Author Topic: [Zur Kunstfreiheit... ]  (Read 11341 times)

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[Wie das 11. Plenum 1965... ]
« Reply #15 on: December 14, 2015, 04:05:30 PM »
Das 11. Plenum des ZK der SED (16. bis 18. Dezember 1965) bedeutete eine Zäsur in der Entwicklung der DDR. Der ursprünglich als Wirtschaftsplenum (Beschluss der zweiten Etappe des „Neuen ökonomischen Systems der Planung und Leitung“, NöSPL) konzipierte Gipfel entwickelt sich zu einer „Kahlschlag-Diskussion“ der Jugend- und Kulturpolitik. ...  Erich Honecker: „Unsere DDR ist ein sauberer Staat. In ihr gibt es unverrückbare Maßstäbe der Ethik und Moral, für Anstand und gute Sitte.“ ...
https://de.wikipedia.org/wiki/11._Plenum_des_ZK_der_SED (1. Oktober 2015)

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Ulbricht: "Wir wissen auch nicht alles, noch nicht alles. Als in der DDR durch bestimmte Gruppen der Jugend und die sogenannte Beatbewegung Exzesse sichtbar waren, haben wir also uns die Frage gestellt, was sind die Ursachen. Wir sind zu der Schlussfolgerung gekommen, dass es nicht richtig wäre, sozusagen mit einer Jugenddiskussion zu beginnen, sondern wir haben uns gesagt, wollen wir doch mal beginnen mit der Untersuchung - oben. Wo ist von Seiten zentraler Organe des Fernsehens, der Kultur, der Literatur so gewirkt worden, dass solche Auswirkungen auf die Jungen unvermeidlich waren." Die Künstler haben der Partei die Jugend verhetzt. 1965, auf dem 11. Plenum des ZK der SED, zeigt sich Walter Ulbricht davon zutiefst überzeugt. ... Die Gegenkultur wird wesentlicher Bestandteil einer Dynamik, die am Ende den Staat DDR wegfegt. Dass ausgerechnet die marode Wirtschaft entscheidend zum Untergang der DDR beiträgt, gehört zur besonderen Ironie der Geschichte: denn das 11. Plenum des ZK der SED hätte sich 1965 eigentlich um den Zustand der Wirtschaft und nötige Reformen kümmern sollen. Doch den harten Realitäten wichen Ulbricht und die Genossen aus, indem sie den Kulturkampf eröffneten. Und der hat dann maßgeblich zum inneren Zerfall des Systems beigetragen. ...
"Das 11. Plenum der SED"Unsere DDR ist ein sauberer Staat"" Nicolaus Schröder (02.12.2015)
http://www.deutschlandradiokultur.de/das-11-plenum-der-sed-unsere-ddr-ist-ein-sauberer-staat.976.de.html

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"Wie das 11. Plenum 1965 die Geschichte der DDR bestimmte - Rolle rückwärts" Gunnar Decker (09.12.2015)
In den frühen 60ern gewährte die DDR Film, Literatur und Wirtschaft überraschend viele Freiheiten. Das 11. Plenum Ende 1965 ändert alles.
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/wie-das-11-plenum-1965-die-geschichte-der-ddr-bestimmte-rolle-rueckwaerts/12681922.html

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"SED-Zentralkomitee : "Hier wird unsere Partei beleidigt!"" Regine Sylvester (15. Dezember 2015)
Gegen die "perverse", "unsittliche" Kultur des Westens: Vor 50 Jahren tagte das berüchtigte "Kahlschlag-Plenum" des SED-Zentralkomitees. Heute lässt sich im Originalton nachhören, wie die Partei Künstler und Schriftsteller niedermachte. ...
http://www.zeit.de/2015/50/sed-zentralkomitee-zensur-kunst-kultur

« Last Edit: January 18, 2016, 05:28:15 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Samstagnachmittag hatte... ]
« Reply #16 on: January 18, 2016, 05:30:53 PM »
Quote
[....] Samstagnachmittag hatte die luxemburgische Performance-Künstlerin Déborah de Robertis auf sich aufmerksam gemacht, indem sie das Motiv eines Gemäldes im Pariser Musée d’Orsay vor Ort nachstellte. Es handelt sich dabei um „Olympia“ von Édouard Manet und zeigt eine Frau, die nackt auf einem Bett liegt. In selber Position und genauso nackt legte sich de Robertis vor das Gemälde auf den Boden. Mit dabei hatte sie eine Handkamera, um die Reaktion der Besucher zu filmen.

