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« on: July 02, 2007, 01:56:42 PM » |
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[...] Machen Sie Ihrem Team von Beginn an klar, was Sie erwarten: Pünktliches Erscheinen, Zuverlässigkeit und die fristgerechte Fertigstellung von Projekten. Nur wenn Sie diese Werte klar kommunizieren, können Sie erwarten, dass sie auch eingehalten werden – oder andernfalls Gegenmaßnahmen ergreifen.
[...] Starten Sie Meetings pünktlich, auch wenn noch ein Mitarbeiter fehlt. „So setzen Sie ein klares Signal, dass Unpünktlichkeit nicht akzeptiert wird“, rät Managementtrainer Herbert Walter. Beim Eintreffen des Verspäteten sollten Sie nur kurz reagieren. „Sagen Sie: „Herr Schmidt, Sie haben sicher einen guten Grund weshalb sie zu spät erscheinen, lassen sie uns später darauf eingehen“. Damit machen Sie für alle anderen deutlich, dass Pünktlichkeit zu den obersten Prinzipien und Meetingregeln gehört“.
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Aus: "So disziplinieren Sie chronische Zuspätkommer" von Julia Troesser (12.10.2008) Quelle: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/karriere/so-disziplinieren-sie-chronische-zuspaetkommer;2026710-.- [...] Das Wort [Zucht] entspricht dem mittelhochdeutschen zühter (althochdeutsch zuhtari) und bedeutet ursprünglich ‚Lehrer‘, oder ‚Erzieher‘. Diese Bedeutung ist teilweise noch im heutigen Wort züchtig (anständig) enthalten.
Die Bezeichnung Viehzucht ist nur zutreffend, wenn mit der Zuchtwahl unter Verfolgung von Zuchtzielen die Fortpflanzung beeinflusst wird. In den frühen Agrargesellschaften war dies jedoch nicht der Fall, weswegen in der Vor- und Frühgeschichte von Viehhaltung gesprochen wird. Fast alle Gesellschaften kennen die Domestizierung von Tieren und die kontrollierte Vermehrung.
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Aus: „Zucht“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 14. September 2009, 20:27 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Zucht&oldid=64517251 (Abgerufen: 29. September 2009, 08:44 UTC) -.- [...] Das Wort Gehorsam leitet sich (ähnlich wie Gehorchen) von Gehör, horchen, hinhören ab und kann von einer rein äußerlichen Handlung bis zu einer inneren Haltung reichen. Gehorsam ist prinzipiell das Befolgen von Geboten oder Verboten durch entsprechende Handlungen oder Unterlassungen. Gehorsam bedeutet die Unterordnung unter den Willen einer Autorität, das Befolgen eines Befehls, die Erfüllung einer Forderung oder das Unterlassen von etwas Verbotenem. Die Autorität ist meistens eine Person oder eine Gemeinschaft, kann aber auch eine überzeugende Idee, ein Gott oder das eigene Gewissen sein.
1. Militärischer Gehorsam: ein strikt erzwungenes Befolgen von Befehlen und Anordnungen. Das Nichtbefolgen (Ungehorsam) zieht häufig Sanktionen nach sich und bedeutet oft ein Risiko für die Sicherheit anderer, kann aber in Einzelfällen auch geboten sein, so die Befehlsverweigerung aus rechtlichen oder ethischen Gründen. Das Spannungsverhältnis zwischen Befehl und Gewissen hat Heinrich von Kleist literarisch in seinem Drama Der Prinz von Homburg verarbeitet.
2. Kindlicher Gehorsam: ein Sich Fügen von Kindern in den Familienverband, das sich aus einem natürlichen Abhängigkeitsverhältnis zu den Eltern ergibt, im übertragenen Sinn aber auch das kindlich-kindische Verhalten Erwachsener.
3. Solidarischer Gehorsam: ein Sich einfügen in die Gruppe aus Solidarität, auch wenn man im Einzelnen nicht selbst von einer Idee oder Handlung überzeugt ist.
4. Soziologischer Gehorsam: „Gehorsam“ als zentrales definitorisches Merkmal für „Herrschaft“ im Kontrast zur „Macht“ bei dem Soziologen Max Weber.
5. Freiwilliger Gehorsam – gegenüber Normen, die als gut anerkannt sind (z.B. Zehn Gebote), gegenüber dem Willen Gottes überhaupt [1] (vgl. Resignation, Gelassenheit) oder gegenüber dem eigenen Gewissen. Damit verwandt ist
6. Gehorsam in Ordens- und anderen Gemeinschaften – als freiwilliges Gelübde gegenüber dem Oberen im Sinne der evangelischen Räte (Armut, Keuschheit, Gehorsam).
7. Gehorsam als Selbstdisziplin. Dahinter steht eine Haltung, die den Sinn von Anordnungen bzw. das ihnen zugrunde liegende Sozialgefüge positiv sieht.
8. Selbstgehorsam: Bereitschaft, erkannten guten Gründen und eigenen Interessen zu folgen, Grundlage jeder Entscheidung, auch Fundament von Beratungsprozessen.
9. Vorauseilender Gehorsam – Erspürung einer Erwartung; bevor eine Anweisung ausdrücklich formuliert wurde, wird schon „gehorcht“. Als Maxime der Jesuiten wurde es erstmals formuliert. Er spielte eine bedeutende Rolle für die Wirksamkeit nationalsozialistischer Kampforganisationen.
10. Kadavergehorsam (vgl. sacrificium intellectus Opfer des Verstandes), nach einer Wendung aus den Ordensregeln des Jesuitenordens, sowie blinder Gehorsam, eine andere Variante des an die Autorität sozialer Organisationen verschenkten Ichs (die Partei hat immer recht)
Das Gegenteil von Gehorsam ist Renitenz.
...
Aus: „Gehorsam“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 23. September 2009, 14:45 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Gehorsam&oldid=64834734 (Abgerufen: 29. September 2009, 08:42 UTC) -.- [...] Zu den Sekundärtugenden zählen insbesondere Sauberkeit, Fleiß, Disziplin, Pflichtbewusstsein, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Ordnungssinn, Höflichkeit, oder Treue und Gehorsam.
[...] Berühmt ist eine Äußerung Oskar Lafontaines, der auf eine Sekundärtugenden lobende Äußerung Helmut Schmidts in einem Interview mit dem Stern vom 15. Juli 1982 sagte: „Helmut Schmidt spricht weiter von Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. Das sind Sekundärtugenden. Ganz präzis gesagt: Damit kann man auch ein KZ betreiben.“
...
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sekund%C3%A4rtugend (19. Dezember 2007) -.- [...] Mit Beginn des „Ausländereinsatzes“ in der deutschen Kriegswirtschaft, der angesichts der Arbeitsmarktlage als notwendig, aus sicherheitspolitischen Gründen jedoch als problematisch angesehen wurde, übernahm die Gestapo nicht von ungefähr eine Schlüsselfunktion bei der Kontrolle und Disziplinierung der Ausländer. Zum einen waren der Kontrollanspruch und die Sanktionsmöglichkeiten der Gestapo mit Kriegsbeginn nochmals deutlich radikalisiert worden. „Jeder Versuch“, so der Chef der Sicherheitspolizei am 3. September 1939 an alle Staatspolizei(leit)stellen, „die Geschlossenheit und den Kampfwillen des deutschen Volkes zu zersetzen, ist rücksichtslos zu unterdrücken.“ [3] Zum anderen hatte Heinrich Himmler als „Chef der Deutschen Polizei“ mit der reichsweiten Verzahnung von Gestapo und Kriminalpolizei zur Sicherheitspolizei (Juni 1936) und deren einheitlicher Führung im Reichssicherheitshauptamt (September 1939) einen der justiziellen Kontrolle weitgehend entzogenen Apparat etablieren können. Als „Hüter der Heimatfront“ verfolgten die Stapostellen den „inneren Feind“, wozu bald auch die Angehörigen jener Nationalitäten zählten, die von nicht wenigen Gestapo-Angehörigen bereits an den militärischen Fronten bekämpft worden waren. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei den osteuropäischen Arbeitskräften, die nach der rassistischen Kategorisierung der Nationalsozialisten als „minderwertig“ und politisch als Gefahr angesehen wurden.
Von zentraler Bedeutung für die breite Durchsetzung des Sicherheitskonzeptes war schließlich, dass der Handlungsrahmen der Gestapo nicht im Verborgenen blieb, sondern ein hohes Maß an Öffentlichkeit erreichte. Die am „Ausländereinsatz“ beteiligten Personen in Behörden und Betrieben waren mit den einschlägigen Regularien vertraut. Schon mit den sogenannten „Polenerlassen“ vom März 1940 war die Einleitung „schärfster staatspolizeilicher Maßnahmen“ bei renitentem Verhalten gegenüber deutschen Vorgesetzten in den Betrieben oder bei „unsittlichem Verhalten“ gegenüber der deutschen Bevölkerung festgelegt worden. [4]
In den Bestimmungen über den „Russeneinsatz“ stand der sicherheitspolizeiliche Aspekt noch deutlicher im Vordergrund. In einem Runderlass vom 20. Februar 1942 betonte Heinrich Himmler, der Einsatz der Arbeitskräfte aus „altsowjetischem Gebiet“ berge „größere Gefahren in sich als jeder andere Ausländereinsatz“. [5] Mit dem Masseneinsatz von „Ostarbeitern“ waren daher von Beginn an noch schärfere diskriminierende Vorschriften verbunden, als sie bereits für polnische Arbeitskräfte eingeführt worden waren. In den Stapoleitstellen wurden eigene Referate für den „Russeneinsatz“ gebildet, es wurde aber auch die Zusammenarbeit zwischen Gestapo und Betrieb verfestigt. Dazu gehörte, dass die Gestapo die Unterkünfte der Betriebe auf Sicherheitsbelange überprüfte und sich die Ahndung jeglicher Disziplinlosigkeiten vorbehielt. Damit einher ging aber auch der Ausbau von Vorfeldorganisationen der Gestapo in den Betrieben: Der Werkschutz wurde von Gestapobeamten angeleitet, und jeder Betrieb, der „Ostarbeiter“ beschäftigte, hatte einen politischen Abwehrbeauftragten zu ernennen. [6] In den „Ostarbeitererlassen“ war ebenfalls festgelegt worden, dass Kriminal- und Schutzpolizei sowjetische Zwangsarbeiter/innen bei Delikten an die Gestapo und nicht an die Justiz zu übergeben hatten. [7]
Keine Untersuchung über Zwangsarbeit kommt daher daran vorbei, die besondere Funktion und vor allem die Praxis der Gestapo gegenüber ausländischen Arbeitskräften zu betrachten. Die Geschichte der Kölner Staatspolizeistelle, die für die in diesem Band behandelte Region zuständig war, ist erst in Ansätzen erforscht. Manfred Huiskes schrieb bereits 1983 einen heute noch wichtigen Überblick, wobei er sich größtenteils auf die wenigen im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf überlieferten Gestapoakten stützen musste. [8] Die inzwischen erweiterten Kenntnisse fasste Severin Roeseling, der ein Forschungsprojekt über die Kölner Gestapo im NS-Dokumentationszentrum durchführte, im letzten Jahr zusammen. [9] Vor allem für die letzten beiden Kriegsjahre ist die 1989 erschienene Arbeit von Bernd-A. Rusinek über Terror, Illegalität und Widerstand in Köln von Bedeutung, weil sie ausführlich die gegen „Ostarbeiterbanden“ gebildeten Gestapo-Sonderkommandos behandelt. [10] Dagegen liegt der Schwerpunkt der jüngst auf Deutsch erschienenen Publikation von Eric A. Johnson auf den antijüdischen Aktivitäten. [11] Die Geschichte der Außendienststellen Aachen und Bonn ist bislang nur bruchstückhaft erforscht. [12]
Da die Ergebnisse eines im NS-Dokumentationszentrum begonnenen Forschungsprojektes über Zwangsarbeit erst im Frühjahr 2003 vorliegen werden, können hier lediglich einige Aspekte angerissen werden. [13] Insgesamt ist die Quellenlage sehr disparat. Neben den schon erwähnten Akten der Kölner Stapostelle im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf finden sich dort Sondergerichtsakten, denen vereinzelt Hinweise entnommen werden können, sowie einige Akten der ehemaligen Kriminalpolizeileitstelle Köln, die Zwangsarbeiterbetreffe auch für die Region aufweisen. [14] Zeitgenössische Prozessakten, vor allem aber die Nachkriegsüberlieferung der Justiz sowie Entschädigungs- und Spruchkammerakten müssen noch systematisch für das Thema ausgewertet werden. Unterlagen, die nach 1945 für den Internationalen Suchdienst zusammengetragen wurden und im Kölner Stadtarchiv überliefert sind, enthalten ebenfalls etliche Polizei- oder Gestapo-Betreffe. [15]
Eine wichtige Quellengruppe sind die Wandinschriften aus den Jahren 1943 bis 1945, die in den ehemaligen Zellen des EL-DE-Hauses erhalten sind. Die rund 1.800 Inschriften oder Zeichnungen stammen überwiegend von Ausländerinnen und Ausländern; allein ein Drittel von ihnen ist auf Kyrillisch verfasst. [16] Im NS-Dokumentationszentrum selbst ist seit 1990 ein großer Bestand von persönlichen Unterlagen ehemaliger Zwangsarbeiter/innen angelegt worden. Dieser Bestand ist umso wichtiger, als von städtischer Seite oder von Betrieben so gut wie keine personenbezogenen Quellen aus der NS-Zeit, etwa Melde- oder Versicherungsunterlagen, überliefert sind. Briefe und Berichte, Interviews und persönliche Papiere sowie eine umfangreiche Sammlung von Fotografien konnten vor allem dank des städtischen Besuchsprogramms für ehemalige Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge zusammengetragen werden. [17]
Alle erwähnten Quellen werden im NS-Dokumentationszentrum sukzessive in einer Datenbank über Zwangsarbeit in Köln erfasst. Diese Datenbank umfasst zur Zeit rund 17.000 Einträge zu Personen und rund 400 Einträge zu Lagerstandorten, Arbeitsplätzen oder Wohnungen von ausländischen Arbeiter/innen. Zwar ist damit erst ein Bruchteil der in Köln eingesetzt gewesenen Zwangsarbeiter/innen identifiziert, aber die Datenbank bietet schon jetzt eine hervorragende Ausgangsbasis für Forschungen – auch für das Thema Gestapo und Zwangsarbeit. [18]
Am 1. September 1941 lebten im Regierungsbezirk Köln rund 1,6 Millionen Menschen, darunter rund 25.500 „Ausländische Arbeiter“ und 9.400 „Reichsangehörige Juden“. Etwa zur gleichen Zeit bestand das Personal der Kölner Stapo aus 110 Personen. [19] Während das Gestapo- Personal weiter reduziert wurde, stieg die Anzahl der Ausländerinnen und Ausländer stetig an und erreichte im Herbst 1944 ihren Höhepunkt. Rückblickend schrieb am 9. November 1944 der damalige Stapostellenleiter Dr. Max Hoffmann : „Durch das Hereinholen Millionen ausländischer Arbeiter aus den besetzten Gebieten haben sich der Staatspolizei neue Aufgaben zu den allgemeinen hinzugesellt.“ [20] Diese Verschiebung des Tätigkeitsprofils in der Kölner Stapo entsprach der reichsweiten Entwicklung. [21]
[...] Die in den vierziger Jahren meist überbelegten zehn Arrestzellen des „Hausgefängnisses“ im EL-DE-Haus [32] waren ohnehin nur für die kurzfristige Unterbringung der Festgenommenen gedacht. Die Gestapo verschaffte sich daher mehrere zusätzliche Hafteinrichtungen. Seit Anfang 1942 nutzte sie Räume der Arbeitsanstalt Brauweiler dauerhaft als Haftstätte. [33] Auf dem Gelände der Kölner Messe wurde im Bereich des heutigen Tanzbrunnens im September 1942 ein Barackenlager als Polizeihilfsgefängnis errichtet. [34] 1944 beschlagnahmte die Gestapo einen Gebäudeflügel des Justizgefängnisses Klingelpütz sowie einen Flügel im Zuchthaus Rheinbach, Anfang 1945 verlegte man Häftlinge wegen der näherrückenden Front in das Zuchthaus Siegburg. [35] Alle diese Haftstätten dienten zunächst der Bearbeitung der „Fälle“: Akten wurden angelegt und Verhöre – oft unter Folter – durchgeführt, bis schließlich entschieden war, was mit den Festgenommenen geschehen sollte. Dies konnte Entlassung, Übergabe an die Justiz, Einweisung in ein „Arbeitserziehungslager“, Deportation in ein Konzentrationslager oder „Sonderbehandlung“, also Ermordung, bedeuten.
