Steve
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« on: September 09, 2007, 06:03:19 PM » |
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Liebes Tagebuch, heute Morgen habe ich Rüdiger, der auch in der Mangoldtstraße wohnt, an der Bushaltestelle wiedergetroffen. Während wir auf den Bus warteten, erzählte er mir dass er am letzten Wochenende im Treppenhaus seinem Nachbarn, dessen Radio in der Küche auf der Fensterbank steht und immer auf sehr laut gestellt ist, begegnet war. Dieser klagte ihm sein Leid indem er schilderte, dass das Fahrrad, mit dem er immer durch die Nachbarschaft fuhr, mal wieder einen platten Reifen hatte. Diesmal war der abgerissene Zweig eines Dornenstrauches schuld.“ Jaa, was musste dieser auch einfach auf dem Radfahrweg herumliegen!“, soll sein Nachbar geschimpft haben. Als wenn es keine anderen Probleme auf dieser Welt geben würde. Naja - hilfsbereit und gar nicht faul wie Rüdiger nun mal ist stellte er diesem Nachbarn sein Flickzeug schenkungsweise zur Verfügung damit das besagte Fahrrad wieder einsatzfähig sein sollte. Anbei übergab er ihm noch eine Einladung zu einem Lampionfest mit Verkleidungszwang, auf dem auch andere Nachbarn in der Mangoldtstraße und Umgebung auf etwas Abwechslung in ihrem tristen Alltag hoffen dürften. Wie zum Beispiel die zwei Omas ,die ein Stockwerk unter ihm wohnten und sich des Öfteren nach Rüdigers Wohlbefinden erkundigten. Mal war es der linke Fuß der ihn schmerzte oder der Zahnarztbesuch, der noch ausstand. Rüdiger erzählte mir, dass zwei seiner Zähne etwas kariös seien, aber das ganze soll noch nicht so schlimm sein, dass sie gezogen werden müssen. Üblicherweise klagen doch die alten Frauen über ihre Krankheiten, doch im diesem Falle war es etwas anders, denn sie erfreuten trotz ihres hohen Alters an bester Gesundheit. Vielleicht liegt es ja, so vermutete Rüdiger, an den Haustieren die diese beiden Damen als ihre Mitbewohner ausgaben. Die eine hat zwei Wellensittiche mit den Namen Lukas und Jim Knopf, die andere wiederum besitzt einen Kater, der den Namen Horst-Oliver trägt und sehr dick und faul sein soll, weil dieser den lieben langen Tag auf dem Fernsehsessel herumliegt, der im Wohnzimmer steht während die alte Frau die ihn füttert sich mit der Couch als Sitzplatz abgefunden haben soll.“ Jaaa, so spielt sich das Leben in der Mangoldtstraße nun mal ab“, scherzte Rüdiger und vergaß nicht zu erwähnen dass auch die beiden alten Damen eine Einladung überreicht bekamen. Der Linienbus stoppte an der Haltestelle und die Menschen die an der selbigen standen stiegen ein und stempelten ihre Fahrkarten ab. Ich nahm einen Fensterplatz in Beschlag und Rüdiger setzte sich neben mich. Damit ihm die Busfahrt nicht zu langweilig und eintönig vorkam fragte er mich unter anderem ob ich mir denn eine neue Prepaidkarte für mein Handy gekauft oder ob es etwas Besonderes in meiner Privatpost gegeben hätte. Ich kam mir am frühen Morgen etwas überrannt und willengelähmt vor und antwortete ihm in unglaublicher Weise doch zum Teil auf eine nicht aufhörende Flut an Fragen, die noch kommen sollte. Irgendwann war der Zeitpunkt für Rüdiger gekommen um auf das rote Halteknöpfchen zu drücken, damit der Bus an der nächsten Haltestelle stoppte. Aus seinem schwarzen Rucksack, den er immer bei sich trug, holte er einen ganzen Stapel Einladungen hervor, um diesen dann unter das Volk, das sich auch im Bus befand, zu bringen. Unter anderem bekam auch ich eine Einladung in die Hand gedrückt und bevor er ausstieg vergaß er nicht zu erwähnen, dass er auch etliche Großanzeigen in den Frauenzeitschriften in Bezug auf sein bevorstehendes Lampionfest drucken ließ, die beim Friseur oder Arzt zuhauf herumlagen. Dann stieg er aus dem Bus aus um seinem Tagewerk nachzugehen, das daraus bestand den Tag von Arbeitsbeginn bis zum allseits beliebten Feierabend vor einem Computerbildschirm zu sitzen, vor dem er verschiedene Zeitungen und Illustrierte liest, gezuckerte Waffeln aus dem Supermarkt isst und um stilles Wasser aus Plastikflaschen zu trinken.
