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« on: June 12, 2008, 09:45:40 AM » |
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[...] Im April 2006 veröffentlichte Terre des hommes Zahlen, nach denen mehr als 12 Millionen Menschen als Sklaven betrachtet werden müssen. Diese Zahlen wurden später von Seiten der Vereinten Nationen bestätigt. Davon seien etwa die Hälfte Kinder und Jugendliche. Es handelt sich um Opfer von Menschenhandel und Zwangsarbeit.
[...] In fast allen Epochen wurde das Halten von Sklaven auch ideologisch untermauert. Die Griechen teilten die Menschheit in Griechen und Barbaren ein, und es schien nur gut und gerecht, Barbaren zu Sklaven zu machen. Aristoteles behauptete, dass einige Menschen einfach von Natur aus Sklaven seien[10] und es besser für sie sei, überlegenen Menschen als Sklaven zu dienen. Cicero spricht später von Juden und Syrern als „Menschen, die zu Sklaven geboren wurden“, und er meint, dass es einigen Nationen gut tue, wenn sie sich in einem Zustand totaler politischer Unterwerfung befinden. Vor allem die Ansichten von Aristoteles wurden auch später benutzt, um der Sklaverei eine ideologische Begründung zu geben.
So war auch im Mittelalter ein Argument für Sklaverei und Sklavenhandel, dass damit die Christianisierung gefördert werde. Mit den päpstlichen Bullen Dum Diversas (1452) und Romanus Pontifex (1455) wurde es Christen erlaubt, Sarazenen, Heiden und andere Feinde des Christentums zu versklaven und ihren Besitz zu nehmen[6]. Später wurde mit der Bulle Sublimus Dei (1537) festgestellt, dass Indianer und andere Völker echte Menschen sind, die in der Lage sind, den katholischen Glauben zu verstehen. Nun wurde es verboten, ihnen die Freiheit und ihren Besitz zu nehmen.
Im Fall der dalmatischen fante, deren Unfreiheit zeitlich begrenzt war, wurde betont, dass einige Jahre in sklavenähnlichem Arbeitsverhältnis notwendig seien, damit sie ausreichend Zeit zum Lernen hätten. 1510 wurden die Theorien von Aristoteles zum ersten Mal von dem schottischen Gelehrten John Major auf die amerikanischen Indianer angewendet.[11] Noch im 19. Jahrhundert wurden vergleichbare Ansichten vertreten. George Fitzhugh publizierte 1854 ein Buch, in dem er sagte: „Einige Menschen sind mit einem Sattel auf dem Rücken geboren, und andere sind gestiefelt und gespornt, um diese zu reiten. Und es tut ihnen gut!“[12]
[...]
[11] # ↑ Lewis Hanke: Aristotle and the American Indians, A study in Race Prejudice in the Modern World, 1959, S. 14 [12] # ↑ Sociology of the South, or the Failure of Free Society, Richmond 1854, S. 179
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sklave (8. Juni 2008)
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« Reply #1 on: June 12, 2008, 09:50:43 AM » |
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Spitou Mendy: [...] Jeder kann sich informieren, was für unglaubliche Arbeitsbedingungen auf diesen Plantagen herrschen. Wenn allen klar wäre, dass auf den Tellern in Frankreich, England und Deutschland Früchte landen, die von modernen Sklaven angebaut werden, gäbe es so viel Druck, dass die Plantagenbesitzer ihren Verpflichtungen nachkommen müssten.
Aus: ""Von modernen Sklaven angebaut"" Spitou Mendy erklärt den bitteren Beigeschmack von Discounter-Gemüse aus Andalusien (14.05.2008 ) Quelle: http://www.taz.de/regional/nord/bremen/artikel/?dig=2008%2F05%2F14%2Fa0177&src=UA&cHash=fa28ed81a0-.- [...] Moskau - Auf einem Industriegelände im Dorf Tschulkowo, südöstlich von Moskau, schlug am Wochenende eine Sondereinheit der russischen Polizei zu. Die Einsatzkräfte befreiten 49 Usbeken, die von kriminellen aserbaidschanischen Sklavenhaltern gefangen gehalten wurden.
[...] Die Kriminellen hatten den Usbeken die Pässe abgenommen. Die Arbeiter bekamen seit Monaten keinen Lohn. Ihnen wurde erklärt, sie müssten ihre "Schulden" für ihre Reise nach Russland abarbeiten.