Bei Verstößen gegen die „Arbeitsdisziplin“ nutzte die Kölner Stapo seit 1941 die Möglichkeit, aus diesem Grund Verhaftete für eine begrenzte Zeit in eines der „Arbeitserziehungslager“ (AEL) einzuweisen.
[...] Hunger und Heimweh, Arbeitsterror und miserable Lebensbedingungen, Erniedrigungen und Gewalt zwangen fast alle Zwangsarbeiter/innen zu mehr oder weniger deviantem Verhalten, was wiederum vom polizeilichen Apparat vor allem angesichts der Frontnähe 1944 umso brutaler bekämpft wurde. Im zerbombten Köln hielten sich 1944 vermutlich hunderte illegalisierte Ausländer/innen auf, die ihr Überleben durch Diebstähle sicherten und notfalls auch mit Waffengewalt verteidigten. Daneben gab es aktive Widerstandsgruppen unter Zwangsarbeiter/innen, die auch über Köln hinaus Verbindungen aufgebaut hatten. Gegen diese politisch immer weniger kontrollierbare Situation ging die Gestapo mit einer Großoffensive gegen „politische, sowjetische und französische Widerstandsgruppen“ vor. In diesem Zusammenhang waren bis Herbst 1944 mindestens 550 Festnahmen erfolgt. [54] Nur Wenige wurden mangels Beweisen wieder entlassen. Dieses Glück hatte der Franzose Joannes G., den die Gestapo am 14. November 1944 unter dem Vorwurf festnahm, gemeinsam mit dem Personalchef der Union-Kraftstoff in Wesseling Vorbereitungen für das Absetzen aus dem Deutschen Reich über die Schweizer Grenze getroffen zu haben. [55] Die meisten der polnischen, sowjetischen und französischen Zwangsarbeiter/innen aus Köln und dem Umland wurden im EL-DE-Haus, aber vor allem in Brauweiler von mehreren Sonderkommandos der Stapo verhört, gefoltert und entweder deportiert oder ermordet. [56]
[...] Diese Eskalation der Gewalt blieb der Öffentlichkeit nicht verborgen. Schießereien auf den Straßen Kölns und die tödlichen Schüsse auf prominente Gestapo-Angehörige, etwa den oben erwähnten Leiter Max Hoffmann, beantwortete die Gestapo mit öffentlichen und nicht öffentlichen, jedoch kaum mehr geheim gehaltenen Massenhinrichtungen. Den Auftakt machte die berüchtigte Erhängung von 11 Zwangsarbeitern in Ehrenfeld am 25. Oktober 1944. [57] Schauplatz von Hinrichtungen war jedoch in erster Linie der Innenhof des EL-DE-Hauses. Die „Sonderbehandlung ausländischer Arbeiter“ nahm die Kölner Stapo, gestützt auf einen Freibrief des Inspekteurs der Sipo und des SD in Düsseldorf, nach eigenem Ermessen vor. [58] Am 24. Januar 1945 hatte er nach Köln telegraphiert: „Die gegenwärtige Gesamtlage wird Elemente unter den ausländischen Arbeitern und auch ehemalige deutsche Kommunisten veranlassen, sich umstürzlerisch zu betätigen. Größte Aufmerksamkeit ist daher geboten. (...) Es ist in allen sich zeigenden Fällen sofort und brutal zuzuschlagen. Die Betreffenden sind zu vernichten, ohne im formellen Weg vorher bei RSHA [= Reichssicherheitshauptamt] Sonderbehandlung zu beantragen.“ [59]. Ebenfalls im Januar 1945 erweiterte sich angesichts der erheblich zerstörten Infrastruktur der Ermessenspielraum der Außendienststellen, Außenposten und Kommandos erheblich. Alle anfallenden Fälle konnten selbständig abschließend bearbeitet werden, Haftraum wurde selbst beschafft und Festgenommene sollten nur noch dann nach Köln überstellt werden, „wenn eine Spezialbehandlung durch hiesige Fachkräfte notwendig ist“. [60]
Die Anzahl der „Sonderbehandlungen“, die die Angehörigen der Kölner Stapostelle persönlich vornahmen, erreichte bei Kriegsende ein exorbitant hohes Maß. 437 anonym auf dem Westfriedhof zwischen August 1944 und Februar 1945 bestattete Leichen sind vermutlich alle Opfer der Gestapo. [61]
[....] Das Panorama der Gestapo-Aktivitäten ist damit nur knapp umrissen. [63] Es kann davon ausgegangen werden, dass ein hoher Anteil der Zwangsarbeiter/innen von (staats)polizeilichen Massnahmen betroffen war. Statistische Auswertungen noch vorhandener Melderegister könnten hier zu genaueren Einschätzungen führen. [64] Unscharf bleiben bislang vor allem die Akteure, die sich an dem weitläufigen Netz aus Kontrolle und Repression aktiv beteiligten. Die Frage, wie sich die Zusammenarbeit zwischen der Zentrale des Terrors und der Peripherie gestaltete, lässt sich für Köln möglicherweise nur von den Rändern aus aufhellen.
Aus: "In der Zentrale des Terrors - Disziplinierung und Verfolgung von Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen durch die Kölner Staatspolizeistelle " Von Karola Fings (Erstellt: 18.10.2006; Zuletzt geändert: 31.10.2006) Quelle: http://www.historicum.net/themen/zwangsarbeit-rhein-erft-rur/aufsaetze/art/In_der_Zentrale/html/ca/bfb9edb9ec/-.- LINK :: [Die Aufrechterhaltung des Durchhaltewillens... (Notiz, Wehrkraftzersetzung)] ==> http://www.subfrequenz.net/forum/index.php/topic,220.msg2359.html#msg2359-.- [...] Ein Aufrüsten der Polizei wäre leicht möglich. Unternehmen halten weltweit ein ganzes Arsenal neuer Systeme auf Lager, die Angreifer außer Gefecht setzen sollen, ohne sie zu töten. In einigen Ländern wurden sie schon eingesetzt, um Aufstände und Gefängnisrevolten niederzuschlagen oder Geiseln zu befreien.
Zum Repertoire der Ordnungskräfte gehören beispielsweise Projektile, die Reizstoffe gezielt über weite Distanzen versprühen können oder sogenannte Elektroschocker. Die Taser, so der englische Begriff, verschießen Pfeile, an denen dünne Elektrokabel hängen und deren Widerhaken sich in der Kleidung verhaken. Ein starker Stromstoß versetzt den Getroffenen für wenige Sekunden in eine Art Schockstarre.
Eine andere Neuentwicklung sind Akustikkanonen. Sie traktieren heranrückende Angreifer mit einen extrem hohen Schalldruck, der dem eines in 30 Meter vorbeidonnernden Düsenjets entspricht. Der Höllenlärm löst Schmerzen, Durchfall und Erbrechen aus. Die US-Armee hat die Waffe, die mit einer Lautstärke von 150 Dezibel Hörschäden verursachen kann, bereits im Nahen Osten eingesetzt.
In einem anderen Verfahren, das unter anderem von Rheinmetall entwickelt wurde, erhitzen Mikrowellenkanonen mit gebündelter elektromagnetischer Strahlung, ähnlich der einer Mikrowelle in der Küche, gezielt die Haut des Gegners. Dieser nimmt dann vor Schmerzen Reißaus - falls ihm eine in Panik geratene, drückende und schiebende Menschenmenge nicht den Fluchtweg versperrt. Andernfalls drohen schwere Verbrennungen.
Damit wird das Dilemma dieses Waffenarsenals deutlich. Bei unsachgemäßem Gebrauch können die "nichttödlichen" Waffen Menschenleben gefährden. So wurden nach Erhebungen von Amnesty International durch den Einsatz von Elektroschockern weltweit bereits über 200 Menschen getötet. Ähnlich katastrophal sieht die Statistik für Gummigeschosse aus.
Das Fraunhofer Institut für Chemische Technologie (ICT) in Pfinztal arbeitet deshalb an einem Werfer, mit dem sich Gummigeschosse auch über große Entfernungen treffsicher verschießen lassen sollen. "Damit könnte man beispielsweise einen Rädelsführer zielgenau ausschalten", erläutert ICT-Chef Klaus-Dieter Thiel. In etwa fünf Jahren soll die Technologie einsatzbereit sein.
Aus: "Mit Hitze und Schall gegen Chaoten" (HANDELSBLATT, Sonntag, 1. Juli 2007, 10:00 Uhr; Polizeiwaffen) Quelle: http://www.handelsblatt.com/news/Technologie/Forschung-Innovation/_pv/_p/203116/_t/ft/_b/1282767/default.aspx/mit-hitze-und-schall-gegen-chaoten.html
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« Last Edit: September 29, 2009, 09:51:16 AM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #1 on: July 02, 2007, 02:09:43 PM » |
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[...] Das "Reisekadersystem" - so die Essenz von Niederhuts Studie auf den Punkt gebracht - hatte vor allem eine zweifache Dimension: Die Reisekader seien eine privilegierte Minderheit gewesen, die sich durch eine besondere politische Loyalität zum SED-Staat auszeichnete. Reisekader habe man exklusiv ausgewählt, was wiederum - so die zweite Dimension nach Niederhut - besondere "Kontroll- und Disziplinierungsmechanismen" mit sich brachte: "Die Hoffnung auf den Reisekaderstatus förderte Anpassung und Stillhalten", so Niederhut (135). Und weiter: "Eine ganze Generation talentierter Wissenschaftler, Ökonomen und Ingenieure richtete ihr Verhalten, ihr politisches Auftreten und ihre Karriereplanung danach aus, eines der begehrten Tickets in den Westen zu ergattern. Die disziplinierende Wirkung war enorm" (135).
[...] Dass die betreffenden Akteure keine homogene Gruppe gewesen seien, räumt Niederhut zwar ebenso ein, wie dass der "Grad ihres Arrangements mit dem Herrschaftssystem und ihrer Verstrickung in die Diktatur" jeweils unterschiedlich gewesen sei (136 f.). Dies wird allerdings ebenso wenig näher ausgeführt wie erörtert, ob Reisen ins Ausland - ob nun ins sozialistische oder nicht-sozialistische - die Haltung zur eigenen Gesellschaft veränderten.
Aus: Jens Niederhut: Die Reisekader. Auswahl und Disziplinierung einer privilegierten Minderheit in der DDR (= Schriftenreihe des Sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen; Bd. 4), Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2005, 151 S., ISBN 3-374-02339-8, EUR 9,80 Rezensiert von: Hubertus Büschel Universität Potsdam" (2006/07) Quelle: http://www.sehepunkte.de/2006/07/pdf/9115.pdf
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« Reply #2 on: July 03, 2007, 09:19:18 AM » |
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[...] London (RPO). Briten, die sich an dem Genuss von Zigaretten ergötzen wollen, müssen die Öffentlichkeit seit Sonntag meiden. In ganz Großbritannien ist das Rauchverbot für Kneipen und Restaurants, auf Bahnsteigen und in Büros sowie an anderen Arbeitsplätzen in Kraft getreten. In Schottland darf bereits seit März 2006 nicht mehr öffentlich gequalmt werden, in Wales und Nordirland herrscht das Verbot bereits seit April.
