COMMUNICATIONS LASER #17
May 21, 2012, 07:12:41 PM *
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Author Topic: [Die Gewalt des Gedanklich-Realen... ]  (Read 2929 times)
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« on: June 13, 2005, 09:43:34 AM »

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[...] "Ich scheue mich nicht, mitzuteilen, was mir selbst unzählige Male geschehen ist. Manchmal, wenn ich in gewohnter Weise meine philosophischen Gedanken niederschreiben wollte und ganz scharf sah, was festzustellen wäre, fand ich doch meinen Geist unfruchtbar und steif, so daß ich ohne etwas fertig zu bringen, ablassen mußte und mir in nichtigem Wähnen befangen vorkam; zugleich aber staunte über die Gewalt des Gedanklich-Realen, dem es obliegt, den Schoß der Menschenseele zu öffnen und zu schließen.
Andermal aber fing ich leer an und kam ohne weiteres zur Fülle, indem die Gedanken wie Schneeflocken oder Samenkörner von obenher unsichtbar herabgeflogen kamen, und es mich wie göttliche Kraft ergriff und begeisterte, so daß ich nicht wußte, wo ich bin, wer bei mir ist, wer ich selber bin, was ich sage, was ich schreibe: denn jetzt war mir der Fluß der Darstellung gegeben, eine wonnige Helle, scharfer Blick, klare Beherrschung des Stoffes, wie wenn das innere Auge nun alles mit der größten Deutlichkeit erkennen könnte." (Philo)


Aus: "PLATO ALS MYSTIKER" (R. STEINER: "DAS CHRISTENTUM ALS MYSTISCHE TATSACHE
UND DIE MYSTERIEN DES ALTERTUMS")
Quelle: http://www.anthroposophy.com/Steinerwerke/ga8005.html
« Last Edit: September 05, 2007, 07:22:43 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #1 on: June 13, 2005, 09:47:01 AM »

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Beim Zustandekommen der Welterscheinungen mag das Denken eine Nebenrolle spielen, beim Zustandekommen einer Ansicht darüber kommt ihm aber sicher eine Hauptrolle zu.

[...] Wer das Denken beobachtet, lebt während der Beobachtung unmittelbar in einem geistigen, sich selbst tragenden Wesensweben darinnen. [...]
Wer durchschaut, was bezüglich des Denkens vorliegt, der wird erkennen, daß in der Wahrnehmung nur ein Teil der Wirklichkeit vorliegt und daß der andere zu ihr gehörige Teil, der sie erst als volle Wirklichkeit erscheinen läßt, in der denkenden Durchsetzung der Wahrnehmung erlebt wird. Er wird in demjenigen, das als Denken im Bewußtsein auftritt, nicht ein schattenhaftes Nachbild einer Wirklichkeit sehen, sondern eine auf sich ruhende geistige Wesenhaftigkeit. Und von dieser kann er sagen, daß sie ihm durch Intuition im Bewußtsein gegenwärtig wird. Intuition ist das im rein Geistigen verlaufende bewußte Erleben eines rein geistigen Inhaltes. Nur durch eine Intuition kann die Wesenheit des Denkens erfaßt werden.

(R. Steiner; Die Philosophie der Freiheit; NEUAUSGABE 1918)
« Last Edit: September 05, 2007, 07:22:22 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #2 on: June 13, 2005, 09:50:53 AM »

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...so will ich nicht müde werden, eine kleine kurze Thatsache immer wieder zu unterstreichen, welche ungern zugestanden wird, - nämlich, dass ein Gedanke kommt, wenn "er" will, und nicht wenn "ich" will; so dass es eine Fälschung des Thatbestandes ist, zu sagen: das Subjekt "ich" ist die Bedingung des Prädikats "denke". Es denkt: aber dass dies "es" gerade jenes alte berühmte "Ich" sei, ist, milde geredet, nur eine Annahme, eine Behauptung, vor Allem keine "unmittelbare Gewissheit". Zuletzt ist schon mit diesem "es denkt" zu viel gethan: schon dies "es" enthält eine Auslegung des Vorgangs und gehört nicht zum Vorgange selbst. Man schliesst hier nach der grammatischen Gewohnheit "Denken ist eine Thätigkeit, zu jeder Thätigkeit gehört Einer, der thätig ist, folglich -". Ungefähr nach dem gleichen Schema suchte die ältere Atomistik zu der "Kraft", die wirkt, noch jenes Klümpchen Materie, worin sie sitzt, aus der heraus sie wirkt, das Atom; strengere Köpfe lernten endlich ohne diesen "Erdenrest" auskommen, und vielleicht gewöhnt man sich eines Tages noch daran, auch seitens der Logiker ohne jenes kleine "es" (zu dem sich das ehrliche alte Ich verflüchtigt hat) auszukommen.

