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« Reply #90 on: October 12, 2010, 11:30:53 AM » |
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[...] Während zu Antisemitismus und Homophobie belastbares Zahlenmaterial vorliegt, ist das beim Reizthema Deutschenfeindlichkeit nicht der Fall. Ein vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen erstellter Bericht will Hinweise auf deutschenfeindliche Haltungen jugendlicher Migranten mit islamischen Inhalt erkannt haben. Eine im Auftrag des Bundesinnenministeriums erstellte Studie konnte dafür allerdings keine Hinweise finden.
Die aktuelle Debatte wird auch nicht von Empirie sondern von einer Stimmungspolitik geleitet, wie sie die FAZ auch dem bayerischen Ministerpräsident Seehofer bei seinen Einlassungen zur Einwanderungspolitik attestiert hat. Nur werden diese Stimmungen heute längst nicht nur von Konservativen bedient. Spätestens seit der Sarrazin-Debatte will sich niemand nachsagen lassen, linken Träumereien nachzuhängen, ein Gutmensch zu sein oder gar Tabus zu haben.
...
Aus: "Die Deutschen als Opfer" Peter Nowak (12.10.2010) Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33478/1.html-.- [...] Es liegt ein Hauch von Panik in der Luft, als die Lehrerin endlich zu sprechen beginnt. Sie schluckt. Sie sagt: »Ich bekomme immer mehr Ehrfurcht und Respekt vor diesem Thema.« Dieses Thema, das ist die »sogenannte Deutschenfeindlichkeit« ihrer türkisch- und arabischstämmigen Schüler. Kein Wunder, dass die Lehrerin so beklommen ist. Nur zwei Straßen entfernt vom Tagungsort hetzt der Rechtspopulist Geert Wilders gegen Muslime, die angeblich Deutschland durch Masseneinwanderung unterwerfen wollen. Die Lehrerin, die ihr halbes Leben an einer Schule in Neukölln verbracht hat, will mit der politisierenden Islamophobie nichts zu tun haben. Dies hier ist eine Veranstaltung des multikulturellen Ausschusses der linken Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die Furcht, eine ohnehin schon hysterische Debatte noch weiter anzuheizen, füllt den Raum. Zwei Mitglieder des GEW-Ausschusses für multikulturelle Angelegenheiten, Andrea Posor und Christian Meyer, hatten in einem Artikel für die Berliner Lehrerzeitung Alarm geschlagen, in den zunehmend segregierten Schulen verstärke sich das Mobbing gegen deutsche Schüler. Dieser bereits vor einem Jahr erschienene Hilferuf löste so heftige Diskussionen unter den Lehrern aus, dass man sich, wenn auch unter großen ideologischen Bauchschmerzen, entschloss, eine Tagung zum Thema einzuberufen. Alles selbstverständlich hochseriös, abgesichert mit Rassismusexperten, Migrantenvertretern, Bildungsforschern. Zu groß ist die Angst, selbst unter Rassismusverdacht zu geraten. Aber am Ende schaut dann eben alles auf diese Frau, die von der Pöbelei berichtet, der deutsche Schüler – und Lehrer – ausgesetzt sind. Sie lehrt seit mehr als zwanzig Jahren an der Otto-Hahn-Gesamtschule im Stadtteil Neukölln und heißt Mechthild Unverzagt. »Ist ja irre, dass die auch noch diesen Nachnamen hat«, flachst ein Lehrerkollege in der hintersten Reihe vor lauter Anspannung. Dann redet Frau Unverzagt, und sofort wird es leise im vollen Tagungsraum des Berliner GEW-Hauses. Sie spricht von »Ghettoisierungstendenzen« in Neukölln, einem sogenannten »A-Bezirk« (»A« für Alte, Arbeitslose, Ausländer, Alleinerziehende). An ihrer Schule seien über 80 Prozent der Kinder »nichtdeutscher Herkunftssprache«, die große Mehrheit davon türkisch- oder arabischstämmig. Fast alle Familien seien arm, viele zerrüttet. Die türkischen und arabischen Schüler seien tonangebend in ihrer Respektlosigkeit gegenüber Lehrern. Sie bekämen dafür Anerkennung unter ihresgleichen und stärkten so ihr Selbstwertgefühl: »Wenn es bei uns mal sogenannten Unterricht gibt, erleben sie Misserfolge. Also tun sie alles, um ihn zu sabotieren.« Die deutschen Kinder hätten als kleine Minderheit »alle Qualitäten, die ein Opfer haben muss«. Sie müssten lernen, »sich unsichtbar zu machen«. Sie wollten während der Pausen nicht mehr auf den Schulhof, weil draußen nur ein Spießrutenlauf mit Beschimpfungen und Drohungen auf sie warte. Nicht nur deutsche, auch leistungsbereite türkische und arabische Schüler würden von den Wortführern niedergemacht. Ein türkischer Junge, der zu den guten Schülern zähle, werde als »schwul« beschimpft: »Jeder, der irgendwas erreichen will in der Schule, ist der Gegner. Es wird alles gemobbt, was anders ist.« Auch sie selber ist in demütigender und sexistischer Weise angemacht worden. Es dauert eine Weile, bis die Teilnehmer sich nach Unverzagts Schilderungen fangen. An diesem Samstagmorgen kann man erleben, wie schwer es manchen Linken immer noch fällt, offen von den Konflikten des Einwanderungslandes zu reden. Eine Professorin für Rassismusforschung versucht nachzuweisen, dass die »strukturell benachteiligten Schüler« türkischer oder arabischer Herkunft per definitionem nicht zum Rassismus fähig seien, weil sie ja eine machtlose Minderheit darstellten. Nach dem Bericht von Mechthild Unverzagt wirkt das einigermaßen bizarr. »Diese Kinder waren noch nie in einer Minderheitensituation«, erwidert die Lehrerin. Vielleicht liegt ja darin das Problem. Christian Meyer, selber Lehrer an der Hector-Peterson-Gesamtschule in Kreuzberg und einer der beiden Autoren des Artikels, der die Debatte ins Rollen brachte, spricht von der »doppelten Segregationsfalle«: Nicht nur die Deutschen ziehen aus den »A-Bezirken« weg, sondern auch die bildungsbewussten Migranten. Die verbliebenen Schüler »kompensieren Frustrationen und Perspektivlosigkeit durch Macho-Gehabe«. Sie definierten sich stolz als Nichtdeutsche und blickten verachtend auf Deutsche als Ungläubige, »Schweinefleischfresser« und – wenn es sich um Mädchen handelt – »Schlampen«. Die trotzige Selbstausgrenzung von Losern, die sich an noch Schwächeren abarbeiten, ist für sich nichts Neues – nur dass die Schwächeren jetzt in manchen Berliner Kiezen Deutsche sind. Jagen nicht anderswo deutsche Rechtsradikale Juden, Linke und alles irgendwie Fremde? Mancher bei der Tagung neigt dazu, die Sache allzu schnell wegzuerklären. Bei dem Verhalten der Jugendlichen müsse es sich wohl um die »Rückgabe erlebter eigener Diskriminierung« handeln, sagt ein Teilnehmer. Sofort sind Beispiele zur Hand, bei denen Mädchen mit Kopftüchern diskriminiert und arabische Jungs nicht in die Disco gelassen werden. Ein Teilnehmer fordert daraufhin mehr »Lehrer mit Migrationshintergrund«, andere verlangen eine Nachschulung der Pädagogen in »interkultureller Kompetenz«, ergänzt um die Möglichkeit für »ausgebrannte Kollegen, sich früh pensionieren zu lassen«. Und auf einmal wendet sich der Verdacht gegen die Lehrer, die von ihrer Ohnmacht erzählt hatten: Sind sie einfach zu wenig »kultursensibel«? Christian Meyer lässt das nicht auf sich sitzen. Seit über 30 Jahren ist er an der Schule in Kreuzberg, und er hat einen »interkulturellen Kalender« produziert, der die Feste aller Religionen verzeichnet: »Wir haben Türkischunterricht, wir machen Fahrten in die Türkei, Lehrer haben Türkisch gelernt. Gegen die Segregation kommen wir aber mit mehr Interkulturalität alleine nicht an.« Meyer macht sich Sorgen, dass neuerdings die religiöse Differenz zunehmend zur Selbststigmatisierung benutzt wird. Und er möchte, dass gerade diejenigen verstehen, wie alarmierend das ist, die sich für die Integration des Islams einsetzen. Wenn die Religion zum Mittel der Abgrenzung wird, spielt das am Ende gerade denjenigen in die Hände, die sich darin einig sind, dass der Islam mit westlichen Werten unvereinbar sei: Hasspredigern und Islamophoben. Das Unbehagen, Deutsche als Opfer von Diskriminierung zu thematisieren, bleibt bei der Tagung bis zum Ende. Mechthild Unverzagt sagt schließlich fast reumütig, sie wolle den politisierten Begriff der Deutschenfeindlichkeit »nicht mehr hören«. Sie will sich nicht vor den Karren der Demagogen spannen lassen, die auch ohne Kenntnis der Verhältnisse per Ferndiagnose schon »den Islam« als Ursache ausgemacht haben. Aber sie möchte doch, dass man zur Kenntnis nimmt, dass ausgerechnet sie, die engagierte Lehrerin, den Hass der Verlierer abbekommt, der dieser Gesellschaft im Ganzen gilt. Was tun? Gewerkschafter sind nie lange verlegen, Rezepte gegen Benachteiligung zu formulieren. Eine bessere Schule, ganztags und mit mehr Ausstattung, wurde dann auch gefordert, neue Unterrichtsformen, interreligiös ausgebildete Lehrer, eine größere soziale Mischung. Also genau das, was an der einst als hoffnungslos geltenden Rütli-Schule die Wende gebracht hat. »Es ist ein Verbrechen, wie das Potenzial dieser Kinder verschwendet wird«, sagte Mechthild Unverzagt, so als müsse sie noch einmal klarstellen, dass die Schüler nicht ihre Gegner sind. »Wir brauchen eine Lobby«, sagt sie fast flehend. Für Lehrer wie Mechthild Unverzagt und Christian Meyer ist es wichtig, in der Öffentlichkeit Gehör zu finden. Sie fühlen sich alleingelassen. Sie brauchen keine Belehrung über die sozialen Ursachen des Mobbings, dem sie und andere ausgesetzt sind. Sie brauchen die Anerkennung, dass bestimmte Verhaltensweisen inakzeptabel sind, auch unter schlimmsten Bedingungen. Und so sind sie am Ende erleichtert, dass die Gewerkschaft die Angst vor der eigenen Courage überwunden hat. Den Kampf mit der neu erstarkenden Rechten in Deutschland und Europa kann man auch so sehen: Wenn dieses Land eine Linke hat, die den öffentlichen Raum gegen jeden Rassismus verteidigt – auch den von Nichtdeutschen –, haben Rechtspopulisten ein Thema weniger. * 12.10.2010 um 7:20 Uhr * claviger
Politische Prinzipien
Ich teile die Einschätzung von Frau Unverzagt. Und ich hoffe, dass Sie entweder den Beruf oder den Ort wechselt. Einwanderung bedeutet, dass sich Stadtteile ändern - und dass man nicht mehr mit der gleichen Rhetorik fortfahren kann. Ein Blick nach USA reicht. Ich wünsche wir von Herzen Mut und - ganz offen - Bedacht, Umsicht, auch um ihr eigenes Lebensglück.
Ich teile aber nicht Laus Einschätzung, man könne diese Debatte zu Ungunsten der Linken führen: "Wenn dieses Land eine Linke hat, die den öffentlichen Raum gegen jeden Rassismus verteidigt – auch den von Nichtdeutschen –, haben Rechtspopulisten ein Thema weniger."
Was möchte er mir damit sagen? Etwa, dass jetzt die Nicht-Linken kommen, um aufzuräumen? Mit Verlaub: Noch waren die CDU und FDP die am längsten regierenden Parteien seit Kohl. Sie haben größtenteils versagt, will ich meinen. Diese öffentliche Verdrehung der politischen Tatsachen und Hetze gegen ein politisches Lager (das ich nicht unterstütze: es geht um politische Prinzipien), finde ich bedenklich, weil die größten liberalen Zeitungen (Die Zeit, FAZ) auf eine beängstigende Weise gleichgeschaltet argumentieren.
Meines Erachtens sollte man die Integrations- und Einwanderungsdebatte ohne die Christ-Demokraten führen. Die ganze Debatte ist hochreligiös geworden. Das führt zu nichts als Hass und Ausgrenzung.
* 12.10.2010 um 7:30 Uhr * claviger
Wir haben kein Verfahren für die Armen
Die Liberalen wollen nicht anerkennen, dass wir ein Armen- und Unterschichtenproblem in den betroffenen Gegenden haben. Sie sehen: Einwanderung führt zu Zunahme der Armenschicht. Sie argumentieren: Es gibt kein Armenschichtproblem in unserer Gesellschaft. Wir haben ein Problem mit bestimmten Einwanderungskulturen.
Anstatt ökonomische Antworten zu liefern, verständigt man sich darauf Christentum und Deutschtum zu predigen.
Als leitender Teil des politischen Betriebes - kann ich bloß sagen, dass die Verwaltungen - von den Politikern ganz zu schweigen -, kein Konzept für den Umgang mit den Armen- und Unterschichtsvierteln haben. In Berlin gut zu erkennen. Dort werden allenfalls Wohnungen künstlich aufgewertet, um die Armen in noch ärmere Gegenden ziehen zu lassen.
Eine Frau Unverzagts Klagen bleiben für gewöhnlich ungehört. Ich selbst musste, aus formalen Gründen, ähnliche Klagen bereits zurückweisen. Wir, in der Verwaltung, hatten einfach kein Verfahren für Probleme wie diese.
* 12.10.2010 um 7:35 Uhr * Infamia
Noch so ein Käsethema
Wie wäre es, wenn wir uns einfach darauf einigen können, das Mobbing ein generelles Problem in Schulen (und auch am Arbeitsplatz) ist? Der Verweis, wer hier wen mobbt ist mir relativ schnuppe und ich ahne schon, dass dieses spezielle Mobbingthema schon sehr schnell wieder die auf den Plan ruft, die sagen, sie hätten ja schon immer gewusst, das Migranten das Problem sind.
* 12.10.2010 um 7:48 Uhr * Peter Weins
Hört auf engagierte Lehrer vor Ort!
Meiner Meinung nach sind die Ursachen für das inakzeptable Mobbingverhalten von Frau Unverzagt sehr gut beschrieben. Hier suchen Kinder und Jugendliche nach Anerkennung und mehr Selbstwert innerhalb einer Gruppe von Menschen, mit denen sie sich identifizieren können. Das Mobbingverhalten hier ist eine der Antworten, die Kinder und Jugendliche auf ihre Lebensverhältnisse geben. Die Nationalität oder Religion spielt dabei unter den beschriebenen Bedingungen keine wesentliche Rolle.
Änderungen können auf mindestens 2 Arten gelingen: Entweder verändert man die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen oder man versucht das Spektrum ihrer Antwortmöglichkeiten zu verändern bzw. zu erweitern. Beides ist mit einem großen Aufwand verbunden, der sich aber als Investition in unsere Zukunft immer lohnt!
Ich habe den allergrößten Respekt vor KollegInnen wie Frau Unverzagt!!! Letztendlich muss sie täglich das Kunststück fertig bringen, mit den Konsequenzen dessen umzugehen, was an anderer Stelle falsch läuft. Dabei nicht zu verzweifeln und nicht eilig auf den Zug der Demagogen, wie Wilders und CO., aufzuspringen, ist eine sehr große Leistung.
* 12.10.2010 um 8:01 Uhr * maddus
"Deutschenfeindlichkeit"
Diese Dachzeile verwirrt mich etwas. Sind nicht die allermeisten Mobber selbst Deutsche? Macht "Deutschenfeindlichkeit" dann überhaupt Sinn? Oder warum werden Deutsche(!) mit Migrationshintergrund nicht als Deutsche wahrgenommen? Vor allem gibt es aber an jeder Schule Mobbing. Wieso wird jetzt aus jedem Problem ein Einwanderungsproblem gemacht?
* 12.10.2010 um 8:32 Uhr * Tieftraurig
Rassismus an sich
Zu der Darstellung der hier genannten Migranten möchte ich nur folgendes loswerden:
Alle Rassisten sind Arschlöcher. Überall.
Ihr Verhalten macht sie genau so verabscheuungswürdig wie das deutsche Pendant mit dem Aussehen (und IQ) einer Billardkugel vom rechten Rand. Es macht keinen Unterschied, wer wen unterdrückt, mobbt oder sonst etwas. Es ist alles der gleiche Schlag Mensch, der sich für etwas besseres hält und andere deshalb unterdrückt, weil er/sie nicht so ist wie er selbst.
* 12.10.2010 um 8:48 Uhr * wulewuu
Mobbing
Ganz genau dasselbe Mobbing habe ich schon vor vielen Jahren gegenüber türkischen Kindern und Jugendlichen von Seiten deutschstämmiger Kinder und Jugendlicher erlebt. Grundsätzlich wurde jeder Türke als "du scheiß Kümmeltürke" bezeichnet.
Grundsätzlich hat das Lehrerkollegium einer Schule, in der gemobbte Kinder leiden, sofort und mit allen Mitteln einzugreifen. Das beginnt mit einer gut organisierten, straffen Aufsicht auf dem Schulhof, mit dem Herausholen der Mobber aus ihrer Gruppe, mit unangenehmen Gesprächen etc. etc. für die in der Regel wenigen Anführer.
Mein jüngster Sohn, ein Mischling, wurde in zwei öffentlichen Schulen im Elsaß derart gemobbt, wobei das Lehrerkollegium nichts gegen die Mobber unternahm, dass er sich weigerte, in die Schule zu gehen. Er hat daraufhin das Schuljahr nachholen müssen. Wir haben ihn auf eine katholische Privatschule geschickt, wo von der Rektorin und dem Lehrerkollegium jegliches Mobben sofort geahndet wird. Hier fühlt er sich gut aufgehoben, entwickelt sich glücklich, hat sehr gute Noten.