[...] Wer gegen das Verbot verstößt, muss mit Strafen von bis zu 200 Pfund (296 Euro) rechnen. Unternehmen, welche die neue Vorgabe nicht durchsetzen, müssen bis zu 2500 Pfund (3712 Euro) zahlen. Rauchern bleiben nur noch ein paar Rückzugsorte im Freien - wie Gärten oder Hinterhöfe von Gaststätten.
Aus: "Hohe Strafen: Rauchen in Englands Öffentlichkeit ab sofort verboten" (01.07.2007) Quelle: http://www.rp-online.de/public/article/aktuelles/panorama/ausland/454101
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« Reply #3 on: July 04, 2007, 10:25:26 AM » |
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[...] Berlin - Verqualmte Polizeireviere; junge Herumtreiber, die lässig mit einer Zigarette im Mundwinkel auf der Straße lungern; eine aufgeregte Frau, die sich zur Beruhigung erst einmal eine Zigarette anstecken muss: Auf deutschen Mattscheiben und Kinoleinwänden sind Raucher allgegenwärtig - was Kinder und Jugendliche verleitet, selbst zum Glimmstängel zu greifen. Ihr Risiko, Raucher zu werden, verdoppelt sich, wenn sie Filme sehen, in denen häufig geraucht wird.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums, die nun auch als Argument für inhaltliche Vorgaben an Film- und Fernsehschaffende herhalten muss. "Rauchen in Film und Fernsehen ist kein 'wertfreies' dramaturgisches Mittel oder bloße Realitätsdarstellung, sondern für Kinder und Jugendliche immer auch Vorbild, das zur Nachahmung verleitet", sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing.
[...] Aufgrund dieser Ergebnisse hat Bätzing eigenen Angaben zufolge erste Gespräche mit Vertretern von öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsendern geführt. Bei ihnen hätte mittlerweile ein Umdenken stattgefunden. "Sie signalisieren die Bereitschaft, dem Nichtrauchen in ihrer Programmverantwortung eine große Bedeutung zukommen zu lassen", sagte die Bundesdrogenbeauftragte. Erneut forderte sie bei der Vorstellung des zweiten Teils der Studie eine größere Sensibilität und Zurückhaltung bei den Filmschaffenden und Sendern.
Ähnliche Forderungen sind auch in den USA an Filmproduzenten herangetragen worden. Unlängst erklärten daher Hollywood-Studios, Kinder besser von den rauchenden Vorbildern abschirmen zu wollen: Filme, in denen viel geraucht wird, sollen mit Warnhinweisen versehen und in eine höhere Altersklasse eingestuft werden...
Aus: "VORBILD-EFFEKT: Bundesregierung will weniger Raucher in Kino und TV" (03. Juli 2007) Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,492173,00.html-.- [...] Auch in jeder Brandenburger Stadt gibt es Plätze, an denen sich seit Jahren die Trinker versammeln. Doch seit einiger Zeit beklagen die Kommunen eine Zunahme von öffentlichen Alkoholexzessen von Jugendlichen, verbunden mit Pöbeleien oder Schlägereien. In Frankfurt (Oder) treffen sich die Jugendlichen am Karl-Marx-Denkmal, in Brandenburg/Havel im Nicolaipark, in Cottbus an der Stadthalle. Immer wieder gibt es Ärger. Auch deshalb wird über Alkoholverbotszonen in Innenstädten diskutiert.
"Wenn auf öffentlichen Plätzen Haschisch geraucht wird, ist die Polizei sofort da. Aber bei Alkoholexzessen geschieht nichts", ereifert sich CDU-Innenexperte und Vize-Parteichef Sven Petke. Auch SPD-Fraktionschef Günter Baaske will Saufgelage auf öffentlichen Plätzen, in Parks oder an Badestellen nicht mehr hinnehmen und wünscht sich Verhältnisse wie in den USA. "Dort wäre es auch undenkbar, dass ein Politiker öffentlich ein Bierfass ansticht." Angesichts zunehmenden Alkoholkonsums unter Jugendlichen wünscht er sich auch hierzulande mehr Problembewusstsein.
So viel Einigkeit ist selten in der SPD-CDU-Koalition. Auch weil die Probleme mit volltrunkenen Jugendgruppen seit Jahren zunehmen. "Aus solchen Horden wurden auch Verbrechen begangen", sagte Petke und erinnert an Fälle, bei denen Obdachlose totgeprügelt wurden.
Aus: "Bald ohne Bier" Jens Blankennagel und Andrea Beyerlein (Berliner Zeitung, 15.08.2007) Quelle: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/brandenburg/677990.html -.- [...] Die Schauspielerin Maria Furtwängler hat als Darstellerin der «Tatort»-Kommissarin Charlotte Lindholm kritische Post vom niedersächsischen Verfassungsschutz erhalten. In dem Brief bemängelte Behördenpräsident Günter Heiß die Folge «Das Gespenst», in dem ein Verfassungsschützer als Bösewicht und Drahtzieher von Morden fungiert.
Die Darstellung des Verfassungsschutzes in dem am vergangenen Sonntag ausgestrahlten «Tatort» sei «eher gespenstisch und für unsere Bestrebungen nicht hilfreich» gewesen, heißt in dem Brief des Verfassungsschutzpräsidenten. Bei der Arbeit des Verfassungsschutzes gehe es nicht darum, dass der Zweck die Mittel heilige. Der Verfassungsschutz habe «unter der strengen Kontrolle des Rechtsstaates Gefahren zu erkennen und in enger Zusammenarbeit mit der Polizei abzuwehren».
Heiß lud die «Tatort»-Kommissarin zudem nach Hannover ein. Bei einem Besuch der Behörde könnten Furtwängler und der Drehbuchautor Stefan Dähnert Einblick in die tatsächlichen Aufgaben und Tätigkeiten des Geheimdienstes erhalten.
Der NDR wies am Mittwoch die Kritik zurück. Eine Sprecherin des Senders betonte, es gehe um einen Krimi und damit «um Fiktion und kein Abbild der Arbeit des Verfassungsschutzes». Außerdem habe sich der NDR professionell beraten lassen und das Drehbuch vorab an das niedersächsische Landeskriminalamt geschickt. «Eine Reaktion haben wir von dort allerdings nicht erhalten», sagte sie weiter. Zudem sei man sicher, dass die Zuschauer zwischen Fiktion und Realität unterscheiden könnten. (AP/nz)
Aus: "«Tatort»-Folge verärgert Geheimdienst: Furtwängler erhält Post vom Verfassungsschutz" (18.03.2009) Quelle: http://www.netzeitung.de/medien/1302097.html// Assoziation bzw. Kontext: http://www1.ndr.de/kultur/geschichte/cellerloch100.htmlhttp://de.wikipedia.org/wiki/Celler_Loch
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« Last Edit: August 30, 2010, 10:55:41 AM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #4 on: August 13, 2007, 12:57:33 PM » |
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[...] Hamburg - Natürlich nutzte Marianne Birthler die Gelegenheit für prestigeträchtige Auftritte. Schließlich tauchte das Dokument genau zur rechten Zeit auf: Unmittelbar vor dem 46. Jahrestag des Mauerbaus und mitten in die Diskussion um eine mögliche Auflösung der Stasi-Unterlagenbehörde hinein.
[...] die Unterlagenbehörde gab inzwischen zu: So ganz neu ist die Anordnung nicht. Auch der Behörde selbst sei dies "nicht präsent" gewesen. An der Bedeutung des Dokuments ändere dies jedoch nichts. "Das Dokument ist deswegen so wichtig, weil der Schießbefehl von den damals politisch Verantwortlichen nach wie vor bestritten wird", findet Birthler. Ihr Sprecher Andreas Schulze hatte gestern schon erklärt, bislang habe der Schusswaffengebrauch nach vergeblichen Warnungen als letztes Mittel gegolten, um Flüchtlinge zu stoppen. Im DDR-Grenzgesetz von 1982 seien Schüsse als "äußerste Maßnahme der Gewaltanwendung" bezeichnet worden.
Aus: "SCHIESSBEFEHL FÜR DDR-GRENZE: Wichtige Veröffentlichung oder peinliche PR-Nummer?" Von Hans Michael Kloth und Anne Seith (12. August 2007) Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/zeitgeschichte/0,1518,499523,00.html-.- [...] Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke (CDU), sagte im ZDF, das Dokument sei ein Beleg für einen flächendeckenden Schießbefehl an der DDR-Grenze. Die DDR sei von Leuten regiert worden, die angewiesen hätten, auf Frauen und Kinder zu schießen. "Das wäre heute Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das gehörte nach Den Haag vor den Internationalen Strafgerichtshof."
Zurückhaltender äußerte sich Marianne Birthler, Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen. Sie will untersuchen, ob das nun öffentlich gemachte Dokument für strafrechtliche Ermittlungen von Bedeutung ist. Es "beschreibt eine Befehlslage, nicht die Durchführung einer Tötung, was Voraussetzung für eine Strafverfolgung wäre", sagte Birthler der Zeitung. "Es ist kein Befehl, der sich an die Grenzsoldaten richtete, sondern ein Befehl an eine besondere Stasi-Einheit, die die Fahnenflucht von Soldaten mit allen Mitteln verhindern sollte."
Der Bürgerrechtler und letzte DDR-Verteidigungsminister Rainer Eppelmann (CDU) meinte, der Fund müsse Anlass sein, "die umbenannte SED nach ihrem Schuldeingeständnis zu fragen". Der Fund sei überraschend. "Dass das Grenzregime grausam und faschistoid war, das war bekannt", sagte Eppelmann der "Mitteldeutschen Zeitung".
Der Leiter der Stasi-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, dämpfte Hoffnungen auf eine juristische Aufarbeitung des am Wochenende aufgetauchten DDR-Schießbefehls. Er sei "ein bisschen zurückhaltend", sagte Knabe dem Radiosender MDR INFO. Die Staatsanwaltschaft müsse mögliche Folgen des Aktenfundes prüfen. "Das wird sicherlich nicht ganz einfach sein." Zunächst müssten die Urheber des Auftrags geklärt werden, dann die Frage, ob es daraufhin Tötungen gegeben habe.
[...] Der Schießbefehl war bei einer Recherche in Dokumenten der Magdeburger Außenstelle der Stasi-Akten-Behörde entdeckt und am Samstag von der "Magdeburger Volksstimme" veröffentlicht worden. In einer Dienstanweisung der Einsatzkompanie des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) vom Oktober 1973 stand demnach: "Zögern Sie nicht mit der Anwendung der Schusswaffe, auch dann nicht, wenn die Grenzdurchbrüche mit Frauen und Kindern erfolgen, was sich die Verräter schon oft zu nutze gemacht haben." Die Stasi-Kompanie wurde demnach 1968 gebildet und bestand bis 1985.
Aus: "SCHIESSBEFEHL-DOKUMENT: CDU-Politiker fordert Ermittlungen wegen Mordes" (13. August 2007) Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,499532,00.html-.- Andreas Heil, 13.08.2007 Zitat von NAIS: Genauso würde die massenhafte Zuwanderung von Drittweltbewohnern die westlichen Staaten ökonomisch sehr schnell destabilisieren.
Zitat von Andreas Heil: ... Korrekt. Deswegen wird unkontrollierte Zuwanderung ja auch nicht zugelassen... Nur haben Sie sich damit lediglich um die Frage herumlaviert, warum die heutige ganz konkrete Grenzpraxis der westlichen Staaten allein deswegen wesentlich mehr Tote rechtfertigt, als die der realsozialistischen Staaten. Wie schon exemplarisch gesagt: Die Verhinderung von Grenzübertritten zwischen Mexiko und dem US-Bundesstaat Arizona verursacht in einem Jahr mehr Todesfälle, als der Versuch die Mauer von Ost nach West zu überwinden in dreissig Jahren. Finden Sie wirklich, dass das Ergebnis allein durch die "unser Staat"/"deren Staat"-Konstruktion und den Umstand, dass i.d.R. nicht geschossen wird, sondern die Toten nur mittelbar der mechanischen Wirksamkeit der Grenzanlagen geschuldet sind, zu rechtfertigen ist ? Deutschland hat seine Grenzpraxis ja außer eigene Sichtweite an die EU-Südgrenzen verlegt. Tote im Landwehrkanal verursachten dagegen ja schon länger lästige Aufmerksamkeitswerte. Horst Ziegler, 13.08.2007 Zitat von etoile rouge: Wer die Geschichte ignoriert, der ist verdammt, sie zu wiederholen.... Und das ist nun wirklich typisch deutsch.
Geschichte wiederholt sich trotz Aufklärung! Das zeigt Geschichte. Menschen wollen vergessen und verdrängen. Dieser Prozess vollzieht sich in der Person (=Lebenslügen) und in der Gesellschaft (=Zeitgeschichte). Irgendwann will man nicht mehr. Der Schießbefehl ist Geschichte. Mehr nicht. unimatrix, 13.08.2007 [...] Ich möchte mal die These aufstellen, dass sich Mielke und Co heute himmerlhochjauchzend mit Schäuble verbrüdern würden, ob dessen fanatischer Sicherheitsdenke.
[...] Genaugenommen funktioniert das ganze Leben so, seine eigenen Verfehlungen lässt man gerne hinter den dramatischeren der Anderen zurückstehen, um sich nicht selbst mit der eigenen Aufarbeitung konfrontieren zu müssen.
