COMMUNICATIONS LASER #17
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Author Topic: [Zur autoritären Persönlichkeit... ]  (Read 181 times)
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« on: December 24, 2010, 01:21:21 PM »


Quote
… überall nutzt Assange die Freiheiten, die demokratische Rechtsstaaten bieten. Seine Server stehen in Ländern mit einem großen Herz für Meinungsfreiheit. Dennoch klagt er diese Demokratien an, schimpft sie “autoritäre Konspirationen”, die er durch – ja, man muss das Wort benutzen – totalitäre Transparenz zur Offenheit zwingen will. …

...


Aus: “Sein größter Feind” (07.12.2010)
Ein Kommentar von Stefan Kornelius
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/wikileaks-julian-assange-verhaftet-sein-groesster-feind-1.1033329

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... Über Wikileaks wird in diesen Tagen viel geschrieben, viel zu viel.
… Das globale Dorfwirtshaus braucht eine Sperrstunde.


Aus: “Sperrstunde im globalen Dorfwirtshaus” (die-tagespost.de, 08.12.2010)
Die Tagespost – Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur
Quelle: http://www.die-tagespost.de/art456,120487

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Was mir an vielen Kritikern von Wikileaks auffällt, ist, daß ihr Weltbild auf Vertrauen gegenüber intransparenten Autoritäten und Institutionen basiert, die Hörigkeit und Willfährigkeit fordern, statt die Zustimmung für ihr Handeln durch die Überprüfbarkeit des selbigen zu gewinnen.

Wenn die politischen Apparate der Welt ein stabiles, auf Grundsätzen der Ethik basierendes Gerüst für staatliches Handeln geschaffen hätten, welches Staaten hervorbringt, in die man Vertrauen legen kann, wäre Wikileaks in erster Linie gar nicht notwendig.

Die bloße Existenz von Wikileaks und besonders die Zahl der Unterstützer dokumentiert Wikileaks Daseinsberechtigung und ist ein Beleg dafür, daß die “unabhängige Presse” über Jahre hinweg dysfunktional war und ist.

...


Aus: "Was viele Wikileaks-Kritiker gemein haben" Peter Piksa am  (10.12.2010)
Quelle: http://www.piksa.info/blog/2010/12/10/was-viele-wikileaks-kritiker-gemein-haben/

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[...] Die Theorie der Autoritären Persönlichkeit bezeichnet ein typisches Muster von Einstellungen und Persönlichkeitseigenschaften, die ein Potential für antidemokratische und faschistische Einstellungen und Verhaltensweisen bilden sollen. Während die Facetten des autoritären Verhaltens bzw. der Autoritarismus von vielen Autoren ähnlich beschrieben werden, unterscheiden sich die theoretischen Erklärungen, wie diese autoritären Züge durch spezifische psychische Verarbeitungsmuster wichtiger emotionaler Erfahrungen während der Kindheit und Jugend (Pubertät und Adoleszenz) entstehen.

... Das heutige Verständnis der autoritären Persönlichkeit wurde hauptsächlich durch die 1950 von Theodor W. Adorno, Else Frenkel-Brunswik, Daniel J. Levinson und R. Nevitt Sanford veröffentlichte Studie The Authoritarian Personality geprägt. Die Studie war Teil eines großen Forschungsprojektes an der University of California, Berkeley über die psychologischen Grundlagen von Vorurteilen, insbesondere solchen antisemitischer Art.

Vorausgegangen war Wilhelm Reichs psychoanalytisch-gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit dem Faschismus bzw. dem Nationalsozialismus. Er behauptete einen fundamentalen Zusammenhang zwischen autoritärer Triebunterdrückung und faschistischer Ideologie. Die autoritär verfasste Familie sei die Keimzelle des autoritären Staates.


... Im Jahr 1943 begannen der Sozialpsychologe R. Nevitt Sanford zusammen mit dem Psychiater und Psychologen Daniel J. Levinson in Berkeley ein Forschungsprojekt über Antisemitismus (Berkeley Public Opinion Study, University of California). In dem gemeinsam mit dem emigrierten Frankfurter Institut für Sozialforschung begonnenen Studien über Vorurteile wurde Sanford 1944 gemeinsam mit dem Philosophen und Gesellschaftstheoretiker Theodor W. Adorno Forschungsdirektor. Die psychoanalytisch ausgebildete Psychologin Else Frenkel-Brunswik war eine maßgebliche Mitarbeiterin und Mitautorin. Studies in Prejudice entstand als wissenschaftlicher Beitrag des American Jewish Congress zur US-Kriegsanstrengung, dabei stand im Hintergrund die Frage nach dem in den USA latenten Antisemitismus, wie er sich zum Beispiel in dem Vorurteil kundtat: Die Juden drückten sich vor dem Kriegsdienst, seien aber die größten Nutznießer des Krieges.[1]

