COMMUNICATIONS LASER #17
May 22, 2012, 12:09:26 PM *
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Author Topic: [Elektromüll - The Dark Side of Cyberspace... ]  (Read 817 times)
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« on: December 16, 2008, 11:51:34 AM »

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[...] Die in Hongkong ansässige Menschenrechtsorganisation Students and Scholars Against Corporate Misbehavior (Sacom) hat zwischen Juni und September die Arbeiter zweier Computer-Zulieferer in der südchinesischen Provinz Guangdong befragt. Laut Sacom und der Berliner Entwicklungsorganisation Weed sind die Ergebnisse erschreckend. "Die Arbeitszeit beträgt bis zu 370 Stunden pro Monat", sagte Sacom-Rechercheurin Jenny Chan am Montag in Berlin. Selbst bei 30 Arbeitstagen pro Monat wären das über 12 Stunden täglich, heißt es im Report "The Dark Side of Cyberspace", den Sacom und Weed am Montag veröffentlichten.


Aus: "MIESE ARBEITSBEDINGUNGEN - Menschenrechtler attackieren PC-Hersteller" Von Hannes Koch (16.12.2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,596581,00.html

« Last Edit: April 18, 2011, 08:20:32 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #1 on: December 16, 2008, 02:35:59 PM »

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[...] Die Arbeitsbedingungen sind sehr schlecht. Die Arbeiter sind zum Teil unterbezahlt, was auch in China illegal ist. Diese Fabriken haben sich auch auf bestimmte Elektroteile spezialisiert, bei deren Produktion sehr viele ätzende Chemikalien eingesetzt werden. Es gibt massive Probleme mit der Arbeitssicherheit und der Gesundheit. Arbeiter haben Allergien, Kopfschmerzen, sie können nicht richtig atmen am Arbeitsplatz wegen der schlechten Lüftung und der Chemikalien, die verwendet werden.

Arbeiter müssten bis zu 70 Stunden in der Woche arbeiten, Überstunden würden erzwungen, so der Sacom-Bericht. Zudem würden Arbeitsverträge nicht ausgehändigt und der Mindestlohn von umgerechnet 78 Euro pro Monat würde oftmals nicht gezahlt:

Wir appellieren an die Computerhersteller, verantwortlich zu handeln, wenn sie in diesen untersuchten Zuliefer-Fabriken einkaufen. Sie sollten nicht nur auf schnellere Lieferzeiten und niedrigere Preise drängen und die Arbeitskosten senken. PC-Hersteller müssen auch diese Arbeitnehmer-Probleme ansprechen, die sehr tief in ihrem Zuliefersystem verankert sind.

Sacom hat den Bericht an zahlreiche Computerhersteller geschickt, sagt Jenny Chan, Vorsitzende von der Arbeitsrechtsorganisation:

Wir sind etwas enttäuscht von Nokia, Apple und Motorola, die nicht reagiert haben. Sie kaufen ihre Teile zwar nicht direkt in den untersuchten Fabriken, aber am Ende der Lieferkette verkaufen sie doch Teile aus diesen Fabriken in ihren Handys und MP3-Player.

In der Kürze der Zeit heute Vormittag konnte ich nicht alle Beschuldigten anrufen. Ich musste mich auf beide Hauptabnehmer der untersuchten Fabriken beschränken. Dell und Fujitsu-Siemens. Der Dell-Sprecher hat nicht mehr rechtzeitig zurückgerufen. Judith Raddatz, Sprecherin von Fujitsu-Siemens sagte, sie habe die Feldstudie von Sacom erhalten und nehme die Ergebnisse sehr ernst. Fujitsu-Siemens habe beim Mutter-Konzern von Excelsior Electronics, einem der beanstandeten Zulieferer, um Stellungnahme geben und nachdrücklich auf Einhaltung der Menschenrechte gedrängt, man warte auf Antwort. FSC mache mit einigen Zulieferern ein Audit mit Blick auf Arbeitsbedingungen. Excelsior Electronics sei nicht Teil des letzten Audits gewesen, werde aber "ganz sicher" vom nächsten Audit erfasst, das im April/Mai stattfinden solle.