Friedrich Nietzsche in "Jenseits von Gut und Böse"

« Last Edit: November 20, 2008, 11:23:45 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #3 on: June 13, 2005, 09:52:55 AM »

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"Das Denken hat den Ideen gegenüber dieselbe Bedeutung wie das Auge dem Lichte, das Ohr dem Ton gegenüber. Es ist Organ der Auffassung. [...] Unser Bewußtsein hat nicht die Fähigkeit, Gedanken zu erzeugen und aufzubewahren, wie man so vielfach glaubt, sondern die Gedanken (Ideen) wahrzunehmen."
 
(R. Steiner)
« Last Edit: October 31, 2007, 04:30:24 PM by lemonhorse » Logged
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« Reply #4 on: June 13, 2005, 09:55:21 AM »

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Rückblickend auf die 2350 Jahre Philosophiegeschichte seit dem Wirken Platons kann man also festhalten, dass [...] Vermutungen Platons zumindest nach vorläufigem Stand der Erkenntnis in Erfüllung gegangen sind

[...] wo die zielgerichtete Handlung eines freien Willens unterstellt wird, muss die Forderung nach strikter Kausalität aufgegeben werden. [...daraus] kann man schlussfolgern, dass bei einer Annäherung an die "wahre Ursache", an eine metaphysische Letztbegründung des Seins, zwangsläufig mit dem Auftreten irrationaler Phänomene gerechnet werden muss. (Gunter Heim)

Quelle: http://www-users.rwth-aachen.de/gunter.heim/HTMLarchiv/irrational/hauptteil.htm
« Last Edit: August 23, 2006, 11:59:52 AM by lemonhorse » Logged
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« Reply #5 on: June 13, 2005, 10:23:10 AM »

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Irgendwann einmal wird man dann auf eine Zeit, die glaubte, daß in den Nervenzellen selbst der Geist produziert werde, mit ähnlichem Schmunzeln zurückblicken wie auf jene Epoche, die von er Erzeugung des Lebens aus Schlammpfützen überzeugt war.
(J. Heisterkamp; Aus : "Geist und Gehirn"; 1999)
« Last Edit: October 31, 2007, 04:30:43 PM by lemonhorse » Logged
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« Reply #6 on: June 13, 2005, 10:43:48 AM »

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Ich glaube, wir liegen falsch, wenn wir meinen, wir könnten uns über unseren Körper erheben. Die Tatsache, dass wir in diesen müffelnden Dingern feststecken, ist eine grandiose Quelle für Humor. Man sollte sich nicht zu fein sein, über Arschwitze zu gackern. Komödie entsteht aus Unbehagen und Tragödie. Die Tragödie ist, dass wir als grenzenlose Seelen in begrenzten Körpern gefangen sind. Darüber kann man weinen - oder lachen.

 

Aus einem INTERVIEW MIT DAVID DUCHOVNY; 2001
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,145358,00.html
« Last Edit: November 20, 2008, 11:24:40 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #7 on: June 13, 2005, 10:45:35 AM »

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"Bewustsein ist ein elektrochemischer Prozess in einem interagierenden Netzwerk. Fuehren wir diesem Prozess einen ihm fremden Stoff zu, veraendert sich das Bewustsein radikal."  (R.A. Wilson)


Aus "Schroedingers Katze"
« Last Edit: November 20, 2008, 11:25:41 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #8 on: June 13, 2005, 11:13:37 AM »

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[...] Jede Kultur lebt bekanntlich innerhalb eines unbewußten und daher unsichtbaren Mythos, und zwar genau so lange, wie dieser unbewußt bleibt. [...]"Unsere Kultur hat einen besonders verheerenden Geistmythos entwickelt, und solange dieser unbewußt und unhinterfragt bleibt, werden wir weiter an dem Ast sägen, auf dem wir sitzen."