Das Buch über die Authoritarian Personality erschien verzögert erst im Jahr 1950, obwohl die meisten Manuskripte bereits Mitte 1947 fertig waren. Über die Gründe gibt es unterschiedliche Darstellungen und Hinweise: Auseinandersetzungen wegen finanzieller Schwierigkeiten, Diskussionen über eine faire Kennzeichnung ihrer Anteile, über Buchtitel und Vorwort. Adorno stellte, weil es zeitweilig keine Finanzierung mehr gab, die Arbeit an seinen Kapiteln ein und schloss diese erst 1949 vor der Rückkehr des emigrierten Instituts nach Frankfurt ab.[2] Ins Deutsche wurde das Buch, das ja nicht zuletzt mit Blick auf den Nationalsozialismus entstand, nie vollständig übersetzt.
Forschungskonzeption und Theorie [Bearbeiten]

Die Autoren stellten sich die Frage, weshalb bestimmte Individuen antisemitische und ethnozentrische Ideen akzeptieren und andere nicht. Bei den ethnozentrischen und anderen Vorurteilen handele es sich nicht einfach um falsche und konformistische Meinungen, die einfach zu korrigieren wären, sondern diese hätten tieferliegende und weniger zugängliche Motive. Wer als Kleinkind von seinen Eltern autoritär behandelt werde, entwickle später selber einen autoritären Charakter, der kaum noch beeinflussbar sei und sich durch Feindseligkeit gegenüber Anderen oder Unterlegenen auszeichne.

In diesem Forschungsvorhaben ging es vorrangig um psychologische Variablen und im Kern um psychoanalytische Erklärungshypothesen mit der praktischen, wenn auch utopisch erscheinenden Absicht, zum demokratischen Prozess beitragen zu können. Im ersten Schritt sollten die Grundzüge der autoritären Persönlichkeit erfasst werden: starres Festhalten an Konventionen, Machtorientierung und Unterwürfigkeit, Destruktion und Zynismus. Über die bloße Beschreibung der Vorurteile hinaus sollte entwicklungspsychologisch erkundet werden, aus welchen grundlegenden Motiven, emotionalen Erfahrungen und Charaktereigenschaften solche Denkmuster entstehen. So wurde zwischen den geäußerten Meinungen und den zugrundeliegenden dynamisch miteinander verbundenen (und unbewussten) Strukturen des Individuums unterschieden. Die Autoren versuchten, Methoden der Sozialpsychologie und die psychoanalytisch orientierte dynamische Charakterlehre, interpretative und statistische Verfahren, miteinander zu verbinden.

Nach der Theorie der autoritären Persönlichkeit zeichnen sich Personen, die faschistischen Ideologien anhängen, durch eine unsachgemäße, vorurteilsvolle Betrachtung der sozialen und politischen Verhältnisse, u.a. durch Antisemitismus und Ethnozentrismus aus. Aus psychoanalytischer Sicht wird eine – weitgehend unbewusste – Feindseligkeit auf andere Menschen gerichtet. Diese Projektion bezieht sich vor allem auf ethnische, politische oder religiöse Minderheiten, zumal hier weniger gesellschaftliche Sanktionen zu befürchten sind bzw. bereits solche Vorurteile existieren. Da die faschistischen Gruppierungen im Wesentlichen aus dem rechten bzw. konservativen Lager Unterstützung erfuhren, wurden Teile der konservativen Einstellung ebenfalls als Ausdruck dieser Persönlichkeitsstruktur gewertet.
Als Untersuchungsmethoden dienten standardisierte Fragebogen: die AS-Skala ("Antisemitismus"), die E-Skala ("Ethnozentrismus") und die PEC-Skala (“politisch-ökonomischer Konservatismus”). Die zugrunde liegende autoritären Persönlichkeitsstruktur sollte mit der neuen California-F-Skala ("implizite antidemokratische Tendenzen u. Faschismuspotential") erfasst werden. Sie setzt sich aus folgenden Subskalen zusammen:

    * Conventionalism – Festhalten an Hergebrachtem
    * Authoritarian Submission – Autoritätshörigkeit/-unterwürfigkeit
    * Authoritarian Aggression – Tendenz, Verstöße gegen hergebrachte Werte ahnden zu wollen
    * Anti-Intraception – Ablehnung des Subjektiven, Imaginativen und Schöngeistigen
    * Superstition and Stereotype – Aberglaube, Klischee, Kategorisierung und Schicksalsdeterminismus
    * Power and Toughness – Identifikation mit Machthabern, Überbetonung der gesellschaftlich befürworteten Eigenschaften des Ich
    * Destructiveness and Cynicism – Allgemeine Feindseligkeit, Herabsetzung anderer Menschen
    * Projectivity – Veranlagung, an die Existenz des Bösen in der Welt zu glauben und unbewusste emotionale Impulse nach außen zu projizieren
    * Sex – Übertriebene Bedenken bezüglich sexueller Geschehnisse