Ich hoffe, dass die jetzt so entsetzten Berliner Lehrer lernen, jegliches Mobbing, von gleich welcher Seite, zu unterbinden. Dies kann man, wenn man will!
Traurig, dass das Thema Mobbing erst dann in die Schlagzeilen gerät, wenn es um die eigenen Kinder und nicht um die Kinder der anderen geht.
* 12.10.2010 um 8:58 Uhr * lonetal
Ghettoisierung
/Zitat Sie spricht von »Ghettoisierungstendenzen« in Neukölln, einem sogenannten »A-Bezirk« (»A« für Alte, Arbeitslose, Ausländer, Alleinerziehende). An ihrer Schule seien über 80 Prozent der Kinder »nichtdeutscher Herkunftssprache«, die große Mehrheit davon türkisch- oder arabischstämmig. Zitat/
Die Frage lautet nicht, was tun wir gegen den Islam, wie verhindern wir Rassismus und/oder Deutschenfeindlichlichkeit. Die Frag lautet, wie verhindern wir Ghettoisierung.
Und davor stehen wir alle ratlos in der Gegend. Wir haben noch nicht einmal das Problem erkannt.
* 12.10.2010 um 9:34 Uhr * gerthans
Liegt es nur an zu wenig Disziplin und Respekt?
vascorossi schreibt:
"Man kann das Problem unter dem Aspekt Einwanderung oder Islam behandeln. Doch zielführend ist das nicht. Diese Missstände sind das Resultat einer Erziehung, die auf Tugenden wie Respekt und Disziplin keinen Wert mehr legt."
Sie machen für die im obigen Artikel beschriebenen Missstände einen Mangel an Respekt und Disziplin in der Erziehung verantwortlich. Wahrscheinlich stammen aber die muslimischen Jugendlichen, die mobben, aus autoritären patriarchalischen Elternhäusern, in denen "Disziplin" und "Respekt" durchaus eine starke Rolle spielen. Und ein Blick auf den Islam scheint mir durchaus zielführend zu sein: Jörg Laus Artikel trägt die Dachzeile "Schweinefesser" und liefert damit ein wichtiges Stichwort: das Mobben fließt aus religiösem Überlegenheitsgefühl, denn die Opfer werden so beschimpft, weil sie eines der Tabus des Islam, den Verzehr von Schweinefleisch, missachten.
* 12.10.2010 um 10:23 Uhr * MAYY
hmmmmm...aber...
was ist mit denen die Ausländer wahllos verprügeln, verbrennen und beschimpfen????
* 12.10.2010 um 10:25 Uhr * Chaotica
Es geht nicht um...
Deutsche, Türken oder sonstwen.
Kinder und Jugendliche haben sich schon immer abgegrenzt und werden das auch immer tun. Wenn's nicht "die Koreaner" sind, dann eben "die Kurzbeinigen", "die Langhaarigen", "die Linkshänder" oder welches Kriterium auch immer gerade greifbar ist. Wichtiger wäre also eine Umgebung zu schaffen in der Kinder und Jugendliche ihre eigene Identität entwickeln dürfen ohne auf Mobbing welcher Art auch immer zurückgreifen zu müssen. Ich behaupte, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Anpassungsdruck im Schulsystem und der Zahl der Mobbingvorfälle gibt.
Uns sollte vor allem dieser Satz in dem Artikel sehr nachdenklich machen: "Jeder, der irgendwas erreichen will in der Schule, ist der Gegner."
* 12.10.2010 um 10:33 Uhr * th
39. Ja dann tut doch was!
Anstatt Leute moralisierend niederzumachen, welche die Probleme, wenn auch in etwas hysterischem oder demagogischem Tonfall, ansprechen.
Der "politische Betrieb" ist doch kein Selbstzweck!
Mir scheint, ein großes Problem der sog. "Linken" ist, dass zuviel darüber nachgedacht wird, wie die Welt einzurichten bzw. zu verbessern sei, und zuwenig darüber, wer die Bude aufräumt, den Abwasch macht und den Müll runterträgt.
Im Zweifelsfall beschließt man "symbolische" Gesetze, die man gar nicht durchsetzen kan oder will, um "Zeichen zu setzen", u.ä., stellt Blumenkästen "für die Bevölkerung" im Bundestag auf, um die Konservativen zu ärgern, versagt aber bei der einfachen Aufgabe, Flüchtlingen aus Iran oder Bangladesh mit Ingenieursdiplom eine deutsche Äquivalenz oder falls nötig eine Zusatzausbildung zu verschaffen, um sie hier einzugliedern. Und gegen die Klimaprobleme verbietet man Glühbirnen.
Man demonstriert großartig "gegen rechts" - aber wo ist der Untersuchungsausschuss, der den Fall Oury Djallo untersucht - was dort tatsächlich schiefgelaufen ist, und wie man dafür sorgen kann, dass so etwas nie wieder vorkommt? Die Justiz hat es ja bekanntlich nicht geschafft, den Fall aufzuklären.
Dieses theatralische Getue macht sich irgendwann selbst lächerlich.
"Eine Frau Unverzagts Klagen bleiben für gewöhnlich ungehört. Ich selbst musste, aus formalen Gründen, ähnliche Klagen bereits zurückweisen. Wir, in der Verwaltung, hatten einfach kein Verfahren für Probleme wie diese."
* 12.10.2010 um 12:16 Uhr * politikverdrossen Fehlverhalten nicht nur an Schulen Das gibt es auch im Berufsleben in schlecht geführten Betrieben. Leider! Deutsche gegen Deutsche, Türken gegen Deutsche, Deutsche gegen Türken, Türken gegen Türken, etc.! * 12.10.2010 um 11:18 Uhr * Chaotica
Kulturell bedingtes Mobbing?
... So zu tun, als wären einige Kulturen über dieses Phänomen erhaben oder andere anfälliger dafür, ist nicht nur an den Haaren herbeigezogen, sondern trägt seinerseits dazu bei Öl ins Feuer zu gießen.
Aus: "Deutschenfeindlichkeit: "Schweinefresser"" Von Jörg Lau (8.10.2010) Quelle: http://www.zeit.de/2010/41/Schule-Mobbing-Gewalt-.- ... 12. Oktober 2010 21:34 Feindseligkeit oder -bild? Schönreden einer falschen Verallgemeinerung Alex Kloss, Alex Kloss (mehr als 1000 Beiträge seit 22.07.04)
Geht es hier wirklich um Feindseligkeit, oder darum die falsche Verallgemeinerung, die sich aus dem Feindbild "Türken" ergibt, schön zu reden?
Ich kenne sowohl nette und unfreundliche Leute aus ganz verschiedenen Nationen. Integration ist für manche Deutsche ein größeres Problem als für angepaßte Immigranten.
Wenn man Menschen in einen Topf wirft, macht man immer einen Fehler, unabhängig davon, ob das Etikett jetzt biologisch, ethisch oder sozial begründet erscheint. Wer den Leuten freundlich und offen gegenübertritt, kann wenigstens sicher sein, dass es nicht an ihm liegt, wenn er angefeindet wird.
Wer das nicht glaubt, soll in den nächsten Dönerladen gehen, wenn wenig los ist und die Bedienung bitten, zusammen mit ihm einen Tee zu trinken. Beim unweigerlich folgenden Gespräch wird sich herausstellen, dass diese Leute eigentlich auch nur einigermaßen über die Runden kommen wollen und ziemlich ähnliche Probleme hat wie wir auch.
Gruß, Alex
"Die kalte Schulter der Deutschen" Thomas Pany (12.10.2010) Quelle: http://www.heise.de/tp/blogs/8/148551-.- [...] Mehr als ein Drittel der Deutschen meint, ein Deutschland ohne Islam wäre besser. Kein Wunder nach all der emotionalen Aufstachelung und Wiederholungen von Stereotypen, die nur einen kleineren Teil der Muslime charakterisieren, ist es, dass die Islamfeindlichkeit in Deutschland zunimmt. Man kann derzeit bei der Entstehung einer von Brandstiftern geschürten Meinung zusehen, die sich wie beim Faschismus ihre Sündenböcke in einer Zeit aussucht, die nach ganz anderen Problemlösungen verlangt als der Bildung einer homogenen Gesellschaft durch Fremdenfeindlichkeit oder der Ablehnung einer Minderheit. Die Erregungspolitik verweigert sich konkreten Verbesserungen und Veränderungen, sie denkt im Prinzip, dass das vermeintliche Problem, der beschworene Untergang des Abendlandes oder Deutschlands, durch Elimination der "Schädlinge" gelöst werden muss. Besonders seitdem die Rechten in Deutschland vom Antisemitismus und einer allgemeinen Ausländerfeindlichkeit auf pauschalen Antiislamismus umgeschaltet haben, scheinen sich die Reihen zu schließen, auf denen dann Menschen wie Sarrazin schwimmen, die sich offenbar keinerlei Gedanken machen, was sie bewirken, wenn sie durch das Spielen mit der Angst und primitiven Pauschalisierungen die Mehrheit gegen Minderheiten scharf machen. Nach einer von Report Mainz in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage von Infratest dimap, haben 37 Prozent der Befragten der Aussage zugestimmt: "Ein Deutschland ohne Islam wäre besser." 44 Prozent sind der Ansicht, dass man sich seit Sarrazins Buch eher trauen kann, "den Islam offener zu kritisieren". Und mehr als ein Drittel macht sich "große Sorgen, dass sich der Islam in unserer Gesellschaft zu stark ausbreitet". Ausgerechnet in einer Zeit, in der mehr Muslime auswandern als einwandern, und in der vor allem die besser gebildeten auswandern, während der Fachkräftemangel zunimmt, Deutschland also um Einwanderer werben müsste, um seinen Lebensstandard zu halten. Was sich überall in Foren - auch bei Telepolis - beobachten lässt, sind die Muslimphobiker höchst hysterisch und von Hass erfüllt, der sich offenbar jenseits aller Gepflogenheiten entladen muss, die in einer demokratischen Gesellschaft notwendig wären, um diskursiv, argumentativ und ohne Gewalt, also vernünftig, zu mehrheitsfähigen Entscheidungen kommen zu können. Auch Report Mainz berichtet, der Redaktion lägen zahlreiche Hass- und Drohmails an Wissenschaftler vor. Die angeblichen Schützer der demokratischen Gesellschaft der westlichen Kultur erweisen sich praktisch als die Verächter der Toleranz, der Menschenrechte und des argumentativen Diskurses und gleichen darin den fundamentalistischen Muslimen, die auch nur unter sich bleiben wollen und nicht die Vernunft, sondern nur überkommenen Traditionen und reaktionären Geistlichen vertrauen. Report Mainz verweist auch auf eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, die am Mittwoch veröffentlicht wird. Aus dieser gehe hervor, dass die Islamfeindlichkeit in Deutschland erheblich zugenommen habe. Der wissenschaftliche Leiter der Studie, Dr. Oliver Decker von der Universität Leipzig, konstatiert eine "deutlichen Zunahme an islamfeindlicher Einstellung". Die Menschen würden leichter Ressentiments äußern. Die Hemmschwelle scheint zu fallen, je öfter und lauter die Brandstifter werden, die mehr und mehr auch die Politiker wie den bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer dazu führen, auf diese Stimmung zum Machterhalt zu setzen. Allerdings ist auch interessant, wer in der Infratest-dimap-Umfrage stärker zum Antiislamismus neigt. Es sind stärker die Nicht-Berufstätigen, also vermutlich die Rentner und Arbeitslosen, die Geringverdiener mit einem monatlichen Einkommen unter 1500 Euro, die Wähler der Union, die Nichtwähler oder die "Sonstigen". Die Ostdeutschen stimmen eher der Aussage zu, dass ein Deutschland ohne Islam besser wäre, obgleich die Westdeutschen deutlich länger Erfahrung mit muslimischen Einwanderern haben. Das weist auf die bekannte Tatsache hin, dass oft die Ängste dort am größten sind, wo man am wenigsten Kontakt mit bestimmten Phänomenen hat. Sarrazin, Broder, Wilders und Co. können auch darauf setzen, dass sie am ehesten die Menschen erreichen, die über 60 Jahre alt sind. Antiislamismus ist jedenfalls keine Jugendbewegung. Offenbar sind für diesen auch eher die Männer anfällig, die, besonders im Alter über 60, für die Emanzipation der muslimischen und allgemein für die Gleichberechtigung der Frauen eintreten. Wenig verwunderlich ist auch, dass mit steigender Bildung der Hang zum Ressentiment oder zum Islamhass abnimmt. Da müssten sich einmal die Antiislamisten fragen, wie es um die genetische Verteilung der Intelligenz steht, die Sarrazin aufgeworfen hat. 12. Oktober 2010 08:48 Deutschland ohne Religion wäre besser TheBug (mehr als 1000 Beiträge seit 08.05.00)
Wir wollen da mal keine Einzelrichtung der Esoterik diskriminieren.
12. Oktober 2010 09:49
Türken sogar noch unbeliebter als Juden und Neger
Chrysophylax
Schreibt heute die SZ auf ihrer Homepage.
Jeder mit zwei Gehirnzellen oder mehr, der unvoreingenommen diese Debatte beobachtet erkennt recht schnell, dass angesichts der bürgerfeindlichen Politik (HRE, S21, H4 etc. pp.) und dem damit verbundenen Abstürzen der "Volksparteien" bei der Gunst der Wähler, mit diesem Thema ein gewaltiges Ablenkungsmanöver inszeniert wird, um eben vor den echten Problemen und dem verbreiteten Politikfilz abzulenken
Für die Deutschen kann man nur hoffen, dass sie diesen schäbigen Trick erkennen, wenn nicht, werden die Führung in Berlin und in den Landeszentralen eben weiter mit den Steuerzahlern Schlitten fahren, dann kann man nur sagen: selbst Schuld.
Aus: "Islamfeindlichkeit in Deutschland nimmt zu" Florian Rötzer (12.10.2010) Quelle: http://www.heise.de/tp/blogs/8/148547
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« Last Edit: October 13, 2010, 09:17:40 AM by Textaris(txt*bot) »
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[...] In zigtausenden Beiträgen in Online-Foren wird inzwischen überwiegend undiffierenzierte und überbordende Kritik an Muslimen geübt. Oft zeigt sich unverhohlener Hass auf alles, was verdächtig ist, islamisch zu sein. Manchmal reicht es, für Sachlichkeit zu plädieren, um geschmäht zu werden.
Wie konnte es dazu kommen? Gibt es in Deutschland tatsächlich ein sattes Potential für xenophobe, rechtspopulistische Einstellungen? Grassiert in dem von Bundespräsident Christian Wulff bei seiner Antrittsrede als "Bunte Republik" bezeichneten Land inzwischen die Islam- und Fremdenfeindlichkeit?
Die Studie der Ebert-Stiftung weist nun darauf hin, dass dies in Teilen zutrifft.
[...] Der nun veröffentlichten Studie zufolge tut sich aber noch weiter rechts ein Abgrund auf: Mehr als jeder Zehnte sehnt sich nach einem "Führer", der "Deutschland zum Wohle aller mit harter Hand regiert", ergab die Umfrage. 65 Jahre nach dem Untergang des nationalsozialistischen Staats und 21 Jahre nach dem Ende der DDR hält jeder Zehnte eine Diktatur für "die bessere Staatsform".
[...] Die als gemeinsames nationales Interesse formulierte ökonomische Rationalität sei zur dominanten Argumentationsfigur geworden und habe die demokratischen Institutionen geschwächt. Es komme nun nicht zu einer "Solidarisierung mit den Marginalisierten und Prekarisierten, sondern die Identifikation mit den Instanzen, die 'zum Wohle aller' gegen 'Fremde' und Sozialschmarotzer' diese Sanktionen verhängt haben".
...
Aus: "Umfrage unter Deutschen Wuchernder Fremdenhass, ersehnte Diktatur" (13.10.2010) Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/umfrage-unter-deutschen-wuchernder-fremdenhass-ersehnte-diktatur-1.1011569-.- [...] Rechtsextremismus und Islamfeindlichkeit sind tief verankert in der gesellschaftlichen Mitte Deutschlands. Das zeigt eine am Mittwoch in Berlin vorgelegte Studie. Besonders gravierend sind die Ergebnisse im Hinblick auf eine steigende Islamfeindlichkeit in Deutschland.
Demnach sprechen sich mit 58,4 Prozent mehr als die Hälfte der Deutschen dafür aus, die Religionsausübung für Muslime erheblich einzuschränken. Im Osten ist diese Zahl dramatisch: Dort schließen sich 75,7 Prozent der Menschen dieser Forderung an. Das sind drei Viertel der befragten Ostdeutschen.
Laut der Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung stimmen 55,4 Prozent der Deutschen der Aussage zu, sie könnten "gut verstehen, dass manchen Leuten Araber unangenehm sind". Das ist ein Anstieg gegenüber 2003 um 11,2 Prozentpunkte. Damals stimmten dieser Aussage bereits 44,2 Prozent der Befragten zu.
In der Studie "Die Mitte in der Krise. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland" haben die Forscher Oliver Decker von der Universität Siegen und Elmar Brähler von der Universität Leipzig 2.411 deutsche Staatsangehörige zwischen 14 und 90 Jahren befragt. Nach der Befragung diagnostizieren die Forscher für das Jahr 2010 einen "Anstieg von dezidiert antidemokratischen und und rassistischen Einstellungen" gegenüber dem Jahr 2008.
[...] Erstmals gefragt wurde, ob die Religionsausübung für Muslime in Deutschland erheblich eingeschränkt werden sollte. 58,4 Prozent stimmten dieser Aussage zu, mit dem Grundgesetz ist sie freilich nicht vereinbar. Im Westen mit 53,9 Prozent etwas weniger, im Osten mit 75,7 Prozent deutlich mehr - obwohl dort deutlich weniger Muslime leben.
Bemerkenswert ist, dass dieser Aussage selbst 55,5 Prozent derjenigen zustimmen, die rechtsextremen Aussagen ansonsten überwiegend ablehnend gegenüberstehen. Die Autoren der Studie sprechen deswegen von einem "modernen Rassismus", der an kulturellen Unterschieden ansetzt und nicht an vermeintlichen genetischen Merkmalen.
...