Anhand der Evolutionsgeschichte des Bewußtseins skizziert Claxton, wie unser "mächtiges" Ich entstanden ist, diese Vorstellung von einem Ich, das die ausführende Gewalt zu haben scheint, sie jedoch nicht besitzt. Ursprünglich sollte das erstarkende Ich-Gefühl helfen, das Überleben zu sichern. Dabei wurde es so stark und ausschließlich, daß es heute ein Störfaktor ist, "welcher dubiose Geschichten mit dem Ziel erfindet, ein überflüssiges und völlig unzutreffendes Ich-Empfinden zu verteidigen" . Das Überleben ist nach und nach leichter geworden und nun steht "die machtvollste Erfindung in der Geschichte der Evolution müßig und gelangweilt herum".

Das Ich-Bewußtsein, zu einem "anhaltenden emotionalen Kopfschmerz" geworden, erzeugt einen Zustand chronischer Ruhelosigkeit und eine "schiefe und völlig unzureichende Beziehung zu unserer eigenen Psyche": "Die Welt ist aus den Fugen, weil der menschliche Geist aus den Fugen ist. Und der Geist ist aus den Fugen, weil er sich selbst mißversteht."

[...] Claxton sieht unser heutiges Bewußtsein als die Spitze eines riesigen evolutionären Eisbergs: "Was uns bleibt, ist ein Bewußtsein, das seine eigenen Ränder und seinen Ursprung nicht anerkennt und seine eigenen Löcher nicht sieht." Ein Bewußtsein also, das nicht anders kann, als alles Unbewußte zu diskreditieren. Claxton spart nicht mit Kritik an der Auffassung, das Unbewußte allein als einen Hort dunkler Kräfte einzuschätzen, als eine Art psychischer Jauchegrube. Er will das Unbewußte nicht länger pathologisiert, kriminalisiert, aber auch nicht mehr marginalisiert sehen: "Die Idee des Unbewußten zu nutzen, nur um Pathologie (oder auch Kreativität) zu erklären, ist so, als kaufte man einen Tiger, um eine Maus zu fangen."


Aus: "...über ein Buch von Guy Claxton: Die Macht der Selbsttäuschung - Evolutionsgeschichte des Bewußtseins" von Hilde Weiss (2001)
Quelle: http://www.wienerzeitung.at/frameless/buch.htm?ID=224  (Link ist nicht mehr gültig)

« Last Edit: July 14, 2008, 12:56:56 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #9 on: June 13, 2005, 11:17:15 AM »

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"Wenn man die Quantenmechanik, ihre Experimente und Paradoxa richtig interpretieren will, dann muss man den Gedanken als eine physikalische Wesenheit betrachten."

 

Niels Bohr, Quelle?; Datum?
« Last Edit: November 20, 2008, 11:26:26 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #10 on: June 13, 2005, 11:40:12 AM »

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Ideen wie Seele, Geist etc. sind kulturelle Konstrukte. Man kann die Ideen eines Geistes in der Welt durch Interaktionen erklären. Wir haben einfach die Tendenz, unsere Ideen nach außen zu projizieren. Geist ist ein kulturelles Konstrukt, nicht etwas, das per se schon existiert.

[...] Ich glaube nicht, daß wir eine Seele haben!

[...] Was uns einzigartig macht, ist die Technologie. Wir haben zwei Hände, um damit Artefakte, Instrumente und Maschinen zu bauen. Technologie ist nichts Fremdes oder Anderes. Man kann Technologie und Körper nicht trennen. Technologie ist ein Teil des Menschen. (Stelarc)


Aus:"Technologie als Weiterführung des Körpers"
von Dominik Landwehr; 26.04.1998 (Ein Gespräch mit dem australischen Medienkünstler Stelarc)
Quelle: http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/2336/1.html

« Last Edit: July 14, 2008, 12:57:27 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #11 on: June 13, 2005, 11:43:03 AM »

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Die kulturelle Welt, die Welt der Symbolsysteme und der Sprache, wirkt auf das einzelne Bewußtsein und also auf das Gehirn zurück. Die Behauptung, der Geist hänge vom Gehirn ab oder sei dessen Abfallprodukt - wie der Urin dasjenige der Niere -, wäre zu simpel. Es entsteht vielmehr ein eingeständiges System von Zeichen und Bedeutungen die systemtheoretisch von biologischen Systemen unterscheidbar ist. Die in den Gehirnen und durch Kommunikation entstehende geistige Welt wird in der Kultur materialisiert und wirkt in ihren Objektivationen auf die Individuen zurück. (Aus einem Text von Ulrich Körtner)



Aus: "Gott und Gehirn" (Prof. Dr. Ulrich Körtner, Datum ?)
Quelle:http://science.orf.at/science/koertner/4563

