen mitgehen lässt oder die Friteuse?

Schmidt: Es kommt auf die Umstände an. Zum Beispiel darauf, ob es - wie hier in dem Konstanzer Altenheim - klare Anweisungen gibt, ob man Reste mitnehmen darf oder nicht. Oder darauf, wer welche Tat begeht. Eine Kassiererin, die fünf Euro aus der Kasse nimmt, kann nicht bleiben. Bei einer Putzfrau, die den Schein im Laden findet und einsteckt, reicht es hingegen vielleicht, sie mit einer Abmahnung zu warnen. Wir hatten auch mal den Fall einer Klinik, da stand eine alte OP-Lampe herum. Die wurde nicht mehr benutzt. Eine Schwester nahm und verkaufte sie, und mit dem Geld besorgte sie Garderobenhaken für einen Aufenthaltsraum. Das war eine Eigenmächtigkeit, aber keine Bereicherung. Die Kündigung war rechtswidrig.

SZ: Nun will die SPD den Rauswurf wegen Bagatelldelikten verbieten.

Schmidt: Neue Gesetze sollten mehr Probleme lösen als schaffen. Ein neues Gesetz müsste die Frage beantworten, wo genau ist denn die Grenze zur Bagatelle? Was kann man einem Arbeitgeber zumuten: fünf, zehn oder 50 Euro? Nehmen wir an, die Grenze wird bei fünf Euro gezogen. Ich sage Ihnen voraus, beim ersten Fall, der vor einem Arbeitsgericht landen wird, geht es dann um 5,10 Euro. Und die Frage wird sein, soll jetzt wegen zehn Cent das ganze Klavier zum Spielen gebracht werden?

(SZ vom 29.12.2009/mel)


Aus: "Warum werden Klorollen mitgenommen?" Interview: D. Esslinger (29.12.2009)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/484/498772/text/ (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/484/498772/text/)

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[...] Einer 58-jährigen Konstanzer Altenpflegerin wurde fristlos gekündigt, weil sie sechs Maultaschen mitnehmen wollte, die eigentlich für die Mülltonne bestimmt waren. Eine Sekretärin sollte trotz 34-jähriger Betriebszugehörigkeit fliegen, weil sie von einem für Gäste bestimmten Imbiss eine Frikadelle und zwei halbe Brötchen verspeiste. Ein Oberhausener Industriearbeiter sollte den Laufpass bekommen, weil er sein Handy an einer Steckdose der Firma auflud - was einen Schaden von 0,014 Cent verursachte. Der Fall "Emmely" sorgte wochenlang für Schlagzeilen - die Berliner Kassiererin hatte wegen Pfandbons in Höhe von 1,30 Euro ihren Job verloren.

Vor Gericht bekamen die Arbeitgeber meist Recht - denn als Entscheidungsgrundlage dient der als "Bienenstich-Urteil" bekanntgewordene Spruch des Bundesarbeitsgerichts aus dem Jahr 1984. Die Bundesrichter hatten über die fristlose Kündigung einer Backwarenverkäuferin zu befinden, die sich ein Stück Kuchen aus der Auslage genommen und verzehrt hatte. Die Entwendung noch so geringwertiger Sachen an sich rechtfertige eine Entlassung, argumentierten die Richter damals ...

[...] "Es geht nicht darum, Fehlverhalten von Arbeitnehmern zu verharmlosen", sagt etwa Christoph Schmitz von der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di. "Aber diese sehr drakonische Bestrafung ist unverhältnismäßig - und umso grotesker, wenn Manager, die versagen oder das Unternehmen sogar in die Pleite führen, noch millionenschwere Abfindungen bekommen."

[...] Tatsächlich deuten die sogenannten Bagatellkündigungen auf eine bemerkenswerte Verrohung der Sitten auf dem Arbeitsmarkt hin. ...

[...] Dass die Vorstöße für eine mildere Gesetzgebung vor allem von Seiten der SPD und der Linken kommen, erstaunt nicht. Denn Bagatellkündigungen treffen häufig Arbeitnehmer am unteren Ende der Lohnskala: angelernte Verkäuferinnen, Altenpflegerinnen, Sekretärinnen, Arbeiter, kleine Angestellte - also Menschen, deren Arbeitskraft im Bedarfsfall leicht ersetzbar ist.

In den oberen Etagen dagegen geht es meist weniger schnell zur Sache. So ist zum Beispiel kaum ein Fall bekannt, in dem ein Gericht eine Führungskraft wegen eines Bagatelldelikts um die Existenz gebracht hätte. Im Gegenteil: Das Oberlandesgericht Celle hob zum Beispiel die fristlose Kündigung eines Geschäftsführers auf, der im Verdacht stand, mit einer firmeneigenen Kreditkarte Privatausgaben von umgerechnet rund 83 Euro bezahlt zu haben. Begründung: Ein derart geringfügiger Betrag allein rechtfertige keine außerordentliche Kündigung.

...


Aus: "Sturm der Empörung gegen höchste Arbeitsrichterin" Von Susanne Amann und Veit Medick (29.12.2009)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,669468,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,669468,00.html)

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[...] Rein formal hat die Richterin natürlich recht. Wenn eine Kassiererin auch nur einen Cent klaut, ist das Vertrauensverhältnis zum Arbeitgeber zerstört und diesem eine Weiterbeschäftigung kaum zuzumuten. Insofern gibt es keine Bagatellen, und insofern wird der Gesetzesantrag, den die SPD im Januar einbringen will, auch keine große Chance haben.

Doch das Problem reicht tiefer, und es wird sich juristisch nicht lösen lassen: Es geht um eine neue Art von Gesellschaftsvertrag, um einen Ausgleich zwischen Oben und Unten. Das Vertrauen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist in Zeiten von Globalisierung und Wirtschaftskrise in vielerlei Hinsicht gestört.

Es ist kriminologisch erwiesen, dass Diebstahl am Arbeitsplatz häufig auch Resultat von persönlich empfundenem Unrecht ist. Es ist aber Sache der Unternehmen, im Betrieb für Gerechtigkeit und gutes Klima zu sorgen. Juristen können da nichts reparieren.

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Aus: "Gestörtes Vertrauen" Ein Kommentar von Harald Freiberger (29.12.2009)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/581/498868/text/ (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/581/498868/text/)

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[...] "Gerade Führungskräfte haben in Deutschland immer noch enorme Probleme, wenn sie Familie und Beruf vereinbaren wollen. Je höher die Stellung ist, desto schwerer wird es." Und das, obwohl andere Länder längst vormachen, dass auch Führungskräfte Teilzeit arbeiten können. "Mit der Technik, die wir inzwischen haben, kann mir keiner erzählen, dass etwas dagegen spricht", sagt Baisch. Teilzeit heiße ja nicht, dass der Manager nur noch halbtags arbeiten wolle, sondern dass er sich seine Zeit flexibel einteilen und etwa von Zuhause arbeiten könne.

[...] Woanders sind sie weiter. Vor kurzem hatte Schneider ein Vorstellungsgespräch bei einem Konzern in Finnland. Die erste Frage des möglichen neuen Arbeitgebers dort war: "Wie können wir dafür sorgen, dass der Job mit deiner familiären Situation vereinbar ist?"

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Aus: "Arbeitgeber gegen Elternzeit - Kind da, Job weg" Von Susanne Amann (28.12.2009)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,668317,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,668317,00.html)

Title: [Moderne Zeiten für Sklavenhalter... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on January 13, 2010, 11:31:04 AM
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[...] Karatoc hatte friedlich vor den VW-Werkstoren in Hannover für den Erhalt ihres Arbeitsplatzes protestiert. So wie tausende Opelaner in Antwerpen, wie Werftarbeiter von Thyssen-Krupp in Kiel, wie Mitarbeiter der Handelskette Hertie in ganz Deutschland. Doch Sevinc Karatoc ist Leiharbeiterin. Sie hat keine Gewerkschaft, keinen Betriebsrat, keine Lobby.

Wie Karatoc verloren 300.000 Leiharbeiter in Deutschland seit Beginn der Krise ihre Arbeitsplätze.

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sir-newton (12.01.2010, 13:26 Uhr)
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Gestern gab es einen interessanten Bericht im Deutschlandradio. Wenn man dem Glauben schenken darf, bekommen Leiharbeiter in Frankreich nicht nur das gleiche Gehalt wie Festangestellte, sie bekommen noch zusätzlich einen Bonus aufgrund der von Ihnen abverlangten Flexibilität. Macht eigentlich Sinn.

Viele Kommentare loben die Leiharbeit als sinnvoles Instrument, um auf Auftragsschwankungen reagieren zu können. Es wäre schön, wenn es auch als solches Instrument genutzt werden würde. Aber das Entlassen von Festangestellten und das anschließende (wieder) Einstellen der gleichen Leute in firmennahen Zeitarbeitsagenturen mit Abschlägen von bis zu 30% ist in Deutschland zu einer weit verbreiteten Praxis geworden. und das mitnichten nur bei Schlecker.


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aretana (12.01.2010, 23:41 Uhr)
Was nie zur Sprache kommt,
ist folgendes:
mit welchem Recht bekommen die Firmen, die mit Sklaven arbeiten, von dieser Regierung indirekte Subventionen?

Das Problem gibt es auch bei den 1? Jobbern. Da bekommen die Firmen, die diese Sklaven einstellen, nach meinen Informationen 500.-? pro Jobber, die teilweise sehr gut arbeiten, nur die erwirtschafteten Gewinne und die Sklavenprämie stecken die Firmen ein.

Das ist in höchstem Masse ungerecht!!
Aber....scheinbar von unseren Politikern gewollt, denn sonst würde es geändert.


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DarkSpir (12.01.2010, 17:45 Uhr)
Zeitarbeiter SIND Lohnsklaven
Als ich noch bei einem IT-Dienstleister gearbeitet habe, hatten wir einen größeren Kunden: Eine Zeitarbeiter-Vermittlung. Eine der größeren Ketten in Deutschland. Die Personalfluktuation dort war immens, von den Arbeitsvermittlern haben vielleicht 2 Leute die 3 Jahre durchgehalten, die ich den Laden mit betreut habe. Das restliche Personal war spätestens nach 6 Monaten mit den Nerven fertig und hat gekündigt. Die "Kunden" dieser Vermittlung sind schön mit Sekt empfangen worden bei Abschluss des Vertrags, danach aber wurden sie wie die Sklaven für Hungerlöhne durch die Unternehmen gejagt, immer mit der Hoffnung, vielleicht übernommen zu werden.