Aufarbeitung ja bitte - unbedingt, denn nur so lernt man aus Geschichte. Aber wenn dann bitteschön auch objektiv und unabhängig und nicht getragen von den medialen Meinungsmachern. Dazu möchte ich auch noch kurz erwähen wie hübsch ich gelacht habe, als ich im Sommer 1999 Prizren (Kosovo) betreten habe und dann mal deutschens Fernsehen mit den tatsächlichen Ereignissen vor Ort vergleichen durfte. Soviel zur demokratischen Meinungsbildung in diesem Land.
Berliner42, 12.08.2007 Nicht dass wir uns hier missverstehen, die EU versenkt ihre kontemporären "Mauertoten" in Mittelmeer und Atlantik. Das sind so Relativierungsversuche aus der PDS-Ecke... -.- Zitat von Frank Wagner: Und wieder einmal will der Westen über den Osten zu Gericht sitzen. Ich wurde zum Glück nicht mehr zur NVA eingezogen, wer weiß, vieleicht wäre ich auch an der Grenze gelandet und hätte vieleicht sogar auf solche Grenzverletzer zu schiessen gehabt. Mußte man aber nicht. Mich wollten die damals bei der Musterung zum Grenzdienst verdonnern. Ich habe denen dann gesagt, daß sie das machen können, aber daß ich auf niemanden schießen werde. Da wurde dann darauf hingewiesen, daß der Fahneneid aber zum Einsatz der Schußwaffe verpflichtet und der sei Gesetz. Wer sich nicht daran halte, handele gesetzeswidrig. Da wurde also nicht mal der Schießbefehl bemüht, sondern der Fahneneid reichte schon. Mir wollten die Herren dann wohl Angst einjagen, indem sie mir erklärt habe, daß ich den Gesetzesbruch nur vermeiden kann, indem ich Bausoldat werde. Die dachten wohl, das würde mich einschüchtern, denn Bausoldat zu werden hieß, die Zukunft abzuschreiben. Ich habe denen gesagt, daß es dann wohl so sein muß und fertig. Letztlich ist es mir aber egal, wer über wen urteilt, solange es die richtigen erwischt, also von mir aus auch ein westdeutscher Richter über einen ostdeutschen Grenzer, der geschossen hat, oder über dessen Vorgesetzte. Es ist absolut in meinem Sinne. Man hätte den Mist einfach nicht mitmachen müssen. Schwer zu akzeptieren ist das nur für die damals Systemtreuen. Die sollen sich ruhig mit ihren Untaten auseinandersetzen müssen. Hans58, 12.08.2007 Zitat von Krischan01: Selbstverständlich ob ehemaliger Grenzsoldat der DDR oder heute Bundeswehrsoldat in Afghanistan oder sonst wo in der Welt jeder Soldat der auf einen unbewaffneten Zivilisten schießt und ihn tötet oder den Befehl dazu erteilt sollte sich sicher sein das sein Handeln irgendwann auch für ihn Konsequenzen hat. Sie geben nicht nur im Afghanistan Forum sondern auch hier abstruse und wirre Gedanken von sich. War etwa der Einsatz der NVA an der innerdeutschen Grenze eine UN-Mission wie ISAF in AFG? Sie bewegen sich auf dünnem Eis und hart an der Grenze einer Verleumdung von Bw-Soldaten, in der auch eine große Anzahl ehem. NVA-Soldaten dienen. Hans Engler, 13.08.2007 Zitat von Andreas Heil: Als forenbekannter Relativitätstheoretiker kann ich dem Plenum folgenden Ausschnitt natürlich nicht vorenthalten... Schoen provokant, und natuerlich im Kontext dieser Diskussion von vorne bis hinten falsch. Wo ist der Schiessbefehl, der fuer die US/mexikanische Grenze gilt? Wo ist der Versenkungsbefehl der EU? Nur darum geht es doch: Um die Anmassung eines Staates, per Hoheitsakt den Mord an eigenen Staatsbuergern anzuordnen, ohne Ansehen der Person, einfach nur wenn sie einen Teil dieses Staatsgebiets betreten in der vermuteten Absicht, dies Gebiet zu verlassen. Staatlich sanktionierten Mord nur auf Grund der Vermutung, jemand wolle ein Menschenrecht wahrnehmen, hat natuerlich auch vorher schon gegeben, in Deutschland durch die Nazis, in der SU unter Lenin und Stalin, in Jugoslawien unter Tito, in Rumaenien unter Ceausescu, in China unter Mao. Ich nenne diese Verbrechen absichtlich im gleichen Satz. Joerg grimm, 13.08.2007
Das einzige was mich ueberrascht ist das hier irgendwer ueberrascht ist, dass es den Schiessbefehl gab ist doch ein dermassen alter Hut.
Ansonsten ist es fuer mich ein Phaenomen dass viele anscheinend keine Ostalgie betreiben koennen ohne den Selbstbetrug zur Pflicht zu machen. Klar gab es in der DDR auch gutes, z.B. ein sehr geringes Erdbebenrisiko, eine besonders geringe Chance sich mit AIDS zu infizieren, fast nie Stau, man hat auch nur ganz wenig bayrische Volksmusik hoeren muessen und das Leitungswasser hat besonders gut geschmeckt.
Aber deshalb muss man ja nicht gleich auf dem anderen Auge blind werden. -.- [...] Die Zahl getöteter DDR-Flüchtlinge liegt nach Angaben des Potsdamer Zentrums für Zeithistorische Forschung zwischen 270 und 780. Allein in Berlin bezahlten nach neuen Erkenntnissen 133 Menschen zwischen 1961 und 1989 den Versuch die DDR zu verlassen mit ihrem Leben.
Bereits am Wochenende hatte der Fund des uneingeschränkten Stasi-Schießbefehls auf DDR-Flüchtlinge für Wirbel gesorgt. Das Dokument ordnete unverzügliches Schießen auf Flüchtlinge an, selbst wenn diese in Begleitung von Kindern waren.
Der frühere DDR-Staatschef Egon Krenz streitet dennoch weiter ab, dass es einen solchen Befehl gab. "Es hat einen Tötungsbefehl, oder wie Sie es nennen "Schießbefehl", nicht gegeben. Das weiß ich nicht aus Akten, das weiß ich aus eigenem Erleben. So ein Befehl hätte den Gesetzen der DDR auch widersprochen", sagte Krenz der "Bild"-Zeitung.
[...] Der Bürgerrechtler und letzte DDR-Verteidigungsminister Rainer Eppelmann (CDU) meinte, der Fund müsse Anlass sein, "die umbenannte SED nach ihrem Schuldeingeständnis zu fragen". Der Fund sei überraschend. "Dass das Grenzregime grausam und faschistoid war, das war bekannt", sagte Eppelmann der "Mitteldeutschen Zeitung".
Bodo Ramelow, Vize-Fraktionschef der Linken im Bundestag, kritisierte die Birthler-Behörde dagegen scharf: Er könne nur mit Kopfschütteln registrieren, dass die Behörde der Öffentlichkeit nun selbst längst bekannte Dokumente als vermeintliche, sensationelle Geheimakten präsentiere, um ihre Arbeit zu rechtfertigen, sagte er der in Erfurt erscheinenden "Thüringer Allgemeinen".
Der frühere DDR-Bürgerrechtler Werner Schulze sieht sich bestätigt: "Dass es einen Schießbefehl gab, wurde ja nur noch von Anhängern des SED-Regimes geleugnet", sagte er der "Neuen Presse". Für ihn stelle sich die Frage, wie viele der Verantwortlichen noch zur Rechenschaft gezogen werden könnten: "In Italien werden bis heute noch Täter bestraft, die Ende des Zweiten Weltkriegs für Hinrichtungen verantwortlich waren. Und die Erschießungen von Flüchtlingen an der Mauer waren nichts anderes als Hinrichtungen", fügte der Grünen-Politiker hinzu.
Der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz betonte in der "Leipziger Volkszeitung", der Sachverhalt sei schon lange bekannt. "Aber mit diesem Fund wird deutlich, dass die Versuche, die von Seiten der PDS, der heutigen Linken, insbesondere von der kommunistischen Plattform, immer wieder unternommen worden sind, die Existenz des Schießbefehls prinzipiell abzustreiten, ein Lügengebilde waren."
Der ehemalige Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam, Konrad Jarausch, kritisierte die Art der jetzigen Debatte. Im RBB-Inforadio sagte er am Montag, indem vorgegeben werde, dass etwas Neues gefunden worden sei, werde eine "fatale Skandalisierung" betrieben. Der Birthler-Behörde warf er vor, nicht gut genug nachgeforscht zu haben, ob es sich wirklich um ein neues Dokument handele.
Aus: "Diskussion um DDR-Schießbefehl auf Frauen und Kinder" (11.08.2007) Quelle: http://www.volksstimme.de/vsm/nachrichten/deutschland_und_welt/?em_cnt=378343-.- LAmike: 13.08.2007
[...] Jeder Ex DDR Grenzer kennt den Schiessbefehl. http://www.sueddeutsche.de/,tt4m1/deutschland/artikel/996/127790/-.- LINK :: [Selektive Wahrnehmung, Herrschaft, Indoktrination... >> "Es herrschte Totenstille"... (Notiz, Roman Grafe)] Vom DDR-Politoffizier zum Bundespolizisten: Eine deutsche Karriere und ein Justiz-Albtraum (Notizen) ==> http://www.subfrequenz.net/forum/index.php/topic,64.msg2421.html#msg2421-.- [...] "Republikflüchtlinge": So hießen im Jargon der SED Bürger, die aus der DDR in den Westen wollten. Den Ost-Berliner Herrschern galten sie als Staatsfeinde und Verbrecher, deren Flucht verhindert werden musste, kostete was es wolle - auch wenn es ihren Tod bedeutete. Bis Ende 1989 starben nach neuesten Erkenntnissen wohl 600 bis 800 Ost-Flüchtlinge an Berliner Mauer und deutsch-deutscher Grenze.
Gezielt getötet wurden DDR-Bürger auf dem Weg gen Westen aber nicht nur an der innerdeutschen Grenze. Auch die Flucht über die sozialistischen "Bruderländer" wie Ungarn oder Bulgarien war brandgefährlich und endete nicht selten tödlich. In der Balkanrepublik am Schwarzen Meer ging es dabei besonders blutig und brutal zu - mit ausdrücklicher Billigung der SED-Oberen in Ost-Berlin.
Nach Aussagen ehemaliger bulgarischer Grenzoffiziere, die die bulgarische Zeitschrift "Anti" schon Anfang 1993 veröffentlichte, zahlte die DDR-Botschaft in Sofia bulgarischen Grenzern für jeden getöteten DDR-Flüchtling eine Prämie in Höhe von 2000 Lewa, damals umgerechnet etwa 1000 D-Mark - im bettelarmen Bulgarien ein kleines Vermögen. Außerdem wurden die Todesschützen mit mehreren Tagen Sonderurlaub ausgezeichnet, eine auch in der DDR und in anderen Ostblockländern übliche Praxis. Ehemalige bulgarische Mitarbeiter der DDR-Botschaft in Sofia bestätigten der Zeitschrift seinerzeit, dass bulgarische Grenzer bei "vereitelten Grenzdurchbrüchen" Kopfgelder aus der DDR erhalten hätten. Der Bericht blieb in Deutschland aber weitgehend unbeachtet.
Sollten DDR-Behörden tatsächlich Kopfgelder an bulgarische Grenzer für die Tötung fluchtwilliger Bürger gezahlt haben, würde das möglicherweise auch erklären, warum einzelne ostdeutsche Flüchtlinge in Bulgarien mit Schüssen in den Hinterkopf regelrecht exekutiert wurden. Diese Todesart, die zuletzt bei einem Fall aus dem Juli 1989 dokumentiert wurde, wird durch Obduktionsberichte zweifelsfrei belegt.
Menschenverachtend war auch der Umgang mit den sterblichen Überresten der Opfer. Aus jetzt bekannt gewordenen Akten des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS) ergibt sich, dass die Leichen von an der Grenze getöteten DDR-Bürgern in Bulgarien bis Mitte der siebziger Jahre nur in Einzelfällen auf Friedhöfen beigesetzt wurden. In der Regel wurden sie an Ort und Stelle im Grenzstreifen verscharrt - wo sie zum Teil von wilden Tieren gefressen wurden. "Im Grenzgebiet wurden menschliche Gebeine entdeckt, die von Schakalen und streunenden Hunden aus der Erde geholt worden waren", sagt ein der Redaktion einestages namentlich bekannter Hochschullehrer aus Sofia, der jahrelang das Schicksal ostdeutscher Flüchtlinge in Bulgarien erforscht hat.
Beleg für diese unmenschliche Praxis war ein jetzt in Stasi-Akten aufgefundenes Geheimabkommen, das die DDR-Botschaft in Sofia Ende Februar 1975 mit dem bulgarischen Generalstaatsanwalt geschlossen hatte. Darin wurde festgelegt, dass die Leichen der im Grenzgebiet getöteten ostdeutschen "Straftäter" zukünftig zu überführen seien oder auf einem "öffentlichen Friedhof der Volksrepublik Bulgarien" beizusetzen seien - im Umkehrschluss fand dies bis dahin also nicht statt. Die Vereinbarung zwischen DDR und Bulgarien war das Resultat eines jahrelangen Kampfes der Eltern zweier in Bulgarien erschossener ostdeutscher Teenager, deren Leichen spurlos verschwunden waren. Die Eltern hatten sich bei ihrem Ringen um Aufklärung der Todesfälle nicht wie andere Angehörige von den DDR-Behörden einschüchtern lassen.
[...] Kein einziger der Todesschützen unter den bulgarischen Grenzern wurde bis heute rechtskräftig verurteilt, ebenso wenig wie die politisch verantwortlichen früheren Mitglieder des Politbüros der BKP.
