COMMUNICATIONS LASER #17

Laser#17 - Fraktal Text Akkumulation => Global-Politix und Micro-Welt, Randnotizen und Fussnoten => Topic started by: Textaris(txt*bot) on April 15, 2006, 05:07:44 PM

Title: [The Lordship of Moneygaming... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on April 15, 2006, 05:07:44 PM
Bei der in vielen Schichten entstandenen Erzählung vom Goldenen Kalb handelt es sich nicht um die Schilderung einer historischen Begebenheit, sondern in ihrer letzten deuteronomistischen Bearbeitung um eine ätiologische Erzählung, die den Untergang des Nordreiches nachträglich erklärt.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Goldenes_Kalb (https://de.wikipedia.org/wiki/Goldenes_Kalb) (2014)

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        Das goldene Kalb
        Doppelflöten, Hörner, Geigen
        Spielen auf zum Götzenreigen,
        Und es tanzen Jakobs Töchter
        Um das Goldne Kalb herum -
        Brum - brum - brum -
        Paukenschläge und Gelächter!
      
        Hochgeschürzt bis zu den Lenden
        Und sich fassend an den Händen,
        Jungfraun edelster Geschlechter
        Kreisen wie ein Wirbelwind
        Um das Rind -
        Paukenschläge und Gelächter!
        
        Aaron selbst wird fortgezogen
        Von des Tanzes Wahnsinnwogen,
        Und er selbst, der Glaubenswächter,
        Tanzt im Hohenpriesterrock,
        Wie ein Bock -
        Paukenschläge und Gelächter!



Heinrich Heine - Romanzero Gedichte (1851)
Quelle: http://www.textlog.de/heine-gedichte-goldene-kalb.html (http://www.textlog.de/heine-gedichte-goldene-kalb.html)

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Der Spieler erschien 1867 kurz nach Schuld und Sühne ...
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Spieler (https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Spieler)

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" ... die Filmkritikerin Linda Williams bezeichnete Geld einmal als die „ultimative Obszönität“ ..."
Aus: "Komm zu Papa" Sarah Schaschek (02.09.2014)
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/komm-zu-papa (https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/komm-zu-papa)

Title: [Geheimbund auf Dauer... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on April 15, 2006, 05:20:31 PM
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... Die Flick- Affäre steht für die Käuflichkeit der politischen Elite in der Bonner Republik. Er [Friedrich Karl Flick] ließ sie alle schmieren. CDU, CSU, SPD und FDP. Fast die gesamte erste Garde der Bonner Politik. ... Ein Routinevorgang im Finanzamt St. Augustin bei Bonn bringt den damaligen Regierungsdirektor Klaus Förster auf die Spur ...


Aus: "Ein Mann und die Macht" (Hubert Seipel, 8.10.2006)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Die-Dritte-Seite;art705,1973065 (http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Die-Dritte-Seite;art705,1973065)


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[...]  Rückgrat - "Vier Jahre lang plagte sich später die damals SPD-regierte Düsseldorfer Staatskanzlei mit der Frage, ob [Klaus] Förster ein Bundesverdienstkreuz zustehe. Er bekam es nicht, weil er ja nur "seine Pflicht getan" habe. Förster hat diese Entscheidung bedauert, weil er gern das Bundesverdienstkreuz abgelehnt hätte." (06.02.2009  13:59:45, Rhinelander)


Kommentar zu: http://www.sueddeutsche.de/kultur/756/457416/text/ (http://www.sueddeutsche.de/kultur/756/457416/text/)



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[...] Mehr als elf Millionen Euro musste Hessens CDU wegen der Schwarzgeldaffäre an die Bundespartei zahlen – und verzichtet trotzdem auf Schadenersatz vom Hauptverantwortlichen, Ex-Parteichef und Bundesinnenminister Manfred Kanther.

Die finanziellen Risiken eines Prozesses seien zu hoch, teilte die Partei am Samstag mit. Auch gegen den ehemaligen Unions-Landesschatzmeister Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein und den ehemaligen Unions-Finanzberater Horst Weyrauch werde keine Klage erhoben. Knapp vier Monate vor der hessischen Kommunalwahl sorgt die Partei sich zudem, dass ein neuer langwieriger „Kanther- Prozess“ mit ungewissem Ausgang ihr Ansehen beschädigen könnte.


Aus: "Hessische CDU erspart Kanther neuen Prozess" (HANDELSBLATT, Samstag, 10. Dezember 2005)
Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/hessische-cdu-erspart-kanther-neuen-prozess;1002954 (http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/hessische-cdu-erspart-kanther-neuen-prozess;1002954)


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[...]  Die Staatsanwaltschaft begründete ihre Forderung unter anderem mit dem hohen Schaden, der der Union durch die Abgabe unvollständiger Rechenschaftsberichte entstanden war. Der damalige hessische CDU-Generalsekretär Kanther, Weyrauch und der ehemalige hessische CDU-Schatzmeister Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein hatten Ende 1983 insgesamt 20,8 Millionen Mark (10,63 Millionen Euro) ins Ausland transferiert. Die Herkunft des Geldes ist nach Ansicht der Anklage auch weiterhin nicht völlig geklärt. In dieser Hinsicht sei man heute so schlau wie vor fünf Jahren, sagte Staatsanwalt Wolf Jördens.

Ihrer Partei verschwiegen Kanther, Weyrauch und Prinz Wittgenstein in den folgenden Jahren das Vermögen und holten es stattdessen unter anderem als jüdische Vermächtnisse getarnt wieder zurück. Sie hätten damals einen "Geheimbund auf Dauer" geschlossen, sagte Jördens. Sämtliche Gelder seien allerdings für die CDU verwendet worden, es habe nie persönliche Bereicherungen gegeben. Dies wertete die Anklage als strafmildernd für Kanther.


Aus: "Kanther Geldstrafe für Kanther wegen CDU-Affäre gefordert - Ex-Innenminister soll 72.000 Euro Strafe zahlen" (AFP vom 22.03.2005)
Quelle: http://www.123recht.net/article.asp?a=12400 (http://www.123recht.net/article.asp?a=12400)
Title: [Schlüsselfiguren... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on July 13, 2006, 10:23:09 AM
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[...] Die Vermutung, dass die Unternehmensspitze Betriebsräte gekauft haben solle, sei „absurd“, sagt er. Im Vorstand seien solche Vorgänge keinem bekannt. Und: „Niemand im Vorstand hätte sie gebilligt.“ Hartz betonte: „Ich weise die Verunglimpfungen aufs Schärfste zurück.“


Aus: "Korruptionsskandal bei VW zieht Kreise" (07.07.2005)
Quelle: http://www.lr-online.de/nachrichten/wirtschaft/wirtschaft/art1067,957918.html?fCMS=cfe5563761c4bfb25ebded2f43cb6f10 (http://www.lr-online.de/nachrichten/wirtschaft/wirtschaft/art1067,957918.html?fCMS=cfe5563761c4bfb25ebded2f43cb6f10)

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[...] Bei der Aufarbeitung der VW-Affäre und möglichen Schadenersatzforderungen zeigte sich VW-Chef Pischetsrieder hart: "Es geht um das Geld unserer Aktionäre. Wir werden versuchen, jeden einzelnen Euro, der dem Konzern an Schaden entstanden ist, zurückzuholen", sagte Pischetsrieder der "Welt am Sonntag". VW prüft der Zeitung zufolge auch Regressansprüche gegen den auf Grund der Affäre zurückgetretenen Personalvorstand Hartz.


Aus: "VW-Spitze lehnt Hartz-Nachfolger Neumann offenbar ab - Konzern will in Affäre Schadenersatz von Managern" (12.11.2005)
Quelle: http://newsfoxx.de/2530/VW-Spitze-lehnt-Hartz-Nachfolger-Neumann-offenbar-ab.html (http://newsfoxx.de/2530/VW-Spitze-lehnt-Hartz-Nachfolger-Neumann-offenbar-ab.html)

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[...] Wolfsburg (aktiencheck.de AG) - Aktuellen Presseberichten zufolge will die Wolfsburger Volkswagen AG anscheinend auf eine Schadenersatzklage gegen ihren Ex-Personalvorstand Peter Hartz verzichten. Dies berichtet die "Augsburger Allgemeine Zeitung" am Dienstag vorab aus ihrer Mittwochausgabe.

Nach Informationen der Zeitung liegt dazu nun ein Beschluss vom Präsidium des VW-Aufsichtsrats vor. Hartz ist einer der Schlüsselfiguren im VW-Korruptionsskandal.


Aus: "Presse: VW verzichtet auf Schadenersatzklage gegen Hartz" (Dienstag 11. Juli 2006)
Quelle: http://de.biz.yahoo.com/11072006/85/presse-vw-verzichtet-schadenersatzklage-hartz.html (http://de.biz.yahoo.com/11072006/85/presse-vw-verzichtet-schadenersatzklage-hartz.html)


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[...] Vier Tage später wurde bekannt, daß der VW-Vorstand dem Betriebsrat teure Luxusreisen spendiert hat. Erst wies der damalige Personalvorstand Peter Hartz die Vorwürfe zurück, doch am 8. Juli stellte der Schröder-Freund und Namenspatron des Arbeitsmarktkonzeptes seinen Posten zur Verfügung. Die Annahme seines Rücktrittangebots durch den VW-Vorstand war am 8. August nur noch Formsache. Elf Tage später nahm die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen Volkert auf und prüfte, ob VW-Gelder für dessen Reisen mit dem Geschäftszweck vereinbar waren. Volkert räumte später Verbindungen zu Schuster ein.

Ende September wurde Hartz vernommen. "Kontrollen der Verwendung von Geldmitteln" hätten zeitweise offenbar nicht im erforderlichen Umfang stattgefunden, räumte er ein. Am 7. Oktober wurde der Ex-Arbeitsdirektor der Untreue verdächtigt.

[...] Piëch sagte, er habe davon nichts gewußt und sei an einer lückenlosen Aufklärung interessiert. Am 19. April wurde VW-Chef Bernd Pischetsrieder vernommen. Dabei ging es vor allem um den Verantwortungsbereich von Hartz und die Kostenstelle "1860", über die mit Eigenbelegen sogenannte Vertrauensspesen abgerechnet worden sein sollen. Im Mai stieg die Zahl der Beschuldigten, gegen die wegen des Verdachts auf Untreue und Betrug ermittelt wird, auf 14.


Aus: "Hartz kostete die Affäre den Posten" (Artikel erschienen am Sat, 15. July 2006)
Quelle: http://www.welt.de/data/2006/07/15/959849.html (http://www.welt.de/data/2006/07/15/959849.html)

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[...] Der frühere VW-Personalvorstand Peter Hartz hat einen neuen Job. Im Saarland hat er eine eigene Firma registriert - die bietet Hilfe bei Unternehmensführung und Controlling an.

Wolfsburg/Hamburg - Das Unternehmen sei im Januar bei der IHK Saarland als Mitglied registriert worden, schreibt die "Wolfsburger Allgemeine Zeitung". Es sei als Firma "Professor Dr. h.c. Peter Hartz GmbH & Co." eingetragen und beschreibe seinen Geschäftszweck mit "Beratung, Unternehmensführung und Controlling".


Aus: "Peter Hartz ist jetzt Berater" (SPON; 25. Juli 2006)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,428390,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,428390,00.html)


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[...] Objekte von Faurecia in München und einer anderen Stadt seien im Mai durchsucht worden. Der ehemalige BMW-Abteilungsleiter aus München sei schon seit einem Jahr in Untersuchungshaft. Er soll von mehreren Zulieferfirmen für Aufträge insgesamt mehrere 100.000 Euro in bar verlangt haben. Dabei sei es um Teile für den 3er-BMW und den Mini gegangen. Im Zuge dieser Ermittlungen sei man schließlich auch auf Faurecia gestoßen, erklärte Winkler.


Aus: "Auch BMW-Manager soll geschmiert worden sein" (.rp-online.de; 25.07.06)
Quelle: http://www.rp-online.de/public/article/nachrichten/wirtschaft/unternehmen/344541 (http://www.rp-online.de/public/article/nachrichten/wirtschaft/unternehmen/344541)

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[...] Der ehemalige VW-Betriebsratschef Klaus Volkert hat sein Gehalt durch Sonderboni offenbar fast verdoppeln können. Sein Gönner, Ex-Personalvorstand Peter Hartz, habe die Zahlungen heimlich und eigenverantworlich veranlasst, heißt es.


Aus: "VW-AFFÄRE: Zwei Millionen für Ex-Betriebsrat Volkert" (15.10.2006)
Quelle: http://www.manager-magazin.de/koepfe/artikel/0,2828,442688,00.html (http://www.manager-magazin.de/koepfe/artikel/0,2828,442688,00.html)

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[...] In der VW-Affäre um Schmiergeld, Sexpartys und Lustreisen für Betriebsräte erwägt die Staatsanwaltschaft die Verfahren in Einzelfällen schriftlich zu erledigen. Durch den Verzicht auf öffentliche Verhandlungen soll das Großverfahren gestrafft werden.

[...]  Ziehe sagte, in einzelnen Fällen werde erwogen, auf eine öffentliche Verhandlung zu verzichten, um das Verfahren zu beschleunigen und den Beteiligten aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes die Darstellung aller Details zu ersparen.

Das sei möglich, wenn die Beschuldigten auf einen Einspruch verzichteten und die ihnen zur Last gelegten Beschuldigungen mit Geldstrafe oder maximal einem Jahr Haft geahndet werden könnten. Ein "Deal" sei das allerdings nicht – und auch keine Einstellung des Verfahrens, sondern eine Erledigung auf schriftlichem Wege.


Aus: "VW-Affäre: Justiz verzichtet auf öffentliche Verhandlungen" (11/2006 Financial Times Deutschland)
Quelle: http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/137066.html?zid=90221 (http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/137066.html?zid=90221)



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[...] Die jüngsten Preiserhöhungen der Deutschen Bahn hat Bahn-Chef Hartmut Mehdorn mit hohen Energiekosten begründet. Die Gehälter für den Vorstand erwähnte er nicht - sie schnellten in den vergangenen Jahren um 400 Prozent nach oben.


Aus: "DEUTSCHE BAHN: Vorstandsbezüge steigen schneller als die Preise" (15.10.2006)
Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,442669,00.html (http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,442669,00.html)

Title: [Herzversagen und eine Leiche im Stadtpark]
Post by: Textaris(txt*bot) on July 13, 2006, 10:46:57 AM
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[...] Der wegen Betrugs verurteilte einstige Chef des US-amerikanischen Energiekonzerns Enron, Kenneth Lay, ist tot. Das berichteten US-Medien am Mittwoch. Lay (64) sei in Aspen (Colorado) gestorben, hieß es unter Berufung auf die Familie. Über die Todesursache wollte sie keine Angaben machen. Laut CNN war Lay am Dienstagabend mit Herzproblemen ins Krankenhaus gebracht worden. Nach Angaben der Ärzte habe sein Herz am frühen Morgen versagt.


Aus: "Herzversagen - Enron-Gründer Lay tot" (n-tv.de; Mittwoch, 5. Juli 2006)
Quelle: http://www.n-tv.de/685880.html

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[...] London - Ein wichtiger Zeuge im Skandal um die Milliardenpleite des US-Energiekonzerns Enron ist am Mittwoch in London tot aufgefunden worden. Die Leiche des ehemaligen Chefs der Nordamerika-Abteilung der Royal Bank of Scotland, Neil Coulbeck, wurde in einem Stadtpark im Osten der Finanzmetropole entdeckt.


Aus: "ENRON-PROZESS - Topbanker tot im Park gefunden" (12.07.2006)
Quelle: http://www.manager-magazin.de/koepfe/artikel/0,2828,426453,00.html

Title: [Händeschüttlern... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on July 18, 2006, 10:46:34 AM
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[...] Grasser betonte am Montag einmal mehr, dass er Flöttl nicht persönlich kenne und dass er mit dem Investmentbanker auf der Yacht lediglich "Smalltalk" betrieben habe.

[...] Grasser hatte den Yacht-Ausflug mit Flöttl ursprünglich dementiert und erst nach Vorliegen aller Fakten bestätigt.

[...] Rückendeckung erhält Grasser nur von den Koalitionsparteien: BZÖ-Chef Peter Westenthaler bezeichnete ihn am Montag als "ausgezeichneten Finanzminister" und will über den Yacht-Ausflug nicht sprechen: "Ich befasse mich nicht mit Segelfahrten eines Ministers." Für den ÖVP-Politiker Werner Amon sind die Attacken der Opposition "unterstes Wahlkampfniveau" und ein Ablenkungsversuch von der Bawag-Affäre.

Auch Grasser selbst denkt nicht daran, wegen des Yacht-Ausflugs die Segel zu streichen: "Die Rücktrittsaufforderungen lassen mich völlig ungerührt", betonte der Minister - zumal bekannt sei, dass sich auch die Ex-Kanzler Franz Vranitzky und Viktor Klima mit Flöttl getroffen hätten und dessen Familie mit der Familie von Bundespräsident Heinz Fischer befreundet sei. Grasser: "Am Ende des Tages wird sich herausstellen, dass die Malversationen bei anderen Händeschüttlern liegen." (Ag.)


Aus: " Opposition fordert Grasser-Rücktritt" (diepresse.com; 17.07.2006)"
Quelle: http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=p&ressort=ip&id=572482 (http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=p&ressort=ip&id=572482)

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[...] Die Refco-Gläubiger wollen von der BAWAG mehr als 1,3 Mrd. Dollar (rund 1 Milliarde Euro) einklagen. In einer umfangreichen Klagsschrift beschuldigen sie die Gewerkschaftsbank der Beihilfe zum Betrug. Den Vorwürfen zufolge soll die BAWAG in den vergangenen Jahren über "Ultimo-Geschäfte" wiederholt mitgeholfen haben, Verlustlöcher in Bilanzen des Brokers Refco zu stopfen. Die BAWAG sieht sich allerdings selber als Opfer.

Aus: "Entscheidung über Milliardenklage gegen BAWAG" (27. April 2006; SN/APA; salzburg.com)
Quelle: http://www.salzburg.com/sn/nachrichten/artikel/2016351.html (http://www.salzburg.com/sn/nachrichten/artikel/2016351.html)

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[...] WIEN. Die Bank hat nach eigenen Angaben mit hochspekulativen Geschäften in den Jahren 1995 bis 2000 rund eine Mrd. Euro verloren. Als darauf die Eigenkapitalbasis des Instituts bedenklich zusammenschmolz, stand heimlich der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) mit seiner durch Mitgliedsbeiträge aufgefüllten Streikkasse für die Bawag gerade. Ohne diese Absicherung wäre die Bawag damals am Ende gewesen. Die Gewerkschaftsbank hatte erst vor kurzem wegen der Pleite eines US-Brokers 400 Mill. Euro abschreiben müssen.

Der heutige Bawag-Aufsichtsratschef Günter Weniger hatte die Rettungsaktion damals mit dem ÖGB eingefädelt und auch dessen Chef Fritz Verzetnitsch informiert. Beide bewahrten aber Stillschweigen. „Der Vorstand der Bank hat mich Ende 2000 von Verlusten in einer Höhe informiert, die die Erstellung der Bawag-Bilanz gefährdet hätten. In Abwägung aller Interessen habe ich beschlossen, diese Information für mich zu behalten“, erklärte Weninger am Freitag. Wären die horrenden Verluste publik geworden, so „hätte das die Gefahr von Mittelabflüssen, den Verlust von Arbeitsplätzen und Vermögen des Eigentümers bedeutet“. Weninger wird nun seinen Hut nehmen. Auch der Posten des österreichischen Gewerkschaftsbosses Verzetnitsch wackelte über das Wochenende zunehmend.

Der Skandal fällt in den anlaufenden Wahlkampf in Österreich, wo im Herbst ein neues Parlament gewählt werden soll. Entsprechend erbittert sind die politischen Reaktionen. Vizekanzler Hubert Gorbach, der dem rechten Bündnis BZÖ angehört, spricht vom größten Bankenskandal in der österreichischen Nachkriegsgeschichte und fordert den Rücktritt des ÖGB-Präsidenten. „Da hat ein Klüngel aus Parteifunktionären, Gewerkschaftsvertretern und Bawag-Managern die Beiträge der Gewerkschaftsmitglieder verzockt“, sagte Gorbach.


Aus: "Streikkasse rettete österreichische Bawag-Bank" Von Oliver Stock
(HANDELSBLATT, Montag, 27. März 2006)
Quelle: http://www.handelsblatt.com/news/Default.aspx?_p=200039&_t=ft&_b=1055630 (http://www.handelsblatt.com/news/Default.aspx?_p=200039&_t=ft&_b=1055630)


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[...] Der Inhalt ist streng vertraulich. Grasser verriet nur soviel: Es verdichten sich die "Verdachtsmomente in Richtung Veruntreuung und krimineller Machenschaften sehr deutlich".

[....] Der Inhalt des Prüfberichts der Nationalbank ist bereits Ende Juni publik geworden. Die aktualisierte Version kommt just zu einer Zeit, in der Grasser wegen seiner Yacht-Affäre unter Beschuss ist, kommentiert die Opposition. Tatsächlich befinden sich zumindest einige interessante Neuheiten in dem Bericht. So fanden die Bawag-Prüfer bisher 120 Stiftungen und Sondergesellschaften, die laut Grasser nur dazu gegründet worden sind, um zu verschleiern.

Brisant sind auch die Erkenntnisse über das Vermögen von Wolfgang Flöttl jr. Dieser hat bekanntlich bei den Karibik-Geschäften 1,4 Mrd. Euro verspekuliert. "Es stellte sich in diesem Zusammenhang die grundsätzliche Frage, wie wahrscheinlich es ist, dass ein erfahrener Portfoliomanager wie Wolfgang Flöttl über Jahre hindurch jedes ihm anvertraute Geld in einen Totalverlust führt", heißt es im Bericht.

Zur Deckung des Schadens sollte Flöttls Vermögen herhalten. Gemälde, darunter Picassos und Van Goghs, Liegenschaften und ein Jet. Laut Berechnungen des Restrukturierungsteams in der Bawag war das Vermögen rund 240 Mio. Euro wert. Es wurde in drei liechtensteinische Stiftungen eingebracht, die ganze Aktion lief in der Bawag unter größter Geheimhaltung. Doch letztendlich flossen nur 100 Mio. Euro an die Bawag zurück. Der Rest? Es besteht der dringende Verdacht, so der Prüfbericht, dass ein Teil der Gelder veruntreut wurde. Sogar wertvolle Gemälde seien spurlos verschwunden.

Immerhin musste die Bawag 172 Mill. Dollar bezahlen, um an Flöttls Aktiva heranzukommen. Für die Bilder mussten noch ein 154-Mio.-Dollar-Kredit bei Sotheby's beglichen werden. Und dann hatte Flöttl auch noch einen 18-Mio.-Dollar-Kredit bei der Meinl Bank offen, dem Kreditinstitut seines Freundes Julius Meinl V.


Aus: "Wer kassierte die Flöttl-Millionen? (Die Presse; 19.07.2006)
Quelle: http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=p&ressort=i&id=572742 (http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=p&ressort=i&id=572742)

Title: [in einem Anflug von Ganovenehre... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on July 19, 2006, 11:45:52 AM
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[...] Im Betrugsskandal um die Geldtransportfirma Heros ist nach Angaben des Insolvenzverwalters den Kunden ein Schaden von insgesamt 540 Mio. Euro entstanden.

[...] Heros hatte Preise verlangt, die zum Teil nur halb so hoch waren wie auf dem Markt üblich. Allein 230 Mio. Euro an Kundengeldern wurden Sack zufolge in den Jahren 2002 bis 2006 für die Aufrechterhaltung des Heros-Betriebs verwendet. Weiteres Geld floss in die Taschen führender Heros-Mitarbeiter. So habe etwa eine frühere Mitarbeiterin zwei Mio. Euro als Schweigegeld erhalten.

Der Verbleib von 95 Mio. Euro sei weiter unklar, sagte Sack. Wahrscheinlich sei, dass Heros-Führungskräfte auch diese Gelder zum Grossteil zu privaten Zwecken verbraucht hätten. "So wie wir das einschätzen, hat man sich wahrscheinlich eine Reserve für die Zeit nach der Haft geschaffen", sagte Sack. "Es gibt sicherlich Gelder, die noch keiner entdeckt hat." Der frühere Chef von Heros und drei führende Mitarbeiter sitzen seit Februar in Untersuchungshaft.

Heros hatte nach mutmasslichen Betrügereien Insolvenz angemeldet. Im Mai übernahm der US-Finanzinvestor MatlinPatterson das Unternehmen für 13,45 Mio. Euro und führt es unter dem Namen SecurLog weiter.

[...] Die Heros-Führung hatte nach Sacks Angaben ab Mitte der 90er Jahre Kundengelder veruntreut. Mit einem "fein ausgeklügelten Schneeballsystem" habe die Firma das bei Banken abgeholte Geld erst mit Verzögerung bei den Kunden abgeliefert und Beträge für die Aufrechterhaltung seines eigenen Betriebs abgezweigt. Insgesamt gebe es heute rund 1000 Forderungen von Gläubigern. Noch einen Tag vor der Insolvenzmeldung habe Heros die Forderungen einige kleinerer Kunden erfüllt, sagte Sack. "Das geschah wohl in einem Anflug von Ganovenehre." (apa)


Aus: "Gesamtschaden von 540 Mio. Euro für Heros-Kunden - 140 Mio. Euro auf Heros-Konten eingefroren" (wirtschaftsblatt.at; 18.07.2006)
Quelle: http://www.wirtschaftsblatt.at/pages/495926 (http://www.wirtschaftsblatt.at/pages/495926)

Title: [Beraterhonorar oder Motivationszahlung... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on July 19, 2006, 11:55:13 AM
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[...] Die aktuelle Verleumdungsaffäre um angebliche Schwarzgeldkonten französischer Politiker bei der luxemburgischen Finanzgesellschaft Clearstream zeigt, wie vernichtend sich heute bereits der Vorwurf der Korruption auf Politik und Gesellschaft auswirkt. Selbst ihren eigenen Volksvertretern trauen die westeuropäischen Gesellschaften illegale Geschäfte zu. In Deutschland wie in Frankreich hat heute jeder zweite Fall, der die Gerichte beschäftigt, mit Bestechung und Bestechlichkeit zu tun - und dabei bleiben nach Schätzungen der Strafverfolger 90 Prozent der Fälle unentdeckt. Allein die erfassten Schmiergeldzahlungen belaufen sich auf fast sechs Milliarden Euro. Nichts lässt die Hemmschwelle so schnell sinken, wie die Überzeugung, dass die anderen es auch nicht anders machen. "In vielen Firmen und Behörden ist Korruption gelebter Alltag", schreibt Deutschlands führender Antikorruptionskämpfer Wolfgang Schaupensteiner. "Die meisten Täter, etwa 70 Prozent, sind ohne Unrechtsbewusstsein." Schmiergeld heißt bei ihnen Beraterhonorar oder Motivationszahlung. Die Täter sind oft Entscheidungsträger und begehen die Taten aus Kalkül, weil sie an die Notwendigkeit von Korruption glauben, aus Selbstüberschätzung, weil sie sicher sind, nicht erwischt zu werden, oder aus Gier, weil ihnen ein gutes Einkommen immer noch nicht reicht.


Aus: "Im Sumpf der Korruption" (1arte-tv.com/de; 8. Juli 2006)
Quelle: http://www.arte-tv.com/de/woche/244,broadcastingNum=538513,day=4,week=29,year=2006.html (http://www.arte-tv.com/de/woche/244,broadcastingNum=538513,day=4,week=29,year=2006.html)

Title: [Unregelmäßigkeiten... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on July 26, 2006, 10:05:37 AM
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[...] Im Einzelnen geht es um den ehemaligen CEO Greg Reyes, den ehemaligen Finanzchef Tony Canova sowie die Expersonalchefin Stephanie Jensen. Dies ist der bisher kräftigste Schlag gegen mutmaßliche Optionsbetrügereien. Gegen über 80 Firmen wird bereits ermittelt, doch könnten mehrere hundert Unternehmen betroffen sein. Eine breit angelegte Studie an den Universitäten in Iowa und Indiana weist darauf hin, dass zwischen 1996 und 2005 rund 30 Prozent von 7800 untersuchten Firmen Optionen zurückdatierten und dass 13,6 Prozent dieser Anrechte manipuliert waren.

[...] Interessanterweise ist das Zurückdatieren selbst nicht strafbar – wenn es die Firma gegenüber den anderen Aktionären öffentlich bekannt macht. Dies ist aber wohl in der Regel unterblieben. So wird denn auch Brocades Ex-CEO Reyes nicht vorgeworfen, eigene Optionen manipuliert und sich so bereichert zu haben. Profitiert von dem Verfahren hätten neu eingestellte Mitarbeiter, denen die werthaltigeren Optionen zum Unternehmenseintritt angeboten wurden. Jensen kontrollierte angeblich das System der Optionsausübung; Canova wird beschuldigt, dem Treiben von Reyes und Jensen kein Ende gesetzt zu haben. Reyes und Jensen drohen bis zu 20 Jahre Haft und Geldstrafen in Höhe von maximal fünf Millionen US-Dollar.

Wie es aussieht, will die SEC mit den Ex-Brocade-Managern ein Exempel statuieren. Ermittlungen räumen indes immer mehr Hightech-Unternehmen ein, darunter Verisign, Cnet Networks, Foundry Networks, Applied Micro Circuits, Cyberonics, M-Systems und Progress Software. Selbst Apple Computer gab an, dass man bei einer hausinternen Untersuchung „Unregelmäßigkeiten“ entdeckt habe – eine davon betreffe sogar den jetzigen Chef Steve Jobs. (speicherguide.de/cvi)


Aus: "Will die SEC bei Brocade ein Exempel statuieren?" (25.07.2006)
Quelle: http://www.tecchannel.de/news/themen/business/444204/ (http://www.tecchannel.de/news/themen/business/444204/)

Title: [Das „Confesercenti“-Papier... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on July 26, 2006, 10:10:14 AM
Quote
[...]  Der Umsatz, den das Organisierte Verbrechen durch Erpressung von Unternehmen und Kaufleuten generiert, beträgt 77,8 Mrd. Euro und ist damit so hoch wie jener eines Großunternehmens.

[...] In einigen Regionen Süditaliens wie Sizilien und Kalabrien zahlen fast 80 Prozent der Kaufleute Schutzgeld, geht aus dem „Confesercenti“-Papier hervor. Auf Sizilien seien es 50.000 Kaufleute. „In einigen Regionen zahlen nur jene Unternehmen, die direkt im Besitz der Mafia stehen, kein Schutzgeld“, hieß es im Dossier.

Zu den Branchen, in denen die Mafia besonders aktiv sind, zählen laut „Confersercenti“ die Freizeitindustrie, die Gastronomie, Supermärkte, Autosalons und die Modebranche. Auch im Immobilienbereich ist das Organisierte Verbrechen besonders aktiv. „Die Mafia ist bereits in die Finanzkreisen von halb Europa eingedrungen“, warnte der Bericht.


Aus: "Mafia: Druck auf Italiens Wirtschaft" (vienna.at; 24. Juli 2006)
Quelle: http://www.vienna.at/engine.aspx/page/vienna-article-detail-page/cn/vol-news-jsteiner-20060724-034415/dc/tp:vol:news-welt (http://www.vienna.at/engine.aspx/page/vienna-article-detail-page/cn/vol-news-jsteiner-20060724-034415/dc/tp:vol:news-welt)

Title: [Anonyme Spenden... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on July 27, 2006, 10:31:46 AM
Quote
[...] Die SPD Wuppertal habe im Jahr 1999 anonyme Spenden in Höhe von einer halben Million Mark (256 000 Euro) angenommen, urteilte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. „Erst nachträglich in Erscheinung tretende Spender erkennt das Gesetz nicht an“, hieß es in der Entscheidung. Es müsse für die Parteimitglieder und für die interessierte Öffentlichkeit klar sein, wer durch namhafte Spenden gegebenenfalls auf die Willensbildung und die Entscheidungen einer Partei Einfluss nehmen könne.

Hintergrund des Rechtsstreits waren Spenden eines Bauunternehmers, der den Wahlkampf des damaligen Wuppertaler Oberbürgermeisters Hans Kremendahl (SPD) unterstützen wollte. Da der Geschäftsmann nicht selbst als Spender der gesamten Summe in Erscheinung treten wollte, nannte er nachträglich mehrere Privatpersonen als weitere Geber. Die Bundes-SPD übernahm zwei der Personen in ihren Rechenschaftsbericht für 1999, der Grundlage für die staatliche Parteienfinanzierung im Jahr 2000 war. Tatsächlich hatten beide Personen jedoch nicht gespendet.


Aus: "770 000 Euro Strafe für die SPD" (focus.msn.de; 26.07.06)
Quelle: http://focus.msn.de/politik/deutschland/parteispendenaffaere_nid_32598.html (http://focus.msn.de/politik/deutschland/parteispendenaffaere_nid_32598.html)

Title: [Sonderkonditionen... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on July 27, 2006, 10:39:36 AM
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[...] Vor der letzten Unterhauswahl im Mai 2005 hatte sich die Labour Party von reichen Unternehmern Vorzugskredite in Höhe von umgerechnet rund 20 Millionen Euro gewähren lassen. Während Spenden binnen Jahresfrist deklariert werden müssen, konnten solche so genannten Kredite bisher geheim bleiben. Mindestens vier der Spender hatte der wiedergewählte Premier dann für einen Sitz im Oberhaus vorgeschlagen, was die zuständige Berufungskommission ablehnte. Blairs Beteuerung, das eine habe mit dem anderen „nichts zu tun“, klang wenig überzeugend. Dass im Gegenteil die Geldgeber mit Gegenleistungen rechnen dürfen, hielt MacNeils Parteichef Alex Salmond dem angeschlagenen Premierminister im Parlament vor: „80 Prozent der gesamten Spenden an Labour kamen von Leuten, die anschließend Orden, Ritterschlag oder Lord-Titel erhielten.“

[...] Schon gilt die Labour-Regierung in der Bevölkerung als ebenso „schmierig“ wie die letzte Tory-Administration des glücklosen John Major. Dabei wollte Blair 1997 „weißer als weiß” auftreten, um der Parteiverdrossenheit entgegenzuwirken. Immerhin hat die Regierung seit 1997 gegen den Widerstand der Torys das Spendensystem transparenter gemacht, beispielsweise auch dafür gesorgt, dass Spenden von Ausländern verboten wurden. Kredite zu Sonderkonditionen aber kamen in den einschlägigen Vorschriften nicht vor.

Inzwischen verstärken neue Details den Eindruck, dass in der Downing Street Schattengeschäfte zur Regel geworden sind. „Nicht zum ersten Mal“, seufzt der Labour-Abgeordnete Tony Wright, „bedarf es erst eines Skandals, bevor eine Reform zustande kommt.“ Als Vorsitzender des Parlamentsausschusses für die öffentliche Verwaltung hat Wright bisher der Polizeiuntersuchung den Vortritt gelassen. Das ist für Labour und Premier Blair einstweilen wahrscheinlich besser so. Schließlich gilt in der Politik die Unschuldsvermutung des Strafrechts nur in Ausnahmefällen – und ganz gewiss nicht, wenn es um Geld geht.


Aus: "Orden für die Gönner" Von SEBASTIAN BORGER, LONDON (Rheinischer Merkur Nr. 30, 27.07.2006)
Quelle: http://www.merkur.de/2006_30_Orden_fuer_die_G.14195.0.html?&no_cache=1 (http://www.merkur.de/2006_30_Orden_fuer_die_G.14195.0.html?&no_cache=1)

Title: [Rechnungen von Drittfirmen... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on July 31, 2006, 07:36:15 PM
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[...] Erneut muß sich ein Mitarbeiter des DaimlerChrysler-Konzerns wegen Korruption in Millionenhöhe verantworten. Es werde geprüft, ob sich der Mann Geld erschlichen habe, indem er sich Rechnungen von Drittfirmen ausstellen ließ, für die es keine Leistungen gab, bestätigte eine Sprecherin der Stuttgarter Staatsanwaltschaft.


Aus: "Früherer Daimler-Angestellter soll Millionen veruntreut haben" (welt.de; 31. Juli 2006)
Quelle: http://www.welt.de/data/2006/07/31/979793.html (http://www.welt.de/data/2006/07/31/979793.html)
Title: [Im Lenkungsbauausschuss... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on August 09, 2006, 07:46:58 PM
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[...] Wildmoser war bei der Vergabe des Bauauftrags für die Arena als Verantwortlicher des Fußballvereins 1860 München auch Geschäftsführer der Stadiongesellschaft und Mitglied eines Lenkungsbauausschusses. Für diese Funktionen erhielt er zwar ein Jahresgehalt von rund 400.000 Euro. Gleichwohl hatte er während des Bauvergabeverfahrens über einen Mitarbeiter Kontakt zu der Firma Alpine Bau aufgenommen und ihr gegen Zahlungen in Höhe von 2,8 Millionen Euro Insiderinformationen zugeschanzt.


Aus: "Allianz Arena: Vier Jahre Haft für Wildmoser" Karl-Heinz Wildmoser junior muss wegen der Schmiergeldaffäre um den Bau der Münchener "Allianz-Arena" ins Gefängnis. Laut Staatsanwaltschaft bleiben ihm noch maximal zwei Monate in Freiheit, bevor er seine Haftstrafe absitzen muss (ZEIT online, Tagesspiegel | 09.08.2006 18:05)
Quelle: http://www.zeit.de/news/artikel/2006/08/09/70270.xml?page=1 (http://www.zeit.de/news/artikel/2006/08/09/70270.xml?page=1)
Title: [Geschenkgutscheine... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on August 13, 2006, 10:06:53 PM
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[...] Washington - Der ehemalige Vize-Präsident der US-Supermarktkette Wal-Mart, Thomas Coughlin, ist wegen Veruntreuung und Steuerhinterziehung zu einem 27-monatigen Hausarrest verurteilt worden.

Wie das "Wall Street Journal" am Freitag (Ortszeit) auf seiner Website berichtete, gestand Coughlin vor Gericht, mittels gefälschter Rechnungen und Missbrauch von Geschenkgutscheinen Firmengelder in Höhe von 500.000 Dollar (rund 392.000 Euro) in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben.

[...] Coughlin, ein langjähriger Vertrauter des verstorbenen Wal-Mart-Gründers Sam Walton, hatte das Unternehmen nach den Anschuldigungen vor mehr als einem Jahr verlassen. Er gab seinerzeit an, die Gelder unter anderem für ein betriebsinternes Vorgehen gegen Gewerkschafter eingesetzt zu haben.

Wal-Mart wies dies zurück, auch das Gericht fand keine Belege für eine solche Aktion. Laut "Wall Street Journal" hat das Unternehmen nun ein zivilrechtliches Verfahren angestrengt, um ein mit Coughlin vereinbartes Rentenpaket in Höhe von zehn Millionen Dollar zu streichen


Aus:"WAL-MART - Habgieriger Manager verurteilt" (manager-magazin.de; 13.08.2006)
Quelle: http://www.manager-magazin.de/koepfe/artikel/0,2828,431468,00.html (http://www.manager-magazin.de/koepfe/artikel/0,2828,431468,00.html)

Title: [Ein Sonderkonto und Platzhaltergeschäfte]
Post by: Textaris(txt*bot) on August 17, 2006, 12:16:22 PM
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[...] Das Sonderkonto wurde bei der Post-Privatisierung 1995 von der Bundesanstalt für Post und Telekommunikation eingerichtet. Darüber liefen diverse „Platzhaltergeschäfte“, deren Erträge aber nicht im Bundeshaushalt ausgewiesen wurden, schreiben die Rechnungsprüfer.

So seien von dem Konto rund 550 Millionen Euro als Darlehen an die KfW-Bank geflossen. Das Ministerium habe mehrere Zusagen gebrochen, das Konto aufzulösen.

Es setze diese „Umgehung des Bundeshaushalts und dessen parlamentarischer Kontrolle“ bis heute fort, obwohl 2005 die gesetzliche Grundlage weggefallen sei. Bei der jüngsten Kontrolle fiel auf, dass in diesem Jahr immer noch rund 42 Millionen Euro auf dem Konto parken.


Aus: "Millionensummen verschoben - Rechnungshof deckt Schattenhaushalt des Finanzministers auf" (Stefan Reker; 16.08.06)
Quelle: http://www.rp-online.de/public/article/nachrichten/politik/deutschland/347589

Title: [vorsätzlich]
Post by: Textaris(txt*bot) on August 19, 2006, 01:22:36 PM
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[...] Heros heißt jetzt SecurLog - der alte Name galt als "verbrannt", doch das Firmen-Konglomerat existiert großenteils weiter. Nur zwei Monate nach der Großrazzia, nach der Heros Insolvenz anmelden musste, präsentierte Insolvenzverwalter Manuel Sack im April einen Käufer für das schwer angeschlagene Unternehmen: den New Yorker Finanzinvestor Matlin Patterson.

Insgesamt entstand durch die kriminellen Machenschaften, so der Insolvenzverwalter, ein Verlust von 540 Millionen Euro. Demgegenüber stehen 140 Millionen, die nach der Pleite auf Heros-Konten bei der Bundesbank eingefroren wurden. Allein 230 Millionen Euro an Kundengeld verwendeten die Heros-Manager demnach in den vergangenen vier Jahren zur Aufrechterhaltung des Betriebs. Die Dumpingpreise, mit denen der Geldtransporteur Konkurrenten ausstach, reichten bei Weitem nicht, um die Betriebskosten zu decken. Der Verbleib von 95 Millionen Euro ist unklar - floss das Geld in die Taschen der Bosse?

1600 der zuletzt etwa 4600 Mitarbeiter des einst größten deutschen Geldtransport-Unternehmens hat die Raffgier ihrer Führungsriege wahrscheinlich den Job gekostet. Sie sollen zumindest in einer Beschäftigungsgesellschaft übernommen werden. Von den insgesamt 62 Standorten soll etwa die Hälfte geschlossen werden, darunter auch Teile des Standorts Hamburg.

Die um Millionen geprellten Kunden des Geldtransport-Unternehmens werden wohl auf ihrem Schaden sitzen bleiben: Das Landgericht Hannover, so der "Spiegel", urteilte jüngst, dass der Transportversicherer von Heros, die "Mannheimer", nicht für die unterschlagenen 300 Millionen Euro aufkommen muss - wenn die Konzern-Spitze das Geld vorsätzlich veruntreut hat.


Aus:"Jeder Dritte verliert seinen Job in der Geldtransport-Firma" (19. August 2006)
Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2006/08/19/600057.html

Title: [Zunächst in bar und später über eine Scheinfirma...]
Post by: Textaris(txt*bot) on August 27, 2006, 03:46:02 PM
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[...] Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft inzwischen gegen sieben ehemalige Mitarbeiter der IKEA-Bauabteilung sowie gegen 44 Mitarbeiter von Bau- und Handwerksfirmen. Sie stünden im Verdacht der Bestechlichkeit beziehungsweise der Bestechung und des Betrugs, berichtet das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf eine Sprecherin der Behörde.

Den Angaben zufolge soll allein der Hauptbeschuldigte seit Mitte der 80er Jahre zunächst in bar und später über eine Scheinfirma Schmiergelder in Millionenhöhe eingesteckt haben, unter anderem von einer Düsseldorfer Projektfirma und einem bayerischen Baukonzern. Sein Vermögen, das in Liechtenstein und der Schweiz lagere, habe der 56-Jährige laut einem internen Vermerk der Staatsanwaltschaft auf 2,8 Millionen Euro beziffert, heißt es in dem Bericht weiter. Der frühere Bauleiter aus der IKEA-Zentrale in Wallau (Main-Taunus-Kreis) hatte sich im September vorigen Jahres in seiner Zelle erhängt.



Aus: "IKEA-Korruptionsaffäre - Schmiergelder in Millionenhöhe?" (26.08.2006)
Quelle: http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/index.jsp?rubrik=15662&key=standard_document_25354830

Title: [Kopfzerbrechen]
Post by: Textaris(txt*bot) on August 27, 2006, 03:53:00 PM
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[...] Der Anstieg der Wirtschaftskriminalität bereitet den Ermittlern in Schleswig-Holstein Kopfzerbrechen. Nach Aussage von Generalstaatsanwalt Erhard Rex hat sich die Zahl der Fälle in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Er kritisierte, dass derartige Delikte oftmals eher milde bestraft würden. Zudem seien Fälle von betrügerischem Immobilien- und Kapitalanlagebetrug oftmals komplizierter und umfassender als noch vor Jahren. Die im Land auf solche Fälle spezialisierten 29 Staatsanwälte in Kiel und Lübeck hätten im vergangenen Jahr 4.757 Fälle bearbeitet. 1995 waren es noch 1.850.

Nach Aussage von Rex stößt es auch bei Experten auf Unverständnis, dass Wirtschaftsstraftäter zuweilen sehr günstig vor Gericht davon kommen. So habe auch der Bundesgerichtshof gerügt, dass ein Betrüger, der einen Schaden von 1,5 Millionen Euro angerichtet habe, nur zu 240 Tagessätzen verurteilt worden sei. "So etwas halte ich für nicht erträglich; das destabilisiert unser Rechtssystem", sagte Rex. "Beim Bürger kommt nämlich die Botschaft an: Die Kleinen hängt man und die Großen lässt man laufen."




Aus: "Schleswig-Holstein - Generalstaatsanwalt sieht dramatische Tendenz bei Wirtschaftskriminalität" (26.08.2006)
Quelle: http://www1.ndr.de/ndr_pages_std/0,2570,OID3017018,00.html

Title: [...aufgrund von Zufällen]
Post by: Textaris(txt*bot) on August 28, 2006, 10:14:24 AM
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[...] Berlin - Die jüngsten Korruptionsskandale bei Media Markt/Saturn oder Karstadt Sport sind nach Meinung von Fachleuten keine Einzelfälle. „Das ist im Einzelhandel verbreitet“, sagte die Berliner Korruptionsexpertin Birgit Galley dem Tagesspiegel.

[...] Die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, sie sei einer größeren Korruptionsaffäre bei deutschen Elektronikhändlern auf der Spur. Vertriebsmitarbeiter des Philips-Konzerns sollen im großen Stil Einkäufer verschiedener deutscher Elektronikmärkte, darunter Media Markt/Saturn, bestochen haben. Gegen mehr als 100 Personen wird ermittelt. Bei Karstadt Sport sollen vier inzwischen entlassene Abteilungsleiter mit Lieferanten überhöhte Preise abgesprochen und Bestechungsgeschenke gefordert haben.

„Große Kunden erwarten, dass Einkäufer Verhandlungsspielräume nutzen und individuelle Absprachen treffen“, sagt Birgit Galley. Was wird wo in den Regalen platziert? Welche Produkte und Marken kommen in die Werbung? Wenn über Mengen und Preise und die so genannten „listing-fees“ (Regalgebühr) im Einzelhandel gesprochen werde, seien die Grenzen zwischen Annehmlichkeiten und Bestechung häufig fließend. „Viele Vertriebsleiter sind mit allen Wassern gewaschen“, weiß Waldemar Baier, Leiter der Konzernrevision bei Rewe.

Da die Hersteller es mit mächtigen Großkunden wie Media Markt oder Karstadt zu tun haben und selten Spielraum bei ihren Preisen sehen, werden eben andere Argumente bemüht: Reisen, Uhren, Tankgutscheine. „Da zahlt mancher Anbieter gerne das Doppelte für einen Auftrag und lässt den Einkäufer daran teilhaben“, sagt Birgit Galley. „Kickback“-Zahlungen nennt man so etwas. Das Nachsehen haben die Kunden: „Bestechungsgelder werden immer auf den Preis aufgeschlagen“, sagt die Korruptionsexpertin.

Aufgedeckt wird Bestechung meist aufgrund von Zufällen. „Entweder die Beteiligten streiten sich ums Geld – oder um die Frauen“, sagt Waldemar Baier von Rewe.


Aus: "Korruptionsfälle erschüttern den Einzelhandel: Philips schmierte Mitarbeiter von Media Markt/Saturn – doch offenbar sind solche Praktiken auch in anderen Firmen verbreitet" von Von Henrik Mortsiefer (28.08.2006)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/archiv/28.08.2006/2736513.asp

Title: [...unrechtmäßige Spenden]
Post by: Textaris(txt*bot) on September 11, 2006, 11:23:56 AM
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[...] Die Parteien der großen Koalition sowie die FDP wollen einem Bericht zufolge das Parteiengesetz ändern, um Strafen bei unrechtmäßigen Spenden zu entgehen.
 
Wie das Magazin "Focus" am Sonntag vorab berichtete, einigten sich die Schatzmeister von CDU, CSU, SPD und FDP darauf, dass Parteien künftig straffrei bleiben sollen, wenn sie Fehler selbst entdecken und beim Bundestagspräsidenten anzeigen. Dies solle für unrechtmäßige Spenden sowie fehlerhafte Rechenschaftsberichte gelten, heißt es in dem Bericht weiter.
 
Nach der Neuregelung müsste die betroffene Partei demzufolge nur noch die unrechtmäßige Spende abführen, nicht aber den doppelten oder dreifachen Betrag als Strafe. Fälle bis 10.000 Euro sollten die Parteien nicht mehr sofort melden müssen. Nach Auffassung der Schatzmeister reiche eine Korrektur im nächsten Rechenschaftsbericht aus, schreibt das am Montag erscheinende Magazin weiter.


Aus: "Parteien wollen Gesetz ändern - Keine Strafen für Schwarzgeld" (10. September 2006)
Quelle: http://www.n-tv.de/708745.html
Title: [Die Abläufe in der Bankenaufsicht]
Post by: Textaris(txt*bot) on September 12, 2006, 10:03:29 AM
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[...]  Schon im Frühjahr war ein Fall millionenschwerer Selbstbedienung in der IT-Abteilung aufgeflogen. Der durch einen leitenden Beamten im IT-Bereich verursachte Schaden beläuft sich laut Staatsanwaltschaft mittlerweile auf mehr als 4 Millionen Euro. Nun stehen laut Staatsanwaltschaft in Bonn weitere BaFin-Mitarbeiter unter Verdacht. Wie der "Spiegel" berichtet, gab es Durchsuchungen in Wohnungen und Büros von fünf BaFin-Mitarbeitern. Einer von ihnen steht dem Magazin zufolge unter dem Verdacht, für seine Töchter und die Ehepartner anderer Mitarbeiter Planstellen geschaffen und ihnen die Fragen der Bewerbungsgespräche vorab zugesteckt zu haben. In anderen Fällen lauteten die Vorwürfe auf Untreue, Vorteilsnahme sowie Beihilfe zur Bestechlichkeit.

Im Auftrag des Finanzministeriums haben Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) die Abläufe in der BaFin untersucht. In einem Gutachten bescheinigen sie nach Angaben des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ der Führung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) mangelnde Kontrollen im eigenen Haus.


Aus: "Bankenaufsicht - Rückhalt für BaFin-Chef schwindet: Deutschlands oberster Bankenaufseher Jochen Sanio gerät zunehmend unter Druck. Ein Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass die Führung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu spät reagiert hat" (11.09.2006)
Quelle: http://www.welt.de/data/2006/09/11/1031486.html

Title: [Systematische Steuerhinterziehungen]
Post by: Textaris(txt*bot) on September 13, 2006, 10:28:38 AM
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[...] Die DaimlerChrysler AG, Stuttgart, gerät in der Affäre um Schmiergeldzahlungen, Steuerhinterziehung und schwarze Konten immer weiter unter Druck. "Die ermittelnden US-Behörden verlangen, dass jemand auf Vorstandsebene die Verantwortung übernimmt", sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Dienstag zu Dow Jones Newswires. Dies könne auch ein Ex-Vorstand sein, da die Verfehlungen bis in die Anfänge der 90er Jahre zurückreichten.

Das US-Justizministerium und die US-Börsenaufsicht SEC ermitteln bereits seit über zwei Jahren gegen den Automobilhersteller. Dabei wurden zahlreiche schwarze Konten entdeckt, die seit Jahren für Bestechungszahlungen in Afrika, Asien und Osteuropa genutzt worden waren. Zusätzlich deckten die Ermittler systematische Steuerhinterziehungen bei Auslandsmitarbeitern in Millionenhöhe auf. DaimlerChrysler hat die Vorwürfe bereits eingeräumt und rückwirkend die eigenen Bilanzen korrigiert.


Aus: "SEC fordert von Daimler Konsequenzen" (de.biz.yahoo.com; 12. September 2006)
Quelle: http://de.biz.yahoo.com/12092006/341/sec-fordert-daimler-konsequenzen-steueraffaere-kreise.html
Title: [Ein ganz beliebter Waschsalon]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 11, 2006, 01:17:08 PM
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[...] «Die Türkei ist offensichtlich ein ganz beliebter Waschsalon», sagte er: «Wir wissen das aus dem Bereich der Banken.» Nach Erkenntnissen der Deutschen Bundesbank habe es erhebliche Kapitalverlagerungen ins Ausland gegeben, insbesondere seit der Einführung der Zinsabschlagsteuer. «Man spricht davon, dass in die Türkei und nach Ex-Jugoslawien insgesamt etwa 40 Milliarden Euro geflossen sind», sagte Kilmer.


Aus: "Türkei «offenes Tor» für deutsches Schwarzgeld" (Dienstag 10. Oktober 2006)
Quelle: http://de.news.yahoo.com/10102006/12/tuerkei-offenes-tor-deutsches-schwarzgeld.html
Title: [steuerschonend geprüft]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 16, 2006, 11:36:36 AM
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[...] Innsbruck (APA/syr). Eigentlich sollten sie österreichische Steuersünder jagen, ab heute, Montag, müssen sie sich aber selber wegen Steuervergehen vor Gericht verantworten: Zehn Betriebsprüfern des Finanzamts Innsbruck sowie einem ehemaligen Mitarbeiter einer Steuerberatungsfirma wird Beitrag zur vorsätzlichen Abgabenhinterziehung und Missbrauch der Amtsgewalt vorgeworfen.

Sollten sie schuldig gesprochen werden, drohen ihnen bis zu zehn Jahre Haft. Beobachter halten es für möglich, dass das Finanzstrafverfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden wird.

Die derzeit vom Dienst suspendierten Finanzbeamten sollen jahrelang etliche Unternehmen "steuerschonend" geprüft haben. Der entstandene Schaden wird von der Anklage mit 20 Millionen Euro beziffert.

16 Unternehmer, die wegen vorsätzlicher Abgabenhinterziehung mitangeklagt sind, wurden aus dem Prozess ausgeschieden. Gegen sie wird zu einem anderen, noch unbekannten Zeitpunkt verhandelt. Die Dauer des Strafprozesses, in dem alleine die Staatsanwaltschaft 100 Zeugen beantragt hat, ist noch nicht absehbar.


Aus: "Tirol: Zehn Finanzbeamte vor dem Richter" (Die Presse) 16.10.2006
Quelle: http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=c&ressort=w&id=592613

Title: [„Minen“ und der Zugang zu Spendenlisten]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 31, 2006, 12:26:29 PM
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[...] Trotzdem ist die Sorge groß, dass sich die Affäre ausweitet und „weitere Minen hochgehen“, so ein Spitzenpolitiker. Zugang zu Spendenlisten und Finanzunterlagen hatten nur Schönbohm, der Landesschatzmeister sowie Petke und Nelte, heißt es. Letztere waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Dass interne Finanzunterlagen und Papiere zur Spendenpraxis der Partei abhanden gekommen oder kopiert worden sind, hat die Union inzwischen aber offiziell bestätigt. „Das Zimmer des Landesgeschäftsführers ist praktisch leer“, so ein CDU-Politiker. In der Parteispitze geht man davon aus, dass Petke auch die Mitglieder- und Delegierten-Datei aus dem Computer kopiert hat. Einige der 200 Delegierten, die über die Schönbohm-Nachfolge zu befinden, fanden in ihrer privaten Post jüngst eine Geburtstagskarte des Ex-Generalsekretärs.


Aus: "In der CDU wächst die Sorge vor weiteren „Minen“ - Spendenaffäre könnte die Suche nach neuem Parteivorsitzenden beeinflussen / Landeschef Jörg Schönbohm kündigt Strafanzeige an" Von Thorsten Metzner (30.10.2006)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/brandenburg/archiv/30.10.2006/2866640.asp

Title: [transportiert, überwiesen, konvertiert (money laundering)]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 31, 2006, 12:33:07 PM
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[...] Schneider: In den vergangenen zahn Jahren hat sich das Geldwäschevolumen ungefähr verdoppelt. Weltweit betrug das Geldwäschevolumen aus Drogengeschäften im vergangenen Jahr 1039 Milliarden Dollar, das gesamte Geldwäschevolumen lag bei 1500 Milliarden Dollar. Das sind 3 bis 5 Prozent des Welt-Bruttoinlandsprodukts (BIP). Solange der globale Drogen- und Waffenhandel weiter floriert, ist mit einem Rückgang nicht zu rechnen. In Deutschland belief sich das Geldwäschevolumen auf sieben Milliarden Euro.

mm.de: Wie kommen Sie auf diese Zahlen?

Schneider: Bei diesen Zahlen handelt es sich natürlich um Schätzungen. Hier gibt es verschiedene Methoden, diese aufzustellen. Recht häufig wird der Umfang der Geldwäsche über die Erlöse aus dem Drogenhandel geschätzt, denn die organisierte Kriminalität erzielt knapp 40 Prozent ihres Umsatzes aus Suchtgift. Da man über die Zahl der Drogenabhängigen ziemlich genau Bescheid weiß und deren Konsum gut kalkulieren kann, lassen sich auch recht detaillierte Angaben über die Erlöse aus diesem Bereich machen.

mm.de: Was genau bedeutet Geldwäsche?

Schneider: Geldwäsche ist der Prozess, durch den Erlöse, die aus kriminellen Tätigkeiten stammen, transportiert, überwiesen, konvertiert oder mit legalen Geschäften vermischt werden. Das geschieht in der Absicht, die wahre Herkunft, die Beschaffenheit, das Eigentum an solchen Erlösen zu verschleiern oder zu verheimlichen.

mm.de: Woher stammt der Begriff?

Schneider: Der Begriff Geldwäsche stammt aus den Vereinigten Staaten der 1920er und 1930er Jahre, als die ersten Waschsalons ihren Betrieb aufnahmen. Kriminelle Gruppen investierten ihre Bargeldeinkünfte aus Verbrechen in diese "laundromats", weil deren Umsätze kaum zu kontrollieren waren. Sie gaben dem Staat überhöhte Gewinne an und mussten dann nur noch die Waschmaschinen im leeren Zustand laufen lassen, um den Strom- und Wasserverbrauch dem Gewinn anzupassen. Dieses "money laundering" wurde später wörtlich als Geldwäsche übersetzt.


Aus: "GELDWÄSCHE: "Al Qaida braucht 50 Millionen Dollar jährlich"" Von Martin Hintze (30.10.2006)
Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,443568,00.html

Title: [Macht und andererseits Verantwortung]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 06, 2006, 11:55:57 AM
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[...] "Wir haben in Deutschland eine immer größere Verteilung von immer mehr vermögenden Menschen und immer mehr armen Menschen. Das Mittelfeld löst sich auf. Ich finde diese Entwicklung sehr dramatisch, obwohl ich auf der Gewinnerseite bin", erklärt sie. Die ungerechte Verteilung erlebt sie hautnah. Ihr Mann ist Landwirt und arbeitet sehr hart, um sein Geld zu verdienen, während sie durch Zinserträge mehr verdient, als ein normaler Mensch es in seinem Leben üblicherweise kann.

"Die Probleme hätte ich gerne", hört Auwärter-Brodbeck oft. "Es ist ein ungutes Gefühl, wenn man spürt, dass jemand einen unmittelbaren Mangel erlebt und derjenige aber weiß, dass ich die finanziellen Mittel habe, um diesen Mangel aufzulösen. Das ist keine einfache Situation", erzählt sie. In der Öffentlichkeit spricht sie nicht über ihren Reichtum, weil sie nicht auf Geld reduziert werden möchte. Sie möchte wahrgenommen werden als Mensch, als Person, als Mutter, als das, was sie kann und ist und nicht als reich.

Doch bedeutet Geld auch oft Macht. Und welche Macht hat Geld für Auwärter-Brodbeck? "Ich bin diejenige, die darüber entscheidet, spende ich mein Geld jetzt lieber Unicef oder Greenpeace oder schenke ich es meinen Nachbarn, damit er sein krankes Kind gut versorgen kann? Das ist einerseits Macht und andererseits aber auch genau das Thema mit der Verantwortung", so Auwärter-Brodbeck.


Aus: "Die armen Reichen - Verein für reiche Erbinnen" (Sendung am 05.11.2006)
Quelle: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/4/0,1872,3977476,00.html

Title: [...wenn es ums Geld geht?]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 13, 2006, 10:53:13 AM
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[...] Sein Fünf-Millionenvolk hält er in eisernem Würgegriff. Die Menschen leben in Angst und Armut. In Turkmenbashis Reich gibt es keine unabhängige Berichterstattung, und die Menschenrechte werden mit Füßen getreten. Die Medien sind in staatlichem Besitz, das Fernsehen ist zum Regierungsinstrument mutiert. Im Hinblick auf die Pressefreiheit rangiert Turkmenistan auf der Liste der Organisation "Reporter ohne Grenzen" auf dem drittletzten Platz. Oppositionelle Journalisten werden drangsaliert oder verschwinden einfach. Unlängst starb die "Radio Free Europe/Radio Liberty"-Mitarbeiterin Ogulsapar Muradowa während der Haft. Das 58-jährige Gründungsmitglied der nichtstaatlichen Menschenrechtsorganisation "Turkmenistan Helsinki Foundation" (THF) hatte es gewagt, westlichen Journalisten bei ungenehmigten Filmaufnahmen zu helfen, die ttt in Ausschnitten erstmals im deutschen Fernsehen ausstrahlt. Daraufhin wurde die Journalistin verhaftet und der Planung eines Umsturzes beschuldigt. Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass Ogulsapar Muradowa zu Tode gefoltert wurde. "Turkmenistan ist eines der Länder mit den schwerwiegendsten Menschenrechtsverletzungen, vergleichbar nur noch mit Nordkorea oder Burma", bestätigt Marianne Heuwagen von Human Rights Watch. "Es gibt dort keine Meinungs-, keine Religions- und keine Pressefreiheit. Journalisten, die unabhängig berichten, landen entweder im Gefängnis oder in einer psychiatrischen Klinik oder werden ins Exil getrieben."

 
Doch weil der sich nach außen großherzig gerierende Staatschef auf schier unerschöpflichen Erdöl- und Erdgasvorkommen sitzt, sein Land zudem in einer geopolitisch wichtigen Region liegt, wird Turkmenbashi vom Westen hofiert und als Partner der neuen EU-Zentralasienstrategie von der Bundesregierung umworben. "Die Zentralasien-Initiative der Bundesregierung ist ganz auf die Energiepolitik ausgerichtet, auf die großen Gas- und Ölvorkommen in Turkmenistan. Da haben wir schon sehr den Verdacht, dass da die Menschenrechte hinten runterfallen", meint Marianne Heuwagen. Gerade war Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Rahmen seiner Reise durch die zentralasiatischen Republiken zu Gast in Aschgabad.

Dabei unterhält der Operettenfürst Nijasow zu Deutschland ohnehin bereits beste Beziehungen: Die Deutsche Bank verwaltet das Vermögen seiner Präsidentenstiftung, Siemens modernisierte seinen TV-Sender, und Daimler Chrysler ließ als Dank für ein lukratives Geschäft die Diktatorenbibel "Ruhnama" ins Deutsche übersetzen.

Der im Exil lebende Abdu Kuliev und Ex-Außenminister von Turkmenistan macht keinen Hehl daraus, was er von solchen Kooperationen hält: "Es ist natürlich unmoralisch einen Mann wie Nijasow zu unterstützen, der sein Volk quält. In Turkmenistan hungern die Menschen, sie sterben wegen der schlechten medizinischen Versorgung. Nur: Wer denkt über Moral nach, wenn es ums Geld geht?"

Auch im Hinblick auf die Funktion, die das "Ruhnama" in Nijasows System erfüllt, hat Kuliev eine klare Meinung: "Ziel des Buches ist es, nach dem Niedergang von Marxismus und Leninismus den Menschen eine neue, quasi-religiöse Ideologie zu präsentieren und sie damit zu indoktrinieren." Das Buch diene - flankiert von anderen Maßnahmen wie der Verkürzung der Schulzeit, der Schließung von Bibliotheken und Universitäten - schlichtweg der Volksverdummung. "Nijasow möchte das turkmenische Volk in eine Schafherde verwandeln, die nichts weiß und nichts versteht und abgeschnitten ist von der modernen Welt".

Tatsächlich ist das nationalistische Machwerk in Turkmenistan Pflichtlektüre. Der Tag, an dem es der selbsternannte Prophet Gottes auf Erden vollendete, ist inzwischen nationaler Feiertag. Nicht nur Anwärter des öffentlichen Dienstes müssen aus dem Inhalt rezitieren können. Auch wer den Führerschein machen möchte, kommt an ihm nicht vorbei. Bereits im Kindergarten wird es gepaukt, in Schulen und Universitäten ist das "Buch der Seele" zum Hauptgegenstand des Unterrichts geworden. Verse daraus ließ Nijasow neben denen des Korans in der vom ihm erbauten gigantischen Moschee von Kiptschak anbringen. Dem dortigen Mufti trug sein Protest 20 Jahre Haft ein.

Jetzt wurde das Werk in einem groß angelegten PR-Coup an 1.200 Bibliotheken der ganzen Welt verschickt. Die Universität Göttingen nahm vor wenigen Wochen ein Exemplar in einer feierlichen Prozession in Anwesenheit des turkmenischen Fernsehens entgegen. "Wir waren daran interessiert, weil wir hier ein Sonderprojekt zu den mittelasiatischen Staaten haben. Und wir haben es sehr erfreulich gefunden, dass wir damit die Beziehungen zu dem Land und zu der Botschaft intensivieren konnten", sagt Elmar Mittler, der ehemalige Leiter der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen. Eine solche Sicht ist für die Menschenrechtsaktivistin Marianne Heuwegen eher naiv: "Mittels des Ruhnama werden die Leute einer Gehirnwäsche unterzogen. Alle müssen es gelesen haben. Ein Arzt, der die Prüfungen machen will, muss nachweisen, dass er es kennt. Das ist ja absurd. Wenn man sich in Hollywood einen Diktator ausgedacht hätte, wäre man auf eine Figur wie Nijasow gekommen. Aber der existiert ja wirklich."


Aus: "Diktator, Dichter und Prophet: Wie Turkmenbashi vom Westen hofiert wird" Autoren: Marcus Bensmann und Joachim Gaertner (wdr.de; 12.11.2006)
Quelle: http://www.wdr.de/tv/kulturweltspiegel/20061112/4.html

Title: [...ein international weit verzweigtes Finanzsystem (Siemens)]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 17, 2006, 09:36:29 AM
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[...] Ermittlungsbehörden mehrerer Länder entdeckten ein geheimes, international weit verzweigtes Finanzsystem, das offenbar dazu diente, hohe Millionenbeträge in schwarze Kassen zu schleusen. Die Fahnder prüfen, ob es sich um Schmiergeld handelt.

In einer groß angelegten Razzia haben 200 Polizisten, Staatsanwälte und Steuerfahnder am Mittwoch die Siemens AG sowie Privatwohnungen von Managern und ehemaligen Mitarbeitern durchsucht. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue.

Oberstaatsanwaltschaft Anton Winkler erklärte, es bestehe der Verdacht, dass "einzelne Mitarbeiter Gelder veruntreut haben". Zunächste habe es noch keine Festnahmen gegeben, sagte Winkler. Die Anschuldigungen richten sich gegen neun derzeitige und frühere Beschäftigte.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ermitteln die Fahnder auch, ob der Konzern in großem Stil schwarze Kassen gebildet hat, um die dort deponierten Millionenbeträge im Ausland als Schmiergeld einzusetzen.

Untersucht wird beispielsweise die Zusammenarbeit mit hochrangigen Persönlichkeiten in Russland, die dort helfen sollten, Aufträge zu besorgen.

Siemens erklärte, man kooperiere mit den Ermittlungsbehörden. Zu den gegenwärtig laufenden Untersuchungen äußerte sich der Konzern am Mittwoch nicht.

Der Konzern kommt nach der umstrittenen Gehaltserhöhung für Vorstände und der Pleite der ehemaligen Handysparte unter dem neuen Eigentümer BenQ erneut in schwere Bedrängnis.

Ermittlungsbehörden in der Schweiz und Italien haben, wie die SZ erfuhr, in den vergangenen Monaten ein geheimes Finanzsystem entdeckt, über das die Kommunikationssparte (Com) von Siemens in diesem Jahrzehnt mindestens 20 bis 30 Millionen Euro auf verborgene Konten geschleust haben soll.

Aufgeflogen war dieses System, nachdem einzelne Banken die Behörden wegen des Verdachts der Geldwäsche eingeschaltet hatten. Dreh- und Angelpunkt zahlreicher Transaktionen war die Schweiz.

Die ausländischen Behörden schalteten die Münchner Staatsanwaltschaft ein, die am Mittwoch mit Hilfe des Landeskriminalamtes (LKA) zuschlug. Mehrere Manager und ehemalige Mitarbeiter von Siemens wurden im LKA vernommen, darunter auch eine frühere Führungskraft der Kommunikationssparte.

Dieser Ex-Manager agierte nach ersten Erkenntnissen zusammen mit weiteren Personen aus dem Konzern und dessen Umfeld als Treuhänder für Firmen und Konten, über die Millionenbeträge geschleust wurden. Die Transaktionen liefen beispielsweise über Firmen aus den USA oder den in der Karibik gelegenen Virgin Islands.

Diese Gesellschaften rechneten bei der Siemens-Kommunikationssparte hohe Beträge für teure Dienstleistungen ab, etwa Beratung oder Projektentwicklungen. Die Ermittler prüfen, ob es sich um Scheinrechnungen von Briefkastenfirmen handelt.

Nachdem hohe Millionenbeträge auf diese Weise aus Siemens herausgezogen worden waren und mit dem Konzern offiziell nicht mehr zugeordnet werden konnten, verfügten die Treuhänder über dieses Geld. Zu welchem Zweck das geschah, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Als gesichert gilt, dass der ehemalige Kommunikations-Manager und die weiteren Treuhänder nicht aus eigenen Antrieb, sondern auf Anweisungen aus dem Konzern handelten. Hochrangige Mitarbeiter von Siemens sollen in die Affäre verstrickt sein.

In einem Fall soll die Bundesanwaltschaft in der Schweiz einen hohen Millionenbetrag beschlagnahmt haben, der dort auf einem auffällig gewordenen Konto lagerte.

Dem Vernehmen nach handelt es sich um Mittel aus dem geheimen Finanzsystem, die Siemens in Griechenland einsetzen wollte. Angeblich fragte die Bundesanwaltschaft in der Schweiz vergeblich bei Siemens in München an, wofür diese Mittel genutzt werden sollten.

Das Ermittlungsverfahren rund um den Konzernbereich Kommunikation ist auch deshalb brisant, weil der heutige Konzernchef Klaus Kleinfeld von Anfang 2004 bis zum Sommer dieses Jahres für diese Sparte verantwortlich war. Derzeit löst Siemens die Com-Sparte auf und bringt große Teile des Geschäftsfeldes in ein Joint Venture mit Nokia ein, das Anfang nächsten Jahres starten soll.

Nokia wollte sich zunächst nicht zu den Vorgängen äußern. Nach Siemens-Richtlinien sind Schmiergeldzahlungen verboten. Dennoch waren in den vergangenen Jahren immer wieder Bestechungsvorwürfe laut geworden, zuletzt im Fall des italienischen Enel-Konzerns.


Aus: "Geheimes Finanzsystem bei Siemens: Aufgeflogen in der Schweiz"  Von Markus Balser und Klaus Ott (SZ vom 16.11.2006)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/759/91668/

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[...] Es besteht der Verdacht, dass Angestellte im großen Stil Siemens-Vermögen veruntreut hätten, unter anderem, um Bestechungsgelder an mögliche Auftraggeber zu zahlen. Der Transfer soll teilweise auch über Auslandskonten, unter anderem in der Schweiz, abgewickelt worden sein.


Aus: "Erste Festnahmen nach Razzia bei Siemens" (ftd.de, 16.11.2006)
Quelle: http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/132386.html



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[...] Ein Münchner Nachrichtenmagazin meldet vorab, am Montag mehr über die inzwischen gut dreistelligen Millionen verraten zu wollen, von der die Ermittlungsbehörden inzwischen ausgehen. In Österreich wurden 60 Millionen Euro eingefroren. Auf dem Konto eines Siemens-Managers in Griechenland wurden weitere 40 Millionen Euro gefunden. Die Jagd nach den global und mit Schwarzgeld-Methoden verschobenen Millionen wird die Summe also deutlich erhöhen, soweit das Geld noch auffindbar ist.
Siemens behauptet, jetzt erste Konsequenzen ziehen zu wollen. Man wolle die internen Kontrollsysteme auf Lücken überprüfen und ein Anwaltsbüro als Ombudsmann fungieren lassen, dem gewissensgeplagte Mitarbeiter gefahrlos beichten können. Das aber ist mehr als scheinheilig, denn wie ein Hamburger Nachrichtenmagazin ebenfalls vermeldet, am Montag melden zu wollen, wusste Siemens bereits seit fast einem Jahr von den Korruptionsvorwürfen, ohne etwas zu unternehmen. Dieses Versäumnis mussten daher über 270 Polizisten, Staatsanwälte und Steuerfahnder ausbügeln mit einer Razzia in der Siemens-Zentrale und 30 weiteren Siemens-Läden.
Die Süddeutsche Zeitung war auch näher dran und folgte der Spur des Geldes bis auf die karibischen Virgin Islands zu ominösen Handelsfirmen, bei deren Namenswahl wie etwa "Eagle Invest" die Siemens-Manager mal richtig viel Phantasie entwickelten. Zwischenstationen waren unter anderem amerikanische Beraterfirmen namens Weavind und Prom Export sowie eine österreichische Krhoma Handels GmbH. Von dort ging es vermutlich über Offshore-Firmen retour zu Schweizer Banken.
Im Mittelpunkt des undurchsichtigen Finanzsystems, das angeblich für Schmiergeldzahlungen in aller Welt eingerichtet wurde, stand ausgerechnet die Siemens-Sparte Com, die weltweit Datennetze aufbaut und ganze Staaten verkabelt. Sie gilt als "Konzern im Konzern" mit einem Jahresumsatz von 87 Milliarden Euro.
Auch der heutige Konzernchef Klaus Kleinfeld wird Fragen der Staatsanwälte zu beantworten haben. Er betreute bei Siemens 2004 das Kommunikationsgeschäft und war für die von den Ermittlungen betroffene Festnetzsparte zuständig.


Aus: "Siemens: Schmiergeld-Millionen jetzt schon dreistellig" von Bernd Kling (18 November 2006)
Quelle: http://de.theinquirer.net/2006/11/18/siemens_schmiergeldmillionen_j.html

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[...] In einem Anfang Oktober veröffentlichten Ranking der Schmiergeldzahler unter den 30 führenden Exportnationen landete Deutschland auf dem siebten Platz der "saubersten Nationen".

Damals lobte der Vorsitzende von TI Deutschland, Hansjörg Elshorst, die deutsche Ehrlichkeit noch: "Man muss nicht Weltmeister im Schmieren sein, um sich auf immer stärker umkämpften Märkten als Exportweltmeister zu halten." Dass es aber auch die deutschen Unternehmen mit der Aufrichtigkeit nicht immer ganz genau nehmen, zeigen die aktuellen Untersuchungen in den Siemens-Standorten exemplarisch.

Ein Überblick über die Skandale der letzten Jahre...

    * Siemens

    * Volkswagen

    * Porsche

    * BMW

    * DaimlerChrysler

    * Philips

    * Heros

    * Rewe


Aus: "Wie Deutschlands Konzerne schmieren" von Susanne Amann (ftd.de, 20.11.2006)
Quelle: http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/133501.html


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[...] Als 2002 die Gefahr bestanden habe, dass schwarze Kassen in Österreich enttarnt werden könnten, habe eine dieser beiden Führungskräfte intern mitgeteilt, man müsse sich ein anderes Modell überlegen.

[...] Kunert sagte [ ], man könne nicht ausschließen, dass so etwas auch bei anderen Unternehmen vorgekommen sei oder noch vorkomme. "Es ist zumindest befremdlich, dass jetzt nach VW mit Siemens der zweite große Dax Konzern in interne Korruptionsaffären verwickelt worden ist. Da stellt sich die Frage durchaus, inwiefern die internen Kontrollmechanismen der Unternehmen greifen, um so etwas früh zu erkennen"...


Aus: "SIEMENS-FINANZAFFÄRE: Auch Korruptionsjäger sollen verstrickt sein" (27. November 2006)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,450799,00.html

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[...] Laut "Spiegel" soll "eine verschworene Managertruppe" mindestens 200 Mio. Euro abgezweigt haben - Pierer und Kleinfeld wollen kompromisslos aufklären.
Der Korruptionsskandal bei Siemens war angeblich bis in die höchsten Kreise des Konzerns bekannt. Laut "Süddeutscher Zeitung" soll ein in U-Haft sitzender Beschuldigter ausgesagt haben, dass ein führendes Mitglied des Konzerns die Korruptionspraxis gekannt habe. Weder Siemens noch die Staatsanwaltschaft München I nahmen am Wochenende dazu Stellung. Unterdessen berichtete der "Spiegel", angeblich habe "eine verschworene Managertruppe mindestens 200 Mio. Euro aus der Kommunikationssparte des Konzerns abgezweigt".


Aus: "Konzern-Spitze bei Siemens soll von Korruption gewusst haben" (27. November 2006)
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=2675004

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[...] In den Skandal um Schmier– und Schwarzgelder beim Elektronikkonzern Siemens  soll auch die eigens für Korruptionsbekämpfung eingerichtete Abteilung Compliance verwickelt sein:
Mehr als 30 Beschäftigte der Abteilung sollen vom angeblichen Schwarzgeldsystem gewusst haben, berichtete die «Süddeutsche Zeitung». Das Blatt beruft sich auf Aussagen zweier in Untersuchungshaft sitzende langjährige Mitarbeiter, die demnach Schwarze Kassen in der Schweiz und Österreich betreuten. Die Gelder sollen vor allem über leitende Angestellte geflossen sein, die jeweils für bestimmte Regionen wie Naher Osten, Afrika oder Amerika zum Teil als Vertriebschef zuständige waren.

Einer der beiden Untersuchungshäftlinge soll laut «SZ» bei den Vernehmungen ausgesagt haben, zwei Führungskräfte der Abteilung Compliance seien nicht nur über die Existenz der Schwarzgeldkonten informiert gewesen. Sie hätten darüber hinaus auch versucht, die Vorgänge zu vertuschen. Die Abteilung Compliance hat die Aufgabe, Gesetzesverstöße zu verhindern oder zu bekämpfen und Ethikrichtlinien zu schaffen. Ähnliche Abteilungen existieren auch in anderen großen und mittelständischen Unternehmen.


Aus: "Bestechungen hießen bei Siemens Provisionen" (nz; 27.11.2006)
Quelle: http://www.netzeitung.de/wirtschaft/unternehmen/455511.html

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[...] Mit Sarkasmus kommentiert der Mitarbeiter den Verdacht, es handle sich um ein ganzes System schwarzer Kassen: "Wenn Siemens etwas macht, dann richtig und systematisch."

„Korruption gehört zum Geschäft“

Siemens ist mit 475.000 Mitarbeitern nahezu in der ganzen Welt tätig. Aufsichtsratsvorsitzender Heinrich von Pierer sagt stets mit Stolz, nur Coca-Cola sei in noch mehr Ländern präsent. Im vergangenen Geschäftsjahr, das am 30. September endete, erzielte der Konzern mehr als 80 Prozent des Umsatzes im Ausland. Seit langem sind die Wachstumsraten außerhalb Deutschlands viel höher: Zuletzt stieg der Auftragseingang im internationalen Geschäft um 18 Prozent, der Umsatz um 19 Prozent.

"Globalisierung ist Globalisierung und kennt keine Moral", schreibt Wigand Cramer von der IG Metall in einem Kommentar auf der Internetseite "Siemens Dialog" der Gewerkschaft. "Da bleiben die Hände nun mal nicht sauber." Den Medien wirft er Scheinheiligkeit vor: "Allgemeine Empörung über einen ganz normalen Vorgang." Das Ziel, doppelt so schnell zu wachsen wie die Weltwirtschaft, erreiche Siemens nur mit Geschäften in Schwellenländern wie China, Indien, Indonesien und Rußland - am besten mit Projekten industrieller Infrastruktur. "Jeder weiß, daß das sowohl geographisch als auch von den Zielkunden her die Bereiche sind, in denen Korruption nun mal zum Geschäft gehört."

Im Siemens-Management wird zumindest angedeutet, daß die Methoden, mit denen lokale Partner in manchen Ländern für den Konzern tätig seien, nicht hinterfragt würden. In der Sportartikelindustrie haben sich Hersteller längst verpflichtet, daß auch ihre Partner in Entwicklungsländern, zum Beispiel Auftragsfertiger, Sozialstandards einhalten. Ethikstandards für Geschäftspartner von Siemens gibt es dagegen offenbar nicht. "Da wird dann eine Rechnung an Siemens für Beratungsleistungen ausgestellt", berichtet ein ehemaliger Mitarbeiter. "Und jeder weiß, was dahintersteckt." Bis 1999 konnten deutsche Unternehmen solche Arten von Beratung sogar als "nützliche Aufwendungen" von der Steuer absetzen.

Für wenig glaubwürdig hält deshalb ein Mitarbeiter von Com die Reaktion seines spanischen Bereichschefs Eduardo Montes, der auch im Vorstand der Siemens AG sitzt. Montes habe seinen Mitarbeitern geschrieben, die Affäre und die Ermittlungen träfen ihn bis ins Mark. "Besser wäre von ihm gewesen, gar nichts dazu zu sagen."


Aus: "Wirtschaftskriminalität: „Globalisierung kennt keine Moral“" Von Joachim Herr (27. November 2006)
Quelle: http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~EEA1BA53CC1A4440883989374665B2788~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Title: [...zur Leuna-Affäre]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 21, 2006, 10:01:51 AM
Leuna-Affäre:
http://de.wikipedia.org/wiki/Leuna-Aff%C3%A4re (http://de.wikipedia.org/wiki/Leuna-Aff%C3%A4re)

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[...] BRÜSSEL Es war nur eine kleine Frage. Aber sie scheuchte gestern die EU-Kommission auf: Wird der größte Wirtschaftskrimi der Nachkriegsgeschichte, die Affäre um den Bau der Leuna-Raffinerie durch den damaligen Betreiber, den französischen Konzern Elf-Aquitaine, wieder aufgerollt? Morgens hieß es noch "Wir sehen keinen Anlass dafür." Am Nachmittag teilte eine Sprecherin von Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes mit: "Wir haben Informationen angefordert."

Im deutschen Nach-Wende-Jahr 1992 beginnt das, was sich später zur Affäre ausweiten sollte. Der französische Mineralölkonzern Elf-Aquitaine hatte angekündigt, 3,4 Milliarden Mark in den Bau einer neuen Raffinerie zu stecken. Dafür gab es Subventionen aus Brüssel – 550 Millionen Euro. Scharen von EU-Ermittlern und Staatsanwälten gingen später den Vorwürfen nach, es sei zu Subventionsbetrug gekommen. Doch als 2002 der damalige Wettbewerbskommissar Karel van Miert die Akten schloss, hieß es, Hinweise auf eine "missbräuchliche Verwendung von Beihilfen beim Bau der Raffinerie" habe es nicht gegeben. War der Satz falsch?

Journalisten der Zeitung "Die Zeit" haben den pensionierten van Miert jetzt mit neuen Unterlagen konfrontiert. "Wenn wir das damals gehabt hätten, wäre die Sache anders ausgegangen", sagt er heute. Denn die Recherchen besagen: Elf und der deutsche Thyssen-Konzern haben die überhöht angesetzten Baukosten indirekt über ihre Tochterfirmen Technip und Thyssen-Reinstahl kassiert. Diese beiden Firmen bildeten damals gemeinsam mit dem Anlagenbauer Lurgi das TLT-Konsortium, dass die Raffinerie im Süden Sachsen-Anhalts von 1994 bis 1998 errichtete. Die zitierten Dokumente belegen die Manipulation der Baukosten. Die französischen Elf-Manager hätten die Summen für die Errichtung um 350 Millionen Euro nach oben korrigiert, was zu einer völlig unüblichen Rendite "von bis zu 20 Prozent" geführt habe, so ein Augenzeuge. Der Knackpunkt: Damals wurden die Finanzübersichten des Konsortiums den Ermittlern vorenthalten. Nun liegen sie vor.


Aus: "Frisierte Renditen: Neue Erkenntnisse zur Leuna-Affäre: Rollt die EU den Fall wieder auf?" (21.11.2006)
Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/10821723/492531/ (http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/10821723/492531/)
Title: [..."ausgeprägtes Problembewusstsein"]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 27, 2006, 02:48:20 PM
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[...] Eine Einstellung des Verfahrens gegen Geldzahlung sei eine "juristische Unkultur, die gegen fundamentale Rechtsgrundsätze verstößt", sagte Naucke der FTD.

Die Staatsanwaltschaft vor dem Düsseldorfer Landgericht war am Freitag überraschend dem Antrag der Verteidiger gefolgt, den spektakulärsten Strafprozess der deutschen Wirtschaftsgeschichte gegen Zahlungen von insgesamt rund 5,8 Mio. Euro abzubrechen. Richter Stefan Drees hat nach Angaben von Prozessbeteiligten im Vorfeld bereits signalisiert, dass er dem Deal am Mittwoch zustimmen wird.

[...] Der Deal zwischen Staatsanwalt und Verteidigung beruht auf Paragraf 153a der Strafprozessordnung. Diese umstrittene Vorschrift ermöglicht die Einstellung eines Verfahrens gegen Auflagen, wenn das Ergebnis allen Beteiligten gerecht und auch das öffentliche Interesse nicht verletzt wird. Bereits der Untreueprozess gegen Ex-Kanzler Helmut Kohl wegen der CDU-Parteispendenaffäre war nach dieser Vorschrift eingestellt worden.

[...] Auch Oberstaatsanwalt Peter Lichtenberg bestritt, dass die Angeklagten sich "freikaufen". "Dies ist kein Handel mit der Gerechtigkeit", sagte er. Selbst bei einer Verurteilung hätten die Angeklagten höchstens eine Geld- oder Bewährungsstrafe erhalten. Zudem habe der Prozess bei Managern und Unternehmen ein "ausgeprägtes Problembewusstsein" hervorgerufen.


Aus: "Harsche Kritik am Mannesmann-Deal" von Matthias Ruch (Düsseldorf), Benno Stieber (Karlsruhe) und Doris Grass (Frankfurt); (Aus der FTD vom 27.11.2006)
Quelle: http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/135672.html (http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/135672.html)

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[...] Nichts ist es also mit der strafrechtlichen Ächtung von Habgier und Machtmissbrauch. Und auch wer weiß, dass in Strafprozessen Moral und Ethik keinen Platz haben, schon gar nicht das berühmte gesunde Volksempfinden, wird staunen dürfen. So einfach und so schnell können die Vertreter des Gesetzes ihr Handtuch werfen, ohne auch nur ernsthaft zu versuchen, einen passenden Haken zu finden.

Zur Erinnerung: Es geht um angeblich zu Unrecht bewilligte und kassierte Prämien und Abfindungen von 57 Millionen Euro. Untreue nennen Juristen das respektive Beihilfe dazu. Geflossen ist das Geld im Frühjahr 2000, nach der Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch den britischen Konkurrenten Vodafone. Angeklagt sind unter anderen die früheren Mannesmann-Aufsichtsräte Josef Ackermann (heute Chef der Deutschen Bank), Joachim Funk (damals Mannesmann-Aufsichtsratschef) und Klaus Zwickel, der der IG Metall vorstand. Außerdem Klaus Esser, der den Abwehrkampf gegen Vodafone zwar letztlich erfolglos geführt hatte, dabei aber den Aktienkurs des Besiegten in heute unvorstellbare Höhen beförderte. Die Einzelprämie für ihn, 16 Millionen Euro, hielt und hält sich beständig im Fokus des öffentlichen Interesses.

[...] Dass die Verteidiger zufrieden sind, lässt sich nachvollziehen. Aber die Staatsanwälte? Einer der ihren, Dirk Negenborn, sagt heute, es sei doch »theoretisch denkbar«, dass die Prämien eben nicht zum Schaden des Unternehmens bezahlt wurden, also keine reinen Geschenke waren, sondern »möglicherweise eine Anreizwirkung« entfaltet hätten. Kein Schaden, keine Untreue. Und außerdem habe der angeblich letztlich Geschädigte, Vodafone, doch zugestimmt. Und: »Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht.«

Nicht leicht gemacht? Kann man Aufklärung leichter verweigern als mit so faden Begründungen, die sich schon vor Jahren hätten vorbringen lassen? Womit der ganze Prozess überflüssig geworden wäre. Ein Irrtum, das Ganze? Tut mir leid, Jungs, war nur so ne Idee?

[...] Kein Zweifel: Die Mannesmann-Jahre haben ihr Gutes gehabt. Sie haben die öffentliche Diskussion über Unternehmensführung, maßlose Vergütungen und Selbstbedienungs-Mentalität angeregt. Auf den Führungsetagen weiß man jetzt, dass willkürliche Entscheidungen von Folgen bedroht sind.

Der so vollmundig angekündigte Mannesmann-Prozess aber, er trägt die Züge einer Farce.


Aus: "Eiertanz in Saal 111" Von Von Rainer Frenkel (DIE ZEIT, 30.11.2006 Nr. 49)
Quelle: http://www.zeit.de/2006/49/Mannesmann?page=1 (http://www.zeit.de/2006/49/Mannesmann?page=1)

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[...]  Die Kanzlei Dommels Schlosser & Partner erhebt in der Anzeige den Vorwurf der Rechtsbeugung und Strafvereitelung. "Die Beteiligten haben die Durchführung des rechtsstaatlich vorgegebenen Strafverfahrens pflichtwidrig unterlassen", sagte Rechtsanwalt Andreas Dimke, der Partner der Kanzlei ist.

Der Jurist kritisierte, dass es Spitzenverdienern offensichtlich gelinge, "Untreuehandlungen ohne abschließende rechtliche Prüfung in einem rechtsstaatlichen Verfahren gegen stattliche Geldzahlungen einstellen zu lassen". Dem Normalbürger dränge sich der Eindruck auf, dass Beschuldigte in Deutschland sich durch teure Verteidiger und Geldzahlungen einer Verurteilung im Strafverfahren entziehen könnten.

Der Prozess gegen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, den früheren Mannesmann-Lenker Klaus Esser sowie vier weitere Angeklagte war am Mittwoch gegen eine Geldauflage von insgesamt 5,8 Millionen Euro eingestellt worden. In dem Verfahren ging es um die Rechtmäßigkeit von Prämien und Abfindungen in Höhe von 57 Millionen Euro, die nach der Mannesmann-Übernahme durch die britische Vodafone Anfang 2000 an amtierende und frühere Konzernmanager geflossen waren.(APA/AFP)


Aus: "Mannesmann-Prozess soll juristisches Nachspiel haben - Hamburger Kanzlei zeigte Richter und Ankläger an" (02.12.2006)
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=2682540 (http://derstandard.at/?url=/?id=2682540)


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[...] München - Siemens Der Siemens-Chef bereitete sich so auf die Möglichkeit vor, dass sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der Schmiergeld-Affäre auch gegen ihn selbst richten könnten, heißt es in dem Bericht.

Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer werde von Sven Thomas beraten, der im Mannesmann-Verfahren den ehemaligen Konzernchef Klaus Esser vertrat. Ein Siemens-Sprecher bestätigte die Verbindungen zu den beiden Anwälten. Er wies aber darauf hin, dass sie schon seit längerer Zeit bestünden. Bisher waren offiziell nur Hausjuristen des Konzerns mit dem Fall befasst gewesen.


Aus: "SIEMENS-AFFÄRE: Ackermann-Anwalt soll Kleinfeld schützen" (SPON; 13. Dezember 2006)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,454320,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,454320,00.html)

Title: [..."ist der Bundesregierung die Beantwortung der Fragen verwehrt"]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 28, 2006, 12:24:45 PM
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[...] Der Gelsenberg-Affäre bezeichnet den heimlichen und überteuerten Kauf eines Aktienpakets der Gelsenkirchener Bergwerks-AG aus dem Besitz Friedrich Flicks durch die damalige Reichsregierung unter Heinrich Brüning im Jahr 1932.

[...] Zunächst war der schwedische Industrielle Ivar Kreuger interessiert, auch amerikanische Investoren waren im Gespräch. Nachdem diese Verhandlungen erfolglos blieben, bot Fritz Thyssen für die Anteile 120 Mio. Reichsmark, die er mit Hilfe von holländischen und französischen Geldgebern aufbringen wollte. Zu diesen zählte unter anderem die französische Großbank Credit Lyonnais, welche mit dem Berliner Bankhaus Mendelsohn zusammenarbeitete. Nachdem dieses Vorhaben durch Indiskretionen an die Öffentlichkeit gelangte, kam es in der deutschnationalen Presse zu Hetzkampagnen gegen das jüdische Bankhaus Mendelsohn und die französischen Investoren. Es wurden Parrallelen zur Ruhrbesetzung durch französische Truppen gezogen. Kurze Zeit später meldeten holländische Medien, der luxemburgische Stahlkonzern Arbed wolle Flick zusammen mit dem französischen Rüstungskonzern Schneider das fünffache des Börsenwerts (also rund 125 Mio. Reichsmark) für die Anteile an der Gelsenkirchener Bergwerks-AG zahlen. Später wurde bekannt, dass diese Meldung aus Flicks Umfeld lanciert wurde.

Die Situation spitzte sich im Januar 1932 noch zu, da die Vereinigten Stahlwerke kurz vor dem Konkurs standen. Nun nahm Flick über seinen Vertrauten Otto Steinbrinck, der als hochdekorierter Militär aus dem Ersten Weltkrieg über gute Kontakte zur Berliner Politik verfügte, im Geheimen Kontakt mit der Reichsregierung unter Brüning auf und verhandelte über einen Verkauf der Anteile an den deutschen Staat, mit der Drohung, ansonsten an die französischen Investoren verkaufen zu müssen. In Hinblick auf den zu befürchtenden öffentlichen Unmut und dem erstarken der nationalistischen und revanchistischen Kräfte stimmte die Reichregierung schließlich am 31. Mai 1932 einem Kauf der Anteile zu 90 Prozent des Nennwertes zu, was einem Preis von 99 Mio. Reichsmark für das Paket der Gelsenberg-Aktien entsprach. Der Börsenwert betrug zur gleichen Zeit gerade einmal 25 Mio. Reichsmark. Kritiker sprachen von einer indirekten Staatssubvention oder gar von Korruption (in Hinblick auf Flicks gute Kontakte in die Politik).

Mit dem Verkaufspreis war Flick in der Lage, sämtliche Verbindlichkeiten zu tilgen, später (während des Flick-Prozesses) rechtfertigte er den überhöhten Preis mit der tatsächlichen Möglichkeit des Verkaufs eines Schlüsselunternehmens an ausländische Investoren und mit der Gefahr einer Insolvenz seiner gesamten Unternehmensgruppe, was den Wegfall zehntausender Arbeitsplätze bedeutet hätte. Das Geschäft wurde über eine Tochter der damals staatlich dominierten Dresdner Bank, der Hardy & Co GmbH abgewickelt, was den Vorteil hatte, dass dieses Tochterunternehmen als GmbH keine Bilanzen veröffentlichen musste und so die Transaktion im Verborgenen bleiben konnte.

[...] Am 19. Juli des gleichen Jahres veröffentlichten die Frankfurter Zeitung und die Kölnische Zeitung Berichte über das umstrittene Geschäft. Die öffentliche Empörung über eine solche indirekte Subventionierung des deutschen Großindustrie in Person Friedrich Flicks in Zeiten wirtschaftlicher Not sorgte für große Empörung quer durch alle politischen Lager. Da allerdings die Regierung unter Brüning mittlerweile durch die Regierung Franz von Papen abgelöst worden war, verzögerte sich eine Aufklärung des Falls, und wurde nach der Machtübernahme der NSDAP am 30. Januar 1933 nicht weiter verfolgt, was den guten Kontakten Flicks zu der NS-Führung zuzurechnen war.


Aus: "Die Gelsenberg-Affäre" (11/2006)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gelsenberg-Aff%C3%A4re

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[...] Die Geschichte begann unspektakulär. Am 6. Oktober 1975 erstattete der Bonner Kaufmann Peter Müllenbach Anzeige, weil er sich von seinem Kompagnon um 110.000 Mark betrogen fühlte. Der Steuerfahnder Klaus Förster nahm die Spur auf und stieß auf einen Politkrimi ungeahnten Ausmaßes. In den Listen des ehemaligen Flick-Buchhalters Rudolf Diehl über Geldtransfers wurden diverse Vermerke nach diesem Muster "FKF wg FJS" entdeckt. Im Klartext: "Friedrich Karl Flick wegen Franz Josef Strauß" - die Eintragungen summierten sich auf 925.000 Mark. Nach eigener Aussage hatte Flick dem bayerischen Ministerpräsidenten mehrfach hohe Barbeträge übergeben.


Aus: "Hintergrund: Die "Flick-Affäre" sorgte für den ersten großen Spendenskandal" (tagesschau.de; 06.10.2006)
Quelle: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID33582_REF1_NAV_BAB,00.html

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[...] Jan 1975: Der Bonner Steuerfahnder Klaus Förster entdeckt, dass die CDU über eine
Scheinfirma in Liechtenstein Spenden sammelt und zahlreiche deutsche Firmen
diese Spenden illegal von der Steuer absetzen. Der Versuch der CDU, weitere
Ermittlungen im Keim zu ersticken, scheitert an der Beharrlichkeit Försters.

1975-1980: Steuerfahnder und Staatsanwälte leiten zahlreiche Verfahren gegen Firmen ein,
die auf der „Kundenliste“ der CDU-Scheinfirma standen. Obwohl die
Vorgänge in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden, belastet die
CDU, dass sie die einzige Partei ist, gegen die wegen illegaler Parteispenden
ermittelt wird. Es wird beschlossen, die Ermittler auch auf die illegale
Spendenpraxis anderer Parteien hinzuweisen. Ein CDU-Steuerberater leitet die
notariell beglaubigten Aussagen einer entlassenen FDP-Sekretärin an die
Staatsanwaltschaft weiter. Bei den Ermittlungen wird deutlich, dass der
frühere FDP-Schatzmeister in NRW und jetzige Bundeswirtschaftsminister
Otto Graf Lambsdorf ein System von „Geldwaschanlagen“ geschaffen hat.
Gemeinnützige (Schein-) Vereine stellen steuerabzugsfähige Quittungen aus
und leiten ihre Spenden über Auslandskonten in die FDP-Kassen. Bereits hier
fällt den Ermittlern der Flick-Konzern als großer Geber ins Auge.

[...] Dez. 1981 Der Skandal erreicht die Öffentlichkeit: Als erste berichtet die Neue Rhein-
Zeitung über den Verdacht, kurz darauf ausführlich Spiegel und Stern. Wenig
später wurde bekannt, dass die Staatsanwälte weitere Spendenwaschanlangen
entdeckt hatten, etwa die „Staatsbürgerliche Vereinigung von 1954 eV“.
Jan.1982 Die Parteien wollen mit einer Generalamnestie den Skandal beenden und ein
drohendes Ermittlungsverfahren gegen Wirtschaftsminister Graf Lambsdorff
und seinen Vorgänger Hans Friderichs verhindern. Der Spiegel macht das
Vorhaben bekannt. Es scheitert schließlich am Widerstand von SPDJustizminister
Jürgen Schmude und Kritikern in der SPD-Fraktion.

Feb. 1982: Staatsanwaltschaft eröffnet ein Ermittlungsverfahren gegen Flick-Manager
Eberhardt von Brauchitsch, Minister Graf Lambsdorff und Ex-Minister
Friderichs. Die Medien weiten ihre Berichterstattung aus. Die „gekaufte
Republik“ wird zum geflügelten Wort...


Aus: "Chronologie der Flick-Affäre" (phil.uni-passau.de; 29.04.2005)
Quelle: http://www.phil.uni-passau.de/politik/_ss05/wanninger/medien_skandale/Seminarunterlagen_29_4_05.pdf

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[...] Berlin - Flick und dessen Generalbevollmächtiger Eberhard von Brauchitsch kümmerten sich um die immer wieder zitierte
„Pflege der Bonner Landschaft“. Sie versahen Politiker von Union, SPD und FDP mit Geldzuwendungen, in der Hoffnung auf politische Gegenleistungen.

Die Affäre kostete zahlreiche Politiker und in die Wirtschaft gewechselte Ex-Politiker Ämter und Mandate. In Prozessen um illegale Spenden wurden hochrangige Personen des öffentlichen Lebens wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Auch ein Untersuchungsausschuss des Bundestages versuchte, Licht in das Dunkel der Affäre zu bringen. Einige Medien - vor allem auch der „Spiegel“ - förderten immer neue Details zu Tage.

Allein Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl ging unbestraft, wenngleich keinesfalls unbeschadet, aus der Affäre hervor. Er hatte sich vor Gericht und vor dem Ausschuss auf Lücken in seiner Erinnerung berufen. „Blackout“ wurde zum geflügelten Wort.


Aus: "Flick-Affäre: Der größte Wirtschaftsskandal der Bundesrepublik" (WELT.de; 06.10.2006)
Quelle: http://www.welt.de/data/2006/10/06/1062003.html

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[...] Nach Darstellung der Linksabgeordneten Barbara Höll soll das Land Nordrhein-Westfalen 75 Millionen an die Erben des Milliardärs Friedrich Karl Flick zurückzahlen, weil sich das Verfahren seit 1997 "hinzieht und die Steuerhinterziehung inzwischen verjährt ist". Obwohl die öffentlichen Kassen voraussichtlich dafür geradestehen müssten, erfahre die Öffentlichkeit "keinerlei Hintergründe über die Verantwortung für diesen Skandal". Das zeige die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag: Auf neun detaillierte Fragen, etwa worauf die Regierung die Länge des Verfahrens zurückführe und welche Defizite bei den Instrumenten der Behörden bestünden, habee das Finanzministerium lediglich mit dem folgenden Satz geantwortet: "Wegen der Verpflichtung, das Steuergeheimnis zu beachten, ist der Bundesregierung die Beantwortung der Fragen verwehrt."


Aus: "Keine Auskünfte: 75 Millionen für die Erben von Milliardär Flick" (27. Nov. 2006)
Quelle: http://www.ngo-online.de/ganze_nachricht.php?Nr=14823

Title: [Die Aufklärungsrate läge über dem internationalen Schnitt...]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 02, 2006, 12:26:30 PM
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[...] Nur fünf Prozent der in Deutschland getätigten Korruption fliegt auf, schätzen die Anti-Korruptionsexperten von Transparency International. Und diese Aufklärungsrate läge über dem internationalen Schnitt, so Blomberg.


Aus: "Korruption weltweit: Geschäftsabschluss dank Geheimdienst" (sz; 30.11.2006)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/159/93066/ (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/159/93066/)
Title: [In der Obdachlosenkneipe Jolly... (Siemens)]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 12, 2006, 01:38:43 PM
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Budapest vergangene Woche. Die Gerüchte über dubiose Machenschaften des Siemens Konzerns reichen bis hierher, ins Obdachlosenviertel der ungarischen Hauptstadt. Ein Mann von der Straße, ein gewisser Laszlo Kutrutz soll mehr wissen.
In diesem Haus in Budapest hat er Unterschlupf gefunden. Angeblich hat Siemens seine Identität für Scheinfirmen benutzt. Was ist an den Gerüchten dran?

Reporterfrage: „Sind Sie Laszlo Kutrutz?“

[...] Laszlo Kutrutz, Obdachloser: „Ich war in einer Gaststätte. Ich ruhte mich dort aus. Und dann kam ein fremder Mann herein und fragte mich, ob ich Geld verdienen will.“

Und hier wurde Kutruz angesprochen, vom ex-Siemens Berater András Schrödl, in der Obdachlosenkneipe Jolly. Ein Dach über dem Kopf und immer wieder auch kleine Geldgeschenke bietet der. Dafür leiht er sich die Identität zur Gründung von Scheinfirmen, am 16. Juli 2001 ist der erste Eintrag im Handelsregister verzeichnet. Und weil Schrödl noch mehr Firmen gründen will, soll Kutrutz Freunde von der Straße ranschaffen.
In das dreckige Geschäft hineingezogen wird so auch Laszlo Barath. Da über die Scheinfirmen von insgesamt sieben Obdachlosen zwar 60 Millionen Euro gedreht wurden, aber keiner von ihnen Steuern gezahlt hat, haben jetzt alle die Fahndung am Hals. Riesensummen gingen auf ihre Firmen ein, die sie in bar abheben und an den Siemens-Berater übergeben mussten, sagen sie. Laszlo Kutrutz hat deshalb einen Anwalt besorgt.
Der will ihnen helfen, die Sache der Polizei zu erklären, denn Kutrutz und Barath haben keine Ahnung, was sich wirklich abgespielt hat.



Aus: "Das Siemens-Schmiergeld-Geflecht" (daserste/report/archiv/2006)
Quelle: http://www.br-online.de/daserste/report/archiv/2006/00363/ (http://www.br-online.de/daserste/report/archiv/2006/00363/)

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[...] Den "Mann mit dem Schnauzbart" nennen ihn manche, als P. M. kennen ihn andere, seine Freunde nennen ihn Makis. Der 45-jährige Grieche, der im vornehmen Athener Villenviertel Ekali wohnt, ist eine Schlüsselfigur in der Affäre um die Siemens-Schmiergelder. Fast zwei Jahrzehnte lang war P. M. dem deutschen Konzern treu zu Diensten, erst in Deutschland. Später, bei Siemens Hellas in Athen, genoss er sogar zuletzt eine "besondere Vertrauensstellung", wie Siemens selbst unterstreicht. Im April, als die Affäre um mutmaßliche schwarze Kassen und Schmiergelder bereits brodelte, trennte man sich - einvernehmlich, wie es heißt. Aber jetzt ist es mit der Eintracht vorbei. Der Konzern fordert mit einer am 17. November vor dem Landgericht Athen eingereichten Klage von P. M. acht Millionen Euro zurück, die der Ex-Manager sich aus einer schwarzen Kasse unter den Nagel gerissen haben soll. Als P. M. von der Klage erfuhr, war er nach Aussage seines Anwalts überrascht. Eine Mahnung, die Siemens nach eigener Darstellung Ende Mai an ihn verschickte, will er nicht erhalten haben. "Mein Mandant hat nie bestritten, dass die Gelder Siemens gehören." Im Auftrag seines Mandanten habe er Siemens Ende November die Überweisung der acht Millionen angeboten. "Wir warten aber bisher vergeblich auf eine Antwort", sagt der Anwalt. P. M.s Motiv, die acht Millionen herauszurücken, liegt auf der Hand: Er will ein mögliches Strafverfahren wegen Unterschlagung abblocken. Aber auch Siemens hätte eigentlich allen Grund, sich schnell und diskret mit dem Ex-Manager zu einigen. Denn die von den Siemens-Anwälten in Athen eingereichte Klageschrift enthüllt das merkwürdige Finanzgebaren des Konzerns. Außerordentliche Zahlungen P. M. fing 1988 nach seinem Studium in München bei Siemens als Ingenieur an. 1992 wechselte er zu Siemens Nixdorf nach Athen, wo er zunächst Direktor für Verkauf und Marketing und später Generaldirektor war. Von 1998 bis zu seinem Ausscheiden im April 2006 leitete P. M. die Telefon- und Nachrichtentechniksparte von Siemens Hellas. In dieser Funktion war er auch für Siemens-Aufträge in Albanien, Mazedonien und Zypern zuständig. Zu seinen Aufgaben gehörte, so heißt es in der Klageschrift, "die Verwendung von Geldmitteln unseres Unternehmens im Rahmen dessen geschäftlicher Aktivitäten in Griechenland, dem Balkanraum und anderen Ländern". Die Gelder seien P. M. zur Verfügung gestellt worden, um sie "für außerordentliche, unmittelbare und laufende Zahlungen unserer Firma bei der Förderung ihrer Tätigkeit" in diesen Ländern zu verwenden, lautet die wolkige Formulierung in der Klageschrift. Dabei habe es sich um Geld "in Höhe vieler Millionen Euro" gehandelt, woraus sich ergebe, dass der Beklagte "das absolute Vertrauen der Hauptverwaltung der Gesellschaft und der Leitung der Tochtergesellschaft in Athen genossen" habe. Die für P. M. bestimmten Gelder wurden auf einem Konto bei der Dresdner Bank in der Schweiz gebunkert. Dabei soll es sich nach Ermittlungen der Berner Staatsanwaltschaft um mehr als 40 Millionen Euro gehandelt haben. Neben P. M. scheinen weitere Siemens-Manager Zugriff auf den Schweizer Geldtopf gehabt zu haben. P. M. wurde im Zusammenhang mit diesem Konto bereits zwei Mal, Ende März und Mitte Juni 2006, von Berner Staatsanwälten vernommen. Von diesem Schweizer Konto wurden am 24. September 2003 zwei Millionen Euro und am 28. Januar 2005 weitere sechs Millionen Euro auf ein persönliches Konto P. M.s bei der Société Générale in Athen überwiesen. Siemens behauptet heute, mehr als drei Jahre nach der ersten Überweisung, von der Existenz dieses Athener Kontos nichts gewusst zu haben. P. M. habe auch seit dem Sommer 2005 keine Auskunft mehr über die Verwendung der Gelder gegeben, auf deren Rückzahlung Siemens jetzt klagt. Warum Siemens Hellas dann P. M. bei seinem einvernehmlichen Ausscheiden im April 2006 noch einen Bonus zahlte, statt die Gelder zurückzufordern, bleibt ein Rätsel. Hat man womöglich gar nicht gemerkt, dass die acht Millionen fehlten?


Aus: "Zugriff auf großen Geldtopf in der Schweiz" Von GERD HÖHLER, ATHEN (Rubrik 'Brennpunkt' - SWP - 14.12.2006)
Quelle: http://www.hnp-online.de/index.php?mode=full&cat=16&open=&open_u=&minDate=&s_id=e99d8b5c9245e52eb8c6e8a0926aeec9&ident=&id=266206 (http://www.hnp-online.de/index.php?mode=full&cat=16&open=&open_u=&minDate=&s_id=e99d8b5c9245e52eb8c6e8a0926aeec9&ident=&id=266206)



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[...] Als die Liechtensteiner Staatsanwaltschaft Ende 2004 in der Causa Siemens ihre Ermittlungen aufnahm, gab es vier Beschuldigte; inzwischen sind es fast 20 Verdächtige bei Verfahren in drei Ländern.

Erst ging es um 20 Millionen Euro Schmiergeld und jetzt werden schon Summen zwischen 200 und 420 Millionen Euro genannt - Rekord in Deutschland.

Erst war es Untreue, dann schwere Untreue und in den Akten der Fahnder tauchte in den Dezembertagen erstmals der Begriff ,,Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr‘‘ auf.

[...] Die Fahnder erfuhren, dass erst einmal der Bedarf an ,,Provisionen‘‘ sorgsam notiert wurde - wie dies unter gewissenhaften Kaufleuten üblich ist. Der kaufmännische Leiter und der jeweilige Regionalchef bei Com und den Vorgängersparten hätten ein Papier unterschrieben, in dem das Land, das Projekt, das Auftragsvolumen und die zu zahlenden Beträge vermerkt gewesen seien. Je nach Auftragsvolumen seien das zwischen fünf bis 30 Prozent der Projektsumme gewesen. Für Außenstehende sei das System nicht zu durchschauen gewesen. Neben dem Stichwort Provisionen habe man auch andere Tarnbegriffe verwendet, und selbst die Ländernamen hätten teilweise der Täuschung gedient. Bestimmte Mittel, die man beispielsweise für Nigeria deklariert habe, seien stattdessen nach Italien geflossen.

Bargeld: In einem der vielen Siemens-Bürohäuser in München lagerten laut den Geständnissen in einem Panzerschrank im Keller manchmal bis zu eine Million Euro. Das Geld sei bei Bedarf an Siemens-Mitarbeiter im Ausland ausgereicht oder auf Konten in fernen Ländern transferiert worden. Daneben gab es in den neunziger Jahren Schwarzgeldkonten in Innsbruck und Salzburg, die mit Barem gespeist wurden.

Der Kompagnon von S. sagte aus, er habe bei der Filiale einer Großbank am Münchner Promenadeplatz regelmäßig Hunderttausende D-Mark abgehoben und um die Ecke in die Kardinal-Faulhaber-Straße getragen. Dort habe er die vielen Scheine bei einem anderen Finanzinstitut wieder abgeliefert. Mit den Einzahlungsbelegen sei er dann nach Innsbruck gefahren und habe die Beträge dort auf Geheimkonten der Raiffeisen-Landesbank Tirol gutschreiben lassen. Auch habe er große Summen im Koffer über die Grenze gebracht. Von Innsbruck aus erfolgten, ohne Hinweis auf Siemens, Überweisungen in alle Welt. Der Geldbote erzählte, er habe auch die Konten in Salzburg betreut - als Urlaubs- und Krankheitsvertretung für einen Kollegen.

System- und Ortswechsel: Lange Zeit ging das gut, doch Anfang des Jahrzehnts entstand ein neues System. Nun schleusten die Com-Leute die erforderlichen Mittel mit Hilfe von Scheinrechnungen und Tarnfirmen aus dem Konzern, per Überweisung. Einer der Gründe: Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA wurden die Vorschriften und Kontrollen zur Verhinderung von Geldwäsche drastisch verschärft. Die Trickser bei Siemens bekamen offenbar Furcht, ihre Transfers könnten amerikanischen Behörden auffallen, die Finanzströme nach schmutzigem Geld für die al-Qaida durchleuchteten. Der kleine Angestellte aus München war wohl erleichtert, nicht mehr, wie er sagte, mit Koffern voller Geld durch die Straßen ziehen zu müssen. Die Konten in Österreich wurden geschlossen; die Millionen flossen fortan über Firmen und Konten in der Karibik, Liechtenstein, der Schweiz, Dubai oder Monaco.


Aus: "Korruptionsskandal bei Siemens: Bargeld im Panzerschrank" Von Hans Leyendecker und Klaus Ott (SZ vom 13.01.07)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/972/97875/1/ (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/972/97875/1/)

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[...] Rudolf Vogel war bis zum Jahr 2000 verantwortlich für den Verkauf von Kraftwerken nach Osteuropa. Und damit das Geschäft richtig flutschte, war Vogel mit einem Koffer unterwegs. Darin befand sich immer reichlich Bargeld. Hunderttausende, ja Millionen. Bestimmt vor allem für Beamte in fernen Ländern.

Mit einem Wort: Die Zahlung von Bestechungsgeldern an ausländische Politiker war beim Siemenskonzern gang und gäbe. Sie war nicht Ausnahme, sondern Regel.

[...] Auch US-Firmen würden nach dem gleichen Muster arbeiten, sagte Rudolf Vogel. Sie hätten aber nicht nur Bargeld im Angebot: "Sie bieten ihren Geschäftspartnern Green Cards oder Uni-Stipendien für die Kinder an", sagte Rudolf Vogel. Das käme besonders in der Karibik und in Südamerika gut an.


Aus: "Ein Koffer voller Bargeld: Siemens-Manager erzählt im Fernsehen, wie und wo Schmiergeld bezahlt wurde" Von Frank Thonicke (29.03.2007)
Quelle: http://hna.de/wirtschaftstart/00_20070329182742_Ein_Koffer_voller_Bargeld.html (http://hna.de/wirtschaftstart/00_20070329182742_Ein_Koffer_voller_Bargeld.html)

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[...] Am Dienstag war Zentralvorstand Johannes Feldmayer als bisher ranghöchster Siemens-Funktionär verhaftet worden. Gegen Feldmayer ermittelt die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth wegen dubioser Millionenzahlungen an den Gründer der Arbeitnehmer-Organisation AUB. Bei den jüngsten Verhaftungen der Staatsanwaltschaft München wiederum geht es um die bis zu 420 Millionen Euro, die bei Com in schwarze Kassen geflossen sein sollen. Das Geld soll für Schmiergeldzahlungen im Ausland verwendet worden sein.

Einer der beiden jetzt Verhafteten war noch bei Siemens beschäftigt und wurde suspendiert. Der andere hatte den Konzern bereits im Herbst verlassen. "Siemens kooperiert mit der Staatsanwaltschaft und hat ihr alle benötigten Unterlagen zur Verfügung gestellt", hieß es. Auch Oberstaatsanwalt Schmidt-Sommerfeld bestätigte: "Die Zusammenarbeit mit der Firma Siemens verläuft reibungslos."


Aus: "Siemens-Affäre eskaliert weiter: Verhaftungen und Durchsuchungen" (30.3.2007)
Quelle: http://www.channelpartner.de/unternehmenundmaerkte/590711/ (http://www.channelpartner.de/unternehmenundmaerkte/590711/)

Title: [Die Bereitschaft zur Käuflichkeit...]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 27, 2006, 05:05:35 PM
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[...] FRANKFURT. Die Bereitschaft zur Käuflichkeit ist in der deutschen Wirtschaft nach Ansicht des Frankfurter Oberstaatsanwalts Wolfgang Schaupensteiner deutlich gestiegen. "Hersteller sind bereit, auch mal einen Scheck auszustellen. Es lässt sich statistisch belegen, dass wir bei den Ermittlungsbehörden eine steigende Zahl von Fällen haben."


Aus: "DEUTSCHLAND: Staatsanwalt fordert Verhaltenskodex gegen Korruption bei Unternehmen - Bereitschaft zur Käuflichkeit deutlich gestiegen" (Mittwoch, 27. Dezember 2006)
Quelle: http://www.nachrichten.at/wirtschaft/504340?PHPSESSID=2b71b580c7c41b383894f7e781baea07 (http://www.nachrichten.at/wirtschaft/504340?PHPSESSID=2b71b580c7c41b383894f7e781baea07)
Title: [Einen Tag nach dem Tod Pinochets...]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 27, 2006, 05:09:03 PM
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[...] Die Sondereinheit für die Verfolgung von Geldwäsche habe den Bericht am 11. Dezember, einen Tag nach dem Tod Pinochets, dem Richter Juan González zugesandt. Er ermittelte gegen Pinochet im so genannten Fall Riggs, bei dem es um Millionenkonten Pinochets auf ausländischen Bankkonten ging. Insgesamt soll es sich um umgerechnet etwa 20 Millionen Euro handeln, die auf Konten lagen, die Pinochet mit Hilfe falscher Pässe unter anderem Namen führte. Die Justiz ging von Steuerhinterziehung und Passfälschung aus.


Aus: "Pinochet zweigte 20 Millionen Euro ab" (26. Dezember 2006)
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=2708018 (http://derstandard.at/?url=/?id=2708018)



Title: [Vertrauensspesen und Bordellbesuche... (Peter Hartz)]
Post by: Textaris(txt*bot) on January 09, 2007, 01:59:02 AM
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[...] Hartz habe auf Volkerts Wunsch von 2000 bis 2004 auch dessen damaliger Geliebter knapp 400.000 Euro gezahlt. Ein angeblich mündlich geschlossener Agenturvertrag sei vorgespiegelt gewesen. Dadurch sollten die nur aus der persönlichen Bindung zu Volkert erklärbaren Geldflüsse "mit dem Schein der Legalität" geschmückt werden.


Aus: "Anklage gegen Peter Hartz - Verdacht der Untreue in 44 Fällen" (15.11.2006)
Quelle: http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/11/0,3672,4071051,00.html (http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/11/0,3672,4071051,00.html)

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[...] Hamburg - Der frühere VW-Personalvorstand Peter Hartz hat mit der Staatsanwaltschaft Braunschweig einen Deal ausgehandelt, der ihn davor bewahren soll, dass in seinem Gerichtsprozess Prostituierte als Zeugen auftreten, berichtet die ZEIT.

Vom 17. Januar an muss sich Hartz als Angeklagter vor dem Landgericht Braunschweig wegen des Verdachts auf Untreue und Begünstigung eines Mitglieds des Betriebsrates verantworten. Weder Zeugen noch Sachverständige sind dazu geladen. "Wir lassen keine Prostituierten aufmarschieren", sagt die Braunschweiger Oberstaatsanwältin Hildegard Wolff, "und im Gegenzug führt Hartz sein Geständnis über die Sonderbonuszahlungen genau aus."