...


Aus: "Die dunkle Seite der Computerindustrie" Von Philip Banse (15.12.2008)
Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/umwelt/891505/

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« Reply #2 on: December 16, 2008, 03:54:21 PM »

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[...] Der Entsorgungsprozess beginnt schon bei der "Produktion" von elektronischen Geräten und Computern im Speziellen. Schon bei der Herstellung werden große Mengen an Energie und somit an Rohstoffen verbraucht. Bei der Produktion eines Computers entstehen 60 kg teilweise hochgiftiger Abfälle wie Arsen oder Salzsäure, werden bis zu 30.000 l Wasser und 2.000 Kilowattstunden Strom verbraucht.

In einer Gesellschaft, in der die Arbeit am Computer Standard ist, sollten die Folgen dessen überdacht werden. Die Hauptbestandteile eines Computers sind Metall (50%), Kunststoff (23%), Glas (15%) und Elektronik (12%). Ein Großteil dieser Materialfraktionen kann problemlos wiederverwertet werden, sofern die dafür vorhandenen Einrichtungen in den Entsorgungsprozess eingebunden sind. Da es aber zwischen Gesetzgeber und Industrie noch zu keiner Einigung gekommen ist, werden die Altgeräte teilweise noch ungeordnet entsorgt und mit dem Hausmüll deponiert.

Die Einrichtung einer geordneten Sammlung obliegt den Kommunen und wird von diesen jeweils unterschiedlich gehandhabt. Die Industrie bietet zwar ihrerseits eine "Selbstverpflichtung" bei der Rücknahme der Geräte, ähnlich wie in der Automobilindustrie, an, doch ohne eine gesetzlich geordnete Wiederverwertung, darf ein solches Angebot als wirkungslos betrachtet werden.

Da die Hersteller von Hardware unterschiedliche Kunststoffe verwenden, ist die Wiederverwertung derselben mit einem Qualitätsverlust verbunden. Beim sogenannten Down-Cycling aus Computerresten können so allenfalls Parkbänke oder ähnliches produziert werden.

Der ökologisch sinnvollste Schritt liegt, wie so oft, noch in weiter Ferne. Der Einbau wiederverwendbarer (nicht wiederverwertbarer) Module in den Computer, die problemlos ein- und ausgebaut werden können, steht im Gegensatz zu unserer "Wegwerfgesellschaft", auch wenn diese Bezeichnung schon fast altmodisch anmutet. Die Industrie hat kein Interesse an einer langen Haltbarkeit ihrer Produkte und wird daher eine solche Möglichkeit von vornherein negieren.

Die Hardware besitzt zwar eine recht lange Lebensdauer, doch der sich ständig verbessernde Bereich der Software bewirkt eine durchschnittliche Lebensdauer von 2-3 Jahren für die Geräte. Denn solange die Aufrüstung eines alten Computers teurer als der Neukauf ist, wird dem Kunden kein wirklicher Anreiz geboten den Neukauf noch zu überdenken.

Der heute eingeschlagene Weg wird so auf absehbare Zeit zu keiner Verringerung des Müllaufkommens durch Altgeräte aus der Informations- und Kommunikationsindustrie führen, sondern läßt dessen Zunahme eher noch zu.


Aus: "Computerschrott - wohin damit?" Nicola Knoch (09.01.1998)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/1/1366/1.html

-.-

Quote
[...] In Deutschland türmt sich von Jahr zu Jahr mehr Computer-Müll auf. «Wir schätzen, dass im Jahr etwa 110.000 Tonnen IT-Schrott anfallen», sagt Bernhard Bauske von der Umweltschutzorganisation WWF. «Tendenziell wird es mehr», sagt Mario Tobias, vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien Bitkom. Das liege daran, dass die Zahl der in Umlauf gebrachten Computer ständig wachse.