Aus: "Fanatismus auf dem Vormarsch" Von Ole Reißmann (13.10.2010) Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,722751,00.html-.- [...] Beate Küpper: Eines fällt ja in der aktuellen Islamdebatte durchaus auf: Gerade erst haben wir eine Wirtschaftskrise hinter uns, die die Gesellschaft auf eine harte Probe gestellt hat, und schon folgt eine Debatte über Muslime. Unsere Studien zeigen, dass sich viele Menschen durch die Krise betroffen und bedroht fühlen. Das hätte dazu führen können, dass die Frage nach der Verantwortung der Eliten gestellt wird. Was macht zu dieser Zeit ein Vorstand der Bundesbank? Er schreibt nicht über Banken und Bänker, sondern präsentiert einen "äußeren Feind", gegen den die Abgrenzungsbereitschaft auch vorher schon hoch war. In diesem Zusammenhang wird sehr deutlich: Die populistische Projektion von "Muslimen" wird hier instrumentalisiert. ... # 13.10.2010 17:32 Uhr: von Henrik:
"Eines fällt ja in der aktuellen Islamdebatte durchaus auf: Gerade erst haben wir eine Wirtschaftskrise hinter uns, die die Gesellschaft auf eine harte Probe gestellt hat, und schon folgt eine Debatte über Muslime"
Was ist denn DAS für ein unreflektierter Analyse. In Norwegen, Dänemark, Holland, Frankreich, Belgien und England hat man diesen Themen schon lange diskutiert. Pim Fortuyn wurde 2002 getötet, die Norwegische Vorschrittspartei gewann schon 2003 die Wahlen, die Dänische Volkspartei in 2001 - lange, lange vor die Krise.
Es ist einfach erbärmlich zu behaupten. das die Leute Islamkritsich sind, weil sie keine Muslime kennen. Vielleicht ist es umgekehrt. Je mehr Erfahrungen sie haben - je mehr lenen sie den Islam ab.
13.10.2010 17:21 Uhr: von Polia:
Was sind denn hier unter den Kommentator_innen für rassistische Pfeifen unterwegs?
Ich bin in Neukölln aufgewachsen und lebe jetzt in Kreuzberg. D.h. ich habe seit 22 Jahren ziemlich viel Kontakt zu Muslimen und Leuten, die "aussehen wie welche". Mich hat noch NIE NIE NIE irgendein Muslim verkloppt oder begrapscht oder sonstwas!
Das sind Menschen, die cool und nett sind genau wie andere auch, verdammt.
Ich habe viel mehr Angst vor Leuten, die so üble Kommentare schreiben wie hier, als vor irgendeinem Türken oder Araber.
REDET doch mal mit denen, lernt sie kennen, lächelt sie an, keine Ahnung, aber verschanzt Euch nicht hinter euren Scheiß-Sarrazin-Büchern.
# 13.10.2010 16:52 Uhr: von Noa:
Es nicht so, dass alle, die sich derzeit über Muslime beklagen, dumm, rassistisch und uninformiert wären. Die Menschen gehen einfach mit offenen Augen und wachem Verstand durch die Straßen und merken, hier stimmt was nicht! Ich kenne einige Türken, die sehr gut gebildet und interkulturell qualifiziert sind und somit eine wahre Bereicherung für Deutschland sind. Wäre doch nur jeder Deutsche so! Allerdings gibt es auch unzählige Türken, die sich in ihren sogenannten Deutsch-Türkischen Kulturvereinen treffen, wo Deutsche eher weniger willkommen sind und die Scheiben bis über die Sichthöhe zugeklebt sind. Super Bereitschaft zur Integration! Es gibt bereits genügend Deutsche, die ungebildet, simpel und kulturell minderbemittelt sind. Muslime, die Deutschland nicht ausstehen können, nach 10 Jahren immer noch kein Deutsch sprechen, den Koran zum Grundgesetzt erklären, Christen als Ungläubige beleidigen, grobe Umgangsformen haben etc., braucht Deutschland nicht! Diese können folglich in ihrem Land bleiben und rückwandern. Ich bin für eine Mischung von gering- und hochqualifizierten Migranten, die gerne so schnell wie möglich die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten dürfen, wenn sie es wollen und sich in die Gesellschaft eingegliedert haben. Dazu gehört aber auch, dass bestimmte türkische Jugendliche (gemeinsam mit ihren deutschen Kollegen) nicht wie die letzten Assis durch die Straßen ziehen, rumlümmeln, spucken, beleidigen und im Zweifel auch mal zulangen. Als Deutscher bin ich im Ausland stets bemüht, mich gut zu verhalten, höflich und zuvorkommend zu sein, außerdem beherrsche ich bereits nach wenigen Tagen die wichtigsten Wörter und Sätze und respektierte und akzeptiere die andere Kultur. Das kann man von vielen Muslimen in Deutschland nicht gerade behaupten. Warum beschwert sich niemand über Spanier, Italiener, Griechen Franzosen? Ist es alleine der Islam, der eine Integration erschwert? An der misslungenen Integration tragen sowohl der deutsche Staat, aber auch bestimmte Muslime zu gleichen Teilen die Verantwortung!
# 13.10.2010 16:31 Uhr: von Daedalus:
Ich glaube es gibt dafür andere Ursachen als die Wirtschaftskrise die ja eh niemanden wirklich betroffen hat.
Ich glaube die Menschen fühlen sich bedroht von Jugendlichen mit migrantischem Hintergrund die vielleicht selbstbewusster auftreten als noch vor einigen Jahren und die - weil sie einen mehr oder weniger grossen Hass auf das Deutschland haben, von dem sie sich ausgegrenzt fühlen sich stärker mit dem Islam identifizieren als die Generationen vor ihnen. In der öffentlichen Wahrnehmung werden die Probleme mit diesen Jugendlichen dann mit dem Islam verknüpft (und nicht mit Erfahrungen von Ausgrenzung und vernachlässigter Erziehung usw.).
Ich denke das ist auch ein möglicher Grund warum das Kopftuch unter migrantischen jungen Frauen populär wird (siehe Kolumne "das Tuch"). Es ist vielleicht eine Art Anker zu einer Tradition der ausgeworfen wird, weil die Gesellschaft hier hermetisch verschlossen ist für Menschen die optisch von der deutschen Norm abweichen oder einen fremden Namen haben. Mit dem Kopftuch und der Hinwendung zur Religion der Eltern und Grosseltern schafft man sich eine Heimat aber leider oft in Abgrenzung zu dem was als westliche Kultur betrachtet wird.
Ausserdem tragen die Berichte über Ehrenmorde zu dieser Anti-Islamischen Stimmung bei. Ehrenmorde werden in der Wahrnehmung stark mit dem Islam verknüpft dazu tragen aber auch - eigentlich illegitime - Vertreter des Islam in Deutschland wie Puerre Vogel bei. Die lautetesten Vertreter des Islam vertreten nunmal sehr krude und extreme Ansichten - die anderen werden nicht wahrgenommen.
Man könnte die Ablehnung des Islam in seiner extremistischen Variante aber auch als Eintreten der Bevölkerung für die Grundrechte der Verfassung interpretieren - dem ganzen also etwas positives Abgewinnen. Ich glaube nicht, dass wir kurz vor Pogromen stehen - aber es gibt offensichtlich Probleme die nicht unter den Tisch gekehrt werden sollten.
# 13.10.2010 16:30 Uhr: von atypixx:
Es ist nicht Angst vor Muslimen, sondern eine Ablehnung einer Überfrachtung. "Angst" ist in diesem Zusammenhang ein Diffamierungsbegriff, den man nicht als Selbstverständlichkeit stehen lassen sollte. Es geht um emotionale *und* intellektuelle Präferenzen, nicht um Angstgefühle.
# 13.10.2010 16:20 Uhr: von Sternchen:
Wäre ja auch doof wenn bei dem interdisziplinärem Forschungsprojekt "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Deutschland" herauskommen würde: Nicht vorhanden!
Aus: "Psychologin über Islamophobie: "Da sind derzeit alle Schleusen offen"" (13.10.2010) Quelle: http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/da-sind-derzeit-alle-schleusen-offen/
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« Reply #92 on: October 14, 2010, 09:44:28 AM » |
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„Deutschfeindlichkeit“ Veröffentlicht am 13. Oktober 2010 von InitiativGruppe 1 Ein Junge, schulisch eine Null, schreit einem deutschen Mädchen „Schlampe, Hure!“ nach. Der Junge stammt – zum Beispiel – aus einem arabischen Land. Er ist zuhause in Berlin-Neukölln-Nord. Ein anderer Junge rempelt einen „deutschen“ Jungen von seiner Schule an, einen, der dort in der Minderheit ist, beleidigt ihn, raubt ihm seine Mütze. Es geschieht nicht einmal, sondern so oft, dass es – an diesem Ort – typisch wird. Die Mehrheit sind hier – ausnahmsweise mal – die Migrantenjungs, die kleine, bedrängte Minderheit sind hier – ausnahmsweise mal – die Nichtmigranten. 2 Es gibt also einige Winkel in Deutschland, in denen eine verfehlte städtische Planung es zugelassen hat, dass sich vorwiegend junge Verlierer an den Schulen tummeln. Junge Machos ohne Perspektive, die zu Hause nur wenig Deutsch gelernt haben, die in der Schule keine Chance haben, die ihren Stolz in Machogehabe umsetzen und die dadurch völlig entgleisen. Destruktive Typen, destruktiv geworden in einer für sie destruktiven Umwelt. Sie suchen sich andere, die sie mobben können, sie richten ihre Aggression auf Schüler, die besser sind als sie, auf Schüler, die richtig Deutsch sprechen, manchmal auf Nichtmigranten generell … greifen sie an, verbal meistens nur, aber auch rempelnd und gelegentlich schlagend. Sie merken, die ganze Welt ist gegen sie. Und die heißt hier Deutschland. 3 Wenn es zu so etwas kommt, ist das schlimm. Stadt und Staat sind herausgefordert, den Zustand zu ändern. Es ist ein politisch-praktisches Problem. Es ist ein Unterschichtenproblem, verschärft durch die ethnische Komponente. Zufällig sind diese Jungs in Berlin türkischer und arabischer Herkunft und Muslime. Sie könnten auch russischer Herkunft oder Roma oder Nigerianer sein. 4 Wir könnten nun darüber sprechen, was politisch-praktisch zu tun sei, Konzepte überlegen, finanzieren, umsetzen, überprüfen. Wir könnten Maßnahmen treffen, die bewirken, dass sich Unterschichtendasein nicht mehr zeitlich und räumlich verfestigt. Das geschieht ansatzweise, aber nicht entschlossen genug. Dieselben, die sich über diese „deutschfeindlichen“ Zustände empören, wollen nicht, dass Zeit, Energie, Geld investiert wird in eine konstruktive Lösung. 5 Wir wissen: Ausgrenzung und Isolation und Marginalisierung führen zu destruktivem Verhalten. Antwortet man auf diese Zustände wiederum nur gewaltsam und ausgrenzend, verschlimmert man sie. Kirsten Heisig hat recht: Jetzt, wo diese Jungs entgleist sind, braucht es auch Härte. Sie sagt aber auch: Es braucht zugleich konstruktive Angebote, damit diese jungen Leute eine Perspektive bekommen können. 6 Berlin-Neukölln-Nord ist in Deutschland, aber es ist nicht Deutschland. In Berlin-Neukölln-Nord hat sich die ethnisch angeheizte Unterschichts-Misere verdichtet. An vielen anderen Orten zeigt sie sich nur in Einzelfällen, die leichter handhabbar sind, an den allermeisten Schulen Deutschlands zeigt sie sich gar nicht. 7 Das eigentlich Gefährliche an dieser „Deutschfeindlichkeit“ für Deutschland ist nicht das, was in Berlin-Neukölln-Nord passiert. Das eigentlich Gefährliche ist das, was populistischen Hysteriker daraus machen: Hetze gegen Migranten, Hetze gegen Türken, Hetze gegen Muslime generell. Als ob die Migranten in Deutschland, die Türken, die Muslime verantwortlich wären für das, was in einigen wenigen Ecken Deutschlands schief gelaufen ist. Gefährlich ist diese Hetze, wenn sie in der politischen Mitte Fuß fasst. Dann wird erstens das Problem selber unlösbar, und zweitens gehen Verfassung, Demokratie und Zivilisation den Bach runter, weil mal (wieder) das Gesunde Volksempfinden meint, brutal durchgreifen zu müssen. Ralf, am 13. Oktober 2010 um 09:38 sagte:
„Zufällig sind diese Jungs in Berlin türkischer und arabischer Herkunft und Muslime. Sie könnten auch russischer Herkunft oder Roma oder Nigerianer sein.“
Dieser Punkt war Ihnen sicherlich besonders wichtig. Seltsamerweise kennt man dieses „Machogehabe“ aber fast ausschließlich von Türken und Arabern. Ganz so beliebig austauschbar ist das also nicht.
Immerhin: Vor einigen Monaten hätten Sie wahrscheinlich noch geleugnet, dass es überhaupt so etwas wie Deutschfeindlichkeit in Deutschland gibt. Schön, dass dieses Problem nun auch Ihre Wahrnehmungsschwelle überschritten hat, auch wenn Sie natürlich nicht darum herum kommen, zu beschwichtigen und wortreiche Entschuldigungen für Ihre Freunde zu finden.
Kaiserliche Majestät, am 13. Oktober 2010 um 11:27 sagte:
Ralf, die größte Deutschfeindlichkeit geht hier leider von Ihnen aus.
Kaiserliche Majestät, am 13. Oktober 2010 um 11:48 sagte:
Zum Thema: Ich bin der Meinung, dass die Ursachen besonders in zwei Dingen liegen: schlechte Deutschkenntnisse und fehlende Perspektive. Wie bekannt ist, ist die zu erreichende Schulbildung in Deutschland insbesondere davon abhängig, wie vermögend die Familie des Schülers ist. Durch die katastrophale Ansammlung von vielen armen Einwanderen in bestimmten Stadtteilen, wurde hier eine entsprechende Grundlage geschaffen. Man ist unter sich und spricht kein Deutsch. Man ist frustriert, da man keine Schulperspektive hat. Woher sollen die Menschen das Geld nehmen um in „bessere“ Stadtteile zu ziehen? Es entwickelt sich eine Gleichgültigkeit und eine Disziplinlosigkeit in der Schule. Kleine Gruppen reichen bereits aus, um die Unterrichtung ganzer Klassen unmöglich zu machen. Selbst wenn es ein paar Schüler gibt, die lernen WOLLEN, ist dies nicht möglich wenn im Unterricht der Lehrer vom Großteil der Klasse nicht respektiert wird. Man sucht den Erfolg außerhalb der Schule, denn hier hat man entsprechende Möglichkeiten z.B. Familie, Religion, Kriminalität (gegen Minderheiten, hier Deutsche) etc. Die Deutschfeindlichkeit ist ein Symptom, keine Ursache. Fremdenfeindlichkeit ist auch immer nur ein Symptom (Existenzangst). Das ist wie ein Kreislauf. Durchbrechen kann der Staat ihn nur über die Schule.
Ralf, am 13. Oktober 2010 um 12:16 sagte:
„Zum Thema: Ich bin der Meinung, dass die Ursachen besonders in zwei Dingen liegen: schlechte Deutschkenntnisse und fehlende Perspektive.“
Da haben Sie mal ein Korn gefunden, KM. Richtige Brisanz erhält diese Problematik jedoche rst durch typische, islamisch(?) geprägte Machogehabe: Jungs, die keine Grenzen und oftmals keinen Respekt vor Frauen kennen und in der Familie oft „kleine Prinzen“ sind. Oder, noch schlimmer: Der strenge Vater lässt seinen Frust in Form von Gewalt an den Söhnen aus und diese tragen diese „Werte“ in die Schulen…
InitiativGruppe, am 13. Oktober 2010 um 13:50 sagte:
Ralf, Deutschfeindlichkeit türkischer Jugendlicher kenne ich seit 30 Jahren. Wir haben das schon immer mit diesem Wort bezeichnet. Mit Religion hatte das nichts zu tun, sondern damit, dass die türkischen Jungs ziemlich gelitten haben unter der Anmache der Deutschen – und sich auf juvenile Weise revanchiert haben. Also schon vor 30 Jahren.
Diese Jungs sind inzwischen alle brave Erwachsene …
—
Mit Religion hat diese Deutschfeindlichkeit nur insofern zu tun, als sich diskriminierte Jugendliche auf etwas zurückziehen, wovon sie meinen, es sei Teil ihrer Identität. Wären sie Russen und griechisch-orthodox, könnten sie das für sich mobilisieren.
Wenn in den USA schwarze Jungs den Macho spielen, hat das nichts mit Religion zu tun, sondern mit der Unterschichtszugehörigkeit, mit der Perspektivlosigkeit.
Es ist ja nicht wirklich die Hautfarbe, von der das Problem kommt, auch wenn es für Rassisten dort so ausschaut.
—
In Deutschland habe ich das Machogehabe als Junge erlebt, in den 50er Jahren — damals waren es Flüchtling-Jungs aus den Flüchtlingsbaracken nicht weit von unserer Wohnung. Was haben die Einheimischen damals gelästert über die „Halbstarken“ … die dann später fast alle gut in den Arbeitsmarkt integriert worden sind …
—
Pedter, Deutschland ist ja nun gottseidank kein „Ausländerfeindliches Naziland“. Ich hoffe, du möchtest es nicht zu so einem machen.
Wenn Migranten Sozialtransfers brauchen, dann deshalb, weil der Arbeitsmarkt nicht genug Arbeitsmöglichkeiten bietet. Das ist vor allem in Berlin ein Problem – und nicht die Schuld der Berliner Migranten. In München sieht das alles sehr viel besser aus. Hier gibt es fast Vollbeschäftigung, und siehe da, man arbeitet – und nur relativ wenige Migranten und Nichtmigranten brauchen Hartz IV.