Wer aufmuckte wurde zusammengeschlagen. Fünf Usbeken müssen wegen der Zwangsarbeit längere Zeit medizinisch behandelt werden.
Wie die Nachrichtenagentur Ria Nowosti mitteilt, wurden zwei Aserbaidschaner verhaftet. Sie sollen wegen Freiheitsberaubung und Sklaverei angeklagt werden.
Aus: "SKLAVENHALTUNG IN RUSSLAND - Verschleppt, geschlagen, zum Arbeiten gezwungen" Von Ulrich Heyden, Moskau (12.06.2008) Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,559089,00.html-.- [...] Schauen Sie in die Vergangenheit. Zehntausend Jahre haben sich Menschen andere Menschen als Sklaven gehalten. Nun reden wir uns gern ein, dass die Sklaverei abgeschafft wurde, weil wir so human geworden sind. Aber die Wahrheit ist: Durch die industrielle Revolution ist die Sklaverei überflüssig geworden. Ab einem bestimmten Zeitpunkt war es billiger, den Ofen eines Kohleofens zu füllen, als den Mund eines Sklaven.
Aus: "Interview: „Langfristig wird die Arbeit verschwinden“ - US-Ökonom Jeremy Rifkin: Deutschland führt Scheindiskussion" (STUTTGARTER ZEITUNG, Stand 12.06.2008, Datum ?) Quelle: http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/916564_0_2147_interview-langfristig-wird-die-arbeit-verschwinden-.html
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« Last Edit: June 12, 2008, 09:57:47 AM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #2 on: June 12, 2008, 10:06:22 AM » |
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[...] Dem Hauptzollamt Augsburg zufolge sind die Erntehelfer nach bisherigen Ermittlungen von einem württembergischen Agenten angeheuert und zu der Plantage bei Rain am Lech/Donauwörth vermittelt worden. Sie sollen einen Stundenlohn von 1,00 Euro bis 1,20 Euro, der sich nach der gepflückten Menge errechnete, bekommen haben. „Sie müssen sich mal vorstellen, wie das gelaufen ist. Die wurden quasi zur Nachlese auf die Felder geschickt, wenn zuvor die polnischen Erntehelfer schon beim Pflücken draußen waren“, sagte Sprecher Bernd Wallner. So hätten die Rumänen nur wenig Erdbeeren pflücken können und das, obwohl sie täglich bis zu dreizehn Stunden arbeiten mussten. 16.06.2007 10:20:19
Ernstol: @DateDoktor: Sklaverei
Ich bin genauso gegen Sklaverei wie Sie auch. Nur habe ich das Gefühl, daß es in unserer Gesellschaft zunehmend Leute gibt, die Sklaverei (Sie können Sklaverei auch eine Erscheinungsform der Globalisierung oder des Kapitalismus nennen...) gut heissen.
Dieses Beispiel des Erdbeer-anpflanzenden verbeamteten Bauern mit Berufserfahrung als Verkehrspolizist zeigt doch geradezu symptomatisch auf welchem Weg unsere Gesellschaft ist:
Dieser Herr hat doch nichts anderes gemacht als deutsche Unternehmen, die ihre Werke in Deutschland zusperren und in China, Indonesien etc. neu aufbauen und dort Billiglöhner anheuern.
Nur dann wird es halt nicht Sklaverei genannt, sondern "überlebensnotwendiger Schachzug um den Bestand des Unternehmens in Deutschland zu ermöglichen". Das sehen zwar die von der Globalisierung unmittelbar Betroffenen (i.d.R. nunmehr arbeitslose ehem. Mitarbeiter) anders, aber für diese Leute gibt es ja Hartz IV. Hartz IV als eine Art Feigenblatt der deutschen Gesellschaft, ihren durch Globalisierung aussortierten Mitbürgern wenigstens noch eine Art Restwürde zu ermöglichen, die sie vor dem 1-Euro-Job auf dem Erdbeerfeld schützen soll.
Vor diesem Hintergrund finde ich es in der Tat unfair, auf den Bauern immer wieder einzuhacken. Sein einziger Fehler war, daß er seine Erdbeerfelder nicht in China hat!
15.06.2007 20:07:08
mitchiru: erdbeerfelder
Die Geschichte ist denkbar traurig. Nie hätte ich gedacht, dass so etwas in Bayern möglich ist.