Okay, das ist die unterste Stufe. Leute mit einem zeitlich begrenzen Arbeitsvertrag (wie ich es jetzt zur Zeit bin) sind da drüber. Aber nicht viel. Gut, ich denke als ausgebildeter Fachinformatiker habe ich bessere Chancen auf dem Markt als jemand mit niedrigem Bildungsniveau, allerdings wurde mein Arbeitsvertrag auch erst auf den letzten Drücker verlängert. Mit 6 Monate Probezeit.

Abschließend möchte ich noch eine Bekannte erwähnen, die gerade ihre Ausbildung zur Erzieherin macht. Letztes Jahr haben ja die Kindergärtner gestreikt. Sie macht ihre Ausbildung, wie alle in ihrer Klasse, in einem Kindergarten, der auch bestreikt wurde. Zitat der Lehrerin: "Wenn ich höre, dass eine von euch an dem Streik teilgenommen hat, dann sorge ich dafür, dass ihr die Prüfung nicht besteht. Haben wir uns verstanden?"

So, meine Damen und Herren, und genau auf DEM Niveau läuft das ab, wenn man ganz unten in der Nahrungskette steht. Durchsetzung von eigenen Rechten? Lachhaft. Arbeitszeitgesetze? Denkt gar nicht erst daran. Klagen gegen den Arbeitgeber? Dann bist du deinen Job bei nächster Gelegenheit los und klagst dir anschließend höchstens noch ne Abfindung ein. Ne andere Bekannte von mir war Chefsekretärin bei dem IT-Dienstleister. Weil sie sich fortwährend beschwert hat, dass sie ständig ihren Lohn mit 2-4 Wochen Verspätung auf dem Konto hat, wurde sie fristlos gekündigt, wegen Diebstahl von 1l Scheibenwischwasser. Vor Gericht kann sie mit guten Chancen noch eine Abfindung einklagen. Aber bis zu dem Prozess hat sie das Problem, dass das Arbeitsamt sie für 3 Monate gesperrt hat. Sie wurde ja fristlos gekündigt, also Sperre. Und jetzt muss sie von heute auf morgen sehen, wie sie die nächsten 3 Monate überlebt.

Es widert mich einfach nur an.


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  Gisella (12.01.2010, 13:56 Uhr)
insLot
wir haben diese "Rückentwicklung" Deutschlands aus der Ferne beobachtet-der abbonierte und von uns gelesene Stern verursachte Gänsehaut-aber der, der heute Gazprom ist:nämlich Schröder hat im feinen Zwirn, mit super Schuhen und Cuba-Zigarre im Mund dargestellt, auf wessen Seite er steht-nicht auf unserer-der arbeitenden Bevölkerung-.und nun sehen wir den Niedergang hier in Deutschland täglich. ...





Aus: "Das Schicksal einer Zeitarbeiterin: "Ich bin eine moderne Sklavin"" Von Massimo Bognanni (12. Januar 2010)
Quelle: http://www.stern.de/wirtschaft/arbeit-karriere/arbeit/das-schicksal-einer-zeitarbeiterin-ich-bin-eine-moderne-sklavin-1534150.html (http://www.stern.de/wirtschaft/arbeit-karriere/arbeit/das-schicksal-einer-zeitarbeiterin-ich-bin-eine-moderne-sklavin-1534150.html)


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[...] Auf der Forbes-Liste der Milliardäre der Welt wird Anton Schlecker 2009 mit einem geschätzten Vermögen von 3,6 Milliarden US-Dollar auf Platz 156 der Forbes-Liste geführt.[5] Laut manager magazin hingegen besitzt die Familie ein Vermögen von 1,6 Mrd. Euro und belegt damit Platz 71 unter den reichsten Deutschen.[6]

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Aus: Anton Schlecker
# Datum der letzten Bearbeitung: 8. Dezember 2009, 14:44 UTC
# Versions-ID der Seite: 67753772
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# Datum des Abrufs: 13. Januar 2010, 09:56 UTC
http://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Schlecker (http://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Schlecker)

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[...] „Schlecker ist kein Einzelfall“, sagte Schneider. Die Leiharbeiter würden vom Einkommen bis zu den Arbeitsbedingungen schlechter behandelt. „Wir erleben seit Jahren den schleichenden Prozess, dass Stammbelegschaften durch Leiharbeitnehmer ersetzt werden“, kritisierte der Gewerkschafter und sprach von einem „sozialen Skandal“. Schneider forderte eine Reform der Zeitarbeitsregeln. Künftig müsse wieder das Prinzip „gleiches Geld für gleiche Arbeit“ gelten.

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  kahatrain | 7331 Kommentare  (12.01.2010 17:05)
Warum gibt es die Zeitarbeitsfirmen?
Die Frage ist einfach zu beantworten, weil sie die Möglichkeit schuf, "Hände und Köpfe" befristet in die Firmen, auf Baustellen zu holen, die sie nach der Abarbeitung eines Auftragshoch, Baustelle keine Stunde länger vergüten mussten. ....


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Tobias Hiltl (12.01.2010 12:14)
Aber Hallo
Ich bin Unternehmer (wir nutzen Zeitarbeit nicht). Das muß man sich fragen! Nämlich weil man Mitarbeiter sonst einfach nicht mehr los bekommt, wenn diese schlecht sind über man keien Arbeit mehr hat. Würde man den Kündigungsschutz flexibilisieren zB fixe Kündigungs- und Abfindungsregelungen, dann gäbe es sowas nicht! Das Problem ist, dass ich Mitarbeiter nie los bekomme!


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man85716 | 933 Kommentare (12.01.2010 11:28)
moderne Sklaverei
Der völlig unkontrollierte Wildwuchs in der Zeitarbeit ist nicht nur beschämend für deutsche Unternehmen, nein, er ist schon krimminell. Hier werden Arbeitnehmer nach bester Sklavenhaltermanier ausgebeutet zum Optimierung der Gewinnmaximierung und Managerboni ...


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Alles klar (12.01.2010 13:35)

Berechtigte Empörung aber warum erst jetzt und warum nur bei Schlecker ? Es ist in zwischen in fast allen Branchen egal ob Dienstleistungssektor oder auch Industrie gang und gäbe Festangestellte AN zu entlassen und später über Zeitarbeitsfirmen wieder einzustellen mit der selben Arbeit und Arbeitszeit wie vorher nur eben für die Hälfte des vorherigen Lohns.


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osgar (12.01.2010 10:08)
Über Nacht

Fast könne man meinen, die neuen Zustände kamen über Nacht. Aber das war nicht so. ....




Aus: "Zeitarbeit - „Schlecker ist kein Einzelfall“" (12.01.2010)
Quelle: http://www.focus.de/finanzen/news/zeitarbeit-schlecker-ist-kein-einzelfall_aid_469875.html (http://www.focus.de/finanzen/news/zeitarbeit-schlecker-ist-kein-einzelfall_aid_469875.html)

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[...] Servicemitarbeiter, die für die Fahrzeugreinigung zuständig sind, verdienen bei Mr. Wash zum Teil Stundenlöhne von unter vier Euro. Das belegen Arbeitszeitkonten, die Frontal21 vorliegen. Der Grund: Sie werden nicht nach Arbeitsstunden, sondern pro Auto entlohnt. Man habe den Stundenlohn abgeschafft, weil die Mitarbeiter zu viel Karten gespielt hätten, heißt es dazu bei Mr. Wash in Düsseldorf. Nun werde zwei Euro pro gereinigtem Auto gezahlt, geteilt durch alle, die am Fließband der Waschstraße arbeiten.

Doch da bleiben für den Einzelnen dann oft nicht mehr als 20 Cent übrig. An ungünstigen Tagen verdienen die Mitarbeiter besonders wenig. Dann nämlich, wenn aufgrund der Witterungsbedingungen kaum Autofahrer ihr Fahrzeug in die Waschanlage fahren. Einige Arbeiter müssen trotzdem arbeitsbereit vor Ort sein, werden aber elektronisch ausgescannt und für die Wartezeit nicht entlohnt.

Da kann es dann schon mal passieren, dass ein Arbeiter nach acht Stunden Anwesenheit mit einem Euro Tageslohn nach Hause geht. Vor allem im Winter muss die Agentur für Arbeit in vielen Fällen deshalb die Gehälter auf Hartz IV-Niveau aufstocken.

[...] Gegenüber Frontal21 weist Geschäftsführer Richard Enning die Vorwürfe zurück: Das unternehmerische Risiko trage Mr. Wash. 60 Millionen seien, so Enning, in den vergangenen fünf Jahren investiert worden. Gelder, die man bei den Banken bedienen müsse. "Die Mitarbeiter tragen kein wirtschaftliches Risiko."

Dabei müssen die Mitarbeiter in einigen Niederlassungen von ihrem ohnehin spärlichen Lohn auch noch die Schäden, die sie beim Reinigen an den Autos verursachen, selbst bezahlen. Das erklärte beispielsweise ein ehemaliger Filialleiter seinen Arbeitern in Nürnberg. Hier kassierte Mr. Wash von jedem Putzer täglich zwei Euro als angeblichen Beitrag für einen Schadenregulierungsfonds.


[...] Zudem gibt es nicht einmal Arbeitsverträge für die etwa 500 Aushilfskräfte, die deutschlandweit in den 32 Filialen von Mr. Wash arbeiten. Die Mitarbeiter bekommen bei der Einstellung lediglich einen Fragebogen vorgelegt, den sie ausfüllen und unterschreiben sollen. Man habe bisher geglaubt, mit Aushilfen keine formellen Arbeitsverträge treffen zu müssen, räumt Vorstand Enning gegenüber Frontal21 ein. "Wir werden das prüfen, und dann werden wir das gegebenenfalls ändern."

Die meisten Mitarbeiter an den Fließbändern der Autowaschanlagen von Mr. Wash schweigen zu den schlechten Arbeitsbedingungen - aus Angst, ihren Job zu verlieren. Viele haben einen Migrationshintergrund, sind schlecht ausgebildet und können kaum deutsch sprechen. Sie brauchen den Job bei Mr. Wash, um den Ausländerbehörden Arbeit nachweisen zu können. Und dafür nehmen sie dann anfangs sogar drei halbe Tage unbezahlte und unversicherte Probearbeit in Kauf: Bis zu 12 Stunden Schwerstarbeit für Null Euro und unversichert - da klingt der Werbeslogan "sauberes Auto - gute Laune" vielen wie Hohn.
 


