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« on: November 27, 2006, 01:32:53 PM » |
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"Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit." - Friedrich Schiller, Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen (1795), 2. Brief "Ein Spiel mit ernsten Problemen. Das ist Kunst." - Kurt Schwitters, Briefe Tasos Zembylas (Hg.): Kunst und Politik. Aspekte einer Problematik. Innsbruck, 2000 "Ich bin nur ein Künstler, ich kämpfe nicht um die Macht." (Boris Dugdanowitsch Budajew) -.- [...] Benn, der sich öffentlich für Hitler einsetzte, bei Hamsun, der Goebbels seinen Literaturnobelpreis schenkte, bei Celine, bis zu seinem Tod 1962 bekennender Faschist und Antisemit, bei Pound, der sich als Berater Mussolini andiente? Andererseits, der rasch gezogene Umkehrschluß: Expressionismus führt zu Faschismus, Ästhetizismus führt zu Faschismus, ist ebenso unbefriedigend. Das Verhältnis von Kunst und Macht scheint komplexer zu sein. ...
Quelle: http://www.amazon.de/product-reviews/3878773064/ref=dp_db_cm_cr_acr_txt?ie=UTF8&showViewpoints=1Buch der Könige, in 4 Bdn., Bd.2x/2y, Orpheus am Machtpol/Recording Angels' Mysteries http://www.amazon.de/K%C3%B6nige-Orpheus-Machtpol-Recording-Mysteries/dp/3878773064/ref=cm_cr_pr_product_top-.- [...] Mehrere hundert Millionen Dollar investierte der US-Auslandsgeheimdienst, um in einer der größten Nachkriegsoperationen ein weltweites Kulturnetz zu knüpfen. Zentrum der CIA-Aktivitäten war der 'Kongress für kulturelle Freiheit' - eine Organisation mit Sitz in Paris unter vollständiger Kontrolle der dort tätigen US-Agenten. Nationale Zweigorganisationen unterhielt der 'Kongress' in sämtlichen Staaten Westeuropas. Und die Pariser Zentrale finanzierte in großem Stil 'Kongress'-Zeitschriften für den Einsatz in Afrika, Lateinamerika und den arabischen Ländern. Ziel war der Kampf für amerikanische Werte in Bildender Kunst, Literatur und Musik. Insbesondere sozialkritische Intellektuelle und Künstler aus dem linken Lager waren für den 'Kongress' von Interesse. Mit geheimdienstlichen Mitteln sollten sie marxistischen Einflüssen entzogen und für den Einsatz an der US-Kulturfront bereitgemacht werden. Als französische Plattform der Einflussnahme diente die Zeitschrift 'Preuves' unter dem Soziologen Raymond Aron. In Deutschland sammelte der 'Kongress' seine ahnungslosen Kulturträger im Umkreis des Blattes 'Der Monat'. Die Finanzierung übernahm ab etwa 1958 die CIA. Zu den Mitarbeitern gehörten die wichtigsten Vertreter des westdeutschen Journalismus und der Verlagswelt. Neben Stützpunkten in Westberlin, München und Frankfurt am Main verfügte der 'Kongress' über eine Niederlassung in Köln mit hochrangigen Beziehungen, die in die Redaktionen sämtlicher großer Fernsehanstalten und Printmedien reichten. Unter anderem wurde auch um Heinrich Böll geworben - mit Erfolg, wie die Dokumente bestätigen. Der spätere Nobelpreisträger arbeitete dem 'Kongress' und seinen Organisationen über mindestens zehn Jahre zu - ohne die Hintergründe zu kennen, wie Günter Grass, eine andere Zielperson der CIA, vermutet. Nicht nur auf Böll und Grass hatte es der 'Kongress' abgesehen. Die erste Riege deutscher Literaten, bildender Künstler, Musiker und Kunstkritiker stand im Fadenkreuz der CIA und stellte sich, meist unwissentlich, zur Verfügung.
'Benutzt und gesteuert - Künstler im Netz der CIA' folgt den Spuren der geheimdienstlichen Kulturarbeit anhand zahlreicher Dokumente, die in US-Archiven lagern und über die damaligen Arbeitszentren in der Bundesrepublik Auskunft geben. Die Dokumentation entstand nach dreijähriger Recherchearbeit, die Anlass zur Neubewertung der Kulturszene im Nachkriegseuropa gibt.
Aus: "benutzt und gesteuert - Dokumentation Künstler im Netz der CIA" (ZDF/ARTE; Mittwoch, 29. November 2006, 20:40 - 21:35) Quelle: http://dyninet.wdr.de/inetepg/ObjekteZurSendung.asp?Sendung=2300339-.- [...] "Wir alle haben für die CIA gearbeitet", bekennt im Film die ehemalige Geschäftsführerin des Kölner Kulturstützpunktes, die Böll für europaweite Aktionen der CIA heranzog. Man habe aber diese Hintergründe nicht gekannt, sondern an eine Finanzierung durch die amerikanische Ford-Stiftung geglaubt.
Dass die CIA bis auf den heutigen Tag ihre Geschäftchen in Nichtregierungs- und Hilfsorganisationen sowie in Stiftungen verrichtet, ist an sich nichts Neues. Das Ausmaß aber, das in dieser Dokumentation zutage gefördert wird...
Aus: "Heinrich Böll - sponsored by CIA" (26.11.2006) Quelle: http://worldcontent.twoday.net/stories/2987796/-.- [...] Dass im Osten keine Freiheit herrschte, ist hinlänglich bekannt: in der DDR war ein immer größerer Teil der Bevölkerung damit beschäftigt, den Rest zu überwachen und der große Bruder in Moskau hatte mit dem KGB seine Finger ohnehin überall drin. Dissidenten erhofften sich im Westen, nun von den Nachstellungen der Geheimdienste sicher zu sein – und waren doch wieder schneller in deren Fängen, als sie sich vorstellen konnten, nur diesmal denen der anderen Seite im Kalten Krieg.
[...] Als Alexander Solschenizyn 1974 aus der Sowjetunion ausgebürgert wurde und bei Heinrich Böll Zuflucht fand, war dies kein Zufall: Böll wurde vom CIA überwacht und alle Treffen des Literaten mit literarischen und politischen Persönlichkeiten des Ostblocks landeten in vertraulichen westlichen Geheimdienstprotokollen. Der "Kongress für kulturelle Freiheit" praktizierte realen Orwellschen Neusprech: Kulturell waren die Literaten wohl frei – sonst aber nicht.
[...] Am 27. April 1966 berichtete die New York Times über die CIA-Finanzierung des "Kongress für kulturelle Freiheit". Damit war es mit all den von ihm getragenen Literaturzeitschriften vorbei. Die US-Kontakte blieben jedoch, ebenso die Finanzierungen. Den "Monat" kaufte die "Zeit" auf.
Die auf Arte TV erstmals ausgestrahlte Dokumentation "Benutzt und gesteuert – Künstler im Netz der CIA" entstand nach dreijähriger Recherchearbeit in zahlreichen Dokumenten, die in US-Archiven lagern und über die damaligen Arbeitszentren in der Bundesrepublik Auskunft geben. Sie gibt Anlass zur Neubewertung der Kulturszene im Nachkriegseuropa.
Aus: "Deutsche Künstler und Journalisten als "IM" der USA?" on Wolf-Dieter Roth (TP; 26.11.2006) Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24027/1.html"How the Central Intelligence Agency Played Dirty Tricks With Our Culture" by Laurence Zuckerman (Published on Saturday, March 18, 2000 in the New York Times) Quelle#2: http://www.commondreams.org/headlines/031800-02.htm-.- [...] "Eine Unverschämtheit gegenüber Heinrich Böll" hat der Publizist Arnulf Baring gestern abend im Fernsehen gesehen. Der Historiker kritisiert die arte-Dokumentation "Benutzt und gesteuert". Der Film über die Beeinflussung europäischer Künstler durch die CIA während des Kalten Krieges zeichne sich durch große Oberflächlichkeit und Voreingenommenheit aus, sagte Baring im Deutschlandradio Kultur. Man müsse doch froh sein, dass die Amerikaner damals die Freiheit von Kunst und Kultur unterstützt hätten. - In der Dokumentation von Hans-Rüdiger Minow ging es unter anderem um die Organisation "Kongress für kulturelle Freiheit" in Paris, in der auch Böll Mitglied war.