Wer Interesse an der Materie hat, der Roman von Marina Lewycka, "Two Caravans" beschreibt das Schicksal einer illegalen Erntehelferin in England. Ich denke, auf deutsch ist der Titel "Caravan".
Aus: "Erdbeerplantage - Bauer hält 118 Rumänen wie Sklaven" - Harte Feldarbeit, Hunger und einen Stundenlohn von 1,20 Euro. Was sich wie Zustände in der Dritten Welt anhört, hat sich tatsächlich auf einer Erdbeerplantage in Donauwörth abgespielt (SZ, 16.06.2007 ) Quelle: http://www.sueddeutsche.de/bayern/artikel/904/118765/
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« Reply #3 on: November 24, 2008, 11:26:45 AM » |
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[...] Die polnische Polizei sucht mit Hilfe der italienischen Behörden nach Polen, die seit dem Jahr 2000 in Italien verschwunden sind. Die Vermissten wurden offenbar Opfer krimineller Organisationen.
In den letzten acht Jahren sind in Italien rund 1500 Menschen aus Polen verschwunden. Die italienischen Behörden gehen davon aus, dass die polnischen Staatsbürger zu Opfern mafiöser Organisationen geworden sind. Diese stehen im Verdacht, Immigranten auf den süditalienischen Feldern wie Sklaven auszubeuten. Die Liste der Verschollenen ist auf der Webseite der polnischen Polizei abrufbar, berichtete die Turiner Tageszeitung «La Stampa».
Dutzende von Polen seien in den vergangenen Jahren vor allem in der süditalienischen Region Apulien tot gefunden worden, hiess es. Viele Todesfälle wurden als Unfälle angezeigt, die Polizei vermutet jedoch, dass die Polen Opfer einer Racheaktion ihrer mafiöser Ausbeutung seien. Die meisten der Opfer waren mit dem Versprechen nach Italien gelockt worden, in der Landwirtschaft zu arbeiten.
Die Polizei geht davon aus, dass die Polen in die Maschen krimineller Organisationen geraten sind, die sich seit Jahren mit dem Handel illegaler Immigranten auf den Feldern Süditaliens bereichern. In Süditalien werden laut Schätzungen der Gewerkschaften über 40'000 Schwarzarbeiter beschäftigt, 10'000 davon sind Ausländer. Sie verdienen 20 Euro für zehn Stunden Arbeit auf den Feldern und leben in Baracken ohne Strom und Wasser. (vin/sda)
Aus: "1500 Polen sind in Italien verschollen" (Aktualisiert am 22.11.2008) Quelle: http://www.bazonline.ch/panorama/vermischtes/1500-Polen-sind-in-Italien-verschollen/story/27898796
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« Reply #4 on: December 03, 2008, 12:26:22 PM » |
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[...] Wien (AP) In Europa gibt es nach Darstellung der EU-Agentur für Grundrechte (FRA) einen Schwarzmarkt für ausländische Arbeitskräfte, der praktisch einem Sklavenmarkt gleicht. Selbst Kinder und Jugendliche würden häufig gezwungen, unter menschenunwürdigen Bedingungen zu arbeiten, erklärte FRA-Direktor Morten Kjaerum am Dienstag in Wien. Gegenüber der Nachrichtenagentur AP äußerte er die Sorge, dass sich diese Situation im Zuge der globalen Finanzkrise weiter verschärfen werde. Hunderte, wenn nicht tausende Kinder würden jährlich nach Europa eingeschleust und verschwänden binnen kürzester Zeit, sagte Kjaerum. Es gebe genügend Anlass zu der Befürchtung, dass sie fortan wie Sklaven in illegalen Beschäftigungsverhältnissen ausgebeutet würden.