[...] Der frühere Chef des VW-Betriebsrates, Klaus Volkert, soll auf Anweisung von Hartz fast zwei Millionen Euro Sonderboni erhalten haben, angeblich ohne sachlichen Grund. Für Bordellbesuche sind nach Erkenntnissen der Ermittler nur wenige tausend Euro aus der Firmenkasse gezahlt worden. "Ein paar tausend Euro tausche ich gegen zwei Millionen", so die Oberstaatsanwältin.

Die Ankläger sind sich sicher, dass Hartz sich in seinem Prozess an die Abmachung halten werde, weil er so große Angst vor dem Thema Bordellbesuche habe. Schon während seiner Vernehmung im vergangenen Oktober brachte er kein Wort über Huren heraus, weil ihm das alles so peinlich war. Sollte Hartz sich im Prozess nicht an die Vereinbarung mit den Staatsanwälten halten, "wird es wohl auf eine richtige Hauptverhandlung hinauslaufen, mit richtig vielen Zeugen", so Oberstaatsanwältin Wolff.


Aus: "Hartz-Prozess: Nutten bleiben draußen!" (Mittwoch, der 10. Januar 2007)
Quelle: http://www.net-tribune.de/article/100107-03.php (http://www.net-tribune.de/article/100107-03.php)

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[...] Braunschweig (dpa) - Der frühere VW-Personalvorstand Peter Hartz muss wegen der Affäre um Schmiergelder und Lustreisen womöglich nicht ins Gefängnis. Strafmildernd wirkt sich aus, dass Hartz ein Geständnis abgelegt hat.

[...] Da Hartz umfassend gestanden habe, seien Zeugen nicht notwendig, hieß es.

Laut Nachrichtenmagazin "Focus" hat Volkert die Begünstigungen selbst gefordert. Nach dem Protokoll der Wirtschaftsprüfer von KPMG, die für VW die Affäre durchleuchteten, soll Hartz erklärt haben: "Herr Volkert kam in den Genuss von Vertrauensspesen, nachdem er wiederholt darum gebeten hatte. Die Begründung war, dass er auf Augenhöhe des Vorstandes zu agieren habe." Über die so genannten Vertrauensspesen seien Jahre lang Volkerts Lustreisen und Bordellbesuche heimlich abgerechnet worden. Volkert hatte den Vorwurf zurückgewiesen, er habe die Sonderleistungen von VW gefordert.

Wie dem "Focus" zufolge aus der internen Hartz-Befragung durch die KPMG-Prüfer zu erfahren ist, setzte Volkert auch durch, "dass er seine Spesen nicht mehr gegenzeichnen lassen musste". Laut Hartz stimmte auch der damalige Vorstandsvorsitzende und heutige Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch den Vertrauensspesen zu: "Es bestand Einigkeit zwischen Herrn Piëch und mir, dass Herr Volkert behandelt wird wie ein Top-Manager." Piëch hatte in seiner Zeugenvernehmung bei der Staatsanwaltschaft erklärt, er habe von dem Spesenmissbrauch nichts gewusst.


Aus: "Bewährungsstrafe für Hartz im Prozess um Korruption möglich" (13.01.2007)
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/?sid=d6e0e50e982a9e323ae103f143fd31a7&em_cnt=1050001 (http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/?sid=d6e0e50e982a9e323ae103f143fd31a7&em_cnt=1050001)

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[...] Was wir nicht haben, ist ein Roman über Wolfsburg. Dabei ist Wolfsburg ein ganzer Romanzyklus, ein politischer Krimi, eine Familiensaga, ein Heimat- und ein Wirtschaftsroman, also phantastische Literatur.

[...] Wo also ist der Karl Marx, der Honoré de Balzac, der Zola oder Tom Wolfe von Wolfsburg? Heute könnte er mit dem Band „Im Paradies der Nutten“ beginnen, oder mit einem mehr juristischen Arbeitstitel: „Glanz und Elend des Geschlechtsverkehrs auf Firmenkosten“.

[...] Etwa die Szene, in der Peter Hartz zusammen mit einem Faktotum in Lissabon Bordelle durchkämmt, um eine brasilianische Prostituierte wiederzufinden, die es ihm andernorts angetan hatte. Oder wie er sie zu sich nach Paris fliegen läßt. Oder eine Kollegin nach Braunschweig bestellt, der er sich, ihrer Aussage nach, als „wirkliche Persönlichkeit“ vorstellt. Andere dienstbare Mädchen gab es in Shanghai, Seoul und Bratislava, von denen ganz zu schweigen, die zu anderen Managern von VW lieb waren. Der Werksarzt soll die Verantwortungsträger mit Viagra versorgt haben. Und die Betriebsräte konnten ihr Triebleben unter „Vertrauensspesen“ abrechnen, was in der innerbetrieblichen Landschaftspflege zu Eigenbelegen in Höhe von fast einer Million Euro innerhalb von fünf Jahren führte.

Es sage also noch einer, die Wirtschaft habe etwas mit protestantischer Ethik zu tun. Hatte sie niemals. Oder sei langweilig. War sie noch nie. (Und wäre sie auch dann nicht zu nennen, wenn man berücksichtigt, daß die tolldrastischen Geschichten auch todtraurige Geschichten sind, zum Beispiel für die Frauen dieser korrupten Lustgreise). Oder in der verwalteten Welt des Spätkapitalismus gehe es unpersönlich zu. Unfug, wirkliche Persönlichkeiten können unter allen gesellschaftlichen Umständen ihre ganze Subjektivität ins Organisationsleben einbringen und haben dann auch viele Freunde.

Nein, es ist vielmehr so, dass wir einfach nur zu wenig von dieser phantastischen Welt zu hören bekommen. Weil ihre Opfer beschämt schweigen, weil ihre Insassen unverschämt so tun, als gebe es sie nicht, und weil die Dichter offenbar anderweitig beschäftigt sind oder Ausländer, die nicht wissen, dass Wolfsburg die Hauptstadt der Wolfsburger Republik und des nicht enden wollenden zwanzigsten Jahrhunderts ist.



Aus: "Hartz-Prozess: Kraft durch Freudenmädchen" Von Jürgen Kaube (Text: F.A.Z., 17.01.2007, Nr. 14 / Seite 31)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E4453EACD4DD346139569C3C0E9F9B73E~ATpl~Ecommon~Scontent.html (http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E4453EACD4DD346139569C3C0E9F9B73E~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

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[...] als es um die Sache geht, ergreift Anwalt Müller das Wort. Er betont wiederholt, dass es seinem Mandanten nicht um Rechtfertigung gehe. Er wolle aber zumindest eine Erklärung dafür liefern, wie es zu den Schmiergeldvergehen kommen konnte. Die entscheidende Ursache sieht Müller im System VW, in dem die Mitbestimmung der Belegschaft stets weit über das gesetzlich geforderte Maß hinausging. Entsprechend selbstbewusst seien die Betriebsratsmitglieder aufgetreten.

Hinzugekommen sei das spezielle Verhältnis von Hartz zum Betriebsratschef Klaus Volkert. Er war es, der durch seine Empfehlung dafür sorgte, dass der damalige Konzernchef Ferdinand Piëch überhaupt auf Hartz aufmerksam wurde. Volkert habe schon bald auf eine bessere Bezahlung gedrängt, weil er die hohen Salärs der Jungmanager um den damaligen Einkaufschef Ignazio Lopez als ungerecht empfunden habe, erklärte Müller. Volkert als der Urheber der VW-Affäre?

Hartz habe dem Druck nachgegeben, nachdem er sich mit Piëch und Finanzchef Neumann besprochen habe, erklärt Müller weiter. Es habe Einigkeit darüber bestanden, dass Volkert so behandelt werden solle, wie ein Top-Manager, genauer Ausführungen habe es nicht bedurft.


Aus: "PETER HARTZ VOR GERICHT: Ein Alpha-Tier zeigt Schwäche" Aus Braunschweig berichtet Michael Kröger  (SPON; 17. Januar 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,460457,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,460457,00.html)

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[...] Als Peter Hartz eine Viertelstunde vor Prozessbeginn in einem schwarzen VW Phaeton vor das Braunschweiger Landgericht vorfährt, schlägt ihm blanker Hass entgegen. Der Weg ins Gerichtsgebäude gleicht einem Spießrutenlauf. Mit angespanntem Gesicht muss sich der frühere VW-Arbeitsdirektor und Arbeitsmarktreformer am Mittwoch von Demonstranten als „Arbeiterverräter“ und „Lump“ beschimpfen lassen. Journalistenfragen beantwortet er nicht. Hartz muss sich nach gut eineinhalb Jahren Ermittlungen als erster in der VW-Affäre um Schmiergelder, Lustreisen und Sexpartys auf Firmenkosten vor dem Braunschweiger Landgericht verantworten. Die Anklage wirft dem 65-jährigen Hartz Untreue in 44 Fällen und unrechtmäßige Begünstigung von Betriebsräten vor.

„Wenn er ungeschoren davon kommt, dann verstehe ich die Welt nicht mehr“, sagt Peter Wilhein.

[...] Kurz nach 6.00 Uhr hätten die ersten Zuschauer vor dem Gericht angestanden, erzählt ein Justizangestellter. Und schon wenige Minuten nachdem das Gericht um 8.00 Uhr, zwei Stunden vor Prozessbeginn, seine Türen geöffnet hatte, waren die Platzkarten vergeben. Etwa 15 Prozessinteressierte zogen enttäuscht ab. Noch größer ist das Interesse der Medien. 64 Plätze werden im Saal offiziell von Journalisten eingenommen, auf den Zuschauerbänken und auf den Fluren sind weitere anzutreffen. „Hier im Landgericht gab es noch nie einen Prozess, bei dem das Medieninteresse so groß war“, sagt Gerichtssprecher Ingo Groß.

Vor dem Gebäude hatten sich zahlreiche Demonstranten eingefunden. Der Skandal um Schmiergelder, Lustreisen und Sexpartys auf Firmenkosten war für sie allerdings zweitrangig. „Hartz steht für viel Schlimmeres, für Arbeitszwang und Sozialabbau“, sagte die Berlinerin Sylvia Schopp von den „Überflüssigen“, einem bundesweiten Zusammenschluss von Hartz-IV-Empfänger. Mit etwa 20 Gleichgesinnten, alle in roten Sweat-Shirts und weißen Gesichtsmasken, war sie angereist, um die Gelegenheit zu nutzen gegen Hartz zu protestieren. „Gegen Arbeitszwang und Lohndumping - weg mit den Ein-Euro-Jobs“ ist auf ihrem Transparent zu lesen, „Menschenschinder“ auf einem anderem.

Während die Demonstranten im Nieselregen stehen, hört sich Peter Wilhein die Anklage an. Oberstaatsanwältin Hildegard Wolff wirft dem 65-Jährigen 44 Straftaten vor.


Aus: "Spießrutenlauf für Hartz vor Prozessbeginn - „Arbeiterverräter“" Von Anita Pöhlig (dpa, Mittwoch, 17.01.2007)
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/2044/artid/6303640 (http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/2044/artid/6303640)

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[...] Im Verlag von Hoffmann und Campe erscheint dieser Tage ein derartiges „Druckerzeugnis“ mit dem Titel „Macht und Ohnmacht“, das man besser nicht gemacht hätte, auch wenn Papier geduldig ist.
„Peter Hartz spricht über sein Leben“ heißt es in der Produktbeschreibung bei AMAZON, „Erstmals erzählt er von seiner Kindheit, seinem Aufstieg, seinen Jahren in Wolfsburg und seinem großen Abenteuer in der Politik, Es ist seine Sicht der Dinge - schonungslos, offen und selbstkritisch.“

Wer nun ein Geständnis oder gar Reue von Peter Hartz erwartet, der hat noch nicht begriffen, dass Peter Hartz dazu genauso wenig in der Lage ist wie Christian Klar, Adolf Hitler oder George Bush, um nur einige Überzeugungstäter zu nennen.
Sie sind davon überzeugt, dass die Dinge die sie tun (müssen) richtig sind.
So sagt auch Peter Hartz nicht etwa: „Ich habe gefehlt und große Schuld auf mich geladen“ sondern „Ich bin nicht gescheitert, aber ich habe Niederlagen erlebt“.

Woraus man schließen kann, dass er nichts dazu gelernt hat, denn er würde es offensichtlich wieder so machen und nach Möglichkeit nur die Niederlagen vermeiden.

Kein Wort darüber, dass unter seinem Namen und seinen Vorgaben Millionen Menschen in die wirtschaftlich und politisch gewollte Arbeitslosigkeit und Armut abgedrängt wurden.
Kein Wort der Kritik an seinen Auftraggebern, seinen Weggenossen und Helfershelfern.
Kein Wort der Reue.

[...] In [...] [diesem] Land können Leute wie Peter Hartz über ihre Visionen und Ziele, über Macht und Rache philosophieren und jede Menge gute Worte über den eigenen hehren Vorsätze im unermüdlichen Kampf um arbeitsmarktpolitische Veränderungen unserer Gesellschaft absondern, ohne mit wirklichen Konsequenzen rechnen zu müssen.
Peter Hartz hat nichts falsch gemacht, er hat sich nicht mit der Politik eines Gerhard Schröder korrumpiert, er hat im „System Volkswagen“ nicht geschmiert, protegiert und Menschen manipuliert. Er hat nicht gelogen und betrogen, der Hurerei und Völlerei Vorschub geleistet.
Nein, denn Peter Hartz, der Vordenker, der Initiator, der Macher ist nicht an sich selbst gescheitert, sondern am Neid und der Missgunst der anderen. Peter Hartz kann und will nicht verstehen, dass er Teil eines Systems ist, das nur durch die Beschaffung und Gewährung persönlicher Vorteile funktioniert, aber volkswirtschaftlich und gesellschaftlich verheerende Folgen hat.
Peter Hartz hat noch nicht mal ansatzweise begriffen was er falsch gemacht hat, sondern begnügt sich damit seine Wunden zu lecken und denen, die es wissen wollen, zu erzählen wie sehr man doch ihn und seine Mission verkannt hat.

Man muss sich diese „Macht und Ohnmacht“ eines lernresistenten, egomanen Machtmenschen und sein rektales „Druckerzeugnis“ wirklich nicht antun, aber man darf es auch nicht einfach ignorieren, denn Peter Hartz steht mit dieser Einstellung nicht allein.

Machopan

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erphschwester  meint:

“herr hartz kann und will nicht verstehen, daß er teil eines systems ist …” — na, ich finde, und wenn er nichts verstanden hat, d a s hat er verstanden, aber sehr, sehr genau.
Geschrieben am 4. April 2007 um 08:57:52


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synchrono  meint:

Vielleicht hat er das System verstanden - und es für sich und andere genutzt. Aber er hat nicht verstanden, es und seine Rolle darin zu bewerten.
Aber vielleicht will er auch nur Geld verdienen. Und mit Selbstkasteiung und Fehlergeständnissen funktioniert es in diesem System nun mal nicht…
Geschrieben am 4. April 2007 um 12:35:18


Aus: "Macht und Ohnmacht" (4. April 2007)
Quelle: http://machopan.com/rauchzeichen/?p=650 (http://machopan.com/rauchzeichen/?p=650)

Title: [Was im Dax steckt...]
Post by: Textaris(txt*bot) on January 14, 2007, 04:56:15 PM
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[...]  Nach Kalkulation der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zahlen bis zum Juni allein die Unternehmen des Dax 26,7 Mrd. Euro an die Aktionäre aus - ein Viertel mehr als vergangenes Jahr. Dieser ergiebigste Geldregen der deutschen Börsengeschichte entspricht der gesamten Wirtschaftsleistung des EU-Staats Luxemburg.

Doch nicht genug der Rekorde. Allein acht Werte des deutschen Börsenoberhauses schütten mehr als eine Mrd. Euro an ihre Anteilseigner aus, darunter die Deutsche Telekom mit 3,5 Mrd. Euro, die Deutsche Bank mit 1,9 Mrd. Euro oder die BASF mit 1,1 Mrd. Euro. Rechnet man die Sonderausschüttung von Altana hinzu, sind es sogar neun Werte, die eine neunstellige Summe unter die Daxianer bringen. Ganze 25 der 30 Top-Konzerne dürften die Dividende steigern, bei vieren bleibt sie voraussichtlich unverändert, bei einer Gesellschaft, TUI, steht ein Totalausfall ins Haus. Eine Ausschüttung von null kennen Anleger bisher nur von Infineon.

"Die Dividendensaison zeigt, was im Dax steckt", bringt es Frank Schallenberger, Stratege bei der LBBW in Stuttgart, auf den Punkt.


Aus: "Aktien: Dividenden auf Rekordhöhe" (13.01.2007)
Quelle: http://www.welt.de/data/2007/01/13/1175219.html (http://www.welt.de/data/2007/01/13/1175219.html)

Title: [Der vom Bundesinnenministerium veröffentlichte Sponsoringbericht...]
Post by: Textaris(txt*bot) on January 17, 2007, 10:15:43 AM
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[...] Hamburg - In der Frage gebe es eine "wesentliche Differenz" mit der Regierung, beklagt der Rechnunghof in einem vertraulichen Prüfbericht, der dem "Stern" vorliegt. Darin heißt es, der vom Bundesinnenministerium veröffentlichte Sponsoringbericht sei wegen der fehlenden Namen "in seiner Aussagekraft eingeschränkt".

Nach einem weiteren Rechnungshofbericht hatten die Prüfer bereits 2002 eine Veröffentlichung der Namen gefordert, waren aber am Widerstand der Bundesregierung gescheitert. In einer für Freitag angesetzten Debatte im Rechnungsprüfungsausschuss des Bundestages will die Grünen-Abgeordnete Anja Hajduk den Rechnungshof nun unterstützen: "Zur Transparenz gehört die Nennung der Sponsoren", sagte sie dem "Stern".

Den internen Listen zufolge gehört der Rüstungskonzern EADS zu den größten Sponsoren des Verteidigungsministeriums und der Bundeswehr. Seit 2003 bezuschussten EADS und die Tochterfirmen des Konzerns insgesamt 20 Empfänge, Bälle und Essen für Ministerium, Bundeswehr und ihre Gäste. Insgesamt subventionierten EADS und die Tochterunternehmen das Wehrressort seit 2003 mit Geld und Sachleistungen im Wert von rund 87.000 Euro.

Andere Bundesbehörden ließen sich von Firmen wie Siemens, BMW, DaimlerChrysler, VW, E.on, Deutsche Telekom, sowie Vattenfall, Shell, GlaxoSmithKline und General Electric sponsern. Die Gesamtsumme der von der Bundesregierung von August 2003 bis Ende 2004 eingeworbenen Leistungen betrug mehr als 55 Millionen Euro.

Der Bundesrechnungshof empfahl bereits im März 2002 in einem internen Bericht an den Bundestag, auf das Sponsoring "möglichst grundsätzlich zu verzichten". Bereits der "Anschein finanzieller Abhängigkeit" könnte "das Vertrauen der Bürger in die Verwaltung" deutlich "erschüttern", mahnten die Prüfer. Sponsoring könne sogar "in den Bereich der Bestechung und Bestechlichkeit" führen.


Aus: "FESTE FEIERN: Rechnungshof beklagt Millionen-Sponsoring für die Regierung" wal  (17. Januar 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,460231,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,460231,00.html)

Title: [Auffälligkeiten bei Bayer... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on January 18, 2007, 01:43:59 PM
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[...] Die Staatsanwaltschaft Köln hat im Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen bei der Bayer AG am Dienstag 16 Objekte in vier Städten durchsuchen lassen. Die Razzia erfolgte unter Einsatz von insgesamt rund 100 Polizeibeamten in den Bayerwerken Leverkusen, Dormagen, Uerdingen und Brunsbüttel. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Günther Feld, dem „Leverkusener Anzeiger“ gestern bestätigte, hatten die Beamten Firmenräume eines großen Gerüstbauunternehmens mit Hauptsitz in München durchsucht, das für Bayer tätig ist. Bettina Gaebel, Sprecherin der Bilfinger Berger Industrial Services AG, früher Reinhold und Mahla, bestätigte auf Anfrage, dass ihr Unternehmen betroffen sei. Die Firma hat seit Jahren den Rahmenvertrag über Gerüstbauarbeiten an den deutschen Bayer-Standorten. Ein Mitarbeiter in Brunsbüttel sei verhaftet worden, so der Staatsanwalt.

Die Ermittlungen richten sich gegen drei Bayer-Beschäftigte und sechs Mitarbeiter von Bilfinger Berger. Sie stehen im Verdacht der Untreue sowie der Bestechlichkeit und Bestechung im Geschäftsverkehr. Die Mitarbeiter sollen im Zusammenhang mit Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten über Jahre hinweg überhöhte Rechnungen gestellt haben, die von den drei Bayer-Beschäftigten dann jeweils abgezeichnet worden sein sollen. Nach ersten groben internen Schätzungen soll der Schaden seit 2002 monatlich rund 80 000 Euro betragen haben, insgesamt annähernd fünf Millionen Euro.

Die Anklagebehörde war von Bayer über den schwer wiegenden Manipulations-Verdacht informiert worden. Zuvor hatte die Innenrevision des Chemie-Konzerns die Abrechnungen geprüft und Auffälligkeiten festgestellt.


Aus: "Razzia bei Bayer wegen Korruption" VON ANDREAS DAMM,THOMAS KÄDING UND RAINER SCHMIDT (18.01.07)
Quelle: http://www.ksta.de/html/artikel/1162473280318.shtml (http://www.ksta.de/html/artikel/1162473280318.shtml)

Title: [Schmiergeldzahlungen an den irakischen Ex-Diktator Saddam Hussein... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on January 31, 2007, 11:30:04 AM
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[...] Die Unternehmen sollen im Rahmen des "Öl für Lebensmittel"-Programms der Vereinten Nationen überhöhte Rechnungen gestellt haben, bestätigte eine Sprecherin der Anklagebehörde einen SWR-Bericht. Die Gelder sollen dann zum Teil illegal an irakische Regierungsstellen zurück geflossen sein. Bei vier weiteren Firmen, die auch verdächtigt wurden, gegen das Außenwirtschaftsgesetz verstoßen zu haben, seien die Anfangsermittlungen eingestellt worden. Dem SWR-Bericht zufolge sollen die nun im Verdacht stehenden drei Firmen Medizin- und Backtechnikgeräte herstellen.

Im Zusammenhang mit Schmiergeldzahlungen an den irakischen Ex-Diktator Saddam Hussein hatte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen einen früheren DaimlerChrysler-Mitarbeiter eingeleitet. Dieser soll beim Verkauf eines gepanzerten Lastwagens an den Irak ein Schmiergeld von knapp 7.000 Euro (damals 13.589 DM) gezahlt haben.

In einem Ende Oktober 2005 veröffentlichten UN-Bericht über Korruption und Bestechung im Rahmen des Hilfsprogramms waren insgesamt mehr als 2.200 Unternehmen genannt worden, die Schmiergelder an irakische Stellen gezahlt hatten, um Aufträge zu erhalten.


Aus: "Stuttgart: Ermittlungen wegen illegaler Geschäfte mit Irak" (30.01.2007)
Quelle: http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=1930502/gydpzx/ (http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=1930502/gydpzx/)

Title: [Verschlüsselte Botschaften... (Preisabsprachen)]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 03, 2007, 11:13:22 AM
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[...] "Geschäftsleute des gleichen Gewerbes kommen selten, selbst zu Festen und zur Zerstreuung zusammen, ohne dass das Gespräch in einer Verschwörung gegen die Öffentlichkeit endet oder irgendein Plan ausgeheckt wird, wie man die Preise erhöhen kann", beobachtete immerhin schon vor mehr als 200 Jahren der klassische Ökonom Adam Smith. Allerdings meinte er, für Konsumenten und Produzenten sei es am besten, wenn Angebot und Nachfrage die Preise bestimmen würden. Wenn sie dann für irgendein Gut zufällig zu hoch wären, würden mehr Anbieter auftreten und das Angebot erhöhen, was die Preise so weit senken würde, bis "im Gleichgewicht" Konsumenten und Produzenten letztlich wieder ihren fairen Anteil (Konsumenten- bzw. Produzenten-"Rente" genannt) am Wohlstand erhielten.

Allerdings bevorzugen es die Unternehmen, sich durch die Manipulation der Preise einen höheren Anteil am Kuchen zu sichern. So berichtete Reuters am 24. Januar 2006: "Die EU-Kommission verhängte wegen im Energieanlagenbau Bußgelder über insgesamt 751 Millionen Euro: Die Kartellmitglieder (ABB, Alstom, Areva, Fuji, Hitachi Japan AE Power Systems, Mitsubishi Electric Corporation, Schneider, Siemens, Toshiba und VA Tech) trafen sich regelmäßig. Dabei wurden auf Führungsebene strategische Fragen erörtert, während auf niedrigerer Ebene Projekte aufgeteilt und für die Unternehmen, die bei den entsprechenden Aufträgen leer ausgehen sollten, Scheinangebote vorbereitet wurden, um den Eindruck echten Wettbewerbs zu erwecken." Während sich die Europäer ihren Heimatmarkt aufteilten, hätten die Asiaten als Teil des Kartells stillgehalten. "Die Kartellmitglieder verwendeten ausgeklügelte Mittel, um ihre Fühlungnahmen zu verbergen. So wurden sowohl für die Unternehmen als auch für einzelne Personen Codenamen verwendet. In den letzten Jahren des Kartells kommunizierten die Mitglieder über anonyme E-Mail-Adressen mittels verschlüsselter Botschaften", hieß es.


Aus: "Warum Preisabsprachen?" Von Rainer Sommer (TP; 02.02.2007)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24544/1.html (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24544/1.html)

Title: [Plunge Protection... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 03, 2007, 12:12:29 PM
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[...] NEW YORK. Seit 36 Jahren beobachtet Jeff Saut nun schon die Finanzmärkte, aber das hat er noch nicht gesehen: „Seit mehr als dreieinhalb Jahren gab es am amerikanischen Aktienmarkt keine Korrektur mehr, die über zwei Prozent an einem Handelstag hinausging“, sagt der Stratege des Investmenthauses Raymond James in St. Petersburg (Florida). Eine derart lange Börsenparty habe es erst viermal seit 1900 gegeben. „Hier gehen merkwürdige Dinge vor sich. Einige Käufer scheinen vom Mars zu kommen.“

Oder aus Washington. An der Wall Street mehren sich nämlich die Gerüchte, dass die Regierung in der US-Hauptstadt die Börsenparty heimlich in Gang hält und immer dann helfend in den Markt eingreift, wenn es brenzlig wird. Geführt wird die unsichtbare Hand des Staates angeblich von einem „Plunge Protection Team“ – einer schnellen Eingreiftruppe der US-Regierung zur Rettung der Finanzmärkte.

Auf den ersten Blick klingt das nach einer jener verrückten Verschwörungstheorien, die im Internet immer mal wieder die Runde machen. Eine Google-Abfrage erbringt immerhin 861 000 Einträge. Der Unterschied ist jedoch: das „Plunge Protection Team“ (Anti-Kurssturz-Team) gibt es wirklich. Es wurde vom damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan nach dem Börsencrash 1987 mit dem Erlass Nummer 12 631 ins Leben gerufen und trat am 18. März 1988 in Kraft.

Am so genannten Schwarzen Montag, dem 19. Oktober 1987, stürzte der Dow-Jones-Index um 508 Punkte in die Tiefe – ein Einbruch von 22,6 Prozent. Der damals gerade frisch gekürte Notenbankchef Alan Greenspan eilte ohne Rücksprache mit der Regierung zur Hilfe und pumpte große Liquiditätsmengen ins Bankensystem. Auf diese Weise konnte Schlimmeres verhindert werden.

[...] „Finanzmärkte sind heute eine Angelegenheit der nationalen Sicherheit", sagt Bill King. Der Marktstratege vom Investmenthaus Ramsey King in Burr Ridge (Illinois) glaubt fest an das Wirken des „Plunge Protection Teams“. „Immer, wenn sich die Märkte einer Korrektur nähern, erscheinen plötzlich aus dem Nichts Investoren, die mit ihren Käufen von S&P-Futures den Markt stützen“, sagt King. Der S&P-Futures-Markt ermöglicht es den Investoren, Aktien der 500 größten US-Unternehmen auf Termin zu handeln.

[...] King hat keinen Zweifel, dass die Regierung mit Hilfe der großen Investmentbanken hinter den, wie er sagt, „irregulären Käufen“ steckt. Das Wohl der amerikanischen Wirtschaft hänge heute weitgehend von der Finanzwelt ab. Die industrielle Basis werde immer schwächer. „Die Politiker haben schon aus Gründen der eigenen Wiederwahl ein starkes Interesse an der Stabilität der Finanzmärkte“, sagt der Investment-Profi.

[...] Die Anhänger der Verschwörungstheorie berufen sich unter anderem auf den ehemaligen Notenbanker Robert Heller. Der war während des „Black Monday“ Mitglied der Fed und sprach sich 1989 offen für direkte Interventionen der Notenbank am Aktienmarkt aus, um eine Katastrophe abzuwenden. Auch der frühere Fed-Chef Greenspan sprach 1997 davon, dass die Notenbank die Pflicht habe, Finanzkrisen notfalls durch „direkte Interventionen in die Märkte“ zu verhindern. Das Ergebnis war der so genannte „Greenspan-Put“, also das Vertrauen auf eine von der Notenbank abgesicherte Verkaufsoption an den Märkten. Kurz danach wurde die „Working Group on Financial Markts“ in der „Washington Post“ erstmals als „Plunge Protection Team“ bezeichnet.

[...] Und erneut erschien den Gläubigen die unsichtbare Hand des Staates nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Als die US-Börsen nach vier Tagen ihren Handel wieder aufnahmen, berichtete der frühere Sprecher von Präsident Bill Clinton, George Stephanopoulos, von der geheimen Arbeitsgruppe und ihren Möglichkeiten, in die Aktienmärkte einzugreifen. Weitere Belege dafür sehen die Anhänger der Verschwörungstheorie in der wundersamen Rettung des zahlungsunfähigen Hedge-Fonds Long Term Capital Management 1998, sowie in der überraschenden Erholung der Märkte in den Jahren 2002, 2003 und 2005. Von offizieller Seite wird die staatliche Konspiration dezent, aber bestimmt zurückgewiesen. „Wir sind nicht involviert“, heißt es bei der New Yorker Fed, die normalerweise die Marktgeschäfte der Notenbank ausführt. „Ich kann nur bestätigen, dass unser Chairman ein Mitglied ist“, heißt es bei der Börsenaufsicht SEC. Etwas auskunftsfreudiger ist das Finanzministerium. Nach Angaben einer Sprecherin trifft sich die Arbeitsgruppe in unregelmäßigen Abständen. „Wir wissen aber nichts von irgendwelchen Interventionen“, sagt sie. Vertreter der Wall-Street-Banken gehörten der Gruppe jedenfalls nicht an.

„Ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, dass ein derartiges Geheimkommando so lange unentdeckt bleiben kann“, sagt Barry Ritholtz, Chefstratege der gleichnamigen Research-Firma in New York. „Wenn es das Plunge Protection Team wirklich gibt, hat es keinen guten Job gemacht.“ Ritholtz erinnert an den Börsen-Crash 2000, der nicht nur das Vermögen zahlreicher Anleger vernichtete, sondern auch die US-Wirtschaft in eine kurze Rezession stürzte. „Außerdem sind Hedge-Fonds heute viel wichtiger für das Marktgeschehen als staatliche Interventionen jemals sein können. 100 Fonds handeln an manchen Tagen mehr als eine Billion Dollar.“ Es könne daher gut sein, dass nicht der Staat, sondern die geheimnisvollen Finanzakrobaten hinter den mysteriösen Käufen an den Aktienmärkten steckten.

Dass ausgerechnet die ominöse Finanzmarkt-Arbeitsgruppe es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Wirken der Hedge-Fonds genauer unter die Lupe zu nehmen, lässt die Herzen der Verschwörungstheoretiker sicher etwas höher schlagen.


Aus: "„Anti-Kurssturz-Team“ der US-Regierung: Unsichtbare Hand des Staates" Von Torsten Riecke (HANDELSBLATT, Freitag, 2. Februar 2007, 16:30 Uhr)
Quelle: http://www.handelsblatt.com/news/Boerse/Boerse-Inside/_pv/doc_page/3/_p/200029/_t/ft/_b/1218502/default.aspx/unsichtbare-hand-des-staates.html (http://www.handelsblatt.com/news/Boerse/Boerse-Inside/_pv/doc_page/3/_p/200029/_t/ft/_b/1218502/default.aspx/unsichtbare-hand-des-staates.html)

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[...] Die Autoren von Artikeln über das Plunge Protection Team, die nachweisen wollen, dass ihre Behauptungen berechtigt sind („Vertrauen Sie mir, es existiert!“), verweisen auf einen Artikel in der „Washington Post“ vom 23. Februar 1997. Kurios ist allerdings, dass dieser Artikel den Kauf von Aktien mit keinem Wort erwähnt. Brett Fromson, ein Reporter der „Post“, stellt die Bildung der Arbeitsgruppe Finanzmärkte durch den Präsidenten nach dem Börsencrash vom 19. Oktober 1987 dar. Die Gruppe, der auch der Finanzminister, der Chairman der Fed, der Chairman der Securities and Exchange Commission (SEC) und der Chairman der Commodity Futures Trading Commission angehören, wurde ins Leben gerufen, um ein reibungsloses Funktionieren der Finanzmärkte sicherzustellen.

„Hauptaufgabe der Arbeitsgruppe sei Regierungsvertretern zufolge, die Aufrechterhaltung der Marktfunktionen im Falle eines plötzlichen Einbruchs der Aktienkurse, bei dem es einem den Magen umdreht - und die Vermeidung eines panikartigen Ansturms auf Banken, Broker und Investmentfonds“, heißt es in dem Artikel von 1997. Der Tenor des Artikels ist das Bemühen der Regierungsvertreter um die Abwendung einer Liquiditätskrise, was genau das ist, was die Fed getan hat, als sie das Bankensystem nach dem Absturz des Dow Jones Industrial Average um 508 Punkte am 19. Oktober 1987 mit Reserven überschüttet hat. Wie aus dem eigentlichen Bemühen um die Sicherstellung eines angemessenen Zugangs zu Krediten zur Vermeidung eines Dominoeffekts im Falle eines Marktzusammenbruchs ein Komplott zur Stützung des Aktienmarktes wurde, wissen die Götter.

Um einen Einblick in die Tiefen der Verschwörungstheorie zu erhalten, geben Sie „Plunge Protection Team“ in die Google-Suchmaschine ein. Aufmerksame Leser bemerken die Sachkunde, mit der die Autoren schreiben. „Am 24. November 2000, nur Minuten nach der gemeinsamen Intervention von Fed und Goldman Sachs, schnellte der Nasdaq in die Höhe und schloss an diesem Tag deutlich über 3.100 Punkten, was einem Tagesplus von 5,7 Prozent entspricht“, schrieb ein anonymer Internet-Experte. „Hätten die Fed und das Plunge Protection Team nicht eingegriffen, so gut informierte Marktinsider, hätte es eine richtiggehende systemische Finanzkrise gegeben, die sich bald zu einer Dollar-Krise ausgewachsen hätte“. Und außerdem bedient man sich laut den Darstellungen dieser Website der Goldman-Strategin Abby Joseph Cohen, die seit dem Börsencrash im Oktober 1987 „jedes Mal, wenn die Märkte bedroht sind, eine Erholung `prognostiziert`“.

Werfen wir einen Blick auf all die Leute, die über diese Sache Bescheid wissen. Will denn keiner von ihnen aus diesen Insiderinformationen Kapital schlagen und einen Spitzenbestseller schreiben? Laut einem Pressebericht hat die Fed das Geschäft mit den Aktienindizes zugunsten der Auswahl einzelner Aktien aufgegeben. In der Erkenntnis, dass der Dow Jones Industrial Average mit seinen 30 Aktien „weitaus einfacher zu manipulieren“ sei, folgerte Londons „Evening Standard“ am 19. März, dass das „riesige Handelsvolumen der letzten Tage“ bei 3M ein deutlicher Hinweis darauf sei, dass die US-Börse im Hinblick auf den Krieg im Irak von der Regierung manipuliert worden wäre.

Gibt es keine Garantie dafür, dass die angebliche Intervention des PPT Erfolg hat? Wirtschaftswissenschaftler versuchen noch immer, herauszufinden, ob Interventionen am Devisenmarkt mehr als nur transitorischen Effekt haben. Wenn diese Gruppe so geschickt ist, warum erleben die Aktienmärkte dann das vierte Jahr in Folge eine Börsenbaisse? Mit einem durchschnittlichen täglichen Handelsvolumen an der New York Stock Exchange von 1,43 Milliarden Aktien im vergangenen Jahr wären beträchtliche Käufe nötig, um eine Marktbewegung umzukehren. Vielleicht hat sich das PPT die Strategic Petroleum Reserve angeeignet, verkauft heimlich Öl zu überhöhten Preisen am Markt und verwendet die Erlöse zum Kauf von Aktien. Und wenn man es sich recht überlegt, war bisher auch keiner in der Lage auszumachen, wo jene erfundenen Mondlandungen ihren Ursprung haben.

...


Aus: "Amerikanische Finanzmärkte - Manipuliert das Plunge Protection Team die Kurse?"
Von Caroline Baum, Kolumnistin für Bloomberg News
Quelle: http://www.faz.net/s/RubF3F7C1F630AE4F8D8326AC2A80BDBBDE/Doc~EA4849DE7499E40E681D45BE671239A9D~ATpl~Ecommon~Scontent.html (http://www.faz.net/s/RubF3F7C1F630AE4F8D8326AC2A80BDBBDE/Doc~EA4849DE7499E40E681D45BE671239A9D~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

Title: [Die Existenz von geheimen Konten... (Schreiber, Pfahls, etc.)]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 07, 2007, 10:23:04 AM
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[...]  Alles beginnt am  5. November 1999 . Der frühere CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep stellt sich den Behörden, nachdem er aufgrund des Verdachts der Steuerhinterziehung von der Augsburger Staatsanwaltschaft gesucht wird. Kiep erklärt, dass er im August 1991 von Geschäftsmann Karl-Heinz Schreiber eine Million DM in bar erhalten habe, und diese sei als Spende an die CDU gegangen. Kiep kommt darauf gegen Kaution frei.
Am 6. November versichert Altkanzler Helmut Kohl, er habe von dieser Spende an die CDU nichts gewusst. Am 21. November weist er den Vorwurf von Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit der Lieferung von Panzern an Saudi Arabien zurück.
Nachdem der Haftbefehl gegen Kiep am 22. November aufgelöst worden ist, erklärt dieser am nächsten Tag, dass die wichtigsten Gremien der CDU stets über alle Finanzen informiert gewesen seien. Dies bestätigt auch Schreiber am 25. November. Er hatte Kontakte zu Kieps Nachfolgerin Brigitte Baumeister und zu CDU-Chef Wolfgang Schäuble.
Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler gibt am 26. November die Existenz von geheimen CDU-Konten zu. Diese stünden unter der Verantwortung des Bundesvorsitzenden und der Schatzmeisterei.


Aus: "Chronologie der CDU-Spendenaffäre" (14.09.2000)
Quelle: http://www.123recht.net/article.asp?a=278&p=1 (http://www.123recht.net/article.asp?a=278&p=1)

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[...] Schreibers Ehefrau Bärbel bestätigte, dass ihr Mann im Untersuchungsgefängnis von Toronto sitze. Schreiber, der von der deutschen Justiz gesucht wird, hatte sich in Kanada jahrelang gegen eine Rückkehr gewehrt.

Die Augsburger Justiz wirft Schreiber, 72, Bestechung und Steuerhinterziehung vor. Der Lobbyist soll von Thyssen für verschiedene Rüstungsprojekte etwa 15 Millionen Euro kassiert haben. Von Mitte der achtziger Jahre soll er bis 1995 über ein undurchsichtiges System ausländischer Tarnfirmen an Industrielle und Politiker Schmiergelder verteilt haben.

Schreiber setzte sich Ende der neunziger Jahre aus der Schweiz nach Kanada ab. Ende August 1999 wurde er in Kanada erstmals in Auslieferungshaft genommen, kam aber gegen Kaution wieder auf freien Fuß. Seitdem wehrte sich der Lobbyist, der auch die kanadische Staatsbürgerschaft besitzt, gegen eine Auslieferung.

[...] Auch im Steuerstrafverfahren gegen Max Strauß spielt Schreiber eine wesentliche Rolle. Er soll dem Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsident Franz Josef Strauß Millionen-Provisionen gezahlt haben. Außerdem soll Schreiber eine Rolle im CDU-Spendenskandal gespielt haben.


Aus: "Kanada: Rüstungslobbyist Schreiber in Auslieferungshaft" Von Stefan Mayr und Bernadette Calonego (01.02.2007)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/435/100335/ (http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/435/100335/)

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[...] Der Rüstungslobbyist Karlheinz Schreiber lehnt es ab, als Zeuge im Prozess gegen die beiden Thyssen-Manager Winfried Haastert und Jürgen Maßmann auszusagen. Er habe nicht vor, einen Fragenkatalog der Augsburger Justiz zu beantworten, sagte Schreiber der Zeitung "Augsburger Allgemeine" (Samstagsausgabe). "Es ist doch abwegig zu erwarten, dass ich als in derselben Sache Beschuldigter dazu etwas aussage." Der Vorsitzende Richter am Augsburger Landgericht wollte Schreiber im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens in Kanada vernehmen lassen. Da die kanadischen Behörden Schreiber bislang nicht nach Deutschland ausliefern, trennte das Gericht das Verfahren gegen ihn ab. Seine Zeugenaussage würde jedoch im Prozess gegen die Thyssen-Manager verlesen werden, der im Herbst vor dem Augsburger Landgericht eröffnet werden soll.

 Die beiden Ex-Thyssen-Manager sind wegen Betrugs und Untreue bei einem Panzergeschäft mit Saudi-Arabien angeklagt. Laut Anklageschrift sollen sie von dem nach Kanada geflüchteten Schreiber illegal Vermittlungsprovisionen in Millionenhöhe kassiert haben. Die Büros der Angeklagten und weitere Thyssen-Mitarbeiter waren im Juni 2000 durchsucht worden, um Beweismaterial in der Schmiergeld-Affäre um die Lieferung von 36 "Fuchs"-Spürpanzern nach Saudi-Arabien im Jahr 1991 zu sichern. Bei dem Geschäft sollen insgesamt 219,7 Millionen Mark Schmiergelder von saudischer Seite geflossen sein, ein Teil davon an Haastert und Maßmann. Ihnen wird im Einzelnen Betrug, Untreue, Einkommenssteuerhinterziehung sowie Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorgeworfen. Gemeinsam mit Schreiber sollen sie illegal 24,4 Millionen Mark als Vermittlungsprovision kassiert haben.


Aus: "Zeitung: Schreiber sagt nicht als Zeuge gegen Thyssen-Manager aus" (AFP vom 24.08.2001)
Quelle: http://www.123recht.net/article.asp?a=1639 (http://www.123recht.net/article.asp?a=1639)

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[...] Schreiber selbst äußerte sich in der "Augsburger Allgemeinen": "Wenn die Augsburger Justiz tatsächlich die Kontobelege aus der Schweiz nicht verwenden darf, wird dies unabsehbare Konsequenzen haben." Das sei "kein Weihnachtsgeschenk für die Augsburger Staatsanwaltschaft". Schreiber beklagte sich über die "unfaire deutsche Justiz". Alle Verfahren in Augsburg seien so gelaufen, als wäre seine Schuld schon bewiesen, erklärte der nach Kanada geflüchtete Unternehmer. Nach rechtskräftigen Urteilen des Landgerichts Augsburg hatte der Lobbyist Schreiber den ehemaligen Rüstungsstaatssekretär Holger Pfahls sowie zwei Manager des ThyssenKrupp-Konzerns im Zusammenhang mit dem Waffengeschäft geschmiert. Außerdem war im Zuge der Ermittlungen auch die CDU-Spendenaffäre ans Licht gekommen.

Die Augsburger Justiz befasst sich seit rund elf Jahren mit Schmiergeldzahlungen Schreibers.


Aus: "Schweizer Beweismittel könnten Schreiber doch belasten" (04.12.2006)
Quelle: http://ftd.de/politik/europa/138233.html (http://ftd.de/politik/europa/138233.html)

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[...] Der frühere Rüstungs-Staatssekretär Ludwig-Holger Pfahls hat einem Zeitungsbericht zufolge erstmals zugegeben, dem Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber beim Verkauf von 36 Fuchs-Panzern des Thyssen-Konzerns nach Saudi-Arabien im Jahr 1991 geholfen zu haben. Bei seiner Vernehmung am 28. April durch die Augsburger Staatsanwaltschaft hat Pfahls laut "Süddeutscher Zeitung" eingeräumt, er sei sich "ziemlich sicher", dass er Schreiber damals darüber informiert habe, welche Bedenken das Heer gegen die Lieferung der Panzer habe.

"Ich habe Herrn Schreiber auf diese Schwierigkeiten hingewiesen", sagte Pfahls laut Zeitung. Auch habe er dem Rüstungslobbyisten erläutert, was Thyssen tun müsse, "um gewisse Widerstände im Heer zu überbrücken". Er habe angedeutet, dass Thyssen der Bundeswehr "sehr großzügig entgegenkommen müsse". Schreiber habe ihm gesagt, dass er außerordentlich dankbar" für die Unterstützung von Pfahls bei dem Geschäft sei und wolle ihn mit einer Million Mark an seinem guten Verdienst beteiligen. Er werde das Geld auf ein Konto in der Schweiz überstellen.

[...] Pfahls gilt als Schlüsselfigur in der CDU-Spendenaffäre. Er soll Anfang der neunziger Jahre Schmiergeld von Schreiber für die Vermittlung bei einem Panzergeschäft mit Saudi-Arabien erhalten haben. Pfahls war nach fünf Jahren Flucht im vergangenen Sommer in Paris festgenommen worden und sitzt nun in Deutschland in Untersuchungshaft.
 
Laut "Süddeutscher Zeitung" hat Schreiber dem Staatssekretär zudem im Jahr 1990 zwei Millionen Mark geboten, wenn er ein Geschäft von Thyssen und einer US-Firma zum Verkauf von fast 300 Fahrzeugen an die US-Armee zu Stande bringe. Eine knappe weitere Million sei Pfahls von Schreiber für ein U-Boot-Geschäft mit Israel zugesagt worden.


Aus: "Pfahls räumt offenbar Hilfe für Schreiber bei Panzer-Deal ein - Rund 500.000 Euro "Dankeschön"" (heute.de (Mit Material von REUTERS, AFP); 14.05.2005)
Quelle: http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/27/0,3672,2297947,00.html (http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/27/0,3672,2297947,00.html)

Quelle #2: http://de.wikipedia.org/wiki/Pfahls (http://de.wikipedia.org/wiki/Pfahls)

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[....] Die Augsburger Staatsanwaltschaft hat am Donnerstag einen Bericht der "Berliner Zeitung" dementiert, wonach ein Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes (BKA) und ehemalige Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) Pfahls zwei Mal vor einem Zugriff der Zielfahnder gerettet hätten. Das Blatt berief sich auf Ermittler.

Der Leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz sagte: "Wir haben keinerlei Erkenntnisse, die sich auch nur andeutungsweise in diese Richtung bewegen." Bis zur Festnahme in Paris am 13. Juli habe ein Zugriff auf Pfahls auch nie unmittelbar bevorgestanden.


Aus: "Staatsanwalt dementiert Bericht über BKA-Fluchthilfe für Pfahls" (29.07.2004)
Quelle: http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/28/0,3672,2148892,00.html (http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/28/0,3672,2148892,00.html)

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[...] Über seine Flucht und seine Helfer machte Pfahls vor Gericht keine Angaben. Laut «Report» wurde Pfahls von den Zielfahndern des Bundeskriminalamts nicht entdeckt, weil er auf Flughäfen vom französischen Geheimdienst durch die Personenkontrollen geschleust worden war. Dazu habe er eine Geheimnummer angerufen, dann seien die Helfer erschienen.

In dem Magazinbeitrag heißt es weiter, Holzer habe seinem Freund Pfahls Kontakte zu Helfern verschafft. Ein französischer Bekannter Holzers habe dem Flüchtigen in Frankreich Wohnungen besorgt und veranlasst, dass ihm 200.000 Euro übergeben wurden. Holzer, Pfahls und auch der Mittelsmann waren demnach alle in der Vergangenheit für den französischen Staatskonzern Elf Aquitaine tätig, von dem Pfahls und Holzer Schmiergelder kassiert hätten.

Holzer hatte in dem Augsburger Prozess gegen Pfahls als Zeuge die Aussage darüber verweigert, ob er Pfahls bei dessen fünf Jahre langer Flucht geholfen habe. Er räumte jedoch ein, mehrmals mit dem flüchtigen Ex-CSU-Politiker telefoniert zu haben.


Aus: "Geheimdienst soll Pfahls geholfen haben" (NZ; 10. Okt 2005)
Quelle: http://www.netzeitung.de/deutschland/362136.html (http://www.netzeitung.de/deutschland/362136.html)

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[...] Der 62 Jahre alte CSU-Politiker war im August dieses Jahres zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Er hatte gestanden, vom Lobbyisten Karlheinz Schreiber 3,8 Millionen Mark (ca. 1,9 Millionen Euro) Schmiergeld kassiert zu haben. Zwei Wochen nach dem Urteil war er unter Anrechnung der Untersuchungshaft wieder aus dem Gefängnis entlassen worden.

Inzwischen hat Pfahls eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Kanzlei seines Mainzer Verteidigers Volker Hoffmann angenommen. Aus diesem Grund wolle er den Sozialdienst in Mainz leisten. Längerfristig suche Pfahls einen Job im Ausland, da er mit seiner Vorgeschichte in Deutschland nur schwer einen Arbeitgeber finden werde, sagte Hoffmann. Die Bewährungsauflage war Teil einer Absprache zwischen Gericht und Verteidigung. Im Gegenzug hatte Pfahls ein Geständnis abgelegt.

Wie das Augsburger Landgericht weiter mitteilte, muss sich Pfahls vierteljährlich beim Gericht melden und zudem über den Stand seiner Arbeitssuche berichten. Ebenso müsse er dem Gericht in allen Verfahren um die Schreiber-Affäre als Zeuge zur Verfügung stehen.


Aus: "Mainz/Augsburg: Ex-Staatssekretär Pfahls soll in Mainzer Klinik arbeiten" (23.11.2005)
Quelle: http://www.swr.de/nachrichten/rp/-/id=1682/nid=1682/did=820330/x70ugv/index.html (http://www.swr.de/nachrichten/rp/-/id=1682/nid=1682/did=820330/x70ugv/index.html)

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[...] Im Lauf des Prozesses hatten es der Vorsitzende Richter Maximilian Hofmeister und die Augsburger Staatsanwälte mit vielen "alten Bekannten" zu tun, denn auch im Fall Pfahls spielt der berühmt-berüchtigte Waffenlobbyist Karlheinz Schreiber eine Schlüsselrolle. Bereits in den Verfahren gegen den ehemaligen CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep, gegen die Ex-Thyssen-Manager Jürgen Maßmann und Winfried Haastert sowie gegen Max Strauß ging es um Provisionen von Schreiber.

[...] Zum Auftakt am 28. Juni 2005 im Augsburger Landgericht zeigt sich der Angeklagte geständig: Er gibt zu, dass Karlheinz Schreiber ihm ein Schweizer Konto mit ungerechnet rund zwei Million Euro eingerichtet habe. Allerdings habe er die umstrittene Entscheidung für die Lieferung von Bundeswehrpanzern nach Saudi-Arabien 1991 nicht beeinflusst und nur einen Beschluss des damaligen Bundessicherheitsrates vollzogen: "Das war die Entscheidung der großen Politik. Das war die Bundesliga, ich spielte in der Regionalliga."

Am 5. Juli verweigern Max Strauß und zwei vorgeladene Ex-Thyssen-Manager die Aussage darüber, was sie von den Zahlungen an Pfahls gewusst haben. Sie berufen sich dabei auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht, da sie sich mit einer Aussage selbst belasten könnten.

[...] Am 22. Juli sagt der ehemalige Kohl-Berater Horst Teltschik aus, er halte es für "ausgeschlossen, dass Pfahls einen Ermessensspielraum bei der Lieferung von Spürfüchsen hatte." Vier Tage später erscheinen auch Pfahls früherer Vertrauter Dieter Holzer sowie Klaus Kinkel (FDP) und Theo Waigel (CSU) vor Gericht. Gemeinsamer Tenor der Aussagen: Der Ex-Rüstungsstaatssekretär habe keinen Einfluss auf den Panzer-Export gehabt. "Pfahls war ein ausführendes Rad am Wagen", so Kinkel. Der ehemalige Bundesjustiz- und Außenminister stützt damit Pfahls eigene Darstellung, wonach er selbst nur als ausführendes Organ gehandelt habe. Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel sagt aus, der Bundessicherheitsrat habe den Panzer-Export im Februar 1991 einvernehmlich beschlossen.

[...] Altkanzler Helmut Kohl bestätigt am 3. August, dass er bereits im September 1990 US-Außenminister James Baker den Export von Fuchs-Panzern nach Saudi-Arabien zugesagt habe. Diese Aussage entlastet Pfahls, da nun klar ist, wer für den Panzer-Deal verantwortlich war. Bereits einen Tag zuvor betont Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz die Bedeutung der Aussage des Altkanzlers: "Wenn Kohl sagt, das war meine Entscheidung und meine Richtlinienkompetenz, dann ist es aus mit der Bestechlichkeit." Wenn die Staatsanwaltschaft diesen Anklagepunkt fallen lässt, bleibt nur noch der Vorwurf der Vorteilsannahme.


Aus: "Der Pfahls-Prozess" (20.12.2006)
Quelle: http://www.br-online.de/bayern-heute/thema/pfahls/index.xml (http://www.br-online.de/bayern-heute/thema/pfahls/index.xml)


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[...] Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Verurteilung zweier ehemaliger Thyssen-Manager wegen Untreue und Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Schmiergeldzahlungen des Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber bestätigt. Ihr Strafmaß wurde aber aus formalen Rechtsgründen reduziert. Jürgen Maßmann erhielt eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren, Winfried Haastert eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten.


Aus: "Schmiergeld: Thyssen-Manager verurteilt" (12. Januar 2007)
Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2007/01/12/667851.html (http://www.abendblatt.de/daten/2007/01/12/667851.html)
Title: [Die Banken müssen Topmitarbeitern etwas bieten... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 12, 2007, 10:55:10 AM
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[...] «20 bis 30% des Gewinns, den Händler, Investmentbanker oder Private Banker für ihre Arbeitgeber erwirtschaften, wandern in Kontinentaleuropa auf das Konto dieser Mitarbeiter», sagt Martin Emmerich von Towers Perrin, einer auf Personalmanagement und Salärfragen spezialisierten Beratungsfirma. Das bedeutet für den einen oder anderen Banker schnell ein paar Millionen als Bonus. Im Investmentbanking in den USA oder in Grossbritannien wird gar von 40 bis 50% des Gewinns gesprochen. «Die Banken müssen Topmitarbeitern etwas bieten, um sie zu gewinnen», erklärt Emmerich. Es ist eine Besonderheit der Finanzbranche, dass dadurch Banker zu Unternehmern innerhalb eines Unternehmens werden.

Weltweit verdiente die Finanzbranche so viel wie noch nie. Der Wertschriftenhandel boomt, die Mergers-& Acquisitions-Abteilungen sind ausgelastet, und die verwalteten Vermögen steigen kräftig. Nächste Woche legen UBS und Credit Suisse ihre Ertragszahlen für 2006 vor. Der Abschluss der Bank Julius Bär am Donnerstag gab einen Vorgeschmack auf die kräftigen Gewinnsteigerungen. Die Privatbank steigerte den Reingewinn um 35%.


Aus: "Banker erhalten 20 Milliarden Boni" Von Katharina Fehr (11. Februar 2007, NZZ am Sonntag)
Quelle: http://www.nzz.ch/2007/02/11/wi/articleEWLZP.html (http://www.nzz.ch/2007/02/11/wi/articleEWLZP.html)

Title: [Firmengelder in Millionenhöhe... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 12, 2007, 11:39:30 AM
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[...]  Seoul - Der in eine Schmiergeldaffäre verwickelte Chef des südkoreanischen Autokonzerns Hyundai Motor, Chung Mong Koo, ist wegen Untreue und Vertrauensbruchs zu drei Jahren Haft verurteilt worden.

Das Bezirksgericht in Seoul befand am Montag den 68-Jährigen im Hauptverfahren für schuldig, Firmengelder in Millionenhöhe abgezweigt und für private Zwecke genutzt zu haben.

Seine Aktionen seien "eindeutig kriminelle Handlungen" gewesen. "Falsche Sitten müssen ausgerottet werden, um Südkorea zu einer fortschrittlichen Wirtschaft zu machen", wurde der Vorsitzende Richter von der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap zitiert.


Aus: "WEGEN UNTREUE: Chef von Hyundai zu drei Jahren Haft verurteilt" (05.02.2007)
Quelle: http://www.express.de/servlet/Satellite?pagename=XP/index&pageid=1004979499231&rubrik=222&artikelid=1166031596462 (http://www.express.de/servlet/Satellite?pagename=XP/index&pageid=1004979499231&rubrik=222&artikelid=1166031596462)

Title: [Vier Spitzenmanager der Deutschen Bank ... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 21, 2007, 01:49:38 PM
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[...] Vier Spitzenmanager der Deutschen Bank haben für insgesamt knapp 28 Millionen Euro Aktien des Kreditinstituts verkauft. Die Anteilsscheine seien außerbörslich zum Preis von 102,94 Euro je Stück verkauft worden, teilte die Deutsche Bank am Montag mit. Der für die Sparte Global Banking zuständige Michael Cohrs trennte sich von knapp 200.000 Aktien im Wert von 20,3 Millionen und erzielte damit einen zu versteuernden Bruttoerlös von gut 5,5 Millionen Euro.

Pierre de Weck, der die private Vermögensverwaltung der Bank verantwortet, verkaufte knapp 47.000 Deutsche-Bank-Aktien für etwa fünf Millionen Euro. Er erlöste damit vor Steuern knapp drei Millionen Euro. Wie Cohrs sitzt auch de Weck im Group Executive Committee, in dem neben dem Vorstand auch die Bereichsvorstände vertreten sind.

[...] Das langjährige Vorstandsmitglied Tessen von Heydebreck verkaufte gut 16.000 Anteilsscheine für 1,7 Millionen Euro. Von Heydebreck ist seit 1994 im Vorstand der Bank und dort unter anderem für Personal, Recht und Compliance zuständig. Er erlöste mit der Transaktion vor Steuern knapp 450.000 Euro. Von Heydebreck verlässt den Vorstand im Mai.


Aus: "DEUTSCHE BANK: Manager verkaufen Aktien in Millionenhöhe" (manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters; 19.02.2007)
Quelle: http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,467288,00.html (http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,467288,00.html)

Title: [Preisabsprachen... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 26, 2007, 12:51:33 PM
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[...] Wien/Düsseldorf - Die Kartellstrafe der EU gegen die vier führenden Aufzugs- und Rolltreppenhersteller bringt die ganze Branche in Aufruhr: Die Hersteller bezichtigen einander nach Informationen des deutschen "Handelsblatts" (Montag) aus Konzernkreisen unerlaubter Preisabsprachen, um vor nationalen Kartellbehörden in den Genuss von Kronzeugenregelungen zu kommen und Strafen zu entgehen.


Aus: "Erste "Kronzeugen" packen aus" (25. Februar 2007)
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=2782716 (http://derstandard.at/?url=/?id=2782716)
Title: [Gewinn-Umwandlung... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 28, 2007, 01:27:45 PM
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[...] Warum die Wirtschaftsprüfer Nikko den geschönten Jahresabschluss durchgehen ließen, ist noch nicht bekannt. Auf der Seite des Wertpapierhauses waren es Ehrgeiz und vermutlich auch das Bonussystem, die die Manager auf krumme Gedanken brachten. Denn Nikko Cordial belohnt Gewinnsteigerungen durch Beteiligungen an den Einnahmen. Die Bilanzmanipulationen brachten den Verantwortlichen unterm Strich 341 Mill. Yen an Boni – 2,1 Mill. Euro.


Aus: "Wundersame Gewinn-Umwandlung" (27. Februar 2007)
Quelle: http://de.biz.yahoo.com/27022007/299/wundersame-gewinn-umwandlung.html (http://de.biz.yahoo.com/27022007/299/wundersame-gewinn-umwandlung.html)
Title: [Tipps für illegale Finanztransaktionen...]
Post by: lemonhorse on March 03, 2007, 01:16:18 PM
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[...]  New York/Zürich. AP/baz. An der New Yorker Wall Street ist einer der grössten Insiderfälle der letzten Jahrzehnte aufgeflogen. Zu den Schlüsselfiguren gehört ein Kadermann der UBS. Die Schweizer Grossbank sicherte den US-Behörden volle Zusammenarbeit zu und bezeichnete sich als Opfer.

Der Ring von Bankern, Brokern, Anwälten und Hedge-Fund-Managern soll nach Darstellung der US-Börsenaufsicht SEC während fünf Jahren Hunderte von Tipps für illegale Finanztransaktionen ausgenutzt haben. Die Deliktsumme wird auf 15 Millionen Dollar geschätzt. Nach den Worten von SEC-Direktorin Linda Chatman Thomsen gibt es kaum eine Wall-Street-Vorschrift, die von den Beschuldigten nicht gebrochen wurde.


Aus: "UBS in grosse Insideraffäre in USA verwickelt" (02.03.07)
Quelle: http://www.baz.ch/news/index.cfm?keyID=02FAED07-AC4E-423C-90C2AC226F4B680D&startpage=1&ObjectID=1317A1E2-1422-0CEF-70466D4D9311A39A (http://www.baz.ch/news/index.cfm?keyID=02FAED07-AC4E-423C-90C2AC226F4B680D&startpage=1&ObjectID=1317A1E2-1422-0CEF-70466D4D9311A39A)

Title: [Folgen dieser Entwicklung... ]
Post by: lemonhorse on March 03, 2007, 01:20:31 PM
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[...] Die Wirtschaft leidet am Hedgefonds-Kapitalismus: Produktive Arbeit und langfristige Investitionen lohnen sich nicht mehr, weil man mit kurzatmigen Finanztransaktionen viel mehr Geld verdienen kann. Dies ist der entscheidende Grund für unsere Wirtschafts- und Beschäftigungskrise. Die dominierende Logik der Börsen und Hedgefonds setzt genau jene Anreize außer Kraft, die eine Marktwirtschaft braucht, damit sie produktiv bleibt. Eine Zahl genügt, um dies zu illustrieren: 25 Prozent. Das ist die jährliche Rendite auf das Eigenkapital, welche die globale Finanzgemeinschaft der Fondsmanager, Analysten und Investmentbanker heute verlangt, und die große Unternehmen – wie etwa die Erdölmultis und mittlerweile auch die Deutsche Bank – bereits deutlich überschreiten. Solche Renditen kann man nicht erwirtschaften, indem man besser und härter arbeitet als die Konkurrenz. 25 Prozent Rendite können nur erreicht werden, indem man bereits erarbeitete Vermögen zu seinen Gunsten umverteilt. Zum Beispiel durch den Kauf und Verkauf von Unternehmen.
Dafür ist die Börse da. Und dort dominieren seit kurzem die Beteiligungsgesellschaften. Im Jargon der Börse spricht man von Private-Equity- oder Hedge-Funds. Diese besitzen mehr als 25 Prozent aller an der Börse in Frankfurt gehandelten Aktien. Die Folgen dieser Entwicklung kann man täglich in den Wirtschaftsspalten der Zeitungen nachlesen.


Aus: " Schaffen statt Raffen!" von Werner Vontobel - Werner Vontobel ist Wirtschaftspublizist beim Sonntagsblick in der Schweiz. Mit Philipp Löpfe veröffentlichte er „Der Irrsinn der Reformen“ (Orell Füssli Verlag, 2005) (Datum ?)
Quelle: http://www.cicero.de/97.php?ress_id=6&item=1093 (http://www.cicero.de/97.php?ress_id=6&item=1093)
Title: [Der "Bankier Gottes"... (Calvi, IOR, P2 etc.)]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 08, 2007, 01:11:03 PM
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[...] 1982 wurde italienischer Kreditinstitut-Chef in Londin erhängt aufgefunden. Seit 2005 läuft in Rom ein Prozess.

[...] Calvi, Chef des Mailänder Kreditinstituts Banco Ambrosiano, war am 18. Juni 1982 erhängt unter der Blackfriars Bridge in London aufgefunden worden. Der "Bankier Gottes" hatte sich zuvor in undurchsichtige Finanztransaktionen mit der Vatikanbank IOR, der umstrittenen Geheimloge P2 und der Mafia verstrickt. Dabei verschwanden zwischen 1972 und 1981 mehr als 1,3 Milliarden US-Dollar (0,992 Milliarden Euro). In der Folge war Calvi über Österreich nach Großbritannien geflüchtet.

Unter Mordverdacht. Die römische Staatsanwaltschaft geht nunmehr davon aus, dass er von drei italienischen Unterweltlern ermordet wurde. Im Zusammenhang damit geriet auch Manuela K. unter Verdacht. Sie war zur Tatzeit 19 Jahre alt und Freundin des sardischen Immobilienhändlers Carboni. Dieser soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Beihilfe zum Mord geleistet haben. Die Frau hatte sich gemeinsam mit Carboni in London aufgehalten, als Calvi dort zu Tode kam. Sie hat stets ihre Unschuld beteuert.

Bankenzusammenbruch. Der Bankrott der Banco Ambrosiano war der größte Bankenzusammenbruch in der italienischen Nachkriegsgeschichte, deren genaue Hintergründe bis heute im Dunkeln liegen. Immer wieder war von illegalen Geschäften sowie von Verstrickungen hoher Politiker die Rede. Calvi war seinerzeit zunächst vor seinem Tod mehrere Tage lang spurlos verschwunden, angeblich hatte er eine Tasche mit belastenden Unterlagen über hohe italienische Politiker bei sich.


Aus: "Calvi-Mord: Freispruch für angeklagte Kärntnerin beantragt" (07.03.2007)
Quelle: http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/chronik/366670/index.do (http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/chronik/366670/index.do)
Title: [Führungskräfte motivieren... (Aktienoptionsgeschäfte)]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 08, 2007, 03:54:14 PM
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[...] So hat beispielsweise der US-Chipmaschinen-Hersteller KLA-Tencor mindestens elf Vorständen am 2. Oktober 2001 Optionen auf mehrere Hunderttausend Aktien gewährt – zu einem Zeitpunkt, als die Halbleiterbranche ihren absoluten Tiefpunkt an der Börse erreicht hatte. Eine Aktie von KLA-Tencor kostete am 10. September 2001 noch 44,20 Dollar - am 2. Oktober war sie für nur noch 29,31 Dollar zu haben.

KLA-Tencor räumte dem «WSJ» zufolge kürzlich ein, dass einige der Optionsgeschäfte später abgeschlossen und rückdatiert worden seien. Am meisten profitierte der frühere Konzernchef Kenneth Schroeder: Er hatte Optionen auf 341.000 Aktien erhalten - durch die Manipulation kassierte er zusätzlich fast 5,5 Millionen Dollar. Die unzulässige Datierung ließ das private Vermögen der Begünstigten um insgesamt zwölf Millionen Dollar anschwellen, berichtete das Wirtschaftsblatt.

[...] Die SEC wirft auch Netzwerk- Spezialisten Brocade Communications vor, ein Optionspaket von fast neun Millionen Aktien in diese Zeit rückdatiert zu haben. Auch hier scheint sich vor allem der einstige Konzernchef Gregory Reyes bereichert zu haben: Er hatte Optionen auf 1,3 Millionen Aktien. Allerdings weist Reyes die Anschuldigungen zurück.

Der 11. September sei für «Rückdatierer» eine attraktive Zeit gewesen, stellt das «WSJ» fest. Nach den Anschlägen waren die US-Börsen bis 14. September geschlossen. Nach der Wiedereröffnung rutschte der Leitindex Dow Jones um 14 Prozent ab. Die erste Woche nach den Anschlägen war die schlimmste für die US-Standardwerte seit dem Einmarsch der Wehrmacht in Frankreich im Jahr 1940.

Zahlreiche Unternehmen hätten keine Zeit vergeudet, in der zweiten Septemberhälfte rasch noch Aktienoptionsgeschäfte unter Dach und Fach zu bringen. Berechnungen des «WSJ» zufolge hat sich bei 1800 führenden Unternehmen die Zahl der ausgegebenen Aktienoptionen in dieser Zeit mehr als verdoppelt. Einige von ihnen – auf diese ungewöhnliche Häufigkeit angesprochen – taten dies als reinen Zufall ab, andere gaben an, ihre Führungskräfte in dieser schwierigen Zeit motivieren zu wollen.


Aus: "Durch 9/11 Millionen verdient" (07. Mrz. 2007)
Quelle: http://www.netzeitung.de/wirtschaft/unternehmen/574131.html (http://www.netzeitung.de/wirtschaft/unternehmen/574131.html)
Title: [Das Beratungs- und Dienstleistungshonorar... (Siemens)]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 13, 2007, 10:14:32 AM
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[...] Wiederholt sich bei Siemens, was bei VW geschehen ist? Fahnder prüfen nach Informationen der SZ, ob sich der Konzern mit Millionenzahlungen das Wohlwollen eines Arbeitnehmerverbands gesichert hat.

[...] Die Siemens AG steht im Verdacht, mehrere Millionen Euro an eine Betriebsräte-Organisation gezahlt zu haben, um sich deren Wohlwollen zu verschaffen.

Nürnberger Ermittler prüfen, ob die Zahlungen möglicherweise auch dazu gedient haben, Betriebsratswahlen unzulässig zu beeinflussen.

Die Ermittler untersuchen seit Wochen Zahlungen in Höhe von 14,75 Millionen Euro, die Siemens in den vergangenen Jahren an den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB), Wilhelm Schelsky, geleistet hat.

Sie gehen davon aus, dass Schelsky das Beratungs- und Dienstleistungshonorar erhalten hat, ohne dass er dafür eine angemessene Gegenleistung erbracht hat. Schelsky sitzt seit einem Monat in Untersuchungshaft.


Aus: "Ermittlungsverfahren in Nürnberg: Siemens soll Betriebsräte gekauft haben" (SZ; 12.03.2007)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,tt4m2/wirtschaft/artikel/346/105241/ (http://www.sueddeutsche.de/,tt4m2/wirtschaft/artikel/346/105241/)

Title: [Wir werden uns das jetzt in Ruhe angucken... (EEX)]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 13, 2007, 10:47:13 AM
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[...] Das Bundeskartellamt geht dem Verdacht milliardenschwerer Preistreibereien an der Leipziger Strombörse (European Energy Exchange, EEX) nach. Eine Sprecherin der Wettbewerbsbehörde sagte, dem Kartellamt liege inzwischen eine offenbar von einem Insider an die Öffentlichkeit gebrachte Liste mit den Transaktionen der Energiekonzerne an der Strombörse vor. „Wir werden uns das jetzt in Ruhe angucken“, sagte die Sprecherin.


Aus: "Energieversorger: Konzerne unter Manipulationsverdacht" (12. März 2007)
Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article757554/Konzerne_unter_Manipulationsverdacht.html (http://www.welt.de/wirtschaft/article757554/Konzerne_unter_Manipulationsverdacht.html)

Title: [Die steuerfreie Kostenpauschale... (Fragen an die Parlamentarier)]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 13, 2007, 10:51:06 AM
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[...] 44 640 Euro erhalten die 614 Abgeordneten des Bundestags brutto wie netto zu ihrem eigentlichen Gehalt, der so genannten Entschädigung in Höhe von 84 108 Euro im Jahr, dazu. Die steuerfreie Kostenpauschale hat alle Steuerreformen und Spargesetze der vergangenen Jahre überlebt. Sie steigt sogar jedes Jahr automatisch mit der Entwicklung der allgemeinen Lebenshaltungskosten der privaten Haushalte. Diesen Anspruch will der Bundestag auf jeden Fall verteidigen. Doch die Kritik an der Sonderregelung wächst.

Allen anderen Steuerzahlern ist eine solch großzügige Behandlung nicht vergönnt. Arbeitnehmer etwa mussten in den vergangenen Jahren drastische Kürzungen ihres Pauschbetrages von 1044 auf 920 Euro hinnehmen. Hinzu kommen Einschränkungen der Entfernungspauschale. Einige Steuerzahler sind inzwischen gegen diese Ungleichbehandlung vor Gericht gezogen. Mittlerweile beschäftigt sich der Bundesfinanzhof (BFH) mit dem Verfahren, das unter anderem der Finanzrichter Michael Balke und der Heitersheimer Steueranwalt Christian Winterhalter angestrengt haben.

„Die Abgeordneten führen sich auf wie Sonnenkönige, die das von ihnen geschaffene Steuerrecht für sich selbst nicht gelten lassen wollen“, sagt Kläger Balke. „Die Privilegierung des einen ist zugleich die Diskriminierung des anderen Steuerbürgers.“ Der Steuerberater und Rechtsanwalt Winterhalter, der 1999 als erster gegen die Ungleichbehandlung vor Gericht zog, hält es für ein Unding, dass sich die Abgeordneten besser stellten als alle Bürger. „Das ist auch schlecht für die Steuermoral.“ Schon vor Jahren hat der Anwalt alle Bundestagsabgeordneten angeschrieben und auf das laufende Verfahren aufmerksam gemacht.


Aus: "Bundesfinanzhof: Peinliche Fragen an die Parlamentarier" - Der Bundesfinanzhof will bis Ende März wissen, warum sich die deutschen Abgeordneten vom selbst geschaffenen Steuerrecht ausnehmen - von FOCUS-Korrespondent Frank Thewes (12.03.07)
Quelle: http://www.focus.de/politik/deutschland/tid-5227/bundesfinanzhof_aid_50125.html (http://www.focus.de/politik/deutschland/tid-5227/bundesfinanzhof_aid_50125.html)

Title: [Das Signal, das wir aussenden... (Deutschland und Korruption)]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 14, 2007, 01:04:50 PM
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[...] Zunächst sah es gar nicht gut aus für Norbert Rüther, den ehemaligen Chef der Kölner SPD-Ratsfraktion. Im September 2005 verurteilt ihn das Landgericht Köln unter anderem wegen Bestechlichkeit zu zwei Jahren und drei Monaten. Rüther, so das Gericht, habe rund 75.000 Euro von einem Müllunternehmer kassiert, der auf einen lukrativen Vertrag mit der Stadt Köln hoffte.

Dann aber hebt im Juli 2006 der Bundesgerichtshof das Urteil auf. Der Grund: Rüther war damals Abgeordneter. Und für die gelten bei Bestechlichkeit andere, Kritiker sagen "mildere", Gesetze.

Denn während Beamte und andere Amtsträger normalerweise weder Geschenke noch Essenseinladungen noch Reisen annehmen dürfen, müssen die Volksvertreter im Bundestag, Landtag - oder eben im Kölner Stadtrat - nur in einem Fall fürchten, wegen Bestechlichkeit verurteilt zu werden: Wenn Sie vor einer Abstimmung Geld dafür annehmen, dass sie ihre Hand heben - oder unten lassen. So ein Stimmenkauf ist aber kaum je zu beweisen. So genannte Dankeschön-Spenden, bei denen erst entschieden und dann gezahlt wird, sind jedoch straffrei. So regelt es der Paragraf 108e im Strafgesetzbuch - und auf den kann Norbert Rüther jetzt alle Hoffnung setzen.

Zweierlei Maß bei Bestechlichkeit: Eigentlich dürfte es diese Sonderregel für Politiker längst nicht mehr geben. Schon vor drei Jahren unterschrieb Deutschland die UN-Konvention gegen Korruption. Doch Deutschland setzt den Vertrag nicht in nationale Gesetze um, müsste zuvor den Paragrafen 108e kippen. Abgeordnete wie Siegfried Kauder (CDU) zögern: "Ich kenne keinen einzigen Beispielfall eines bestechlichen Bundestagsabgeordneten. Deswegen gibt es hier keinen vordringlichen Handlungsbedarf", so Kauder gegenüber Frontal21.

Eine Haltung, die bei der UNO und in Ländern wie Frankreich, Großbritannien oder den USA, die die Verträge gegen Korruption längst umgesetzt haben, auf Unverständnis stößt. "Um Korruption wirksam zu bekämpfen, darf man keinen Unterschied machen zwischen Kleinen und Großen, Beamten oder Abgeordneten. Das muss egal sein. Es darf kein schwaches Glied in der Kette geben, sonst wird die Sache unkontrollierbar", meint Dimitri Vlassis, Vertreter der Uno, gegenüber Frontal21. Und der Generalsekretär des Europarates, Terry Davis, fragt die deutschen Parlamentarier: "Was habt Ihr zu verbergen?".
 

Einige wenige deutsche Oppositionspolitiker wollen das Bestechlichkeits-Privileg für Abgeordnete jetzt kippen. "Das Signal, das wir aussenden, ist eigentlich verheerend," meint Jerzy Montag (B90/Die Grünen). "Wir sagen damit unseren Nachbarn, den anderen Staaten, die mit uns diese Verträge unterzeichnet haben, dass wir nicht bereit sind, das, wofür wir uns verpflichtet haben, auch im nationalen Recht umzusetzen."
 

In dem von Transparency International veröffentlichten "Korruptionsindex" für 2006 steht Deutschland übrigens an 16. Stelle. Als vorbildlich bei der Bekämpfung der Korruption werden andere Länder genannt: Finnland, Island und Neuseeland.



Aus: "Privileg für Parlamentarier: Deutschland setzt internationale Verträge gegen Korruption nicht um" (13.03.2007)
Quelle: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/21/0,1872,5249685,00.html (http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/21/0,1872,5249685,00.html)

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[...] Sie wollen nicht, dass die Bürger ihre Nebeneinkünfte erfahren: Neun Bundestagsabgeordnete kämpfen heute beim Verfassungsgericht gegen ein Gesetz, das sie zur Offenlegung zwingen würde. Unter ihnen sind Prominente wie Friedrich Merz - er hat elf Nebenjobs.

Berlin - Hans-Joachim Otto, 53, hat zwei Jobs: Er arbeitet als Anwalt und Notar in einer Kanzlei in Frankfurt am Main. Und er ist ein einfacher FDP-Abgeordneter im Bundestag. Er bekommt doppelt Geld: als Parlamentarier 7009 Euro plus eine Pauschale von 3647 Euro - das kann jeder auf der Internetseite des Bundestages nachlesen. Was Otto allerdings als Rechtsanwalt verdient, steht dort nicht. Und er selbst will es auf keinen Fall verraten. Für sein Gehalts-Geheimnis kämpft er: Mit acht Kollegen klagt er seit heute vorm Verfassungsgericht gegen ein Gesetz für mehr Gehalts-Transparenz im Parlament - unter ihnen prominente Mehrfachverdiener wie Friedrich Merz (CDU) und Siegfried Kauder, Bruder des Unions-Fraktionschefs Volker Kauder.

[...] [Martin Morlok, Professor für Öffentliches Recht an der Universität Düsseldorf:] "Doch um die Vorschläge des Parlamentariers kritisch beurteilen zu können, müssen sie seine Abhängigkeiten kennen." Offenheit sei "eines der wichtigsten Prinzipien in der Demokratie - und das neue Gesetz ein guter Weg dahin". Die Bedenken der Kläger seien "gesuchte Gründe": "In Deutschland gibt es ein unterwickeltes Bewusstsein für Publizität." Britische Abgeordnete hätten kein Problem damit, ihre Einkünfte offen zu legen. Auch die USA haben eine viel transparentere Regelung als Deutschland.

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts wird in etwa drei Monaten erwartet. Falls die Kläger verlieren, müssen sie ihre Einkünfte preisgeben - sonst droht ihnen ein Ordnungsgeld. Otto hat seine Liste jetzt schon fertig. 120 Einzelposten stehen darauf. Über die Summe will er schweigen, so lange es geht.

Wenn es nach den Bürgern geht, sollte es nicht mehr lange dauern. Die Deutschen haben keinen Zweifel daran, dass mehr Gehalts-Transparenz sinnvoll ist: Eine Umfrage des "Stern" ergab heute, dass 90 Prozent der Bürger die Offenlegung der Politiker-Einkünfte befürworten.

mit AFP/dpa/Reuters


Aus: "NEBENJOBS: Abgeordnete klagen gegen transparente Politiker-Gehälter" Von Sonja Pohlmann (SPON; )
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,441894,00.html (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,441894,00.html)

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[...] Sollen Abgeordnete Einkünfte aus Nebentätigkeiten offenlegen? Neun von zehn Deutschen sagen: Ja. Neun von 614 Mitgliedern des Bundestages sagen: Nein. Sie haben vor dem Verfassungsgericht gegen ein Gesetz geklagt, das sie zur Veröffentlichung ihrer Nebenverdienste zwingt.

Im Gegensatz zu Regierungsmitgliedern, die nach § 5 des Bundesministergesetzes „kein anderes besoldetes Amt, kein Gewerbe und keinen Beruf“ ausüben dürfen, sind Abgeordneten Nebentätigkeiten prinzipiell erlaubt. Das Abgeordnetengesetz schreibt lediglich vor, dass das politische Mandat „im Mittelpunkt der Tätigkeit“ stehen muss.

Umstritten ist vor allem der Fall des CDU-Mannes Friedrich Merz, der als Rechtsanwalt arbeitet und darüber hinaus auf knapp ein Dutzend Aufsichts- und Beiratsposten in der Wirtschaft kommt. Gegen ein generelles Verbot von Nebentätigkeiten spricht nicht zuletzt, dass Unternehmer, Anwälte oder andere Freiberufler ihre bisherige Existenz nicht einfach aufgeben können, weil sie ein zeitlich befristetes politischen Amt übernehmen.

Nebentätigkeiten in Vorständen, Aufsichtsräten, Beraterverträge, größere Firmenbeteiligungen oder die Fortsetzung des früheren Berufes und die Einkünfte daraus mussten Abgeordnete dem Bundestagspräsidenten schon immer melden. Neu ist, dass die Einkommen nun öffentlich pauschal angeben werden, in welche Kategorie ihre Nebenverdienst fallen: Zwischen 1000 und 3500 Euro im Monat, 3500 bis 7000 Euro oder mehr als 7000 Euro. Bundestagspräsident Lammert hat diese Daten bereits gesammelt, die Veröffentlichung aber ausgesetzt, bis das Verfassungsgericht entschieden hat.

Neben Merz fechten die CDU-Abgeordneten Siegfried Kauder und Marco Wanderwitz, ihre CSU-Kollegen Straubinger und Götzer, Kolb, Laurischk und Otto von der FDP und der Sozialdemokrat Danckert das Gesetz an - alles Doppelverdiener. Durch die Offenlegung der Einkünfte, argumentieren die Kläger, gewährten Freiberufler überdies der Konkurrenz Einblicke in ihre Praxis- oder Kanzleistrukturen.

Die Bürger hätten einen Anspruch darauf, dass die von ihnen gewählten Abgeordneten „unbeeinflusst von wirtschaftlichen Interessen“ ihre politischen Entscheidungen fällen, sagt der Grüne Volker Beck.


Aus: "Freiheit oder Kontrolle? Nebenjobs sollen geheim bleiben" Von Rudi Wais (12.10.2006)
Quelle: http://stimme.de/nachrichten/reportage/art1918,882883.html?fCMS=acfd8d2acf2faf5eadd499e9c36d1f4c (http://stimme.de/nachrichten/reportage/art1918,882883.html?fCMS=acfd8d2acf2faf5eadd499e9c36d1f4c)

Title: [Das Schweizer Tarnkonto "Maxwell"...]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 14, 2007, 01:24:21 PM
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[...] Augsburg (lb/hogs). Der wegen Steuerhinterziehung angeklagte Politikersohn Max Strauß soll nach Zeugenaussagen 1994 ein verdecktes Darlehen an seinen in finanzielle Not geratenen Münchner Freund Curt Niklas veranlasst haben.

Das Geld, umgerechnet rund 200 000 Euro, floss von dem Liechtensteiner Unternehmen Delta International über zwei Zwischenfirmen verdeckt an Niklas, einen früheren CSU-Stadtrat in München. Dabei habe Strauß (47) strikt gefordert, unter keinen Umständen im Zusammenhang mit dem Geldtransfer namentlich erwähnt zu werden, sagte der Rechtsanwalt, der die Darlehensverträge ausgestaltet hatte, gestern als Zeuge vor dem Landgericht Augsburg.

Es sei überraschend gewesen, wie leicht und schnell Strauß auf das Geld noch vor der Unterzeichnung der Darlehensverträge zugreifen konnte, sagte der Anwalt. Er konnte aber keine Angaben machen, warum die Transaktion verschleiert werden musste. Hinter dem Liechtensteiner Unternehmen steht der Geschäftsmann Dieter Holzer, der sich bei seiner Zeugenvernehmung auf sein Recht zur Aussageverweigerung berufen hatte. Die Staatsanwaltschaft vermutet, das Geld aus Liechtenstein könnte von dem Max Strauß zugeschriebenen Schweizer Tarnkonto "Maxwell" stammen. Die verschleierte Darlehenszahlung war durch eine Betriebsprüfung des Finanzamtes aufgeflogen.

Max Strauß ist angeklagt, von dem nach Kanada geflüchteten Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber millionenschwere Provisionen für Panzer- und Flugzeuggeschäfte nicht versteuert zu haben. Die Gelder sollen über das Schweizer Tarnkonto "Maxwell" geflossen sein. Strauß bestreitet dies. Seine erste Verurteilung zu drei Jahren und drei Monaten hatte der Bundesgerichtshof aufgehoben.


Aus: "Strauß-Prozess: Dubioses Darlehen an einen Freund" (Artikel vom: 13.03.2007)
Quelle: http://www.schwabmuenchner-allgemeine.de/Home/Nachrichten/Bayern/sptnid,7_puid,1_regid,15_arid,908227.html (http://www.schwabmuenchner-allgemeine.de/Home/Nachrichten/Bayern/sptnid,7_puid,1_regid,15_arid,908227.html)

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Max Strauß (* 24. Mai 1959 in München; eigentlich Maximilian Josef Strauß) ist Jurist und der älteste Sohn des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Franz-Josef Strauß.
Quelle #2: http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Josef_Strau%C3%9F (http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Josef_Strau%C3%9F)

Title: ["Hier hatten viele von Anfang an das ungute Gefühl"...]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 15, 2007, 12:40:06 PM
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[...] Essen (ddp-nrw). Der Verdacht auf Insiderhandel gegen mehrere BenQ-Manager hat bei Politikern und Gewerkschaftern in Deutschland heftige Reaktionen ausgelöst. «Wenn sich diese Vorwürfe als richtig erweisen sollten, wäre dies ein weiteres schlimmes Kapitel in der Geschichte von BenQ Mobile, von denen wir schon viele hatten», sagte ein Sprecher von NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) der «Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung» (Donnerstagausgabe).

Oliver Burkhard vom IG-Metall-Bundesvorstand sprach von einem «Schurkenstück». Kamp-Lintforts Bürgermeister Christoph Landscheidt (SPD) sagte: «Hier hatten viele von Anfang an das ungute Gefühl, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.»

Mehrere Manager des taiwanischen Konzerns waren am Mittwoch vorübergehend festgenommen worden, darunter Finanzvorstand Eric Yu. Sie sollen im Zusammenhang mit der Pleite der deutschen Handy-Tochter BenQ Mobile Insidergeschäfte getätigt haben. Die frühere Siemens-Sparte mit Standorten in Kamp-Lintfort, Bocholt und München hatte im vergangenen September Insolvenz angemeldet.


Aus: "Insiderhandel bei BenQ?" (15.03.2007)
Quelle: http://de.biz.yahoo.com/15032007/336/insiderhandel-benq.html (http://de.biz.yahoo.com/15032007/336/insiderhandel-benq.html)

Title: [Bei Laune halten... (Notizen)]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 25, 2007, 09:13:51 PM
Quote
[...] Wegen Reisen auf Kosten von Energiekonzernen ermitteln Staatsanwälte nach einem "Focus"-Bericht gegen 800 Lokalpolitiker und Manager. Betroffen seien Bürgermeister, Stadträte, Verwaltungschefs und Energiemanager, berichtete das Nachrichtenmagazin.

[...] Bisherigen Erkenntnissen zufolge hätten die Konzerne E.ON und Thyssengas vor allem Lokalpolitiker mit Aufsichtsratssitzen in kommunalen Stadtwerken durch noble Reisen, Museumsbesuche und exquisite Essen bei Laune halten wollen. Auch Berliner Parlamentarier sollen betroffen sein.


Aus: "800 Personen unter Verdacht: Energieriesen zu spendabel" (24. März 2007)
Quelle: http://www.n-tv.de/782749.html (http://www.n-tv.de/782749.html)


-.-

Quote
[...] Den Angeklagten wird vorgeworfen, auf Einladung der Gasgesellschaft und auf Kosten der damaligen Gaszulieferer Ruhrgas und Thyssengas an mindestens einer der Aufsichtsratsreisen nach Rom, Norwegen, Holland und zu anderen Veranstaltungsorten teilgenommen zu haben. Die so genannten „Lustreisen“ seien aber für das Geschäft des Aufsichtsrates unnötig und ohne dienstliche Notwendigkeit gewesen, hätten vor allem dem Vergnügen gedient. In einigen Fällen seien auch die Ehefrauen dabei gewesen. Das ergaben die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Schon vor fast zwei Jahren hatte Schwamborn bestätigt, dass er drei bis fünf Mal an solchen „Informationsreisen“ teilgenommen hatte, auch an der Reise nach Rom. An Vorteilsnahme aber habe er damals nicht gedacht. „Das war doch jahrzehntelange Übung. Ich hätte nie gedacht, dass diese Reisen strafrechtliche Dimensionen bekommen könnte“, äußerte er sich gestern gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Mehr wollte er wegen des laufenden Verfahrens nicht sagen.

Dabei wäre er noch im März fast glimpflich davon gekommen. Im Frühjahr wollte die Staatsanwaltschaft Köln nach Abschluss der Ermittlungen eigentlich die Verfahren gegen eine Bußgeldzahlung einstellen, wie in vielen ähnlich gelagerten Fällen. Doch da stießen die Kölner Ankläger auf den heftigen Widerstand des Gummersbacher Amtsgerichtes. Das war mit der Einstellung des Verfahrens gar nicht einverstanden. Also verfasste die Staatsanwaltschaft Köln die Anklageschriften gegen die 14 Beteiligten. Die haben jetzt Gelegenheit, sich zu den Anklagen zu äußern. Ende September will das Gummersbacher Amtsgericht entscheiden, ob das Hauptverfahren eröffnet wird.


Aus: "Anklage wegen „Lustreisen“" VON GISELA SCHWARZ (08.08.07)
Quelle: http://www.rhein-berg-online.ksta.de/html/artikel/1186044262691.shtml (http://www.rhein-berg-online.ksta.de/html/artikel/1186044262691.shtml)
Title: [Astronomische Summen... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 29, 2007, 12:44:21 PM
Quote
[...] Der Korruptionsverdacht gegen hohe EU-Beamte betrifft nach Medieninformation enorme Geldbeträge. Wie die Brüsseler Zeitung Le Soir am Mittwoch meldete, richten sich die Ermittlungen der belgischen Staatsanwaltschaft gegen zwei Kommissionsbeamte auf hoher Entscheidungsebene.

"Und die Beträge, um die es geht, sollen astronomisch sein", erfuhr die Zeitung aus Kreisen, die mit den Ermittlungen vertraut sind. Auch zwei italienische Europa-Abgeordnete seien in den Fall verwickelt.

Der Korruptionsverdacht mit internationaler Dimension war am Dienstag nach dreijährigen Ermittlungen bekannt geworden. Mehr als 150 Polizisten hatten am Morgen in vier Ländern Büros und Gebäude durchsucht, darunter Räume der EU-Kommission in Brüssel.

Allein in Belgien habe es 30 Durchsuchungen gegeben, berichteten belgische Medien am Mittwoch. Auch in Italien, Luxemburg und Frankreich suchten die Fahnder nach Beweismaterial. Die Brüsseler Justiz geht dem Verdacht auf Unregelmäßigkeiten bei der Beschaffung von Immobilien für EU-Vertretungen und dazugehörige Sicherheitstechnik nach.


Aus: "EU-Betrugsfall: "Astronomische Summen"" (SZ; 28.03.2007)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,ra2l1/wirtschaft/artikel/683/107576/ (http://www.sueddeutsche.de/,ra2l1/wirtschaft/artikel/683/107576/)

Title: [Kinderpatenschaften... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on April 10, 2007, 02:29:55 PM
Quote
[...] Barcelona - "Es traf mich wie ein Schlag", sagt Suso Navarrete aus Valencia. Er ist seit sieben Jahren Pate bei der in Untreue-Verdacht gekommen Hilfsorganisation "Intervida". Binnen kürzester Zeit sind in Spanien zwei Nichtregierungsorganisationen (NGOs) mit der Veruntreuung von Millionenbeträgen in die Schlagzeilen gekommen. Die Staatsanwaltschaft Kataloniens prüft nun die Bücher von Intervida - zu Deutsch "Zwischenleben". Ob die Spendengelder an ihr Ziel gelangen, ist mehr als fraglich. Es herrsche großer Zweifel, dass die Gelder wirklich zu Hilfszwecken eingesetzt wurden, zitierte der Fernsehsender SER die Ermittler.

"Es kam mir schon immer komisch vor, dass ich meinem Patenkind keine Geschenke senden durfte", wundert sich Navarette weiter. Man habe ihm lediglich versichert, dass mit der Spende die Infrastruktur der Umgebung des Kindes verbessert würde.

Intervida ist eine der größten Hilfsorganisationen Spaniens und erhält jährlich dank der Spender knappe 90 Millionen Euro an Einkünften. 21 Euro im Monat kostet die Patenschaft für Not leidende Kinder in armen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. "Machs für Dich, weil das Gefühl einem Kind zu helfen einfach unbezahlbar ist" - ist der noble Werbespruch der Organisation in Spots und beim Webauftritt. Mitarbeiter, die den Intervida-Leiter Spaniens, Eduardo Castellón in einem Brief zu mehr Transparenz mahnten, wurden schlichtweg entlassen.

Zwischen 1999 und 2001 verschwanden laut Behörden 45 Millionen Euro in einem verworrenen Netz an Sub- und Partnerunternehmen. Über teils fiktive Pharma-, Bau- und Immobilienfirmen soll das Spendengeld direkt in die Taschen der Leiter geflossen sein. Konkret ermitteln spanische wie peruanische Behörden um ein zweifelhaftes Immobilienunternehmen in Peru.

Vonseiten Intervidas heißt es, man habe nichts veruntreut und man werde den Ausgang der Untersuchungen abwarten. Man versichert: "Alle Mittel gehen direkt in die Entwicklungshilfe." Die Organisation werde wegen eines vergangenen Projektes verdächtigt, bei dem ein mittlerweile entlassener Mitarbeiter Dokumente gefälscht und Geld gestohlen habe. Dieser sei aber bereits von einem Gericht verurteilt worden.

Bereits im Februar wurde der Verein "Anesvad" beschuldigt, 18 Millionen Euro an Firmen weitergegeben zu haben, die nichts mit den Anliegen der Hilfsorganisation zu tun hatten. Deren Leiter, José Luis Gamarra Aranoa wurde verhaftet - die auch in der Entwicklungshilfe beheimatete NGO distanziert sich von all seinen Taten.

Der Leiter der Dachorganisation der Entwicklungs-Hilfeorganisationen Spaniens, José Luis Alonso, relativiert die jüngsten Skandale mit Zahlen: Dass bei 1500 gemeldeten Hilfsorganisationen, zwei bis drei durch Misswirtschaft in die Fänge der Justiz kämen, sei "ein kleiner Prozentsatz". Gerade bei großen NGOs werde mehr Kontrolle gefordert.

Intervida wurde in Spanien 1993 gegründet, 2002 wurde die Intervida World Alliance mit Dependancen in Frankreich, Italien, Japan und den USA ins Leben gerufen um die Fonds der einzelnen Landesgruppen zu vereinen.


Aus: "Spendenskandale erschüttern Spanien" 45 Millionen Euro sollen in einem Netzwerk für Kinderpatenschaften in Entwicklungsländern illegal abgezweigt worden sein (09. April 2007)
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=2835980 (http://derstandard.at/?url=/?id=2835980)

Title: [8,5 Millionen Euro zum Abschied... (Notiz)]
Post by: Textaris(txt*bot) on April 11, 2007, 03:18:07 PM
Quote
[...] Paris - Der frühere Airbus-Chef musste im Juli 2006 nach langen Machtkämpfen wegen der Produktionsprobleme bei dem Riesen-Airbus gehen. Forgeard habe gemäß seinem Arbeitsvertrag 4,89 Millionen Euro Abfindung und 1,22 Millionen Euro Gehaltsfortzahlung für sechs Monate bekommen, heißt es in einem EADS-Papier zur Hauptversammlung am 4. Mai.

[...] Außerdem erhalte Forgeard 2007 und 2008 monatlich rund 102.000 Euro - insgesamt 2,45 Millionen Euro - Entschädigung dafür, dass er in dieser Zeit nicht zur Konkurrenz gehe. Die Probleme mit dem A380 hatten die EADS-Aktie am 14. Juni 2006 um mehr als ein Viertel einbrechen lassen. Forgeard hatte vor Bekanntgabe der Probleme Aktienoptionen gezogen und EADS-Titel mit 3,7 Millionen Euro Gewinn verkauft. Deswegen wird gegen ihn wegen des Verdachts des Insiderhandels ermittelt.


Aus: "Ex-Airbus-Chef: 8,5 Millionen Euro zum Abschied" (ZEIT online, Tagesspiegel | 10.04.2007 16:46)
Quelle: http://www.zeit.de/news/artikel/2007/04/10/98934.xml (http://www.zeit.de/news/artikel/2007/04/10/98934.xml)


Title: [Das zuständige Aufsichtsratsgremium... (Siemens)]
Post by: Textaris(txt*bot) on April 16, 2007, 01:07:41 PM
Quote
[...] Trotz der aktuellen Schmiergeldaffäre bei Siemens, die mit der Verhaftung von Zentralvorstand Johannes Feldmayer Ende März einen neuen Höhepunkt erreicht hat, sind die Bezüge von Konzernchef Klaus Kleinfeld und seiner Vorstandskollegen zum 1. April um 30 Prozent gestiegen. Wie die 'WirtschaftsWoche' (kommende Ausgabe) berichtet, wurde damit die vorgesehene Erhöhung mit zwölfmonatiger Verzögerung umgesetzt.

Anfang 2006 war der Beschluss publik und nach heftigen Protesten ausgesetzt worden, als die frühere Handytochter in die Insolvenz ging. Das zuständige Aufsichtsratsgremium hatte die Anhebung der Bezüge ursprünglich zum 1. April 2006 beschlossen. (as)


Aus: "Siemens: Vorstandsbezüge am 1. April um 30 Prozent gestiegen: Kräftiger Nachschlag für Kleinfeld & Co." (14.04.2007)
Quelle: http://de.internet.com/index.php?id=2048904&section=Topstories (http://de.internet.com/index.php?id=2048904&section=Topstories)

-.-

Quote
[...] Die Korruptionsaffäre bei Siemens könnte der Süddeutschen Zeitung zufolge noch viel größere Ausmaße haben als bislang bekannt – auch über die am Wochenende bekannt gewordenen dubiosen Zahlungen bei der Siemens-Kraftwerkssparte hinaus. Ermittler einer vom Konzern beauftragten US-Kanzlei seien auf fragwürdige Zahlungen von insgesamt weit mehr als einer Milliarde Euro gestoßen, schreibt die Zeitung. Allein in der Kommunikationssparte seien dubiose Transfers von fast 900 Millionen Euro entdeckt worden, die bis Anfang der 90er Jahre zurückreichten. "Es geht um riesige Summen", heiße es in der Konzernspitze. Die neuen Erkenntnisse seien "schockierend".

Bislang bezifferte Siemens die entdeckten zweifelhaften Zahlungen auf 420 Millionen Euro. Ein Unternehmenssprecher sagte der Zeitung zu den Informationen: "Zwischenstände der internen Untersuchungen über die Quartalsveröffentlichungen hinaus kommentieren wir nicht."

Nach Informationen aus dem Unternehmen stießen die Anwälte der Kanzlei Debevoise & Plimpton auch in der Kraftwerkssparte auf dubiose Zahlungen von 250 bis 300 Millionen Euro, schreibt die Süddeutsche Zeitunga weiter. Auch hier gingen die Transaktionen bis in die 90er Jahre zurück. Die Prüfer seien auf eine Vielzahl unerklärlicher Transfers über Liechtenstein und andere ausländische Konten gestoßen, darunter in Abu Dhabi, heißt es unter Berufung auf das Umfeld der Ermittler. Es spreche einiges dafür, dass es dabei nicht um saubere Geschäfte gegangen sei, auch wenn nicht alle Zahlungen automatisch Schmiergeld sein müssten.

Bisher gab es keine konkreten Hinweise, das auch die Kraftwerkssparte in großem Stil schwarze Kassen gehabt haben könnte. Auch der Spiegel berichtet nun aber in seiner neuen Ausgabe, bereits im Jahr 2005 seien im Kraftwerksbereich fragwürdige Zahlungen von fast 190 Millionen Euro über Liechtenstein entdeckt worden. Diese Summe sei laut Konzerndokumenten zwischen 1997 und 1999 über drei Konten geflossen, schreibt das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf vorliegende Papiere. Die Antikorruptionsabteilung der Sparte habe bereits 2005 eine Erlanger Anwaltskanzlei beauftragt, die Zahlungen zu untersuchen. Bis heute sei unklar, wofür sie letzten Endes verwendet worden seien. Ein Siemens-Sprecher wollte die Angaben am Samstag nicht bestätigen.

[...] Siemens hatte sich vor einigen Tagen von seinem langjährigen obersten Korruptionsermittler Albrecht Schäfer getrennt. Nähere Angaben zu den Hintergründen der ordentlichen Kündigung machte Siemens nicht. Über eine Kündigung Schäfers war in der Vergangenheit bereits wiederholt spekuliert worden. Medienberichten zufolge gab es Vorwürfe aus dem Aufsichtsrat, Schäfer habe in einem Bericht über den Schmiergeld-Skandal bei dem Elektrokonzern im Dezember 2006 nicht umfassend genug ausgesagt und ein beschönigendes Bild von den Vorgängen vermittelt. Schäfer war bis Ende vergangenen Jahres oberster Korruptionsermittler bei Siemens. Am Mittwoch und Donnerstag hatte es auch neue Durchsuchungen in der Schmiergeldaffäre gegeben. Es geht um einen Fall, in dem Mitarbeiter von Siemens und Lurgi Lentjes einen Projektmanager der Europäischen Agentur für den Wiederaufbau in Belgrad bestochen haben sollen, um einen Auftrag von fast 50 Millionen Euro zur Generalüberholung eines Kraftwerks in Belgrad zu erhalten.

Quote
13. August 2007 9:19
Sau durchs Dorf treiben
Bithammer (100 Beiträge seit 02.12.02)

Will jemand den Siemens Konzern plätten ? Mich würde intressieren wer
daran intresse haben könnte den Siemens Standort Deutschland zu
gefährden ?

Dieses Scheinheilige Getue kotzt mich nur noch an !

Als wäre irgendeinkonzern besser als Siemens, die sind alle so - und
wers nicht glaubt ist verdammt blauäuigig. Der Punkt ist doch der -
Auf dem Globalen Markt müssen alle schmieren, wer das nicht tut  -
ist raus aus dem Geschäft.

Ist traurig, ist aber definitiv die Realität. Wer hier hinkommt und
sich da über die Korrupte Siemens auslässt, der weiss einfach nicht
was tatsache ist.

Allein wenn ich mir unsere Volksvertreter angucke, die in
Aufsichtsräten sitzen, das hat auch nur noch mit Industrie vertretung
etwas gemein, aber nicht mit Vertretern des Volkes.

Bananenrepublik mögen einige schimpfen, aber de Fakto sind alle
Staaten Bananenrepubliken. Die Systeme beuten alle Menschen aus, tut
doch mal nicht so als ob ihr das nicht wisst. Die Umverteilung von
Arm -> Reich machen alle.

Wenn der Wirtschaftsstandort DE für Siemens zu unaktraktiv gemacht
wird - dann gehen die woanders hin.

Quote
13. August 2007 9:34
Wie soll es bei 900 Millionen auch konkrete Hinweise geben...
SimonH (532 Beiträge seit 25.08.06)

...bei dem bischen Geld

Und natürlich hat da kein Chef von gewusst und es fällt natürlich
auch keiner Finanzbuchhaltung auf, das da nen paar Millionen in
diverse Auslandskonten fließen

Wieviele Schmiergelder gingen denn an deutsche Politiker damit die so
brav die Klappe halten?

Korruption ist ein Verbrechen und Verbrechen sollen doch so arg
bekämpft werden? Achso, das gilt ja nur für die Verbrecher die der
Staat nicht mag...

Quote
13. August 2007 10:01
Ich verstehe nicht wie mann so blind sein kann
Poldy00 (937 Beiträge seit 11.07.00)

...
was denken die Leite nur wenn Sie hören das Siemens, Airbus, EADS,
Mercedes, BMW, Volkswagen usw. usw. in China, Russland...
Großaufträge bekommen, bzw. Werke aufbauen dürfen.

Das dies Aufgrund der besseren Qualität, dem besseren Businessplan
oder
weil sie Deutsche/Europäische Firmen so toll finden bekommen?

In den meisten Ländern läuft ohne Korruption gar nichts, (Fängt schon
bei der Einreise an, 2,5h Warten oder 50US$ bezahlen).

Ich behaupte mal, es gibt schlichtweg kein einziges Unternehmen das
ohne die "persönliche" Zuwendung bei den Entscheidern in China oder
Russland auch nur eine Schraube dort verkauft bekommt. Airbus baut
dort gleich eine Fabrik, nur damit China ein paar Airbusse kauft.

Hoch die Tassen, für alle die in Zukunft Ihre Stelle verlieren, weil
mann keine bei Siemens keine $$$ mehr unter der Hand ausgeben kann.

Gruß Poldy

Ich finde Korruption auch alles andere als in Ordnung, aber in
einigen Ländern ist es so sehr teil der "Kultur" oder wie man es auch
immer nennen will, das mann schon schwer naiv sein muss wenn man
denkt das mann mit Russland oder China bei Großaufträgen ohne
auskommt.

Quote
13. August 2007 9:19
Umgerechnet in unterschiedliche Einheiten:
drolli (mehr als 1000 Beiträge seit 05.09.00)

Um hier mal die groessenordnung entspricht ca:

-500000 afghanische Jahresdurchschnittseinkommen
-100000 Mannjahre Hartz 4
-2000 Mannjahre Ingenieusarbeit
-8 Peanuts
-7 Mal Leuna-Kosten fuer Lobbymassnahmen
-1 Staatshaushalt Ruanda
-1/1000stel der Kosten des Irakkriegs (bis jetzt)



Aus: "Der Siemens-Korruptionsskandal weitet sich weiter aus" (13.08.2007)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/94266 (http://www.heise.de/newsticker/meldung/94266)

-.-

Quote
[...] Kleinfeld übernehme den neu geschaffenen Posten des Präsidenten, teilte Alcoa mit. Zudem zeichne der 49-jährige Deutsche für das operative Geschäft im Vorstand verantwortlich.


Aus: " Nach Siemens-Abgang: Kleinfeld bekommt Spitzen-Job bei Alcoa" (15. August 2007)
Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article1108014/Kleinfeld_bekommt_Spitzen-Job_bei_Alcoa.html#vote_1099532 (http://www.welt.de/wirtschaft/article1108014/Kleinfeld_bekommt_Spitzen-Job_bei_Alcoa.html#vote_1099532)

Title: [In-Sich-Geschäfte... (Berliner Bankenskandal)]
Post by: Textaris(txt*bot) on April 19, 2007, 09:11:00 AM
Quote
[...] Obwohl sich die Probleme bereits im Jahr 2000 häufen, verbreiten offizielle Stellen noch Optimismus mit u. a. von PricewaterhouseCoopers positiv testierten Geschäftsberichten und Expansionsplänen. Anfang 2001 kommen die ersten Berichte über Scheingeschäfte, Bilanzierungstricks und finanzielle Schwierigkeiten in die Presse. Anlass war der versuchte Verkauf der Immobilientochter IBAG an eine Scheinfirma auf den Kaimaninseln, die durch Kredite der Bankgesellschaft finanziert werden sollte (In-Sich-Geschäft).

Im Februar nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf, Anfang März trat Klaus-Rüdiger Landowsky, der als Architekt der Bankgesellschaft und als Graue Eminenz der Berliner CDU gilt, von seinem Posten als Vorstandschef der BerlinHyp zurück, später stellte er auch seine Posten in der Berliner CDU sowie im Abgeordnetenhaus zur Verfügung, da ihm unter anderem die Annahme von 20.000 DM, überreicht in bar von der AUBIS, vorgeworfen wird. Mitte des Monats wurde ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss eingesetzt, der die Vorgänge um die Bankgesellschaft und AUBIS beleuchten sollte.

Im weiteren setzen hektische Rettungsversuche ein, die aber zu nichts führen. Im Mai wurde klar, dass die Bankgesellschaft 2 Milliarden Euro benötigt, um ihre Geschäfte fortführen zu können. Zu diesem Zeitpunkt erfolgten kurz hintereinander Einbrüche in mehrere Gebäude der Bankgesellschaft, die Ermittlungsbehörden konnten aber keine Zusammenhänge feststellen.

[...] Die juristische Aufarbeitung des Bankenskandals läuft noch, aber das Land Berlin ist durch die Kapitalzuführung von 1,7 Milliarden Euro sowie durch die Übernahme von bis zu 21,6 Milliarden Euro an Immobilienrisiken mittlerweile finanziell stark belastet. Wie mit den angehäuften Kreditrisiken, die die zweite Ursache für die Schieflage der Bankgesellschaft waren, umzugehen ist, wird sich wohl im anstehenden Veräußerungsverfahren zeigen.

Die Konsequenz ist eine „extreme Haushaltsnotlage“, wie der Senat per Beschluss schon im November 2002 feststellte. Der Bund lehnte im April 2003 ab, dem Land Schuldenhilfe zu gewähren. Daraufhin reichte Berlin im Herbst Klage beim Bundesverfassungsgericht ein, in einer Erklärung des Senats heißt es, das Land erfülle die Kriterien, wie sie im Urteil zur Haushaltsnotlage der Länder Saarland und Bremen 1992 festgestellt wurden. Man erhoffte sich Hilfen zum Schuldenabbau in Höhe von 35 Milliarden Euro, jedoch wurde die Klage am 19. Oktober 2006 mit der Begründung, das Ausbleiben der Sanierungshilfe sei mit der Verfassung vereinbar, abgelehnt. Dem Urteil zufolge könne Berlin sein Finanzproblem aus eigener Kraft überwinden.




Aus: "Berliner Bankenskandal" (04/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Bankenskandal (http://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Bankenskandal)

Title: [Insider-Gewinne im Kindersitz... (Notiz)]
Post by: Textaris(txt*bot) on April 25, 2007, 05:38:32 PM
Quote
[...] Schwedens Finanzwelt wird von einem der größten Insiderskandale des Landes erschüttert. Einer Reihe von Personen wird vorgeworfen, ihr berufliches Wissen genutzt zu haben, um privat Millionen von Euro mit Aktienhandel verdient zu haben. Bisher sind zwei Männer vorläufig festgenommen worden. „Es drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis“, sagte Robert Engstedt von der für Wirtschaftskriminalität zuständigen Anklagebehörde Ekobrottsmyndigheten.
Ob es wirklich zu einer Verurteilung kommt, ist allerdings noch unklar. In weniger schweren Fällen waren die Angeklagten in Schweden in der jüngeren Vergangenheit mehrfach freigesprochen worden. Bei einer Hausdurchsuchung hat die Polizei gestern eine größere Summe Bargeld, die Rede ist von mehreren Millionen Kronen, gefunden. Ein Teil des Geldes war in einem Autositz für Kinder versteckt gewesen.


Aus: " Aktien-Skandal: Insider-Gewinne im Kindersitz versteckt" (24. April 2007)
Quelle: http://www.welt.de/finanzen/article830308/Insider-Gewinne_im_Kindersitz_versteckt.html (http://www.welt.de/finanzen/article830308/Insider-Gewinne_im_Kindersitz_versteckt.html)
Title: [Jürgen Maßmann ist offenbar in Syrien untergetaucht... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on June 26, 2007, 10:58:30 AM
Quote
[...] Der wegen Schmiergeldannahme verurteilte Ex-Thyssen-Rüstungsmanager Jürgen Maßmann ist offenbar in Syrien untergetaucht, um einem Zeugenauftritt im Prozess gegen den Politikersohn Max Strauß zu entgehen.


Aus: "Strauß-Prozess: Wichtiger Zeuge untergetaucht" (25.06.2007)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/bayern/artikel/354/120203/ (http://www.sueddeutsche.de/bayern/artikel/354/120203/)
Title: [Scheinrechnungen in der Finanzaufsichtsbehörde... (Notiz)]
Post by: Textaris(txt*bot) on July 05, 2007, 12:12:14 PM
Quote
[...] Ein ehemaliger Beamter der obersten deutschen Finanzaufsichtsbehörde muss wegen Millionen-Betrügereien sechs Jahre in Haft. Der 53-jährige Gruppen- und Referatsleiter hatte zusammen mit einem Komplizen die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) um rund 6,4 Millionen Euro geprellt, um seinen ausschweifenden Lebenswandel zu finanzieren.

Das Landgericht Bonn verurteilte ihn wegen Untreue in 89 Fällen und Bestechlichkeit in einem Fall. "Zu Lasten des Angeklagten geht der hohe ideelle und materielle Schaden, der der Bafin entstanden ist", erklärte Richter Hinrich de Vries. "Das Urteil ist gerecht", sagte der Verteidiger des Angeklagten, Karl-Christoph Bode. Es liege im Rahmen des Erwarteten. Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre und sechs Monate Gefängnis gefordert.

Das Geld hatte der für die Beschaffung von Computertechnik und Software zuständige Angeklagte vor allem zwischen September 2003 und Februar 2006 gemeinsam mit dem Betreiber einer Beraterfirma durch Scheinrechnungen über nicht erbrachte Leistungen abgezweigt. Dazu gehörten Rechnungen über Softwarelizenzen, die die Bafin weder brauchte noch installierte, und Rechnungen über die Wartung dieser nicht installierten Software.


Aus: "Haft für korrupten Beamten" (04.07.2007)
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/?sid=29e0661339747a32e1e4656d6757ad16&em_cnt=1167027 (http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/?sid=29e0661339747a32e1e4656d6757ad16&em_cnt=1167027)

Title: ['unerklärliche' Kursbewegungen... (Notiz)]
Post by: Textaris(txt*bot) on August 07, 2007, 12:52:58 PM
Quote
[...] Der M&A-Boom in den USA hat nach einem Bericht der Financial Times eine Zunahme an Insider-verdächtigen Aktiengeschäften ausgelöst. Die Zahl dieser Aktienbewegungen habe in den vergangenen fünf Jahren um das Vierfache zugenommen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf eine Studie des kanadischen Forschungsunternehmens Measuredmarkets. Fast 60 Prozent der 27 grösseren Transaktionen in Nordamerika seien von 'unerklärlichen' Kursbewegungen begleitet worden. Im Jahr 2003 sei das noch bei 14 Prozent der Übernahmen der Fall gewesen. Eine Begründung für die Insider-verdächtigen Aktiengeschäfte könne die gestiegene Zahl an Hedge-Fonds sein. (cp)


Aus: "Insidergeschäfte im Aufwind" (06.08.2007)
Quelle: http://www.boerse-express.com/cgi-bin/page.pl?id=594532 (http://www.boerse-express.com/cgi-bin/page.pl?id=594532)
Title: [Subprime und Konsumdruck... (Notiz)]
Post by: Textaris(txt*bot) on August 13, 2007, 11:43:45 AM
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[...] Als Subprime werden Schuldner mit niedriger Bonität bezeichnet, arme Menschen, die sich den Kredit, den sie aufnehmen, eigentlich nicht leisten können.

Aus: "UNTERSCHÄTZTE MILLIARDEN-RISIKEN: US-Kreditkrise erfasst immer mehr deutsche Banken" (11. August 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,499451,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,499451,00.html)


http://de.wikipedia.org/wiki/Subprime-Markt (http://de.wikipedia.org/wiki/Subprime-Markt)


Bonität ist ein Synonym für Kreditwürdigkeit.
http://de.wikipedia.org/wiki/Bonit%C3%A4t (http://de.wikipedia.org/wiki/Bonit%C3%A4t)

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[...] Am Mittwoch rutschte etwa der Dow-Jones-Index in den USA erstmals seit vier Monaten unter die 13.000er-Marke. Die US-Notenbank ("Fed") ließ daraufhin weitere sieben Milliarden Dollar (5,19 Mrd Euro) für den Geldmarkt springen. Die Wirkung war allerdings schnell verpufft.

Zum Vergleich: Am Freitag konnte die Fed mit 19 Mrd. Dollar den gesamten Tag retten. Die Wirkung der sieben Milliarden vom Mittwoch hielt demgegenüber gerade einmal zwei Stunden an. In der letzten Stunde vor Handelsschluss folgte eine weitere Talfahrt des Dow bis auf 12.861 Punkte.


Aus: "Cash-Infusionen wirken immer schlechter:" (16.08.2007)
Quelle: http://www.orf.at/070815-15511/index.html (http://www.orf.at/070815-15511/index.html)

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[...] Aus dem Verkauf von Papieren, die mit Subprime-Produkten in Verbindung stehen, sei es zu einem Liquiditätsverlust von rund 600 Mio JPY gekommen, teilte die Mizuho Financial Group Inc mit. Die Sumitomo Trust & Banking Co spricht von einem Wertverlust von 200 Mio JPY zum 31. Juli. Bei der Mitsui Trust Holdings Inc heißt es, durch das Engagement in Investmentfonds, welche auch Subprime-Produkte enthalten, sei ein Verlust von 3,6 Mrd JPY entstanden.


Aus: "UPDATE: Japans Banken legen Subprime-Engagement offen" (15.08.2007)
Quelle: http://www.finanztreff.de/ftreff/news,id,27300856,sektion,nachrichten.html (http://www.finanztreff.de/ftreff/news,id,27300856,sektion,nachrichten.html)

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[...] Was davon "subprime" ist, wird analysiert.

[...] Es handelt sich vielmehr um eine US-Hypothekenkrise in einem ganz bestimmten Segment, den Subprime-Krediten für Eigenheimbesitzer", sagt Markus Derkum...

[...] Vom Subprime-Schock zeigte sich das Kreditinsitut unbeeindruckt.

[...] Sein Rücktritt hat nicht mit der US-Subprime-Krise zu tun"

[...] Ein WestLB-Sprecher räumte am Wochenende ein, die Bank habe „über alle Positionen des Handels- und Bankbuchs 1,25 Milliarden Euro in Subprime-Wertpapieren...

[...] Sommer Optimismus zu Zeiten der Subprime-Krise...

[...] Wenn herauskommt, dass sich eine weitere große europäische oder US-Bank den Subprime-Risiken ausgeliefert hat, dann droht uns ein wilder Ritt...

[...] Die Ausweitung der US-Subprime-Krise und die Liquiditätsengpässe am Geldmarkt haben Ängste...

[...] Nun hat die Subprime-Krise auch die französische Bank BNP Paribas erwischt. Sie musste...

[...] Hintergrund ist die Subprime-Krise, die die Nervosität der Anleger erhöht...

[...] Noch Mitte der 1990er Jahre entfielen auf den Subprime-Markt laut Wikipedia nur zwei Prozent aller Hypothekenkredite. Heute wird er auf 25 Prozent geschätzt...

[...] Bei der HRE hält sich am heutigen Freitag das hartnäckige Gerücht, der Konzern sei von der Subprime-Krise in den USA betroffen. Obwohl der Konzern erklärte...

[...] In der Tat erleben die Anleihen im Zuge der sich zuspitzenden Subprime-Krise um zweitklassige Hypothekenkredite in den USA einen Ausverkauf...

[...] Warnten viele Analysten schon zu Jahresbeginn, dass die Krise am amerikanischen Subprime-Markt nicht auf diesen begrenzt bleiben werde und schon gar nicht...

[...] Es gibt trotz der aus dem Subprime-Bereich herrührenden Probleme keine systemischen Risiken für das globale Finanzsystem, wie Stephen Pope, Chef-Analyst bei...