Aus: "Arnulf Baring: CIA-Vorwürfe gegen Künstler sind eine Unverschämtheit" (dradio.de; 30.11.2006) Quelle: http://www.dradio.de/kulturnachrichten/200611301800/4 -.- Modern art was CIA 'weapon' Revealed: how the spy agency used unwitting artists such as Pollock and de Kooning in a cultural Cold War By Frances Stonor Saunders (Sunday, 22 October 1995) http://www.independent.co.uk/news/world/modern-art-was-cia-weapon-1578808.html
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« Last Edit: November 18, 2010, 01:12:14 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #1 on: February 06, 2007, 10:24:35 AM » |
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[...] 1957 verurteilte ein Gericht in Leipzig den Dozenten für Gesellschaftswissenschaften, Reginald Rudorf, zu zwei Jahren Zuchthaus. Ihm wurde vorgeworfen, unter dem Deckmantel des Jazz die Ordnung der DDR zu unterminieren - und das im Auftrage westlicher Imperialisten. Die letzte Anschuldigung fanden die ostdeutschen Jazzfans besonders lächerlich. Denn der SED-Genosse Rudorf wetterte zwar gegen hirnlose Funktionäre und träumte von einem toleranteren Sozialismus, aber ferngesteuert hatte den bestimmt keiner. Die Idee, dass der Westen den Jazz als Waffe im Kalten Krieg nutzen würde, galt als Wahnvorstellung stalinistischer Dogmatiker.
Heute wissen wir, dass der Jazz im Wettkampf der Systeme sehr wohl gezielt eingesetzt worden ist. Das belegen Dokumente; und die amerikanische Professorin für Geschichte und Afro-Amerikanische Studien, Penny von Eschen, beschreibt in einem Buch ("Satchmo Blows Up The World - Jazz Ambassadors Play The Cold War"), wie die US-Regierung Tourneen von Bands in den Ostblock und in Länder der Dritten Welt finanzierte.
Denn der Konflikt um die Vorherrschaft auf dem Globus wurde nicht nur mit dem Droharsenal von Düsenjägern und Raketen ausgefochten - es gab auch einen Wettstreit der Kulturen, und in dem haben Künstler wie Louis Armstrong und Benny Goodman entscheidend mitgespielt.
Der Gedanke, mittels Jazz für Amerika zu werben, stammt von dem schwarzen Kongressabgeordneten Adam Clayton Powell aus Harlem, New York. Weil die USA dem Bolschoi-Ballett und klassischen Violinen-Virtuosen wie David Oistrach nichts Gleichwertiges entgegensetzen könnten, schlug Powell 1955 vor, lieber auf Amerikas ureigene Musik zu bauen, den Jazz.
Die Regierung nahm die Anregung auf und schickte fortan Dizzy Gillespie, Dave Brubeck, Duke Ellington, Benny Goodman und Louis Armstrong in den Ostblock und in die von Moskau wie Washington umworbenen neuen Staaten in Afrika und Asien. Gleichzeitig strahlte die staatlich finanzierte "Voice of America" die tägliche Jazzsendung "Music USA" über Kurzwelle rund um den Globus.
Radioprogramme wie Konzerte fanden ein überwältigendes Echo. Allein in Osteuropa sollen schätzungsweise 30 Millionen Menschen die Jazzsendung des populären Moderators Willis Conover gehört haben - mit verblüffenden Folgen: "Die russischen Fans klangen alle wie Willis Conover", erzählte Dave Brubeck nach seiner ersten Tournee durch die Sowjet-Union. In Afrika füllten Hunderttausende Fußballstadien, wenn US-Jazzstars auftraten. In Athen wurde Dizzy Gillespie von Studenten im Triumph durch die Straßen getragen, die vorher das US-Informationszentrum mit Steinen beworfen hatten - aus Protest gegen Washingtons Anerkennung des griechischen Obristen-Regimes.
Den Erfolg der Jazz-Botschafter summierte das Magazin "New Yorker" 1958 in einer Karikatur: Bei einer Herrenrunde im Weißen Haus über eine "äußerst delikate diplomatische Mission" fragt der Vorsitzende: "Sollen wir (Außenminister) John Foster Dulles schicken oder Satchmo (Louis Armstrong)?"
Kein Wunder, dass die Amerikaner an möglichst umfassendem Kulturaustausch interessiert waren, während Moskauer Ministerien vor "trojanischen Pferden mit Propaganda im Bauch" warnten.
Tatsächlich gaukelten die durchweg aus schwarzen und weißen Musikern bestehenden Bands der Welt ein Amerika vor, das bestenfalls im Jazz-Milieu existierte. Zu Hause in Little Rock, Arkansas verteidigte die Nationalgarde noch 1957 die Rassentrennung und verwehrte schwarzen Kindern den Zutritt zu integrierten Schulen. Dagegen protestierte öffentlich der weitgehend als unpolitisch geltende Louis Armstrong; "Ambassador Satch" weigerte sich in jenem Jahr in die UdSSR zu reisen.
Wie Armstrong ließen sich auch die anderen Jazzgrößen durch die staatlich geförderten Tourneen keineswegs zum tumben Hurra-Patrioten verbiegen. Im Gegenteil: Die Jazzmusiker nutzten ihren erfolgreichen internationalen Einsatz, um zu Hause Rechte als Bürger und Anerkennung als Künstler einzufordern. "Die Idee, Amerika zu vertreten, gefiel mir", sagte Dizzy Gillespie, "aber das bedeutete mitnichten, dass ich Amerikas rassistische Politik verteidigen würde."
Solche Haltung imponierte den Menschen in totalitären Staaten. "Die US-Regierung kann ihre Neger nicht niederhalten", zitierte damals die "New York Times" einen jungen Moskauer, "und wir lassen uns nicht deren Musik verbieten." Zweifellos förderte der Jazz das Entstehen einer Gegenkultur. Amerikas improvisierte Musik stand für Rebellion und Freiheit - das lässt sich hören, bis heute.
Aus: "JAZZ IM KALTEN KRIEG: Die Freiheit ausposaunen" Von Hans Hielscher (SPON; 05. Februar 2007) Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,464258,00.html
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« Reply #2 on: February 26, 2007, 01:53:55 PM » |
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[...] Bis zum heutigen Tag befindet sich NS-Propagandakunst in amerikanischem Gewahrsam. US-Archive sind bislang wohl als willkommene Zwischenlager erschienen – zumindest, solange von der NS-Kunst noch propagandistische Reststrahlung ausgeht.
Aus: "Austellung: Im Auftrag der Diktatoren" (11.02.2007 / "Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2007) Quelle: http://www.diepresse.com/home/kultur/news/109791/index.do
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« Reply #3 on: February 26, 2007, 02:20:09 PM » |
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[...] Die Behauptung, Kunst sei gänzlich unpolitisch, ist blauäugig. Sicher, manchmal haben sich Künstler in diese Haltung geflüchtet – zum Beispiel im Dritten Reich, als Maler nur noch Landschaften pinselten und Schriftsteller nur noch über die Liebe schrieben. Man nannte das "innere Emigration". Aber es war nichts anderes als ein Zeichen für die Beziehung von Kunst und Macht, Ausdruck für die Angst des Künstlers in der Diktatur. Denn auch Diktatoren stellen ästhetische Forderungen und wollen sich Künstler als Propagandisten verpflichten.
[...] Im Mittelalter war nahezu jede Kunst religiöse Propaganda für das Christentum, das die Machtbasis aller Herrscher darstellte. Diese Herrscher hielten sich ihre Kritiker als Hofnarren. Hier war das Ausmaß der Narrenfreiheit ein Zeichen der politischen Verhältnisse. Kaum löste sich das feste Weltbild des Mittelalters in Renaissance und Reformation auf, nahmen die Konflikte zwischen Kunst und Macht wieder zu. Abhängigkeit und Widerstand des Künstlers in dieser Zeit zeigt exemplarisch der Film Inferno und Ekstase am Beispiel von Michelangelo und seinem Auftraggeber Papst Julius II. Im Religionskampf der Reformation bezogen Künstler wie der Poet Hans Sachs oder der Maler Jörg Ratgeb deutliche Positionen. Ratgeb, der auch noch für die aufständischen Bauern Partei ergriff, bezahlte das mit dem Leben.