Auch das Umweltbundesamt konstatiert «immer schnellere und kurzlebigere Innovationszyklen» in der Elektronikbranche. «Ein Computer wird im Durchschnitt etwa drei bis vier Jahre benutzt», sagt der Bitkom-Experte. Findet sich danach kein Abnehmer, wird der Rechner zum Sondermüll.

«Umweltschädliche Substanzen wie Flammschutzmittel für Gehäuse und Leiterplatinen machen diesen Müll zum Riesenproblem», warnt WWF-Experte Bauske. Computer enthalten außerdem Schwermetalle und schädliche Chemikalien wie zum Beispiel Weichmacher. Flammschutzmittel stehen im Verdacht, den Hormonhaushalt des Menschen zu schädigen. Blei kann beim Menschen Nierenschäden auslösen.

«Gerade wegen der Schadstoffe ist es wichtig, dass die Geräte nicht im Hausmüll landen», sagt Bauske. Wer einen alten Computer zu Hause hat, für den könnte es sich lohnen, ihn bis zum nächsten Jahr zu behalten. Denn ab 24. März kommenden Jahres können PC-Besitzer ausrangierte Geräte kostenlos bei kommunalen Sammelstellen abgeben.

Grundlage dafür ist das neue Elektro-Gesetz. Es verpflichtet die Hersteller von Elektrogeräten dazu, die Entsorgung ihrer Produkte selbst zu finanzieren. Der Beitrag jedes einzelnen Produzenten richtet sich dabei nach dem Marktanteil. Der WWF empfiehlt, schon beim Kauf eines Computers darauf zu achten, dass er das Umweltsiegel des «Blauen Engels» trägt. Computer mit diesem Zeichen sind leichter zu entsorgen und enthalten weniger Giftstoffe.

Auf keinen Fall sollte man einen Rechner zu früh wegwerfen. «Es ist ökologisch sinnvoll, den Computer so lange zu nutzen, bis sein physisches Ende gekommen ist», rät Georg Heydecke vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Auch einen älteren PC könne man an einen Zweitnutzer oder an einen Bastler weitergeben. (AP)


Aus: "Immer mehr Computerschrott in Deutschland" Von Nina Schönmeier (18. Okt. 2005)
Quelle: http://www.netzeitung.de/internet/363381.html

« Last Edit: December 16, 2008, 03:57:08 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #3 on: February 03, 2009, 11:01:15 AM »

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[...] "Coltanerz ist ein fundamentaler Baustein der globalen Telekommunikationsexplosion und gleichzeitig der blinde Fleck dieser Wachstumsgeschichte", sagt der britische Medienkünstler Richard Wright. Gemeinsam mit Graham Harwood und Matsuko Yokokoji hat er den Opfern der blutigen Auseinandersetzungen in der Demokratischen Republik Kongo ein Denkmal gesetzt. Die Installation "Tantalum Memorial" der britisch-japanischen Künstlergruppe, die bei der transmediale mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde, will die globalen Zusammenhänge der "Coltankriege" sichtbar machen.

Rund vier Millionen Menschen sind seit 1998 im Zuge der Kriege in der Demokratischen Republik Kongo ums Leben gekommen. Tausende mussten infolge der Auseinandersetzungen aus dem zentralafrikanischen Land fliehen. "Coltankriege" werden die bis heute andauernden Konflikte deshalb genannt, weil es um die Kontrolle über den Rohstoff Coltan geht, der für Mobilltelefon- und Computerhersteller unverzichtbar ist.

Der Coltanabbau finanziert die Aufrüstung der rivalisierenden Kriegsparteien. Häufig wird der Rohstoff auch direkt mit Waffen bezahlt. In vielen Minen gebe es darüber hinaus Kinderarbeit und Sklaverei, hieß es am Samstagnachmittag bei einer transmediale-Diskussionsveranstaltung zum Thema Critical Consumer Culture im Berliner Haus der Kulturen der Welt: "Am Handy klebt Blut."


"Über den Gebrauch von Mobiltelefonen und Computern sind wir alle in den Konflikt involviert", sagte Harwood. Der aus Coltan gewonnene hitzeabweisende Werkstoff Tantal wird in Mobiltelefonen, Spielekonsolen und PCs verbaut. Die Nachfrage nach dem Rohstoff ist deshalb in den vergangenen zehn Jahren regelrecht explodiert.