Aus: "EU-Agentur für Grundrechte warnt vor Sklavenmarkt in Europa" (02.12.2008) Quelle: http://www.pr-inside.com/de/eu-agentur-fuer-grundrechte-warnt-vor-r945486.htm
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« Reply #5 on: January 08, 2009, 07:30:45 PM » |
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[...] Bill steht um fünf Uhr morgens auf, wischt den Boden, kehrt den Hof und setzt das Wasser auf. Er füttert das Schwein, jätet die Beete, und schläft auf dem Boden. Als Mahlzeit kriegt er jeweils eine Hand voll Reste. Bill ist 7 und lebt in Haiti. Muong sät und erntet Getreide, das er nicht essen darf. Er trägt so grosse Wassermengen, dass sein Rücken kaputtgeht. Er hütet Ziegen und Kühe, sammelt Feuerholz, macht die Hausarbeit, wird geschlagen. Muong ist 12 und lebt im Sudan. Das Mädchen ohne Namen wird pro Nacht 5- bis 20-mal zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Durchs T-Shirt sieht man Schnittwunden, und die tränenverschmierte Schminke kaschiert nicht, dass die junge Frau am Downsyndrom leidet - und am Leben. Für 2000 Euro ist sie zu haben: «Keine Spielregeln. Was du willst. Für zwei Monate», sagt ihr Besitzer. Sie ist 28 und lebt in Rumänien. Diese drei Schicksale stehen für Millionen. Aufgeschrieben hat sie der US-Journalist Benjamin Skinner, der in den vergangenen fünf Jahren über 100 Interviews mit Sklaven, Menschenhändlern und Entkommenen geführt hat. In zwölf Ländern auf vier Kontinenten hat er recherchiert und, ein einziges Mal, auch interveniert. In Haiti hat man ihm eine Neunjährige für Hausarbeit und Sex verkaufen wollen, Preis 100 Dollar. Man nennt so ein Mädchen (oder einen Buben) für alles ein «Restavec», verbrämt die Sache als soziale Wohltat - und meint Sklaverei. In der Türkei wiederum wurden Skinner gleich ein Dutzend Frauen aus Moldawien und der Ukraine zum Kauf angeboten - ganz ohne Verbrämung. Jetzt hat er ein aufrüttelndes Buch zusammengestellt, das auf Deutsch unter dem Titel «Menschenhandel» erschienen ist. Es bestätigt, was etwa die Nichtregierungsorganisation Free the Slaves am 2. Dezember, dem Internationalen Tag der Abschaffung der Sklaverei, in trockenen Zahlen rapportiert hat: Nie gab es mehr Sklaven als heute - Menschen, die mit Drohungen und Gewalt zur Arbeit gezwungen werden, keine Bezahlung erhalten und nicht davonlaufen können. Und es gibt sie überall: 24 Millionen in Asien, 1,3 Millionen in Lateinamerika und der Karibik, 1 Million in Afrika und dem Mittleren Osten, einige Hunderttausend in Europa und Eurasien sowie mehr als 50'000 in den USA. Skinner räumt ein, dass die Zahlen umstritten sind. So zählten die Vereinten Nationen 2006 «nur» 12 Millionen Sklaven; wer hingegen auch die mager entlöhnte, «freiwillige» Kinderarbeit mitrechnet, muss auf weit über 200 Millionen nach oben korrigieren. Aber Skinner gehts ohnehin nicht um Statistik, sondern um die Sensibilisierung für die Formen moderner Sklaverei, die oft im Verborgenen stattfindet; und, zuallererst, um die Menschen und ihre Geschichten - Geschichten, die es im 21. Jahrhundert gar nicht mehr geben dürfte. Schliesslich wurde die erste Abschaffungsinitiative 1787 ins Leben gerufen, und Artikel 4 der Internationalen Erklärung der Menschenrechte hält seit 1948 fest: «Sklaverei und Sklavenhandel sind in allen Formen verboten.» Skinners Vorfahren hatten sich im US-Bürgerkrieg für die Abschaffung der Sklaverei stark gemacht. Es war ein Schock für ihn, als er 2003 auf einer Reise für «Newsweek International» im Sudan einen jungen Mann kennen lernte, gleich alt wie er, 27, der keine Jugend gekannt hatte, sondern nur Gewalt und Plackerei; der voller Narben war und ein Analphabet - aber endlich frei: Muong. Am Beispiel Sudan zeichnet Skinner nach, wie es zur kaum verdeckten, staatlich tolerierten oder gar geförderten Sklaverei kommen kann. Mit der Entdeckung der Ölfelder im Südsudan in den 1980er-Jahren flammte der Bürgerkrieg zwischen den arabischstämmigen Muslimen aus dem Norden und den schwarzafrikanischen, nicht muslimischen Dinka