Der große William Shakespeare war, wie man spätestens seit dem Filmerfolg Shakespeare in Love weiß, abhängig vom Wohlwollen der britischen Aristokratie. Der große Molière eckte bei den Spitzen der Gesellschaft mit seinen gesellschaftskritischen Stücken immer wieder an und hatte nur Glück, dass sein Brotherr Ludwig XIV. ein Theaternarr war. Dass ein Künstler, der sich trotz seiner Abhängigkeit von der Macht im Schaffensprozess frei wähnt, nur ein tragischer Narr ist, hat Goethe unnachahmlich in dem Drama "Tasso" gezeigt. Dabei wohnten auch zwei Seelen in Goethe selbst. In "Faust" weckte er als Dichter Verständnis für die Kindsmörderin Margarete. Als Minister und Politiker in Weimar unterzeichnete er für dasselbe Delikt ein Todesurteil. Gewalt gegen Citizen Kane, sogar Aufklärung und Demokratie haben das Spannungsverhältnis zwischen Kunst und Macht nicht wirklich geändert. Sie wirken sich auf jedes neue künstlerische Medium ähnlich aus. Nehmen wir [..] den Film, der allgemein als einer der wichtigsten in der Kinogeschichte gilt: Citizen Kane von Orson Welles. Weil sich der Pressezar Randolph Hearst in der Titelfigur karikiert sah, versuchte er die Aufführung des Films mit aller Gewalt zu verhindern. Ein anderes Beispiel: Die Verstrickungen von Filmemachern wie Veit Harlan oder Leni Riefenstahl in den Machtapparat des Nationalsozialismus sorgen bis heute für heftige Diskussionen, wenn ihre Streifen gezeigt werden.
Bert Brecht war wie viele andere Künstler von den Nazis in die Emigration nach Amerika getrieben worden. In Hollywood versuchte er, sein Brot auf dem "Markt der Lügen" zu verdienen, wie er schrieb. Vor dem Ausschuss des Senators Joseph McCarthy, der die vermeintlichen Kommunisten unter den Hollywood-Künstlern jagte, musste Brecht aussagen. In einem kleinen Gedicht hat er doch noch Stellung genommen zum Aufstand vom 17. Juni 1953 und der Regierung ironisch geraten, das ungehorsame Volk aufzulösen und ein anderes zu wählen. Günter Grass, der Brecht zur Theaterfigur machte, hat sich in Wahlkämpfen sogar parteipolitisch engagiert und musste sich in seiner Funktion als Künstler vom politischen Gegner deshalb als "Pinscher" bezeichnen lassen. So ist das, was sich zwischen den Künstlern und den Mächtigen abspielt, immer auch selbst ein Stück Machtkampf. Und damit wieder Stoff für die Kunst.
Aus: "Kunst und Macht - eine unendliche Geschichte" Von Herbert Heinzelmann (21.09.2006) Quelle: http://www.kinofenster.de/filmeundthemen/ausgaben/kf0105/kunst_und_macht_eine_unendliche_geschichte/
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« Last Edit: February 26, 2007, 02:31:14 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #4 on: May 29, 2008, 08:41:25 AM » |
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# Suspended license : censorship and the visual arts / Childs, Elizabeth C. *1954-*. - Seattle [u.a.] : Univ. of Washington Press, 1997 Details
# Streit um die Kunst : über das spannungsreiche Verhältnis von Kunst, Öffentlichkeit und Recht; Fallstudien aus dem 19. und 20. Jahrhundert mit dem Schwerpunkt Deutschland / Mickwitz, Beate / von. - München : scaneg, 1996 [Hochschulschrift] Details
# Die Kunst ist frei - alles Naehere bestimmt das Gesetz : Karl-Hofer-Symposion 1983 / Fischer-Defoy, Christine *1951-*. - Berlin : Colloquium-Verl., 1985 [Kongressdokument] Details
# Art censorship : a chronology of proscribed and prescribed art / Clapp, Jane. - Metuchen, NJ : Scarecrow Pr., 1972 Details
# Kunst im Konflikt : Kunst und Künstler im Widerstreit mit der "Obrigkeit" / Leiss, Ludwig. - Berlin [u.a.] : Gruyter, 1971 Details
# Kunst und Staat : der Künstler zwischen Freiheit und Zensur / Ott, Sieghart. - Originalausg.. - München : Dt. Taschenbuch Verl., 1968 Details
Aus: "Freiheit des künstlerischen Schaffens in Gesetz und Rechtsprechung. Zensurproblem - Regensburger Verbundklassifikation LH.60170" Erstellt von: BibScout (Stand: 05/2008) Quelle: http://bibscout.bsz-bw.de/bibscout/LH-LO/LH10015-LH90260/LH60150-LH60180/LH.60170-.- [...] Objekt der hitzigen Diskussion um Freiheit und Grenzen der Kunst ist eine Klanginstallation des Künstlerinnen-Duos Goldiechiari. Bis vor etwa zwei Wochen war jeder Besucher, der das Foyer des Museion betrat, folgender Geräuschkulisse ausgesetzt: Aus vier Lautsprechern ertönten, ausgelöst von einem Bewegungsmelder, gleichzeitig eine Toilettenspülung und die italienische Nationalhymne.
[...] Inzwischen wurde das Werk beschlagnahmt. "Die CD liegt beim Rechtsanwalt", sagte eine Sprecherin des Museums zu SPIEGEL ONLINE. Laut Klage von Alessandro Urzì, dem Vorsitzenden der rechtskonservativen Alleanza Nazionale und Landtagsabgeordneten, verstößt die Installation gegen Artikel 292 im Strafgesetzbuch: Verunglimpfung der Fahne oder anderer Symbole des Staates.
Der Vorfall hat zwei Fronten mobilisiert: die Nationalisten und die Patrioten. Die Kläger empfinden die Installation als "beleidigend". Die so genannte Mameli-Hymne oder "Fratelli d'Italia" (Brüder Italiens), sei als Wahrzeichen des Landes zu schützen. Keinesfalls dürfe es bloßgestellt und öffentlichem Spott ausgesetzt werden. Das aber sei der Fall, wenn melodisch zu Einigkeit und Zusammenhalt aufgerufen werde, das ganze derweil aber gleichsam den Abfluss herunter gespült werde.
...
Aus: "KUNSTZENSUR IN SÜDTIROL - Nationalhymne mit Klogeräuschen" (07. November 2006) Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,447046,00.html
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« Last Edit: May 29, 2008, 09:17:20 AM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #5 on: May 29, 2008, 09:07:07 AM » |
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[...] Vor zehn Jahren, am 27. Mai 1994, wurde die Uraufführung des Musicals „Das Maria-Syndrom“ mit Hilfe des sog. „Gotteslästerungsparagraphen“ 166 StGB verboten, weil es durch seine satirische Darstellung christlicher Glaubensinhalte angeblich den „öffentlichen Frieden“ gefährde – ein Skandal, der damals durch den deutschen Pressewald rauschte und bis heute ein beliebtes Thema in juristischen Oberseminaren ist. Anlässlich des 10jährigen Verbotsjubiläums präsentiert die Kampagne gegen Zensur, Aschaffenburg, eine unzensierte Hörspielversion des Stücks im Internet.
Auf der Website der Kampagne www.maria-syndrom.de/ wird der Skandalfall „Maria-Syndrom“ ausführlich dokumentiert. Neben dem kompletten Text des Drehbuchentwurfs (vor dem Verbot war der britische Starregisseur Ken Russell an der Verfilmung des Stoffs interessiert) finden sich u.a. Bilder der verbotenen Inszenierung sowie die maßgeblichen Urteile der beteiligten juristischen Instanzen (vom Oberverwaltungsgerichte bis zum Bundesverfassungsgericht).
Autor und Komponist M.S.Salomon weist darauf hin, dass das Stück als Hommage an den amerikanischen Bürgerschreck und Komponisten Frank Zappa eine „sexuell explizite Sprache“ verwende. Wer Probleme mit einer solchen Sprache habe oder Erwachsenen-Comics verabscheue, solle von einem Besuch der Hoempage absehen.
[...]
