[...] Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung will gegen die für kommendes Jahr geplante Volkszählung in Deutschland vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Dort wollen sie eine gemeinsam mit der Rechtsanwältin Eva Dworschak erarbeitete Verfassungsbeschwerde einreichen. Ab dem heutigen Dienstag um 12 Uhr sollen die Bürger auf einer vorvorige Woche gestarteten Aktions-Website Gelegenheit haben, die Klage zu unterstützen.
Beim Zensus 2011 sollen rund 17,8 Millionen Immobilien-Besitzer per Post einen Fragebogen zu ihren Häusern oder Eigentumswohnungen erhalten. Außerdem soll eine Stichprobe von maximal zehn Prozent der Bevölkerung befragt werden. Dadurch sollen unter anderem in den kommunalen Melderegistern enthaltene Fehler in den Zensusergebnissen statistisch bereinigt werden können, erläutert das Statistische Bundesamt. In erster Linie würden für den Zensus Daten aus Registern der Verwaltung genutzt.
Die Bürgerrechtler meinen, durch die Volkszählung werde der "Trend zu einer Verdatung der Bevölkerung" weiter geführt, da die Daten aller in Deutschland lebenden Menschen zusammengeführt und ausgewertet würden. Zudem werde nach der Religionszugehörigkeit gefragt, obwohl die EU-Vorlage für die Volkszählung dieses nicht vorschreibe. Die Zuordnung der unterschiedlichen Daten aus der Volkszählung 2011 werde über eine eindeutige Personenkennziffer möglich sein. Das aber habe das Bundesverfassungsgericht in seinem Volkszählungsurteil von 1983 jedoch verboten.
Die Bürgerrechtler fordern, die gesetzliche verordnete Auskunftspflicht abzuschaffen und dass die zu erhebenden Daten nicht an einer zentralen Speicherstelle zusammengefasst werden. Auch halten sie die Bußgeld-Androhung von bis zu 5000 Euro bei Auskunftsverweigerung für "völlig unangemessen".
Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung hatte 2008 gegen die Verpflichtung zur Vorratsdatenspeicherung eine Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht, die von rund 34.000 Menschen unterstützt wurde. Im März 2010 fällte das Gericht sein Urteil, in dem es die Vorratsdatenspeicherung nicht für schlechthin unvereinbar mit dem Grundgesetz erklärte. Allerdings sahen die Karlsruher Richter enge Auflagen für die praktische Ausgestaltung als unbedingt erforderlich an. (anw)
22. Juni 2010 11:08
Religionszugehörigkeit
Solid (mehr als 1000 Beiträge seit 27.07.01)
Was interessiert den Staat die Religionszugehörigkeit?
Es gibt keine einzige (sinnvolle!) Aufgabe des Staates, wo dieses
Datum wichtig wäre. Bei der Steuerbehörde ist es ohnehin
illegalerweise schon erfasst.
Auf der anderen Seite muss man immer noch das Beispiel des Holocausts
sich in Erinnerung rufen, wo anhand der Volkszählungen der Weimarer
Republik die Listen für die Vergasung zusammengestellt wurden.
Wer weiß schon, ob die Katholiken nicht eines Tages durchdrehen, und
den Atheisten ans Fell wollen? Die Demokratie hat ja keine
Ewigkeitsgarantie. Die erfassten Daten aber leider schon.
Die Beantwortung der Frage nach der Religionszugehörigkeit sollte man
daher verweigern und das notfalls auch vor Gericht durchsetzen.
22. Juni 2010 10:20
Religion: Jedi (Editiert vom Verfasser am 22.06.10 um 10:22)
64kByte (mehr als 1000 Beiträge seit 05.01.06)
Ich glaube so wurde diese dreiste Frage bei der letzten großen
Volkszählung häufig beantwortet. ;-)
Ich persönlich hänge ja eher dem Diskordianismus an, wobei ich auch
dem FSM einiges abgewinnen kann (allein schon wegen der coolen
Piraten).
22. Juni 2010 12:52
Für alle die Glauben, dass der Staat bisher keine Zwangsbefragungen durchführt..
Karr (5 Beiträge seit 16.01.10)
Der Mikrozensus trifft jedes Jahr 1% der Bundesbürger.
Zum nachlesen (auch der Fragenkataloge):
http://de.wikipedia.org/wiki/Mikrozensus
kurze Ablaufschilderung:
1. Du bekommst unverhofft Post vom statistischen Landesamt.
2. In der Woche darauf hast du einen Termin mit dem Interviewer bei
dir zu Hause.
3. Bist du zufällig nicht zu Hause hast Du einen Fragebogen (nur 40
Seiten) im Briefkasten.
4. Diesen darfst du dann ausfüllen und auf eigene Kosten
zurücksenden.
5. Das Beste: in den nächsten 5 Jahren kommen sie 4 mal wieder!
6. ES BESTEHT AUSKUNFTSPFLICHT
Willkommen in unserem Rechsstaat!
22. Juni 2010 13:32
unser Staat muss funktionieren
Fred_EM (mehr als 1000 Beiträge seit 25.04.01)
Ohne Daten und Markdaten funktioniert kein Betrieb, funktioniert kein
Staat. Jedenfalls funktioniert er nicht so wie wir uns das gerne
wünschen.
Also, was soll der Scheiß.
Anstatt gegen den Staat zu sein sollten wir uns lieber überlegen wie
wir den Staat besser, effektiver und leistungsstärker gestalten
können.
Da reicht es aber nicht aus immer gegen irgendetwas zu sein.
In einer Familie oder in einem Kleinbetrieb reicht es ja auch nicht
aus immer gegen etwas zu sein, zu blockieren.
Das geht nicht lange gut, und gehen Familie oder Kleinbetrieb kaputt.
Zum Schaden aller Beteiligten.
Kritisch konstruktive Mitarbeit bzw. Mitwirken und Gestalten ist
angesagt, nicht protestieren.
Wenn wir laufendzu gegen uns selbst (den Staat) protestieren, dann
schießen wir uns selbst ins Knie. Was soll das.
Die NS-Zeit ist vorbei, die 68er sind auch vorbei,
aber das scheint noch nicht in allen Hirnen angekommen zu sein.
heidenei - NOCH ein Realist ;-) (Editiert vom Verfasser am 22.06.10 um 15:30)
Hinz & Kunz (mehr als 1000 Beiträge seit 28.09.01)
Wie? Staat muss funktionieren?
Ne, HIER reicht es doch wenn Streetview & Twitter funktionieren *ggg
hinz & kunz
22. Juni 2010 15:30
Re: unser Staat muss funktionieren
dure (150 Beiträge seit 29.11.05)
Fred_EM schrieb am 22. Juni 2010 13:32
> Die NS-Zeit ist vorbei, [...]
> aber das scheint noch nicht in allen Hirnen angekommen zu sein.
Doch, und eben deshalb bin ich gegen Zensus und Fingerabdrücke im
Ausweisdokumenten, eben WEIL die NS-Zeit vorbei ist...
Wer hat's erfunden?
...