aus dem Süden wieder auf. Nordsudanesische Milizen haben Tausende Dinka verschleppt. Die Männer wurden erschlagen, die Frauen für Hausarbeit und Sex versklavt, die Kinder - die oft auch vergewaltigt wurden - für Stallarbeit. Sklaverei und Genozid gingen Hand in Hand. Und eine internationale politische Verurteilung solcher Praktiken zu erreichen, geschweige denn ein gemeinsames politisches Handeln, erscheint fast als Ding der Unmöglichkeit. Detailliert beschreibt der Reporter etwa die Bemühungen von John Miller - der von 2002 bis 2006 als oberster Sklavenbefreier der USA amtete. Manchmal ist das zu detailliert, liest sich wie ein Mix aus Politkrimi und psychologischer Studie und gerät dabei auf Nebenschauplätze des Themas. Dass Skinner solche Umwege unterlaufen, liegt freilich am journalistischen Temperament: Jedes der zehn Kapitel zoomt, bei allem Faktenreichtum, auf die persönliche Story seiner Interviewpartner. Skinners Stärke ist die Schilderung von Menschen und Lebensumständen. Wenn er etwa die Folgen der unseligen Vermischung von traditioneller Kultur, Kolonialgeschichte und Globalisierung in Indien skizziert, zitiert er nicht nur Experten. Sondern er verbringt eine lange Zeit mit Gonoo und seiner Familie und nimmt uns dabei mit. Gonoos ganzes Leben hat sich auf 250 Metern rund um eine Kiesgrube abgespielt. Seine Hände sind verhärtete Schaufeln und von Arthrose verkrümmt, zwei Finger sind futsch; Gonoos Frau macht die Grubenarbeit todkrank, eins seiner Kinder - die er nicht vor der Arbeit bewahren kann - stirbt. 62 US-Cent hatte sich Gonoos Grossvater 1958 vom Besitzer eines Bauernhofes geliehen, um die kleine Mitgift für Gonoos Mutter zu bezahlen: «Drei Generationen und drei Besitzer später lebte die Familie noch immer in Sklaverei.» In Indien wie überall ist die Leibeigenschaft verboten, und dennoch ist sie gang und gäbe. Dass offizielle Stellen dies leugnen - wie Skinner belegt -, gehört zum Geschäft. Und Sklavenhandel wie Sklavenhaltung sind ein gutes Geschäft, trotz zahlreicher Anti-Sklaverei-Abkommen und Verträge gegen ausbeuterische Arbeitsverhältnisse. Meist ist es die Armut, nicht «die Kultur», die Eltern ihre Kinder verkaufen lässt oder Erwachsene ihre Freiheit und ihr Recht auf Lohn. Bisweilen nehmen sie auch einen Job an, der sich unerwartet als Gefängnis und Folter entpuppt - wie manche junge Frau aus dem Osten oder mancher nach Dubai eingeflogene Bauarbeiter. Viele Politiker meinen daher, erst mit dem Ende der Armut komme das Ende der Sklaverei und legen die Hände in den Schoss. Skinner dagegen glaubt, dass das Problem im Laufe einer Generation lösbar sei. Seine Stichworte: Krankenversicherung für alle, sodass die Verschuldung wegen Krankheit aufhört; kostenlose Schulbildung für alle, damit die Kinder nicht auf falsche Versprechen hin weggegeben werden; Landrechte und Mikrokredite für geknechtete Landarbeiter; strikte internationale Kontrollen und Sanktionen. Er ruft nach sozialverantwortlichen Unternehmern und kritischen, engagierten Konsumenten. «Wir sind alle gefordert.» Recht hat er. Rufen wird er wohl trotzdem vergeblich. (Tages-Anzeiger) Das Buch: Benjamin Skinner, Menschenhandel. Sklaverei im 21. Jahrhundert. Aus dem Englischen von Jürgen Neubauer. Luebbe. 412 S., ca. 37 Fr.
Aus: "Ein neunjähriges Mädchen kostet 100 Dollar" Von Alexandra Kedves (08.01.2009) Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/Ein-neunjaehriges-Maedchen-kostet-100-Dollar/story/31243372
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lemonhorse
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« Reply #6 on: May 20, 2009, 11:16:43 AM » |
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[...] In einer Textilfabrik in Bangladesch, die für den deutschen Handelskonzern Metro produziert, hat sich eine junge Frau laut einer Hilfsorganisation unter dem Druck ihrer Chefs zu Tode geschuftet. Die 18-jährige Fatema Akter sei im Dezember während ihrer Schicht tot zusammengebrochen, berichtete die US-Organisation National Labor Committee (NLC).