Aus: "Die Lust am Verbotenen…" Vor 10 Jahren wurde das Musical „Das Maria-Syndrom“ verboten. Zum Verbotsjubiläum präsentiert die „Kampagne gegen Zensur“ das Stück im Internet (Pressemitteilung vom 26.5.04) Quelle: http://www.maria-syndrom.de/kamp1.htm-.- Pressemitteilungen (Archiv: 1998-2000) http://www.schmidt-salomon.de/zensur/mitt2.htm-.- http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Schmidt-Salomon
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« Reply #6 on: May 29, 2008, 09:16:57 AM » |
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[...] Die Kunstzensur in Russland hat eine neue Dimension erreicht. Während bislang gelegentlich übereifrige Zollbeamte provokative Bilder nicht ausreisen ließen (art 8/2007), griff kürzlich die Staatsmacht ein. Der russische Kulturminister Alexander Sokolow persönlich untersagte für 80 Werke die Ausreise nach Paris.
Dabei handelte es sich um Arbeiten der russischen Künstlergruppen "Blue Noses" und "PG" sowie um Stücke von Wjatscheslaw Sysojew, Maria Konstantinowa und Wladislaw Mamyschew-Monroe.
Die Werke sollten in der Ausstellung "SozArt. Politische Kunst aus Russland seit 1972" im Pariser "Maison Rouge" gezeigt werden.
Sokolow nannte die angeblich "pornografischen" und "blasphemischen" Inhalte dieser Arbeiten, eine "Schande für Russland".
Speziell das Bild "Ära der Nächstenliebe" (2005) von den "Blue Noses", das zwei sich küssende Milizionäre zeigt, erregte den Unmut des Kulturministers.
[...]
Aus: "Im Dienst des Wahlkampfs" SUSANNE ALTMANN (Datum: 2007?/2008?) Moskau: Kunstzensur durch Kulturminister Sokolow Quelle: http://www.art-magazin.de/div/heftsuche/sozart/1979/2008/0/OGOWTEGWPPHPOPOGOOAROGOPHGROAPOREE/Im-Dienst-des-Wahlkampfs-.- [...] Eigentlich sollten die Bilder, die ich nun in der Moskauer Villa von Graf Christopher Mouravieff-Apostol bewunderte, bei der Ausstellung "Learning from Moscow" in Dresden gezeigt werden. Doch der russische Zoll meldete Bedenken an, diese und drei weitere Werke aktueller russischer Künstler könnten "internationale Verstimmungen" auslösen.
In Wirklichkeit ist die Stimmung unter den rund zwanzig internationalen Journalisten, die wie ich zum Dinner beim Grafen geladen sind, aber ziemlich ausgelassen. Vergnügt führt uns Monroe durch die Ausstellung und erwähnt die Zensur der Behörden mit keinem Wort. "Hier bin ich der Papst", sagt er und zeigt auf das Foto, auf dem er sich als Benedikt XVI. verkleidet hat und eine Katze streichelt. "Und hier bin ich Bin Laden. Das weiße Laken, das ich mir umgehängt habe, ist übrigens das gleiche." Allgemeines Gelächter.
"Vladi ist die Cindy Sherman Russlands", sagt sein Galerist, der auch sein größter Sammler ist, und lächelt verzückt. Der Künstler kichert, schwenkt sein Rotweinglas. Er trägt weiße Schuhe, die man, wären sie Handschuhe, als Fäustlinge bezeichnen würde: Der große Zeh ist von den anderen Zehen abgeteilt. Ohne Verkleidung sieht er ein wenig aus wie Modeschöpfer Jean-Paul Gaultier. Ich notiere: Kunst und Politik, nicht nur Regierungsgegner, auch unliebsame Werke werden in Russland zur Zeit festgehalten.
[...]
Aus: "Kunst-Zensur in Russland" Von Stefanie Richter (01. Juni 2007) Quelle: http://www.moscow-faf.com/media/MoscowFafMedia/4_sternblog-1.pdf
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« Reply #7 on: May 29, 2008, 09:21:58 AM » |
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[...] Andrej Jerofejew, Chefkurator für Gegenwartskunst der Staatlichen Tretjakowgalerie in Moskau, versteht die Welt nicht mehr. Der brav aussehende Mann mit Brille und Cordblazer ist angeklagt nach Artikel 282 des russischen Strafgesetzbuches: Religiösen und nationalen Zwist soll er geschürt haben. Dabei hat er doch nur getan, was die Aufgabe eines Kurators ist: Kunstwerke zu zeigen. "Es war meine bisher kleinste Ausstellung", sagt Jerofejew über sein Projekt "Verbotene Kunst 2006" und lächelt verwundert. Ganz so, als könne er selbst kaum glauben, was es ausgelöst hat.
Der Bruder des bekannten Autors Wiktor Jerofejew ("Die Moskauer Schönheit") wählte 24 Werke aus, die der Zensur russischer Medien zum Opfer gefallen waren. Zum Beispiel eine Blondine unter der Öldusche, einen grinsenden Milizionär mit Dollarnoten, eine Ikone aus Kaviar. Oder auch die "tschetschenische Marilyn", eine Fotoarbeit der sibirischen Künstlergruppe "Blaue Nasen". Ihr schwarzes Gewand fliegt so hoch wie Marilyn Monroes Rock in Billy Wilders Film "Das verflixte 7. Jahr". Auf ihren schwarzen Strümpfen aber prangen weiße Totenköpfe, dazu trägt sie einen Sprengstoffgürtel.
Mit Problemen hatte Jerofejew gerechnet. Deshalb erblickte, wer den Ausstellungsraum betrat, zunächst nur weiße Wände. Um die dahinter verborgenen Bilder zu sehen, mussten die Besucher auf Leitern steigen und durch winzige Gucklöcher linsen. Es war eine Schutzmaßnahme, aber auch ein Sinnbild für die Angst. Die Werke offen zu zeigen, wagte man nicht. Ärger gab es trotzdem.
Nach einem Wink aus dem Pressereferat des Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche hagelte es Anzeigen von religiösen und rechtskonservativen Gruppierungen wie der "Volkskirche" oder der "Bewegung gegen illegale Immigration". "Mein Mann ist streng orthodoxen Gläubigen ein Dorn im Auge", sagt Silke Högner-Erofeeva, die Ehefrau des Kurators. "In einer Zeit hoher Ölpreise herrscht in der Gesellschaft ziemliche Zufriedenheit", meint Jerofejew selbst. "Sie möchte weder religiöse, politische noch kulturelle Probleme ansprechen – auch nicht in der Kunst."
Ärger entlädt sich allerdings nicht nur gegenüber dem Kurator, sondern auch gegenüber Juri Samodurow, dem Direktor des Moskauer Sacharow-Zentrums, wo Jerofejew seine Ausstellung zeigte. Dort, unweit des Kursker Bahnhofs weht ein freigeistiger Wind. Hier diskutieren Menschenrechtler über Demokratie, hier erinnert ein Museum an den Gulag, hier zeigt der Direktor Juri Samodurow politisch brisante Arbeiten: bissige Plakate zur Ära Putin etwa, Porträts politischer Gefangener, Gemälde zur Geiseltragödie in Beslan.
Im Jahre 2003 stürmten orthodoxe Nationalisten das Zentrum und verwüsteten Exponate der Ausstellung "Vorsicht, Religion!" Im darauf folgenden Prozess verurteilten die Richter aber nicht die Krawallmacher, sondern die Kuratoren wegen "Schürung von nationalem und religiösem Zwist". Nun ist Samodurow wieder angeklagt. Weil er die Türen seines Zentrums für Jerofejews Ausstellung geöffnet hat, droht ihm eine Gefängnisstrafe.
"Ein Gespenst geht um in Russland, das Gespenst des religiösen Nationalismus und der Intoleranz, und was es als Nächstes erzürnen kann, weiß niemand", schreibt der russische Philosoph Michail Ryklin in seinem Essay "Mit dem Recht des Stärkeren. Russische Kultur in Zeiten der gelenkten Demokratie". Zeitgenössische Kunst wurde in Russland auch in jüngster Zeit immer wieder zum Zankapfel. Als besonders skandalträchtig erwiesen sich dabei die Werke der "Blauen Nasen".
2007 hielt der russische Zoll sechs Exponate, die zur Ausstellung "Learning from Moscow" in die Städtische Galerie nach Dresden reisen sollten, am Flughafen zurück. Unter anderem "Brenne, brenne, meine Kerze", eine Fotocollage, in der die "Blauen Nasen" vor einem Wandteppich mit Pappmasken von Putin, Puschkin und Christus posieren. Wenige Monate später sorgte die von Andrej Jerofejew konzipierte Ausstellung "Soz-Art. Politische Kunst in Russland" für Wirbel.