Aus: "Gnadenlos ausgebeutet - Autowaschen zum Hungerlohn" von Thomas Münten und Heiko Rahms (12.01.2010)
Quelle: http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/2/0,1872,7973538,00.html?dr=1 (http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/2/0,1872,7973538,00.html?dr=1)

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[...] "International fällt Deutschland durch eine Zweiklassen-Gesellschaft am Arbeitsmarkt auf", sagte der Sprecher der OECD in Deutschland, Matthias Rumpf, der FR. Laut einem OECD-Indikator gehört die Bundesrepublik beim Kündigungsschutz der Festangestellten zu den drei Mitgliedsländern mit dem höchsten Niveau. Bei den Zeitarbeitern und befristet Beschäftigten rangiert sie dagegen im Vergleich der 30 OECD-Mitglieder in der unteren Hälfte. Diese Unterschiede beim Kündigungsschutz wirken sich besonders drastisch im Abschwung aus, wenn sich Entlassungen häufen. "In der Bundesrepublik müssen die Beschäftigten ohne Festanstellung mehr noch als in anderen Ländern die Hauptlast der Krise tragen", so Rumpf.

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Aus: "Zeitarbeiter in Deutschland: Schlechte Karten" Von M. Sievers und J. Maier (13.01.2010)
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/2202262_Zeitarbeiter-in-Deutschland-Schlechte-Karten.html (http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/2202262_Zeitarbeiter-in-Deutschland-Schlechte-Karten.html)

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[...] Die Betriebsrätin berichtete von einem Klima der Angst unter fest angestellten Mitarbeitern Schleckers. Sie bekommen demnach zunehmend Konkurrenz durch Leiharbeiter, die laut der Gewerkschaft Ver.di nur die Hälfte – etwa sechs bis sieben Euro die Stunde brutto – verdienen. Diese Leihkräfte stellt die Firma Meniar, die mit Schlecker verbunden sei.

„Wir brauchen das schriftlich, dass das nicht statthaft ist“, sagte Palme dem Radiosender weiter. In den Dresdner Filialen ist die Stimmung laut der Mitarbeiter-Vertreterin schlecht. Es gebe 150 Festangestellte, inzwischen seien 38 Leiharbeiter hinzugekommen.

[...] „Die festen Mitarbeiter haben Angst. Deswegen unterschreiben sie oft die vom Arbeitgeber geforderte Stundenreduzierung, um ihren Job nicht ganz zu verlieren“, sagte die Betriebsrats-Chefin MDR Info. Selbst langjährige Mitarbeiter würden wegen der Filialschließungen gekündigt.

Hintergrund: Schlecker stellt zunehmend auf XL-Filialen um und holt dafür Leiharbeitskräfte ins Haus. Ver.di rief Kunden auf, nicht mehr in solchen größeren Filialen der Drogeriekette einzukaufen.

Der mitteldeutsche Fachbereichsleiter für Handel, Jörg Lauenroth-Mago, sagte MDR Info, Lohndumping sei ein großer Skandal: „Dass ein Unternehmen seine eigene Leiharbeitsfirma gründet, Leute rausschmeißt und ihnen dann einen neuen Arbeitsvertrag für den halben Lohn anbietet, ist in Deutschland in dieser Form einmalig.“

Bei Schlecker sollten wieder alle nach Tarif bezahlt werden, forderte der Gewerkschafter. Allen Beschäftigten werde empfohlen, keine Kündigung zu unterschreiben, sondern dagegen vorzugehen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) verlangte Konsequenzen. „Schlecker ist kein Einzelfall und das Vorgehen nicht neu“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki. Das 2003 liberalisierte Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) ermögliche es Unternehmen, eigene Leiharbeitsbetriebe zu gründen, um Löhne zu drücken.

Ehemals Festangestellte werden demnach ausgelagert, verdienen als Leihkräfte weniger Geld, bekommen kein Weihnachts- oder Urlaubsgeld sowie weniger Urlaubstage. Den Unternehmen, die so vorgehen, unterstellte Matecki, sich auf Kosten der Arbeitnehmer zu sanieren: „Jeder achte Leiharbeiter verdient so wenig, dass er auf ergänzende Hartz-IV-Leistungen angewiesen ist.“ Dieses Geld werde von Steuerzahlern aufgebracht.

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Quote
12.01.2010,
19:06 Uhr
    Raffzahn sagt:
    Ich war vor einem Jahr bei Schlecker. In einem ca 100qm Laden war genau 1 Frau.
    Zuständig für Regale einräumen, Schnee schippen, Kasse - einfach alles. Die Gute war fürchterlich erkältet und schleppte sich mit letzter Kraft an die Kasse. Auf meine Nachfrage, warum sie hier trotz Krankheit arbeite , erwiderte sie: sonst verliere ich meinen Job. Ihr Chef ist Anton Schlecker, 2,3 Milliarden reich. Eigentlich bin ich ein gutmütiger Mensch, aber so einem Raffzahn würde ich die 100 Euro Scheine mit dem Besenstil in den nimmersatten Hals stopfen. Mal sehen, bei welcher Summe er kotzen muss....


Quote
13.01.2010,
09:05 Uhr
Hinweis
    Welt Online Moderatoren

    Liebe Leser,
    die Kommentarfunktion für diesen Artikel wurde deaktiviert.


Quote
12.01.2010,
20:05 Uhr
    Ben sagt:
    An alle, die glauben, dass der "überbordende" Kündigungsschutz in Deutschland an allem Schuld sein:
    Merkt ihr hier etwas? Schlecker kündigt seinen Beschäftigten trotz diese angeblich so über die Maßen hohen Kündigungsschutzes nicht nur. Nein man stellt das gleiche Personal als Zeitarbeiter indirekt wieder ein. Das funktioniert offenbar, ohne dass auch nur ein einziges Gesetz verletzt wird, obwohl allein der erste Schritt in Deutschland angeblich ja unmöglich ist.
    Da es der Kündigungsschutz nicht ist, der Leiharbeit erforderlich macht, was ist es dann?
    Angeblich das Abfangen von Auftragsspitzen. Aber was hindert denn daran Auftragsspitzen mit dem gleichen Lohn abzufangen, wie die fest angestellten bekommen, hat man doch offenbar trotz der von den fest Angestellten verusrsachten Lohnkosten mehr Aufträge als man bewältigen kann. Und dies bei manchen Unternehmen, wie z.B. BMW Leipzig oder Porsche Leipzig schon seit einigen Jahren.
    Offenbar ist es wohl in der überwiegenden Mehrheit der Fälle das einzige der Leiharbeit die Löhne zu drücken. Massiv forciert wurde dies vom heutigen Addecco-Mitarbeiter Wolfgang Clement. Erst hat er die Gesetze zur Zeitarbeit in den BT eingebracht und heute verdient er daran. War das nicht der Mann in Schröders Regierung, der über die Selbstbedienungsmentalität gejammert hat?


Quote
12.01.2010,
19:36 Uhr
    Einfach übel sagt:
    Es geht noch übler,ein Lebensmittelmarkt mit drei Filialen (kein Discounter) bekommt vom Arbeitsamt Jugendliche für eine EQ-Maßnahme
    (Einstiegsqualifizierung !!!!).

    Ein Jahr wird der Jugendliche geprüft ob er für eine Ausbildung bereit ist !!!!!!!
    Die Kosten übernimmt natürlich..............das Arbeitsamt.

    Bereit für die Ausbildung sind die wenigsten,es gibt ja Nachschub.

    Selbst arbeitslose Einzelhandelskaufleute dürfen über einen Maßnahmeträger
    ein 4 wöchiges natürlich unentgeldliches Praktikum absolvieren.


Quote
12.01.2010,
21:13 Uhr
    Huey sagt:
    Jetzt, wo die Ausnutzung der Leiharbeit in jeder Nachrichtensendung und jeder Zeitung kritisiert wird, fängt die Bundesarbeitsministerin auf einmal an die Gesetztgebung zu überprüfen.
    War das Problem vorher nicht bekannt?
    Hat man gehofft, dass alles von alleine besser wird?
    Dabei war die Möglichkeit des Missbrauchs der derzeitigen Leiharbeits-Regelung, schon bereits bei deren Einführung abzusehen.

...


Quote
12.01.2010,
20:43 Uhr
    Welt Online Moderatoren sagt:
    Aufgrund von massiven Verstößen gegen die Netiquette wurde die Kommentarfunktion für diesen Artikel abgeschaltet.


Quote
12.01.2010,
20:41 Uhr
    B.Wolff sagt:
    Wie war das im letzten Jahr und den Löhnen bei KIK ?
    Dagegen sind die von Schlecker noch hoch.
    Und jeder tut so als ob progressives Lohndumping jetzt erst von Schlecker gemacht wird.


Quote
12.01.2010,
17:12 Uhr
    Güntheer sagt:
    Wenn die Zeitarbeitsfirmen den Angestellten einen Risikozuschlag von 10-15% auf den Tariflohn zahlen müssten, wäre das Problem ganz schnell beseitigt, aber das will wohl niemand.

    Daß Frau von Leyen jetzt als Retterin der Arbeitnehmer gefeiert wird, ist witzig für alle die sie bei Anne Will sehen durften. Dort drugste sie eigentlich nur rum und erzählte was von den tollen Errungenschaften der Zeitarbeit. Gesetzesverstößen müssten aber natürlich geprüft werden. Wer hätte das gedacht?


Quote
12.01.2010,
20:30 Uhr
    ghmac sagt:
    Wer hat uns das mit den Zeitarbeitsfirmen und dem Lohndumping denn bitte schön eingebrockt? Alles schon vergessen? Die Politiker die jetzt jammern, haben es so gewollt, sonst gäbe es dies nicht.

...