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[...] Angesichts der andauernden Hypothekenkrise hat die US-Notenbank dem Geldmarkt der USA erneut eine Liquiditätsspritze gegeben. Dem Geldmarkt seien sieben Milliarden Dollar (5,19 Mrd. Euro) zugeteilt worden, teilte die Fed am Mittwoch in Washington mit.

Bereits am Freitag und Montag hatten die Währungshüter die Märkte mit zusätzlicher Liquidität in Höhe von insgesamt rund 40 Milliarden Dollar versorgt.

(APA)


Aus: "US-Notenbank teilt dem Geldmarkt sieben Milliarden Dollar zu" (15.08.2007)
Quelle: http://www.wirtschaftsblatt.at/home/boerse/binternational/254622/index.do (http://www.wirtschaftsblatt.at/home/boerse/binternational/254622/index.do)

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[...] Die Investoren reagierten beunruhigt und machten an den Aktienmärkten in den USA, Europa und Asien erneut Kasse. Von der Entspannung nach den massiven Finanzspritzen der Notenbanken in den vergangenen Tagen war am Mittwoch nicht mehr viel zu spüren.

In den USA sah sich ein Fonds, der vor allem im Rohstoffsegment etwa 1,6 Milliarden Dollar verwaltet, veranlasst, seine Kunden vor einem massiven Mittelabzug zu warnen. Ansonsten drohten erhebliche Verluste, erklärte Sentinel Management dem Vernehmen nach in einem Schreiben an die Investoren vom 13. August.

Medienberichten zufolge beantragte die Gesellschaft bei der zuständigen US-Aufsichtsbehörde CFTC, alle Zahlungen an die Anleger einstellen zu dürfen, bis sich die Lage stabilisiere. Sentinel selbst wollte dazu keine Stellungnahme abgeben.

Die Nachrichten lösten am Dienstag an der Wall Street Kursverluste aus: Der Dow-Jones-Index sank auf den tiefsten Stand seit dem 24. April.
Auch von anderen Finanzinstituten trudelten schlechte Nachrichten ein: Der US-Hypothekenfinanzierer Thornburg Mortgage verschob wegen Liquiditätsproblemen die Dividendenzahlung um etwa einen Monat: Die Aktie brach um 47 Prozent ein.

Thornburg sah sich wegen der Krise sogar genötigt mitzuteilen, derzeit dennoch nicht Gläubigerschutz nach Kapitel 11 zu beantragen. Als Grund für die Engpässe nannte die Firma "beachtliche Verwerfungen“ im Hypothekenmarkt und einen bislang nicht erlebten Wertverfall ihrer mit entsprechenden Darlehen besicherten Wertpapieren.

[...] Wegen der rasant gestiegenen Zahl an Ausfällen bei Baufinanzierungen in den USA haben sich weltweit viele Anleger in den vergangenen Wochen panikartig aus Papieren zurückgezogen, die mit Forderungen aus solchen Hypothekenkrediten besichert sind.

Dies führte bei vielen Fonds zu massiven Wertverlusten und zwang sie dazu, Auszahlungen zu stoppen. Weltweit stieg die Angst vor einer Ausweitung der Krise auf den gesamten Kreditmarkt. Entsprechende Befürchtungen belasteten auch die Aktienmärkte und veranlassten wiederum Zentralbanken rund um den Globus zu milliardenschweren Finanzspritzen in das Bankensystem.

Die Lage am Geldmarkt, auf dem sich Banken mit Liquidität versorgen, stabilisierte sich seither. An den Aktienmärkten allerdings dürfte die Krise längst nicht überstanden sein. "Der Markt schießt zuerst und stellt später Fragen“, sagte ein Stratege. Die Märkte seien ohnehin nervös und Schwäche führe zu weiterer Schwäche. Der Deutsche Aktienindex verlor bis zum Nachmittag mehr als 0,8 Prozent.

[...] Am Montag und am vergangenen Freitag hatte die US-Notenbank wegen Liquiditätsengpässen infolge der Krise am US-Hypothekenmarkt insgesamt rund 40 Milliarden US-Dollar in den Markt gepumpt.

Die Europäische Zentralbank sah am Dienstag eine allmähliche Normalisierung am Geldmarkt. Die EZB hatte infolge der Turbulenzen an den Finanzmärkten wegen der US-Immobilienkrise vier Mal Milliardensummen in den Markt gepumpt, hielt am Mittwoch aber still.

Zuletzt stellte die Notenbank den Geschäftsbanken am Dienstag 7,7 Milliarden Euro frisches Geld zur Verfügung. Seit vergangenen Donnerstag summierte sich die Summe, mit abnehmender Tendenz, damit auf über 210 Milliarden Euro

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15.08.2007 18:35:15
Willy Fry: Hintergrundbericht

Wie wäre es denn mal mit einem Hintergrundbereciht über die US-Verschuldung. Des Staates und der Bürger. Und wer die Finanzierer der Schulden des US-amerikanischen Staates und der Bürger sind.

Würde als Analyse in der jetzige Situation die Finanzmärkten völlig hoffungslos machen.

Wahrscheinlich liest man dies demnächst im SPIEGEL. Der 1989 auch als erste Publikation gewahr wurde, dass die DDR völlig pleite war.


Aus: "Hypothekenkrise: Wenn Schwäche schwächer macht" (15.08.2007)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/450/128240/ (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/450/128240/)

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[...] SPIEGEL ONLINE: Professor Frank, die US-Mittelklasse neigt dazu, immer mehr Geld für Statussymbole auszugeben. Fangen wir bei Ihnen an: Wie teuer war Ihr Auto?

[Ökonom Robert Frank]: Nicht übertrieben teuer. Obwohl mir ein Bekannter mal zu einem Porsche geraten hat, fahre ich einen Miata von Mazda. Der hat ein Verdeck, liegt tief auf der Straße, lenkt sich gut - ist aber wohl der billigste Sportwagen, den man kriegen kann. Wir haben allerdings noch einen Kombi von Subaru, und meine Frau fährt einen BMW 330Xi.


[...] SPIEGEL ONLINE: In Ihrem Buch "Falling Behind" beschreiben Sie, dass US-Normalfamilien immer mehr und größere Autos fahren - und auch die Häuser im Schnitt geräumiger sind als in den achtziger Jahren. Trotzdem gehe es der Mittelklasse wirtschaftlich schlechter, schreiben Sie. Warum?

Frank: Die Einkommen der US-Mittelklasse liegen inflationsbereinigt ungefähr so hoch wie vor 20 Jahren. Der reale Lohn pro Stunde ist sogar gefallen. Wenn Sie sich trotzdem genötigt sehen, ein größeres Haus zu kaufen, wird es schwierig: noch mehr arbeiten, höhere Kredite, längere Pendelzeiten zur Arbeit. Viele Mittelklassefamilien leiden unter diesem Konsumdruck. Oft führt er zu steigenden Scheidungsraten und Insolvenzen.

SPIEGEL ONLINE: Ist die US-Mittelklasse nicht selbst schuld, wenn sie mehr ausgibt, als sie sich leisten kann?

Frank: Wenn sich ein Land in einem Wettrüsten mit einem zweiten befindet und keine Kliniken mehr baut, sondern nur noch Bomben - ist es dann selbst schuld? Was, wenn das das zweite Land mehr Panzer hat, eine größere Armee und droht, Sie zu überfallen? Auch die Mittelklasse in den USA ist in einem Wettrüsten gefangen - bei den Konsumausgaben. Aus eigener Kraft kommt sie da nur schwer heraus.

SPIEGEL ONLINE: Wer hat dieses Wettrüsten angefangen?

Frank: Es ergibt sich aus der wachsenden Ungleichheit in unserer Gesellschaft. In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Reichtum der Oberschicht exponentiell gesteigert. 1982 gab es nur 13 Milliardäre in den USA, 2005 waren es 374. Die Reichen haben mehr Geld, sie geben mehr aus - das ist normal. Dadurch ändern sich aber in der gesamten Gesellschaft die Vorstellungen darüber, was als angemessen gilt. Und das setzt die Mittelschicht unter Druck.

SPIEGEL ONLINE: Kann es dem Lehrer oder der Büroangestellten nicht egal sein, dass sich Larry Ellison eine protzige Jacht anschafft und Bill Gates in einem Palast residiert?

Frank: Natürlich stellt die Mittelklasse ihre Konsumgewohnheiten nicht um, nur weil sie Fotos von Luxusvillen sieht. Darüber ärgert man sich nicht, man fühlt sich eher amüsiert. Der Effekt ist indirekt: Wenn die Reichsten der Reichen größere Häuser kaufen als früher, verleiten sie die soziale Schicht direkt unter ihnen, ebenfalls mehr auszugeben. Das setzt sich fort - bis nach ganz unten. Eine vernünftige Dinner-Party hat man früher für 30 Leute gegeben. Heute lädt man 40 ein - also brauchen Sie ein größeres Esszimmer.

SPIEGEL ONLINE: Eine vernünftige Familie müsste trotzdem sagen: Wir können uns dieses Haus nicht leisten, wir kaufen ein kleineres.

Frank: Wenn Sie sich für ein billigeres entscheiden, heißt das in der Regel, dass Sie in einem schlechteren Viertel wohnen. Dann gehen Ihre Kinder auf minderwertige Schulen, denn in den USA werden Schulen über das lokale Steueraufkommen finanziert. Für Normalverdiener ist das ein schmerzhaftes Dilemma. Genauso gut könnte man sagen: Ich brauche kein großes Auto, ein Honda Civic reicht. Scheinbar vernünftig - doch dann fahren um Sie auf dem Highway lauter wuchtige SUVs herum. Ihre Sparsamkeit bezahlen Sie mit einem gestiegenen Risiko, bei einem Unfall zu sterben.

SPIEGEL ONLINE: Also spart der Mittelklasse-Amerikaner lieber anderswo?

Frank: Es kommt immer öfter vor, dass auch Mittelklasse-Familien keine Gesundheitsversicherung besitzen. Wird einer krank, ist der Privatbankrott der nächste Schritt. Die USA sind ein reiches Land, aber wir geben unser Geld auf seltsame Weise aus. Wir haben genug für den erstaunlichsten Luxus - aber zu wenig für ganz Grundlegendes.

SPIEGEL ONLINE: Eine typisch europäische Lösung wäre: Rauf mit den Steuern für Spitzenverdiener!

Frank: Wenn Sie den Verdienst besteuern, schadet das der Sparquote. Außerdem verleiten hohe Einkommensteuern manche Wohlhabende zur Steuerflucht. Sinnvoller ist es, das Sparen und Investieren auch bei Beziehern extrem hoher Einkommen zu fördern - ihnen aber den Anreiz zu nehmen, exzessiv viel für Unproduktives auszugeben.

SPIEGEL ONLINE: Sie schlagen eine Steuer auf Konsum vor ...

Frank: ... ja, eine Konsumsteuer mit progressivem Satz. Jeder bekommt einen Freibetrag, zum Beispiel 7500 Dollar pro Jahr. Wer netto mehr für Konsum ausgibt, wird zunächst mit 20 Prozent belastet. Ab 100.000 Dollar Konsum wären es 34 Prozent - und ab fünf Millionen Dollar würde der Satz sehr hoch, meinetwegen 200 Prozent.

SPIEGEL ONLINE: Die Konsumsteuer wäre dann viel höher als der Kaufpreis. Damit werden Sie sich viele Feinde machen.

Frank: Es scheint vielleicht, als könnten reiche Amerikaner ihren Lebensstandard dann nicht mehr halten. Aber sehen Sie, bei einem Ausflug nach New York habe ich neulich erfahren, dass es Lieferengpässe bei 45.000-Dollar-Uhren gibt - so viele werden davon verkauft! Patek Philippe bot sogar eine Armbanduhr für 2,7 Millionen Dollar an. Eine progressive Konsumsteuer gäbe den reichsten Amerikanern einen Anreiz, sich billigere Armbanduhren und kleinere Villen anzuschaffen. Wäre das ein so großes Opfer? Außerdem: Wenn Reiche ihr Einkommen sparen und investieren statt zu konsumieren, wäre das nach meinem Plan steuerfrei - für viele hochattraktiv.

SPIEGEL ONLINE: Aber im Ernst: Eine so radikale Änderung des US-Steuersystems ist weder mit Demokraten noch Republikanern zu machen.

Frank: Im Moment wohl nicht. In zehn Jahren vielleicht schon. Die USA sind ein interessantes Land: Wir gehen manchmal verrückte Wege und verzetteln uns, aber auf lange Sicht siegt meist der Pragmatismus. Es gab im Übrigen schon 1995 einen Vorschlag im Senat für eine Konsumsteuer, vom Republikaner Pete Domenici und dem Demokraten Sam Nunn. So radikal kann die Idee also nicht sein.

SPIEGEL ONLINE: Selbst wenn sich Ihr Vorschlag nicht durchsetzt: Die nächste US-Regierung wird unweigerlich viele der Steuervorteile für Spitzenverdiener zurücknehmen, die unter George W. Bush eingeführt wurden.

Frank: Diese Privilegien laufen automatisch aus, wenn sie nicht verlängert werden. Und verlängern kann man sie nicht, sonst explodiert das Staatsdefizit. Auch viele Republikaner sehen das so. Die Wahl wird aber wahrscheinlich von den Demokraten gewonnen. Wenn Ihnen jemand sagt, die Chance für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten 2008 stehe 50 zu 50 oder besser, und er bietet Ihnen eine Wette an - dann leihen Sie sich so viel Geld, wie Sie irgendwie können, und wetten Sie dagegen.

Das Interview führte Matthias Streitz

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fritzyoski, 14.08.2007, Smoke and Mirrors

Ich wohne seit 20 Jahren in den USA, zur Zeit in Miami und kann daher recht gut beurteilen was hier so laeuft. Alles wird auf Pump gekauft. Hauser, Autos, Computer, Fernseher, neue Spuelmaschine, usw.
Stimmt schon, wer ein preiswertes Haus kauft wohnt meistens in einem schlechten Schulbezirk. Die Schulen werden halt ueber die Immobiliensteuer finanziert. Es sieht jetzt allerdings so aus als ob viele Schuldner Schwierigkeiten bekommen ihre zahlreichen Rechnungen zu begleichen. Vor allem die Haeuslebauer haben sich arg uebernommen. Ausserdem wurden in Zeiten steigender Immobilienpreise gerne die sogenannten "home equity loans" finanziert um sich mal schnell einen neuen SUV zu kaufen oder auf Urlaub zu gehen. Es wurde also der gestiegene Wert des Hauses angezapft um das Konsumbeduerfnis zu befriedigen. Auch diese Praxis hat in den letzten Wochen ein jaehes Ende gefunden.
Die USA Wirtschaft basiert zum grossen Teil auf windigen Finanzgeschaeften. Klar, das GDP (Bruttosozialprodukt) waechst 4% oder was auch immer. Aber wenn man mal genauer hinschaut was da so alles waechst ist es wirklich nicht so beeindruckend. Da werden Schulden mit 'ner grossen Schippe von einem Haufen auf 'nen anderen geschaufelt und schon ist der GDP mal wieder einige Prozent angeschwollen. Hergestellt wird hier leider nur noch wenig (Pharma und Flugzeuge ist das einzige was noch gut laeuft), es ist alles nur noch "smoke and mirrors"...also Rauch und Spiegel wie beim Zauberer auf der Buehne.


Aus: "US-VERBRAUCHER: "Die Mittelklasse leidet unter Konsumdruck"" (14. August 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,497810-2,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,497810-2,00.html)

Title: [Eine Vielzahl fiktiver Darlehensauszahlungen... (Notiz)]
Post by: Textaris(txt*bot) on August 16, 2007, 12:40:35 PM
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[...] Düsseldorf (ddp.djn). Der 32-jährige Leiter einer Commerzbank (Xetra: 803200 - Nachrichten) -Filiale in Düsseldorf soll etwa 1,4 Millionen Euro veruntreut haben. Wie die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte, hatte der Mann eine Vielzahl fiktiver Darlehensauszahlungen auf insgesamt 22 Konten vorgenommen, auf die er Zugriff hatte. Anschließend verwendete er das Geld für private Zwecke.

Die Taten aus den Jahren 2004 bis 2006 wurden in der vergangenen Woche durch interne Ermittlungen der Revisionsabteilung
aufgedeckt.


Aus: "Commerzbank-Filialleiter soll 1,4 Millionen Euro veruntreut haben" (15. August 2007)
Quelle: http://de.biz.yahoo.com/15082007/336/commerzbank-filialleiter-1-4-millionen-euro-veruntreut.html (http://de.biz.yahoo.com/15082007/336/commerzbank-filialleiter-1-4-millionen-euro-veruntreut.html)
Title: ["Gutsherrenart"... (Notiz, SachsenLB)]
Post by: Textaris(txt*bot) on August 30, 2007, 01:25:24 PM
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[...] Liquiditätskrise 2007:

Die Sächsische Landesbank Sachsen LB hatte über die Conduits Ormond Quay und Georges Quay in Irland amerikanische Subprime-Kredite aufgekauft, die im Sommer 2007 notleidend wurden.

Obwohl die Sachsen LB noch am 10. August 2007 mitteilte, dass sie über ausreichende Liquidität verfüge,[2] mussten ihr nur sieben Tage später die Sparkassen-Organisationen eine Kreditlinie von 17,3 Mrd. Euro zur Verfügung stellen,[3] da aufgrund mangelnder Liquidität ihre Existenz gefährdet war.[4]

In den darauffolgenden Tagen schied zunächst der für das Kapitalmarktgeschäft zuständige Vorstand Stefan Leusder aus dem Unternehmen aus, [5] die Veröffentlichung des Halbjahresberichts wurde verschoben, [6] und es begann die Suche nach einem Investor, um die Sachsen LB durch eine Übernahme vor einer drohenden Verlusterklärung zu retten.[7]

Wie am 26. August 2007 bekannt wurde, übernimmt die Landesbank Baden-Württemberg die Sachsen LB für einen Kaufpreis von zunächst „mindestens 300 Mio. Euro“, dessen endgültige Festlegung aber erst nach einer abschließenden Bewertung des Unternehmens am Jahresende 2007 erfolgen soll.[8]


Asu: "http://de.wikipedia.org/wiki/SachsenLB" (29/08/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/SachsenLB (http://de.wikipedia.org/wiki/SachsenLB)

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[...] Die Verantwortlichen hätten immer nur nach "Gutsherrenart" informiert, sagte Landrätin Köpping.


Aus: "INFORMATIONSVERWEIGERUNG: Kontrolleure der SachsenLB fühlen sich belogen" (30. August 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,502837,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,502837,00.html)

Title: [Stets als "Law and Order"-Minister bekannt... (Notiz, Kanther)]
Post by: Textaris(txt*bot) on September 28, 2007, 10:16:42 AM
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[...] Die Angeklagten legten keinen Widerspruch ein, das Urteil ist damit rechtskräftig. "Ich habe zugestimmt, weil ich nicht wollte, dass sich die nächsten Jahre in dem Prozess erschöpfen", sagte Kanther. Er hatte zusammen mit Weyrauch und dem ehemaligen hessischen CDU-Landesschatzmeister Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein seit 1983 rund 21 Millionen Mark aus dem Vermögen seiner Partei auf geheime Konten in der Schweiz und in Liechtenstein transferiert, um sie der bevorstehenden Veröffentlichungspflicht zu entziehen. Die schwarzen Kassen wurden teilweise als jüdische Vermächtnisse getarnt und unter anderem zur Wahlkampffinanzierung verwendet. "Jeder Pfennig dieses Vermögens wurde für die CDU ausgegeben", sagte Kanther nach der Urteilsverkündung.

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NIE4, 27.09.2007 20:37   
 
hat er und die CDU sich am Ende doch noch frei kaufen können.
dann kann Koch womöglich doch weiter regieren und der deutsche Steuerzahler muss nun doch noch für Kanthers Pension aufkommen.

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Mr. Spock, 27.09.2007 19:10   
 
Verbrechen zahlt sich aus!


Aus: "CDU-Schwarzgeldaffäre: Ex-Innenminister Kanther zu Geldstrafe verurteilt" (27. September 2007)
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=3052166 (http://derstandard.at/?url=/?id=3052166)
 

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[...] Als Bundesinnenminister hatte er der Geldwäsche den Kampf angesagt; am 13. Mai 2000 steht Manfred Kanther vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages zur CDU-Parteispendenaffäre und wundert sich, dass gegen ihn von der Staatsanwaltschaft Ermittlungen durchgeführt werden. In Kanthers Amtszeit als Generalsekretär der Hessen-CDU wurden 1983 rund 20,8 Millionen D-Mark auf schwarze Konten in die Schweiz transferiert und später nach Bedarf wieder zurückgeholt. In diesem Zusammenhang verwies Kanther auf (s)ein „schlechtes Erinnerungsvermögen“, da er bei Bekanntwerden der Vorgänge im Januar des Jahres 2000 von einer Geldsumme von höchstens 9 Millionen D-Mark ausging. Ebenso konnte Kanther nicht erklären, woher das Geld ursprünglich stammte und wer die Spender waren. Ferner konnte er auch keine Angaben zum Verbleib einer Summe von über 600.000 D-Mark machen; Kanther war sich dabei aber sicher, dass sich niemand privat bereichert habe.


Aus: "CDU-Spendenaffäre" (28.09.2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/CDU-Spendenaff%C3%A4re#Spendenaff.C3.A4re_der_hessischen_CDU (http://de.wikipedia.org/wiki/CDU-Spendenaff%C3%A4re#Spendenaff.C3.A4re_der_hessischen_CDU)

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[...] Vom 5. April 1987 bis zum 4. April 1991 amtierte er in der von Ministerpräsident Walter Wallmann geführten Landesregierung als Hessischer Staatsminister der Finanzen. Am 7. Juli 1993 wurde er dann als Bundesminister des Innern in die von Bundeskanzler Helmut Kohl geführte Bundesregierung berufen. Kanther war während seiner Zeit als Bundesinnenminister stets als "Law and Order"-Minister bekannt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kanther (http://de.wikipedia.org/wiki/Kanther) (28.09.2007)

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[...] Law and Order (Anglizismus, deutsch: Recht und Ordnung) ist ein politisches Schlagwort, mit dem eine Politik bezeichnet wird, die sich vor allem der inneren Sicherheit als Mittel bedient. Politiker (Legislative) oder Juristen (Judikative) können mit dem Attribut belegt werden, wenn sie Priorität auf höhere Staatsausgaben für Polizei (Exekutive), Gefängnisse und Datensammlung, -verarbeitung und -verknüpfung oder auf strengere Gesetze in der Strafvereitelung, Strafverfolgung und Strafvollstreckung legen.
[...]
http://de.wikipedia.org/wiki/Law_and_Order_%28Politik%29 (http://de.wikipedia.org/wiki/Law_and_Order_%28Politik%29) (28.09.2007)


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[...] BONN, im Januar. [...] Er lebt noch immer in seinem Haus in Königswinter und redet über Millionen, die auf geheimen Konten verschwanden. Damals. Als er ein Fahnder war und in Bonn einen Aktenordner aus einem fremden Büro zog, ihn aufklappte und plötzlich sah: Millionen sind versteckt worden vor der deutschen Steuer. In Liechtenstein, von der CDU. Mit diesem Griff begann sein Fall, im Jahr 1975. Später hieß er "Parteispendenaffäre", dann hieß er "Flick", und dann war es nicht mehr sein Fall. Er wurde ihm weggenommen, aber er ist nie aus seinem Leben verschwunden.

Klaus Förster sitzt in einem abgelegenen Zimmer seines großen Hauses. Es ist das Zimmer, in dem die alten Möbel seiner Eltern stehen und ein Fernseher. Förster will an diesem Januartag des Jahres 2000 die Biathlon-Wettkämpfe verfolgen, doch dann schaltet er wieder um zu den Nachrichten. Er sieht Helmut Kohl und er hört von versteckten Millionen. Und täglich grüßt die Vergangenheit.

In Försters Geschichte schiebt sich wieder alles zusammen, wie in einem Film, der offen lässt, wann die Rückblenden beginnen und wann die Handlung sich weiterentwickelt. Er selbst, der längst graue Haare hat, spricht von einer "nahtlosen Fortsetzung" des Geschehens. Seine großen Jahre als Fahnder und der späte Fall Kohls verweben sich zu einem neuen, amüsanten Kapitel seiner Biografie.

[...] Klaus Förster wird wieder in Talk-Shows eingeladen. 25 Jahre danach. "Ich bin abgeklärt", sagt er. Aber er ist es nicht, er hat nur Recht gehabt. "Kinder, es ist genauso geblieben. Und es wundert mich nicht." Der 66 Jahre alte Mann regt sich immer noch auf. Vor allem, weil es wieder passiert ist, ein zweites Mal, obwohl so viele Bekannte des handelnden Personals nach dem ersten Mal treuherzig beteuert hatten: Nie wieder schmutzige Spenden, nie wieder Geldkoffer.

"Kohl weiß, was Sie tun", hat ihm vor über zwanzig Jahren ein Anwalt der CDU gedroht. "Das werde ich nie vergessen, die dachten wohl, das würde mich beeindrucken", sagt Klaus Förster. Er nennt solche Begebenheiten "Markierungssteine" für seinen Fall, "Leuchtfeuer". Förster, damals Chef der Steuerfahndung in St. Augustin bei Bonn, sollte eingeschüchtert werden, Bescheid wissen, mit wem er es aufnimmt: mit der CDU Deutschlands und ihrem Parteivorsitzenden Helmut Kohl. Und das war nur der Anfang der Erlebnisse des Beamten Förster, der einige Jahre später kein Beamter mehr sein wollte.

Alles begann mit einem Zufall. Ein Mann namens Peter Müllenbach erstattete im Herbst 1975 Anzeige, weil er viel Geld verloren hatte. Es ging um 110 000 Mark, die Müllenbach in Liechtenstein angelegt hatte. Nun waren sie verschwunden. Der Staatsanwalt informierte die Steuerfahndung, und die interessierte vor allem, ob das Geld in Deutschland versteuert worden war. Müllenbach verstrickte sich in Widersprüche, Förster ließ sein Büro durchsuchen. Da wusste er bereits, dass Müllenbach Geschäftsführer eines Unternehmens der CDU war, nämlich der Union-Betriebs-GmbH. Und die hatte ihre Akten sauber geführt. So sauber, dass es Klaus Förster die Sprache verschlug.

Der Ordner, den er zuerst aufklappte trug die Aufschrift "EU". Die beiden Buchstaben standen für die Firma "Europäische Unternehmensberatungsanstalt" in Vaduz, Liechtenstein. Einziger Zweck dieses Unternehmen war es, getarnte Spenden deutscher Firmen an die CDU reinzuwaschen. Nach dem Gesetz konnten Spenden an Parteien über 600 Mark nicht von der Steuer abgesetzt werden. Also verfiel man auf einen Trick: Deutsche Unternehmen wie etwa Daimler-Benz und Kaufhof erstanden bei der "EU" angebliche wissenschaftliche Gutachten und buchten diese steuersparend als Betriebsausgaben ab. Für die Schein-Expertisen bezahlten sie zwischen 5 000 und 50 000 Mark. Allein in den Jahren von 1969 bis 1973 nahm die "EU" drei Millionen Mark ein. Das Geld landete über den Umweg Liechtenstein in den Kassen der CDU.

Als er den Ordner in seinen Händen hielt, ahnte Förster, dass dieser Fall groß werden würde. Wie groß, wusste er, als die Finanzverwaltung ihm ausrichten ließ: "rotes Licht"; als er sich mit Anwälten der Christdemokraten treffen musste; als er hörte, dass CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep und ein gewisser Horst Weyrauch sich in den obersten Etagen der Behörden um Schadensbegrenzung bemühten. Und als man ihm schließlich sagte, dass auch Kohl über seine Ermittlungen informiert sei.

"Rotes Licht, weiterhin rotes Licht", mehr bekam Förster von seinen Vorgesetzten bald nicht mehr zu hören. Er verlangte eine Begründung. "Die Oberfinanzdirektion ist ihnen keine Begründung schuldig", wurde er abgefertigt. Auch die in Nordrhein-Westfalen regierende SPD zeigte nach einigen Besuchen Leisler-Kieps kein Interesse an Nachforschungen. Später sollte sich zeigen, dass alle etablierten Parteien mehr oder weniger einträgliche Geldwäschereien betrieben. Die westdeutsche Republik hatte ihren ersten Spendenskandal, der Beamte Förster ein ernsthaftes Problem und schon wieder einen neuen brisanten Fall. Er ging ins Kloster. Mit einem Durchsuchungsbefehl.

Förster hatte einen Tipp erhalten. Die Patres der "Steyler-Mission" in St. Augustin bekamen auffällig viele Spenden. Wohltätige Kaufleute, Ärzte und andere Honoratioren bedachten das Kloster seit Jahren großzügig. Nicht aus christlicher Nächstenliebe, wie Förster bald herausfinden sollte. Der Vermögensverwalter Pater Josef Schröder hatte sich ein raffiniertes System ausgedacht, um die Konten weltlicher Unternehmen für seinen Orden zu öffnen. Das Prinzip war auch hier einfach: Wer zum Beispiel 2 000 Mark spendete, bekam eine Quittung über das Fünffache ausgestellt. Das Geschäft war für alle Seiten einträglich. Die Mönche bekamen die Spende, der Gönner konnte sich über den Beleg das Geld vom Finanzamt wiederholen und machte dabei sogar noch Gewinn.

Als die Beamten die beschlagnahmten Unterlagen des Ordens durchsuchten, stießen sie auf den Namen Flick. Der größte deutsche Privatkonzern hatte den Missionaren über die Jahre hinweg 3,5 Millionen Mark gespendet. Förster stattete der Konzernzentrale in Düsseldorf einen Besuch ab. Er wurde auch hier wieder fündig. In einem Hefter fand er Belege dafür, dass Flick den Mönchen insgesamt 12,3 Millionen Mark vermacht hatte.

Wieder waren die Motive alles andere als uneigennützig. Flick nutzte das Kloster jahrelang als Geldwaschanlage. Von der quittierten Spende an die Mönche wanderten vier Fünftel zurück in eine schwarze Firmenkasse. Der Flick-Generalbevollmächtige Eberhard von Brauchitsch setzte das Geld zur "Pflege der Bonner Landschaft" ein. Zur Parteispendenaffäre kam die Flick-Affäre. Für den Steuerfahnder Klaus Förster waren die Ermittlungen an dieser Stelle zu Ende. Er wurde versetzt. Er hatte sich als zu hartnäckig erwiesen.

Als Eberhard von Brauchitsch im Herbst 1999 seine Lebenserinnerungen vorlegte, trat er auch gegen Klaus Förster nach. Der Steuerfahnder sei damals allein wegen Widerborstigkeit versetzt worden. Von Brauchitsch hat Försters Antrieb wohl bis heute noch nicht verstanden, vielleicht weil er ihn nicht kennt. Vielleicht weil er ihn nur als einen Beamten gesehen hat, der seine Haare länger trug als die anderen und der sich nicht täglich eine Krawatte umbinden wollte.

Doch die Attitüde täuscht. Förster ist im Grunde ein konservativer Mann. Immer noch. Ein Jurist aus einer Juristenfamilie, der als junger Beamter CDU wählte und sich als Staatsdiener verstand. Dass er später, als er gegen seine Versetzung kämpfte, Otto Schily als Anwalt engagierte, befremdete seine Verwandten. "Musst du ausgerechnet den Terroristen-Verteidiger nehmen?" fragten sie ihn. Förster war ausgebrochen aus der Beamtenlaufbahn. So sah es aus, nur, dass er es nicht so sah.

"Mich ärgert es noch heute, dass die Leute mich als einen Michael Kohlhaas sahen", sagt er. Denn er wollte ja kein weltfremder Held sein, er wollte nur seine Arbeit korrekt machen. Ohne Ansehen der Person. "Wenn sie gegen einen kleinen Steuersünder vorgehen, interessiert es keinen", sagt Klaus Förster, "geht es aber um Prominente, muss der Fall nach oben gemeldet werden." Er solle doch endlich seinen Frieden mit der Verwaltung machen, rieten ihm damals Kollegen. Da wusste er, er steht allein.

Wenn er heute wieder darüber redet, kommt er gerne auf seinen Vater zu sprechen. "Das Recht stirbt in Zentimetern", hat der seinem Sohn immer wieder gesagt. Aus dieser Welt der klaren Maßstäbe kam Förster, und vielleicht war es auch deshalb so schwer für ihn zu verstehen, dass das, was er Aufrichtigkeit nennt, von seinen Kollegen als Renitenz verstanden wurde. In seiner letzten Beurteilung als Beamter stand schließlich, dass er immer pünktlich zum Dienst erschienen sei. Es war eine Provokation. Denn er war ehrlich und aufrichtig, aber pünktlich war er selten. Sie wollten ihn loswerden, sie hatten ihn schon in ein Kölner Finanzamt versetzt. Er wollte zurück zu seinem Fall, doch er verlor die Prozesse. Er stieg aus.

Mit 50 Jahren fing Klaus Förster dann noch einmal neu an. Man könnte sagen, er hat die Seiten gewechselt. Er wurde ein erfolgreicher Anwalt für Steuerrecht. Besser gesagt, ein Mann für die, die mit dem Recht nur schwer zurecht kommen: Es ist eine späte Ironie seiner Geschichte, dass er heute auch Steuerhinterzieher verteidigt. Er sieht die Dinge jetzt von unten, und in den vergangenen Jahren hat er als Anwalt vor allem eines gelernt: "Das Verhalten der Parteien unterscheidet sich im Grunde nicht vom Verhalten der gesamten Gesellschaft, zumindest nicht, was das steuerrechtliche anbelangt."

...


Aus: "Försters Fall" (Archiv » 2000 » 25. Januar)
Ein Steuerfahnder aus dem Rheinland deckte vor 25 Jahren den ersten Parteispendenskandal auf
Von Mira Gajevic, Jochen Arntz
Quelle: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2000/0125/blickpunkt/0002/index.html (http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2000/0125/blickpunkt/0002/index.html)

Title: [Aufsichtsräte... (Notiz, BRD)]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 02, 2007, 11:06:58 AM
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[...] Frankfurt am Main - Von diesen Zuwachsraten können normale Arbeitnehmer nur träumen: Der Aufsichtsratschef der Commerzbank steigerte sein Gehalt in diesem Jahr um 105 Prozent. Bei der Deutschen Bank belief sich das Plus auf 73 Prozent, beim Energieversorger RWE waren es 50 Prozent. Das geht aus einer Studie der Unternehmensberatung Towers Perrin hervor.


Aus: "Aufsichtsräte verdienen elf Prozent mehr als im Vorjahr" (01. Oktober 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,508969,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,508969,00.html)
Title: [Als würde das Unternehmen von Kriminellen geführt... (Notiz, AIRBUS)]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 13, 2007, 04:59:40 PM
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[...] Die Vorwürfe seien eine Belastung für die Reputation des Unternehmens, sagte Enders. Durch die jüngste Veröffentlichung von Teilen eines Zwischenberichtes der französischen Börsenaufsicht AMF sei der Eindruck entstanden, "als würde das Unternehmen von Kriminellen geführt". Das sei unerträglich. "Es wird unsere Reputation geschädigt, und die habe ich zu schützen." Er lasse derzeit konkret prüfen, "welche Schritte unternommen werden können".


Aus: "INSIDERHANDEL BEI AIRBUS - Enders befürchtet langwierige Aufklärung" (11. Oktober 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,510976,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,510976,00.html)

Title: [Deutschland deine Innenminister... (Notizen, BRD)]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 22, 2007, 11:35:09 AM
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[...] FRANKFURT (dpa-AFX) - Der frühere Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hat den Technologiekonzern Siemens laut einem Pressebericht bei der Korruptionsbekämpfung beraten. Schily sei in diesem Jahr mehrere Monate für das Unternehmen tätig gewesen, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" (Freitagausgabe) unter Berufung auf Konzernkreise. Schily habe Hinweise geben sollen, wie Siemens die internen Kontrollen verbessern könne, um Gesetzesverstöße künftig zu vermeiden. Siemens wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Am Donnerstag hatte das Landgericht München gegen Siemens eine Geldbuße von 201 Millionen Euro verhängt. Damit wurden dubiose Geldströme in der früheren Telekommunikationssparte Com geahndet. Zusätzlich muss der Konzern eine Steuernachzahlung von 179 Millionen Euro leisten. Laut Handelsblatt (Freitagausgabe) geht die Beendigung des Verfahrens auf eine Initiative der Staatsanwaltschaft zurück.

Damit ist dieser eine Fall für die deutsche Justiz erledigt. Allerdings wird weiter gegen einzelne Siemens-Manager wegen Untreue ermittelt. Zudem droht eine noch höhere Strafe von der US-Börsenaufsicht SEC, da Siemens an der New Yorker Börse notiert ist. Insgesamt seien im Bereich Com Zahlungen von rund 450 Millionen Euro als steuerlich nicht abzugsfähig eingestuft worden, hatte Siemens mitgeteilt. Der Konzern durchleuchtet momentan auch andere Sparten auf schwarze Konten./das/wiz


Aus: "Ex-Innenminister Schily hat Siemens bei Korruptionsbekämpfung beraten" (05.10.07)
Quelle: http://finanzen.sueddeutsche.de/aktien/news_news?secu=318&dpa_news_id=1885644 (http://finanzen.sueddeutsche.de/aktien/news_news?secu=318&dpa_news_id=1885644)

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[...] BERLIN - Der frühere Bundesinnenminister und heutige SPD-Bundestagsabgeordnete Otto Schily (75) hat möglicherweise gegen die Pflicht zur Veröffentlichung von Nebentätigkeiten verstoßen. Bundestagspräsident Norbert Lammert habe Schily nach öffentlichen Hinweisen auf eine Tätigkeit für die Siemens AG schriftlich um Auskunft gebeten, sagte eine Bundestagssprecherin und bestätigte einen entsprechenden "Spiegel"-Bericht. Demnach hat Schily Meldungen bislang undementiert gelassen, nach denen er vom März bis zum September 2007 für 140 000 Euro die Siemens AG rechtlich beraten habe.

Schily sagte dem "Spiegel": "In meiner Eigenschaft als Bundestagsabgeordneter schließe ich grundsätzlich keine Beratungsverträge ab." Allerdings sei "die Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter" nach seinem Verständnis auch "kein Beruf". Über seine Anwaltstätigkeit - die er "nicht als Nebentätigkeit betrachte" - könne er keinerlei Auskünfte erteilen, nicht einmal gegenüber dem Bundestagspräsidenten.

Die Sprecherin des Bundestages verwies auf die Verhaltensregeln für Abgeordnete. Danach müssten alle Nebentätigkeiten angezeigt werden, falls bestimmte Merkmale erfüllt seien.
dpa


Aus: "Otto Schily soll Nebeneinkünfte offenlegen" (22. Oktober 2007)
Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2007/10/22/807287.html (http://www.abendblatt.de/daten/2007/10/22/807287.html)

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[...] Der SPD-Bundestagsabgeordnete und frühere Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) soll für den Siemens-Konzern bei der US-amerikanischen Regierung darum gebeten haben, gegen das wegen eines Korruptionsskandals ins Schlingern geratene Unternehmen in den USA nicht zu ermitteln. Nach Ansicht eines führenden SPD-Bundestagsabgeordneten habe Schily "seine guten Kontakte in den USA genutzt hat, um die Interessen von Siemens zu sichern und die Wogen dort zu glätten", berichtet der 'Kölner Stadt-Anzeiger' (Samstagsausgabe). "Das Unheil, das Siemens aus den USA droht, ist noch nicht abgewendet."

Der 75-Jährige war nach Medienberichten von März bis September 2007 als Anwalt für Siemens tätig und erhielt dafür 140.000 Euro, hatte dies der Bundestagsverwaltung aber nicht angezeigt. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hatte Ende März 2007 eine Untersuchung gegen Siemens eingeleitet, just in dem Monat, als Schilys Engagement begann. Dem Konzern drohen in den USA Anwaltskosten und Strafzahlungen in Milliardenhöhe. Die SEC hat bisher noch nicht entschieden, ob sie formelle Ermittlungen startet.

Spätestens nach dem Irak-Krieg unterhielt Schily von allen rot-grünen Ministern die besten Kontakte zur Administration von Präsident George W. Bush. Als der amerikanische Botschafter Daniel Coats ihn am 31. Mai 2004 darüber informierte, dass die USA den Deutsch-Libanesen Khaled el-Masri wegen Terrorverdachts irrtümlich verschleppt, gefoltert und festgehalten hatten, gelobte Schily zu schweigen. (as)


Aus: "Schily soll USA gebeten haben, nicht gegen Siemens zu ermitteln - Ex-Bundesinnenminister nutzte "gute Kontakte"" (14.12.2007)
Quelle: http://de.internet.com/index.php?id=2053517 (http://de.internet.com/index.php?id=2053517)

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[...] Otto Schily wurde nach seiner Zeit als Bundesinnenminister Aufsichtsrat bei den Firmen Byometric Systems AG (Mitterfelden)[3] und SAFE ID Solutions AG (Unterhaching)[4]. Diese Firmen bieten biometrische Lösungen bzw. Lösungen zur Personalisierung von Ausweisdokumenten an. Seine Tätigkeit für diese Firmen ist umstritten, denn als Bundesinnenminister war Otto Schily ein maßgeblicher Wegbereiter der Einführung des kontrovers diskutierten biometrischen Reisepasses (epass), von dessen Einführung seine nunmehrigen Arbeitgeber in erheblichem Maße wirtschaftlich profitieren.

[...] Am 28. Oktober 2005 wurde Schily mit dem Negativpreis Big Brother Lifetime Award 2005 ausgezeichnet. Gewürdigt wurde er „für den Ausbau des deutschen und europäischen Überwachungssystems auf Kosten der Bürger- und Freiheitsrechte und für seine hartnäckigen Bemühungen um die Aushöhlung des Datenschutzes unter dem Deckmantel von Sicherheit und Terrorbekämpfung“. Schily hatte die Auszeichnung bereits 2001 für den ersten „Otto-Katalog“ erhalten.


Aus: "Otto Schily" (10/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Schily (http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Schily)

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[...] Zuvor hatte Schäuble am 10. Januar 2000 eingeräumt, vom Waffenhändler Karlheinz Schreiber im Jahre 1994 eine Bar-Spende über 100.000 D-Mark für die CDU entgegengenommen zu haben. Am 31. Januar 2000 gibt Schäuble ein weiteres Treffen mit Schreiber im Jahr 1995 zu. Die Schatzmeisterei der CDU habe den Betrag als „sonstige Einnahme“ verbucht.

Schäuble behauptete, dass er das Geld in einem Briefumschlag von Schreiber in seinem Bonner Büro persönlich empfangen habe. Diesen Umschlag habe er „ungeöffnet und unverändert“ an Brigitte Baumeister weitergeleitet, später habe er erfahren, dass die Spende nicht „ordnungsgemäß behandelt worden“ sei. Nachdem ihm die Ermittlungen gegen Schreiber bekannt geworden sind, habe er die Schatzmeisterin Baumeister um eine Quittung für die Spende gebeten, damit nicht irgendwer später „auf dumme Gedanken“ kommen könne.

Die damalige CDU-Schatzmeisterin Brigitte Baumeister widersprach allerdings während der Untersuchungen zur CDU-Spendenaffäre der Version Schäubles bezüglich des Verbleibs der getätigten 100.000 D-Mark – Spende des Waffenlobbyisten. Baumeister sagte, sie habe einen Umschlag bei Schreiber abgeholt und diesen bei Schäuble abgeliefert; später habe sie das fragliche Geld (die 100.000 D-Mark) von Schäuble erhalten.

Das Geld jedenfalls tauchte in keinem Rechenschaftsbericht der CDU auf. Auch erhielt Schreiber für die Geldzahlung keine Spendenquittung. Am 13. April 2000 erklärt Schäuble vor dem Bundestagsuntersuchungsausschuss zur CDU- Parteispendenaffäre, dass die CDU-Führung und die Bundesregierung unter Helmut Kohl nicht bestechlich gewesen seien. Im Juni 2000 erstattet Schreiber im Zusammenhang mit der Spende Strafanzeige gegen Schäuble wegen Meineids. Das Ermittlungsverfahren gegen Schäuble wegen uneidlicher Falschaussage wurde allerdings eingestellt, ebenso wie die Ermittlungen gegen Brigitte Baumeister. Die Berliner Staatsanwaltschaft konnte keine hinreichende Tatbestandsverwirklichung für eine Anklage feststellen.

Nach den damaligen Angaben der Staatsanwaltschaft sei aber davon auszugehen, dass die 100.000 D-Mark nur einmal gespendet wurden. Spekuliert wurde nämlich über die Frage, ob es womöglich zwei Mal 100.000 D-Mark von Schreiber gegeben hat: einmal als „unverfängliche“ Wahlkampf-Spende für die CDU, ein anderes Mal möglicherweise „unter der Hand“ als Bestechungsgeld für ein Rüstungsprojekt. Ungeklärt sind außerdem die Spekulationen, ob und gegebenenfalls inwiefern Schäuble seine Verbindungen ins Kanzleramt genutzt hat (was Schäuble stets vehement bestritten hat). Fraglich ist weiterhin, welche Verbindungen Brigitte Baumeister zu Rüstungslobbyisten hatte, etwa zu denen im Dienste von Thyssen.

Unklar ist ferner, wo die 100.000 D-Mark verblieben sind. Nach Aussagen des damaligen CDU-Wirtschaftsprüfers Horst Weyrauch habe dieser die 100.000 D-Mark von Baumeisters Büroleiter Jürgen Schornack erhalten. Dieses Geld habe er – Weyrauch – dann an den ehemaligen Schatzmeister Walther Leisler Kiep übergeben, der das Geld in seine Jackentasche gesteckt haben soll. Das Geld sei schließlich über ein Konto von Kiep auf Konten der Bundesgeschäftsstelle der CDU geflossen, was Kiep allerdings bestreitet.


Aus: "CDU-Spendenaffäre" (10/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/CDU-Spendenaff%C3%A4re#Wolfgang_Sch.C3.A4uble (http://de.wikipedia.org/wiki/CDU-Spendenaff%C3%A4re#Wolfgang_Sch.C3.A4uble)

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[...] Manfred Kanther: Als Bundesinnenminister hatte er der Geldwäsche den Kampf angesagt; am 13. Mai 2000 steht Manfred Kanther vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages zur CDU-Parteispendenaffäre und wundert sich, dass gegen ihn von der Staatsanwaltschaft Ermittlungen durchgeführt werden. In Kanthers Amtszeit als Generalsekretär der Hessen-CDU wurden 1983 rund 20,8 Millionen D-Mark auf schwarze Konten in die Schweiz transferiert und später nach Bedarf wieder zurückgeholt. In diesem Zusammenhang verwies Kanther auf (s)ein „schlechtes Erinnerungsvermögen“, da er bei Bekanntwerden der Vorgänge im Januar des Jahres 2000 von einer Geldsumme von höchstens 9 Millionen D-Mark ausging. Ebenso konnte Kanther nicht erklären, woher das Geld ursprünglich stammte und wer die Spender waren.


Aus: "CDU-Spendenaffäre" (10/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/CDU-Spendenaff%C3%A4re#Manfred_Kanther (http://de.wikipedia.org/wiki/CDU-Spendenaff%C3%A4re#Manfred_Kanther)

Title: ["Mit etwas mehr Ungerechtigkeit lebt es sich besser"... (Notiz, BRD, Sinn)]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 24, 2007, 01:34:15 PM
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[...] Lohnspreizung bezeichnet die Abstände der Einkommenshöhen unterschiedlicher Wirtschaftssubjekte.


Aus: "Lohnspreizung" (10/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Lohnspreizung (http://de.wikipedia.org/wiki/Lohnspreizung)

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[...] München - Im Extremfall könnten als Folge der Transparenz sogar Arbeitsplätze vernichtet werden, sagte Sinn. "Die Transparenz leistet den Neidkomplexen der Deutschen Vorschub. Das wiederum führt zu politischen Aktionen, und das hat negative ökonomische Konsequenzen, indem Firmenzentralen verlagert werden. Diese Neid-Diskussion ist keine gesunde Entwicklung" sagte der Ökonom der Online-Ausgabe der "Süddeutschen Zeitung".

Die Lohnspreizung der Märkte könne durch eine progressive Einkommensteuer zwar ein wenig verändert werden. Bei zu großen Eingriffen werde allerdings das gesamte System gefährdet. Wenn die Managergehälter auf ein gerechtes Maß zusammengestaucht würden, dann wechselten Manager ihren Standort. "Manager sind flexibel. Dann ziehen sie nach London, dort müssen sie nicht einmal Steuern zahlen. Und die Arbeitsplätze für die Arbeiter gehen dann auch verloren", sagte Sinn.

"Mit etwas mehr Ungerechtigkeit lebt es sich besser", sagte Sinn weiter. "Etwas mehr Ungleichheit in der Einkommensverteilung bewirkt auch für die weniger gut dabei Wegkommenden letztlich einen höheren Lebensstandard, als wenn man ein egalitäres System schafft, wo alle das Gleiche kriegen und alle gleichermaßen arm sind." In der Marktwirtschaft denke doch zunächst einmal jeder an sein eigenes Wohlergehen.

kaz/AP


Aus: "SORGE VOR NEID: Ifo-Chef kritisiert Offenlegung von Managergehältern" (24. Oktober 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,513169,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,513169,00.html)

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[...] Hans-Werner Sinn (* 7. März 1948 in Brake, Westfalen) ist ein deutscher Ökonom

Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster von 1967 bis 1972 und Promotion an der Universität Mannheim 1978 wurde Sinn 1983 ebenfalls von der Universität Mannheim habilitiert.

Seit 1984 hat Sinn den Lehrstuhl für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München inne. Beurlaubt von seinen jeweiligen Heimatuniversitäten lehrte er in den akademischen Jahren 1978/79 und 1984/85 insgesamt vier Semester als Gastprofessor an der Universität von Western Ontario in Kanada. Außerdem wirkte er für längere Zeit als Gastforscher an der London School of Economics sowie an den Universitäten Bergen, Stanford, Princeton und Jerusalem. Seit 1988 ist Sinn Honorarprofessor an der Universität Wien, wo er seitdem viele Gastvorlesungen gehalten hat. Im Sommersemester 1984 nahm Sinn einen Lehrauftrag an der Justus-Liebig-Universität Gießen war. Seit dem 1. Februar 1999 ist er Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung. Seit 2006 ist er zugleich Präsident des Weltverbandes der Finanzwissenschaftler (IIPF), also jener Ökonomen, die sich mit der Rolle des Staates in der Marktwirtschaft beschäftigen. Von 1997 bis 2000 war Sinn Vorsitzender des Vereins für Socialpolitik, des 1873 von den sogenannten Kathedersozialisten gegründeten Fachverbandes der deutschsprachigen Volkswirte.

Sinn gilt als einer der einflussreichsten und international anerkanntesten Wirtschaftswissenschaftler Deutschlands. Er ist einer der wenigen deutschsprachigen Fellows des National Bureau of Economic Research in Cambridge, USA, und hielt als bisher einziger deutschsprachiger Ökonom die Yrjö Jahnsson Lectures[1] in Helsinki und die Tinbergen Lectures in Amsterdam, was zu den hohen Auszeichnungen des Faches gehört. Sein wissenschaftliches Oeuvre umfasst 7 große Monographien mit 32 Ausgaben in 6 Sprachen (ohne Herausgeberschaften), 11 kleinere Monographien und 130 wissenschaftliche Aufsätze, wovon 80 in referierten internationalen Fachzeitschriften erschienen sind.

Seitdem Sinn in der Spätphase seiner beruflichen Laufbahn das ifo Institut übernahm, ist er in der Öffentlichkeit so präsent wie kaum ein zweiter Ökonom.


[...] Ehrungen:

    * The World Economy Annual Lecture, University of Nottingham (2005)
    * Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2005)
    * Internationaler Buchpreis CORINE (2004)
    * Tinbergen Lecture, Royal Netherlands Economic Association (2004)
    * Wirtschaftsbuchpreis von Financial Times Deutschland und getAbstract AG (2003)
    * Ehrenpreis des Wirtschaftsbeirates der Union e.V. (2003)
    * Stevenson Lectures on Citizenship, Universität Glasgow (2000)
    * Distinguished Scholar, Atlantic Economic Society (2000)
    * Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1999)
    * Yrjö Jahnsson Lectures, Universität Helsinki (1999)
    * Ehrendoktorwürde (Dr. rer. pol. h. c.), Universität Magdeburg (1999)
    * Sonderpreis der Herbert-Quandt-Stiftung (1997)
    * Honorarprofessor der Universität Wien (1988)
    * Erster Preis der Universität Mannheim für Habilitationsschrift (1984, Schitag-Stiftung)
    * Erster Preis der Universität Mannheim für Dissertation (1979, Stiftung Rheinische Hypothekenbank)



Hans-Werner Sinn
http://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Werner_Sinn (http://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Werner_Sinn)

Title: [Bei den Abrechnungen habe es sich... (Notiz, BRD)]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 05, 2007, 01:22:43 PM
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[...] Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Sekretärin, die für die Lohn- und Gehaltsabrechnung zuständig war, sich 2003 für angebliche Überstunden aus früheren Jahren insgesamt rund 207.000 Euro zugeschanzt hatte. Ihr Ehemann habe für Überstunden sogar rund 350.000 Euro in Rechnung gestellt. Bei den Abrechnungen habe es sich zum Teil um "reine Fantasie" gehandelt, sagte der Vorsitzende Richter. Die Angeklagten hätten angesichts der vorgelegten Unterlagen in einigen Monaten rund um die Uhr und teilweise sogar mehr als 24 Stunden am Tag arbeiten müssen - was ja nicht möglich sei.


Aus: "800.000 Euro: Haftstrafe für Ex-Krankenkassenvorstand wegen Untreue" (02. November 2007)
Quelle: http://www.ngo-online.de/ganze_nachricht.php?Nr=16883 (http://www.ngo-online.de/ganze_nachricht.php?Nr=16883)

Title: [E.ON wehrt sich gegen den Bericht des Spiegel... (Notiz, E.ON)]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 05, 2007, 02:02:15 PM
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[...] So gebe es zahlreiche Indizien und Belege, dass sich führende Manager und sogar Vorstandsvorsitzende zwischen den Jahren 2003 und 2006 zu geheimen Runden getroffen hätten. Dabei seien sensible Geschäftsgeheimnisse und -strategien ausgetauscht sowie detaillierte Absprachen über das Vorgehen auf unterschiedlichen Märkten getroffen worden.

Branchenführer Eon soll sogar versucht haben, die Preise für Strom "maßgeblich zu beeinflussen“, berichtet der Spiegel weiter.

Der Schriftsatz, auf den sich das Magazin bezieht, stammt den Angaben zufolge vom 30. November vergangenen Jahres. Darin ziehen die Wettbewerbshüter nach Auswertung zigtausender bei Hausdurchsuchungen beschlagnahmter Papiere das Fazit, dass aus diesen auf "eindrucksvolle Weise“ hervorgehe, dass der Wettbewerb auf dem deutschen Energiemarkt durch "kartellrechtlich unzulässige Kooperationen“ weitgehend verhindert werde.

Auf Nachfrage hätten alle Konzerne aber Absprachen, Preismanipulationen und
kartellrechtlich bedenkliche Treffen bestritten, berichtete das Magazin weiter.

Der Energiekonzern E.ON wehrt sich gegen den Bericht des Spiegel. Zu dem von dem Magazin zitierten Papier des Bundeskartellamtes habe E.ON bereits Stellung genommen und belegt, dass die Vorwürfe unzutreffend seien, teilte E.ON am Samstag mit.

"E.ON hat zu keiner Zeit in irgendeiner Art und Weise Strompreise an der EEX manipuliert oder mit Wettbewerbern Absprachen getroffen, die den Wettbewerb im Strom- und Gasmarkt beschränken könnten", erklärte der Konzern.

E.ON erklärte, der Schriftsatz des Kartellamtes enthalte "eine völlig selektive Ansammlung und Verwertung von Informationen, die der EU-Kommission schon seit Mai 2006 vorliegen". Neben "einseitigen Interpretationen" fänden sich darin "viele unbewiesene Behauptungen und keinesfalls juristisch verbindliche Feststellungen und Tatsachen".

Keine Behörde habe bisher eine Veranlassung gesehen, aufgrund der vorliegenden Informationen Maßnahmen zu ergreifen, erklärte der Konzern weiter.


Aus: "Vorwurf des Kartellamts: Stromkonzerne sollen Preise abgesprochen haben" ((AFP/Reuters/grc/schä), SZ, 03.11.2007)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/364/141061/ (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/364/141061/)

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Die E.ON AG, eine Holding mit Sitz in Düsseldorf, ist einer der weltweit führenden Energiekonzerne mit einer starken Marktposition im deutschen Gas- und Elektrizitätsgeschäft.
http://de.wikipedia.org/wiki/E.ON (http://de.wikipedia.org/wiki/E.ON)



Title: [Zyniker de Sad'scher Manier... (Notiz, BRD, Industriellenfamilie Quandt)]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 26, 2007, 04:03:24 PM
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[...] Quandt ist der Name einer deutschen Industriellenfamilie, die sich um 1700 im brandenburgischen Pritzwalk angesiedelt hatte. Der Tuchfabrikant Emil Quandt (1849–1925) ließ seinen Sohn Günther Quandt (1881–1954) eine Ausbildung in der Textilindustrie absolvieren. Danach trat Günther Quandt als Prokurist in die väterliche Firma ein. Bereits 1909 war er Leiter mehrerer Tuchfabriken in seiner Heimatstadt. Im ersten und zweiten Weltkrieg baute die Familie ihr Vermögen u.a. als Rüstungsproduzent aus und konnte sich geschickt den Nürnberger Prozessen entziehen.

In erster Ehe war Günther Quandt mit Antonie Ewald verheiratet, die 1918 an der spanischen Grippe starb. Aus dieser Ehe gingen die beiden Söhne Hellmut Quandt (1908–1927) und Herbert Quandt (1910–1982) hervor.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Günther Quandt zum Leiter der „Reichswolle AG“ ernannt. Seine Firmengruppe wurde Hauptlieferant der Armee. Nach dem Krieg blieb er bis 1922 Referent im Reichswirtschaftsministerium. Ab 1922 engagierte er sich mehr und mehr in der Kaliindustrie, und es gelang ihm, die Aktienmehrheit der Accumulatoren AG (AFA) zu erwerben – die spätere Firma VARTA. Neue historische Recherchen gehen davon aus, dass Quandt diese Firma durch den wissentlichen Einsatz von Zwangsarbeitern auf- und ausgebaut hat.

Zwischen 1921 und 1929 war Quandt mit Magda Ritschel verheiratet. Aus dieser Ehe ging der Sohn Harald (1921-1967) hervor, der nach der Scheidung 1929 bei seiner Mutter und nach deren Heirat mit Joseph Goebbels ab 1931 im Hause Goebbels aufwuchs.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Günther Quandt 1937 zum Wehrwirtschaftsführer ernannt. Die Akkumulatoren der AFA dienten unter anderem U-Booten als Antrieb, die Textilbetriebe lieferten – wie schon im Kaiserreich und in der Weimarer Republik – die Uniformen und Decken, andere Quandt'sche Unternehmen Waffen und Munition.

Unmittelbar nach Kriegsende wurde Quandt in einem Entnazifizierungsverfahren zum „Mitläufer“ erklärt. Trotz bewiesener Verstrickung in die Verbrechen des Dritten Reichs, unter anderem durch von der AFA betriebene, firmeneigene Konzentrations- und Arbeitslager, wurde er nicht bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen angeklagt. Schon wenige Wochen nach der Kapitulation im Mai 1945 hatte seine AFA eine der ersten Betriebgenehmigungen der britischen Besatzungsmacht. Es gelang ihm, sich im Zuge des Wirtschaftswunders durch sein durch die Kriegswirren gerettetes Vermögen wieder eine Führungsrolle in der Nachkriegswirtschaft zu erarbeiten.

Seine Kinder, den 1910 geborenen Sohn Herbert und dessen Halbbruder Harald, hatte er zu Nachfolgern erkoren. Er brachte beide in leitenden Positionen in den von ihm kontrollierten Betrieben unter. Gemeinsam mit ihnen führte er das "Quandt-Imperium" durch die Familiengesellschaft „AG für Industriebeteiligungen“ von Stuttgart aus. Günther Quandt starb am 20. Dezember 1954 auf einer Urlaubsreise in Kairo. Das Kapital der millionenschweren Quandt-Holding ging zu je 50 Prozent an seine beiden Söhne.

Herbert und Harald Quandt:
Die Söhne verwalteten das Erbe gemeinsam, legten jedoch gewisse Zuständigkeiten fest. Während sich Harald Quandt auf die in der Industriewerke Karlsruhe-Augsburg AG (IWKA) gebündelten Maschinenbau- und Rüstungsaktivitäten konzentrierte, kümmerte sich Herbert Quandt um VARTA, Daimler-Benz und BMW. Letztere, die Bayerischen Motorenwerke in München, sollten sich als eine der größten Herausforderungen im Leben der Quandts erweisen und wurden mit der spektakulären Übernahme der Vorherrschaft bei BMW 1959, mit der die Übernahme durch Daimler-Benz verhindert wurde, ihr wohl größter unternehmerischer Erfolg.

Von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind heute vor allem die Beteiligungen von Herbert Quandts dritter Frau Johanna Quandt. Zusammen mit ihren beiden Kindern Susanne Klatten und Stefan Quandt hält sie 46,6 Prozent der Anteile am bayerischen Automobilbauer BMW.

Teile des Familienvermögens wurden in die Quandt-Stiftung eingebracht.

Seit dem Jahr 2002 spendete die Familie Quandt etwa 1,5 Millionen Euro an deutsche Parteien. Der größte Anteil der Spendensumme ging dabei an die CDU. Die Schwesterpartei CSU und die FDP erhielten ebenfalls Spenden.

Trotz der Verstrickungen der Familie Quandt in die Verbrechen des Dritten Reichs beteiligten sie sich nicht am sogenannten "Zwangsarbeiter-Fond" der deutschen Wirtschaft.

Betrachtet man heute die Parteispenden der Konzerne BMW (ca. 1,5 Mio. Euro) und Altana (ca. 1,1 Mill. Euro) ebenfalls als Spenden der Familie Quandt, so zählt die Familie zu den grössten Einzelspendern deutscher Parteien.[1]

Filme

    * Das Schweigen der Quandts. Dokumentation, 60 Min., Produktion: NDR, Erstsendung, ARD, 30. September 2007, 23:30 h, Inhaltsangabe von Netzeitung
      Am 22. November 2007 wurde ab 21.15 Uhr eine 90-minütige Langfassung der Dokumentation im NDR gesendet.[2]

Literatur

    * Rüdiger Jungbluth: Die Quandts. Ihr leiser Aufstieg zur mächtigsten Wirtschaftsdynastie Deutschlands. Campus, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-593-36940-0



Aus: "Quandt (Familie)" (11/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Quandt_%28Familie%29 (http://de.wikipedia.org/wiki/Quandt_%28Familie%29)

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[...] Etwa fünf Jahre hat NDR-Redakteur Eric Friedler, 36, zusammen mit seiner Kollegin Barbara Siebert für die Dokumentation "Das Schweigen der Quandts" recherchiert.

Der Film legt dar, wie stark der Unternehmer Günther Quandt und sein Sohn Herbert in der NS-Zeit von Zwangsarbeitern profitiert haben. Das Batteriewerk Afa, später Varta, in Hannover-Stöcken etwa war mit einem Konzentrationslager verbunden.

Ende September lief eine 60-minütige Fassung der Dokumentation bereits spätabends in der ARD. Am Donnerstag sendete der NDR eine neu geschnittene Version, die 90 Minuten dauert.

Die Quandt-Erben, die zu den reichsten Menschen in Deutschland zählen, haben inzwischen den Historiker Joachim Scholtyseck beauftragt, die Unternehmensgeschichte in der NS-Zeit wissenschaftlich zu erforschen.


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sueddeutsche.de: Die Quandt-Erben sprechen von Vorwürfen, "die uns bewegt haben“ - und haben prompt eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Familiengeschichte angekündigt. Hat das Schweigen nun ein Ende?

Friedler: Einerseits dementieren die Quandts die in der Dokumentation gezeigten Fakten nicht. Anderseits sagen sie nicht klar und deutlich: "Ja, es hat KZs gegeben, die mit unseren Fabriken verbunden waren." Nun soll ein von der Familie bestimmter Historiker die Unternehmensgeschichte im Dritten Reich aufarbeiten. Dabei haben Historiker schon erforscht, dass es ein KZ in Hannover-Stöcken gab, dass KZ-Häftlinge in Quandts Werken in Berlin, in Wien, in Polen zur Arbeit gezwungen wurden. Dass Tausende Zwangsarbeiter in anderen Quandt-Fabriken arbeiten mussten. Das sind Fakten.

[...] sueddeutsche.de: Aus der Quandt-Familie wollte nur Sven, der Sohn von Herbert, ein Statement abgeben. Dass die Alliierten seinen Vater und Großvater nach dem Krieg nicht belangt haben, will er als Beweis ihrer Unschuld sehen.

Friedler: Die Alliierten haben die Quandts juristisch nicht belangt - das ist richtig. Dennoch ist klar, dass die Briten von dem KZ in Stöcken wussten und auch von den NS-Verstrickungen der Quandts. Sie schickten die entsprechenden Dokumente, die wir im Film zeigen, nicht an die Anklagevertreter bei den Kriegsverbrecherprozessen in Nürnberg. Wohl auch deshalb, weil Quandts Werke schon seit Mai 1945 für die Briten Batterien produzierten. Wir haben die Dokumente dem ehemaligen amerikanischen Ankläger Benjamin Ferencz gezeigt. Er sagt, hätten diese Unterlagen in Nürnberg vorgelegen, wären die Unternehmer angeklagt worden.

sueddeutsche.de: Wie groß ist die Schuld der Unternehmer Günther und Herbert Quandt?

Friedler: Es steht mir nicht zu, darüber zu urteilen. Wir haben die Fakten dargestellt: Es gab ein KZ in Stöcken, dessen Häftlinge für Varta unter unmenschlichen Bedingungen schuften mussten. Es gab Frauen aus dem KZ Ravensbrück, die in Quandts Berliner Werk zur Arbeit gezwungen wurden. Es gab unsagbar großes menschliches Leid. Es gab Enteignung und Arisierung. Und es gab hohe Profite.


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24.11.2007 09:40:08

mina4482: Einfach nur unbegreiflich
Ich habe mir die Langfassung im NDR angeschaut und bin wieder einmal sprachlos.

Einfach nur entschuldigen.
Stattdessen wird jetzt wieder für Geld, daß den Opfern nicht zukommt, eine historische Aufarbeitung für die Quandts in Auftrag gegeben. Derweil sterben die letzten Opfer.

Drei Sachen sind mir in der Dokumentation aufgefallen:

Der Steuerzahler errichtet in Hannover ein Mahnmal für die KZ-Opfer der Firma AFA / Varta. Auf dem Firmengelände darf es nicht errichtet werden!

Herr Sven Quandt erzählt vor der Kamera, daß diese Diskussion Deutschland im Ausland schaden würde!? Ich bin vom Gegenteil überzeugt und denke, daß das was die Familie Quandt angerichtet hat, Deutschland für immer Schaden zugefügt hat, vielleicht nicht in Milliadärskreisen.

Die Familie Quandt beruft sich heute darauf, daß es BMW im dritten Reich nicht gegeben hat und sie deshalb nichts mit Zwangsarbeitern zu tuen haben. Welch ein Zynismus. Mit welchem Geld haben sie denn BMW gekauft?

Ein trauriges Kapitel und leider kein Einzelfall.

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23.11.2007 14:47:05

wachholz_texte: Saubere Deutsche

Den Freud´schen Verschreiber "gesellschaftseminentes Verhalten" in einem Pro-Quandt-Kommentar weiter unten muß man sich auf der Zunge zergehen lassen (eminent = lt.Wörterbuch außerordentlich, hervorragend). Kann man wohl so sagen. Schön auch zu erfahren, dass die Norweger unseren sauberen Soldaten bis heute dankbar sind für den überfall auf ihr Land, Ausbeutung der Wirtschaft, Exekutionen, Verschleppung, "verbrannte Erde" beim Rückzug. Im übrigen haben meine Eltern, obwohl Angehörige der gleichgeschalteten Gesellschaft, kein Lager betrieben, keine Menschen mit Blei vergiftet, kein Geld durch die Zwangsarbeit anderer verdient, nicht unmittelbar nach Kriegsende 67 Millionen US-Dollar gebunkert gehabt. Mein Vater, Hauptfeldwebel der Wehrma.ht, hatte hingegen zeitlebens nichts als Verachtung für die Kriegsgewinnler à la Krupp, Quandt, Flick, die Millionen scheffelten, während Millionen verreckten. Er war deswegen kein sogenannter "Gutmensch". Nur ein ganz normaler Deutscher, der wie seine Frau die Heimat in Westpreußen verloren und die Nase voll hatte von Krieg, Lügen, Diktatur, in München einen Neustart begann, für seine Verdienste um die Mitbürger mit "München leuchtet" in Gold, Diakonischem Großkreuz sowie dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet starb, ohne sich, über den Soldateneid hinaus, schuldig gemacht zu haben. So wie er, Gott sei Dank, waren wohl die meisten unserer Väter und Großväter. Die anderen bzw. deren Söhne und Enkel sollten, anstatt Scham durch Aggression zu ersetzen, wenigstens schweigen.

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23.11.2007  10:34:23

Mr. Wasabi: Vermögen und Verbrechen

...

...wenn man den Quandts an den Goldkarren fährt (was ein richtiger Anfang wäre), sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass wir uns als Gesamtgesellschaft mit vielen großen und kleinen Naziverbrechern in Umfeld und Familie über die Jahre hinweg arrangiert haben - vielleicht weil eine gründliche und gerechte Aufarbeitung der Nazizeit das Ende dieser Gesellschaft bedeutet hätte...


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23.11.2007 01:01:29

RobertOstermeier:

Diesen Kommentar können wir leider nicht veröffentlichen. Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB.

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22.11.2007 23:24:15

Parisien: Ohne Scham- ein Gesellschaftsbild

Anlässlich eines anderen Berichts zu den Quandts stellte ein Kommentar fest: "Holla - Familie Quandt-Goebbels, Zwangsarbeiter, eigenes KZ ...
Und davon erfährt die breite öffentlichkeit 60 Jahre danach."
Das ist in der Tat erstaunlich.Und bei der Gelegenheit fällt mir auf,dass auch die Bücher über die Untaten der Mediziner,Juristen u.a. häufig,wenn nicht ausschließlich,von Privatpersonen geschrieben wurden.
Das kann zum einen daran liegen,dass in den 50er Jahren viele eigentlich Belastete im Staatsdienst und in der Wirtschaft angestellt wurden (eine Untersuchung über die entsprechende Vorgehensweise nach dem Krieg beim BKA wird auch jetzt erst-aber immerhin- initiiert),die alle kein Interesse an Aufklärung hatten und diese wahrscheinlich sogar torpediert haben.
Dazu kommen dann noch die Netzwerke ,die die Nazizeit locker überlebt haben.
Zum anderen ist Geld Macht,und so viel Geld bedeutet viel Macht,mit der man das Leben anderer beeinflussen kann,zu deren Vor-oder Nachteil,die Betreffenden können es sich ja aussuchen.Und da verkneift man sich dann doch schon mal die eigentlich geplante Untersuchung ,"Es soll nicht zu Ihrem Schaden sein".
Letztlich,und das ist beschämend,aber wahr,finden eine ganze Reihe Bürger aus den verschiedensten Gründen nicht,dass diese Dinge überhaupt untersucht werden müssen,das war damals nun mal so,einige waren eben geschickter,als die anderen usw.


Bezeichnend für die Gesellschaft erst der BRD,heute ganz Deutschlands ist es,dass man diese Leute bewundert,ihnen eine hohen sozialen Rang einräumt,geadezu ihre Nähe sucht.Wen das nicht zum Nachdenken über die bei uns gültigen Werte zwingt,dem ist nicht mehr zu helfen.

...


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23.11.2007 10:12:16

gerhardrolf: Quandt usw.

Aufarbeitung?
Ich habe den ersten Film über die Quandts gesehen, von Dokumentation kann man schlecht sprechen, und kann nur sagen es ist Polemik in schönster Aufmachung.
Was in diesem Deustchland nach 1990 läuft verkommt immer mehr zur Peinlichkeit, Neiddebatte und eine moralisierende Diskrepanz die nicht mal vor den Toten haltmacht.
Mittlerwiele gibt es gute Tote, schlechte Tote, in der Regel nur schlechte Deutsche und dann kommen noch die Hasspredigerformulierungen und Beschimpfungen von Geistlichen durch Politiker hinzu, oder die sich als solches ansehen, wenn sie denn nur "antifaschistisch" angesäuselt sind.
Was hat das noch mit Aufarbeitung zu tun.
Als ob mein BMW jetzt nicht mehr den Wert hat und ein Nimbus weg ist, nur weil frühere Verwandte oder Ahnen der jetzigen Eigentümer sich gesellschaftseminent verhalten haben.
Das grenzt an Dummheit und eine schlimme moralisierede Verblendheit und jetzige gutsmenschliche Arroganz..
Wenn mein Grossvater vor Narvik gekämpft hat und und von den Norwegern durchweg positive Einschätzung erhalten hat für sauberers deutsches Soldatentum, norwegische Bezeichnung, muss ich mich in diesem jetzigen Deutschland offensichtlich dafür schämen und es verleugnen.

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23.11.2007 10:16:58

susiz: @gerhardrolf

"sauberers deutsches Soldatentum" - wow!

da würde ich gerne mehr drüber wissen ...

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23.11.2007 10:12:17

Parisien: Sippenhaft

@RobertOstermeier:Bei Sippenhaft hätte die heutigen Mitglieder der Quandt-Familie für die zu Unrecht nicht in Nürnberg angeklagten Günther und Herbert Q. auf die Bank gemusst oder sonst irgendwie die für diese eigentlich vorgesehenen Stafen verbüßen müssen.Davon ist hier nicht die Rede ,aber wahrscheinlich wissen Sie gar nicht,was sich hinter diesem Begriff versteckt,insbes. wieviel Familien er getroffen hat,auch in der Nazi-Zeit,sonst würden Sie nicht so leichtsinnig damit umgehen.
Im übrigen ist es auch nach heutigem Recht so,dass man nur gutgläubig Eigentum erwerben kann,und dies auch dann nur,wenn die betreffenden Gegenstände nicht aus einer Straftat stammen .
Dass Sie die reine Partei-Mitgliedschaft mit dem Wirken des Günther Q. gleichsetzen,bestätigt meine These ,wonach viele Bürger keine Untersuchung wollen und die Qs eher bewundern,und das sagt einiges über die moralischen Massstäbe weiter Teile unserer Gesellschaftaus

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22.11.2007 22:54:03

mina4482: Sie haben Milliarden...

aber was kostet eine Entschuldigung?


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22.11.2007  21:54:32

-SuDe-: Wer die Macht hat, hat das sagen - Industriellen gehört die Welt.

Schön daß die Alten 'GEschichten' endlich doch noch auf den Tisch kommen - wenn auch gut aussortiert und erst nach Verscheiden der meisten Opfer - trauriges Deutschland und seine feigen Täter (und Mitläufer, muß man wohl auch dazusagen).

Traurig aber, daß gerade die Industrie-Verbände und Standesorganisationen (z.B. Ärzte, Staatsanwälte, BDI, etc) sich mit der Aufarbeitung teils bis heutigen Tags schwertun.

Bedauerlich insbesondere, daß den Tätern in diesen Reihen weder der Prozeß gemacht wurde - ja diese noch nicht mal in die Verlegenheit gebracht wurden Scham zu empfinden oder gar zur Verantwortung gezogen zu werden. NEIN, deren Brüder und Freunde und Weggefährten haben diese auf Lebenszeit gedeckt. Erst nach dem Tod der Täter durfte die Öffentlichkeit und der Staatsanwalt Akteneinsicht nehmen (wohl auch erst nach deren Aussortierung, bleibt zu vermuten).

[...] Die Deutschen Wirtschafts-Kapitäne und Industriellen und Vorsitzende der Industrie-Verbände machten sich ja nicht erst seit 1938 bzw 1933 schuldig - NEIN schon einen Krieg zuvor wurden sie schon auffällig, ... spätestens aber beim Kapp-Putsch bzw bei der finanziellen und organisatorischen Aufbauhilfe der Braunen Horden (FreiKorps) während der 'Regentschaft' Friedrich Eberts (SPD) waren Deutschen Industrielle teils schon auf Seiten des Faschismus aktiv involviert !

Über diese Schattenseiten Deutscher Geschichte - wo deren extrem republikfeindlichen und rechtsgerichteten Freikorps 1919-1925 Tausende von ARbeiter und Gewerkschafter ermordeten - wird bis heute eisern geschwiegen - eine Große Allinaz der Schuldigen und der Schweiger. Nie wurden dazu Industrielle zur Verantwortung gezogen!



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22.11.2007 21:31:55

panamajack: Heuchelei

Wenn die Familie Quandt wirklich nicht wusste wie schmutzig ihr Reichtum ist, ich nehme es ihr nicht ab, dann muss sie jetzt vor Scham im Boden versinken.


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22.11.2007 18:20:55

FAQ: Entnazifizierung

Eine echte Entnazifizierung hat doch in der BRD nie stattgefunden.
(Dies war u.a. auch nie das Interesse zB. der USA.)
Eine viel größere Schande, als das solche Familien ihr Blutgeld behalten durften ist, dass die Nachkriegsgesellschaft bis heute (!), diesen Zynikern deSad'scher Manier nicht die angemessene ächtung entgegenbringt.
Die Quandts sind da nur ein Clan unter vielen.

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22.11.2007 18:29:55

mona_7: @ FAQ

so ist es, es betrifft nicht nur die Quandts, sondern die gesamte bundesdeutsche Wirtschaftselite die zu keinem Zeitpunkt sich ihrer Geschichte gestellt hat und die bis völlig ungebrochen in diesem Sinne Einfluss auf die Politik nimmt bzw. sie letztlich bestimmt.


Aus: "NS-Vergangenheit: "Die Quandts haben nie etwas eingestanden"" (22.11.2007)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/498/144173/5/ (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/498/144173/5/)

Title: [Zu Quellen gewährten sie keinen Zugang... (Notiz, BRD, Fam. Quandt)]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 27, 2007, 10:10:59 AM
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[...] Schon die Hochzeit von Günter Quandts früherer Frau Magda mit dem NS-Propagandisten Joseph Goebbels – auf einem Quandtschen Anwesen – hatte dem Unternehmer gute Kontakte zur Elite der Nazis gebracht. Sohn Harald Quandt war von Goebbels angenommen worden. Der Clanchef, 1933 in die Partei eingetreten, nutzte das Netzwerk offenbar skrupellos zur Expansion.

Da ist zum Beispiel das Batteriewerk in Hannover. Zwangsarbeit und Häftlinge aus dem KZ Neuengamme müssen hier unter lebensbedrohlichen Umständen schuften. Die SS bewacht das Lager. Viele sterben. In einem internen Papier berechnet Quandt einmal eine "Fluktuation“ von 80 Personen – das war wohl die geplante Todesrate.

Ein Überlebender aus Dänemark tritt auf dem alten Produktionsgelände vor die Kamera und weint. Er erzählt von den Schikanen und der zerstörten Gesundheit. Und wie er und andere 1972 nach Deutschland gekommen waren, um von den Quandts Unterstützung zu erbitten – ohne Erfolg. "Varta hat uns krank gemacht", sagt er. Und: "Wir wollen nicht noch einmal zerstört werden."

Auch macht das TV-Team aufgrund einer Zeichnung einen früheren KZ-Häftling in Griechenland ausfindig. Er berichtet von Peitschenhieben und Quälereien. Das Denkmal für das KZ Stöcken habe wegen des fehlenden Einverständnisses der Quandts nicht auf dem belasteten Areal – einer heutigen Industriebrache – errichtet werden dürfen, berichtet Autor Friedler.

Da ist aber auch das Außenlager Pertrix in Berlin-Niederschöneweide, in der Wehrwirtschaftsführer Günter Quandt seine Batterien bauen ließ. Hier wurden ebenfalls KZ-Häftlinge eingesetzt. Unternehmer-Sohn Herbert war als Direktor registriert.

[...] Zu Quellen gewährten sie keinen Zugang; auch bei der jährlichen Verleihung des Herbert-Quandt-Medienpreises durfte das NDR-Team nicht zugegen sein. Dafür sprach der Erbe Sven Quandt, der seine Aktien an der Batteriefirma Varta vor einigen Jahren verkauft hat und nun findet, man solle die alte Zeit endlich ruhen lassen.

"Es ist ein Riesenproblem, dass man in Deutschland nie vergessen kann. Das hilft Deutschland nicht." Auch andere Länder hätten Probleme mit der Vergangenheit, ohne dass diese immer breit getreten würden, so der Rallyefahrer Quandt: Hier aber habe alles so einen negativen Touch. Eine Nichte von Günter Quandt fragt, was man denn damals anderes hätte tun können?

[...] Sogar die Schwester von Magda Goebbels, früher Quandt, spricht aus dem Altersheim übr die Vorgänge von einst. Sie mokiert sich beispielsweise darüber, dass Günter Quandt nach 1945 erst einmal als Verfolgter galt. "Ich habe jetzt nur noch ein Vermögen von 78 Millionen Dollar", habe er ihr gesagt. Die Führerverehrung, die Rolle der Quandts unter Hitler, das Naziwesen - alles kehrt in den Erzählungen der Greisin zurück.

Ab und an blendet der Film über das Schweigen der Quandts auf die Zylindertürme von BMW in München. Sie werden von oben gezeigt, sie sind Symbole der Macht. Dann sind die Fernsehautoren wieder in der Gegenwart angekommen, bei einer der einflussreichsten Familien. Und dann wird das Schweigen auf einmal sehr laut.

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01.10.2007  08:45:09

OxnoxO: Man sollte sich keinen Illusionen hingeben ...

... die meisten Vermögen wurden auf Kosten anderer Menschen gemacht. Sei es durch billigende Inkaufnahme, Ausbeutung, Betrug oder irgendein Verbrechen.

Die Zahl der Superreichen, die auf rein ehrlichem Wege zu ihrem Reichtum gelangt sind, dürfte verschwindend gering sein - das liegt in der Natur der Sache.

Bei den Quandt ist es dann eben Nazi-Geld. Oh Wunder! Die Quandts sind da kein Einzelfall. Man muss das sicher verurteilen und ganz sicher auch darüber reden - aber was will man sonst tun? Den Quandts das Geld wegnehmen? Wem soll man es denn geben? Die meisten Menschen, die diese Verbrecherära noch miterlebt haben, sind inzwischen verstorben.

Das Andenken wurde durch das Mahnmal in Berlin für lange Zeit einbetoniert und kaum jemand traut sich offen über ein Stück Geschichte zu sprechen, über das man gerade heute aber sprechen sollte, wenn man sich aktuelle Entwicklungen in der deutschen Politik ansieht - denn man muss Angst haben, als Antisemit oder gar Nazi diffamiert zu werden.

Vielleicht sollte irgendwann einmal die Sache abgeschlossen werden.

...


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01.10.2007 08:57:13

Iannantuono: Über die Eigentümlichkeiten

der deutschen Geschichte...so lautet der Titel des Buches des ungarischen Historikers Georg Lukacs.....der Ekel von flyingfree wird wohl mehrere ergreifen...zu allem überdruss, würde nicht penibel recherchiert werden, würden diese Herrschaften nicht nur darüber schweigen, sondern vehement alles in Abrede stellen.....

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01.10.2007 09:01:00

rick.sander: Quandt

Es war nicht nur Quandt; die ganze deutsche Industrie hat "nach einer Kennenlernphase" dem Regime zugearbeitet und es gestärkt, sowie Nutzen daraus gezogen.
da wäre noch viel aufzuarbeiten...............
rick.sander

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01.10.2007 09:08:35

RobertOstermeier: .... und, was sollte die Familie Quandt jetzt machen?

Aufgrund von "Fakten", die über 60 Jahre lang keiner gefunden hat, keiner finden wollte oder durfte?
Aufgrund einer Sendung, die über 60 Jahre danach heimlich um 23.30 Uhr ausgestrahlt wurde (stand nicht im Programm!)?
Nach einem Staatsanwalt, der wegen seiner Homosexualität aus dem Dienst suspendiert wurde, und sein Bemühen doch keine Wahrheit an das Licht brachten?

Was machen Sie?

Wir haben die Nazizeit nicht ordentlich aufgearbeitet, das ist sicher. Aber jetzt nach über 60 Jahren? Die Firma BMW hat sich an dem "Ausgleichsfonds" beteiligt - Geld an die überlebenden in Dänemark und Griechenland ging nicht!
Wir wissen, an wen das Geld ging!
Wir haben sogar die DDR Zeit nicht richtig aufgearbeitet - und da lag es alleine in unseren Händen und hatten bereits unrühmliche Erfahrungen machen können! War die Wiedervereinigung und die Verfolgung der Verantwortlichen gerecht?

Welche "Gerechtigkeit" wollen wir?

Sollen wir jetzt keine BMWs mehr kaufen? Hat der Redakteur dieses Artikels schon alle seine VARTA Batterien weggeschmissen und seinen BMW gegen, ja gegen welchen Wagen denn, ausgetauscht? FIAT (war da nicht der Neffe von ........ beteiligt?). Gehen wir jetzt nicht mehr in die Kirche, weil die katholische Kirche gefährliche Nazis nach Argentien ausgeschleust hat?
Oder will da wieder nur eine Gruppe von Geschädigten noch einmal Geld sehen?
Ich kann es nicht mehr hören! Ich will es nicht mehr sehen!

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01.10.2007 09:14:12

regula2: Da muss man Verständnis haben !

Die BRD ist noch nicht gefestigt genug, die Wahrheit zu ertragen.

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01.10.2007 09:18:42

E.Bi: Skrupellosigkeit

Von Flick, Krupp, Quandt bis hin zu "rechtschaffenen Bürgern", die sich durch die "Arisieruung" eíne Wohnung, ein Häuschen, eine Werkstatt, ein Kontor oder eine Praxis aneignen konnten, zieht sich eine Spur der Skrupellosigkeit, von deren faulen Früchten heute noch viele zehren. Da Entschädigungen in den wenigsten Fällen von den Profiteuren selbst bezahlt wurden, sondern vielmehr aus anonymen Steuermitteln, können die Erben noch heute verdrängen. (Es gibt übrigens leuchtende Ausnahmen, wie eine Tochter von Albrecht Speer, die ihr Erbe einer Stiftung zur Verfügung gestellt hat.)

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01.10.2007 09:24:00

0909:

Man muß endlich mal aufhören mit der Nestbeschmutzerei. Reich sind die wenigsten auf ehrliche Art und Weise geworden! Selbst der Adel ist vielfach auf Raubrittertum zurückzuführen, nur dass eben diese BMW-Story wieder gut in den Zeigeist paßt. Keiner heißt all diese Handlungen in der NS Zeit für gut und richtig, aber es muß mal Schluß sein damit, sonst müssen wir auch Napoleon, die ausgerottenen Indiander usw. zum Thema machen.
PS: Gab es die "Süddeutsche auch schon in der Hitlerzeit?
Wenn ja, was wurde da berichtet?

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01.10.2007 09:28:02

s.hagmann: quandt

warum kann solch ein film nicht im Hauptabendprogramm gesendet werden?
warum kann es nicht danach ein mit ausgewiesenen Historikern etc besetztes Podium
geben zur öffentlichen Diskussion des damaligen und heutigen Verschweigens?
Ich wünsche mir den Mut in der ARD eine solche Diskussion anzustossen.
Aber "Danke" für die Sendung vor Mitternacht.

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01.10.2007 09:29:23

Dieter_Wondrazil: vor dem Krieg ist nach dem Krieg

nachher war auf einmal niemand mehr dabei...wie in der DDR, da war ja auch niemand dabei, was? Schon komisch, wie sich solche Systeme halten können, wenn eigentlich niemand mitmacht...
Opportunisten aller Länder, vereinigt euch, dann könnt ihr kollektiv vergessen!
ICH finde NICHT, dass man "das alles jetzt endlich vergessen" sollte, oder den armen Tätern wieder Ihre Ruhe schenken sollte. Wenn das alles der Wahrheit entspricht, sollte der Gerechtigkeit Genüge getan werden - auch heute noch.
Gerechtigkeit hat kein Verfallsdatum!
Hier zu verharmlosen mit dem Hinweis, dass das ja zu allen zeiten üblich war und dass es immer noch schlimmere Verbrecher/-en gab, ist m.E. unmoralisch und unverantwortlich.

Und für das Vermögen fände sich schon eine Verwendung, da bin ich sicher.

DW

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01.10.2007  09:45:20

solsesolse: @ 0909:

Wenn ich das Wort Nestbeschmutzer schon höre, wird mir einfach nur schlecht.
Was haben Sie im Kopf? Die größten Nestbeschmutzer Deutschlands waren ja wohl die Nazis!

...


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01.10.2007  09:50:04

kyparissia: wahre Grösse

Dass alle grossen Firmen, Unternemen und Unternehmungen ihre Existenz auf Kosten, Schweiss und Blut anderer aufgebaut haben ist ja weder neu, noch überrascht uns dies gross. Es ekelt uns tatsächlich nur einfach noch an.
Wahre Grösse wäre allerdings, da ja nun auch schon 60 Jahre ins Land gegangen sind, wenn die entsprechenden Familien und Unternehmen zu ihrer und unser aller Vergangenheit stehen würden und statt die entsprechenden Dokumente zu verstecken und zu verheimlichen, in der Hoffnung, dass sie vergessen werden, dise von sich aus aufdecken und recherchieren lassen würden.

aber das ist wohl schlicht zu viel verlangt.

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01.10.2007 09:55:30

rack66: Bodenlos

Ich kann nur allen, die in DDR-Zeiten oder zu einem anderen Zeitpunkt etwas zu Unrecht erlangt haben oder die anderes Unrecht begangen haben, raten, das so lange wie möglich tot zu schweigen. Wenn es dann endlich gelingt, die Tatsachen aufzudecken, werden sich genügend Befürworter finden, die dann sagen "ich kann es nicht mehr hören, verändert auf keinen Fall mehr das, was gewaltsam errungen wurde". So eine Art staatlich und gesellschaftlich geförderter Ersitzung. Wie ignorant kann man eigentlich sein? Dieses Verhalten gibt nur denjenigen Recht, die mit allergrößter Dreistigkeit Unrecht begangen haben und sich jetzt auch noch feiern lassen.

Was man tun sollte, wurde gefragt, die Berechtigten seien ja gar nicht mehr in der Lage, eine Entschädigung oder ihr Eigentum wieder zu erlangen. Das schlägt dem Fass den Boden aus. Nicht nur, dass sie ihr Leben lang vergeblich auf Wiedergutmachung warten mussten. Sie konnten auch sich und ihren Nachkommen nicht das Leben und die Ausbildung ermöglichen, die ihnen ohne das Unrecht möglich gewesen wäre.

Wenn jemand stirbt, der bei jemand anderem Schulden hat, dann erben die einen Erben die Schulden und die anderen die Forderung. So einfach ist das im Zivilrecht. Soll man hier auch hingehen und den Erben der Forderung sagen: "Pech gehabt!"?

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01.10.2007  09:56:48

odasgupta (sueddeutsche.de): @ 0909

Sie fragen: "Gab es die Süddeutsche auch schon in der Hitlerzeit?
Wenn ja, was wurde da berichtet?"

Nein, die Süddeutsche Zeitung wurde unmittelbar nach der NS-Zeit gegründet.
In der ersten Ausgabe vom 6. Oktober 1945 wurde auf Seite 1 mit Blick auf das III. Reich erklärt:

„Zum Geleit – Zum ersten Male seit dem Zusammenbruch der braunen Schreckenherrschaft erscheint in München eine von Deutschen geleitete Zeitung. Sie ist von den politischen Notwendigkeiten der Gegenwart begrenzt, aber durch keine Zensur gefesselt, durch keinen Gewissenszwang geknebelt. Die Süddeutsche Zeitung ist nicht das Organ einer Regierung oder einer bestimmten Partei, sondern ein Sprachrohr für alle Deutschen, die einig sind in der Liebe zur Freiheit, im Haß gegen den totalen Staat. Im Abscheu gegen alles, was nationalsozialistisch ist.“
„Die Leiter der Zeitung, verschiedenen Parteien entstammend, glauben, daß nach zwölf Jahren schmachvoller Gewissensknechtung und aufbefohlener Lüge der gemeinsame Wille zu politischer Mündigkeit und Sauberkeit, zu Verantwortungsbewußtsein und Wahrhaftigkeit eine genügend starke Grundlage für eine fruchtbare Zusammenarbeit bildet. […] Wir beginnen auf schmaler Plattform mit geringen Mitteln und spiegeln damit die allgemeine Lage. Wir glauben, daß wir in nicht allzu ferner Zeit auch den allmählichen Aufstieg spiegeln werden.
– Schriftleitung und Verlag“

Im übrigen, Herr oder Frau 0909, bin ich nicht Ihrer Meinung. Aufarbeitung von Verbrechen ist keine "Nestbeschmutzerei", so wie es nennen. Im Gegenteil: Aufarbeitung bedeutet, sich nicht vor der Wahrheit zu fürchten - und aus den Fehler der Vorfahren gelernt zu haben.

Freundliche Grüße,
Oliver Das Gupta

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01.10.2007 10:00:32

FAZ-Leserin: Mit ehrlicher Arbeit wird man nichts.

Ich hatte etwas ähnliches (Quandt/ Magda Goebbels) aber schon vor Jahren in einer anderen Zeitung gelesen. Es war, wie so vieles, ein offenes Geheimnis.

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01.10.2007  10:12:10

0909: @ odasgupta

Es ist immer leicht über das Vergangene, über Fehler der Vergangenheit und überhaupt über Fehler Anderer zu urteilen. Leider werden wir nicht mehr erleben, wie später die Zeit über uns urteilen wird. Vielleicht wird man fragen, wie konnten die Menschen, speziell in Deutschland, wo sie doch ein "Tätervolk" waren, wieder zulassen, dass deutsche Soldaten in den verschiedensten Ländern mit der Waffe in der Hand stehen?!
Wieso waren speziell die Deutschen, als doch so "kriegerisches Volk" so unaufmerksam als Ihr Land unterwandert und durchsetzt wurde?!
Was, frage ich speziell Sie, können wir überhaupt für oder gegen etwas machen, als uns in diesen doch eigentlich lächerlichen Foren abzuwatschen. Wie schon in der NS Zeit werden auch heute die Messer wo anders gewetzt und wir sind das dumme Stimmvieh!

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01.10.2007 10:19:26

ucr: @9090

"Reich sind die wenigsten auf ehrliche Art und Weise geworden! "

Haben Sie den Artikel nicht gelesen oder nicht verstanden ? Ein mit Zwangsarbeitern erwirtschaftetes Vermögen als ehrlich erworben zu bezeichnen, muß man wohl nicht weiter kommentieren. Tröstlich ist für mich in diesem Zusammenhang nur, daß wir diese "Altlasten" in Gestalt einer Generation, die geistig noch immer nicht in der Bundesrepublik angekommen ist und Aufklärung als "Nestbeschmutzerei" bezeichnet, auch bald los sind.
ucr

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01.10.2007  10:23:59

Trope: @0909: Resignation?

Ich habe das Gefühl, dass Sie Ihre Meinung mit Resignation unterfüttern. Wenn man ja schon nichts machen kann, dann kann man es gleich lassen.
Zum einen: ich glaube auch nicht, dass ein solches Forum die große Politik wird beeinflussen können.
Zum anderen: Ich glaube aber sehr wohl, dass die kritische Auseinandersetzung - auch in solchen Foren - einen Teil zum politischen Geschehen beitragen kann. Weshalb sollten sonst die Machthaber in Birma/Myanmar gerade ein Medium wie das Internet lahmlegen.

Mich wundert übrigens, dass die Sendung überhaupt ausgestrahlt wurde. Ich empfehle das Buch "Mattscheibe" von Jürgen Bertram, das die Interessenverflechtung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen untersucht.

Ich bin des Weiteren sehr froh über solche Beiträge, da dies zum Verständnis der Historie beiträgt, rechten Stimmenfängern den Wind aus den Segeln nimmt (nein, die Deutschen haben nicht nur mit ihrer Hände Arbeit alles geschafft) und Menschen wie mir das Vertrauen in die Medien (wieder-)gibt.

Beschämend finde ich es vielmehr, dass eine Familie wie die Quandts es über all die Jahre nicht für nötig gehalten haben, Ihre ganz persönliche Geschichte aufzuarbeiten. Es war ihnen einfach kein Anliegen - und daran ändert auch das (erzwungene) Einzahlen in den Entschädigungsfonds nichts!

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01.10.2007 10:24:43

Holger566: @ odasgupta

So stelle ich mir den Journalismus vor. Nur wird diesem Anspruch die SZ in der jüngeren Vergangenheit immer gerecht?

Zum Thema: Hat in Deutschland wirklich jemand geglaubt, dass die Nazis ohne massive Unterstützung der Banken, großen Konzerne und übrigen Wirtschaft auch nur einen Monat Macht hätten ausüben können?
Und anders rum, hätten die großen Konzerne und Banken ohne die Sklaverei durch die von der Kriegsmaschinerie bereitgestellten Menschen und Resourcen, nach dem Krieg weiter Profit machen können.
Sie brauchten sich nur den Staat darum herumbauen. Wer baute diesen auf (ich spreche nicht von Parteien, die bedienten sich nur). Justiz- wo kamen die Richter wohl her, BKA-durch ehem. SS und Polizeiführer; Auswärtiges Amt- komplett übernommen; Bundeswehr-wie viele Nazigenerale von der "sauberen" Wehrmacht haben die aufgebaut usw.
Die Stoßrichtung war wie bei den Nazis der Osten.
Die deutsche Geschichte ist längst nicht aufgearbeitet. Selbst Guido Knopp geht nur halherzig ran.

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01.10.2007 10:25:29

Torx: Unfassbar einige Kommentare

Man kann natürlich vor allem die Augen verschließen und in Ruhe weiterhin sein Leben genießen. Man kann aber auch genau hinsehen und sich wie ein Staatsbürger in einer freiheitlichen Demokratie verhalten. Die Annehmlichkeiten und Freiheiten die wir heute genießen, sind hart erkämpft worden und müssen immer wieder hart erkämpft werden.
Gerade derzeit erscheint mir eine gewisse Lässigkeit im Umgang mit politischen Unkorrektheiten alles andere als angemessen.
Es ist nicht möglich den damals Betroffenen gerecht zu werden, oder sie zu entschädigen. Wie sollte das auch gehen, die meisten sind nicht mehr am Leben.
Mord jedoch verjährt nicht.
Eine ganze Familie die offenbar derart intensiv von den politischen Bedingungen profitiert hat und bis heute mauert und sich uneinsichtig gegenüber der eigenen Verantwortung zeigt, sollte in Deutschland keine Macht mehr ausüben dürfen.

Die Tatsache, dass die ARD den Bericht quasi ins Programm geschmuggelt hat spricht für mich Bände.
Um so lobender, dass die Süddeutsche den Mut hat auf den Bericht hinzuweisen.
BMW ist immerhin Anzeigenkunde.

T

Quote

01.10.2007 10:35:20

HansJoachim44:

Solche "Nachrichten" können einen auch nur überraschen, wenn man davon ausgeht das Dritte Reich wäre irgendwie über Nacht vom Himmel gefallen oder eine Diktatur von Außerirdischen gewesen. Wenn nicht die deutsche Wirtschaft die Produktion von Waren während des WK2 übernommen hat, wer denn dann? Glauben Sie da etwa an Importe aus England?? Und natürlich wurde schwere Arbeit damals von Zwangsarbeitern erledigt, von wem denn auch sonst?

Ich habe diesen Beitrag aufgrund von Schlaflosigkeit gestern gesehen, fühlte mich dabei aber leider weniger in einer guten Dokumentation als vielmehr in einer dieser unsäglichen Schwarz-Weiß gezeichneten Reichsdokus. Hier die guten Opfer und Siegermächte bis hin zum Ankläger der Nürnberger Prozesse, dort die bösen raffgierigen Quadts die nur Rallies im Kopf haben. Ich kann natürlich nicht beurteilen was dran ist, aber seriösen Journalismus stelle ich mir anders vor.

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01.10.2007 10:36:59

0909:

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01.10.2007  10:37:56

Stratto: Die Lebenden und die Toten…

Die Headline des Artikels formuliert sybillinisch ‚Vorwürfe gegen Quandt’. Aber gegen wen, gegen den oder die Toten, gegen die Lebenden, die damals noch nicht geboren? Gegen die Dynastie im ganz Allgemeinen? Gesinnungsethik, Verantwortungsethik?

Wer sich nur ein wenig in der Industriepolitik des Dritten Reichs auskennt, weiß sicher, dass es ganz prinzipiell keine einzige größere Firma von Alkett in Berlin bis Zeiss in Jena gab, die nicht in auf das staatliche System der Fremd- und Zwangsarbeiter zurückgegriffen haben bzw. zurückgreifen mussten, mit dem die breiten Rekrutierungen in den Betrieben möglichst ausgeglichen werden sollten. Die Autoren der Reportage gegen doch weit darüber hinaus. Man sammelt überall diskreditierende Indizien aller Art, Interviews mit ehem. Lagerhäftlingen werden für die weitergehende Empörung und Anklage sakrosankt überhöht und unkritisch übernommen.

Man legt einem ehemaligen Ankläger von Nürnberg Benjamin Ferencz einige Dokumente vor, der äußert völlig überraschend seine Betroffenheit und schon steht das Urteil analog zu Krupp fest, das durch den Film vollstreckt wird- Kläger, Richter und Vollzug in einer Solo-How. Man stelle sich wirklich vor, wie es medial diffamierend verarbeitet worden wäre, hätten die Nachgeborenen sich wirklich schützend vor die Väter bis Urgroßväter gestellt und eine unabhängige Untersuchung eingefordert. Und dazu schwebt über allem das Eva Herman Syndrom.

Man weiß aus guter Erfahrung, dass sich mit diesen gängigen Instrumenten die eigene Karriere prima vorantreiben lässt, ein immer preisverdächtiger Opportunismus der anderen Art. Nur wenige beteiligen sich nicht daran und Mut gehört dazu nicht im Geringsten. Das Meinungssystem jedoch, das von der 68er Generation, die sich für die fröhlichen Massenmörder von Mao über Stalin bis Pol Polt enthusiastisch bis unkritisch begeisterten, zeigt angesichts der drängenden aktuellen existentiellen Probleme nur noch auf, was diese Art der Geschichtsinterpretation vor der ewigen NS-Deutungsfolie im Standbild mittlerweile im wesentlichen ist: unproduktiv und erkenntnisneutral.

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01.10.2007  10:57:19

ArchiA: „Derrière chaque grande fortune il y a un grand crime“

(Hinter jedem großen Vermögen steht ein großes Verbrechen)

Dieser Satz von Balzac ist gerade in Deutschland besonders aktuell. Und wer sich jetzt überrascht oder erstaunt zeigt, der hat sich wohl noch nie die Frage gestellt: wie war eigentlich nur wenige Jahre nach dem Krieg der viel besungene Wirtschaftswunder möglich?
Woher kamen die Gelder?
Wie haben die grossen Unternehmen in den Jahren zuvor ihre Rücklagen gebildet und woher kam das Startkapital für viele mittelständische Unternehmen in einem zerstörten Land?
Die amerikanischen Hilfen im Rahmen des Marshall-Plans gingen an viele Länder, den Wirtschaftswunder gab es aber in dem Ausmass nur in Deutschland, und das lag ganz sicher nicht daran, dass die Deutschen fleissiger waren als andere Europäer.

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01.10.2007 11:06:00

HansJoachim44:

@ArchiA: Ich hatte ja eigentlich versprochen Ihre Beiträge nicht mehr zu kommentieren, aber was Sie da wieder behaupten ist .... Naja. Also um eine lange Geschichte kurz zu machen: Da gab´s nix mehr. Keine Rücklagen, keine Investitionsgüter, keine Patente, gar nichts. In welcher Währung sollten diese Rücklagen denn auch bestanden haben? In deutscher Reichsmark? Vielleicht in Devisen der Alliierten?

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01.10.2007 11:12:17

Azmoguul: Richtige Aufarbeitung tut immer noch Not!

Auch mir stellt sich der Kamm auf, wenn Leute "etwas nicht mehr hören können". Meistens liegt's ja nur daran, dass sie nur zu gerne jedesmal weghören, und es gab schon vor 45 Jahren - in meiner frühen Jugend - solche "Mitbürger".
Ich bin noch in einer Zeit groß geworden, wo man "vorsichtshalber" nur den 1. Weltkrieg behandelt hat. Aber wenn ich, wie es immer so schön heißt, aus der Geschichte etwas lernen kann/soll, dann doch nur aus der jüngsten. Karl der Große, den ja die Franzosen ebenso mit Beschlag belegen, wie wir, oder Napoleon (da ist's eindeutiger) mögen große Strategen gewesen sein und ihre Erfolge mögen imposant und interessant gewesen sein, aber wenn ich tatsächlich Fehler vermeiden will, kann man das wirksam m.E. nur aus der Geschichte, die 1-3 Generationen zurückliegt.
Dabei lebe ich - ohne Probleme - mit dem Bewusstsein, dass es mich ohne Gröfaz und seine Bewegung "heim ins Reich" (oder bei Quandt eher reich ins Heim *g*) nicht geben würde, da mein Vater als Kind mit seinem alten Herren (später in Russland verschollen) nach Deutschland zurückkehrte. Aber trotzdem, oder gerade deswegen, interessiert mich jede sachliche Aufarbeitung dieser Geschichte. Gelegentlich gibt es ja auch einen Lichtblick, wie Schindler. Mir sind alle aktiven Widerständler sehr wichtig und ich bin denen für ihre Opfer sehr dankbar. Wie es mit der Einstellung einiger Leute bestellt ist, kann man sehr gut daran sehen, dass Leute, wie Brandt, die geflohen sind, als Vaterlandsverräter betitelt werden, aber Mitläufer oder gar Kriegsgewinnler als verdiente Mitglieder der Gesellschaft gehandelt werden.
Mit freundlichen Grüßen

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01.10.2007 11:15:00

ucr: @9090

"Wie also stehen Sie zu der Tatsache, dass der Homo Sapiens in Europa den Neandertaler vor ca. 30000 Jahren verdrängt hat, ihn hat glattweg verhungern lassen. Ich empfehle also zur Wiedergutmachung den Rückzug des Homo Sapiens nach Afrika."

Ich denke, diese Analogie hinkt ein wenig. Der Unterschied besteht einfach darin, daß heute keiner der bedauernswerten Neandertaler seinen ehemaligen Peinigern auf der Straße begegnen muß. Andersherum, solange ehemalige Täter fröhlich über unsere Straßen spazieren und aus unsren Rentenkassen genährt werden und solange ehemalige Opfer noch um kümmerliche Entschädigungsrenten kämpfen müssen, ist gar nichts vergessen.
ucr

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01.10.2007 11:16:27

LeCabanon: Vergangenheit ruhen lassen, vergessen

Die Vergangenheit ruhen lassen, vergessen ... zu können. Vergessen, nicht verdrängen oder verschweigen.

Der gestern gezeigte Film wäre doch gar nicht zustande gekommen wenn die Familie der Quandts sich bereits der öffentlichkeit gezeigt und Stellung bezogen hätte.
Nicht als Erben der Täter oder der Täterschuld, sondern als Unternehmer die doch wenigstens versuchen könnten Ja zu sagen zu der eigenen Geschichte. Ja, ein Regime wie das der Nazis hat unterstützer, Geldgeber. Ja, das sind Menschen die tatsächlich zu sehen sind, berührbar. Menschen die Familie haben, Väter sind oder Mütter, die möglicherweise ja sogar unter dem Druck einer Firmeneignerschaft, so Zielfokussiert und erfolgsstrebend sind das sie ein solches Konglomerat aus ideologischer Verblendung, ideologisierter Geschichte und eigener Geschichte mit der sich stellenden Gegenwart vermischen und dem Glauben verfallen etwas besseres zu sein. Dieses Bessere mit Worten oder Taten zu bestücken und so selbst zum Täter werden. Das Passiert, passierte und wird auch wieder passieren wenn nicht der Mut da ist zu sehen wie es zustande kommt, so ein Regime. Aus Menschen.

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01.10.2007 11:17:56

solsesolse: @0909

Sie vergleichen eine bedeutende Auseinandersetzung und Recherche mit historischen Fakten und die Forderung nach Verantwortung seitens der Verbrecher aus der Nazizeit mit dem Verdrängen der Neandertealer - merken Sie selber eigentlich nichts?

Wie weit wollen Sie zurück gehen, um vom eigentlichen Kern der Diskussionen / den Anliegens hier anzulenken!
Was Sie spießig finden, ist komplett irrelevant. Hier geht es nicht um rechts oder links. Was hier besprochen wird, ist parteiübergreifend.

Worum es hier geht sind Verbrechen an der Menschheit, an dier Menschlichkeit. Und die sind weder juristisch bestraft, noch von den Verantwortlichen oder ihren Nachkommen ethisch/moralisch verantwortet noch finanziell an die Opfer "entschädigt" worden.

Was genau muss man Ihnen eigentlich noch erklären, damit Sie anfangen mal wirklich NACHZUDENKEN?

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01.10.2007 11:22:39

plexar: @0909: was bitte ist das für ein vergleich?

zitat:
"Wie also stehen Sie zu der Tatsache, dass der Homo Sapiens in Europa den Neandertaler vor ca. 30000 Jahren verdrängt hat, ihn hat glattweg verhungern lassen. Ich empfehle also zur Wiedergutmachung den Rückzug des Homo Sapiens nach Afrika."

es wurden im dritten reich millionen menschen opfer einer verbrecherischen ideologie und das vor weniger als 2 generationen. der vergleich mit einer zeit vor 30000 jahren ist sowohl dumm, als auch eine beleidigung all derer, die unter dem nazi-regime gelitten haben und heute deinen beitrag lesen.
wie kann man die verhältnisse von vor 30000 jahren mit dem dritten reich vergleichen wollen?
es ist erstaunlich, dass hier solche meinungen auftauchen. hätte ich eher in der B..D erwartet.....ne, selbst da nicht!

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01.10.2007  11:26:42

ArchiA: HansJoachim44: Auf Ihre Kommentare kann ich gerne verzichten, zumal Sie ausser Ihre Meinung noch nie fundiertes Wissen enthalten haben

„Der Transfer deutscher Vermögenswerte ins neutrale Ausland.“

„ Dieser gewann insbesondere in der zweiten Kriegshälfte an Bedeutung, als sich die kommende Niederlage und schliesslich die Besetzung Deutschlands abzeichneten. Die deutschen Unternehmer gingen davon aus, dass ihre Beteiligungen im alliierten Machtbereich – wie schon im Ersten Weltkrieg – weitgehend durch Beschlagnahmung verloren gehen würden, während die Vermögenswerte im neutralen Ausland möglicherweise erhalten bleiben könnten, um erneut eine wertvolle Rolle für die Wiederanbahnung internationaler Wirtschaftsbeziehungen zu spielen. Der Transfer deutscher Vermögenswerte nahm vielfältige Formen an. Typisch für die verbreitete industrielle Absetzbewegung war die Anlage finanzieller Polster durch falsche Fakturierung, der Aufbau von Warenlagern oder die Verlagerung ganzer Produktionen. Weit schlechter erfassbar ist der von den Alliierten in besonderem Mass gefürchtete Vermögenstransfer nationalsozialistischer Eliten, die ihre individuelle Existenz oder allenfalls sogar ein politisches Fortleben über die Niederlage hinaus zu sichern suchten. Bei solchen Vermögenswerten war zudem der Verdacht besonders naheliegend, dass ihre Entstehung auf Zwang und Raub zurückging. Dokumentieren lässt sich der umfangreiche Handel mit Banknoten, mit geraubten Wertschriften und mit Diamanten…“

Auschnitt aus der Zusammenfassung des Inhalts von:

„Tarnung, Transfer, Transit.
Die Schweiz als Drehscheibe verdeckter deutscher Operationen (1938–1952)“
von Christiane Uhlig, Petra Barthelmess, Mario König, Peter Pfaffenroth, Bettina Zeugin

erscheinen im Chronos Verlag im Rahmen der Veröffentlichungen der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg, Band 9.

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01.10.2007  11:35:43

nachdenken: Ich bin gut, ihr seid böse

Enthüllungsjournalisten wissen immer genau wie böse die anderen sind. Schon die Geburt als Kind eines Unternehmers ist mit dem Bösen behaftet. Auch wenn man selbst aufgrund der späten Geburt nie persönlich Schuld auf sich laden konntet ist es egal - schuldig durch Geburt.
Erstaunlich nur der Umgang mit der Vergangenheit ihrer Vorfahren (ob leiblich oder Berufsvorgänger). Warum entschuldigt sich nicht jeder Journalist vor jedem Beitrag für "seinen" Beitrag zur nationalsozialistischen Propaganda?


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01.10.2007 12:02:19

0909:

Es ist echt ein Problem, was machen wir nur mit unseren Urgroßvätern, Großvätern und Vätern? Ich mag Sie allle. Im Gegensatz zu den "Selbstgerechten" dieser Zeit hatten sie nicht das Glück in einer gesichtslosen, relativ bekennungsfreien Zeit groß zu werden. Ich möchte nicht wissen, wieviele dieser tollen "Aufklärer "der heutigen Zeit damals zumindest gekuscht hätten, wenn nicht sogar mit gebrüllt hätten , aus Angst um nur nicht aufzufallen! Keiner heißt diese Zeit gut und es ist furchtbar was geschehen ist, aber ich betone nochmals, es muß mal Schluß sein damit!

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01.10.2007 12:06:20

plexar: @nachdenken: genau, mal gescheit nachdenken....

zitat:
"Warum entschuldigt sich nicht jeder Journalist vor jedem Beitrag für "seinen" Beitrag zur nationalsozialistischen Propaganda?"

die heute arbeitenden journalisten sind journalisten, weil sie studiert haben und nicht weil sie diesen job von skrupellosen opportunisten geerbt haben. ein herr s. quandt ist millionenär, weil er ein vermögen geerbt hat, welches zum größten teil seinen ursprung auf den schultern von zwangsarbeitern fand.
DAS ist der unterschied!

reicht das als erklärung?

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01.10.2007 12:12:53

edgeflash: @0909

Sie forden: "es muß endlich mal Schluß sein". Finde ich nicht! Und es geht hier doch gar nicht darum, Deutschland immer wieder zu "bestrafen", sondern darum, dass uns unsere Geschichte uns im Bewußstsein bleibt und dass wir weiterhin Aufklärung erhalten über Verbrechen, die sich niemals werden verjähren können.

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01.10.2007 12:22:15

eeg121952: Bereicherung auf Kosten Anderer

Und die Zulus haben sich in blutigen Unterdrückungskriegen am Land der Nachbarstämme bereichert. Und die Briten haben sich in blutigen Unterdrückungskriegen am Landbesitz und am Reichtum der ganzen Welt bereichert. Und die Spanier haben sich in blutigen Eroberungskriegen am Gold der Indios bereichert. Und die Mongolen haben sich in blutigen Eroberungskriegen am Land und am Reichtum der Hälfte Asiens bereichert. Und die Juden haben sich am Gelobten Land in blutigen Eroberungskriegen gegen die in diesen Gebieten lebenden Menschen bereichert und und und ......diese Liste ließe sich endlos verlängern und keine einzige der menschlichen Gemeinschaften würde darin nicht auftauchen. Warum also diese heimlichen Filmvorträge im öffentlich Rechtlichen? Die ganze Welt weiß doch um die eigenen Verfehlungen und um die Verfehlungen der Vorväter.

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01.10.2007 12:23:06

ucr: @9090

"Keiner heißt diese Zeit gut und es ist furchtbar was geschehen ist, aber ich betone nochmals, es muß mal Schluß sein damit!"

Warum eigentlich ? Damit wir wieder "neu" anfangen und die Geschichte nochmal erleben dürfen ?
ucr

P.S.: Die Verbrechen der Vertreibung werden doch auch bei jedem Schlesiertag erneut thematisiert.

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01.10.2007 12:26:40

doktor no: geschichte wiederholt sich jeden tag

mich erstaunen 4 dinge:

1) ein solcher ard-beitrag ohne ankündigung zur schlafenszeit

2) beitragsgeber hier, die immer noch nicht verstanden haben, dass es einen unterschied gibt zwischen persönlicher verstrickung/schuld samt deren moralisch abgeleiteter verantwortung der nachkommen und dem benutzen eines markenartikels

3) dem immer wiederkehrenden phänomen öffentlichen erstaunens darüber, wie sich das 3. reich nach 45 wieder zusammengerauft hat. allein das kapitel "auswärtiges amt" ist eine geschichte für sich; in einem klima, das adenauer vor allem zu schaffen hatte, wurden ex-nazis mit kusshand wieder in amt und würden gehoben. wieso erstaunt uns das?

4) die moral der wirtschaft, die hier angeprangert wird. es ist doch nun wohl seit jeher bekannt, dass moralisch wohl kaum etwas niedriger ist als die gier der unternehmen, die umso besser florieren, je opportunistischer sie agieren. das schockierende hierbei ist für mich lediglich immer noch, dass unternehmen keinen unterschied in der schwere der schuld machen. ob der neger in nigeria an ölverpestung durch shell stirbt oder der jude durch die IG farben, ist für die industrie keine frage von kriminalitätsgraden - sie sieht das ganz "sachlich". käme heute ein hitler hier an die macht - unsere unternehmen würden allesamt sabbernd die finger recken, um als erster an der reihe zu sein. das - und dies zeigt der fall quandt wie so viele andere fälle auch - ist der eigentlich skandal. man hat aus der vergangenheit nichts gelernt. unsere unternehmen haben nichts gelernt, denn sonst würden sie andere unternehmenspolitik betreiben und nicht mit dem immer gleichen verweis auf arbeitsplatzsicherung heute china, morgen russland, übermorgen iran hofieren.

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01.10.2007 12:27:36

PositiverDenken: Wut im Bauch....

Dokus dieser Art werden bei diversen öffentlich-rechtlichen Sendern oft auf einem späteren Sendeplatz gebracht - daran ist nichts konspirativ.
Befremdlich finde ich den Lob einiger Kommentatoren, dass die ARD und SZ "sich trauen" darüber zu berichten. So weit ist es hoffentlich noch nicht mit der Pressefreiheit der SZ einen derartigen Artikel wegen Angst vor Anzeigen-Boykott seitens BMW nicht zu veröffentlichen.
Die Quandt-Familie ist nicht die einzige Unternehmer-Familie, die von der NS-Zeit profitiert hat und ihr heutiges Vermögen darauf aufgebaut hat. Aber sie ist wohl der bekannteste Fall in Deutschland, die sich nicht mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt, vieles verschweigt und keine Reue zeigt. Das ist das schockierendste an dem Ganzen. Den Kommentaren des einen Sohnes zufolge, der sein Geld jetzt mit Rallye-Fahrten verpulvert, lässt sich diese ignoranten Verhalten nur durch mangelnde Intelligenz und ungenügende Selbstreflexion erklären. Geld macht nicht unbedingt schlau.

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01.10.2007 12:29:36

Olly77: @9090 - Aufklärung

ist ein menschlicher Urtrieb und sollte nicht unterdrückt werden. Sie tut einfach gut! Das hat der Herr, auf den sich Adenauer, FJS und Stoiber neben vielen anderen berufen, auch gesagt: "Die Wahrheit wird euch frei machen!"

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01.10.2007  12:39:23

wernerlamb: Quands Nazi-Verbrechen verschwiegen

bezeichnend für die Pressefreiheit in Deutschland ist die Tatsache, wie lange
"Quands eigenes Konzentrationslager" in der öffentlichkeit verschwiegen werden
konnte und die Art und Weise, wie der Bericht heimlich ohne Ankündigung in der ARD gesendet werden mußte, damit dies kein Politiker in letzter Sekunde verhindern konnte.
Die gesamte deutsche Presse hat sich offenbar seit Jahren hierzu ein Schweibegelübde auferlegt. Spiegel, Stern und der angebliche Aufklärungsjournalismus Fehlanzeige, lieber weiter Hofberichterstattung.
Man könnte es sich ja mit den Ministerpräsidenten der Länder und mit BMW verscherzen.