...
andreas, am 13. Oktober 2010 um 20:01 sagte:
Fragen verlangen Antworten: Ein bißchen Kommentar von mir: - Was genau verursacht deiner Meinung nach die Deutschfeindlichkeit? Ich denke die Debatte geht am Kern des Problems vorbei. Das sehe ich in der spontan auftretenden menschlichen Natur. Ich denke „Deutschenfeindlichkeit“ ist weder ein Türken – spezifisches Problem, noch ein durch den Islam verursachtes Problem. Es ist ein Problem isolierter Subkulturen und mangelnder Integration humanistischer Ideale (wie Toleranz und Gleichwertigkeit). Es ist ein in der Psycholgie seit langem bekanntes Phänomen, das Mitglieder eine wohl definierten Gruppe dazu neigen, die Mitglieder und Werte der eigenen Gruppe aufzuwerten und demgegenüber die Mitglieder und Werte anderer Gruppen abzuwerten. Diese Tendenz wirkt Selbstwerterhöhend auf das Individuum und wird durch soziale Interaktion bestärkt. Solche Mechanismen können auch experimentell in Gruppen beobachtet werden, z.B. wenn Gruppenmitgliedschaft durch Armbinden, o.ä. Definiert werden und den Gruppen Gelegenheit gegeben wird Kohärenz aufzubauen, d.h. Zusammenzuwachsen. Das kennt man von Fangruppen beim Fussball, Klassen und Paralellklassen in der Schule, etc. Wenn Gruppen einander Kulturell fern sind und ein verschiedenes Wertesystem haben ist es leicht differenzierende Merkmale aufzugreifen um die „anderen“ abzuwerten. Unterschiedliche Ethnien unterstützen die Gruppenbildung noch zusätzlich, da Mermale wie Aussehen, Haltung und Mimik schwerer entschlüsselt werden können. Türken sind die stärkste Gruppe in Deutschland und haben zudem (scheinbar), eine Tendenz größere isolierte Gruppen zu bilden. Insofern haben sie ein hohes Potential für diskriminierendes Verhalten. Das tritt vermutlich überall auf, nicht nur wenn Migranten in der Mehrheit sind, und eben auch umgekehrt. Die Konformität mit westlichen, humanistischen Werten wie Toleranz, Gleichheit und Freiheit wirken schwächend auf diese Mechanismen. Die Vermittlung dieser Werte ist Teil des Bildungsauftrages. Insofern ist Bildungsferne ein ungünstiger Umstand. Das gilt auch für bildungsferne Deutsche, bei denen Ausländerfeindlichkeit stärker ausgeprägt zu sein scheint.
- Wie lässt sich das belegen? Wer mag kann sich mit dem Thema sozialer Identität auseinandersetzen das ich hier dilettantisch umrissen und unzureichend angewandt habe. Es gäbe dazu viel mehr zu schreiben und zu analysieren. Mir ist unklar warum das ausbleibt, da es eigentlich psychologisches und soziologisches Grundlagenwissen ist. Aber da kommen dann halt keine bösen anderen dabei heraus, nur fehlgeleitete Menschen. - Inwiefern ist es ein Jugendproblem? Es ist ein generelles Problem. Aber mit zunehmendem Alter werden andere Dinge wichtiger (Familie, Beruf) und stärken den Selbstwert, so das es für Jugendliche, die ja mit Identitätssuche befasst sind, ein deutlicheres Thema ist. - Inwiefern ist es ein Unterschichtenproblem? Unterschichten sind häufiger Bildungsfern und haben weniger Resscourcen um ihren Selbstwert zu stärken, demgegenüber aber mehr Selbstwertangreifende Erfahrungen. Unterschichten sind wahrscheinlich stärker Betroffen - Warum ist das in Berlin ein Problem, aber nicht in München, Augsburg, Ingolstadt, Regensburg, Nürnberg, Würzburg, Stuttgart, Freiburg, Karlsruhe, Kaiserslautern, Mainz, … Es wird überall dort ein Problem sein wo sich isolierte Gruppen bilden. In Berlin gibt es einfach Bereiche mit sehr hohem Ausländeranteil, so das die Problematik hier offensichtlich wird. Bei geringerem Ausländeranteil in Schulen lässt sich das Problem der geäußerten Deutschenfeindlichkeit vermutlich besser handhaben, da die Gruppe weniger mächtig (da kleiner) ist. Es ist ein Höheres Gewaltpotential nötig um sich offene feindschaft ungestraft leisten zu können. Die inneren Überzeugungen sind aber vermutlich auch dort ähnlich.
- Wie hängt die Deutschfeindlichkeit zusammen mit der Erfahrung der Ausländerfeindlichkeit? Es mag auch reaktive Elemente geben, aber die sind m.E. nicht das Grundproblem.
Eine Frage Fehlt:
Wie könnte das Problem angegangen werden? a) Siedlungspolitik: Die Bildung von Brennpunkten vermeiden und ein System schaffen das zu einer homogeneren Verteilung der Menschen mit Migrationshintergrund führt
b) Bildung: Z.B. Homogene Klassen oder Schulen in denen zunächst Bildung zweisprachig und auf den Kulturellen Hintergrund angepasst vermittelt wird, so das Kinder mit Migrationshintergrund bessere chancen haben durch schulischen Erfolg Selbstwert zu gewinnen. Erst ein entsprechendes Niveau erreicht ist findet eine Integration statt (z.B. nach der Grundschule) mit höherem Anteil an sozialen Angeboten (auf Lernen haben viele zu der Zeit eh keine Lust). Der Unterrichtsstil müsste stärker auf Gruppenarbeit ausgerichtet sein, für die Kooperation erforderlich ist. Die Zusammensetzung für solche Gruppen muss von der Lehrperson vorgegeben werden, so das ein möglichst gute Durchmischung erreicht wird. Bis dahin könnten Inhalte integriert unterrichtet werden, bei denen Chancengleichheit besteht, z.B. Sport. Da gibt es dann vielleicht die sportlichen und die unsportlichen, aber das betrifft beide Gruppen gleichermassen.
Viel spass beim Weiterdiskutieren
InitiativGruppe, am 13. Oktober 2010 um 21:19 sagte:
Die Deutschfeindlichkeit ist ist Ergebnis eines psychologischen Kofliktes zwischen dem Selbstbild der Muslime, nach dem sie die „beste Gemeinschaft aller Menschen“ (so steht´s wohl im Koran) sind und eine entsprechende soziale Position einnehmen müssten, und der sozialen Realität, in der sie mehrheitlich Loser sind. Der Anspruch auf Anerkennung und Respekt gründet sich auf das Muslimsein, nicht auf individuelle Leisung, und deshalb ist die Reaktion auch nicht Selbstreflexion (Was machen wir falsch?), sondern Agression gegen alles Andersartige, einschließlich angepassterer und erfolgreicherer Muslime.
Fritz, diese Ansicht ist typisch für jemand, der die Muslime in Deutschland nicht kennt. Nicht die Muslime in Deutschland sind deutschfeindlich – junge männliche Jugendliche in einigen Stadtvierteln sind es, in einigen Stadtvierteln geballt, in anderen vereinzelt.
Wie kommst du darauf, dass DIE Muslime in Deutschland deutschfeindlich seien? Hast du dafür Belege? Wieso schließt du von der Deutschfeindlichkeit einiger Jugendlicher hauptsächlich in Berlin auf die 4 Millionen Muslime in Deutschland?
Den psychologischen Konflikt, auf den du dich beziehst, gibt es schon bei vielen gläubigen Muslimen, aber er führt in der Regel nicht zur Deutschfeindlichkeit, sondern zum manchmal etwas künstlichen Auseinanderhalten zweier Sphären. Türken haben im allgemeinen ziemlichen Respekt vor Deutschland und schätzen die Leistungen dieses Landes und seiner Menschen. Umso schmerzlicher ist die ressentimentbedingte Zurückweisung. Man ist verletzt, aber das führt kaum je zu Deutschfeindlichkeit. Nur bei den Jugendlichen ist das öfters mal anders. Die leben ihren Stolz auf deutsche (!) Weise aus: aggressiv, angriffslustig, hemmungslos.
—
Ich stimme KM zu: Respekt muss man sich nicht verdienen.
Respekt kann man generell erwarten. Ein anständiger Mensch respektiert von vorne herein andere, auch wenn sie ganz anders sein sollten, auch wenn sie Mängel haben sollten. Respekt kann man insofern verspielen, als man vielleicht hohen Respekt genießt und sich dessen nicht als würdig erweist. Aber ein Minimum muss immer vorausgesetzt werden – in einer Welt zivilisierter Menschen jedenfalls. In einer Welt, die von sich behauptet, christlich geprägt zu sein.
... Aus: "„Deutschfeindlichkeit“" Veröffentlicht am 13. Oktober 2010 von InitiativGruppe Quelle: http://initiativgruppe.wordpress.com/2010/10/13/deutschfeindlichkeit/
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« Reply #93 on: October 18, 2010, 11:22:51 AM » |
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[...] Die sagen "Gra-tzi-ass", die Deutschen und dann glauben sie, sie hätten spanisch gesprochen und sich genug integriert, empört sich der Mann von der Inselregierung, vom "Govern des les Illes Balears" und seufzt: Allein auf Mallorca leben ständig an die 80.000 Deutsche, das ist ein höherer Ausländeranteil als in Berlin und wenn von denen tausend halbwegs Spanisch sprechen können, dann ist das schon verdammt viel. Von den Millionen, die im Sommer unsere Strände überfluten, will ich gar nicht reden. Die gehen ja nach ein paar Wochen wieder nach Hause, aber diese Ständigen, die bilden eine echte Parallel-Gesellschaft. Damit meine ich sowohl die "Residentes", meist ältere Leute, die hier wohnen, als auch die deutschen Ticketeros, die Reklame-Verteiler, die deutschen Elektriker, Klempner und Monteure, die bei uns schnelles Geld verdienen wollen. Und, nicht zuletzt, die deutschen Obdachlosen, die unseren Sozialeinrichtungen auf der Tasche liegen.
Deutsche Bäcker, deutsche Metzger, deutsche Wandervereine, das lasse ich mir ja noch gefallen, aber die vielen deutschen Schulen und Kindergärten auf Mallorca? Das stinkt geradezu nach Integrationsverweigerung. Die wollen unter sich bleiben. Haben sie schon mal gesehen was die essen? Eisbein! Wabbeliges fettes Fleisch, dazu Sauerkraut. Einfach eklig. Multi-Kulti? Dieser Ansatz ist gescheitert (*1). Sie haben ja in Deutschland eine Debatte über Verschleierung, Verhüllung, wir führen eine über Enthüllung. Ihre Landsleute haben einfach kein natürliches Schamgefühl: Zweihundert Kilo Lebendgewicht in Hot Pants auf den Straßen von Palma! Gammelfleisch im Tanga! So rennen die auch in unsere Kirchen. Denen fehlt jeder Respekt vor unserer Leitkultur.
Zur Zeit feiern die Deutschen gerade ihr Oktoberfest. Ja, können die das nicht zu Hause machen, diese elende Sauferei, diese widerliche Krachmusik? Aber wenn es dabei bliebe. Es gibt zwei deutsche Zeitungen und einen Radio-Sender, Dudelfunk unterhalb jeden Niveaus. Aber wer bei uns leben will, von dem erwarte ich Integrationsbereitschaft und Integrationsfähigkeit als zusätzliches Kriterium (*2) für die Zuwanderung. Weder sehe ich bei den Deutschen auf Mallorca eine Bereitschaft noch eine Fähigkeit dazu. Dann diese kriminellen Schlägereien: Sobald junge Deutsche und junge Engländer in der selben Kneipe sind, geht es los. Wir haben schon neue Gefängnisse bauen lassen, um diesem Problem zu begegnen. Die Zone um den berüchtigten "Ballermann" ist ganz klar eine No-Go-Area für uns, da herrscht das Unterschichten-Deutschland.
Ich sage Ihnen, wenn man die Sprache des Landes, in dem man lebt, nicht spricht, nutzt das niemandem: Nicht dem Einzelnen, nicht dem Land, nicht der Gesellschaft (*3). Aber kann man diese Erkenntnis vielleicht mal von Frau Merkel hören? Keine Aufforderung an ihre Landsleute sich auf unserer Insel zu integrieren. Im Gegenteil: Ein Bundestags-Abgeordneter der Merkelpartei hat Mallorca sogar zum 17. Bundesland erklärt und den Anschluss an Deutschland verlangt. Habe ich eine Entschuldigung der deutschen Regierung gehört? Nein, natürlich nicht. Dieses übersteigerte Nationalbewusstsein der Deutschen ist für uns schwer zu ertragen. Ich kann nur sagen: Deutsche? No, gracias!
*1. Angela Merkel auf dem Kongress der Jungen Union in Potsdam
*2. Horst Seehofer, Interview mit dem "Focus"
*3. Abdullah Gül, Staatspräsident der Türkei, Interview in der Süddeutschen Zeitung
Aus: "DEUTSCHE? NO, GRACIAS! - Über Integrations-Probleme auf Mallorca" (17. Oktober 2010) Quelle: http://spreegurke.twoday.net/stories/8391158/
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« Reply #94 on: October 18, 2010, 11:36:51 AM » |
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[...] Hetze postmodern: Die Muslime sind an allem schuld Zwar liegt mir Religion fern wie eine andere Milchstrasse, aber es kommt vor, dass ich z.B. Muslime knutschen könnte; oder sogar Muslima, was diese sich natürlich verbieten würden. Auf der Seite muslim-markt schreibt mir heute Fatima Özoguz aus dem Herzen: Die von Sarrazin angeleierte neue "Integrationsdebatte" ist in Wirklichkeit eine Ausgrenzungsdebatte, mit der nichts anderes bezweckt wird als die Ablenkung von den wirklichen Problemen der Masse der Bevölkerung. Der alte Trick. Die einzige Neuerung ist, dass von der postmodernen Hetze das Wort Juden durch das Wort Muslime ersetzt wird. Fatima Özoguz schreibt:
Es wird in letzter Zeit so getan, als hätte Deutschland keine anderen Probleme als die Anwesenheit von Muslimen, wenn man sich MEdien und Fernsehprogramme anschaut. Kein Tag vergeht ohne Diskussionsrunden , wie man uns "besser integrieren" könnte, oder es wird von Neunmalklugen (vulgo Dummschwätzern) lang und breit dargelegt, warum wir nicht integrierbar sind, nämlich aufgrund unserer Religion, wie diese Herrschaften meinen. In Wirklichkeit wird doch so ein Theater gemacht, weil viel gravierendere Probleme vertuscht werden sollen. So herrscht beispielsweise an Schulen ein eklatanter Bildungsnotstand durch Lehrermangel Lehrer müssen von einer Schule zur anderen hüpfen, um "auszuhelfen", weil nicht genügend eingestellt werden. Grundschulen sind "verlässlich", was die Dauer der Anwesenheit der Kinder in der Schule angeht, nicht etwa des Unterrichts! Dies, damit diese nicht wieder um 10 uhr vor verschlossener Tür stehen. Aber das bedeutet nur, dass sie dort beschäftigt sind, nicht etwa, dass auch Unterricht erteilt wird, sondern irgendwelche Mütter werden eingesetzt, die dann mit den Kindern spielen, damit man sie nicht nach Hause schicken muss. Jedenfalls verkommen die Schulen zu Verwahranstalten, aber darüber redet so gut wie niemand! Es redet auch so gut wie niemand darüber, dass immer mehr Hauptschüler ihren Abschluss nicht mehr schaffen, vor allem in Ostdeutschland, wo es kaum Migranten gibt, denen man das anlasten könnte. Und dann wundert man sich über schlechte PISA-Ergebnisse. Dass auch noch ein Sarrazin daherkommt und dummdreist behauptet, es läge an Migranten, dass wir immer dümmer werden, ist an Zynismus nicht mehr zu überbieten.
Auch tut man so, als sei die Wirtschaftskrise vorbei, aber ich fürchte,die hat noch nicht mal angefangen. Es wird kaum noch davon gesprochen, wie fatal sich der Niedriglohnsektor auswirkt, so dass viele TROTZ Erwerbstätigkeit nicht mehr ihre Familien ernähren können und auf aufstockende Hilfen angewiesen sind, was auch nicht im Interesse des Staates sein kann. Man könnte noch so vieles anführen, um das sich die Politik mal vordergründig kümmern sollte, statt dessen lässt man die Medien spalten, was das Zeug hält, damit wir nicht merken, was hinter unserem Rücken alles so beschlossen wird. Bzw. wenn wir es merken, ist es zu spät.
Quelle: http://www.muslim-markt.de/forum/messages/2124.htm
Huntigtons Clash - genau das, glaube ich. Ein künstlicher Feind, ein Popanz, mit dem die Herrschaften von sich selber ablenken, also von denen, die die Wut eigentlich treffen sollte. Die alte Taktik eben, kein bisschen anders als das Nazigeplärr vom "ewigen Juden".
Es ist ganz natürlich, dass bei grüsseren Immigrationswellen ein Teil der Zuwanderer ein oder zwei Gnerationen braucht, um "anzukommen". Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass es nicht so einfach ist, sich in ein anderes Land und eine andere Sprache einzufügen. In Frankreich kann man auch gut sehen, dass sich Gettos herausbilden können, die sich abschotten und abgeschottet werden - die Orte künftiger Pogrome, wenn sich die wirtschaftlichen Nöte vergrössern und lang hinziehen.
Antwort von Sepp Aigner heute à 00h01
... Aus: "Hetze postmodern: Die Muslime sind an allem schuld" (17. oktober 2010) Quelle: http://kritische-massen.over-blog.de/article-hetze-postmodern-die-muslime-sind-an-allem-schuld-59069758.html
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« Last Edit: October 18, 2010, 11:40:48 AM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #95 on: October 19, 2010, 09:33:49 AM » |
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[...] Es ist kein Geheimnis, dass Menschen die benachteiligt, ausgegrenzt oder zu Unrecht behandelt werden, psychisch und körperlich krank werden. Eine Studie der Uni Leipzig zeigt, dass eine gefühlte Diskriminierung bei Menschen mit Migrationshintergrund die Gesundheit stark beeinflusst. Derzeit leben in Deutschland rund 16 Millionen Menschen nicht-deutscher Herkunft. Obwohl die die Gruppe der Zugewanderten sehr groß ist, war bislang kaum bekannt, wie sie sich körperlich und psychisch fühlen. Aus diesem Grund werteten die Sozialforscher um Dipl. Ulrike Igel die Daten von 1844 Männer und Frauen aus, die im Durchschnitt seit rund 20 Jahren in Deutschland leben. Dabei zeigte sich, dass sozioökonomische Faktoren wie die Höhe des Einkommens, die Ausbildungsdauer oder der Erwerbsstatus kaum einen Einfluss auf das psychische Befinden der Migranten hat. Allerdings schlägt die gefühlte Diskriminierung verhältnismäßig stark zu Buche. Wer sich diskriminiert fühlt, der leidet seelisch und erkrankt schließlich auch psychisch und körperlich daran.