Quote
12.01.2010,
20:34 Uhr
    PB sagt:
    Gesetz zur Überlassung von Leiharbeitern stamm in der jetztigen Form von 2003 - also aus rot-grünen Zeiten


Quote
12.01.2010,
20:26 Uhr
    Schlecker Intim sagt:
    "Die Mitarbeiterinnen werden systematisch klein gehalten", sagt Birgit Koloß, die seit 1998 Gesamtbetriebsratsvorsitzende bei Schlecker ist. Vor lauter Angst, den Job zu verlieren, wehrt sich kaum jemand. Im Gegenteil: "Die Frauen lügen sogar und verschweigen einen Teil ihrer Überstunden." Oft ist das Pensum in der regulären Arbeitszeit nicht zu schaffen. Denn obwohl die Verkäuferinnen häufig allein in den Filialen sind, sollen sie während der Öffnungszeiten Ware ausräumen oder bestellen, Verfallsdaten kontrollieren, Böden wischen, Fenster und Toiletten putzen. Je nach Filiale gehört auch Schneeschippen, Unkrautjäten oder Parkplatzfegen zu den Aufgaben. [...]


Quote
12.01.2010,
20:17 Uhr
    noob24 sagt:
    Auch wenns keiner gerne hört, aber Schuld an der Misere seit ihr alle.

    Selbst wenn Schlecker Mitarbeiter auspeitschen würde, würde sich der Deutsche kurz aufregen und dann trotzdem fröhlich dort einkaufen gehen. Weils 50 meter näher ist. Zu blöd zu merken, das es Ihn aber dann früher oder später auch in seinem Job treffen wird.

...


Quote
12.01.2010,
17:10 Uhr
    sozialpädagogin sagt:
    Wir wollen mal nicht so tun, als wäre Schlecker ein einmaliges Beispiel. Selbst bei der Caritas - die ja nun wirklich ein christliches Menschenbild propagieren sollte - werden Mitarbeiter nach 2Jahren, bevor sie festangestellt werden müssten, gekündigt um später neueingestellt zu werden. Dann häufig über eine Zeitarbeitsfirma, die keine Tariflöhne bezahlt.



Aus: "Mitarbeiter leben in Angst vor Schlecker-Chefs" (12. Januar 2010)
Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article5822910/Mitarbeiter-leben-in-Angst-vor-Schlecker-Chefs.html (http://www.welt.de/wirtschaft/article5822910/Mitarbeiter-leben-in-Angst-vor-Schlecker-Chefs.html)

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Quote
[...] ...

Quote
Moderne Zeiten für Sklavenhalter
Hans Peters (dglk), 12. Januar 2010 10:16

Seit über drei Jahren bin ich über einen Verleiher im EADS Konzern tätig. Dort ist gängige Praxis Stammitarbeiter die durch Fluktation (Vorruhestand,Tod,Kündigung, etc.) ausscheiden, durch Leiharbeitskräfte ersetzt werden. Das hat dazu geführt, das z.B. bei Eurocopter in Donauwörth von 4500 MA, bis 1500 Leiharbeitskräfte tätig waren. Von der Chefsekträtärin, dem Ingenieur, dem Facharbeiter bis zur Hilfkraft ist die gesammte Bandbreite der Qualifizierungen anzutreffen.Viele Leihmitarbeiter sind dort seit 7 Jahren und länger tätig, die Übernhme tendiert gegen Null.
Interessant ist noch die Eigentümerstruktur des Konzerns. Mein Verleiher macht mit "seinen" LAKs ca. 500.000€ Reingewinn und ca.17.000€ Zinsgewinn p.A. mit einbehaltenen Stunden.



Kommentar zu: "Zeitarbeitsbranche beunruhigt - „Schlecker rückt uns in ein schlechtes Licht“" (12. Januar 2010)
http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~EE679A9374B1B47C4B874C0E14D778C3D~ATpl~Ekom~SKom~Ak~E.html (http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~EE679A9374B1B47C4B874C0E14D778C3D~ATpl~Ekom~SKom~Ak~E.html)
Title: [Das Problem sind wir... (Notiz, DSDS)]
Post by: Textaris(txt*bot) on January 13, 2010, 02:06:15 PM
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[...] meine Frage ist unbeantwortet: Warum stellen die RTL-Leute andere Menschen auf eine Art und Weise bloß, die sie bei sich selbst schon in viel harmloserer Form unerträglich finden?

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Ich erinnere mich an ein Urteil des Berliner Landgerichts, in dem es hieß:
Wer „bewusst seinen wirtschaftlichen Vorteil aus der Persönlichkeitsrechtsverletzung Anderer sucht”, der wird „weniger schwer durch die Verletzung seines eigenen Persönlichkeitsrechtes belastet”. Jemand, der in einem ehrlosen Gewerbe arbeitet, genießt weniger Ehrenschutz. Nenne ich einen Bankräuber einen Bankräuber, kann der nicht dagegen klagen, der Finanzminister unter Umständen schon.
Übrigens hat der unglücklich Knabe nicht in die Hose gepinkelt – er hat nicht ausreichend abtropfen lassen. Passiert doch schon mal in der Hektik.
— malte — 11. Januar 2010, 13:09  #


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Ganz einfach:

„Opfer” sind weniger Wert als Frau Schäferkordt.

Und alle, die auf irgendwelchen Galaempfängen/Fernsehpreisabenden oder sonstwas vor den Kameras herumstolzieren natürlich auch.

Ausserdem kann der Fernsehsender mit Frau Schäferkordts T*tten nur dann Geld verdienen, wenn… Dem ganzen auf ne besitmmte Art Nachdruck verliehen wird.

Opfer die man vor-/rumzeigen kann sind hingegen in jedem Fall Gold wert, gibts doch nichtnur Tittenvoyeure, sondern auch viele viele Menschen die gerne Opfer sehen.

Ist ja erwiesenermaßen ein tolles Geschäftsmodell :)
— RA — 11. Januar 2010, 13:15  #


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Dass der guten Frau Schäferkordt der Widerspruch zwischen der voyeuristischen Freakshow, zu der RTL inzwischen mutiert ist (ich bezweifle, dass sie sich die Sendungen überhaupt anguckt) und dem Anspruch auf die Wahrnehmung ihrer Persönlichkeitsrechte bei verrutschtem Dekolleté nicht wirklich auffällt, ist fast schon lustig.

Ganz abgesehen davon jedoch: Klar ist das unterste Schublade, was RTL da abzieht, nur: Der Junge, oder besser: seine Eltern, wissen genau, auf was sie sich da einlassen. Sie haben es jedenfalls unterschrieben. Wenn sie den Wisch nicht verstehen oder entsprechend übersetzen können, den sie da unterschreiben, dann müssen sie die Finger davon lassen. So einfach ist das. Zumindest hat man mir das so beigebracht.

Noch dazu, wo 90% dieser „schrägen” Kandidaten vorher immer noch betonen, wie cool sie Bohlens Sprüche finden.

Wenn man diese Kandidaten vor irgendwas in Schutz nehmen muss, dann lediglich vor Ihrer massiv gestörten Eigenwahrnehmung bezüglich ihrer Sanges- und Performancekünste, aber nicht vor den Folgen eines Deals, auf den sie sich völlig freiwillig und wissentlich eingelassen haben.

DSDS entlarvt sich in diesen Momenten eben ganz besonders deutlich als die Freakshow, die es ohnehin schon immer war. Das kann man gerne ausführlich debattieren, auch im Zusammenhang mit Frau Schäferkordts Dekolleté, alles andere fände ich hanebüchen.
— Linus — 11. Januar 2010, 14:38  #


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Der erste Kommentar von Melanie ist der treffendste: „Weil sie es können!” … und es dazu noch genug Leute gibt, die es sich anschauen.
Vielleicht muss man sich einfach damit anfreunden, dass das Niveau des Fernsehens (und der Zuschauer???) einfach nicht so hoch ist, wie andere es gern hätten.
— Stefan — 11. Januar 2010, 15:09  #


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Christian Körner von RTL muß ich zustimmen: Der Blog-Beitrag bzw. die Verknüpfung beider Ereignisse beruht meiner Meinung nach auf einem Kategorienfehler:

Die TV-Veranstaltung „Deutscher Fernsehpreis” ist wesenmäßig nicht darauf ausgerichtet, Teilnehmer bloßzustellen und private oder persönliche Peinlichkeiten einer breiten Öffentlichkeit zur Schau zu stellen; die Veranstaltung „DSDS” hingegen beruht auf diesem Prinzip, huldigt ihm konsensual geradezu.

Insofern findet bei „DSDS” eine Umwertung von Werten statt, ja: die Umkehrung von Konventionen, dene sich der „Deutsche Fernsehpreis” zweifellos wohl verbunden fühlt.

„Was in ist, ist out und was out ist, ist in, Baby”, sagt die Hauptfigur Viktor an einer Stelle in „Glamorama” von Brett Easton Ellis.

Für DSDS gilt also: Es ist nur peinlich, nicht peinlich zu sein.
— Joachim Losehand — 11. Januar 2010, 15:12  #


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Ich finde, der Zusammenhang macht es eben doch relevant. Die Szene, die unter http://www.youtube.com/watch?v=VCYjp56hNU0 (http://www.youtube.com/watch?v=VCYjp56hNU0) bei 1:58 zu sehen ist, finde ich für die Dame jedenfalls weniger peinlich als die Hosenfleck-Geschichte für den jungen Mann.
— Allen — 11. Januar 2010, 15:23  #


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(Es ist mir völlig schleierhaft, wie Menschen noch entsetzt sein können, wenn andere Menschen bei Autounfällen ums Leben kommen, wenn sie doch wissen, dass eine Fahrt auf der Autobahn gefährlich sein kann.)

Es geht hier nicht darum, dass der Kandidat scheisse gesungen hat oder ne doofe Frisur hatte oder ähnliches, worauf die Show abzielt, sondern, dass ihm ein extrem peinliches Missgeschick passiert ist, was ihm in der Situation nicht bewusst war. Wenn Claus Kleber im heute-journal in das Moderationsambiente (oder so) kotzt und die das übertragen, sagt man ja auch nicht, dass das in seinem Vertrag steht und er sich nicht darüber beschweren soll.
— Alberto Green — 11. Januar 2010, 15:29  #


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Da ist ein 18-jähriger (erwachsener) Mann, der nach dem Toilettengang einen ins Auge springenden Fleck auf der Hose hat. Und was macht er? Er stellt sich vor die Kameras von DSDS. Worüber soll man jetzt weinen… über die fehlende Moral RTLs oder über die fehlende Intelligenz des Kandidaten?
Das wirkt mir hier alles etwas zu moralapostelisch. Schadenfreude hat so gut wie jeder Mensch, und die wird bei DSDS nunmal bedient, das sollte jeder wissen.
Mein Mitleid hält sich in Grenzen.
— Andreas — 11. Januar 2010, 15:46  #


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Schade, dass der arme Kerl einfach noch zu jung, unerfahren und somit nicht abgebrüht genug ist, eine solche Situation konsequent durchzuziehen:

Hose auf, Ablaufschlauch raus, dem Bohlen und dem Rest der Jury auf den Tisch pissen.