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01.10.2007 12:39:42

Klausi9: Quandt-Medienpreis

Hiermit schlage ich den TV-Beitrag "Das Schweigen der Quandts" für den Quandt-Medienpreis 2008 vor.

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01.10.2007 12:53:18

Einblick: BMW

Ich kann mich noch gut an meine Bewerbung bei BMW in München erinnern, obwohl es jetzt bestimmt über 20 Jahre her ist, es war ein Satz der bei mir hängen blieb.
Der Personal Beauftragte teilte mir mit, er kann mich nicht einstellen obwohl ich als Österreicher doch zu zu Deutschland gehören würde, ein Reich.
Ich war sehr jung, aber dieser Satz der Zusammengehörigkeit bekommt erst jetzt die Bedeutung die ich damals nur leicht schockiert wahr genommen habe.
Quant hat die Bayrischen Motoren Werke nach dem Krieg mit dem Geld das er während dem Krieg durch Waffenproduktion mit Hilfe von KZ Häftlingen und Zwangsarbeitern in Zusammenarbeit mit den Nazis ergaunert hat, gekauft.
Der Geist dieses Menschen wird natürlich in diesem Betrieb weiter gelebt, keine Frage.
Ein bisschen schlechtes Gewissen und Wiedergutmachen muss in der heutigen Familie doch sein, denn die Arbeiter von BMW bekommen gute Gehälter und werden auch durch Prämien am Gewinn beteiligt, diese Vergütung zeigt das die Familie Quant sich ihrer Wurzeln etwas bewusst ist. Der ganze Umfang ihrer verursachten Verbrechens an Millionen von Menschen würde der Verlust ihres Vermögens mit sich bringen, was natürlich richtig wäre.
In einer Gesellschaft die nur Platz für Gewinner anbietet, gibt es für die Verlierer keine Gerechtigkeit.

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01.10.2007 13:23:03

0909: @ ucr

Sie scheinen sich wohl für jedes Verbrechen dieser Welt verantwortlich zu fühlen. Ich finde es würde schon ausreichen, wenn jeder für sich verantwortlich zeichnet!

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01.10.2007 13:23:35

ucr: @9090

"Nur z.B. Zeit und auch Definitionen sind wandelbar! Nehmen Sie einfach die DDR, vor dem Mauerfall waren andere Dinge "Recht" als inder BRD"

Falsch, diese Dinge in der DDR waren damals ebensowenig R E C H T, wie die Nürnberger Rassegesetze R E C H T waren. R E C H T ist eben gerade mehr, als nur in einem ordnungsgemäßen Gesetzgebungsverfahren erlassene Normen. Da Sie von sich behaupten, als unabhängiger Geist selber erkennen zu können, was Recht und was Unrecht ist, verwundert Ihr Statement umso mehr.
Schönen Grüß an Herrn Filbinger
ucr

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01.10.2007 13:25:51

0909: @ ucr

Sie sind nicht ganz auf dem aktuellen Stand! Für Herrn Filbinger hat schon Herr Oettinger Abbitte getan!

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01.10.2007 14:03:18

gerhardt_124: Wirtschaft und Moral

Das Problem ist immer wieder das gleiche. Die Wirtschaft hat keine moralischen Maßstäbe, sie produziert, sie verteilt oder sie konsumiert, mehr nicht. Und das nach dem Prinzip der Gewinnmaximierung. Die Politik und auch die Gesellschaft setzt die moralischen Maßstäbe.

Nach dem Krieg hätte die deutsche Gesellschaft erst einmal die 12 Jahre des Naziregimes verarbeitet werden müssen, dies wurde aber aus wohlweislichen Gründen unterlassen.
Stattdessen haben die Deutschen ihr Wirtschaftwunder auf die Beine gebracht.

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01.10.2007  15:48:03

sajoh:

Ich kann mich nicht erinnern, dass in meinem Schulunterricht zum breit behandelten Thema NS-Zeit jemals ein Licht auf die Rolle von Unternehmen im Regime geworfen wurde. Bei vielen wird es wohl nicht anders sein, im nachhinein kann sich nur der entsprechend Interessierte darüber Kenntnis beschaffen. Doch gerade für die jüngere Generation, für die jene Zeit im laufe der Jahre geradezu unnachvollziehbar wird, müssten Gesamtzusammenhänge intensiv aufgezeigt werden.

Diejenigen, die hier nun so selbstbewusst nach einem "Schlussstrich" rufen, die "Keule der aufgezwungenen Kollektivschuld" schwingen und eine Relativierung durch Vergleiche in der Weltgeschichte betreiben, scheinen nichts damit am Hut zu haben, dass ein gesellschaftliches Bewusstsein in - eben - Deutschland für die Gefahr einer Wiederholung der nationalen Geschichte weiterentwickelt wird.

Hinzu kommt eine auffallende Taktik der Gegenstigmatisierung:
es wird von einigen hier über den "vorherrschenden Zeitgeist" geklagt (ja, leider ist sowas wie Rassismus gerade nicht so gesellschaftsfähig), und wer sich dazu bekennt, sich mit der deutschen Geschichte weiterhin auseinanderzusetzen und Unrecht anzuprangern, wird als "Moralapostel", "Selbstgerechter", "Maoist", "Nestbeschmutzer" etc. stigmatisiert. Dies ist eine altbewährte Methode und bei Kommentatoren wie 0909 (auch in anderen Threads) offensichtlich. Diese semantische Abwertung, die von dem eigentlichen Stigma ablenken soll, ist im grunde lächerlich, wirkt aber leider bei so manchem.

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01.10.2007 15:23:35

Bilderberger: Interssanter Artikel

den ich allen empfehlen würde:

http://www.zeitschrift-humanwirtschaft.de/pdf_hw04-2007/10hw04-2007_creutz_der-schnee-von-gestern.pdf

"Damit ist also das Tageseinkommen von Frau Klatten, im Vergleich mit jenen 650 Tausend DM bzw. 332 Tausend Euro im Jahr 1990, immerhin auf fast das Vierfache angestiegen. Denkt man angesichts solcher Zahlen an die Empfänger von Sozialhilfe, die sich monatlich mit einem leistungslosen Einkommen von etwa 750 Euro zufrieden geben müssen, dann entspricht das ebenfalls leistungslose Monatseinkommen von Susanne Klatten mit seinen 37,5 Millionen Euro dem von 50.000 heutigen Hartz-IV-Empfängern, die man so gerne als „Sozialschmarotzer“ tituliert!"

Nur mal so am Rande...

bilderberger

Quote
01.10.2007  16:26:56

Dr.Truth: Quandt

"Damit ist also das Tageseinkommen von Frau Klatten, im Vergleich mit jenen 650 Tausend DM bzw. 332 Tausend Euro im Jahr 1990, immerhin auf fast das Vierfache angestiegen. Denkt man angesichts solcher Zahlen an die Empfänger von Sozialhilfe, die sich monatlich mit einem leistungslosen Einkommen von etwa 750 Euro zufrieden geben müssen, dann entspricht das ebenfalls leistungslose Monatseinkommen von Susanne Klatten mit seinen 37,5 Millionen Euro dem von 50.000 heutigen Hartz-IV-Empfängern, die man so gerne als „Sozialschmarotzer“ tituliert!"
Nur mal so am Rande...

Was hat dieser Beitrag mit dem Thema Vergangenheitsbewältigung zu tun? Meines Erachtens nach rein gar nichts. Ich verdiene selber nicht viel mehr als Hartz-IV und schiebe manchmal Frust. Doch würde es mir im Traum nicht einfallen, das Thema Vergangenheitsbewältigung als Forum für meinen Sozialneid oder den anderer zu mißbrauchen.
Nur mal so am Rande...

Quote
01.10.2007 18:58:14
dekla:

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Quote
01.10.2007  17:57:37

Super Onyx: Das Schweigen der Familie...

...der Familie Quandt steht stellvertretend für das Schweigen der sogenannten Industriellen Elite von Deutschland.
Diese angeblich so feinen und honorigen Herren (Quandt, Krupp, Flick, Stinnes etc) haben Ihre Vermögen zu einem großen Teil schon während der Inflation in den zwanziger Jahre bis zum platzen vermehrt um sich dann vor lauter Gier noch Herrn Hitler an die Brust zu werfen, soweit ist es Geschichte.
Geschichte sind jedoch nicht die Themen Skrupellosigkeit und Gier. Oder das Thema von einem absolut verkommenen Menschenbild und das Thema der eigenen Reflektion darüber.
Wenn der Erbe mit dem schönen Hobby eines Rennfahrers das Wühlen in der Vergangenheit beklagt dann zeugt das nicht nur von einem peinlich unterentwickelten Geschichtsverständnis, es ist auch der Ausdruck einer puren Arroganz und Amoralität. Beides Eigenschaften die auch in unserer heutigen Zeit das Gebaren so mancher Manager und auch Politiker kennzeichnen.
Und vielleicht ist es deswegen auch so, dass die Erben der Familie Quandt weiterhin gut schlafen können.
Sie sind von Freunden geradezu umgeben. Sie werden hofiert und dürfen sich und ihre Geschichte weiterfeiern. Dabei sollte es gerade umgekehrt sein. Wenn ein sogenannter einfacher Mensch zu Geld kommt, dass erwiesenermaßen durch Entführung, Folter und Mord entstanden ist, bekommt er Besuch von der Polizei und das Vermögen wird eingezogen. Ein Erbe gibt es dann nicht, sondern nur einen Makel und eine gesellschaftliche ächtung.
Aber dies gilt eben nicht für Menschen wie die Familie Quandt, dabei wäre es so einfach.
Meinetwegen sollen Sie ihr Blutgeld behalten, meinetwegen sollen Sie glücklich werden, aber dann bitte sollen Sie auch unter sich bleiben. Eben eine Familie die nach gesellschaftlichen Maßtäben indiskutabel, wenn nicht sogar peinlich ist.
Leider wird dies ein frommer Wunsch bleiben, denn Sie sind wie gesagt, ja von Freunden mit den gleichen moralischen Ansprüchen umgeben. Und das sagt viel über den Zustand dieser Gesellschaft aus.
Trotzdem, ein schöner Dank an die mutigen Filmemacher der ARD. Was jetzt auch immer auf Sie zukommt, Sie haben meine Solidarität, auch weil Sie mir gestern Abend den Glauben an meine GEZ Gebühren zurückgegeben haben ...


Quote
01.10.2007  16:48:13

regula2: Entsittlichung

Solche Leute können nur deshalb in diesem, unserem Lande herumgeistern, ohne angespuckt zu werden, weil die Mehrheit der Deutschen Reichtum, und klebte auch noch so viel Dreck an ihm, für erstrebenswerter und bewundernswerter hält, als Tugend, Charakter und Anstand. Dies ist die "Elite", die Deutschland verdient, oder, mit P. Handke (?)gesprochen: "In Deutschland leben, heisst knietief im Kot waten"

"Dafür sprach der Erbe Sven Quandt, der... findet, man solle die alte Zeit endlich ruhen lassen. "Es ist ein Riesenproblem, dass man in Deutschland nie vergessen kann. Das hilft Deutschland nicht." Auch andere Länder hätten Probleme mit der Vergangenheit, ohne dass diese immer breit getreten würden. Hier aber habe alles so einen negativen Touch."

Quote

01.10.2007 19:00:36

dekla:

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01.10.2007 20:50:47

AK871: Hoffentlich enthält die Dokumentation...

... auch den Hinweis, dass nicht die Quandts in den Arbeitslagern gepeinigt, erniedrigt und gequält haben.

Man sollte halt nicht vergessen, dass nicht nur "die da oben" am System beteiligt waren, sondern auch und in nicht zu unterschätzender Zahl, "ganz normale Bürger".

Und die Geschichte, dass der "kleine Mann" von all den Verbrechen nichts wußte, diese Geschichte kann ich nicht glauben. Angefangen von dem damaligen Management der Quandt´schen Firmen, über die Abteilungsleiter und deren Mitarbeiter. Dabei darf man nicht vergessen, dass die Firmen der Familie Quandt nur einen Teil der Wirtschaft im Drutten Reich ausmachten.

Es wird gern dargestellt, dass ohne die "Wirtschaftsbosse" ein A.H. und seine "Kumpane" nicht an die Macht gekommen wären bzw. diese lange ausüben hätten können. Hier sollte ein kleiner Hinweis auf die Wahlergebnisse 1930 bis 1933 genügend Denkanstöße vermitteln.

Es ist schwierig und unbequem, sich mit der Tatsache auseinander zu setzten, dass es eben mehr als einzelne Familienmitglieder bei den Quandts bedurfte, um das System als Ganzes, aber auch das System Quandt zu installieren und aufrecht zu erhalten.

In Abwandlung eines anderen Titels: Quandts willige Helfer. Wobei der Name Quandt als Synonym zu verstehen ist.

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01.10.2007  22:27:32
NiaBo: Danke ARD

[...] Für mich war die Info, dass die Quandts damals das Gelände, die Einrichtung und die Arbeiter des KZs Stöckern gestellt haben (inklusive 80 Mann "Fluktuation" die monatlich von Herbert Quandt in die Personalplanung mit eingerechnet wurden) und die SS sich dann um die "Insassen gekümmert", einfach erschreckend. Wenn man sozusagen sein "eigenes" KZ betreibt, ist das doch etwas anderes "als nur Zwangsarbeiter beschäftigt zu haben", wie es vielleicht in vielen größeren und kleineren Firmen der Fall war.

@0909
Mir war nicht klar, welche Rolle die Quandts im 3. Reich gespielt haben und so ging es sicher auch anderen Zuschauern. Also warum muss Schluss sein mit der Aufklärung?!? Dabei durfte ich mich schon zu Schulzeiten ausgiebig mit dem Thema befassen.
Natürlich sollte man mehr von der deutschen Geschichte sehen und kennen als "nur" die Zeit von 1933-45, aber neue Aspekte können eine Sache auch erhellen, statt sie totzureden!



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01.10.2007 23:03:16

münchnerkindl: Es ist völlig klar,

daß die Quandtschen Unternehmen vor 45 tief in die Hitlersche Kriegs, Zwangsarbeiter
und KZ Häftlinge Politik verstrickt waren. Weil dafür Leute verantwortlich waren, die
heute nicht mehr leben, liegt es an den Lebenden sich in der Nachfolge Ihrer Familien-
unternehmer befindlichen, sich hierzu schonungslos zu bekennen, Fehler der Ahnen
einzugestehen und soweit möglich zu einer Art Wiedergutmachung beizutragen.
Einer Familei mit 24 Mrd Euro unterm Kopfkissen sollte das nicht allzuschwer fallen.

Quote

01.10.2007 23:24:11

Parisien: Schmutzige Hände

" Hoffentlich enthält die Dokumentation...

... auch den Hinweis, dass nicht die Quandts in den Arbeitslagern gepeinigt, erniedrigt und gequält haben."
@AK871:Nein,natürlich haben sie sich nicht die Hände schmutzig gemacht,man hat peinigen lassen.
Auch das verbindet diese Familie mit ihren damaligen Gesinnungsgenossen .Himmler ist nur unwillig in KZs gegangen,als er an einer Erschiessung teilnahm,musste er sich übergeben.
Und der Gröfaz selbst hat nie ein KZ besucht,darf ich ihm das jetzt mildernd zugute halten?
Was wollen Sie eigentlich ? Soll das Verhalten der Qs und anderer als gar nicht so entscheidend eingestuft werden,weil es natürlich noch Helfer und Helfershelfer in Massen gegeben hat ? Das sich diese auch schuldig gemacht haben spielt für die Einschätzung der Qs und anderer nicht die geringste Rolle,oder bin ich kein Verbrecher,weil es 1000 andere auch waren?
Jeder Fall wird für sich geprüft und beurteilt und hier geht es um eine Familie,die im Gegensatz zu den von Ihnen erwähnten Mittätern oder Gehilfen noch heute immens von ihren Beutezügen profitiert.

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02.10.2007 06:32:39

thomas-xx: Ein Volk von Ahnungslosen!

Jede Frau, jeder Mann in Deutschland, die/der jetzt immer noch der Meinung ist, wir lebten hier in einer Demokratie, hat entweder keine Ahnung was dies bedeutet, oder handelt mit Persilscheinen!

Auf jeden Fall sollten einige "Bessermenschen" sich auftun und den Kot vor der eigenen Haustuere kehren, bevor sie mit dem Finger auf andere zeigen!

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02.10.2007 08:44:42

WillyfunNilly: 1982 gestorben.....

Der Verantwortliche starb 1982.

Es gilt Sippenhaft. Von den Nazis installiert. Von den Antifaschisten instrumentalisiert.

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02.10.2007  18:20:29

abita: Kriegsgewinnler

Es ist doch nicht nur die Fam. Quandt. Die Fa. Siemens , die Deutsche Bank und andere sind genauso im 3. Reich finanziell unter dem Gröfaz zu Reichtum u.a. durch Ariesierung gekommen.
Dazu gibt es ein Buch über die Verflechtungen der Deutschen Bank und der Commerzbank im 3.Reich,dass von den Amis herausgegeben wurde - OMGUS -. Sehr interssant mal darin nachzulesen und Namen zu bestimmten NS-Einrichtungen zu erfahren.

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02.10.2007  21:16:29

Aposto: Immer wieder erstaunlich ...

... wie sehr längst Vergangenes die Menschen in Aufregung versetzt.

Mich würde viel mehr interessieren, *wer* *wieviel* zum Beispiel am Irak-Krieg verdient hat und noch verdienen wird, um nur eines der Ereignisse der jüngeren Geschichte zu erwähnen.

Aber das erfahren wir wahrscheinlich auch erst in 60 Jahren (oder nie).

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03.10.2007 11:14:51

RobertOstermeier: Im Prinzip war diese Anklage gegen die Familien Quandt nichts Neues!

Was mich viel mehr erzürnt, ist die "heimliche" Ausstrahlung der Sendung! Wieviel Einfluss haben solche Industriedynastien auf unser öffentliches Leben? Haben die sogar im öffentlich, rechtlichen Schiss?
Das sind Dinge, die es jetzt aufzuklären gilt!

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03.10.2007  15:01:46

cajkacechovs: Es geht noch über die Quandts hinaus..


Bitte in WIKIPEDIA nachlesen, was zu anderen Kriegsgewinnlern steht,
ein Hinweis - auf die Vorfahren von Doubleya Bush, dann wird die gemäßigte Argumentation von @0909 durchaus verständlich!!!!

"...Am 1. November 2004 versuchte die Internationale Projektgruppe Auschwitz Sammelklagen, seinen Enkel George W. Bush auf Schadensersatz in Höhe von 400 Millionen Dollar zu verklagen, weil Prescott Bush an einem Unternehmen beteiligt war, das Gewinn aus der Zwangsarbeit von KZ-Häftlingen zog.

Ihrer Ansicht nach beruht das geerbte Vermögen Bushs zum Teil auf Gewinnen aus NS-Sklavenarbeit, die dessen Großvater Prescott Bush durch Geschäfte mit den Nazis im Zweiten Weltkrieg gemacht haben soll. Der Miteigentümer einer Stahlfirma habe so auch von der Sklavenarbeit im Vernichtungslager Auschwitz profitiert, erläuterte Wolz. ..."

Prescott Bush also. Bitte an alle, keine einseitige Empörungen und mehr Bemühungen, die größeren Zusammenhänge im Auge zu behalten.

der link zu diesem feinen Herrn: [wikipedia.org/wiki/Prescott_Bush]
beachtenswert ist, dass erst mit Roosevelt Unterschrift des trading with the enemy act
die US-Bankkontakte/Finanzierung mit Adolphos Partei unterband.
Also, @Jack so sehr ich immer Ihre Kommentare schätze, Ihre USA-Einschätzung ist subjektiv.

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03.10.2007 15:08:01

cajkacechovs:

Mein Text über den Vorfahren von G. Bush stützt sich auf die Seite von Wikipedia.
Liebe Redaktion. Mein Kommentar ist lupenrein! Lassen Sie ihn durch...

Prescott Bush wird dort angeklagt, ganz ....spezielle Beziehungen mit dem Dikaturregime gehabt zu haben, wie die Quandts.

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03.10.2007 15:09:53

cajkacechovs:

immer schön die halbe Wahrheit ans Licht lassen, gell???

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03.10.2007  21:56:53

tomcer: Antwort von der ARD

Ich habe den späten und versteckten Sendetermin bei der Redaktion kritisiert, die Anwort kam noch am selben Tag:


vielen Dank für Ihre E-Mail und für Ihr Interesse am Ersten Deutschen Fernsehen.

Wir bedauern Ihre kritischen Anmerkungen zum Sendetermin der Dokumentation "Das Schweigen der Quandts".

Der Film über Rolle der Unternehmerfamilie Quandt sollte zunächst auf dem Filmfest Hamburg präsentiert werden. Anschließend wollte der für die Dokumentation verantwortliche Norddeutsche Rundfunk "Das Schweigen der Quandts" im Ersten Deutschen Fernsehen zeigen.

Gestern wurde dem NDR von den Veranstaltern des Filmfests Hamburg sehr kurzfristig ein Aufführungstermin für Sonntagnachmittag, 17.00 Uhr, zugewiesen. Daraufhin bat der NDR die ARD-Programmdirektion, die Dokumentation möglichst zeitnah im Ersten auszustrahlen.

Volker Herres, Programmdirektor des NDR-Fernsehens, begründete diese Entscheidung folgendermaßen: ""Dieser Film arbeitet mit vielen neu recherchierten Fakten und Dokumenten die Historie einer gefeierten deutschen Unternehmerfamilie und damit ein Stück deutscher Geschichte auf. Er ist ein eindrucksvoller Beleg für die journalistische Leistungsfähigkeit des öffentlich-rechtlichen Fernsehens."

ARD-Programmdirektor Dr. Günter Struve folgte dem Wunsch des NDR, indem er den Sendeplatz am Sonntagabend um 23.30 Uhr zur Verfügung stellte. Diesen Termin akzeptierte die Redaktion. Ursprünglich sollte auf diesem Sendeplatz eine Dokumentation über das Leben von Schauspielerin Inge Meysel gezeigt werden.

Es tut uns Leid, dass Sie sich über die kurzfristige Platzierung von "Das Schweigen der Quandts" geärgert haben. Trotz der sehr kurzfristigen Entscheidung für eine Ausstrahlung sahen 1,29 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer die Dokumentation über die Rolle der Unternehmerfamilie Quandt während der NS-Zeit.

Damit alle Zuschauer, die gestern Abend nicht einschalten konnten, den Film sehen können, wird er am 22. November um 21.00 Uhr nochmals in einer 90-minütigen Langfassung im NDR-Fernsehen zu sehen sein.

Mit freundlichen Grüßen




Aus: "ARD: Vorwürfe gegen Quandt (BMW): Eine deutsche Dynastie, die Nazis und das KZ" (01.10.2007)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/836/135573/ (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/836/135573/)

Title: [Das ist ein kathartischer Prozess... (Notiz, BRD, Fam. Quandt)]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 27, 2007, 10:34:12 AM
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[...] sueddeutsche.de: Will sich die Familie Quandt nun mit ihrem offensiven Vorgehen und mit dem wissenschaftlichen Forschungsprozess ein reines Gewissen verschaffen?

Kopper: Eine Reinwaschung kann man sich dadurch nicht erhoffen, auch wenn die brutale Öffnung für die familiäre Mitverantwortung im Dritten Reich ein radikaler Schritt ist. Es ist in gewisser Weise auch ein kathartischer Prozess, der von der Öffentlichkeit verfolgt wird. Die Nachkommen der Quandts sagen: Wir stellen uns im Rückblick der Verantwortung für das, was geschehen ist - auch wenn sie persönlich natürlich keine Verantwortung tragen. Ich bin mir sicher, dass die Quandts damit rechnen können, dass die Beschuldigungen, sie seien im Dritten Reich vorwiegend durch die Ausbeutung von Zwangsarbeitern reich geworden, relativiert werden. Die Ausbeutung von Zwangsarbeitern ist sicherlich nur eine verhältnismäßig kleine Quelle ihres heutigen Reichtums.

[...] sueddeutsche.de: Was erwarten Sie von der Aufarbeitung der Quandt-Geschichte durch den Historiker Joachim Scholtyseck?

Kopper: Die Produzenten der Dokumentation haben schon intensiv nach persönlichen Kontakten zu hochrangigen Repräsentanten des Regimes, vor allem zu Goebbels, Göring und Hitler, gesucht. Ich weiß nicht, ob sich da Neues herausfinden lässt. Sicherlich lassen sich die Opportunitätsüberlegungen und die taktischen und strategischen Konzeptionen der Familie Quandt während des Dritten Reiches besser verstehen. Entscheidend ist auch, welche Handlungsperspektiven Unternehmen im Dritten Reich hatten und wo sie partiell oder intensiv kollaboriert haben.

sueddeutsche.de: Zum Beispiel?

Kopper: Haben sie die Aufrüstungspolitik von vornherein unterstützt? Haben sie sich frühzeitig für die Konzentration auf Rüstungsproduktion entschieden und davon maßgeblich profitiert? Haben sie sich aktiv um die Zuweisung von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen bemüht? Bei den Quandts würde ich das eher für unwahrscheinlich halten, da eine Akkumulatorenfabrik wie das spätere Unternehmen Varta Produkte hergestellt hat, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt wurden. Die Akkumulatorenproduktion profitierte zunächst von der ganz unmilitärischen Förderung der Motorisierung durch die Nationalsozialisten. Auch bei der IG Farben gab es zwei mögliche Entwicklungspfade: einen zivilen Pfad und einen rüstungspolitischen Pfad. Sicher wird die Ambivalenz ihres unternehmerischen Verhaltens und ihrer politischen Einstellung zum Regime bei einer solchen Untersuchung sehr viel deutlicher.

[...] sueddeutsche.de: Warum konnten Banken von der Arisierung dermaßen profitieren?

Kopper: Für die Banken waren die Arisierungsgeschäfte ein Zusatzgeschäft, von denen sie vor allem von 1937 bis 1939 profitiert haben. Die Profite waren jedoch nach neuen und zuverlässigen empirischen Untersuchungen geringer als man glauben könnte. Auch die Gewinnmargen waren nicht so, dass man von einer besonders hohen Rendite sprechen könnte. Die Banken haben sich aber - weil das Bankgeschäft des Dritten Reiches nicht so boomte wie das industrielle Geschäft - gerne um diese Aufträge bemüht. Sie waren an jedem Zusatzgeschäft interessiert. Sie haben auch gewisse moralische Bedenken, dass sie ihren jüdischen Kunden dadurch schaden, relativ schnell beiseitegewischt.

sueddeutsche.de: Ein Neuanfang wurde mit der Entnazifizierung der Bankenelite nach Kriegsende nicht wirklich geschafft.

Kopper: Es gab keine Katharsis. Im Prinzip haben sich die großen Banken auch nur von den besonders exponierten, aktiven Nationalsozialisten getrennt. Der Rest machte weiter wie bisher. Die Versuche, die Schuld der Vorstände als Unternehmensorgan aufzuarbeiten, sind recht früh im Sande verlaufen. Das stellte sich als relativ undurchführbar heraus. Für die Alliierten hatte die Verfolgung der Ausbeutung von Zwangsarbeitern oder die Verfolgung von Arisierungsverbrechen absolut keine Priorität.



"Forschungsprojekt der Familiendynastie Quandt: "Das ist ein kathartischer Prozess""
Der Wirtschaftshistoriker Christopher Kopper, Sohn von Ex-Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper, über die Familiendynastie Quandt, die Schwierigkeiten bei der Aufarbeitung der NS-Zeit - und seine Erfahrungen in russischen Archiven. Interview: Melanie Ahlemeier
http://www.sueddeutsche.de/,tt6m1/wirtschaft/artikel/372/144048/ (http://www.sueddeutsche.de/,tt6m1/wirtschaft/artikel/372/144048/)

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[...] Mit dem euphemistischen Begriff der Arisierung bezeichneten die Nationalsozialisten die schrittweise erfolgte totale Enteignung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland und Österreich sowie den im Krieg besetzten europäischen Ländern in der Zeit des Nationalsozialismus. Der Begriff bezieht sich auf die von den Nationalsozialisten propagierte Vorstellung einer imaginären „arischen Herrenrasse“. Als Kampfbegriff wurde er von NS-Funktionsträgern auch durch Entjudung ersetzt, was eine gängige antisemitische Konnotation der Ungezieferbekämpfung in sich trägt.

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Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Arisierung (http://de.wikipedia.org/wiki/Arisierung) (11/2007)

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[...] Die Katharsis (griechisch κάθαρσις, „die Reinigung“) bezeichnet in der Psychologie die Hypothese, dass das Ausleben von inneren Konflikten und verdrängten Emotionen zu einer Reduktion der Konflikte und Gefühle führt.

[...] Der Katharsis-Begriff stammt aus der griechischen Antike und hat etwa die Konnotationen, die auch 'Reinigung' im Deutschen aufweist. Dort wird er u. a. in der Medizin bei der Anwendung von Brechmitteln verwendet, aber auch im Kontext der rituellen Reinigung. Besondere Wirkung hat Aristoteles' Verwendung von 'Katharsis' in der Poetik. Dort spricht er in seiner Tragödientheorie von der Katharsis von Furcht und Mitleid, wobei unklar bleibt, ob diese oder von diesen Emotionen gereinigt wird, und ob vollständig oder nur von einem Übermaß dieser Emotionen. In der Folge medizinischer Interpretationen der Poetik im 19. Jahrhundert wurde der Begriff von Josef Breuer und Sigmund Freud sowie den Ethologen Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibesfeldt aufgegriffen.

Die Katharsis-Hypothese spielt heute vor allem in der Psychoanalyse eine große Rolle. In der psychoanalytischen Triebtheorie wird von sich ansammelnder Triebenergie ausgegangen, die durch Ausleben oder mittels Abwehrmechanismen von Zeit zu Zeit reduziert werden muss, da sie andernfalls zu psychischen Störungen führt. In der psychoanalytischen Therapie wird deshalb das Ausleben von Aggressionen als mögliches Mittel zur Befreiung von krankmachenden Affekten und neurotischen Symptomen propagiert.

...


Aus: "Katharsis (Psychologie)" (11/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Katharsis_%28Psychologie%29 (http://de.wikipedia.org/wiki/Katharsis_%28Psychologie%29)

Title: [Die betrügerischen EU-Statistiker hätten... (Notiz, EU, Eurostat, OLAF)]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 28, 2007, 12:05:03 PM
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[...] Wie die deutsche Nachrichtenagentur dpa im Juli 2006 berichtete, liefen Ende des Jahres 2005 Untersuchungen in 452 Fällen. Dabei gehe es um mögliche Schäden zu Lasten der EU-Steuerzahler in Höhe rund zwei Milliarden Euro. Im Jahr 2005 habe OLAF 203 Millionen Euro in die EU-Kassen zurückgeholt, ein Jahr davor seien es 198 Millionen Euro gewesen.[18]


Zigarettenschmuggel:
Die finanziell spektakulärsten OLAF-Untersuchungen sind die Verfahren gegen Tabakkonzerne wegen Schmuggels von Zigaretten in die EU. Aufgrund der OLAF-Erkenntnisse verklagte die EU 2001 zusammen mit zehn Mitgliedsstaaten Tabak-Unternehmen vor US-Gerichten. In den ersten beiden Instanzen wurde die Klage zurückgewiesen, weil US-Gerichte keine fremden Steuern eintreiben. Die Kläger wandten sich daraufhin im Jahr 2004 an den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten. [19] Der Tabakkonzern Philip Morris einigte sich 2004 gütlich mit der EU darauf – abhängig von verschiedenen Faktoren – maximal 1,25 Mrd. Dollar an die EU und zehn Mitgliedsstaaten zu zahlen.[20]


Die Eurostat-Affäre:
Der politisch brisanteste OLAF-Fall war die Eurostat-Affäre um schwarze Kassen beim Luxemburger EU-Statistikamt, die die Kommission Prodi im Jahr 2003 in Bedrängnis brachte.

Die Tageszeitung Die Welt beschrieb in einem zusammenfassenden Artikel (19. November 2003) den Kern der Affäre. Eurostat habe seit 1989 unter seinem Direktor Yves Franchet fiktive Aufträge vergeben oder manipulierte Rechnungen ausgestellt. Diese Gelder seien über Jahre in schwarze Kassen geflossen, aus denen die Mitarbeiter teure Freizeitaktivitäten finanzierten. Die Höhe des Schadens wurde den Angaben der Zeitung zufolge im Jahr 2003 von der EU-Kommission auf 930 000 Euro geschätzt. Andere Schätzungen gingen zu diesem Zeitpunkt von bis zu 40 Millionen Euro aus.[21]

Nach Angaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (vom 6. Juli 2003) übte die EU-Kommission in der Eurostat-Affäre indirekt Kritik an den Ermittlungen von OLAF. Wie die Zeitung berichtete, das Amt ermittele seit 1999 in dieser Sache, habe jedoch erst im Frühjahr 2003 habe OLAF die Justizbehörden in Frankreich und Luxemburg eingeschaltet, um die Ermittlungen weiterzuverfolgen. Die FAZ kam zu dem Schluss, dass „Olaf überfordert scheint, die Untersuchungen zügig abzuschließen“.[22]

Die Wochenzeitschrift Stern (5. Juli 2003) behauptete, die betrügerischen EU-Statistiker hätten Helfer im EU-Betrugsbekämpfungsamt OLAF gehabt. Dort seien seit 1998 immer wieder Hinweise eingegangen. Trotz schwerer Betrugsvorwürfe gegen Eurostat seien einschlägige Informationen bei OLAF nicht einmal ordentlich abgeheftet worden. Eine belastende Zeugenaussage sei sogar ganz verschwunden. Das Blatt berief sich in diesem Bericht auf ein internes Papier von OLAF-Juristen.[23]


In einer am 22. April 2004 angenommenen Entschließung erklärte das Europaparlament, der Fall Eurostat habe „schwerwiegende Probleme im Hinblick auf die Arbeitsmethoden sowohl der Kommission als auch von OLAF aufgezeigt“.[24]

OLAF selbst erklärte in seinem Jahresbericht 2005, es befasse sich seit dem Jahr 2000 mit Eurostat. Vier Eurostat-Fälle habe es im September 2003 und je fünf weitere Fälle in den Jahren 2004 und 2005 abgeschlossen.[6]


Aus: "Europäisches Amt für Betrugsbekämpfung" (11/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/OLAF (http://de.wikipedia.org/wiki/OLAF)

Title: [Selten so gelacht kann ich da nur sagen... (Notiz, BRD, Manager-Gehälter)]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 04, 2007, 11:56:26 AM
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[...] Hamburg - Seine Leistung will der Topmanager nicht mit der der einfachen Bandarbeiter verglichen wissen. "Ich stehe im harten internationalen Wettbewerb und kann bereits mit wenigen Entscheidungen Milliarden Euro für den Konzern verdienen, aber auch versenken. Diese große Verantwortung für das Unternehmen und die Mitarbeiter hat einen Wert und wird entsprechend honoriert", sagte Reitzle der "Bild"-Zeitung.

Auf die Frage, ob es gerecht ist, dass ein Vorstandsvorsitzender 500 mal mehr verdient als ein normaler Arbeiter, sagte Reitzle: "Es ist dann gerecht, wenn der Chef auch die entsprechende Leistung bringt", zitiert die Nachrichtenagentur ddp den Manager aus der Zeitung. Man könne den Mitarbeiter, der seine Leistung am Band einbringt, nicht mit dem Chef vergleichen, der über eine seltene Qualifikation verfügt und Verantwortung trägt.

mik/ddp



Aus: "Linde-Chef Reitzle rechtfertigt hohe Manager-Gehälter" (SPON, 13. November 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,516988,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,516988,00.html)

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[...] "Die Politik sollte sich da raushalten", so der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun, der "Frankfurter Rundschau" zufolge. Pauschale Managerschelte sei ebenso verfehlt wie generelle Politikerschelte. "Letztlich müssen die Aufsichtsräte entscheiden, welche Gehälter die Unternehmen zahlen wollen, um die besten Manager für sich zu gewinnen", wird er zitiert.

[...] Provoziert worden war die Debatte auch durch das Bekanntwerden des hohen Verdienstes von Porsche -Chef Wendelin Wiedeking, der in diesem Jahr über 54 Millionen Euro einstreichen wird. Wiedeking selbst hatte erklärt, sein Gehalt werde so hoch ausfallen, dass dies die "Republik nicht verkraften" werde.

Dem hielt Merkel die Einkommen der Manager japanischer Automobilkonzerne, etwa Toyota , entgegen. "Dort verdient der Chef nur ungefähr das Zwanzigfache eines Arbeiters", sagte die Kanzlerin. "Das ist in etwa das Doppelte eines deutschen Kanzlers - wenn er nicht gerade in der Schweiz Geschäfte für russisches Gas machen muss", fügte Merkel mit einem Seitenhieb auf den jetzigen Job ihres Vorgängers Gerhard Schröder (SPD) hinzu.

Erfolgreiche Produktion gebe es nur an erfolgreichen Standorten, und die gebe es nur, wenn es gerecht und verantwortungsbewusst zugehe. Die Kanzlerin räumte aber ein, dieser Bereich sei gesetzlich kaum zu regeln. Nötig sei jedoch eine unvoreingenommene und sensible Diskussion darüber. "Soziale Marktwirtschaft bedingt, dass die Menschen zusammengehören. Wenn uns das nicht mehr gelingt, fliegt uns der ganze Laden auseinander", fuhr Merkel fort.

Saarlands Ministerpräsident Peter Müller (CDU) sprach sich dafür aus, dass Abfindungen nicht weiterhin als Betriebsausgaben steuermindernd geltend gemacht werden können. Eine solche Änderung der Steuergesetze solle erfolgen, wenn Unternehmen selbst nicht in der Lage seien, überhöhten Abfindungen einen Riegel vorzuschieben, sagte Müller der "Saarbrücker Zeitung". Die Unternehmen seien aber zunächst selbst gefordert. bei Großunternehmen gebe es nicht hinnehmbare Tatbestände.

sam/AP/ddp/AFP


Aus: "MASSLOSE MANAGERGEHÄLTER: Wirtschaft wehrt sich gegen Merkels Kritik" (SPON, 04. Dezember 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,521213,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,521213,00.html)

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managergehälter
29.11.2007

Schuld am Sozialen Unfrieden sind nicht die Manager, sondern die Politik, die Schuld an der steten Verteilung von unten nach oben hat.
Wer hat denn die Einkommensteuer von 51 auf ungefähr 42% sinken lassen? Und gleichzeitig HIV eingeführt. Die Manger wohl kaum, auch wenn man in Deutschland immer mehr davon ausgehen muß, das die Manger der Konzerne bestimmen was die Politik hier tut und was nicht.
Bestes Beispiel: Der Mindestlohn.
Mollari


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Paolo, 29.11.2007

Na ja, die Dreistigkeit, mit der sich Vorstände à la Porsche die Gehälter verdoppeln, bei schlechten Ergebnissen Provisionen erhalten oder milliardenschwere Bestechungskassen vorhalten fällt schon in die Zuständigkeit der Manager. Brisant wird es dabei, wenn die Bosse gleichzeitig Arbeitsplätze ins Ausland verlagern, damit es kostengünstiger wird. Kommt dann das Produkt in die Regale, ist es genauso teuer, als wenn es hier produziert worden wäre. Diese Gewinne landen...na, wo wohl?
Auch das haben die Manager zu verantworten...


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ttrumm, 29.11.2007

Das ist halt der Preis, dem man für Turbokapitalismus zu zahlen hat. Wenn nur noch der Shareholder Value als Maßstab zählt, (Unternehmens-)Ethik aber immer mehr ins Hintertreffen gerät, ist der Regelkreis gestört. Die Beute-Jäger-Wechselwirkung zeigt uns den Weg. Wer keine Waren mehr verkaufen kann, weil niemand im Land mehr das Geld hat sie zu bezahlen, wird unweigerlich zu Grunde gehen. Aber wie soll auch jemand mit ein paar Hunderttausend Euro Monatsgehalt den Bezug zur Arbeitnehmerrealität aufrechterhalten. Nachhaltige Entwicklung fängt hier an.


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BabelHuber, 29.11.2007
Ist es so?

1.) Die Eigentümer bestimmen das Gehalt des Vorstands, nicht die Politik und auch nicht die Manager selbst.

Mir ist allerdings schleierhaft, warum man nicht einen größeren Teil als Bonus an die Belegschaft ausschüttet, dann könnte auch niemand meckern.

Ich kenne da ein Beispiel (will aber keine Namen nennen): Der Vorstand streicht bei Zielerreichung in ein paar Jahren 300 Millionen Euro ein. Nachdem sich die Mitarbeiter beschwert haben, wird jetzt 'ehrlich' geteilt: 150 Millionen für Tausende von Mitarbeiter, 150 Millionen für den Vorstand...

2.) Stichwort Turbokapitalismus: das Problem heutzutage ist, dass Aktienfonds die Firmen unter Druck setzen, um eine möglichst hohe Rendite zu erreichen.

Witzigerweise sind in diesen Fonds oft Kleinanleger sehr stark vertreten. Die ziehen natürlich sofort ihr Geld wieder raus, wenn sich der Fonds nicht ordentlich verzinst.

D.h. die Kleinanleger setzen die Fonds unter Druck, die geben diesen Druck an die AGs weiter, und die rationalisieren dann schön weiter.
Im Endeffekt rationalisieren sich die Arbeitnehmer damit nicht selten selbst weg.

Richtige Großkapitalisten wie einst die Krupps gibt es heute nur mehr sehr wenige - und die haben in der Regel sehr wohl auf ihre Mitarbeiter geschaut (wenn man mehrfacher Milliardär ist, neigt man nicht dazu, wegen ein paar Prozent Rendite Tausende von Arbeitern zu entlassen. Wenn man €10.000 in einen Fonds einzahlt, erwartet man aber 10% Rendite!).


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Perleberger, 29.11.2007

Bekannte Leier. Die Arbeitnehmer, die Rentner, die Kleinstsparer, die Arbeitslosen sind immer jederzeit an allem alleine Schuld - auch und gerade an den gröbsten Fehlern des Turo-Kapitalismus wie gierigste Manager.
Diese Manager sind also wirklich völligst unschuldig und werden von Meuten von kleinsten Leuten zu ihrem Verhalten gezwungen. LOL.


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Harald E., 30.03.2007
Geld verdirbt nunmal den Charakter.

Man muss schon aus besonderem Holz geschnitzt sein, wenn man sich breit grinsend unzählige Millionen in die Taschen stopft,während (auch Dank eigener ach so verantwortungsvoller Entscheidungen) Heerscharen von Familienväter zu Arbeitslosigkeit und Elend verdammt sind, Kinder in Armut leben.

Das muss man können.
Von mir aus können die noch vieeel mehr bekommen.

Sollen sie glücklich werden
- mit einem Konto, dass ins Uferlose wächst,
- mit ihren arroganten Kindern, die mit ihrer 12ten Playstation prahlen und keine richtigen Freunde haben
- mit ihren oberflächlichen, gestylten 90-60-90 Püppchen, und deren 400 Paar Designerschuhen
- mit ihren Ängsten, nicht mit dem dicksten Auto am Golfplatz zu erscheinen
- mit ihren bewachten Villen, die 3 meter hoch umzäunt sein müssen

Mit ihrem emotional verkrüppelten Leben, dass keinen Platz bietet für Träume, echte Freunde und Menschlichkeit.

Ich hab 3 Millionäre im engeren Bekanntenkreis und möchte mit keinem tauschen.
Für kein Geld der Welt !!



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M. Moore, 29.11.2007
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Zitat von sysop

Gefährdet die Gier der Vorstände die politische Stabilität und die marktwirtschaftliche Ordnung in unserem Land?

Nur, wenn die 6 Vorstände mit ihren 112,5 Millionen Euro Salär direkten Einfluss auf die 613 Bundestagsabgeordneten, die zusammen 54 Millionen Euro Salär erhalten Einfluss nehmen. Das ist nicht zu befürchten, da die 613 bereits im Sinne der Wirtschaft denken und handeln.


Quote
Tom Berger, 29.11.2007

Die politische Stabilität wird durch die Einführung des Niedriglohnsektors gefährdet, in den weite Kreise der Bevölkerung abstürzen. Die hohen Managergehälter sind dagegen eine Marginalie.

Allerdings haben die Managergehälter schon längst den Bereich hinter sich gelassen, der nur ein "G'schmäckle" hat - das stink gewaltig.

Das Argument der Manager, dass man Spitzenkräfte eben nur zu Spitzengehältern bekäme, ist völlig an den Haaren herbei gezogen. Noch nie konnte ein freier Managerposten nicht in kürzester Zeit besetzt werden - es gibt keinen Mangel an qualifizierten Managern. Das ist bei manchen hochspezialisierten Ingenieuren anders, aber dass diese deshalb Millionengehälter bekämen, hat man noch nie gehört.
Die Ursache der hohen Managergehälter liegt ausschließlich darin begründet, dass es keine wirksamen Kontrollinstrumente gibt. Die Managergehälter werden von den Aufsichtsräten abgesegnet, und diese bestehen in der Regel aus Managern anderer Firmen, bei denen dann wiederum Manager anderer Firmen im Ausfsichtsrat die hohen Gehälter abnicken.

Da es genügend Manager gibt, und da diese auch für ein Gehalt von 300.000 statt 3 Millionen ihre Arbeit erledigen, erfüllen die hohen Gehälter eigentlich den Straftatbestand der Ausplünderung der Unternehmen.


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Beckenhorst, 29.11.2007

Leider müssen ja die deutschen Unternehmen die Höhe der Vorstandsbezüge an die internationalen Gepflogenheiten anpassen, sonst gehen die Besten ins Ausland. Die einzige Chance, das zu beenden ist doch eine weltweite Revolution gegen die bestehenden Verhältnisse. Nur ohne Visionen (die alten wie Sozialismus usw. fallen ja aufgrund der bisherigen Erfahrungen weg) führt das in die Anarchie. Also Mund abputzen und weiter so. Beim Lotto gibts ja jetzt auch so ein Managergehalt zu gewinnen. Andere Lösungen fallen mir nicht ein. Oder hat wer hier ne Vision?


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Perleberger, 29.11.2007

Quote
Zitat von BabelHuber:
Da die Kleinanleger im Sinne der Spieltheorie rational handeln, ist das ein echtes Dilemma.

SPIELEN Sie weiter. Wundern Sie sich aber nicht, wenn Ihnen aus der Realität die Steine um die Ohren fliegen.
Fast 15 Jahre Real-Lohnsenkungen der AN in D und sie spielen fröhlich weiter. Interessant und skurril.



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Juergen Wolfgang, 29.11.2007

Jeder Manager kann so viel verdienen wie er will. Nur kann es nicht sein das diese 100% mehr bekommen und um jedes zehntel Prozent beim Arbeiter gefeilscht wird auf Teufel komm raus.
Knapp 6 MRD Euro Gewinn bei Porsche!! Was bekommt der normale kleine Porschemtarbeiter?
ENBW, MRD Gewinne, die Preise für Gas und Strom werden erhöht!!
Es passt nicht mehr zusammen hier in der BRD.
Ich kann mich noch an zeiten erinnern wo der Arbeiter teilhaben konnte an den Unternehmensgweinnen. Der Arbeiter spuckte in die Hände und verhalf dem Unternehmen zu gewinn.
Heute ist es so das wir unsere Spucke kaum noch zusammen bringen und die Unternehmen uns vorgaukeln wir sind zu teuer bei unseren Lohnvorstellungen. Nebenbei erhöhen sie die gewinne wie noch nie und streichen roesen gehälter ein.

Es gibt bestimmt auch billige Managerkräfte aus China, Indien, Pakistan oder sonst woher. Die arbeiten (nennt man das so?) für wesentlich weniger und erreichen bestimmt das gleiche.



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fisherman, 29.11.2007

Danke Horst Köhler. Vielleicht noch ein paar Worte zu den Einsprüchen der deutschen Politik gegen die Zerschlagung der Energiekonzerne durch Brüssel, zu 500 Millionen für das Stadtschloss in Berlin (bei großen Bedenken 2,5 Mrd. für die Verlängerung des ALG-I locker zu machen)... Dann wäre er denkmalfähig. Aber so bleibt es bei einem leisen Lüftchen, wo ein Sturm nötig wäre.
Insbesondere das Beispiel Porsche zeigt, wo wir stehen:
da bedient ein Automobilbauer die Eitelkeit der Reichen und Möchtegern-Reichen ohne den nachhaltigen automobilen Fortschritt wirklich zu bedienen und kann sich mit der verdienten goldenen Nase bei VW breit machen ("die merken jetzt erst, dass wir sie übernommen haben"). Und dann steht dahinter ein System Piech, dessen perfide Machtklüngelei hoffentlich von der Justiz in Braunschweig sichtbar gemacht wird. Diese Manager sind im Grunde ersetzbar durch gute Absolventen der Ingenieurswissenschaften/Wirtschaftswissenschaften, denn für Ihre Entscheidungsfindung haben vorher zahlreiche "normal" bezahlte Juristen, Finanzberater und Ingenieure gearbeitet.
112 Millionen für den Vorstand einer 12000 Mitarbeiter-Firma! Was wird sich wohl noch demnächst der Vorstand einer 100.000 - 300.000 Firma alles ausdenken können. Ich wünsche den VW Mitarbeiten, dass Sie dem Herrn Wendelin W. mal ordentlich zeigen, was sozialer Friede wert ist.


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cantu, 29.11.2007

Meines Wissens haften z. B. in den USA Manager auch mit Ihrem Privatvermögen für unternehmerische Misserfolge. Da relativiert sich die Höhe des Gehalts gewaltig. Und das sorgt vielleicht sogar dafür, dass die Manager vielleicht ein bißchen weniger Mist bauen. DANN ist es ja - im Gegensatz zu hier - auch Ihr eigenes Risiko.


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XFlora, 29.11.2007
Achtung, zwei Zitate:
1. Es gebe in der Bevölkerung das nachvollziehbare Gefühl, dass etwas nicht stimme, wenn die Einkommen der einen stark stiegen, die der anderen dagegen eher stagnierten. (Köhler)
2. "Wir müssen darauf achten, dass sich nicht auch bei uns sozialer Sprengstoff aufbaut und in Gewalt entlädt. Wir müssen das ernst nehmen" (Schäuble)

Ich hoffe, allen scheint die Relevanz dieser Verbindung genau so klar wie mir ...



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nairobi, 29.11.2007

Das meiste Kapital in den Fonds stammt nicht von Kleinanlegern, sondern von Groß-, Riesengroß- und Megariesengroßkapitalisten. Die meisten davon sind allerdings keine Deutschen mehr, sondern Asiaten, Russen, Nordamerikaner und Araber. Also international!
Diese haben natürlich keinen Bezug mehr zur (deutschen) Gesellschaft.
Da kann man den Managern es schon fast nicht mehr übel nehmen, dass sie das gern ausnutzen.




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uli67, 29.11.2007

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Zitat von Harald E:
Geld verdirbt nunmal den Charakter.

Man muss schon aus besonderem Holz geschnitzt sein, wenn man sich breit grinsend unzählige Millionen in die Taschen stopft,während (auch Dank eigener ach so verantwortungsvoller Entscheidungen) Heerscharen von Familienväter zu .....

Tolle neiderfüllte Klischees, die Sie hier verbreiten. Aber wehe, man stellt die Leistungsfähigkeit unserer Transfergeldempfänger in Frage - da ist der Aufschrei groß.

Danke SPON für die Wiederbelebung eines unterirdischen Stammtisch-Themas.



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RafaelGomez, 29.11.2007

Wenn ich mich nicht irre, hat Porsche jedem Vollzeitbeschäftigten eine Sonderzahlung von 5200 EUR gewährt. Das ist doch schon ein Wort.
http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2007-10/artikel-9172921.asp
Nichtsdestotrotz ist ein Managerdurchschnittsgehalt von knapp 19 Mio exorbitant.


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Honko, 29.11.2007

Sehe die Sache mit Porsche durchaus etwas anders. Wiedeking wurde 1993 Vorsitzender des Vorstandes der Porsche AG. Der Laden war damals fast am Ende. Sicher wird er deutlich mehr als 19 Mio bekommen.
Schon extrem viel, aber unter seiner Leitung (welchen Anteil man Ihm auch immer zukommen lassen will) hat sich Porsche vom Pleitekandidaten zu einem extrems erfolgreichen Unternehmen entwickelt.
Dies nicht durch "Kurzschlusshandlungen", sondern durch solide Expansion und (was selten geworden ist) langfristig ausgerichteter Strategie....

Nun, ich mag nicht beurteilen ob er sein Geld wert ist, aber wenn ich lese was sich Daimler-Manager fürs Milliardenverbrennen mit Crysler reingetan haben, dann scheint mir seine "Belohnung" in der Verhältnismässigkeit mehr als angemessen.

Wenn ich das richtig sehe war 1993 der Porsche-Kurs bei 20 Euro. Jetzt sind es etwa 1500 Euro. Sollte einer Kurssteigerung von 7500% in etwa 15 Jahren entsprechen.
Das können sicherlich wenige Vorlegen und noch dazu mit einer durchaus respektablen Firmenpolitik...


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CaptainSubtext, 29.11.2007

Wer sind denn die Besten? Es gibt ganz wenige Ausnahmekönner, und selbst diese bringen es manchmal fertig in einer anderen Firma schlechte Entscheidungen zu tätigen. Der Rest besteht aus gut bezahlten Entscheidungsträgern, die zu einem gewissen Zirkel gehören, der sich ständig selbst auf die Schultern klopft.
Was z.B. das Daimler-Management in den letzten Jahren abgeliefert hat, hätte jeder Kaufmann besser gemacht. Aber Reuter und speziell Schrempp wurden sicherlich auch in einem erlesenen Kreis der Besten willkommen geheißen. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass alle Kaufleute, die keine Milliardenakquisitionen getätigt hätten, eine deutlich bessere Performance hingelegt hätten als diese Beiden.



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Plethon, 29.11.2007
kritik lächerlich

einfach lächerlich die kritik vom köhler!
wie wäre es mal die maßlosigkeit der politiker zu kritisieren.?
das die manager so viel verdienen liegt alleine an der legislative und deren sippschaften innerhalb der wirtschaft!
ach, wo arbeitet noch einmal der "soziale" ex-minister clement, zu zeit?
also die worte köhlers sind nichts mehr als PURE leere.....



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Christer Nykopp, 29.11.2007

Die Geschichte kennt viele Fälle, wo eine ins Unermessliche gesteigerte Ungleichheit der Einkommen und Vermögen zu Revolutionen geführt haben. Beispiele: England 1649, Frankreich 1789, Russland 19

Mit der Konzentration der ökonomischen Macht geht auch eine Konzentration der politischen Macht einher. In den westlichen Demokratien ist ein derartiger Prozess deutlich zu sehen, und kann für die Demokratie gefährlich werden. In den USA z.B. ist es mittlerweile unmöglich Präsident zu werden, wenn man nicht über mehrere Milliarden Dollar verfügt. Was dies für die Geldgeber in Punkto politischer Einfluss bedeutet ist wohl kar.

Die übergrossen Bezüge der Unternehmensleiter sind nur ein sehr offensichtliches Zeichen für die Ungeleichheit. Weil ein direkter Vergleich zwischen Arbeitnehmer und Manager naheliegt (beide sind Lohnarbeiter) wird in diesem Falle die Ungerechtigkeit auch sehr deutlich. Ein Unternehmer, der durch eigene Arbeit zu Reichtum kommt weckt viel weniger Aggressionen. Das Grundübel, die schiefe Verteilung der Güter, bleibt aber, und verschlimmert sich zusehends.

Die verschiedenen Argumente für diese sehr hohen Löhne sind meistens nicht stichhaltig. Es heisst, wenn wir keine amerikanischen Löhne zahlen, wandern die Manager ab. Sollen sie dann. Es wird sich genügend kompetente Leute auch mit weniger üppigen Löhnen finden.

Die Fonds und Aktionäre, die durch absurdes Überbezahlen der manager die Rendite zu steigern hoffen, würden finden, dass dies auch mit normaleren Mittel zu erreichen ist. Man kann auch Renditeforderungen von mehr als 5-7 Prozent als überzogen bezeichnen.

Köhler hat Recht.


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fx33, 29.11.2007

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Zitat von XFlora
Achtung, zwei Zitate:[...]
2. "Wir müssen darauf achten, dass sich nicht auch bei uns sozialer Sprengstoff aufbaut und in Gewalt entlädt. Wir müssen das ernst nehmen" (Schäuble)

Ja, was glaubt ihr denn, wofür die Vorratsdatenspeicherung, die Online-Durchsuchungen, die Videoübwerwachung, die Kennzeichenerfassung und der ganze "Antiterrorkampf" gedacht sind?

Damit der Staat gerüstet ist, wenn der soziale Sprengstoff in Gewalt explodiert. Die Besitzenden haben schließlich ein Recht auf die Unversehrtheit ihres Reichtums...


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country_yokel, 29.11.2007


Ich habe auch schon Manager aus nächster Nähe erlebt: knallharte Egoisten, ohne Gespür, Anstand und Taktgefühl. Beinahe denkt man, sie leben nach dem Motto: damit ich BMW fahren kann, bin ich zu jeder Sauerei bereit.

Viele deutsche Manager zeichnen sich außerdem durch Farblosigkeit, Einfallslosigkeit und Phantasielosigkeit aus.

Steve Jobs wurde ja zum einflussreichsten Manager des Jahres gewählt. Unter den folgenden 24 Managern war kein einziger Deutscher. Wir haben weit und breit niemanden, der es im entferntesten mit Jobs aufnehmen könnte. Das einzige Feld, auf dem unsere Leute mehr Ahnung haben als der Apple-Gründer, ist Krawattenbinden.


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HRC, 29.11.2007

Bin ja wirklich kein Linker, aber, was einige Vorstandsmitglieder sich leisten geht einfach zu weit. Es ist nicht vermittelbar, wenn irgendwelche "normalen" Angestellten für ein paar Prozent mehr Geld massivste Mittel auffahren müssen, sich die Manager, die ja auch letztlich nur Angestellte Ihres Unternehmens sind, aber ohne nennenswerte Probleme ihre Einkünfte mal eben vervielfachen.
Schuld daran ist aber nicht die individuelle Raffgier, davon sind nicht nur Manager betroffen, sondern dieses Phänomen ist ein Versagen der Aufsichtsräte, die die Bezahlung der Manager genehmigen.
Die Aufsichtsräte eigentlich den eigentlichen Eigentümer, also die Aktionäre, vertreten und dazu gehört auch eine angemessene Bezahlung der oberen Etagen, aber keine uferlose. Auch die Mitbestimmung gerät durch diese Genehmigungspraxis weiter ins Zwielicht.

Ich sehe wirklich, ohne übertreiben zu wollen, in dieser Raffgier ein demokratiegefährdendes Potential. Diese Gewinnsucht treibt die vielen, vielen, die irgendwie so durchkommen oder auch nur mit sehr mäßigen Lohnsteigerungen bei einem dieser Unternehmen angestellt sind in die Hände radikaler Parteien.
Also Jungs da oben: verzichtet doch einfach auf den achten Daimler oder das zehnte Ferienhaus oder die fünfte Segelyacht. Es geht doch auch ein bißchen bescheidener!
Oder habt Ihr überhaupt keine Verantwortung für dieses Land?


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georgeskoch, 29.11.2007

"Die Arbeitnehmer sitzen ja in den Aufsichtsräten und würden so die Gehälter der Manager mitbestimmen."
Kritik sei also fehl am Platz.

Selten so gelacht kann ich da nur sagen.



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Quelle: http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=2726 (http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=2726)

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[...] Berlin - Diese Studie hat es in sich: Mitten in der Debatte über zu hohe Managergehälter präsentiert Joachim Schwalbach von der Berliner Humboldt-Universität brisante Zahlen. Der Professor hat die Vorstandsvergütung in den 30 Dax-Unternehmen untersucht. Sein Ergebnis: Die politische Diskussion ist scheinheilig - denn gerade in staatlichen Unternehmen werden Manager besser bezahlt als in privaten Firmen.

Musterbeispiel ist die Deutsche Post, die sich zum Großteil in staatlichem Besitz befindet. Im Jahr 1995 verdiente hier ein Vorstandsmitglied elf Mal so viel wie ein durchschnittlicher Mitarbeiter. Im Jahr 2006 war es schon das 87-fache. Zum Vergleich: Im Durschnitt aller Dax-Unternehmen verdiente der Vorstand früher 19 Mal so viel wie ein Mitarbeiter, heute ist es das 44-fache.

Eine hohe Steigerungsrate weist auch der Energiekonzern RWE auf, dessen Aktien sich zu einem großen Teil im Besitz nordrhein-westfälischer Kommunen befinden. Hier erhielt der Vorstand in den achtziger Jahren zehn Mal so viel wie ein einfacher Mitarbeiter. Mittlerweile ist es 50 Mal so viel.

Auch bei der Telekom hält der Staat einen großen Teil der Anteile - und auch hier haben sich die Managereinkommen deutlich erhöht, zumindest bis zur Krise 2001. Das Gleiche gelte für die Deutsche Bahn, sagt Studien-Autor Schwalbach zu SPIEGEL ONLINE. In der Untersuchung wurde der Konzern nur deshalb nicht aufgeführt, weil er nicht an der Börse notiert ist.

"Der Staat wird seiner Verantwortung nicht gerecht", schimpft Schwalbach. "Wer mit dem Finger auf andere zeigt, sollte erst einmal vor der eigenen Haustür kehren." Schließlich entsendet die Bundesregierung zahlreiche Vertreter in die Aufsichtsräte von Post, Telekom und Bahn. Dort segnen die Politiker dann horrende Managergehälter ab - und außerhalb der Sitzungen beklagen sie sich über die Höhe der Vergütung.

[...] Auch insgesamt werden die Einkommensunterschiede zwischen Managern und Arbeitnehmern größer. So untersucht die Langzeitstudie die Vorstandsgehälter in den Jahren 1987 bis 2006. Das Besondere: Erst ab Mitte der neunziger Jahre ist ein starker Anstieg der Vergütung zu beobachten. Seitdem hat sich die Pro-Kopf-Vergütung der Dax-Vorstände im Durchschnitt mehr als verdreifacht - und ist damit doppelt so stark gestiegen wie in der Dekade zuvor.




Aus: "GEHALTSSTUDIE: Staatsfirmen entlohnen Manager besonders üppig" Von Anselm Waldermann (11.12.2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,522766,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,522766,00.html)

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[...] Dresden - Der Konzernbetriebsratsvorsitzende der BASF, Robert Oswald, spricht sich gegen eine "Neid-Diskussion" über Vorstandsgehälter aus. Er halte die Gehälter der Vorstandsmitglieder beim größten Chemiekonzern der Welt für gerechtfertigt, sagte Oswald der "Sächsischen Zeitung". Gemessen an Managern in manchen Bundesligavereinen seien die Managergehälter im Konzern moderat. "Ein Uli Hoeneß hat einfach weniger Verantwortung als der Manager eines internationalen Konzerns."

Als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der BASF Chart zeigen entscheidet der Arbeitnehmervertreter mit über die Vorstandsgehälter. Der BASF-Vorstandsvorsitzende Jürgen Hambrecht bezog den Angaben zufolge im vorigen Jahr rund 3,3 Millionen Euro.

Oswald sagte, die Vergütung müsse nicht nur die Verantwortung berücksichtigen, sondern auch das Risiko, die Stellung zu verlieren. "Ein Weltkonzern kann keine niedrigen Gehälter zahlen, sonst bekommt er nicht die besten Leute." Wer Managergehälter kritisiere, solle erst einmal nachweisen, dass er die Arbeit besser machen könne, sagte Oswald.


Aus: "MILLIONEN-DEBATTE: BASF-Betriebsrat findet hohe Managergehälter in Ordnung" (12.12.2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,522820,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,522820,00.html)

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[...] [ngo/ddp] Der Showdown blieb wie erwartet aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde trotz der von ihr mit angestoßenen öffentlichen Diskussion über die exorbitant hohen Managergehälter beim Deutschen Arbeitgebertag am 11. Dezember in Berlin mit höflichem Applaus empfangen. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt und die Kanzlerin präsentierten sich den Fotografen im Hotel Maritim einträchtig. Die Arbeitgeber dürften vermuten, dass es Merkel lediglich zum den Fang von Wählerstimmen ging, nicht aber um einen ernsthaften politischen Vorstoß. Merkel hatte bereits am 10. Dezember erklärt, sie lehne "ausdrücklich gesetzliche Obergrenzen bei Managervergütungen" ab. Vor den Arbeitgebern versicherte sie erneut, es in der Diskussion um die Managergehälter nicht um eine "gesetzliche Obergrenze" für die Bezahlung. Jedoch sei die Spanne zwischen einem Nicht-Darüber-Reden auf der einen und einem Gesetzgebungsverfahren auf der anderen Seite groß. Die derzeitige Debatte bewege sich dazwischen.

Hundt sagte, es sei nicht per Gesetz zu verhindern, dass Fehlentscheidungen von Managern "mit Millionenabfindungen vergoldet werden". Es müsse eine "Ethik der Verantwortung" her, um Maßlosigkeit zu verhindern. Der BDA-Chef sagte, es handle sich bei den überbezahlten Managern um "vereinzelte Beispiele". Insgesamt gehe die Wirtschaft verantwortungsvoll mit Gehältern um, jedenfalls im Vergleich zu den Einkommen von "Spitzensportlern und Medienstars".

Auf Sozialhilfeempfänger und Niedriglohnempfänger ging Hundt hierbei nicht ein.

Der Arbeitgeberpräsident machte deutlich, dass ihm der Unmut in breiten Bevölkerungkreisen über die derzeitige Politik bekannt ist: "Der Zeitgeist weht derzeit merkwürdig populistisch weg von der Mitte."


Aus: "Darüber-Reden - Keine Kritik von Merkel an Managergehältern vor Arbeitgebern" (11. Dezember 2007)
Quelle: http://www.ngo-online.de/ganze_nachricht.php?Nr=17112 (http://www.ngo-online.de/ganze_nachricht.php?Nr=17112)

Title: [Industriekonzern ThyssenKrupp... (Notiz, BRD, Rekordwerte, Visconti)]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 04, 2007, 03:57:51 PM
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[...] Der Industriekonzern ThyssenKrupp hat im abgelaufenen Geschäftsjahr dank der hohen Stahlnachfrage Rekordwerte bei Umsatz und Ergebnis erzielt und will seinen Aktionären eine höhere Dividende zahlen. Die Dividende solle um 30 Prozent auf 1,30 Euro je Aktie erhöht werden. Vor Steuern habe der Gewinn 2006/2007 ohne Berücksichtigung von Sondereffekten bei 3,799 Milliarden Euro gelegen nach 2,623 Milliarden Euro im Vorjahr, teilte der größte deutscher Stahlkocher am Dienstag in Düsseldorf mit.

Inklusive Sonderposten wie etwa einer Kartellstrafe im Aufzuggeschäft lag das Vorsteuerergebnis bei 3,33 Milliarden Euro. Der Umsatz verbesserte sich von 47,1 Milliarden auf 51,7 Milliarden Euro. Von dpa-AFX befragte Analysten hatten im Schnitt bei einem Umsatz von 51,8 Milliarden Euro mit einem bereinigten Vorsteuergewinn von 3,834 Milliarden Euro gerechnet.

ThyssenKrupp selbst hatte beim Umsatz einen Wert von mehr als 50 Milliarden Euro in Aussicht gestellt und einen bereinigten Gewinn vor Steuern von rund 3,6 Milliarden Euro. Der Auftragseingang sei um acht Prozent auf 54,6 Milliarden Euro geklettert. Beim Gewinn je Aktie verzeichnete das Unternehmen einen Anstieg um rund ein Drittel auf 4,30 Euro. Davon sollen 1,30 Euro je Aktie als Gewinnbeteiligung an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Die Ausschüttungsquote liegt damit bei rund 30 Prozent. Dieses Niveau peilt ThyssenKrupp künftig als Mindestwert an. (dpa-AFX)


Aus: "ThyssenKrupp schließt mit Rekordwerten" (NZ, 04. Dez. 2007)
Quelle: http://www.netzeitung.de/wirtschaft/832490.html (http://www.netzeitung.de/wirtschaft/832490.html)

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[...] Seine historischen Wurzeln vereinen fast die gesamte Geschichte der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie und damit der Industrialisierung Deutschlands. Der ThyssenKrupp-Konzern geht auf eine Vielzahl von unterschiedlichen Vorgängerunternehmen zurück, die sich vor allem im Zuge der Konsolidierung der Kohlen-, Eisen- und Stahlindustrie zusammengefunden haben. Die Unternehmerpersönlichkeiten der Vorgängerunternehmen prägten im 19. und frühen 20. Jahrhundert wesentlich die deutsche Industriepolitik und nahmen Einfluss auf die deutsche Innen- und Außenpolitik.

[...] Die insgesamt 187.586 Mitarbeiter verteilen sich auf 679 Einzelunternehmen weltweit (Stand: 30. September 2006). Die belegschaftsstärksten Standorte sind Duisburg, Dortmund, Bochum, Hamburg, Krefeld und das Siegerland (Werk Eichen und Ferndorf).


http://de.wikipedia.org/wiki/ThyssenKrupp (http://de.wikipedia.org/wiki/ThyssenKrupp) (12/2007)

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Fritz Thyssen (* 9. November 1873 in Mülheim an der Ruhr; † 8. Februar 1951 in Buenos Aires) war ein deutscher Unternehmer.

[...] Im Juli 1933 wurde Thyssen zum Mitglied des soeben von Hermann Göring „umgestalteten“ Preußischen Staatsrates „auf Lebenszeit“ ernannt, im November für die NSDAP Mitglied des Reichstages. Wenig später erkannten die NS-Gauleiter von Essen, Düsseldorf, Westfalen-Nord und Westfalen-Süd Thyssen dank seiner Mitgliedschaft im Staatsrat und Reichstag freiwillig als oberste staatliche Autorität in wirtschaftspolitischen Fragen an. [3] Thyssen wurde Mitglied der Akademie für Deutsches Recht, erhielt Sitz und Stimme im Generalrat der Wirtschaft und im Sachverständigenrat für Bevölkerungs- und Rassenpolitik beim Reichsinnenministerium. Auch in der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, dem Vorläufer der Max-Planck-Gesellschaft, war Thyssen Senator. [4]



[...] Im Mai 1933 gründete Thyssen unterstützt von Hitler ein „Institut für Ständewesen“ in Düsseldorf, in dem Thyssen seine Ständestaat-Ideologie wissenschaftlich vertiefen wollte. Obwohl dem Institut in ihrer Mehrheit NSDAP-Mitglieder angehörten, sahen manche in der Teilnahme an den Wochenendkursen und Vorlesungen eine Ausweichmöglichkeit vor der Vollmitgliedschaft in der Partei. Doch ab August 1933 gründete Dr. Robert Ley zwei konkurrierende Schulen für Wirtschaft und Arbeit für seine Deutsche Arbeitsfront, die sich mit „grundlegenden Ausführungen zum ständischen Aufbau“ beschäftigten und Thyssens Institut bekämpften. Als die Anfeindungen zunahmen, schrieb Thyssen im Juni 1934 an Hitler, wobei er sich über die Verdächtigungen und Unterstellungen aus Parteikreisen, er sei „doktrinär, besserwisserisch, staatsfeindlich, politisch-katholisch und nicht nationalsozialistisch“ beklagte. Statt einer Antwort wurde der Besuch der Kurse verboten, Mitarbeiter des Instituts in Gefängnisse und Konzentrationslager gebracht. Weitere Meinungsverschiedenheiten zwischen Thyssen und Hitler entstanden, als sich Thyssen für die Freilassung des ins Konzentrationslager verschleppten ehemaligen preußischen Wohlfahrtsministers Heinrich Hirtsiefer und den abgesetzten Düsseldorfer Oberbürgermeister Dr. Robert Lehr vergeblich bei Göring einsetzte. [5] Als Reaktion auf die Absetzung des Düsseldorfer Regierungspräsidenten Schmid, der wegen der jüdischen Herkunft seiner Ehefrau verjagt wurde, legte Thyssen in einem Schreiben an Göring seine Mitgliedschaft im Preußischen Staatsrat unter Protest nieder. [6]

Thyssen kritisierte die Judenpogrome und den sich abzeichnenden Krieg Deutschlands gegen die Westmächte; er befürwortete jedoch einen Krieg gegen die Sowjetunion. Am 31. August 1939 erhielt Thyssen die Aufforderung zur Teilnahme an einer Reichstagssitzung in Berlin. Thyssen telegraphierte am gleichen Tag vom Postamt Bad Gastein auf normalen Postweg an Göring: „Ich kann dieser Aufforderung wegen unbefriedigenden Gesundheitszustands nicht Folge leisten. Nach meiner Meinung sollte ein Art Waffenstillstand möglich sein, um Zeit zum Verhandeln zu gewinnen. Ich bin gegen den Krieg. Durch einen Krieg wird Deutschland auch in Abhängigkeit von Russland auf dem Gebiet der Rohstoffe gelangen und dadurch seine Stellung als Weltmacht verlieren.“ [6]

[...] Am 2. September 1939 emigrierte er mit Ehefrau, Tochter und Schwiegersohn zuerst in die Schweiz. Von dort richtete er am 1. Oktober 1939 einen Brief an Göring, in dem er seine Rückkehr nach Deutschland von der Zusage abhängig machte, „dass die deutsche Öffentlichkeit darüber aufgeklärt wird, dass ich als Reichstagsabgeordneter gegen den Krieg gestimmt habe. Sollten noch andere abgeordnete ebenso gestimmt haben, so soll ihr Votum auch bekannt gegeben werden.“ [6] Diese Provokation beantworteten die Nazis durch Enteignung seines Besitzes in Deutschland und Ausbürgerung. Thyssen wollte seiner Tochter und seinem Schwiegersohn nach Argentinien folgen, hatte sich bereits freies Geleit durch Italien zusichern lassen, als er nach einem Besuch seiner sterbenden Mutter in Brüssel und einem Zusammenbruch seiner Ehefrau zur Erholung nach Cannes in Südfrankreich reiste.

In Südfrankreich diktierte er 1940 dem Journalisten Emery Reeves das Buch „I Paid Hitler“ („Ich habe Hitler finanziert“), eine Abrechnung mit Hitler und seiner eigenen Rolle bei Hitlers Aufstieg. Noch bevor er die Diktate alle Korrektur gelesen und freigegeben hatte, marschierten deutsche Truppen in Frankreich ein. Gegen die ausdrückliche Zusicherung Marschall Pétains, Thyssen nicht an Nazideutschland auszuliefern, wurde er Ende 1940 auf Druck der Gestapo verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert. [7]

Dort wurde er in verschiedene Konzentrationslager gebracht (unter „Ehrenhaft“ genannten Bedingungen; anfangs mit seiner Frau Amélie in einem Sanatorium in Neubabelsberg bei Potsdam, dann im November 1943 im KZ Sachsenhausen, am 11. Februar 1945 im KZ Buchenwald, am 3. April im Gefängnis Regensburg und schließlich im KZ Dachau). Emery Reeves veröffentlichte das Buch „I Paid Hitler“ ohne Thyssens Freigabe 1941; Thyssen distanzierte sich nach dem Krieg davon und setzte durch, dass niemals eine deutsche Übersetzung erschien.

Nach Kriegsende wurde Thyssen von den Alliierten interniert und 1948 wieder freigelassen. Eine Spruchkammer im Entnazifizierungsverfahren stufte ihn 1948 als minderbelastet ein. [8]

Noch im Dezember 1948 zog er nach Buenos Aires (Argentinien) zu seiner Tochter Anita, die seit 1936 mit dem ungarischen Grafen Gabor Zichy (1910–1972) verheiratet war. Am 8. Februar 1951 starb er dort an einem Herzschlag. Fritz Thyssen war seit 1900 mit Amélie Thyssen (1877–1965) verheiratet.

[...] Hans O. Eglau: Fritz Thyssen. Hitlers Gönner und Geisel. Berlin, Siedler, 2003, 379 S., ISBN 3886807630


Aus: "Fritz Thyssen" (12/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Thyssen (http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Thyssen)

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[...] Alfried Felix Alwyn Krupp von Bohlen und Halbach (* 13. August 1907 in Essen; † 30. Juli 1967 in Essen) war Inhaber der Krupp-Werke unter anderem während des Dritten Reichs.

[...] Alfried von Bohlen und Halbach studierte von 1928 - 1934 Ingenieurwissenschaften in München, Berlin und Aachen. 1935 trat er in das Familienunternehmen, die Friedrich Krupp AG, ein. Er war zunächst in der Hauptverwaltung des Konzerns in Essen tätig. 1936 wurde er Prokurist. Im Oktober desselben Jahres wechselte er als Assistent in die Abteilung für Rüstungsproduktion und Artilleriekonstruktion. 1938 wurde er Leiter der Rohstoff- und der Rüstungsabteilung und Mitglied des Direktoriums (Vorstand).

Im März 1943 wurde Alfried von Bohlen und Halbach in Nachfolge seines Vaters Gustav Krupp von Bohlen und Halbach Vorsitzender des Direktoriums der Friedrich Krupp AG. Auf Initiative seiner Eltern (seine Mutter Bertha Krupp von Bohlen und Halbach war zu diesem Zeitpunkt Inhaberin nahezu aller Aktien der Krupp AG) erließ Hitler am 12. November 1943 eine Verordnung, die sogenannten Lex Krupp, wonach die Krupp AG in ein Einzelunternehmen umgewandelt wurde, dessen Alleininhaber ein Familienmitglied werden sollte, welches berechtigt sein sollte, den Namen Krupp seinem jeweiligen Familiennamen voranzustellen. Am 15. Dezember 1943 wurde Alfried Krupp von Bohlen und Halbach alleiniger Inhaber der Firma Krupp. Zu diesem Zeitpunkt war die Firma ein bedeutendes Industrieunternehmen und einer der wichtigen Rüstungslieferanten des Dritten Reichs. Während des 2. Weltkrieges beschäftigte Krupp wie auch alle anderen großen deutschen Unternehmen Zwangsarbeiter. Aufgrund der stetigen Fluktuation ist eine Gesamtzahl nicht zu ermitteln, der höchste Personalstand an Kriegsgefangenen und ausländischen Zivil- bzw. Zwangsarbeitern zu einem Stichtag lag am 1.1.1943 bei ca. 25 000. Diese Arbeiter wurden in verschiedenen Krupp-Betrieben eingesetzt. Die gelegentlich angeführte Zünderfabrik bei Auschwitz wurde zwar von Krupp-Personal eingerichtet, dann aber ab 1943 von der Firma Union Werl zur Produktion genutzt.

Krupp von Bohlen und Halbach war bereits seit 1931 förderndes Mitglied der SS. 1935 wurde er Mitglied des Nationalsozialistischen Fliegerkorps (NSFK), wo er zuletzt den Rang eines Standartenführers innehatte. Ab 1938 war er Mitglied in der NSDAP.

1937 wurde Krupp von Bohlen und Halbach - ebenso wie sein Vater - zum Wehrwirtschaftsführer ernannt. Zudem war er Stellvertreter seines Vaters in dessen Funktion als Kuratoriumsvorsitzender der Adolf-Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft. Er war 1941 Mitbegründer und anschließend Präsidiumsmitglied der Reichsvereinigung Kohle und ab 1942 stellvertretender Vorsitzender der Reichsvereinigung Eisen. Außerdem war er Beiratsmitglied der Ausfuhrgemeinschaft für Kriegsgerät, Mitglied des Rüstungsrats beim Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion sowie Mitglied des Verwaltungsrats der Berg- und Hüttenwerksgesellschaft Ost mbH (BHO). Nach Kriegsbeginn war er für die Demontage von Betrieben in den besetzten Gebieten und deren Wiederaufbau im Deutschen Reich verantwortlich.

Krupp von Bohlen und Halbach war ein begeisterter Segler. Bei den Segelwettbewerben der Olympischen Sommerspiele 1936 vor Kiel gewann er mit der Crew seiner 8-Meter-Rennyacht Germania III für Deutschland die Bronzemedaille.

Am 11. April 1945 wurde Krupp von Bohlen und Halbach von amerikanischen Truppen in der „Villa Hügel“ unter Arrest gestellt und sein gesamtes Vermögen beschlagnahmt. Nachdem die Alliierten zunächst beabsichtigt hatten, seinen Vater im Rahmen des ersten Nürnberger Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher anzuklagen, was jedoch wegen dessen Gesundheitszustand unterblieb, klagten die Amerikaner Krupp von Bohlen und Halbach zusammen mit 11 leitenden Mitarbeitern der Firma Krupp 1947 in einem gesonderten Verfahren (Fall X: Krupp-Prozess) an.

1948 wurde er wegen "Sklavenarbeit" (Einsatz von Zwangsarbeitern) und "Plünderung" von Wirtschaftsgütern im besetzten Ausland zu 12 Jahren Haft und Einziehung seines gesamten Vermögens verurteilt. In der Anklageschrift wurde ihm auch die Planung eines Angriffskrieges und die damit verbundene Verschwörung vorgeworfen. Von dieser Schuld wurde er jedoch freigesprochen, da in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg sein Vater und nicht er die Geschicke der Firma leitete.

[...] Auf der Grundlage eines Gutachtens unabhängiger amerikanischer Sachverständiger wurde Krupp von Bohlen und Halbach durch Entscheidung des amerikanischen Hohen Kommissars für Deutschland John Jay McCloy am 31. Januar 1951 begnadigt und vorzeitig aus der Haft entlassen.

1953 kam es zum Abschluss des sogenannten „Mehlemer Vertrages“ zwischen Krupp von Bohlen und Halbach und den Regierungen der USA, Großbritanniens und Frankreichs. Durch diesen Vertrag wurde ihm sein gesamtes Vermögen unter bestimmten Bedingungen zurückerstattet. Eine der wesentlichen Bedingungen war die Bestimmung, dass die Berg- und Hüttenbetriebe vom Krupp-Konzern abgetrennt und bis zum Jahr 1959 verkauft würden.

Im März 1953 übernahm Krupp von Bohlen und Halbach wieder die Leitung des Unternehmens. Ende des gleichen Jahres holte er Berthold Beitz als Generalbevollmächtigten in den Konzern. Er stellte das Unternehmen vollständig auf zivile Produktion, hauptsächlich auf Anlagenbau, um. Die Krupp AG erreichte auch schnell wieder ihre Stellung als führender Stahlproduzent. Tatsächlich wurden nämlich die Berg- und Hüttenbetriebe in der Folgezeit zwar - wie im „Mehlemer Vertrag“ vorgesehen - abgetrennt, jedoch letztlich nicht verkauft. Vielmehr wurden sie 1960 zusammengefasst und mit dem Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation AG fusioniert.

Kurz vor seinem Tod verfügte Krupp von Bohlen und Halbach die Gründung einer Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die „Ausdruck der dem Gemeinwohl verpflichteten Tradition des Hauses Krupp“ sein sollte. Mit seinem Tod ging sein gesamtes Vermögen auf die Stiftung über. Dies wurde möglich durch den Verzicht seines Sohns Arndt von Bohlen und Halbach auf das Erbe. Die Stiftung nahm ihre Tätigkeit am 1. Januar 1968 auf und verwendet die ihr aus ihrer Unternehmensbeteiligung zufließenden Erträge ausschließlich und unmittelbar für gemeinnützige Zwecke. Die Stiftung ist heute größte Einzelaktionärin der ThyssenKrupp AG.


[...]     

* William Manchester: The Arms of Krupp. Michael Joseph Ltd., London 1968
* Lothar Gall: Krupp im 20. Jahrhundert. 2002, Siedler Verlag. ISBN 3886807428


Aus: "Alfried Krupp von Bohlen und Halbach" (12/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Alfried_Krupp_von_Bohlen_und_Halbach (http://de.wikipedia.org/wiki/Alfried_Krupp_von_Bohlen_und_Halbach)

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[...] 1969 entstand der erste Film, auf Deutsch "Die Verdammten", der in einer modernen Version von "Macbeth" den Untergang einer Großindustriellenfamilie schildert, deren Mitglieder sich gegenseitig auslöschen und die mit den Nazis paktierte. Ähnlichkeiten mit der Essener Stahldynastie Krupp in der "Villa Hügel" waren beabsichtigt. [...] "Für den Regisseur war die Familie der Raum, Geschichte als Energiefeld erfahrbar zu machen.


Aus: "Götterdämmerung. Luchino Viscontis deutsche Trilogie" Von Ulrike Mattern (jump-cut.de, Datum ?)
Quelle: http://www.jump-cut.de/visconti.html (http://www.jump-cut.de/visconti.html)

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[...] Diese lose an der Krupp-Familiengeschichte orientierte Chronik vom Schicksal einer Stahldynastie in der Nazizeit zeigt Visconti am Olymp seines stilistischen Schaffens: Inzest, Schuld, Intrigen, Helmut Berger in drag, wuchtige, opernhafte Inszenierungsblöcke. An Aussage kommt nicht viel heraus, aber als Stück campy Pop-Art ist das hier ein Meisterwerk. Mit Dirk Bogarde, Ingrid Thulin, Helmut Griem.


Aus: " Götterdämmerung/Die Verdammten - Sehr schwülstiges, sehr empfehlenswertes Epos von Luchino Viconti" (Eine Kritik von Christoph Huber, Datum ?)
Quelle: http://www.allesfilm.com/show_article.php?id=20208 (http://www.allesfilm.com/show_article.php?id=20208)

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[...] 27. Februar 1933: Als die Nachricht vom Reichtagsbrand in die Geburtstagsfeier des Familienoberhaupts Joachim von Essenbeck platzt, werden die kontroversen Meinungen innerhalb der Industriellenfamilie sichtbar.

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[...]  Kaum ein anderer Film Viscontis war so umstritten wie "Die Verdammten". Kritiker warfen dem Regisseur vor, ein ernstes Thema wie den deutschen Faschismus unpassenderweise ins Melodramatisch-Opernhafte zu übersetzten. Wolfram Schütte führte die weitgehende Ablehnung des Films auf seine Nähe zu Thomas Manns und Richard Wagners Werk zurück: "Es ist ihr Zug und Wille zum großen Format, zum Standardwerk, zum Monumentalen und grandios Massenhaften, der höchst unzeitgemäß, verschwenderisch-ästhetisierend erscheint." Viscontis erster Teil seiner "deutschen Trilogie" ist so betrachtet weniger ein unpolitischern Film als vielmehr der Versuch, die Ästhetisierung des Politischen zu thematisieren, wie sie sich durch die deutschen Kulturgeschichte zieht.


Aus: "Die Verdammten (La caduta degli dei; IT/D/CH, 1969)" (23. Mai 2003 Filmredaktion 3sat)
Quelle: http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/film/reihen/46937/index.html (http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/film/reihen/46937/index.html)

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[...] Luchino Viscontis düsteres Sittengemälde von Verrat und Dekadenz in der Abenddämmerung der nationalsozialistischen Herrschaft.Vom Reichstagsbrand bis zur „Nacht der langen Messer“, in der Hitler seine Feinde in den eigenen Reihen liquidieren wollte, spannt sich das blutige Epos von Unmoral und Niedergang des Dritten Reiches in beklemmender Wirklichkeitsnähe.Dirk Bogarde ist ein moderner McBeth, der souverän und rücksichtslos die Herrschaft über das deutsche Stahl-Imperium gewinnt, während Hitlers Aufstieg an die Macht beginnt. Helmut Griem spielt einen SA-Führer, dessen dummes, machtergreiferisches Gehabe ein jähes Ende findet, als er in der „Nacht der langen Messer“ von der SS hingeschlachet wird.Der Film wirft erbarmungslose Schlaglichter auf Psyche und Gemüt der Nationalsozialisten und einer Industriellen-Dynastie, die ihnen, freiwillig oder nicht, zum Wegbereiter wurde.


Aus: "Die Verdammten (La caduta degli dei; IT/D/CH, 1969)" (More - Film & Kino Magazin, Datum ?)
Quelle: http://www.more-magazin.de/showmovie.php?id=3156 (http://www.more-magazin.de/showmovie.php?id=3156)

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[...] Luchino Visconti (* 2. November 1906 als Conte Don Luchino Visconti di Modrone in Mailand; † 17. März 1976 in Rom) war ein italienischer Schriftsteller, Theater- und Filmregisseur.

Aus der aristokratischen Familie der Herzöge von Visconti in Mailand abstammend (einer der reichsten in Norditalien), ging er mit 30 Jahren nach Paris und begann seine Karriere 1936 als Assistent von Jean Renoir. Nach einer kurzen USA-Reise, bei der er auch Hollywood besichtigte, kam er zurück nach Italien, um 1939 erneut als Renoirs Assistent zu arbeiten...


Aus: "Luchino Visconti" (12/2007)
http://de.wikipedia.org/wiki/Luchino_Visconti (http://de.wikipedia.org/wiki/Luchino_Visconti)

Title: [1,3 Milliarden Euro in dunklen Kanälen... (BRD, Siemens, Pierer, etc.)]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 06, 2007, 10:34:03 AM
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[...] Am 12. Oktober 1847 gründete Werner von Siemens zusammen mit Johann Georg Halske die Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske in Berlin. Grundlage bildet seine Erfindung des Zeigertelegraphen. Das Berliner Unternehmen entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte von einer kleinen Werkstatt, die neben Telegraphen vor allem Eisenbahnläutwerke, Drahtisolierungen und Wassermesser herstellte, zu einer der weltweit größten Elektrofirmen. 1848 baute Siemens die erste Telegraphenlinie Europas über weite Entfernungen zwischen Berlin und Frankfurt am Main. Früh war das Unternehmen auch international tätig: Werners Bruder Carl Wilhelm Siemens eröffnete 1850 eine Repräsentanz der Firma in London, die später in das selbstständige Unternehmen Siemens Brothers Co. umgewandelt wurde. Ab 1851 war das Unternehmen in Russland am Bau eines Telegraphen-Netzwerks beteiligt. 1855 eröffnet Siemens eine Zweigniederlassung in Sankt Petersburg, die durch Carl von Siemens, einem weiteren Bruder, geleitet wurde. Internationale Großprojekte wie der Bau der Indo-Europäischen Telegrafenlinie (1867–70) und ein mit Siemens Brothers verlegtes Transatlantikkabel (1870) führten zu steigenden Umsätzen. Entscheidend war jedoch die Entdeckung des dynamoelektrischen Prinzips durch Siemens im Jahr 1866, das die Voraussetzungen für die Nutzung der Elektrizität zur Kraftversorgung schuf (siehe Elektrischer Generator, Siemens baute die ersten Generatoren ohne Dauermagneten). Dadurch erschlossen sich für die Gesellschaft neue Geschäftsfelder wie zum Beispiel bei der Elektrifizierung von Eisenbahnstrecken und Eisenbahnzügen sowie der Produktion von Glühlampen.

...


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Siemens_AG (http://de.wikipedia.org/wiki/Siemens_AG) (12/2007)

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[...] Am 15. November 2006 durchsuchten 200 Beamte, Steuerfahnder und Staatsanwälte mehr als 30 Bürogebäude an allen großen Siemensstandorten, außerdem Privatwohnungen von ranghohen Mitarbeitern, auf Verdacht der Untreue wie der Münchner Oberstaatsanwalt Anton Winkler mitteilte. Dabei werden Akten geprüft und Unterlagen sichergestellt. Mittlerweile wurde neben anderen das ehemalige Vorstandsmitglied Thomas Ganswindt verhaftet.

Im Januar 2007 wurden 11 multinationale Konzerne wegen illegaler Preisabsprachen von der EU zu Geldstrafen in der Gesamthöhe von über 750 Mio. Euro verurteilt (EU-Wettberwerbskommissarin Neelie Kroes: „Diese Firmen haben ein Kartell gebildet, das öffentliche Versorgungsunternehmen und Verbraucher mehr als 16 Jahre lang betrogen hat“). Knapp 400 Mio. Euro dieser Geldstrafe entfielen auf den Siemens-Konzern. Dies ist die zweithöchste Geldstrafe, zu der ein Unternehmen innerhalb der EU verurteilt wurde. Die ThyssenKrupp AG wurde wegen Bildung eines Preiskartells zu ca. 479 Mio. Euro verurteilt(Liftkartell).

Im Oktober 2007 wurde das Unternehmen vom Landgericht München wegen Schmiergeldzahlungen im Bereich der Telekommunikationssparte Com zu einer Geldbuße in Höhe von 201 Millionen Euro verurteilt. Siemens akzeptierte das Urteil[3].

MAKEPROFIT Code

Über eine angeblich bis 1997 bei Siemens für Anweisungen zu Schmiergeldzahlungen benutzte Verschlüsselung zur Umwandlung von Ziffern in Buchstaben berichtet am 31. Januar 2007 The Wall Street Journal. Der ehemalige Siemens-Manager Michael Kutschenreuter soll der Staatsanwaltschaft München berichtet haben, dass zum Beispiel eine Anmerkung „legen sie das in der Datei APP ab“ bedeutet habe, Schmiergelder in Höhe von 2.55% des Preises seien genehmigt (A=2, P=5). Das Schlüsselwort sei „MAKEPROFIT“. Den Buchstaben darin seien die Ziffern „1234567890“ zugeordnet. Ein Siemens Sprecher meinte dazu, ihm sei von einem solchen Code nichts bekannt. Der Code kann sich als entscheidendes Hilfsmittel für die Staatsanwaltschaft erweisen [4], da er auf Dokumenten als Hinweis auf Anweisungen zu Schmiergeldzahlungen dienen kann.

Verhaftung des AUB-Vorsitzenden

Im Zusammenhang mit der Verhaftung ihres Beraters Wilhelm Schelsky am 14. Februar 2007 [5] bestätigte ein Siemens-Sprecher, dass Schelsky seit 2001 unter anderem für Beratungsleistungen und Mitarbeiterschulungen über 14 Millionen Euro erhalten habe. Laut Siemens habe Schelsky aber seine Leistungen als Unternehmensberater nicht ausreichend nachgewiesen, weswegen das Unternehmen Ende 2006 seinen Beratervertrag fristlos gekündigt habe. Schelsky und Siemens waren bis vor einiger Zeit an zwei Firmen beteiligt: die ML&S GmbH in Greifswald und die NSG Netzwerk-Service GmbH in Feldkirchen bei München, die heute unter dem Namen CANCOM Netzwerk-Service GmbH ihren Sitz in Jettingen-Scheppach hat [6]. Schelsky ist auch langjähriger Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB), einer Arbeitnehmervereinigung, die sich als „die andere Gewerkschaft“ darstellt [7].

Für Siemens ist es in Einzelfällen einfach, festzustellen, ob Wilhelm Schelsky die AUB-Gruppen bei Siemens unterstützt. Eine Unterstützung der AUB durch Schelsky läge beispielsweise dann vor, wenn der Schelsky nicht nur Verantwortlicher, sondern auch Eigner von Webseites einer Siemens-AUB-Gruppe wäre.

Verhaftung von Siemens-Vorstand Johannes Feldmayer

Siemens-Vorstand Johannes Feldmayer wurde nach Unternehmensangaben am 27. März 2007 festgenommen. Laut einer Siemens-Sprecherin steht die Verhaftung im Zusammenhang mit der Affäre um die unabhängige Betriebsräteorganisation AUB.

[...]

Im Schwarzbuch Markenfirmen – Die Machenschaften der Weltkonzerne wird Siemens die Massenvertreibung und Zerstörung der Lebensgrundlagen durch Staudammprojekte sowie die Beteiligung am Bau von unsicheren Atomreaktoren vorgeworfen. Ebenso wird Siemens eine Beteiligung am nordkoreanischen Atomprogramm unterstellt. (siehe Schwarzbuch Markenfirmen, S. 362ff.)

Am 17. September 2006 wurde bekannt, dass der Aufsichtsratsvorsitzende von Pierer die Vorstandsgehälter um durchschnittlich 30 % erhöhen wollte. Da sich viele Siemens-Mitarbeiter hingegen auf Lohnkürzungen einstellen müssen sowie durch eine vermutete Zusammenlegung von Bereichen mit Nokia Tausende Arbeitsplätze wegfallen[8], gab dies Anlass zu Kritik aus der Politik, Wirtschaft und sogar von Kirchen [9]. Diese geplante Erhöhung wird nun jedoch um ein Jahr verschoben [10] zugunsten des medienwirksamen Versuchs, die Arbeitsplätze der abgespalteten Firma BenQ Mobile zu erhalten (Die umstrittene Gehaltserhöhung für den Siemens-Vorstand tritt doch früher in Kraft als angenommen. Stand: 7. November 2006). BenQ Mobile musste in Deutschland am 29. September 2006 Insolvenz anmelden, nachdem der Mutterkonzern BenQ die Zahlung an seine deutsche Tochter einstellte.[11]




Aus: "Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Siemens - Siemens AG" (12/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Siemens_AG#Staatsanwaltschaft_ermittelt_gegen_Siemens (http://de.wikipedia.org/wiki/Siemens_AG#Staatsanwaltschaft_ermittelt_gegen_Siemens)

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[...] Kritik:

Mit der Übernahme des Aufsichtsratsvorsitzes der Siemens AG verstieß von Pierer gegen den Corporate Governance Kodex, nach welchem der direkte Wechsel eines Vorstandsvorsitzenden in den Aufsichtsratsvorsitz unterbleiben soll. Während dies zunächst nahezu widerspruchslos hingenommen wurde, ist im Zuge der Korruptionsaffäre bei Siemens, das Problem offen zutage getreten: von Pierer war Mitglied des Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat, der die Korruptionsvorwürfe untersucht und natürlich auch von Pierers Amtszeit durchleuchtet. Aufgrund des offensichtlichen Interessenkonflikts und der Tatsache, dass ein Großteil der Affäre in die Zeit von Pierers als Vorstandsvorsitzender fällt, war von Pierer zahlreichen Vorwürfen ausgesetzt. Auf der Hauptversammlung 2007 der Siemens AG verzichtete von Pierer am 25. Januar 2007 schließlich auf die weitere Teilnahme an Sitzungen, die das Korruptionsthema zum Gegenstand haben; das Amt als Vorsitzender des Aufsichtsrats wollte er aber nicht ablegen. Die Hauptversammlung stimmte mit über 34 Prozent gegen die Entlastung von Pierers und zeigte damit deutlich die Unzufriedenheit mit der Entscheidung von Pierers.

Trotz der Korruptionsaffäre bei Siemens hält die CDU und insbesondere Angela Merkel an von Pierer als Leiter des Rates für Innovation und Wachstum fest.



Ehrungen und Auszeichnungen:
    * Goldener Ehrenring der Stadt Erlangen (1995)
    * Ehrendoktorwürde der Technischen Universität München (1997)
    * Ehrendoktorwürde der Katholieke Universiteit Leuven (1998)
    * Große Bundesverdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2001)
    * "Scopus Award" der Hebräischen Universität Jerusalem(2002)
    * World Business Award (2003)
    * Ehrendoktorwürde der Tongji-Universität Shanghai (2004)
    * Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Berlin (2004)
    * Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Graz (2005)
    * Bayerischer Verdienstorden (2005)

    * "AICGS Global Leadership Award"
    * "John J. McCloy Award", New York
    * "Appeal of Consience-Award" der Appeal Appeal of Consience Foundation, New York


Werke:
Heinrich von Pierer, Karl Homann, Gertrude Lübbe-Wolff: Zwischen Profit und Moral. Hanser, München 2003, ISBN 3-446-22460-2


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_von_Pierer (http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_von_Pierer) (12/2007)


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[...] Bei Siemens waren vor allem auch in der Zeit Pierers als Vorstandschef nach neuesten Erkenntnissen 1,3 Milliarden Euro in dunklen Kanälen verschwunden. Pierer hatte stets betont, nichts von den Vorgängen gewusst zu haben. Als Vorstandsvorsitzender sei man weit weg vom operativen Geschäft. In einem Konzern wie Siemens mit etwa neun Millionen Buchungsvorgängen am Tag seien Unregelmäßigkeiten nur schwer zu entdecken. Der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld betonte denn auch am Mittwoch, Pierer gehöre nicht zu den Verdächtigen. "Gegen ihn wird nicht ermittelt." Eine politische Verantwortung zu übernehmen, lehnte Pierer lange ab, bis er sich im April doch dem Druck beugte und als Aufsichtsratschef zurücktrat.

Pierers Verdienste um das Unternehmen wurden von den Affären überschattet, sind bei Siemens aber unumstritten. In seinen gut 14 Jahren als Vorstandsvorsitzender machte er nach Ansicht des Managements und der Investoren den einst trägen Industriedampfer Siemens fit für die Globalisierung. Mit seinem berühmten 10-Punkte-Programm leitete er unter anderem die Abspaltung der Halbleitersparte Infineon ein. Früh engagierte sich der Konzern unter seiner Führung in den neuen Märkten in Asien.

So ist denn auch die Globalisierung heute noch sein großes Thema. "Vielen Menschen gehen die Veränderungen, denen sie ausgesetzt sind, zu schnell", sagte er bei der Veranstaltung des Autors, Motivationsberaters und einstigen Chiphändlers Erich Lejeune. Die Geschwindigkeit, mit der sich die Welt verändere, werde aber weiter zunehmen. "Der Reichtum auf der Welt wird in dramatischer Weise neu verteilt." Deutschland habe bisher von der Globalisierung profitiert und müssen sich den Herausforderungen weiter offensiv stellen, unter anderem durch neue Bildungsinitiativen und die massive Förderung von Forschung und Innovationen. Dafür setze er sich auch im Rat für Innovation und Wachstum ein, der unter Pierers Leitung die Bundesregierung berät. (Axel Höpner, dpa) / (jk/c't)

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5. Dezember 2007 13:48
1,3 Milliarden an der Steuer vorbei und mehrere Tausend verlorene Arbeitsplätze
mordsDing boa eh (mehr als 1000 Beiträge seit 25.03.05)

sehr bedauerlich.

Und damit liefert der Herr einen weiteren Beleg dafür, wie sich die
Managerkaste verabschiedet hat. Von Moral, Anstand, Würde, Gewissen,
Realität.

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5. Dezember 2007 13:55
Re: 1,3 Milliarden an der Steuer vorbei und mehrere Tausend verlorene Arbeitspl.
Sarkastho (393 Beiträge seit 29.08.06)

Hätte man das Geld versteuern müssen, wäre es noch teurer geworden
und es hätte noch mehr Arbeitsplätze gekostet.
Die Politiker hätten die Steuern doch nur für Blödsinn verpulfert.

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5. Dezember 2007 13:59
Re: 1,3 Milliarden an der Steuer vorbei und mehrere Tausend verlorene Arbeitspl.
hacky68 (539 Beiträge seit 25.09.00)

Ihr seit so negativ ...

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5. Dezember 2007 15:33
Re: 1,3 Milliarden an der Steuer vorbei und mehrere Tausend verlorene Arbeitspl.
Soman (457 Beiträge seit 03.08.04)

Siehe es positiv - es werden etwa dreistellige Millionenbeträge für
Consultants ausgegeben, die die Schmiergeldaffäre "aufklären" sollen.
Die Armen Jungs hätten sonst nix zu tun und müssten Ihre Anzüge
bügeln und Kravattenknoten binden lernen.
So müssen die für 2000 Euro am Tag hektisch durch die Flure rennen
und dürfen Powerpoints und Flipcharts präsentieren.



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5. Dezember 2007 14:14
Re: 1,3 Milliarden an der Steuer vorbei und mehrere Tausend verlorene Arbeitspl.
mordsDing boa eh (mehr als 1000 Beiträge seit 25.03.05)

Sarkastho schrieb am 5. Dezember 2007 13:55

> Hätte man das Geld versteuern müssen, wäre es noch teurer geworden
> und es hätte noch mehr Arbeitsplätze gekostet.

Das wage ich zu bezweifeln. Arbeitsplatzvernichtung und Erhöhung der
Managergehälter und Verteilung millionenschwerer
Jahresendgratifikationen an die Führung bei Siemens fallen zeitlich
recht nah zusammen.

> Die Politiker hätten die Steuern doch nur für Blödsinn verpulfert.
Ja, oder für Schulen, Kindergärten, Straßenausbau, und ähnliches. Da
wird schließlich auch Geld ausgegeben.


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5. Dezember 2007 15:35
Re: 1,3 Milliarden an der Steuer vorbei und mehrere Tausend verlorene Arbeitspl.
Soman (458 Beiträge seit 03.08.04)

Blödsinn.

80 Mrd für die Rente, 40 Mrd für Zinsen, ca 25 Mrd ALG-II, ca 30 Mrd
Kindergeld. Einnahmen des Staates: 220 Mrd. Was für den Rest übrig
bleibt kannst du schätzen...



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5. Dezember 2007 14:04
Übrigens: Wir waren komplett korrupt, entschuldigung auch.
vatsug (mehr als 1000 Beiträge seit 12.03.04)

Tut uns leid. Näher möchte ich nicht darauf eingehen, ich bin jetzt
in Rente.

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5. Dezember 2007 14:23
Es stinkt zum Himmel und zurück...
viandante (223 Beiträge seit 28.09.05)

...wenn in einer Firma 1,3 Mia schwarz existieren, an der Steuer
vorbei also, der Chef davon angeblich nichts weis, aber die
Bundesregierung weiterhin in leitender Position berät und...
... kein Staatsanwalt es für nötig hält, die Zusammenhänge um Herrn
von Pierer und seiner eventuellen Mitverantwortung zu beleuchten und
für die betrogenen Millionen Bundesbürger transparent aufzuzeigen.


Aus: "Heinrich von Pierer bedauert die Siemens-Affären" (05.12.2007)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/100081 (http://www.heise.de/newsticker/meldung/100081)

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[...] Siemens will am Montag Strafzahlungen in den USA in Höhe von 600 Millionen Euro akzeptieren. Der Konzern rechnet außerdem mit einer Geldbuße bei Bayerns Justiz zwischen 300 und 400 Millionen Euro.

Die Siemens AG steht in der Korruptionsaffäre nach zweijährigen Ermittlungen vor einem für das Unternehmen günstigen Vergleich mit US-Ermittlern. Der Industriekonzern verständigte sich mit der New Yorker Börsenaufsicht SEC und dem Justizministerium in Washington auf Strafzahlungen in Höhe von 800 Millionen Dollar (600 Millionen Euro). Aufsichtsräte hatten ursprünglich eine Geldbuße in Höhe von mehreren Milliarden Euro befürchtet.

Der Konzern ist an der New Yorker Börse notiert und unterliegt damit der Aufsicht der US-Behörden. Das Unternehmen will an diesem Montag bei einer Gerichtsverhandlung in Washington die ausgehandelten Strafen akzeptieren. Anschließend will der Aufsichtsrat des Konzerns dem Vergleich zustimmen. Es ist die bislang höchste Unternehmensstrafe, die in den USA wegen Korruption verhängt wurde. Das Geld fließt in den US-Bundeshaushalt.

In München hat Siemens eine weitere Geldbuße zu erwarten, die nach Informationen aus Aufsichtsratskreisen 300 bis 400 Millionen Euro betragen soll. Die Staatsanwaltschaft will auf diese Weise Gewinne aus Aufträgen abschöpfen, die durch Bestechung zustande kamen. Solche Geldbußen kommen nach Angaben der Justiz dem bayerischen Staatshaushalt zugute, der durch die Krise der Landesbank schwer belastet ist.

Nach Erkenntnissen des US-Justizministeriums und der Börsenaufsicht SEC nahm Siemens von 2001 bis 2007 insgesamt 4 283 illegale Zahlungen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro vor. Weltweit seien Regierungen und Behörden bestochen worden. Ex-Konzernchef Pierer wird durch die am Wochenende veröffentlichten Ermittlungsergebnisse erstmals von Behörden schwer belastet. Ihm wird vorgehalten, er habe seit 2001 von Treuhandkonten in der Schweiz gewusst, über die Provisionszahlungen für Aufträge aus dem Ausland abgewickelt worden seien. Seit 2004 sei Pierer über schwarze Kassen informiert gewesen.

Pierer, sein Nachfolger Klaus Kleinfeld und vier weitere Ex-Vorstände sowie der gesamte frühere Zentralvorstand als Organ werden beschuldigt, massiven Hinweisen auf Korruption nicht nachgegangen zu sein und nicht genug gegen mutmaßliche Gesetzesverstöße unternommen zu haben. Sogar von Vertuschung ist die Rede. Dem früheren Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger werfen die US-Behörden vor, den Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats im Jahr 2005 falsch informiert zu haben. Neubürger habe wider besseres Wissen die Existenz von Konten außerhalb der Siemens AG verneint. Ein anderer Vorstand sei sogar direkt in illegale Zahlungen eingebunden gewesen.

Das Fazit der Ermittler: Der damalige Vorstand habe eine Unternehmenskultur geschaffen, in der Korruption nicht nur geduldet, sondern auf höchster Ebene teilweise sogar belohnt worden sei. Aus Konzernkreisen heißt es, Pierer und andere Ex-Vorstände dürften sich nicht wundern, falls die US-Behörden Ermittlungsverfahren gegen sie einleiten. Pierer und Kleinfeld haben bereits wiederholt die Vorwürfe zurückgewiesen und ihre Unschuld beteuert. Kleinfeld ist heute Vorstandschef des US-Aluminiumkonzerns Alcoa.

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15.12.2008 09:42:38

drkosel: "H v P , Gütesiegel und Markenzeichen in einer Person"

in jeder Talkshow mit dem erhobenen Zeigefinger dabei, wenn es darum ging "den kleinen Leuten am Zeug zu flicken". Dieses Vorbild an Glaubwürdigkeit war jahrelang Kanzler(in) -Berater. Wagrlich ein passende Auszeichnung. Da müssen jetzt die Amis kommen, um den zur Rechenschaft zu ziehen.hier war das nicht möglich ! (sh.Düsseldorfer Landgericht - Esser , Ackermann, Zwickel und Richterin Poggenhöfer -man kennt sich und man hilft sich ). Unschuldsvermutung ,Geldstrafe.,Ackermann gilt weiter als nicht vorbestraft !Bananenrepublik !



Aus: "Siemens zahlt Milliardenstrafe - Auch die Amerikaner belasten Pierer" Von M. Balser, K. Ott, Th. Fromm (14.12.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/794/451506/text/ (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/794/451506/text/)

Title: [Faster, Much Faster... (from 2003 to 2005)]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 15, 2007, 06:08:53 PM
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[...] The increase in incomes of the top 1 percent of Americans from 2003 to 2005 exceeded the total income of the poorest 20 percent of Americans, data in a new report by the Congressional Budget Office shows.

The poorest fifth of households had total income of $383.4 billion in 2005, while just the increase in income for the top 1 percent came to $524.8 billion, a figure 37 percent higher.

The total income of the top 1.1 million households was $1.8 trillion, or 18.1 percent of the total income of all Americans, up from 14.3 percent of all income in 2003. The total 2005 income of the three million individual Americans at the top was roughly equal to that of the bottom 166 million Americans, analysis of the report showed.


From: "Report Says That the Rich Are Getting Richer Faster, Much Faster" By DAVID CAY JOHNSTON (Published: December 15, 2007)
Source: http://www.nytimes.com/2007/12/15/business/15rich.html?_r=1&oref=slogin (http://www.nytimes.com/2007/12/15/business/15rich.html?_r=1&oref=slogin)

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http://www.cbo.gov/ftpdocs/88xx/doc8885/12-11-HistoricalTaxRates.pdf (http://www.cbo.gov/ftpdocs/88xx/doc8885/12-11-HistoricalTaxRates.pdf)

Title: [Skandalumwitterte Hörn-Immobilie... (Notiz, Kiel, Schmid-Bau)]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 18, 2007, 10:42:25 AM
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[...] Gerhard Schmid (* 22. Mai 1952 in Selb) ist ein deutscher Unternehmer.

Nach einer kaufmännischen Lehre finanzierte sich der Sohn eines Maurers und einer Hausfrau sein Studium der Betriebswirtschaft als Eishockey-Trainer bei der ERC Selb. 1977 fing er bei Hutschenreuther als Vorstandsassistent an. 1986 wechselte Schmid als Geschäftsführer zum Ostseebad Damp, 1989 wurde er bei der Sixt AG Vorstand für Marketing und Vertrieb.

1991 gründete er die Mobilcom AG, zunächst als Serviceprovider für den Mobilfunkbereich und anfangs mit einer einzigen Mitarbeiterin. Bereits 1993 wurden 100 Mio. DM Umsatz gemacht. 1997 führte er Mobilcom an die Börse als erstes Unternehmen am Neuen Markt (gleichzeitig mit der Bertrandt AG).

[...] Anfang 2002 kam es zum Streit der Mobilcom-Großaktionäre France Telecom und Schmid über die Kostentragung beim UMTS-Infrastrukturaufbau und über umstrittene Aktiengeschäfte von Schmids Ehefrau Sibylle Schmid-Sindram. France Telecom bot Schmid daraufhin an, ihm seine Aktien abzukaufen, Schmid lehnte die Höhe des Angebotes aber ab. Infolge des sich hinziehenden Streites und des Verfalls des Mobilcom-Aktienkurses verweigerte die Hauptversammlung im Mai 2002 Schmid die Entlastung als Vorstand. Im Juni kündigte France Telecom den Kooperationsvertrag. Schmid wurde daraufhin vom Aufsichtsrat als Vorstandsvorsitzender entlassen. Es folgten Prozesse Mobilcom gegen Millenium (die Firma von Schmids Ehefrau) und Schmid gegen Mobilcom und gegen France Telecom. Im September 2002 stellte France Telecom weitere Finanzhilfen für Mobilcom ein, das Unternehmen stand kurz vor der Insolvenz. Um eine Rettung unter Vermittlung des Bundeswirtschaftsministeriums zu ermöglichen, übertrug Schmid im November 2002 seine Aktien und die seiner Frau nach langen Verhandlungen an einen Treuhänder, den früheren RTL-Chef Helmut Thoma.

Anfang 2003 musste Schmid Privatinsolvenz beantragen, seine Frau führte über ihre Verwaltungsgesellschaft "Millenium GmbH" Rechtsstreitigkeiten gegen den neuen Mobilcom-Vorstand noch in Fragen, über die bereits Schmid Prozesse geführt hatte. Die Auseinandersetzungen endeten mit einem Vergleich. 2003 wurde nach einem Aktienoptionsgeschäft mit der Millenium GmbH gegen Schmid Anklage wegen Untreue erhoben. Das Landgericht Kiel entschied Anfang 2007, kein Hauptverfahren gegen Schmid einzuleiten. Die Staatsanwaltschaft legte gegen diese Entscheidung Widerspruch ein.

Schmid ist heute Geschäftsführer von Bonus Strom GmbH, einem Elektrizitäts-Provider, der seiner Frau gehört.


Aus: "Gerhard Schmid (Unternehmer)"  (12/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Schmid_%28Unternehmer%29 (http://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Schmid_%28Unternehmer%29)

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[...] Bei der gestrigen Zwangsversteigerung des Schmid-Baus, der noch unvollendeten skandalumwitterten Hörn-Immobilie, wurde das Hochhaus für 13 Millionen Euro verkauft. Das höchte Gebot in Raum 4 des Amtsgerichts, in dem zudem noch zwei unbebaute Grundstücke an der Hörn versteigert wurden, setzte die Waterkant Immobilien GmbH & Co KG, dessen Geschäftsführerin Sybille Schmid-Sindram pikanterweise die Ehefrau von Ex-mobilcom-Chef Gerhard Schmid ist.

Schmid begann 2000 mit der Errichtung des 16-geschossigen Wohn- und Geschäftshauses, doch seine private Insolvenz und die Beinahe-Pleite von mobilcom ließen das Projekt vor drei Jahren unvollendet platzen.

Innerhalb der kommenden zwei Wochen wird die sächsische Landesbank, die sich als Hauptgläubiger "etwas mehr erhofft" hatte, das Angebot, das rund 2,4 Millionen Euro unter dem Verkehrswert der Immobilie liegt, prüfen.

Die Waterkant Immobilien GmbH & Co KG, im Oktober 2004 vom schleswig-holsteinischen FDP-Fraktionchef Wolfgang Kubicki mitgegründet, gibt sich derweil hoffnungsfroh. "Ich habe schon Anwärter, die mieten wollen", so Geschäftsführerin Schmid-Sindram.


Aus: "Wirtschaft: Schmid-Bau für 13 Millionen Euro versteigert" (Freitag, 25. März 2005)
Quelle: http://www.kiel4kiel.de/Artikel-7364-11-Wirtschaft.SchmidBau.fr.13.Millionen.Euro.versteigert.html (http://www.kiel4kiel.de/Artikel-7364-11-Wirtschaft.SchmidBau.fr.13.Millionen.Euro.versteigert.html)


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Quote
[...] Im Strafprozess wegen Bankrotts gegen den früheren Mobilcom-Chef Gerhard Schmid hat die Staatsanwaltschaft Kiel eine weitere Anklage erhoben. Schmid werden zwei zusätzliche Bankrotthandlungen vorgeworfen, teilte Oberstaatsanwalt Uwe Wick am heutigen Montag mit. Schmid soll im September und Oktober 2002 trotz Zahlungsunfähigkeit von seinen Konten im Inland Beträge von 500.000 Euro und 240.000 Euro auf ein Konto bei einer Bank in Liechtenstein überwiesen und damit weitere Bestandteile seines Vermögens beiseite geschafft haben.

Diese Vorwürfe sind nun ebenfalls Gegenstand des seit Juli 2007 laufenden Verfahrens, in dem Schmid vorgeworfen wird, Firmenanteile ins Ausland transferiert und sich damit wegen Bankrottverdachts schuldig gemacht zu haben. Die Sachsen LB hatte im Jahr 2002 vergeblich versucht, Forderungen in Millionenhöhe aus einem Kredit für Schmid vollstrecken zu lassen. Die Verteidigung will hingegen beweisen, dass Schmid im April 2002 nicht zahlungsunfähig war, sondern seine sämtlichen Kreditverpflichtungen hätte erfüllen können.

Der Insolvenzverwalter von Schmid reichte Schadenersatzklage in Höhe von mehrerer Milliarden Euro gegen den früheren Mobilcom-Großaktionär France Telecom ein, weil sich die Franzosen 2002 als Hauptfinanzierer aus dem Büdelsdorfer Unternehmen zurückgezogen hatten. Schmids Verteidiger Erich Samson warf der Anklage zuletzt Korruption und Befangenheit vor. Staatsanwalt Axel Goos habe in einem anderen Verfahren gegen Schmid unzulässige Hilfe der Anwälte von France Telecom in Anspruch genommen. Die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens lehnte Oberstaatsanwalt Uwe Wick jedoch ab. (pmz/c't)


Aus: "Staatsanwaltschaft weitet Anklage gegen Ex-Mobilcom-Chef Schmid aus" (17.12.2007)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/100688 (http://www.heise.de/newsticker/meldung/100688)

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Quote
[...]Die größten Banken sind die LGT Bank, die Liechtensteinische Landesbank und die Verwaltungs- und Privatbank. Seit 1992 haben neben den drei großen Banken auch weitere Institute Zulassungen erhalten, darunter seit dem Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum auch Niederlassungen ausländischer Banken. Heute beschäftigen die fünf größten Banken Liechtensteins rund 1.400 Angestellte und weisen zusammen eine Bilanzsumme von über 30 Milliarden Franken auf. Wie in der Schweiz und Österreich gilt auch in Liechtenstein das Bankgeheimnis. Die Beaufsichtigung des Finanzsektors erfolgt durch die FMA Finanzmarktaufsicht Liechtenstein.

Der Finanzplatz Liechtenstein wird allerdings in erster Linie mit dem sog. Treuhandwesen assoziiert. Um die schwerwiegende Wirtschaftskrise der 1920er Jahre zu überwinden, wurde ein äußerst liberales Gesellschaftsrecht geschaffen, darunter die Stiftungen, die es erlauben, ein Vermögen von seinem tatsächlichen Eigentümer zu trennen und somit zu anonymisieren. Im Gegensatz zu den Stiftungen der meisten Länder kann die liechtensteinische Stiftung vom Stifter jederzeit wieder aufgelöst werden, was im Ausland als im Widerspruch zum Wesen einer Stiftung häufig kritisiert wird. Aufgrund ihrer Diskretion waren liechtensteinische Stiftungen in der Vergangenheit des öfteren in Skandale verwickelt. Der größte dürfte der Fall Texon 1977 gewesen sein, in dessen Folge 1981 die Stiftungs-Gesetzgebung verschärft wurde. Seither dürfen Stiftungen nicht mehr wirtschaftlich tätig sein, und der Stiftungsrat muss von besonders qualifizierten und erfahrenen Personen, de facto konzessionierten liechtensteinischen Treuhändern, besetzt sein. Nach wie vor werden jedoch Stiftungen wie auch die sogenannten Sitzgesellschaften ohne eigenen Geschäftsbetrieb im Fürstentum i.d.R. lediglich mit einer jährlichen Pauschale von 1.000 CHF besteuert.

