[...] Der Westen hat über seine Verhältnisse gelebt. Proteste und soziale Unruhen werden künftig zum Alltag gehören.
[...] Kein Politiker kann behaupten, Rezepte für diese Epoche des fallenden Lebensstandards zu haben, schon gar keine, die rasche Besserung verheißen. Nur linke und rechte Populisten werden sich dieser Masche bedienen. Auch die reflexhafte Suche nach den Schuldigen hilft nicht weiter, zumal jeder den Sündenbock präsentiert, der am besten zu seiner Weltsicht passt. Mal ist es Staatsversagen, mal der Markt oder gierige Banker, unfähige Politiker, abgehobene Eliten oder die Schwäche der Demokratie selbst, die bezichtigt werden.
[...] Gewiss schuf die Epoche der Schulden im Westen einen historisch einmaligen Massenwohlstand, wenn auch die Schere zwischen oben und unten immer weiter auseinandergeht. Mehr Wohlstand, mehr soziale Fürsorge und bessere Renten überdehnten den Sozialstaat, das einstige Prunkstück westlicher Zivilisation. In Europa wird staatliche Fürsorge angesichts einer alternden Bevölkerung mit steigender Lebenserwartung und hohen Pensionsgarantien langsam unbezahlbar; in Amerika, mit seiner weniger etatistischen Tradition, gingen industrielle Giganten angesichts verbriefter betrieblicher Rentenansprüche in die Knie. Ganze Regionen verwandelten sich in postindustrielles Brachland.
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Ranjit
14.12.2011 um 20:40 Uhr
Fox-News
Was Herr Krönig hier schreibt hat Fox-News Format. Keiner ist Schuld außer [die] bösen Sozialausgaben. Das Finanzsystem ist nur ein Sündenbock. Alle haben über ihren Verhältnissen gelebt. Daher dürfen einige (die unteren Perzentile der Einkommensverteilung) die Gürtel enger schnallen. ...
ostello jaeger
14.12.2011 um 20:48 Uhr
hoffentlich ist die zeit der massenverdummung auch bald vorbei ...
th
14.12.2011 um 20:54 Uhr
Es ist eine Frechheit, dass die Verschuldung immer wieder ausschließlich auf angebliche soziale Wohltaten zurückgeführt wird - und systematisch die Banken- und Finanzmarktkrise ausgeblendet wird, welche bakanntlich der Schuldenkrise vorausging.
So wird dann wieder der Hartz-IV-Empfänger veranwortlich gemacht, und nicht mehr nach den Nonnenmachers, Ackermanns und sonstige Bonus-Banker, usw gefragt, und die Zockerei an den Finanzmärkten völlig ausgeblendet.
Ich bin überzeugt, dass ein vernünftiger Wohlfahrtsstaat durchaus finanziell auf gesunden Füßen stehen kann, wenn man etwas gerechtere Steuern einführt, die Ausgaben für Militär- und Prstige-projekte zurückschraubt, und den Dschungel von bürokratischen Regelungen lichtet. Aber wenn man natürlich bereit ist, riesige Gewinne den Zockern zu überlassen, dann muss man an anderer Stelle sparen, dass die Schwarte kracht. Und dann sind allerdings irgendwann viele "Tottenhams" zu erwarten ...
wahrheit29
14.12.2011 um 21:32 Uhr
... Wen meint denn der Autor der im Westen über seine Verhältnisse gelebt hat, die sozial Schwachen, Harz 4 Empfänger, Niedriglöhner? Ich vermute mal daß diese Bevölkerungsschicht nicht beteiligt war. ...
self22
14.12.2011 um 21:41 Uhr
... wie ist das mit Stuttgart 21, Herr Krönig?
Können wir uns das leisten mit 2 Billionen Schulden und der Frage, ob wir morgen noch Renten bezahlen können?
... In der Mediation und vor dem Volksentscheid habe ich nichts von Ihnen gelesen, dass das vielleicht über unsere Verhältnisse geht und kein Mensch so ein Luxus-Projekt braucht. Genauso wie den Berliner Bahn-Glaspalast oder ein so ein sündenteures Stadtschloss in Berlin oder, oder ,oder...