Als Sony im Jahr 2000 die Spielekonsole PlayStation 2 auf den Markt brachte, sei es zu Engpässen bei Coltan auf dem Weltmarkt gekommen, sagte der Medienkünstler, Aktivist und Programmierer Jaromil. Kurz danach habe sich der Abbau im Kongo verdoppelt. Die Hardware-Hersteller müssten bei der Konzeption neuer Produkte mehr Verantwortung zeigen. Den langfristigen Folgen der für die Geräte notwendigen Rohstoffgewinnung müsse bereits bei der Produktentwicklung Rechnung getragen werden. Rund 80 Prozent der globalen Coltanvorräte liegen laut Schätzungen in Afrika.

Die großen Hersteller haben zwar angekündigt, kein Coltan aus den von den Milizen kontrollierten Minen mehr zu kaufen. Die Herkunft der Rohstoffe sei jedoch nicht immer zweifelsfrei feststellbar, erläuterte Harwood. "Es gibt viele Mittelsmänner. Es lässt sich oft nicht genau sagen, aus welchen Quellen das Coltan stammt." Daher sei es auch schwierig, die Situation in den Griff zu bekommen.

"Das Problem ist komplex und widersprüchlich", sagte Wright: "Der Mobiltelefonabsatz im Kongo boomt. Viele Leute besitzen mehrere Mobiltelefone und telefonieren die ganz Zeit. Die Leute unterstützen also eine Industrie, die dazu beiträgt, dass der blutige Konflikt weiter angeheizt wird", so der Medienkünstler.

...


Aus: ""Am Handy klebt Blut"" futurezone/Patrick Dax (2. 2. 2009)
Quelle: http://futurezone.orf.at/stories/1502204/

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« Reply #4 on: May 28, 2009, 09:48:46 AM »

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[...] Jährlich werden in Europa 8,7 Millionen Tonnen Elektromüll produziert. Ein Teil davon wird illegal nach Afrika verschifft.

Trotz gesetzlicher Regelungen, welche die Ausfuhr von Elektromüll in Nicht-OECD-Länder verbieten, wird weniger als die Hälfte der in Umlauf gebrachten Geräte gesetzeskonform recycelt und gemeldet. In Österreich wurden im Jahr 2007 61,5 Millionen Kilo Elektroaltgeräte bei offiziellen Sammelstellen abgegeben. Der Rest wurde privat oder auf Deponien gelagert oder illegal als Second-Hand-Ware deklariert und als solche dann über Schrotthändler nach Afrika oder Asien verkauft. Allein im Jahr 2005 wurden nach offiziellen Zahlen täglich 1000 benutzte Fernsehgeräte von der EU nach Afrika gebracht. Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher sein.

[...] Aktivistinnen der entwicklungspolitischen Organisation Südwind berichteten kürzlich von ihrer Recherchereise nach Ghana. Dort fanden sie heraus, dass alte Fernseher, Computer oder Kühlschränke, auch aus Österreich, von lokalen Händlern containerweise aufgekauft und an die Menschen vor Ort verscherbelt werden. Alles, was sich nicht verkaufen lässt, landet auf den lokalen Müllhalden. Dort zerlegen Kinder und Jugendliche die Geräte mit bloßen Händen und verbrennen die Überreste, um an die Kupferkabel zu kommen, die sie für einen Hungerlohn weiterverkaufen. Tausende Menschen leben am Rande der Müllhalden in Slums. Durch das Verbrennen des Mülls sind sie ständig einem Giftcocktail ausgeliefert, der Atem- und Hautkrankheiten oder Krebs verursacht.

...