... Die Wissenschaftler betrachteten sich die Herkunftsländer der in Deutschland lebenden Migranten etwas genauer. Hierbei wurde deutlich, dass Männer aus dem Ursprungsland Türkei sich wesentlich stärker ausgrenzt fühlen, als beispielsweise Menschen aus Griechenland oder Osteuropa.
Die Befunde und die Sozialforscher Igel und Team zeigen eindrucksvoll, wie stark vermeintlich oder tatsächlich erlebte Ausgrenzung und Zurückweisung auf das Wohlergehen von Migranten durchschlagen. Dabei wirken sich Geld oder beruflicher Status weniger stark auf das Befinden der Menschen, wie die erlebte oder subjektive Ausgrenzung. Diese Ergebnisse decken sich im Übrigen mit den anderen internationalen Studien, aus denen hervorgeht, dass erlebte Benachteiligungen den körperlichen und psychischen Zustand von Migranten verschlechtert und damit die Gesundheit der Betroffenen stark beeinflusst wird. Die Gründe, warum die subjektive oder tatsächliche erlebte Diskriminierung so sehr zur Verschlechterung der Gesundheit beiträgt, ist bislang noch ungeklärt. Hierzu sind weitere Studien notwendig, wie die Autoren in der Fachzeitschrift "Psychiatrische Praxis" schreiben.
Aus: "Rassismus schadet Körper und Psyche" (sb, 18.10.2010) Quellnachweis: Der Einfluss von Diskriminierungserfahrungen auf die Gesundheit von Migranten Psychiatrische Praxis 2010; 37 (4): S. 183-190. Quelle: http://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/rassismus-schadet-koerper-und-psyche-36631.php-.- [...] Ein Arzt aus dem hessischen Wächtersbach hatte in seiner Arztpraxis Anfang September ein Schild aufgehängt, auf dem Mädchen und Frauen muslimischer Herkunft untersagt wurde, ein Kopftuch in der Praxis zu tragen. Ferner sollten Patienten über "Grundkenntnisse der deutschen Sprache" verfügen. „Kinderreichen islamischen Familien mit mehr als 5 leiblichen Kindern“ wollte der Arzt ebenfalls nicht behandeln und verweigerte ihnen quasi mit den aufgesetzten „Spielregeln“ den Zugang zur Praxis. Nun muss sich der Arzt, der inzwischen das Schild wieder abgehangen hat, sich vor der Kassenärztlichen Vereinigung verantworten. Bei einer mündlichen Unterredung soll der Arzt sein Handeln erklären. Unter Umständen droht dem Arzt der Entzug seiner Zulassung.
Bundesweit hatte der Arzt mit seiner Aktion für Aufsehen gesorgt. Nach zahlreichen Protesten und Berichten in der Presse sah sich der Arzt Missverstanden und hängte seine selbst verfassten „Spielregeln“ wieder ab. Doch das Kopftuchverbot wird für den Arzt nun möglicherweise schwerwiegende Konsequenzen haben. Die Kassenärztliche Vereinigung hat nun beschlossen, gegen den Mediziner ein Disziplinarverfahren einzuleiten. Nun muss sich der Arzt in einer mündlichen Verhandlung vor einem Gremium erklären. Das entschied der ein zuständiger Ausschuss in Frankfurt, wie eine KV-Sprecherin erklärte. Doch damit nicht genug, auch die Landesärztekammer will den Fall ebenfalls prüfen. Auch der örtliche türkische Verein sah damals in dem Handel eine Diskriminierung muslimischer Patienten. Allerdings setze man eher auf einen Dialog.
Bei der Unterredung muss der Mediziner dem Gremium der Kassenärztlichen Vereinigung Fragen zu seinem Handeln beantworten. Verläuft die Verhandlung für den Arzt negativ, so könnte er schwerwiegende Sanktionen bis hin zum Entzug der KV- Zulassung davon tragen. Wenn dieser Fall eintritt, darf der Arzt keine Patienten mehr behandeln, die in der gesetzlichen Krankenkasse versichert sind. Entscheidet sich das Gremium gegen eine Einstellung des Verfahrens, könnte auch eine einfache Verwarnung oder eine Geldstrafe folgen. Wann die Verhandlung tatsächlich statt findet, steht bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht fest.
Mittlerweile hat sich der Arzt für sein Handeln entschuldigt. "Ich habe mich im Ton vergriffen", resümierte er schon im September. Der Mediziner hatte kurz nach den Berichten in der Presse sein Schild mit den Spielregeln wieder abgehängt und wollte an einer Neufassung arbeiten, die er zuvor mit dem türkisch-islamischen Kulturverein abstimmt. Nach eigenen Angaben hatte der Arzt das Schild aufgehängt, weil es in der Vergangenheit Schwierigkeiten in der Behandlung muslimischer Patienten gab. Ob der Arzt inzwischen abermals ein neues Schild auf gehangen hat, dürfte aufgrund des anberaumten Verfahrens unwahrscheinlich sein.
Das Plakat war zwar mit der Überschrift „Spielregeln“ versehen, doch standen auf dem Schild Wörter wie „striktes Verbot von Kopftüchern“ oder „Kinderreiche islamische Familien mit mehr als 5 leiblichen Kindern“ werden in der Arztpraxis nicht behandelt. Warum genau das Disziplinarverfahren eingeleitet wurde, wollte die Kässenärtzliche Vereinigung nicht begründen. Allerdings hatte man bereits im September verlautbaren lassen, dass diese aufgehängten „Spielregeln“ vermutlich gegen den ärztlichen hippokratischen Eid verstoßen, „der so nicht hinnehmbar ist“, wie es damals hieß. Nun spricht man von einem "internen Vorgang". Dem Untersuchungsausschuss gehören zwei Ärzte und in Vorsitzender mit der Befähigung zum Richteramt an. Der Mediziner kann bei der Verhandlung einen Rechtsbeistand mitbringen.
Aus: "Verfahren gegen Arzt wegen Kopftuchverbot" (sb, 16.10.2010) Quelle: http://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/verfahren-gegen-arzt-wegen-kopftuchverbot-8781.php
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« Reply #96 on: October 19, 2010, 04:14:41 PM » |
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Danke, wir können nicht klagen! (Herdentrieb - So funktioniert Kapitalismus) Von Dieter Wermuth 14. Oktober 2010 um 18:25 Uhr ... * 15. Oktober 2010 um 09:26 Uhr * KäptnBlaubär
Besonders gefällt mir dieser Absatz: “All dieser Hokuspokus von Financial Engineering, Dienst am Kunden, oder von der angemessenen Belohnung für die Übernahme von Risiken ist eine Verschwendung von Zeit, Kapital und Talent. Am Ende kommt nichts dabei raus, was der Allgemeinheit nützen würde – den Nutzen haben nur diejenigen, die in dem Bereich arbeiten. “…” Die hohen Gehälter locken eine unangemessen große Zahl intelligenter Leute in den Sektor, die an anderer Stelle echte Wertschöpfung betreiben könnten.”
Der heutige Finanzsektor ist aus meiner Sicht ein Auswuchs des Kapitalismus, der für die Volkswirtschaft zumindest nutzlos, vermutlich aber eher schädlich ist. Hochbezahlte Menschen können dort durch schnelle Mausschubserei und etwas Glück virtuelle Milliarden erzeugen und auch in Sekundenbruchteilen wieder vernichten. Das wäre nicht weiter schlimm, solange dieses Kasino nur die Banken untereinander beträfe; schlauerweise holt man sich aber zwischendurch, wenn die ersten Fantasiemilliarden kreiert sind, echtes Geld von Leuten, die glauben, dass die künstlich erzeugten hohen Gewinne so weitergehen, steckt sich dieses Geld dann als Bonus in die eigene Tasche, und wenn dann der “unvorhersehbare” Crash kommt, holt man sich noch einen Nachschlag von allen Steuerzahlern.
Das ist ja das Tolle – man redet immer davon, dass die Finanzkrise riesige Summen “vernichtet” habe … das stimmt so nicht: ein großer Teil der “vernichteten” Werte hat real nie existiert; und der Teil, der vielen ganz konkret auf dem Konto fehlt, liegt jetzt auf den Konten der Banker. Wenn man die rhetorischen Verbrämungen (“innovative Finanzprodukte”) mal weglässt, kann man das Ganze eigentlich nur als Diebstahl bezeichnen …
Und dann muss man sich noch anhören, wir müssten in Deutschland ja unbedingt auch so hohe Gehälter bezahlen, um die “Besten” zu halten oder zu bekommen – Unsinn: alles was man damit erreicht ist, dass man die Gierigsten und Skrupellosesten bekommt.
Ich bin ein klarer Anhänger der (sozialen) Marktwirtschaft, aber solange der Mensch die Gier genetisch in sich trägt, braucht die – notwendige – Organisation des Geldtransfers offensichtlich massive demokratisch legitimierte Kontrolle. Im Extremfall hilft wohl nur eine Verstaatlichung des Bankensektors; bis mich jemand vom Gegenteil überzeugt, sehe ich diesen als nachrangig gegenüber der Realwirtschaft an. Banken sind dazu da, die Geldströme derjenigen, die echte Wertschöpfung betrieben, zu organisieren, und ggf. Kapital bereit zu stellen, damit gute Ideen realisiert werden können, auch wenn diejenigen die sie haben, die dazu nötigen Anfangs-Investionen nicht stemmen können. Alles andere, insbesondere eine Verselbständigung des Bankensektors ist volkswirtschaftllich sinnlos.
Um schnell noch ein ganz anderes Thema mit einzumischen: an dieser Stelle könnten wir ein wenig muslimische Tradition brauchen: der Islam verbietet es, mit Bankgschäften Gewinne zu machen … in dieser Hinsicht hat unsere “christlich-jüdische” Leitkultur ein paar Schwachstellen.
http://blog.zeit.de/herdentrieb/2010/10/14/danke-wir-konnen-nicht-klagen_2387/comment-page-4#comments
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« Reply #97 on: October 20, 2010, 11:36:43 AM » |
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[...] Potsdam - CSU-Chef Horst Seehofer hat bei seinem Auftritt auf dem Deutschlandtag der Jungen Union (JU) in Potsdam seine umstrittenen Äußerungen zur Zuwanderungspolitik noch einmal bekräftigt - und ordentlich nachgelegt. Es gebe bei diesem Thema eine Zustimmung aus der Bevölkerung, wie er sie noch nie erlebt habe. Seehofer betonte: "Wir als Union treten für die deutsche Leitkultur und gegen Multikulti ein - Multikulti ist tot."
Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigt sich moderater - aber auch sie hat die in Deutschland lebenden Ausländer aufgefordert, sich besser in die Gesellschaft zu integrieren. Die Bereitschaft dazu sei bei Menschen aus Einwandererfamilien dringend nötig, sagte Merkel am Freitagabend bei einer CDU-Regionalkonferenz in Berlin. "Die Voraussetzung für die Integration ist, dass man die Sprache hier spricht."
Seehofer betonte bei seiner Rede, einen "Rechtsdrall" der Union strebe er keineswegs an. Er wolle vielmehr "die rechten Spinner verhindern". Man müsse die politischen Verführer von den Parlamenten fernhalten, indem man auf die Sorgen der Bürger eingehe.
Der bayerische Ministerpräsident erklärte, wer in Deutschland leben wolle, der müsse auch bereit sein, die Alltagskultur zu akzeptieren. Außerdem müsse man beim Kampf gegen den Fachkräftemangel zunächst auf die Qualifizierung der Arbeitslosen setzen, bevor man Personal aus dem Ausland rekrutiere. Für hochqualifizierte Fachkräfte gebe es bereits eine Sonderregelung, die sich in der Praxis gut bewährt habe. Auf keinen Fall dürfte Deutschland aber "zum Sozialamt für die ganze Welt werden", so Seehofer.
Der CSU-Vorsitzende forderte die Union vor dem Hintergrund ihres Umfragetiefs zu einem "gesunden Patriotismus" auf. Seehofer sagte am Freitagabend vor dem Parteinachwuchs von CDU und CSU, die Bürger müssten wissen, wofür die Unionsparteien stehen. Man dürfe sich nicht "ständig dafür entschuldigen, dass sie eine Liebe zum eigenen Land hat". Es gebe allen Grund, stolz auf Deutschland zu sein.
Der JU-Vorsitzende Philipp Mißfelder (CDU) begrüßte die Zuwanderungsthesen des CSU-Chefs. Aufgabe der CSU sei es, "für die Union insgesamt die Lufthoheit über den Stammtischen zurückzugewinnen". Mißfelder, der am Freitagabend als Vorsitzender der JU bestätigt wurde, mahnte, rechts von der Union dürfe es niemals eine demokratisch legitimierte Kraft geben. Er fügte hinzu: "Und der Garant dafür in Deutschland ist und bleibt die CSU."
Vom Zentralrat der Juden in Deutschland erntete Seehofer dagegen scharfe Kritik für seine Äußerungen zur Zuwanderung und Integration in Deutschland. "Da werden alle möglichen Kulturkreise stigmatisiert, diffamiert und über einen Kamm geschert. Das finde ich einerseits verantwortungslos, andererseits schäbig", sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer.
Es bereite ihm "Unbehagen und Angst", dass in der aktuellen Debatte über Integration von Migranten und Zuwanderung die Hemmschwelle sinke. Seehofer wolle offenbar mit diesen populistischen Äußerungen Wählerstimmen gewinnen.
Merkel lastete die Schuld an aktuellen Problemen bei der Integration auch den Vorgängerregierungen an. "Die Versäumnisse von 30, 40 Jahren können nicht so schnell aufgeholt werden", sagte sie.
Auch die CDU-Vorsitzende versicherte: "Wir fühlen uns dem christlichen Menschenbild verbunden, das ist das, was uns ausmacht." Wer das nicht akzeptiere, "der ist bei uns fehl am Platz". Gleichzeitig sollten die Deutschen über ihre Werte und die zunehmende Entfremdung von Religion sprechen, um sich über ihr Land und ihre Gesellschaft zu vergewissern.
jok/itz/APD/dpa
Aus: "Seehofer und Merkel befeuern Leitkultur-Debatte" (15.10.2010) Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,723466,00.html
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« Reply #98 on: October 21, 2010, 10:12:48 AM » |
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[...] Nach dem die sogenannte Integrationsdebatte, befeuert von den populistischen und zum Teil sachlich schlicht falschen Äußerungen vom ehemaligen Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin, quer durch alle Lager diskutiert wurde, ist gerade eine bemerkenswerte Studie erschienen: Die Studie "Die Mitte in der Krise. Rechtsextremismus in Deutschland 2010" haben Leipziger Wissenschaftlicher im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung durchgeführt. Ihre Vorläufer hat sie in den Studien zu rechtsextremen, Gewalt verherrlichenden und menschenverachtenden Einstellungen in Deutschland – "Vom Rand zur Mitte“ (2006) und "Ein Blick in die Mitte“ (2008). Der derzeitigen öffentlichen Debatte um die mangelnde Integrationsbereitschaft einiger Migranten und um die geistige Verfasstheit eines großen Teils der Nicht-Migranten, in deren Mitte erstgenannte sich bitteschön ordentlich hinein integrieren sollen, geben die Ergebnisse dieser Studie eine unerwartete Pointe: Ein paradoxer Befund der Studie ist, dass die Motive der schärfsten Migranten-und-Parallelgesellschaften-Kritiker oftmals selbst alles andere als fortschrittlich sind. Demnach speist sich die Ablehnung vieler Deutscher vor allem gegen muslimische Migranten selbst aus zutiefst undemokratischen und oft menschenverachtenden Ressentiments. Sie singen nicht das Hohelied der Aufklärung und der "open society", sondern machen mit zum Teil rechtsextremen Vorstellungen gegen eine angebliche Überfremdung mobil (über die vor allem diejenigen klagen, in deren Regionen die wenigsten Ausländer in Deutschland leben). Sie sind nicht viel weniger antisemitisch und chauvinistisch gesinnt, als die von ihnen als fremd empfundenen und abgelehnten muslimisch geprägten Migranten. [...] Dazu passen auch die Befunde des Bielefelder Soziologen Wilhelm Heitmeyer, der in seiner Langzeitstudie "Deutsche Zustände" seit Jahren eine kontinuierliche Zunahme "gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit" konstatiert: Betroffen davon sind vor allem sozial und wirtschaftlich marginalisierte Schichten. Eine Entwicklung, die durch die Weltwirtschaftskrise in den vergangenen Jahren deutlich an Dynamik gewonnen hat. Besonders Horst Seehofer bedient derzeit das Ressentiment mit einer Rhetorik, die aus dem 19. Jahrhundert stammen könnte. Die nationalistische Floskel von "Kulturferner Zuwanderung" bedient ein Ressentiment, das auf ein angeblich homogenes Staatsvolk rekurriert und sehr an die Wahlkampfparole "Mehr Mut für unser Wiener Blut" der rechtspopulistischen FPÖ erinnert. Dabei steht der Wunsch nach einer ethnisch homogeneren Bevölkerung im völligen Widerspruch zu dem ansonsten so wirtschaftsfreundlichen Kurs der Konservativen. Wie irrational die Debatte verläuft, zeigt sich an ganz anderen Zahlen. So hat nach Meinung von Annette Schavan, immerhin Bildungsministerin einer konservativen Partei, Deutschland nicht zu viel, sondern zu wenig Ausländer: "Nicht Einwanderung muss uns aufregen, sondern Auswanderung aus Deutschland", erklärte sie vor wenigen Tagen angesichts der Tatsache, dass in den vergangenen zwei Jahren mehr Menschen aus Deutschland fortziehen statt einwandern. Nach Aussage der Wirtschaftsverbände fehlen heute schon rund 400.000 Fachkräfte. Es ist ein großes Versäumnis, dass erst jetzt zaghaft überlegt wird, im Ausland erlangte Abschlüsse in Deutschland mit einfacheren Verfahren anzuerkennen. Bisher sind viel zu viele gut ausgebildete ausländische Fachkräfte hierzulande Taxi gefahren oder Toiletten putzen gegangen. Bleibt es bei dem Mangel an Fachkräften, dann fehlen in wenigen Jahren Millionen Steuer- und Beitragszahler. Dann heißt es auch für Horst Seehofer: Rente gibt es erst mit 72. Bleibt abzuwarten, was Seehofer nach seiner Pensionierung machen wird – in jedem Fall dürfte er Mitglied einer kleinen, feinen Parallelgesellschaft bleiben: Der selbst ernannten Kultur- und Bildungselite dieses Landes. * 20.10.2010 um 15:34 Uhr * glume
[...]