« Last Edit: November 20, 2008, 11:27:07 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #12 on: June 13, 2005, 02:02:49 PM »

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Bloch zufolge ist der helle Kern des Bewusstseins umlagert von dunklen Rändern, die nicht allein in Vergangenes zurückgreifen, sondern ebensogut Künftigem vorgreifen. (Detlef Horster)



Aus: "Bloch zur Einführung" [4.Kap. S.51]
« Last Edit: October 31, 2007, 04:33:20 PM by lemonhorse » Logged
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« Reply #13 on: July 27, 2006, 09:56:44 AM »

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[...] Überprüfbares Wissen ist gefragt, und je leichter zu überprüfen, desto besser. Das fängt schon in der Schule an und geht oft so weiter bis ganz zum Schluss – vorausgesetzt, es kommen einem nicht irgendwann Zweifel; vorausgesetzt, es kommt einem nicht die „Wirklichkeit des Denkens“ dazwischen, wie der Bonner Philosoph Wolfram Hogrebe jetzt seine Heidelberger Gadamer-Professur überschrieben hat, mit der die dortige Universität an den wirkungsmächtigen Philosophen Hans-Georg Gadamer und an dessen Werk erinnert.
Um diese Wirklichkeit bemühen sich seit je die Geisteswissenschaften, deren Einheit der im Jahre 2002 verstorbene Heidelberger Denker noch einmal betont hat. Mögen die Naturwissenschaften sich mit Methodenfragen abmühen, die (höhere) Wahrheit bleibe doch Sache der neuerdings meist unter dem Oberbegriff Kulturwissenschaften zusammengefassten Geisteswissenschaften; vor allem bleibe es Sache der Philosophie.

[...] Mentale Prozesse werden nicht durch die Beobachtung von Stoffwechselaktivitäten menschlicher Gehirne erfahrbar, schon gar nicht verstehbar. Wenn es um Geistiges geht, wird mit naturwissenschaftlicher Methode gerade verpasst, was man sucht. So sah es auch Gadamer. Und die Gelehrten, welche die nach dem Denker benannte Stiftungsprofessur bekleiden, tun es ihm gleich.

So wie menschliches Gespräch nicht aufgeht in einem nach instrumentellen, kybernetischen Modellen vorgestellten Austausch von Informationen, so ist die „Wirklichkeit des Denkens“ nichts Materielles. Allerdings ist sie erfahrbar, wie die Lehrveranstaltungen des fünften Gadamer-Professors, des 1945 geborenen Hogrebe, spürbar machten. Und sie kann geradezu ansteckend wirken und plausibel machen, wieso der Heidelberger Philosoph Jens Halfwassen seinen Bonner Kollegen als Denker würdigt, der für die „Nicht-Reduzierbarkeit des Geistes“ stehe. Nach solcher Sicht könnte wohl auch die Umwidmung der entsprechenden Wissenschaften auf den scheinbar eher objektivierbaren Begriff der Kultur rückgängig gemacht werden.

[...] Der Objektivismus entdeckt zuletzt nur, dass alles irgendwie ist, wie es ist oder auch nur erscheint, und dass es auch so funktioniert, wie es ist, dass es zuletzt aber sinnlos sei und keinem höheren Plan entspricht. Doch darüber steht der spekulative, metaphysische Standpunkt, welcher davon ausgeht, dass der Mensch der „Sinngeber des Sinnlosen“ sei. Genau dies sei eben zuletzt die „Wirklichkeit des Denkens“, die Einsicht, dass wir uns selbst erfunden haben und uns „als Selbsterfundene“ anerkennen müssen.

Hier schließt sich dann der philosophische Kreis, lehrte doch Hegel schon: „Der Mensch ist wesentlich nur das, was er von sich selber weiß.“


Aus: "Wir wussten schon, bevor wir meinten" - Gegen den Führungsanspruch der Hirmforschung: Wolfram Hogrebe lehrt die Geisteswissenschaften, sich auf den Geist zu besinnen - Die Naturwissenschaft ist dabei, die Kultur in Armut zu stürzen. Mit Fakten erschließen sich weder Wert noch Sinn der Welt. Ein Vorlesungsbericht von THOMAS GROSS" (Rheinischer Merkur Nr. 29, 20.07.2006)
Quelle: http://www.merkur.de/2006_29_Wir_wussten_schon.14052.0.html?&no_cache=1