...


http://de.wikipedia.org/wiki/Liechtenstein (http://de.wikipedia.org/wiki/Liechtenstein) (12/2007)



Title: [The World's Greatest Company... (Notiz, Enron, Deutsche Bank)]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 20, 2007, 12:51:56 PM
Quote
[...] Der Energiekonzern Enron gehörte zu den zehn größten Konzernen der USA und hatte seinen Firmensitz in Houston, Texas. Enron bezeichnete sich in Veröffentlichungen gerne als "The World's Greatest Company" (Beste Firma der Welt). Enron beschäftigte über 20.000 Mitarbeiter und verursachte aufgrund fortgesetzter Bilanzfälschung einen der größten Unternehmensskandale, welche die US-Wirtschaft bislang erlebte. Die Vorgänge hatten eine drastische Verschärfung der gesetzlichen Vorschriften zur Unternehmensberichterstattung zur Folge, den sogenannten Sarbanes-Oxley Act.

[...]

Chronik:

Im Juli 1985 fusioniert das US-Unternehmen Houston Natural Gas mit Internorth, einem Erdgas-Konzern aus Omaha, zum Konzern Enron, der hauptsächlich als Betreiber von Gaspipelines tätig ist. Nach dem Einstieg in den Erdgashandel 1989 wird Enron innerhalb kurzer Zeit der größte Gashändler in den USA und Großbritannien. 1999 wird das Unternehmen EOG Resources als selbständiges Unternehmen abgetrennt.

Im Oktober 2000 bestätigt Enron, dass die US-Börsenaufsicht SEC eine Voruntersuchung begonnen hat, um mögliche Konflikte aufgrund der Beteiligungsverträge zu klären. Enron gesteht ein, dass Gewinne in den Jahren zuvor um 1,2 Mrd. US-Dollar zu hoch ausgewiesen wurden. Am 2. Dezember 2001 meldet das Unternehmen Insolvenz an, da eine Übernahme durch den Konkurrenten Dynegy am 28. November 2001 gescheitert war.

Im Januar 2002 wird die Aktie vom Handel ausgesetzt.

Im Februar 2002 wird bekannt, dass rund 500 Enron-Manager kurz vor der Pleite ihres Konzerns kräftige Bonuszahlungen erhalten hatten. So ließ sich Kenneth Lay († 5. Juli 2006) eine Abfindung in Höhe von 205 Mio. US-Dollar auszahlen.

Der in den Enron-Skandal verwickelte (und im Gefolge der Ermittlungen um Enron schließlich kollabierte) Wirtschaftsprüfungs-Konzern Arthur Andersen wird im Oktober 2002 wegen Behinderung der Justiz zu einer Geldbuße von 500.000 US-Dollar verurteilt.

Im Juli 2003 will Enron seine Forderungsansprüche gegen die Transwestern Pipeline Company, die Citrus Corp. und die Northern Plains Natural Gas Company auf die neue Holdinggesellschaft Cross Country Energy Corporation übertragen. Außerdem plant das Unternehmen die Gründung einer internationalen Energiegesellschaft, die Prisma Energy International Inc. Beide Unternehmen sollen unabhängig voneinander geführt werden.

[...]

Enron frisierte seine Bilanz in der Hauptsache mit folgenden Methoden[1]:

    * Verkäufe von Waren (z. B. Erdgas) als Termingeschäft (d. h. ein in der Gegenwart vereinbartes Geschäft wird erst zu einem späteren Zeitpunkt ausgeführt) wurden bereits von Anfang an als Erträge gebucht. Zudem wurden ähnliche Geschäfte zum Einkauf derartiger Waren nicht als Aufwand gebucht. Dadurch steigt der Gewinn (und damit auch das Eigenkapital) in der Berichtsperiode.

    * Enron ging dazu über, solche Geschäfte mit in ausländischen Steuerparadiesen gegründeten anonymen „Offshore“-Gesellschaften abzuschließen, die unter der Kontrolle von Enron oder dessen Führungskräften standen, aber nicht in den Konsolidierungskreis des Konzernabschlusses des Enron-Konzerns einbezogen wurden. Enron machte praktisch Geschäfte mit sich selbst. Der Konzern wies die "Einnahmen" aus diesen Geschäften in der eigenen Bilanz aus.

    * Weiterhin begann die Firma, die "Käufe" der Off-Shore-Gesellschaften von Banken vorfinanzieren zu lassen, sodass sich der Konzern über seine anonymen Tochtergesellschaften verschuldete, ohne dass dies in der Konzernbilanz offenbart wurde.



Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Enron (http://de.wikipedia.org/wiki/Enron) (12/2007)

-.-

Quote
[...] Insgesamt erstritt sich die Firma von den Geldhäusern nach eigenen Angaben bereits mehr als elf Milliarden Dollar für ihre Gläubiger.


Aus: "Enron-Pleite: Deutsche Bank zahlt Millionen" - Das Frankfurter Geldhaus hat einen Rechtsstreit im Zusammenhang mit der Enron-Pleite beigelegt - zahlt viele Millionen und verzichtet auf fast eine halbe Milliarde Dollar. Jede Schuld aber weist das Institut von sich (19.12.2007)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,ra9m1/finanzen/artikel/444/149087/ (http://www.sueddeutsche.de/,ra9m1/finanzen/artikel/444/149087/)

-.-

Quote
[...] Kenneth Lee "Ken" Lay (April 15, 1942 – July 5, 2006) was an American businessman, best known for his role in the widely-reported corruption scandal that led to the downfall of Enron Corporation. Lay and Enron became synonymous with corporate abuse and accounting fraud when the scandal broke in 2001. Lay was the CEO and chairman of Enron from 1986 until his resignation on January 23, 2002, except for a few months in 2001 when he was chairman and Jeffrey Skilling was CEO.

[...]

Awards and honors:

    * Anti-Defamation League – Torch of Liberty Award
    * Beta Theta Pi (Zeta Phi Chapter) – Wall of Fame
    * Brunel University (London) – Honorary Doctor of Social Sciences
    * Child Advocates – Super Hero Honoree Award
    * Episcopal High School – Campaign Fundraiser Award
    * Gas Daily – Man of the Year Award
    * Horatio Alger Association of Distinguished Americans – Annual Membership Award
    * Houston Area Women’s Center – Honoree
    * Houston Children’s Chorus – Honoree
    * Houston Community Partners – Father of The Year
    * Kenneth Lay Day – Proclaimed by Kathryn J. Whitmire, Mayor of Houston, Texas
    * Kiwanis Club of Houston and the Greater Houston Partnership – International Executive of the Year
    * March of Dimes – Award of Distinction
    * NAACP Freedom Fund Banquet – Mickey Leland Humanitarian Award
    * National Conference of Christians and Jews – Brotherhood Award
    * Oswego State University – Honorary Doctor of Humane Letters Degree
    * Phi Beta Kappa – Outstanding Alumnus Award
    * Private Sector Council – Annual Leadership Award
    * Stanford Business School Alumni Associations – Houston Business Man of the Year
    * Texans For Lawsuit Reform – Award
    * Texas Association of Minority Business Enterprises – Texas Corporate Partnering Award
    * Texas Business Hall of Fame – Inductee
    * Texas Navy Admiral – Commissioned by William P. Clements, Jr., Governor of Texas
    * Texas Society To Prevent Blindness – Man of Vision Award
    * The Brookwood Community – Honoree Award
    * The Rotary Club of Houston – Distinguished Citizen Award
    * The Wall Street Transcript – Chief Executive Officer Award
    * United States Energy Association – United States Energy Award
    * U.S. Navy – Navy Commendation Medal & National Defense Service Medal
    * University of Colorado, College of Business and Administration – Ben K. Miller Memorial, International Business Award
    * University of Houston – Distinguished Alumnus Award
    * University of Houston – Honorary Doctor of Humane Letters Degree
    * University of Missouri – Honorary Doctor of Law Degree; The Hebert J. Davenport Society Benefactor Award
    * Volunteer Houston – Honoree Award

...


http://en.wikipedia.org/wiki/Kenneth_Lay (http://en.wikipedia.org/wiki/Kenneth_Lay) (12/2007)

Title: [Auf einen Bonus verzichten... (Notiz, Mortgage Closures)]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 20, 2007, 01:15:18 PM
Quote
[...] „Die Abschreibungen sind eine tiefe Enttäuschung“, sagte Bankchef John Mack. Er wird in diesem Jahr auf einen Bonus verzichten.


Aus: "Hypothekenkrise: Morgan Stanley begräbt Milliarden" (19.12.07)
Quelle: http://www.focus.de/finanzen/banken/hypothekenkrise_aid_230240.html (http://www.focus.de/finanzen/banken/hypothekenkrise_aid_230240.html)

-.-

Quote
[...] List of Mortgage Closures, Mergers and Layoffs, 21Feb07

So why are all these mortgage companies consolidating, laying off employees, sending out warnings, and going out of business?

Well, a recent statistic showed that 2.33% of all US mortgages are currently delinquent, a number which is sure to rise. And repurchases have tripled between the first and second quarter of 2006.

Not to mention declining home values in almost every metropolitan area throughout the United States, sky-high home prices, rampant fraud, a deteriorating secondary market and unmanageable mortgage payments.

I recently began adding mortgage lenders from parts of the world other than the United States that have issued profit warnings, as well as companies that remain open but have been affected seriously by the mortgage mess in one way or another.

According to a recent report, there have been roughly 70,000 mortgage layoffs since the beginning of the year, with another 30,000 to 40,000 expected by early 2008.

List last updated on December 19, 2007:

[...]

—————————————————————————————-

Aames Investment Corp – acquired by Accredited Home Lenders
ABN Amro Mortgage – 1700 layoffs
Aegis Funding – closed, seeking bankruptcy protection
Aegis Mortgage Corp. – laying off 401 employees
Accredited Home – shut down retail lending, ceased wholesale, Lone Star lawsuit
Accredited Home – agreed to Lone Star buyout
ACC Capital Holdings – mass layoffs, closed Ameriquest, sold wholesale to Citigroup
Acoustic Home Loans – closed subprime wholesale lender
ACT Mortgage Capital – suspended all submissions/fundings until further notice
Advent Mortgage – merged with New Equity Mortgage
Alliance Bancorp – closed, filed for Ch. 7 bankruptcy
All Fund Mortgage – rumored to be closed, acquired by Carlile Investments Inc.
Allstate Home Loans – shut down after buyout
Alterna Mortgage – New Jersey wholesale lender closed
Alternative Financing Corp. – wholesale division closed
Altivus Financial – closed wholesale operations, now believed to be shut down
AMC Lending –ceases wholesale lending
AMC Mortgage – acquired by Transnational Financial Network Inc.
American Brokers Conduit – shut down all operations
American Business Financial Services – closed
American Equity Mortgage – closing 6 of 30 offices, laying off 40 employees
American Home Mortgage – closed
American Mortgage Network – bought by Wachovia
Ameriquest – closed, laid off 3,800, shut 229 retail branches after $325 million settlement
Ameritrust Mortgage Company – subprime wholesale division closed
AmPro Mortgage closed – (part of Alliance Bancorp)
Amstar Mortgage Corp. – most staff laid off, The Money Store to take over by Dec. 15
Anworth Mortgage Asset Corp. – its Belvedere subsidiary is in default and faces margin calls
Apex Financial Group/Aapex Mortgage – commission checks delayed, licenses suspended
Apex Mortgage/Aapex Mortgage – reportedly cease all opertions
APS Mortgages Limited (UK) – independent brokerage shutting downn
Argent – sold to Citigroup
Aurora Loan Services – 160 employees laid off
Axix Mortgage – closed
Bank of America – Countrywide merger possibility, continued layoffs
Bank of America – cutting 3,000 jobs in investment banking unit
Bank of America – to cease wholesale lending, 700 layoffs
Barclays Bank PLC – bought Equifirst
Basis Yield – Australian hedge fund files for bankruptcy due to subprime woes
Bay Capital Corp. – closed
BayRock Mortgage Corp. – ceased wholesale lending
BB&T – bought Collateral Real Estate Capital
BC Bancorp – shut down
Bear Stearns – layoffs
Bear Stearns – closed two hedge funds after huge subprime losses, 240 subprime layoffs
Bear Stearns – merging Encore Credit and Bear Stearns Residential Mortgage into one unit
Bear Stearns – more layoffs
Beazer Homes – closed office, layoffs, subpoenaed for fraud
Beazer Homes – cut 25% of staff
Belvedere Trust Mortgage – two default notices, unlikely to pay back loans
Beneficial Finance – layoffs
Blackstone Group – buying PHH Mortgage
BMC Capital – to acquire NMB Capital
BNC Mortgage LLC – shut down – consolidated with Aurora Loan Services layoffs
BNC Mortgage – cut 175 jobs in Nor. Cal, 400 in So. Cal
BNY Mortgage – changes name to EverBank Reverse Mortgage
Broad Street Mortgage – sold to Wausau Mortgage Corp.
BrokerSource – ceased operations
BrooksAmerica Mortgage Corp. – temporarily suspended new loan originations
BSM Financial – closed wholesale unit BrokerSource
Budget Finance Co. – layoffs
c2 Financial (UK lender) – to lay off roughly 20 percent of workforce
C & G Financial – suspended funding/production
C-BASS – acquired Fieldstone Investment Group, struggling with margin calls
California TD Investments LLC – filed for bankruptcy
Calusa Investments – website down, thought to be closed
Capital One Mortgage – 2,000 layoffs planned nationwide
Capital Six Funding – subprime and hard money lender suspended operations
Carlile Investments Inc. – acquired All Fund Mortgage
Castle Point Mortgage – will no longer accept wholesale broker applications
Centex Home Equity – changed its name to Nationstar Mortgage
Central Pacific Mortgage – closed, TMSF cancels deal to acquire company
CFIC Home Mortgage – closing down
Champion Home Builders – 196 layoffs
Chapel Funding – bought by Deutsche Bank
Charter Funding – believed to be closed by parent First Magnus Financial
Charter One – exits wholesale lending
Chase – closing subprime loan facility in Ontario, CA 91 layoffs
Chase Home Finance – closed retail subprime operations center in Woodcliff, NJ
Chase Home Finance – shut 430-employee branch in Lexington, KY
Chevy Chase – cut correspondent channel, facing class-action lawsuit
Chevy Chase – layoffs
Choice Capital Funding – rumored to be closed

CIBC – layoffs
CIT Group Inc. – shut down mortgage division 500+ layoffs
Citadel – buying ResMAE
Citigroup – layoffs as high as 45,000
Citigroup – bought ABN AMRO Mortgage Group, acquired assets of Argent Mortgage
Citigroup – mortgage layoffs reported
Citigroup – layoffs in collateralized debt obligation unit
Citi Home Equity – layoffs
Clear Choice Financial – in default, Bankruptcy possible
CMXL – acquired All Fund
Coast Bank – sold to First Banks of St. Louis
Collateral Real Estate Capital – acquired by BB&T
Colony Mortgage Corp. – closed
Columbia Home Loans – subprime lender closed
ComUnity Lending – halted operations, faces liquidation
Concord Mortgage Co. – believed to be out of business
Concorde Acceptance – rumored to be closed
CoreStar Financial Group – closed
Countrywide – believed to have shut 46 Full Spectrum Lending branches
Countrywide Correspondent Lending Division – cut 293 jobs
Countrywide Specialty Lending Division – layoffs
Countrywide Capital Market Division – cut 65 jobs
Countrywide – layoffs in subprime , may be bought out by Bank of America
Countrywide cutting up to 12,000 jobs, more about the Countrywide layoffs
Credit Suisse – layoffs, bought LIME Financial
Dana Capital – closed
DB Home Lending – consolidated with MortgageIT, layoffs, rumored to be closed
DeepGreen Financial - closed
Decision One – shut down, layoffs
Delta Financial – closed offices, 300 layoffs
Delta Financial – bankruptcy, suspends loan origination
Delta Financial Corp. – layoffs
Deutsche Bank Correspondent Lending Group – consolidating business to MortgageIT
Diablo Funding Group – shut down
Ditech – 181 layoffs
Ditech.com – cut 120 jobs at Costa Mesa, CA headquarters
Dollar Mortgage Corp. – being acquired by Shearson Financial Network
Domestic Bank – shutting down wholesale unit
E-loan – closed sub-prime wholesale division, layoffs
E-Loan – layoffs
E-Trade exits wholesale mortgage business
Edgewater Lending Group – halts wholesale lending
Empire Bancorp Mortgage Bankers – shut down
Encore Bank – laid off 300 employees
ECC Capital/Encore Credit – sold to Bear Stearns, 100 layoffs announced Aug. 17
Encore Credit – laid off 100 Account Executives at wholesale unit in Irvine, CA
Encore Credit – merging with Bear Stearns Residential Mortgage
Entrust Mortgage – closed
Equibanc – closed by Wachovia
Equifirst – layoffs, bought out by Barclays Bank PLC
Exchange Financial – temporarily discontinuing its Wholesale/Correspondent business
Expanded Mortgage Credit – closed wholesale
Express Capital Lending – not accepting new submissions until further notice
Fannie Mae – 200 layoffs
FBR – selling subprime unit
Fidelity Trust Bank – selling residential mortgage company Fidelity Trust Mortgage Inc.
Fieldstone Mortgage – bankruptcy
Fieldstone Mortgage Co. – halted new business, closed Las Vegas branch, layoffs
Fifth Third Bancorp – 700 layoffs
Finance America – closed
First American Corp. (title insurer) – layoffs at 1,900
FirstBank – to shut down wholesale mortgage division Oct. 31
First Banks of St. Louis – bought Coast Bank
First Collateral Services (Citi) – layoffs
First Community Bancorp – layoffs
First Consolidated Mortgage Co. – subprime wholesaler shutting down, in dispute
First Franklin Financial – layoffs, sold to Merrill Lynch
First Franklin – firings/layoffs rumored
First Horizon – cutting 1,500 jobs, closing 50 offices
First Horizon National Corp. – divested its subprime mortgage loan portfolio
First Indiana Wholesale – closed wholesale consumer lending operations

First Madison Mortgage – shut down
First Magnus – no longer funding or originating any mortgage loans
First NLC Financial Services LLC – 645 layoffs
First NLC – layoffs and closures
First Mariner Bancorp – closed its wholesale mortgage lending unit
First Source Funding Group – closed
First Street Financial – closed
Flexpoint Funding – reportedly closed wholesale division, now completely shut down
Flick Mortgage – closed
FMF Capital LLC – closed
FNBA – wholesale division and correspondent line shut down, 541 layoffs
Franklin Credit Management Corp. – suspends loan acquisition and origination
Freestand Financial – closed
Fremont General – exited secondary sub-prime market, layoffs
Frost Mortgage – partnered with First Houston
Foxtons, Inc. – filed Chapter 11 bankruptcy
FundingAmerica – not accepting any new business
General Electric – buying PHH Corporation
Genworth Financial – acquired Liberty Reverse Mortgage
GMAC Residential Funding (Canada) – suspended subprime mortgage origination
GMAC-RFC – close High Street Home Loans, subprime subsidiary (UK), 200 layoffs
Golden Empire Mortgage – closed wholesale division GEM Capital Funding
Golden State TD Investments LLC – filed for bankruptcy
Goldman Sachs – purchased Litton Loan Servicing
Greater Buffalo Savings Bank – halted residential mortgage lending, closed unit
Great Southwest Mortgage – believed to be closed by parent First Magnus Financial
Greenpoint Mortgage – closed, 1900 employees laid off, 31 branches closed
Group One Lending shut down
Guaranty Residential – layoffs
Guardian Loan Co. – shut down
H&R Block Mortgage Corp. – 353 layoffs
Harbourton Mortgage Investment Corporation (HMIC) – closed
Heartland Mortgage Co. – bought Merrlin Mortgage Corp.
Heartwell Mortgage – closed
Heritage Plaza Mortgage – closed
HMIC – closed
Home 123 Mortgage – closed
HomeBanc Mortgage Corp. – layoffs, filed bankruptcy, sold branches to Countrywide
Home Capital Inc. – closes
Homecomings Financial – laid off 284, including 207 AEs
Home Equity of America – layoffs
Homefield Financial – closed
Homeland Capital Group – subprime wholesaler closed
Home Loan Center Inc. / Lending Tree – hundreds of layoffs
Home Loan Corp. – closed Expanded Mortgage Credit subsidiary
Home Loan Specialists Inc. (HLS) – closed its doors
Homestead Mortgage – will close its wholesale division
Homeview Lending Inc. – layoffs, now appears to be closed
Honor State Bank – closed wholesale lending department
Housevalues Inc. – laid off 160 workers, closed Yakima call center, shut mortgage lead biz
HSBC Holdings PLC – closing mortgage office, 600 layoffs
HSBC Mortgage Services (Correspondent division) – closed, layoffs
HSBC Financial Corp. Ltd. (Canada) closing 30 branches, 300 potential layoffs
HSBC – shuts down Decision One
HSBC Financial Corp. Ltd. (Canada) – closing 30 branches, 300 potential layoffs
HSBC – halts trading of mortgage-backed securities in U.S., 120 layoffs
HSBC – closing 260 consumer lending branches
Huntington Financial – to be acquired by Oxford Funding
Igate Global Solutions (India) – redeploying roughly 150 employees into other services
IKB Industriebank (Germany) – losses near $1bn as a result of subprime exposure in US
Impac – stops Alt-A lending, 144 laid off
Impac Mortgage Holdings – 350 recent layoffs, halted Alt-A loan production
Indymac – bought retail arm of New York Mortgage Trust, Indymac layoffs
Innovative Mortgage Capital – closed
Investaid Corp. – suspended operations indefinitely
Irwin Home Equity – layoffs
Ivanhoe Mortgage – closed
JP Morgan – layoffs reported in loan structuring group, CMBS group , and UW group
KBC Bank NV (Belgium) – buying Vertical Lend
Kensington Mortgages (UK) – temporarily withdrawing from the mortgage market
Kensington Mortgages (UK) – cut 20 percent of staff
Keycorp – exited subprime mortgage business, layoffs
Kirkwood Financial Corp. – suspended wholesale originations
KKR Financial Holdings –no longer intends to invest in residential real estate
Lancaster Mortgage Bankers – closed
LandAmerica Financial Group Inc. – will cut 1,100 jobs (title company)
Landesbank Sachsen Girozentrale (Germany) – sold to Landesbank Baden-Württemberg
Lehman Brothers cut 850 jobs
Lender’s Direct Capital Corporation – closed wholesale lending operations
Lending group Inc. – suspended operations
Lending Tree – 20% of workforce laid off (fresh ones on Aug. 17)
Lennar Corp. – over 4,000 layoffs at big Miami home builder
Lexington Lending halts wholesale operations
Levitt and Sons LLC (homebuilder) – laid off a third of staff
Levitt and Sons LLC (homebuilder) – filed for Ch. 11 bankruptcy
Liberty American Mortgage – halted wholesale lending
LIME Financial Services, Ltd – sold to Credit Suisse, downsized from 450 to 225
Loancity – closed 7 branches, shut down
Loans 123 – no longer taking anymore business
Lone Star – facing lawsuit over purchase of Accredited Home Lenders
Long Beach Mortgage Co. (WAMU) – winding down operations
Long Mortgage – lost financing, parent First Magnus trying to dissolve unit
LowerMyPayment.com – closed, mortgage lead company
Lownhome Financial – closed
Luminent– layoffs, two default notices, selling equity stake to Arco Capital Corp.
Mandalay Mortgage – closed
Maribella Mortgage – closed
Market Street Mortgage – layoffs
Market Street Mortgage – to be broken up and sold in pieces, 53 layoffs
Marlin Mortgage Company, LLC – shut it doors
Master Financial – layoffs, ceased wholesale production
Mercantile Mortgage – ceased operations
Meridias Capital – layoffs, rumors of employees not being paid
Meritage Mortgage – closed, staff employed by LIME Financial
Merrill Lynch – bought First Franklin
Merrlin Mortgage Corp. – acquired by Heartland Mortgage Co.
Metrocities Mortgage – dissolved No Red Tape Mortgage, layoffs, latest on Sep. 14, 07
MCAP Financial (Canada) – suspended subprime lending through its Eclipse division
MGIC – bought rival mortgage insurance provider Radian Group (pending)
Miami Valley Bank – shut down by the FDIC
Morgan Stanley – to lay off 300 employees in securities division
MortgageIT – layoffs and branch closure
Mortgage Investors Group (MIG) – closed wholesale division
Mortgage Investment Lending Associates (MILA) – subprime wholesale closed
Millenium Bankshares – closed mortgage division
Millenium Funding Group – closed
MLSG – halted lending operation
Monarch Bank – buying mortgage-related assets from Resource Bank
Morgan Stanley – bought Saxon Mortgage
Morgan Stanley cuts 600 mortgage jobs
Mortgage Investment Lending Associates – closed
MortgageIT – consolidated with DB Home Lending, rumored to be offering agency loans only
Mortgage Network Inc. – acquired Partners Group Unlimited
Mortgage Next (UK) – layoffs
Mortgage Lenders Network – stopped residential loan production
MortgageTree Lending – closed, website down
Mylor Financial – closed
National City – exits correspondent lending business
National City – laid off 1,300, National City branch closures and layoffs
National Home Equity – consolidated by National City Corp., suspended originations, layoffs
Nationpoint – a subsidiary of Merill Lynch laid off 60 people on August 15, 2007, 70 more in Nov.
Nation One Mortgage Co. Inc. – wholesale lender stopped origination and funding of mortgages
Nationstar – acquired Champion Mortgage, closed multiple offices, incl. Denver office Sept. 10
Nationstar – halts wholesale lending
NetBank – shut down by FDIC due to excessive mortgage defaults
Netbank Funding – closed
New England Merchants Corp. – receives cease and desist order
New Century – filed bankruptcy
New Equity Mortgage – merged with Advent Mortgage
New State Mortgage Company – ceased wholesale lending operations
Nomura Securities – closed its nonconforming mortgage conduit and laid off staff
Nomura Holdings – to shut mortgage-backed securities business, 1300 job cuts
Norddeutsche Landesbank – made offer for Deutsche Hypothekenbank AG
No Red Tape Mortgage – dissolved by Metrocities, now offering hard money and bridge loans
Northern Rock (UK) – seeks Bank of England bailout, issued profit warning
Novastar – closed wholesale unit, facing potentially huge lawsuit, laying off 37% of workforce
Novastar – cutting 275 jobs, closing 12 retail origination offices
Novastar – job cuts expected from sale of servicing unit
Novelle Financial – said to have ceased operations
NVR Mortgage Finance (builder) – restricted from offering Alt-A, subprime and piggyback loans
Oakmont Mortgage – closed
Oak Street Mortgage – closed, files bankruptcy
Opteum – closed conduit and wholesale operations
Optima Funding – reported to have ceased operations
Option One – shut down
Option One – buyout in jeopardy
Option One – layoffs, pending sale to Cerberus Capital Management LP
Option One – cut 50 jobs in Bay Area
Own It Mortgage – closed
Oxford Funding – acquiring Huntington Financial
Pacific American Mortgage (PAMCO) – no new submissions, halted operations
Paragon Home Lending – said to be shut down
Paragon Mortgages (UK) – laid off 62 Mortgage Trust staff
Partners Group Unlimited – bought out by Mortgage Network Inc.
Paul Financial – suspends loan origination
Paul Financial LLC – cut 57 jobs
People’s Choice Financial Corp. – bankrupt
People’s Mortgage – closed
PHH Mortgage – laid off 140 in Providence, 300 more from NJ and FL offices
Pinnacle Direct Funding Corp – merged with Tri-Star Lending
Pinnacle Financial Corp. – acquired by Impac Mortgage Holdings
Popular Financial Holdings – exited the wholesale sub-prime mortgage market
Portellus, Inc. (software) – winding down mortgage division, selling mortgage assets
Premier Mortgage Funding, Inc – filed for bankruptcy
Premium Funding Corp. – closed
Principal Mortgage Fund, Inc. – to buy Fair Home Lending Financial, Inc.
Priority Funding Mortgage Bankers – believed to have ceased operations
Property Finance Group (New Zealand) – halted trading amid liquidity concerns
Prospect Mortgage Co. LLC – buying Fidelity Trust Mortgage Inc.
Pulte Homes – 2,000 layoffs
Quality Home Loans – filed for bankruptcy, sold to hedge fund manager Michael Klein
Quick Loan Funding – layoffs, now reported closed
Quicken Loans Inc. – suspended new hiring
QuoteMeARate.com Inc. – closed
QHL Holdings Fund Ten LLC – filed for bankruptcy
RAMS Home Loans (Australia) – warned of profit losses after only two weeks on stock market
Regions Financial Corp. – closed warehouse lending unit
ResCap – bankruptcy fears
ResCap – layoffs
Residential Capital LLC – cutting roughly 1,000 jobs (GMAC company)
ResMae Mortgage Corp. – layoffs, bankrupt/for sale, closing Dallas facility
ResMae Mortgage Corp. – halted loan submission, cut over 150 jobs
Resource Bank – selling mortgage-related assets to Monarch Bank
Right Away Mortgage – closed
RFC – layoffs
Rose Mortgage Corp. – closed
Santa Cruz Mortgage – suspended operations indefinitely
Saxon – layoffs, closed correspondent unit
SCME – ceases wholesale operations
SCME Mortgage Bankers Inc. – layoffs, branch closures
Scottish RE – large subprime exposure drops stock into dangerzone
Sea Breeze Financial Services, Inc. – Irvine, CA lender apparently closed
Sebring Capital Partners – closed
Secured Bankers Mortgage Company – halted operations
Secured Funding – closed
Shearson Financial Network – to acquire Dollar Mortgage Corp. (fell through)
Sierra Pacific Mortgage – closed several branches
Silver State Mortgage – closed
Solent Mortgage Services – layoffs expected
Solutions Funding – closed
Southern Star Mortgage – cut wholesale lending

Southern Star Mortgage – halts loan origination
Southstar Funding – closed
Sovereign Bancorp – greatly reduced wholesale operations
Spectrum Financial Group – files bankruptcy
Starpointe Mortgage – closed
Steward Financial – closed
Stone Creek Funding – closed
SouthStar Funding – closed
Summit Financial Group Inc. – closed residential mortgage unit
Summit Mortgage Co. – to close
Sunset Direct Lending – closed
The Lending Connection – believed to have laid off staff and ceased operations
The Money Store – will take over Amstar Mortgage branches
The Mortgage Store Financial Inc. – rumored to have ceased lending, laid off most of staff
The Mortgage Warehouse – closed
Thornburg Mortgage – 5 downgrades, selling assets, denied BK, facing Wachovia lawsuit
TransLand Financial Services – facing involuntary Ch. 11 bankruptcy petition, layoffs
Transnational Financial Network – suspended wholesale lending operations
Tri-Star Lending Group – acquired by Impac Mortgage Holdings
Trojan Lending – ceased wholesale production
Trump Mortgage – closed
UBS Home Finance – stops wholesale lending
United Equity LLC (Baltimore) – shut down
Universal American Mortgage Co. – shut down its processing center, 57 layoffs
Unlimited Loan Resources – closed
Upland Mortgage – filed Chapter 11 bankruptcy
USA Federal Credit Union – layoffs
Valley Vista Mortgage – shut down all operations
Velocity Commercial Capital, LLC – layoffs reported
Vertex – to cut 55 jobs related to DB Mortgages account (Deutsche Bank UK)
Vertice (Wachovia unit) – undisclosed number of job cuts in third quarter of 2007

Vertice (wholesale mortgage unit of Wachovia) – cutting 40 more jobs
Victoria Mortgage Funding – closed (UK subprime lender)
Virtual Bank Mortgage – now Lydian Mortgage
Vision Development Group of Broward County LLC (condo developer) – Ch. 11 bankruptcy
Wachovia – closed Equibanc, 115 layoffs in bay area
Wachovia Corp. – to cut 200 positions in corporate and investment banking unit
Warehouse USA – closed

Washington Mutual – layoffs, halting subprime lending
Washington Mutual – laying off 50 in Capital Markets
Washington Mutual – cuts Commercial Correspondent/Wholesale Lending
Washington Mutual – layoffs, exited warehouse/correspondent market
Washington Mutual – layoffs as high as 1,000, closing 3 fulfillment centers
Washtenaw Mortgage Company – closed
WCI Communities – cut 575 jobs
Webster Bank – to cease wholesale lending effective Nov. 30th
Wells Fargo Alternative Lending Wholesale – closed, layoffs nationwide
Wells Fargo Home And Consumer Finance Group – layoffs
Wells Fargo – layoffs in home equity division
WestWorks Mortgage – closed
Winstar Mortgage – ceased operations
WMC – GE’s subprime unit cut 460 jobs, reported closed and for sale
WMC Mortgage – layoffs
WNS (India outsourcing) – redeploying employees due to mortgage shakeup
World Savings – sold to Wachovia
WSB Financial Group Inc. – cutting 33 mortgage jobs
XBancorp – closed wholesale
Xceed Mortgage Corp. (Canada) – issued profit warning, halted dividend

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From: "List of Mortgage Closures, Mergers and Layoffs" (List last updated on December 19, 2007)
Source: http://www.thetruthaboutmortgage.com/a-list-of-recent-mortgage-closures-mergers-and-layoffs/ (http://www.thetruthaboutmortgage.com/a-list-of-recent-mortgage-closures-mergers-and-layoffs/)

Title: [Hilmar Kopper erlangte bittere Berühmtheit... (Notiz, BRD, Schneider)]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 22, 2007, 12:56:41 PM
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[...] Utz Jürgen Schneider (* 30. April 1934 in Frankfurt am Main) ist ein ehemaliger deutscher Immobilienunternehmer, der nach einer aufsehenerregenden Milliardenpleite im Jahre 1994 zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Zuvor hatte er sich vor allem durch die aufwändige Sanierung historischer Immobilien in Frankfurt, München, Leipzig und Berlin einen Namen gemacht.

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http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Schneider (http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Schneider) (12/2007)

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[...] Hilmar Kopper (* 13. März 1935 in Oslanin, Kreis Putzig, Westpreußen) ist ein deutscher Bankmanager.

[...] Kopper wurde als zweites von vier Kindern eines Landwirts in Westpreußen geboren. Er begann seine Karriere 1954 bei der Deutschen Bank AG als Lehrling und blieb diesem Institut sein ganzes Berufsleben über treu. 1960 wurde er Leiter der Filiale Leverkusen, 1977 Mitglied des Vorstands. Nach der Ermordung Alfred Herrhausens 1989 wurde Kopper zum Sprecher des Vorstands bestellt. Sein Nachfolger im Amt wurde 1997 Rolf-E. Breuer.

Im Winter 2003 hat Kopper in dem Theaterstück „Kölner Devisen“, das im ehemaligen Straßenbahndepot in Frankfurt-Bockenheim aufgeführt wurde, mitgewirkt. Das Stück ist die theatralische Umsetzung der Vorgänge um den Zusammenbruch der Kölner Privatbank Herstatt in den siebziger Jahren.

Kopper ist in zweiter Ehe seit 2003 mit Brigitte Seebacher-Brandt, der Witwe von Willy Brandt, verheiratet.

Kopper ist Mitglied im Steering Comitee der Bilderberg-Konferenzen.

[...] Hilmar Kopper bezeichnete 1994 auf einer Pressekonferenz die den von Immobilien-Pleitier Jürgen Schneider engagierten Handwerkern entstandene Schadenssumme in Höhe von ca. 50 Millionen DM als Peanuts.


http://de.wikipedia.org/wiki/Hilmar_Kopper (http://de.wikipedia.org/wiki/Hilmar_Kopper) (12/2007)

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[...] Die Bilderberg-Konferenzen sind informelle private Treffen von einflussreichen Personen aus Politik, Wirtschaft, Militär, Gewerkschaften, Medien und Hochschulen. Die meisten Teilnehmer kommen aus NATO-Staaten, seit 1989 nehmen zunehmend Personen aus anderen Staaten an den Konferenzen teil.

Die Konferenz wurde zum ersten Mal im Mai 1954 im Hotel de Bilderberg in Oosterbeek (Niederlande) veranstaltet. Bei der „Bilderberg-Gruppe” handelt es sich um keine formelle Organisation, es existieren weder Mitgliedschaft, Gründungsvertrag noch ein gewählter Vorsitz.

[...] Die Auslagen für die Durchführung der Bilderberg-Konferenzen werden vollständig durch Spenden gedeckt, wenngleich die erste Konferenz indirekt durch den US-Geheimdienst CIA finanziert wurde; die Auslagen setzen sich zusammen aus den Kosten für das Sekretariat sowie die Druckkosten für die nicht-öffentlichen Protokolle der einzelnen Konferenzen. Die Kosten für die jeweilige Bilderberg-Konferenz werden vom gastgebenden Land getragen, die Anreise von jedem Teilnehmer selbst, ebenso die Verpflegung. Private Stiftungen, welche der Gruppe zur Verfügung gestellt werden, erleichtern die jährlichen Planungen erheblich (Allein die Hotelkosten für die 3-tägige Konferenz in Wiesbaden 1966, beliefen sich auf 150.000.- DM). Allerdings haben sich etliche bundesdeutsche Politiker die ihnen entstandenen Kosten über ihr Landes- bzw. das Bundes-Parlament finanzieren lassen, in einigen Fällen wurden auch Studienreisen inoffiziell angeschlossen und über Steuergelder abgerechnet.

[...] Die strenge Geheimhaltung der Gesprächsthemen der Konferenzen lieferte häufig Stoff für Verschwörungstheorien. So behauptet der amerikanische Verschwörungstheoretiker Des Griffin in seinem Buch Die Herrscher – Luzifers fünfte Kolonne, die Bilderberger strebten eine „Weltdiktatur” im Sinne einer Neuen Weltordnung an und würden ihre diesbezüglichen Pläne „erbarmungslos weiterentwickeln”[3]. Der deutsche Autor Andreas von Retyi spekuliert darüber, ob sie nicht hinter den Morden an Alfred Herrhausen und Olof Palme stecken würden, die sich angeblich gegen sie gestellt hätten. Für die rechtskonservative amerikanische Zeitschrift The Spectator war im Mai 1993 die Tatsache, dass von den Treffen der Bilderberger trotz der hohen Prominenz der Teilnehmer nichts veröffentlicht wird, bereits Anlass genug, über ihre Macht auch über die Medien zu spekulieren: „Die Bilderberger sind zu mächtig und zu allgegenwärtig, als dass man öffentlich über sie berichten könnte”.[4] Der belgische Soziologe Geoffrey Geuens von der Université de Liège widmete den Bilderbergern ebenfalls ein Kapitel in einem seiner Bücher. Obwohl Geuens die zwanghafte Geheimhaltung der Bilderberger missbilligt, schließt er sich keinen Verschwörungstheorien an. Er benutzt das Beispiel der Bilderberger, um aufzuzeigen, wie Macht funktioniert und welche engen Beziehungen zwischen Politik, Wirtschaft und den Medien bestehen.[2] Ron Paul, Kandidat der US-Präsidentschaftswahl 2008, äußerte im Juni 2007 unter anderem gegenüber Alex Jones den Wunsch, dass die Teilnahme an der Konferenz in Istanbul von Gouverneur Rick Perry wegen einer möglichen Verletzung des Logan Acts untersucht werden möge. Dadurch, dass Perry keine Autorisierung zum Beiwohnen eines Bilderbergtreffens durch den US-Kongress, der Regierung oder des amerikanischen Volkes erhalten habe, sehe er Anzeichen dafür, dass Perry in eine internationale Verschwörung verwickelt sei.


Aus: "Bilderberg-Konferenz" (12/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bilderberg-Konferenz (http://de.wikipedia.org/wiki/Bilderberg-Konferenz)



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[...] Er wirkte seriös und verlässlich - und war ein beispielloser Betrüger: Jürgen Schneider richtete mit frisierten Immobiliengeschäften einen Milliardenschaden an. Vor zehn Jahren wurde der Baulöwe in einem spektakulären Prozess verurteilt.

[...] Als seine Betrügereien im Frühjahr 1994 durch einen Artikel in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ruchbar wurden, setzte sich Schneider gemeinsam mit seiner Ehefrau in die USA ab. Er musste damit rechnen, dass nun all die absurden Verträge überprüft würden. Zu diesem Zeitpunkt hatte er längst den Überblick über sein Imperium verloren. In einem Brief an die Deutsche Bank warnte er noch vor seiner drohenden Zahlungsunfähigkeit - und überwies sich vor seiner Flucht selbst noch rasch 245 Millionen Mark auf ein Schweizer Konto.

Erst im Mai 1995 spürten Ermittler ihn in Miami auf. Die Fotos des zerzausten alten Mannes mit sonnengegerbter Haut gingen um die Welt. Im Februar 1996 wurde Schneider nach Deutschland ausgeliefert und kam in Untersuchungshaft.

Was folgte, war ein langes Leiden - vor allem für die deutsche Bankenszene. Im wohl spektakulärsten Wirtschaftsprozess der Bundesrepublik vor dem Frankfurter Landgericht wurde zwar in erster Linie Schneider angeklagt, namentlich wegen Betrugs, Kreditbetrugs und Urkundenfälschung. Doch vor den Augen der Republik stand auch die Sorglosigkeit, ja Unfähigkeit mancher deutscher Finanzinstitute am Pranger. Mehr als 50 Zeugen sagten in dem Mammutverfahren aus. Schneider legte ein Teilgeständnis ab und verwies auf die Mitverantwortung der Banken. Dann schwieg er mehrere Tage lang und trieb Richter Heinrich Gehrke so zur Weißglut. Vor zehn Jahren, am 23. Dezember 1997, fällten die Richter ihr Urteil und verdonnerten den Pleitier zu sechs Jahren und neun Monaten Gefängnis. Kritikern zufolge war das noch ein zu mildes Urteil angesichts des Milliardenschadens, den Schneider angerichtet hatte.

Schneider hatte das Geld in Prachtbauten und historische Immobilien in innerstädtischen Bestlagen sowie in aufwändige Sanierungen investiert. Darunter waren bundesweit bekannte Bauten: Die Hackeschen Höfe und das Kurfürsteneck in Berlin, der Frankfurter Fürstenhof und die Zeilgalerie sowie die Mädler-Passage und der Barthels Hof in Leipzig erstrahlten in neuem Glanz.

Das Problem war nur: All diese Gebäude waren nur drei Milliarden Mark wert und brachten viel weniger Miete ein als Schneider den Banken zugesichert hatte. Um seine defizitären Bauten zu finanzieren und neue Kredite zu bekommen, startete der Baulöwe immer neue Projekte. Am Ende gehörten Schneider 168 Objekte, er war Deutschlands größter privater Immobilienbesitzer - und zugleich größter Darlehensnehmer. Die erhofften Rekordgewinne blieben jedoch aus.

Schneider gab sich während des Prozesses und auch danach davon überzeugt, er habe das Bild vieler deutscher Städte durch einmalige Bauten geprägt. Doch ein Teil des Geldes, das ihm die Banken gaben, verschwand in seiner Tasche. "Ich bin kein Unschuldslamm und habe viele Fehler gemacht, die ich heute bereue", sagte er während seiner Untersuchungshaft. Aber er deutete damit an: Auch andere haben sich zu verantworten - allen voran die Banken.

"Wo hat es so etwas in Deutschland schon einmal gegeben, dass ein einzelner Privatmann, der praktisch aus dem Nichts auftauchte, binnen einer kurzen Zeitspanne zu einem der größten Häuserbauer und -besitzer aufsteigt, mit einem attestierten Nettovermögen von fast 5000 Millionen Mark, finanziert von einem halben Hundert deutscher Banken?", schrieb Richter Gehrke in die Urteilsbegründung. "Und der dann, nach dem unvermeidlichen Crash, bei Nacht und Nebel mit 245 Millionen flieht, ein Firmendesaster hinterlässt - und natürlich eine eindrucksvolle Phalanx der namhaftesten deutschen Geldinstitute, die wie begossene Pudel dastehen und sich krampfhaft, zum Teil unter Benutzung zweifelhafter Wortspiele, für ihre Gutgläubigkeit und ihr Versagen zu rechtfertigen suchen."

Nach Ansicht des Frankfurter Landgerichts trugen auch die Banken eine Mitschuld an der milliardenschweren Pleite. Die Bankiers handelten sorglos, fahrlässig, vielleicht auch dumm: Sie übernahmen blind die in Schneiders Kreditanträgen angegebenen Zahlen und gaben ihm Geld, darunter die NordLB, die BHF Bank oder die Deutsche Bau- und Bodenbank. Alle bemühten sich um den Kunden Schneider, wollten ihn keinesfalls der Konkurrenz überlassen und liehen ihm insgesamt Milliardensummen, die er nie wieder zurückzahlen konnte.

[...]

Größter Geldgeber Schneiders war die Deutsche Bank. Ihr damaliger Chef Hilmar Kopper erlangte bittere Berühmtheit, als er unbezahlte Handwerkerrechnungen aus Schneiders Geschäften in Höhe von 50 Millionen Mark als "Peanuts" abtat - die Bank erlitt einen erheblichen Imageschaden, "Peanuts" wurde zum Unwort des Jahres 1994 gewählt. Für viele Handwerker wurde aus der Schneider-Affäre ein existentielles Problem: Sie blieben auf ihren finanziellen Schäden sitzen. "Dass ich die Handwerker zu hart behandelt habe, tut mir heute noch leid", sagte Schneider in einer Vernehmung.

Er verließ das Gericht als Freigänger. Im Dezember 1999 hat er seine Strafe verbüßt. Heute lebt Schneider, inzwischen 73 Jahre alt, mit seiner Frau in München. Das schlechte Gewissen plagt ihn offenbar: Die Erlöse aus seinen inzwischen drei Büchern fließen in einen Hilfsfonds für jene Handwerker, die er einst geschädigt hat.


Aus: "Der Gauner mit der weißen Weste" Von Hasnain Kazim (2007)
Quelle: http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/1049/der_gauner_mit_der_weissen_weste.html (http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/1049/der_gauner_mit_der_weissen_weste.html)

Title: [manipulierten Mitarbeiter der Bank kontinuierlich... (Notiz, WestLB)]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 29, 2007, 01:09:55 PM
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[...] Die WestLB AG ist eine international tätige Geschäftsbank mit Sitz in Düsseldorf und Münster. Mit einer Bilanzsumme von 285 Mrd. Euro (2006) ist sie die neuntgrößte deutsche Bank

[...] Ein riesiger Neubau in London mit integrierten Fitnesscenter für die Investmentbanker waren äußerliche Höhepunkte der Internationalisierung. Nach riskanten Geschäften des Bereichs Principal Finance in London unter Robin Saunders ergab sich ein Bilanzverlust der Bank von 482,6 Millionen Euro. In der Folge des Bekanntwerdens der Probleme in den Jahren 2002 und 2003 traten zuerst der zuständige Arbeitsdirektor Andreas Seibert und kurze Zeit später auch der Vorstandsvorsitzende Jürgen Sengera und dessen Nachfolger Johannes Ringel von ihren Ämtern zurück. Die WestLB geriet insbesondere auch durch das schleppende Eingeständnis der Probleme in eine tiefe Krise. Als Konsequenz aus den gescheiterten Plänen einer internationalen Investmentbank wurden die risikoreichen Kreditengagements zurückgefahren und der Fokus zurück auf NRW als zentraler Dienstleister der Sparkassen zurückgefahren. Dabei wurden auch aufgrund der fehlenden kritischen Masse Teile des Investmentbankings aufgegeben und WestLB Panmure an Lazard verkauft. Durch die öffentlich-rechtlichen Eigentumsverhältnisse der Bank wurde die Schieflage auch in der Landespolitik aufgearbeitet.

Zum 1. August 2002 wurde die WestLB in die Landesbank NRW (heute: NRW.BANK) und in die WestLB AG aufgespalten. Die NRW.BANK betreibt als Anstalt des öffentlichen Rechts das so genannte „öffentliche Auftragsgeschäft“ für das Land Nordrhein-Westfalen (zum Beispiel Vergabe von Förderkrediten). Die WestLB AG betreibt in der Rechtsform der Aktiengesellschaft das sogenannte Wettbewerbsgeschäft als Geschäftsbank und als Zentralbank der rheinischen und der westfälischen Sparkassen.


Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/WestLB (http://de.wikipedia.org/wiki/WestLB) (12/2007)

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[...] Hamburg - Im Vorfeld der Verluste im Eigenhandel der WestLB, die sich im vergangenen Jahr auf über 600 Millionen Euro beliefen, manipulierten Mitarbeiter der Bank kontinuierlich die Kurse von VW-Vorzugs- und Stammaktien. Das geht aus mehreren Prüfberichten hervor, die der Bank - aber auch der Staatsanwaltschaft - inzwischen vorliegen.


Aus: "Verdacht der Manipulation im WestLB-Eigenhandel erhärtet" ( 29. Dezember 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,525802,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,525802,00.html)

Title: [Société Générale, abgekürzt SG... (Notiz, République française)]
Post by: Textaris(txt*bot) on January 26, 2008, 01:40:05 PM
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[...] Société Générale, abgekürzt SG, ist eine der wichtigsten Geschäftsbanken Frankreichs und gehört zusammen mit dem Crédit Lyonnais und der BNP Paribas zu den drei ältesten Geschäftsbanken („les trois vieilles“). Ihr ursprünglicher Name lautet Société Générale pour favoriser le développement du commerce et de l’industrie en France (= Allgemeine Gesellschaft zur Förderung der Entwicklung des Handels und der Industrie in Frankreich).

[...] Wie die Société Générale am 24. Januar 2008 in einer Pressemitteilung bekannt gab, erwirtschaftete die Bank in den vorangegangenen Tagen einen Eigenhandelsverlust in Höhe von rund 4,9 Milliarden Euro. Dafür verantwortlich sei der 31-jährige Angestellte Jérôme Kerviel, dessen eigentliche Aufgabe darin bestand, kleinere Geschäfte auf europäische Aktienindizes mit Futures abzusichern.[1]

Darüber hinaus muss die Société Générale aufgrund der US-Immobilienkrise noch Abschreibungen von 2,05 Mrd. Euro im vierten Quartal 2007 vornehmen. Die Verluste sollen über eine Kapitalerhöhung von 5,5 Milliarden Euro ausgeglichen werden. Die Bank geht von einem Nettogewinn 2007 zwischen 600 und 800 Millionen Euro aus.[2]

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Aus: "Société Générale" (01/2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Soci%C3%A9t%C3%A9_G%C3%A9n%C3%A9rale (http://de.wikipedia.org/wiki/Soci%C3%A9t%C3%A9_G%C3%A9n%C3%A9rale)

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[...] Die Großbank Société Générale hatte am vergangenen Donnerstag durch die riskanten Finanzoperationen Kerviels einen außerordentlichen Verlust von 4,9 Milliarden Euro bekanntgeben müssen.

Auf der Suche nach verwertbaren Unterlagen zur Aufklärung des Falles hat die französische Polizei die Wohnung von Kerviel durchsucht und offenbar etliche Dokumente beschlagnahmt. Ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete, dass das Schloss der Wohnung im Pariser Nobel-Vorort Neuilly aufgebrochen wurde. Augenzeugen sagten, dass mehrere Polizisten in die Wohnung eindrangen und sie am Abend mit Koffern verließen. Die Ermittler nahmen auch die Hauptverwaltung der Société Générale unter die Lupe.

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Aus: "DESASTER BEI SOCIÉTÉ GÉNÉRALE: Milliarden-Zocker Kerviel soll auf Dax gewettet haben" (26. Januar 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,531178,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,531178,00.html)

Title: [Sachverhalt "lückenlos aufgearbeitet"... (Notiz, Siemens)]
Post by: Textaris(txt*bot) on January 26, 2008, 02:05:57 PM
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[...] In der Siemens-Schmiergeldaffäre sind nach Informationen der Süddeutschen Zeitung vom Konzern eingeschaltete Ermittler in einem weiteren Geschäftsfeld auf ein rätselhaftes Finanzsystem gestoßen. Hinweisen an den Aufsichtsrat zufolge könnten im Unternehmensbereich Medizintechnik gut 140 Millionen Euro in dunkle Kanäle geflossen sein, berichtet die Zeitung. Aufsichtsräte sprächen von möglicherweise ernsten Problemen im profitabelsten Geschäftsfeld, dessen Jahresumsatz etwa zehn Milliarden Euro betrage. Die US-Kanzlei Debevoise untersuche, ob es in dieser Sparte ähnliche Strukturen wie im Bereich Telekommunikation gegeben habe.

Wie das Handelsblatt berichtet, könne Thomas Stinnesbeck, ehemaliger Vertriebsleiter der Siemens-Tochter Siemens Audiologische Technik (SAT), belegen, dass er bereits im Juni 2004 den Medizintechnik-Spartenvorstand Erich Reinhardt und den damaligen Vorstandsvorsitzenden Heinrich von Pierer schriftlich über "Schwarzgeldgeschäfte" unterrichtet habe. Laut Siemens handle es sich bei den fraglichen Zahlungen jedoch nicht um "Schwarzgeld", sondern um die Vergütung regulär erzielter Rabatte. Eine interne Revision habe den Sachverhalt "lückenlos aufgearbeitet", zitiert das Handelsblatt einen Siemens-Sprecher. (jk/c't)

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24. Januar 2008 3:35
An die Dämlichen: Haltet die Klappe !
Mario Schmid, Mario Schmid (767 Beiträge seit 21.10.01)

Siemens benötigt wie jeder andere westliche Konzern ein probates
Finanzsystem für Sonderausgaben (Schmiergeld) um überhaupt eine
realistische Chance auf Aufträge zu haben !

Und genau davon hängen EURE Arbeitsplätze, und über die Steuern und
finanzierte Infrastruktur auch EURE Lebensqualität ab. Selbst das
Geld für die Sozialhilfeempfänger muß ja irgendwann irgendwo einmal
verdient werden.

Ob das schön ist und so sein sollte ist eine reine Luxusdiskussion,
zuvorderst muß man sich ersteinmal in der Realität beweisen. Und
genau das tun Siemens und Co.
In Afrika und Südamerika oder dem Nahen Osten bekommt man nun einfach
mal keine Milliardenaufträge, wenn die Konkurrenz aus Europa, USA und
Asien ähnlich gute Produkte liefert und ganz bestimmt auch kräftig
die Schmiergeldschubkarren belädt.
Solange das UNSEREN Unternehmen, also UNSEREN Gehalts/Steuerzahlern
und Wohlstandserkämpfern zugute kommt hat es OK zu sein.
Dort draußen herrscht schließlich Krieg, wenn auch nicht immer Bomben
fliegen.

Ich bin diesem selbstschädigendem Gutmenschengeseier einfach mal
überdrüssig.
Und jetzt macht den Beitrag ruhig rot ihr Typen mit dem Horizont
eines Klohäuschenbenutzers.



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24. Januar 2008 8:17
An alle "Schmiergeld ist doch normal"-Brüller:
IEEE802.1q (mehr als 1000 Beiträge seit 01.07.02)


Zitat aus dem Spiegel Online Artikel

"Dabei seien Händlern von Siemens-Hörgeräten zunächst Rabatte
gestrichen worden. Dann wurden in Höhe dieser Rabatte Flugtickets
beim Reisedienst Med Travel gekauft. Diese Flugtickets wurden aber
nicht genutzt, sondern sofort gegen Bargeld getauscht."

So , und jetzt guck mal auf deine Gehaltsabrechnung wieviel Du und
dein Arbeitgeber jeden Monat in das Gesundheitssystem zahlen ...


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24. Januar 2008 0:40
Warten wir mal ab...
Weihnachtshase (594 Beiträge seit 26.03.05)

..wie lückenlos lückenlos wirklich ist. Ich fordere auf jeden Fall
Kochsche brutalstmögliche Aufklärung. Mindestens!



Aus: "Siemens-Ermittler stoßen erneut auf dubioses Finanzsystem" (24.01.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/102338 (http://www.heise.de/newsticker/meldung/102338)

Title: [Scheinrechnungen für EDV-Dienstleistungen... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on January 30, 2008, 01:01:12 PM
Quote
[...] Das Stuttgarter Landegericht hat einen früheren Daimler-Manager wegen millionenschwerer Untreue zu fünfeinhalb Jahren Haftstrafe verurteilt. Nach Darstellung der Anklage hatte der ehemalige Controller jahrelang Scheinrechnungen für EDV-Dienstleistungen angewiesen, obwohl die Leistungen nicht erbracht worden waren. Dem damaligen DaimlerChrysler-Konzern sei durch die Machenschaften des 42-jährigen Computerspezialisten ein Schaden von mehr als 22 Millionen Euro entstanden.

Damit entsprach das Gericht der Strafforderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte gebeten, die 26-monatige Untersuchungshaft des Verurteilten zu berücksichtigen und die Haftstrafe daher niedriger anzusetzen. Die Ermittler waren den dubiosen Geschäften während einer Steuerprüfung bei einer Firma des früheren Daimler-Managers auf die Spur gekommen.

Die illegalen Machenschaften spielten sich den Ermittlungen zufolge von November 2000 bis November 2005 ab. Der internen Revision des Autobauers waren die Betrügereien nicht aufgefallen. Der 42 Jahre alte Manager hatte in dem Verfahren vor dem Landgericht ein Geständnis abgelegt. Ein Großteil des ergaunerten Geldes wurde sichergestellt und soll an Daimler zurückfließen. Dem Mann wurde neben besonders schwerer Untreue auch noch Urkundenfälschung und Steuerhinterziehung zur Last gelegt.


Aus: "Millionenbetrüger: Ex-Manager von Daimler muss ins Gefängnis" (30. Januar 2008)
Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article1613112/Ex-Manager_von_Daimler_muss_ins_Gefaengnis.html (http://www.welt.de/wirtschaft/article1613112/Ex-Manager_von_Daimler_muss_ins_Gefaengnis.html)

Title: [Siegelbruch... (Notiz, Eon)]
Post by: Textaris(txt*bot) on January 31, 2008, 10:13:07 AM
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[...] Die EU-Kommission warf Eon am Mittwoch vor, nach einer Durchsuchung von Geschäftsräumen des Konzerns im Mai 2006 sei ein von den Ermittlern angebrachtes Siegel aufgebrochen worden.

In dem versiegelten Raum hätten sich Unterlagen zu mutmaßlichen Wettbewerbsverstößen auf den deutschen Energiemärkten befunden, hieß es.

[...] Eon lieferte laut Kommission verschiedene Erklärungen für die Beschädigung des Siegels. "Keine der angegebenen Erklärungen erwies sich als stichhaltig", betonte die Kommission.

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30.01.2008 14:39:39

Diaula: Putzfrau oder E.on Mitarbeiter ....

.... beides denkbar.

Nur: man müsste halt schon den BEWEIS führen, bevor man jemand aufs Schafott führt.
Eine Tat muss nicht nur "logisch" sein, sondern auch bewiesen werden können.
Unser gesamtes Rechts-System beruht auf diesem Grundsatz.


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30.01.2008 14:14:19

HH07: Kein Willkür! Sondern Fakt!

Wer schon einmal gesehen hat wie ein amtliches Siegel angebracht ist, dem ist klar, dass ein ordnungsgemäß angebrachtes Siegel nicht durch eine Putzfrau versehentlich zerstört werden kann. So etwas muss bewusst und gewollt geschehen. Nur durch Siegelbruch kommt man an die verräterischen Akten und sonstigen Unterlagen wieder heran. Wer bitte, außer den Beschäftigten von Eon, hatte Zugang zum Raum oder Interesse am Rauminhalt? Die großen Unbekannten? Nein! Das Bußgeld ist vielleicht sogar noch zu niedrig für diesen Konzern!


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30.01.2008 14:13:53

Kain E. Ahnung: @ Diaula

...oder jemand hat sein Pausenbrot im Raum vergessen und es nur herausgeholt.

Sicher, sicher!





Aus: "Eon: 38 Millionen Euro Strafe für Siegelbruch" (30.01.2008)
http://www.sueddeutsche.de/,tt1m1/wirtschaft/artikel/636/155231/ (http://www.sueddeutsche.de/,tt1m1/wirtschaft/artikel/636/155231/)

Title: [Potentatengeld... (Global, Kapitalflucht, Korruptionsgelder)]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 04, 2008, 10:49:24 AM
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[...]  The United Nations Convention against Corruption, ratified by 107 nations, came into force three years ago and requires members to make corruption a criminal offence, as well as binding them to cooperate with each other over graft and to return stolen assets.

"Stolen assets rot quickly in idle bank accounts, rusty yachts, decaying real estate and devalued securities," Costa said in an earlier speech at the opening of the conference.

Huguette Labelle, chairwoman of Transparency International, said in an interview on Monday she was worried about the failure of some global financial centres -- such as Liechtenstein, Singapore and Switzerland -- to ratify the anti-graft convention.

Anton Thalmann, Swiss deputy state secretary, said his nation had returned $1.6 billion over 20 years to nations of origin and that "Swiss banking secrecy laws do not protect crooks".

"If you want to have an efficient sustainable financial centre you have to keep it clean," said Thalmann, adding separately to Reuters that Switzerland was expected to sign up soon to the convention.

Bribes received by public officials from less developed countries are put at $20 billion to $40 billion per year, or between 20 to 40 percent of official development assistance.

Robert Klitgaard, a corruption expert at Claremont Graduate University in Los Angeles, told a lecture at the conference that it was key to make an example of some high-profile corruptors.

"If a few big fish are fried and they see that" it sends a powerful signal, he said.


From: "UN graft meeting seeks new ways to chase the money" By Ed Davies (29 Jan 2008)
Source: http://africa.reuters.com/top/news/usnBAN939620.html (http://africa.reuters.com/top/news/usnBAN939620.html)

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[Ein Potentat] ... ist das Oberhaupt eines Stammes, Volkes, Reiches oder Landes. Im europäischen Raum wurden Herrscher beispielsweise Monarch, Zar, Kaiser, König, Herzog, Graf/Markgraf oder Fürst genannt.

Das Wort Regent wird meist für einen Herrscher gebraucht, der die Regierungsgewalt stellvertretend für einen anderen, als legitimen anerkannten Herrscher ausübt, der daran (z.B. durch Krankheit oder durch sein jugendliches Alter) gehindert ist.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Potentat (http://de.wikipedia.org/wiki/Potentat) (02/2008)


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[...]  Insbesondere die USA, Großbritannien und die Schweiz haben mittlerweile einige Erfahrung mit der Rückgabe von Korruptionsgeldern gemacht. Auf Bali hob die US-Delegation laut einem indonesischem Zeitungsbericht hervor, dass sie erst kürzlich 20 Millionen US-Dollar an Peru rücküberwiesen habe, ohne komplizierte rechtliche Verfahren eingefordert zu haben. Kuwait wiederum erklärte die von ihm durchgesetzten Rückforderungen an Großbritannien für vorbildlich: Nach einem neunjährigen Strafverfahren gegen korrupte Politiker und Geschäftsleute habe der Ölstaat 548 Millionen USD zurückerhalten – die Kosten für den Rechtsstreit hätten dabei übrigens bei "nur" 7 Prozent dieser Summe gelegen.

Die meiste Erfahrung mit der Rückgabe gestohlener Gelder kann aber nach wie vor die Schweiz vorweisen: Sie habe in den vergangenen zwanzig Jahren insgesamt 1,6 Milliarden US-Dollar an "Potentatengeldern" rückführen können, [extern] erklärte der stellvertretende Staatssekretär Anton Thalmann.

Indonesien seinerseits, wo Suharto während seiner jahrzehntelangen Regierungszeit mehr als 15 Milliarden US-Dollar außer Landes geschafft haben soll, hat jetzt erklärt, ein Ermittlungsverfahren gegen dessen Kinder einleiten zu wollen. Zu Lebzeiten des Diktators, der vor kurzem gestorben war, war bereits ein Verfahren gegen Suhartos angebliche "Wohltätigkeits"-Stiftung eröffnet worden, die 240 Millionen USD an Staatsgeldern veruntreut haben soll. Ansonsten hatte es das Land bisher nicht gewagt, rechtliche Schritte gegen seinen langjährigen Regierungschef einzuleiten. Doch auch Personen niedrigeren Ranges scheuten nicht davor zurück, erhebliche Summen ins Ausland zu transferieren: Die Schweiz und Australien sind auf verdächtige Einzahlungen von indonesischen Bankdirektoren gestoßen und haben daraufhin - in der Schweiz - Konten von fast 15 Millionen Dollar gesperrt, beziehungsweise - in Australien - nach beendeten Rechtsverfahren 600 000 Dollar zurücküberwiesen.

Bleibt die Frage, was dann mit den rücküberwiesenen Geldern passiert? Gehen die Nachfolgeregierungen verantwortlicher damit um? Einige Länder verknüpfen die Rückgabe der Gelder deshalb mit der Auflage, dass sie für soziale Zwecke ausgegeben werden müssen. Auch die StAR-Initiative von Weltbank und UNODC will darauf ein zentrales Augenmerk richten. Die Erwartungen - auch von Seiten von Menschenrechtsorganisationen, die ebenfalls auf einer Kontrolle der rücküberführten Gelder pochen - sind groß. Im Norden sprechen bereits einzelne Politiker davon, dass mit den Rückflüssen der Korruptionsgelder ein neuer Weg gefunden werden könne, um die Umsetzung der [extern] Millenniumsentwicklungsziele schneller zu erreichen:

Es ist bedauerlich, dass das Thema der illegalen Finanzflüsse aus Entwicklungsländern noch keinen Eingang in die Debatte um Entwicklungsfinanzierung gefunden hat. Bei Kapitalfluchtgeldern geht um riesige Summen – vergleichen Sie die mal mit den 150 Milliarden USD, die es für die Umsetzung der Millennium-Entwicklungsziele braucht!
Elisabeth Droyer, Norwegen, in einer Rede am 1.11.2007


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4. Februar 2008 1:35, videomartin

[...] Wenn die Schweiz "freiwillig" 1,6 Milliarden rausrückt(e), dürfte das
jedoch nur ein Tropfen auf dem heissen Stein gewesen sein.


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4. Februar 2008 10:28
warum in die Ferne schweifen?
gatito (mehr als 1000 Beiträge seit 21.06.05)

..., wenn das Gute liegt so nah?
Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah...

> Der Praxis, dass korrupte Potentanten, Regierungsmitglieder und
> Bürokraten aus den Entwicklungsländern illegal Gelder auf westliche
> Banken transferieren, soll Einhalt geboten werden

Das habe ich dem Koch so oft gesagt, aber er wollte ja nicht auf mich
hören. Er meint, Hessen wäre kein Entwicklungsland, und illegal ist
scheißegal.



Aus: "Aufspüren und Rückführug von "Potentatengeldern"" Bettina Stang (04.02.2008)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27204/1.html (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27204/1.html)


Title: [Beraterhonorare und Provisionen... (Notiz, UNICEF)]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 04, 2008, 12:43:26 PM
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[...] An der Basis fordern Arbeitsgruppen verstärkt Garlichs' Rücktritt. Es herrsche "blankes Entsetzen", sagte Klaus Hoppe von der Arbeitsgruppe Frankfurt der Zeitung. Dass jetzt die um Aufklärung bemühte Vorsitzende Simonis gehen müsse, sei "der Gipfel der Verlogenheit" bei Unicef. "Garlichs muss zurücktreten, das wäre der am dringendsten erforderliche Schritt", so Hoppe. Der Geschäftsführer habe sich "nie mit der moralischen Verantwortung von Unicef identifiziert".

Ausgelöst wurde der Streit bei Unicef durch Vorwürfe von Verschwendung und Misswirtschaft. Unter anderem wurden hohe Beraterhonorare und Provisionen für Spendenvermittler kritisiert, sodass auch die Staatsanwaltschaft ermittelte.

hen/dpa/AP/Reuters


Aus: "MISSWIRTSCHAFT: Wirtschaftsprüfer und Simonis belasten Unicef" (04. Februar 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,532871,00.html (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,532871,00.html)

Title: [Eindringlich rief Bush den Kongress auf... (Notiz, Militärausgaben)]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 05, 2008, 11:38:52 AM
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[...] Der Ausgabenplan prognostiziert für dieses und das kommende Jahr ein riesiges Defizit von rund 400 Milliarden Dollar. Dies wäre gegenüber dem für 2007 berechneten Defizit von 163 Milliarden mehr als eine Verdoppelung. Die Deckungslücke könnte sich wegen der schwächelnden US-Wirtschaft sogar noch weiter vergrößern. Ein weiteres Risiko sind die Kosten für die Kriege im Irak und in Afghanistan, die Bush in dem Entwurf nicht voll berücksichtigt hat. Eingeplant sind lediglich 70 Milliarden Dollar für 2009, die tatsächlichen Kosten dürften sich jedoch auf zwei Billionen Dollar belaufen.

Wie in den vergangenen Jahren sieht der Plan die höchsten Steigerungsraten in den Bereichen äußere und innere Sicherheit vor. Die Verteidigungsausgaben sollen um etwa sieben Prozent auf 515 Milliarden Dollar steigen, wie vorab aus Regierungskreisen verlautete. Der Etat des Heimatschutzministeriums soll sogar um fast elf Prozent wachsen. Ein großer Ausgabenposten entfällt dabei auf die Verstärkung der Grenzsicherung.

Einsparungen soll es dagegen im Sozialbereich geben. So soll etwa der Kostenanstieg bei den Gesundheitsprogrammen für Rentner (Medicare) und Arme (Medicaid) gebremst werden. Bushs Plan sieht in diesem Bereich Einsparungen im Umfang von 200 Milliarden Dollar in den kommenden fünf Jahren vor. Dies ist eine Verdreifachung des im vergangenen Jahr geforderten Einsparvolumens.


Aus: "Bush rechnet mit riesigem Haushaltsdefizit" (04. Feb. 2008)
Quelle: http://www.netzeitung.de/ausland/893117.html (http://www.netzeitung.de/ausland/893117.html)

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[...] Washington (dpa) - Trotz leerer Kassen und steigender Schulden will US-Präsident George W. Bush im letzten Haushalt seiner Amtszeit eine erneute drastische Erhöhung der Militärausgaben durchsetzen.

Er legte am Montag einen Etatentwurf für 2009 mit einem Rekordvolumen von 3,1 Billionen Dollar (2,09 Billionen Euro) und einem Megadefizit von 410 Milliarden Dollar (276,7 Milliarden Euro) vor. Die Militärausgaben sollen um 7,5 Prozent auf 515 Milliarden Dollar (347,57 Euro) steigen, Sozialprogramme wie die Gesundheitsversorgung aber erheblich gekürzt werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Konjunkturprogramm zur Ankurbelung der schwächelnden US-Wirtschaft.

«Unsere oberste Priorität ist es, unser Land zu verteidigen», begründete Bush seinen Vorschlag nach einer Kabinettssitzung am Montag in Washington. Erneut trat er für eine Festschreibung der in den Vorjahren beschlossenen Steuererleichterungen ein.

Dagegen kündigten die Demokraten im Kongress heftigen Widerstand an. «Der Entwurf trägt alle Kennzeichen des Bush-Erbes», kritisierte der demokratische Vorsitzende des Haushaltausschusses im Repräsentantenhaus, John Spratt. «Er sieht ein höheres Defizit vor, mehr Schulden, weitere Steuererleichterungen sowie weitere Kürzungen bei wichtigen Sozialleistungen.» Noch im vergangen Jahr lag das Defizit lediglich bei 163 Milliarden Dollar.

Bei den Militärausgaben sind US-Medienberichten zufolge nicht alle Ausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan enthalten. Es heißt, dazu seien zusätzlich 70 Milliarden Dollar (47,20 Milliarden Euro) vorgesehen. Falls Bushs Entwurf eine Mehrheit findet, handelt es sich um den elften Etat hintereinander mit einer Zunahme der Militärausgaben. Nicht zuletzt mit Blick auf die Präsidentenwahlen im Herbst erwarten Kommentatoren scharfe Auseinandersetzung mit dem Kongress.

Erstmals in der US-Geschichte soll der Haushalt die Drei- Billionen-Grenze sprengen. Im Jahr 2002 lag der Etat erstmals über der Zwei-Billion-Dollar-Grenze. Das enorme Anwachsen des Defizits auf über 400 Milliarden Dollar ist nach Angaben von Experten vor allem Folge des schwachen Wachstums der US-Wirtschaft sowie sinkender Steuereinnahmen.

Eindringlich rief Bush den Kongress auf, das 145-Milliarden-Dollar Konjunkturprogramm rasch zu verabschieden. «Dies muss Geld in die Hände der Konsumenten bringen und Initiativen für Kleinbetriebe und Großunternehmen schaffen.» Das Programm sieht vor allem einmalige Steuerrückzahlungen für Bürger und Erleichterungen für Unternehmen vor.


Aus: "Bush will Militärausgaben drastisch erhöhen" (05.02.2008 )
Quelle: http://newsticker.welt.de/index.php?channel=pol&module=dpa&id=16829160 (http://newsticker.welt.de/index.php?channel=pol&module=dpa&id=16829160)

Title: [Die "Geister"... (Notiz, Bogotá)]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 11, 2008, 11:58:45 AM
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[...] Bogotá - In einem grauen und einem roten Lieferwagen hätten mehrere Vermummte die Straßen der örtlichen Armenviertel durchfahren und dabei Geld unter die Leute gebracht, schreibt die Zeitung "El País Cali Colombia": "Ein Auto hielt neben uns, und jeder erhielt umgerechnet etwa 1000 Dollar", berichtete ein junger Mann.

Andere Bewohner der Stadt hätten Beträge von umgerechnet etwa 300 Dollar in ihren Briefkästen oder unter der Wohnungstür hindurchgeschoben gefunden, hieß es. Viele Beschenkte hätten das Geld für neue Schuluniformen und Lebensmittel ausgegeben, schreibt "El País Cali Colombia".

Augenzeugen berichteten, dass die Geldnoten nicht gefälscht seien. Zahlreiche Menschen blieben nach dem unerwarteten Geldregen die ganze Nacht auf, weil sie hofften, die "Geister" würden sich ein zweites Mal blicken lassen.

Der örtliche Polizeikommandant Paulo Emilio Gómez bestätigte die öffentliche Aufregung um die mutmaßliche Geschenkaktion - Beweise dafür habe er allerdings nicht. Die Behörden vermuten, dass es sich um Gelder aus Drogengeschäften handeln könnte.

ala/dpa


Aus: "KOLUMBIEN: Vermummte verschenken Millionen Pesos an Passanten" (11. Februar 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,534366,00.html (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,534366,00.html)

Title: [Delikaten Daten... (Liechtensteiner Landesbank)]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 16, 2008, 05:15:38 PM
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[...] Polizisten haben drei Männer aus Kiel und Rostock verhaftet. Sie sollen mitgeholfen haben, die Liechtensteiner Landesbank um Millionen zu erpressen - mit delikaten Daten, die ein Angestellter 2003 aus dem Geldinstitut geschleust hatte.

Rostock - Insgesamt neun Millionen Euro sollen die Erpresser seit 2005 von der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) kassiert haben, damit sie deren Kundendaten nicht ausplaudern. Jetzt hat die Polizei drei Verdächtige in dem Fall festgenommen, Männer im Alter von 41, 43 und 50 Jahren , wie Staatsanwalt Peter Lückemann der Nachrichtenagentur AP sagte.


Aus: "Drei Festnahmen im Liechtensteiner Erpressungsfall" (16. Februar 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,535754,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,535754,00.html)
Title: [Eine ganze Reihe von prominenten Namen... (Notiz, BRD, Steuerermittlungen)]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 16, 2008, 05:31:42 PM
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[...] Hamburg - Bei den Fahndungen nach Steuersündern in Liechtenstein ist kräftig Geld geflossen: Nach SPIEGEL-Informationen haben Ermittlungsbehörden rund fünf Millionen Euro für die Liechtensteiner Bankdaten gezahlt, die zu den größten Steuerermittlungen in der Geschichte der Bundesrepublik geführt haben.

Das Geld, das aus dem Haushaltstopf des Bundesnachrichtendienstes (BND) stammt, ging an einen geheimen Informanten des BND, der sich Anfang 2006 bei dem deutschen Auslandsgeheimdienst gemeldet hatte. In der Folge gab es im Jahr 2006 mehrere Treffen, an denen auch die nordrhein-westfälischen Steuerfahnder teilnahmen.

Zunächst übergab der Informant nach Informationen des SPIEGEL mehrere Stichproben, mit denen die Ermittler die Qualität des Materials begutachten konnten. Anschließend deponierten die Steuerfahnder das Millionenhonorar auf einem Notarkonto.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) war persönlich in die Transaktion eingeweiht. In dem Datenkonvolut soll es neben Informationen über mutmaßliche Steuersünder aus Deutschland auch Materialien mit politischer Brisanz geben, darunter offenbar Dienstanweisungen des Liechtensteiner Fürstentums zur Verschleierung von Finanzströmen.

Die Liechtensteiner Steueraffäre ist einer der größten Wirtschaftsskandale der Nachkriegszeit. Rund 125 Ermittlungsverfahren sollen ab kommender Woche laufen, die Rede ist von etwa 900 Durchsuchungsbeschlüssen und mehr als tausend Verdächtigen - die nach konservativen Schätzungen insgesamt mindestens 300 Millionen Euro am deutschen Fiskus vorbeigeschleust haben, nach anderen Angaben bis zu vier Milliarden Euro.

Nach den Worten eines Sprechers von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) wird gegen "sehr viele" bekannte und weniger bekannte "Leistungsträger" ermittelt. Das Ministerium riet Betroffenen zur Selbstanzeige.

Die Ermittler verfügen nach derzeitigem Informationsstand über Daten der Liechtensteinische Landesbank (LLB) und der fürstlichen Bank LGT.

Die LGT bestätigte per Presseerklärung, dass es im Jahr 2002 bei ihrer Tochter LGT Treuhand einen Datendiebstahl gegeben habe. Ein Jahr später sei der verantwortliche Mitarbeiter verurteilt worden. Nach Informationen des SPIEGEL gehen die Daten der Fahnder weit über das Datum dieses Diebstahls hinaus - demnach hat der BND Informationen über Steuersünder bis Ende 2005.

Bereits Anfang der Woche hatte auch die Liechtensteinische Landesbank (LLB) berichtet, sie sei von einem ehemaligen Mitarbeiter mit gestohlenen Unterlagen über deutsche Kunden erpresst worden. Auch dieser Mann wurde verurteilt. Nach SPIEGEL-Informationen sind aber auch diese Daten noch in Umlauf.

In diesem Fall ermittelt die Staatsanwaltschaft Rostock. Ein aus Deutschland stammender 48-Jähriger soll seit 2005 von der LLB Schweigegeld in Höhe von rund neun Millionen Euro kassiert und der Bank dafür gestohlene Daten zurückgegeben haben, erklärte die Anklagebehörde. Der Fall habe jedoch nichts mit dem aktuellen Steuerskandal um Kunden der Liechtensteiner LGT-Bank zu tun.

Der mutmaßliche Erpresser soll mit mehr als 2000 Kontodaten gehandelt haben, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Zunächst habe der 48-Jährige versucht, die Kunden mit den Datensätzen zu erpressen, dann habe sich die Bank eingeschaltet.

Bisher soll das Geldhaus laut Staatsanwaltschaft rund 1600 Daten zurückgekauft haben. Im August 2005 habe der Verdächtige für 7,5 Millionen Schweizer Franken zunächst 700 Daten an die Bank zurückgegeben, im August 2007 für vier Millionen Euro weitere 900 Daten. Der Rest sollte im August 2009 an die Bank zurückgehen.

Die Staatsanwaltschaft kündigte an, zeitnah Anklage gegen den Mann zu erheben. Seit vergangenem Herbst sitze er in Untersuchungshaft. Gegen drei mutmaßliche, ebenfalls in Norddeutschland lebende Mittäter werde ermittelt.

[...] Den entscheidenden Tipp im Fall Zumwinkel haben die Fahnder laut Dieter Ondracek, Chef der Deutschen Steuergewerkschaft, bereits im August 2007 erhalten.

Dass es so lange bis zum ersten Haftbefehl dauerte, begründete Ondracek mit der schlechten personellen Ausstattung der deutschen Steuerfahnder sowie damit, dass eine ganze Reihe von prominenten Namen aufgetaucht sei. Da habe man ganz besonders streng prüfen müssen, ob es sich nicht um falsche Anschuldigungen gehandelt habe.




Aus: "FINANZSKANDAL: BND zahlte fünf Millionen für geheime Steuerdaten" (16. Februar 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,535687,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,535687,00.html)

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[...] Hamburg - Es war ein echter Schatz, den der Mann dem Bundesnachrichtendienst (BND) im Frühjahr 2006 angeboten hatte: eine DVD mit Informationen über ausländische Investoren und ausländische Finanzströme. Zudem rund tausend Datensätze, nach SPIEGEL-Informationen handelt es sich um Korrespondenzen, Depotauszüge, Vermerke aus dem Fundus der LGT-Gruppe - und die Dienstvorschriften des Fürstentums Liechtenstein über die Verschleierung von Finanzströmen.

Der Mann hat keinen Namen, wie er aussieht, wissen nur die Mitarbeiter des BND und die Wuppertaler Steuerfahnder, mit denen er sich mehrmals traf - bevor er für fünf Millionen Euro die Daten-DVD übergab.

Was die Fahnder für die geforderte Summe bekommen würden, war ihnen zunächst nicht klar - der Name Klaus Zumwinkel stand nicht in den Kostproben, die der Mann anbot. Mindestens zweimal trafen sich die Wuppertaler mit dem Unbekannten, bei dem ersten Treffen brachte der Mann 14 Infohappen aus seiner Datensammlung mit. Es war frische Ware, die belegt, dass rund drei Viertel aller Stifter die deutschen Finanzbehörden hintergehen.

Die Ermittler überschlugen, was die Informationen einbringen könnten - dann stimmten sie zu. Das Geld für die DVD kam direkt aus der Kriegskasse des BND. Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) war über die Aktion informiert.

[...]


Aus: "STEUERSKANDAL: Geheiminformant fürchtet um sein  Leben" (16. Februar 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,535724,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,535724,00.html)


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[...] Erst die Verdächtigungen wegen möglicher Veruntreuung von Spendengeldern, dann der Rücktritt der Vorsitzenden Heide Simonis - und jetzt das: Der scheidende Post-Chef Klaus Zumwinkel soll laut einem Medienbericht Favorit für die Simonis-Nachfolge gewesen sein.

[...] Für Zumwinkel ist dies aber wohl das kleinste Problem. Laut "Focus" soll der zurückgetretene Post-Chef rund vier Millionen Euro an das Finanzamt Köln zahlen - als Ausgleich für seine nicht versteuerten Zinserträge aus der zwölf Millionen Euro schweren Stiftung in Liechtenstein. Die Summe setze sich zusammen aus hinterzogenen Steuern, Zinsen und Geldstrafe.

Zumwinkel habe dem Haftbefehl zufolge fast 20 Jahre lang in "konspirativer Weise" versucht, seine Erträge aus der Anlage bei der Vaduzer LGT-Bank zu verschleiern.


Aus: "SIMONIS-NACHFOLGE: Zumwinkel sollte Unicef-Chef werden" (16. Februar 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,535686,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,535686,00.html)

Title: [Magazin meldet Spur in Liechtenstein... (SED-Vermögen, DDR-Treuhänder)]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 20, 2008, 09:19:08 AM
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[...] Nach Angaben des Politikmagazins "Cicero" sind bei Banken in Liechtenstein Gelder aus dem verschwundenen SED-Vermögen aufgetaucht. Es handele sich nach den Erkenntnissen einer Sonderuntersuchung um 60 verdächtige Bankverbindungen, zumeist geschlossene Konten, wie das Magazin heute vorab mitteilte. Auf einem sichergestellten Konto in Liechtenstein, angelegt auf den Namen einer Stiftung, für deren Guthaben jedoch tatsächlich ein ehemaliger DDR-Treuhänder berechtigt war, hätten sich noch 2,6 Millionen Schweizer Franken befunden. In Verhandlungen mit den zuständigen Behörden in Liechtenstein konnte dem Bericht zufolge erreicht werden, dass dieses Geld ohne rechtliche Auseinandersetzungen zugunsten der Bundesrepublik Deutschland nach Deutschland zurückgeführt wurde.


Aus: "VERSCHWUNDENE SED-MILLIONEN: Magazin meldet Spur in Liechtenstein" (19. Februar 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,536391,00.html (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,536391,00.html)

Title: [150 Beschuldigte, 72 Selbstanzeigen (Steuerflüchtige, BRD, EU, GB, USA, BND)]
Post by: Textaris(txt*bot) on February 27, 2008, 12:04:06 PM
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[...] Wegen der Steueraffäre dürften die Banken in der Deutschschweiz bei der Einstellung von deutschen Staatsbürgern zurückhaltender werden, sagte Derobert in einem Interview der Westschweizer Zeitung "Le Matin".


Aus: "STEUERFAHNDUNG: Schweizer Banken wollen keine Deutschen mehr einstellen" (26. Februar 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,537895,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,537895,00.html)


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[...]  Die Staatsanwaltschaft Bochum hat im Rahmen einer der größten Ermittlungen gegen Steuersünder in der Geschichte der Bundesrepublik Wohnungen und Büros von rund 150 Beschuldigten durchsucht. Es seien Steuern in „immenser Höhe“ hinterzogen worden, teilte die Staatsanwaltschaft, die bei den bundesweiten Ermittlungen die Federführung hat, am Dienstag mit. 91 Verdächtige hätten den Sachverhalt eingeräumt und zum Teil Abschlagszahlungen auf zu erwartende Steuernachforderungen in Höhe von insgesamt 27,8 Millionen Euro geleistet, erläuterte Oberstaatsanwalt Hans-Ulrich Krück. Weitere Zahlungen in ähnlicher Höhe seien bereits avisiert, und die Summe erhöhe sich täglich. Auch seien 72 Selbstanzeigen eingegangen.

Die Fälle verteilten sich im wesentlichen auf die Großräume München (34 Fälle), Frankfurt (17), Stuttgart (24), Hamburg (30) und Nordrhein-Westfalen (15). Einzelne Bankmitarbeiter stehen im Verdacht, ausgesuchten Kunden Beihilfe zur Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit deren Geldanlagen über Liechtensteiner Stiftungen geleistet zu haben, wie Krück weiter sagte. Die überprüften Stiftungen verfügten den Angaben zufolge über ein Kapital von mehr als 200 Millionen Euro. Durch das Verschweigen dieses Kapitals und der darauf entfallenden Kapitalerträge seien Steuern „in immenser Höhe“ hinterzogen worden.

Das Bundesfinanzministerium zeigte sich zufrieden mit den Ergebnissen der Staatsanwaltschaft. „Für eine Woche ist das ziemlich gut“, ließ Finanzminister Steinbrück (SPD) mitteilen. Das Ministerium bekräftigte zugleich die Bereitschaft Deutschlands, anderen Ländern die Daten über Liechtensteiner Stiftungen zur Verfügung zu stellen. „Es gibt aber bisher noch keine Anfrage“, berichtete Steinbrücks Sprecher.

Dänemarks Finanzminister Kristian Jensen lehnte das Berliner Angebot ab. „Wir haben nicht vor, gestohlene Angaben zu verwenden. Und wir bezahlen nicht für gestohlene Angaben“, sagte er der Zeitung „Børsen“. Es sei ein „moralisches Problem, einen Verbrecher für Informationen zu entlohnen, die er gestohlen hat“. Weiter meinte er: „Diese Art von gehobener Hehleraktivität sagt mir nicht zu.“ Dagegen sollen die Steuerbehörden in Schweden, Norwegen und Finnland Interesse an den Daten haben.

Bekannt wurden unterdessen Konsequenzen in den Vereinigten Staaten. Amerikanische Behörden gehen gegen mehr als 100 verdächtige Steuerflüchtige vor. Es seien entsprechende Ermittlungen wegen des Verdachts auf Steuerbetrug eingeleitet worden, teilte die Steuerbehörde in einer Erklärung mit.

In Deutschland waren an den verschiedenen Aktionen den Angaben zufolge acht Staatsanwälte und 139 Steuerfahnder des Landes Nordrhein-Westfalen beteiligt. Sie seien von Steuerfahndern aus zahlreichen Städten unterstützt worden seien, unter anderem durch Beamte aus München, Landshut, Rosenheim, Reutlingen, Berlin, Hamburg, Lübeck, Lüneburg und Elmshorn. Zudem arbeiteten auch 20 Mitarbeiter des Wirtschaftskommissariats Essen mit.

Durch den Ermittlungsdruck nimmt die Zahl der Selbstanzeigen nach Angaben der Fahnder ständig zu. Auch hier sei mit nicht unerheblichen Steuernachzahlungen zu rechnen. Derzeit würden die Selbstanzeigen allerdings noch auf Vollständigkeit und Wirksamkeit überprüft. Dabei gehe es insbesondere um die Frage, ob sie noch so rechtzeitig erfolgt seien, dass ihnen eine strafbefreiende Wirkung zukommen könne.

In seiner Bilanz wies die Staatsanwaltschaft Kritik am Vorgehen der Behörden zurück. Der Nachrichtendienst BND hatte die Daten über die Konten in Liechtenstein von einem ehemaligen Mitarbeiter gekauft, der sie heimlich kopiert hatte.

[...] Die Staatsanwaltschaft Bochum hatte am 14. Februar mit ihren Razzien begonnen. Damals durchsuchten die Fahnder auch Zumwinkels Haus, der kurz darauf seinen Hut nahm. Die Ermittler haben die meist sehr wohlhabenden Beschuldigten im Verdacht, über Liechtensteiner Stiftungen Gelder am Fiskus vorbei geschleust und so Steuern hinterzogen zu haben. Sie verfügt über Unterlagen, die die Geldanlagen mehrerer hundert Personen betreffen. Ins Visier der Ermittler sind auch zwei Banken mit Niederlassungen in Liechtenstein und Mitarbeiter deutscher Geldhäuser geraten. Die Fahnder stehen derzeit noch am Anfang ihrer Untersuchungen. Nach Angaben aus ihren Kreisen können sich die Ermittlungen noch über Monate hinziehen.

Die deutschen Ermittlungen hatten auch in vielen europäischen Ländern Folgen. Der britische Fiskus hatte ebenfalls Daten über mutmaßliche Steuerhinterzieher in Liechtenstein gekauft. Die Niederlande hatten Steuersünder zu Selbstanzeigen aufgefordert. Auch die französischen Behörden prüfen Hinweise auf Steuerbetrüger, die über Liechtensteiner Stiftungen Gelder hinterzogen haben könnten.

Frankreichs Europaminister Jean-Pierre Jouyet sagte in Brüssel, angesichts des Ausmaßes der Steuerhinterziehung sei das harte Durchgreifen der deutschen Behörden verständlich. „Ich habe da überhaupt kein Mitleid“, sagte er. Der Kampf gegen Steueroasen wie Liechtenstein sei ein sehr wichtiges Ziel, das die EU geschlossen verfolgen müsse. Damit wächst der internationale Druck auf das Fürstentum weiter, dem mangelnde Transparenz am Finanzplatz vorgeworfen wird. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Liechtenstein sind durch die Razzien belastet.

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Betrachtungspunkt?
R Burger (FairTax), 26. Februar 2008

Wie auch immer Steuerhinterziehung beurteilt wird, die Beschaffung der Daten wirft doch folgende Fragen auf: was in einem anderen Land verboten ist (Verkauf von per Diebstahl beschafften Daten) wird in Deutschland belohnt. Da es sich ja "nur" um Steuerhinterzieher handelt. Wenn nun also beispielsweise China es mit dem geistigen Eigentum nicht so genau nimmt und für in Deutschland unrechtmäßig beschaffte Geschäfts- und Forschungsdaten dem Überbringer etwas bezahlen würde, ist dies ja auch ok und aus Sicht des chinesischen Staates ein legitimes Vorgehen. Oder etwa nicht...? Wo fängt die Unterscheidung an, was Recht und was Unrecht ist?


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Warum fahnden die Steuerfahnder nicht nach den Milliarden der IKB
Sven Frotscher (bigpublisher), 26. Februar 2008

Das Wort Staatsanwaltschaft spricht Bände. Eine Amtsanwaltschaft könnte Milliarden heben. Wir wissen bis heute nicht, wer die IKB-Verträge unterschrieben hat. Beides gehört vom Staat verfolgt: die staatliche wie die private Straftat.

Erst dann ist der Artikel 3 des Grundgesetzes verwirklicht.

Wieso erfahren wir über die Namen der Skandale der öffentlichen Banken nicht annähernd so viel?

Wieso gibt es bei jenen Mitarbeitern, die die 10fache Menge an Kindergartenplätzen verjuxt haben, keine Kameras?

Wieso haben spanische Banken nicht mit Subprime-Vehikeln spekulieren dürfen?

Wieso hat Steinbrück hier geschlafen?

Wieso hat die deutsche Bankenaufsicht nicht verlangt, dass diese Kredite mit Eigenkapital unterlegt werden müssen?

Dadurch wurde es VEB, anonymes Volksrisiko?

Alles ist relativ, nur der Schaden nicht, konnte man nicht auf privater wie auf staatlicher Seite vor dem Schaden klug sein?


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Toller Erfolg ??
Ludwig Wolff (taetervolk), 26. Februar 2008

Das was uns die Staatsanwaltschaft Bochum als großen Erfolg verkauft ist in Wahrheit die Bankrotterklärung der Steuergesetzgebung.
Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit, Sozialbetrug usw. sind flächendeckend so selbstverständlich wie Brötchen zum Frühstück. Ich wette hier und jetzt, dass von 100 Steuerfahndern mindestens 33 zuhause gerade illegal Babysitter, Putzfrau, Nachhilfelehrer oder Handwerker beschäftigen.
Fragen Sie mal einen Unternehmer, wann er das letzte Mal eine privat verwendete Briefmarke nicht von der Steuer abgesetzt hat. In 99% aller Fälle werden Sie Auskunft darüber erhalten wer in eine Klapsmühle gehört und wer nicht.
Es ist nicht nur so dass diese Betrügereien selbstverständlich sind - nein - wer steuerehrlich ist, handelt in den Augen vieler Menschen verantwortungslos, vergleichbar einem Alkoholiker oder Spieler, weil er sich und Angehörige existenziell gefährdet.

Politisch ist unser Land da auf einem sehr,sehr unguten Weg - Sorgen jedoch macht mir das Maß an Heuchelei, dass durch die Medien geht, denn Wahrheit wird nur noch hinter vorgehaltener Hand gesagt !


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Milliardenverlust
Ernst Paul (Echopapa), 26. Februar 2008

Diese Hexenjagd wird dem deutschen Staat noch Milliarden kosten, da die Leistungsträger aus Deutschland so schnell als möglich verschwinden werden und begüterte Menschen, die sich vielleicht mit dem Gedanken getragen haben, nach Deutschland zu ziehen, jetzt bestimmt keine Lust mehr haben in einem Denunziantenstaat zu leben. Deutschland ist verloren!


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Wandert endlich aus!
Hannes Heilmannsstedt (mediumdry), 26. Februar 2008

...aber verschont bitte die Kommentarspalte der FAZ mit diesem unmoralisch-egozentrischen und erbärmlichen Gejammer. Geht in die Schweiz oder nach Liechtenstein und ertränkt eure Scheinheiligkeit mit den anderen Steuersündern in Schampus.



Aus: "150 Beschuldigte, 72 Selbstanzeigen: „Für eine Woche ziemlich gut“" (26. Februar 2008)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub53B6D88BDF4A49D6BF5E114728883FE3/Doc~E248A54FD0B904A5FA3C554FCA267D72C~ATpl~Ecommon~Scontent.html (http://www.faz.net/s/Rub53B6D88BDF4A49D6BF5E114728883FE3/Doc~E248A54FD0B904A5FA3C554FCA267D72C~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

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[...] München/Vaduz - Die Liechtenstein-Affäre zieht weitere Kreise: Mehrere aufgeflogene Steuersünder aus Deutschland bereiten offenbar Schadensersatzklagen gegen die Fürstenbank LGT vor. "Einige sind dazu wild entschlossen", sagte der Vaduzer Rechtsanwalt und frühere Justizminister des Fürstentums, Heinz Frommelt, der "Süddeutschen Zeitung".

Die Frustration über das Verhalten der LGT scheine sehr groß zu sein, erklärte Frommelt. Die Betroffenen werfen der Bank des Liechtensteiner Fürstenhauses vor, sie nicht umgehend über den Diebstahl ihrer Kundendaten durch einen Angestellten der Vaduzer LGT Treuhand im Jahr 2002 informiert zu haben. Der Mitarbeiter hatte sich mit umfangreichem Material abgesetzt und die deutsche Anleger betreffenden Daten später dem Bundesnachrichtendienst verkauft.

Frommelt hat nach eigenen Angaben allein "ein knappes Dutzend" meist sehr konkreter Anfragen deutscher Rechtsanwälte erhalten, gegen deren Mandanten wegen Steuerdelikten ermittelt wird. Die Juristen seien dabei, die Rechtslage und die Erfolgsaussichten für Schadensersatzklagen in Liechtenstein auszuloten und diese vorzubereiten. Momentan empfehlen sie ihren Mandaten allerdings noch Zurückhaltung und raten ihnen, zunächst ihre Probleme mit dem deutschen Fiskus zu lösen.


[...] Bei manchen Instituten habe die Affäre um den früheren Chef der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, sogar das Geschäft angekurbelt. "Es scheint auch einen gewissen Jetzt-erst-recht-Effekt zu geben", sagte Lauber. So hat die LGT den Angaben zufolge seit Beginn 2007 einen Zugang von rund einer Milliarde Schweizer Franken an Neugeldern verzeichnet.


Aus: "LIECHTENSTEIN-AFFÄRE - Steuersünder wollen Fürstenbank verklagen" (21.07.2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,566961,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,566961,00.html)

Title: [Man verliert das Gefühl für Summen... (Notiz, Bankenkrise)]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 18, 2008, 10:01:58 AM
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[...] Nun, nach dem Platzen der Spekulationsblase, möchte der ansonsten eisern die Freiheit des freien Marktes und Unternehmertums verteidigende Ackermann am liebsten die rapide zum Sozialfall verkommende Finanzbranche in die Nestwärme eines fürsorglichen und spendablen Sozialstaates überführen, den er und seinesgleichen keinem Hartz-IV-Empfänger gönnen würden. Die Banken könnten die "Situation nicht mehr retten", gestand Ackermann das Scheitern der ansonsten gepriesenen "Selbstregulierungskräfte des Marktes" ein: "Wir haben nicht die Zeit zu warten, bis der US-Häusermarkt über Jahre das Ungleichgewicht abbaut", da dies zu lange dauern würde. Man darf getrost davon ausgehen, dass die Regierung den Wünschen Ackermanns nachkommen wird – es wäre sonst das erste Mal, dass sich die deutsche Politik einem Ukas der Deutschen Bank widersetzt.

Einen weiteren, oftmals übersehenen Vorteil hält die absichtliche massive Dollarabwertung seitens der Fed ebenfalls für alle Dollarschuldner – vorerst - parat. Durch die Inflation sinken auch die Schuldenberge der USA real im Wert, wie beispielsweise die Billionenreserven an US-Wertpapieren und Dollars, die ostasiatischen Zentralbanken aufgrund des Handelsüberschüsse mit den Vereinigten Staaten akkumuliert haben. Zudem kann durch den fallenden Dollar endlich auch das Handelsdefizit der USA [extern] gesenkt werden, da im Dollarraum produzierte Waren in Relation zum Ausland billiger werden.

Doch auch hier kann bald ein Punkt erreicht sein, der zu einem massiven Zusammenbruch des Dollars und des gesamten Weltwährungssystems führt, sollten die riesige Dollarbeträge haltenden Zentralbanken Asiens sich entscheiden, dessen schleichenden Wertverfall nicht mehr hinzunehmen und massiv Greenbacks auf den Markt zu werfen. Zudem senkt die Fed beständig die Zinsen, wodurch ein Zinsgefälle zwischen dem Dollar- und EU-Raum zugunsten des Euro entsteht.

Die Lehren aus 1929:
Dennoch sieht die Fed und insbesondere ihr Chef Bernanke in seiner inflationstreibenden Strategie der Krisenbekämpfung die einzig gangbare Möglichkeit, mit der Krise fertig zu werden. Die nahezu unbeschränkten Hilfsmaßnahmen für Investmentbanken, die Überflutung des Marktes mit rapide an Wert verlierenden Papierdollars, sind eine Konsequenz aus dem Verhalten der Fed während der Weltwirtschaftskrise von 1929, die eine restriktive Finanzpolitik verfolgte.

Die US-Zentralbank erhöhte Anfang der 30er Jahre die Zinsen, um der Deflation vorzubeugen. Zudem hat die Fed damals strauchelnden Banken keine Hilfen angeboten, so dass jegliches Vertrauen in die Kreditinstitute zerstört wurde. Diese Stürme aufgebrachter Kunden auf ihre Banken haben nach Ansicht des derzeitigen Fed-Chefs zur Zerstörung der realen Wirtschaft und zur großen Depression geführt. [extern] Laut Bernanke, der zu diesem Thema ausgiebig publiziert hat, soll diese geschichtliche Entwicklung – buchstäblich - um jeden Preis verhindert werden. Mit auf Hochtouren laufenden Geldpressen sollen die mit der Kreditkrise einhergehenden Liquiditätsengpässe auf den Finanzmärkten faktisch in Dollarscheinen ertränkt werden. Hierfür nimmt die Fed auch eine ausufernde Inflation in Kauf, die vor allen die Bevölkerung besonders hart trifft, während die Besitzer größerer Einkommen auch in der Deflation gute Geschäfte – vor allem durch Rohstoffspekulation - machen können.


Aus: "Am Abgrund mit der Dollarflut" Tomasz Konicz (TP, 19.03.2008)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27542/1.html (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27542/1.html)

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[...] „Es gibt keinen Liquiditätsengpass, sondern etwas, das wir noch nie gesehen haben – einen Investorenstreik. Die Kapitalspritzen sind nötig, um Vertrauen wieder herzustellen“, sagte Ackermann mit Blick auf die Stützungsaktionen der US-Notenbank Fed am Vortag. Die Spirale nach unten müsse durchbrochen werden. Die von der Fed mit 30 Milliarden Dollar abgesicherte Übernahme der Investmentbank Bear Stearns durch den Konkurrenten JP Morgan sei ein richtiger Ansatz.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sprach am Dienstag von der „schwersten Finanzkrise der letzten Jahrzehnte“. Auf einer Veranstaltung in Potsdam versicherte der Minister, Bundesbank, Bankenverbände, Institute und die Politik stünden in engem Kontakt. Verursacht worden sei die Krise aber in den USA. „Bei der Bewältigung sind auch zuallererst die USA gefragt“, sagte Steinbrück. In Deutschland gebe es bisher keine Beeinträchtigung bei der Kreditvergabe für den Mittelstand. Es gebe auch keine rezessive Entwicklung. „Das prognostizierte Wachstum in Deutschland von 1,7 Prozent in diesem Jahr ist weiter realistisch“, sagte der Finanzminister. Die Lage dürfe allerdings nicht verharmlost werden. „ Wir müssen die Situation genau analysieren, ob wir an einen Punkt kommen, an dem über die bisherigen Aktivitäten hinaus Maßnahmen erforderlich sein werden“, meinte Steinbrück. Er sei derzeit nicht bereit, „den Konsolidierungskurs des Bundeshaushalts zu gefährden“.

[...]  Nach Ansicht von Reinhard Schmidt, Professor für internationales Bankwesen an der Uni Frankfurt, ist vor allem eine noch engere Abstimmung zwischen Notenbanken gefordert, etwa bei der Bereitstellung von weiteren, vorübergehenden Finanzhilfen. Richtig seien auch die von der US-Regierung eingeleiteten Steuersenkungen, um die Last vor allem von Hausbesitzern zu nehmen. Die Rettungsaktion für Bear Stearns versteht Schmidt nicht als „Heraushauen“ einer angeschlagenen Bank, sondern als Hilfe für ein im Grunde gesundes Institut, das in Liquiditätsprobleme geraten sei.

Genau dieses staatliche „Heraushauen“ von klammen Banken ist nach Ansicht des Bremer Wirtschaftswissenschaftlers Rudolf Hickel prinzipiell problematisch. Weil es Institute dazu verleiten könnte, hochriskante Geschäfte zu tätigen im Wissen, dass der Staat mit Steuergeldern die Bank später aus einer Schieflage befreien werde. mit HB




Aus: "Ackermanns Hilferuf" (Tagesspiegel vom 19.03.2008)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/Finanzen-Finanzkrise-Josef-Ackermann;art130,2497057 (http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/Finanzen-Finanzkrise-Josef-Ackermann;art130,2497057)

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[...] Was Ackermann verklausuliert ausdrückt, lässt sich direkter sagen: Die Regierung soll mit dem Geld der Steuerzahler die Banken aus ihrer misslichen Lage befreien, in die sie sich, von ungehemmter Gewinngier getrieben und ohne notwendige Rücksicht auf Risiken, selbst gebracht haben. Wobei anzumerken bleibt, dass die Deutsche Bank noch relativ gut dasteht, weil sie mehr Risikobewusstsein an den Tag gelegt hat als viele Konkurrenten.

Ackermanns Wünsche werden wohl in Erfüllung gehen. Die Notenbanken stützen das Bankensystem schon seit Monaten mit erheblichen Beträgen und werden das vermutlich weiter tun. Zudem scheint die amerikanische Regierung tatsächlich zu überlegen, den notleidenden Immobilienmarkt zu stützen. Ob das nachhaltig gelingt, ist eine andere Frage.

Die Begründung für Staatseingriffe während Finanzmarktkrisen ist immer die gleiche: Der Kollaps großer Banken müsse vermieden werden, weil ansonsten ein Vertrauensverlust drohe, der die gesamte Branche erfassen und weitreichende wirtschaftliche und politische Konsequenzen nach sich ziehen könne. Wie die deutsche Bankenkrise des Jahres 1931 lehrt, sind solche Befürchtungen nicht unbegründet.

Dennoch dürfen sich Ackermann und seine Kollegen nicht wundern, wenn die Öffentlichkeit mit einer Mischung aus Wut, Unverständnis und Häme reagiert. Das sichere Wissen, in einer Krise vom Staat gerettet zu werden, erlaubt es Banken und anderen Finanzhäusern, in guten Zeiten Geschäfte ohne ausreichendes Risikobewusstsein zu betreiben – Geschäfte, die nicht zuletzt für die Spitzenleute äußerst einträglich sind.

Es hat nichts mit Sozialneid zu tun, daran zu erinnern, dass erfolgreiche Bankmanager zweistellige Millionenbeträge im Jahr verdienen, erfolgreiche Manager von Hedge-Fonds und Private-Equity-Häusern sogar noch viel mehr. In solchen Zeiten gerieren sich Bankmanager als Advokaten freier Märkte. Droht das Kartenhaus der Spekulation zusammenzubrechen, sollen Notenbanken und Steuerzahler sie heraushauen. Dem Staat bleibt im Interesse des Gemeinwesens nichts anderes übrig, als das zu tun. Für das Ansehen der Finanzbranche sind solche Rettungsaktionen jedoch fürchterlich. Dass nun nach Regulierung gerufen wird, hat sie sich selbst zuzuschreiben.

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Ackermann und der Staat- Unglaublich impertinent
D. Reitz (natzl), 19. März 2008

Eigentlich an Impertinenz kaum noch zu überbieten, wenn dann ein mittelständiger Betrieb oder gar ein privater Verbraucher in die Insolvenz geht gerät, sollte man mal auf die Reaktion gespannt sein, wenn diese dann nach dem Staat rufen.
Erst wird versucht abzuzocken im ganz grossen Stil, dann soll der Steuerzahlen es noch richten.
Leider wird immer mehr deutlich dass wir in diesem Lande eine moralische Dekadenz bekommen haben, die ihres Gleichen sucht. Der mittelständige Betrieb als solche, abgesehen davon das er nicht die pressemässigen Möglichkeiten hat, würde sich garnicht trauen solle Rufe nach dem Staat zu stellen.
Mir würden glaube ich noch ganz andere Dinge jetzt einfallen, aber lassen wir es.
Eines ist nun jedenfalls mal mit Intresse zu verfolgen, wie nun so der ein oder andere Politiker auf diese Posse von A. reagiert.


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Dreist
Andreas Seidl (ASeidl), 18. März 2008

ist es, wenn Manager fordern, der Steuerzahler solle für Ihre Fehler einstehen. Der gesunde Menschenverstand würde sagen nein, laß sie diese Kreditinstitute vor die Hunde gehen, sodaß es eine Warnung für die Branche ist. Nur hier zahlt der Steuerzahler auch die Zeche durch Sozialleistungen für die ruinierten Bankkunden, Arbeitslosengeld für die Mitarbeiter etc.

Vielleicht ist ein Mittelweg sinnvoll. Indem Maße, wie der Staat hilft, geht das Institut in den Staatsbesitz über, indem Anteile von den Aktionären ersatzlos eingezogen werden und dem Staat übertragen. Damit würden die Aktionäre und Fonds, die die Wirtschaft zu immer unrealistischeren Renditen treiben, am Verlust mitbeteiligt, da ihr Vermögen und ihr Einfluß schwindet. Nach einer Sanierung des Marktes, könnte der Staat die Anteile oder Erträge zur Deckung der Sozialleistungen verwenden. Damit käme zumindest langfristig ein Interessenausgleich zu Stande bei dem der Steuerzahler nicht immer der Dumme ist und die coolen Spekulanten einen gehörigen Dämpfer, der sie zur Realität zurückführen kann.


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Populistische Ignoranz
Walther Schmidt (silitoe), 18. März 2008

Der Autor verkennt die enge Vernetzung von Wirtschafts- und Finanzsystem und die entscheidende Rolle, die der Staat und die Notenbank dabei spielen leider völlig. Wenn man der Krise auf den Grund geht, dann begann sie in den USA, auf dem Markt für Privatimmobilien. Wer hat denn in diesen Immobilien gewohnt und davon profitiert? Die Antwort lautet: Weniger wohlhabende Konsumenten. Wer hat diesen Wohlstand begrüßt: Die Konsumenten und die Politiker. Warum konnten sie die Zinsen nicht mehr zahlen? Weil die Notenbank die Zinsen angehoben hat und die finanzielle Belastung damit zu hoch wurde. Es ist der Faz unwürdig, wenn diese Zusammenhänge einfach übersehen werden und die Schuld lediglich den Banken zugeschoben wird. Wenn deutsche Banker sich an US-Krediten beteiligt haben, taten sie dies, weil wir in einer globalen Marktwirtschaft leben, in der man nicht immer zusehen darf, wenn andere Geld verdienen. Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Richtig ist, Ackermann hat besser gearbeitet als andere. Es muss bessere und schlechtere geben. Sich dann über die zu hohen Bankergehälter zu beschweren, verdient obigen Kommentar. Ein Chefarzt mit 20 Mitarbeitern verdient auch gut. Ackermann trägt die Verantwortung für Zehntausende.


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Bankenkrise
Bernd Siegmann (Stieg), 18. März 2008

An den Finanzkrisen der letzten Jahrzehnte war die Politik nie ganz unbeteiligt verehrter Herr Steinbrück. Nehmen wir als Beispiel nur einmal die Landesbanken, die uns Steuerzahlern in den vergangenen Jahren immer wieder horrende Milliardenbeträge abverlangten, und dies nur, weil einige absolute Amateure dort ein wenig "global player" spielen durften. Es ist absolut unverständlich, daß diese sogenannten "Banken", die überhaupt kein Geschäftsmodell besitzen, nicht endlich geschlossen und abgeschafft werden!! Wer, frage ich, steht eigentlich endlich einmal für die riesigen Verluste dieser sogenannten "Banken" in diesem Jahr gerade, Herr Steinbrück? Angesichts der Milliarden, die in Sachsen und sonstwo verzockt wurden, wäre es an der Zeit, daß auch mal ein Ministerpräsident seinen Hut nimmt, anstatt ständig auf den Geschäftsbanken und Herrn Ackermann herumzureiten. An diesem Vorstandschef könnten sich einige Herren in der Landespolitk mal eine Scheibe abschneiden, denn im Gegensatz zu Ihnen steht Herr Ackermann seit Jahren seinen Mann und gibt Rechenschaft ab, wozu Sie als Politiker offenbar überhaupt nicht in der Lage sind. Was ist das nur für eine Heuchelei in diesem Land.



Aus: "Bankenkrise: Ackermann und der Staat" Von Gerald Braunberger (18. März 2008)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub4D8A76D29ABA43699D9E59C0413A582C/Doc~E0BDA4D78C19846028951812C4660356D~ATpl~Ecommon~Scontent.html (http://www.faz.net/s/Rub4D8A76D29ABA43699D9E59C0413A582C/Doc~E0BDA4D78C19846028951812C4660356D~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

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[...] Angesichts der internationalen Turbulenzen glaubt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Finanzmärkte. Die Versorgung mit Liquidität reiche als Maßnahme nicht aus, sagte Ackermann. Die Regierungen müssten Einfluss nehmen auf die Märkte. Er rief deshalb zu einer gemeinsamen Aktion von Regierungen, Zentralbanken und Banken auf, um das Vertrauen in die globalen Finanzmärkte wiederherzustellen.

Auch der Chefvolkswirt der Deutschen Bank Chart zeigen, Norbert Walter, sieht kein schnelles Ende der Finanzkrise. "Vor Ende 2009 werden die Turbulenzen nicht zu Ende sein", sagte er den Dortmunder "Ruhr Nachrichten". "Wir brauchen die Neuordnung und eine Neubesinnung auch bei den Regulatoren der Finanzmärkte", fügte Walter hinzu. Die Hoffnung auf ein Ende der Finanzkrise sei "verfrüht" gewesen. "Die Ereignisse in den USA und ihre Auswirkungen auf das Vertrauen der Anleger sind zu gewichtig", erklärte er.


Aus: "BANKEN-KRISE: Ackermann ruft Regierungen zur Hilfe - Finanzmärkte fiebern Fed-Entscheidung entgegen" (18. März 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,542074,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,542074,00.html)

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[...] "Man hat sich mit den hochrisikoreichen Kreditpaketen auf eine ziemlich waghalsige Transaktion eingelassen und immer darauf vertraut, dass es gutgeht", sagt Roland Döhrn vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). Um sich auf den Märkten Geld zu besorgen, habe man außerdem Lücken in der Regulierung bewusst ausgenutzt: "Kredite an Tochtergesellschaften, die dann in die spekulativen Finanzprodukte gegangen sind, wurden etwa auf 364 Tage begrenzt - weil ab einem Jahr Eigenkapital hinterlegt werden muss." Die Banken seien also nicht durch Zufall in die Krise geschlittert.

[...] "Dass verbriefte Kredite risikoreich sind, hätten die Banken wissen müssen", sagt auch IW-Experte Jäger. Das Problem sei, dass die strukturierten Kreditpakete so komplex seien, dass es keine klaren Verantwortlichkeiten gebe - und sich damit alle herausreden könnten. "Es sind nicht nur die Rating-Agenturen, auf die jetzt alle mit dem Finger zeigen, tatsächlich tragen alle eine Mitschuld." Jäger plädiert deshalb für mehr Transparenz: Im Nachhinein müsse immer klar sein, wer das Risiko trägt, wer verantwortlich ist und wer verantwortlich gemacht werden kann. "Wenn Sie einen Mietwagen mit Selbstbeteiligung haben, fahren Sie automatisch vorsichtiger als ohne."


Aus: "BÖRSEN-TEUFELSKREIS: Wie Amerikas Banken ihr Renommee verzockten" Von Susanne Amann
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,541990,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,541990,00.html)



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[...] Einen besonders aufschlussreichen Kommentar zur sich ständig steigernden Krise an den Finanzmärkten lieferte der Franzose Jérome Kerviel. Zur Erinnerung: Das ist jener Jung-Banker, der seinem Arbeitgeber, der Société Générale, einen satten Verlust von 4,9 Milliarden Euro eingespielt hat. Gegenüber der Staatsanwaltschaft begründete Kerviel sein Handeln gut nachvollziehbar: "Man verliert das Gefühl für Summen, wenn man in diesem Beruf arbeitet". Und er fügte an: "Man lässt sich ein bisschen davontragen."

[...] Wir haben gelernt, dass ungezügelte Märkte zur Monopolbildung neigen und folgerichtig Kartellgesetze geschaffen. Wir haben auch längst gewusst, dass Banken einen gesetzlichen Rahmen und staatliche Überwachung brauchen – "um Fehlentwicklungen vorzubeugen, die das Funktionieren des Bankenapparates stören können", wie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ihre Aufgabe so schön beschreibt.

So haben wir uns in der Gewissheit gewogen, dass uns eine Erschütterung, die das feingesponnene Netz der globalen Wirtschaft wie in der Weltwirtschaftskrise zerreißen könnte, erspart bleiben würde. Sollte diese Erwartung womöglich zu naiv und blauäugig gewesen sein?



Aus: "FINANZKRISE: Die Lehren aus dem Crash" Von Wolfgang Kaden (18.03.2008)
Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,542084-3,00.html (http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,542084-3,00.html)

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capital.de [!]: [...] Für den Aufstieg in den engsten Kreis der Top-Manager zählt nicht Herkunft oder Qualifikation, sondern einzig und allein die Bereitschaft, seine Seele an den Arbeitgeber zu verkaufen. Da unter­scheiden sich die klassischen Brutstätten der künftigen Managementelite wie Vorstandsstäbe, Investmentbanken oder Unternehmensberatungen kaum von den menschenverachtenden Selektionsprozessen einschlägiger Sekten.

Wer in der Organisation etwas werden will, darf außerhalb nichts mehr sein und muss deshalb mit allen bisherigen sozialen Kontakten brechen.

Allein der zeitliche Einsatz, der von aufstrebenden Führungskräften in den ersten Berufsjahren eingefordert wird, lässt eine ernsthafte Beziehung zu Menschen außerhalb der Firma, sei es Familie oder Freunde, nicht mehr zu, geschweige denn ein Engagement in Nachbarschaft oder Verein. Konsequenz: Unsere künftige Führungselite, noch nicht 30 Jahre alt, hat bereits jede Bodenhaftung verloren, weil sie am wirklichen Leben der Menschen nicht mehr teilhat, nicht mehr teilhaben kann.

Der Preis für den schnellen Aufstieg ist die Isolationshaft unter ihresgleichen. Wer unter seinen Bekannten keine sogenannten normalen Menschen mehr findet, sondern nur noch unter Vorständen verkehrt, führt kein Sozial­leben, sondern ist – im strengen Wortsinne – eigentlich asozial.

Will man das weitere Auseinanderdriften zwischen denen da oben und denen da unten wirklich verhindern, so bedarf es keiner Reichensteuer, keiner Deckelung von Gehältern, keiner härteren Strafen für Wirtschaftsdelikte, sondern Führungskräfte, die mitten im Alltag dieser Gesellschaft stehen. Das heißt für die Unternehmen: Sie müssen die Auswahlkriterien für ihre Top-Manager neu definieren. Wer im Konzern nach oben will, der muss draußen vernetzt sein. Und braucht dazu den Freiraum, sich mit einem guten Teil seiner Zeit mit anderen und für andere zu engagieren – ob im Kindergarten, im Sportverein, in der Kirche oder im Gemeinderat.

Je höher der Manager in der Hierarchie steigt, desto härter muss das sein, was ihm an sozialem Einsatz abverlangt wird. Es mag verstörend klingen, aber warum sollte der Chef eines Dax-Konzerns nicht verpflichtet werden, mehrere Tage im Jahr im Krankenhaus die Bettpfannen auszuleeren, in der Suppenküche für Obdachlose zu helfen oder einsame Menschen zu besuchen? Unsere Top-Manager würden sich dort an etwas erinnern, das den meisten wohl verloren gegangen ist: Demut.




Aus: "Sind Top-Manager asozial?" von Klaus Schweinsberg, Chefredakteur (capital.de, 28.02.2008)
Quelle: http://www.capital.de/div/100009957.html (http://www.capital.de/div/100009957.html)

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[...] Kritiker verlangen, dass Finanzinstitute, die sich verzockt haben, die Konsequenzen selbst tragen sollen - in voller Härte. Das Gleiche gelte für Hausbesitzer, die Kredite aufgenommen haben, die sie sich eigentlich gar nicht leisten können. Selbst Finanzminister Henry Paulson erwartet, dass noch mehrere Finanzinstitute Bankrott gehen könnten, bevor sich die Lage beruhigt.

Fraglich ist auch, wie lange das Geld der Fed noch reicht. Laut "International Herald Tribune" hatte die US-Notenbank bisher rund 800 Milliarden Dollar in Cash und in Treasury Bonds zur Verfügung. Mittlerweile hat sie aber schon 400 Milliarden Dollar an kurzfristigen Krediten bereitgestellt - und es könnten bald mehr werden.