Wichtig! Niemals die menschlichen Toiletten Juryteilnehmer anpinkeln! Die lieben das höchstwahrscheinlich.
— Dierk — 11. Januar 2010, 15:59  #


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Manchmal weiß ich nicht, wen man mehr bedauern soll. RTL oder die Kandidaten. Ich behaupte, es gehen sehr viele dahin, um genau diesen Peinlichkeitsmoment zu erzeugen, um die 15 Minuten Ruhm zu bekommen, die Andy Warhol vor vielen Jahren schon jedem versprochen hat.

[...] Diese ganze Gleichheitsromantik ist eine derartig weichgespülte Sicht auf die Welt, die sich hier gut macht, aber in der Realität der pure Horror wäre.

Wer von Ihnen hier möchten denn mit dem letzten Depp aus einer Castingshow auf eine mediale Ebene gestellt werden, wenn es dazu käme?

Vermutlich niemand. Freiwillige können sich gerne melden, wir versuchen das dann mit RTL zu arrangieren.
— Jörg Kremer — 11. Januar 2010, 16:37  #


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die würde des menschen ist unantastbar….
vs
der zweck heiligt die mittel. Sprich: alles was mehr Aufmerksamkeit verspricht und letztendlich mehr Geld, ist auch in Ordnung.

RLT testet die Grenzen aus, dabei hat es die eigentlich schon lang überschritten. Einzige vernünftige Möglichkeigt: Nicht einschalten. Am Ende entscheiden doch die Zuschauer was sie sehen wollen. :-/

@Stefen Niggermeier: ist es gewissermaßen ein Eigentor wenn Du die Folge angeschaut hast oder ist DSDS anschauen schon fast journalistische Pflicht. XD
— Gideon — 11. Januar 2010, 18:01  #


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DSDS-Kandidaten als Opfer hinzustellen ist schlicht verlogen und wird als Argument immer nur von Leuten benutzt, die RTL an den Pranger stellen wollen, weil es halt hip ist gegen DSDS zu sein. Dabei ist das nicht nur a) sinnlos, sondern auch b) am Nutzer vorbeigedacht. Die Sendung hat ja nun mal ihre Einschaltquoten und RTL ist ein Wirtschaftsunternehmen. Wer bitte will ernsthaft von Leuten wie Eickmeyer und Schäferkordt verlangen, dass sie auf Quote verzichten weil es anständiger ist? Das ist doch lächerlich. Die wollen Geld verdienen und sie tun es. So lange es einen Markt für solche Sendungen gibt und genug Content-Lieferanten aka Castingteilnehmer, so lange wird es auch solche Szenen geben. Wer meint, er müsse die Teilnehmer vor sich selbst beschützen, lebt in einer Fantasiewelt. Diese Leute unterschreiben einen Vertrag, stellen sich vor eine Kamera und wissen, dass RTL das entstehende Material gnaden- und gewissenlos zu seinem Vorteil nutzen wird. Und wer es nicht weiss, lernt eine Lektion. Davon geht die Welt aber nicht unter. Wer vor lauter Castinggeilheit mit einem Pissfleck vor der Kamera erscheint, hat einfach nicht alle Tassen im Schrank. Den macht das selbstgefällige Geschreibsel hier auch nicht schlauer. Zu harte Realitäten für Dich? Get a life!

P.S.: Statt die immer gleiche, langweilige Leier vom bösen RTL-Castingzoo zu singen, könnte man auch mal einfach was interessantes schreiben. Das gabs ja zuweilen hier auch schon.

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— Malte — 11. Januar 2010, 18:20  #


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@ 74 (Malte): Wer kritisiert, was vermeintlich nicht zu ändern ist, soll einpacken und die Klappe halten? Das ist ja ein super Ansatz. Willkommen im Mittelalter!
— StefanH — 11. Januar 2010, 18:56  #


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Ich habe die DSDS-Pipi-Szene im TV gesehen. Dann las ich, daß der Bohlen-Spruch reingefrickelt war.

Das seltsame: mich irritierte die Geschichte nicht einmal mehr. Nicht heute. Vor fünf, sechs Jahren vielleicht noch. Aber 2010? RTL im allgemeinen und das DSDS-Team im speziellen – da ist ohnehin nichts mehr, keine Scham, keine Grenzen, kein noch so entfernter Gedanke an die Zukunft desjenigen, der da vor Kamera und Jury tritt.

Wir alle kennen das RTL-Programm noch aus damals als ach so skandalös bezeichneten, aber letztlich harmlosen Tutti-Frutti-Zeiten. Und wir alle sehen, wie tief der Sender seine Inhalte seitdem in die Gülle des profitablen Zurschaustellungs-Konzeptes tunkt. Irgendwie muss man ja Quote machen. Rauhe Zeiten und so.

Trotzdem – wir werden uns die Tage von Bohlens Schenkelklopfern und sich bepissenden Kandidaten noch zurückwünschen. Was immer noch an professionell inszenierter Menschenverachtung möglich ist – RTL wird ganz, ganz, ganz weit vorne dabei sein.

Auch was, worauf man stolz sein kann.
— Steffen Jost — 11. Januar 2010, 21:40  #


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Zusammenfassung: Stefan Niggemeier macht das Gleiche wie RTL, dann das übliche moralinsaure Gejammere – und der Niggemeier-Lemminge-Fanclub jubelt. Prost.
— MH — 11. Januar 2010, 21:51  #


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Netter Trollversuch. Leider nicht originell genug: Man wird Ihnen nur vermuten, dass Sie Schwierigkeiten haben, gelesenen Text auch zu verstehen. Unabhängig davon ob Sie ihm auch zustimmen.
— vader — 11. Januar 2010, 22:10  #


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Deutschlands erfolgreichster Medientroll Niggemeier droht RTL an, den verrutschten Busen seiner Chefin zu zeigen, wenn DSDS nicht endlich aufhört, die Kandidaten und die Zuschauer zu verarschen.
— Pankow — 11. Januar 2010, 22:37  #


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Wenn Niggemeier peinliche Fotos eines anderen Menschen zeigt: Unbedingt lobenswert.

Wenn RTL das Gleiche macht: Schlimm.

Wenn alle dich drüber aufregen: Unbezahlbar.
— MH — 11. Januar 2010, 22:55  #


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Ich interpretiere den Ausdruck der Parallelwelt quantitativ, d. h. eine Parallelwelt (oder mehrere) existieren parallel zum „Mainstream”.

Ich fürchte, Ihre Interpretation ist zu kulturoptimistisch. Lt. RTL haben sich für diese DSDS-Straffel 30.000 Menschen beworben (es gibt, glaube ich, eine Altersbegrenzung). Die Beweggründe sind weniger darin zu suchen, dass man einen „Trash” abseits des Alltags haben möchte. Sie liegen darin, dass man schnell ohne viel Aufwand Geld verdienen will. Dass, was man oberflächlich betrachtet Pop-Business nennen könnte suggeriert den Leuten die Möglichkeit mit natürlicher Begabung, in jedem Fall jedoch ohne besondere Anstrengung nur noch entdeckt werden zu müssen. Dafür ist die Sendung ideale Projektionsfläche. Für die Zurückgebliebenen, d. h. diejenigen, die nicht teilgenommen haben oder ausgeschieden sind, bleibt die Projektion in Form von Identifikationsfiguren.

Der Vorteil unserer Kultur bestünde darin, dass diese Identifikationsfiguren früher irgednwelche Kriegshelden waren, denen man nacheifern wollte. Diese Rolle ist heute durch Pop-Sternchen oder Fußballspieler substituiert worden. Immerhin.

Solche Sendungen führen immerhin auch dazu, dass sich nicht nur picklige Teenager auf- oder erregen, sondern auch seriöse Journalisten, die mit schöner Regelmässigkeit nach Verstössen suchen (und leicht fündig werden können). In Wirklichkeit sind dies Marketingstrategien, die auch voll aufgehen. Im übrigen halte ich nichts davon, die „Opfer” als hilflos darzustellen. Das ist aber durchaus zeitgeistgemäss: Verantwortung für sein Tun möchte niemand mehr übernehmen. Wenn sich mir bei einem „Casting” jemand mit be******* Hose hinstellt, würde ich dies auch nicht toll finden. Es ist auch eine Missachtung der anderen.

Der Kulturwandel besteht in der Form der Ansprache. Wenn Sie kein Fernsehgerät haben, dann werden sie das vielleicht im öffentlichen Nahverkehr anschaulich demonstriert bekommen: Bohlen ist längst unter uns. Und wenn Sie im Wort „Verlust” eine Träne wahrnehmen, dann ist das nicht ganz falsch. Ich bin nicht unbedingt gewillt, diese Form der „neuen Kommunikation” als solche hinzunehmen. Auch auf die Gefahr hin, als ein Gestriger bezeichnet zu werden.

@119/zoey
Die Sendungen werden produziert, weil die Quoten entsprechend sind. Die Quoten werden multipliziert durch Entrüstungseffekte wie dieser hier, der zwar aufklärerisch daherkommt, aber letztlich den Produzenten nur in die Karten spielt. Würden die Quoten nicht mehr erreicht, gäbe es diese Sendungen nicht.

Die Keulen die hier geschwungen werden (Menschenwürde, „Grundrechtsverletzung”) sind vollkommen überdimensioniert.
— Gregor Keuschnig — 12. Januar 2010, 8:23  #


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Ein junger, aufgeregter, medienunerfahrener Mensch, der seinen großen Auftritt vor gigantischem Publikum hat, wird vor laufenden Kameras auf einen Fleck an seiner Hose aufmerksam gemacht. Nahaufnahme! Höhnende Aufklärungsstunde von Bohlen wie man pinkelt. Der Kandidat stammelt, möchte im Boden versinken. Die verdammenswürdige RTL-Dramaturgie läuft auf Hochtouren. Quote, QUOTE!

Aber der Junge fängt sich wieder, will sich nicht verwirren lassen. Wacker hält er sich aufrecht und versucht mehrfach auf sein eigentliches Thema zurückzukommen.

Vom fachlichen mal abgesehen, würde er allein mit dieser persönlichen Haltung die Aufregung vor jedweder Lebensalltagsprüfung im Griff behalten. Dafür verdient er Respekt.