Dieses Mal mussten Werke zurückgezogen werden, die für das Pariser "Maison de Rouge" vorgesehen waren. Darunter die knutschenden Polizisten und die "Masken-Show" der "Blauen Nasen", eine Serie von Collagen, die prominente Politiker beim Schäferstündchen zeigen (etwa einen flotten Dreier zwischen Bin Laden, Saddam Hussein und Condoleezza Rice). Der damalige Kulturminister Alexander Sokolow nannte einzelne Exponate "eine Schande für Russland".
Auch wenn er als Mitglied der "Blauen Nasen" immer wieder ins Visier gerät – Künstler Alexander Schapurow ärgert sich, wenn derartige Vorfälle automatisch der Politik des russischen Staates zugeschrieben werden. "Was würde man in Deutschland sagen, würden Künstler Angela Merkel beim Sex mit Adolf Hitler zeigen?" Selbstzensur gebe es nicht nur in Russland. Man müsse sich nur an die Ereignisse um die Mozart-Oper "Idomeneo" an der Deutschen Oper in Berlin erinnern, als die Intendantin eine Inszenierung aus Furcht vor Islamisten aussetzte.
Offensichtlich ist allerdings der große Einfluss orthodoxer und rechtskonservativer Kreise auf die russische Justiz. Künstler, die mit religiösen Symbolen arbeiten oder sich ironisch auf Politik und Pornografie beziehen, müssen mit Ablehnung rechnen. "In der Sowjetunion gab es die Zensur. In Russland gibt es die Selbstzensur", sagt Jerofejew.
Problematisch sei auch, dass Direktoren von Museen in der Regel Staatsdiener seien, die wenig von Kunst verstünden. Oftmals wiesen sie Kuratoren an, Werke zu entfernen, ohne ihre Entscheidung mit Argumenten zu begründen. Vor allem in der Provinz. Mit seiner eigenen Ausstellung "Verbotene Kunst 2006" habe er kein politisches Statement abgeben wollen, betont der Kurator. "Wir wollten einfach erörtern, in welchem Format man diese Bilder zeigen kann."
Der Prozess um die Ausstellung wird seine eigene Antwort auf diese Frage geben. Noch ist das Urteil offen, aber schon jetzt scheint sicher: Es wird der Kulturszene auch als Seismograf dienen. Für die Stimmung in Medwedews Russland.
Aus: "KUNSTZENSUR IN RUSSLAND - Marilyn mit Sprengstoffgürtel" Von Carmen Eller, Moskau (28. Mai 2008) Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,555481,00.html
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« Reply #8 on: October 01, 2008, 02:19:48 PM » |
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[...] “What happens when an image of war or terrorism moves from the newspaper or news networks, to the gallery or museum? What causes the shift from an image having “documentary” relevance to it becoming an aesthetic object circulating in the art system?” … From: “UPDATED: Chelsea Art Museum pulls plug on “Aesthetics of Terror” show, chief curator resigns” by Paul Schmelzer at 2:18 pm 2008-09-25 Source: http://blogs.walkerart.org/offcenter/2008/09/25/chelsea-art-museum-pulls-plug/ -.- [...] “This just in: The Aesthetics of Terror, an exhibition scheduled for launch this November at the Chelsea Art Museum has been canceled. by museum president Dorothea Keeser. Artists were informed yesterday morning that Museum president Dorothea Keeser felt the show “glorified terrorism and showed disrespect for its victims.”” …
From: “The Aesthetics of Terror at The Chelsea Art Museum Cancelled” (25 Sep. 2008) Source: http://www.artfagcity.com/2008/09/25/breaking-the-aesthetics-of-terror-at-the-chelsea-art-museum-cancelled/#more-3687-.- [...] ” I do not think that an artist should show children and women which are torn apart by bombs.” Maybe all the puppies had already been cast. Maybe the artist’s burka was at the dry cleaners. I’m perplexed, I thought it was terrorism not art that “disrespected human beings”. This is an example of a sad, reactionary disengagement pervading every aspect of our culture. Political art is more necessary at this moment in history than ever. Kelli Williams // 28 Sep 2008, 12:46 pm - Here’s my question: What about all the famous paintings of Washington in the Potomac, The Battle of Antietam…and many other famous paintings…’of war’…does that not constitute… or glorify terror then as well… should we remove ALL paintings/artwork that depicts war and battles… because one person’s subjective interpretation… this place… the planet… is getting very pathetic… when a few… can determine what everyone else should see… [...] Derek // 30 Sep 2008, 1:52 pm - I think the “Art” is in the conflict. Richard Rounds // 30 Sep 2008, 1:58 pm -
From: “Chelsea Art Museum President Dorothea Keeser and Curator Manon Slome Respond” By Paddy Johnson (26.09.2008) Source: http://www.artfagcity.com/2008/09/26/chelsea-art-museum-president-dorothea-keeser-and-curator-manom-slome-respond/ -.- [...] this following statement by Chelsea Art Museum President Dorothea Keeser is extremely noteworthy (and troubling): “I do not think that an artist should show children and women which are torn apart by bombs. That is not the question for the artist. An artist has to go one step beyond, and find what are the reasons for terrorism and how one can go to another way a revolution against terrorism, and not just show very banal photos which we see every day in the television. That’s not art.”
From: “‘The Aesthetics of Terror’ at The Chelsea Art Museum Cancelled” By Jörg Colberg (29.09.2008) Source: http://www.jmcolberg.com/weblog/2008/09/the_aesthetics_of_terror_at_th.html -.- [...] Earlier this week I reported the cancellation of the Chelsea Art Museum’s exhibition, Dialectics of Terror, (formerly named The Aesthetics of Terror), and thanks to an anonymous tipster I now have the much disputed exhibition catalog in the form of a PDF. While it’s impossible to know where the points of contention were in the catalog itself, there does seem to be some discrepancy between Museum president, Dorothea Keeser’s statements and the organization of the exhibition. …
From: “The Chelsea Art Museum’s Dialectics of Terror Catalog Raises More Questions” By Paddy Johnson (28.09.2008) Source: http://www.artfagcity.com/2008/09/28/the-chelsea-art-museums-dialectics-of-terror-catalog-raises-more-questions/ -.- The Dialectics of Terror CHELSEA ART MUSEUM Catalogue [11/20/2008 – 01/31/2009] => http://www.artfagcity.com/CAM_AOTCatalogue_FINAL.pdf-.- :: KonText ::
[...] Guernica ist eines der bekanntesten Gemälde Pablo Picassos (1937, Öl auf Leinwand, 349 cm × 777 cm). Es entstand als Reaktion auf die Zerstörung der spanischen Stadt Guernica durch die deutsche Legion Condor während des Spanischen Bürgerkrieges. Heute befindet es sich zusammen mit einer umfangreichen Sammlung von Skizzen im Museo Reina Sofía in Madrid.
[...] Eine Kopie des Bildes, gestiftet 1985 von Nelson Rockefeller, hängt im Vorraum zum Sitzungssaal des UN-Sicherheitsrats im Hauptgebäude der UNO in New York City. Es wurde am 4. Februar 2003 auf Wunsch der US-Regierung mit der blauen Fahne des Sicherheitsrates verhängt. Anlass dazu war eine am Folgetag angesetzte Präsentation Colin Powells, damals Außenminister der USA, die Bestrebungen des Irak unter Saddam Hussein nach Massenvernichtungsmitteln beweisen sollte. Damit sollte die Zustimmung des Sicherheitsrats und der Weltöffentlichkeit zum Irakkrieg erreicht werden. Diplomaten erklärten auf Nachfragen von US-Medien, die Verhängung des Bildes sei mit Rücksicht auf die öffentliche Übertragung der Sicherheitsratssitzung erfolgt.