Kritik an einer Studie/einem Artikel können Sie gerne äußern. Kritik setzt jedoch Differenziertheit voraus und bedeutet auf Unterstellungen und Pauschalisierungen zu verzichten Danke, die Redaktion/fk.
* 20.10.2010 um 15:31 Uhr * Pünktchen
80. Jahrzehntelang hat es weder die Industrie
noch die Politik gekümmert, Menschen als Gastarbeiter ins Land zu holen, die alle die Arbeiten übernahmen, die Deutsche nicht mehr erledigen wollten. Man hat sie nicht von den Steuern und Sozialabgaben befreit; sie haben sie geleistet! - Es zählte für Industrie und Politik nur der ökonomische Vorteil. Jetzt steht man vor dem Scherbenhaufen, zumal die Industrie wiederum seit zwei Jahrzehnten versäumt hat, den Nachwuchs auszubilden. Man hat sich lieber eingebildet, Hochleistungsfähige zu geringem Entgelt einkaufen zu können - und zwischenzeitlich dafür gesorgt, daß eine Gruppe der Unausgebildeten entsteht, aus der man je nach Gusto Leiharbeiter entnehmen und wieder dorthin entlassen kann - wie die Wanderarbeiter in China oder die Angehörigen der Kaste der Unberührbaren in Indien! Dafür gehen deutsche Ingenieure und Ärzte zu wesentlich besseren Bedingungen ins Ausland - und zu uns kommt keiner mehr: siehe Flop mit der Greencard; da hilft auch kein Punktesystem. - Die deutsche selbsternannte christliche Kulturelite hat Warnungen nicht gelten lassen und kläglich versagt; so bleibt statt Leitkultur nur Leidkultur. - Es ist höchste Zeit, dem vorhandenen inländischen Potenzial von seiten der Industrie seine Chance zu geben - es zu fordern und zu fördern, aber nicht auszubeuten! - DANKE an Tanja Dückers für den Artikel. -
* 20.10.2010 um 15:01 Uhr * fidalgo
Wo Gruppen entstehen folgen Konflikte.
Der Artikel erinnert mich an das Robbers Cave Experiment. Wo Gruppen entstehen, auch wenn ihre Einteilung vollkommen willkürlich ist, entsteht eine Aufwertung der eigenen und eine Abwertung der anderen Gruppe. Spannungen zwischen den Gruppen sind fast unvermeidbar.
Ich denke es ist für unser Zusammenleben sehr sinnvoll, wenn die Presse darauf hinweist, dass die Mehrheit sich selbst in unrealistischer Weise überhöht, und das wir in Wirklichkeit gemeinsame Probleme haben, die uns einen, ob wir wollen oder nicht.
* 20.10.2010 um 15:48 Uhr * zuckerman
populistisch gegen Populismus argumentiert
Werte Frau Dückers,
selbstverständlich gibt es noch viele andere Parallelgesellschaften als jene gerade im Fokus der politischen Debatte stehenden. Doch warum soll man deshalb den Begriff Parallelgesellschaft nicht mehr benutzen dürfen? Mal abgesehen davon, dass die Probleme einer Parallelgesellschaft nicht verschwinden, indem man auf die Probleme verweist, die es auch mit anderen Parallelgesellschaften gibt.
Einfach ärgerlich, wie die ganze Diskussion abläuft.
Anekdotisch: Die eine Seite echauffiert sich über jeden Kriminalfall eines Migranten, die andere Seite präsentiert Vorzeigemigranten. Wer mit statistischen Aussagen argumentiert, dem wird unterstellt, er mache kausale Aussagen auf der Individualebene, was man dann flott wieder anekdotisch widerlegt.
Und nun die allerneueste Erkenntnis. Das Problem, über das so heftig gestritten wird, ist gar nicht so wichtig, das Problem liegt vielmehr in der Hauptgesellschaft, wie jetzt „wissenschaftlich belegt“ ist.
So dumpf die Argumente einiger Sarrazin-Anhänger sind, so dumpf sind auch jene, mit denen die Debatte nun gedreht werden soll: Gut, dass wir jetzt wissen, was wir nie geahnt hätten, dass mehr Mitglieder der Hauptgesellschaft uns eher die letzten Bohlen-Sprüche zitieren können, denn Goethes Faust.
Dumpfbacken gibt es in allen Gruppen. Wie kann man Probleme lösen (wollen) wenn man sich immer nur auf diese fixiert?
Da wird der anderen Seite Populismus vorgeworfen und man selbst arbeitet mit den gleichen Mitteln.
* 20.10.2010 um 16:24 Uhr * Medim Üzgözlü
Deutschland wird sich demokratisch verändern
als deutscher Staatsbürger türkischer Nationalität bin ich nach 30 Jahren erfolgreicher Integration stolz auf mein türkisch sein. Einzig und allein dem deutschen GG und Gesetzen verpflichtet, die keinen Gegensatz zu meiner türkischen Nationalität und islamischen Religiösität bilden. Was spricht dagegen, dass Deutschland etwas islamischer und türkischer wird, wenn das auf friedlicher und demokratischer Grundlage und im Zuge der zukünftigen demografischen Entwicklung erfolgt?
Dagegen können nur Menschen sein, die den demokratischen und freiheitlichen Konsens aufkündigen wollen.
* 20.10.2010 um 16:25 Uhr * R.Wackermann
129. Deutschland uneinig Vaterland
Sie sprechen (schreiben) da in Bezug auf die DDR ein sehr delikates Thema an, auch wenn's off-topic ist. Neulich habe ich mich daran erinnert, was da 1989/1990 geschah und war wieder sehr bewegt - da hatte sich ein Volk befreit und seinen Käfig eingerissen. Als damals 31-jähriger Wessi hatte ich ganz ehrlich die Hoffnung, dass Einiges der sozialen Errungenschaften aus dem Osten zu uns herüberkommen würde. Leider wurde da nix draus, stattdessen sah ich allenthalben die Häme der Sieger.
Nun da der Counterpart im Osten "besiegt" wurde hat sich völlig ungeniert und unwidersprochen eine Geiz-ist-geil nimm-was-du-kriegen-kannst Gesellschaft etabliert in der Ökonomisches alles Andere verdrängt hat. Natürlich ist in einem so gearteten Umfeld jede zusätzliche Gruppierung eine Konkurrenz und somit eine Bedrohung der eigenen Pfründe.
Aber wie gesagt, ein heikles und delikates Thema... aber irgendwie passt es auch wieder, stossen doch nun ideell gefestigte Gruppierungen von Außerhalb in ein ideelles Vakuum hierzulande.
Bitte kehren Sie zu einer Diskussion des Artikelthemas zurück. Danke, die Redaktion/fk.
* 20.10.2010 um 16:34 Uhr * Thrudheim
Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?
Die Strukturursache für Fremdenfeindlichkeit ist neoliberale Ausrichtung der Wirtschaft, die in den letzten Jahren zu einer ökonomischen Bedrohung der "Unter-" und Mittelschichten führte. Mittelbar ist es der faktische Mangel an Arbeitsplätzen und die ständige Bedrohung des eigenen Arbeitsplatzes. Es glaubt in der Realität keiner an die Heilsversprechen eines drohenden wie immer gearteten Fachkräftemangels in der Zukunft. Unterschwellig weiß jeder, dass es sich um in propagandistischer Absicht halluzinierte Szenarien handelt. Reale Erfahrungen haben dem Durchschnittsbürger ein vollkommen anderes Bild der Realität vermittelt. Die Politik hat ihre Glaubwürdigkeit fast vollständig eingebüßt. Sie hat die suggestive Wirkung ihrer Parolen überschätzt. Es bildet sich eine Resistenz.
Das ist dann das Surrogat auf dem Fremdenfeindlichkeit wächst.
Ich persönliche schätze Migranten ebenso wie meine deutschen Mitbürger. Es gibt gute und weniger gute Mitbürger in beiden Bevölkerungsgruppen. Trotzdem darf man doch wohl feststellen, dass Migranten zusätzlich einen schon ohnehin desolaten Arbeitsmarkt belasten. Also bringen wir doch erstmal wieder den Arbeitsmarkt in ein akzeptables Gleichgewicht was Angebot und Nachfrage betrifft. Starten wir eine große Qualifizierungsoffensive für alle die schon hier sind. Wenn das vollbracht ist und es reicht immer noch nicht, dann kann man über weitere Einwanderung reden. Aber keine Diskussion auf der Grundlage von Arbeitgebern erhobenen Daten. Diese Daten müssen unter echter demokratischer Kontrolle erhoben werden. Sonst glaubt denen sowieso keiner.
* 20.10.2010 um 16:38 Uhr * wise
Soo alter Käse, das Thema.. ...
Ich empfehle: "Etablierte und Außenseiter" Elias/Scott ursprgl. 1965)
Womöglich erkennt sich der Eine oder Andere ja wieder ;-)
Die Soziologie kennt schon seit Jahrzehnten die Problematik, hat sie hinreichend analysiert und bereits Lösungen vorgestellt. Nur, wenn sie keiner höhren will, dann werden wir wohl 'alle Jahre wieder' die gleichen Argumente zur gleichen Debatte lesen müssen...ermüdend ist das!
* 20.10.2010 um 16:42 Uhr * Medim Üzgözlü
Woher kommt die Angst vor Veränderungen
Es will doch niemand der deutschen Mehrheit durch Zwang die türkische Kultur aufzwingen. Woher kommt nur diese Angst vor dem Fremden und die Unfähigkeit sich verändern zu wollen?
* 20.10.2010 um 17:26 Uhr * Der Genesende
Die Dümmsten sind die am wenigsten Informierten
Oh ja, was können Leute wie die Islamwissenschaftler Tilman Nagel, Hans-Peter Raddatz, Gerd-Rüdiger Puin oder Bernhard Lewis? Was kann die Soziologin Necla Kelek oder der Politologe Hamad Abdel-Samad? Was können Bat Ye'or, Bassam Tibi schon zum Thema beitragen (sollten Sie den Namen überhaupt kennen.) Ich weiß, Wissenschaftler können neben Grass oder Müller nicht bestehen, denn sie urteilen zu nüchtern, mit "Zahlen", "Fakten" und ähnlich Verpöntem. Deshalb scheiden auch Karl Döhring und Heinrich Wehler aus. Was können Leute wie Matthias Küntzel, Michael Mannheimer oder Egon Flaig (noch nie gehört? Sie sollten nicht nur das Ihnen Genehme wahrnehmen) Natürlich ist Sarrazin einer, der nichts versteht, und wenn ihm Forscher wie Rindermann, Rost, Lehr, Weiß, Heinnsohn recht geben, so weil sie nichts von ihrem Fach verstehen. Wenn Christopher Hitchens, Siegfried Kohlhammer, Monika Maron, Journalisten wie Cora Stephan, Henryk M. Broder oder Volker Zastrow, das Thema Islamkritik oder Integration aufgreifen, so steht wohl fest, wie ahnungslos sie sein müssen. Salman Rushdi oder Ayaan Hirsi Ali, Seyran Ateş, Irshad Manji, Turan Dursun, Wafa Sultan oder Ibn Warraq zählen ohnehin nicht, da Betroffene - da fehlt es an der Neutralität eines Grass, nicht wahr?
Ralph Giordano oder Daniel Goldhagen sind geistlose, verwilderte, haßzerfressene Gesellen - unwürdig, uns etwas zu sagen; Oriana Fallaci oder der Philosoph Michel Onfray - sie sind nicht ernst zu nehmen, denn sie vertreten die falsche Meinung. Das kann man nun auf die hunderte Namen, die weiter hier stehen könnten, gleichermaßen anwenden - Und so wird alles "Geistlose" Schritt für Schritt ausgeschieden, bis am Ende die übrig bleiben, die Ihre Meinung vertreten - als die einzigen mit "Geist" - Und haben Sie die versächtigen Gesellen ausgeschieden, so sagen Sie: "Wo ist euer Beitrag? Was könnt ihr ausser rumschreien?" Dabei ist es nur angenehm, wenn man im Vorfeld diejenigen, die diesem Diktum gefährlich werden könnten und die eigene Überlegenheit anknabbern, verworfen hat, oder, wie ich eher annehme: überhaupt nicht kennt.
* 20.10.2010 um 17:51 Uhr * hardtalk
Giordano, Broder
Wuerde man so viel Hass gegen Judentum praedigen, wie diese jungs gegen Islam paedigen, wuerde man in Deutschland ins Gefaengniss kommen. ...
* 20.10.2010 um 17:53 Uhr * HerrMustermann
197. Chaos-Argumentation
Der Zeit-Aufsatz wirft alles durcheinander. Rechtsextremismus, Islam, Parallelgesellschaften, demokratische Werte, linksliberale Werte, Umfragen und Realitäten, die Argumentation ist chaotisch.
Es gibt eine sprachliche Ungeschicklichkeiten. Dazu gehören die Vorwürfe, die Muslime "integrieren" sich zu wenig und bildeten "Parallelgesellschaften". Nun, Parallelgesellschaften sind an sich kein Problem, es muss sich auch niemand sozial integrieren. Außenseiter und Eigenbrödler sind keine Feinde unserer Gesellschaftsordnung und Parallelgesellschaften sind das erkennungszeichen jeder pluralistisch-freiheitlichen Gesellschaft und für sich nichts Schlimmes. Aber gerade ganz speziell die desintegrierten Parallelgesellschaften von in Deutschland lebenden Muslimen sind ein Problem.
Es geht nicht um Integration. Es geht eigentlich nur um drei Dinge:
1. Muslime sollen gefälligest Arbeiten und dem Steuerzahler nicht (überdurchscnittlich oft) auf der Tasche liegen.
2. Muslime sollen gefälligste aufhören, (überdurchschnittlich oft)Banden zu bilden und Einheimische anzupöbeln und körperlich anzugreifen, sondern nett zu uns sein.
3. Muslime sollen gefälligst von bestimmen religiös begründeten Wertüberzeugungen abstand nehmen, die wir hier zurecht als abstoßend und grob unmoralisch empfinden.
Das klingt aber nicht so nett. Also sagt man lieber, sie sollten sich "integrieren", (in den arbeitende - freundlich und nichtkriminelle - sowie religiös nicht verblendete - Mehrheitsgesellschaft).
usw. Aus: "Parallelgesellschaften gibt es nicht nur unter Muslimen" # Von Tanja Dückers (20.10.2010) Quelle: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-10/rechtsextremismus
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« Reply #99 on: October 24, 2010, 12:27:00 PM » |
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[...] Walther Rathenau wurde als ältester Sohn des deutsch-jüdischen Industriellen Emil Rathenau (des späteren Gründers der AEG) und seiner Ehefrau Mathilde (geb. Nachmann) in Berlin geboren. Er wuchs zusammen mit seinen jüngeren Geschwistern Erich (1871–1903) und Edith (1883–1952) in Berlin auf und besuchte das Königliche Wilhelms-Gymnasium in Berlin. 1886–1889 studierte er in Straßburg und Berlin Physik, Philosophie und Chemie bis zur Promotion („Die Absorption des Lichts in Metallen“). 1889/1890 studierte er Maschinenbau an der Technischen Universität München. Rückblickend schrieb er über seine Jugendzeit:
„In den Jugendjahren eines jeden deutschen Juden gibt es einen schmerzlichen Augenblick, an den er sich zeitlebens erinnert: wenn ihm zum ersten Male voll bewußt wird, daß er als Bürger zweiter Klasse in die Welt getreten ist und keine Tüchtigkeit und kein Verdienst ihn aus dieser Lage befreien kann.[1]“
...
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Walther_Rathenau (19. Oktober 2010) -.- [...] Heinrich Gotthardt von Treitschke (* 15. September 1834 in Dresden; † 28. April 1896 in Berlin) war ein deutscher Historiker, politischer Publizist und Mitglied des Reichstags (von 1871 bis 1884, zunächst als nationalliberaler Abgeordneter, seit 1879 ohne Parteizugehörigkeit). ... Von Treitschke stammt der Satz „Die Juden sind unser Unglück“, der später das Schlagwort des nationalsozialistischen Hetzblattes Der Stürmer wurde. ... http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_von_Treitschke-.- [...] Der Berliner Antisemitismusstreit war eine öffentliche Debatte von 1879 bis 1881 im Kaiserreich über den Einfluss des Judentums, die sogenannte Judenfrage. ...
[...] im Herbst [wurde] die antisemitische Agitation im Kaiserreich verstärkt. Adolf Stöcker hatte nach Misserfolgen seiner 1878 gegründeten Christlich-sozialen Partei am 16. September 1879 mit einer Rede „Unsere Forderungen an das Judentum“ gestellt, um damit unzufriedene Kleinbürger und Handwerker, aber auch konservative Großbürger als neue Wähler zu gewinnen. Das kulturpessimistische und rassistische Buch von Wilhelm Marr Der Sieg des Judenthums über das Germanenthum fand damals reißenden Absatz. [...] Es fanden sich politische Führer, die seinen Bruch mit dem Liberalismus begrüßten und den Antisemitismus benutzten, um den nationalen Geist zu verstärken, von dem das deutsche Reich noch zu wenig zu haben schien.