[...] In der Bundesrepublik ist das Interesse für die Aufarbeitung dieses tragischen Kapitels der deutsch-deutschen Geschichte bisher gering. So gelten jene DDR-Bürger, die bei Fluchtversuchen über die "verlängerte Mauer" im Ausland ums Leben kamen, bis heute nicht als Opfer des DDR-Regimes - der Gesetzgeber hat diesen Personenkreis schlicht übersehen. Bis heute fühlt sich niemand zuständig, die sterblichen Überreste dieser Flüchtlinge, soweit ihre Gräber überhaupt bekannt sind, in die Bundesrepublik zu überführen.
Die Gräber all jener an der bulgarischen Grenze erschossenen Deutschen, die in den achtziger Jahren in die DDR überführt und dort beigesetzt wurden, dürfen wegen fehlender Rechtsgrundlage bis heute nicht in "Opfergräber" umgewandelt werden und können damit nicht auf Dauer als Gedenkstätten erhalten werden. Diese Toten seien keine Opfer totalitärer Gewaltherrschaft, sagte die zuständige Sachgebietsleiterin in der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf Anfrage: "Das sind DDR-Bürger, die im Ausland ums Leben kamen."
Aus: "Flucht aus der DDR: Ein Tausender pro Todesschuss" von: Stefan Appelius (2007) Quelle: http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/657/stefan_appelius_ein_tausender_pro_todesschuss.html
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« Reply #5 on: August 23, 2007, 12:02:03 PM » |
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[...] An der gesamten innerdeutschen Grenze gab es Experten zufolge mehr als 950 Todesopfer. Allein in Berlin starben nach Erkenntnissen des Forschungsprojekts "Die Todesopfer an der Berliner Mauer" 133 Menschen. Einer der grausamsten Fälle ist sicher der des 18-jährigen Peter Fechter, der im August 1962 beim Fluchtversuch angeschossen wurde und eine Stunde lang im Todesstreifen um Hilfe schrie bis er verblutet war. Das letzte Opfer war der 20-jährige Ost-Berliner Chris Gueffroy, er wurde im Februar 1989 an der Berliner Mauer erschossen.
Die Mauer war gerade fünf Jahre alt, als Hebstreit seinen Dienst antrat. Ein Jahr lang marschierte der junge Mann damals an seinem Grenzabschnitt auf und ab. Nahe dem Ostbahnhof. Schießbefehl? Klar, Alltag. Anders als die frühere politische Führung der DDR leugnet er den Auftrag nicht. Ganz im Gegenteil: Er bezeugt ihn, wie schon viele andere seiner früheren Kollegen das auch getan haben. "Man hat uns damals nicht direkt gesagt, dass wir Flüchtlinge erschießen sollten. Der Auftrag lautete: Sie haben einen Grenzdurchbruch mit allen Mitteln zu verhindern - auch mit der Waffe."
In der Ausbildung wurde den Wehrdienstleistenden beigebracht, auf die Beine zu zielen, sagt Hebstreit. "Aber wir waren mit der AK 47 ausgerüstet. Die hat eine ziemliche Streueigenschaft. Jeder von uns wusste, wenn man mit dem Ding auf 200 Meter Entfernung einem Flüchtling in die Füße zielt, dann kann man leicht den Kopf treffen."
Sie waren raue Jungs damals, erzählt er, mit viel Testosteron im Blut und völlig unpolitisch. Sie hatten Mädels im Kopf, hörten West-Radio und stritten darüber, ob die Stones oder die Beatles die bessere Musik machten. Ein bisschen Stolz auf dies bisschen Rebellion damals kann er heute nicht verhehlen. "Wir haben uns wie so kleine Mini-Rambos gefühlt. Wir hielten uns für die Größten und konnten die Knarre in rasender Geschwindigkeit ziehen - das haben wir immer wieder geübt, wenn wir stundenlang an der Mauer standen."
Aber er und seine Kameraden damals - so sagt er beschwörend - seien sich einig gewesen, dass sie niemals auf Flüchtlinge schießen wollten. Alle hätten Angst davor gehabt, dass es sie mal trifft. "Die Vorstellung, vielleicht auf einen Gleichaltrigen zu schießen, der sich in Lichtenberg die Birne vollgeknallt hat, weil ihn vielleicht seine Freundin verlassen hat und der dann vielleicht am S-Bahnhof über die Mauer klettert, den umzulegen, das ging gar nicht." Wie viel Verklärung sich in die Rückschau mischt, man weiß es nicht.
[...] "In den Nachrichten hört sich das immer so an, als wären wir alle willfährige Werkzeuge des damaligen Regimes gewesen. Aber wir waren doch keine schießwütigen Killer! Es gab zwar Knallköpfe wie in jeder Armee, die auf Zivilisten geballert haben. Aber mir ist wichtig, dass Tausende nicht geschossen haben - und zwar absichtlich nicht."
Zum Beleg erzählt er die Geschichte von seinem Kameraden Frank. "Der hat erst geschossen, als der Flüchtling schon längst weg war." Die Offiziere hätten das bemerkt, aber die Folgen seien für seinen Freund damals nicht schlimm gewesen. "Der wurde auf einen Schießplatz versetzt. Ich weiß aber sehr wohl, dass andere für das gleiche Verhalten ins Militärgefängnis gewandert sind." Denn vorbeizielen, das war in der DDR kein Lausbubenstreich. Der Paragraph 262 im Kapitel des DDR-Strafgesetzbuches über das Militärstrafrecht drohte den Grenzern, die daneben schießen - nicht denen, die treffen.
Wie die Vorschriften umgesetzt wurden, hing in der Praxis stark von den Belehrungen durch die jeweiligen Grenzabschnittskommandeure ab. Ob deren Posten - wie formell vorgeschrieben - "Halt" riefen, einen Warnschuss abgaben und erst dann auf den Flüchtenden schossen. Oder ob sie etwa dem Appell eines Hauptmannes vom Grenzregiment 24 folgten: "Nicht so lange fackeln! Anrufen und draufhalten, wenn der Grenzverletzer nicht stehenbleibt."
Und die gab es eben auch. Wie etwa Manfred Schiffner, der im Juni 1966 als Volkspolizist einen Flüchtling erschossen hat. Er erklärte vor vielen Jahren "Bild"-Reportern: "Wenn man dort an der Grenze Dienst tat, wie ich das gemacht habe, dann weiß man: ,Befehl ist Befehl.'" Darum habe er natürlich auch nicht daneben geschossen: "Ich hatte den Befehl, zu treffen." Solche Leute, findet Hebstreit, müssten zur Rechenschaft gezogen werden.
Mit Vehemenz in der Stimme drängt er aber darauf, die Verantwortung für den Schießbefehl auf die richtigen Schultern zu legen. "Der Befehl, der jetzt aufgetaucht ist, beleuchtet, was sonst nicht so richtig rüberkommt. Die Brüder, die das gemacht haben, waren nicht die Grenztruppen, sondern das war das Ministerium für Staatssicherheit. Und für diesen Befehl, auch Frauen und Kinder zu töten, muss derjenige zur Rechenschaft gezogen werden, der den verzapft hat."
Ihm selbst, so erzählt er, sei in der Ausbildung beigebracht worden, dass auf drei Ziele auf keinen Fall geschossen werden dürfe. "Es war damals direkt als Befehl von unseren Vorgesetzten formuliert: Auf Kinder, Frauen und auf Westberliner Territorium wird nicht geschossen." Das habe er zu seiner Zeit in der Armee auch schriftlich bekommen. "Das war eine preußisch-militärische Tradition, die auch eingehalten wurde." Überrascht haben ihn die später aufgetauchten Stasi-Befehle an die Spitzel in den Grenztruppen aber nicht.
In den Akten gibt es klare Aufträge für die Stasi-Leute: "Zögern Sie nicht mit der Anwendung der Schusswaffe", heißt es da, "auch dann nicht, wenn die Grenzdurchbrüche mit Frauen und Kindern erfolgen."
Der Befehl richtete sich an Angehörige einer Stasi-Spezialeinheit, die verdeckt in den Grenztruppen Fahnenflucht verhindern sollten. "Drastisch formuliert", kommentiert Richard Hebstreit den Text. "Aber wenn die die Grenzen nicht mit allen Mitteln dichtgehalten hätten, dann wäre die DDR doch schon viel früher futsch gewesen."
Aus: ""Wir waren doch keine schießwütigen Killer"" (23. August 2007) Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,500141,00.html
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« Reply #6 on: October 11, 2007, 12:24:13 PM » |
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[...] San Francisco - Von der neuen Vorschrift betroffen sind die Bewohner von Appartementhäusern, in denen sich Anwohner über eine Rauchbelästigung beschweren könnten. Auch Parks, Freiluft-Restaurants und andere öffentliche Plätze sollen in die Verbotszonen eingeschlossen werden.
In Einfamilienhäusern, Tabakläden und Motel-Zimmern sowie im eigenen Auto soll das Schmöken weiterhin erlaubt sein. Und: Sogar auf dem Bürgersteig darf geraucht werden - allerdings nur, solange der Flaneur einen Sicherheitsabstand von 6,6 Metern zum nächsten Hauseingang oder Fenster einhält.
Das Verbot soll in 14 Monaten in Kraft treten. Bereits in einem Monat wird das Rauchen an Bushaltestellen, in Sportanlagen und Einkaufspassagen in Belmont tabu sein. Das Bußgeld bei Verstoß gegen die neuen Auflagen werde bis zu eintausend Dollar betragen, schreibt der "San Francisco Chronicle". Wie ein solches Rauchverbot kontrolliert werden soll, ist bisher nicht bekannt. Die Stadtverwaltung ließ allerdings verlauten, man werde nur auf konkrete Beschwerden von Nachbarn oder Anwohnern reagieren.
Aus: "AUSGEPAFFT: US-Stadt verbietet Rauchen im eigenen Heim" (11. Oktober 2007) Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,510753,00.html
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« Reply #7 on: October 22, 2007, 09:56:31 AM » |
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[...] Für die Hungerhill School in Doncaster, South Yorkshire, geht angeblich die Sicherheit der Schüler über alles. So gibt es beispielsweise das System "Sicherheit für die Kinder an der Schule", bei dem Eltern via E-Mail, SMS und/oder automatischen Telefonbotschaften benachrichtigt werden, wenn die Kinder sich nicht ordnungsgemäß gemeldet haben. Die Eltern sind dann verpflichtet, möglichst umgehend den Grund der Abwesenheit mitzuteilen. Pionier ist die Schule mit einem Projekt, bei dem der Aufenthaltsort von Schülern durch Chips, die in ihren Schuluniformen eingenäht sind, von den Lehrern festgestellt werden kann. Seit acht Monaten werden die RFID-Chips bei zehn Schülern getestet. Auf ihren Handheld-Computern können die Lehrer sehen, in welchem Klassenzimmer sich die Schüler aufhalten. Verbunden ist die Information jeweils mit einem Bild des Schülers und Informationen über seine schulischen Leistungen. Mit dem Chip kann man auch einzelnen Schülern den Zugang zu bestimmten Räumen in der Schule verwehren. Kritik an dem Projekt wurde etwa von David Clouter geäußert, der die Leave them kids alone ins Leben gerufen hat, um damit gegen die bereits in vielen Schulen umgesetzten Regierungspläne zu kämpfen, den Schülern auch ohne Einverständnis der Eltern Fingerabdrücke abzunehmen. Für Clouter behandelt man mit dem "Tagging" die Schüler ähnlich wie Verbrecher. Der Direktor der Schule trat diesen "Missverständnissen" in einem Brief (PDF-Datei) an die Eltern entgegen. Es handelte sich keineswegs um ein "Big Brother"-System, versichert er, es werde auch nicht jeder Schritt der Schüler verfolgt. "Das System", so der Direktor, "dringt in keiner Weise in die Privatsphäre der Schüler ein." Man könne Schüler damit nicht beobachten und verfolgen, sondern diese würden lediglich registriert, wenn sie einen Klassenraum betreten. Außerhalb der Klassenräume könne das System nicht benutzt werden, die Chips seien nur auf eine Entfernung von zwei Metern ablesbar. Zudem biete es nur Informationen an, die ohnehin in den Schulcomputern gespeichert sind und auf die nur Lehrer Zugriff haben. Es sei vorerst auch nicht beabsichtigt, das RFID-Chip-System auf die gesamte Schule zu erweitern, beteuert der Direktor. Es sei von einer lokalen Firma entwickelt worden und biete ein "gutes Beispiel für die Informations- und Kommunikationstechnologie und die Privatwirtschaft im Alltagsleben". Die Testpersonen hätten sich freiwillig gemeldet und würden damit Erfahrungen für die Lernmodule "IKT und Beratung" und "IKT und Privatwirtschaft" sammeln. Unterstützt wird der Schuldirektor von einem Sprecher des Kinder-, Schul- und Familienministeriums, der allerdings deutlich macht, dass man landesweit plant, RFID-Chips einzusetzen. Man wolle damit lediglich die Anwesenheit der Schüler in einer Datenbank der Schule registrieren, aber nicht "jedes Detail über jeden Schüler mit heimlichen Mitteln" ermitteln. Die Firma Darnbro, die das Überwachungssystem entwickelt und für die Anbringung von RFID-Chips in der Kleidung im Februar einen Patentantrag eingereicht hat, setzt darauf, gute Geschäfte zu machen, wenn die Chips tatsächlich in die Schuluniformen eingenäht würden. Hier wird jährlich ein Umsatz von 300 Millionen britische Pfund gemacht. Nach Darnbro kann ihr Produkt "jeden Schritt eines Schülers" verfolgen. Die Schulen in dem Gebiet hätten großes Interesse an den Chips signalisiert, da die Regierung im nächsten Jahr ein computerbasiertes Registrierungssystem mit Internetzugriff für die Eltern einführen will. (fr/Telepolis) 21. Oktober 2007 12:08 Jackentausch?! Pascal Schmitt, Pascal Schmitt (mehr als 1000 Beiträge seit 02.12.02)
Natürlich ist es ein bisschen traurig usw, aber die Briten haben sich ja schon dran gewöhnt, das ist doch nurmehr ein Tropfen auf den überwachten Stein...