„Es standen viele Leute vor dem Bild“, sagte eine Sprecherin des Museums. Wärter hatten den Saal geschlossen und de Robertis aufgefordert, sich wieder anzuziehen. Das lehnte sie ab. Das Museum rief daraufhin die Polizei, die die 31-Jährige wegen Exhibitionismus festnahm und sie in Polizeigewahrsam nahm. Am Sonntag musste diese laut Le Républicain Lorrain aus medizinischen Gründen kurzzeitig unterbrochen werden. Am selben Abend wurde ihr Fall der Staatsanwaltschaft in Paris übergeben.

Der Anwalt der Künstlerin, Tewfik Bouzenoune, beschrieb das Vorgehen der Behörden als unangemessen. Einen Künstler in Gewahrsam zu nehmen, sei ein schlechtes Signal und zeige eine beunruhigende Prüderie der Justiz.

Es war nicht das erste Mal, dass Déborah de Robertis mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Im Mai 2014 trat sie vor dem Gemälde „Ursprung der Welt“ (L’ Origine du monde) von Gustave Courbet auf. Das 1866 entstandene Gemälde zeigt die Zeichnung einer nackten Frau mit gespreizten Beinen.

Genau das machte Déborah de Robertis auch. Sie setzte sich unten ohne vor das Gemälde auf den Boden, öffnete die Beine und spreizte mit ihren Fingern ihre Vagina. Ihre Performance nannte Déborah „Spiegel des Ursprungs“ und sollte den „Ursprung des Ursprungs“ zeigen.

Die künstlerische Performance dauerte nur wenigen Minuten, bevor sie das Sicherheitspersonal des Museums nach draußen begleitete. Das Museum erstattete auch damals Anzeige. Immerhin bekam sie während ihres Auftritts Applaus von den anwesenden Besuchern (welche die Künstlerin angeblich selbst eingeladen hatte).

Mit ihren Aktionen möchte de Robertis das Verhältnis zwischen Künstler und Kurator sowie Mann und Frau in Frage stellen.


"Performance-Künstlerin verhaftet, weil sie Aktgemälde im Museum nachstellte" Philipp Kienzl (18. Januar 2016)
Quelle: http://ze.tt/warum-nackt-und-nackt-nicht-dasselbe-sind/


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[Zur Kunstfreiheit... ]
« Reply #17 on: August 13, 2018, 09:24:54 AM »
Quote
" ... Die Freiheit des Netzes tendiert dazu, die Freiheit der Kunstinstitutionen einzuschränken, wie auch Marion Ackermann als Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden berichtet: "Es gibt Tendenzen zur Prüderie und Rückschritte in der Emanzipation. In diesen Entwicklungen zeigt sich, dass wir in einer Welt der Verbote und Tabuisierungen leben." In Berlin wurde sogar gefordert, Caravaggios Amor abzuhängen, diese "ausdrücklich obszöne Szene", wie es im Protestbrief hieß. Eine Zensur von unten drängt darauf, die Grenzen des Zeig- und Sagbaren deutlich zu korrigieren. ..."
https://www.zeit.de/2018/33/wie-frei-ist-die-kunst-hanno-rauterberg-buchauszug  Hanno Rauterberg (8. August 2018)
-
Quote
Mastershark #10 (13.08.2018): " ... Diese Bewegung der vorauseilenden Selbstzensur eines neuen Puritanismus scheint, wie so viele andere, aus den USA zu uns herüberzuschwappen. Da gibt es schon länger diese seltsamen Geschichten von Warnungen vor Triggerelementen, die zart besaitete LiteraturstudentInnen bei der Lektüre eines Buches im Curriculum schocken könnten, da gibt es diese Bewegung gegen Kulturassimilation (nach dem Motto: Falaffel darf nur ein arabischer Koch zubereiten, wenn das ein Pizzabäcker macht, ist es kultureller Imperialismus) da gibt es diese vorauseilende Zensur durch SammlungskuratorInnen, die vorsorglich provokante Bilder oder Skulpturen verschwinden lassen. So etwas gab es kürzlich sogar als Provinzposse in einem Rathaus im Kreis Plön/Schleswig-Holstein als Bilderverhüllung.
Diese Tendenzen gedeihen auf dem selben Boden, wie der wieder aufkeimende Nationalismus, allgegenwärtige Rassismus oder die Fremdenfeindlichkeit. Man will eine Umwelt, die irgendwie nur heimelig ist, die die eigenen Werte und Grenzen nicht überschreitet, wobei eben diese eigenen Werte zum allgemeingültigen Maßstab erklärt werden.
Soziale Medien und der endlose Echoraum von Foren befeuern diese unheilvolle Entwicklung, die rational gar nicht nachvollziehbar ist, denn gelebt wird auf der anderen Seite eine vollständige individuelle Entgrenzung, sobald es um die eigenen Begehren geht. ..."