Endlich hatte auch ich mal Feierabend und schlenderte die Mangoldtstraße entlang, be- staunte bunte Vögel, die auf den Ästen der Bäume ihre lustigen Lieder sangen und die Menschen beobachteten wie sie zum Beispiel ihre Autos in die Parklücken steuerten, sinnentleert vor sich hinstolperten und weiterhin versuchten, einen guten Eindruck zu machen. Ein Blick auf den azurblauen Himmel ließ mich die Vermutungen anstellen, dass der Donnerstagnachmittag doch noch richtig schön werden könnte. Um nicht gegen irgendwelche Laternenpfähle oder andere Weghindernisse zu laufen, wie es mir neulich widerfahren ist, beschloss ich meinen Blick wieder auf das Geschehen vor mir zu richten und ich meinte meinen Augen nicht zu trauen, was sich so in einer Lücke zwischen zwei Personenkraftwagen tat. Ein nackter Mann mit einem rosafarbenen und augenscheinlich selbstgehäkelten Häubchen auf dem Kopf und einer Zahnbürste in der linken Hand kroch aus ihr hervor und stellte sich aufrecht um das Meisterwerk auf dem Kopfsteinpflaster zu betrachten, das er wohl soeben fabriziert hatte. Bei näherem Hinsehen entpuppte sich diese merkwürdige Gestalt als der Rüdiger, mit dem ich doch morgens im Bus so manches launenerheiternde Gespräch führte. Ich fragte ihn was er in diesem merkwürdigen Aufzug denn da so mache und es sollte auch nicht lange dauern, bis ich eine Antwort erhielt. Er schaute mich mit schiefen Kopf an und sagte: “Du Dummerle. Ja weißt du das denn nicht? Ich veranstalte doch ein Lampionfest, zu dem auch du von mir höchstpersönlich eingeladen worden bist, und dazu muss man sich ja gründlich vorbereiten. Man kann den Gästen doch keinen schmutzigen Festplatz zur Ver-fügung stellen. Und das was du auf meinem Kopf siehst ist meine Arbeitbekleidung, die mit Liebe in jeder Masche angefertigt worden ist.“ Ich wollte es nicht so recht glauben was Rüdiger heute Morgen im Bus so von sich gab, doch er schien es tatsächlich ernst zu meinen. Weiterhin sprach er zu mir, dass er sich der Gefahr bewusst ist Ärger auf sich zu ziehen wenn die muslimischen Nachbarn ihn so bei der Arbeit sehen könnten. Ihre eventuellen Schimpf-tiraden verglich er auch sogleich mit Terrorismus, dem er ja den Einhalt gebieten könnte, indem er den Schutzmann aus der Nummer 27 bescheid sage. In gleichem Atemzug müsste man ihm ja auch noch eine Einladung überreichen .Zu seinem Bedauern fügte er an, das man ihn dafür tadeln müsste, das er dies noch nicht getan habe. Ich werde mich hüten ihn jemals mit einem Tadel, einer Rüge oder einen Verweis zu miss-billigen und so konzentrierte ich mich darauf ihm die Fragen zu stellen, wo und wie er das Lampionfest denn veranstaltet werden wolle. Aufgeregt und voller Vorfreude schilderte er mir das die Festivität auf der Straße stattfinden soll weil der Innenhof vom Hause, indem er wohnt ja dafür viel zu klein sei .Das Festzelt ist auch schon gebucht und werde rechtzeitig aufgebaut, mit beleuchtbaren Lampions und Blumengestecken zur optischen Verschönerung geschmückt und mit Tischen und Bänken voll gestellt werden. Auf meine Frage ob das schon alles wäre fuchtelte er mit der Zahnbürste in der Hand wilde Kreise in die Luft und ließ das Gespräch so richtig ausufern. Natürlich habe er daran gedacht, so versicherte er mir, dass für die Gäste Speis und Trank zur Leibesstärkung zur Verfügung stehen werden. Diese sollte aus Joghurtgetränken, Käse- und Mettwurstbrötchen, Diätcola, Salzstangen, und natürlich nicht zu vergessen, gezuckerten Supermarktwaffeln bestehen. Ich versuchte diesen Sachverhalt in meinem Kopf zu verarbeiten was mir aber schwer gelang.