Demnach musste das Mädchen an sieben Tage in der Woche 13 bis 15 Stunden in der Textilfabrik in der Hafenstadt Chittagong arbeiten und pro Stunde bis zu hundert Jeanshosen reinigen. Bei einem regulären Arbeitstag verdienen die Arbeiterinnen nach Recherchen des (NLC) häufig lediglich 69 Cent. Dies reicht nicht, um die Grundbedürfnisse einer Familie zu decken.
Der 18-Jährigen wurde NLC-Bericht zufolge trotz Erschöpfung und Schmerzen in Brust und Armen ein freier Tag zur Erholung verweigert. Stattdessen habe der Vorgesetzte das Mädchen hart ins Gesicht geschlagen und ihr befohlen, ihre Arbeit fortzusetzen. Demnach waren für die Arbeiter in der Fabrik 14-Stunden-Schichten ohne Pause, erzwungene Überstunden und Schläge an der Tagesordnung.
Rund 80 Prozent der in der Fabrik hergestellten Textilien wurden laut NLC für den deutschen Handelsriesen Metro produziert. Der Konzern bedauerte den Todesfall der 18-Jährigen in einer Erklärung "zutiefst" und kündigte den Vertrag mit dem für die Fabrik verantwortlichen Hersteller in Bangladesch mit sofortiger Wirkung.
Menschenrechtsgruppen hatten in der Vergangenheit wiederholt die Arbeitsbedingungen in Bangladesch kritisiert. In Tausenden Textilfabriken in dem südasiatischen Land werden zu Billiglöhnen Waren für den Weltmarkt hergestellt.
Aus: "Frau arbeitet sich zu Tode - Metro-Näherei in Bangladesch" (13.05.2009) Quelle: http://www.sueddeutsche.de/panorama/851/468416/text/
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« Reply #7 on: August 18, 2011, 03:07:16 PM » |
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[...] Die brasilianischen Behörden ermitteln gegen die spanische Mode- und Textilkette Zara wegen dem Verdacht der Zwangsarbeit. Dies gab ein Sprecher der brasilianischen Aufsichtsbehörde am Mittwoch in Sao Paulo bekannt. Nach seiner Aussage werde Zara vorgeworfen im Bundesstaat Sao Paulo Arbeitnehmer unter Bedingungen zu beschäftigen, die an Sklaverei grenzen würden.
Die Staatsanwaltschaft habe ihre Ermittlungen bereits im Mai diesen Jahres aufgenommen und in Americana, einer Stadt 130 km südlich von Sao Paulo 52 Bolivianer aufgefunden, die schwarz gearbeitet hätten. Ihre Arbeitsbedingungen seien dabei miserabel gewesen, so der Sprecher. Sie hätten unter gesundheitsschädlichen, entwürdigenden Bedingungen gearbeitet, die hygienischen Zustände in den Unterkünften seien äußerst bedenklich gewesen und die Bolivianer hätten "im Schnitt 14 Stunden am Tag" gearbeitet, sagte der Sprecher weiter.
Zudem wurden in Sao Paulo selbst zwei weitere Schneidereien entdeckt, die Kleiderteile für Zara herstellen. Eine Nichtregierungspartei teilte ebenfalls am Mittwoch mit, dass sie Ende Juli bereits 15 Zwangsarbeiter aus den Schneiderateliers befreit hätten. An beiden Orten wurden Kleider der entsprechenden Marke sichergestellt.
Zaras spanischer Mutterkonzern Inditex, der durch die Kette Zara zum größten Kleiderkonzern der Welt geworden ist, nehme Dienstleistungen eines brasilianischen Subunternehmens an, der wiederum mit mehreren illegalen Schneiderateliers zusammenarbeiten würde, erklärte der Sprecher der Behörden. Inditex räumte mittlerweile "Unregelmäßigkeiten" ein. Das brasilianische Arbeitsministerium gab an, das gegen Zara wegen zahlreicher Unregelmäßigkeiten bereits mehr als 50 Mal Bußgelder verhängt wurden seien. Nun hat die Staatsanwaltschaft erneut Anklage erhoben.
Aus: "Brasilianische Behörden ermitteln wegen Zwangsarbeit gegen Zara" BERLINER UMSCHAU-Meldung vom 18.08.2011 Quelle: http://www.berlinerumschau.com/news.php?id=28216&title=Brasilianische+Beh%F6rden+ermitteln+wegen+Zwangsarbeit+gegen+Zara+&storyid=1001313671843
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« Reply #8 on: September 12, 2011, 04:49:45 PM » |
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[...] In den heruntergekommenen Wohnwagen und Hütten hausten 24 abgemagerte Männer im Alter von 20 bis 50 Jahren. Ihre Köpfe waren kahlrasiert, und ihre Kleidung verströmte den Geruch der eigenen Exkremente. Die Sachen eines Mannes waren sogar mit Hundekot verschmiert.