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[Zur Kunstfreiheit... ]
« Reply #18 on: September 11, 2018, 09:53:36 AM »
Salome (op. 54) ist eine Oper in einem Akt von Richard Strauss. Sie beruht auf dem gleichnamigen Drama von Oscar Wilde aus dem Jahr 1891 und stellt eine der ersten Literaturopern dar. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Salome_(Oper)


Quote
[...] Am 9. September sollte am größten Theater Weißrusslands, dem Bolschoi in Minsk, eine Neuinszenierung von Richard Strauss' Oper "Salome" Premiere haben. Doch am Vorabend wurde sie durch eine Entscheidung des weißrussischen Kulturministeriums abgesagt. Grund dafür ist ein Brief, unterschrieben von zahlreichen orthodoxen Aktivisten, an den Präsidenten, die Staatsanwalt und den heiligen Synod der russisch-orthodoxen Kirche. Darin heißt es "Wir lassen nicht religiöse Gefühle der orthodoxen Bürger Weißrusslands verletzen, das Andenken an Johannes den Täufer verhöhnen und verbitten uns darum die Aufführung der Oper "Salome"." In dem Brief riefen sie die Verantwortlichen dazu auf, "korrigierende Anpassungen in der Staatsideologie und der Arbeit des Kulturministeriums vorzunehmen" und ähnliche "Meisterwerke", die geistige Sicherheit und Einheit der Nation bedrohen, zu verbieten. Dem Brief legten sie eine "kulturelle Studie" bei, in der die Oper als "Blasphemie" bezeichnet wird, die Handlung als "antichristlich" und "Beleidigung der religiösen Gefühle der Gläubigen". Sie sprechen sogar von einer Straftat und fordern eine Bestrafung des Chefregisseurs Michail Pandzhavidze, da der Komponist Richard Strauß und Autor des Dramas Oscar Wilde schon längst tot sind.

Daraufhin wurde ein Expertenausschuss aus Künstlern und Geistlichen einberufen, das die Oper von den Vorwürfen freisprachen und zur Aufführung empfahlen. Doch für das Kulturministerium reichte das Urteil nicht aus. Es sperrte trotzdem die Oper bis Ende Oktober, in der Hoffnung, dass sich alle orthodoxen Aufregungen bis dahin beruhigen. Am 11. September erinnern die orthodoxen Christen an die Enthauptung Johannes’ des Täufers.

2015 machten “die verletzten religiösen Gefühle” auch im russischen Nowosibirsk viel Lärm - damals ging es um die Regie von Timofej Kuljabin von Richard Wagners “Tannhäuser”. Das führten sogar zum Rausschmiss des Theaterintendanten. In Minsk klagen radikale orthodoxe Aktivisten nun nicht einmal die Regie an, sondern die Oper selbst. Und eine weltliche Institution wie das Kulturministerium gibt nach.