Aus: "Elektromüll macht Kinder in Ghana krank - Südwind-Aktivistinnen decken auf"
KIZ Ausgabe 2009/22 - 2009-05-27
Quelle: http://www.dioezese-linz.at/redaktion/index.php?action_new=Lesen&Article_ID=49447

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« Reply #5 on: April 18, 2011, 08:25:04 AM »

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[...] Die Consumer Electronics Association (CEA) in den USA hat angekündigt, bis 2016 eine Milliarde US-Pfund Elektroschrott sammeln zu wollen. Das ist mehr als das Dreifache der 2010 gesammelten Menge und entspricht etwa 450 000 Tonnen, laut CEA könne man damit ein Footballstadion mit 71 000 Sitzplätzen bis zur Oberkante füllen. Nach Auffassung des CEA-Geschäftsführer Gary Shapiro, sei diese "eCycling-Initiative ein Wendepunkt in der Geschichte des Elektronik-Recycling in den USA". Das Sammelziel entspricht rund 1,5 kg Elektroschrott pro US-Bürger. Für Europa schreibt eine EU-Direktive 4 kg pro Kopf vor, in der Bundesrepublik wurden 2006 rund 750 000 Tonnen alte Elektrogeräte gesammelt, was gut 9 kg pro Bürger entspricht.

In erster Linie geht es bei eCycling darum, die Verbraucher auf die rund 5000 Recyclinghöfe in den USA aufmerksam zu machen. Außerdem wolle die Initiative mit der Regierung bei deren Strategie für ein nationales Recycling-Programm zusammenarbeiten. Die CEA setzt auf freiwillige Kontrollen der Wiederverwertung. Das in Seattle ansässige, auf Müllexport spezialiserte Basel Action Network (BAN) kritisiert die eCycling-Initiative jedoch: Tausende der beworbenen Sammelstellen verfügten nicht über die nötigen Kontrollmechanismen und könnten keine Wiederverwertung im Inland gewährleisten. Die Sammelmengen ohne geeignete Kontrollen zu vergrößern, führe zu wachsendem Export giftigen Elektromülls in Entwicklungsländer.

"Wenn die Öffentlichkeit an Recycling denkt, stellt sie sich nicht vor, dass alte Computer und Fernseher in China, Indien oder Nigeria zertrümmert und verbrannt werden", meint der BAN-Chef Jim Pucket. Einerseits behaupte die CEA zwar, man dürfte nicht mit Recyclern zusammenarbeiten, die Elektroschrott in Entwicklungsländern abladen, andererseits weigere sich die Organisation jedoch weiterhin, das Basler Übereinkommen zu akzeptieren. Diese Konvention untersagt unter anderem den Export von giftigen Abfällen in Entwicklungsländer.

Auch die Electronics Take Back Initiative kann die CEA-Aktion nicht überzeugen. Die Sammelstellen seien zwar auf einer Karte eingetragen, jedoch fehlten die Anschriften. Für den größten US-Staat Kalifornien seien gar keine Rückgabestellen markiert. Die CEA erkläre zudem nicht, wie sie ihr Ziel erreichen wolle und verzichte sich auch nicht auf den Export des Elektroschrotts in andere Länder. (ck)



Aus: "Kritik an US-Elektroschrottinitiative" (16.04.2011)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Kritik-an-US-Elektroschrottinitiative-1228926.html

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« Reply #6 on: November 01, 2011, 09:23:56 AM »

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[...] In der Nachbarschaft einer Elektroschrott-Deponie in der ghanaischen Hauptstadt Accra haben Wissenschaftler alarmierende Mengen Blei, Cadmium und weitere giftige Stoffe gefunden. Auf einem Schulgelände liegen die Werte demnach 50 Mal höher als an ungefährlichen Orten. Ein Markt und ein Fußballfeld seien ebenfalls verseucht. Die Universität der Vereinten Nationen (UNU) veröffentlichte diese Ergebnisse am Sonntag.

Die Studie lenkt die Aufmerksamkeit auf ein seit Jahren bekanntes Problem. Greenpeace meldete bereits im Jahr 2008 stark erhöhte Giftkonzentrationen in der Umgebung der Deponie. Der Schrott stammt aus Industrieländern. Auch deutsche Behörden haben es bislang nicht geschafft, die illegalen Exporte einzudämmen, wie 2010 eine Studie des Umweltbundesamtes nachwies.