Die Berliner Zeitung kommentierte diesen Vorgang am 7. Februar 2003 wie folgt: [2]
Wovon zeugt diese kleine Szene aus der großen Wirklichkeit? Zeugt sie vom Altbekannten - von der Schwachheit der Kunst, ihrem Narren- und Luxusdasein? Die Politik, das Kapital, die öffentliche Moral, sie schmücken sich mit ihr und veredeln ihre Räume und Absichten - aber nur solange und wie es ihnen beliebt. Oder zeugt sie nicht ganz im Gegenteil von der Kraft, die von Bildern ausgehen kann, und vor der man offensichtlich Angst hat? Kunst kann sehr wohl die Wirklichkeit in den Köpfen verändern, und um das Denken in den Köpfen der Kriegsgegner zu verändern, war Colin Powell ja gekommen. So stand am Mittwoch in New York Bild gegen Bild: Im Sicherheitsrat die Dia-Schau des CIA, fotografiert aus jener Vogelperspektive, aus der bald auch die Bomben fallen werden - und unten im Foyer die Froschperspektive der Opfer, eine Erinnerung an den schockierenden ersten Bombenangriff auf eine europäische Stadt. Dass man Picassos Bild verhängen musste, belegt nur, dass man die Kraft der Spionageaufnahmen gefährdet sah. Offenkundig traut man den eigenen Bildern doch nicht so ganz. Das Wandbild und das Satellitenfoto treten so in unmittelbare Konkurrenz. Man erinnert sich aus dem ersten Golfkrieg noch an die Aufnahmen mit dem Vermerk “Zensiert von der US-Zensur”. Nun hat mit dem blauen Tuch über “Guernica” zwar nicht der nächste Golfkrieg, wohl aber die nächste Zensur schon begonnen.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb am 10. Februar 2003: [3]
Im Vorkrieg der Medien fürchten Politiker noch immer die Macht von Bildern, die sich ihrer Kontrolle entziehen…Es sei, so ein Diplomat, kein “angemessener Hintergrund”, wenn Powell oder der Botschafter der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, John Negroponte, über Krieg redeten und dabei von schreienden Frauen, Kindern und Tieren umgeben seien, die das durch Bombardements verursachte Leid zeigten. Die Entscheidung, Picassos bildhaften Aufschrei [...] zu verhüllen, ist ein symbolischer Akt. Er beschädigt nicht nur die Erinnerung, die Picassos Ereignisbild beschwört, er beschädigt auch die menschliche Gabe, im klaren Bewußtsein der Leiden und im Angesicht der Opfer - seien sie auch nur gemalt - über Krieg oder Frieden zu streiten.
[...]
[2] # ↑ Berliner Zeitung: Bild gegen Bild => [http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2003/0207/feuilleton/0060/]
[2] # ↑ FAZ: Opfer unerwünscht => [http://www.faz.net/s/RubCC21B04EE95145B3AC877C874FB1B611/Doc~E1604F6CE20824743B7545852DB6A2050~ATpl~Ecommon~Scontent.html]
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Guernica_(Bild) (17. September 2008) -.- [...] Kunst ist in der Lage, politische Macht zu repräsentieren. Das tut sie und wird dafür auch in den Dienst genommen. Kunst kann sich gelegentlich teilweise dieser Inanspruchnahme verweigern. Konkret verweigert sie die Produktion von Bildern, welche der Repräsentation und Legitimation der bestehenden dominanten Kultur und der damit einhergehenden politischen Hegemonie unmittelbar dienen können. Die Konfliktträchtigkeit der Kunst ist ein soziales Phänomen, das auf die jeweils aktuell wirksamen Grenzen der Akzeptabilität der Kunst in einer gegebenen sozialen Konstellation hinweist. Die Beschäftigung mit Kunstkonflikten hat also für die Sozialwissenschaften einen heuristischen Wert. Sie kann etwas sichtbar machen, das gewöhnlich verborgen bleibt: die hegemoniale Kultur als jenes System von Normen, Institutionen und Praktiken, das Unterscheidungen zwischen dem Legitimen und dem Illegitimen, dem Eigenen und dem Fremden, dem Oben und dem Unten schafft.
...
Aus: "Das Legitime und das Deviante – eine kunstsoziologische Untersuchung" Von Tasos Zembylas (Wien) SWS-Rundschau (44. Jg.) Heft 1/2004: S.65‒86 Quelle: http://www.apiecha.de/philosophy/zembylas/zembylas.pdf
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« Reply #9 on: February 23, 2009, 03:42:18 PM » |
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[...] Die Berliner Mauer war seine Leinwand: 1986 eröffnete Peter Unsicker die Wall Street Gallery unweit des Checkpoint Charlie und machte das Symbol deutscher Teilung zum Gegenstand seiner Kunst. Die DDR-Funktionäre waren nicht begeistert - und schickten die Stasi
[...] Am 9. November 1986, also bereits wenige Tage nach meinem Einzug, eröffnete ich die Wall-Street-Gallery. Meine erste, wichtige Installation war die "Arbeit am Verdorbenen" . Angefangen hatte alles mit dem "Wundpflaster" auf der Mauer. Darunter hatte ich eine Gipsmaske modelliert. Nachts kamen DDR-Beamte und kratzten das Pflaster von der Mauer. Mein Freund Mick van Cook, Maler aus England, der gerade bei mir wohnte, stürmte auf die Straße um für die Kunst zu kämpfen; in der dadurch entstandenen Rangelei zog er sich einen Leistenbruch zu. Er rettete damit die Maske unter dem Wundpflaster, sie blieb an der Mauer. Ich nahm das als Zeichen und fing an, die Masken zu vervielfältigen.
Über einen Zeitraum von zwei oder drei Wochen habe ich dann meinen kleinen Privatkampf mit den DDR-Grenzern ausgefochten. Sie kamen in den Abendstunden und entfernten meine Masken, ich habe sie am nächsten Tag wieder auf die Mauer gebracht - und ihre Anzahl dabei verdoppelt. Der Witz war: Die sind zu den Säuberungsaktionen immer mit sechs oder sieben Mann angerückt. Klar, die Leute, die saubermachten, mussten ja schließlich bewacht werden, sie hätten ja sonst türmen können. Das war bizarr und gleichzeitig auch der Reiz, denn ich konnte mit so kleinem Aufwand diesen Staatsapparat in Bewegung setzen.
Aber selbstverständlich blieb das nicht ohne Folgen. Eines Tages standen zwei Männer vor der Tür und forderten sehr aggressiv, ich solle den ordnungsgemäßen Zustand der Mauer wiederherstellen. Das war mein erster Kontakt mit den Staatsorganen der DDR. Ich wollte sie auf einen Tee hereinbitten, aber sie blieben stur vor der Schwelle stehen und herrschten mich an: "Sie bleiben auf Ihrem Territorium, wir bleiben auf unserem!" Sie drohten mir noch, das Schaufenster zuzunageln, wenn ich nicht aufhörte, dann zogen sie ab.
Ein paar Tage später standen dann West-Berliner Polizeibeamte vor meiner Tür. Vor meiner Hintertür genau genommen, denn sie durften das Ostgebiet vor meiner Tür nicht betreten. Sie klopften und baten mich, meine Kunst von der Mauer abzunehmen. Ich fragte, warum ausgerechnet sie mich darum bäten. "Es gäbe eine Beschwerde aus dem Osten", sagten sie. Darüber wollte ich mehr wissen. Wer hatte sich wo über mich und meine Kunst beschwert?
Laut ihrer Auskunft sei das so vonstatten gegangen: Auf der Demarkationslinie vorne am Checkpoint Charlie hätten sich ein Beamter West und ein Beamter Ost gegenübergestanden und der Beamte Ost hätte sich über meine "Schmierereien" an der Mauer beschwert. Ich habe die Polizisten gefragt, ob sie überhaupt wüssten, worum es gehe. Es handele sich nicht um Schmierereien, sondern um eine wunderbare Installation, die ich auf gar keinen Fall abnehmen würde. "Wir wissen von nichts und wollen auch nichts wissen" war ihre Antwort. Ich habe sie dann hereingebeten und ihnen erklärt, was ich hier mache. Sie fanden es schön. Da sagte ich nur: "Okay, mehr muss ich nicht wissen."
Ich merkte, dass niemand wusste, wie er mit mir und meiner Kunst umgehen sollte, und ich merkte auch: Ich habe eine gewisse Freiheit. Ich wurde also gewissermaßen meine eigene, kleine diplomatische Unternehmung. Und so formulierte ich einen Antrag auf Gestaltungsfreiheit der 36 Quadratmeter Mauer vor meiner Tür.