Pengolodh
14.12.2011 um 21:45 Uhr
Hetzartikel
Nicht der Westen hat über seine Verhältnisse gelebt: die Reallöhne in Deutschland z.B. sind seit mehr als 10 Jahren nicht gestiegen. Gestiegen sind nur Unternehmensgewinne, Bankprofite, Boni. Während der Bankenkrise wurden den Banken Milliarden zugeschustert, das war allerdings über unsere Verhältnisse. Jetzt werden Milliardenschwere "Schutzschirme" aufgespannt, wieder für die Gläubiger. Das Geld bekommen doch nicht "die Griechen", das wandert in Form von Schuldzinsen zu den Gläubigerbanken. Weitere Milliarden werden über Irak, Afghanistan und vielleicht bald Syrien, Iran zu den Rüstungs- und Logistikunternehmen transferiert. Diese Umverteilung von unten nach oben, zu den Krisen- und Kriegsgewinnlern ist über unsere Verhälnisse, wir müssen arm werden, damit sie immer reicher werden.
Und der Autor ist ihr Komplize, wie auch die, die ihm eine Plattform bieten.
Capricia
14.12.2011 um 21:47 Uhr
Klichées
In diesem Artikel werden alle Klichees der Rechten und Neoliberalen bedient:
Zu viel Sozialsystem, das wir uns nicht leisten können.
Es wird zu wenig für zu viel Lohn gearbeitet (6.0 Euro !).
Schröder hat es durchblickt und effektive Arbeitsmarkteformen geschaffen.
Wenn in Zukunft der Lebensstandard "in Deutschland" sinkt, dann sinkt er aber eben nicht für alle gleich. Ein Millionär wird es kaum spüren, ein Arbeitsloser oder Geringverdiener wird hungern müssen. ...
damenprogramm
14.12.2011 um 21:59 Uhr
Doch, in gewisser Weise haben wir sehr wohl über unsere Verhältnisse gelebt. Der Ressourcenverbrauch, die Tatsache, dass mehr als 46,6 Millionen Autos (Stand 2007) in D. herumfahren bei 82 Mill. Einwohnern, entsprechend viele Fernseher , PCs, Handys und was dergleichen Dinge mehr sind; das muss mir keiner erzählen, das sei alles lebensnotwendig. Aber das meint Herr Krönig wohl eher nicht.
Wenn die Verringerung des Überflusses gleichmäßiger verteilt würde und tatsächlich für eine vernünftige Infrastruktur, Bildungswesen, Gesundheitswesen gesorgt würde, glaube ich, würden Menschen auch den Verzicht auf diesen ÜBERfluss verschmerzen.
Wenn allerdings die einen in Champagner baden und der Großteil der Bevölkerung in Slums leben muss, dann wird es eben massive soziale Unruhen geben ...
value4free
14.12.2011 um 22:02 Uhr
Neoliberale Verzweiflung
Die Neoliberalen - erst haben sie uns 20 Jahre lang Deregulierung und und Spekulation als Allheilmittel anzudrehen versucht, und jetzt, wo das ganze Kartenhaus zusammen fällt, verlegen sie sich auf Fatalismus. Natürlich nicht, ohne uns die uralte Lüge vom Sozialstaat als Ursache aller Probleme noch einmal aufzutischen. Die Neoliberalen haben in der Tat über ihre (intellektuellen) Verhältnisse gelebt.
PS: Liebe Redaktion, was fällt Ihnen ein, dieses hanebüchene Zeug zu veröffentlichen?
kannsnicht
14.12.2011 um 23:05 Uhr
Spätrömische Dekadenz also?
... Für wen spricht der Autor eigentlich? ...
remember333
14.12.2011 um 23:24 Uhr
Massenwohlstand?
Nun, da gibt es einmal die Menschen, die arbeiten und arbeiten, aber sie bekommen nur so viel Geld, dass sie sich über Wasser halten können.
Auf der anderen Seite gibt es die Menschen, die die Arbeit vergeben und an den Produkten und an der Arbeit seiner Arbeitnehmer doppelt verdienen.
Dann gibt es noch Menschen, die den ganzen Tag viel erzählen, die eigentlich keiner geregelten Arbeit nachgehen und die es, in ihrem Selbstbedienungsladen mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, aber den Vorteil haben, dass sie selbst bestimmen wieviel sie verdienen - und das ist nicht wenig.
Die beiden letzten Gruppen verstehen sich blendent und machen immer gemeinsame Sache.
...
LaSilas
15.12.2011 um 0:01 Uhr
Die Wahrheit ist längst verloren gegangen und ward lange nicht gesehen in all diesem Nebel.
Fakt ist, dass 1 % der Weltbevölkerung alle andern im Würgegriff hält. ... Fakt ist, dass in einem so reichen Land wie Deutschland viele Millionen Bürger so ärmlich leben müssen, als hätte es grade einen Krieg gegeben.
Gibt es denn gar keine Vernunft mehr, keinen Psychiater der Gier bei Regierungen und Superreichen behandeln kann?