Aus: "Orthodoxe Aktivisten kämpfen gegen “Salome”" Liudmila Kotlyarova (10.09.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/opernverbot-in-minsk-orthodoxe-aktivisten-kaempfen-gegen-salome/23029334.html


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[Zur Kunstfreiheit... ]
« Reply #19 on: January 14, 2019, 09:14:40 AM »
Quote
[...] Manchmal ist es nicht leicht, sich in der Welt der Proteste zurecht zu finden. Da kontaktiert man den finnischen Künstler Jani Leinonen, weil es im israelischen Haifa heftigen Streit um seine Skulptur mit einem gekreuzigten Ronald McDonald gibt, dem Maskottchen der Fastfoodkette. Sie trägt den Titel "McJesus", stammt aus dem Jahr 2015 und war bereits in Ausstellungen in Helsinki und Dänemark zu sehen, ohne dass dies Blasphemie-Vorwürfe zur Folge hatte. Auch in Haifa ist das Werk seit Ende Juli zu sehen, im Rahmen der Cluster-Ausstellung "Shop It!", von der ein Teil unter dem Titel "Heilige Güter" konsumkritische Werke versammelt. Und erst jetzt, Monate später, hagelt es Proteste beim Haifa Museum of Art - wobei Jani Leinonen nun mitteilt, dass er sein Werk selbst bereits im September zurückgezogen habe, weil er sich der Israel-Boykottbewegung BDS angeschlossen habe. Erst jetzt, im Zuge der heftigen Proteste in Haifa, habe er erfahren, dass das Museum seinem Wunsch offenbar nicht nachgekommen sei.

Der Reihe nach: Hunderte Christen hatten am Freitag versucht, in die Ausstellung einzudringen. Nach Informationen der Zeitung "Haaretz" wurden drei Polizisten verletzt; ein Brandsatz war geworfen worden, ein 32-Jähriger wurde festgenommen. Israels Kulturministerin Miri Regev forderte laut "Haaretz" die Entfernung des Werks, ebenso verlangen die katholischen Bischöfe des Landes, dass die als "verletzend empfundene" Christusdarstellung aus der Schau entfernt werden solle. Trotz des Rechts auf Meinungsfreiheit sei es nicht hinnehmbar, dazu „das bedeutendste Symbol der christlichen Religion“ zu missbrauchen, so die Bischöfe.

Am Samstag meldete sich auch das griechisch-orthodoxe Patriarchat zu Wort und forderte zusätzlich die Entfernung mehrerer Kunstwerke, die Christus und Maria darstellen, wie die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete. Neben dem Kunstwerk von Jani Leinonen stießen demnach Christus- und Mariendarstellungen als Ken und Barbie auf Kritik. Von der Stadt Haifa verlangte das Patriarchat eine Entschuldigung für die Finanzierung der Ausstellung.

Das Museum kündigte nun an, einen Warnhinweis auf den potenziell verletzenden Charakter der Ausstellung anzubringen. Das Kunstwerk verweise auf den zynischen Gebrauch religiöser Symbole durch Großkonzerne, hieß es.

Und Jani Leinonen? Zeigt sich auf Nachfrage des Tagesspiegels konsterniert darüber, dass sein "McJesus" - es gibt Ronald McDonald von ihm auch als "McBuddha", "McPharao" oder "McLenin" - immer noch in Haifa hängt. Er habe sich der Bewegung "Boycott, Divestment, Sanctions" (BDS) angeschlossen, weil "Israel offenkundig Kultur als Form der Propaganda nutze, um sein Regime der Okkupation, des Siedler-Kolonialismus und der Apartheid über das palästinensische Volk schönzufärben oder zu rechtfertigen". Deshalb wolle er nicht länger an der Ausstellung teilnehmen und sei entsprechend der Reaktion seitens des Museums davon ausgegangen, die Arbeit sei nicht mehr zu sehen. Als er von den Protesten hörte, habe er die Kuratorin der Schau erneut gebeten, "McJesus" sofort zu entfernen.

Schon seltsam, dass ein Künstler und Aktivist, der sich kritisch mit Konsum und Werbung, Ernährungskultur, Warenwelt und Kapitalismus sowie mit christlichen Symbolen und Ikonografien  befasst, politisch offenbar doch so schlicht gestrickt ist, dass er sich seinerseits kritiklos der umstrittenen BDS-Kampagne anschließt. Einer Bewegung, bei deren Protestaktionen immer wieder offen antisemitische Äußerungen laut werden und deren Wortführer auch keine Zwei-Staaten-Lösung wollen. Sie möchten, dass Israel als Judenstaat verschwindet zugunsten eines Palästinenserstaats.