... Rezeption und Kritik

In den USA fand The Authoritarian Personality großes Interesse und Anerkennung der Absichten. Die fachliche Kritik richtete sich teils gegen die psychoanalytischen Erklärungsversuche, teils gegen die fehlende Repräsentativität der Erhebung. Häufig wurde bemängelt, dass nicht hinreichend zwischen der autoritären Persönlichkeit und dem gewöhnlichen Konservativismus unterschieden wurde. Außerdem existiert Autoritarismus nicht nur im rechten, sondern auch im linken Extrem politischer Einstellungen – wie u.a. Hans Jürgen Eysenck und Milton Rokeach darlegten. Edward Shils wandte ein, der Studie liege eine überholte politische Rechts-Links-Einteilung zugrunde.[5]

Die kritische Auseinandersetzung über die Komponenten (Subskalen) der F-Skala dauern bis heute an. Diese wirken psychologisch heterogen und sind individuell verschieden ausgeprägt, erscheinen also nicht als eine Einheit. Der Begriff Syndrom drückt ja aus, dass es sich um ein Muster verwandter Merkmale handelt, die typisch sind, auch wenn u.U. einzelne Aspekte fehlen. Der sozioökonomische Status, Bildungsgrad, Schichtzugehörigkeit u.a. Merkmale könnten einige der beobachteten Zusammenhänge vielleicht einfacher erklären. Trotz methodischer Unzulänglichkeiten hat die Theorie der Autoritären Persönlichkeit großen Einfluss auf nachfolgende Forschungsarbeiten ausgeübt.

In Deutschland war unter den Verhältnissen der Nachkriegsjahre vorauszusehen, dass empirische Sozialforschung über potentiell-faschistische Denkmuster bei vielen Personen Anstoß und Abwehr auslösen würde. Die zumindest in den ersten Jahren nur geringe Neigung deutscher Historiker, Soziologen und Psychologen, sich wissenschaftlich mit der deutschen Vergangenheit auseinanderzusetzen, wurde inzwischen verschiedentlich dargestellt. Die Rezensionen des Buchs waren zwiespältig, teils sogar polemisch.

... Es gibt weiterhin Einwände gegen den Begriff der autoritären Persönlichkeit und Kritik an den empirischen Untersuchungen, die sich in der Regel nur auf Fragebogen (siehe: F-Skala) oder Berichte stützen und nicht auf die Beobachtung des autoritären Verhaltens im Alltag. Wenn von einem typischen Muster von Einstellungen und Handlungsabsichten gesprochen wird, bedeutet dies, dass einzelne Komponenten durchaus fehlen können. Trotz solcher Vorbehalte handelt es sich um ein sehr wichtiges Konzept, und die besonders ausgeprägten Formen der autoritären Persönlichkeit sind überall zu erkennen: unübersehbar in Familien, in der Politik und Wirtschaft, in Institutionen und im Alltag. Die autoritäre Persönlichkeit ist konformistisch. Abweichungen vom „Normalen“ werden abgelehnt, u. U. verfolgt. Individualismus und liberale Einstellung oder ein kultureller Pluralismus werden nicht toleriert.

...



Einzelnachweise:

   1. ↑ Rolf Wiggershaus: Die Frankfurter Schule: Geschichte, theoretische Entwicklung, politische Bedeutung. C. Hanser, 1987. S. 390 ff.; Hans-Joachim Dahms: Positivismusstreit: die Auseinandersetzungen der Frankfurter Schule mit dem logischen Positivismus, dem amerikanischen Pragmatismus und dem kritischen Rationalismus. Suhrkamp, 1994. ISBN 3518286587, 9783518286586. S. 254
   2. ↑ Quellenhinweise siehe Fahrenberg und Steiner, 2004, Wiggershaus 1996 u.a.
   3. ↑ Quellenhinweise siehe Fahrenberg und Steiner, 2004; Wiggershaus 1996
   4. ↑ Marie Jahoda: Ich habe die Welt nicht verändert. Lebenserinnerungen einer Pionierin der Sozialforschung. Beltz, Weinheim 2002, S. 126, S. 134
   5. ↑ Edward Shils: Authoritarianism 'Right' and 'Left'. In: Richard Christie, Marie Jahoda (Hrsg.): Studies in the Scope and Method of 'The Authoritarian Personality'. Glencoe, Ill. 1954
   6. ↑ Oesterreich, 1996, S. 176



Aus: "Autoritäre Persönlichkeit" (22. November 2010)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4re_Pers%C3%B6nlichkeit

« Last Edit: December 24, 2010, 01:34:46 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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