Wie Sklaven hätten die Männer gelebt, sagte der Leiter der Razzia, Sean O'Neil. Die Behausungen seien dreckig und überfüllt gewesen. Zu viert hätten sich die Männer ungeheizte Wohnwagen teilen müssen, andere hätten in Gartenhäuschen, Hundezwingern oder sogar in einem Pferdeanhänger Unterschlupf gefunden. Es gab keine Toiletten und kein fließendes Wasser, und - nach dem körperlichen Zustand der Opfer zu urteilen - wohl auch nicht viel zu essen. Die Sklavenarbeiter, darunter 17 Briten, drei Polen und vier weitere Osteuropäer, brauchten erstmal medizinische Behandlung.
Die Männer waren in Suppenküchen, Obdachlosenheimen und Arbeitsämtern rekrutiert worden. Viele waren gescheiterte Existenzen, dem Alkohol zugetan und vereinsamt, sozusagen die idealen Opfer: Niemand würde sie vermissen.
Die Peiniger hatten den Männern 80 Pfund am Tag, Essen und Unterkunft versprochen. Sobald sie in der Siedlung ankamen, wurden ihnen die Haare abrasiert und die Handys weggenommen. Sie wurden zur Arbeit gefahren, mussten Straßen bauen und andere Tagelöhnerjobs verrichten, zwölf Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. Den versprochenen Lohn gab es allerdings nicht, und auch frische Kleidung wurde ihnen vorenthalten.
Wer abhaue, werde gefunden und zusammengeschlagen, drohte man ihnen. "Ihnen wurde gesagt: Ihr habt keine Familie, wir sind eure Familie", so Kriminalkommissar O'Neil. Die Einschüchterung wirkte, einer der Männer soll bereits seit 15 Jahren in dem Arbeitslager gelebt haben.
Die britischen Boulevardblätter zogen sogleich Vergleiche zur Nazi-Zeit. "Kahlrasiert, ausgehungert und geschlagen", titelte die "Daily Mail", das seien Zustände wie in einem "Konzentrationslager aus dem Krieg". Die "Sun" fühlte sich ebenfalls an ein Konzentrationslager erinnert und wetterte gegen die "Zigeunerbande, die Sklaven einsperrte".
Die Polizei nahm vier Männer und eine Frau fest, sie werden der Sklaverei beschuldigt. Die Frau wurde am Montag gegen Kaution freigelassen. Nach drei weiteren Verdächtigen wird noch gefahndet. Alle mutmaßlichen Täter sollen irische Traveller sein. Wie Sinti und Roma leben die Traveller in Wohnwagensiedlungen, vor allem in Großbritannien und Irland. Die Green Acres Caravan Site wird bereits seit Jahren von Travellern bewohnt, neben Wohnwagen gibt es dort auch feste Häuser. Die Polizei stellte bei der Razzia auch Waffen, Drogen und mehrere tausend Pfund Bargeld sicher.
Der "Daily Telegraph" nannte das Lager "einen der schlimmsten Fälle moderner Sklaverei". Die Behörden müssen sich allerdings fragen lassen, warum sie erst jetzt eingegriffen haben. In den vergangenen Jahren waren immer wieder einzelne Arbeiter geflohen und hatten von ihrer Qual berichtet, die Polizei hatte Kenntnis von 28 Fällen. Die ersten Hinweise auf die Zustände hatte es bereits 2008 gegeben.
Auch ist es bei weitem nicht der einzige Fall in Großbritannien. Paul Donohoe von Anti-Slavery International erinnerte im "Independent" daran, dass schätzungsweise mehr als 5000 Menschen auf der Insel unter sklavenähnlichen Bedingungen lebten. Die meisten stammen aus Nigeria, China und Vietnam. Die Hälfte sind Frauen, die häufig als Prostituierte oder Haushaltshilfen arbeiten, ein Viertel sind Kinder.
...
Aus: "Großrazzia in England - Sklavenhalter im Wohnwagen" Von Carsten Volkery, London (12.09.2011) Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,785775,00.html
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