Bohlen, korrekter RTL, ließ ihn natürlich Spießrutenlaufen und machte ihn öffentlich lächerlich.

Genau diese Abseitigkeit der Sehgewohnheiten ist es doch, worauf viele Medien im Pawlowschen Reflex begeistert fokussieren: Die Alten sind nicht mehr die Klugen und die Starken fangen die Schwachen nicht mehr auf. Das diesbezügliche Vexierbild der unaufhörlichen medialen Beballerung findet sich dann unter anderem in der Kriminalstatistik wieder.
— Pip — 12. Januar 2010, 13:49  #


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... Schade, dass das Projekt Freakstars3000 von Christoph Schlingensief nicht bis zum öffentlichen Diskussions-Center-Court vorgedrungen ist, man hatte ihm 2004 vorgeworfen er würde Menschen mit geistiger Behinderung vorführen… wahrscheinlich war sein Ansatz zu intelligent und nischt direktisch genug formulusiert.
— Frauke — 12. Januar 2010, 18:31  #


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Liebe Frauke, nicht RTL hat die angeblichen Gesellschaftlichen Werte „auf dem Opfertisch der Einschaltquote verbrannt” ( zu pathetisch ? Unsinn….^^ ). Das waren die Zuschauer…

Und DSDS gibts seit 2002. Will mir hier tatsächlich jemand erzählen, die Teilnehmer wüssten nach 7 Jahren immer noch nicht, worauf sie sich einlassen, und müssten beschützt werden ?

Das Zurschaustellen und die Verhöhnung der bedauernswerten Teilnehmer ist Teil des gottverdammten Konzeptes der Sendung. Und die Kritik daran, so edel sie auch gemeint sein mag, geht am Ziel vorbei. Man erreicht dadurch nur, dass mehr über die Sendung geredet wird, und was besseres kann RTL gar nicht passieren.

Das Problem ist nicht RTL. Das Problem sind wir.
— B.Schuss — 12. Januar 2010, 19:10  #



Aus: "Der Urin-Fleck & Frau Schäferkordts Busen" Stefan Niggemeier (11. Januar 2010)
Quelle: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/der-urin-fleck-frau-schaeferkordts-busen/ (http://www.stefan-niggemeier.de/blog/der-urin-fleck-frau-schaeferkordts-busen/)

Title: [Der Präsident habe als Vorsitzender des Verwaltungsrats... (DIW)]
Post by: Textaris(txt*bot) on January 14, 2010, 10:15:05 AM
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[...] Der Berliner Landesrechnungshof hat der DIW-Führung um Präsident Klaus Zimmermann in einem nicht veröffentlichten Prüfbericht Ende November Misswirtschaft vorgeworfen. Der Bericht, der der WELT vorliegt, kommt zu dem Schluss, dass das DIW "seiner Verpflichtung zur zweckentsprechenden, wirtschaftlichen und sparsamen Verwendung der Zuwendungsmittel in erheblichem Umfang nicht nachgekommen ist". Die Rede ist von einem "Beanstandungspotenzial" von mehr als sieben Millionen Euro. Das DIW wird von der Bundesregierung und dem Land Berlin mit jährlich rund 13 Millionen Euro unterstützt.

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Aus: "DIW droht Rückzahlung von staatlichen Zuschüssen" (10.01.2010)
Quelle: http://business-panorama.de/news9718.php?id=816 (http://business-panorama.de/news9718.php?id=816)


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[...] Nach Erkenntnissen der Rechnungsprüfer hat die Berliner DIW-Geschäftsführung Zimmermann darauf hingewiesen, dass der Zuwendungsgeber, also Bund und Land Berlin, Großaufträge an das DIW DC genehmigen müsse – Zimmermann habe das dementiert und abgelehnt. Alles in allem habe das DIW DC das Berliner Institut bislang rund 900 000 Euro gekostet – Geld des deutschen Steuerzahlers. Die Rechnungsprüfer resümieren Zimmermanns Rolle: „Der Präsident hat als Vorsitzender des Verwaltungsrats von DIW DC mit sich selbst einen Vertrag abgeschlossen.“

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Aus: "DIW-Affäre erreicht den Senat" (14.01.2010)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/art271,3001485 (http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/art271,3001485)

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Quote
[...] Niemand würde allerdings lieber zum Alltag zurückkehren, als der Präsident selbst. Zimmermann, berichten Mitarbeiter übereinstimmend, betrachtet den Bericht des Rechnungshofs als Machwerk engstirniger, missgünstiger Beamten. Die Arbeit eines weltgewandten Ökonomen, der einem erstarrten Institut frischen Atem eingehaucht hat, soll zerstört werden. So sieht es Zimmermann, und das hätte er längst auf Pressekonferenzen aller Welt erklärt, hätte ihn Hans-Gerhard Husung, der zuständige Staatssekretär in der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, nicht ein ums andere Mal zurückgepfiffen.

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Aus: "Als wäre nichts gewesen" Von Hans Evert und Olaf Gersemann (11. Januar 2010)
Quelle: http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/article5803469/Als-waere-nichts-gewesen.html (http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/article5803469/Als-waere-nichts-gewesen.html)

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[...] Düsseldorf / Berlin - Der Landesrechnungshof wirft dem DIW, wie berichtet, eine fragwürdige Verwendung von rund sieben Millionen Euro öffentlicher Mittel vor. Dabei geht es nicht nur um den Umzug des DIW von Berlin-Dahlem nach Mitte im Jahr 2007, fehlende öffentliche Ausschreibungen oder die ungeklärte Verwendung von 234 Flaschen Wein. Vielmehr monieren die Rechnungsprüfer auch den Arbeitsvertrag von Zimmermann und das Verschieben von Geld vom DIW hin zu den beiden anderen von Zimmermann geleiteten Organisationen DIW DC in Washington und dem Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn.

Bis zum gestrigen Montag hatte Zimmermann Zeit, um gegenüber dem Berliner Wissenschaftssenat als Zuwendungsgeber eine Stellungnahme zum Rechnungshofbericht abzugeben. Dem Vernehmen nach umfasst die Stellungnahme rund 130 Seiten und damit etwa doppelt so viele wie der Bericht des Rechnungshofes. Wie der Tagesspiegel erfuhr, wollen Zimmermann und Hans-Gerhard Husung, zuständiger Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Wissenschaft, am Dienstag über das weitere Vorgehen beraten. Etwa auch darüber, inwieweit die Öffentlichkeit informiert wird. Im DIW selbst kommt Zimmermann nicht aus der Deckung. „Die Belegschaft ist von sämtlichen Informationen abgeschnitten“, sagte DIW-Betriebsrat Bernd Bibra am Montag auf Anfrage.

Zimmermann übernahm die DIW-Führung Anfang 2000; am 1. Januar 2010 begann seine dritte Amtszeit. Vor seinem Amtsantritt hatte das DIW-Kuratorium laut Rechnungshof mit Zimmermann vereinbart, dass er trotz seiner Vollzeitbezüge von damals 250 000 D-Mark Chef des IZA bleiben dürfe, der Schwerpunkt seiner Tätigkeit aber beim DIW liegen müsse. Zimmermann sollte eine Zweitwohnung in Berlin unterhalten, um „Präsenz- und Repräsentationspflichten nachkommen zu können“. Dazu sollte Zimmermann eine Direktversicherung zur Alterversorgung mit jährlichen Beitragszahlungen von 11 400 Euro bekommen, um die Mehrbelastungen durch die Zweitwohnung auszugleichen. Tatsächlich habe Zimmermann keine Wohnung in Berlin genommen, so der Rechnungshof. Dennoch finanzierte das DIW die Versicherung. Im Januar 2007 hat Zimmermann neben den Chefposten bei DIW und IZA noch den Verwaltungsratsvorsitz der US-Gesellschaft DIW DC übernommen; zudem übt er eine „Vielzahl von Nebentätigkeiten“ aus, so der Bericht. „Ungeachtet dessen erhält er vom DIW eine ungekürzte Vergütung als Präsident“, kritisieren die Rechnungsprüfer.

Besonderes Augenmerk legt der Bericht auf das DIW DC. Das Institut logiert in einer 170-Quadratmeter-Suite, die Jahresmiete beträgt 80 000 Dollar. Zimmermanns Vertraute Amelie Constant ist für das DIW und das IZA in Washington tätig. Das IZA berechnetde dem DIW für Constants Tätigkeit im ersten Halbjahr 2006 21 000 Dollar. Welche Leistungen dabei erbracht und berechnet wurden, sei nicht nachvollziehbar. Kritisch sieht der Rechnungshof auch die zwischen DIW und DIW DC geschlossenen Dienstleistungsverträge mit einem Volumen von 600 000 Euro für drei Jahre. Der Präsident habe als Vorsitzender des Verwaltungsrats von DIW DC faktisch mit sich selbst einen Vertrag geschlossen. Pikant an der Sache ist ferner die Beziehung zwischen Constant und Zimmermann. Constant habe „erstaunliche Privilegien und Freiheitsgrade“ eingeräumt bekommen, heißt es im Umfeld des Instituts. HB/mit alf




Aus: "Das DIW als Selbstbedienungsladen" Von Axel Schrinner   (Tagesspiegel, 12.01.2010)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/DIW;art271,2999671 (http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/DIW;art271,2999671)

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[...] Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, sagte: „Ein zu kräftiger Schluck aus der Lohnpulle würde die vorsichtige Erholung unserer Wirtschaft wieder sehr rasch abwürgen und viele Betriebe mit einer durch die Finanzkrise geschwächten Liquidität zu einem zusätzlichen Stellenabbau veranlassen.“ Dies könne niemand verantworten.

[...] DIW-Präsident Zimmermann sagte: „Die Verteilungsspielräume sind leider sehr gering.“ Selbst Optimisten erwarteten für 2010 eine „allenfalls geringfügige Erhöhung der Produktivität“. Daran müssten sich die Tarifverhandlungen orientieren.

...