Mit diesem Dokument in der Hand bin ich ein paar Tage später zum Checkpoint Charlie marschiert und sagte zu den Grenzern: "Ich hab hier einen Brief an Herrn Honecker. Könnten Sie mir bitte die Adresse geben?" Die haben natürlich extrem blöde geguckt und sagten dann: "Wir nicht, aber gehen Sie mal da rein", und so geriet ich immer tiefer in diese Anlage, in die ich eigentlich gar nicht hinein durfte.
Bei der dritten Station wollten sie meinen Ausweis sehen, den ich nicht dabei hatte und dann hing ich erst mal fest. Nach einer Stunde Warten wurde es mir zu dumm, ich habe dann einen Beamten gefragt, wie lange es noch dauern würde. Ich wurde angebellt: "Für sie kommt gleich jemand!" Naja, und dann kam natürlich jemand von der Stasi. Dem habe ich erzählt, was ich hier wollte, er schlug ein Treffen vor.
Wochen später kamen sie dann zu zweit, ein sehr junger Typ, der schon vier Kinder hatte und ein anderer, Lederjacke, abgebrüht, aber trotzdem nicht so Apparatschik, wie man es sich heute gerne vorstellt. Sie haben mich mit einem Auto abgeholt. Als wir die Berliner Stadtgrenze passierten, habe ich es mit der Angst zu tun bekommen. Ich sagte: "Stopp, ich steige jetzt aus, ich darf als West-Berliner nicht in die DDR fahren." Ihre Antwort war kurz und trocken: "Mit uns dürfen Sie überall hinfahren." Ich antwortete: "Um Gottes Willen, Sie sind von der Gestapo! Verzeihung, ich meine von der Stasi." Da lachten die beiden schallend - und meine Angst war verflogen.
...
Aus: ""Privatkampf mit der DDR"" Von Peter Unsicker - Aufgezeichnet von Michail Hengstenberg (19.2.2009) Quelle: http://einestages.spiegel.de/static/authoralbumbackground/3694/_privatkampf_mit_der_ddr.html
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« Reply #10 on: June 02, 2009, 11:22:54 AM » |
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[...] Gesellschaftliche Passivität paart sich für Santos bei den Brasilianern [ ] mit niedrigem Selbstwertgefühl und schlechtestem Urteil über sich selbst.
"Solche Haltungen trifft man sogar bei Intellektuellen. Unser Selbstwertgefühl ist gering. Die Brasilianer entwerten sich gegenseitig, schätzen indessen stets hoch, was von draußen kommt. Daher imitieren wir sogar, was in den Ländern der Ersten Welt schlecht ist - und kopieren von dort just das Falsche. Wir vergeuden Talente, menschliche Fähigkeiten - hier fehlt auch intellektueller Dialog."
Viele Intellektuelle und Künstler Brasiliens, so ein weiterer Vorwurf, agieren zudem als Komplizen der Macht, der jeweiligen Regierung. Sie schweigen, anstatt wie in den Zeiten des Militärregimes gegen die Zustände aufzubegehren, gar Staatschef Lula öffentlich zur Rede zu stellen. Konkret genannt werden stets Ex-Kulturminister Gilberto Gil und Idole der Nationalkultur wie Caetano Veloso und Chico Buarque. Letzteren hatte man vergeblich aufgerufen, 2008 in Sao Paulo als Jurymitglied eines Menschenrechtstribunals gegen alltägliche Folter und die Verfolgung von Sozialbewegungen zu fungieren.
"Jene, die sich damals gegen die Diktatur wehrten", so argumentiert Santos, "hatten Idealismus, Ideale, wollten die Gesellschaft verändern. Heutige Künstler sorgen sich viel mehr um Geld und Gewinn, verlieren dabei jedes Maß. Sie verkaufen sich - was heute ja viel leichter ist. Zumal jene Ideale in der ganzen Welt verlorengegangen sind. Die Verarmung des Kulturniveaus der Menschheit empfinde ich sehr schmerzhaft."
Allein auf weiter Flur steht Denker Santos mit seiner Passivitätsthese keineswegs. Der große brasilianische Schriftsteller Joao Ubaldo Ribeiro, einst DAAD-Stipendiat in Deutschland, drückt es drastischer aus:
"Wir sind ein Volk mit dem Temperament von Schafen, von Hammeln. Wir sind an Autorität gewöhnt. Hier reklamiert doch niemand. Das ist die nationale Mentalität."
...
Aus: "Angepasste Denker unter dem Zuckerhut" (29.05.2009) Wie sich die brasilianische Kulturelite mit der korrupten Macht arrangiert hat Von Klaus Hart Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/974006/
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« Reply #11 on: July 23, 2009, 09:48:13 AM » |
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[...] Im Juli 2009 leitete die Staatsanwaltschaft in Nürnberg gegen Hörl ein Ermittlungsverfahren wegen Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen ein. Anlass war eine anonyme Anzeige gegen Hörl und den Betreiber einer Nürnberger Galerie, in der ein goldener Gartenzwerg Hörls ausgestellt war, der die rechte Hand zum Hitlergruß erhoben hat. Hörl selbst versteht den Zwerg, von dem rund 700 Exemplare existieren, als eine „Persiflage auf das Herrenmenschentum der Nazis“. Bei allen bisherigen Ausstellungen seien die Zwerge zwar Anlass für Diskussionen gewesen, aber er selbst sei dabei nie in die Nähe der Nazi-Ideologie gerückt worden. Sogar die Jüdische Gemeinde in Gent, wo die Zwerge erstmals ausgestellt worden waren, habe sich von dem Werk beeindruckt gezeigt.[1]
...
[1] ↑ Hörl: Empörung über Nazi-Zwerge offenbart Scham (mit Foto) In: zeit.de vom 18.7.2009 http://www.zeit.de/newsticker/2009/7/18/iptc-bdt-20090718-10-21839586xml
Aus: "Ottmar Hörl" Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ottmar_H%C3%B6rl (22. Juli 2009) -.- [...] Die Hitler-Gartenzwerge des Wertheimer Künstlers Ottmar Hörl haben keine juristischen Folgen. Weil der Kunstprofessor in Nürnberg den Nationalsozialismus der Lächerlichkeit preisgeben wolle und die Zwerge als Kunst verkaufe, sehe man von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens ab, teilte die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth am Mittwoch mit. «Bei der Gesamtschau wird die Gegnerschaft zur Ideologie hinreichend deutlich», hieß es. Mit der gleichen Begründung lehnte auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart Ermittlungen ab. Sie war durch einen Bericht der «Bild»-Zeitung auf eine Esslinger Galerie aufmerksam geworden, die einen solchen Zwerg im Angebot hatte.
Prinzipiell sei das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen - darunter der Hitlergruß - strafbar, erklärte die Ermittlungsbehörde Nürnberg. Doch werde dies nicht verfolgt, wenn die Darstellung in offenkundiger und eindeutiger Weise die Bekämpfung der NS-Ideologie zum Ausdruck bringe.
Der goldfarbene Gartenzwerg, der den rechten Arm zum Hitlergruß ausstreckt, hatte in den vergangenen Tagen für viel Wirbel gesorgt. Ein Unbekannter hatte sich über die Präsentation der puppengroßen Kunststofffigur in einer Nürnberger Galerie beschwert und sich mit einem anonymen Schreiben an die Öffentlichkeit gewandt. Die Staatsanwaltschaft nahm daraufhin Vorermittlungen auf. In Stuttgart war der Fall nur geprüft worden.
Hörl hatte den Gartenzwerg, den er selbst als Persiflage auf das «Herrenmenschentum» der Nazis betrachtet, für eine Ausstellung der Kunstmesse im belgischen Gent geschaffen. «Nazis sehen sich doch selbst als groß, blond und heldenhaft. Diese Eigenschaften hat doch kein Gartenzwerg», erläuterte der Künstler aus Wertheim (Main-Tauber- Kreis) der Deutschen Presse-Agentur dpa. 700 Exemplare des Nazi- Zwerges waren im Frühjahr im Foyer der Kunstmesse zu sehen. Kurz darauf wurden die Wichtel in Bozen/Südtirol ausgestellt. In den vergangenen Tagen nahm die Nachfrage von Sammlern laut Hörl rasant zu. (dpa)
Aus: "Staatsanwaltschaft erkennt Satire: Justiz erlaubt Gartenzwergen Hitlergruß" (22. Jul. 2009) Quelle: http://www.netzeitung.de/kultur/1411919.html
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« Reply #12 on: July 20, 2010, 04:43:52 PM » |
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[...] MOSCOW — The trial of two prominent Russian intellectuals over a 2007 contemporary art exhibition at the Sakharov Museum here that included works on religious themes ended on Monday with a guilty verdict and fines but no jail time for the defendants.