"Die Notenbank fährt zurzeit mit halb vollem Tank", sagt der frühere Fed-Direktor Laurence Meyer laut "International Herald Tribune". "Bald hat sie keinen Spielraum mehr für solche Maßnahmen."

[...] Die einen werfen Bush vor, er habe mit der Rettungsaktion für Bear Stearns seine eigene ideologische Grundhaltung gegen Staatsinterventionen aufgegeben. Andere klagen, die Regierung tue zu wenig, um der Wirtschaft auf die Beine zu helfen.

Demokratische Spitzenpolitiker werfen der Regierung Bush vor, sie habe den Notverkauf einer prestigeträchtigen Investmentbank unterstützt - tue aber zu wenig für einfache Amerikaner, deren Häuser zwangsversteigert werden sollen.



Aus: "FINANZKRISE: Ökonomen kritisieren US-Notenbank - Demokraten drängen Bush zum Handeln" (18. März 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,542246,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,542246,00.html)

Title: [BayernLB... (Notiz, BRD)]
Post by: Textaris(txt*bot) on March 29, 2008, 10:02:30 AM
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[...] jetzt muss der CSU-Politiker zugeben, dass die Kreditausfälle bei der BayernLB wohl sehr viel höher ausfallen werden, als bislang veranschlagt. Er sei sich sicher, dass die Belastungen deutlich über die bisher eingeräumten 1,9 Milliarden Euro hinausgingen, sagte der bayerische Ministerpräsident dem "Nordbayerischen Kurier". Stattdessen könne sich der Schaden auf bis zu vier Milliarden Euro belaufen.

[...]


Aus: "FINANZDESASTER: Drastische Kreditausfälle bei BayernLB - bis zu vier Milliarden Euro Schaden" (28. März 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,544056,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,544056,00.html)

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[...] Die Zahlen bringen auch den CSU-Chef und bayerischen Finanzminister Erwin Huber in Erklärungsnot, der den Freistaat als stellvertretender Vorsitzender im Verwaltungsrat vertritt. Bislang hatte der Finanzminister jede Offenbarung vermieden, wie schlecht es um das Geldhaus steht.

[...]


Aus: "FINANZKRISE: BayernLB räumt Risiken im Wert von 4,3 Milliarden Euro ein" (mik/AP/dpa/ddp,  03. April 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,545091,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,545091,00.html)

Title: [Mit der Gewährung eines Kredits... (Franjo Pooth)]
Post by: Textaris(txt*bot) on April 01, 2008, 10:33:00 AM
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[...] Firmen-Chef Franjo Pooth, Ehemann der TV-Moderatorin Verona Pooth, soll dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse, Heinz-Martin Humme im Zusammenhang mit der Gewährung eines Kredits über 9,2 Millionen Euro einen 3200 Euro teuren TV-Flachbildschirm geschenkt haben.

[...] Die Staatsanwaltschaft prüft, ob sich Pooth der Bestechung schuldig gemacht hat. Zudem wird gegen Pooth wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung ermittelt.

Bei der Stadtsparkasse Düsseldorf war wegen der Vorwürfe bereits das Vorstandsmitglied Karl-Heinz Stiegemann fristlos entlassen worden. Auch er soll von Pooth einen Flachbildschirm angenommen haben.


Aus: "POOTH-PLEITE: Düsseldorfer Sparkassenchef muss Posten räumen" (31. März 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,544524,00.html (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,544524,00.html)

Title: [The Lordship of Moneygaming... (Northern Rock)]
Post by: Textaris(txt*bot) on April 01, 2008, 10:46:05 AM
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[...] London (dpa) - Der Ex-Chef der britischen Krisenbank Northern Rock bekommt eine Abfindung von umgerechnet fast einer Million Euro, obwohl die Bank im vergangenen Jahr fast in den Abgrund gerissen wurde.

Adam Applegarth, der die Hypothekenbank bis Dezember 2007 führte, habe einen Anspruch auf insgesamt 760 000 Pfund (rund 955 000 Euro), teilte Northern Rock mit. Gleichzeitig wies die Bank, die durch die US-Immobilienkrise ins Trudeln geraten war und verstaatlicht werden musste, für 2007 einen Verlust vor Steuern von 168 Millionen Pfund (211 Mio Euro) aus, verglichen mit einem Gewinn von 627 Millionen Pfund im Vorjahr.

Die Bank kündigte zudem an, Kredite in Höhe von 24 Milliarden Pfund, die sie aufnehmen musste, bis Ende 2010 an den Staat zurückzuzahlen.


Aus: "Ex-Northern-Rock-Chef mit hoher Abfindung" (31.03.2008)
Quelle: http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/6954 (http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/6954)


Title: [Besuch bei Beckstein... (Notiz, BRD, Siemens, Pierer, Sauna)]
Post by: Textaris(txt*bot) on April 03, 2008, 02:16:31 PM
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[...] Dem früheren Siemens-Direktor, der voll geständig sein soll und als Kronzeuge der Anklage gilt, werde Untreue vorgeworfen, heißt es bei Spiegel Online. Er soll jahrelang die schwarzen Kassen der Siemens Festnetzsparte (ICN) verantwortet haben, aus denen ab 2002 mindestens 200 Millionen Euro an Entscheidungsträger unter anderem in Russland, Nigeria oder Libyen geflossen sein sollen. Durch seine Aussagen gegenüber der Staatsanwaltschaft hätten die Fahnder tiefe Einblicke in die offenbar schon Jahrzehnte alte Schmiergeldpraxis des Konzerns erhalten.

Ex-Konzern-Chef von Pierer muss sich unterdessen keine Sorgen machen, wegen der skandalösen Vorgänge in seinem früheren Unternehmen, bei dem rund 1,3 Milliarden Euro in dunklen Kanälen verschwanden, selbst als Angeklagter vor Gericht zu landen. Laut Süddeutscher Zeitung ist die Münchner Staatsanwaltschaft davon überzeugt, dass der Führungsspitze der Siemens AG das System schwarzer Kassen nicht bekannt war. Vielmehr sei auf der Ebene unterhalb der Konzernspitze dafür gesorgt worden, dass kein Mitglied des Zentralvorstandes etwas von den Schmiergeldzahlungen erfährt. (pmz/c't)


Quote
3. April 2008 20:29
Lächerlich (Editiert vom Verfasser am 03.04.2008 um 20:29)
estraven60 (mehr als 1000 Beiträge seit 31.08.03)

"...ist die Münchner Staatsanwaltschaft davon überzeugt, dass der
Führungsspitze der Siemens AG das System schwarzer Kassen nicht
bekannt war. Vielmehr sei auf der Ebene unterhalb der Konzernspitze
dafür gesorgt worden, dass kein Mitglied des Zentralvorstandes etwas
von den Schmiergeldzahlungen erfährt."

1,3 Mrd. € sind verschwunden und keiner weiß was?

[...]


Quote
4. April 2008 12:54
Wo liegt das Problem
mounir (5 Beiträge seit 17.12.07)

Wenn Schmiergelder gezehlt wurden kam das sicher in Form von
lohnenden Aufträgen dem Unternehmen Siemens zu Gute.
Was ist daran so schlimm....
...okay die Art der "Auftragsbeschaffung"

Aber andersrum, wenn die Finanzbehörden auf diese Art und Weise an
Informationen kommen, dann ist es rechtens ?



Aus: "Bericht: Schmiergeld-Affäre bei Siemens wird ab Mai vor Gericht verhandelt" (03.04.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Bericht-Schmiergeld-Affaere-bei-Siemens-wird-ab-Mai-vor-Gericht-verhandelt--/meldung/106007 (http://www.heise.de/newsticker/Bericht-Schmiergeld-Affaere-bei-Siemens-wird-ab-Mai-vor-Gericht-verhandelt--/meldung/106007)


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[...] Pierer und Kleinfeld hatten wiederholt erklärt, von dem Schmiergeldsystem nicht gewusst zu haben. Allein zwischen 2000 und 2006 sind bei Siemens nach Angaben des Konzerns etwa 1,3 Milliarden Euro in dunkle Kanäle geflossen.

Der neue Antikorruptionsbeauftragte Andreas Pohlmann hatte im Februar in einem SZ-Interview gesagt, es sei "kaum vorstellbar, dass aus einem Unternehmen eine so große Summe Geld verschwindet und die Führung davon nichts bemerkt". Zu dieser Ansicht waren auch einflussreiche Aufsichtsräte bei Siemens gelangt, die daraufhin den Wechsel an der Konzernspitze betrieben hatten. Ein Aufsichtsrat sagte am Mittwoch, er habe den Eindruck, dass man jetzt "die Kleinen hängt und die Großen laufen lässt".

Einen Monat nach der Großrazzia von Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei vom 15. November 2006, mit der die Affäre begonnen hatte, war der damalige Aufsichtsratschef Pierer bei Innenminister Beckstein vorstellig geworden. Das bestätigte die Staatsregierung auf Anfrage. Pierer habe "die Auswirkungen der Korruptionsaffäre auf die Siemens AG dargestellt". Er habe nicht versucht, über das Ministerium Einfluss auf die kriminalpolizeilichen Ermittlungen zu nehmen. Beckstein war als Innenminister für die Polizei zuständig.

Beteiligte an dem Ermittlungsverfahren haben Zweifel, ob der Skandal vollständig aufgeklärt werde. Angeblich habe der Vorgesetzte der Staatsanwaltschaft, Generalstaatsanwalt Christoph Strötz, gedrängt, die Ermittlungen rasch zu beenden. Strötz sagte auf Anfrage, das sei nicht der Fall. "Die Kollegen haben in jeder Hinsicht freie Hand." Das Justizministerium teilte mit, man habe nicht darauf gedrängt, das Ermittlungsverfahren bald abzuschließen.

[...]


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03.04.2008 08:12:28

Dubitandumest:

Was ist denn das für ein komischer Laden, wo der Vorstand nicht mitkriegt, daß 1300 000 000(sic!) verschwinden?






Aus: "Korruptionsskandal bei Siemens: Staatsanwälte waschen Pierer rein" (02.04.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/213/166734/ (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/213/166734/)

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[...] Was die vielen Beschuldigten zu Protokoll geben, die im Korruptionsskandal bei Siemens aussagen und gestehen, das liest sich spannender als mancher Kriminalroman.

Eine kleine Kostprobe genügt. Ein früherer Direktor des Weltkonzerns hat den Ermittlern erzählt, man habe sich bei den Schmiergeldzahlungen lange Zeit sehr sicher gefühlt. Intern sei geraunt worden, ein einflussreicher Kollege habe gute Kontakte zur bayerischen Justiz und gehe mit einem wichtigen Entscheidungsträger in die Sauna. So könne bei Bedarf alles unter den Teppich gekehrt werden.

Das stimmt so nicht, schließlich hat die Münchner Staatsanwaltschaft den größten Korruptionsfall in der deutschen Wirtschaftsgeschichte ausgegraben.

Andererseits fällt auf, dass die Strafverfolger längst nicht mehr so energisch nach der Verantwortung in der Konzernspitze forschen wie in den ersten Wochen nach der legendären Großrazzia bei Siemens vom 15. November 2006. Waren vermeintliche Sauna-Bekanntschaften gar nicht nötig, um Einfluss zu nehmen, weil andere Kontakte womöglich nützlicher gewesen wären?

Am 14. Dezember 2006 sprach der damalige Aufsichtsratsvorsitzende und frühere Konzernchef Heinrich von Pierer beim seinerzeitigen Innenminister Günther Beckstein (CSU) vor. Beckstein, heute Ministerpräsident, war für die Kriminalpolizei zuständig, die an der Seite der Staatsanwaltschaft eifrig fahndete.

Drei Tage vor Pierers Besuch bei Beckstein hatte der Skandal die Konzernspitze erreicht. Topmanager Thomas Ganswindt, der erst wenige Wochen vorher aus dem Siemens-Vorstand ausgeschieden und zu einem anderen Unternehmen gegangen war, kam in Untersuchungshaft. Ganswindt gestand, von Schmiergeldzahlungen in mehreren Ländern gewusst zu haben; er bestritt, das System der schwarzen Kassen und weltweiten Korruptionsdelikte gekannt zu haben.

Damals sah es so aus, als sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Ermittler den amtierenden Konzernvorstand vornehmen würden. Das Unternehmen, einer der größten Arbeitgeber in Bayern, war in Bedrängnis. Würde Siemens den Skandal überstehen? Pierer, einer der führenden Manager der deutschen Wirtschaft, schilderte Beckstein nach Angaben der bayerischen Regierung die Auswirkungen der Affäre auf den Konzern.

In der Folgezeit nahm das Verfahren offenbar eine entscheidende Wende. Fortan sah es so aus, als ermittle die Staatsanwaltschaft mehr in die Breite als nach oben. Ansätze für gezielte Untersuchungen, was im Topmanagement bekannt gewesen war, hätte es genug gegeben. Doch die Strafverfolger kümmerten sich lieber im Detail darum, wie bei Siemens auf der mittleren und unteren Ebene agiert worden war. Hatte das mit Pierers Besuch bei Beckstein zu tun?

Die Staatsregierung sagt, Pierer habe nicht versucht, auf die Ermittlungen Einfluss zu nehmen. Pierers Anwalt teilt mit, sein Mandant habe Beckstein über den damals bekannten Umgang des Falles informiert. Die "Gesamtsituation" habe ihn dazu veranlasst.

Pierer habe selbstverständlich nicht versucht, auf die Ermittlungen Einfluss zu nehmen. Und der Leiter der Staatsanwaltschaft, Christian Schmidt-Sommerfeld, sagt, dieses Gespräch habe keine Auswirkungen auf das Ermittlungsverfahren gehabt. "Die Tatsache des Gesprächs ist hier erst Monate später bekannt geworden."

[...]

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03.04.2008 11:08:40

Einzelmeinung:

Ich freu' mich auf jeden Fall auf das Gesicht der Politesse, wenn ich ihr beim nächsten Knöllchen mit den Worten entgegen trete: "Gestatten, ich bin Heinrich von Pierer und möchte sie über die Gesamtsituation informieren." :-D


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03.04.2008  09:12:53

Verleihnix1: Laut gedacht.........

Könnte es sein, daß dieser, Beckstein anschwärzende Bericht mit Bedacht heute erscheint, just an dem Tag, an dem die bayerische Landesbank bekannt geben wird, daß sich der Abschreibungsbedarf für geplatzte Hypothekengeschäfte auf 4 Milliarden Euro erhöht?

Und Parteichef und Finanzminister Huber abermals im Regen steht und keine glaubhaften Erklärungen abgeben kann, weil Beckstein die Zahl schon früher öffentlich gemacht hat?

Sind das Ablenkungs- und Verschleierungsmanöver um mit einem Ganovenstreich einen anderen wenige bedeutend erscheinen zu lassen?

Hat das Huber lanciert? Genauso, wie damals, als es um den Parteivorsitz ging und Huber nur deswegen gewonnen hat, weil vorher die außereheliche Affäre von Seehofer durch die Presse geschmiert wurde?

Sowas hat in der CSU Tradition. Man erinnere sich an Waigel, der den CSU-Vorsitz anstrebte und von Stoiber ebenfalls mit seiner Liebschaft abgeschossen wurde.

Oder an Monika Hohlmeier, die ihren Parteikollegen drohte, sie habe Dossiers über sie angelegt. [...]


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03.04.2008 08:51:10

Einzelmeinung:

Man muss heutzutage schon froh sein, dass diese Unterredung offiziellen Charakter hatte und nicht auf dem Golfplatz geführt wurde...

...oder auf der Hochzeit von Christian Wulff, die lt. Bild, Gala, Focus, FAZ,

Spiegel, Bunte, Goldenes Blatt, etc.pp. "unter Ausschluss der Öffentlichkeit" (lol) stattfand und an der auch der RWE-Chef Großmann teilnahm. Natürlich rein privat.

Wie lobte man noch vor kurzem den Postwinkel? Er sei "außerordentlich gut vernetzt". Zu Zeiten der Bonner Republik hätte man gesagt: Er hat außerordentlich viele Vettern.


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03.04.2008 08:39:25

California-Ralf:

Gute Beziehungen braucht man halt, das war doch schon immer so- besonders in Bayern.


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03.04.2008 08:30:18

wrzkbrnft: Herr Pierer ist unschuuuldig

Nichts ist unmöglich, aber wahrscheinlich hat sich Herr Pierer nr wegen Graffiti-Schmierereien an der Siemenshauptverwaltung beschwert. Die Staatsanwaltschaft hat laut heutiger SZ festgestellt, dass Herr Pierer unschuldig ist - da gibt es doch auch Lute die an den Weihnachtsmann glauben.

Übrigens richtig los mit den Ermittlungen der seit Jahren bekannten Bestechungen gings erst nach der Benq-Affäre.


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02.04.2008 18:48:20

Eurohasenbär:

Ich glaube Herr Ott täuscht sich, wenn er sagt: "Das stimmt so nicht, schließlich hat die Münchner Staatsanwaltschaft den größten Korruptionsfall in der deutschen Wirtschaftsgeschichte ausgegraben."

Es war doch damals vielmehr so, daß Schweizer Ermittler und die SEC bereits ermittelten und die deutsche Justiz zum Jagen getragen werden mußte. Man hat hier doch erst Ermittlungen aufgenommen, als man gesehen hatte, daß es nicht mehr anders ging.

Aber was soll man Anderes von einer Justiz erwarten, bei der Festplatten verschwinden, sobald FJS draufsteht.

Man kann es nur immer wiederholen:

Das ganze ist eine handfeste Mafia aus Politik-, Justiz- und Wirtschaftskreisen.

Früher hat man das sehr salopp als Vetternwirtschaft verharmlost.


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02.04.2008 18:43:49

Einzelmeinung: Völlig normal

Pierer wollte doch nur abklären, ob Siemens zum Zwecke der Verbrechensbekämpfung heimlich Vorstandssitzungen filmen darf.

Dabei ergab sich auch die Gelegenheit, Informationen über die jeweiligen Erkenntnisstände auszutauschen und weiterhin enge Kooperation zu vereinbaren, um den Sachverhalt ohne Ansehen der beteiligten Personen aufzuklären.

Eben brutalstmöglich, wie man so schön sagt.



Aus: "Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer: Geheimnisvoller Besuch bei Beckstein" (02.04.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,tt2m1/wirtschaft/artikel/216/166737/ (http://www.sueddeutsche.de/,tt2m1/wirtschaft/artikel/216/166737/)

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[...] Der frühere Siemens-Chef und Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich von Pierer will im ersten Prozess um den milliardenschweren Schmiergeld-Skandal die Aussage als Zeuge verweigern. Das teilte sein für Pressefragen zuständiger Anwalt Winfried Seibert am Mittwoch mit. Pierer mache mit Blick auf das gegen ihn laufende Ordnungswidrigkeiten-Verfahren von seinem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch. "Ich nehme an, dass das Gericht daraufhin von seinem Erscheinen absehen wird", sagte der Anwalt. Das Landgericht München I hatte Pierer ursprünglich für den 20. Juni als Zeuge im ersten Strafprozess um den Korruptionsskandal geladen. Angeklagt ist darin ein früherer Manager der Siemens-Festnetzsparte ICN, der den Aufbau schwarzer Kassen und die Abwicklung dubioser Zahlungen eingeräumt hatte.

[...] Gegen Pierer und andere Mitglieder der Siemens-Führungsspitze ermittelt die Staatsanwaltschaft München wegen des Verdachts einer Verletzung der Aufsichtspflicht. Dabei würde es sich um eine Ordnungswidrigkeit handeln, die mit einer Geldbuße von bis zu einer Million Euro belegt werden könnte. Seibert erklärte, der Schritt Pierers mache mit Blick darauf aus seiner Sicht Sinn. Der frühere Konzern-Chef müsse sich in der derzeitigen Situation "voll auf die Verteidigung in dem Ordnungswidrigkeiten-Verfahren konzentrieren. Jede Aussage, die einen ähnlichen Sachverhalt betrifft, kann kontraproduktiv sein."

Pierer selbst übernahm unterdessen in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit eine "politische Verantwortung" für die Affäre um schwarze Kassen während seiner Amtszeit als Vorstandsvorsitzender. "Wahrscheinlich hätte ich deutlicher sagen sollen, dass ich die politische Verantwortung trage für die Dinge, die während meiner Amtszeit geschehen sind", sagte Pierer. "Ich dachte, das bringe ich mit meinem Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender deutlich genug zum Ausdruck." Pierer war von 1992 bis 2005 Siemens-Chef und trat danach an die Spitze des Aufsichtsrats. Im Zuge der Korruptionsaffäre war er im April 2007 zurückgetreten.

In dem Schmiergeld-Skandal geht es um dubiose Zahlungen von 1,3 Milliarden Euro, die im Ausland zur Erlangung von Aufträgen eingesetzt worden sein sollen. Die größte Gefahr in dem Skandal droht dem Konzern von der mächtigen Börsenaufsicht SEC, die eine Milliarden-Strafe gegen Siemens verhängen könnte. Ein Ausschuss des Aufsichtsrats prüft auch mögliche Schadenersatzansprüche.

In dem Prozess vor dem Landgericht München I hatten vor Pierer auch mehrere andere Mitglieder der ehemaligen Siemens-Führungsspitze angekündigt, dass sie die Zeugenaussage verweigern wollen. Dazu gehören auch die früheren Zentralvorstände Heinz-Joachim Neubürger und Thomas Ganswindt, die als Beschuldigte im Siemens-Verfahren geführt werden.

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11. Juni 2008 19:19
Das nennt man dann "politisch die Verantwortung uebernehmen"
copyandpaste (96 Beiträge seit 22.04.08)

Nicht zur Aufklaerung beitragen, nichtmal ne Ordnungswidrigkeit
riskieren wollen.
Aber "politisch die Verantwortung uebernehmen" ( ) , kostet ja nix.

http://www.heise.de/newsticker/Ehemaliger-Siemens-Chef-von-Pierer-uebernimmt-politische-Verantwortung-fuer-Schmiergeldaffaere--/meldung/109308 (http://www.heise.de/newsticker/Ehemaliger-Siemens-Chef-von-Pierer-uebernimmt-politische-Verantwortung-fuer-Schmiergeldaffaere--/meldung/109308)





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11. Juni 2008 19:17
oho
zwodrei (mehr als 1000 Beiträge seit 07.07.05)

Heinrich von Pierer, der große Innovationsberater. Gut, dass kein
Patentgesetz nach ihm benannt wurde. Pierer V oder so.


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11. Juni 2008 20:06
Womit werden die fetten Managergehälter immer gerechtfertigt?
exil (mehr als 1000 Beiträge seit 31.12.02)

Mit Verantwortung?

...


Quote
12. Juni 2008 09:33
Ist wohl auch besser so
Sarkastho (605 Beiträge seit 29.08.06)

Irgendwann müsste man sonst zugeben, dass die Schmiergeldgeschichten
gensuso zum normalen Geschäftsablauf zählen wie Getränkeflaschen in
Sitzungssälen stehen.
Aber erst müssen ein paar Hundertausend Seiten Akten durchgekaut
werden, die die Staatsanwaltschaft Jahre und die Staatskasse
Millionen kosten ehe im Wirrwarr ein undurchsichtiger Kompromiss
geschlossen wird um die ganzen Peinlichkeiten zu beenden und jede
Seite sich zum Sieger erklärt.
Alles verlogene Säcke würde ich kurz und bündig resümieren. Nicht nur
bei Siemens ...



Aus: "Ex-Chef von Pierer will Aussage im Siemens-Prozess verweigern" (11.06.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Ex-Chef-von-Pierer-will-Aussage-im-Siemens-Prozess-verweigern--/meldung/109323 (http://www.heise.de/newsticker/Ex-Chef-von-Pierer-will-Aussage-im-Siemens-Prozess-verweigern--/meldung/109323)

Title: [Das Öl für Lebensmittel-Programm... (Irak, 2200 Unternehmen)]
Post by: Textaris(txt*bot) on July 01, 2008, 09:44:24 AM
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[...] Unter den beklagten Unternehmen sind etwa der Ölmulti Chevron, die französische Großbank BNP Paribas, die Pharmakonzerne GlaxoSmithKline und Roche sowie Töchter von Schering Plough und ABB. Aus Deutschland werden Daimler, mehrere zum Siemens-Konzern gehörende Firmen sowie das Medizintechnikunternehmen B. Braun Melsungen genannt.
 
2200 Unternehmen beteiligt - Durch die Bestechungspraxis seien Milliarden Dollar verloren gegangen, "die sämtlich direkt in Lebensmittel, Medizin und andere humanitäre Güter übersetzt werden konnten, die für das irakische Volk bestimmt waren", heißt es in der Klageschrift. Es handle sich um den größten Finanzbetrug in der Geschichte der Menschheit. Die Korruption rund um das "Öl für Lebensmittel"-Programm habe Leben und Gesundheit der Iraker unmittelbar beeinträchtigt.
 
Das UN-Programm existierte von 1996 bis 2003 und hatte ein Gesamtvolumen von rund 67 Milliarden Dollar. Es erlaubte dem Irak, trotz der wegen seines Überfalls auf Kuwait verhängten Sanktionen begrenzte Mengen Erdöl zu verkaufen, um aus den Einnahmen Lebensmittel und andere Güter für die Bevölkerung zu kaufen. Einer Untersuchung im UN-Auftrag zufolge waren 2200 Unternehmen aus 66 Ländern an den Praktiken beteiligt, wodurch Vertreter Iraks in den Genuss von Zahlungen über 1,8 Milliarden gekommen seien.


Aus: "Bestechung unter Saddam - Irak fordert Schadenersatz" (Dienstag, 1. Juli 2008)
Quelle: http://www.n-tv.de/987338.html (http://www.n-tv.de/987338.html)

Title: [17 ehemalige und derzeitige EADS-Manager... (Insiderwissen)]
Post by: Textaris(txt*bot) on July 01, 2008, 09:48:50 AM
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[...] Nach einer längeren Vernehmung durch einen Ermittlungsrichter am Montagmittag sei Humbert in Polizeigewahrsam genommen, verlautete am Montag in Paris aus mit dem Fall befassten Kreisen. Humbert steht in Verdacht, Aktien mit Insiderwissen verkauft zu haben. Dabei geht es um die mögliche Kenntnis von noch nicht veröffentlichten Finanzprognosen und die im Juni 2006 bekanntgegebenen Lieferverzögerungen beim Super-Airbus A380.

Der 58 Jahre alte Humbert hat laut einem Bericht der französischen Finanzmarktaufsicht AMF im November 2005 160.000 EADS-Aktien verkauft, was ihm rund 1,65 Millionen Euro einbrachte. Er hatte die Führung von Airbus im Juni 2005 übernommen, nachdem er dort fünf Jahre lang Nummer zwei gewesen war. Im Juli 2006, wenige Wochen nach Bekanntgabe der Probleme beim Großraumflugzeug A380, musste er seinen Chefposten wieder räumen.

[...] Wegen mutmaßlicher Insidergeschäfte war im Juni auch der frühere Strategie- und Marketingvorstand Jean-Paul Gut vorübergehend festgenommen und nach einer Vernehmung gegen eine Kaution von 400.000 Euro freigelassen worden. Der Franzose hatte EADS vor einem Jahr verlassen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, von den später bekanntgewordenen Lieferschwierigkeiten beim Riesen-Airbus A380 gewusst zu haben. Gut soll daraufhin im November 2005 und im März 2006 einen Teil seiner EADS-Aktien abgestoßen und so rund 1,7 Millionen Euro gesichert haben.

 Wegen des gleichen Verdachts hatte die Justiz Ende Mai ein erstes Ermittlungsverfahren gegen Noël Forgeard eingeleitet: Der frühere EADS-Co-Chef soll ebenfalls in Kenntnis kursrelevanter Informationen einen Teil seiner EADS-Aktien verkauft und damit 4,3 Millionen Euro erzielt haben. Forgeard wurde nach der Vernehmung gegen Zahlung einer Kaution von einer Million Euro freigelassen.

Insgesamt hat die AMF 17 ehemalige und derzeitige EADS-Manager in Verdacht, sich mit Insiderwissen finanzielle Vorteile verschafft zu haben. Bisher haben die Ermittler noch keinen der amtierenden EADS-Manager zur Befragung einbestellt, die im Bericht der Finanzaufsicht benannt werden. Unter ihnen befindet sich auch Airbus-Chef Thomas Enders. Bei einer Anklage drohen den Führungskräften zwei Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe, die bis zum Zehnfachen des erzielten Gewinns betragen kann.


Aus: "VERDACHT AUF INSIDERHANDEL - Ex-Airbus-Chef Humbert in Polizeigewahrsam" (mik/AFP/dpa,  30.06.2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,563066,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,563066,00.html)

Title: [Offshorekonten sind somit eine gute Alternative... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on July 01, 2008, 10:04:05 AM
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[...] Nachdem in letzter Zeit der sechstgrößte Goldproduzent der Welt, Harmony Gold, in die negativen Schlagzeilen gerutscht ist, rutscht nun der CEO der Firma Mr. Bernard Swanepoel hinterher. In Südafrika läuft mittlerweile ein Verfahren gegen den Harmony Chef, da er angeblich über 74 sogenannte „Offshore Konten“ (Konten in Steuerparadiesen) verfügt, darunter einige auf den Bermudas, der Isle of Man und der Schweiz. Nach südafrikanischem Recht, ist der Besitz von mehreren ausländischen Konten nicht rechtmäßig. Die meisten der Konten weisen regelmäßige Bewegungen, von allerdings relativ kleinen Summen zu 5.000$ auf. Des weiteren soll noch eine weitere Anzahl an kleineren Konten, die auf den Namen des Marketing Direktors von Harmony Gold lauten, eingerichtet worden sein. Laut einem Sprecher hat Mister Swanepoel bei der südafrikanischen Zentralbank um Aufklärung dieses Falls gebeten, da er von diesen Konten noch nie etwas gehört habe und sie (die Konten) wahrscheinlich einer anderen Person gehören. Einzig auffälliges Phänomen ist, dass alle 74 Konten, mit einem bisher geschätzten Vermögen von 22 Millionen Pfund, auf den Inhaber Zacharias Bernardus Swanepoel eingetragen sind. Dies ist nämlich der gesetzlich richtige Name des Harmony CEO`s. Vielleicht kann sich Herr Swanepoel nur nicht mehr erinnern, dass er diese Konten eröffnet hat.

[...]


Aus: "Aktientipps, Märkte & Co - Rohstoff Express: Riesen Skandal In Südafrika? 74 Offshore Konten mit 22 Mio.!" Von Sebastian Hell (Dienstag, 17. Mai 2005)
Quelle: http://www.value-stocks.de/modules/news/article.php?storyid=599 (http://www.value-stocks.de/modules/news/article.php?storyid=599)

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[...] Im Gegensatz zur deutschen Regierung sind ausländische Regierungen weitaus weniger gierig. Auslands- bzw. Offshorekonten sind somit eine gute Alternative Ihr Vermögen zu schützen. Viele Länder sind an Ihrer Geldanlage interessiert; einige davon haben sehr attraktive Gesetze im Hinblick auf Bankgeschäfte und Ihre Privatsphäre. Viele dieser Banken liegen in sogenannten Steueroasen. Als Steueroasen werden Staaten oder Gebiete bezeichnet, die besonders niedrige Steuern erheben und so für Kapital aus Ländern mit höheren Steuersätzen attraktiv sind. Die Bezeichnung Offshore-Finanzplatz unterstreicht stärker regulatorische Besonderheiten, die allerdings auch in den meisten Steueroasen existieren: die Bankenaufsicht ist liberal und es wird Wert auf Diskretion gelegt. Die meisten Offshore-Finanzplätze sind Steueroasen.

Um Ihr Vermögen langfristig ohne hohe Gebühren und Steuerabgaben zu sichern, sollten Sie sich mit diesem Thema detaillierter auseinandersetzen. Mit dem notwendigen Know-how ist die Konteneröffnung im Ausland nicht schwieriger oder risikoreicher als die Eröffnung eines Kontos in Ihrem Heimatland.

Alles, was Sie über Anonym- und Offshore-Banken und -Konten wissen müssen, lesen Sie in diesem Ratgeber!

Autor: Dr. Claus-Peter Bienen
Umfang: 74 Seiten
Erscheinungsdatum: 2008 (5. Auflage)
Verlag: GD-Verlag | Gentlemen's Digest
eBook: EUR 19,95


Aus: "Auslandskonto 2007/2008 | Anonym- u. Offshore-Konten" (Gentlemen's Digest Ltd. & Co. KG, Stand: 06/2008)
Quelle: http://www.gdigest.com/product_info.php?products_id=308 (http://www.gdigest.com/product_info.php?products_id=308)



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[...] Die Ermittler des US-Justizministeriums fordern von der Schweizer Großbank UBS Informationen über US-Bürger, die möglicherweise mit Hilfe von Offshore-Konten Steuern hinterzogen haben. Das Ministerium beantragte bei einem Bundesgericht in Miami, der Steuerbehörde IRS eine gerichtliche Aufforderung der UBS zu genehmigen. [...] Nach verschiedenen Medienberichten soll es sich um die Daten von bis zu 20.000 vermögenden amerikanischen Kunden handeln. [...] Laut den in der Schweiz geltenden Regeln, dürfen Banken Kundendaten nur weitergeben, wenn gegen konkrete Personen strafrechtlich relevante Vorwürfe erhoben werden. Steuerhinterziehung ist in der Schweiz aber kein Straftatbestand.

[...]


Aus: "STEUERHINTERZIEHUNG - US-Justiz verlangt Daten von Tausenden UBS-Kunden" (01.07.2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,563094,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,563094,00.html)

Title: [Tausende neue Belege... (BRD, Liechtenstein)]
Post by: Textaris(txt*bot) on August 05, 2008, 09:35:40 AM
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[...] Nach Informationen der Frankfurter Rundschau verfügt das Landgericht Rostock seit dem 1. August 2008 über rund 1850 Belege von unbekannten Konten deutscher Bürger, die im Verdacht stehen, Steuern hinterzogen zu haben. Es handelt sich dabei um Konten der Liechtensteinischen Landesbank (LLB), die im Prozess wegen millionenschwerer Erpressungen von der Verteidigung vorgelegt wurden. Vier Angeklagte sollen rund 2500 Kontenbelege der LLB illegal beschafft haben und erpressten damit die Landesbank im Juli 2005 mit einer Forderung in Höhe von 13 Millionen Euro. Die traditionsreiche Bank ging aus Imagegründen auf den Deal mit den Erpressern ein und bezahlte in einer ersten Rate rund neun Millionen Euro für die Herausgabe der Daten. Der Mitangeklagte Michael F. aus Rostock wurde in Deutschland verhaftet, als er versuchte mit 452.000 Euro im Gepäck nach Thailand auszufliegen und damit die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ins Rollen brachte.

...


Aus: "Liechtensteiner Steueraffäre" (3. August 2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Steueraff%C3%A4re_in_Deutschland_2008 (http://de.wikipedia.org/wiki/Steueraff%C3%A4re_in_Deutschland_2008)

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[...] Nach der Affäre um Ex-Postchef Klaus Zumwinkel, der wie viele andere reiche Deutsche Schwarzgeld bei der Treuhandgesellschaft der LGT-Bank deponiert hatte, ist die in Rostock verhandelte Affäre der zweite bundesweite Skandal um Liechtensteiner Geheimkonten. Auch hier hatte ein Angestellter heimlich brisante interne Belege kopiert. In der Affäre um Treuhandstiftungen bei der LGT-Bank geht es um rund 800 Belege, die der Bochumer Staatsanwaltschaft vorliegen. (sf/ddp)


Aus: "Steueraffäre: Tausende neue Belege über Sünder aufgetaucht" (ZEIT online, Tagesspiegel | 02.08.2008)
Quelle: http://www.zeit.de/news/artikel/2008/08/02/2584624.xml (http://www.zeit.de/news/artikel/2008/08/02/2584624.xml)

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[...] Vor dem Rostocker Landgericht müssen sich April vier Angeklagte wegen millionenschwerer Erpressung der LLB verantworten. Sie sollen sich laut Anklage mehr als 2.300 von einem LLB-Mitarbeiter gestohlene Kontenbelege verschafft haben, um damit Kunden sowie die Bank zu erpressen. Im Juli 2005 sollen sie 13 Mio. Euro in drei Raten von der LLB gefordert haben. Um einen Imageschaden zu verhindern, zahlte die Bank laut Staatsanwaltschaft für die ersten Daten umgerechnet rund 9 Mio. Euro in zwei Raten.

...


Aus: "Steueraffäre Liechtenstein Fahnder entdecken 1850 Geheimkonten" (02.08.2008)
Quelle: http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Steueraff%E4re_Liechtenstein_Fahnder_entdecken_1850_Geheimkonten/393445.html (http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Steueraff%E4re_Liechtenstein_Fahnder_entdecken_1850_Geheimkonten/393445.html)

Title: [So gross und so mit dem Finanzsystem verwoben... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on September 07, 2008, 07:36:50 PM
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[...] Der Staat werde die beiden Konzerne bis zu deren Stabilisierung führen.

Die beiden Unternehmen seien «so gross und so mit dem Finanzsystem verwoben, dass das Scheitern eines der beiden grosse Unruhe auf dem Finanzmarkt hier und in der ganzen Welt auslösen würde», sagte Paulson.

[...] Die Lage der beiden Institute spitzte sich am Freitag nach Presseberichten über dringend benötigte staatliche Finanzhilfen zu. Die Aktie von Fannie Mae brach um 24% ein, jene von Freddie Mac um 19 Prozent.

[...] Eine staatliche Rettungsaktion könnte die Steuerzahler nach Schätzungen der Haushaltsbehörde des Kongresses etwa 25 Milliarden Dollar kosten.


Aus: "Staat übernimmt Ruder bei Fannie und Freddie - Amerikanische Baufinanzierer unter Kontrolle der Regierung" (7. September 2008, 18:24, NZZ Online)
Quelle: http://www.nzz.ch/nachrichten/panorama/staat_uebernimmt_fannie_und_freddie__1.826129.html (http://www.nzz.ch/nachrichten/panorama/staat_uebernimmt_fannie_und_freddie__1.826129.html)

Title: [Eine stolze Bank nach der anderen ist gekippt... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on September 16, 2008, 11:00:09 AM
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[...] Mehrere Chauffeure parkten die dunkelverglasten Limousinen ihrer Chefs in einer Seitenstraße so ungünstig, dass keine anderen Autos mehr durchkamen. Der Stau musste von uniformierten Beamten der Fed aufgelöst werden. In guten Zeiten bezeichnen sich Investmentbanker gerne als "Masters of the Universe". In schlechten Zeiten verhalten sich zumindest ihre Chauffeure noch so.

[...] Mit Normalität hat das nichts mehr zu tun, trotz der unbeirrt weiterflimmernden Bildschirme an der Gebäudefassade: Hunderte Angestellte verlassen das Gebäude mit Taschen und Kisten. Aus einigen ragen Tennisschläger heraus. Andere holen sogar ihre Blumen aus den Büros. Es wirkt nicht wie ein geordneter Auszug, sondern wie eine Plünderung. Ein Panflötenspieler hat möglicherweise begriffen, was die Stunde geschlagen hat, und spielt in einer Endlosschleife "My heart will go on".

Lehman Brothers, vergangenes Jahr der größte Zeichner von Hypothekenpapieren, existiert nicht mehr. Eine 158-jährige Firmengeschichte geht zu Ende, 24.000 Mitarbeiter stehen vor einer ungewissen Zukunft.

Bei der Fed laufen am frühen Abend immer noch Leute ein. Kaum einer verlässt das Gebäude. Nach und nach dringen weitere Nachrichten durch, die die Bankenwelt erschüttern: Der noch vor kurzem weltgrößte Versicherungskonzern AIG möchte schon am Montag einen Sanierungsplan vorlegen und 40 Mrd. $ an frischem Kapital aufnehmen. Laut "Wall Street Journal" bittet das Unternehmen sogar die Fed um Hilfe - obwohl diese eigentlich nur für Banken zuständig ist.

Währenddessen schaffen es die beiden Vorstandschefs Kenneth Lewis und John Thain laut übereinstimmenden Berichten, die Übernahme von Merrill Lynch durch Bank of America unter Dach und Fach zu bringen. Das bedeutet, dass es auf einen Schlag nur noch zwei große US-Investmentbanken gibt. Vor dem Wochenende waren es noch vier. Spätestens jetzt ist klar: An diesem Wochenende wurde das US-Finanzsystem in seinen Grundfesten erschüttert.




Aus: "US-Finanzkrise - Tage des Umsturzes an der Wall Street"
von Sebastian Bräuer und Astrid Dörner (New York, 15.09.2008)
Quelle: http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/:US-Finanzkrise-Tage-des-Umsturzes-an-der-Wall-Street/413835.html (http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/:US-Finanzkrise-Tage-des-Umsturzes-an-der-Wall-Street/413835.html)


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[...] Hamburg - Für Lehman Brothers Chart zeigen hob niemand mehr die Hand. In sich zusammengesackt war das Vertrauen der Banker gegenüber dem angeschlagenen Institut, als die Teilnehmer der sonntäglichen Krisensitzung um Notenbankchef Ben Bernanke und US-Finanzminister Hank Paulson Wege zur Rettung der Bank ausloteten. Viel zu riskant, so die einhellige Meinung der versammelten Bankenchefs.

Doch damit sind sie alles andere als fein raus. Mit der kurz darauf verkündeten Insolvenz von Lehman beginnen erst die Aufräumarbeiten. Und diejenigen Banken, die bislang vergleichsweise verschont geblieben sind, werden sich daran beteiligen müssen: Weil die Politik es von ihnen erwartet, und weil sie sonst vermutlich selbst rasch in einen Abwärtsstrudel geraten würden.

Zehn Banken haben einen Nothilfefonds gebildet und jeweils sieben Milliarden Dollar eingezahlt. Zu dem Verbund gehören J. P. Morgan, Goldman Sachs, die Bank of America, die britische Barclays, die Citigroup, Merrill Lynch, Morgan Stanley, die Schweizer Credit Suisse und UBS. Auch die Deutsche Bank macht als bislang einziges deutsches Institut mit.

Die beteiligten Banken versichern sich gegenseitig Hilfe, "damit keine weiteren Institute über die Klinge springen", wie Analyst Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus nüchtern sagt. Ob das Erfolg haben wird, ob der Kapitaleinsatz genügt, sei offen. "Die Aktion zeigt, wie turbulent sich das Finanzsystem präsentiert."

Die Gefahr, dass ein weiterer Finanzkonzern kollabiert, ist mit der Pleite von Lehman rapide gewachsen. Denn nun drohen all die belastenden Papiere und Konzernteile von Lehman auf den Markt zu kommen. Doch der gilt bereits jetzt als nahezu ausgetrocknet. ABS-Papiere, die auf US-Immobilien basieren, will niemand mehr haben.

Damit bekommt eine gefährliche Abwärtsspirale neuen Schwung: Die Pleite einer Bank wie Lehman Brothers sorgt dafür, dass die Bewertungen der sogenannten Asset Backed Securities noch weiter unter Druck kommen. Da Banken jedoch derzeit dazu verpflichtet sind, ihre Positionen nach dem Mark-to-market-Prinzip zu bewerten, müssen sie jeden weiteren Wertverfall der ABS-Papiere in ihren Bilanzen berücksichtigen, also weitere Abschreibungen in Milliardenhöhe vornehmen.

Das bedeutet: Je tiefer die Preise auf einem bereits ausgetrockneten Markt fallen, desto größer das Risiko für alle Banken, die solche Wertpapiere noch in ihren Bilanzen halten. Es gilt also, die Bewertungen vor einem weiteren Absturz zu bewahren.

"Wenn jetzt Lehman kommt und einfach den ganzen Mist verkauft, den die Bank so hat, dann gibt es auf einmal sehr niedrige Bewertungen in den Portfolios anderer Banken", sagt ein Finanzmarktexperte gegenüber manager-magazin.de. "Deshalb ist es im Sinne dieser Banken, einen Auffangfonds zu gründen, in dem man diesen 'Fire sale', also den Notverkauf um jeden Preis, verhindert."

Denn so lautet das Horrorszenario der Überlebenden: Eine Bank wie Lehman Brothers muss Papiere um jeden Preis verkaufen, und irgendein Hedgefonds wittert seine Chance und sammelt die Werte mit einem nochmals gehörigen Abschlag am Markt ein. Damit definiert er ein neues, noch tieferes Preisniveau, das die Bilanzen der anderen Banken sprengen könnte.

"Wenn diese kaputten Assets in einem Fire Sale zu Ramschpreisen verkauft werden, würde das eine Preisanpassung bedeuten, die bei Weitem mehr kosten würde als diese sieben Milliarden Dollar, die die Banken jeweils einzahlen", sagt der Kreditstratege. "Es ist also rational von den Banken, das Geld in die Hand zu nehmen und diesen Fonds zu gründen."

Nicht nur die übel beleumundeten Supbrime-Papiere unterer Kategorien sind betroffen. Auch für Papiere, die als deutlich sicherer gelten, lassen sich kaum Preise realisieren, die eines Tages durchaus wieder gezahlt werden dürften. Mit allen Mitteln versuchen die Banken, hohe Buchwerte für diese Positionen über die Zeit zu retten.

Auch Institute wie die Deutsche Bank versuchen daher das plötzliche Entstehen einer "Bad Bank" in den eigenen Reihen zu verhindern. Noch halten sich die Initiatoren des nun aufgelegten Rettungsfonds bedeckt, wie sie genau vorgehen wollen. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass sie die Überbleibsel von Lehman gezielt unter die Lupe nehmen. "Definitiv werden Lehman-Assets gekauft werden", heißt es bei einer Großbank.

Die Banken schicken sich mit dem Notfonds nicht nur an, ihre eigenen Bilanzen zu schonen und den Kollaps des einen oder anderen Instituts zu verhindern. Immer mehr geht es auch darum, die drastischsten Auswirkungen auf die Konjunktur zu verhindern. Doch dieser Kampf ist nach Ansicht mancher Experten schon längst verloren.

[...] Die Deutsche Bank etwa dürfte sich vor allem um ihr Kreditportfolio sorgen, wenn es zu einem drastischen Wirtschaftsabschwung in den USA und anderen Teilen der Welt kommt.

Diese sogenannten Drittrundeneffekte der Kreditkrise zeichnen sich bereits in den USA ab. Die Arbeitslosigkeit steigt, Reallöhne sinken wegen der Inflation; Ersparnisse, die aufzulösen wären, gibt es nicht oder sollen angesichts der Krise geschont werden. "Die Folge könnte auch eine Rezession im privaten Konsum sein", sagt Schilbe. "Schon jetzt steigen die Ausfallraten bei Konsumentenkrediten und, Autokrediten in den USA. Da müssen die Banken versuchen, Einhalt zu gebieten."

Das deutsche Bankensystem gerät indirekt in diesen Strudel. Anders als manche US-Bank verfügen die deutschen Institute zwar über zum Teil hohe Einlagen. Allerdings würden wegen des heraufziehenden Abschwungs weniger Kredite nachgefragt.

Die dritte Phase der Kreditkrise, der volkswirtschaftliche Abschwung würde sich auch für das Bankensystem noch weit heftiger bemerkbar machen als einfache Liquiditätsprobleme, Abschreibungen und Verluste bei den Banken. Ausfallwerte steigen signifikant an.

"Wenn es dazu kommt, gibt es lauter kleine Nadelstiche für alle Banken", sagt der Finanzmarktexperte, der nicht namentlich genannt werden will. "Dann müssen die Banken über einen längeren Zeitraum hier 'ne Milliarde, und da 'ne Milliarde Euro abschreiben. Das wird das Bankensystem 2009 noch schwer belasten."

Der nun aufgelegte Bankenfonds ist aus Sicht manches Beobachters lediglich der Versuch, den allerschlimmsten Fall zu verhindern. "Es geht nur noch darum, den Worst Case, das Zusammenbrechen des Finanzsystems, zu verhindern", sagt der Experte weiter.

...


Aus: "KRISENFONDS - Retten, was (nicht) zu retten ist" Von Nils-Viktor Sorge
Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,578268,00.html (http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,578268,00.html)

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[...] Der Gouverneur des Bundesstaates New York, David Paterson, sieht nach dem Kollaps der Bank Lehman Brothers bis zu 30.000 Stellen an der Wall Street in Gefahr. Die ganzen Auswirkungen der Krise dürften erst in Monaten oder gar Jahren klarwerden, sagte er. Nach Angaben des New Yorker Arbeitsamts seien im Juli 181.000 Menschen an der Wall Street beschäftigt gewesen, 11.000 weniger als im Vorjahr.


Aus: "Börsenkrise - "Schwarzer Dienstag" in Asien" (16.09.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/369/310299/text/ (http://www.sueddeutsche.de/finanzen/369/310299/text/)

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[...] Eine stolze Bank nach der anderen ist gekippt. Sie sind zusammengebrochen in der größten Finanzkrise, die die Welt seit 80 Jahren gesehen hat. Innerhalb von nur sechs Monaten sind drei der fünf großen Investmenthäuser untergegangen. Im März musste der amerikanische Staat bei Bear Stearns einspringen. Vergangene Woche trudelte Lehman Brothers in die Pleite. Und in der Nacht zu Montag wurde auch noch Merrill Lynch eilig verkauft. Zwei große Investmentbanken sind übrig geblieben: Goldman Sachs und Morgan Stanley. Niemand weiß, was aus ihnen wird. Die Geldhäuser selber behaupten, dass sie stark genug seien, die Krise zu überstehen. Aber das haben die Kollegen der drei anderen Häuser vor einem halben Jahr auch behauptet.


Der Aufstieg und der Fall der großen Investmentbanken zeigen, wohin Gier führen kann - auf dem Weg nach oben, aber auch nach unten. Amerikas Aufstieg zur größten Wirtschaftsnation der Welt wäre ohne die Geldmaschine der Wall Street unmöglich gewesen. In den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat Washington die Finanzhäuser und die Börsen von ihren Fesseln befreit. Seither haben sich die Kapitalmärkte zu dem am stärksten globalisierten Handelsplatz entwickelt. Sie haben das Geld beschafft, damit die Welt schneller wachsen kann. Sie haben zugleich die Unternehmen verändert. Heute folgen Konzernchefs dem Takt, den Analysten vorgeben, Hedgefonds entmachten Vorstände, und Heuschrecken-Investoren fleddern Traditionsfirmen.

Gehandelt wird auf diesem globalen Finanzmarkt in Lichtgeschwindigkeit. Angeboten werden hochkomplizierte Produkte, die selbst viele Banker kaum noch verstehen. Diese Instrumente, die vor allem an der Wall Street erfunden wurden, sollten das Weltfinanzsystem sicherer machen - doch sie haben es unsicherer werden lassen. Die Banker haben Kredite verpackt und weiterverkauft, sie haben Wertpapiere zerlegt und neu zusammengesetzt. Sie haben behauptet, dass man Risiken nur auf möglichst viele Investoren verteilen müsse, damit sie für niemanden zur Gefahr werden. Doch die Finanzkrise zeigt, dass die Risiken sich dort ballen, wo sie nicht mehr sein sollten: bei den großen Banken und Fonds.

Es ist dabei eine bittere Ironie der Geschichte, dass eine der größten Gefahren derzeit von einem Finanzprodukt ausgeht, mit dem man sich gegen Pleiten versichern kann: den sogenannten Credit Default Swaps. Erfunden wurden diese Papiere erst vor wenigen Jahren. Banken und Fonds nutzten sie schon bald nicht nur dazu, sich gegen Risiken zu versichern, sondern auch dazu, auf die Pleite eines Unternehmens zu wetten. Der legendäre Investor Warren Buffett bezeichnete diese Papiere einmal als "finanzielle Massenvernichtungswaffen".

Der Sturz der Investmenthäuser trifft Amerika ins Mark. Er zeigt, dass der Boom dieses Landes zu einem großen Stück auf der Selbsttäuschung beruhte, dass Geld sich beliebig vermehren ließe. Und dass es im Überfluss vorhanden sei. Die Wall Street hat das ganze Land mit Geld versorgt, die Unternehmen, die hochverschuldeten Immobilienbesitzer und die ebenfalls hochverschuldete Regierung. Die Banken und Fonds haben den Politikern in Washington zudem mehr Geld gespendet als irgendjemand sonst; niemand, der ins Weiße Haus einziehen will, kommt ohne ihre finanziellen Gaben aus - weder John McCain noch Barack Obama.

Die Wall Street hat eine schier unerschöpfliche Geldmaschine befeuert, die nun nicht mehr funktioniert. Seit die Blase am amerikanischen Immobilienmarkt im Frühjahr 2007 geplatzt ist, entfaltet sich eine beispiellose Krise. Und deshalb funktioniert auch Amerikas Wirtschaft nicht mehr wie gewohnt. Das Land steht vor einer Rezession, wie es sie seit langem nicht erlebt hat.

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16.09.2008 08:09:27

cooldog:
Der Boom der USA beruhte auf der Illusion, dass sich Geld beliebig vermehren
liesse, lese ich da. Bis vor einem Jahr klang das noch ganz anders, da wurde
von den neoliberalen Ideologiefunktionären hierzulande die `dynamische US-Wirtschaft'
hofiert bis zum Abwinken. Wie oft wurde zB der fehlende Kündigungsschutz
in den USA gepriesen als Grund für den scheinbar immerwährenden Aufschwung
dort, im Unterschied zum `verkrusteten' Deutschland.
Meiner Meinung nach ist hierzulande vor allem eine Konsequenz notwendig:
die schonungslose Abrechnung mit den selbsternannten Wirtschaftsexperten
in den Wirtschaftsredaktionen und den Wirtschaftsinstituten die hier wieder mal
ihre völlige Inkompetenz und ideologische Verblendung schlagend unter Beweis gestellt
haben.


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16.09.2008 08:54:24

Gerard1808: Zu Aquarius

Ich bin mit dir total einverstanden. Was ein Bankier macht ist viel schlimmer als der Räuber mit Hartz IV, der stehlen muss um den Monat abzurunden. Die Schaden sind viel größer. Bloß er muss ins Gefängnis und der Man mit dem schönen Anzug, schöne Frisur und schöne Krawatte geht vielleicht mit einem Golden Parachute von X-Millionen unbestraft davon.

Wir sollten uns auch Fragen um unsere Medien (Presse), Politikern, sogenannte Experten (Ifo-Institut), die das nicht vorausgesehen haben, weil sie Diener einer neoliberalische oder anarcho-liberlische Idee waren. Ich vergesse nicht Stoiber, als er sagte, dass wir das Beispiel von Spanien und England folgen sollten, und vergesse auch nicht unseren bayrische Finanzminister, der im Aufsichtsrat von bayrischen LB sitzt und denkt, er hat keinen Grund in der Politik aufzugeben. Ich vergesse auch nicht die Leute (wie Clemens und Schroeder, die von der Politik zu Firmen gehen, die sich das Geld aus der Taschen unserer Bürgern holen).

Es muss einfach mehr Ethik geben. Wir können das aber von Niemand (Mann, Unternehmen) spontan erwarten. Die Gesetze; Grenzen, sollen deutlicher sein. Wir müssen auch ein gemeinsames realistischer Projekt mit mehr Gerechtigkeit, Gleichheit und Solidarität, eigentlich sind wir eine Republik. Das haben viele, die zurück ins XIX Jahrhundert wollen, vergessen.


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16.09.2008 08:53:47

rallmans: Wie bei Asterix

Das amerikanische WWirtschaftssystem der Jetztzeit erinnert mich an "Asterix und der Avernerschild": In Alesia leben die Händler davon, dass sie sich gegenseitig Wein und Kohle verkaufen. Produzieren tut niemand.

Und so auch in den USA. Gut verdienen taten die, die sich gegenseitig was verkauften: Häuser, Wertpapiere, Schulden und viele schöne andere Sachen. Die Produktion war unwichtig, brachte auch viel weniger Gewinn, die Bezahlung der Industriearbeiter wurde immer schlechter. Man konnte ja auch alles so billig aus dem Ausland haben, sollten die doch produzieren.

Jetzt wird, wenn auch in einem anderen Zusammenhang, der schön erfundene Satz vom Geld, das man nicht essen kann, wahr. Und die industriellen Strukturen - Fabriken, Entwicklung, Facharbeiter - sind, bis auf wenige Ausnahmen (Boing, GE) nicht mehr da. Auch wenn der $-Kurs sinkt bleibt das Handelsbilanzdefizit gleich, die US-Industrie hat nicht mehr dei Möglichkeit den Bedarf zu befriedigen.

Aber, so lange es gut ging war alles toll.


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16.09.2008 10:08:18

Donata1: Jolandos: wohl gesprochen - geschrieben:

Den Artikelverfassern von SZ darf man es wohl nicht verübeln, dass man eins ums andere Mal nurmehr mässigen Boulevardjournalismus liest. Zur Meinungsbildung allerdings muss man sich einiges fragen, da er in Reihe Westentaschenbanker produziert, die für manche Fehlstellung verantwortlich sind - wenn in Deutschland gewählt wird beispielsweise, wenn über Deutschlands Rolle innerhalb der EU und NATO verhandelt wird. In der Summe wird solch Halbkenntnis- und -wahrheitsjournalismus dann schon zu einem Problem. Hoffen wir also auf den mündigen, sich doch noch gründlicher informierenden Bürger.

Ich bin sehr gespannt, was ein Verfasser wie H. Schäfer oder Herr von Hagen in - sagen wir 6, 8 Monaten schreibt? Ich prophezeie das Ärgste: es wird die USA immer noch geben, es wird hochinteressante prosperierende Neuerungen geben - und Jolandos: sehr richtig: es wird im Moment unglaublich "Geld gemacht". Eine heisse Küche ist halt nicht für jedermann das richtige Umfeld.


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16.09.2008 10:57:02

LeanderSellenthin: Es war und ist keine "Selbsttäuschung"...

es ist Lüge!

Genauso wie Menschen lügen, wenn sie von sicherer Atommülllagerung reden, wenn Werbefritzen unwichtige Produkte verkaufen wollen, wenn Politiker den Schuldenberg weiterhin behäufen und vom "ausgeglichenem" Haushalt sprechen, wenn Industrielle mit Globalisierung deutschen Arbeitswert verbilligen müssen wollen, wenn Dumme erzählen, der heutige Kapitalismus funktioniert ewiglich.

Man muss den Menschen nur beschäftigen, egal womit und wenn es schwere unterbezahlte Arbeit sei, er darf um Gottes Willen nicht anfangen selbstständig zu denken! Immerhin fragte Brecht schon vor langer Zeit, wer ist den nun der Verbrecher, der der eine Bank ausraubt, oder der der eine eröffnet?



Aus: "Wall Street - Der Absturz" Ein Kommentar von Ulrich Schäfer (15.09.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/340/310270/text/ (http://www.sueddeutsche.de/finanzen/340/310270/text/)

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[...] Die Europäische Zentralbank hat die Geschäftsbanken des Euroraums erneut mit zusätzlichen liquiden Mitteln in Milliardenhöhe versorgt, um ein Austrocknen der europäischen Kreditmärkte zu verhindern. Die Notenbank teilte den Geschäftsbanken 70 Milliarden Euro für einen Tag zu, teilte die EZB in Frankfurt mit. Bereits am Montag hatte die EZB gegen Liquiditätsengpässe am Geldmarkt 30 Milliarden Euro bereitgestellt. Damit soll eine Kreditklemme der Banken verhindert werden.

Am Dienstag lag die Nachfrage nach dem zusätzlichen Geld mit 102,48 Milliarden Euro höher als die ausgeschriebene Summe. Der Durchschnittszins betrug 4,40 (Vortag: 4,39) Prozent, teilte die EZB mit. Dies ist etwas höher als der Leitzins - zu dem Banken sich derzeit von der EZB Geld leihen können - von 4,25 Prozent.

Gleichzeitig erhöhten sich die Verbraucherpreise um 3,8 Prozent, während sie im Vormonatsvergleich um 0,1 Prozent sanken.Die Vorabschätzung für die Jahresrate wurde damit wie erwartet bestätigt.
Auf Monatssicht hatten Volkswirte im Mittel aber einen etwas stärkeren Rückgang um 0,2 Prozent prognostiziert. Im Juli und Juni hatte die jährliche Inflationsrate mit jeweils 4,0 Prozent den höchsten Stand seit der Einführung des Euro verzeichnet.




Aus: "EZB - Milliarden in den Markt gepumpt" (16.09.2008)
Quelle: http://www.fr-online.de/top_news/1595065_Milliarden-in-den-Markt-gepumpt.html (http://www.fr-online.de/top_news/1595065_Milliarden-in-den-Markt-gepumpt.html)

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[...] Die US-Notenbank rettet den ums Überleben kämpfenden Versicherungskonzern American International Group (AIG) mit einem Kredit in Höhe von 85 Milliarden Dollar - umgerechnet 60 Milliarden Euro. Im Gegenzug werde die Regierung einen Anteil von 79,9 Prozent an AIG übernehmen, erklärte die Fed in New York.

Ein Bankrott des Versicherers könne die wegen der Finanzmarktkrise bereits angeschlagenen Märkte untergraben, begründete die Fed ihre Entscheidung. Das Weiße Haus erklärte, man unterstütze den Rettungsplan.

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[...] Die angekündigten Schritte sollten die Finanzmärkte stabilisieren und den Schaden für die Wirtschaft begrenzen, sagte Sprecher Tony Fratto. Auch Finanzminister Henry Paulson erklärte, er stehe hinter dem Megakredit.

Die Rettungsaktion läuft ähnlich ab wie die Hilfe für die Hypotheken-Banken Fannie Mae und Freddie Mac. Der Investmentbank Lehman Brothers hatte Washington am Wochenende dagegen Unterstützung durch Steuergelder verweigert.

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17.09.2008 08:20:08

Feinstpartikel: Kalte Enteignung

In den USA, dem Mutterland der Idee vom freien Spiel der Marktkräfte, wird vorgemacht, wie sie funktioniert.

79,9 % der AIG sind über Nacht in die Hände der Regierung gelangt (keine 10 Oskar L.s. würden hierzulande ähnliches zustande bringen).

Werden die glühenden Verfechter-/AnbeterInnen der "freien" Marktwirtschaft nunmehr auch diese Vorgehensweise als die allein selig machende propagieren?

Ich bleibe sehr gespannt.


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17.09.2008 08:17:25

ganescha40: Und was kommt als nächstes?

„Ein Bankrott des Versicherers könne die wegen der Finanzmarktkrise bereits angeschlagenen Märkte untergraben, begründete die Fed ihre Entscheidung. Das Weiße Haus erklärte, man unterstütze den Rettungsplan.“

So langsam habe ich es echt satt! Wenn Milliarden verdient (?) wurden und als Gewinne den „Großmeistern“ des Geldes in die Taschen flossen, war der Markt das allein selig machende Instrument. Wenn aber umgekehrt die „Großmeister“ des Geldes als naive Zauberlehrlinge entlarvt wurden, Milliarden in den Sand gesetzt hatten und damit gleichzeitig Tausende von Arbeitsplätzen vernichteten, ist der Staat (und damit der Steuerzahler!) gefragt, der den Herrschaften ihre Sessel retten soll. „Die Geister, die ich rief, die werd ich nicht mehr los.“ Das Ganze ist eine Tatsache, die man leider nicht mehr ändern kann.

Aber warum lässt man hier nicht auch den Märkten freies Spiel? Märkte sind doch in der Terminologie dieser „Marktwirtschaftler“ effizient. Das würde aber bedeuten, dass einige Unternehmen der Finanzbranche vom Markt verschwinden würden. Warum auch nicht? Wer schert sich denn darum, wenn Unternehmen in anderen Branchen in die Insolvenz gehen? „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“.

Und komme mir jetzt nur keiner mit dem „Argument“, dass dann die ganze Kreditwirtschaft zusammenbrechen würde! Das ist eine bloße Schutzbehauptung und steht in absolutem Widerspruch zum Credo der freien Marktwirtschaft. Es würden doch dann die „guten“ Finanzierer übrig bleiben, die nicht auf Eigenkapitalrenditen von 25% und mehr gesetzt haben (das sollte sogar jeder noch so naive Zeitgenosse verstanden haben, dass so etwas auf Dauer unmöglich funktionieren kann). Also warum immer wieder diese „Rettungsaktionen“? Das ist genau wie bei einem Rauschgiftsüchtigen, dem man immer wieder seine Droge gibt (= Stützung durch die Notenbanken), damit er kurzfristig auf die Beine kommt und dann nachher wieder um so schlimmer in den Entzug gerät.


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17.09.2008 08:15:41

reinhardbuest: Finanzmärkte

Sie haben sich verspekuliert vor lauter Gier und einige der Investmentbanker, die sunnyboys der letzten Jahre müssen nun angeln oder segeln gehen. Gottlob, sie haben ja den einfachen Steuerzahler, der in der Not beispringt und sich geduldig schröpfen läßt, gern auch auf Kosten lünftiger Generationen. Natürlich werden die Apologeten des freien Marktes am Ende wieder behaupten, der freie Markt regele alles zum Besten, wenn man ihn nur lasse und jeder andere Gedanke oder gar Zweifel sei schnöder Kommunismus.

Ich glaube nicht, dass sich was ändert...





Aus: "Finanzkrise - US-Notenbank rettet AIG mit zig Milliarden" (17.09.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/529/310458/text/ (http://www.sueddeutsche.de/finanzen/529/310458/text/)

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[...] Finanzminister Henry Paulson und Zentralbankchef Ben Bernanke wollen der American International Group (AIG) einen Überbrückungskredit von 85 Milliarden Dollar gewähren. Die Rettung kommt in letzter Sekunde. Die Geldnot von AIG hatte sich gestern dramatisch zugespitzt, nachdem Ratingagenturen die Einschätzung der Kreditwürdigkeit des Konzerns gesenkt hatten. Ohne staatliche Hilfe hätte AIG wahrscheinlich noch am Mittwoch Konkurs anmelden müssen.

Bis zuletzt schien es, als wolle Washington auf dem neuen Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Härte demonstrieren. Am Wochenende hatten Regierung und Zentralbank der Investmentbank Lehman Brothers Garantien verweigert und sie damit in die Pleite gestürzt. Doch AIG ist ungleich größer als Lehman und noch enger in das globale Finanzsystem eingebunden. Der Konzern beschäftigt 100.000 Mitarbeiter in etwa 130 Ländern. Sein Angebot reicht von Lebensversicherungen über Kreditgarantien bis hin zur Verpachtung von Flugzeugen.

Paulson und Bernanke mussten eine desaströse Kettenreaktion befürchten, wären sie ihrer neuen harten Linie gegen Staatshilfen treu geblieben. Es drohte die Implosion der Finanzmärkte. Alle Versuche der Regierung, Privatbanken und andere Investoren dazu zu bewegen, AIG Geld zu leihen, scheiterten am Dienstag. Offenbar glaubt die Finanzbranche, dass der Konzern selbst mit einem neuen Kredit der Zahlungsunfähigkeit nicht wird entgehen können.

Für die zumindest vorübergehende Rettung durch den Staates muss AIG nun einen hohen Preis zahlen. Die Regierung beschlagnahmt 80 Prozent Aktienkapitals. Diese Absicherung solle die "Interessen der US-Regierung und der amerikanischen Steuerzahler" schützen, meldete die Notenbank. Damit kontrolliert Washington einen der größten privaten Finanzkonzerne der Welt - ein einmaliger Fall in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte.

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17.09.2008 09:06:35

rumburak2006: Linie, ich sehe keine

"wären sie ihrer neuen harten Linie gegen Staatshilfen treu geblieben", bloß weil die US Regierung EINMAL bei Lehman der eigenen neoliberalen Lehre gefolgt ist, mit der Milliarden von Menschen auf diesem Planeten in Hunger, Unglück und Tod getrieben werden, ist das noch lange keine Linie!

Die einzige Linie der US und auch der deutschen Regierung ist es Gewinne der Unternehmen zu privatisieren und deren Verluste zu sozialisieren. Die FTD spricht bisher schon von Kosten von 300 Milliarden Dollar für die USA alleine für Fannie Mae und Freddie Mac.

Wobei man auch hier differenzieren muss. Die Hypothekenbanken des Landes, die lässt die US Regierung sehr wohl über die Klinge springen.


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17.09.2008 08:59:46, rossi1606:

Die kleinen Häuslebauer verlieren ihr Haus, danach zahlen sie noch für die Rettung von Banken und Versicherungen, die ihren Vorständen dann die Gehälter verdoppeln können.


Aus: "Wall Street in Aufruhr - Rettung in letzter Minute" Von Moritz Koch, New York (17.09.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/533/310462/text/ (http://www.sueddeutsche.de/finanzen/533/310462/text/)

Title: [Wenn die Welt nicht mehr mitkommt beim finanziellen Roulette... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on September 18, 2008, 10:54:48 AM
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[...] Nach jahrelangem blindem Vertrauen herrscht nun pure Angst. Den Anlegern wird nun plötzlich bewusst, dass sie keine Ahnung von den Finanzmärkten hatten und wollen nur noch raus. Der Goldpreis schiesst nach oben, die Kreditabsicherungen explodieren und die Aktienkurse sacken ein. Der amerikanische Senator Harry Reid fasste es kurz und trocken zusammen "Keiner weiss, was zu tun ist!"

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Aus: "Vertrauen verzweifelt gesucht" (Donnerstag, 18. September 2008)
Quelle: http://blog.zeitenwende.ch/hansruedi-ramsauer/vertrauen-verzweifelt-gesucht/ (http://blog.zeitenwende.ch/hansruedi-ramsauer/vertrauen-verzweifelt-gesucht/)


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[...] "Ich weiß nicht, was ich dazu noch sagen soll", stammelte ein Broker, der sich mit ein paar Kollegen im nahen Straßencafé "Beckett's" mit Weißwein und Bier tröstete. Er hatte Sakko und Krawatte abgeworfen, doch auf seiner Stirn schimmerte trotz der Abendbrise immer noch ein Schweißfilm. Seine Worte umschrieben die Sprachlosigkeit einer Branche.

[...] Die Wall-Street-Institution Morgan Stanley - eine von zwei verbliebenen US-Investmentbanken - kämpft nach massiven Wertverlusten ums Überleben. Sie nahm Medienberichten zufolge Gespräche über einen Notverkauf oder eine Fusion auf. Unter den Interessenten, so wird gemunkelt, sind die Geschäftsbank Wachovia - und die chinesische Bank Citic.

China? "Leute", flehte der Ökonom Larry Kudlow, ein Moderator des Wirtschaftssenders CNBC, seine Zuschauer am Abend laut an, "gebt unser großartiges Land nicht verloren!"

[...] "Nichts wird mehr so sein wie früher", sagte der Broker James Allroy, der bei Starbucks an der Wall Street über einem Chai Latte grübelte. "Die Welt, wie wir sie kennen, geht unter."

[...] "Dies", sagte Finanzjongleur Donald Trump auf CNN, "ist die schlimmste Zeit seit 1929." Das "Wall Street Journal" stimmte ihm zu: "Wir befinden uns mitten in der größten finanziellen Umwälzung seit der Depression."

Doch was ist hier wirklich los? Selbst Experten können sich bisher nicht auf eine schlüssige Erklärung einigen. Ist dies der Anfang vom Ende? Oder ein schmerzhafter, doch normaler Zyklus, der die Exzesse der vergangenen Jahre ausgleicht? Sind die Ratingagenturen schuld, die die Kreditwürdigkeit der Finanzkonzerne so lange überbewertet haben? Oder stecken Kursmanipulation durch dubiose Shortseller dahinter, die schon bei der letzten Börsenkrise im Juli als Strippenzieher verdächtigt wurden?

Fest steht: Die Zeiten der ungezügelten Marktwirtschaft in den USA sind vorerst vorbei. Die Fast-Verstaatlichung der weltgrößten US-Versicherung AIG, mit einer 85-Milliarden-Dollar-Geldspritze auf Kosten der Steuerzahler, war ein atemberaubender Schritt: Die Summe ist dreimal so hoch wie die, mit der die US-Notenbank im März den Verkauf von Bear Stearns an JPMorgan Chase garantiert hatte.

Das wirklich Atemberaubende daran aber: Dieser Rettungsanker - den Washington zuvor nur den beiden Hypothekengiganten Fannie Mae und Freddie Mac gegönnt hatte - wird ausgerechnet von einer Regierung ausgeworfen, deren Partei sich sonst gegen jede Einmischung des Staates wehrt und sich das sogar ins Wahlprogramm geschrieben hat.

"Ich fürchte, die Regierung hat den Punkt überschritten, an dem es kein Zurück mehr gibt", sagte der Finanzhistoriker Ron Chernow der "New York Times". "Wir haben die Ironie einer Regierung der freien Marktwirtschaft, die Dinge tut, die die meisten linksliberalen, demokratischen Regierungen in ihren wildesten Träumen nicht zu tun gewagt hätten."

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Aus: "US-FINANZKRISE - "Die Welt, wie wir sie kennen, geht unter"" Von Marc Pitzke, New York (18.09.2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,578876,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,578876,00.html)

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[...] Berlin - Ulrich Schröder stehen unangenehme Tage bevor. Der Chef der Förderbank KfW muss am Donnerstag vor den Verwaltungsrat des Instituts treten. Dann wird er den Gremienvertretern - darunter die Minister Peer Steinbrück (Finanzen) und Michael Glos (Wirtschaft) - erklären, warum sein Unternehmen der insolventen US-Investmentbank noch am Montag Kreditgelder in Höhe von 300 Millionen Euro überwies.

[...] Der Vorgang ist ebenso peinlich wie rätselhaft. Das Bund und Ländern gehörende Institut hatte dem maroden US-Finanzkonzern die Summe noch kurz vor dessen Zusammenbruch überwiesen. Dabei wurde schon an den Tagen zuvor über eine drohende Insolvenz der Investmentbank spekuliert. Die KfW sprach nun kleinlaut von einer technischen Panne, deren Umstände geprüft würden.

[...] KfW-Chef Schröder, der erst Anfang September von der Politik als Hoffnungsträger von der erfolgreichen Landesförderbank in Düsseldorf geholt worden war, dürfte dennoch mit Bangen auf die morgige Sitzung blicken. Im Vergleich zu seiner Vorgängerin Matthäus-Maier boxte er für sich eine Gehaltsverdoppelung auf über 800.000 Euro pro Jahr durch. In Regierungskreisen wurde ihm am Mittwoch immerhin positiv angerechnet, dass die KfW das missglückte Geschäft mit Lehman Brothers sofort eingeräumt und nicht gemauert habe.

suc/dpa


Aus: "300.000.000 FÜR LEHMAN BROTHERS - KfW-Chef muss Millionenkredit für Pleitebank rechtfertigen" (17.09.2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,578814,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,578814,00.html)

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[...]  Die Kapitalmärkte aber funktionieren anders als der Handel mit Kartoffeln und Maschinen. Dort kommt bei den "wirklich großen Spielen" um Zinsen, Wechselkurse, Aktien, Hauspreise und Rohstoffe eine Handvoll privilegierter Akteure zusammen, die alle nicht mehr wissen, als jede gut informierte Abteilung eines Ministeriums oder einer Zentralbank wissen kann. Alle sind ferngesteuert von ein paar Informationen, die für jeden zugänglich permanent über die Bildschirme jagen und von allen Beteiligten in ähnlicher Weise gedeutet werden. Wenn also bestimmte Ereignisse eintreten wie beispielsweise eine Rohstoffpreishausse, dann springen fast alle Spieler gleichzeitig auf diesen Zug und versuchen sich eine goldene Nase zu verdienen. Das geht genau so lange gut, bis sie den Preis weit weg von dem Wert getrieben haben, den die reale Welt, also die richtigen Menschen, zu zahlen in der Lage sind. Dann aber kollabiert das ganze Spielsystem.

Dieses Spiel wird dadurch noch absurder, dass die gierigen Finanzmarktzocker und ihre Banker alle paar Jahre auf die grandiose Idee kommen, man könne die eigenen Gewinne dadurch so richtig in die Höhe jubeln (auf Herrn Ackermanns berühmte 25 Prozent Eigenkapitalrendite etwa), indem man den Großteil der Spekulation mit Schulden finanziert. Man leiht sich also zu dem Geld, das man ohnehin schon in der Tasche hat, noch viel mehr Geld dazu und investiert es in Anlagen, die eine etwas höhere Rendite erbringen als der Zins, den man den anderen Banken oder den braven Anlegern zahlt. Das ist der große Hebel, mit dem Banken, Hedgefonds und sogenannte Private-Equity-Fonds die Rendite auf das Eigenkapital in ungeahnte Höhen treiben können, wenn sie nur genügend Kredit bekommen.

Würden alle Spekulanten mit dem geliehenen Geld lediglich ins Spielkasino gehen, wäre der Spuk schnell zu Ende. Die extrem einfallslose Methode, die Renditen zu hebeln, funktioniert für das gesamte globale Finanzsystem nur dann eine Weile, wenn alle Spieler bestimmte Objekte finden, bei denen sie sich mit einer gewissen Plausibilität einreden können, sie würden hohe Renditen bei geringem Risiko bieten. So ein Objekt war der amerikanische Häusermarkt in den letzten zehn Jahren. In den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts übernahmen diese Rolle Aktien neu aufgekommener Konsumgüterhersteller und in den Neunzigerjahren Aktien der Telekommunikation. Sehr oft sind es Währungen, bei denen die Regierungen den Kurs stützen oder die Zinsen hochhalten. Auch Unternehmen mit hohem Eigenkapitalanteil zu kaufen ist beliebt, weil man die Rendite allein dadurch hochjubeln kann, dass man Eigenkapital durch Schulden ersetzt. Letzteres tun sogenannte Private-Equity-Firmen, also Unternehmen, die genau das Gegenteil dessen tun, was ihr Name sagt; sie vermindern nämlich systematisch das Eigenkapital, statt solches zur Verfügung zu stellen. Sobald die Märkte ein solches Objekt der Begierde identifiziert haben, wird eine Art Kettenbriefmechanismus in Gang gesetzt, bei dem jeder versucht, nicht der Letzte in der Kette zu sein.

So primitiv ist das und doch kurzfristig so profitabel. Solange man willfährige "Wissenschaftler" hat, die nichts anderes tun, als die "unbestreitbare Effizienz der Kapitalmärkte" zu loben, solange man Politiker hat, die vor Hochachtung vor den "Werteschaffern" in den Banken in die Knie gehen, solange man eine Öffentlichkeit hat, die sich gerne einreden lässt, man bräuchte eigentlich nicht mehr zu arbeiten und könne mit einem schnellen Geschäft an den Finanzmärkten quasi ohne Risiko reich werden, solange man eine öffentliche Diskussion in den Medien hinbekommt, die den Leuten weismacht, ihre Rente könnte nur mit dem großen Spiel an den Finanzmärkten sicher gemacht werden, so lange wird es immer wieder große Krisen geben.

Was wir nämlich endlich begreifen müssten: Banken produzieren nichts. Die Volksverdummung beginnt schon damit, dass man das, was Banken ihren Kunden anbieten, als "Produkte" bezeichnet. Das klingt gut und seriös und vor allem so, als seien Banken ebenso innovativ wie Produktionsunternehmen und würden alle paar Wochen ein "neues Produkt" auf den Markt werfen. Banken machen aber immer das Gleiche: Sie leihen Geld über relativ kurze Fristen und verleihen es über längere Fristen. Dabei ist Geld zu verdienen, weil die Zinsen für lange Fristen meist höher sind als die für die kurzen. Dabei geht man aber auch ein Risiko ein, weil die pünktliche Rückzahlung von Krediten an die Banken über lange Fristen nie so sicher ist wie die kurzfristige Verpflichtung der Banken gegenüber den Einlegern. Insgesamt ist es ein Geschäft, aber sicher kein Bombengeschäft, bei dem man systematisch und auf längere Zeit Renditen von 25 Prozent erzielen könnte, wie noch immer von der größten deutschen Bank angestrebt.

Ging man in der guten alten Zeit zu einem Bankschalter, hatte man regelmäßig feuchte Hände. Der Mensch hinterm Tresen, der damals "Bankbeamter" hieß, hatte nämlich keineswegs im Sinn, uns die Freuden des Finanzlebens darzubieten, sondern war nur darauf aus, die Gefahren zu beschwören, die allenthalben lauern. "Das ist nichts für Sie", wäre uns bei allen Anlagen beschieden worden, die in irgendeiner Weise mit den wirklichen Finanzmärkten zu tun hatten. Noch schlimmer natürlich, verbunden mit hochnotpeinlichen Befragungen, war es, wenn man Geld wollte.

Wenn ein Anleger in den letzten Jahren zur Bank ging, begegnete er trendigen Damen und Herren, die ihm mit allem Charme der Welt eines ihrer neuesten "Produkte" verkaufen wollten. Sollten es denn 13 Prozent Rendite mit argentinischen Langläufern sein oder doch vielleicht gleich 23 Prozent mit einem ordentlichen Aktienfonds? Auch derjenige, der Geld brauchte, hatte es bei den modernen Banken leicht. Nichts mit hochnotpeinlicher Befragung und Sicherheiten. Einen maßgeschneiderten Finanzierungsplan hatte das junge Bankteam sofort für das junge Unternehmen - mit dem schnellen Gang zur Börse als Krönung. Hatten uns nicht die Wirtschaftspolitiker über Jahrzehnte gepredigt, dass diesem Land der Mut zum Risiko und damit das Risikokapital fehlt?

Das ist nun zu Ende und das ist gut so. In großen Teilen der Finanzwelt war jedes Gefühl dafür verloren gegangen, dass das "Spiel" mit den ersparten Geld von Menschen, die nicht verstehen, was auf den Finanzmärkten geschieht, nicht nur moralisch verwerflich ist, sondern auch wirtschaftlich in eine Krise führen muss, sobald die Wetten in großem Stil nicht aufgehen. Das aber ist immer dann der Fall, wenn irgendwo ein Schock ausgelöst wird, wenn sich die Konjunktur zu überhitzen droht und die Zinsen von den Notenbanken hochgezogen werden - oder wenn die reale Welt einfach nicht mehr mitkommt beim finanziellen Roulette.

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18.09.2008 01:09 Uhr:
Von Felix Krull:

Großer Gott. Solche Leute schaffen es bei uns bis in die Regierung? Ich bin sprachlos. Und Herr Flassbeck ahnungslos.

"Was wir nämlich endlich begreifen müssten: Banken produzieren nichts."

Doch. Tun sie. Risiko(um-)verteilung z.B. Kann man als Volkswirt wissen.

Im übrigen haben sich in Deutschland besonders die staatlichen Banken als die größten "Zocker" hervorgetan. Sollte Herrn Flassbeck zu denken geben.

Wird es aber nicht, denn dann kann man ja nicht mehr glaubwürdig für noch mehr staatliche Kontrolle sein.

Grundsätzlich: diese "Krisen" tauchen immer mal wieder auf, da die menschliche Natur nun mal zur Übertreibung (im Positiven wie im Negativen) neigt. Am Ende ist aber an der Überlegenheit freier Märkte nicht zu rütteln.

Sie sind die Demokratie ins Wirtschaftliche übersetzt.


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17.09.2008 20:08 Uhr:
Von Ulrich Haussmann:

banken sind vor allem meist schmutzig. schlimm genug, dass jeder erwerbstätige, der n konto braucht, gezwungen ist, mit denen geschäfte zu machen. sehr demokratisch!!! freie wirtschaft???


Quote
17.09.2008 18:48 Uhr:
Von A.Grech:

Mieser Artikel, weil nur die halbe Wahrheit erzählt wird. Die zwei wichtigsten Verursacher der Probleme werden nicht mal erwähnt: die amerikanische und japanische Notenbank mit ihrer jahrzehntelangen Politik des "billigen" Geldes. Ohne diese Politik wären die Spekulationsblasen der letzten Jahre nicht möglich gewesen. Insofern tragen staatliche Organe einen ganz wesentlichen Teil der Verantwortung. Das zu sagen hätte aber wohl die Polemik des Artikels gestört.





Aus: "Lehren aus der Bankenkrise - Der absehbare Kollaps" VON HEINER FLASSBECK (18.09.2008)
Quelle: http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/der-absehbare-kollaps/ (http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/der-absehbare-kollaps/)


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[...] Mehrere mittelständische und kleine russische Banken haben laut Interfax anhaltende Liquiditätsprobleme. Das Finanzministerium hatte bereits am Dienstag eine Hilfe von 475 Mrd. Rubel (13,2 Mrd. Euro) bewilligt, am Mittwoch sollten weitere Milliardensummen bereitgestellt werden. Für die Abfederung der Liquiditätskrise stehen nach Angaben von Vize-Zentralbankchef Konstantin Korischtschenko insgesamt 3.000 Mrd. Rubel (knapp 82,6 Mrd. Euro) zur Verfügung.


Aus: "Folgen der Lehman-Pleite - Kreditklemme lähmt Russland" (17.09.2008)
Quelle: http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/marktberichte/:Folgen-der-Lehman-Pleite-Kreditklemme-l%E4hmt-Russland/414866.html (http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/marktberichte/:Folgen-der-Lehman-Pleite-Kreditklemme-l%E4hmt-Russland/414866.html)

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[...] HB WASHINGTON. Das US-Finanzministerium hat die Ausgabe neuer Staatsanleihen beschlossen, um den zurzeit erhöhten Finanzbedarf der Notenbank zu decken. Schon am Mittwoch sollten Anleihen mit kurzer Laufzeit in einem Gesamtvolumen von 40 Milliarden Dollar platziert werden, wie Beamte des Finanzministeriums mitteilten.

Dadurch sollen der Fed Mittel zufließen, die die Notenbank nutzen kann, um den Liquiditätsdruck auf dem Finanzmarkt zu lindern. Das Progamm besteht aus einer Reihe von Treasury-Bills, die über das derzeitige Emissionsprogramm des Finanzministeriums hinausgehen.

Die New York Fed, der operative Arm der US-Notenbank, teilte unterdessen mit, das zeitlich befristete Finanzierungsprogramm des Ministeriums gleiche die Folgen der Liquiditätsmaßnahmen wieder aus. Die Mittel des Finanzprogramms werden auf einem Konto bei der New York Fed gehalten.

...


Aus: "Unterstützung für die Notenbank - US-Ministerium kündigt Finanzhilfe für Fed an" (17.09.2008)
Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachrichten/us-ministerium-kuendigt-finanzhilfe-fuer-fed-an;2042134 (http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachrichten/us-ministerium-kuendigt-finanzhilfe-fuer-fed-an;2042134)

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[...] Dobovisek:  Die Ausmaße der Finanzkrise sind - wir haben es im Bericht gehört - offenbar noch lange nicht in ihrer vollen Breite absehbar. Täglich gibt es neue Hiobsbotschaften. Wer ist Schuld an der Krise, Herr Thielemann?

Thielemann: Ich möchte lieber von Verantwortung sprechen. Man sollte das auch nicht zu leicht einfach personalisieren. Ich spreche gerne davon, dass es die Gier ist, aber man muss es eben auch im richtigen Zusammenhang sehen. Es sind vor allen Dingen die Anreizsysteme, die die Gier der Beschäftigten in diesen Banken entfacht haben. Und das bedeutete folgendes: Ihr könnt machen was ihr wollt, aber ihr müsst Cash für uns generieren und ihr bekommt dafür große Boni, große variable Vergütungen, Anreize, wie man auch gerne sagt. Damit ist man eben Geschäfte eingegangen, die nicht nur einen selbst, sondern auch andere in Mitleidenschaft ziehen und die hoch riskant und auch gefährlich sind für andere, und dort liegt das Problem oder eines der Hauptprobleme.

Dobovisek: Ist das auch ein Stück weit die Selbstüberschätzung der eigenen Fähigkeiten seitens der Bänker, oder ist das dann tatsächlich klares Kalkül, vielleicht sogar kriminelle Energie?

Thielemann: Das fragt man sich ja von außen, weil es war eigentlich klar. Die Experten mussten wissen, dass die Blase irgendwann platzen wird, wobei im Hintergrund spielt meines Erachtens immer auch die Marktgläubigkeit. Man glaubt an das Wunder des Marktes. Die unsichtbare Hand wird es ja schon richten. Und es ist ja dann richtig, dass wir unseren eigenen Interessen folgen, weil die unsichtbare Hand das zum Wohl aller irgendwann mal hinbiegen wird, und das hat sich jetzt eben als falsch erwiesen.

Dobovisek: Aber genau diejenigen, die am lautesten von den Selbstheilungskräften des Marktes tönten, fordern jetzt das Eingreifen des Staates. Warum sollten wir als Steuerzahler für die Fehler einzelner Manager einstehen, und zwar in Milliarden-Höhe?

Thielemann: Ja, das ist ein Skandal. Aber die Situation ist eben da und man sagt "too big to fail", weil sonst die Realwirtschaft, wir alle auch, die wir ja dort eigentlich keine Verantwortung tragen, sonst zu sehr in Mitleidenschaft gezogen würden. Das kann man auch hinterfragen, aber im Grundsatz stimmt es offenbar. Das bedeutet aber, man muss jetzt die Weichen stellen, damit es nicht noch mal passiert.

Dobovisek: Wie kann man das tun?

Thielemann: Mein Vorschlag wäre ja, dass man das Problem an der Wurzel packt, und das heißt, den Anteil variabler Vergütungen begrenzt. Das hört sich vielleicht harmlos an, und was hat das damit zu tun, könnte man meinen. Aber damit würde sich der Geist innerhalb der Unternehmen deutlich verändern, weil dann nicht mehr nach der Karotte sozusagen, nach den Boni gelaufen wird, sondern dann professionell gearbeitet wird nach der Branche, in der man halt ist. Da spielen auch viele andere Gesichtspunkte eine Rolle.

Dobovisek: Sie, Herr Thielemann, wollen sozusagen Wirtschaftsbeamte?

Thielemann: Nein. Sind Sie Beamter, weil Sie keinen Bonus bekommen? Man muss sich das noch mal klar machen, was das bedeutet. Die sachliche Aufgabenerfüllung ist etwas ganz anderes als "die Sache ist vollkommen egal und wie gut ich sie mache ist auch vollkommen egal; Hauptsache es wird Cash generiert". Das ist ein falsches Verständnis von Marktwirtschaft.

Dobovisek: Aber was muss dort genau passieren? Wer sollte da eingreifen?

Thielemann: Vermutlich - und da sind sich die Experten einig -, der Ruf nach der Begrenzung der variablen Vergütung ist ja auch im Schwange. Es sieht aber wahrscheinlich so aus, dass die globale Wirtschaft, dass die Staaten innerhalb der globalen Wirtschaft das nicht selbst machen können, weil sie sonst ins Hintertreffen geraten. Das ist letztlich vermutlich nur möglich in einer globalen Anstrengung. Das wäre eine globale Regulierung des Marktes, aber der Markt ist eben global und wenn er nicht global reguliert wird, dann gilt dieses System der Gier, wenn man so will, was dann zu den Folgen führt, die wir im Moment beobachten, und andere haben dafür die Zeche zu zahlen.

Dobovisek: Nun ist das aber höchst menschlich. Der Mensch ist ein homo oeconomicus, ein Nutzenmaximierer. Was ist also daran verwerflich, wenn einzelne auf ihr eigenes Konto schauen und sagen, wenn es mir gut geht, dann sind die anderen egal?

Thielemann: Man sieht dabei - sorry, wenn ich das so offen sagen darf -, wie weit der Ökonomismus und die Marktgläubigkeit um sich greift. Man lernt ja in Ökonomiestudien eigentlich nichts anderes als "der Mensch ist ein homo oeconomicus". Blödsinn! Eigene Interessen zu verfolgen, ist legitim. Aber sie dürfen nicht die Maßgabe sein. Das ist der feine und wichtige Unterschied dabei. Da werden die Eigeninteressen der Akteure zur Maßgabe erhoben und daraus erfolgt eben nicht, wie wir doch im Moment deutlich sehen, das Wohl aller, sondern das führt dazu, dass man in solche Krisen schliddert.

Dobovisek: Sie sagen, Herr Thielemann, wir müssten jetzt global handeln. Fragen wir aber nach der Institution: Welche Institution hätte denn genügend Kraft, um das tatsächlich anzugehen?

Thielemann: Da müssen die Regierungen, die entsprechenden Finanzminister vielleicht, zusammenspannen, die Finanzbranche regulieren in ihrem Land und dann eben sagen, Leute, wir brauchen eine Regelung dahin gehend, dass nicht beliebige variable Vergütungen vergeben werden dürfen. Man muss ja sehen: die Legitimität dessen ergibt sich daraus, dass die Privatwirtschaft offenkundig nicht bloß private Wirkungen hat. Wenn das ein Spiel der Finanzmarktakteure unter sich wäre, okay. Dann kann man vielleicht Pech haben. Dann ist man Risiken eingegangen. So spricht man ja auch dann. Das kann halt passieren. Aber es ist ja nicht so. Es ist so, dass alle anderen auch in Mitleidenschaft gezogen werden, sei es über die Folgen dieser Krise, die wir noch gar nicht absehen können, einerseits, andererseits dadurch, dass Milliarden messende Steuermittel in die Branche gepumpt werden müssen.

Dobovisek: Braucht die Wirtschaft vielleicht ein Verhaltenskodex?

Thielemann: Ja, aber der Verhaltenskodex ist zu schwach. Man muss ja sehen: Ich gehe nicht davon aus, dass die Leute, die Akteure das unbedingt von sich aus wollen, sondern es geht darum, dass ihnen der Freiraum gegeben wird, so dass sie dann, wenn sie Skrupel haben, etwas zu tun, was eigentlich falsch wäre, sich nicht auf der Verliererstraße finden und nicht die Dummen sind. Es geht bloß darum.

Dobovisek: Dass die Finanzminister weltweit sich jetzt zusammensetzen und möglicherweise einen Fahrplan generieren, um eben solchen Krisen entgegenzusteuern, das klingt erst mal höchst unrealistisch, zumindest mittelfristig. Was passiert, wenn das nicht gelingt?

Thielemann: Wenn das nicht gelingt, werden wir in die nächste Krise schliddern. Dann wird die nächste Blase kommen. Das dauert dann wieder fünf, vielleicht zehn Jahre, so in der Größenordnung. Vielleicht geht es auch schneller. Vermutlich wird die nächste Blase sich im Ressourcen-Bereich bewegen. Davon haben wir ja schon eine deutliche Andeutung. Das gilt übrigens auch für die Nahrungsmittel.

Dobovisek: Ulrich Thielemann, Wirtschaftsethiker an der Universität von St. Gallen in der Schweiz. Vielen Dank für das Gespräch.



Aus: "Finanzethiker: Variable Vergütungen fördern "System der Gier""
Thielemann fordert staatliche Regulierung der Finanzbranche
Ulrich Thielemann im Gespräch mit Mario Dobovisek" (17.09.2008)
Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/848180/ (http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/848180/)

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[...]

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Dietmar Fleischhauer (dfleischhauer), 17. September 2008 23:11

Also sprach Keynes

"Es müssen irgendwo Verrückte herumlaufen, die bis Montag nicht aufgefallen sind, weil ihr Wahn identisch war mit der Logik des etablierten Systems." Herzlichen Glückwunsch zu der Erkenntnis.


Kommentar zu: "Mehr als eine Finanzkrise - Das Zeitalter des Unglücks" Von Frank Schirrmacher (18. September 2008)
Quelle: http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E29F8FCC1E6094ED1BFE07AA7222B0AC4~ATpl~Ekom~SKom~Ak~E.html (http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E29F8FCC1E6094ED1BFE07AA7222B0AC4~ATpl~Ekom~SKom~Ak~E.html)

Title: [...sich überschneidende Kreise (SIEMENS-AFFÄRE)]
Post by: Textaris(txt*bot) on September 21, 2008, 11:06:45 AM
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[...] So hatte Adam gegenüber dem Bundestagspräsidenten lediglich eingeräumt, dass er von Schelsky verdeckte Wahlkampfzuwendungen im Gesamtwert von rund 60.000 Euro erhalten habe. Die Fahnder gehen indes von einer mehr als dreimal so hohen Summe aus. 200.840,58 Euro hat Adam ihren Berechnungen zufolge an "Zuwendungen/Schenkung" von Schelsky kassiert. Selbst die Kosten eines Mobiltelefons (Anbieter: Talkline) hat der Scheingewerkschaftsboss den Ermittlern zufolge für den Abgeordneten von Januar 2000 bis Dezember 2006 beglichen - insgesamt 11.363,36 Euro.

Adam wollte zu den Vorwürfen "mit Rücksicht auf das laufende Verfahren keine öffentliche Stellungnahme abgeben". Für die Ermittler aber scheint der Fall klar: "Die konspirative Vorgehensweise aller Beteiligten" zeige "deutlich das vorsätzliche Handeln der Beschuldigten und ihr Wissen um die Unrechtmäßigkeit ihres Tuns".

Auch IOC-Vizepräsident Bach, der auf Schelskys Vermittlung einen mit 400.000 Mark dotierten Beratervertrag mit Siemens hatte, gerät in Erklärungsnot. Der Wirtschaftsanwalt hatte gegenüber dem SPIEGEL behauptet, er habe stets strikt zwischen seinen "geschäftlichen Tätigkeiten" und seinen "ehrenamtlichen Funktionen im Sport" getrennt.

Eine E-Mail vom 31. Januar 2005, die Bach an den Siemens-Vorstand Rudi Lamprecht schickte, liest sich dagegen anders. Damals bemühte sich Siemens darum, Kuweit als Großinvestor zu gewinnen, und Bach meldete, sein "Freund und Kollege, Energieminister Scheich Ahmed al-Sabah", sei derzeit für eine vertrauliche Anfrage zum Stand der Verhandlungen schwer erreichbar. Am 9. März meldete der IOC-Funktionär dagegen an den Siemens-Vorstand, er habe "die Investitionsfrage noch einmal mit dem Energieminister vertraulich besprochen".

Da Bach kein Minister und der Scheich kein Rechtsanwalt ist, ergibt sich daraus, dass Bach den Scheich bei seiner Siemens-Tätigkeit nur in einer anderen Hinsicht als Kollegen angesprochen haben kann: Sabah ist Mitglied des IOC. Bach dementiert dennoch jede Verquickung "zwischen dem IOC-Ehrenamt" und seiner "beruflichen Tätigkeit". Es gebe aber "vielfältige Lebenssachverhalte, in denen sich persönliche, durch Freundschaften oder auch Ehrenämter begründete Bekanntschaften und berufliche Kreise überschneiden".


Aus: "SIEMENS-AFFÄRE - IOC-Vize Bach und CDU-Abgeordneter Adam in Erklärungsnot" (20.09.2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,579340,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,579340,00.html)

Title: [Siemens-Vorstand: "Wir haben die Angestellten gefickt! Und es war geil!"... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on September 25, 2008, 11:37:12 AM
Quote
[...] Schelsky und Feldmayer nehmen an diesem Vormittag keinen Blickkontakt zueinander auf. Es redet nur der Ex-Siemens-Manager und er gibt tiefe Einblicke in den jahrelangen Siemens/Schelsky/AUB-Filz. Er lobt die AUB für ihre große Kooperationsbereitschaft gegenüber dem Management. Beispiele gebe es dafür zuhauf, sagt er. So hätten AUB-dominierte Betriebsräte in den Standorten Nürnberg-Moorenbrunn und Erlangen in den neunziger Jahren dem Verzicht auf Zuschläge und Zahlungen für die Belegschaft zugestimmt. Das habe nicht nur Arbeitsplätze gerettet. Siemens habe zudem "unterm Strich Geld gespart."


Aus: "AUB-Prozess: Lohnende Investition" (24.09.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/659/311580/text/ (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/659/311580/text/)

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Quote
[...] Im Sitzungssaal 600 im Landgericht Nürnberg-Fürth zeigte das Wirtschaftsstrafrecht unterschiedliche Seiten. Zahlen dominierten. Leise und konzentriert kämpfte sich die Staatsanwältin durch die Anklageschrift, die reich war an tabellarischen Rechnungsübersichten - Ziffer für Ziffer, Datum für Datum. Alle Anwesenden schienen trotz der trockenen Materie aber alles andere als gelangweilt zu sein. Die Staatsanwältin wurde sogar gebeten, die Zahlenkolonnen lauter vorzutragen.

Auf den Anklagebänken saßen Johannes Feldmayer und Wilhelm Schelsky. Der 51 Jahre alte Feldmayer hatte eine steile Karriere hinter sich: Seit 1977 im Siemens-Konzern stieg er 1999 zum Bereichsvorstand auf und schaffte es schließlich bis zum Zentralvorstand der Siemens AG. Der ruhig und eher unauffällig daherkommende Manager galt sogar einmal als aussichtsreicher Anwärter auf die Nachfolge des früheren Vorstandsvorsitzenden Heinrich von Pierer. Als Chef jedenfalls ist er im Sitzungssaal nicht aufgetreten. Während die Staatsanwältin die Anklageschrift vorlas, betrachtete er seine Umgebung neugierig mit hochgezogenen Augenbrauen; als würde er zusehen, wie mit aller Vorsicht eine Ausgrabungsstätte freigelegt wird.

Wilhelm Schelsky, 59 Jahre, hingegen machte einen angespannten Eindruck. Seit dem 14. Februar 2007 sitzt er schon in Untersuchungshaft. Er war Bundesvorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft unabhängiger Betriebsräte“ (AUB), jener arbeitgebernahen Gewerkschaft, die durch Siemens-Gelder bezahlt worden sein soll. Zu den Vorwürfen äußerte sich Schelsky nicht - noch nicht. Anders Feldmayer: Er sagte zu Beginn seiner Stellungnahme, dass er die Verantwortung für die Zahlung an die Firmen von Schelsky übernehme. Was nach einem Geständnis klang, sollte sich als Winkelzug entpuppen.


Die Staatsanwältin geht jedenfalls davon aus, dass Feldmayer im Januar 2001 für Siemens eine Vereinbarung mit Schelsky getroffen hat, deren wahrer Zweck der Aufbau der AUB als Gegenpol zur IG Metall gewesen sein soll. Vorgeblich ging es in dem Vertrag um diverse Leistungen, die Schelskys Beratungsfirma für Siemens erbringen sollte. Dazu gehörten Schulungen oder Veranstaltungen für Führungspersonal. Aufgrund dieser Vereinbarung wurden zwischen den Jahren 2001 und 2006 Rechnungen über einen Gesamtbetrag von 30 Millionen Euro ausgestellt. Doch das Geld soll nicht nur dem heimlichen Zweck gedient haben. Schelsky hat nach Ansicht der Ermittlungsbehörde entgegen der Vereinbarung mit Feldmayer 3,2 Millionen Euro für private Interessen verwendet, etwa die Unterstützung von Vereinen. So sollen die Gehälter der Damen-Handballmannschaft des 1. FC Nürnberg indirekt durch Siemens bezahlt worden sein.

Strafrechtlich geht es zunächst um Untreue: Denn den von Feldmayer veranlassten Zahlungen an Schelskys Beratungsfirma steht der Anklage zufolge mit dem Aufbau der AUB kein messbarer Vorteil gegenüber - auch wenn Feldmayer in der Verhandlung darauf verwies, dass Siemens der AUB gute Betriebsvereinbarungen verdankt. Feldmayer wird aber auch Steuerhinterziehung vorgeworfen. Denn das geltende Recht verbietet, die Wahl zum Betriebsrat zu beeinflussen und damit das Prinzip der Mitbestimmung zu untergraben. Deshalb durften die Ausgaben an die AUB der Anklage folgend nicht steuermindernd berücksichtigt werden. Schelsky soll Feldmayer bei dieser Steuerhinterziehung Beihilfe geleistet haben, indem er die fingierten Rechnungen erstellte. Auch Schelsky hat die Ausgaben seiner Beratungsfirma steuermindernd berücksichtigt, obwohl dies unter anderem wegen des Verstoßes gegen das Betriebsverfassungsgesetz unzulässig war. Das falsche Spiel gegenüber Feldmayer, mit dem Schelsky sich private Ausgaben ermöglicht haben soll, hält die Staatsanwaltschaft auch schlicht für Betrug.

Mit der Übernahme der Verantwortung hat Feldmayer - so viel zur Taktik - aber noch lange nicht einen, strafrechtlich gesehen, schädigenden Einfluss auf die Mitbestimmung eingeräumt. Ob er sich nicht habe vorstellen können, dass durch das Geld der AUB ein Wettbewerbsvorteil entstünde, wollte ein Richter beinahe süffisant wissen. Denn immerhin habe diese Beschäftigtenorganisation im Vergleich zur IG Metall niedrigere Beiträge von ihren Mitgliedern verlangt. Doch Feldmayer blieb bei seiner Auffassung. Wenn eine Mitarbeiterorganisation finanziell mit Millionenbeträgen unterstützt werde, erhöhe das nicht ihre Erfolgschancen bei Wahlen zum Betriebsrat, strapazierte er die Logik.

Als die Rahmenvereinbarung geschlossen wurde, waren die Parteien jedoch recht vorsichtig: Für Schelskys Firma soll seine ehemalige Frau mit ihrem Mädchennamen unterschrieben haben. Feldmayer wiederum verzichtete darauf, eine zweite Unterschrift einzuholen. Er hielt die Vereinbarung nicht für „wesentlich“. In dem Fall hätte er nämlich laut einer konzerninternen Regel die zweite Unterschrift einholen müssen. Die Rechnungen für die nicht erbrachten Leistungen haben ihren Weg zunächst über Feldmayers Privatadresse genommen, wie er selber zugegeben hat. Feldmayer begründete diesen „kontrollierten Weg in die Buchhaltung“ damit, dass ansonsten Mitarbeiter von den Zahlungen erfahren hätten. Er fürchtete insbesondere die Reaktion von Mitgliedern der IG Metall. Das irritierte die Staatsanwältin: Die Rechnungen selbst hätten schließlich unverdächtig ausgesehen. Von der Finanzierung der AUB war dort eben gerade nicht die Rede, nicht einmal Schelskys Name tauchte auf.


Aus: "Korruptionsprozess gegen Siemens: „Die Zahlen bitte etwas lauter“" Von Hendrik Wieduwilt (25. September 2008)
Quelle: http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~E28B19E53D09249DDBAE29126953E0CBE~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlefeed (http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~E28B19E53D09249DDBAE29126953E0CBE~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlefeed)

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Quote
[...] Der frühere Siemens-Zentralvorstand Johannes Feldmayer hat am heutigen Mittwoch vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verdeckte Millionenzahlungen an die Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) eingeräumt. Die Staatsanwaltschaft wirft Feldmayer in diesem Zusammenhang Untreue sowie Steuerhinterziehung in mehreren Fällen vor. Mit dem ebenfalls angeklagten langjährigen ABU-Vorsitzenden Wilhelm Schelsky soll Feldmayer eine Vereinbarung getroffen haben, die der Betriebsräteorganisation 500.000 Euro pro Quartal einbrachte, ohne dass dafür pro forma vereinbarte Dienstleistungen (Schulung von Mitarbeitern, Analyse von Arbeitsabläufen) erbracht wurden. Ziel des Geldflusses sei vielmehr die Förderung der als arbeitgeberfreundlich geltenden Organisation gewesen, um ein Gegengewicht zur IG Metall aufzubauen.

[...] Zu Beginn des Prozesses räumte Feldmayer ein, die AUB mit mehr als 30 Millionen Euro unterstützt zu haben. Der einstige Zentralvorstand, der im Frühjahr 2007 mehrere Tage in Untersuchungshaft saß, erklärte aber, Betriebsräte seien nicht beeinflusst worden. Auch sei er nur Ausführender gewesen. Schelskys Rechnungen nahm Feldmayer laut Staatsanwaltschaft zunächst unter seiner Privatadresse an und leitete sie anschließend an die Buchhaltung des Geschäftsbereichs Automation and Drives weiter. Später seien die ausgezahlten Beträge dann in diesem Unternehmensbereich jeweils nur als durchlaufende Posten verbucht und anschließend im Wege einer konzerninternen Verrechnung der Zentrale der Siemens AG weiterbelastet worden. (pmz/c't) 


Quote
24. September 2008 20:00
"Betriebsräte seien nicht beeinflusst worden" - also 30 Millionen für nix??
Politikiller (133 Beiträge seit 18.04.07)

Wer's glaubt...



Quote
25. September 2008 09:43
"Auch sei er nur Ausführender gewesen."
NorFie (461 Beiträge seit 01.02.02)

Waere interessant, in welchem Auftrag bzw. auf wessen Weisung "der
Ausfuehrende" gehandelt hat. Weiterhin waere es interessant, wie die
Buchungen als "legale Zahlungen" durch die Buchhaltung gerutscht
sind, wenn die Privatadresse des "Ausfuehrenden" auf der Rechnung
steht. Fragen ueber Fragen.


Quote
24. September 2008 23:06
Wenn ein Elite-Manager etwas einräumt,
FrogmasterL (mehr als 1000 Beiträge seit 02.11.05)

heisst das, dass er mit dem Rücken zur Wand steht, die Beweislast so
erdrückend ist, dass sie auch mit der Standaradverteidigung 'Ich bin
zwar tausendmal wichtiger als alle anderen und für alles
verantwortlich, aber ich weiss jetzt nicht, wovon sie reden' nicht
weggeredet werden kann und er trotzdem so tut, als ob die Schweinerei
eine Petitesse nach dem Motto 'Achja, da war ja noch was' ist.

Es heisst aber auch, dass er nur einige Erdnüsse opfern muss und
ansonsten ungeschoren davonkommt.


Quote
24. September 2008 21:38
Machts doch wie die Telekom
copyandpaste (526 Beiträge seit 22.04.08)

Einfach entschuldigen, dann passt das schon.


Quote
24. September 2008 21:28
So einfach ist das?
RasT (mehr als 1000 Beiträge seit 29.02.00)

Ich bin immer wieder verblüfft, wie einfach es doch offensichtlich
ist in einem solchen Konzern größere Summen verschwinden zu lassen.
Wozu betreiben die eigentlich den ganzen Aufwand der sich
"Kontrolling" nennt? Womit rechtfertigen die Prüfungsunternehmen ihre
immensen Rechnungen? Wieso rückt denen nicht das Finanzamt jedes Jahr
mit einer Hundertschaft auf die Pelle?


Quote
24. September 2008 22:52
Re: So einfach ist das?
Algol (318 Beiträge seit 14.09.00)

RasT schrieb am 24. September 2008 21:28

> Wieso rückt denen nicht das Finanzamt jedes Jahr
> mit einer Hundertschaft auf die Pelle?

Geht nicht, denn das Finanzamt ist damit beschäftigt den Hartz4ler
nachzuweisen, dass sie 150€ schwarz nebenbei verdient haben um am
Leben zu bleiben. Das wird sofort strafrechtlich verfolgt, weil
öffentliches Interesse besteht. Lieber alles machen um den Bodensatz
der Gesellschaft noch weiter zu stigmatisieren und in die Illegalität
zu treiben. Ja, der Betrag muß nur groß genug sein, dann bekommt man
noch von den Verhandern die Tür aufgehalten wenn man mit schwarzen
Koffern das Land verlässt.

Manchmal bedauere ich den Rückzug der RAF, denn ne .38er zur
richtigen Zeit lässt bestimmt einige wieder auf den Boden der
Realität zurückkommen.

(Gefundene Veler, Ironie und Sarkasmus können behalten werden)


Quote
24. September 2008 20:37
Wettbewerbsnachteil für deutsche Unternehmen ?
nixXL (mehr als 1000 Beiträge seit 04.11.03)

Dass alte Zöpfe wie irgendwelche DGB-Zwangsbetriebsräte vom
Unternehmen durchgefüttert und schon mal mit Edelnutten bei Laune
gehalten werden müssen, wissen wir spätestens seit dem
DGB-Betriebsratskandal bei VW. Wann wird dieser Quatsch mit den
Zwangsbetriebsräte beendet ? Falls die AN einen Betriebsrat wollen,
soll der doch einfach durch die Arbeitnehmer direkt bezahlt und
eingesetzt werden; die Löhne sind ja in D im Vergleich zu anderen
EU-Nachbar-Ländern wie Polen oder Tschechien oder Slowakei 5-10-mal
höher: da kann der Arbeitnehmer sich diesen Luxus selber bezahlen,
wenns denn jemand braucht und will. Ansonsten werden neue Jobs in
wettbewerblich interessanteren Regionen in der Welt neugeschaffen,
wohl kaum im unternehmerfeindlichen Deutschland in der manche Deppen
von SED-PDS-NPD-Links-Rechts-Partei schon wieder von "Enteignung"
erfolgreicher Unternehmer und Einführung von Zwangs- und
Mangelwirtschaft träumen, und dafür mit Zusammenarbeitsangeboten von
Hessens SPD-Tante XY belohnt werden ...

Das Arbeitsrecht in Deutschland sollte dringend reformiert und
entrümpelt werden, um wieder eine Vollbeschäftigung zu erreichen.

Quote
24. September 2008 23:22
Toll.
FrogmasterL (mehr als 1000 Beiträge seit 02.11.05)

Hast Du diesen Erguss selbst aus irgendwelchen
Blut-Schweiss-und-Tränen-Reden zusammengebastelt oder ist das
tatsächlich Deine Meinung?

>Wann wird dieser Quatsch mit den
>Zwangsbetriebsräte beendet ?
Es gibt keine Zwangsbetriebsräte. Die Mitarbeiter haben ab einer
bestimmten Unternehmensgröße das Recht auf einen Betriebsrat. Das
heisst nicht, dass sie auch einen einsetzen.

>die Löhne sind ja in D im Vergleich zu anderen
>EU-Nachbar-Ländern wie Polen oder Tschechien
>oder Slowakei 5-10-mal
>höher
Typisches Necongeschwätz. Beinhaltet auch, die mehr als 10-mal so
hohen Lebenshaltungskosten zu verschweigen.

>Ansonsten werden neue Jobs in
>wettbewerblich interessanteren Regionen
>in der Welt neugeschaffen,
Stimmt. Während in den wichtigen Absatzmärkten keiner mehr das Geld
erwirtschaftet, die in den interessanten Regionen produzierten Güter
zu kaufen.

>Das Arbeitsrecht in Deutschland sollte
>dringend reformiert und
>entrümpelt werden,
>um wieder eine Vollbeschäftigung zu erreichen

Stimmt. Es darf keine bürokratischen Hürden bei der Neueinstellung
mehr geben.
Die feindselige Haltung gegenüber Älteren, Frauen, Ausländern und
Behinderten muss bekämpft werden.
Es müssen anständige Löhne für anständige Arbeit gezahlt werden.
Manager sollten dazu verpflichtet werden, drei Monate in dem Bereich
zu arbeiten, für den sie zuständig sind.

Quote
25. September 2008 00:38
Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen (Editiert vom Verfasser am 25.09.08 um 00:39)
nixXL (mehr als 1000 Beiträge seit 04.11.03)

> Es gibt keine Zwangsbetriebsräte. Die Mitarbeiter haben ab einer
> bestimmten Unternehmensgröße das Recht auf einen Betriebsrat.
Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen. Sollen die das doch
selber bezahlen, wenn sie diese Vögel wirklich wollen. Die mitunter
zur Erfüllung der "wichtigen Arbeitsaufgaben" von DGB-Betriebsräten
verlangten Edelnutten können die Arbeitnehmer dann auch gleich
mitsponsern, das verringert die Unternehmenskosten und schafft
(Blow-)Jobs in Deutschland :)

> >die Löhne sind ja in D im Vergleich zu anderen
> >EU-Nachbar-Ländern wie Polen oder Tschechien
> >oder Slowakei 5-10-mal
> >höher
> Typisches Neongeschwätz. Beinhaltet auch, die mehr als 10-mal so
> hohen Lebenshaltungskosten zu verschweigen.
Nein - die Mieten in Prag sind nicht 10-mal höher als in Berlin,
sondern nur etwa 20% höher. Die restlichen Lebenshaltungskosten sind
etwa gleichhoch. Reisen bildet ;-) Und was für ein Neongeschäft?

> >Ansonsten werden neue Jobs in
> >wettbewerblich interessanteren Regionen
> >in der Welt neugeschaffen,
> Stimmt. Während in den wichtigen Absatzmärkten keiner mehr das Geld
> erwirtschaftet, die in den interessanten Regionen produzierten Güter
> zu kaufen.
Genau - in Regionen in denen kein verzopftes Arbeitsrecht und dafür
ein Wirtschaftswachstum von 5-10% jährlich besteht: dort entstehen
die neuen Jobs. Nicht in Deutschland mit Null-wachstum und
Überbürokratisierung / Überregulierung in allen Lebensbereichen.

> >Das Arbeitsrecht in Deutschland sollte
> >dringend reformiert und
> >entrümpelt werden,
> >um wieder eine Vollbeschäftigung zu erreichen
>
> Stimmt. Es darf keine bürokratischen Hürden bei der Neueinstellung
> mehr geben.
Genau - endlich Abschaffung des überflüssigen Kündigungsschutzes. Da
stimme ich mit Dir überein.

> Es müssen anständige Löhne für anständige Arbeit gezahlt werden.
Richtig. Im Weltmarkt wettbewerbsfähige Löhne. Es kann nicht sein,
dass ein deutschar Arbeitnehmer nur wegen seines "doitschen Blutes"
(wie PDS/NPD argumentieren) bei gleicher Leistung automatisch 5-mal
mehr Lohn verlangen kann, als sein gleichqualifizierter polischer
Kollege in benachbarten EU-Land ... und die Minderleister mit
überhöhten ALG2-Zahlungen dauerhaft subventioniert und von Arbeit
entwöhnt werden. Dauerhaftes Schaukeln in der sozialen Hängematte
sollte nicht weiter belohnt werden.

> Manager sollten dazu verpflichtet werden, drei Monate in dem Bereich
> zu arbeiten, für den sie zuständig sind.
Sofern sie das mit dem Eigentümer ausgehandelt haben, kann das der
Manager oder jeder andere Arbeitnehmer verlangen Typischweise
arbeiten Manager und andere Arbeitnehmer jedoch ca 12 Monate in ihrem
Bereich. Pro Jahr.

Quote
25. September 2008 08:19
Danke.
FrogmasterL (mehr als 1000 Beiträge seit 02.11.05)

Ich habe herzliche gelacht, man könnte fast meinen, Du meinst es
ernst.


Quote
25. September 2008 09:06
Re: Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen
Neither (171 Beiträge seit 12.10.05)

nixXL schrieb am 25. September 2008 00:38

...vieles was schon wirklich amüsant ist :-)

> Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen.

Stimmt! :-)
Du willst hier in Deutschland Musik? Dann musst Du Dich eben an
unsere Regeln halten :-)

> Sollen die das doch
> selber bezahlen, wenn sie diese Vögel wirklich wollen....

Du weißt ja offenbar nicht einmal wirklich was die Aufgaben und die
(gesetzlichen) Grundlagen von Betriebsräten sind.

> Nein - die Mieten in Prag sind nicht 10-mal höher als in Berlin,
> sondern nur etwa 20% höher.

Prag!?
Warum nicht gleich der Vergleich mit Moskau?

> Genau - in Regionen in denen kein verzopftes Arbeitsrecht und dafür
> ein Wirtschaftswachstum von 5-10% jährlich besteht: dort entstehen
> die neuen Jobs. Nicht in Deutschland mit Null-wachstum und
> Überbürokratisierung / Überregulierung in allen Lebensbereichen.

Super! Fangen wir doch an die Bürokratie zurückzudrängen und zu
vereinfachen. Das hat allerdings gar nichts mit dem jetzigen Thema zu
tun.
Als erstes sollten wir solche Dinge wie die Absetzbarkeit von
Firmenwagen komplett streichen, die keine LKWs sind :-)
Dann streichen wir die Absetzbarkeit von angeblichen Arbeitszimmern
in privaten Häusern, und, und, und...

> Genau - endlich Abschaffung des überflüssigen Kündigungsschutzes. Da
> stimme ich mit Dir überein.

Ja, und wenn die Arbeiter streiken, dann rufen wir das Militär wie zu
Kaisers Zeiten ;-)

>...Es kann nicht sein,
> dass ein deutschar Arbeitnehmer nur wegen seines "doitschen Blutes"
> (wie PDS/NPD argumentieren)...

Wie krank wird Deine Argumentation jetzt eigentlich?

Es würde mich ehrlich interessieren aus welchem putzigen Land zu
kommst?!
Erfahrungsgemäß (und eigenartigerweise!) argumentieren gerade
Österreicher und Schweizer so wie Du es hier exerzierst <:*)





Quote
24. September 2008 21:21
Siemens-Vorstand: "Wir haben die Angestellten gefickt! Und es war geil!" /nt
Calibrator (mehr als 1000 Beiträge seit 16.03.01)

mt



Aus: "Ex-Siemens-Vorstand räumt verdeckte Millionenzahlungen ein" (24.09.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Ex-Siemens-Vorstand-raeumt-verdeckte-Millionenzahlungen-ein--/meldung/116441 (http://www.heise.de/newsticker/Ex-Siemens-Vorstand-raeumt-verdeckte-Millionenzahlungen-ein--/meldung/116441)

-.-

Quote
[...] Der Schmiergeldskandal bei Siemens hat nach Einschätzung von Aufsichtsrat und IG-Metall-Funktionär Heinz Hawreliuk tausende Arbeitsplätze gekostet. Durch Korruptionszahlungen sei die wirtschaftliche Misere im ehemaligen Siemens-Telekommunikationsbereich "verschleiert, vertuscht und unter den Teppich gekehrt" worden, sagt Hawreliuk in der ZDF-Dokumentation "Der Fall Siemens: Der Konzern und die Korruption", die am nächsten Mittwoch (1. Oktober) ausgestrahlt werden soll.