[...] Am 15. November 1879 veröffentlichte Treitschke in den von ihm herausgegebenen „Preußischen Jahrbüchern“ einen Aufsatz mit dem Titel: „Unsere Aussichten3]
„Bis in die Kreise der höchsten Bildung hinauf, unter Männern, die jeden Gedanken kirchlicher Unduldsamkeit oder nationalen Hochmuths mit Abscheu von sich weisen würden, ertönt es heute wie aus einem Munde: die Juden sind unser Unglück!“
Treitschke wollte die Gleichberechtigung der Juden also nicht zurücknehmen. Doch er verstand diese nicht als Folge unveräußerlicher Menschenrechte, die der Nationalstaat zu schützen habe, sondern als Geschenk der preußischen Monarchie, die daher Ansprüche an die Beschenkten stellen könne. Der Führungsanspruch einer als Leitkultur aufgefassten Synthese von Deutschtum und Christentum stand für ihn außer Frage.
...
[...] Bis zum Sommer 1880 reagierten fast nur politische Gegner und jüdische Akademiker auf Treitschkes Angriffe. Die Öffentlichkeit nahm den Streit daher zunächst als Kontroverse zwischen einem angesehenen deutschen Professor und einigen betroffenen Juden wahr, die seine Angriffe abzuwehren versuchten.
Der Kommentar der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums“ vom 9. Dezember 1879 stellte Treitschkes Aussagen über jüdische Börsenjobber, Zeitungsmagnaten und Hosenverkäufer in eine Linie mit mittelalterlicher Pogromhetze[4]:
„Es sind dies nichts anderes als die alten Beschuldigungen der Brunnenvergiftung, der Hostienentweihung, der Schuld am Schwarzen Tod […] in neuer Gestalt… Und dazu gibt sich auch ein Herr von Treitschke her!“
Als erster Akademiker reagierte der Breslauer Rabbiner und Philosoph Manuel Joël (1826–1890) im Dezember 1879 mit einem offenen Brief, in dem er Treitschke vorwarf, die Juden zu Unrecht allein für Missstände im Land verantwortlich zu machen und damit erst recht als Sonderkörper […] im nationalen Organismus zu isolieren. Treitschke übertreibe die angebliche Masseneinwanderung aus Polen. Jüdischer und germanischer Geist seien miteinander verträglich, da das Christentum jüdischen Ursprungs sei.
Der zum Protestantismus konvertierte Paulus Stephanus Cassel veröffentlichte ebenfalls noch im Dezember seine Schrift Wider Heinrich von Treitschke. Für die Juden. Er war zunächst der einzige Christ, der den Angriffen öffentlich entgegentrat.
Von Ludwig Bamberger erschien im Januar 1880 in der Zeitschrift Unsere Zeit. Deutsche Revue der Gegenwart der lange Aufsatz Deutschtum und Judentum, der historische und politische Unzulänglichkeiten Treitschkes ironisch aufdeckte und das Selbstverständnis deutscher Juden erklärte. Er stellte abschließend fest:[5]
„Darin hat Herr von Treitschke den Juden einen Dienst geleistet, dass er viele, die unter dem Eindruck der letzten Jahrzehnte sich Illusionen hingegeben, auf das wahre Sachverhältnis wieder aufmerksam machte … Es ist besser, die Juden kennen das Gefühl des Widerstrebens, welches unter dem Zwange der äußeren Höflichkeit sich verbirgt.“
Der jüdische Historiker Heinrich Graetz (1817–1891), Autor einer bis heute berühmten Geschichte der Juden, versuchte Treitschkes Vorwürfe als unhaltbar zu widerlegen. Er wollte nicht als jüdischer Nationalist betrachtet werden, betonte aber im letzten Band seines Werks, dass die Eigenart des „jüdischen Volksstamms“ in der Nachwirkung und Erinnerung seiner biblischen Berufung am Berg Sinai bestehe. Ohne Kenntnis dieses Ursprungs bleibe das Gemeinschaftsgefühl heutiger Juden unverständlich.[6]
Treitschke griff Graetz mit einem zweiten Aufsatz persönlich an und stellte ihn als Beispiel für jüdischen „Todhass“ gegen bedeutende Vertreter deutscher Kultur hin. ...
... Von den konservativen Zeitungen hatte anfangs nur die der katholischen Zentrumspartei nahestehende „Germania“ schon am 28. November 1879 Stellung bezogen: Sie druckte Treitschkes ersten Aufsatz teilweise ab und wies ihre Leser darauf hin, dass dieser ihre judenfeindliche Agitation seit 1873 bestätigt habe.
Wilhelm Marr und andere Antisemiten begrüßten Treitschke emphatisch als Bundesgenossen, der ihre Position mit seiner wissenschaftlichen Autorität aufwerte. Ab Januar bis April 1880 nahmen antisemitische Stimmen in der Presse wie auch unter Akademikern zu. So erschien im „Reichsboten“ ein Artikel über Treitschkes Bedeutung für die „antisemitische Bewegung“. Auch die von Wilhelm Marr gegründete, damals bereits aber nicht mehr von ihm redigierte „Deutsche Wacht“ begrüßte Treitschkes Forderungen als Zustimmung zu ihrer Agitation.
Der Berliner Professor Wilhelm Endner beantwortete im Januar 1880 Bresslaus Schrift. Treitschkes Antwort darauf sei zu milde gewesen. Von den Juden, die das Land aussaugten, müsse verlangt werden, endlich körperlich zu arbeiten. Sie sollten ihre Auffassung von koscheren Lebensmitteln fallen lassen und die jüdischen Feiertage aufgeben. Christen und Juden könnten sich sonst nie annähern und zusammenleben. Eine Verschmelzung sei unmöglich, da dann auch die Deutschen – die Endner mit den Christen gleichsetzte – einen Teil ihrer Identität opfern müssten. Das Eigentümliche des Juden sei dem natürlichen Gefühl des Deutschen eben unsympathisch, unangenehm, zum Teil selbst widerlich.[10]
...
[...] veröffentlichten 75 angesehene Berliner Bürger am 14. November 1880 eine sogenannte Notabeln-Erklärung gegen den Antisemitismus in der Nationalzeitung Berlin. Darin hieß es:[15]
„In unerwarteter und tief beschämender Weise wird jetzt und an verschiedenen Orten, zumal in den größten Städten des Reiches, der Rassenhass und der Fanatismus des Mittelalters wieder ins Leben gerufen und gegen unsere jüdischen Mitbürger gerichtet. […] … gebrochen wird die Vorschrift des Gesetzes wie die Vorschrift der Ehre, dass alle Deutschen in Rechten und Pflichten gleich sind. […] Schon hört man den Ruf nach Ausnahmegesetzen und Ausschließung der Juden von diesem oder jenem Beruf oder Erwerb, von Auszeichnungen und Vertrauensstellungen. Wie lange noch wird es währen, bis der Haufe auch in diesen einstimmt? Noch ist es Zeit, der Verwirrung entgegenzutreten und nationale Schmach abzuwenden, noch kann die künstlich angefachte Leidenschaft der Menge gebrochen werden durch den Widerstand besonnener Männer. […] Verteidigt in öffentlicher Erklärung und ruhiger Belehrung den Boden unseres gemeinsamen Lebens: Achtung jedes Bekenntnisses, gleiches Recht, gleiche Sonne im Wettkampf, gleiche Anerkennung tüchtigen Strebens für Christen und Juden.“
Erstunterzeichner waren u. a. die Professoren Johann Gustav Droysen, Rudolf von Gneist, Rudolf Virchow und Theodor Mommsen. ...
...
Aus: "Berliner Antisemitismusstreit" (15. September 2010) Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Antisemitismusstreit -.- Der Antisemitismus ist eine mit Nationalismus, Sozialdarwinismus und Rassismus begründete Judenfeindlichkeit ... Als Erfinder des Wortes Antisemitismus gilt der deutsche Journalist Wilhelm Marr (1879), von antisemitischen Vorurteilen sprach erstmals Moritz Steinschneider 1860 in Bezug auf die Werke von Ernest Renan. Die internationale Antisemitismusforschung widmet sich seit 1945 der Erklärung des Phänomens. Die Artikelaufteilung berücksichtigt ihre begrifflichen und epochalen Differenzierungen. ... http://de.wikipedia.org/wiki/Antisemitismus_%28bis_1945%29-.- Geschichte der Juden in Deutschland http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Juden_in_Deutschland
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« Reply #100 on: October 26, 2010, 12:52:41 PM » |
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[...] Berlin - Die deutsche "Leitkultur" ist in der Union derzeit wieder in Mode. Wirklich weg war sie zwar nie, seit Friedrich Merz den Begriff vor rund zehn Jahren in die breitere politische Debatte eingeführt hatte. 2007 schrieb sich die CDU das Bekenntnis zur Leitkultur auch ins Grundsatzprogramm. Doch seit die Integrationsdebatte in Deutschland an Fahrt gewonnen hat, berufen sich führende Christdemokraten wieder besonders gerne auf eine Werteordnung, an der sich hier lebende Ausländer zu orientieren hätten.
"Unsere kulturellen Werte, geprägt durch eine christlich-jüdische Tradition, der sich die CDU besonders verbunden fühlt, und historischen Erfahrungen sind die Grundlage für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und bilden unsere Leitkultur", heißt es nun in einem Antrag der CDU-Spitze für den Bundesparteitag im November. "Wir erwarten von denjenigen, die zu uns kommen, dass sie diese respektieren."
Den Antragsentwurf will der CDU-Bundesvorstand am kommenden Montag beschließen. Das Papier mit dem Titel "Verantwortung Zukunft" umfasst elf Seiten, das Kapitel zur Integrations- und Zuwanderungspolitik nimmt dabei den größten Raum ein. "Deutsches Interesse statt Multi-Kulti" ist der Abschnitt überschrieben. Die CDU habe als Regierungspartei die "rot-grüne Multi-Kulti-Politik beendet", heißt es. "Wir haben damit die Integrationspolitik an unseren Interessen ausgerichtet und Schluss gemacht mit einer Politik falsch verstandener Toleranz."
Die besondere Betonung der christlich-jüdischen Tradition findet sich im Grundsatzprogramm der CDU im Zusammenhang mit dem Leitkulturbegriff nicht. Dass sie nun im Parteitagsantrag der CDU-Spitze auftaucht, kann auch als Abgrenzung zu den Worten von Bundespräsident Christian Wulff verstanden werden.
... "Keine Toleranz" will die CDU künftig gegenüber sogenannten Integrationsverweigerern walten lassen. "Wer sich seinen Pflichten entzieht, für den sind Sanktionen mit Folgen für seinen Aufenthaltsstatus und seine Leistungsansprüche vorgesehen", schreiben die Autoren. "Wir werden deshalb künftig noch stärker dafür Sorge tragen, dass die Sanktionsmöglichkeiten konsequent angewandt werden und prüfen, ob weitere Verschärfungen notwendig sind."
Die Parteiführung geht in dem Entwurf auch auf die aktuelle Profildebatte in der Union ein - allerdings ohne dabei Defizite auf der konservativen Flanke einzuräumen. Die CDU als "Volkspartei der Mitte", bekenne sich zu ihren konservativen, liberalen und christlich-sozialen Wurzeln. "Die CDU ist nicht von jedem ein bisschen, sondern alles in einem. Keine dieser Wurzeln ist die alleinig Bestimmende", heißt es, verbunden mit der Mahnung, diese Begriffe nicht gegeneinander auszuspielen.
Indirekt warnt die Parteispitze in dem Papier auch vor dem Entstehen einer neuen politischen Gruppierung rechts der Union: "Aus unserer Integrationskraft leiten wir die Aufgabe ab, einer Zersplitterung der Parteienlandschaft entschlossen entgegenzutreten."
Aus: "Antrag zum Parteitag: CDU-Spitze beschwört die deutsche Leitkultur" Von Philipp Wittrock (20.10.2010) Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,724259,00.html-.- [...] Am 17. Oktober 2010 erklärte Kanzlerin Angela Merkel, dass der multikulturelle Ansatz des Zusammenlebens gescheitert sei. Nun sollte man ihr zumindest anrechnen, dass sie die konservative Linie der Debatte über eine "Leitkultur" von vor zwei Jahren konsequent weiterführte. Diese vertrat die Ansicht, dass jeder Staat auf einem vorherrschenden Kulturraum basiert, den die Mitglieder anderer Kulturen, die dort leben, respektieren sollten. Anstatt nun einfach das Lamento anzustimmen, dass solche Standpunkte den neuen aufkeimenden Rassismus in Europa begleiten, sollten wir unseren kritischen Blick auf uns selbst richten und uns fragen, inwieweit unser abstrakter Multikulturalismus zu diesem traurigen Stand der Dinge geführt hat. Und da beginnen schon die Schwierigkeiten: Gründet sich nicht jede Praxis des Universalismus auf ein bestimmtes kulturelles Feld? Das macht die Frage nach einer verpflichtenden universellen Bildung zu so einem heiklen Thema. Liberale bestehen darauf, dass Kinder das Recht haben sollen, Teil ihrer jeweiligen Gemeinde zu bleiben, jedenfalls dann, wenn dies aus wirklich freiem Willen geschieht. Kinder der Amish in den USA sollten beispielsweise effektiv die freie Wahl haben, ob sie das Leben ihrer Eltern oder der "Englischen" wählen. Das aber kann nur funktionieren, wenn sie sich ausreichend kundig machen können - der einzige Weg, dies zu tun, wäre also, sie aus ihrer Amish-Gemeinde herauszureißen. Entsprechend stößt die übliche liberale Haltung an Grenzen, wenn es um moslemische Frauen geht, die einen Schleier tragen: Sie könnten diese gerne tun, heißt es, sofern die Verschleierung ihre eigene Entscheidung sei und ihnen nicht von ihren Ehemännern und Familien aufgezwungen werde. Sobald diese Frauen den Schleier jedoch auf Grund ihres freien Willens tragen, verändert sich auch die Bedeutung des Schleiers grundlegend: Er ist dann eben nicht mehr ein Zeichen ihrer Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Muslime, sondern ein Ausdruck ihres idiosynkratischen Individualismus, ihrer spirituellen Sinnsuche und ihrer Ablehnung einer kommerzialisierten Sexualität, oder gar eine politische Geste des Protests gegen den Westen. Das ist auch der Grund, warum Menschen, die sich in unseren säkularen Gesellschaften einen tiefen Glauben bewahren, in einer defensiven Rolle wiederfinden. Selbst wenn es ihnen erlaubt ist, ihrem Glauben nachzugehen, wird dieser Glaube doch nur als ihre idiosynkratische persönliche Auffassung "toleriert". Sobald sie diesen Glauben und das, was er ihnen bedeutet, öffentlich bekunden, sobald sie eine starke religiöse Zugehörigkeit demonstrieren, werden sie des "Fundamentalismus" bezichtigt. Das aber bedeutet, dass der "freie Wille" im "toleranten" multikulturellen Sinne des Westens nur als Ergebnis eines extrem brutalen Vorgangs gefunden werden kann, in dem man mit seinen eigenen Wurzeln bricht. Die weltlichen Gesetze des Westens unterscheiden sich nicht nur inhaltlich von religiösen Rechtssystemen, sie funktionieren auch formal ganz anders. Damit reduziert sich die schlichte Unterscheidung zwischen liberalem Universalismus und besonderen ethnischen Identitäten auf eine Unterscheidung zwischen zwei Besonderheiten. Der Universalismus einer westlichen liberalen Gesellschaft beruht nicht auf der Tatsache, dass seine Werte wie die Menschenrechte in dem Sinne universal sind, dass sie für alle Kulturen gültig sind, sondern in einem viel radikaleren Sinne: dass Individuen sich selbst als "universell" verstehen, dass sie an der universellen Dimension direkt teilhaben, ohne Rücksicht auf ihren jeweiligen sozialen Ort. Das Problematische an Gesetzen für eine bestimmte ethnische oder religiöse Gruppe ist, dass sich nicht alle Menschen einer bestimmten Gruppe zugehörig fühlen. Außer Personen, die zu solchen Gruppen gehören, sollte es deswegen universelle Individuen geben, die ausschließlich den Gesetzen des Staates unterliegen. Außer Äpfeln, Birnen und Trauben sollte es also auch einen Raum für Obst an sich geben. Auch wenn liberale Linke die Idee einer "Leitkultur" als heimlichen Rassismus verdammen, so wäre doch zuzugestehen, dass diese Idee zumindest eine angemessene Tatsachenbeschreibung darstellt. Der Respekt individueller Freiheiten und Rechte, auch auf Kosten von Rechten einzelner Gruppen die volle Gleichberechtigung von Frauen, die Religionsfreiheit (inklusive des Atheismus), die Freiheit der sexuellen Orientierung, die Freiheit jeden und alles zu kritisieren, sind zentrale Bestandteile einer liberalen Leitkultur. Das sollte auch die Antwort an all jene Moslems sein, die in westlichen Ländern gegen ihre Behandlung protestieren, während sie beispielsweise akzeptieren, dass es in Saudi-Arabien verboten ist, öffentlich nach einem anderen Glauben zu beten als dem Islam. Sie sollten akzeptieren, dass die gleiche Leitkultur, die ihnen ihre religiöse Freiheit im Westen garantiert, von ihnen den Respekt aller anderen Freiheiten abverlangt. Die Freiheit der Moslems ist Teil der Freiheit Salman Rushdies, zu schreiben, was er will. Man kann nicht nur die westlichen Freiheiten einklagen, die einem passen. In meiner Heimat Slowenien tobt seit einigen Jahren eine Debatte darüber, ob Moslems, die meisten von ihnen Einwanderer aus Republiken des ehemaligen Jugoslawiens, in Ljubljana eine Moschee bauen dürfen. Während sich Konservative aus kulturellen, politischen und architektonischen Gründen gegen die Moschee aussprachen, blieb die Wochenzeitschrift Mladina deutlich auf ihrer Linie, für die Rechte von Menschen aus anderen ehemals jugoslawischen Republiken einzutreten, und unterstützte den Bau. Es überrascht nicht, dass Mladina auch die einzige Zeitschrift war, die die Mohammed-Karikaturen abdruckte. Auf der anderen Seite waren diejenigen, die das größte "Verständnis" für die gewalttätigen moslemischen Proteste zeigten, diejenigen, die immer wieder ihre Sorge um das christliche Europa bekundeten. Um jedes Missverständnis zu vermeiden - das alles sollte natürlich auch für den christlichen Glauben gelten. Am 2.Mai 2007 bezichtigte die Vatikan-Zeitung L'Osservatore Romano den italienischen Komiker Andrea Rivera für seine Kritik am Papst des "Terrorismus". Als Moderator eines Rockfestivals im Fernsehen hatte River die Haltung des Papstes zur Evolution angegriffen. Außerdem hatte er die Kirche kritisiert, weil sie Piergiorgio Welby ein katholisches Begräbnis verweigerten, einem Opfer der Muskelatrophie, der für die Sterbehilfe gekämpft hatte und gestorben war, nachdem sein Arzt sein Beatmungsgerät ausgeschaltet hatte. Der Vatikan reagierte wie folgt darauf: "Auch dies ist Terrorismus. Es ist Terrorismus, die Kirche anzugreifen. Es ist Terrorismus, blinde und irrationale Wut gegen jemanden zu richten, der immer im Namen der Liebe spricht." Diese Gleichsetzung intellektueller Kritik mit physischem Terrorismus verletzt die westeuropäische Leitkultur, die auf einer universellen Sphäre einer "öffentlichen Vernunft" besteht. Die Meinungsfreiheit funktioniert nur, wenn alle den gleichen ungeschriebenen Höflichkeitsregeln folgen, die festlegen, welche Formen von Angriff unannehmbar sind, auch wenn sie letztlich vom Gesetz geschützt werden. Diese Höflichkeitsregeln können uns auch aufzeigen, welche Merkmale eines ethnischen oder religiösen Lebenswandels akzeptabel sind und welche nicht. Wenn sich allerdings nicht alle Beteiligten auf solche ungeschriebenen Formen einigen, wandelt sich der Multikulturalismus in gesetzlich geregelte Ignoranz und Hass. Das ist der Grund, warum es die essenzielle Aufgabe aller ist, die heute für Emanzipation kämpfen, über den reinen Respekt für andere hinauszuwachsen und eine positive, emanzipatorische Leitkultur zu finden, in der die Koexistenz und die Vermischung verschiedener Kulturen möglich wird. Und den kommenden Kampf für eine solche Leitkultur aufzunehmen. ... 26.10.2010 um 11:04 Uhr, RuppertK schreibt
Oh Wunder
Wer hätte das gedacht? Ein Beitrag zum Integrationsthema mit intellektuellem, gar analytischem Anspruch. Keine 100+xte Wiederholung des ewiggleichen Talkshow-Gebrabbels, ohne Gähnanfall und nicht in 10 Sekunden lesbar! Und das im Jahre 2010, nach Pisa und Bologna und jahrzehntelanger ungebremster Verflachung der öffentlichen Debatte. Unfaßbar.