Auch die IT-Industrie steht aufgrund des Elektronikschrott-Problems in der Kritik. Im Jahr 2009 verpassten zahlreiche Hersteller wie Dell, HP und Acer das selbst gesteckte Ziel, auf PVC und bromierte Flammschutzmittel zu verzichten. Diese Stoffe sind besonders gefährlich, da bei ihrer Verbrennung Dioxine entstehen können. In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern zerlegen und verbrennen Arbeiter den E-Schrott von Hand, um Metalle wie Kupfer und Stahl freizulegen.

Die nun erneut untersuchte Deponie Agbogbloshie in Accra hat durch zahlreiche Medienberichte in den vergangenen Jahren traurige Berühmtheit erlangt – vor allem, weil dort auch Kinder arbeiten. Die UNU-Forscher weisen darauf hin, dass es nicht die einzige Elektroschrott-Deponie in Ghana ist. (cwo)

Quote
31. Oktober 2011 12:41
Wer es genauer sehen will:
vatsug (mehr als 1000 Beiträge seit 12.03.04)

http://www.youtube.com/watch?v=oqcdk64s9LY

Ist schon bitter.



Aus: "Elektroschrott in Ghana: Forscher schlagen Alarm" (31.10.2011)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Elektroschrott-in-Ghana-Forscher-schlagen-Alarm-1368803.html
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« Reply #7 on: March 14, 2012, 09:14:46 AM »

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[...] Um das in Mobiltelefonen enthaltene Gold stärker als bisher wiederzuverwerten, denkt die Bundesregierung über die Einführung von Handy-Tonnen im Handel nach. Damit könnte sich ähnlich wie bei Batterien die Rückgabequote erhöhen lassen, sagte die Parlamentarische Umweltstaatssekretärin Katherina Reiche (CDU) der dpa. "Handys, die nicht mehr benötigt werden, sind ein echtes Rohstofflager. Eine Tonne Handyschrott enthält 60-mal mehr Gold als eine Tonne Golderz." Die Rückgewinnung dieser Rohstoffe sei deshalb von großer Bedeutung.

Nötig seien einfache und kostengünstige Lösungen für die Bürger. Denkbar seien auch Angebote, gebrauchte Althandys kostenfrei zurückzusenden. Nach Schätzungen werden 60 Millionen bis zu 100 Millionen Althandys von den Bürgern zu Hause gehortet, obwohl die Geräte zurückgegeben werden könnten.

Eine Entsorgung von Handys in der geplanten bundesweiten Wertstofftonne soll es nicht geben, unter anderem, weil andere Stoffe in der Tonne durch die Handys belastet werden könnten. "Es ist nicht vorgesehen, dass Handys in die Wertstofftonne sollen", so ein Sprecher des Umweltministeriums.

Reiche betonte, dass man das von den Grünen vorgeschlagene 10-Euro-Pfand bei Handys zur Erhöhung der Recyclingquote ablehne: Der Aufwand stehe in keinem angemessenen Verhältnis zum Nutzen. "Für ein europarechtskonformes und verbraucherfreundliches Pfand-System müsste sichergestellt sein, dass die Rückgabe nicht nur dort möglich ist, wo das Handy ursprünglich erworben wurde."

Handys würden zudem immer häufiger über den Internethandel und auch aus dem außereuropäischen Ausland vertrieben. Hier wäre ein Pfand nicht durchzusetzen. "Die Händler haben heute aber schon die Möglichkeit, Handys freiwillig zurückzunehmen", meinte Reiche.