"Bei Siemens sind Arbeitsplätze verloren gegangen, weil die Schwächen des Bereichs von Korruptionszahlungen überdeckt worden sind, die zu künstlich zugeführten Aufträgen geführt haben", sagte Hawreliuk. Die Bestechungspraktiken seien mitverantwortlich für die BenQ-Mobile-Krise und den Niedergang der Siemens-Telecomsparte.

Das Handygeschäft war 2006 an den taiwanischen Konzern BenQ gegangen. Ein Jahr darauf kam die Insolvenz. Mehr als 3000 Beschäftigte in Deutschland verloren ihren Job. Im größten Schmiergeld-Skandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte geht es insgesamt um 1,3 Milliarden Euro an dubiosen Zahlungen.

Quote
24. September 2008 14:13
Super Argumentation!
Advocadus Diaboli (mehr als 1000 Beiträge seit 10.01.00)

Zitat:
"Bei Siemens sind Arbeitsplätze verloren gegangen, weil die Schwächen
des Bereichs von Korruptionszahlungen überdeckt worden sind, die zu
künstlich zugeführten Aufträgen geführt haben"

Heißt im Klartext: "Ohne die Korruptionszahlungen hätten wir die
Bereiche schon viel früher dicht gemacht da wir dann ihre mangelnde
Rentabilität eher entdeckt hätten"

Nein, ich bin nicht für Korruption, ganz im Gegenteil, aber irgendwie
ist es müßig jetzt den Stellenabbau auf den Korruptionsskandal
schieben zu wollen.

Vor allem erscheint es mir recht seltsam, daß ein Bereich der tief in
einer Misere steckt trotzdem noch genügend Geld flüssig hat um
kräftig schmieren zu können...


Quote
24. September 2008 15:36
Immer ein minus Geschäft DIE WARHEIT
xyr0x (11 Beiträge seit 28.02.08)

Als ehemaliger Siemens Arbeiter kann ich gewissenhaft sagen, dass bei
Siemens vieles daneben läuft.

Die zahlreichen Abteile die es Siemens haben alle eine eigene Kasse
mit Geld. Ja mit vielem Geld.

Das Abteil kann mit dem Geld das Ihnen zur Verfügung steht immer
wieder etwas anstellen

- Ware bestellen (auch bei anderen Abteilen (intern))
- Mitarbeiter Laptops reparieren lassen (bei den zuständigen
IT-Abteilungen)
- Parkplätzer für Chefs und Mitarbeiter mieten (diese Parkplätze
gehören der Siemens AG selbst)
- Essen, Trinken,... kaufen

und vieles mehr.
Der Clou dabei ist. Das Geld exisitiert nur auf Papier
(Monopoly-Geld)
Aber dennoch wird alles schön bei dem Finanzamt angegeben. Man hat ja
Ausgaben :). Also auf gut deutsch, die Abteile bezahlen sich
untereinander mit Spielgeld.

Zu den Schmiergeldern kann man nur sagen...
Wenn ich einen Auftrag haben will, der mir z.B. 2000 Euro Gewinn
einbringen würde und bezahle aber schon 1500 Euro Schmiergeld um den
Auftrag zu bekommen, dann bleiben nurnoch 500 Euro üprig. Auf dauer
kann man dann keine Arbeitsplätze mehr halten.

[...]


Quote
24. September 2008 14:58
Aha. Soso. Jaja.
SeBiG (710 Beiträge seit 19.12.02)

"Bei Siemens sind Arbeitsplätze verloren gegangen, weil die Schwächen
des Bereichs von Korruptionszahlungen überdeckt worden sind, die zu
künstlich zugeführten Aufträgen geführt haben", sagte Hawreliuk. "Die
Bestechungspraktiken seien mitverantwortlich für die
BenQ-Mobile-Krise und den Niedergang der Siemens-Telecomsparte."
...und wann zieht die Politik daraus ENDLICH mal die notwendigen
Konsequenzen?

Wenn das Zauberwort A-R-B-E-I-T-S-P-L-Ä-T-Z-E in diesem Land alles
rechtfertigt, das Verschweigen übelster Skandale in der
Fleischindustrie, Sklaverei per Gesetz wie bei Zeitarbeitern, Armut
per Gesetz wie im Falle "Hartz-IV", warum kann nicht auch mal am Ende
der Sozialen Nahrungskette die Brechstange angesetzt werden?

Nur ein schlichter Paragraph: Die verantwortlichen Manager haften in
Deutschland ab sofort mit dem Privatvermögen ihrer Familie für grob
fahrlässiges Verhalten sowie Unternehmensschäden, die durch
ungesetzliche Praktiken herbeigeführt werden (auch im Falle ihrer
direkten Untergebenen)...

...und die allabendlichen Kotzanfälle beim Betrachten der Tagesschau
über all die Ackermanns, Zumwinkels und wie das Pack alles heißt, das
sich hinterher unbehelligt mit ins Privatvermögen abgezweigten
Millionen in den sehr angenehmen Altersruhesitz zurückzieht, gehören
EIN FÜR ALLEMAL der Vergangenheit an.

Ja, ich weiß... Laßt mich ein bißchen träumen. Da genau diese Leute
allabendlich in gediegensten Etablissements mit der ersten Reihe
unseres Bundestagspanoptikums speisen, und keine etablierte Partei
schon allein DARAN irgendwas zu ändern auch nur in kühnsten Träumen
in Erwägung zieht, spricht schon für sich, daß sich an diesem Filz
aus Politik und Wirtschaft nix ändern wird. Zahlen tun letzten
endlich immer nur die Doofköpppe, die für ihr Geld auch arbeiten
gehen müssen.

q.e.d. - siehe Artikelschlagzeile!

     >:-E = SeBiG


Quote
24. September 2008 17:48
Da wird wohl gerade an einem Sündenbock gebastelt...
viandante (234 Beiträge seit 28.09.05)

... denn bei Siemens wird es zu ganz dicken Entlassungen kommen und
zwar nicht wegen der Schmiergelder sondern wegen des Kurses des neuen
Chefs, dem GröMaZ mit an Größenwahn grenzenden Renditevorstellungen.
Habt ihr mal den Aktienkurs von Siemens verfolgt, seit der vorsteht?
Absolute Talfahrt.
Tja, schieben wir mal alles auf die Schmiergeldaffäre.

Just my 0.02 Eurocents,

V.


Quote
24. September 2008 15:25
Wer diesen Bullshit glaubt ...
Elko (mehr als 1000 Beiträge seit 21.02.01)

Will man in diesen korrupten Welt-Strukturen mit einem Konzern
überleben, bleibt einem nichts anderes übrig. Nein, ich stelle ehr
die These auf, das die Medien mit ihrer überschwenglichen Gier nach
Sensation am Zusammenbruch verantwortlich sind. Warscheinlich wurden
Sie noch von Mitbewerbern gefüttert, die jetzt königlich profitieren.

Gerade beim ZDF oder anderen off. rechtlichen Anstalten sollte man
lieber den Finger ganz weit unten halten. Was da an Absprachen
stattfindet ist genauso unter aller Sau.

Es ist nicht nur im Siemens Konzern Gang und Gebe.
Aber ih weiss ja, wir sind ja alle auf Kuschelkurs und Selbstfindung.




Aus: "Siemens-Aufsichtsrat: Korruptionsskandal kostete tausende Arbeitsplätze" (24.09.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Siemens-Aufsichtsrat-Korruptionsskandal-kostete-tausende-Arbeitsplaetze--/meldung/116410 (http://www.heise.de/newsticker/Siemens-Aufsichtsrat-Korruptionsskandal-kostete-tausende-Arbeitsplaetze--/meldung/116410)

Title: [Jürgen Wilhelm Möllemann... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on September 25, 2008, 12:16:33 PM
Quote
[...] Jürgen Wilhelm Möllemann (* 15. Juli 1945 in Augsburg; † 5. Juni 2003 in Marl-Loemühle) war ein deutscher Politiker (FDP). Er war unter Kanzler Kohl von 1987 bis 1993 Bundesminister der Wirtschaft und Bundesminister der Bildung, ab Mai 1992 auch Vizekanzler. Im Januar 1993 trat er im Zuge der Briefbogen-Affäre aus der Bundesregierung aus.

[...] Möllemann war ein leidenschaftlicher Fallschirmspringer und hatte seine Absprünge häufig auch für Wahlkampfauftritte in Szene gesetzt. Am 5. Juni 2003 starb er an den vielfachen Verletzungen, die er bei Marl-Loemühle durch einen Absturz beim Fallschirmsprung erlitt. Er klinkte sich aus dem Haupt-Fallschirm aus, der Reserveschirm wurde aber nicht geöffnet, was zu einem ungebremsten Aufschlag führte. Die Gründe dafür sind ungeklärt. Jedoch war der Öffnungsautomat, welcher den Reservefallschirm automatisch ausgelöst hätte, abgeschaltet worden. Möllemann hat laut Aussage seiner Kameraden sich der gegenseitigen Kontrolle des Notsystems entzogen, da er ein Glas Wasser holen wollte.[2]

Der am 9. Juli des Jahres vorgelegte Abschlussbericht der untersuchenden Staatsanwaltschaft Essen schloss Fremdverschulden als Todesursache aus, es konnte aber nicht abschließend geklärt werden, ob es sich um einen Unfall oder um Suizid gehandelt hatte. Die zehn Sportkameraden, die mit ihm in die Luft gingen, hatten ihn gefragt, ob er wie oft zuvor einen Formationsflug, den „Sechserstern“, mitmachen würde. Möllemann erklärte daraufhin: „Ich springe heute einen Einzelstern.“

[...] Weniger als eine halbe Stunde vor dem tödlichen Sprung hatte der Deutsche Bundestag Möllemanns Immunität aufgehoben. Daraufhin durchsuchten Ermittler der Polizei und die Staatsanwaltschaft im Rahmen von Ermittlungen gegen ihn wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung sowie des Verstoßes gegen das Parteiengesetz Liegenschaften und Geschäftsräume in verschiedenen Ländern. Nach dem Tod von Jürgen Möllemann wurden die Ermittlungen in dem Strafverfahren eingestellt.

Im Dezember 2004 wurde ein Insolvenzverfahren über seinen Nachlass eröffnet.


Aus: "Jürgen Möllemann" (9. September 2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_M%C3%B6llemann (http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_M%C3%B6llemann)

-.-

Quote
[...] Als Jürgen W. Möllemann am 5. Juni 2003 am Fallschirm in den Tod sprang, hinterließ er in seiner früheren Partei Entsetzen und eine bleierne Lähmung. Auch fünf Jahre danach hat die FDP mit ihrer schillernden einstigen Führungsfigur noch nicht abgeschlossen. „Jetzt kommt noch die Schlussabrechnung für seine Finanzmanipulationen“, sagt der Chef der FDP-Landtagsfraktion in NRW, Gerhard Papke. „Das gehört mit zu seinem Erbe.“

[...] Die FDP will ihren einstigen Bundes-Vize trotz Parteispenden- Affäre und seines zuletzt als anti-israelisch kritisierten Politik-Schwenks nicht länger aus ihrer Parteigeschichte verdrängen. „Er war kein Antisemit“, sind Pinkwart und Papke sich in ihrem Urteil über den langjährigen Weggefährten einig. „Aber er hat ganz gezielt den rechten Rand bedient, hat damit gespielt und versucht, das zu benutzen“, kritisiert Pinkwart. „Auch das ist nicht zulässig.“

Dass Möllemann vor dem Bundestagswahlkampf 2002 ein spektakuläres Flugblatt mit Kritik an der israelischen Regierung verdeckt über sein Privatvermögen finanziert hat, wird die FDP noch teuer zu stehen kommen. Rund 1,8 Millionen Euro hat die NRW-FDP vorsorglich an Rückstellungen für etwaige Strafzahlungen an die Bundestagsverwaltung in ihre Bilanz eingestellt, 874.000 Euro mit Hilfe eines Kredits bereits unter Vorbehalt bezahlt. Der Bescheid soll in Kürze eintreffen. Derzeit schuldet die NRW-FDP den Banken nach eigenen Angaben knapp 600.000 Euro.

[...]


Aus: " 5. Todestag - FDP hadert weiter mit Jürgen Möllemann" (5. Juni 2008)
Quelle: http://www.welt.de/politik/article2068823/FDP_hadert_weiter_mit_Juergen_Moellemann.html (http://www.welt.de/politik/article2068823/FDP_hadert_weiter_mit_Juergen_Moellemann.html)

-.-

Quote
[...] [ngo/ddp] Mehr als fünf Jahre nach dem Tod des FDP-Politikers Jürgen Möllemann ist am Amtsgericht Münster das Insolvenzverfahren über sein Vermögen beendet worden. Wie Insolvenzverwalter Norbert Kruse am Mittwoch mitteilte, stehen Aktivposten von rund 1,3 Millionen Euro Schulden von 4,4 Millionen Euro gegenüber. An die Gläubiger verteilt würden noch rund 1,3 Millionen Euro aus dem Verkauf einer Ferienvilla von Möllemann auf der Ferieninsel Gran Canaria. Übrig blieben dann noch mehr als drei Millionen Euro Schulden, teilte Kruse weiter mit. Hauptgläubiger ist das Finanzamt. Der Fiskus wird den Angaben zufolge wohl auf dem größten Teil seiner Forderungen sitzenbleiben.

Wie Insolvenzverwalter Kruse sagte, ist der Kreis der Gläubiger "klein, aber größer als drei".

Möllemann war im Juni 2003 bei einem Fallschirmabsprung auf dem Flugplatz Marl ums Leben gekommen. Bis heute konnte nicht geklärt werden, ob es sich um einen Unfall, Mord oder um Selbstmord gehandelt hat.

Im Zuge der FDP-Parteispendenaffäre war gegen Möllemann unter anderem wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und des Verstoßes gegen das Parteiengesetz ermittelt worden.



Aus: "Insolvenzverfahren gegen Möllemann: Privat-Gläubiger kassieren 1,3 Millionen, Finanzamt geht leer aus" (24. September 2008)
Quelle: http://www.ngo-online.de/ganze_nachricht.php?Nr=18661 (http://www.ngo-online.de/ganze_nachricht.php?Nr=18661)

Title: [Gamebling..It hurts doesn't it?... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on September 25, 2008, 05:18:10 PM
Quote
[...] Es seien Vereinbarungen getroffen worden, über die beteiligte Notenbanken bis zu 30 Mrd. $ in ihre Bankensysteme pumpen können, teilte die Fed mit. "Die Zentralbanken arbeiten angesichts der angespannten Märkte weiterhin zusammen und sind bereit, falls nötig einzuschreiten." Konkret geht es um die Zentralbanken Australiens, Dänemarks, Norwegens und Schwedens.

Die Notenbanken Australiens und Schwedens erhalten über so genannte Swap-Linien mit der Fed jeweils 10 Mrd. $, die dänische und die norwegische Zentralbank können jeweils 5 Mrd. $ abrufen. Dabei handelt es sich um Währungstauschgeschäfte. Die Fed gibt den anderen Notenbanken Dollar, damit sie diese in ihren jeweiligen Währungsräumen verteilen. Ähnlich wie in anderen Währungsräumen brauchen die Kreditinstitute neben Liquidität in eigener Währung vor allem kurzfristige Dollar-Mittel.

Die neuen Vereinbarungen ergänzen die bisherigen Abkommen mit der Europäischen Zentralbank (EZB), der Bank of Japan, der Bank of England, der Schweizerischen Notenbank und der Bank of Canada. Diesen Zentralbanken räumte die Fed ein Swap-Linien über insgesamt 247 Mrd. $ ein.

Sowohl die Zinsen für Tagesgeld in heimischen Währungen als auch die für Dollar-Tagesgeld liegen derzeit zum Teil dramatisch über den jeweiligen Leitzinsen. Die Vereinbarung mit der Fed gibt der norwegischen Notenbank nach eigenen Angaben "mehr Flexibilität" für ihre Liquiditätsspritzen. Sie hatte zuletzt versucht, den Markt unter Rückgriff auf ihre Devisenreserven mit eigenen Währungstausch-Geschäften zu entspannen. Erst am Dienstag hatte die Norges Bank einen einwöchigen Währungs-Swap über 5 Mrd. $ verlängert.

Die Reserve Bank of Australia gibt die Dollar-Mittel erstmals am Freitag in einer Auktion für 28 Tage an die Banken weiter. Die Zinsen für Interbanken-Kredite am Geldmarkt reagierten dennoch bereits und gaben etwas nach.

Zugleich boten die EZB und die Bank of England erneut ihren Kreditinstituten Geldspritzen von jeweils 40 Mrd. $ für einen Tag an. Zusätzlich teilte die EZB den Banken der Eurozone nochmals 40 Mrd. Euro über einen Schnelltender für einen Tag zu und schleuste über ein reguläres Refinanzierungsgeschäft weitere 50 Mrd. Euro für 84 Tage in den Markt.

Die Institute boten beim Schnelltender hohe Zinsen von in der Spitze 4,80 Prozent, um berücksichtigt zu werden. Der Durchschnittszins der akzeptierten Gebote betrug 4,35 Prozent. Bei der Auktion langfristiger Mittel rissen sich die Institute um die Liquidität. Die Mittel hatten ein Volumen von 154,6 Mrd. $, der Durchschnittszins betrug 5,11 Prozent.

Die EZB reagierte damit einerseits auf die anhaltend hohen Tagesgeldzinsen. Noch stärker zogen allerdings weiterhin die Zinsen für längere Termingelder in der Eurozone an. So kletterte der Satz (Euribor) für einwöchige Interbanken-Ausleihungen nochmals deutlich auf 4,741 Prozent von 4,698 Prozent am Dienstag, der Drei-Monats-Euribor stieg auf 5,066 Prozent und der Sechs-Monats-Euribor auf ein Rekordhoch von 5,276 Prozent.

Auch die Bank of Japan und die australische Notenbank stellten in heimischer Währung umgerechnet 14,2 Mrd. und 680 Mio. $ bereit. Japans Notenbank setzte zudem die angekündigte Dollar-Auktion über 30 Mrd. $ um. Diese Mittel werden für einen Monat zur Verfügung gestellt.


Aus: "Wegen Vertrauenskrise: Notenbank weitet Dollar-Abkommen aus" von Doris Grass (Frankfurt) (24.09.2008)
Quelle: http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/anleihen_devisen/:Wegen-Vertrauenskrise-Notenbank-weitet-Dollar-Abkommen-aus/417672.html?nv=cd-topnews (http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/anleihen_devisen/:Wegen-Vertrauenskrise-Notenbank-weitet-Dollar-Abkommen-aus/417672.html?nv=cd-topnews)

-.-

Quote
[...] Die Scheidelinie verläuft zwischen Schein und Sein. Die Illusionswerte sind lukrativer als die Substanzwerte. Der Unterschied zwischen der virtuellen und der realen Welt lässt sich jedoch nicht beliebig steigern. Auch ein Luftballon kann platzen, und irgendwann platzen auch die größten Finanzblasen. Dazu bedarf es nicht eines kleinen Jungen, sondern nur irgendjemandes, der bei den großen Spielen plötzlich Angst um sein Geld bekommt und nicht mehr mitspielt. Man kann auch alles übertreiben, selbst Mutige bekommen bisweilen Angst vor ihrer Courage.

97 Prozent des Finanzkapitals, das den Erdball umkreist, haben mit Wertschöpfung und realen Gütern nichts mehr zu tun. Es ist Spielgeld, das zum Zocken verwendet wird. Mit den Dollar-Billionen, welche die Erde in sechs Tagen umkreisen, kann das amerikanische Sozialprodukt eines Jahres aufgekauft werden. Das Handelsvolumen der Frankfurter Derivatenbörse Eurex war im Jahr 2006 genau 46-mal größer als das deutsche Bruttoinlandsprodukt desselben Zeitraums. Der Handel mit Zinsderivaten war 1600-mal höher als die Summe aller Investitionen im Inland.

Die virtuelle Welt der Finanzgeschäfte hat die reale Welt der Wirtschaft abgehängt. Wertschöpfung, Arbeit und Produktion verkommen zur Restgröße. Mit Arbeit und Eigentum hat diese Art von Finanzkapitalismus so viel zu tun wie eine Fata Morgana mit einer real existierenden Oase. Die Sprache der Finanziers, Bankiers und Börsianer verrät schon ihr pubertäres Versteckspiel: "Expander-Zertifikate", "Airbag-Zertifikate", "Outperformance-Zertifikate". Diese Wortspiele sind Hokuspokus - wie die Sache, die sie ausdrücken sollen.

Die Kapitalmassen ziehen um den Erdball und suchen verzweifelt Bodenkontakt. Sie kreisen über den Börsenplätzen herum. Viele Landeplätze gibt es nicht mehr. Es wird privatisiert auf Teufel komm heraus. Denn was nicht privatisiert ist, eignet sich auch nicht zur Finanzvermarktung. Wasserversorgung, Strafvollzug ... alles wird privatisiert und kapitalisiert. Als letzte Beute steht das Sozialsystem im Visier der globalen Kapitalstrategen. Kapitalisierung von Rente, Pflege, Krankenversicherung, das ist deshalb der letzte Schrei der Finanzkapitalisten, die sich als Retter aus sozialer Not maskiert haben.

"Die Rente ist sicher", habe ich vor zwanzig Jahren gesagt. Nun darf man hinzufragen: Welche denn? Bestimmt nicht die börsenorientierte! Von 112.000 Pensionsfonds der Vereinigten Staaten haben 32.000 überlebt. Der umlagefinanzierten Rentenversicherung ist ein solches Desaster noch nie passiert. 700 Milliarden Dollar werden jetzt ins amerikanische Bankensystem gepumpt. Aber das ist nur die erste Anzahlung. Weitere Raten werden folgen. Das ist vorerst so viel Geld, wie die Rentenversicherung hierzulande ungefähr in drei Jahren ausgibt.

Die Umverteiler gelten als sozialistische Teufel. Auf der Börse aber wird mehr umverteilt, als es die Rentenversicherung je schaffte. Wenn sich der Kurs einer global gehandelten Aktie um ein Prozent ändert, wird mehr umverteilt, als an diesem Tag auf der ganzen Welt an Lohn verdient wird. Wenn ein Unternehmen mit hohem Aktienkurs verstaatlicht wird, ist das "Sozialismus". Bei niedrigen Aktienkursen ist es "Sicherung der Marktwirtschaft". Bei welchem Aktienkurs wandelt sich Verstaatlichung in Marktwirtschaft?

...

Quote

25.09.2008 11:20:17

katzenbob: Einer der wenigen Mahner...

Einer der Wenigen, die gegen den absoluten Wahnsinn der letzten 15 Jahre noch anschreien... leider wird Blüm von den Mainstreammedien weitgehend ignoriert, bzw. als unglaubwürdig hingestellt. Entweder sind die aktuell einflussreichen Politker dumm, engstirnig oder korrupt... vermutlich aber alle 3 Dinge zusammen! Jetzt wird wahrscheinlich Geld zur Rettung der Krise in den Apparat gepumpt, Konsequenzen werden aber wohl ausbleiben... Bild, Spiegel, INSM und andere neoliberale Vorbeter werden es den Massen schon beibiegen... von den Massenmedien in den USA ganz zu schweigen. Vielleicht ist es aber auch das (un)bewusste Ziel dieser Entwicklung, zumindest die "linke" Hand des Staates weitestgehend handlungsunfähig/pleite zu machen. Und dann: Alle gegen alle - möge der (finanziell) stärkere gewinnen! Sozialdarwinismus pur!


Quote

25.09.2008 11:35:35

speisekuchen: Rente

Es ist schon verrückt: da darf Herr Blüm eine zwanzig Jahre alte Lüge die in Form eines Wahlkampfslogans daherkam wiederholt als Titel auf`s Tablett bringen...


Quote

25.09.2008 12:14:11

fair-play: "Der Neoliberalismus scheitert am Menschen, wie er ist, sein will und soll." ...

wie zuvor schon die "Kommunismus-Derivate" des ehemaligen Ostblock ...



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25.09.2008 11:24:16

Legis: Ja - für die, die Geld zum Zocken haben!

Und das ist eine Minderheit!

Aber nach dieser Minderheit haben sich unsere Bundesregierungen zusammen mit den USA gerichtet!

Warnungen von Joseph Stiglitz wurden in den Wind geschlagen und die Bevölkerung wurde bzw. wird noch geplündert!

Bill Clinton hinterließ einen ausgeglichenen US-Haushalt. Bush hat dieses Amerika zugrunde gewirtschaftet. Jetzt will der die Notstandsgesetze ausrufen und die US-Armee soll die eigene Bevölkerung im Zaum halten! Fakt!

Oder denkt jemand, dass diese Raubritter des totalitären Kapitalismus sind von irgendjemandem noch bremsen lassen?

http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_E._Stiglitz (http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_E._Stiglitz)


Quote

25.09.2008 12:04:03

HansJoachim44:

Norbert Blüm hat und hatte Recht mit seiner Ablehnung einer privaten Rentenversicherung. Es war schon damals absehbar, daß kapitalgedeckte Renten keineswegs so sicher sein konnten wie solche, die täglich neu vom arbeitenden Teil der Bevölkerung erwirtschaftet werden. So weit so gut.

Falsch ist und war allerdings die Behauptung, daß die Rente sicher sei. Die staatliche Rente ist einigermaßen sicher vor Spekulationattacken oder Finanzkrisen, dafür ist sie umso anfälliger gegenüber der Bevölkerungsentwicklung. Wer soll sie denn erarbeiten, diese Rente, wenn kein Mensch mehr Kinder kriegt?


Quote
25.09.2008  12:15:40

yarx: Zocken?

Das ist dass richtige Wort in diesem Beitrag, einige werden es nie lernen, aber jetzt haben sie sich VERZOCKT! Gamebling..It hurts doesn't it? Naja, Life ai'nt a Ballpark ! Die Rente war sicher? Ich habe Ihnen. nie getraut, diiesen Vasallen. der Finanzmartwirtschaft!




Aus: "Unsichere Altersvorsorge: Die Rente war sicher" Eine Außenansicht von Norbert Blüm (25.09.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/653/311574/text/4/ (http://www.sueddeutsche.de/finanzen/653/311574/text/4/)

Title: [Deswegen geben wir unser Geld jetzt nicht aggressiv aus... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 01, 2008, 10:35:34 AM
Quote
[...] "Die Wirkung auf die Private-Equity-Branche ist vernichtend", sagte Ian Cash, Managing Director des britischen Finanzinvestors Alchemy, auf einer Konferenz der Private-Equity-Dachfondsgesellschaft VCM. "Das gesamte Geschäftsmodell der Private-Equity-Gesellschaften ist bedroht." Michael Hinderer, Chef von Altium Capital, meinte: "So etwas wie jetzt habe ich noch nie gesehen." Als ein Mitgründer einer Vorläuferfirma von Apax ist Hinderer seit Jahrzehnten im Geschäft.

Die bis Mitte 2007 andauernde Kredithausse hatte jahrelang die Deals der Private-Equity-Firmen getrieben - und ihre Gewinne. Da Milliardendarlehen kaum mehr vergeben werden, ist ihre Übernahmetätigkeit stark geschrumpft: Laut Thomson Financial ist das weltweite Dealvolumen in diesem Jahr bis Mitte September gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 72 Prozent auf 184 Mrd. $ eingebrochen und sank in Deutschland von 27 auf 13 Mrd. $.

Die größte Bedrohung ist jedoch, dass sich die Werte vieler Firmen in den Portofolios drastisch verringern dürften. "Die Ausfallraten steigen, wir erwarten 20 Prozent oder mehr", so Cash. Wegen des Konjunktureinbruchs dürften sich die Umsätze vieler Unternehmen in den Private-Equity-Portfolios verschlechtern und damit auch ihre Margen. Die Folge für die Private-Equity-Firmen sind hohe Abschreibungen: So hatte KKR die Werte seiner Portfoliofirmen jüngst um 1,2 Mrd. Euro herabgesetzt. Dies ist erst der Anfang: "Der Schaden ist bereits entstanden, aber noch nicht in Erscheinung getreten", meinte Lemy Gresh, Gründer des Mezzaninefonds Mezzvest.

Zudem hat die Kreditbereitschaft der Banken auch für kleine Private-Equity-Deals stark nachgelassen - was die Unternehmensbewertungen ebenfalls drückt: Hinderer berichtet von einem Fall, in dem die Banken noch im Juni einen Kredit in Höhe des 5,5-fachen operativen Unternehmensgewinns (Ebitda) versprochen hätten. Im September hätten sie nur noch das vierfache Ebitda gewährt.

Mit Blick auf den Abschwung haben sich sogenannte Distressed-Investoren, die auf problembehaftete Unternehmen spezialisiert sind, bereits seit Ende 2006 mit Milliardenfonds munitioniert und kräftig investiert. Der Chef des US-Fonds Oaktree, Howard Marks, räumte am Montag ein, dass man damit früh dran war. "Wir haben die Talsohle noch nicht erreicht, deswegen geben wir unser Geld jetzt nicht aggressiv aus."


Aus: "Private Equity
Unter "Heuschrecken" bricht Panik aus" von Angela Maier (München) (FTD, 30.09.2008)
Quelle: http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:Private-Equity-Unter-Heuschrecken-bricht-Panik-aus/420186.html (http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:Private-Equity-Unter-Heuschrecken-bricht-Panik-aus/420186.html)

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Quote
[...] Kursrutsch an US-Börsen vernichtete etwa 1,2 Billionen Dollar
Damit sind die Verluste fast doppelt so hoch wie das von der US-Regierung geplante Rettungspaket für den US-Finanzsektor - Tokio startet mit Minus

Washington/Tokio - Beim Absturz der Aktienkurse in den USA am Montag sind etwa 1,2 Billionen Dollar (834 Milliarden Euro) Börsenwert vernichtet worden. Dies ergibt sich aus dem Dow-Jones-Wilshire-5000-Index, dem größten Messwert für Börsenbewegungen in den USA. Damit sind die Verluste fast doppelt so hoch wie das von der US-Regierung geplante Rettungspaket für den US-Finanzsektor.

Die Ablehnung dieses 700-Milliarden-Dollar (488 Mrd. Euro) schweren Paketes durch das Repräsentantenhaus hatte den Absturz der Kurse an den US-Finanzmärkten ausgelöst. Der New Yorker Dow Jones Index sank dabei um mehr als 770 Punkte und verbuchte den höchsten Tagesverlust in seiner Geschichte.

Nach dem massiven Kurseinbruch an der Wall Street gerieten auch die Börsen in Lateinamerika sowie am Dienstag auch die Aktienbörse in Tokio in den Abwärtssog. Bereits zehn Minuten nach Handelsauftakt notierte der 225 führende Werte umfassende japanische Nikkei-Index einen Abschlag von 342,64 Punkte oder 2,91 Prozent beim Stand von 11 400,97 Punkten. (APA/AFP/dpa)


Aus: "Kursrutsch an US-Börsen vernichtete etwa 1,2 Billionen Dollar" (30. September 2008)
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=1220459468601 (http://derstandard.at/?url=/?id=1220459468601)

Title: [....der immer wollte, dass sich der Staat nicht einmischt (Ackermann)]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 02, 2008, 01:14:21 PM
Quote
[...] Josef Ackermann begrüßte die diversen Liquiditäts- und Stützungsmaßnahmen für die Finanzmärkte der vergangenen Tage. „Ohne diese Liquiditätseinschüsse der Notenbanken hätten wir eine ganz schwierige Situation gehabt“, sagte Ackermann am Dienstagabend auf einer Veranstaltung in Frankfurt. Auch die Regierungen in den Benelux-Staaten, Großbritannien und Deutschland hätten am vergangenen Wochenende einen „wichtigen Schritt“ gemacht. In der Nacht zum Montag hatte die Bundesregierung zusammen mit anderen Banken ein Rettungspaket für den Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate geschnürt. In den Benelux-Staaten und Großbritannien griffen die jeweiligen Regierungen ebenfalls angeschlagenen Finanzinstituten unter die Arme.

Ackermann räumte ein, keiner wisse, ob diese Maßnahmen reichten. „Aber jeder Schritt ist ein wichtiger Schritt, um wieder Vertrauen an den Finanzmärkten zu schaffen“. Mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers sei die Angst der Marktteilnehmer zurückgekehrt. Und sie habe zu einem Dominoeffekte geführt. „Dieser Teufelskreis muss nun durchbrochen werden, durch ein schnelles Bewilligen des Rettungspakets in den USA“, sagte Ackermann. Die US-Regierung will das US-Finanzsystem mit einem Rettungspaket von 700 Milliarden Dollar stützen.

Auch EZB-Chef Jean-Claude Trichet lobte die Rettungsaktionen europäischer Regierungen für angeschlagene Banken. Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg hätten bewiesen, dass die Europäer in der Lage seien, rasch und gut zu reagieren, sagte Trichet in einem am Dienstagabend im französischen Fernsehsender France-2 ausgestrahlten Interview. Der Chef der Europäischen Zentralbank betonte, dass Europa über die notwendigen Mittel verfüge, um der Krise an den Finanzmärkten zu begegnen.

Das milliardenschwere Rettungspaket für den taumelnden DAX-Konzern Hypo Real Estate ist unter Dach und Fach. Die Bundestagsfraktionen von Union und SPD stimmten am Dienstag dem Finanzplan von Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück zu. Danach gewährt der Bund dem Münchener Konzern eine Bundesbürgschaft von 26,6 Milliarden Euro. Merkel sagte, dies sei nötig, um bei Bürgern und Wirtschaft das Vertrauen in den Finanzplatz Deutschland zu erhalten.

Insgesamt beläuft sich die Bürgschaft auf 35 Milliarden Euro, davon tragen die Privatbanken aber nur maximal 8,5 Milliarden Euro.

Steinbrück sieht für die Beteiligung des Bundes an der Stützung des Immobilienfinanzierers eine breite Unterstützung durch den Bundestag. Er habe keine gewichtige Stimme gehört, die gegen die Rettung gewesen wäre, sagte er nach einer Sitzung des Haushaltsausschusses in Berlin. Die Alternativen wären ein Zusammenbruch der HRE oder eine Lösung gewesen, bei der der Bund viel Geld hätte in die Hand nehmen müssen. Der Bund stelle keine Steuergelder bereit, sondern übernehme lediglich eine Garantieposition für den Notfall.

Ziel sei es nun, das Vermögen der Hypo Real Estate unter Führung eines neuen Managements marktschonend zu verwerten, so dass die Bürgschaft möglichst nicht zum Tragen komme, sagte Steinbrück. Dies sei besser als nichts zu tun, was zu einer „Crash-Lösung“ geführt hätte. Der angeschlagene Immobilienfinanzierer aus München mit einer Bilanzsumme von 395 Milliarden Euro beschäftigt 1900 Mitarbeiter in Europa, Asien und Amerika.
flf/Reuters/dpa/AP

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Z_rulez | 33 Kommentare (02.10.2008 10:39)
dass Ackermann das begrüsst ist klar..
... In einer Volkswirtschaft (und in jedem Unternehmen) sind die beiden Einsatzfaktoren Arbeit und Kapital. Leider ist in den letzten Jahrzehnten zunehmend ein Missverhältnis in der Wertigkeit dieser beiden Faktoren fest zu stellen. So wird sich der Arbeitnehmer, der ohnehin schon zu knapsen hat auch von der ohnehin nur vagen Hoffnung verabschieden dürfen, daß sein Arbeitsweg und seine Mobilitätsbereitschaft durch Pendlerpauschalengeld etwas erleichtert wird. Statt dessen werden Bubbleökonomische Flurschäden bereinigt... Grausam....


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Wolfgang-GV | 2437 Kommentare (02.10.2008 07:11)
Bis vor kurzem haben Ackermann & Co.
immer gefordert, dass sich der Staat aus der Wirtschaft, einschliesslich der Banken, heraushalten soll. Aber jetzt, wo die Banken durch Gier und Überheblichkeit Hunderte Milliarden versenkten, kann es nicht genug Staatsknete sein.


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markaurel (01.10.2008 18:43)
Aufgabe der Banken
und nicht des Steuerzahlers! Wo bleibt das Opfer dieser Pseudo-Manager die wenn es um ihren Vorteil geht die größten sind wenn sie sich verzockt haben aber nach Staatshilfe schreien. Wo bleiben die Aktionäre wegen deren Profit Mitarbeiter entlassen werden bei Verlusten sich aber gleich an den Mitarbeiter als Steuerzahler erinnern?


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Jotaoa | 116 Kommentare (01.10.2008 10:23)
Ich bin dafür,
dass es über solche Ausgaben von Steuergeldern künftig Volksabstimmungen gibt!


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Rheinhesse | 1527 Kommentare (01.10.2008 08:58)
Unglaublich
Ackermann? Das ist doch der, der immer wollte, dass sich der Staat nicht einmischt.


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jottemmvdo | 493 Kommentare (01.10.2008 08:52)
mit was für eine Arroganz
redet er Herr Ackermann daher?! Erst kassiert er und seine Kollegen Millionen an Gehältern und Millarden an Gewinnen, die nur zu einem Bruchteil versteuert werden, und nun muss der Steuerzahler für diese Zocker haften. Es wäre doch besser gewesen, all diese Zockerbuden in die Preite laufen zu lassen. Dann würden die in Zukunft von solchen Geschäften die Finger lassen. Wie wäre es, wenn jede Bank in den nächsten Jahrzehnten die Steuermillarden mit Zinsen zurückzahlt. Natürlich nicht steuerfrei, d,h. diese Zahlungen dürfen sie nicht von der Steuer absetzten.


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corado081250 | 2 Kommentare (01.10.2008 08:35)
Ackermann
Um es kurz zu machen: Kapital und Politik handeln nach dem Motto, ich halt sie Dumm und du hälts sie arm, so einfach ist das, also warum aufregen?


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Der Mahner (01.10.2008 07:31)
Verantwortung übernehmen
Eingreifen oder nicht. Ich habe bisher in keiner Diskussion gehört wer und wie die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Jeder Handwerker/GmbH oder Haushalt kann nur mit dem wirtschaften was er hat und muss auch dafür persönlich gerade stehen. Das Grundproblem unserer Gesellschaft ist doch gerade das in allen Schichten "keine Verantwortung für sein eigenes Handeln" übernommen wird.


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mexx66 | 1 Kommentar (01.10.2008 07:23)
Bundesregierung hat richtig gehandelt
Die Hypo Real Estate hat ein funktionierendes Geschäftsmodell und hat nur aufgrund der Tatsache das im Moment auf dem Markt kein vertrauen herrscht Liquiditätsprobleme. Aufgrund der Bürgschaft ist nun das Vertrauen wieder hergestellt und die Geschäfte können weiter laufen. Das wird uns Bürgern letztendlich keine Cent kosten. Ohne diese Unterstützung wären jedoch auch andere Banken in Schwierigkeiten geraten und die Krise hätte sich stark ausgeweitet. Folglich war die Entscheidung völlig richtig!


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JethroTull | 130 Kommentare (01.10.2008 06:46)
Ist ja schon komisch,
hat Herr Ackermann nicht noch vor nicht all zulanger Zeit getönt, das sich die Politik raushalten soll. Der Markt reguliert sich selber hieß es. Naja, ich bin ja mal gespannt wie nun die Wahlgeschenke für nächstes Jahr finanziert werden sollen. Es ist doch wohl hoffentlich jedem klar, das da gelogen wird bis sich die Balken biegen. Erst immer Behaupten für den Bürger ist kein Geld da, jetzt fließen die Milliarden. Da bleibt wohl für Wahlversprechen nichts übrig. Also bitte, nicht darauf hereinfallen. Die große Abrechnung für den Bürger kommt nach der Wahl, und das wird dann zwar auch ein Geschenk, aber mit Sicherheit kein Positives.


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ThomasHempel | 12953 Kommentare (01.10.2008 06:41)
Anderes hätte ich ...
von Herrn Ackermann auch nicht erwartet, das er diese Finanzspritzen des Staates gutheisst, letztendlich ist es doch eine Art von Freifahrtschein der Banken hier eigene Unzulänglichkeiten auf Kosten der Steuerzahler ausgleichen zu lassen und das ohne schlechtes Gewissen.


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blogger (01.10.2008 00:13)
so kann es nicht weiter gehen
Wie kann es Vertretbar sein, wenn im Sozialen Bereich mit dem Argument der mehr Eigenverantwortung gekürzt wird, und Banken ein Persilschein ausgefüllt wird? Ich meine gar nicht. Alles was der Staat in den Finanzmarkt steckt, sollte er sich teuer zurück zahlen lassen. Die Zügel für den Finanzsektor müssen stark angezogen werden. Ich erwarte das die Politik jetzt handelt!


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FF (30.09.2008 23:56)
Globalisierung aber nur für die Armen
Seltsame Dinge spielen sich dieser Tage ab. Jahrelang wurde ein Hochlied auf die Globalisierung gesungen, von der nur wenige profitierten. Von der Masse wurde Einsicht bezügl. sinkender Realeinkommen u. Dumpinglöhnen gefordert. Die daraus erzielten Gewinne wurde verzockt, verspekuliert, vorneweg die Banken. Plötzlich gilt das nicht mehr: werden Gewinne privatisiert ,Verluste sozialisiert


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melita44 | 57 Kommentare (30.09.2008 23:49)
Natürlich hacken jetzt wieder ALLE auf Ackermann
herum! Aber auch sein Einkommen wird im nächsten Jahr sinken, denn die Aktienoptionen sind an den Gewinn gekoppelt. Aber wo bitteschön hat die Deutsche Bank Verluste sozialisiert? Seit Ackermann Chef ist, hat die DB in keinem Jahr Verluste ausgewiesen, wieviele Mitarbeiter hat die DB seit 2005 entlassen, ca. 300 Investment-Banker in London. Und was die HRE betrifft, auch die Bundesregierung finanziert Projekte über die Tochter-Depfa, und muss ein Interesse daran haben, dass diese Projekte ausgeführt werden! Nun wird bereits über die Bürgschaft des Bundes für die HRE gejammert, obwohl noch nicht ein Cent beansprucht wurde! Kein Mensch käme auf die Idee ein Haus über kurzfristige Kredite zu finanzieren, wie die Depfa das gemacht hat, das ist nicht nachvollziehbar und musste so enden!


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Demokrat2008 (30.09.2008 23:21)
Verkehrte Finanzwelt...
Ist schon absurd. Überweist ein Normalbürger 11000 Euro für ein neues Auto an Verwandte im Ausland greifen sämtliche Sicherungsmechanismen, vom pauschalen Geldwäscheverdacht bis zur Befragungsrunde am Bankschalter. Auf der anderen Seite verzocken Banker ohne jegliche Kontrolle Milliardenbeträge und der Staat zahlt hinterher auch noch die Zeche. Darüber sollten einige Politiker mal nachdenken!


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Stefan Rothe (30.09.2008 23:21)
Illusionen
Die umlaufenden Diskussionen um Pfandbriefe, Tagesgeld, Sparkassen und Privatbanken sind bloß Geplänkel. Eine echte Weltwirtschaftskrise (wie in den 20er-Jahren) würde bei der Verfaßtheit von Industrie und Handel in Deutschland in wenigen Wochen zu Hungersnot und Anarchie mit Plünderungen und Straßenkämpfen führen. Erst dann wird der deutsche Michel die Schwätzer als das erkennen, was sie sind.


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GoethesAhne | 73 Kommentare (30.09.2008 23:00)
Wer hat Sie denn gewählt?
So ist das eben. Man wettert eifrig gegen eine moderne Sozialpolitik, wählt weiter CDU & FDP... und meckert über Ackermann.

...





Aus: "Deutsche-Bank-Chef: Ackermann begrüßt Staatshilfe für Banken" (30.09.08)
Quelle: http://www.focus.de/finanzen/boerse/finanzkrise/deutsche-bank-chef-ackermann-begruesst-staatshilfe-fuer-banken_aid_337376.html (http://www.focus.de/finanzen/boerse/finanzkrise/deutsche-bank-chef-ackermann-begruesst-staatshilfe-fuer-banken_aid_337376.html)

Title: [Nebenbemerkung: The Lordship of Moneygaming... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 06, 2008, 04:13:17 PM
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[...] Die Deutschen waren noch nie so reich wie vor der Finanzkrise. Auf knapp 4,6 Billionen Euro war das Geldvermögen der privaten Haushalte zum Jahresende 2007 gestiegen. Zehn Jahre zuvor registrierte die Deutsche Bundesbank ein Vermögen von nicht einmal drei Billionen Euro. Das durchaus umfangreiche Immobilienvermögen vieler Sparer wird bei dieser Statistik allerdings nicht berücksichtigt.

...


Aus: "Vermögen der Deutschen: Sicher ist sicher" Von Simone Boehringer (06.10.2008)
Mit einer Billion Euro bürgt die Regierung auch für Giro- und Tagesgeldkonten. So will die Politik verhindern, dass es zu Massenabhebungen kommt.
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/925/312836/text/ (http://www.sueddeutsche.de/finanzen/925/312836/text/)

Title: [US-Finanzkrise Krisenticker (08.10.2008)... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 08, 2008, 01:36:39 PM
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[...] LOS ANGELES. Die Finanzkrise hat in den USA ein Familiendrama ausgelöst. Ein arbeitsloser Finanzberater tötete seine Familie.

Weil die Börsenkurse in den Keller fielen und sein einst stattliches Vermögen vernichteten, hat ein arbeitsloser Finanzberater in Los Angeles seine Ehefrau, seine drei Söhne sowie seine Schwiegermutter erschossen. Anschließend tötete sich der 45-Jährige selbst.

Der Mann, der noch vor Kurzem über ein Jahreseinkommen von rund 880.000 Euro verfügte, hat die Bluttat als „einzigen Ausweg“ gesehen, sagte der stellvertretende Polizeichef von Los Angeles, Michel Moore. „Wir befinden uns in schwierigen Zeiten.“

Die Tragödie ereignete sich am Wochenende in einem Einfamilienhaus in einem der wohlhabenden Vororte von Los Angeles. Die drei Söhne des Paars waren sieben, zwölf und 19 Jahre alt. „Das ist eine perfekte amerikanische Familie, die zerstört wurde“, sagte Moore. Der Mann war über die finanzielle Situation verzweifelt. Das Verbrechen wurde erst am Montag bemerkt, nachdem die Ehefrau (39) der aus Indien stammenden Familie nicht zur Arbeit erschienen war.

„Er liebte seine Kinder“, sagte ein Nachbar. Andere Nachbarn meinten, der Mann habe in letzter Zeit einen „angespannten“ Eindruck gemacht.


Aus: "Sechs Tote wegen US-Finanzkrise" (08.10.2008)
Quelle: http://www.nachrichten.at/weltspiegel/741443?PHPSESSID=83c3692adab5fe924bd4a4988b185605 (http://www.nachrichten.at/weltspiegel/741443?PHPSESSID=83c3692adab5fe924bd4a4988b185605)

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[...] Washington (dpa) - US-Präsident George W. Bush hat zu verstärkter internationaler Zusammenarbeit bei der Lösung der Finanzkrise aufgerufen. Er hatte mit dem britischen Premierminister Gordon Brown, dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy sowie Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi gesprochen. London kündigte ein Rettungspaket für Banken an.


Aus: "Bush für internationale Zusammenarbeit in Finanzkrise" (08.10.2008)
Quelle: http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/213562 (http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/213562)


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[...] Mittwoch, 8. Oktober 2008
US-Finanzkrise
Krisenticker

08.10.08
 
+++Moskau zapft Reserven an +++
 
Die russische Regierung will 450 Mrd. Rubel (12,6 Mrd. Euro) aus dem nationalen Reservefonds nehmen, um die heimischen Banken angesichts der Weltfinanzkrise zu unterstützen. Das teilt Finanzminister Alexej Kudrin in Moskau mit. Nach seinen Worten sollen die Gelder zuerst bei der Wneschekonombank (WEB) landen, die dann Kredite an andere Banken vergeben soll, heißt es laut RIA Nowosti.

+++ US-Vizeminister räumt Fehler ein +++
 
Der stellvertretende US-Finanzminister Robert Kimmitt räumt Versäumnisse in der Finanzkrise ein. "Ja, es wurden Fehler gemacht", sagt Kimmitt in einem "Stern"-Interview. Die USA zögen aber Konsequenzen. Das Weltfinanzsystem werde insgesamt gestärkt aus der Krise hervorgehen. Allerdings sehe die Welt schwierigen Zeiten entgegen. "Es wird lange dauern, das Vertrauen in die Märkte wiederherzustellen." Notwendig sei außerdem mehr Transparenz vor allem bei bestimmten hochkomplexen Finanzierungsinstrumenten.

+++ Island schreitet wieder ein +++
 
Islands Regierung verstaatlicht die zweite große Bank in dieser Woche. Die Behörden übernehmen die vollständige Kontrolle über die landesweit drittgrößte Bank Glitnir, wie die Finanzaufsicht in Reykjavik mitteilt. Die zweitgrößte Bank Landsbanki war am Vortag verstaatlicht worden. Gleichzeitig bestätigt die schwedische Nationalbank in Stockholm einen Kredit über fünf Milliarden Kronen (500 Mio. Euro) an Islands größte Bank Kaupthing. Sie wird noch in privater Regie geführt und hat auch in Deutschland Anleger mit Hochzins-Konten angelockt.
 

+++ Verheugen: Notfalls Banken verstaatlichen +++
 
Die europäischen Regierungen sollten in der Finanzkrise nach Auffassung von EU-Industriekommissar Günter Verheugen notfalls Banken verstaatlichen. "Ich würde auch vor sehr unkonventionellen Schritten nicht zurückschrecken, selbst wenn am Ende eine kurzfristige Verstaatlichung von Instituten die einzige Möglichkeit ist, den Kollaps zu verhindern", sagt Verheugen der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".
 
+++ DIW: Noch keine Folgen für Realwirtschaft +++
 
Die Finanzmarktkrise hat sich nach Einschätzung von DIW-Chef Klaus Zimmermann noch nicht negativ auf die Realwirtschaft ausgewirkt. "Die Konjunktur ist weiterhin sehr robust", sagt der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im ZDF.

+++ Steinbrück: Krise dauert noch +++
 
Finanzminister Peer Steinbrück sieht ungeachtet der bisher beschlossenen Maßnahmen kein Ende der gegenwärtigen Finanzkrise. Die Märkte seien längst noch nicht aus dem Gröbsten heraus, schreibt Steinbrück in einem Brief an US-Finanzminister Henry Paulson und unterstreicht die Notwendigkeit einer vollständigen und schnellen Umsetzung dieser Maßnahmen. "Die wichtigste Herausforderung vor der wir stehen ist die Wiederherstellung des Vertrauens in das internationale Finanzsystem", schreibt Steinbrück an seinen US-Kollegen.

 
+++ Hilfe für Briten-Banken +++
 
Die britische Regierung stabilisiert das angeschlagene Bankensystem mit einem Rettungspaket. Das britische Finanzministerium stellt dem angeschlagenen Bankensystem des Landes mindestens 200 Mrd. Pfund zur Verfügung. Das Finanzministerium will nach eigenen Angaben damit sicherstellen, dass kurzfristig genügend Liquidität vorhanden ist. Bis zu 50 Mrd. Pfund sollen die größten Geldhäuser Großbritanniens als Kapitalspritze erhalten.

+++ Ausverkauf in Asien +++
 
Die Finanzkrise führt zu Panikverkäufen in Asien, Tokio erlebt den schlimmsten Crash seit mehr als zwei Jahrzehnten. Der Nikkei-Index bricht um fast zehn Prozent ein, weil Anleger aus Furcht vor weiteren Folgen der Finanzkrise ihre Papiere massenweise abstießen. Der Kurssturz ist der heftigste seit dem "schwarzen Montag" im Jahr 1987.
 

+++ Ex-AIG-Manager sahnt ab +++
 
Der mit einem Staatskredit gerettete US-Versicherer AIG hat seinen für das desaströse Risikogeschäft zuständigen Ex-Manager als Berater weiterbeschäftigt - für eine Million Dollar monatlich. Joseph Cassano durfte nach seinem Rücktritt auch bis zu 34 Millionen Dollar an Gehaltszulagen behalten. Ex-AIG-Boss Sullivan wollte den "Wissensfundus von Mr. Cassano bewahren".
 
+++ Riesiges US-Etatloch +++
 

Das Defizit im US-Haushalt dürfte sich im laufenden Fiskaljahr stärker erhöhen als bislang angenommen. Wie das Congressional Budget Office (CBO) mitteilt, wird sich der Fehlbetrag im Staatshaushalt bis zum Ende des Fiskaljahres am 30. September auf 438 Milliarden Dollar ausweiten. Das entspricht 3,1 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts. Damit revidiert das CBO seine vorherige Prognose um 31 Milliarden Dollar nach oben.

07.10.08

+++ AIG zahlt Millionen an Berater +++
 
Der mit einem Staatskredit vor der Pleite gerettete US-Versicherer American International Group (AIG) hat seinen für das desaströse Risikogeschäft zuständigen Ex-Manager als Berater weiterbeschäftigt - für eine Million Dollar monatlich. Joseph Cassano durfte nach seinem Rücktritt auch bis zu 34 Millionen Dollar an Gehaltszulagen behalten, wie am Dienstag aus Dokumenten hervorging, die dem Aufsichtsausschuss des US-Repräsentantenhauses vorliegen. Vor dem Gremium verteidigte der ehemalige AIG-Chef Martin Sullivan den Beratervertrag. "Ich wollte den 20-jährigen Wissensfundus von Mr. Cassano bewahren", sagte Sullivan.
 
+++ London kündigt Hilfe an +++
 
Angesichts der dramatischen Entwicklung der internationalen Finanzmarktkrise hat der britische Finanzminister Alistair Darling ein Rettungspaket für die Banken des Landes angekündigt. Er werde vor Börseneröffnung am Mittwoch Einzelheiten mitteilen, sagte Darling am Dienstagabend nach einem Krisentreffen in der Downing Street mit Premierminister Gordon Brown, dem Notenbankchef Mervyn King und dem Vorsitzenden der Finanzaufsichtsbehörde, Adair Turner.
 
+++ Wells Fargo kämpft um Wachovia +++
 
Im Kampf um die angeschlagene US-Bank Wachovia könnte sich Wells Fargo Kreisen zufolge deutlich mehr Einlagen sichern als die ebenfalls interessierte Citigroup. Demnach könnte Wells Fargo rund 75 bis 80 Prozent und Citigroup 20 bis 25 Prozent der Wachovia-Einlagen bekommen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Dienstag. Die Verhandlungen dauerten aber noch an und das Ergebnis sei noch ungewiss. Citigroup und Wachovia lehnten eine Stellungnahme ab. Bei Wells Fargo war dafür zunächst niemand zu erreichen.
 
+++ Bush: "Harte Zeiten" +++
 
Die USA stehen nach den Worten von US-Präsident George W. Bush vor wirtschaftlich schwierigen Zeiten. "Keine Frage, es sind harte Zeiten, aber wir werden da auch wieder herauskommen", sagte Bush am Dienstag in Chantilly (US-Bundesstaat Virginia). Die USA hätten schon oft unter Wirtschaftskrisen gelitten und jedes Mal seien diese auch wieder überwunden worden.
 
+++ Bernanke bereit zum Zinsschritt +++
 
US-Notenbankchef Ben Bernanke hat eine mögliche Senkung des US-Leitzinses angedeutet. Während sich die Konjunkturaussichten durch die jüngste Zuspitzung der Finanzkrise verschlechtert hätten, habe sich das Inflationsbild etwas aufgehellt, sagte Bernanke am Dienstag in Washington. Vor diesem Hintergrund müsse die Federal Reserve prüfen, "ob ihre gegenwärtige Zinspolitik weiterhin angemessen ist".
 
+++ EZB rechnet mit weiteren Sorgenkindern +++
 
Die sich verschärfende Finanzkrise wird die Bankenlandschaft in Europa nach Ansicht von EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny dauerhaft verändern. In Europa werde es weitere Verstaatlichungen und Zusammenschlüssen von Banken geben, sagte Nowotny in einem am Dienstagabend vorab veröffentlichten Interview mit der Zeitung Oberösterreichische Nachrichten. Der Grund für die Schieflage des Systems seien eine zu expansive Geldpolitik der US-Notenbank Fed und ein Mangel an Regulierung. Dies habe zu einer Blase auf dem Immobilienmarkt geführt, "deren Platzen wir alle nun abarbeiten müssen."
 
+++ Wieandt löst Funke ab +++
 
Der Deutsche-Bank-Manager Axel Wieandt wird neuer Vorstandschef des angeschlagenen Münchner Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE). Wieandt sei mit Wirkung zum kommenden Montag (13. Oktober) zum Vorstandsvorsitzenden berufen worden, teilte das Unternehmen am Dienstagabend nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Das komplette Finanzierungsmanagement des Unternehmens soll künftig der Commerzbank-Manager Kai Wilhelm Franzmeyer verantworten.
 
+++ AIG hat Warnung ignoriert +++
 
US-Behörden haben den nur knapp vor dem Bankrott geretteten Versicherungskonzern AIG schon vor einem halben Jahr vor unkontrollierten Risiken gewarnt. Der internen Aufsicht bei AIG mangele es an entscheidenden Elementen wie Eigenständigkeit, Transparenz und Detailgenauigkeit, hieß es in einem Brief der Sparkassenaufsichtsbehörde an AIG vom 10. März, der einem Ausschuss des Repräsentantenhauses am Dienstag vorgelegt wurde.
 
+++ Spanien erhöht auf 100.000 +++
 
Spanien erhöht aufgrund der internationalen Finanzkrise die Garantiesumme für Sparguthaben auf bis zu 100.000 Euro. Dies kündigte Ministerpräsident Zapatero an. Bislang war der spanische Staat im Fall des Zusammenbruchs einer Bank für Einlagen von bis zu einer Summe von 20.000 Euro pro Sparer eingestanden. "Mit der Aufstockung dieser Summe können die spanischen Bürger darauf vertrauen, dass ihre Ersparnisse sicher sind", sagte der Regierungschef.
 
+++ Trichet signalisiert Bereitschaft +++
 
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat Zinssenkungen im Kampf gegen die Finanzkrise nicht ausgeschlossen. Es sei ein Punkt erreicht, an dem die Notenbank alles in ihrer Macht stehende tun werde, um Schlimmeres zu verhindern, sagte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) am Dienstag in der französischen Stadt Evian. Die Krise habe mittlerweile das Herz des Weltfinanzsystems erreicht.
 
+++ Merkel wiederholt Staatsgarantie +++
 
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Garantie der Bundesregierung für alle Spareinlagen in Deutschland bekräftigt. Kein Sparer müsse um seine Einlagen fürchten, sagte Merkel am Dienstag in ihrer Regierungserklärung im Bundestag zur Bankenkrise. "Und ich sage hier noch einmal: Diese Erklärung gilt." Nähere Details nannte sie nicht.
 
+++ Aufsicht in der Kritik +++
 
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat angesichts der Finanzmarktkrise neue Aufsichtsstrukturen auch in Deutschland ins Spiel gebracht. Es müsse überlegt werden, ob das Zusammenspiel zwischen Bundesbank und der Finanzaufsicht BaFin noch effizienter gestaltet werden könne, sagte Merkel in ihrer Regierungserklärung vor dem Bundestag. Sie warnte allerdings vor Schnellschüssen. Insgesamt müsste auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene erreicht werden, dass Aufsichtsbehörden vorausschauend agieren und rechtzeitig auf Fehlentwicklungen reagieren.
 
+++ Athen garantiert Spareinlagen +++
 
Der griechische Staat will für die Geldeinlagen in den Banken in Höhe von 100 000 Euro garantieren. Dies teilte Finanzminister Giorgos Alogoskoufis am Dienstag im Fernsehen mit. "Wir haben die Absicht, sehr bald eine entsprechende Gesetzesänderung vor das Parlament zu bringen und die Obergrenze (der garantierten Auszahlung von Geldeinlagen) von 20 000 auf 100 000 zu erhöhen", sagte der Minister. Dies werde für ein Jahr gelten, hieß es. Bereits am vergangenen Dienstag hatte der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis für die Sicherheit der Geldeinlagen bei griechischen Banken politisch gebürgt.
 
+++ London bereitet Hilfe vor +++
 
Im Zuge der Finanzkrise bereitet nun auch Großbritannien Branchenkreisen zufolge staatliche Hilfen für die Banken vor. Die Regierung wolle in den nächsten Tagen mit den führenden Banken des Landes über Rekapitalisierungsmaßnahmen beraten, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person. Ein erstes Gespräch zwischen Schatzkanzler und den großen Banken habe es bereits in der Nacht zum Montag gegeben. Das Finanzministerium wollte dies nicht kommentieren, betonte aber, Schatzkanzler Alistair Darling tue alles, um die Stabilität zu wahren.
 
+++ Dänen erhöhen Leitzins +++
 
Die dänische Notenbank hat ihren Leitzins erhöht und zur Stützung der Landeswährung direkt am Devisenmarkt interveniert. Der Leitzins steige um 40 Basispunkte auf 5,0 Prozent, erklärte die Zentralbank am Dienstag. Dies sei nötig, um den positiven Zinsvorsprung zur Euro-Zone wiederherzustellen.

+++ Viemetz will bleiben +++
 
Der Aufsichtsratschef des angeschlagenen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE), Kurt Viermetz, will seinen Stuhl nach Informationen aus Unternehmenskreisen nicht räumen. Viermetz sehe trotz Rücktrittsforderungen gegenwärtig keine Veranlassung, sein Amt aufzugeben, hieß es aus dem Umfeld des Unternehmens. Zuvor hatte sich HRE-Chef Georg Funke dem massiven Druck aus Berlin gebeugt und seine Ämter mit sofortiger Wirkung niedergelegt.

+++ Merkel lehnt EU-Rettungsfonds ab +++
 
Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnet den irischen Weg als nicht geeignete Lösung.
 
+++ Wieandt für Funke +++
 
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat nach Angaben der Bundestagspressestelle im Haushaltsausschuss angekündigt, dass Axel Wieandt neuer Vorstandsvorsitzender der Hypo Real Estate (HRE) werden soll. Steinbrück erklärte demnach, dass der HRE-Vorstand mit Ausnahme eines "sehr tüchtigen" weiblichen Mitglieds ausgetauscht und überwiegend von Vertretern der Deutschen Bank und der Commerzbank neu formiert werde.
 
+++ Fed rettet US-Commercial-Papers +++
 
Die US-Notenbank kündigt an, nun auch eine Finanzierungsfazilität für Commercial Papers (CP) wie beispielsweise kurzfristige Unternehmensanleihen zu schaffen und diese in Zahlung zu nehmen. Der CP-Markt ist Marktexperten zufolge in den vergangenen Wochen nahezu ausgetrocknet gewesen und
bedrohte die Refinanzierung von Unternehmen.
 
+++ Frisches Geld für Bank of America +++
 
Die angekündigte Kapitalerhöhung der Bank of America über 10,0 Mrd Dollar ist nach einem Bericht des US-Fernsehsenders CNBC bereits zur Hälfte von Investoren gezeichnet worden. Der CNBC-Reporter David Faber berichtet, dass am Abend die Preisfestsetzung erfolgen soll.
 
+++ Airlines spüren Gegenwind +++
 
Nach einigen Monaten mit teilweise deutlichen Passagierzuwächsen stehen Europas Fluggesellschaften an einem Wendepunkt. Die schwächelnde Wirtschaft und Preissteigerungen führen vor allem bei den alteingesessenen Airlines zu einer geringeren Nachfrage, während Billigflieger mit Kampfpreisen weiterhin neue Kunden anlocken. Die größte europäische Fluggesellschaft Air France-KLM verbucht im September lediglich ein Passagierplus von 0,5 Prozent, während die Auslastung der Flugzeuge um 1,4 Punkte auf 80,9 Prozent zurückgeht. Besonders dramatisch fällt der Rückgang im Frachtverkehr aus, wo das Volumen wegen der einbrechenden Nachfrage auf Asienstrecken um gut zwölf Prozent zurückgeht.

+++ IWF rechnet Verluste hoch +++

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet inzwischen mit 1,4 Billionen Dollar (1,03 Billionen Euro) Verlusten durch die Finanzkrise und damit weit mehr als bislang befürchtet. Da der Höhepunkt der Kreditausfälle noch bevorstehe und angesichts der jüngsten Verschärfung der Krise an den Märkten sei ein Anstieg der zu erwartenden Einbußen wahrscheinlich, heißt es in dem veröffentlichten IWF-Bericht zur Stabilität der globalen Finanzmärkte. Im April hatte der Fonds die vermuteten Gesamtverluste durch die Krise noch auf 945 Milliarden Dollar beziffert.
+++ EU verbürgt sich für alle "wichtigen Banken" +++
 
Die Europäische Union will Pleiten von großen Banken verhinden. "Wir haben beschlossen, systemrelevante Finanzinstitute zu unterstützen", heißt es in der Abschlusserklärung des Luxemburger Finanzministertreffens.
 
+++ HRE-Chef Funke tritt ab +++
 
Der Chef des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate, Georg Funke, tritt zurück. Im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat habe Funke seine Mandate mit sofortiger Wirkung niedergelegt, teilt das Unternehmen in München mit. Über eine Nachfolge werde der Aufsichtsrat noch an diesem Dienstag entscheiden. Funke war im Zusammenhang mit der Schieflage der Hypo Real Estate (HRE) scharf kritisiert worden.

+++ Keine Verhandlungen mit Island +++
 
Das russische Finanzministerium dementiert eine Mitteilung der isländischen Nationalbank über einen Kredit in Höhe von vier Milliarden Euro. Es habe bislang noch nicht einmal eine entsprechende Anfrage Islands an Russland gegeben, sagt ein Ministeriumssprecher in Moskau. "Es gab keine Kreditverhandlungen mit Island", betont er.

+++ Russland dementiert Island-Darlehen +++
 
Russland hat nach den Worten von Vizefinanzminister Dimitri Pankin noch keine Entscheidung über ein milliardenschweres Darlehen für das von einer Wirtschaftskrise geschüttelte Island getroffen. "Es hat noch keine Entscheidung gegeben, Island ein Darlehen zu gewähren", sagt Pankin der Nachrichtenagentur Reuters.
 
+++ Finanzwerte in Island vom Handel ausgesetzt +++
 
Die isländische Finanzaufsicht FSA setzt die Aktien von Finanzunternehmen bis 14.00 Uhr MESZ vom Handel aus. Die Aufsicht teilt mit, dass sie um 14.00 Uhr entscheiden werde, ob der Handel wieder aufgenommen wird. Zuvor hatte die Behörde Landsbanki Islands unter ihre Kontrolle gebracht.
 
+++ Der Rubel rollt nach Island +++
 
Russland greift Island mit einem Kredit über vier Mrd. Euro unter die Arme. Das teilt die isländische Nationalbank in Reykjavik mit. Das Darlehen solle über vier Jahre laufen.
 
+++ Britische Banken ersuchen um Hilfe +++
 
Die wichtigsten Banken in Großbritannien haben offenbar die britische Regierung um staatliche Hilfen gebeten. Das berichtet der Fernsehsender BBC. Demnach bedürfen Lloyds TSB, Royal Bank of Scotland und Barclays jeweils eine Kapitalspritze über 15 Mrd. Euro. Davon sollen 7,5 Mrd. Euro sofort zugeschossen werden, die übrigen 7,5 Mrd. würde das US-Schatzamt garantieren. Im Gegenzug würde das Schatzamt Vorzugsaktien und Optionsscheine auf Stammaktien erhalten.
 
+++ Zwangspause für russischen Aktienmarkt +++
 
Nach dramatischen Kursverlusten zum Wochenbeginn ist der Aktienhandel in Russland am Dienstag vorerst ausgesetzt worden. Bis um 13 Uhr Ortszeit (11 Uhr MESZ) werden auf Anordnung der Finanzbehörde an den führenden Börsen des Landes, RTS und MICEX, keine Geschäfte getätigt, meldet die Agentur Interfax. Am Montag war der Leitindex RTS um 19,1 Prozent abgesackt. Die russische Regierung kündigt am Dienstag weitere Stützungsmaßnahmen für den Finanzsektor an.
 
+++ Schweiz wappnet sich +++
 
Die Schweiz überprüft angesichts der Finanzkrise ihr System der Einlagensicherung für Kontoinhaber. Die Regierung werde alles daran setzen, um die Einlagen von Bankkunden zu schützen, sagt Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf im Schweizer Fernsehen. Die Regierung werde falls notwendig weitere Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsystems ergreifen. Einzelheiten nennt sich zunächst nicht.

+++ EZB entzieht dem Markt Geld +++
 
Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigt eine liquiditätsabsorbierende Feinsteuerungsoperation für 15.00 Uhr MESZ an. Am letzten Tag der Mindestreserveperiode sieht die EZB ein Liquiditätsungleichgewicht von 231,5 Mrd. Euro, dem mit dem Schnelltender begegnet werden soll.
 
+++ Fed vermittelt wegen Wachovia +++
 
In dem Streit um die Übernahme der Wachovia Corp verständigen sich die Citigroup und die Wells Fargo & Co auf eine Unterbrechung ihrer juristischen Auseinandersetzung. Bis Mittwochmittag (18.00 Uhr MESZ) soll eine Entscheidung über die Übernahme getroffen sein, teilt Wachovia am Montagabend mit. Dies sei in Abstimmung mit der Federal Reserve (Fed) beschlossen worden.
 
+++ Island steht vor dem Abgrund +++
 
Islands Ministerpräsident Geir H. Haarde zeigt sich sehr besorgt über die finanzielle Stabilität des Landes und kündigt einen Gesetzentwurf an, der der Regierung umfassende Befugnisse über das Finanzsystem einräumt. In einer Rede an die Nation sagt Haarde, es bestehe im schlimmsten Fall die Gefahr, dass die isländische Wirtschaft in den Strudel der Banken hineingezogen werde, was den nationalen Bankrott zur Folge haben könnte.
 
+++ EU-Finanzminister beraten +++
 
Die EU-Finanzminister kommen heute in Luxemburg zusammen, um über gemeinsame Grundsätze bei der Rettung von angeschlagenen Banken zu beraten. Am Vortag hatte sich die Runde darauf geeinigt, systemrelevante Finanzinstitute notfalls zu stützen. Damit sollen große Bankenpleiten in Europa verhindert werden.
 
+++ Geldpumpe läuft auf Hochtouren +++
 
Angesichts der Finanzkrise greift die japanische Zentralbank erneut ein, um für Stabilität zu sorgen. Am 15. Handelstag in Folge pumpt die Bank of Japan erneut eine Billion Yen (7,1 Milliarden Euro) in den Geldmarkt. Sie belässt den Leitzins unverändert bei 0,5 Prozent. Die australische Zentralbank senkt ihren Leitzins um 100 Basispunkte auf 6,00 Prozent.

+++ BoA meldet Gewinneinbruch +++
 
Die Kreditkrise hat die Geschäfte der Bank of America deutlicher in Mitleidenschaft gezogen als erwartet. Die größte US-Bank teilte am Montag zwei Wochen früher als erwartet mit, dass ihr Gewinn im dritten Quartal auf 1,18 Mrd. Dollar von 3,7 Mrd. im Vorjahreszeitraum geschrumpft ist. Das entspricht einem Rückgang von mehr als 68 Prozent. Mit einem Gewinn je Aktie von 15 Cent bleibt Bank of America weit hinter den Erwartungen der Experten zurück, die um Sonderposten bereinigt mit 60 Cent je Aktie gerechnet hatten. Die Bank kürzte ihre Dividende und kündigte an, sich zehn Milliarden Dollar zusätzliches Kapital beschaffen zu wollen. Bank-of-America-Aktien gaben nachbörslich nach.


Aus: "Mittwoch, 8. Oktober 2008 - US-Finanzkrise Krisenticker" (08.10.08)
Quelle: http://www.n-tv.de/USFinanzkrise_Krisenticker/081020084411/1034013.html (http://www.n-tv.de/USFinanzkrise_Krisenticker/081020084411/1034013.html)

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[...]  Mit Verlusten in Höhe von 1,4 Billionen Dollar (1,03 Billionen Euro) durch die Finanzkrise rechnen die Experten - und das ist weit mehr als bislang befürchtet.

Denn der Höhepunkt der Kreditausfälle stehe noch bevor und zudem sei angesichts der jüngsten Verschärfung der Krise an den Märkten ein Anstieg der zu erwartenden Einbußen wahrscheinlich, hieß es in dem IWF-Bericht zur Stabilität der globalen Finanzmärkte. Im April hatte der Fonds die vermuteten Gesamtverluste durch die Krise noch auf 945 Milliarden Dollar beziffert.

Das Vertrauen in die globalen Finanzinstitutionen und -märkte sei "auf das Schwerste erschüttert", hieß es in dem Text. Die Belastungen des weltweiten Finanzsystems ließen erwarten, dass sich der globale Abschwung beschleunige und eine Erholung hemme. Nach Berechnungen des IWF benötigten internationale Großbanken über die nächsten Jahre etwa 675 Milliarden Dollar an Kapitalspritzen, um ein moderates Wachstum des privaten Kreditsektors zu gewährleisten.

Der IWF ruft in seinem Bericht zu "international einheitlichen und entschiedenen" Maßnahmen auf, um das Vertrauen in das globale Finanzsystem wieder herzustellen. Sollte dies ausbleiben, drohten ein ungeordneter Abbau von Schulden und zunehmende Kosten für die Realwirtschaft. Der Währungsfonds und die Weltbank kommen an diesem Wochenende in Washington zu ihrer Jahrestagung zusammen. Zudem treffen sich am Freitag die Finanzminister der sieben wichtigsten Industrienationen (G7) in der US-Hauptstadt.

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07.10.2008  16:20:33

rheinelbe: Ja, Neoliberalismus

ist teuer! Aber für die Deregulierung der jetzt ach so "freien" Märkte sollten uns 1,7 Billionen (Trillionen, Trilliarden, Phantastilliarden) Dollar, Dukaten oder Dublonen wirklich nicht zu viel sein. Schlaue Köpfe haben uns in diversen TV-Talkshows immer und immer wieder Entsprechendes gegen Bezahlung erzählt.

Wo sind sie jetzt? Im Akltien-Pool? ...

Wo ist der Wissenschaftler Prof. Sinn geblieben?

Wo ist der Sinn hin? ....


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07.10.2008 17:25:18

HoChiMinh:

"Finanzkrise kostet 1,4 Billionen Dollar"

Ich denke mir, dass unseren weinseufenden, wasserpredigenden Sozialschmarotzern aus dem neoliberalen Lager sicherlich noch diverse Sozialsystemkürzungen einfallen, die den Schaden wiedergutmachen.

Beispielsweise könnte man Hartz4-Empfängern das Fehrsehgucken verbieten und die korrekte Einhaltung von den Hartz4-Kontroleuren überprüfen lassen.

Was Hartz4-Empfaänger mit der "1,4 Billionen Dollar"-Finanzkrise zu tun hat? Eigentlich nichts. Ausser, dass in den letzten Jahren die Hartz4-Unterschicht von der Herrschaft als Gesellschaftssündenbock aufgebaut worden ist, denen man die Schuld für schlechte Wirtschaftspolitik in die Schuhe schiebt.

Dabei sitzen die Sozialschmarotzer ganz woanders. Bezahlen dürfen aber die Schwachen. Denn die können sich nicht wehren.


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07.10.2008 17:45:16

Ariane88: @feinstpartikel

Finanzmarktkrisenschadenschätzungsunrichtigkeitsskala

Wow! was für eine Wortschöpfung. Habe sehr gelacht. Das nenn' ich kompakt.

Man kann über den ganzen Mist nur noch lachen. Hauptsächlich über sich selbst, weil wir uns das alles "ach so verständnisvoll" bieten lassen und – zahlen.

Mannomann sind wir doof.


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07.10.2008 17:28:50

DateDoktor_reloaded: charakterlose Finanzbranche

Was soll man dazu sagen? Wie viele Kinder hätte man mit diesem Betrag vor Armut, Hunger und Gewalt retten können? Vermutlich Alle!


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08.10.2008 08:38:23

Geronimo.: @Peter.49:Ihr Kommentar an den sozialistischen Block

Die aktuellen Staatsschulden belaufen sich bereits auf 1590 Milliarden €. Durch den Solidarpakt wurden bisher ca. 1400 Milliarden € gen Osten transferiert, ein Fass ohne Boden.

Solidarpaktmittel werden nicht dazu verwendet, neue Arbeitsplätze zu schaffen, sondern größtenteils für die laufenden Kosten der kommunalen Haushalte und den unzähligen „Beraterverträgen“ verwendet. Anderseits werden jedes Jahr ganz legal Milliardenbeträge vom Solidarpakt zweckentfremdet, für den privaten Konsum „abgezweigt“. Juristisch werden diese gigantischen Straftaten schon lange nicht mehr verfolgt. Man kann sich ja nicht selbst einsperren.

Kommen Sie nach Leipzig, dann ersparen Sie sich die Eintrittskarten für die Automobil-Messen. Nirgends habe ich mehr nagelneue M3, M5, S6, S8 und AMG`s gesehen als hier. Und in den unzähligen Neubaugebieten um Leipzig können Sie die standesgemäßen Villen dazu betrachten. Und im Westen kämpfen die Kommunen ums überleben. Sie nehmen sogar Kredite auf, um diese Plünderungen im Osten zu finanzieren. Eine verkehrte Welt.



Aus: "Düstere Prognose des IWF: Finanzkrise kostet 1,4 Billionen Dollar" (07.10.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/173/313081/text/ (http://www.sueddeutsche.de/finanzen/173/313081/text/)

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[...] Die Diskussionen um ein Rettungspaket für die angeschlagene Immobilienbank Hypo Real Estate haben Politiker, Banker und Finanzaufseher schon das zweite Wochenende hintereinander in Atem gehalten. Vordergründig geht es um die Frage, wer der Bank wie viel Geld geben muss, damit sie nicht zusammenbricht. Tatsächlich wissen aber alle Beteiligten, dass viel mehr auf dem Spiel steht: Der Fall der Hypo Real Estate, die mit ihren Aktien im Deutschen Aktienindex Dax vertreten ist, darf nicht dazu führen, dass die Deutschen das Vertrauen in ihr Bankensystem verlieren. Deshalb hat der Bund am Sonntag angekündigt, alle privaten Spareinlagen in Deutschland komplett zu schützen.

Denn das Vertrauen der Bürger ist die einzig verlässliche Konstante, die es in der Finanzmarktkrise noch gibt. Allein die Deutschen haben 570 Milliarden Euro auf ihren Bankkonten. Niemand mag sich ausmalen, was passiert, wenn die Menschen beginnen, diese Einlagen abzuziehen. Deshalb ist es gut, dass es sich noch nicht bei jedermann herumgesprochen hat, mit welchen Horrorszenarien die Banker Politiker um Hilfe anflehen. Denn nicht die Bürger, die Banker sind in Panik: Sie geben ihren jeweiligen Instituten untereinander kaum noch Geld. Einige von ihnen lösen längst ihre privaten Konten bei Instituten auf, die ihnen wackelig erscheinen.

Die Banker haben versagt. Jetzt liegen ihre Nerven blank. Und sie sorgen über ihre Nervosität und den gegenseitigen Vertrauensverlust selbst am stärksten dafür, das System, das sie eigentlich am besten kennen müssten, dem sie aber vielleicht gerade deshalb am meisten misstrauen, zu destabilisieren.


[...] Unter den großen Instituten vollzieht sich in großer Not eine Marktbereinigung, die vor kurzem niemand für möglich gehalten hätte. Selbst die bisher stolzesten Investmentbanker krempeln ihr Geschäftsmodell zu dem einer „normalen“ Geschäftsbank um. Und dass zuvor, in der Zeit der Entstehung der Kreditblase, das System der Kreditvergabe über die Stückelung der Kredite in unüberschaubar viele Tranchen in dieser Art und Weise pervertiert wurde, ist zwar keine Werbung für die freien Marktkräfte, aber auch nicht für die staatlichen Aufsichtsbehörden und die Zentralbanken, die dem Treiben viel zu lange zugeschaut haben.

Einige Jahre haben denn auch alle profitiert: Banken, Häuslebauer, Unternehmen - und auch der Staat. Denn die Steuereinnahmen sind im Aufschwung kräftig gesprudelt.

...

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05. Oktober 2008,

Nein, kein Versagen.
henry nold (henrynold)

"Ja, alles ist Zufall im Leben. Rein zufällig - die Banker haben versagt! " Die Banker sind nur der Firnis der Weltwirtschaft - nützliche Idioten gewissermassen. Hier ist ein wunderbares Timing zu besichtigen, eines, über Jahrzente vorbereitet (Fed/Greenspan), mit erheblichen weltpolitischen-geostrategischen Implikationen (auch heute noch - und gerade jetzt interessant: Zbigniew Brzezinski, Die Einzige Weltmacht/The Grand Chessboard. Es gibt auch Menschen, die von einer "financial controlled demolition" sprechen.


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05. Oktober 2008 22:51 Kein Versagen (eine etwas andere Sicht als mein Vorkommentator)
Chi Tamago (tamago)

Banker machen nur das, was der Markt verlangt. Die Staaten verschulden sich immer schneller, das Geld beschaffen die Banker. Die Konsumenten verschulden sich mit Hoffnungen, die unerfüllbar sind – nehmen sich also die Staaten zum Vorbild. Die Geldgeber wollen ordentliche Rendite. Die Banker sitzen wie die Spinne im Netz, sie bedienen die Bedürfnisse der Konsumenten, seien es Staaten oder einfache Bürger. Jetzt ist es die Hypothekenblase, in Kürze wird die Kreditkartenblase platzen. Eigentlich müßten unsere Staaten auch Bankrott erklären, wenn sie ihre tatsächlichen Schulden offen legen würden. Vergleichbar mit den Banken haben sie auch „außer bilanzielle“ Risiken, z.B. Pensionszusagen, in extremen Größenordnungen angehäuft. Nicht nur die Banken verlieren das Vertrauen, das System selbst ist in Frage gestellt. Ein Verschuldungsverbot für demokratische Staaten könnte eine neue Basis schaffen. Da die Staaten das nicht wollen, wollen sie die Banken retten. Das Geld soll fließen, insbesondere in neue Staatsschulden.

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06. Oktober 2008

Das System hat versagt
gisbert heimes (gisbert4)

Vielmehr: das System kann gar nicht funktionieren. Das ist ganz leicht zu verstehen, aber von seinen Nutznießern natürlich nur sehr schwer zuzugeben. Sicher haben 'die Banker' Fehler gemacht. Aber sie glaubten wie die mit ihnen symbiotisch verbundenen liberalen Nationalökonomen und Politiker daran, daß das System hält, was es verspricht. Doch dieses System kann immer nur für eine gewisse Zeit funktionieren, weil seine Teilnehmer kein gemeinsames Ziel haben. Systeme mit Zielvielfalt führen aber nun mal zu Instabilität und in zyklischen Verläufen zu katastrophischen Ungleichgewichten. Im speziellen Fall der Marktwirtschaft kommt hinzu, daß diese in der Praxis ihre eigenen Voraussetzungen nicht erfüllen kann: vollständige Markttransparenz und infinitesimale Reaktionszeit.

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06. Oktober 2008

Wider dem Herdentrieb der Regulierung!
Hannes Heilmannsstedt (mediumdry)

Es wurde nicht zu wenig, wie uns die linksgrünen Sozialromantiker weißmachen wollen, sondern zu viel reguliert. Dieses Staatsversagen in ein Marktversagen umzudeuten ist eine riesige Frechheit. Wenn hier wieder der Sozialismus blüht und alle Privatbanken - gegen jede ordoliberale Vernunft - verstaatlicht wurden, dann wird es zu spät sein, denn dann haben wir den letzten Zipfel Freiheit verloren, für den es sich zu kämpfen lohnt. Der Markt bereinigt sich selber und wird das auch weiterhin tun. Bei dieser Reinigung sollten auch endlich die laienhaften Politiker aus den Aufsichtsräten von Banken und den Schaltzentren der Zentralbanken herausgeweht werden - sie sind mit ihrer maßlosen Geldpolitik Schuld an diesem Debakel. Schon Schumpeter wusste, dass nur aus der schöpferischen Zerstörung eine Chance der Neuordnung (Liberalisierung) des Marktes erwächst!


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06. Oktober 2008

Gemeinwohl und Gemeingut
Johannes Hintzen (JohannesLeonhard)

Unser Finanzsystem mißachtet ein Grundprinzip, auf das der Jesuit F.Hengsbach hingewiesen hat: Die Währung ist kein Privateigentum sondern Gemeingut. Deshalb ist die augenblickliche Bankenkrise nicht nur ein Versagen der Banker, sondern auch eines der Politker, der obersten Währungshüter im Land. Es ist ein unerhörter Vorgang, daß nun Menschen, die überhaupt keinen Einfluß haben, die Zeche bezahlen sollen: die Steuerzahler. Als erstes müssen die Privatbanken und die verantwortlichen Politiker zur Kasse gebeten werden, die mit ihrer Verantwortungslosigkeit gegen das Gemeinwohl verstoßen haben. Es ist eine bodenlose Frechheit, wie die Vertreter dieser Versagerkaste und Mitverursacher dieses Debakels in Gestalt von Frau Merkel und Herrn Steinbrück es wagen, an die Öffentlichkeit zu treten und sich als "Retter der Enterbten" hinzustellen ("Wir sichern die Sparguthaben."). Dabei sagen sie nichts anderes, als daß sie uns zur "Sicherung" neue Steuern abknöpfen werden. Ein unerhörter Vorgang. Und keiner regt sich auf.



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06. Oktober 2008

@Hannes Heilmannsstedt (mediumdry) - Selber Illusionist!
Gustav Lebeding (Lebeding)

"Der Markt bereinigt sich selber und wird das auch weiterhin tun." Genau dieses wurde doch mit dieser Finanzkatastrophe widerlegt, weil nämlich nach dem Staat und damit nach dem Steuerzahler seitens der Bankenmanagerbüros gebrüllt wird! Wer also von dieser Selbstregulierung des Kapitals heute noch redet und so tut, als seien all diese für die Katastrophe verantwortlichen Chefs und Obermanager des Kapitals nur gute und wunderbare Menschen, die nur das Beste für die Welt wollen, der ist ein riesiger Illusionist und Blender! Aber ich denke, Sie, Herr Heilmannsstedt, sehen das in Wirklichkeit auch etwas kritischer. Denn so naiv kann heute doch keiner mehr sein und von der Selbstregulierung des Kapitals reden.


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06. Oktober 2008

Vertrauen schaffen ...
Andreas M. Wirth (mightyson)

... soll jetzt ausgerechnet der "Staat", der durch sein jahrzehntelanges Mißmanagement, Deregulierung und Privatisierung seine eigene Bevölkerung ja gerade erst in die Hände dieser Quacksalber getrieben hat. Im Übrigen: Welche "Fähigkeiten" unsere Obersten im Staate haben, wird ja zwischenzeitlich ohne jede Scham ständig zur Schau gestellt ! Warum nicht endlich mal bei denen zugreifen, die von dem System auch so lange so sehr profitiert haben ? Wenn ich mein Geld im Kasino verzocke hilft mir doch hinterher auch kein Staat ! Nein lieben Freunde, das ist keine katastrophe, das ist der Ausgang eines konsequent betriebenen Systemes zur Umverteilung des Wohlstandes aus der Mittelschicht ! Gute Nacht Deutschland !


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06. Oktober 2008

Wann endlich ?
Bernd Hafenberg (Bernie0711)

Wann wird man endlich damit aufhören, den Bankern bei ihrem Ausscheiden nach ihrem Totalversagen noch Millionen an Abfindungen zu zahlen ? Wann wird man endlich damit anfangen, den Bankern ihr Gehalt zu pfänden, um den von ihnen angerichteten Schaden wenigstens symbolisch wieder gut zu machen ? Jeder andere Bürger haftet mit seinem Einkommen und Vermögen für Schäden, die er anrichtet, nur die Banker und die Politiker nicht. Warum ist das so ?


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06. Oktober 2008

Das System darf nicht sterben .....
bernd ullrich (demokrat2)

...das ist die Botschaft. Da, wo es konkret hätte werden können, bleibt es bei dem Satz: Die Banker, die versagt haben, werden gehen müssen. So zu denken ist naiv. Die werden bleiben und wenn man sie lässt, werden sie dasselbe tun, was sie jetzt getan haben, schnelles Geld machen. Lafontaine hatte schon 1999 als Finanzminister die notwendigen Gesetzesinitiativen gefordert. Weder die CDU/CSU noch die FDP haben ihn unterstützt. Die Amerikaner haben ihn ausgelacht. Und heute lachen sie wieder. Ihre Finanzpolitik ist nur auf ein Ziel ausgerichtet: Möglichst billig auf Kosten anderer Nationen zu leben. So lange der Dollar Leitwährung bleibt, wird es da keine Änderung geben und so lange das so ist, bleibt Amerika die dominante Wirtschafts- und Kriegsmacht. Schon aus letzterem Grund sollte sich die übrige Welt um neue Lösungen bemühen.


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06. Oktober 2008

Gier hüben wie drüben
Gerry Stadler (Gerry_Stadler)

Die Banker als alleiniges Problem zu bezeichnen geht an der Realität vorbei. Das Problem ist, dass immer mehr Menschen der westlichen Gesellschaft sowie die meisten Staaten auf der Welt über ihre Verhältnisse leben. Man muss kein Hellseher sein, dass dies nicht gutgehen kann: Wenn mehr Geld ausgegeben als eingenommen wird, klafft eine Lücke. Irgendwann wird die Lücke so gross, dass die Gesellschaft und die Staaten entzweibrechen. Die Staaten machen es mit ihrer Schuldenwirtschaft den einfachen Bürgern vor: Konsumiere heute, zahle morgen, oder zahle gar nicht und melde stattdessen Konkurs an. Wenn bürgerliche Parteien zu rigorosem Sparen und einem Abbau der Staatsschulden ansetzen, geht ein Aufschrei durch die Bevölkerung, und die entsprechenden Politiker werden bei der nächsten Wahl abgestraft. Die Menschen sind in ihrer Gesamtheit einfach zu kurz- und uneinsichtig (andere sagen blöd dazu). Verzicht ist out, Konsum ist in. Dabei haben wir doch alles, was nötig ist: ein Dach über dem Kopf und genug zu essen. Alles, was darüber hinausgeht, ist Luxus. Aber sage das mal einer der hirnlosen Handy- und Fernsehgesellschaft!


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06. Oktober 2008

Zahlen und Fakten
Hanspeter Bühler (Napoleon3)

1980 hatten wir weltweit eine Geldmenge von 12 Billionen Dollar. Das Weltinlandsprodukt war identisch mit der Geldmenge. Heute haben wir eine Geldmenge von 150 Billionen Dollar, aber dem entgegen steht lediglich ein Weltinlandsprodukt von nur 54 Billionen Dollar. Schon das allein ist eine katastrophale Blase. (Das Weltinlandsprodukt ist die real erarbeitete Wirtschaft der gesamten Welt.) Wenn wir jetzt noch die gigantische Blase der imaginären, irrealen, also kursabhängigen Werte (Derivate etc.) anschauen, sehen wir eine unglaubliche Zahl - sage und schreibe 500 !!! Billionen Dollar. Fazit: diese sogenannten Rettungsmassnahmen der Regierungen sind nichts anderes als ein wenig Kosmetik, ein Tropfen auf den heissen Stein! Man wirft schlechtem Geld nun auch noch gutes Geld nach, dasjenige der "öffentlichen Hand", des Steuerzahlers! Man würde besser an die Wurzeln des Übels arbeiten, als nutzlos Symptome zu bekämpfen. Was mich stutzig macht sind die Reaktionen der Petro-Dollars. Praktisch keine arabische Finanz-Supermacht lässt sich zurzeit in Re-Finanzierungen der Finanzinstutute ein. Diese sind zwar unendlich liquide, warten aber ab bis die Kurse auf einen absoluten Tiefstniveau stehen. Dann übernehmen sie!!


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06. Oktober 2008

@Hannes Heilmannsstedt (mediumdry)
Andreas Neubert (Citizen_Kane)

"Es wurde nicht zu wenig, wie uns die linksgrünen Sozialromantiker weißmachen wollen, sondern zu viel reguliert." Mir machen momentan weniger linke Ideologen Angst als viel mehr die Ideologen aus der entgegengesetzte Ecke, die gemäß dem Leitsatz aller Ideologen "Weil nicht sein kann, was nicht sein darf" die Realität so lange umdeuten, bis die eigenen einfachen Glaubenssätze wieder passen. Der Finanzmarkt ist in den letzten Jahren immer weiter dereguliert worden, das Ergebnis haben wir jetzt. Und um die Karre aus dem Dreck zu ziehen, muss jetzt der verteufelte Staat (also die Allgemeinheit) für die Schäden einspringen, die sich bei den Gewinnen der Vorjahre auch immer raushalten sollten. Wie realitätsresistent muss man sein, immer noch an vorbehaltlos an Sätze wie "Der Markt wirds richten" und "Der Staat ist das Problem." zu glauben. Leider treten Ideologien meist erst dann ab, wenn sie viel Geschirr zerdeppert haben. Das war bei den Sozialisten so und ich fürchte bei unseren vehemtenten Verfechtern freier Märkte auch. Mal sehen, wie viel noch kaputt gehen muss, bis alte Glaubenssätze überdacht werden.


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06. Oktober 2008

Schuldig?
heinz Kaiserbubu (Kaiserbubu)

Gerne zeigt man schnell man auf die Anderen. Dabei ist das Ergebnis des Finanzzunamis nicht nur das Problem einer Gesellschaftsgruppe. Nein, in das Boot der Beschuldigten dürfen auf Augenhöhe auch Politiker, Experten, Berater, die Medien und schließlich auch eine unkritische Gesellschaft, die sich nie gefragt hat, wohin geht die Reise? Siche, die Bänker sind mit Brechts Zitat:" Was ist der Überfall auf eine Ban, gegen die Gründung einer Bank" hinreichend characterisi, aber Schuld tragen wir alle. Man hat Lafontaine zum Abschuß freigegegeben, weil er das vorausgesagt hat was heute eingetroffen ist. Aber es war ja einfacher mit den alten Reflexen von den eigentlichen Problemen abzulenken. Es lief ja wie geschmiert. Und jetzt? Wenn noch irgendein Funke von Anstand und Moral in uns stecken würde, müssten wir Lafontaine um Verzeihung bitten und zu gebenman hätte sich geirrt. Aber wer besitzt schon Größe? Die Schuld immer nur anderen in die Schuhe zu schieben löst das Problem nicht.


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06. Oktober 2008

Banken haben versagt?
Steve Lutzmann (TomderAffe)

Da haben wir doch in Zeiten des amerikanischen Wahlkampfes den idealen Buhmann gefunden. Die Banken haben versagt. Ganz übersehen wir dabei das Grundübel. Unmündige Konsumenten, die wesentl. mehr Geld ausgeben, als ihnen zur Verfügung steht. Finanziert über Schulden; ist diese Konsumgier etwas anderes als die angebliche Gier der Banken? Aber, die Banken haben den einfachen Mann ja in die Schuldenfalle getrieben. Gern übersehen wir dabei, dass Freddie Mac und Fannie Mae sog. "government sponored enterprises" sind. Die grosszügige Kreditvergabe also Teil des staatlichen Auftrags war. Es ist schon absurd, dass genau jene, die schon immer die Bösartigkeit des Kapitalismus kannten ... nun plötzlich nach dem Verursacher um Hilfe rufen. Versagt hat nicht der Finanzmarkt, nicht die Banken. Versagt hat der allumsorgende Vater Staat, der die Kreditvergabe an eigentl. Kreditunwürdige ankurbelte. Dessen Notenbank den Geldhahn aufdrehte, sobald die Konjunktur kleinste Niesanfälle hatte. Versagt haben Konsumenten, die geradeso tun, als ginge sie Geld eigentlich nichts an. Dennoch, sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe zu schieben, hilft nicht weiter. Hinsetzen und nach allen möglichen Lösungen suchen, das kann die einzige Aufgabe sein.


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06. Oktober 2008 15:03

Kulturelle Fehlentwicklung
Peter Kolb (thales4)

Es geht nicht einfach nur darum, eine Finanzkrise zu bewältigen. Es geht viel weiter: kulturelle Fehlentwicklungen müssen korrigiert werden. Wir alle wären zuständig gewesen,- so ist das in einer demokratischen Gesellschaft. Kant hat die Aufklärung definiert als Ausgang aus selbstverschuldeter Unmündigkeit. Das konservative Bürgertum hat die Aufklärung stattdessen schon längst als gescheitert erklärt. Warum denn selber denken, wo wir doch Fachleute haben?! Kant hatte empfohlen, auch keinen Fachleuten zu glauben. Nun haben sie uns ruiniert, Arm in Arm mit einer in Wirtschaftsfragen nahezu gleichgeschalteten Presse. Man sollte sich erinnern an die Neidgesellschaft, bewohnt von Bedenkenträgern und Besitzstandwahrern. Wir haben uns zu lange verblöden lassen von Popindustrie und Unterhaltung in 30 Fernsehprogrammen. Kultur war mal anders gedacht Wir haben die Welt den Antiaufklärern, den Woodoo-Zauberern überlassen. Schon war die Rede von Postdemokratie und wie in China widerspruchslos Projekte in Rekordzeit sich durchführen lassen. Bleibt die vage Hoffnung, daß der Kapitalismus noch gerettet werden kann von einer aufgeklärten Linken. Bleibt die Befürchtung, daß sich die Rufer nach irgendwelchen Alten Werten durchsetzen werden.


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06. Oktober 2008 15:03


@ Lebeding, Wertezerfall I
Steve Lutzmann (TomderAffe)

Oh Herr Lebeding. Ich gebe Ihnen ja ganz grundsätzlich recht. Unsere Gesellschaft erlebt einen Wertezerfall. In der Wirtschaft wird das nun nur besonders offensichtlich. Nun ganz ehrlich, wer von uns begreift sich denn noch als wirklicher Staatsbürger? Wer denkt noch darüber nach, welche Auswirkungen die eigene Handlung auf die Gesellschaft hat? Wer sieht sich den als Teil des Staates? Kaum einer! Die allermeisten Menschen sind ganz allein auf ihren eigenen Vorteil bedacht; nutzen den Staat (ich meine damit nicht nur die jur. Konstruktion) so wie sie es gerne hätten. Unabhängig, was das Verhalten kostet. Wie es Altbundespräsident Herzog einmal formulierte: "Der Ehrliche ist eigentlich der Dumme." Es ist nicht nur das mögliche Fehlverhalten der Banker. Es ist genauso der Steuerhinterzieher, genauso der Sozialschamrotzer, genauso der Politiker der allein um sein Mandat bemüht ist. Wer steht denn eigentlich noch richtig hinter diesem Staat? Leben wir in dem Bürgerkriegsszenario, dass -in seltener Einigkeit- Sternberger und Schmitt verhindern wollte bzw. anmahnten? Wir müssen uns am Ende eingestehen, dass Staat immer auch eine Wertegemeinschaft ist. Dem reinen positivisten Staatskonstrukt fehlt am Ende das Blut in den Adern, es ist kalt. Die Menschen hält an sich nichts zusammen.


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06. Oktober 2008 15:03


@ Lebeding, Wertezerfall II
Steve Lutzmann (TomderAffe)

Zwar mag die Politik kurzfristig einschreiten können und alles regeln. Ihr fehlt es aber bereits jetzt an Glaubwürdigkeit. Haben Sie in den letzten Jahren einen Politiker erlebt, der sein Gewissen vor das Mandat gestellt hat? Die Politik ist heute eine Ansammlung von Apparateschiks. Die funktionieren, wie Investmentbanker auch. Von moralischer Verantwortung ist hier wie da keine Rede! Langfristig müssen wir -und damit meine ich ALLE- uns fragen, wie wir in Zukunft zusammenleben wollen. Das gesteht sogar ein liberaler Sturrkopf wie ich ein: eine Gesellschaft funktioniert nicht ohne Werte. Am Ende sind wir bei Böckenförde (1976!): der freiheitl.-säkularisierte (und damit rein positivistische) Staat lebt von den Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.





Aus: "Finanzkrise: Die Banker haben versagt" Von Carsten Knop (05. Oktober 2008)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~EE362FC60FFE542BC8F422CC6B9DA1BF8~ATpl~Ecommon~Scontent.html (http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~EE362FC60FFE542BC8F422CC6B9DA1BF8~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

Title: [Banken und Rettungspläne... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 08, 2008, 04:40:56 PM
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[...] 500 Milliarden Pfund (640 Mrd Euro) legt der Staat in die Waagschale, um einen Kollaps des Bankensystems zu verhindern und einen noch größeren Schaden von Wirtschaft und Steuerzahlern im Königreich abzuwenden. Neben einer 200-Milliarden- Spritze der Zentralbank für kurzfristige Leihgeschäfte und einer staatlichen Garantie für langfristige Anleihen über 250 Milliarden Pfund bringt das Rettungspaket einen neuen Aktionär für die Banken ins Spiel, den die Kreditinstitute bislang so noch nicht hatten - den Staat selbst. Schnell machte das Wort von einer «Teilverstaatlichung» die Runde.

«Wir verstaatlichen die Banken nicht und wir wollen auch keine öffentliche Kontrolle», betonte Finanzminister Alistair Darling. Tatsächlich müssen die Banken nur kleinere Zugeständnisse an den neuen Aktionär machen, etwa mittelständische Unternehmen nicht vom Kreditfluss abzuschneiden. Dafür stellt der Staat bis zu 50 Milliarden Pfund für den Erwerb von Vorzugsaktien bei den acht größten Kreditinstituten zur Verfügung. Statt Einfluss will die Regierung offensichtlich Vertrauen zurückkaufen - ein Gut, das in der Finanzkrise absolut aufgebraucht ist und Banken davon abhält, einander das dringend notwendige Geld zu leihen.


Aus: "Analyse: London will Kollaps verhindern" (08.10.2008)
Quelle: http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/213722 (http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/213722)

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[...] Auch beim Blick auf die Insel muss man sich jetzt die Augen reiben: Mit 50 Milliarden Pfund will die britische Regierung acht große Banken zum Teil verstaatlichen, darunter so namhafte wie Barclays und die Royal Bank of Scotland. Von "radikalen Maßnahmen“ spricht Premierminister Gordon Brown. Seine Angst, dass selbst die größten britischen Finanzhäuser abrutschen könnten, muss groß sein.

"Was wir hier erleben, ist ein absoluter Mentalitätsbruch“, sagt Markus Rudolf, Finanz-Professor an der Hochschule Vallendar. „Bis Ende letzten Jahres hätte ich zwei Dinge für unmöglich gehalten: Erstens, dass der amerikanische Investmentbankingsektor aufhört zu existieren. Und zweites, dass britische Banken verstaatlicht werden.“ Schließlich sei es gerade die Stärke der privaten Banken gewesen, die den britischen Finanzsektor immer ausgemacht habe.

Doch in eben diese Privatbanken will die Regierung in London jetzt massiv eingreifen. Außergewöhnliche Zeiten erforderten eben außergewöhnliche Maßnahmen, heißt es. Für "konventionelles Denken oder angestaubte Dogmen“ sei keine Zeit, erklärt Regierungschef Brown. Vielmehr seien "innovative Interventionen“ gefragt, um zum "Kern der Finanzmarktkrise“ vordringen zu können.

Im Klartext heißt dies, dass die britische Regierung bis zu 50 Milliarden Pfund (64,5 Milliarden Euro) in die Hand nehmen will, um sich mit Hilfe von Vorzugsaktien bei acht Branchengrößen einzukaufen. Und keiner weiß, ob damit das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Oder ob die Regierung vielleicht noch weitere Teile der Banken unter ihre Kontrolle bringen muss.

Eine leicht nachvollziehbare Maßnahme, wie Rudolf findet: „Das Finanzsystem entpuppt sich als ausgesprochen fragil, und jede Volkswirtschaft der Welt würde alles versuchen, um einen Systemeinsturz zu verhindern. Insofern hat die britische Regierung keine andere Wahl.“


Aus: " Verstaatlichung: Großbritannien bricht mit liberaler Tradition" (8. Oktober 2008)
Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article2548086/Grossbritannien-bricht-mit-liberaler-Tradition.html (http://www.welt.de/wirtschaft/article2548086/Grossbritannien-bricht-mit-liberaler-Tradition.html)

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[...] New York (dpa) - Die US-Regierung erwägt nach einem Pressebericht Beteiligungen an amerikanischen Banken. Mit einem solchen Schritt könnte das Vertrauen in die Finanzbranche gestärkt werden, berichtete die «New York Times» unter Berufung auf die Regierung.

Ein Einstieg könnte Teil des geplanten Rettungspakets sein, das ein Volumen von 700 Milliarden Dollar haben soll. Die US-Regierung würde bei einer Teilübernahme von Bankhäusern dem Vorbild Großbritanniens folgen. Die Regierung in London hatte am Mittwoch einen Plan vorgestellt, der eine Beteiligung an britischen Banken bei Bedarf ermöglichen würde.

Die konkreten Details für den US-Rettungsplan sollen in den kommenden Tagen vorgestellt werde, wie die «New York Times» schreibt. Viele US-Banken sind durch die Finanzkrise an den Rand der Pleite geraten oder mussten sich unter das Dach von Konkurrenten retten.

US-Präsident George W. Bush hat in einem Telefongespräch mit Brasiliens Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva versichert, dass die Maßnahmen des US-Bankenrettungsplans in zweieinhalb Wochen erste Wirkungen zeigen werden.

Bush sprach auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Finanzkrise. Er erörterte nach US-Angaben mit Merkel unterschiedliche amerikanischen Maßnahmen zur Stabilisierung der Märkte und betonte, die Wichtigkeit eines gemeinsamen Vorgehens aller Staaten bei der Eindämmung der Finanzkrise.

US-Finanzminister Henry Paulson Paulson sprach sich für eine enge Abstimmung der betroffenen Staaten aus. Er habe zu diesem Zweck eine Sonderkonferenz der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) am Samstag vorgeschlagen, sagte Paulson. Dabei sollen sich die Teilnehmer untereinander koordinieren, um die Folgen der Krise und die Abschwächung der Konjunktur in den jeweiligen Ländern zu verringern.

Laut Paulson ist ein baldiges Ende der Finanzkrise in den USA nicht absehbar. «Es ist Geduld gefragt, weil diese Turbulenzen kein schnelles Ende finden werden und noch bedeutsame Herausforderungen zu meistern sind.» Er sei aber überzeugt, dass die Probleme überwunden werden können. Er warnte aber auch, dass es weitere Zusammenbrüche von US-Banken geben könne, solange die US-Wirtschaft in schwierigem Fahrwasser sei.




Aus: "US-Regierung prüft Banken-Verstaatlichung" (09.10.2008)
Quelle: http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/214014 (http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/214014)

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[...] Die US-Banken Citigroup und Wells Fargo sind bei der Prüfung der Bücher ihres Übernahmeziels Wachovia einem Bericht zufolge auf böse Überraschungen gestoßen. Beide Firmen seien schockiert von der hohen Zahl an ihrer Einschätzung nach minderwertigen Anlagen bei Wachovia gewesen, berichtete das "Wall Street Journal". Die rivalisierenden Institute befürchteten nun, dass sie beim Kauf von Wachovia-Anteilen höhere Verluste erleiden könnten als bisher erwartet.
 
Unterdessen haben sich Citigroup und Wells Fargo im Streit um die Wachovia-Übernahme darauf verständigt, ihre juristische Auseinandersetzung nun bis Freitag zu unterbrechen. Das teilten die drei Banken nach vorheriger Abstimmung mit der Fed mit.

[...] Wachovia ist die viertgrößte Bank der USA mit knapp 3500 Filialen im ganzen Land. Die Citigroup, drittgrößtes Institut, hatte zunächst mit Unterstützung der Regierung den Zuschlag für die Übernahme erhalten und so die Pleite von Wachovia verhindert. Vier Tage später kündigte dann Wells Fargo überraschend den Kauf von Wachovia an.
 
Citigroup verklagte daraufhin Wachovia und Wells Fargo, wogegen Wells Fargo wiederum vorging. Die Citigroup forderte daraufhin eine milliardenschwere Entschädigung.


Aus: "Schock bei Buchprüfung: Viel Wachovia-"Schrott"" (9. Oktober 2008)
Quelle: http://www.n-tv.de/Schock_bei_Buchpruefung_Viel_WachoviaSchrott/091020083810/1035284.html (http://www.n-tv.de/Schock_bei_Buchpruefung_Viel_WachoviaSchrott/091020083810/1035284.html)

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[...] Die Regierungen Belgiens, Frankreichs und Luxemburgs haben sich auf einen neuen Rettungsplan für die Hypothekenbank Dexia geeinigt. Die Regierungen garantieren ein Jahr lang für neue Mittelaufnahmen von Dexia bei anderen Banken und institutionellen Anlegern, berichtete der belgische Rundfunksender RTBF am Donnerstag. Diese Garantie werde es der französisch- belgischen Bank ermöglichen, über ausreichend Liquidität zu verfügen.

[...] Laut RTBF steht eine Lösung für die amerikanische Tochter von Dexia, die Financial Security Assurance Inc. (FSA), noch aus. Diese hatte bis zum August hochriskante strukturierte Finanzprodukte versichert.



Aus: "Hypothekenbank: Belgien, Frankreich und Luxemburg retten Dexia" (09. Oktober 2008)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~E53100D37BF554365892C143273582E58~ATpl~Ecommon~Scontent.html (http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~E53100D37BF554365892C143273582E58~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

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[...] Die japanische Zentralbank hat dem Geldmarkt angesichts der Finanzkrise am Donnerstag weitere Liquidität in Rekordhöhe zur Verfügung gestellt. Am 17. Handelstag in Folge pumpte die Bank of Japan (BoJ) abermals in zwei Schritten 4,0 Billionen Yen (29,2 Milliarden Euro) in den Markt, um für Stabilität zu sorgen.


Aus: "Asien: Bank of Japan pumpt Rekordbetrag in den Markt" (09. Oktober 2008)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~E10E79E026DFC473A8A6088A380B6368F~ATpl~Ecommon~Scontent.html (http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~E10E79E026DFC473A8A6088A380B6368F~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

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[...] Derweil hat der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, die Händler an den Börsen mit drastischen Worten zur Ordnung gerufen. Trichet forderte die Akteure auf den Finanzmärkten im französischen Fernsehen auf, „wieder zur Besinnung zu kommen“.

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09. Oktober 2008 08:59,

Was bringt eine Zinssenkung?
Roman Puff (romanpuff)

Ich bin zwar 'nur' Historiker und kein Ökonom, aber bei Anwendung eines gewissen - gar nicht übertrieben großen - Quantums an gesundem Menschenverstand und bei paralleler Lektüre der Berichte aus der realen Wirtschaft mit denen aus der zunehmend surrealen ist doch klar, dass eine solche Maßnahme maximal psychologisch hilft - wenn überhaupt. Vielleicht steigert das Ausmaß der Verzweiflung, das sich darin ausdrückt aber auch eher die Demoralisierung. Glauben Trichet, Bernanke und ihr akademischer Überbau denn wirklich, dass sich eine Realwirtschaft, die in einem Monat mittlere bis hohe zweistellige Umsatzrückgänge erfährt, die deshalb allein in Deutschland binnen kurzer Zeit zehntausende Leute für mehr oder weniger lange Zeit nach Hause schickt (GM, Ford, Daimler, BMW, Volvo, Unicredit ...) wieder anspringt, wenn sie die Zinsen um ein halbes Prozent senken? Da kann ich, wenn ich daran glaube (ist mein Privatproblem das hier nicht erörtert werden muss), genauso gut zu Gott, Allah oder dem großen Zampano beten und hoffen, dass das hilft!



Aus: "Nach britischem Vorbild: Amerika erwägt Teilverstaatlichung der Banken" (09. Oktober 2008)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~EB78C078FB7354D958AB11B4E1F0E221F~ATpl~Ecommon~Scontent.html (http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~EB78C078FB7354D958AB11B4E1F0E221F~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

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[...] Die vom Kongress jetzt im Rahmen des 700 Milliarden Dollar umfassenden Rettungspakets gewährten Vollmachten zum Umgang mit der Finanzkrise eröffneten der Regierung eine Reihe von Möglichkeiten, hieß es.

An erster Stelle stehe für US-Finanzminister Henry Paulson hierbei jedoch die Befugnis, den Finanzinstitutionen weiteres Kapital zur Verfügung zu stellen. "Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht", zitiert die New York Times Paulson. "Dazu gehört auch die Unterstützung der Gesamtkapitalausstattung von Finanzinstitutionen in jeder Größe."

 Wie die New York Times weiter berichtet, sei dieser Plan laut Regierungsbeamten die von vielen in Washington und an der Wall Street favorisierte Optionen zur Verwendung der 700 Milliarden Dollar. Denn eine kräftige Finanzspritze würde den Banken helfen, ihre Kreditprobleme zu lindern. Andererseits sorgen sich die Beamten darum, dass ein derart aggressives staatliches Vorgehen dem Finanzsektor schaden könnte: Aktionäre könnten meinen, sie sollten abgestraft werden oder der Markt könnte es als ein Zeichen werten, dass Kreditbanken gescheitert sind.

Ein derartiger staatlicher Einstieg bei Banken wäre zu vergleichen mit dem Vorgehen der britischen Regierung. Die britische Regierung kündigte am Mittwoch an, acht der größten Banken teilweise zu verstaatlichen, um die Stabilität auf dem Finanzmarkt wiederherzustellen. Premierminister Gordon Brown sprach von "radikalen" Eingriffen ins Bankensystem.

Auf den britischen Plan angesprochen, sagte Paulson am Mittwoch, er weise diese Idee nicht zurück. Er wolle jedoch nicht darüber spekulieren, welches der neuen Rechte die Regierung nun anwende.

[...]

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09.10.2008 11:45:52

WillmaHorst: Wow!!! Landesbank auf amerikanisch

Aber wem stört's - außer der FDP?



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09.10.2008 11:48:45

Waldheim, Karl: Wer hats erfunden ? die Schweden

Zitat: "Ein derartiger staatlicher Einstieg bei Banken wäre zu vergleichen mit dem Vorgehen der britischen Regierung. Die britische Regierung kündigte am Mittwoch an, acht der größten Banken teilweise zu verstaatlichen, um die Stabilität auf dem Finanzmarkt wiederherzustellen. Premierminister Gordon Brown sprach von "radikalen" Eingriffen ins Bankensystem."

Nicht Großbritannien, sondern Schweden ist das Vorbild für ein solches Vorgehen, welches sich im Nachhinein als äußerst gelungen darstellt. Wollen wir doch die richtigen loben. Die Briten müssens erst noch beweisen.

Das sollte doch den Journalisten der SZ auch bekannt sein, findet sich hier doch ein Interview mit dem schwedischen Ex-Finanzminister Bo Lundgren.



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09.10.2008  12:39:05, oelauge:
Wohin mit 700 Milliarden Dollar?

[...] mister paulson kommt mir vor wie ein drogendealer der jetzt mit der regulierung des rauschgifthandel beauftragt wird .
 

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09.10.2008 12:33:36, rheinelbe:

Wohin?

Vertrauen heißt jetzt Geld.

Ansonsten: Wohin mit den 700 Milliarden (Phantastillionen, Phantastilliarden) Dollar, Euro, Dublonen oder was? Ist doch kein Problem. Die Börse wird's locker verbrennen!

Im Wort wohin? steckt ha auch "hin"...

Und man kann mit Sicherheit sagen, wohin das Geld nicht fließt: zu den Armen.

Das steht fest!




Aus: "US-Rettungspaket: Wohin mit 700 Milliarden Dollar?" (09.10.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/437/313344/text/?page=2#readcomment (http://www.sueddeutsche.de/finanzen/437/313344/text/?page=2#readcomment)

Title: [Eine kleine Notiz und Globale-Finanzmaerkte... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 08, 2008, 05:25:38 PM
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[...] Die New Yorker Investmentbank Goldman Sachs hat im vergangenen Jahr 16 Milliarden Dollar an ihre Vorstände und Mitarbeiter ausgezahlt, die fünf größten amerikanischen Investmenthäuser zahlten insgesamt 36 Milliarden Dollar. Für einen normalen deutschen Staatsbürger ist das eine unvorstellbare Summe, sie entspricht in der Größenordnung der Jahreskreditaufnahme  durch den deutschen Finanzminister. Man fragt sich unwillkürlich, ob auf den Finanzmärkten  alles mit rechten Dingen zugeht.


Aus: "Globale Finanzmärkte - Beaufsichtigt die neuen Großspekulanten!" (DIE ZEIT, 01.02.2007 (!))
Quelle: http://www.zeit.de/2007/06/Globale-Finanzmaerkte (http://www.zeit.de/2007/06/Globale-Finanzmaerkte)


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[...] Bemerkenswert finde ich eine kleine Notiz, die ich heute in einem täglichen Privatbanken-Informationsdienst über die Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Pensionskassen der US-Bürger las. Das Büro der US-Kongress-Rechnungsbehörde Congressional Budget Office (CBO) ließ verlauten, dass die amerikanischen Pensionskassen in den vergangenen 15 Monaten wegen der Finanzmarktkrise rund 2.000 Milliarden US-Dollar verloren haben. Viele Arbeitnehmer würden wegen dieser Verluste wahrscheinlich gezwungen, auf größere Konsumausgaben zu verzichten und mehr zu sparen – oder später in Rente zu gehen, sagte der CBO-Leiter R. Orszag.


Aus: "Die Finanzmarktkrise belastet die US-Pensionskassen" (8 Oktober. 2008)
Quelle: http://blog.focus.de/metzger/archives/337 (http://blog.focus.de/metzger/archives/337)

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[...] Zwei Billionen Dollar in 15 Monaten - die US-Pensionskassen müssen durch die Turbulenzen der Finanzkrise dramatische Verluste hinnehmen. [...] Washington - Die Finanzkrise lässt viele US-Bürger um ihre Altersvorsorge bangen: Öffentliche und private Pensionsfonds in den USA haben in den vergangenen anderthalb Jahren zwei Billionen Dollar (knapp 1,5 Billionen Euro) verloren, wie der Präsident des Rechnungshofs des US-Kongresses (CBO), Peter Orszag, am Dienstag erklärte. Seit Mitte 2007, dem Beginn der Krise um faule Kredite in den USA, sei der Wert der Fonds um 20 Prozent gesunken.

Dies könne dazu führen, dass Beschäftigte, die im Alter auf Rentenzahlungen aus den Fonds angewiesen seien, länger arbeiten müssten. Zudem schränke die Krise bei den Rentenfonds vermutlich die Ausgaben der US-Bürger ein, was die Wirtschaft weiter belasten könne, sagte Orszag. Laut einer Erhebung haben kürzlich mehr als die Hälfte der Befragten die Befürchtung geäußert, dass sie wegen sinkender Erträge aus der Altersversorgung länger arbeiten müssten.

"Anders als bei Wall-Street-Managern gibt es für amerikanische Familien keinen Goldenen Handschlag, auf den sie sich im Notfall verlassen können", sagte Arbeitsmarktexperte George Miller, demokratischer Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus, der "Washington Post". "Es ist ganz klar, dass das amerikanische Rentensystem der Finanzkrise zum Opfer fallen kann."

Besonders betroffen von der Finanzkrise sind private Rentenfonds, die die Anlagen ihrer Mitglieder vor allem in Börsentitel investieren, die nun deutlich an Wert verloren haben. Weniger betroffen sind die öffentlichen Fonds, etwa von Kommunen und Behörden, die vor allem in US-Schatzbriefe investieren.

In die Rentenfonds zahlen in den USA Arbeitgeber und - auf freiwilliger Basis - auch Arbeitnehmer ein. Einer Studie zufolge haben angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage zuletzt viele Beschäftigte ihre Zuzahlungen eingestellt.

ffr/AP/AFP


Aus: "Finanzkrise kostet Pensionskassen zwei Billionen Dollar" (08.10.2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,582969,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,582969,00.html)

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Quote
[...] Die Kleinsparer, die sich ihre Rücklagen mühsam vom Lohn abzwacken, könnten durch die Finanzkrise jedoch auf andere Art hart getroffen werden: Durch eine weltweit schwächere Konjunktur. Schon jetzt gilt es als ausgemacht, dass die USA in eine Rezession rutschen. Die größte Volkswirtschaft der Welt hat in diesem Jahr so viele Stellen gestrichen wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr.