Aber für die Kinder bringts wirklich Vorteile. Streber können schwänzen und tauschen Ihre Jacken einfach mit schlechteren Schülern (gegen Bares natürlich), die sitzen mit der Streberidentität im Unterricht und werden vom Lehrer zur Abwechslung mal freundlich behandelt (da der Lehrer natürlich keine Veranlassung mehr sieht, sich die Schüler selbst zu merken wenn es doch die Technik tut).
Oder eben andersherum, speziell gecoachte Superschüler tragen reihum die Jacken ihrer Mitschüler und heimsen super Noten ein während die anderen draußen fröhlich Kameras einschlagen...
In dem Zusammenhang war doch neulich ein Bild in der Taz, von einem Hemd ohne Träger, das sich selbst die Krawatte gebunden hat. So ähnlich wird das dann ("Ach, Jenny, du hast seit Wochen nichts mehr gesagt! Und weshalb hängst du so schlaff rum?")
21. Oktober 2007 14:21 Wo werden denn die RFIDs angebracht? Gelber, Davidstern-foermiger Aufnaeher? pipedings (mehr als 1000 Beiträge seit 03.02.05)
Wollt ihr die totale Sicherheit? Aus: "Britische Schule testet RFID-Chips in der Schulkleidung" (21.10.2007) Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/97700
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« Last Edit: August 30, 2010, 10:57:57 AM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #8 on: October 28, 2007, 08:17:51 PM » |
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[...] Aktion „Arbeitsscheu Reich“ nannten die Nationalsozialisten die im Juni 1938 durchgeführte Verhaftungswelle, bei der über 10.000 Personen als sogenannte Asoziale in Konzentrationslager verschleppt wurden.
Seit dem NS-Grunderlass „Vorbeugende Verbrechensbekämpfung“ vom 14. Dezember 1937 konnte, wer „ohne Berufs- und Gewohnheitsverbrecher zu sein, durch sein asoziales Verhalten die Allgemeinheit gefährdet“, mittels sicherheitspolizeilicher Schutzhaft in ein Konzentrationslager eingewiesen werden.
Der bereits seit dem 19. Jahrhundert in mehr oder weniger bestimmtem Sinne geläufige Ausdruck arbeitsscheu war in diesem Zusammenhang von den zuständigen nationalsozialistischen Organen zu einem ideologisch-programmatischen Kampfbegriff konkretisiert worden.
Im Sommer 1938 gab Reinhard Heydrich der Kriminalpolizei den Auftrag, in jedem Kripoleitstellenbezirk mindestens 200 „Asoziale“ zu verhaften, mit der Begründung, dass „das Verbrechertum im Asozialen seine Wurzeln hat“. Im Rahmen der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ wurden mehr als zehntausend Menschen – die Mindestzahl von 200 wurde meistens weit überschritten – zur Zwangsarbeit in Konzentrationslager verbracht. Die Aktion „Arbeitsscheu Reich“ diente in erster Linie der Arbeitskräftebeschaffung. In einigen Fällen wurde die Aktion zudem als zweckmäßiger Vorwand zur Entfernung von solchen politisch missliebigen Personen aus dem öffentlichen Leben genutzt, die nicht im engeren Sinne dem Stigma des Asozialen entsprachen.
Aus: "Arbeitsscheu Reich" (10/2007) Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitsscheu_Reich-.- [..] Die Verhaftungswelle sollte vor allem der Disziplinierung der sogenannten subproletarischen Gruppen dienen. Während der "Juni-Aktion" kam es aber auch zu gezielten Massenverhaftungen von Juden. In Berlin nahm die Polizei zwischen 1.000 und 2.000 Juden unter fadenscheinigsten Vorwänden fest, es reichte schon das falsche Überqueren einer Straßenkreuzung.
1933-39 - Aktion "Arbeitsscheu Reich" (dhm.de) http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/antisemitismus/arbeitsscheu/
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« Reply #9 on: November 03, 2007, 11:57:10 AM » |
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[...] Eine der bemerkenswertesten Meldungen der vergangenen Tage war nicht etwa auf den politischen Seiten der Tageszeitungen zu finden, sondern in den Boulevards und Klatschspalten. Johannes Heesters, der mit 103 Jahren wohl älteste Entertainer der Welt, meldete sich wegen des kommenden Rauchverbotes zu Wort. Seiner Meinung nach erinnere das Rauchverbot fatal an eine Diktatur. Nun könnte man sagen, das sei die etwas pointierte Aussage eine alten Mannes, dessen Zitate heute längst übertriebene Würze brauchen, um noch in den Boulevardblättern abgedruckt zu werden. Das mag richtig sein. Andererseits weiß Johannes Heesters ganz genau, wovon er spricht, wenn er den Begriff Diktatur bemüht. Im Gegensatz zu den meisten von uns, denen die „Gnade der späten Geburt“ derartige Erfahrungen bislang erspart hat, ist er wohl sensibler für die frühen Zeichen einer unseligen politischen und gesellschaftlichen Wende.
Wohlgemerkt: Ihm geht es nur ums Rauchverbot und nicht um die wesentlich dramatischeren Veränderungen, die wir Jahr für Jahr von den selbstverliebten Egomanen serviert bekommen, die sich Volksvertreter nennen und deren fragwürdige geistige Ergüsse wir ohne ein Wort des Protestes hinnehmen. So, als hätten wir die Fähigkeit verloren, in den vielen kleinen und perfiden Eingriffen in unsere Grundrechte den großen Plan zu erkennen. Erst gut zwei Jahre ist es her, als mit dem „Gesetz zur Förderung der Steuerehrlichkeit“ das Bankgeheimnis am 1. April 2005 in Deutschland praktisch abgeschafft und jeder Bürger unter Generalverdacht gestellt wurde. Es gab kaum Aufschreie, als die Bundesregierung nach der Rasterfahndung auch die Zasterfahndung legitimierte. Ein nahezu unglaublicher Schritt in den gesetzlich legitimierten Schnüffel- und Denunziantenstaat. Es folgte Mitte dieses Jahres die einheitliche Identifikationsnummer für jeden Bundesbürger. Vom Baby bis zum Opa umfasst diese elfstellige Personenkennziffer alle persönlichen Daten. Die Personenkennziffer, die dem Betroffenen anders als die Personalausweisnummer noch über sein Ableben hinaus 20 Jahre lang anhaftet, ist ein weiterer Schritt in die Totalerfassung der Bevölkerung.
Seit gestern nun bekommen die Bürger nur noch dann einen Reisepass, wenn sie dafür ihre Fingerabdrücke hinterlegen, ein „Privileg“, das in früheren Zeiten überführten Verbrechern vorbehalten blieb. Und der dementsprechende Personalausweis soll – geht es nach dem Willen von Wolfgang Schäuble – demnächst folgen. Was immer wir irgendwo anfassen, der Staat weiß es, wo immer wir unsere Finger um ein Glas Bier legen, man könnte es uns jederzeit nachweisen. So etwas hat nicht einmal der visionäre George Orwell geahnt. Auch nicht, dass demnächst die neue elektronische Gesundheitskarte auch noch alle unsere Krankheiten und Wehwehchen für den öffentlichen Gebrauch freigibt. Aber das ist längst nicht das Ende. In diesen Tagen will die Bundesregierung die Vorratsdatenspeicherung beschließen, ein Gesetz im Kielwasser einer entsprechenden EU-Richtlinie, das unser Kommunikationsverhalten dokumentiert. Ob wir telefonieren, eine SMS oder eine E-Mail schicken, alles wird ein halbes Jahr lang aufgezeichnet. Selbst unsere Surfreisen im Internet sind lückenlos nachzuvollziehen. Ein derart massiver Eingriff in die Grundrechte höhlt die Privatsphäre völlig aus und ermöglicht die verdachtslose Totalüberwachung aller Bürger. Die Fernmeldefreiheit wird mit diesem Gesetz ebenso zu Grabe getragen wie die Pressefreiheit. Denn bislang konnte ein Informant sicher sein, von dem Medium seines Vertrauens geschützt zu werden. Künftig genügt ein Blick in die Verbindungsdaten der Journalisten, um zu sehen, mit wem er Kontakt hatte. Ein Wort noch zur Begründung. Angeblich sollen derartige Gesetze das Land sicherer machen. So etwas kann jedoch nur ein Politiker glauben. Denn die so entstehenden Datensammlungen können ja erst ausgewertet werden, wenn ein Verbrechen bereits geschehen ist und damit bestenfalls die Aufklärungsquote heben. Dagegen wiederum spricht ein Gutachten des Bundeskriminalamtes, das besagt, die Vorratsdatenspeicherung ließe die Aufklärungsquote lediglich um 0,006 Prozent steigen. Und dafür sollen ausnahmslos alle Bundesbürger beschnüffelt werden? Das lässt sich in der Tat nur noch mit den Worten von Johannes Heesters beschreiben: „Das erinnert fatal an eine Diktatur.“
Aus: "Grundrechte in Gefahr" Von Michael Schmatloch (03.11.2007) Quelle: http://www.donaukurier.de/extras/freiheitderpresse/art88613,1774139-.- Johannes Heesters: http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Heesters-.- [...] In der Paulskirchenverfassung war die Freizügigkeit, die Berufsfreiheit, die Auswanderungsfreiheit, das Briefgeheimnis, die Meinungsfreiheit, die Pressefreiheit, die Glaubensfreiheit, die Gewissensfreiheit, die Versammlungsfreiheit und das Recht auf Eigentum garantiert. Zwar trat die Verfassung als solche nie in Kraft, doch ihr späterer Grundrechtsteil (Abschnitt VI, §§ 130 bis 189) entsprach den durch das Reichsgesetz betreffend die Grundrechte des deutschen Volkes vom 27. Dezember 1848 für anwendbar erklärten Grundrechten. Den Grundrechten kam allerdings noch kaum praktische Bedeutung zu, da die Gegenrevolution zu diesem Zeitpunkt wieder erstarkt war und mehrere Gliedstaaten des Deutschen Bundes die Veröffentlichung der Grundrechte in ihren Gesetzbättern verweigerten, was nach damaligem Bundesrecht zu deren Inkrafttreten erforderlich gewesen wäre. Schon im August 1851 wurde der Grundrechtskatalog von der Bundesversammlung auch formal wieder aufgehoben. Die Verfassung des Deutschen Reichs von 1871 verbürgte dagegen keine Grundrechte („Einheit vor Freiheit“). Erst die Weimarer Reichsverfassung knüpfte dann an die Paulskirchenverfassung an und enthielt die gleichen Grundrechte und als zusätzliche soziale Grundrechte unter anderem die Grundpflicht und das Grundrecht auf Arbeit (Art. 163 WRV).