"Die Kunst ist eine Lüge, die die Wahrheit enthüllt", hat Jani Leinonen einmal gesagt. Manchmal ist die Kunst auch eine Wahrheit, die von der Lüge umnebelt ist. chp (mit KNA)


Aus: "Proteste gegen gekreuzigten Ronald McDonald" (13.01.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/streit-um-kunstwerk-in-haifa-proteste-gegen-gekreuzigten-ronald-mcdonald/23859146.html

Quote
Uriel 13.01.2019, 17:56 Uhr

Ich habe inzwischen das Gefühl das mit der "Empörung" über das Kunstwerk McJesus ein massiver Angriff der "religiösen Eiferern" wieder mal gegen die Anderst- und Ungläubigen" geführt wird. Ich erinnere an die Kampagne in Südtirol als der Künstler M. Kipppenberger einen gekreuzigten Frosch im Bozener Museum für Moderne Kunst ausgestellt hat.

    Martin Kippenberger: "Zuerst die Füße" Der Streit: In Südtirol löste ein gekreuzigter Frosch eine Kunstdebatte aus. 2008 sollte die Skulptur des deutschen Künstlers Martin Kippenberger wegen eines Papstbesuches aus dem Bozener Museum für Moderne Kunst entfernt
    werden, weil sie angeblich die Gefühle von gläubigen Katholiken verletze. Dabei stellt der Frosch nach Aussage des Künstlers ein ironisches Selbstporträt nach dessen Alkohol- und Drogenentzug dar. Der Papst schrieb einen Brief, der Präsident des Regionalrats von Südtirol
    trat sogar in Hungerstreik.
    Das Ergebnis: Der Protest blieb erfolglos, der gekreuzigte Frosch durfte weiter in Bozen hängen. Der Stiftungsrat des Museums entschied sich in einer
    Abstimmung für die Kunst - und gegen den Heiligen Vater.
    https://www.sueddeutsche.de/kultur/streitfall-kunstfreiheit-was-kunst-darf-und-was-nicht-1.2949157-4

Ich frage mich was ist den Besonderes an "religiösen Gefühlen" im Gegensatz zu normalen Gefühlen. Haben die einen "höheren Wert"? ...

"GUNKL über Wüsten-Religionen, Wissen, Respekt und Kränkungen"
Am 29.08.2013 veröffentlicht - Der Kabarettist Günther „Gunkl" Paal über Gott, Glauben, Aufklärung, Religionen des Friedens, Frauenrechte und Respekt. Ein komprimierter Angriff gegen Religionen und dem Umgang damit. Ausschnitt aus dem Programm "Die großen Kränkungen der Menschheit auch schon nicht leicht" ...
https://www.youtube.com/watch?v=EKQVsHwOGII


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froggy08 13.01.2019, 17:21 Uhr

Ja mit der Toleranz haben es die religiösen Fanatiker egal welcher Religion alle nicht so. Denn dazu müssten sie ja mit einer gewissen Distanz auf ihren Glauben blicken können, was der Fanatiker eben nicht kann. Sonst wäre es keiner...


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Quellenanalyse. 13.01.2019, 14:06 Uhr
Da schau einer her, ich dachte "wir Christen" sind doch die toleranteren und können mit der Verhohnepiepelung unserer Symbole ruhiger und gesitteter umgehen, als die anderen mit den Mohammed-Karikaturen. War dann wohl doch nicht so, wenn sich selbst katholische Bischöfe aufgerufen fühlen, Statements abzugeben.


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einauge 13.01.2019, 10:22 Uhr
jaja, wieder mal die verletzten Gefühle...

    Es sei aber nicht hinnehmbar, dazu „das bedeutendste Symbol der christlichen Religion“ zu missbrauchen, so die Bischöfe.

....das dürfen selbstverständlich nur offizielle Vertreter einer anerkannten Kirchengemeinschaft. Wo kommen wir denn hin, wenn jeder dahergelaufene Künstler da einfach mitmißbrauchen darf, da hat er ja gar kein Recht zu....