Eine Wirtschaftskrise in den USA könnte auch nach Europa herüberschwappen. Dann wären auch deutsche Arbeitsplätze in Gefahr. Das bedeutet neue Mindereinnahmen bei den Steuern und höhere Ausgaben bei den Sozialleistungen.

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sünnerklaas »
06.10.2008 um 16:26

Zitat:

"Um zu signalisieren, dass die Spargelder in Deutschland sicher sind, hat die Bundesregierung eine Staatsgarantie für die kompletten privaten Einlagen hierzulande abgegeben."

Das ist eine politische Erklärung - und im Moment so viel wert, wie Barschel'sche Ehrenwörter... Etwas Aufklärung verspricht die FTD:

Zitat:
"Vorbereitungen für den Tag X hat die Regierung nicht getroffen. Es habe Hinweise gegeben, dass die Bürger deutlich mehr Bargeld abheben, sagte ein Sprecher Steinbrücks.
(...)
Im Endeffekt ist es eine politische Absichtserklärung", sagte der Vorsitzende des Bundestagshaushaltsausschusses Otto Fricke (FDP) im "Deutschlandfunk". Es gebe keinen Fonds oder Ähnliches, "in dem das Geld steckt".

Quelle: FTD

Regierungssprecher Ullrich Wilhelm wird vom Handelsblatt wie folgt zitiert:

Zitat:
""Bei den Garantien für die deutschen Sparer handele sich um eine „belastbare und entscheidende politische Aussage“, hinter der die Bundesregierung mit ihren Möglichkeiten stehe, betonte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Montag in Berlin."
Quelle: Handelsblatt

Für das Versprechen - oder das gegebene Wort gibt es zur Zeit keine Rechtsgrundlage. Die Bundesregierung kann auch nicht so ohne weiteres solch eine Zusage geben, weil dies das Haushaltsrecht betrifft - und das Haushaltsrecht liegt beim Bundestag. Bis ein für die Sicherung der Spareinlagen notwendigen Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen ist, ist es u.U. schon zu spät.



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frankmayer »
06.10.2008 um 21:26

Ganz einfach: Schiss vorm Bank-Rush

[...]

Es ist doch offensichtlich, dass die Stimmung geeignet ist, dass die Leute auf die Bank rennen und ihr Geld abheben - und dann ist tatsächlich Sabbat - tödliche Sepsis sozusagen ..

Vor diesem Hintergrund sei dann auch Frau Merkel diese Lüge (zumindest von mir) verziehen - auch wenn mir sowohl sie als auch diese ganze konservative Gesindel ein echter Greul sind. Diese Lobbyistenhörigkeit gerade der Konservativen mit ihren Seilschaften - wer hat nochmal die Legende gebildet, die Sozen könnten nicht mit dem Geld und so? Kurzer Blick über den Teich oder in unsere Bundesregierung ..

Dennoch empfinde ich diese Entlastung des Systems von Lügereien und Betrügereien insgesamt als äusserst heilsam und gesund. Klar geht das an die Grenzen, und gerade spritzt uns eine besonders übel riechende Sorte Finanz-Eiter aus den Banken und Finanzplätzen entgegen. Das ist zwar super eklig, tut weh und stinkt wie die Hölle, aber es ist reinigend und heilsam!

Man wird - wenn es vorbei ist - noch etwas nachschneiden müssen und das verbleibende Gewebe von unten nachwachsen lassen müssen - eine Narbe wird wohl länger bleiben..

In diesem Sinne: Ubi pus, ibi evacua!
F. Mayer


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mwo »
07.10.2008 um 08:56

Kleine Randbemerkung

... gehört nicht ganz hier her, aber ich musste es gerade auf der Titelseite des Hamburger Abendblattes lesen, und will nicht alleine leiden:

"Der Papst mahnt: Wer auf Geld baut, baut auf Sand ... Nur das Wort Gottes ist die einzige dauerhafte Realität."

Das ist doch mal eine Einstellung. Nie vergessen: Jede Krise hat ihre Krisengewinnler!


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Hepo »
07.10.2008 um 11:12

Ja, ja, immer schön den Abstand wahren...

und so tun, als würde uns das alles nichts angehen. Bin ich froh, dass bestimmte Teilnehmer dieses Forums in diesem Land nichts zu sagen haben!

Wiedermal wird über ein Thema, das uns alle angeht, geschrieben, als würde es uns nicht betreffen. Wer sich einigermaßen informiert hatte wusste schon seit mindestens zwei Jahren, dass die Blase irgendwann platzen würde. Aber offensichtlich blendet Gier jeden gesunden Menschenverstand und das Gespür für die drohende Gefahr aus.

Wie sähe denn die Alternative zu einer staatlichen Absicherung der Sparguthaben, damit wir nicht sehenden Auges in eine Inflation rutschen?



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sjdv »
07.10.2008 um 11:14

Beunruhigende Beruhigung

Wenn die Regierung jetzt die Sicherheit aller Einlagen garantiert, beunruhigt das eigentlich mehr als es beruhigt. Es beunruhigt deshalb, weil es offensichtlich die Befürchtung eines Runs auf die Banken gibt, sonst hätte die Regierung nicht zu diesem Mittel gegriffen. Und beruhigen kann es nicht, weil der Staat im Zweifelsfall natürlich niemals die Mittel (1,6 Billionen) hätte um das Versprechen einzuhalten.
So ist das manchmal: Wenn die Falschen sagen, es gäbe keinen Grund sich sorgen zu machen, macht gerade das Sorgen.


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korushe »
07.10.2008 um 18:52

Gedaechtniss der Menschen

[...]

Wie einige schon geschrieben habe, was wuerde passieren wenn die Banken aufhoeren wuerden. Nur so als Idee. Geld verliert seinen Wert. Schlagartig. Das ergebniss sah man kurz in Argentinien. Es mag Ihnen zwar entgangen sein aber auch wenn alle vom Virtuellen Geld reden, es gibt kein "reelles Geld". Was sie haben ist ein Stueck Papier das aufgrund eines Abkommens zwischen den Menschen rundherum einen Wert bekommt. In dem Augenblick wo die anderen dem Stueck Papier nicht mehr vertrauen ist es nichts Wert. Wir haben uns geeinigt Dienstleistung und Waren einem fiktieven Wert beizumessen und den auf ein Papier zu schreiben. Die Verwaltung dieser Papiere wurden den Banken uebergeben. (wo sich Menschen bereichert haben auf unverschaemte weise). Was alle gewusst haben und die die dagegen waren entweder zu wenig Macht hatten oder verlacht wurden. Warum? Klar weil die die die Moeglichkeit gehabt haetten zu bremsen oder zu kontrolieren selber davon Profitierten und alle mit der Hoffnung weg zu sein wenns Kracht (hinter mir die Sintflut) (die ja jetzt da ist) Man koennte schuldige suchen (und wuerde welche finden WENN man wollte) aber es heist nicht umsonnst wer 50 Gulden stiehlt ist ein Dieb wer 5 Millionen Gulden stiehlt ist ein Staatsmann. Daran hat sich bis heute nichts geaendert.





Aus: "Finanzkrise: Wo es wirklich brennt" Von Marlies Uken  (ZEIT ONLINE,  7.10.2008)
Quelle: http://www.zeit.de/online/2008/41/Finanzkrise-Fragenkatalog (http://www.zeit.de/online/2008/41/Finanzkrise-Fragenkatalog)
Title: [Schockfrost für Kunden der isländischen Internetbank Icesave... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 09, 2008, 10:47:19 AM
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[...] Alle Kontobewegungen auf Icesave.co.uk sind eingefroren. Die Erklärungen der Bank halten sich nun nicht mehr an technische Fehler und das Wort "Zufall", wie noch am Montag, sie bleiben ganz aus. Auf der Webseite der Bank wird nur frostig statuiert, dass keinerlei Geldtransfers online durchgeführt werden können: "We are not currently processing any deposits or any withdrawal requests through our Icesave internet accounts. We apologise for any inconvenience this may cause our customers. We hope to provide you with more information shortly."

Icesave gehört zur isländischen Landsbanki, die gerade verstaatlicht wurde, weshalb eigentlich die Icelandic Financial Supervisory Authority für Einlagen bis zu 20.000 Euro aufkommen soll. Wie der britische Schatzkanzler Alistair Darling heute mit einigem Erstaunen mitteilte, beschied ihm die isländische Regierung allerdings, dass sie keine Absicht habe, ihren Verpflichtungen gegenüber den britischen Kunden nachzukommen. Nun will der britische Staat dafür einstehen – nach Informationen der Times sogar bei Einlagen über 50.000 Pfund. Wann und wie die Kunden ihr Geld zurückbekommen sollen, werde allerdings noch geklärt.

Wie heute Vormittag gemeldet wurde, hat das staatliche Inkasso-Büro der Niederlande (NIB) den niederländischen Zweig von Icesave zur Freistellung der Guthaben in den Niederlanden aufgefordert. Nach Schätzungen des NIBs dürften sie mit etwa 250.000 Euro nur einen geringen Teil der Verbindlichkeiten ausmachen. Aussagen von NIB-Direktor Maarten van der Donk zufolge könnten die meisten Kunden der Online-Bank nur darauf hoffen, dass sie am "Ende eines langwierigen Inkasso-Verfahrens" wenigsten teilweise durch den isländischen Staat entschädigt werden.

Van der Donk kritisierte deutlich die Politik der Bank, welche die Kunden, die sich über Probleme beim Zugang zu ihren Onlinekonten beschwerten, mit irreführenden Entschuldigungen abgespeist hatte: Icesave hatte demnach noch bis gestern Nachmittag wider besseren Wissens behauptet, liquide und kreditwürdig zu sein. "Davon war längst kein Wort mehr wahr", wird Van der Donk zitiert. Zu diesem Zeitpunkt hätten, wie berichtet, Sparer bereits keinerlei Transaktionen mehr bei der Online-Bank vornehmen können.

Die niederländische Sparte existiert erst seit vier Monaten, konnte aber in dieser Zeit durch höhere Zinsversprechen (5 Prozent und später 5,25 Prozent; der Durchschnittszinssatz in den Niederlanden wird mit 4 Prozent angegeben) viele Kunden (50.000) gewinnen. (tpa/Telepolis)




Aus: "Schockfrost für Kunden der isländischen Internetbank Icesave" (08.10.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Schockfrost-fuer-Kunden-der-islaendischen-Internetbank-Icesave--/meldung/117089 (http://www.heise.de/newsticker/Schockfrost-fuer-Kunden-der-islaendischen-Internetbank-Icesave--/meldung/117089)


Title: [Die Leute heben Geld ab... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 09, 2008, 11:58:22 AM
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[...] MÜNCHEN  -  Der Angestellte der Sicherheitsfirma, der am Eingang der Deutschen Bank am Marienplatz steht, überblickt nicht nur das Gewusel in der Filiale. Seine Firma macht Sicherheitslogistik für Filialen mehrerer Banken in München, und er sagt: „Es wird vermehrt abgehoben. Das ist in allen Filialen so.“ Und bekräftigt: „Die Leute heben große Mengen Geld ab.“

[...]  Drei Anzugträger, vermutlich Geschäftsleute in der Mittagspause, eilen zum Viktualienmarkt und unterhalten sich lautstark über „die Knallköpfe“ bei der HRE, die von den Banken „mal eben 50 Prozent mehr fordern“. Die Hypo Real Estate hält Peter Geißler „nur für die Spitze des Eisbergs“. Der Technische Angestellte tritt aus der HypoVereinsbank- Filiale in der Sendlinger Straße. Das Vertrauen in seine Bank habe er verloren. „Der Normalbürger kann die Dimensionen gar nicht mehr erfassen – 1000 Milliarden Euro Staatsgarantie, wer soll sich das vorstellen?“ fragt Geißler kopfschüttelnd.

Auch Edith Eiden ist Kundin der HVB. „Ich gebe jetzt erhöht Obacht, lese jeden Tag den Wirtschaftsteil und verfolge die Börsenkurse“, sagt die 60-Jährige. Sie ist der Überzeugung, „dass wir auf unser Geld selbst aufpassen müssen. Wir dürfen uns nicht auf Berater verlassen“. Ihr Geld will Eiden aber auf der Bank lassen, auch kein Anlagen verkaufen. Sie ist sicher: „Panikverkäufe haben noch nie was gebracht.“

Mit der Staatsgarantie für alle Sparguthaben wollte Finanzminister Steinbrück vermeiden, dass Bankkunden kurzfristig Guthaben abheben „und unter die Matratze“ legen. Ob diese Vertrauensmaßnahme greift? „Blüm hat auch gesagt, die Rente sei sicher. Jetzt sollen wir das glauben“, sagte eine Kundin der Deutschen Bank, die ihren Namen nicht nennen will.


Aus: "Angst vor dem Crash: "Die Leute heben Geld ab"" (07. Okt 2008) Elena Panagiotidis
Quelle: http://www.abendzeitung.de/nachrichten/wirtschaft/58091 (http://www.abendzeitung.de/nachrichten/wirtschaft/58091)


Title: [Island verstaatlicht größte Bank... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 09, 2008, 01:14:21 PM
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[...] Island ist wie kein anderer europäischer Staat in den Finanzstrudel gerissen worden. Die Regierung will durch Verstaatlichungen von Banken und mit russischer Hilfe eine Staatspleite verhindern. Die Verhandlungen über ein russisches Darlehen in Höhe von 4 Mrd. Euro sollen am kommenden Dienstag beginnen.


Aus: "Millionen-Einlagen: Island macht britischen Gemeinden Angst" (09.10.2008)
Quelle: http://www.ftd.de/politik/international/:Millionen-Einlagen-Island-macht-britischen-Gemeinden-Angst/423838.html (http://www.ftd.de/politik/international/:Millionen-Einlagen-Island-macht-britischen-Gemeinden-Angst/423838.html)

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[...] Angesichts der Folgen der internationalen Finanzkrise hat die isländische Regierung mit der Kaupthing-Bank das größte Finanzinstitut des Landes verstaatlicht.

Die Regierung hatte die Möglichkeit zur Zwangsverstaatlichung mit einem Eilgesetz geschaffen, um den kompletten Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern. Alle nationalen Spareinlagen seien jedoch sicher, auch der Geschäftsverkehr werde wie gewohnt aufrecht gehalten, teilte die Behörde am Donnerstag mit.

Mit der Verstaatlichung von Kaupthing ist binnen kurzer Zeit die dritte isländische Bank unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt worden. Die Glitnir-Bank, das drittgrößte Geldinstitut des Landes wurde am Mittwoch unter Zwangsverwaltung gestellt und besitzt damit vorerst Gläubigerschutz. Am Dienstag hatte die Finanzaufsichtsbehörde die Kontrolle über Landsbanki, Islands zweitgrößtes Finanzinstitut, übernommen.

[...]


Aus: "Kaupthing-Bank: Island verstaatlicht größte Bank" (09.10.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/420/313327/text/ (http://www.sueddeutsche.de/finanzen/420/313327/text/)

Title: [Banken-Hilfspakete... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 12, 2008, 01:18:03 PM
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[...] Beraten wird Koalitionskreisen zufolge über staatliche Garantien für Kredite zwischen den Banken, aber auch über direkte Finanzhilfen des Staates für angeschlagene Geldinstitute. Dies könnte dann auf eine staatliche Beteiligung an Banken hinauslaufen, um deren Eigenkapital zu erhöhen. Im Bundestag könnten die Maßnahmen noch in dieser Woche beschlossen werden. Der Bundesrat tagt erst Anfang November wieder, könnte aber möglicherweise zu einer Sondersitzung einberufen werden.

Für zusätzliche Kapitalspritzen sind nach Schätzungen von Koalitionskreisen 50 bis 100 Milliarden Euro im Gespräch. Das gesamte Paket wird auf bis zu 400 Milliarden Euro veranschlagt. Im Gegenzug für das staatliche Geld wolle die Regierung die Banken auf eine Reform ihrer Geschäftsmodelle Bonussysteme und Abfindungsregeln verpflichten, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf einen Verhandlungsteilnehmer weiter. Es sei aber nicht daran gedacht, Regierungsvertreter ins Management oder in Aufsichtsräte von Banken zu entsenden, hieß es demnach in Regierungskreisen.

An dem Konzept arbeiteten laut "Spiegel" neben Kanzleramt und Finanzministerium auch Bundesbankpräsident Axel Weber, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, Commerzbank-Chef Martin Blessing und Bankenpräsident Klaus-Peter Müller mit. Vor allem Weber sowie der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, hätten die Bundesregierung gedrängt, staatliche Eigenkapitalspritzen für den Bankensektor zu ermöglichen. Zu einem ähnlichen Schritt hatte sich vorige Woche bereits die britische Regierung entschlossen und die Verstaatlichung führender Geldinstitute angekündigt. (APA/Reuters)


Aus: "Deutsches Banken-Hilfspaket bis 400 Milliarden Euro schwer" (11. Oktober 2008)
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=1220460571695 (http://derstandard.at/?url=/?id=1220460571695)

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[...] +++ Frankreich plant 360-Milliarden-Paket +++
 
Frankreichs Rettungsplan für die Banken soll insgesamt 360 Mrd. Euro umfassen. Das sagte Präsident Sarkozy nach einer Kabinettssitzung . Ein entsprechender Gesetzentwurf soll bis Ende der Woche vom Parlament verabschiedet werden.

+++ Bundesregierung beschließt Rettungsplan +++
 
Die Bundesregierung hat nach Angaben aus Koalitionskreisen das hunderte Milliarden Euro schwere Rettungspaket für deutsche Banken beschlossen. Das Paket sieht Kapitalspritzen und Kreditbürgschaften im Volumen von 470 Milliarden Euro vor.
 
+++ Bund kalkuliert mit 20 Mrd. Verlust +++
 
Die Bundesregierung kalkuliert bei ihrer 400-Mrd-Euro-Garantie für die Banken mit einem Verlustrisiko von fünf Prozent. Damit könnten auf den Haushalt tatsächliche Belastungen aus dem Fonds von 20 Mrd. Euro zukommen, geht aus dem Gesetzentwurf für den Finanzmarkt-Stabilisierungsfonds hervor. Für diesen Fall soll Finanzminister Steinbrück weitere Kredite von bis zu 20 Mrd. Euro aufnehmen dürfen.


Aus: "Finanzkrise +++ Krisenticker +++" (Montag, 13. Oktober 2008)
Quelle: http://www.n-tv.de/Finanzkrise__Krisenticker_/131020080016/1036815.html (http://www.n-tv.de/Finanzkrise__Krisenticker_/131020080016/1036815.html)

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[...] In einer beispiellosen Rettungsaktion stellen europäische Regierungen etwa eine Billion Euro für die angeschlagene Finanzbranche zur Verfügung. Das Bundeskabinett beschloss mit bis zu 500 Milliarden Euro das größte Rettungspaket. Frankreich plant Hilfen von bis zu 360 Milliarden Euro, die Niederlande bürgen für 200 Milliarden Euro, in Spanien und Österreich sind es jeweils bis zu 100 Milliarden Euro. Ähnlich wie beim deutschen Paket übernimmt der Staat vor allem Garantien für die Kredite, die sich die Banken gegenseitig gewähren. Auf dieses Vorgehen hatten sich die Euro-Länder am Wochenende geeinigt.


Aus: "Mehr als eine Billion Euro für Europas Finanzbranche - Regierungen beschließen Bürgschaften und Kapitalspritzen" (13.10.2008)
Quelle: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/rettungspakete100.html (http://www.tagesschau.de/wirtschaft/rettungspakete100.html)

Title: [The National Debt Clock... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 14, 2008, 10:17:07 AM
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[...] Die Staatsverschuldung der USA hat ein derart riesiges Ausmaß angenommen, dass sie von der Schuldenuhr in New York nicht mehr angezeigt werden kann. Die LCD-Anzeige der im Jahr 1989 eingerichteten „Nationale Schuldenuhr“ (National Debt Clock) war nur für einen Maximalwert von zehn Billionen Dollar vorgesehen. Inzwischen hat die Staatsverschuldung diesen Betrag überstiegen. Am Wochenende waren es rund 10,2 Billionen Dollar oder ganz genau 10.150.603.734.720 Dollar.

Im nächsten Jahr soll die Uhr an der West 44th Street durch eine neue Anzeige ersetzt werden, wie ein Sprecher der Durst Organization mitteilte, die die Schuldenuhr nach einer Idee des Immobilienunternehmers Seymour Durst eingerichtet hat. 1989 betrug die Staatsverschuldung lediglich 2,7 Billionen Dollar. Als die Verschuldung in den 90er Jahren abgebaut wurde, war die Uhr zeitweise abgeschaltet. Inzwischen wird als Notbehelf die eigentlich für die Dollaranzeige reservierte Stelle verwendet, um die Höhe der Verschuldung darzustellen. Die geplante neue Anzeige soll einen Betrag bis zur Höhe von einer Billiarde Dollar anzeigen.
AP


Aus: "USA - New York erhält Schuldenuhr bis eine Billiarde Dollar" (13.10.08)
Quelle: http://www.focus.de/panorama/welt/usa-new-york-erhaelt-schuldenuhr-bis-eine-billiarde-dollar-_aid_340223.html (http://www.focus.de/panorama/welt/usa-new-york-erhaelt-schuldenuhr-bis-eine-billiarde-dollar-_aid_340223.html)

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[...] Die Zahlen spiegelten die Krise des US-Immobilienmarkts und deren Folgen für den Finanzsektor und das Wirtschaftswachstum wider, erklärte Finanzminister Henry Paulson. Zur Bekämpfung der Finanzkrise haben die USA ein Rettungspaket mit einem Volumen von 700 Milliarden Dollar beschlossen, um faule Kredite aufzukaufen. US-Präsident George W. Bush und Paulson hatten ankündigt, der Staat kaufe für rund 250 Milliarden Dollar (184 Milliarden Euro) Anteile an Banken im Land. Neun Finanzinstitutionen hätten einen solchen Staatseinstieg akzeptiert.

Für das Jahr 2009 wagt das Finanzministerium derzeit offensichtlich keine Prognose. Der aktuelle Bericht jedenfalls verzichtet darauf. Denkbar ist aber, dass zunächst die aktuellen Konjunkturdaten ausgewertet werden müssen, die wenig Anlass zur Zuversicht geben: Nach Angaben der Präsidentin der US-Notenbank Federal Reserve von San Francisco, Janet Yellen hat die Wirtschaft im dritten und vierten Quartal schwächer abgeschnitten als erwartet und wird wahrscheinlich gar nicht wachsen. "Tatsächlich, die US-Wirtschaft scheint in einer Rezession zu sein", sagte sie.

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Aus: "AUSGABENEXPLOSION: Haushaltsdefizit der USA erreicht historischen Höchststand" (15.10.2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,584200,00.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,584200,00.html)

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[...] New York (BoerseGo.de) - Gemäß dem Wirtschafts- und Finanznachrichtensender CNBC hat die US-Regierung in den letzen 12 Monaten die astronomische Summe von 4,28 Billionen Dollar im Rahmen ihrer Hilfsmaßnahmen und Kapitalspritzen zur Bekämpfung der Finanzkrise bereitgestellt. Inflationsbereinigt übersteigt diese Summe die Gesamtkosten für den zweiten Weltkrieg. Etwa 68 Prozent der Summe rühren aus Stützungsmaßnahmen der US-Notenbank Fed , 16 Prozent entfallen auf das  Bankenrettungspaket Tarp (Troubled Asset Relief Programm).


Aus: "CNBC: Finanzkrise teurer als zweiter Weltkrieg" von Christian Hoyer (19. November 2008)
Quelle: http://de.biz.yahoo.com/19112008/389/cnbc-finanzkrise-teurer-weltkrieg.html (http://de.biz.yahoo.com/19112008/389/cnbc-finanzkrise-teurer-weltkrieg.html)

Title: [Die zweite Welle... (Kreditkartenverträge)]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 20, 2008, 02:44:59 PM
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[...] (Istanbul/dpa) - Millionen Türken wachsen die Schulden über den Kopf. Ein Konsumrausch, die von Banken betriebene Verbreitung von Kreditkarten und leicht verfügbare Verbraucherkredite drohen viele Menschen ins Unglück zu stürzen. Verbraucherschützer warnen nun, dass mit der weltweiten Finanzkrise härtere Zeiten auf private Schuldner zukommen werden. Scham und Verzweiflung haben in den vergangenen Jahren dutzende Menschen in den Selbstmord getrieben.

Bis vor einigen Jahren wurde Geld vor allem innerhalb der Familie oder unter Freunden geliehen, mit einer entsprechenden sozialen Kontrolle. Mit dem Plastikgeld hielt eine oftmals unkontrollierte Verschuldung Einzug. Etwa 38 Millionen Kreditkarten gab es im vergangenen Jahr, inzwischen seien es 41 Millionen, sagt Nazim Kaya von einem Verbraucherverband in Istanbul. Zahlungsschwierigkeiten treffen viele Menschen wie ein Schlag.

In den vergangenen drei Jahren des wirtschaftlichen Booms seien viele Menschen «verrückt nach Konsum» gewesen, bilanziert die türkische Tageszeitung «Vatan». Inzwischen türme sich der Berg privater Schulden in Höhe von fast 115 Milliarden Türkische Lira (etwa 60 Milliarden Euro). Das Geld sei vor allem in Form von Konsumentenkrediten aufgenommen. Nur 38 Milliarden Lira seien Immobilienkredite. Zum Vergleich: Bei der letzten türkischen Wirtschaftskrise im Jahr 2001 habe die private Schuldenlast umgerechnet nur 6,7 Milliarden Lira betragen.

«Banken gaben Kreditkarten sehr großzügig aus. Beim Eintreiben des Geldes wird der ausstehende Betrag dann zur Ehrenschuld erklärt, für die man sich schämen muss. Der Druck ist enorm», sagt Kaya. Im Jahr 2006 hat zwar ein neues Gesetz Zinsen auf Kreditkartenschulden begrenzt und die schlimmsten Auswüchse beendet. In diesem Jahr hatten sich nach Angaben von Kaya 45 Menschen wegen Schulden das Leben genommen. Nun fürchtet Kaya: «Wegen der Finanzkrise wird auch auf türkische Banken der Druck wachsen. Sie werden das an ihre Schuldner weitergeben.»

In türkischen Medien finden sich immer wieder Bericht über angedrohte, versuchte und erfolgte Selbstmorde. Spektakulär war vor mehr als zwei Jahren der Fall eines türkischen Polizisten, der sich während des Wachdienstes im Parlament aus einer Dienstwaffe erschoss, weil 6000 Lira Schulden zu Streit in der Familie geführt hatten. Ein anderer Beamter feuerte sich auf der Istanbuler Einkaufsstraße wegen 50 000 Lira in den Kopf. In Izmir erschoss sich ein 28-jähriger Toilettenklempner, der im Besitz von neun überzogenen Kreditkarten war.

Oft geht es glimpflich ab, wie im Fall eines Familienvaters, der im September mit nacktem Oberkörper auf dem Dach eines Hauses in der nordwestlichen Stadt Kocaeli Schlagzeilen machte. Arbeitslos, mit 15 000 Lira Schulden und der Verantwortung für drei Kinder drohte er zu springen, bevor ein Politiker ihm Hilfe versprach und von dem Selbstmord abbrachte. Wenn zu den Schulden der Verlust des Einkommens kommt, wird es schnell eng.

[...]


Aus: "Viele Türken stecken in der Schuldenfalle - Scham und Selbstmorde" Von Carsten Hoffmann, dpa (13.10.2008)
Quelle: http://www.glaubeaktuell.net/portal/nachrichten/nachricht.php?useSpr=&IDD=1223788164&IDDParent=1067270715&IDDTyp=&IDDPExtra=&IDDTExtra=&IDB=1&Aktuell=0 (http://www.glaubeaktuell.net/portal/nachrichten/nachricht.php?useSpr=&IDD=1223788164&IDDParent=1067270715&IDDTyp=&IDDPExtra=&IDDTExtra=&IDB=1&Aktuell=0)


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[...] Berlin - Den Finanzmärkten stehen weitere Erschütterungen bevor. Nachdem US-Ramschhypotheken Banken und Börsen weltweit in den Abgrund gerissen haben, rollt nach Meinung von Experten nun eine zweite Welle auf die Institute zu: geplatzte Forderungen aus Kreditkartenverträgen. Das Ausfallrisiko könnte eine ähnliche Dimension wie im Fall der Immobilienkredite haben. Die Ratingagentur Moody’s schätzt das Volumen der Wertpapiere, die auf Forderungen aus US-Kreditkarten basieren, auf insgesamt 450 Milliarden Dollar.

„Hier hat sich in den vergangenen zehn Jahren eine enorme Bedrohung aufgebaut“, warnt der Bochumer Finanzwissenschaftler Stephan Paul.

[...] die Kreditkartenfirmen und die meisten US-Banken haben – nach dem Muster der Immobilienfinanzierer – ihre Forderungen aus Kreditkarten und Verbraucherdarlehen gebündelt und weiterverkauft. Wie bei den Ramschhypotheken wurden dabei Risiken gemischt und in komplizierte und intransparente Wertpapiere umgewandelt. Versehen mit dem Gütesiegel der Ratingagenturen wurden so aus Kreditforderungen handelbare Anlageprodukte, die hohe Renditen versprachen. In einem Umfang, den Experten für bedrohlich halten. Denn die Erfahrung aus der Finanzkrise lehrt, dass die in sogenannten forderungsbesicherten Wertpapieren (ABS) versteckten Risiken zwar aus den Bilanzen einiger Finanzinstitute verschwinden, nicht aber aus dem Finanzsystem insgesamt. Platzen die den Papieren zugrunde liegenden Kredite massenhaft, kann eine gefährliche Kettenreaktion ausgelöst werden.

„Konsumfinanzierung per Kredit spielt in den USA eine große Rolle“, sagt Michael Schubert, Abteilungsleiter Research bei der Landesbank Berlin. Shoppen auf Kredit ist in den USA keine Ausnahme, sondern die Regel. Die Sparquote lag nach Angaben von HSBC Trinkaus &Burkhardt in den USA im Durchschnitt der letzten drei Jahre nur bei 0,4 Prozent. In Deutschland beträgt sie rund zehn Prozent. Dem „Wall Street Journal“ zufolge gehen in einem durchschnittlichen US-Haushalt von jedem verdienten Dollar 15 Cent fürs Abzahlen von Autokrediten, Hypotheken, Kreditkarten und anderen Schulden drauf, in Kalifornien sogar 19 Cent. Denn US-Kreditkarten funktionieren anders als das in Deutschland genutzte Plastikgeld. Die per Karte gezahlten Beträge werden nicht – innerhalb eines festen Verfügungsrahmens – monatlich abgebucht, sondern sammeln sich über längere Zeit wie ein laufender Kredit an. „Ähnlich wie beim Dispokredit entsteht so ein wachsender Schuldensaldo“, erklärt Finanzexperte Paul. Statt in schlechten Zeiten zu sparen, hätten viele Amerikaner in den vergangenen Monaten erst recht Geld auf Pump ausgegeben, um Zahlungsengpässe zu überbrücken. „Die Auslastung der US-Kreditkarten ist zuletzt noch einmal deutlich gestiegen“, sagt Paul. Eine tickende Zeitbombe.

Überschulden sich viele US-Haushalte und platzen die Kreditkartendarlehen in großer Zahl, seien die Ratingagenturen zu einem „Downgrade“, also Herunterstufen der entsprechenden ABS-Papiere gezwungen. Das Finanzsystem stünde vor einer weiteren Kernschmelze. Wie bei den Immobilienkrediten entstünde ein riesiger Wertberichtigungsbedarf bei allen Finanzinstituten und Investoren, die solche Papiere in ihren Büchern stehen haben. Einige Pakete sind zwar schon zusammen mit den Immobilienkrediten abgeschrieben worden. „Das größte steht aber noch aus“, befürchtet Paul.

[...]


Aus: "Finanzkrise: Die zweite Welle" (19.10.2008)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/Finanzkrise;art271,2639682 (http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/Finanzkrise;art271,2639682)

Title: [Wachovia verbrennt 24 Milliarden Dollar... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on October 23, 2008, 04:29:28 PM
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[...] Mit dem Verlust von 24 Milliarden Dollar im dritten Quartal hat das Geldhaus den höchsten Verlust einer US-Bank im Zuge der weltweiten Kreditkrise erwirtschaftet.


Aus: "US-Bank leidet unter der Immobilienkrise: Wachovia verbrennt 24 Milliarden Dollar" (22.10.2008)
Quelle: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/wachovia-verbrennt-24-milliarden-dollar;2069800 (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/wachovia-verbrennt-24-milliarden-dollar;2069800)

Title: [Die Analysen wurden dafür genutzt, Handel zu betreiben... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 06, 2008, 03:10:48 PM
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[...] Der Mitarbeiter verkaufte demnach fünf Jahre lang - von 2001 bis 2006 - nicht-öffentliche UBS-Empfehlungen für Aktienkäufe. Die Analysen wurden dafür genutzt, Handel zu betreiben, bevor Höher- oder Herabstufungen von Aktien durch UBS-Analysten bekannt oder Firmennachrichten von Morgan-Stanley-Kunden publiziert wurden.

Dem Insider-Ring gehörten 13 Personen an, darunter Mitarbeiter ehemals angesehener Wall-Street-Institute wie Bank of America, Morgan Stanley und Bear Stearns. Mit den Transaktionen sackten die Beteiligen der Anklageschrift zufolge 17,5 Millionen Dollar (13,62 Mio. Euro) ein.

Aufgeflogen ist der Ring im März des Vorjahres im Zuge einer Untersuchung der US-Börsenaufsicht SEC. Sie hatte mehrere Großbanken auf Insiderhandel durchleuchtet. (Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 05.11.2008)

...


Aus: "Belgien: Minister unter Insider-Verdacht" (04. November 2008)
Karel De Gucht soll Fortis-Aktien verkauft haben, bevor die Bank zerschlagen wurde
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=1225359035379 (http://derstandard.at/?url=/?id=1225359035379)

Title: [Ein 65-jähriger Rentner aus Illingen sagte aus... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 14, 2008, 02:02:47 AM
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[...] Saarbrücken. Der Mann aus Blieskastel hat eingeräumt, zwischen August 2001 und Anfang Januar 2005 ohne Wissen seiner Kundern deren Geld in riskante Optionsgeschäfte investiert zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Schaden von mehr als 2,6 Millionen Euro aus.

Eine 71-jährige Hausfrau berichtete, ihr seinen von dem Ex-Bankberater höhere Zinsen zugesagt worden. Ein Sparbuch über 26.000 Euro habe sie ihm überlassen. Später habe ihr die Bank mitgeteilt, das Sparbuch sei nicht mehr auffindbar. Der Angeklagte offenbarte, er habe dieses und andere Sparbücher verbrannt. Ein 65-jähriger Rentner aus Illingen sagte aus, er habe dem Berater auf dessen Wunsch hin ein ungenutztes Depot-Konto für eigene Optionsgeschäfte überlassen. Er ging davon aus, dass der Bankangestellte unter seinem Namen solche Geschäfte nicht abwickeln durfte. Zur sicheren Kapitalanlage hatte der Kunde dem Berater 70.000 Euro überlassen. Als dessen Machenschaften aufflogen ersetzte die Bank dem Kunden die Summe.


Aus: "Ex-Bankberater verbrannte Sparbücher seiner Kunden" (mju, Lokalnews, 12.11.2008)
Quelle: http://www.saarbruecker-zeitung.de/nachrichten/titelseite/lokalnews/Bank-Betrug-Sparbuch-Berater-Bank-1-Saar-Volksbank-Spiesen-Elversberg-;art27857,2602087 (http://www.saarbruecker-zeitung.de/nachrichten/titelseite/lokalnews/Bank-Betrug-Sparbuch-Berater-Bank-1-Saar-Volksbank-Spiesen-Elversberg-;art27857,2602087)

Title: [Echte Exzesse waren das... (Das Kommunikationsgeschäft von Siemens)]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 19, 2008, 11:23:45 AM
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[...] Es dauert eine Weile, bis Ernst K. auf der Anklagebank im schmucklosen Saal 173 des Münchner Landgerichts ins Plaudern kommt. Früher war K. eine Schlüsselfigur im Kommunikationsgeschäft von Siemens. Er lieferte Millionen für schmierige Geschäfte dorthin, wo Vorgesetzte sie brauchten: Nach Nigeria, Russland, Vietnam oder Indonesien.

Oft sei das Geld an Minister gegangen, erinnert sich der 58-Jährige. Manchmal seien ganze Delegationen auch nach München gekommen, um sich ihre Belohnung für Aufträge abzuholen - fürstliche Bewirtung und Einkleiden inklusive. Immer lief alles streng geheim ab. Denn der Post habe bei Siemens keiner getraut. "Anweisungen für diskrete Zahlungen habe ich persönlich übergeben", sagt K. "Echte Exzesse waren das. Da gingen viele Schuhsohlen drauf."

Der zweite Prozess um die milliardenschwere Korruptionsaffäre bei Siemens brachte schon am ersten Tag bizarre Details der Korruptionsaffäre ans Licht. Kaufmann Ernst K. und sein mitangeklagter Ex-Kollege Wolfgang R., 69, legten am Dienstag umfangreiche Geständnisse ab.

Die beiden räumten ein, geholfen zu haben, mehrere Millionen Euro aus dem Technologiekonzern auszuschleusen und auf geheimen Auslandskonten zu parken. Mit dem Geld sollten Amtsträger oder Geschäftspartner bestochen werden.

Die Staatsanwaltschaft wirft K. eine lange Liste von Vergehen vor: Beihilfe zur Untreue in 79 Fällen, Beihilfe zur Bestechung ausländischer Amtsträger im internationalen Geschäftsverkehr in 17 Fällen und Beihilfe zur Bestechung im geschäftlichen Verkehr in drei Fällen. Dem mitangeklagten Rentner werden drei Fälle von Beihilfe zur Untreue zur Last gelegt.

[...] Schwere Vorwürfe erhob einer der Angeklagten gegen Top-Manager des Konzerns. Viele Bereichsvorstände des Kommunikationsgeschäfts hätten das System der schwarzen Kassen gekannt.

Namentlich nannte der Angeklagte Ex-Top-Manager Lothar Pauly, der von Siemens zur Telekom gegangen war. Seinen Posten hatte Pauly, gegen den auch die Staatsanwaltschaft ermittelt, wegen der Siemens-Affäre verloren. Paulys Anwalt Kurt Kiethe wies die Vorwürfe zurück. Seinem Mandanten sei von Schmiergeldzahlungen nichts bekannt gewesen.

[...] Bei den Akteuren des Systems sitzt die Angst inzwischen tief. Ein ehemaliger Siemens-Manager berichtete am Dienstag als Zeuge von zahlreichen Korruptionsfällen in Russland, in die auch die Angeklagten verstrickt waren. Er selbst habe einige Generaldirektoren, Techniker und Buchhalter geschmiert. Allerdings wollte der Zeuge keine Namen nennen. "Ich möchte noch ein bisschen länger leben", sagte der pensionierte Manager.

Nachdem Details seiner Aussage vor dem Landeskriminalamt in die US-Medien gelangt seien, habe er Polizeischutz erhalten. Er lehnte nun auch eine Aussage unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab, weil er kein Vertrauen zu den Ermittlungsbehörden in Deutschland mehr habe. Im Gegenzug zu ihren umfangreichen Geständnissen stellte das Gericht den Angeklagten am Dienstag Bewährungsstrafen in Aussicht. Der Technologiekonzern Siemens geht von dubiosen Zahlungen in einer Gesamthöhe von 1,3 Milliarden Euro aus




Aus: "Korruptions-Affäre: Stille Post bei Siemens"
Der zweite Prozess um Korruption legt ein beispielloses Verschleierungssystem im Konzern offen.
Von Markus Balser  (18.11.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/418/337266/text/ (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/418/337266/text/)

Title: [Rettung des Finanzsystems kostet Washington... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 26, 2008, 11:35:53 AM
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[...] Die amerikanische Regierung ist bereit, für die Rettung des Finanzsystems mehr als 7400 Milliarden Dollar aufzubringen - eine Zahl so hoch wie die Hälfte des Bruttoinlandprodukts der USA.

Es ist eine schwindelerregende Zahl: 7400 Milliarden (oder anders ausgedrückt 7'400'000'000'000 oder 7,4 Billionen Dollar) ist die amerikanische Regierung bereit, für die Rettung des Finanzsystems aufzubringen. In der Zahl enthalten sind laut der Nachrichtenagentur Bloomberg 2800 Milliarden an bereits abgerufenen Krediten für Finanzinstitute.

Bei der Rettungsaktion kommen 4400 Milliarden Dollar oder 60 Prozent der Gesamtsumme von der Notenbank. Das vom Kongress verabschiedete Sanierungsprogramm für die Banken (TARP) nimmt sich mit 700 Milliarden dagegen schon bescheiden aus. Die Summe von 7400 Milliarden Dollar entspricht einem Betrag von 24'000 Dollar für jeden amerikanischen Bürger. Sie ist neunmal so hoch wie die Ausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan zusammen und würde ausreichen, um mehr als die Hälfte aller Hypothekendarlehen in den USA abzuzahlen.

Vom Umfang her mit der aktuellen Rettungsaktion mithalten kann nur noch knapp der von Präsident Franklin D. Roosevelt in den Dreissigerjahren eingeführte New Deal, der nach dem Zusammenbruch von 10'000 Banken die amerikanische Wirtschaft wieder auf Trab bringen sollte. Für die Rettung der ins Trudeln geratenen Sparkassen in den Neunzigerjahren legte die damalige Regierung nach heutigem Wert nur gerade 210 Milliarden Dollar hin, wie aus einem Bericht des US-Rechnungshofes von 1996 hervorgeht.

Das jetzt vorgesehene Volumen ist für Ethan Harris der Gefahr angemessen. «Das ist die schlimmste Kapitalmarktkrise der modernen Geschichte», erklärt der Co-Leiter der Volkswirtschaftlichen Analyse bei Barclays Capital. «Deswegen gibt es den stärksten staatlichen Eingriff der modernen Geschichte.»

Als der Kongress das sogenannte Troubled Asset Relief Program am 3. Oktober verabschiedete, hatten Notenbankchef Ben S. Bernanke und Finanzminister Henry Paulson eingeräumt, dass hierbei Transparenz und Aufsicht nötig seien. Jetzt vergeben die Behörden jedoch sehr viel höhere Beträge und legen weder Kreditempfänger noch Kreditsicherheiten offen. Das erregt den Zorn einiger Parlamentarier. «Ob Kredite oder Staatsausgaben, hier werden Steuergelder verwendet und wir sitzen am Ende mit Sicherheiten da, über die wir nichts wissen», kritisiert der republikanische Kongressabgeordnete Scott Garrett. «Es ist Zeit zu prüfen, welche Beschränkungen wir der Fed auferlegen sollten, damit die Entscheidungen wieder von gewählten und nicht von eingesetzten Amtsträgern getroffen werden.»

Gesteuert werden die Ausgabenprogramme zum grössten Teil von der Federal Reserve Bank of New York, deren Präsident Timothy Geithner der nächste Finanzminister der USA sein wird. Begonnen hat es mit der Einführung der Term Auction Facility im vergangenen Dezember, die Kredite an Geschäftsbanken gegen Sicherheiten vergab. Nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Bear Stearns im März stellte das Federal Rerserve auch Investmentbanken Kredite zu den gleichen Konditionen wie den Geschäftsbanken zur Verfügung.

In den drei Jahren vor Beginn der Kreditkrise liehen sich die Banken im Schnitt wöchentlich 48 Millionen Dollar. Vergangene Woche lag die Ausleihungsssumme bei 91,5 Milliarden - rund 1900- mal so viel. Im September, nach der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers, führte das Federal Reserve die Commercial Paper Funding Facility sowie die Money Market Investor Funding Facility ein. Beide Programme haben rund 2400 Milliarden Dollar für den Aufkauf von kurzfristigen Anleihen zugesagt.

Von der Einlagensicherung FDIC kommen weitere Zusagen im Sanierungspaket. Sie gibt Garantien in Höhe von 1400 Milliarden ab. So arrangierte die FDIC Kreditgarantien in Höhe von 139 Milliarden für die Finanztochter von General Electric. Kongress und Finanzministerium bringen 892 Milliarden Dollar in das Rettungspaket ein.

Die Federal Housing Administration hat im Rahmen des Rettungspakets die Befugnis erhalten, Hypothekendarlehen im Volumen von 300 Milliarden Dollar zu garantieren. Die staatlichen Garantien sorgen dafür, dass Geldhäuser aufgrund der besseren staatlichen Bonität weniger Zinsen für Kredite zahlen müssen.

Insgesamt würden die Massnahmen Subventionen von mindestens 6,6 Milliarden jährlich entsprechen, geht aus Berechnungen von Bloomberg hervor. Darüber hinaus haben Bernanke und Paulson bis zu 200 Milliarden für die Sanierung der inzwischen verstaatlichten Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac zugesagt.

(se/Bloomberg)

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L Grob
13:37 Uhr

Es hat keinen Zweck, ein System mit aller Macht reparieren zu wollen, das offensichtlich nicht richtig funktioniert. Wie bereits erwähnt wurde, wird der Schuldenberg niemals abgetragen werden können, auch wenn ein grosser Teil dieses aktuellen Pakets nur aus Garantien besteht. Es kann doch irgendetwas nicht stimmen, wenn jedes Land, selbst die Schweiz, Schulden hat und das ein Normalzustand ist...


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Werner Meier
13:13 Uhr

Und wieso spricht hier niemand von den irrsinnigen Massnahmen der Schweiz? Verglichen zum BIP sind die noch viel höher als die bisherigen Kosten der Pakete in den USA! 68 Mia. und das ist noch nicht alles! Auch etwa 60% der SNB Bilanz! Ca. 15% des BIP der Schweiz. Alles erst für die UBS. Gelder für andere Banken und Konjunkturspritzen noch nicht gezählt! Wacht auf, Schweizer!


Quote
Bastian B.
13:11 Uhr

Es war scho alles einmal da, mann muss nur in die Geschichtsbücher schauen: Great Depression (http://de.wikipedia.org/wiki/Great_Depression). Auf einen unregulierten Kapitalismus folgt eine Finanzkrise, darauf eine Weltwirtschaftskrise und zum Schluss ein Krieg.


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Thomas Allmendinger
12:59 Uhr

Beim Lesen solcher "Rechnungen" bekomme ich ein arithmetisches Problem, welches auf die Frage hinausläuft, wo denn dieses ganze Geld herkommen soll. Mehr Staatsausgaben bei weniger Steuern - wie soll das aufgehen? Staatsanleihen können es bei der bisherigen US-Sparquote Null auch nicht sein. Das geht wohl nur so, dass die Notenbank laufend Geld druckt und "ausleiht", ohne es je zurück zu bekommen.


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Peter Meier
12:55 Uhr

Amerika hat den vollen ernst der Lage begriffen und ist bereit total umzusteuern. Das sollte man auch von den anderen Volkswirtschaften erwarten dürfen. Hier geht es ums Ganze.


Quote
Daniel Peter
11:40 Uhr

Man sollte endlich damit aufhören, diese absurden Zahlenspiele zu machen. Der Grossteil der vorgerechneten Summe besteht aus Garantien und kostet den Steuerzahler a priori einmal nichts, solange nicht das ganze Finanzsystem zusammenbricht, was aufgrund der Staatsaktionen nicht passieren wird.


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John Doze
11:30 Uhr

Eigentlich kann ja nichts schiefgehen, die Leute verschwinden ja nicht einfach so vom Angesicht der Erde. Oder anders Ausgedrückt: Alle arbeiten und niemand hat Geld, das ist das wirkliche Problem!


Quote
A O
11:18 Uhr

Amerika versucht zu retten was noch zu retten ist. Was ist, wenn es trotz allen Versuchen nicht klappt? Wenn die Löcher von Kreditkarten in den Markt hauen, dann kann es ziemlich schnell ziemlich düster aussehen. Irgendwann wird auch Amerika einsehen müssen, dass das Geld schlichtweg nicht mehr ausreicht um alles zu retten, dann wird man einsehen, dass alles eingepumpte Geld vernichtet wurde...



Aus: "Rettung des Finanzsystems kostet Washington neunmal so viel wie der Irakkrieg" (25.11.2008)
Quelle: http://www.bazonline.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Rettung-des-Finanzsystems-kostet-Washington-neunmal-so-viel-wie-der-Irakkrieg/story/29616975 (http://www.bazonline.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Rettung-des-Finanzsystems-kostet-Washington-neunmal-so-viel-wie-der-Irakkrieg/story/29616975)

Title: [Finanzabenteuer... (Cross Border Leasing)]
Post by: Textaris(txt*bot) on November 27, 2008, 10:19:26 AM
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[...] Von der Nordseeküste bis zum Bodensee haben neunmalkluge Kommunalpolitiker in den vergangenen Jahren Stadtwerke, U-Bahnen oder die Müllabfuhr an amerikanische Investoren verkauft und zurückgemietet, um so die Löcher in den öffentlichen Haushalten zu stopfen.



Aus: "Kommentar zum Cross Border Leasing: Kein Einzelfall" VON ANNA SLEEGERS (26.11.2008)
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/1636399_Kein-Einzelfall.html (http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/1636399_Kein-Einzelfall.html)

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[...] Stuttgart. Uli Sckerl hat es vorausgesagt. Der Landtagsabgeordnete und langjährige Kommunalpolitiker der Grünen aus Weinheim warnte schon vor fünf Jahren vor so genannten Cross-Border-Leasing-Geschäften, bei denen Kommunen Infrastrukturbetriebe an US-Investoren verkaufen und wieder anmieten.

Doch die CDU/FDP-Landesregierung lehnte ein Verbot ab. Nun ist das Geschrei groß: Der Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung (BWV) und die Landeswasserversorgung (LWV) erleiden Verluste von 50 Millionen Euro, und der Wasserpreis für vier Millionen Menschen ihres Einzugsgebietes steigt um zwei Cent pro Kubikmeter an.

Die BWV hat 2002 die Wasseraufbereitungsanlage sowie das 1700 Kilometer lange Leitungsnetz an US-Investoren vermietet. Das war wegen der Steuervorteile in den USA günstig - die Wasserversorger erhielten Ausschüttungen von 26 Millionen Euro. Im Gegenzug mieteten sie ihre Infrastruktur zurück, blieben aber zivilrechtlich Eigentümer. Die Trusts oder Fonds waren lediglich wirtschaftliche Eigentümer mit Abschreibungsmöglichkeit - ein Konstrukt, das in den USA 2004 verboten wurde. Doch die deutschen Leasingnehmer überwiesen weiterhin ihre Leasingraten.

Dann kam die Krise. Und mit ihr fielen Finanzdienstleister aus, die die Geschäfte absicherten. Im Falle der schwäbischen Wasserversorger wickelte der US-Versicherungsriese AIG ab. Um die Lücke zu schließen, müssen die Verbände nun US-Staatsanleihen in Höhe von 50 Millionen Euro kaufen. Abgewickelt wird das Ganze am deutschen Fiskus vorbei über eine Stiftung in Amsterdam, da sonst Zinsen in Millionenhöhe anfielen.

"Wer will jetzt noch bestreiten, dass die Bürger für diese hochriskanten Geschäfte zahlen müssen?", fragt Sckerl. Im Falle eines Ausstiegs werde der einstige Barwertvorteil "wie Butter in der Sonne schmelzen". Das hat jetzt auch die Regierung verstanden. Pochten bisher nur SPD und Grüne darauf, Aufgaben der Daseinsvorsorge in der öffentlichen Hand zu behalten, meldete sich nun Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) zu Wort: "Es muss verhindert werden, dass sich solche Finanzabenteuer wiederholen."




Aus: "Cross-Border-Leasing: Finanzkrise lässt Wasserpreise steigen" VON GABRIELE RENZ (26.11.2008)
Quelle: http://www.fr-online.de/top_news/1636290_Finanzkrise-laesst-Wasserpreise-steigen.html (http://www.fr-online.de/top_news/1636290_Finanzkrise-laesst-Wasserpreise-steigen.html)

Title: [Es hat viele Treueschwüre gegeben... (Pflege der Bonner Landschaft)]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 02, 2008, 10:54:27 AM
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[...] Im Februar 1987 verkündete schließlich das Landgericht Bonn nach anderthalbjähriger Verhandlung die Urteile: Eberhard von Brauchitsch wurde wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, die gegen Zahlung von 550.000 DM zur Bewährung ausgesetzt wurden. Otto Graf Lambsdorff und Hans Friderichs erhielten ebenfalls wegen Steuerhinterziehung Geldstrafen von 180.000 bzw. 61.500 DM. Vom Verdacht der Bestechung bzw. Bestechlichkeit sprach sie das Gericht mangels Beweisen frei. Der Politikwissenschaftler Jürgen Treulieb:

Die eigentliche Fragestellung, ob diese Geldzahlungen die Bundesregierung damals beeinflusst haben, die Steuerbefreiung für Flick durchzusetzen, das wurde nicht abschließend geklärt, nur dass Geldzahlungen in diesem Umfang an politische Parteien rechts- und verfassungswidrig waren und ein riesiger politischer Skandal sind, dass kann man wohl sagen.


Zogen die Parteien Konsequenzen aus der Flick-Affäre? Immerhin erstritt sich der Untersuchungsausschuss vor dem Bundesverfassungsgericht erweiterte Kompetenzen und der Bundestag änderte die Parteienfinanzierung. Aber die "Pflege der Bonner Landschaft", wie sie der Flickkonzern betrieben hatte, war damit, so der Journalist Hans Leyendecker, keineswegs Geschichte.

Es hat viele Treueschwüre gegeben, es hat den Ruf nach Katharsis, nach Reinigung gegeben. Und ich beispielsweise hab diesem ganzen Quatsch geglaubt. Also ich weiß noch, Mitte der 80er Jahre: Das kommt alles nie mehr vor! Und ich hab dann 1997 alle Unterlagen weggeworfen, die sich mit Liechtenstein und den Wegen der Parteien beschäftigten, weil ich gedacht habe, das braucht man alles nie mehr, das waren 20, 30, 40 Leitzordner. Und dann kam im Herbst 1999 die Kohl-Affäre, die genau auf den alten Wegen wieder spielte. Man war naiv zu glauben, dass die das wirklich nicht mehr machen würden.



Aus: "Geschichte aktuell: Die "Pflege der Bonner Landschaft"
Vor 25 Jahren begann die Flick-Affäre um schwarze Parteigelder
Von Otto Langels (30.11.2008)
Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/883268/ (http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/883268/)

Title: [Es wäre sehr ungewöhnlich... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 04, 2008, 12:12:00 PM
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[...] So wiederholt Finanzminister Henry Paulson bei jeder sich bietenden Gelegenheit: „Es wäre sehr ungewöhnlich, wenn die Regierung nicht das ganze Geld zurückbekäme.“ Trotzdem verängstigt die schiere Größe der Summe die Öffentlichkeit: Sie fühlt sich überrollt von den alltäglichen Hiobsbotschaften seit Ausbruch der Krise und hat den Überblick über die Hilfsprogramme längst verloren.

Mit dem bislang dicksten Brocken von 3,1 Bill. Dollar versichert die Regierung Anleihen, Geldmarktfonds und die Spareinlagen gegen Ausfall. Die bisher größten Risikopositionen dürften die Verlustübernahme für ein gut 300 Mrd. Dollar schweres Kreditportfolio der Citigroup sowie ein ähnliches Kreditbuch der zusammengebrochenen Investmentbank Bear Stearns sein. In Washington mag derzeit niemand weitere Hiobsbotschaften ausschließen.


Aus: "Staatshilfen - Was kostet die Rettung der Welt?" von Rolf Benders und Matthias Eberle (03.12.2008)
Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/international/was-kostet-die-rettung-der-welt;2102262 (http://www.handelsblatt.com/politik/international/was-kostet-die-rettung-der-welt;2102262)

Title: [Die Credit Suisse befolgt alle geltenden Gesetze... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 04, 2008, 12:14:52 PM
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[...] Im Zeitungsbericht ist die Rede von bis zu 30 Milliarden Dollar, die von Credit Suisse und dem britischen Bankkonzern HSBC für wohlhabende Kunden aus den USA auf Kontos in Übersee transferiert worden sein sollen. Die Untersuchung gegen HSCB und Credit Suisse soll bereits im vergangenen September eröffnet worden sein.

Die Credit Suisse hat laut Angaben ihres Sprechers Jan Vonder Mühll keine Kenntnisse über eine Untersuchung der US-Behörden. «Die Credit Suisse befolgt alle geltenden Gesetze, Richtlinien und Bestimmungen», sagte er. Auch die britische HSBC hat gemäss ihrem Sprecher keine Kenntnis über eine Untersuchung.

Die UBS steht wegen der Steueraffäre unter massivem Druck der USA. Sie hat sich bereits öffentlich für ihr Fehlverhalten entschuldigt und sich aus dem gesamten Offshore-Geschäft mit US-Kunden zurückgezogen. Inzwischen wurde der Chef des weltweiten Vermögensverwaltungsgeschäfts in den USA formell angeklagt.

(ap/schn)


Aus: "Auch Credit Suisse in Steueraffäre verwickelt" (2. Dezember 2008)
Quelle: http://tagesschau.sf.tv/nachrichten/archiv/2008/12/02/wirtschaft/auch_credit_suisse_in_steueraffaere_verwickelt (http://tagesschau.sf.tv/nachrichten/archiv/2008/12/02/wirtschaft/auch_credit_suisse_in_steueraffaere_verwickelt)

Title: [Zur Finanzindustrie und der Pflege von Parteien... (Notiz, BRD)]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 06, 2008, 02:34:55 PM
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[...] Bedacht wurden die CDU mit 5,2 Millionen €, die FDP mit gut 2 Mio., die SPD mit 1,4 Mio., die CSU mit knapp 1 Mio. und Die Grünen mit 0,6 Mio. Euro. Die Partei Die Linke ging leer aus. Das ergab eine gerade veröffentlichte Zusammenstellung der Bundestagsfraktion Die Linke auf der Basis der offiziellen Unterrichtung des Bundestagspräsidenten an den Bundestag. Siehe hier [PDF - 64 KB].

=> http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/081204_Spenden_fuer_Privatvorsorge.pdf (http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/081204_Spenden_fuer_Privatvorsorge.pdf)

[...]

Bemerkenswertes:

   1. Die erfassten Spender umfassen Versicherungen, Banken und Finanzdienstleister wie zum Beispiel die DVAG, zu deren Spitze der ehemalige Kanzleramtsminister Bohl (CDU) gehört.

   2. Schwarz-Gelb und Rot-Grün werden im Verhältnis 4:1 bedient. Das ist ein bisschen schofel, wenn man bedenkt, dass die für die Finanzindustrie ertragreiche staatliche Förderung der Privatvorsorge in der Zeit von Rot-Grün eingeführt wurde. Aber im Verhältnis 4:1 kommt offensichtlich die besondere Nähe von Schwarz-Gelb zur Finanzindustrie zum Ausdruck. Außerdem wussten die Banken und Versicherungen, dass die Beschlüsse pro Privatvorsorge Anfang des Jahrhunderts nicht zustande gekommen wären, wenn es eine Opposition - im konkreten Fall die Opposition von CDU/CSU und FDP neben der der Linken - gegen dieses Vorhaben gegeben hätte. Und immerhin, die Grünen werden inzwischen auch bedacht. Das ist mit Sicherheit ein durch die Privatvorsorge bedingter „Fortschritt“.

   3. Es geht bei diesem Geld um eine indirekte Parteienfinanzierung durch uns Steuerzahler. Wir zahlen Steuern zur Finanzierung der Zulagen und Steuervergünstigungen von Riester- und Rürup-Rente. Diese Förderung wird teilweise und je nach Vertragstyp von der Finanzindustrie komplett für Provisionen, Verwaltungskosten und Anlagekosten sowie für Gewinne vereinnahmt. Genau wissen wir nicht, wie hoch der Gesamtbetrag der Förderung dieser Privatvorsorgeprodukte durch uns Steuerzahler ist. Vermutlich schon über 10 Milliarden € und mit steigender Tendenz.

   4. Gemessen am Gewinn, der durch diese Förderung bei Versicherungen, Banken und Finanzdienstleistern anfällt, ist ein Betrag von knapp über 10 Millionen Spenden in 11 Jahren nicht sonderlich üppig. Die Finanzindustrie knausert. Oder, noch wahrscheinlicher, die Liste enthält noch lange nicht alles, was an Förderung von der Finanzindustrie an die genannten Parteien „zurückerstattet“ wird. Dafür spricht einiges:

   5. Die Spendenübersicht enthält bei weitem nicht alle Zahlungen und anderen Leistungen an die Parteien und die handelnden Politiker/innen:
         1. Spenden an Parteien, die den Betrag von 50.000 € überschreiten, müssen nach einer Neuregelung vom 1.7.2002 dem Bundestagspräsidenten direkt angezeigt und veröffentlicht werden. Spenden über 10.000 €, aber unter 50.000 €, müssen in den Rechenschaftsberichten der Parteien aufgelistet werden. Das kann dauern. Ob also die Zusammenstellung alle diese kleineren Spenden enthält, ist fraglich. Außerdem enthält die Spendenübersicht mit Sicherheit nicht Spenden unterhalb von 10.000 €. Wir können aber davon ausgehen, dass einzelne Unternehmen der Finanzwirtschaft wie örtliche Banken, kleinere Versicherungen, Finanzdienstleister und Versicherungsagenten zumindest viele der örtlichen Parteien und Abgeordneten unterstützen. Wenn nur die Hälfte der Bundestagsabgeordneten, also rund 300, in ihrem Wahlkreis mit nur der Hälfte der möglichen 9.999 Euro als Spende bedacht würden, kämen schon 1,5 Millionen € pro Jahr hinzu.
         2. Die Spendenliste enthält nicht, was einzelne Abgeordnete, Minister und andere im politischen Umfeld an besonders hohen Honoraren für Vorträge und Beratungen erhalten. Auf den Fall Riester haben wir schon mehrmals hingewiesen.
         3. Die Spendenliste enthält nicht indirekte Zahlungen wie zum Beispiel die Unterstützung des Chefs des Finanzdienstleister AWD, Maschmeyer, für den damaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen Gerhard Schröder in dessen Landtagswahlkampf 1998, dessen Sieg wiederum entscheidend war für die Kanzlerkandidatur von Schröder.[...]
         4. Die Liste enthält vor allem nicht jene indirekten Zahlungen, die durch Kooperation der Parteien mit Public Relations-Agenturen laufen. Ich vermute an dieser Stelle ein großes schwarzes Loch.
            In Stichworten: Die Public Relations-Branche und Lobbyarbeit boomt, viele politische Entscheidungen werden über bezahlte Öffentlichkeitsarbeit vorbereitet. Es ist - nehmen wir das Beispiel Privatvorsorge für Alter und Krankheit - ziemlich unproblematisch, wenn eine von der Versicherungswirtschaft beauftragte Public Relations-Agentur gleichzeitig noch einen oder mehrere Politiker/innen - oder sogar ganze Parteien - fördert, also für gute Artikel in Zeitungen und für Fernsehauftritte sorgt.

Trotz dieser ergänzenden Anmerkungen und Einschränkungen ist die Zusammenstellung eine verdienstvolle Tat. Vielleicht reizt der Hinweis auf Lücken zu Ergänzung.




Aus: "Die Finanzindustrie lässt sich seit 1998 die Pflege von Parteien etwas über 10 Millionen kosten"
Von Albrecht Müller  (5. Dezember 2008)
Quelle: http://www.nachdenkseiten.de/?p=3633 (http://www.nachdenkseiten.de/?p=3633)


Title: [Ein innovatives Geschäftsmodell... (DK, Bagger)]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 09, 2008, 11:58:55 AM
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[...] Hells-Angels-Leibwächter, schicke Jetset-Freunde, Nobelbüro und gefälschte Millionenumsätze: Das Doppelleben des dänischen Vorzeigeunternehmers Stein Bagger beschert Dänemark einen Wirtschaftskrimi.

Der Fall des Stein Bagger beginnt mit einem Hammer. Es ist ein Hammer im Wortsinn, der auf Baggers Vertrauten Allan Vestergaard am 24. November niedergeht. Unbekannte schlagen Vestergaard vor seinem Haus nieder. Danach kommt eine Kettenreaktion: Drei Tage später verschwindet Bagger in Dubai, und eine Durchsicht der Bilanzen seines Unternehmens IT Factory zeigt, dass der Chef und Großaktionär vermutlich jede Menge Scheingeschäfte gemacht hat. Geprellt hat Bagger dänische Banken, Prominente und natürlich seine Geschäftspartner.

Während Bagger quer durch die USA reiste, durchkämmte man daheim in Dänemark seine Bücher. Das Verschwinden des Vorstandschefs und der vorherige Überfall auf einen engen Vertrauten müssten zusammenhängen, war die einhellige Meinung im Staate Dänemark. Dafür sprach, dass der Aufsichtsratschef von IT Factory erst von Vestergaards Existenz hörte, als der ihm am Telefon ankündigte, gemeinsam mit Bagger das Unternehmen übernehmen zu wollen. Ein dubioser Übernahmeversuch und ein verschwundener Chef - nun nahm sich Jensby vor, die Finanzen von IT Factory einmal genauer anzuschauen. Im noblen Unternehmenssitz nördlich von Kopenhagen sahen alle Papiere auf den ersten Blick in Ordnung aus. Fündig wurde man in einem zweiten, geheimen Büro. Dort standen reihenweise Ordner mit gefälschten Verträgen; viele der Kunden von IT Factory existierten demnach gar nicht.

Kurz darauf wurde IT Factory zahlungsunfähig erklärt, und der Ärger ging erst richtig los. Die Danske Bank muss vermutlich mehr als 50 Mio. Euro abschreiben und fürchtet um den ohnehin ramponierten Ruf. Das Kreditinstitut hat nicht nur IT Factory finanziert, sondern auch Bagger einen Privatkredit von fast 7 Mio. Euro gewährt. Ernst & Young zog beschämt den gerade erst an Bagger verliehenen Preis zurück. Radsportprofi Bjarne Riis muss sich einen neuen Sponsor suchen, und der Schauspieler Finn Nörbygard, der Anteile an IT Factory hielt, verlor über 10 Mio. Euro. Die Familie von Bagger kann sich das zunächst alles nicht erklären. Dann kommt sie aber doch mit einer Idee, die Bagger selbst übermittelt haben soll: Er sei erpresst und "in die Wirtschaftskriminalität gezwungen worden".




Aus: "Unternehmer auf der Flucht: Wirtschaftskrimi fesselt Dänemark"
von Clemens Bomsdorf (Kopenhagen, 09.12.2008)
Quelle: http://www.ftd.de/koepfe/whoiswho/:Unternehmer-auf-der-Flucht-Wirtschaftskrimi-fesselt-D%E4nemark/449126.html (http://www.ftd.de/koepfe/whoiswho/:Unternehmer-auf-der-Flucht-Wirtschaftskrimi-fesselt-D%E4nemark/449126.html)


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[...] Als sich Bagger am Wochenende nach seinem Verschwinden Richtung Dubai und dann nach Amerika auf einer kalifornischen Polizeistation freiwillig stellte, kam er laut „Los Angeles Times“ im eleganten Armani-Anzug und mit Rolex-Uhr am Handgelenk. Das passte zum Image, das der als überaus charmant und „ungewöhnlich charismatisch“ geltende Fitness-Fanatiker in seiner Heimat um sich verbreitet hatte. Und mit dem es ihm offenbar nicht schwerfiel, Dänemarks größte Bank Danske Bank um 350 Millionen Kronen (35 Million) zu erleichtern und den Ex-Radsportstar Bjarne Riis als Co-Sponser für dessen Profirennstall an der Nase herumzuführen. Die Unternehmensberater von Ernest&Young und das Kopenhagener IT-Fachblatt „Computerworld“ ehrten ihn noch im Herbst mit Preisen für sein „innovatives“ und „erfolgreiches“ Geschäftsmodell.

Das „Modell“ bestand dann schlicht in einem heimlich angemieteten Bürozimmerchen nahe der IT-Factory-Zentrale, in dem Bagger fingierte Leasingverträge anfertigte, um den in Wirklichkeit gegen Null tendierenden Umsatz seines Unternehmens maximal in die Höhe zu treiben. Als der angeblich ahnungslose Partner Asger Jensby das Büro und darin eine Plastiktüte mit den gefälschten Verträgen fand, fiel das Kartenhaus sofort in sich zusammen, und IT Factory meldete Konkurs an. Bagger verschwand spurlos und tauchte wieder auf, nachdem er im Mietwagen von New York quer durch die USA gefahren war. Er soll umgehend ausgeliefert werden.

Nur noch interessanter wurde die Geschichte durch immer neue Details über enge Kontakte Baggers zu dänischen Rockern von den Hell's Angels und heimliche Wohnungen für Seitensprünge nebst Lamborghini im Keller. Peinlich sind die Enthüllungen nicht nur für betroffene Banken, Unternehmensberater und Geschäftspartner, die auf simplen Betrug hereingefallen waren und viel Geld verlieren.

Auch die führenden dänischen Medien feierten Bagger bis zuletzt und machten bereitwillig Spaltenplatz frei für dessen „Erklärungen“ des eigenen Erfolges: „Ich schlafe höchstens drei bis vier Stunden pro Nacht. Manchmal arbeite ich 100 Stunden die Woche.“ Jetzt behauptet die Familie, Bagger sei durch jahrelange „räuberische Erpressung“ zu seinen kriminellen Aktivitäten gezwungen worden.

Auf die Spur der gigantischen Bluff-Nummer kam die allein und zäh im heimischen Keller recherchierende Journalistin Dorte Toft. Hilfe leisteten meist anonym auftretende Blogger. Einige von ihnen mit Insiderwissen wunderten sich auch, warum die führende dänische Bank den Millionen-Betrüger kurz vor seiner Entlarvung noch mit einem persönlichen Überziehungskredit von 50 Millionen Kronen (6,7 Millionen Euro) beglückte. Wo die nervös gewordenen Banken doch sonst im Zeichen der Finanzkrise kaum noch Kreditwünsche erfüllen.

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Ich kann das nicht nachvollziehen
Manfred Tröger (AeneasBonn)

Ich verstehe das nicht. Die dänische Finanzbranche dürfte doch hinreichend warnende Beispiele gehabt haben - nicht zuletzt aus Deutschland. Man denke etwa an Dr. Jürgen Schneider und die Taten, die zu seiner Verurteilung führten. Werden bei solchen Summen die eingereichten Belege und Verträge nicht zumindest stichprobenartig geprüft ? Da kommt einem der Verdacht auf, daß es nur auf den richtigen Auftritt und den richtigen Habitus ankommt - frei nach dem Motto: Wie du kommst gegangen, so wirst du empfangen. Oder wie war das nochmal bei Gottfried Keller ? "Kleider machen Leute" ? Das klingt jetzt etwas böse. Ich kann es aber einfach nicht fassen. Jemand mit mehr Sachkunde in der Finanzbranche, der Psychologie oder Soziologie kann ja gerne etwas dazu schreiben.



Aus: "Dänischer Milliarden-Betrüger Bagger: Mit Rolex, Charme und Rockern" (08. Dezember 2008)
Quelle: http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~E1FC6E1DF4961410E8B90761723B3CB9A~ATpl~Ecommon~Scontent.html (http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~E1FC6E1DF4961410E8B90761723B3CB9A~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

Title: [Das ist ein ganzes Netz... ]
Post by: Textaris(txt*bot) on December 13, 2008, 01:32:59 PM
Quote
[...] [ngo] Ludwig-Holger Pfahls (CSU), der wegen Vorteilsannahme und Steuerhinterziehung verurteilte ehemalige Verfassungsschutzpräsident, Rüstungsstaatssekretär, Daimler-Manager und schließlich Flüchtling, wurde am Donnerstag aus dem Augsburger Gefängnis entlassen. Pfahls hatte vor Gericht ausgesagt, dass er vom Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber mit rund 1,9 Millionen Euro geschmiert worden sei. Auf der Basis eines der Öffentlichkeit unbekannten Deals mit der Staatsanwaltschaft kam er schließlich beim Landgericht Augsburg mit einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten davon. Der Waffenlobbyist hatte noch im Juli gesagt, es sei doch klar, "dass Pfahls hier als Opferlamm verwendet wird für die Politik". Im Rahmen des Verfahrens, des CDU-Parteispendenausschusses, in dem auch die Zahlungen Schreibers und der Panzer-Deal mit Saudi-Arabien untersucht wurden, und in verschiedensten Presseberichten taucht fast alles auf, was Rang und Namen hat. Firmen wie Siemens, Thyssen, Elf, Leuna, Airbus und Daimler. Politiker wie Kohl, Strauß, Koch, Schäuble, Merz, Kiep, Lüthje, Weyrauch, Prinz zu Sayn-Wittgenstein, Möllemann, Scharping, Fischer und Özdemir. Lobbyisten wie Schreiber, Holzer und Hunzinger. Die Berichterstattung liest sich wie ein gewaltiger Polit-Krimi, in dem es bei den Geldzahlungen an Politiker um viele Millionen und bei den Geschäften für die Konzerne um viele Milliarden ging.

Pfahls war nur einer der Akteure, um den es im CDU-Parteispendenausschuss ging. Es ging beispielsweise auch um den Elektroriesen Siemens.

Eine der brisantesten Aussagen in dem Ausschuss machte der ehemalige Generalbevollmächtigte der Schatzmeisterei der Partei, Uwe Lüthje. Seinen Angaben zufolge soll Siemens Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre 8 oder 9 Millionen DM an die CDU gespendet haben. Laut Presseberichten könnten die Zahlungen eine Gegenleistung für "Türöffnerdienste" bei Geschäften mit der DDR gewesen sein. Ältere Spenden sollen von der Siemens-Tochter KWU, damals führend im deutschen Atomgeschäft, geflossen sein.

Neben Siemens spielte im Untersuchungsausschuss auch der französische Konzern Elf Aquitaine eine Rolle. Elf soll Schmiergelder an deutsche Politiker gezahlt haben, um günstige Bedingungen für den Kauf der ostdeutschen Leuna-Raffinerie zu bekommen.

Der ehemalige Elf-Manager Alfred Sirven soll insgesamt geschätzte 1,5 Millarden Mark für die "politische Landschaftspflege" ausgegeben haben. Beim Leuna-Geschäft soll er Schmiergelder an CDU-Politiker verteilt haben. Sirven wurde unter spektakulären Umständen Anfang 2001 auf den Philippinen festgenommen und über Frankfurt in Pariser Haft überstellt.

Bei der Leuna/Minol-Privatisierung sind nach Worten des Schweizer Generalstaatsanwaltes Bernard Bertossa bis zu 256 Millionen Francs (76,33 Millionen Mark) an Schmiergeldern nach Deutschland geflossen. Das Geld sei "ausschließlich an Personen gegangen, von denen manche zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt in Deutschland politische Verantwortung getragen haben".

Der Generalstaatsanwalt Bertossa hatte den deutschen Ermittlungsbehörden im Fall Elf/Leuna rund 60 Aktenordner übergeben und forderte die deutschen Behörden nachdrücklich auf, Ermittlungen aufzunehmen.

Wenn die deutschen Behörden in dem Fall "die Augen verschließen", wäre dies nach Auffassung des Schweizer Generalstaatsanwalts ein "Schlag gegen die Demokratie", fügte Bertossa hinzu. Nach seinem Erkenntnisstand profitierten von dem Leuna-Geschäft mehrere deutsche Staatsbürger, "nicht nur Herr Holzer, nicht nur Herr Pfahls".

Die Schmiergelder von Elf sollen über die Konten des Elf-Lobbyisten Dieter Holzer geflossen sein. Holzer stand zum Zeitpunkt des Verkaufs 1992/93 offenbar in engem Kontakt zu Pfahls.

Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks hat Holzer den Verkauf der ostdeutschen Leuna-Werke an ein Konsortium von Elf und dem deutschen Konzern Thyssen betrieben. Wegen Beihilfe zur Veruntreuuung habe Holzer in Frankreich eine 15-monatige Haftstrafe erhalten.

Holzer gilt als Freund von Max Strauß, dem Sohn des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten. Es gab auch Gerüchte, wonach der "enge Pfahls-Vertraute" Dieter Holzer Pfahls später bei dessen fünfjähriger Flucht behilflich war.

Pfahls hat vor Gericht ausgesagt, von Karlheinz Schreiber 3,8 Millionen DM (rund 1,9 Millionen Euro) erhalten zu haben. Eine Million DM davon habe er im Zusammenhang mit der Lieferung von Spürpanzern der Firma Thyssen nach Saudi-Arabien erhalten. Wofür Pfahls den weitaus größeren Betrag von 2,8 Millionen DM erhalten haben will, wurde in der Medienberichterstattung nicht vertieft.

Schreiber warf Pfahls vor, im Augsburger Schmiergeldprozess ein falsches Geständnis abgelegt zu haben.

Vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags zur CDU-Spendenaffäre soll Schreiber nach eigenen Angaben ausgesagt haben, dass die angeblichen Pfahls-Millionen an CDU und CSU geflossen seien. Schreiber: "Es ist doch klar, dass Pfahls hier als Opferlamm verwendet wird für die Politik."

In den vergangenen Monaten spitzte sich die Diskussion auf Pfahls und die Thyssen-Panzer für Saudi-Arabien zu, möglicherweise um von anderen Dingen abzulenken. Während des ersten Golfkrieges 1991 hat der Bundessicherheitsrat dem Export von 36 ABC-Spürpanzern "Fuchs" nach Saudi-Arabien zugestimmt. Die Lieferung hatte ein Volumen von 400 Millionen Mark.

Im Februar 1991 überwiesen die Saudis nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks an Briefkastenfirmen der beiden Thyssen-Manager Jürgen Maßmann und Wilfried Haastert den "großzügig gerundeten Rechnungsbetrag" für die Panzer. Das Geld floss bereits vor der Genehmigung des Geschäfts.

Weitere sechsstellige Geldbeträge sollen an Schreiber - und über diesen teilweise weiter an Pfahls - sowie an die CDU gegangenen sein.

Später soll beispielsweise Wolfgang Schäuble (CDU) Geld von Schreiber überreicht bekommen haben. Die mediale Diskussion rankte sich vor allem um eine 100.000 DM-Spende, die Schäuble im Anschluss an ein Sponsorenessen am 21. September 1994 von Schreiber am darauffolgenden Vormittag erhalten haben will.

Kurz nach den Geldtransfers Anfang 1991 gaben die Kohl-Regierung und der Bundessicherheitsrat grünes Licht - und das, obwohl die Panzer wegen Lieferschwierigkeiten bei Thyssen zunächst aus Beständen der Bundeswehr abgezogen werden mussten, die sich wenig erfreut gezeigt hatte. Bundeswehr-Generäle hatten sich gegen diesen Deal ausgesprochen.

In früheren Medienberichten fand sich vor diesem Hintergrund eine plausible Begründung für die Annahme von Geldern durch Pfahls: Im September 1990 habe Rüstungsstaatssekretär Pfahls prüfen lassen, ob unter anderem zehn Fuchspanzer an Saudi-Arabien geliefert werden könnten. Im Februar 1991 sei die Exportgenehmigung ergangen, doch Thyssen habe die Panzer nicht liefern können. Deshalb habe der Rüstungskonzern um ein Sachdarlehen von 36 Fuchs-Panzern aus Bundeswehrbeständen gebeten.

Gegen den Widerstand der Heeresleitung soll Pfahls den Deal gestattet haben, heißt es in Presseberichten. Dafür soll er vom Waffenlobbyisten Schreiber das Geld erhalten haben.

In den Panzer-Deal waren möglicherweise noch eine Reihe weiterer Personen involviert. Max Strauß wurde vorgeworfen, er habe 500.000 DM (rund 250.000 Euro) wegen der Panzerlieferung nach Saudi-Arabien erhalten.

Strauß wurde einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge 2003 außerdem vorgeworfen, beim Verkauf von Airbus-Flugzeugen nach Thailand und Kanada 5,2 Millionen DM (rund 2,6 Millionen Euro) Provisionen erhalten und nicht versteuert zu haben. Beide Geschäfte hatte Schreiber eingefädelt.

2002 gab es Spekulationen, wonach auch Jürgen Möllemann (FDP) oder sein Geschäftspartner Rolf Wegener 1991 im Zuge des Thyssen-Panzergeschäfts mit Saudi-Arabien Schmiergelder erhalten haben könnten. Möllemann soll sich damals als Bundeswirtschaftsminister für das Geschäft stark gemacht haben.

Auch der ehemalige indonesische Staatschef Bacharuddin Jusuf Habibie tauchte laut Presseberichten im Zusammenhang mit dem Spürpanzer-Verkauf nach Saudi-Arabien auf. Habibie, der von 1955 bis 1974 in Deutschland lebte, soll mit Kohl und mit Pfahls befreundet sein. Habibie wurde auch im Zusammenhang mit verschiedenen anderen "zweifelhaften Geschäften" genannt.

Auch der Lobbyist und "PR-Berater" Moritz Hunzinger soll einem Bericht des "Stern" zufolge an dem Panzerdeal beteiligt gewesen sein. Hunzinger soll sich an den damaligen Europaabgeordneten Friedrich Merz (CDU) gewandt haben, um für zwei Spitzenmanager von Rüstungsfirmen bei Bundeskanzler Kohl einen gemeinsamen Gesprächstermin zu bekommen.

Bei dem Gespräch mit dem Vorstandschef der Thyssen Industrie AG, Eckard Rohkamm, und dem Vorstandschef der Werft Bloom & Voss, Peter Beer, sollte demnach der geplante Export von Spürpanzern und U-Booten erörtert werden. Merz dementierte dies.

Nach Recherchen der "Wirtschaftswoche" hat Hunzinger zwischen 1990 und 1999 mehr als eine Million DM an Parteien gespendet. Aus einer Aufstellung Hunzingers gehe hervor, dass dieser zwischen 1990 und 1999 genau 1,057200 Millionen DM an die Parteien gespendet habe.

In den Rechenschaftsberichten der Parteien seien hingegen nur 437.000 DM aufgelistet. Grund für die Differenz sei, dass Hunzinger "über mindestens drei seiner Unternehmen sowie als Privatperson" häufig Summen von etwas weniger als 20.000 DM angewiesen habe, die nicht veröffentlichungspflichtig waren. Am meisten profitiert habe gemäß der Hunzinger-Liste die FDP.

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat von Hunzinger offenbar 200.000 DM bekommen. Der Grünen-Politiker Cem Özdemir soll von Hunzinger einen günstigen Kredit in Höhe von 80.000 DM erhalten haben.

Auch Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) wurde von Hunzinger bezahlt. Er hatte im September 1998 noch als Grünen-Fraktionschef eine Rede vor Wirtschaftsführern in Frankfurt am Main über "grüne Politik" gehalten. Wie Hunzinger der "Bild"-Zeitung sagte, sei dafür ein Honorar von 19.999 Mark geflossen.

Gegen den ehemaligen Verteidigungsminister Rudolph Scharping (SPD) wurden 2002 Vorermittlungen aufgenommen. Scharping soll von Hunzinger 140.000 DM erhalten haben.

Hunzingers großzügige PR-Hilfe für den Minister soll laut "Stern" auch im Zusammenhang mit der Tätigkeit des PR-Unternehmens für die Rüstungsunternehmen Ferrostaal und Howaldswerke Deutsche Werft (HDW) gestanden haben. Hunzinger soll den Minister, nach einer kostenlosen PR-Beratung, zu einem vertraulichen Gespräch mit dem damaligen Ferrostahl-Manager und heutigen HDW-Vorstand Hanfried Haun geführt haben.

Haun habe damals intensiv für eine Unterstützung der Bundesregierung für die angestrebte Lieferung von U-Booten nach Ägypten geworben. Nach Angaben des Stern soll Scharping noch im selben Monat bei einem Besuch mit der ägyptischen Regierung darüber gesprochen haben.


Aus: "Rüstungsgeschäfte - Ist Pfahls das Bauernopfer eines langjährigen Polit-Thrillers?" (01. September 2005)
Quelle: http://www.ngo-online.de/ganze_nachricht.php?Nr=11764 (http://www.ngo-online.de/ganze_nachricht.php?Nr=11764)


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[...] [Die] Leuna-Affäre war die von einem Teil der Medien und der rot-grünen Opposition verwendete Bezeichnung für angebliche Schmiergeldzahlungen an deutsche Politiker im Zuge der Privatisierung der Leunawerke und des Mineralölkonzerns Minol 1990/91.

[...] Nach der Wiedervereinigung erfolgte eine Privatisierung des DDR-Vermögens durch die Treuhandanstalt. Hierzu gehörte auch die Leuna-Raffinerie und die zum Zeitpunkt der Verhandlungen bereits sehr profitable Minol. Es bestand der vielfach öffentlich geäußerte politische Wunsch von Frankreichs Präsidenten François Mitterrand und Kanzler Helmut Kohl, dass diese beiden Unternehmen an den französischen Konzern Elf Aquitaine verkauft werden sollte. Dies sollte ein Symbol für das französische Engagement in Ostdeutschland sein und die Zahl der Wettbewerber auf dem deutschen Ölmarkt erhöhen. Der Verkauf erfolgte dementsprechend 1990/91.

Das kaufmännische Interesse von Elf selbst war zuerst eher gering. Die erworbene Raffinerie musste mit Milliardenaufwand quasi neu gebaut werden. Hinzu kamen umfangreiche Altlasten in Leuna. Ein Bedarf an zusätzlichen Raffineriekapazitäten bestand nicht. So konnte der Verkauf nur um den Preis einer hohen Subventionszusage erfolgen. Anders lag es bei der Minol. Das Unternehmen war Marktführer in den neuen Bundesländern und sehr profitabel.

Weitere Interessenten an Leuna und Minol waren die BP-Gruppe, die Tamoil-Gruppe und das kuwaitische Unternehmen Q8.

[...] In den Jahren 1992 und 1993 erfolgten Schmiergeldzahlungen in Höhe von 47 Millionen Euro aus Schwarzgeldkassen von Elf. Als Drahtzieher des dubiosen Transfers gilt der ehemalige Elf-Manager Alfred Sirven In Frankreich wurden dafür verantwortliche Manager verurteilt, der ehemalige Konzernchef der Elf Aquitaine, Loïk Le Floch-Prigent, wurde zu 3 Jahren Haft verurteilt; Sirven zu 5 Jahren. Die Angeklagten erklärten, die Mittel wären im Rahmen der Leuna-Privatisierung geflossen.

[...] In Folge des Schmiergeldprozesses in Frankreich wurde von interessierter Seite mehrfach die Verwicklung bundesdeutscher Politiker behauptet. Insbesondere wurde nach dem Regierungswechsel 1998 Burkhard Hirsch als "Sonderermittler" eingesetzt, um Belege dafür zu finden, die Regierung Kohl hätte einen Teil der entsprechenden Regierungsakten während des Regierungswechsels 1998 verschwinden lassen. Siehe hierzu Hauptartikel: Bundeslöschtage.

Einen Hinweis auf Zahlungen an deutsche Politiker konnte nicht gefunden werden. Ein Untersuchungsausschuss wurde nicht eingesetzt.

Die betroffenen Mitglieder der Regierung Kohl verwiesen immer auf die geringe Attraktivität von Minol und den von Anfang an bestehenden politischen Wunsch des Verkaufs an ELF. Eine Bestechung wäre daher überflüssig gewesen.

[...] Trotz massiven politischen Drucks, der Bundesanwalt möge die Ermittlungen an sich ziehen, wurden alle Ermittlungen der Staatsanwaltschaften in Deutschland mangels Tatverdacht eingestellt.

Angestoßen wurden die staatsanwaltlichen Untersuchungen durch einen Bericht der französischen Untersuchungsrichterin Eva Joly, die von Paris aus die Elf-Aquitaine-Schmiergeldaffäre aufdeckte. In einer Zusammenarbeit zwischen Joly und dem Genfer Ermittler Paul Perraudin wurden Unterlagen auch an die deutschen Behörden weitergeleitet.

Laut den Ermittlungen der Genfer Staatsanwälten und der Untersuchungsrichterin Eva Joly passierte folgendes im Privatisierungsskandal Leuna-Minol: Die Lobbyisten Dieter Holzer und der ehemalige Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Ludwig-Holger Pfahls, inszenierten regelrechte Transaktionskaskaden. Zwischen 1987 und 1997 bewegten sie laut der Genfer Staatsanwaltschaft 130 Millionen Euro zwischen Liechtensteiner Trusts, Schweizer und Luxemburger Banken, Offshore-Firmen auf Antigua und in Panama. Der Genfer Untersuchungsrichter Paul Perraudin sieht darin eine „unsinnige wirtschaftliche Struktur, die einen konkreten Verdacht der Geldwäscherei begründet“. Unzählige Devisen- und Kassageschäfte zwischen den gleichen Banken über Konten eines anderen wirtschaftlich Berechtigten sind klassische Geldwaschtransaktionen. Das Verwirrspiel dieser Kick-back-Überweisungen dient dazu, den Fluss des Geldes und die Identität des Empfängers zu verschleiern.

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Aus: "http://de.wikipedia.org/wiki/Leuna-Aff%C3%A4re"
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Leuna-Aff%C3%A4re (http://de.wikipedia.org/wiki/Leuna-Aff%C3%A4re) (7. Dezember 2008)

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[...] Der Begriff Bundeslöschtage bezeichnet die vermutete Vernichtung von Akten des Kanzleramts am Ende der Regierungszeit von Helmut Kohl im Oktober/September 1998, die zum Gegenstand eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages wurde. Inzwischen ist rechtsverbindlich festgestellt, dass der "Vorwurf der rechtswidrigen zentralen Datenlöschung .. unbegründet" ist. Warum bestimmte Akten verschwunden sind, wurde nicht geklärt.

[...] Im Bericht des Untersuchungsausschusses, der unter der Leitung von Burkhard Hirsch (FDP) arbeitete, wurde behauptet, dass Akten zu folgenden Themen unvollständig seien oder geheime Akten möglicherweise vollständig vernichtet worden seien:

    * Akten zum Verkauf des Spürpanzers Fuchs an Saudi-Arabien 1991
    * Akten zur Privatisierung von Leuna und Minol
    * Akten zu Airbuslieferungen
    * Akten zu MBB-Hubschraubern an Kanada in den 1980er Jahren
    * Akten zur Privatisierung der Eisenbahnwohnungsgesellschaften
    * Akten zum Wirtschaftsgipfel Halifax
    * Akten zum Schriftwechsel des Bundeskanzleramtes mit dem Kaufmann Karlheinz Schreiber

Der ehemalige Chef des Bundeskanzleramts, Friedrich Bohl, gab vor dem Ausschuss an, keine Weisung an Mitarbeiter zur Löschung und Vernichtung von Daten ausgegeben zu haben.

Der durch Hirsch maßgeblich geprägte Bericht konnte die behauptete Aktenvernichtung nicht nachweisen - dass Akten verschwunden waren, stand allerdings außer Frage.

[...] Laut Aussage des ermittelnden Staatsanwalts Georg Linden[1] ergaben die Ermittlungen, dass im Zuge des Regierungswechsels 1998 tatsächlich Datenbestände gelöscht worden waren.

Dass es sich um zentral angeordnete umfangreiche Löschung handelt, konnte jedoch widerlegt werden. Die Fraunhofer-Gesellschaft erklärte gegenüber der Staatsanwaltschaft in ihrem Gutachten vom 29. Juli, für Datenlöschungen im Zeitraum September/Oktober 1998 gebe es keine direkten Anhaltspunkte aus den Festplatten des zentralen Servers im Bundeskanzleramt[2].

Unerörtert blieb bei dem gesamten Vorgang, ob die Löschung von Daten zwar strafrechtlich irrelevant ist, jedoch gegen die Bestimmungen des Bundesarchivgesetzes verstieß, gemäß dem allen Behörden und Stellen des Bundes die Anbietung aller ihrer Unterlagen an das Bundesarchiv zur gesetzlichen Pflicht gemacht wird. Nach diesem Gesetz darf allein das Bundesarchiv darüber entscheiden, ob Daten und Unterlagen gelöscht oder aber dauerhaft aufbewahrt werden.[3]

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Aus: "Bundeslöschtage" (1. November 2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesl%C3%B6schtage (http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesl%C3%B6schtage)

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[...] Ludwig-Holger Pfahls (* 13. Dezember 1942 in Luckenwalde) war Mitglied der CSU, von 1985 bis 1987 Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz und von 1987 bis 1992 Staatssekretär im deutschen Bundesministerium der Verteidigung.

Im April 1999 erwirkte die Staatsanwaltschaft in Augsburg einen Haftbefehl gegen Pfahls. Ihm wird Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien vorgeworfen. Pfahls tauchte unter und wurde 5 Jahre später, am 13. Juli 2004, in Paris verhaftet und am 20. Januar 2005 an Deutschland ausgeliefert. Am 3. August 2005 wurde Pfahls durch die Aussage des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl entlastet, indem dieser die eigene Verantwortung für ein Panzergeschäft mit Saudi-Arabien bestätigte. Pfahls entging dadurch dem Vorwurf der Bestechlichkeit und wurde am 12. August 2005 wegen Vorteilsannahme und Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe von 2 Jahren und 3 Monaten verurteilt. Pfahls hatte gestanden, von Karlheinz Schreiber für Rüstungsgeschäfte rund zwei Millionen Euro Schmiergeld auf ein Schweizer Tarnkonto angenommen und nicht versteuert zu haben.

Der frühere CSU-Politiker wurde im September 2005 nach 13 1/2 Monaten Haftzeit (der Hälfte seiner Haftstrafe von 27 Monaten mit Anrechnung der Zeit in Untersuchungshaft) entlassen.

[...] 1985 wurde Pfahls Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz. 1987 holte ihn der damalige Verteidigungsminister Manfred Wörner (CDU) auf Vorschlag von Strauß als beamteten Staatssekretär in das Ministerium. Er war dort verantwortlich für Rüstungskontrolle, Beschaffung und Export von Waffen. Im Rahmen dieser Tätigkeit wird ihm seit 1999 Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung vorgeworfen.

2000 schloss die CSU Pfahls wegen rückständiger Mitgliedsbeiträge aus der Partei aus.

[...] Wie am 10. Oktober 2005 in den ARD-Nachrichten und dem abendlichen Nachrichtenmagazin Report München gemeldet, wurde Pfahls bei seiner langwährenden Flucht unterstützt durch die Geheimdienste D.S.T. und Direction Générale de la Sécurité Extérieure in Frankreich, die ihn u. a. unbemerkt jeweils durch die Personenkontrollen diverser Flughäfen geschleust haben sollen, um sowohl die ruhende Elf Aquitaine- als auch die Leuna-Affäre nicht zeitlich unpassend aufzurühren.

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Aus: "Ludwig-Holger Pfahls" (2. Oktober 2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig-Holger_Pfahls (http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig-Holger_Pfahls)

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[...] Dieter Holzer (* 1943 in Quierschied, Saarland) ist ein deutscher Kaufmann und Lobbyist, der im Umfeld der Leuna-Affäre bekannt wurde. Holzer ist seit 2005 Gegenstand staatsanwaltlicher Ermittlungen.

Holzer heiratete 1967 Souade Salyoun, eine Cousine des ehemaligen libanesischen Staatspräsidenten Amin Gemayel. Er besitzt heute Immobilien in der ganzen Welt.


Leuna-Affäre:

Bekannt wurde Holzer im Rahmen der sogenannten Leuna-Affäre. Hierbei sollen im Zuge des Erwerbs der Leuna-Raffinerie und des Mineralölkonzern Minol durch den französischen Konzern Elf Aquitaine 1990/91 Schmiergelder geflossen sein.

Der Konzern Elf Aquitaine verpflichtete Holzer als Berater. Holzer verdiente an diesem Posten ca. 50 Millionen Mark.

Im Vorteilsnahmeprozess um den französischen Ölkonzern Elf, wurde Holzer in Abwesenheit in Paris [1] zu 15 Monaten Haft und zu 1,5 Millionen Euro Geldstrafe verurteilt. Holzer könnte, mit seiner Zustimmung, zur Strafvollstreckung nach Frankreich ausgeliefert werden [2]. Dieselben Strafen erhielt Holzers damaliger Verhandlungspartner, der pensionierte stellvertretende Leiter der Direction de la surveillance du territoire Pierre Lethier.

Für den an Milliarden Subventionen gekoppelten Kauf der Leuna Raffinerie und des ostdeutschen Minol-Tankstellennetzes hatten Holzer und Lethier 1993 umgerechnet 39 Millionen Euro kassiert. Vor Gericht hatten beide dies als branchenübliche Beraterhonorare bezeichnet und den Verdacht zurückgewiesen, mit dem Geld seien deutsche Parteienvertreter geschmiert worden. Holzer wurde verurteilt, 39 Millionen Euro Schmiergelder zurückzahlen.

 Reisehilfe für Holger Pfahls [Bearbeiten]

Am 3. Juli 2008 wird Holzer in Augsburg vor Gericht gestellt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Geschäftsmann uneidliche Falschaussage in einem Prozess gegen Max Strauß vor. »Vor allem aber geht es um den Vorwurf der Strafvereitelung. Die Anklage sieht als erwiesen an, dass Holzer [3] zumindest die letzten 19 Monate der Flucht von Pfahls in Frankreich organisiert und finanziert haben soll.« [4] Dieter Holzer hat eingeräumt dem ehemaligen Verteidigungsstaatssekretär Holger Pfahls bei einer überraschenden Reise geholfen zu haben. Nach einer Absprache zwischen Richter, Staatsanwalt und Verteidiger hatte Holzer eingeräumt, dem früheren Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls auf dessen fünfjähriger Flucht mit Kontakten und Geld geholfen zu haben. Die Absprache war bei einem Treffen am Mittwochnachmittag den 23. Juli 2008 getroffen worden. Holzer ist vom Landgericht Augsburg zu neun Monaten auf Bewährung und einer Geldauflage von 250.000 Euro verurteilt worden. Das Gericht verzichtete weitere Zeugenvernehmungen, auch auf die für Donnerstag 24. Juli 2008 vorgesehene von Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Siegfried Lengl[5] (CSU) [6]. Da das Strafmaß unter 12 Monaten blieb, bleibt Holzer Beamter [7].


 Anmerkungen:

   1. ↑ deutsche welle 18.03.2003 Elf Corruption Trial Reaches French Courts [1]
   2. ↑ manager-magazin 01.06.2007 Keine Lust auf Frankreich [2]
   3. ↑ ZEIT ONLINE 36/2001 Holger Pfahls gesucht, Dieter Holzer gefunden [3]
   4. ↑ Spiegel-online 2. Juli 2008 Die endlose Affäre des Schattenmanns [4]
   5. ↑ DER SPIEGEL 40/1989 vom 02.10.1989 Siegfried Lengl [5]
   6. ↑ Süddeutsche Zeitung 24.07.2008 Holzer kommt mit Bewährungsstrafe davon [6]
   7. ↑ Saar-Echo 12.10.2005 Geheimdienste und Politik: Wer lenkt wen? [7]



 

Aus: "Dieter Holzer" (23. November 2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Holzer (http://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Holzer)


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[...] Karlheinz Schreiber (* 25. März 1934 in Petersdorf (Thüringen)) ist ein deutscher Waffenhändler, der mehrfach deutsche Politiker mit Millionenbeträgen bestochen haben soll. Er gilt als eine der Schlüsselfiguren in der CDU-Spendenaffäre um Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble sowie im Prozess gegen Max Strauß. Schreiber war langjährig ein herausgehobenes CSU-Mitglied, bedingt durch sein besonderes langjähriges Vertrauensverhältnis zu Franz-Josef Strauß bzw. seiner Nähe zur Familie Strauß. In dem mehrfach z. B. in der Süddeutschen Zeitung ausschnittsweise veröffentlichtem Terminplaner fanden sich neben Geldsummen die mit Decknamen bezeichneten Empfänger (mutmaßlich z. B. „Maxwell“ für Max Strauß) auch die Namen weiterer lokaler Persönlichkeiten, z. B. des früheren Landrates (Landkreis Landsberg) und Bezirkstagspräsidenten (Bezirkstag von Oberbayern) Erwin Filser und anderen.

Schreiber und Schäuble:

Große Öffentlichkeitswirksamkeit erzielte der Umstand, dass Wolfgang Schäuble von Schreiber 100.000,- DM entgegennahm. Der Verbleib dieser Zahlung konnte bis heute nicht geklärt werden. Weitere Spendenbeträge konnten zum Teil von der CSU noch nachträglich legalisiert werden.[1]

Schreiber und Pfahls:

Außerdem hat der Rüstungslobbyist Schreiber den Staatssekretär Ludwig-Holger Pfahls mit 3,8 Mio. D-Mark (etwa 1,9 Mio. Euro) bestochen, um eine schnelle Lieferung von „Fuchs”-Panzern nach Saudi-Arabien zu ermöglichen. Pfahls befand sich von 1999 bis Juli 2004 auf der Flucht, als er schließlich in Paris verhaftet wurde. Nach dem umfassenden Geständnis im August 2005 nach einem Handel mit der Staatsanwaltschaft verurteilte ihn das Landgericht Augsburg nur zu 2 Jahren und 3 Monaten Haft wegen Vorteilsnahme und Steuerhinterziehung. Da Pfahls die Untersuchungshaft im Ausland angerechnet wurde, galt bei der Augsburger Urteilsverkündung die Strafe als verbüßt und er verließ das Gericht als freier Mann. Eine der vielen offenen Fragen rund um die CSU-Spendenaffären ist, warum Herr Pfahls sich angesichts des geringen ihm nachgewiesenen Straftatumfanges anfangs derart bemühte, für die Ermittlungsbehörden spurlos verschollen zu bleiben.

FMS:
In der Gesellschaft FMS, die der Familie Strauß gehörte, war Schreiber bis 1996 Direktor. Damals war gegen Schreiber bereits ein Ermittlungsverfahren eröffnet, sein Haus in Kaufering war durchsucht worden. Ebenfalls wurde das Haus seines privaten Vermögensverwalters Reiter sowie dessen Büro durchsucht. (Herr Reiter ist Direktor der Sparkasse Landsberg am Lech.)

[...] Schreiber ist zur Zeit in Auslieferungshaft in Kanada. Er besitzt außer der deutschen auch die kanadische Staatsangehörigkeit.

In Deutschland ist ein Haftbefehl gegen Schreiber anhängig. Gegen eine drohende Auslieferung wehrt er sich seit 1999 mit juristischen Mitteln. Am 8. März 2006 gab das höchste Berufungsgericht der kanadischen Provinz Ontario in Toronto bekannt, dass die Berufung Schreibers gegen die Auslieferungsentscheidung des kanadischen Justizministeriums vom Oktober 2004 abgelehnt wurde. Schreibers Anwalt gab nach der Entscheidung bekannt, dass der Fall vor den Supreme Court of Canada, vergleichbar dem deutschen Bundesgerichtshof, gebracht würde. Die von drei Amerikanern eingereichte Verfassungsbeschwerde gegen das Auslieferungsgesetz Kanadas wurde im Juli 2006 jedoch abgewiesen. Die juristischen Möglichkeiten Schreibers, sich einer Auslieferung an die Bundesrepublik Deutschland zu entziehen, hatten sich somit praktisch erschöpft.

Anfang Februar 2007 befand sich Schreiber laut Presseberichten schließlich in kanadischer Auslieferungshaft. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass zumindest ein Teil der Vorwürfe gegen Schreiber bis zu seiner endgültigen Auslieferungsentscheidung in Kanada verjährt sind und deshalb nicht mehr vor einem deutschen Gericht verhandelbar sind.

Nach Informationen der Augsburger Allgemeinen kam Schreiber zwischenzeitlich wieder auf freien Fuß. Das höchste Berufungsgericht der kanadischen Provinz Ontario entließ ihn am Donnerstag, dem 8. Februar 2007, aus der Auslieferungshaft, jedoch wurde er Anfang Mai 2007 wieder inhaftiert. Am 10. Mai 2007 scheiterte Schreibers Einspruch gegen die Auslieferung an diesem Berufungsgericht.

Am 24. März 2007 brachte er eine Klage beim Obersten Gericht der kanadischen Provinz Ontario gegen Brian Mulroney, den ehemaligen konservativen Premierminister von Kanada, wegen Vertragsbruches ein. Er behauptete, Mulroney hätte ihm zwischen 1993 und 1994 versprochen, finanzielle und politische Hilfe gegen Zahlung von 300.000 CAD für den Bau einer Transportpanzerfabrik in Québec zu leisten. Mulroney soll diese Hilfe aber nicht gewährt haben.

Seine Klage bezüglich seiner Auslieferung wurde von einem Bundesrichter in Halifax am 11. Juni 2007 zurückgewiesen. Zu diesem Zeitpunkt blieb ihm als einziges Rechtsmittel nur noch ein Einspruch am obersten Gerichtshof von Kanada, welcher zunächst im Oktober 2007 zurückgewiesen wurde.[2]

Am 5. November reichte Schreiber durch seinen Anwalt Edward Greenspan eine Erklärung beim Obersten Gericht Ontarios ein. Die Erklärung enthielt einige Vorwürfe, u. a. den, dass Mulroney noch im Amt war, als er den Vertrag beschlossen habe, und dass der jetzige konservative Premierminister Stephen Harper durch Mulroney einen Brief von Schreiber erhalten haben soll. Diese Äußerungen sorgten für großen Wirbel in den Medien. Harper berief einen Untersuchungsausschuss, versprach seine Zusammenarbeit und verbot den Kontakt zwischen Mitgliedern der Fraktionssitzung und Mulroney während der Untersuchung.

Am 13. November 2007 berief Harper eine unabhängige Untersuchungskommission, nachdem Mulroney diese persönlich gefordert hatte.[3]

Am 15. November 2007 scheiterte Schreibers Antrag für die Aufhebung des Auslieferungsbefehls. Der kanadische Justizminister Rob Nicholson sicherte aber einen Aufschub bis zum 1. Dezember zu. Es bleibt Schreiber nun eine letzte Möglichkeit, den Auslieferungsbefehl beim Obersten Gerichtshof anzufechten, sofern der Gerichtshof seinen Antrag überhaupt annimmt.[4] Am 30. November 2007 gewährte das Berufungsgericht der Provinz Ontario Schreiber eine weitere Frist, um erneut vor dem Obersten Gerichtshof gegen seine Ausweisung nach Deutschland vorgehen zu können. Am 4. Dezember 2007 entschied das Berufungsgericht der Provinz Ontario, Schreiber gegen eine Kaution von 1,3 Millionen kanadischen Dollar vorerst wieder freizulassen.[5]

Politiker in der kanadischen Opposition wollen die Auslieferung verzögern, damit Schreiber für eventuelle Aussagen vor dem Untersuchungsausschuss zur Verfügung steht.

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Aus: "Karlheinz Schreiber" (1. Dezember 2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Karlheinz_Schreiber (http://de.wikipedia.org/wiki/Karlheinz_Schreiber)


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[...] Eva Joly (* 5. Dezember 1943 in Grünerløkka, Oslo) ist eine Juristin. Sie erlangte vor allem in Frankreich und Norwegen, aber auch international den Ruf einer gnadenlosen und unbestechlichen Kämpferin gegen die Korruption.

[...] Eva Joly wurde 2002 in Oslo mit der Bildung einer Anti-Korruptions-Kommission betraut, die als Sonderkommission mit der Bekämpfung von Korruption, Geldwäsche, Wirtschaftskriminalität und organisierter Kriminalität beauftragt ist. Das Ziel der Kommission ist es zudem, die internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen die Korruption zu fördern.

[...] Trotz Einschüchterungen, Einbrüchen in ihr Haus und das Büro, illegalem Abhören und Morddrohungen deckte Eva Joly in der Zeit ihrer Tätigkeit als Untersuchungsrichterin den größten europäischen Korruptionsskandal in der Geschichte auf. Dieser ging durch die internationale Presse als Elf-Aquitaine-Schmiergeldaffäre. Anfangs fielen der Untersuchungsrichterin lediglich verdächtige Börsengeschäfte des Staatsunternehmens Elf Aquitaine auf. Diese anfänglichen Unregelmäßigkeiten führten zwischen 1995 und 2002 zu einer mehrjährigen Untersuchung, an deren Ende der Staatsanwaltschaft 37 Angeklagte übergeben wurden. Unter ihnen befanden sich höchstrangige Politiker und Manager. Insgesamt 30 der zunächst 37 Angeklagten aus der französischen und internationalen obersten Gesellschaft wurden auch verurteilt.

Der ehemalige französische Außenminister und Vorsitzender des Conseil Constitutionel des französischen Verfassungsrates, Roland Dumas, war einer der Angeklagten. Er wurde jedoch in der Berufungsinstanz freigesprochen. Unter anderem waren der Präsident des Konzerns, Loïk Le Floch-Prigent, sowie Alfred Sirven, der zweite Mann im Unternehmen auf der Anklagebank.

Insgesamt zweigten die Manager € 300 Mio. ab und erkauften sich wichtige Personen in der internationalen Politik.

Auch in Deutschland hat die Arbeit von Eva Joly große Wellen geschlagen. Ihre Ermittlungen wurden in Deutschland als Leuna-Affäre politisch aufgegriffen. Über Verdächtigungen und Anfangsverdachte kam die Affäre in Deutschland nicht hinaus.

In ihrem Buch Im Auge des Zyklons beschreibt Sie auf packende Weise, wie sie durch ihre Ermittlungen Opfer von Einschüchterungs- und Morddrohungen wurde, die Reaktionen der höchsten Männer Frankreichs auf eine Frau, die es wagt, denjenigen, die sich in einer „Straffreien Zone“ bewegen, wie sie es nennt, unangenehme Fragen zu stellen.

[....]

Eva Joly - Im Auge des Zyklons - ISBN 3-570-50051-9


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Eva_Joly (http://de.wikipedia.org/wiki/Eva_Joly)  (21. Oktober 2008)


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Quote
[...] Eva Joly klärte als Untersuchungsrichterin in Frankreich die Elf Aquitaine-Affäre auf – gegen heftigste Widerstände. Ihre Erkenntnis über vermeintliche Eliten und Korruption: Abzockerei, schwarze Kassen, Kickbacks an Manager für geleistete Helferdienste, sind nicht Ausnahme, sondern Teil des Systems. Den Fall Siemens hat sie kommen sehen.

Ist der Kampf gegen Korruption sinnlos?
[Eva Joly]: Nein. Es ist wichtig, die Spitzen zu packen. Die kleinen Fälle bringen nichts. Wir sehen es jetzt bei Siemens und wir werden es bei andern demnächst noch erleben. Auch bei der Deutschen Bank, wo es um russisches Geld geht. Warten Sie es ab. Auch in Großbritannien werden wir noch einiges erleben. Einige der Fälle kenne ich sehr gut. Es wird zu Urteilen gegen Bankiers, Manager und Anwälte kommen. Wenn sie ihre Lizenz verlieren und der eine und andere bis zu zehn Jahren verurteilt wird, hat das seine Wirkung.

Sie mussten 50 Jahre alt werden, bis ...
...ich merkte, dass das Spiel in Wirtschaft und Politik anders läuft, als ich früher dachte. Heute wundere ich mich über meine damalige Naivität.

Sie stachen als Untersuchungsrichterin in ein Wespennest, weil Sie in Frankreich hochrangige Manager und Politiker der Korruption überführten.
Ich war früher auf unterer Stufe als Juristin und Richterin tätig und ich hatte nie das Gefühl, in einer Schattenwelt zu leben. Ich glaubte an die Institutionen, für die ich arbeitete und an die Rechtschaffenheit der Mächtigen oder zumindest an die Kontrollinstanzen, die die Mächtigen kontrollieren sollten.

Das änderte sich radikal, als Sie als Ermittlerin im Dienst des französischen Finanzministeriums eine Staatsaffäre auslösten.
Es fing ganz klein an. Da irgendwelche Betrügereien, dort Hinweise auf alltägliche Korruption. Bis ich nach und nach feststellte: Das ist ein ganzes Netz. Je weiter ich ermittelte, an umso höhere Stellen in Staat und Wirtschaft geriet ich. Es nahm gespenstische Dimensionen an.

Hintergrund war der damalige Staatskonzern Elf Aquitaine, dessen kriminelle Spur durch ganz Europa führte, auch nach Genf.
Ja, in dem damaligen Generalstaatsanwalt von Genf, Bernard Bertossa und der Untersuchungsrichter Paul Parraudin hatte ich Verbündete. Sie zeichneten minutiös die Schwarzgeldflüsse im Elf-Konzern nach. In drei Jahre summierten sich die Unterschlagungen auf 2,5 Milliarden Franc, die Elf-Manager auf Schweizer Bankkonten bunkerten. Das entsprach der Hälfte des Konzerngewinns.

Oft werden schwarze Kassen über komplizierte Firmen und Anlagekonstruktionen im Ausland angelegt, offenbar auch bei Siemens. Deutsche Ermittler kommen da kaum ran.
Es hat sich schon einiges bewegt. Vor allem die Grossbanken wollen aus eigenem Interesse verhindern, dauernd negativ in die Schlagzeilen zu kommen. Die Schwachpunkte liegen anderswo. In der Schweiz zum Beispiel erhalten Untersuchungsrichter auch bei strafrechtlich schwerwiegenden Vorgängen nur mit sehr viel Mühe Kontoeinsicht. Jeder einzelne Schritt kann vom Kontoinhaber mit Einsprachen verzögert werden. Das wird natürlich laufend gemacht.

Das Recht des Beschuldigten ist ein Grundrecht.
Einverstanden. Das ist wichtig. Aber es ist ebenso wichtig, Kriminelle schneller zu überführen. Über 90 Prozent aller Einsprachen in Wirtschaftsverfahren werden letztlich abgelehnt. Die Verfahren werden aber von spezialisierten Anwälten bewusst endlos verschleppt. Da müsste der Gesetzgeber viel schärfer heran, falls er an sauberen Verhältnissen wirklich interessiert ist.

Seit 1992 müssen Banken immerhin wissen, wer der wirkliche Eigentümer von Konten ist.
Ja. Das war ein Durchbruch. Aber inzwischen wird ein grosser Teil an Schwarzgeld via Hedgefonds in speziellen Trusts anonymisiert, vor allem in Steuerparadiesen. Die Geldflüsse werden dadurch undurchschaubar. Hedgefonds sind inzwischen stärker als der Markt, ja, sie hebeln ihn aus. Wir reden hier von einer Summe von 1 000 000 000 000 Dollar, die in Hedgefonds und Trusts stecken. Das beunruhigt auch Bankiers.

Das ist ja nicht nur Schwarzgeld.
Natürlich nicht. Aber es geht um riesige Summen. Eine Kommission des US-Senats nennt in einem aktuellen Bericht vom Sommer 2006 die Summe von 70 Milliarden Dollar jährlich, die allein dem US-Fiskus hinterzogen werden. Wohin geht denn dieses Geld?

Ja, wohin?
Geld wird häufig deswegen nicht deklariert, um es für illegale Zwecke einsetzen zu können. Steuerhinterziehung hat international derartige Ausmasse angenommen, dass die normalen Bürger, die letztlich den Preis dafür zahlen, es nicht mehr hinnehmen werden. Das wird zu einer Explosion führen.

In Ihrem Buch schreiben Sie, Topmanager hätten Sie als «Raubtiere der Spitzenklasse» erlebt, für die die Justiz nur noch am Rande existiere. Klingt ziemlich hart.
Das war meine Erfahrung. Sie haben sich ihre eigene Moral zurecht gelegt. Sie leben in einer andern Welt, physisch und geistig. Die Verbrechen, die sie begehen, erkennen sie nicht als solche. Ich vernahm zum Beispiel den Generaldirektor der Ciment de France, Pierro Conso. Er machte sich zunächst über mich lustig.

Warum?
Er sagte wörtlich: «Madame, man muss wohl Richterin sein, um nicht zu wissen, dass der ganze Kapitalismus auf Insidergeschäften aufgebaut wurde. Jeder grosse Konzern führt schwarze Kassen. Jeder.» Er hat mir mit seinem Insiderwissen für viele Vorgänge die Augen geöffnet.

Das heißt: Schmiergeldzahlungen, Kick backs an Manager für erteilte Aufträge, Insidergeschäfte, sollen Alltag sein?
Ja. Der Normalbürger glaubt das nicht. Ich habe es ja auch nicht geglaubt. Aber es ist Teil eines internationalen Systems, von dem viele profitieren. Darum ist es so widerstandsfähig. Bei den hohen Summen, mit denen heute viele umgehen, werden eben auch viele schwach. Macht ist heute nicht mehr ein Mittel zum Zweck, sondern Zweck an sich. Eine Hand wäscht die andere. Da muss man sich überhaupt nichts vormachen.

Welche Reaktionen bekamen Sie auf Ihr Buch?
Tausende von Briefen und eMails. Ich erhalte heute noch viel Post. Meistens positive. Viele wollen mir ihre Fälle vorlegen.

Offenbar haben diese Leute begriffen, dass Elf-Aquitaine nur ein Fall von vielen ist.
Ja. Es ist ein internationales Phänomen. Man warf mir Konspirationsgespinste vor. Oft hatte ich das Gefühl, Beute eines unsichtbaren Raubvogels zu sein. Die Polizei fand es nötig, zeitweise bis zu sechs Bodyguards für uns abzustellen. Das waren weiss Gott keine Hirngespinste.

Sie haben das System herausgefordert. Es schlug zurück. War es so?
Ich stieß mitten hinein. Das habe ich aber erst nach und nach gemerkt.

Woran?
Je weiter ich ermittelte, umso stärker wuchs der Druck von allen Seiten. Mein Büro wurde dreimal hintereinander aufgebrochen. Wichtige Akten verschwanden. Einmal hing aussen an meiner Bürotür ein Liste von ermordeten Richtern und Staatsanwälten. Der Präsident des Appellationsgerichts, ein sehr seriöser, zurückhaltender Mann, nahm mich eines Tages zur Seite: »Madame, stehen Sie nicht zu nahe am Fenster. Sie sind in sehr ernster Gefahr.» Für mich war das ein Schock. Mit so etwas habe ich nicht gerechnet.

Nahmen Sie das Ernst?
Allerdings. Die Vorfälle häuften sich. Einmal machten wir eine Hausdurchsuchung. Der Hausherr war nicht da, weil er gewarnt worden war. Auf dem Tisch lag eine geladene Pistole, deren Lauf auf die Tür zielte, durch die wir hereinkamen. Unter Insidern ist das eine eindeutige Warnung.

Sie veröffentlichten eine Liste von 25 Richtern, Staatsanwälten und Journalisten, die ermordet wurden. Bisher hielten wir das für ein sizilianisches oder russisches Phänomen...
Es sind alles Leute, die ihre Weigerung, sich korrumpieren zu lassen, mit dem Leben bezahlten. Man glaubt ja, das passiere irgendwo sonst, nur nicht bei uns. Ein Staatsanwalt aus Schleswig-Holstein nahm 2004 Kontakt mit mir auf.

Was wollte er?
Er berichtete, er habe Ähnliches erlebt. Er arbeitete an Korruptionsfällen und kam nicht voran, stiess überall auf Widerstände, auch in der eigenen Behörde. Das kenne ich: Die Stimmung dreht irgendwann, je weiter man vorstösst. Nach anfänglicher Unterstützung durch Öffentlichkeit und Vorgesetzte ist man plötzlich selber der Feind und nicht der, gegen den man ermittelt.

Was geschah mit dem Staatsanwalt aus Schleswig-Holstein?
Er wurde isoliert. Er hatte einen Breakdown. Die Einsamkeit in solchen Jobs ist belastend. Aber er gab nicht auf und setzte durch, dass seine Dienststelle für Wirtschaftskriminalität auf 30 Mann aufgestockt wurde. Seitdem läuft es, und erstmals können dort auch komplexe Wirtschaftsfälle zum Abschluss gebracht werden.

Haben Sie direkte Eingriffe des Staates in Ihre Ermittlungen erlebt?
Nein, nie. Das läuft ganz anders. Es gibt zum Beispiel oft ein enges Zusammenspiel zwischen Strafverteidigern und Journalisten. Da werden dann aus vertraulichen Akten Informationen publiziert, natürlich nur, was im Interesse des betreffenden Klienten liegt, auch mit der Absicht, die Justiz zu diskreditieren.

Ohne dokumentierte Belege kann man als Journalist solche Fälle doch gar nicht mehr veröffentlichen. Man hat sofort eine einstweilige Verfügung am Hals.
Das Problem sehe ich auch. Meine Erfahrung aber ist, dass Journalisten in Europa viel von ihrer ursprünglichen Effizienz und Unabhängigkeit verloren haben. In Entwicklungsländ