In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mit der Reichstagsbrandverordnung von 1933 die in den Artikeln 114 (Freiheit der Person), 115 (Unverletzlichkeit der Wohnung), 117 (Brief-, Post-, Telegraphen- und Fernsprechgeheimnis), 118 (Meinungsfreiheit), 123 (Versammlungsfreiheit), 124 (Vereinigungsfreiheit) und 153 WRV (Eigentumsgewährleistung) festgeschriebenen Grundrechte außer Kraft gesetzt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Grundrechte (11/2007)
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« Reply #10 on: November 05, 2007, 03:08:46 PM » |
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[...] Willkommen in einem der 22 französischen Militär-Internate für Jugendliche ohne Schulabschluss und berufsqualifizierende Ausbildung. Im Château Montry bei Paris, einen Steinwurf von Disneyland entfernt, residierte einst der Baron von Reilhac. Jetzt ist hier das erste Erziehungslager für Heranwachsende aus den berüchtigten Vorstädten, wo vor knapp zwei Jahren Tausende Autos brannten - gegründet vom Verteidigungsministerium. Seither beschreitet Frankreich einen umstrittenen und weltweit einmaligen Weg, die hohe Jugendarbeitslosigkeit zu reduzieren: In Internaten lernen 18- bis 21-Jährige sogenannte Sekundärtugenden wie Höflichkeit und Pünktlichkeit. Wer als hoffnungsloser Fall gilt, soll so zurück in den Arbeitsmarkt finden. "Wer früher erst gegen sechs Uhr morgens ins Bett gegangen ist, für den ist es ein Kulturschock, wenn er jetzt um sechs aufstehen muss", sagt der ehemalige Offizier Marcel Soldini. Der Mann mit dem graumelierten Haar ist der Ausbildungsleiter. Das gesamte Führungspersonal in den "Zentren der zweiten Chance" war früher bei der Armee. Die Militärschulen selbst sind aber zivile Einrichtungen. Die Jugendlichen essen und logieren dort, Jungen und Mädchen fein säuberlich getrennt und überwacht, in Holzbaracken, jeweils zwei oder drei in einem Zimmer. Sie erhalten 300 Euro Taschengeld pro Monat, wovon ihnen 160 Euro auf ein Konto überwiesen werden, als Starthilfe nach dem Internat. Mindestens sechs Monate muss jeder durchhalten. Wer nach zwei Jahren noch nicht vermittelbar ist, den gibt auch die Armee auf. Alles erinnert auf den ersten Blick an die Bootcamps in den USA, in denen kriminelle Halbstarke gedemütigt, gebrochen und wieder aufgebaut werden - und doch ist der französische Ansatz ganz anders. Wer vorbestraft ist, wird hier nicht zugelassen. Wer Gewalt anwendet, Drogen nimmt oder damit dealt, fliegt sofort raus. "Das Ganze basiert auf Freiwilligkeit‘‘, sagt Soldini. "Jeder kann gehen, wann er will." Die Jugendlichen tragen deshalb einen inneren Kampf aus. [...] Es ist zumindest eine große Chance für alle, die durchhalten: Sie bekommen nicht nur Unterricht in Französisch, Mathematik, Informatik und Staatskunde, sie werden auch berufsbezogen ausgebildet. "Wir wollen die Schule mit der Wirtschaft verbinden", sagt Soldini. Ein Versuch, der für Frankreich eine Kehrtwende bedeutet. Bisher paukten Auszubildende nur Theorie. Praxis galt wenig. Jetzt eifert Frankreich dem dualen deutschen Ansatz nach. Das bedeutet für Montry: Supermärkte, Restaurants, Bau- und Logistikunternehmen aus der Region begleiten die Ausbildung, bieten Praktika an und rekrutieren im besten Fall im Camp ihren Nachwuchs. Das ist das Besondere an den Internaten. [...] Mehr als drei Viertel der Absolventen in Montry haben einen festen Job gefunden. Wegen der Nähe zu Paris ist die Vermittlungsrate dort höher als im Landesdurchschnitt. Im Verteidigungsministerium ist man stolz darauf. Allerdings haben in zwei Jahren erst 2500 Freiwillige den Parcours hinter sich gebracht. Das sind viel weniger, als sich die damalige Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie gewünscht hatte. Kurz nachdem sie im Sommer 2005 die Idee mit den Militärschulen aufbrachte, rebellierten Zehntausende Zuwandererkinder in den Vororten gewaltsam gegen ihr Ausgegrenztsein im Allgemeinen und die Lockerung des Kündigungsschutzes für Jugendliche im Besonderen. Anschließend gerieten die Internate in den Sog des Wahlkampfs. Die linke Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal plädierte überraschend für militärische Erziehungslager und löste damit einen Sturm der Entrüstung aus. Noch heute scheiden sich die Geister daran. "Auch bei uns ist das ein heißes Thema", sagt der Bielefelder Jugend- und Bildungsforscher Klaus Hurrelmann. Er befürwortet den Ansatz, weiß sich aber in einer Minderheit. "Für viele Sozialpädagogen ist das schwer zu goutieren", räumt der Professor ein. Das Militärische schrecke ab. Und doch könne die Strenge helfen, Verhaltensmuster zu verinnerlichen. Der Drill, die starren Regeln, die den Alltag prägen, könnten den Jugendlichen helfen, sich selbst zu disziplinieren und mehr Selbstachtung zu gewinnen. "Das ist ein ungewöhnlicher, aber richtiger Alternativweg. Es wäre sehr nützlich, auch in Deutschland darüber nachzudenken", sagt Hurrelmann. Antiautoritäre Erziehung ist aus der Mode gekommen. In den USA werden Delinquenten in Drill-Camps geschliffen, in Japans Schulen müssen renitente Schüler seit Anfang dieses Jahres wieder in der Ecke stehen. Auch in Deutschland mehren sich die Stimmen derer, die mehr Strenge fordern. Einer ihrer prominentesten Wortführer ist Bernard Bueb, der ehemalige Schulleiter des Elite-Internats Schloss Salem, der 2006 das Erziehungsbuch "Lob der Disziplin - eine Streitschrift" veröffentlichte. In unionsregierten Ländern kehren einst abgeschaffte Kopfnoten für Fleiß und Betragen zurück. Und SPD-Politiker wie der Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels, verheiratet mit Susanne Gaschke, einer Autorin von Erziehungsbüchern, verlangen ein Ende der "antiautoritären Dauerreform". Bisher gibt es in Deutschland fünf Einrichtungen, die in Ansätzen mit den französischen Militärschulen vergleichbar sind, auch wenn sie nichts mit der Bundeswehr zu tun haben und nur für Vor-bestrafte da sind. Die bekannteste davon liegt in Hessen und wurde von dem ehemaligen Amateurboxer Lothar Kannenberg gegründet. Für sein "Trainingscamp" erhielt er nicht nur die finanzielle Unterstützung des Ministerpräsidenten Roland Koch, sondern auch das Bundesverdienstkreuz von Bundespräsident Horst Köhler überreicht. Seit RTL 2 daraus die sechsteilige Doku "Das Erziehungscamp" für Schwererziehbare machte, gilt die Jugendhilfeeinrichtung als deutlichstes Zeichen für eine Abkehr vom Antiautoritären. Wer dort beim Essen "Scheiße" sagt, muss zehn Liegestütze machen. So geht das in Montry nicht. Vor allem in der zweiten Phase der Ausbildung steht Fortbildung im Mittelpunkt, auch wenn Sport Pflicht ist. Nach dem Fahnenappell marschieren die Freiwilligen in Gruppen in ihre Klassenräume. Warum sie marschieren? ,,Wenn wir sie nur freundlich bitten würden, kämen sie wahrscheinlich nie pünktlich zum Unterricht‘‘, antwortet Soldini. Die Lehrer sind Zivilisten. Sie tragen die gleiche graue Kleidung wie die Schüler. Im Französisch-Kurs sitzen gerade einmal neun in einer Klasse. Ihre Aufgabe in dieser Stunde: Wann schreibt man "à" mit Akzent, und was ist der Unterschied zwischen "et" (und) und "est" (ist)? Fehler machen ist nicht schlimm. Noten gibt es keine. Neben dem Lehrer steht immer mindestens ein Aufpasser, meist ehemalige Absolventen, die darauf achten, dass niemand stört oder schläft. [...] Umgerechnet lässt sich der Staat die Resozialisierung 24.000 Euro pro Freiwilligen kosten. Soldini hält die Summe für gerechtfertigt: "Das Gefängnis kostet noch mehr als die Zentren", sagt er lakonisch. Die Zentren sollen vorbeugen und vermeiden, dass jemand straffällig wird oder von Sozialhilfe leben muss. Nicht allen Jugendlichen gefällt, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Sie wollen sich nicht die Haare scheren lassen und keine Uniform tragen. Offiziell springt jeder Zehnte wieder ab. Ebenso viele werden der Anstalt verwiesen. Wer bleibt, vertraut auf das Internat: "Es ist wie meine zweite Familie", sagt Wilfried Robin. "Ohne das Zentrum wäre ich auf der Straße gelandet", ergänzt Ezzroui Fathi. "Wir wären arbeitslos, ganz einfach", sagt Mickael Davidas. Wenn sie am Wochenende in die Vororte von Paris zurückkehren, müssen sich sie vor ihren Freunden rechtfertigen. Dann beginnt der innere Kampf aufs Neue. "Jeden Montagmorgen feiern wir innerlich einen kleinen Sieg, wenn sie zurückkommen", sagt Soldini. Auch für Leiter wie ihn haben die neuen Militärakademien schon Erfolgserlebnisse gebracht. Voriges Jahr hatte der Staatspräsident fast 400 Jugendliche zur Parade am Nationalfeiertag auf die Champs-Elysées eingeladen. Dort saß Soldini mit ihnen auf der Tribüne, und plötzlich, als die Marseillaise ertönte, erhoben sich die Jugendlichen von sich aus, und stimmten, wie jeden Morgen um acht Uhr, inbrünstig mit ein. "Das", sagt Soldini, "werde ich im Leben nicht vergessen". 04.11.2007 11:04:06 Profprom: Auf Freiwilligkeit der Jugendlichen
basierend wäre es eine Lösung. Wer sich freiwillig meldet, hat erkannt, dass er den inneren Schweinehund nicht alleine besiegen kann. Mit dieser Erkenntnis kann dem Jugendlichen geholfen werden. Die Bundeswehr, aber auch Unternehmen, könnten auch bei uns die Berufsausbildung übernehmen, Lehrer die Schulbildung.
Was soll mit den unwilligen und den bereits straffällig gewordenen Jugendlichen geschehen? Die bisher angewandten Massnahmen hatten in D wenig Erfolg. Und kostspielig sind sie auch. Eine gewisse Strenge und wenn es sein muss, Härte könnte diesen Kindern helfen. Warum wird ein notorischer Schulschwänzer z.B. nicht in Arrest genommen und täglich morgens zur Schule gebracht und darauf geachtet, dass er von dort nicht verschwindet? Warum sollen Kinder, die regelmässig den Unterricht stören, nicht sanktioniert werden? Wenn die Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder scheitern, muss der Staat eingreifen. Denn was passiert, wenn diese Kinder ohne Schulabschluss und Berufsausbildung bleiben und womöglich Berufskriminelle werden? Persönliche Tragödien und für die Gesellschaft hohe Kosten.
04.11.2007 15:14:05 Marcello50: Es ist erfrischend, den Artikel zu lesen, Junge Menschen, die gefordert werden
traditionelle WErte oder sogenannte Sekundärtugenden verinnerlichen, übernehmen zumindest wieder Verantwortung für sich selbst. Dies sollte das Ende linker Ideologien einläuten, demnach für alles übel in der Welt, einschliesslich dem eigenen Unvermögen, die Reichen, der Kapitalismus und die Gesellschaft verantwortlich sind. Sicher täte diese Erziehungsmassnahmen auch denen gut, die rumhängen, Kleindiebstähle begehen, Lernleistungen verweigern, wie z.B. in der Rütli Schule und immer nur von der Ehre faseln , die es zu verteidigen gilt.
04.11.2007 17:00:57
Marcello50: cajkacechovs wahrscheinlich zünden die Kinder von Segolene auchnicht die Vorstädte an und plündern.
Es ist besser die Jugentlichen erhalten eine straffe Ausbildung und die Vermittelung von WErten, statt auf der Strasse rumzuhängen und nur auf Staatsknete zu warten. Wieso sollen Jugendliche nicht auch mal gezwungen werden, bevor sie ihr Leben wegwerfen und im NIchts rumhängen oder gar randalieren und nie mehr Anschluss finden.
Aus: "Frankreich: Marschieren für den ersten Job" (SZ vom 3./4.11.2007) Quelle: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/artikel/307/141005/
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« Reply #11 on: November 06, 2007, 10:23:04 AM » |
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[...] Ab dem ersten Januar 2008 soll es im westlichen Bereich der Altstadt verboten sein, auf der Straße Alkohol zu trinken. Das Verbot soll ebenso für die Parkplätze vor der Diskothek Funpark (toom Baumarkt) gelten. Oberbürgermeister Dieter Salomon will diese Regelung mit einen Gemeinderatsbeschluss erwirken. Der Gemeinderat wird über den Vorschlag am 20. November entscheiden. Das Alkoholverbot soll zunächst vom 1. Januar bis zum 31. Juli 2008 gelten und betrifft das Gebiet des so genannten Bermudadreiecks (Löwenstraße, Niemensstraße, Universitätstraße), aber auch die Kaiser-Joseph-Straße bis zum Bertoldsbrunnen, die Bertoldstraße bis zum Werderring sowie den Bereich Humboldtstraße bis hin zur ehemaligen Universitätsbibliothek. An Wochenenden (in den drei Nächten zwischen Freitag und Montag) will der Stadtrat in dieser Zone zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens den Alkoholkonsum verbieten. Den Grund zum Handeln sehen Salomon und die Freiburger Polizei im starken Anstieg von Gewaltdelikten, die sich im ersten Halbjahr 2007 in der westlichen Altstadt zutrugen. Salomon sagte in einer Pressekonferenz, die heute Mittag im Rathaus stattfand: "Die Gewaltexzesse und Körperverletzungen im Bermudadreieck sind zurückzuführen auf hohen Alkoholkonsum. Wir sehen das als Problem an und wollen den Alkoholkonsum mit dieser Maßnahme domestizieren. Auch wegen der Gesundheitsfürsorge müssen wir eingreifen." Dominik Montag, 05.11.07 18:00
als nächstes kommen kameras
Robespierre Montag, 05.11.07 18:08
War das "Bermudadreieck" noch die ganzen 90er durch ein belebtes, aber einigermaßen friedliches Eckchen, ist man dort heute umgeben von Securitydiensten, starker Türsteherpräsenz und Dauerbewachung durch die Bullen. Und jetzt muss offenbar auch der bisher hier liberal gehandhabte Alkoholgenuss im Freien eingeschränkt werden - und alles nur, weil ziemlich viele Jugendliche nicht mehr in Würde saufen können, sondern sich danebenbenehmen müssen. Danke, Freiburgs Jugend. Und die vom Land wahrscheinlich auch. Macht nur alles kaputt. Demnächst werden noch Kameras aufgehängt und der Thekenschluss wieder auf ein Uhr verkürzt, nur wegen euch.
Webwasher Montag, 05.11.07 19:03
Also die Idee find ich echt gut. Ich arbeite Freitag und Samstag Nachts am Hauptbahnhof und die ganzen dichten Jugendlichen sind echt ein Graus. Ich bin zwar selber erst 21 aber mit diesem Verbot sind ja eher die Jugendlichen gemeint die sich abends treffen und draussen vorsaufen. Das einzige Problem ist nur dass die Jugendlichen die nach der schliessung vom z.b. Funpark aufm Parkplatz krawall machen nicht mit diesem ALkoholverbot wegzukriegen sind. Wie wärs mit nem Ausgehverbot ab 2 Uhr für die unter 18^^
richtig so. Montag, 05.11.07 19:16
richtig so. weiter so.
Rollig Montag, 05.11.07 19:33
Wieso sind die Jugendlichen denn heutzutage überhaupt so aggressiv? Nur am Alkohol kann das doch nicht liegen. Wir haben doch früher auch gesoffen ohne Ende, ohne auf uns gegenseitig einzuschlagen.
Tagträumchen Montag, 05.11.07 19:39
Ich kann es nicht glauben. Wenn wir nicht weit entfertn vom April waären, würde ich den Artikel für einen Aprilscherz halten. Jetzt sind wir schon soweit wie in z.B. Canada. Da ist Alk in der Öffentlichkeit auch verboten. Es ist einfach unglaublich, dass keiner in den "oberen Etagen" rafft, dass dieses Konzept einfach nicht funktioniert. Der Konsum wird exessiver je mehr Verbot herrscht. Ist doch klar, oder Herr Salomon... Dann wird halt zu hause oder woanders vorgeglüht... Echt, wenn man noch nicht mal ein Bierchen in der Alltag an einem lauen Sommerabend trinken kann, fühle ich mich echt verarscht...Fehlt nur noch, dass kurze Röcke tragen am Bert verboten ist, weil es die Straba Fahrer ablenken könnte...