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From: "Organizers of Art Show Convicted in Moscow" (Published: July 12, 2010) By SOPHIA KISHKOVSKY Source: http://www.nytimes.com/2010/07/13/arts/design/13curators.html-.- [...] On 12 July, the judge found Andrei Erofeev and Yurii Samodurov, organisers of the exhibition Forbidden Art – 2006, guilty of inciting hatred and enmity, and insulting human dignity. Samodurov was fined 200,000 roubles, and Erofeev 150,000 (some $12,000 in all). But they have not been sent to prison.
[...] Russia is in mourning for Soviet censorship, for the good old days when the state set the Standards for art, for literature and everything else. That’s what all this forbidding is about.
...
From: "Forbidden Art verdict: they're in mourning for Soviet censorship" Tatiana Shcherbina (15 July 2010) Source: http://www.opendemocracy.net/od-russia/tatiana-shcherbina/forbidden-art-verdict-theyre-in-mourning-for-soviet-censorship-.- [...]Two Russian art curators were sentenced to hefty fines yesterday for inciting religious hatred over a 2007 exhibition that included artworks comparing Jesus Christ to Mickey Mouse and Vladimir Lenin.
...
From: "Fined: Russian art curators who likened Jesus to Lenin" (Tuesday, 13 July 2010) By Shaun Walker in Moscow Source: http://www.independent.co.uk/news/world/europe/fined-russian-art-curators-who-likened-jesus-to-lenin-2025099.html
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« Reply #13 on: December 02, 2010, 04:56:19 PM » |
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[...] Der Präsident der katholischen Liga in den USA bezeichnet ein Kunstwerk als "Hasspredigt"; Politiker folgen seiner Forderung nach Entfernung eines Videos, in dem eine Jesusfigur von Ameisen überlaufen wird. Die Aussteller entfernen das Kunstwerk Eine bemerkenswerte Ausdehnung des Begriffs "Hasspredigt" liefert der Präsident der katholischen Liga (Catholic League "For Religious and Civil Rights") in den USA, William Donohue: Er bezeichnet ein Kunstwerk, genauer ein Kunst-Video, als solche und bedrängte in Einklang mit Politikern das ausstellende Museum, das "abscheuliche Video" zu entfernen. Als Kriterien für die Entfernung führt Donohue zunächst Ehrbarkeit ("honesty") und "common sense" an. Wohl wissend, dass dies außerhalb der Kanzelpredigten keine Kriterien für die Beurteilung von Kunst sind, hilft sich Donahue mit einem Verweis auf die Empfindlichkeit von Muslimen in solchen Angelegenheiten: "Ich weiß, so gut wie meine Kritiker auch, wenn es Mohammed gewesen wäre, den man dabei zeigt, wie er von Ameisen gefressen wird, dann würden Muslime niemals zulassen, dass man ihnen erwidert, dass die Beleidigung nicht beabsichtigt war. Also was war dieses abscheuliche Video dann? Ein Weihnachtsgeschenk für Christen. Es war eine Hasspredigt, ganz simpel und völlig klar, und es sollte nicht von 80 Prozent der Landesbewohner, die Christen sind, finanziell unterstützt werden.". Ernstzunehmende moderne Kunst macht nervös. Das von Donahue und republikanischen Abgeordneten beanstandete Video von David Wojnarowicz löst dieses Kriterium ein. Das Video "Fire in my Belly" zeigt neben anderen, die alltäglichen Erwartungen an Filmclips verstörenden, Sequenzen auch Aufnahmen einer hölzernen Christus-Figur in einem Meer von Ameisen; ein paar Ameisen krabbeln über die Figur, aus der Blut fließt - das Ganze in einem Kontext, der von Schmerz und Tod kündet - darf die Kunst doch? Es ist beinahe 50 Jahre her, dass Susan Sonntag von einer Zeit schrieb, in der "interpretatorische Unternehmungen größtenteils reaktionär, stickig" sind. Nur in manchen kulturellen Umgebungen sei sie ein befreiender Akt; in anderen trivial und erbärmlich. Offensichtlich führt die Renaissance religiöser Kriterien in öffentlichen Diskussionen zu der neuerlichen Abstumpfung, die nicht weiter bemerkenswert wäre, ginge sie nicht Hand in Hand mit politischen Hygienemaßnahmen. Laut Washington Post befinden sich unter den Politikern, die das Video aus einer größeren Ausstellung der National Portrait Gallery entfernt haben wollten, auch namhafte Persönlichkeiten wie John A. Boehner, der wahrscheinlich neuer Sprecher des Abgeordnetenhauses werden wird. Boehners Sprecher ließ mitteilen, dass "amerikanische Familien ein Recht darauf hätten, Besseres von Empfängern von Steuergeldern zu erwarten, zumal die Zeiten hart sind." Auf den Einwand reagierend, dass die Ausstellung von Privatleuten finanziert wurde, und Steuergelder in diesem Fall nicht die Ausstellung selbst, sondern nur den allgemeinen Unterhalt des Museums bezahlen, sagte Sprecher Smith weiter: "Während die tatsächliche Geldsumme gering sein mag, ist das symbolisch für die Arroganz, die die Regierung in Washington regelmäßig in Taten umsetzt, wenn sie über das hart verdiente Geld der Amerikaner entscheidet." Die ausstellende Gallerie gehört zum Smithsonian Museum, das mit etwa 70 Prozent aus Steuereinahmen finanziert wird. Ausstellungen werden damit aber keine finanziert, berichtet die Washington Post, die angesichts der neuen Mehrheitverhältnisse nach den Midterm-Wahlen einen neuen "Kulturkampf" erwartet. Die Ausstellungsleiter haben das Video übrigens aus der Austellung entfernt. Begründung: Man wolle nicht, dass nun alle öffentliche Aufmerksamkeit auf dieses eine kleine Werk in der großen, in allen Kritiken so sehr gelobte, Ausstellung gezogen wird. Auch hier also die Vernuft des "größeren Ganzen". Dass sich darüber nun wenigstens heftiger Streit entspinnt, lässt hoffen. 2. Dezember 2010 14:03 *LOL* Doofe Lattenjuppanbeter :D (Editiert vom Verfasser am 02.12.10 um 14:34) alionSonny Wieso? Das Video ist zwar ein wenig irre, aber äusserst passend in unserer Zeit. Passender als das dümmliche Gesäusel der Kanzelspackos in den Kirchen, welches mit der Lebensrealität der Menschen soviel zu tun hat wie die Teletubbies. Ich habe da für die Anbeter des an Bretter genagelten noch was viel schöneres. HAVE FUN: > http://www.youtube.com/watch?v=07Nx-mIMtnI2. Dezember 2010 14:18 Rassistischer fanatische Christenhasser wie du... kreuzotter
...sind Schuld an der fortschreitenden Einschränkung der Meinungsfreiheit. Du jammerst doch schon beim Begriff "Mohamedaner", man dürfte religiöse Spinner nicht beleidigen.
Bitte, hier haben wir das Ergebnis deiner Jammerei.
2. Dezember 2010 15:14 Was ist jetzt eigentlich lächerlicher? astrachanschaf (mehr als 1000 Beiträge seit 03.03.05)
A) Dass der Christ das gleiche Recht auf Zensur einfordert wie der Muslim?
B) Dass angeblich Linke diese Zensur mit ihrer Rassistenkeule erst so richtig salonfähig gemacht haben?
C) Dass ein Autor bei TP sich so offensichtlich in der Doppelmoral wälzt, die er gern anderen aufs Brot schmiert?
Da fällt die Entscheidung wirklich schwer...
2. Dezember 2010 13:52 Klingt ja fast als...
Stingel
... wäre das Video "entartet".
GUte Besserung in die Staaten wünscht
Stingel
Aus: ""Muslime würden das auch nicht akzeptieren"" Thomas Pany (02.12.2010) Quelle: http://www.heise.de/tp/blogs/6/148855
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