Der FDP-Umweltpolitiker Horst Meierhofer betonte: "Wir verfolgen beim Umgang mit alten Handys wie bei allen Elektrogeräten drei Ziele": Funktioniere das Handy noch, solle es weiterverwendet werden. Jeder solle zudem wissen, wo man sein Handy abgeben könne, "idealerweise gegen Bares oder als Spende", sagte Meierhofer und erklärte als dritten Punkt: "Man soll leicht erkennen können, ob das neue Handy recyclinggerecht gebaut ist." (dpa) / (anw)


Aus: "Regierung erwägt Tonnen für Alt-Handys" (14.03.2012)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Regierung-erwaegt-Tonnen-fuer-Alt-Handys-1471347.html

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« Reply #8 on: May 02, 2012, 08:50:21 AM »

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[...] Metalle, Gold, Lithium und Seltene Erden, Erze wie Coltan oder Mineralien wie Kassiterit - alle diese Rohstoffe werden von der Computerindustrie benötigt und irgendwo auf dem Weltmarkt eingekauft. Kein Unternehmen legt bisher die Handelsketten bis hin zu den Rohstoffen offen, wie unter anderem die NGO PC Global bemängelt. Auch eine Zertifizierung von Fair Trade gibt es im IT-Bereich bisher kaum - obwohl der Absatz von fair gehandelten Produkten in Deutschland boomt und 2011 um 18 Prozent gewachsen ist. Projekte wie das Projekt zur Herstellung fairer Elektronik PHeFE, die eine fair produzierte Computermaus ins Leben rufen wollen, sind Randerscheinungen.

Neben Behind the Screen spüren zwei weitere Dokumentarfilme den Ressourcen nach: Blood In The Mobile und Die Lithium-Revolution. Zusammen mit seinem Team (Sandra Heberling, Produktion, und Simon Fraissler, Kamera/Schnitt) hat sich Regisseur Stefan Baumgartner auf die Suche nach der Herkunft des Rohstoffs Gold begeben. Damit wolle er "Transparenz schaffen", sagt Stefan Baumgartner im Interview.

Behind the Screen beginnt seine Suche in Tarkwa in Ghana, bei einem Bauern. Er schaufelt in cyanidverseuchtem Boden nach ein paar Goldkrümeln und filtert sie mühsam über einen feinmaschigen Stoff aus.

Gold braucht die IT-Branche wegen seiner Korrosionsbeständigkeit und der guten leitenden Eigenschaften. Der kostbare Rohstoff hat in Ghana Goldproduzenten auf den Plan gerufen, die die Bauern der Region abfinden wollen. Anglogold Asahanti und Goldfields heißen die großen Abbaufirmen. Anglogold Ashanti, der weltweit drittgrößte Goldproduzent, rühmt sich mit einem Profit von 3,1 Milliarden US-Dollar und einer verdoppelten Dividende. Goldfields verpflichtet sich in einem 14-seitigen Code of Ethics genannten Papier, nach der Devise "gesetzestreu, verantwortungsvoll und fair" zu handeln.

Davon bekommen die illegalen Goldschürfer in Behind the Screen rein gar nichts zu spüren. Ihr Land, das sie als Bauern bestellten und das zwischen den Gebieten der beiden Goldproduzenten liegt, wurde ihnen weggenommen. Seit elf Jahren warten sie auf eine Entschädigung, sagt Regisseur Stefan Baumgartner. Die Landwirtschaft ist unmöglich geworden, da der Boden durch das Cyanid, das beim Goldabbau verwendet wird, vergiftet ist. Das illegale Goldschürfen steht zwar unter Strafe, aber dem Goldschürfer, genannt Galamsey, bleibt nichts anderes als weiter zu graben, um etwas für seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Obwohl der wertvolle Rohstoff in Ghana liegt, hat der Galamsey fast nichts davon. Auch im Ursprungsland Ghana bleibt nur ein kleiner Teil des Gewinns.

Apple, Dell, Sony und HP haben die größten Gewinnmargen. Danach kommen die Festplattenhersteller, die Auftragsfertiger und am Ende der Kette steht der Arbeiter, sagt Christian Zeller, Professor für Wirtschaftsgeografie im Film.

...

Behind the Screen von Stefan Baumgartner läuft am Freitag, dem 27. April um 18 Uhr im Thalia 2, Potsdam.

Blood in the Mobile von Frank Piasecki Poulsen, Deutschland 2010, wurde erstmals bei Arte am 11. April 2012 ausgestrahlt, zuvor lief der Film schon unter dem Titel Blutige Handys im WDR in einer 52-minütigen Version.