Hilfe! JayJay Montag, 05.11.07 19:57
Also auf den ersten Blick klingt das echt wie ein April-Scherz. Andererseits ist es Fakt, dass es im Bermudadreieck leider gewaltmäßig abgeht. Sicher eine drastische Maßnahme, aber fällt jemand was besseres ein? Das unaggressive Trinken, wie ich es aus meiner Studienzeit kenne - und da war es auch eher zuviel Alk als zuwenig - scheint ja nicht mehr zu funktionieren. Liegt es vielleicht am vielen harten Alk, der da konsumiert wird.
patrick Montag, 05.11.07 19:58
ich bin dafür, dass die Polizei nun einfach draufkloppen darf! wie sie will!
aber nur im Bermudadreieck!
mark Montag, 05.11.07 20:24
die kriminaliätsstatistik ist fallend!!
und dass jeden abend die polizei vorm bermuda rumhängt dient wohl auch eher der provokation als der ssicherheit
Traff Montag, 05.11.07 20:38
"Wer sind diejenigen, die sich gezielt Schnaps-Saft-Mischungen reinkippen und daraufhin aggressiv werden? Metzger sagt: "65,5 Prozent Deutsche, 28,9 Prozent Ausländer, 5,6 Prozent Deutsche mit Migrationshintergrund."
sagt ja schon alles aus... Wenn man überlegt dass in Freiburg ca. 10% Ausländer wohnen, aber 34% der Schläger Ausländer sind...
Aber sie habens ja nicht so leicht und so... jaja klar
Grafo Montag, 05.11.07 20:46
Natürlich ist es ein großes Problem dass vor allem Ausländer schnell zuschlagen. Typische Sache: Weiss jeder, aber keiner spricht es aus, solang einer von den Grünen da oben sitzt
lolerstmal Montag, 05.11.07 21:27
was is dass denn? Meine Fresse...
so kann man das *edit* aber nicht innen griff bekommen.
PRO mehr Polizeipräsenz!!!!
mikegyver Montag, 05.11.07 22:15
vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, wieder torwärter an die eingangsstraßen zur innenstadt zu stellen und nur noch leute, welche einen passierschein haben oder der generellen gesichts- und alkoholkontrolle standhalten, hineinzulassen...früher war doch eh alles besser und dann ziehen wir doch lieber die mauern hoch, als dass wir uns wirklich mit der eigentlichen problematik beschäftigen! zudem würde sich da ein ganz neuer markt für freiburgs türsteher aufmachen!!! manmanman....
Britta Eckstein-Scheuble Montag, 05.11.07 22:24
Meine Damen und Herren!
Es ist an der Zeit ernsthaft einen Einsatz der Bundeswehr im Innern zu erwägen. Also im Innern der Stadt Freiburg. Mit der Waffe im Anschlag dem Alkoholismus Einhalt gebieten!
mit eingeschränkt freiheitlichen Grüßen, Ihre Britta Eckstein-Scheuble
Ich Montag, 05.11.07 22:50
man man man....die grünen übertreiben es wieder..ich verweise da nur auf das grundgesetzt....
Biker Montag, 05.11.07 23:41
Genialer Plan von Salomon in 10 Jahren gibt es dann keine bierbauchtragende Männer mehr im Bermudadreieck oder in der Innenstadt sprich in der Nähe der UNI..nur noch nichtrauchende nichtsaufende mit Einheitskleidung versehene Eliteakademiker samt Namensschilder die sich neue pädagogisch wertvolle Verbote ausdenken (nur noch Milch von glüklichen Kühen, Bio-wein von fröhlichen Weintrauben alkoholfrei usw im Elite Dreieck
Mahlzeit und Danke SVW leute
Lob ! Dienstag, 06.11.07 01:01
Ich bin gebürtiger Freiburger und habe erlebt wie das Bermudadreieck immer mehr verkam. Seit 1-2 Jahren kann man kaum am Wochenende durchlaufen. Man wird ständig angemacht. Überall agressive Leute. Deutsche wie Ausländer. Teilweise gibt es im Minutentakt Schlägereien. Man kann sehr schön beobachten wie Gruppen vor dem Nachtschicht/Burgerking warten bis sich die Gelegenheit bietet eine Schlägerei anzufangen.
Wenn ein Alkoholverbot die Sache mildert dann her damit. Aber Schlossberg, Augustinerplatz und Dreisamufer müssen mit dazu. Sonst wird das nichts. Noch besser wäre es wenn man zusätzlich die Flatrates einstellt.
Und wenn Hiphop/Blackmusik nicht mehr kämen wäre sicher auch weniger Stress. ;) Aber das wird kaum zu machen sein.
Nur schade dass man dann auch nicht mehr auf dem Schlossberg gemütlich ein Gläschen Wein trinke kann.
Aus: "Salomon plant Alkoholverbot in der Altstadt" (von david | 05.11.07, 17:37) Quelle: http://fudder.de/artikel/2007/11/05/salomon-plant-alkoholverbot-in-der-altstadt/
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« Reply #12 on: November 10, 2007, 01:58:38 PM » |
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[...] Spektakulärer Dokumentenfund: Nach der Festnahme des Mafia-Bosses Lo Piccolo beschlagnahmte die sizilianische Polizei seine Unterlagen - und stieß auf einen Regelkodex für die Soldaten der Cosa Nostra. Darin gefordert sind absoluter Gehorsam, Treue - und Sexualmoral. [...] Der Leitfaden für Mafiosi wurde in Großbuchstaben auf der Schreibmaschine getippt. Nicht nur die Verschwiegenheit der Organisation soll mit dem Verhaltenskodex gewahrt werden. Ethische Werte wie Treue und Mäßigung werden ebenso angemahnt wie eine intakte Sexualmoral. Unüberhörbar die biblischen Untertöne: "Du sollst nicht begehren deines Freundes Weib" lautet - frei übersetzt - die zweite Vorschrift. Auch von Kneipen- und Clubbesuchen wird dringend abgeraten. Geradezu skurril der Zusatz zu Punkt fünf der Liste, der den Mafioso verpflichtet, jederzeit einsatzbereit zu sein: Dies gelte auch, "wenn die Frau kurz vor der Entbindung steht", heißt es in dem Papier. Hier hat offenbar die leidige Erfahrung einiger Bosse zu der Disziplinierungsmaßnahme geführt. Die Forderungen der Führungsspitze sind insgesamt konservativ und geradezu altmodisch: Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und unbedingter Gehorsam zeichnen demnach den Soldaten der ehrenwerten Gesellschaft aus. Auch die Rituale sind offenbar noch immer von gestern. Zusammen mit den zehn Geboten fanden die Ermittler ein kleines Heiligenbild mit dem archaischen Aufnahmeschwur der sizilianischen Mafia darauf: "Ich schwöre, der Cosa Nostra treu zu sein. Wenn ich untreu werden sollte, soll mein Fleisch verbrennen, so wie dieses Bild verbrennt." Das zehnte und letzte Gebot legt fest, wer auf keinen Fall der Cosa Nostra angehören kann: Dies sind neben Männern, die Angehörige bei den Sicherheitskräften haben, vor allem jene, die sich "schlecht verhalten und sich nicht an moralische Werte halten". DIE ZEHN GEBOTE DER MAFIA: 1. "Man stellt sich unseren Freunden nicht allein vor - dies geht nur über die Vermittlung eines Dritten."
2. "Lass die Finger von den Ehefrauen unserer Freunde."
3. "Wir machen keine Geschäfte mit den Bullen."
4. "Wir besuchen weder Tavernen noch Klubs."
5. "Es ist Pflicht, der Cosa Nostra jederzeit zur Verfügung zu stehen. Auch wenn die Frau kurz vor der Entbindung steht."
6. "Verabredungen werden kategorisch eingehalten."
7. "Die Ehefrau muss respektiert werden."
8. "Wenn man nach etwas gefragt wird, was man weiß, muss man die Wahrheit sagen."
9. Es ist verboten, sich Gelder anzueignen, die anderen oder anderen Familien gehören.
10. Wer nicht der Cosa Nostra angehören kann: - Wer einen engen Angehörigen bei den Sicherheitskräften hat - Wer Fälle von Untreue in der Familie hat - Wer sich schlecht verhält - und sich nicht an moralische Werte hält.
Quelle: La Repubblica
Aus: "FUND BEI VERHAFTUNG: Polizei entdeckt die zehn Gebote der Mafia" Von Annette Langer (09. November 2007) Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,516480,00.html
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« Reply #13 on: November 14, 2007, 10:59:56 AM » |
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[...] Die Kameras wurden in Turnhallen, Cafeterias, Gängen, Spielplätzen und Eingangsbereichen aufgestellt. Die Klassenzimmer sind noch überwachungsfrei, um die Privatsphäre zu wahren, noch wird auch kein Ton aufgenommen. Die Bilder werden einen Monat lang gespeichert. Die Polizei kann auf den Laptops gleichzeitig 16 verschiedene Kameras beobachten. "Ein Polizeioffizier hat", sagt der Polizeichef stolz, "17 Augen an vielen Orten." Für den Schuldirektor haben die Kameras auch noch einen weiteren Zweck. Weil die Bilder mit der Zeitangabe für einen Monat gespeichert werden, sollen sie nicht nur kriminelles, sondern auch schlechtes Verhalten abschrecken.
Aus: "Überwachungskameras in US-Schulen direkt mit der Polizei verbunden" fr/Telepolis (13.11.2007) Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/98890
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Textaris(txt*bot)
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« Reply #14 on: November 21, 2007, 10:05:41 AM » |
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[...] Wir leben längst in einer "therapeutischen Sicherheitsgesellschaft", wie der Soziologe Wolfgang Sofsky die kritiklose Haltung des Bürgers gegenüber dieser Form von staatlicher Gängelung in seinem Buch "Die Verteidigung des Privaten" nennt. Die Gesellschaft selbst verstärkt die Verbotspolitik des Staates noch, indem sie selbst die Dinge, die Spaß machen, zum Problem erklärt. Sie selbst versucht, sich zu optimieren, jeden Aspekt des persönlichen Lebens, selbst die Freizeitgestaltung, effizient zu gestalten.
Weil umgekehrt jeder seinen Platz in der Gesellschaft will, glaubt der Staat, er müsse jedem einzelnen seinen Platz zuweisen und die Einhaltung der Norm durch Verbote kontrollieren. Selbstbestimmung ist zunehmend weniger gefragt - und, so Sofsky, auch immer weniger gewollt, schließlich bevorzugen viele Menschen die "bequeme Unselbständigkeit. Sie lassen andere für sich sprechen, denken und handeln und ziehen sich in den Käfig der Passivität zurück". Platz für Ausschweifungen oder gar Exzesse ist im Leben des standardisierten Normalbürgers natürlich nicht.
Die werden stellvertretend von Prominenten durchlebt: Britney Spears, Lindsay Lohan, Amy Winehouse, Pete Doherty, Ben Becker - die Liste ist lang. An deren Zigaretten, drogen- und alkoholgetränkten Entgleisungen ergötzt sich der vernunftssedierte Bürger - mit gebührendem Sicherheitsabstand, versteht sich.
[...] "Mit einem Lebensgefühl hat das nichts zu tun", sagt Sofsky, "eher mit einer Disziplinierung, die in die Körper hineinregiert". Es handelt sich also, im Foucaultschen Sinne, um eine körperpolitische Maßnahme der Macht, mit dem Ziel, das zivile Leben zu vereinnahmen, es zu verwalten und zu kontrollieren.
Doch die staatliche Gängelung ist höchst willkommen. Statt Widerstand herrscht allgemeines Einverstandensein. Jens Jessen deutete den von oben verordneten Tugendterror in einem Essay in der "Zeit" als "autoagressives Moment", innerhalb dessen "der Staat nur Agent der Gesellschaft" sei. Doch die neue Lust am Verbot geht noch weiter: Gesetzestreue wird plötzlich als zivilisatorischer Zugewinn gefeiert, wie der "Stern" jüngst in einer Anti-Rauchen-Titelgeschichte feststellte.
Sofsky bleibt bei seinem Modell der therapeutischen Sicherheitsgesellschaft: "Als standardisierte Untertanen werden wir nur noch alkoholfreie Getränke ohne Zucker - und ohne Geschmack - zu uns nehmen, selbstverständlich nicht rauchen. Wir werden uns in die Augen sehen und fragen: Wo ist der Rausch geblieben?" Der Traum jeder Herrschaft von der Berechenbarkeit des Menschen, so Sofsky, wäre damit wahr geworden, das verwaltungsmäßige Optimum erreicht.
Und wir? Wir werden, geblendet von den Suchscheinwerfern der staatlichen Überwachungshelikopter, die permanent über uns kreisen, ein Buch aufschlagen, sagen wir, Thomas Manns "Zauberberg". Darin werden wir mit steigendem Unverständnis Zeilen lesen wie diese: "Ich verstehe nicht, wie jemand nicht rauchen kann, - er bringt sich doch, sozusagen, um des Lebens bestes Teil und jedenfalls um ein ganz eminentes Vergnügen! Wenn ich aufwache, so freue ich mich, dass ich tagsüber werde rauchen dürfen, und wenn ich esse, so freue ich mich wieder darauf, ja ich kann sagen, dass ich eigentlich bloß esse, um rauchen zu können."
Aus: "VERBOTSHYSTERIE: Die Lust steht auf der Kippe" Von Jenny Hoch (20. November 2007) Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,517400,00.html
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