“ Aha“, konnte ich nur sagen als ich ihn von oben bis unten anschaute, weil er ja heute in seiner Arbeitskleidung sein Fest vorbereitete. Meine innerliche Neugierde wuchs aber doch an als ich ihn fragte ob er auch in diesem Aufzug sein Fest veranstalten würde. Er verneinte seine Antwort und fügte hinzu, dass er in einem ganz besonderen Outfit erscheinen würde. Dieses Outfit soll aus einem roten Kleid bestehen, das mit weißen Herzen verziert ist und zusätzlich ein schönes Schleifchen auf der Rückseite haben soll. Zusätzlich will er sich auch noch zur seiner Selbstverwirklichung ein Allemania Aachen Stirnband um den Kopf binden, von dem gelb-schwarze Fransen herabhängen .Als Fußbekleidung sollen seine Eisbärentatzenpuschen, die er letzten Monat im Schuhgeschäft käuflich erwarb, herhalten. Ich fing richtig an zu staunen, als er mich fragte ob ich noch mehr wissen wolle, was sein Lampionfest betrifft. Ich bekam ein kleines Gesicht und sagte leise ja. Er holte tief Luft und begann mir seine Pläne mitzuteilen: „Also…, ich stelle mir das so vor: Am Samstagabend um 19.00 Uhr beginne ich mit einer Biographievorlesung , indem die erotischen Reize von Angela Merkel einen erheblichen Themenschwerpunkt bilden. Danach eröffne ich das Festbankett, an dem sich die Gäste bei Speis und Trank stärken können. Dabei findet eine Pudelausstellung und parallel ein Tätowierwettbewerb statt, an dem die Gäste sich beteiligen und eine Symbiose des Ganzen herstellen können. Als weiteren Höhepunkt des Festaktes werden dann Trapezkünstler mit einer Vorführung ihr Können zum Besten geben, gefolgt von einer Elefantenparade, an der auch alle Kinder der Mangoldtstraße ihren Heidenspaß haben werden. Das ganze Treiben wird abgerundet von Discotanzanimateuren und einem Orchester, deren Repertoire aus den Ballermannhits der letzten sieben Jahre besteht und als genialen Abschluss wird es dann ein halbstündiges Feuerwerk geben, das noch viel farbenfroher sein wird als das von der letzten Kieler Woche. Noch Fragen?“ .“Ja. Von welchem Geld willst du das Ganze denn bezahlen? Hast du geerbt oder so?“ gab ich ihm zu verstehen.“ Mein lieber Freund“, sagte er als er mir seine rechte Hand liebevoll auf die Schulter legte,“ du bist ganz schön neugierig.“ Aber nun denn –wenn es dich so brennend interessiert, werde ich dir diese Frage beantworten: Von dem Geld was ich als 1 Euro Jobber verdiene. Am liebsten hätte ich laut losgelacht, doch ich wollte Rüdiger nicht verletzen und so begnügte mich mit einem verschmitzten Grinsen. Ich verabschiedete mich von ihm und sagte zu ihm das ich mich schon jetzt auf sein Fest freue was sein Gemüt sehr erheiterte. Daraufhin begann er wieder mit seiner Arbeit und ich ging meines Weges, weil ich noch eine Flasche Pflanzenöl im Supermarkt zu kaufen hatte, damit ich mir Pfannkuchen braten konnte die sehr lecker schmeckten.
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