Die Lithium-Revolution von Andreas Pichler, Deutschland 2012, lief am Dienstag, dem 10. April 2012 auf Arte.


Aus: "Für ein paar Krümel Gold" Christian Schmidt-David (27.4.2012)
Quelle: http://www.golem.de/news/handy-rohstoffe-fuer-ein-paar-kruemel-gold-1204-91452.html

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« Reply #9 on: May 02, 2012, 08:55:13 AM »

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[...] Schätzungsweise 75 Prozent des Elektronikschrotts der Europäischen Union landen in den Ländern des Südens. Das Team des Dokumentarfilms Behind The Screen ist zu den Menschen nach Ghana gereist, um dort das Ende des Lebenszyklus von PCs und Notebooks zu filmen.

Nach Schätzungen der umweltpolitischen Sprecherin der Grünen, Dorothea Steiner, werden 25 Prozent des Elektronikschrotts in der Europäischen Union gesondert eingesammelt. Der Weg der restlichen 75 Prozent ist unklar und endet vermutlich in den Ländern des Südens. Mit katastrophalen Folgen für die dort lebenden Menschen.

"Jeden Monat werden über 500 Containerladungen Elektronikschrott aus den Industrieländern nach Ghana gebracht", erklärte der Umweltaktivist Mike Anane dem Filmteam von Behind The Screen, das zwei Wochen in dem westafrikanischen Land war. "Etwa 90 Prozent dieser Elektronikgeräte enden hier in Agbogbloshie." ...

... Erd- sowie Sedimentproben von Greenpeace auf Schrottplätzen in Accra und in Koforidua, im Osten des Landes, ergaben, dass dort Bleikonzentrationen zum Teil 100-mal höher als in nicht kontaminierter Erde sowie Belastungen durch Kadmium oder Phthalate gefunden wurden. Phthalate, oder Phthalsäureester, setzt die Industrie als Weichmacher für Kunststoffe ein. Ausgesetzt sind den Giften vor allem Kinder, die an offenen Feuern Computer und Handys auseinandernehmen, meist ohne Arbeitshandschuhe oder Atemschutz.

"Eine Menge der Kinder, die hier arbeiten, werden ihren 20. Geburtstag wohl nicht erleben. Viele davon sind zwischen fünf und zehn Jahre alt. Sie sind den Schwermetallen fast rund um die Uhr ausgesetzt. Diese Stoffe verursachen Krebs. Auch das Erdreich ist mit großen Mengen Blei verseucht, ebenso die Luft. Viele von ihnen haben Wachstumsstörungen, Atemprobleme, Kopfschmerzen oder Ausschläge."

Wie die Umweltschutzorganisation Greenpeace erklärte, verbietet die EU-Gesetzgebung zwar den Müllexport, erlaubt aber die Ausfuhr vermeintlich wiederverwertbarer Secondhandwaren, auch wenn diese fast immer unbrauchbar sind.

In Accra erklärt ein Besitzer eines Ladens für gebrauchte Computer: "Wir bekommen die meisten Computer von Dell, HP und Toshiba. Die meisten Laptops funktionieren gar nicht. Die Bildschirme und die Festplatten sind immer kaputt. Die Teile sind teuer und schwer zu bekommen. Deshalb verkaufen wir die Geräte als 'ungetestete' Ware. Fast 90 Prozent der Waren sind kaputt. Für die bekomme ich gar nichts." Die Lieferungen kommen aus London.

Ein anderer Händler in Accra bekommt die Container aus den USA geliefert. Er hat Techniker, die einige defekte Desktop-PCs reparieren können und verkauft sie für 80 Euro. Das Geschäft läuft gut, doch er wünscht sich, neue Rechner in sein Land importieren zu können.


Aus: "Fünfjährige Kinder zerlegen Elektronikschrott in Ghana" Achim Sawall (28.4.2012, 09:30 )
Quelle: http://www.golem.de/news/behind-the-screen-fuenfjaehrige-kinder-zerlegen-elektronikschrott-in-ghana-1204-91437.html

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