26.10.2010 um 10:23 Uhr, likewise schreibt
Multikulturalismus ist eine gelebte Alltäglichkeit
Wir vergessen lediglich stets, daß unterschiedliche Kulturen nicht notwendigerweise unterschiedliche Nationalitäten voraussetzen. Wir alle reden mit einem dreijährigen Kind anders als mit einem Hausmeister oder Zahnarzt, einem Vorgesetzten oder Untergebenen und gehen mit ihnen entsprechend um. Auch unterdiesen Berufsgruppen haben sich in gewisser Weise unterschiedliche Kulturen gebildet, vbzw. sind die Voraussetzungen der Kommunikation und des Umgangs grundverschieden.
Gleiche Höflichkeitsformen helfen sicher, übrhaupt, um Knigge neklingen zu lassen, Umgangsformen. Es ließen sich eine Reihe ähnlicher Voraussetzungen/Forderungen finden (z.B. aktive Bereitschaft zum Verständnis, nicht-diskriminiernde Einstellung, Erkennen und Beseitigen eigener Ressentiments) -- alles läßt sich aber subsummieren unter den Begriff soziale Kompetenz, vielleicht konkretisiert auf intrkulturelle Kompetenz. Diese muß gefördert werden. Auf allen Seiten. Höflichkeit dagegen ist diesbezüglich nur eine Sekundärtugend.
Aus: "Zur Integrations-Debatte Der kommende Kampf" Von Slavoj Zizek (26.10.2010) Quelle: http://www.sueddeutsche.de/kultur/zur-integrations-debatte-der-kommende-kampf-1.1015975Slavoj Žižek http://de.wikipedia.org/wiki/Slavoj_%C5%BDi%C5%BEek-.- [...] Slavoj Žižek: Die Sozialdemokratie in Europa wird geschwächt. Die Zukunft besteht in liberalem Kapitalismus und fundamentalistischer, nationalistischer, gegen Immigranten gerichteter Reaktion. Berlusconi könnte das Gesicht der Zukunft sein. Er ist eine Art Groucho Marx an der Macht. Es könnte ein neuer Autoritarismus entstehen, in dem lediglich die kleinen Freiheiten der Sexualität und des Konsums bestehen. Und die Finanzkrise ist nicht der Anfang vom Ende, sondern nach Naomi Klein eine Schocktherapie, die den Kapitalismus stützt.
[...] Oft werden Sie für einen guten Entertainer gehalten, der inhaltlich ein Scharlatan ist. Stört Sie das?
Slavoj Žižek: Ich mag es, die Leute zum Denken zu bringen, und da helfen manchmal auch Witze. Aber ich stimme Ihnen zu, vielleicht bin ich zu weit gegangen. Die Vorwürfe gegen mich werden härter. Mittlerweile bezichtigt man mich des Antisemitismus wegen dieser Hitler-Stelle. Das verschlägt mir den Atem. Das ist doch eine Position, die ich kritisiere. Trotzdem glaube ich, dass ich nicht ganz falsch liege, denn in der ägyptischen Zeitung Al-Ahram wurde mein Buch ["Auf verlorenem Posten" (Suhrkamp, 2009)] als prozionistisch kritisiert. Aber ich gebe Ihnen recht. Ich hab es satt, und deswegen kehre ich jetzt zurück zur reinen Theorie. Ich schreibe gerade an einem dicken, fetten Buch über Hegel und habe schon 700 Seiten.
Auf der letzten Kommunismus-Konferenz wollten Sie die "Internationale" singen. Was singen Sie dieses Mal?
Slavoj Žižek: Das war völliger Blödsinn. Rammstein passt viel besser. Die sind absolut fortschrittlich.
Wie kommen Sie denn jetzt darauf?
Slavoj Žižek: So wie Charlie Chaplin in "Der große Diktator" Hitler zwischen Gebrabbel nur "Apfelstrudel" und "Wiener Schnitzel" sagen lässt, so sabotiert Rammstein auf obszöne Weise die faschistische Utopie. Ich kenne nur zwei Stücke von Rammstein. Als Theoretiker hat man das Recht, über Dinge zu schreiben, die man nicht kennt. Ich glaube an die absolute Theorie.
...
Aus: "Slavoj Zizek - Wir wollen ein neues Produkt" (7. Oktober 2010 ) Quelle: http://kosova-aktuell.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1581&Itemid=1
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« Reply #101 on: October 26, 2010, 01:27:25 PM » |
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[...] Wie also sähe eine kluge feministische Position aus? Sie sollte sich beschränken und klar machen, dass die hiesige Debatte um ein Burkaverbot nichts mit der arabischen Welt zu tun hat, sondern mit einer Selbstverständigung Europas über den Umgang mit dem religiösen wie politischen Islam. Es geht hier Symbolpolitik, ausgetragen am Körper von Frauen. Letztlich bleibt die europäische Debatte eine abstrakte Selbstbespiegelung, denn eigentlich können wir nicht wirklich über die Bedeutung der Verschleierung sprechen, solange wir nicht in den entsprechenden Regionen oder Milieus selbst gelebt haben.
[...] Ohne die Gewalt, die in der Vollverschleierung steckt, zu verleugnen, gilt doch, dass ein Verbot der Verschleierung muslimische Frauen hier eher beschneidet als befreit. Um Frauen zu unterstützen, hilft eher der "Ausbau von institutionellen Maßnahmen, welche Frauen dabei helfen, ihre individuellen Rechte besser einzufordern", argumentieren Katrin Rieder und Elisabeth Joris in der NZZ.
Es bleibt, dass es eine eindeutige Position nicht geben kann. Es sei denn, man schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. In Paris sind neulich "Niquabitches" - obenrum voll verschleiert, unten fast ohne - an verschiedenen Ministerien vorbeiflaniert, um zu testen, ob sie wohl verhaftet werden (zu sehen auf Youtube). Die Frauen, die in ihrer oberen Körperhälfte zum Ärgernis des laizistischen Staates werden und in der unteren zum Affront gegen den orthodoxen Islam, bringen es auf den Punkt: Wer es schafft, entgegen gesetzte Regime gleichzeitig zu verprellen, ist - feministisch gesehen - auf der richtigen Seite. (Andrea Roedig/dieStandard.at, 20.10.2010)
Andrea Roedig ist promovierte Philosophin; von 2001 bis 2006 leitete sie das Kulturressort der deutschen Wochenzeitung "Freitag". Seit 2007 lebt und arbeitet sie in Wien.
Aus: "Gastkommentar: Schleier der Wahrheit" (19. Oktober 2010) Quelle: http://diestandard.at/1287099456822/Gastkommentar-Schleier-der-Wahrheit
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« Reply #102 on: November 03, 2010, 09:20:02 AM » |
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[...] Heute findet der Integrationsgipfel im Bundeskanzleramt statt. Es ist bereits der vierte. Anstatt aber die Integration voranzubringen, hat sich die von rechten und xenophoben Gruppen geschürte Stimmung gegen die Ausländer gewandt. Statt von Integration zu sprechen, stehen Sanktionen oder Abschiebungen auf der Agenda der erregten und zugleich verängstigten Menschen. Obgleich allen klar ist, dass die Zahl der Integrationsunwilligen marginal ist und die Vorstellung einer deutschen Festung, die sich vor Ausländern einschließt, gerade die Zukunft des Landes verspielt, steht das Thema ganz oben und verdrängt weitaus wichtigere.
Nun machen endlich mal einige Wirtschaftsverbände von Migranten ihrer Verbitterung Luft, schließlich kokettieren viele Politiker mit den ausländerfeindlichen Parolen, um ihr Mäntelchen in den vermeintlich günstigen Wind zu hängen. Sie schreiben in einem Appell an die Regierung:
"Deutschland verdumme durch Einwanderer, brauche keine zusätzliche Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen, heißt es von einigen deutschen Politikern mit einem Seitenblick auf den Stammtisch. Wir, die Integrierten, haben die Debatte, die in unserem Land stattfindet, satt. Und zwar gründlich!" In 600.000 Betrieben in Deutschland würden 2,5 Millionen Menschen beschäftigt sein, 2010 hätten ausländische Existentgründer 150.000 neue Jobs geschaffen.
Gefordert wird, dass die deutsche Politik sich zu den Eingewanderten als Teil der deutschen Identität bekennt. Die Steuergelder, die von diesen stammen, müssten stärker für die bessere Integration verwendet werden. Endlich sollten die ausländischen Berufs- und Bildungsqualifizierungen anerkannt werden.
"In Deutschland leben fast 16 Millionen Zuwanderer und Menschen mit Migrationshintergrund. Die Debatte, so wie sie geführt wird, beschädigt und verletzt uns. Sie beschädigt auch die Motivation unserer Kinder, sich in Deutschland zu integrieren. Wir fordern deshalb von der deutschen Politik, dass sie sich endlich zu uns bekennt. Wir erwarten, dass uns die deutsche Politik vor der Hetze von Populisten in Schutz nimmt! Wir wollen mit dem, was wir leisten, anerkannt werden."
Deutschland war allerdings auch schon vor der Sarrazin-Debatte nicht sonderlich attraktiv, wie zwei Wissenschaftler der Hochschule Pforzheim anhand einer Umfrage im letzten Jahr bei 2000 Studenten an europäischen Hochschulen. Der deutsche Arbeitsmarkt ist, so das Ergebnis der von Markus-Oliver Schwaab und Wolfgang Schäfer durchgeführten Studie, nicht besonders attraktiv für Akademiker. Prinzipiell will schon ein Viertel der Befragten nicht in Deutschland arbeiten.
Allgemein haben die englischsprachigen Länder einen Vorteil wegen der Sprache und weil sie meist eine lange Geschichte der Integration sind. Das Drängen auf das Erlernen von Deutsch ist bei den Hochqualifizierten wohl eher kontraproduktiv. Wenn Studenten schon einmal in Deutschland waren, verbessert das nicht ihre Lust, hierher zu kommen, sondern verringert die Bereitschaft. Die Deutschen gelten nicht als sonderlich aktiv im Hinblick auf Integration und offenbar auch nicht als besonders gastfreundlich, was der Ton in den letzten Wochen wohl noch einmal verstärkt hat: "Die Deutschen (konnten) bei den Integrationsaktivitäten, dem menschlichen Umfeld oder auch bei der Offenheit gegenüber anderer Kulturen nicht wirklich überzeugen.
Im Frühjahr führten die Wissenschaftler noch eine Umfrage unter türkischen Studenten durch, wo Deutschland noch einmal schlechter wegkam. "Für die Repräsentanten der größten nichtdeutschen Gruppe in der Bundesrepublik sind Offenheit gegenüber anderen Kulturen, Integrationsaktivitäten und das menschliche Umfeld besonders wichtige Faktoren bei der Bewertung der Attraktivität eines künftigen Gastlandes. Deutschland überzeugte diese Akademiker in dieser Hinsicht nicht. Hatten die türkischen Studierenden bereits Erfahrung in Deutschland gesammelt, war das Urteil noch skeptischer." Von einem Run auf den deutschen Arbeitsmarkt, so das Fazit, könne keine Rede sein.
Aus: "Integrierte Ausländer fordern von der Politik endlich Anerkennung" Florian Rötzer (03.11.2010) Quelle: http://www.heise.de/tp/blogs/8/148666
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« Reply #103 on: November 05, 2010, 07:38:53 AM » |
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[...] BERLIN taz/afp | Die Jugendorganisationen von SPD und Grünen haben einen gemeinsamen Aufruf für eine andere Integrationspolitik gestartet. In dem Papier "Chancengleichheit, Teilhabe, Anerkennung, Antidiskriminierung - worum es in der Integrationsdebatte eigentlich gehen müsste" kritisieren die Verfasser Sascha Vogt (SPD) und Gesine Agena (Grüne) den "weit verbreiteten Rassismus auch in der sogenannten Mitte und bei den Eliten der Gesellschaft".
...
Aus: "Jungpolitiker fordern Ausländerwahlrecht" VON GORDON REPINSKI (04.11.2010) Quelle: http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/jungpolitiker-fordern-auslaenderwahlrecht/
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« Reply #104 on: November 08, 2010, 10:51:41 AM » |
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[...] Ein Tabu beruht auf einem stillschweigend praktizierten gesellschaftlichen Regelwerk, auf einer kulturell überformten Übereinkunft, die Verhalten auf elementare Weise gebietet oder verbietet. Tabus sind unhinterfragt, strikt, bedingungslos, sie sind universell und ubiquitär, sie sind mithin Bestandteil einer funktionierenden menschlichen Gesellschaft. Dabei bleiben Tabus als Verhaltensregeln unausgesprochen oder werden allenfalls durch indirekte Thematisierung (z. B. Ironie) oder beredtes Schweigen angedeutet: Insofern ist das mit Tabu Belegte jeglicher rationalen Begründung und Kritik entzogen. Gerade auf Grund ihres stillschweigenden Charakters unterscheiden sich Tabus von den ausdrücklichen Verboten mit formalen Strafen aus dem Bereich kodifizierter Gesetze. Nahezu alle Lebewesen, Gegenstände oder Situationen, die ins menschliche Blickfeld rücken, können tabuisiert werden: Demzufolge können sich Tabus beziehen auf Wörter, Dinge, Handlungen, Konfliktpunkte, auf Pflanzen und Tiere, einzelne Menschen oder soziale Gruppen. ...
http://de.wikipedia.org/wiki/Tabu (30. Oktober 2010) -.- [...] Was Einwanderer besonders stört, sind doppelte Standards. Etablierte Kirche für das Christentum, aber nicht für den Islam. Das gilt auch für Tabus. Hier Kriminalisierung der Holocaustleugnung, aber freies Feld für Mohammedkarikaturen. ... Wir müssen uns entscheiden. Entweder gehen wir den Weg einer Multiplizierung der Tabus. Dann bleibt herzlich wenig übrig, worüber wir noch sprechen können. Oder wir gehen den konsequent liberalen Weg, das heißt, auch eigene Tabus abzubauen. Ich bin sehr für den zweiten Weg. ... Ich halte die Meinungsfreiheit für ein Schlüsselthema in dieser Debatte. ... Das Prinzip der individuellen Freiheit besagt: Ich bin frei zu denken, was ich will, zu sagen, was ich will, und zu tragen, was ich will. Solange es die Freiheit von anderen nicht beeinträchtigt. Das ist eine persönliche Wahl. Schauen Sie sich doch den Band des Fotografen Henri Cartier-Bresson über die Europäer an, mit Bildern aus den 1930er bis 1970er Jahren. Jede zweite Frau trägt ein Kopftuch, vor allem auf den katholischen Land. Jetzt sagen wir auf einmal: Es gehört zum Wesen einer freien Gesellschaft, dass man kein Kopftuch trägt? Was für ein Unsinn!
... Goethe sagt irgendwo: Tolerieren heißt beleidigen. Weil es etwas anderes als volle Anerkennung ist. Aber ich bin sehr für Toleranz. Und ich bin sehr für die offene, aber zivilisierte Austragung von Konflikten.
...
Aus: "Timothy Garton Ash über Religionen: "Fort mit den Tabus"" (07.11.2010) Quelle: http://www.taz.de/1/debatte/theorie/artikel/1/fort-mit-den-tabus/http://de.wikipedia.org/wiki/Timothy_Garton_Ash
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