Aus: "DIW-Chef fordert Enthaltsamkeit beim Lohn" (2. Januar 2010)
Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article5698226/DIW-Chef-fordert-Enthaltsamkeit-beim-Lohn.html (http://www.welt.de/wirtschaft/article5698226/DIW-Chef-fordert-Enthaltsamkeit-beim-Lohn.html)

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[...] Zimmermanns Vertraute Amelie Constant ist seit Anfang 2006 für beide Institute in Washington tätig. DIW DC logiert in einer 170-Quadratmeter-Suite, die Jahresmiete beträgt fast 80 000 Dollar. Trotz seines Namens ist das Institut keine Tochter des DIW, sondern nur in einer "privilegierten Partnerschaft" mit DIW und IZA verbunden. Das Berliner DIW richtete die Räume mit Möbeln und IT ein, die erst im Dezember 2006 geliefert wurden. "Wie die Räume bis dahin genutzt wurden ist offen. Jedenfalls hat das DIW diese Räume nicht selbst genutzt", so die Prüfer.

Ungeachtet dessen berechnete das IZA dem DIW für Constants Tätigkeit im ersten Halbjahr 2006 21 000 Euro. "Welche Leistungen erbracht und berechnet wurden, geht aus der Rechnung nicht hervor", monieren die Prüfer. Bis heute belaufe sich das finanzielle Engagement in Washington auf "mehr als 900 000 Euro". Tatsächlich sei das Geld aber nicht der ursprünglich geplanten eigenen Repräsentanz in Washington zugute gekommen, sondern der von Zimmermann und Constant gegründeten US-Gesellschaft; einen finanziellen Ausgleich habe das DIW auf Weisung von Zimmermann nicht erhalten. Kritisch sieht der Rechnungshof auch die zwischen DIW und DIW DC geschlossenen Dienstleistungsverträge im Gesamtvolumen von 600 000 Euro für drei Jahre. Zimmermann habe unzulässiger Weise mit sich selbst einen Vertrag geschlossen.

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Aus: "DIW-Chef auf dem heißen Stuhl" von Axel Schrinner (13.01.2010)
Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/nachrichten/finanzskandal-diw-chef-auf-dem-heissen-stuhl;2511074 (http://www.handelsblatt.com/politik/nachrichten/finanzskandal-diw-chef-auf-dem-heissen-stuhl;2511074)
Title: [Zum Leistungsträgerkern... (Prof. Dr. Peter Sloterdijk)]
Post by: Textaris(txt*bot) on January 15, 2010, 11:37:42 AM
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[...] Für diesen Zusammenhang zwischen dem eigenen respektablen Platz an den Futtertrögen und der Ermahnung an die sozial Verwundbaren, nicht zuviel Fett anzusetzen, steht zum Beispiel Prof. Dr. Friedrich Thießen von der Universität Chemnitz, der errechnete, dass 132 Euros im Monat für einen gesunden Langzeitarbeitslosen ausreichen. Auch Prof. Dr. Norbert Bolz beugt sich gerne von seinem Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der TU Berlin hinab zu den sozialen Niederungen der Gesellschaft. Dort hausen die vom Wohlfahrtsstaat abhängig Gemachten, denn "Wohlfahrt ist heute eine Droge", eine "Art Opium fürs Volk". Es ist ja bekanntlich der Sozialstaat selbst – und nicht etwa die Arbeitslosigkeit – der die Sozialhilfeempfänger produziert.

Mit Prof. Dr. Peter Sloterdijk, Professor für Philosophie und Ästhetik an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, hat Prof. Dr. Norbert Bolz unter anderem das Auftreten in der TV-Sendung "Das Philosophische Quartett" des Zweiten Deutschen Fernsehens und die Entdeckung des Stolzes gemeinsam. Mit letzterem unterhalten die beiden Herren gerne das konservative Publikum in Zeitschriften wie "Cicero". So bedarf es für Norbert Bolz des Stolzes, um das "eigene Leben selbständig zu leben", was der Wohlfahrtsstaat natürlich als Sünde brandmarkt, weil, wie er mit unvergleichlicher Analysekraft folgert: "Vater Staat will nämlich nicht, dass seine Kinder erwachsen werden." Auch Peter Sloterdijk sieht eine "wiedererwachende Stolzkultur" zutage treten, der "Geist der Zeit" sende hier neue Signale.

Was hat es nun mit der Entdeckung des Stolzes als sozialpolitische Kategorie auf sich? Jener Gefühlsregung, die neben der Völlerei und der Gier zu den sieben Todsünden der katholischen Kirchenlehre gehört? Die aber andererseits, sagt uns jedenfalls Wikipedia [http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Stolz&oldid=68908644 (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Stolz&oldid=68908644)], einen höheren sozialen Rang signalisiert und "Zugang zu knappen Ressourcen und qualitativ hochwertigen Fortpflanzungspartnern" erlaubt?

Nun, der Hinweis auf den Zugang zu "qualitativ hochwertigen Fortpflanzungspartnern" ist durchaus hilfreich, verweist er doch auf das Heiratsverhalten der oberen sozialen Klassen, das gerne nach dem Prinzip: "Gleich zu gleich gesellt sich gern", vonstatten geht, eine gängige Art der Kapitalakkumulation. Diese Art der Fortpflanzung beziehungsweise Geldvermehrung geschieht in jenen gesellschaftlichen Höhenregionen, in denen Prof. Dr. Peter Sloterdijk etwas ganz Spezielles entdeckt hat: Den "Leistungsträgerkern der deutschen Population". Leistungsträgerkern! Wie beschenkt Peter Sloterdijk doch die deutsche Sprache mit solch einem Wort!

[...] Erwähnt sei nur noch sein bahnbrechender Vorschlag, den Stolz der Leistungsträger quasi für eine nichtzwanghafte Steuer zu instrumentalisieren, beziehungsweise die Steuern abzuschaffen und den Staat aus milden Gaben der Reichen zu alimentieren. Dies ist konsequent, denn eine verarmte öffentliche Hand ficht den wohlhabenden Leistungsträger nicht an, Schwimmbäder und dergleichen hat man ja selbst im Hause. Und dass große Tageszeitungen wie die "Süddeutsche" ganze Wirtschaftsseiten diesen realistischen und fundierten Vorschlägen widmen und sich der Kampagne [http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/957/499238/text/ (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/957/499238/text/)] Wider die Verteufelung der Leistungsträger anschließen, zeigt, das wir auf dem besten Wege sind, die richtigen Konsequenzen aus der weltweiten Finanzkrise zu ziehen.

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14. Januar 2010 13:12
Professoren und andere Akademiker als arrogante Volksverarmer...
bbirke (521 Beiträge seit 22.12.04)

Wer mal sehen möchte, welche Hochschulprofessoren und anderen
Akademiker sich für Konzentration des Wohlstand bei parasitären
Oberschichten, deren arrogante Absonderung und für Volksverarmung
einsetzen, schaue einfach mal hier:

http://www.insm.de/insm/ueber-die-insm/Kuratoren-und-Botschafter.html (http://www.insm.de/insm/ueber-die-insm/Kuratoren-und-Botschafter.html)

...


Quote
14. Januar 2010 10:27
Witzig ist, dass selbst Bertelsmanns Stifte nicht die Meinung von S. teilen
crumar (mehr als 1000 Beiträge seit 08.03.07)

Das müsste irgendwer dem Leihmaul mal sagen!

Ich habe hier zitiert und nur durch Formatierung die wichtigste
Aussage hervorgehoben:

"Geringverdiener in Deutschland sind zudem überproportional von hohen
Steuer- und Sozialabgaben betroffen und im internationalen Vergleich
nach Dänemark am zweitstärksten belastet.

Die marginale Belastung durch Steuern und Abgaben zuzüglich Transfers
für Geringverdiener beträgt hierzulande 59 Prozent.

Das bedeutet, dass von einem Euro, der brutto zusätzlich verdient
wird, tatsächlich

- (Geringverdienern Anm. C.) netto nur 41 Cent ausgezahlt werden. Der
Rest verbleibt beim Staat in Form von höheren Steuern und
Sozialabgaben bzw. geringeren Sozialtransfers.

- Im Vergleich dazu erhalten Durchschnittsverdiener immerhin 45 Cent
und

- Arbeitnehmer mit höheren Einkommen sogar 56 Cent.

In dieser Hinsicht wirkt das deutsche Steuersystem regressiv, die
Steuerbelastung nimmt bei zunehmendem Einkommen also prozentual ab."

http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/bst/hs.xsl/nachrichten_99410.htm

Gruß, C.


Quote
14. Januar 2010 08:06
Gehören Beamte nun eigentlich zu den Wohlfahrtsempängern al´a Hartz 4 ?
h-i-2224, Norbert Göring (1 Beitrag seit 14.08.07)

Bei den derzeitigen Diskussionen um den wohl so begnadeten Slody, der
es versteht auch noch das Einfachste in seiner Erklärung in
unendlichen, geschickt oder verwurschtelten Monologen zu
Komplexpyramiden aufzutürmen, dass selbst den Hochintellektuellen,
oder die die sich dafür halten, nur noch ein unverständliches Nicken
abgewürgt werden kann, ist mir immer noch nicht geläufig, ob die
Beamten nun zur Kategorie der Leistungsträger oder -empfänger al`a
Hartz 4 sind. Denn nach der Erklärung von Slody wären die Beamten
allesamt ähnlich den Hartz 4-Empfängern zu betrachten.

Auch wenn die Beamten dies so nicht sehen, weil sie ja für ihr
Eigenverständnis Steuern bezahlen, so ist dies nichts anderes als bei
den Hartz4-Empfängern, sie leben von den Steuern der "Steuerzahler". 


Quote
14. Januar 2010 08:34
Ich überlege gerade was passier, wenn alle Hartzer ihren Stolz auspacken.
paul_in_pub (mehr als 1000 Beiträge seit 13.07.03)

Mensch. da wäre aber bei den Jobcentern Stimmung. Jeder 2.
Mitarbeiter bekommt Abmahnungen wegen Mobbing. Die gesamte Agentur
für Arbeit bekäme entschieden mehr Probleme zum Thema Datenchutz. Und
vor allen Dingen würden entschieden mehr Menschen in der Agentur
auftauchen und ihre Rechte fordern.

Leider ist bei den meisten Hartzen kein Platz mehr für Stolz, die
haben es sich in ihrer Nische gemütlich gemacht und verplempern ihre
Zeit lieber mit RTL und Jappy. Viele zeigen keine Eigeninitiative
mehr. Schade da gibt's bestimmt viel Potential zur
Gesellschaftsänderung.