Religiöse Symbole wurden schon immer mißbraucht und zwar fast ausschließlich durch die jeweiligen Vertreter oder Anhänger der Religion selbst.

Für alle Religionen (und ihre Symbole) gilt: in ihrem Namen, unter ihrem Schutz, teilweise sogar direkt im Auftrag haben Anhänger im Laufe der Zeit tausende, zehntausende, hunderttausende Male weit Schlimmeres getan als nur Gefühle anderer Menschen verletzt. Religion wurde als Machtinstrument benutzt und die religiösen Führer haben das nicht nur toleriert, sondern die meiste Zeit aktiv unterstützt.
An all ihren Symbolen klebt Blut, und zwar nicht zu knapp, aber da regt sich niemand auf, dass die im öffentlichen Raum gezeigt werden.
Aber sobald jemand ein Bild malt, oder eine Skulptur zeigt, ja dann ist wieder große Empörung angesagt.

Ich habe mich immer schon gewundert, warum religiöse Gefühle nun soviel schützenswerter sein sollen als andere Gefühle.

Vielleicht liegt das Problem für unsere Gesellschaften nicht so sehr bei solchen Künstlern, sondern bei den Leuten mit diesen religiösen Gefühlen

P.S.: und bei diesem Kunstwerk gehts nicht einmal um Kritik an der Religion, sondern um Kritik an der zunehmenden Vergötterung von Konsum (ich hätte da als Künstler allerdings eher das heilige iphone ans Kreuz genagelt). 


Quote
Uriel 12.01.2019, 20:36 Uhr

    Es sei aber nicht hinnehmbar, dazu „das bedeutendste Symbol der christlichen Religion“ zu missbrauchen, so die Bischöfe.

Das sagen die Vertreter einer "Religionsvereinigung", die Weltweit real zig Tausende Missbrauchsfälle vertuscht hat und diese Verbrechen halten immer noch an. Religion ist eine Ideologie und für die besteht kein Artenschutz. Nicht alle Religionen die sich auf das "Christentum" berufen benutzen das "römische Hinrichtungsinstrument!" als Vereins-Logo.


Quote
Uriel 13.01.2019, 09:12 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Charybdis66 12.01.2019, 22:27 Uhr

Es stimmt durchaus das die Überzeugung eines Anderen zu tolerieren ist, aber daraus ein Dogma zu machen das etwas was ich für richtig finde auch Andere für richtig und gut halten müssen ist ist für mich ziemlich Arrogant. Ich als Freidenker habe sehr viel mit "Gläubigen" jeder Art gesprochen und musste erleben das die "religiösen Eiferer" meiner "Gottlosigkeit" nicht nur keinen Respekt gezeigt haben, sondern oft sehr Aggressiv wurden bis zum Angebot „mir meine Vorderzähne zu den Mandeln zu schicken“. Andere wurden beleidigend oder haben mich sogar angespuckt. Ich bin überzeugt wenn die Menschen jedem seine Überzeugung lassen, natürlich im Rahmen der für alle gültigen Gesetze, dann wäre die Gesellschaft sehr viel Friedlicher. Keiner der "Empörer" wurde gezwungen in die Ausstellung zu gehen. Das erinnert mich an die Karikaturen in Dänemark, 99 % der "Empörer" haben sicherlich die Karikaturen je gesehen, aber ein "Kultbeamter" hat gesagt das es schlecht ist und schon ging die Lawine los.
Ich hätte mir gewünscht das die "kath. Bischöfe" die sich jetzt über "McJesus" aufregen, sich genauso aufgeregt hätten bei den Weltweiten Missbrauchsfällen durch Kleriker. Haben sie jemals etwas von den deutschen Kirchenoberen gehört als in Irland auf dem Gelände eines kath. Heimes über 800 Kinderskelette gefunden wurden?
Ich bin der Meinung das wir uns um das Wichtige kümmern sollten und nicht um ein vergängliches Kunstobjekt.


...
« Last Edit: January 14, 2019, 09:23:30 AM by Textaris(txt*bot) »