... Volkswirtschaftler gibt es allerdings genug, die auf alternative Systeme verweisen, die funktionieren können.
Harald Kausch
15.12.2011 um 2:03 Uhr
Keine Alternative zur Verelendung? Von wegen!
Jürgen Krönig hat den Schuss noch nicht gehört. Unser jetziges System war und ist eine gigantische Umverteilungsmaschine, und die Probleme, die damit verbunden sind, kann man lösen, indem man den Prozess umkehrt. Klingt einfach ... und ist es auch. Weil kein Komet auf der Erde eingeschlagen ist und weil kein Krieg war. Weil die Produktivität aufgrund der Automation heute höher ist als jemals zuvor und weil nur noch 1,5 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeiten. Es ist nicht einzusehen, dass Menschen hungern, um dieses kaputte System dauerhaft künstlich zu beatmen.
PERESCHKA
15.12.2011 um 4:06 Uhr
Verdammt schwacher Artikel
"der Westen hat über seine Verhältnisse gelebt, Staaten wie Bürger." So etwas in einem Qualitätsmedium zu lesen tut Gehirn und Augen weh. Inwiefern der 'Normal'bürger, der im Jahrtausend Reallohneinbußen, steigende Unsicherheien usw. hinzunehmen hatte, während das Land insgesamt (gesamtwirtschaftlich) gewachsen ist, über seinen Verhältnissen gelebt haben soll, erschließt sich mir überhaupt nicht. Vielmehr ist zutreffend, dass der Staat immer weniger potentielle Mittel einnimmt (Steuerlasten für Unternehmen und Kapitalgewinne sind ja permanent gesunken) - immer nur die Einnahmenseite zu beachten (typische FDP-Sicht) ist einfach zu wenig.
"Globalisierung und freier Handel sorgten zugleich für stetige globale Umverteilung, für mehr Wohlstand und bessere Lebensverhältnisse in den Schwellenländern." Da tuts schon wieder massiv weh. So etwas publiziert heute nicht einmal mehr die Weltbank. Zutreffender ist, dass die Länder, die eine eingeschränkte Globalisierung und sehr eingeschränkten Handel (selektive Protektionismen) betrieben haben, erfolgreich waren.
"Selbst Keynsianische Rezepte wirken nicht mehr, weil seine Advokaten die Lehre ignoriert hatten..." Wer sorgt denn dafür, dass in der Boomphase das temporäre Defizit nicht zurückgeführt wird/wurde. "Seine Advokaten"? Nein, es sind Parteien wie die FDP, denen dann nichts besseres einfällt, als Steuererleichterungen zu fordern und im Anschluss daran antizyklische Finanzierungspolitik zu diskreditieren.
Deutschtrotzdemnichtdoof
15.12.2011 um 5:15 Uhr
Die ZEIT ist wirklich nicht ernst zu nehmen
Was dem Leser mit diesem Artikel wieder verkauft werden soll entbehrt jeglichem journalistischen Qualitätsstandard.
Der einzige Grund, warum ich mir die ONLINE ZEIT (ich gebe wohl kaum einen Cent für solch einen Mist aus) durchlese ist, dass ich mich dafür interessiere, was der Masse als 'Nachricht' verkauft werden soll.
...
e.cantona
15.12.2011 um 9:34 Uhr
Was [für] ein Text!
Beim lesen des Artikels hab ich mich sofort 10 bis 15 Jahre in der Zeit und Diskussion zurück versetzt gefühlt.
Der teure Sozialstaat und die faulen Menschen hier...
Autor ?, 2011
Interessante Perspektive hat der Autor. Ich nehme an, der Artikel wird einmal in den Textkorpus für eine Masterarbeit kommen. TITEL: "Der untote neoliberale Diskurs in der ZEIT Online"
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deDude
15.12.2011 um 10:28 Uhr
... Das ganze System ist doch mittlerweile vollkommen ad absurdum geführt worden. Der Sozialstaat ist aus der Idee entstanden das einer für den anderen einsteht. Würden wir uns diese Idee zu Herzen nehmen würden wir nie in eine solche Situation kommen wie wir sie heute vorfinden. Wir brauchen nicht weniger Sozialstaat, wir brauchen nur mehr Leute die hinter dem Sozialstaat stehen und ihn mit aller Kraft gegen die verteidigen die Nichts geben, dafür aber Alles nehmen wollen.
Nachdem wir bereits die Schere zwischen Arm und Reich haben, wird nun noch versucht, die verbliebene Mittelschicht gegen die sozial Schwachen auszuspielen indem man diese als "Last" darstellt die nur durchgefüttert werden will und derer man sich baldmöglichst entledigen solle. ...