Quote
14. Januar 2010 10:11
Re: Ich überlege gerade was passier, wenn alle Hartzer ihren Stolz auspacken.
Kilo-Volt-Ampere (247 Beiträge seit 15.09.09)

paul_in_pub schrieb am 14. Januar 2010 08:34

> Leider ist bei den meisten Hartzen kein Platz mehr für Stolz, die
> haben es sich in ihrer Nische gemütlich gemacht und verplempern ihre
> Zeit lieber mit RTL und Jappy. Viele zeigen keine Eigeninitiative
> mehr. Schade da gibt's bestimmt viel Potential zur
> Gesellschaftsänderung.

Bei manchen findet sich leider der verkehrte Stolz, ein verwurmter
Arbeiterstolz. Dann heisst es, "ich habe 26 Jahre lang geschafft, und
jetzt soll der Hauptschulabbrecher genauso viel kriegen wie ich? Der
soll erst mal lernen, was Arbeit ist! Blabla-krakeel-zeterzeter".
Da kommt eher der Arbeitsdienstnazi zum Vorschein, als der
solidarische Einheitsfrontkämpfer. Solidarität ist eh gegessen,
"Gesellschaft" wird bestenfalls aus vielen einzelne "Inseln", mafiös
funktionierenden Überlebensstrukturen, bestehen, die sich gegenseitig
kaputt machen werden.

kVA



Quote
14. Januar 2010 07:50
Schlecker-Angestellte werden bestimmt nicht gegen ALG2-Bezieher demonstrieren!
Ahamay (mehr als 1000 Beiträge seit 18.09.03)

Denn dank der Großzügigkeit des neuen Arbeitgebers in Sachen Lohn
werden wohl die meisten von ihnen zu Aufstockern, d.h. sie müssen
also trotz Vollzeitarbeit noch ALG2 alias Hartz-IV beantragen, um
einigermaßen über die Runden zu kommen.

Quote
14. Januar 2010 11:18
Schlecker-Angestellte gegen ALG2-Bezieher? Sozialneid nach unten
bbirke (520 Beiträge seit 22.12.04)

Genau an solche Leute richtet sich doch der immer wieder in
einschlägigen Medien geschürte Sozialneid nach unten: die
Gegenüberstellung - hier hart arbeitende Menschen in elenden
Verhältnissen, da die HartzIVler, die sich mit bescheidenen Mitteln
ein schönes Leben ohne Schinderei machen (von erfüllender Arbeit kann
hier wohl kaum die Rede sein!).

Motto: die Working poor sollen neidisch sein und die Hartzies hassen
und möglichst die Hassstimmung gegen "Sozialschmarotzer" tragen, um
dann Sozialleistungen zu kürzen (und die Löhne nachsacken zu lassen,
á la Schlecker)!



Quote
14. Januar 2010 01:35
schöner Artikel
Hauke Laging, Hauke Laging (mehr als 1000 Beiträge seit 06.01.00)

Es kann eben viel aus dem Ruder laufen, wenn die "Wahrheiten" unseres
Wirtschaftssystems nicht mal mehr vorsichtig hinterfragt werden.

Was ist eigentlich Leistung? Das extreme Beispiel des Artikels macht
klar, dass Leistung nicht mit Gehalt zu verwechseln ist. Gerade der
inzestuöse Charakter der Politik und Wirtschafts"elite" (gut zu
erkennen an der Sammlung von Aufsichtsratsmandaten) ist ein großes
Problem, weil Leistung fast völlig von gesellschaftlichem und
wirtschaftlichem Erfolg abgekoppelt wird.

Durch die sachlich eben nur zum Teil gerechtfertigte Fixierung auf
die Leistungsträger wird das Leistungspotential der Gesellschaft nur
unzureichend erschlossen.

Bei einer fairen Leistungswahrnehmung hätten die Leistungsträger
zudem viel mehr Grund, stolz zu sein. Welch netter Nebeneffekt.



Aus: "Tiefe Pflöcke für den Leistungsträgerkern" Rudolf Stumberger (14.01.2010)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31867/1.html (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31867/1.html)

Title: [Hinter den barocken Kulissen... (Sal. Oppenheim)]
Post by: Textaris(txt*bot) on January 15, 2010, 11:46:08 AM
Quote
[...] Tatsächlich hatten Superreiche bisher einen klaren Favoriten, wenn es um die Verwaltung ihrer Vermögen ging - Sal. Oppenheim. Das familiengeführte Geldinstitut, nach eigenen Angaben das größte seiner Art in Europa, galt mit seiner respektablen Historie von 220 Jahren als unangefochtene Nummer eins unter den Privatbanken. Und die Kunden waren treu. Eine Trennung vom Bankberater des Vertrauens fällt bei Summen in zwei- oder dreistelliger Millionenhöhe schließlich schwer. Außerdem war die Stammklientel mit der Geschäftsführung um Matthias Graf von Krockow oft auch gesellschaftlich eng verbunden.

Die Kunden seien bei Sal. Oppenheim "in Watte eingegepackt" worden, sagt Zschaber. Einladungen zum Galopprennen oder zum Konzert des bayerischen Staatsorchesters gehörten zur normalen Kontaktpflege.

[...] Noch im April 2008 schien die Welt der Oppenheimer in Ordnung. 333 Millionen Euro betrug das Vorsteuerergebnis der Bank für 2007, acht Prozent mehr als im Vorjahr. "Wir haben eine Schallgrenze überschritten" , sagte Gesellschafter-Sprecher Krockow. Die "Verwerfungen an den Kapitalmärkten" hätten die Bank "nur am Rande" berührt, fügte er mit Stolz hinzu. Der Grund: das "grundsolide Geschäftsmodell", die "konservative Risikopolitik".

[...] Dabei herrschte hinter den barocken Kulissen schon damals desaströse Unordnung. 2007 hatten die Oppenheimer einen verhängnisvollen Fehler begangen und mitten in der Finanzkrise Millionen in die praktisch insolvente Mittelstandsbank IKB gesteckt. 2008 geriet dann der Arcandor-Konzern Chart zeigen immer stärker ins Wanken. Großaktionärin Madeleine Schickedanz stand bei Oppenheim mit einem Kredit in dreistelliger Millionenhöhe in der Kreide, für den einflussreiche Familiengesellschafter höchstpersönlich gebürgt hatten, wie das manager magazin herausfand.

Das könnte auch das spätere Engagement von Oppenheim bei Arcandor erklären. Im Herbst 2008 stieg die Bank nämlich noch mit knapp 30 Prozent bei dem Unternehmen ein und gab 20 Millionen Euro Kredit. Knapp ein Jahr später meldete Arcandor trotzdem Insolvenz an.

Solche unglücklichen Investments und das völlig aus dem Ruder gelaufene Investmentbanking sollen dazu geführt haben, dass sich allein im ersten Halbjahr 2009 Verluste von mehreren hundert Millionen Euro auftürmten, wie es in Finanzkreisen hieß. Der Notverkauf an die Deutsche Bank rettete das Geldhaus schließlich.

Als ob das an Demütigung nicht genug wäre, erschütterten in den folgenden Monaten noch hässliche Skandale das Bild vom altehrwürdigen Geldhaus. Unter anderem ging es um immense Kredite, die einige Mitglieder des Führungszirkels sich und ihren Familien zu Vorzugsbedingungen gewährt haben sollen.

...


Aus: "Privatbank Sal. Oppenheim - Nummer eins im Niedergang" Von Anne Seith, Frankfurt am Main (15.01.2010)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,670333,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,670333,00.html)

Title: [Über diese Erkenntnisse sei er "perplex" gewesen... (DB)]
Post by: Textaris(txt*bot) on January 18, 2010, 11:19:59 AM
Quote
[...] Erst am Samstag hatte die Deutsche Bahn zugegeben, dass für das Schneeräumen an Gleisen und Bahnhöfen in diesem Winter osteuropäische Billigarbeiter eingesetzt worden seien. Der Konzern bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung".

Mit dem Winterdienst sei eine externe Firma beauftragt worden, die wiederum ein Subunternehmen eingesetzt habe, sagte ein Bahnsprecher. Dort habe es dann Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften gegeben sowie gegen das Arbeitnehmer-Entsendegesetz, das Mindestlöhne in verschiedenen Branchen festschreibt. Inzwischen habe man sich von dem beanstandeten Subunternehmer getrennt.

[...] Konzernchef Rüdiger Grube erklärte am Wochenende, dass das Unternehmen 2009 trotz der Wirtschaftskrise Gewinne gemacht habe. "Im Geschäftsjahr 2009 schreibt die Deutsche Bahn eine kräftige schwarze Zahl." Für das vergangene Jahr geht Grube von einem Betriebsergebnis von deutlich über einer Milliarde Euro aus. Allein das Sparprogramm "React 2009" habe das Konzernergebnis um 600 Millionen Euro verbessert.

[...] Das "Schwarzbuch Bahn" erhebt auch Vorwürfe gegen den früheren Konzernchef Hartmut Mehdorn. Dabei geht es um die systematische Überwachung von Bahn-Mitarbeitern während seiner Amtszeit.

Mehdorn selbst bestreitet jegliche Schuld an dem Vorgehen. "Da bin ich völlig im Reinen mit mir", gab er den Ermittlern der Beratungsgesellschaft KPMG zu Protokoll. Laut "Schwarzbuch" gab Mehdorn an, von den teils illegalen Praktiken erst im Nachhinein erfahren zu haben. Über diese Erkenntnisse sei er "perplex" gewesen.

Die Autoren des "Schwarzbuchs Bahn" schreiben hingegen, gleich mehrere von der KMPG befragte Personen hätten von regelmäßigen Arbeitstreffen berichtet, bei denen Mehdorn mit den Verantwortlichen für die Bahn-internen Untersuchungen zusammengekommen sei.

Der frühere Bahn-Chef sagt dazu laut "Schwarzbuch", die Gespräche seien "weniger inhaltlich" gewesen. "Da ist nie über Ermittlungstechniken geredet worden." Berichte über den umstrittenen Massenabgleich von Mitarbeiterdaten hätten ihn "nie erreicht".

Die Bahn hatte im Kampf gegen Korruption ihre Mitarbeiter systematisch überprüft und überwacht. So glich das Unternehmen Daten seiner Mitarbeiter und teilweise von deren Angehörigen mit Lieferantendaten ab. Zudem ließ die Bahn über Detekteien Daten über Mitarbeiter beschaffen und spähte E-Mails und Festplatten aus. Bei ihrem Vorgehen verstießen die Bahn-Konzernsicherheit und die für Korruptionsbekämpfung zuständige Konzernrevision nach Erkennt