« Last Edit: October 31, 2007, 04:33:33 PM by lemonhorse » Logged
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« Reply #14 on: October 31, 2006, 01:34:09 PM »

Quote
[...] Magisches Denken im medizinischen Sinne ist der zwanghafte Glaube einer Person, dass ihre Gedanken, Worte oder Handlungen ein bestimmtes Ereignis hervorrufen oder verhindern können, wobei allgemeingültige Regeln von Ursache und Wirkung ignoriert werden. Es handelt sich um eine Zwangsstörung. Patienten mit magischem Denken haben beispielsweise Angst, es könnte etwas Schlimmes passieren, wenn sie bestimmte Handlungen vornehmen oder nicht vornehmen oder bestimmte Dinge denken oder nicht denken.

Beispiele von magischem Denken außerhalb der Medizin finden sich im Aberglauben, aber auch in bestimmten rituellen Handlungen oder religiösen Opfern. Andererseits kann nach einer Theorie Religion magisches Denken ritualisieren und in harmlose Denk- und Verhaltensweisen kanalisieren und somit für Menschen mit magischem Denken hilfreich sein. Ein psychisch gesunder Mensch kann sich im Gegensatz zu einem kranken von "magischen" Handlungen und Denkweisen lösen.

Magisches Denken kann eine normale Durchgangsphase in der Kindheit sein. Im Erwachsenenalter kann es Symptom einer Psychose oder schizotypischen Persönlichkeit sein. Es kommt ferner auch bei Neurosen vor.

Magisches Denken wird teilweise ontologisch und ethnologisch als eine Denkform der sogenannten Urvölker neben dualistischem Denken (oben/unten, gut/böse) angesehen und geht entwicklungspsychologisch religiösem und logischem Denken voraus.

Beispiele:
trivial/harmlos: wenn ich mit dem rechten Bein aufstehe, erleide ich heute keinen Unfall. religiös: wenn ich ein bestimmtes Opfer bringe wird meine Krankheit geheilt. religiös/terroristisch: wenn ich mich opfere und Ungläubige in den Tod mitnehme, werde ich im Jenseits belohnt.

Die meisten magischen Denkinhalte sind harmlos wie z.b. glücksbringende Rituale oder Gegenstände. Die Gefahr bei krankhaftem magischen Denken liegt in der Manipulierbarkeit und in der Irrationalität, was die Schutzbedürftigkeit von Patienten mit magischem Denken begründet.


Aus: "Magisches Denken" (10/2006)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Magisches_Denken

-.-

Quote
[...] Zwangsstörungen sind psychische Störungen, bei denen sich den Patienten Gedanken und Handlungen aufdrängen, die zwar als quälend empfunden werden aber dennoch umgesetzt werden müssen, auch wenn sie übertrieben oder vollkommen sinnlos sind. Die Erkrankten erkennen dies zwar meistens, können sich darüber aber nicht hinwegsetzen.

Obwohl bei den Zwangsstörungen auch Ängste eine Rolle spielen, zählen sie nicht zu den Angststörungen im engeren Sinne. Es bestehen wesentliche Unterschiede zwischen einer Zwangsstörung und einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung.

Zwangsstörungen sind durch wiederkehrende Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen gekennzeichnet, die rituellen Charakter annehmen können. Zwangsgedanken sind Ideen, Vorstellungen oder Impulse, die sich dauernd wiederholen, quälend sind und nicht durch Willensanstrengung beeinflusst werden können. Zwangshandlungen sind Stereotypien, die ständig wiederholt werden müssen. Typische Beispiele sind der Waschzwang, Kontrollzwang, Zwangsgedanken, magisches Denken und der Ordnungszwang. Diese zwanghaften Gedanken und Handlungen bedeuten einen hohen Zeitaufwand und behindern den Alltag erheblich.

Bei Zwangsgedanken geht es meistens um angstvolle Gedanken und Überzeugungen, jemandem zu schaden, in eine peinliche Situation zu kommen oder ein Unheil anzurichten. Thematisch geht es häufig um Schuld oder Verunreinigung. Zwangshandlungen bestehen dementsprechend oft aus Kontrollhandlungen oder Reinigungshandlungen. Ein Beispiel ist der Waschzwang. Zwangsstörungen können so stark ausgeprägt sein, dass eine normale Lebensführung unmöglich ist.


Aus: "Zwangsstörung" (10/2006)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Zwangsst%C3%B6rung

« Last Edit: October 31, 2007, 04:33:46 PM by lemonhorse » Logged
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