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« Reply #105 on: November 11, 2010, 12:36:49 PM » |
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[...] Ich möchte hier vor allem offenlegen, welchen Argumentationslinien Ressentimentbewegungen folgen und weshalb sie sich einer offenen und vor allem ergebnisoffenen Diskussion nicht stellen, und weshalb sie sich ihr auch nicht stellen können. 1. Das erste und grundlegende Element einer jeden Ressentimentbewegung ist die Konstruktion einer Bedrohung für die Mehrheit durch eine kleine Gruppe, deren Einfluß auf die Gesellschaft, die öffentliche Meinung und die Gesetzgebung viel stärker sei, als es dieser Minderheit aufgrund ihrer Zahl eigentlich zustünde. Das können, um nur die häufigsten zu nennen, wahlweise die Juden, die katholische Kirche, die Homosexuellen, der Islam, die Ausländer, die Linken oder die Feministinnen sein. Auffällig, weil allen Ressentimentbewegungen gemein, ist in allererster Linie, daß sie die Rechte der Mehrheit gegen die vermeintliche Bedrohung durch eine Minderheit verteidigen wollen. Wie kann man auf eine solch absurde Idee kommen, und wieso wird ein derartig offenkundiger Blödsinn nicht sofort von jedem vernünftigen Menschen als solcher erkannt? Ein naheliegendes und schlüssiges Argument sieht in der Wirksamkeit der Ressentimentbewegungen ein Symptom für eine tief verwurzelte und häufig unbewußte Verunsicherung, wie sie für moderne Gesellschaften und/oder Gesellschaften im Umbruch typisch ist. Diese Unsicherheit und die Angst vor Statusverlust führen in der Regel zu einer Sehnsucht nach – häufig vormodernen – überschaubaren Strukturen, wobei mittlerweile schon die Jahre vor der gesellschaftlichen Öffnung unter der Chiffre „1968“ zu diesem Bild der überschaubaren vormodernen Idylle zählen. Daß eine Rückkehr in die Vergangenheit nicht möglich ist, das ist allerdings auch den meisten Vertretern der Ressentimentbewegungen klar. Also führen sie – was in der Regel unbewußt geschieht – einen Stellvertreterkrieg, und nun wird auch klar, warum sie sich stets gegen Minderheiten richten. Es sind die vermeintlichen Profiteure einer gesellschaftlichen Entwicklung, die die Mehrheit verunsichern. Wer davon profitiert, so der kurze Schluß, der muß sie begrüßen, wahrscheinlich vorantreiben, und vielleicht sogar ursächlich für sie verantwortlich sein. Zudem ist schlichter und simpler Neid eine Ursache für Ressentimentbewegungen: Denn wie kann jemand, der einer Minderheit angehört, die es am besten gar nicht geben sollte, die zumindest aber nicht stören oder auffallen darf und froh sein sollte, geduldet zu sein von der schweigenden Mehrheit, wie kann so jemand von einer Entwicklung profitieren, wenn die Mehrheit nicht von ihr profitiert? So sieht die Angst des Kleinbürgers aus. Daß eine lesbische jüdische schwarze Deutsche in der modernen Gesellschaft die gleiche Unsicherheit erfährt und in der gleichen Verunsicherung in Hinsicht auf Zukunft, Arbeit, Rentensicherheit usw. lebt wie eine jede andere deutsche Mittelstandsfamilie, wird bei dieser Sichtweise völlig ausgeblendet. Zum einen werden also Gruppen verdächtigt, die in der Vormoderne überhaupt noch nicht in nennenswerter Zahl in der Gesellschaft existierten, wie etwa die eingewanderten Migranten. Zum anderen sind es gerne die Juden allein schon aus schlechter alter Tradition, und Katholiken werden stets immer nur da verdächtigt, wo sie in der Diaspora existieren und als von Rom regiert und daher als potentiell illoyal gegenüber dem Staat, in dem sie leben, gelten. Linke, oder wie es in den USA heißt, Liberale, sind verdächtig, weil sie diese Sehnsucht nach einer überschaubaren Vormoderne nicht teilen und statt dessen eine weitere Öffnung der Gesellschaft begrüßen und fordern. Damit, mit der Ablehnung der Bunkermentalität, machen sie sich verdächtig. Denn wer in diesen unsicheren Zeiten nicht verunsichert ist, mit dem kann ja irgendetwas nicht stimmen, so das Bauchgefühl derer, deren ganze Verunsicherung auch nur so ein diffuses Bauchgefühl ist, die sich aber nicht aktiv und erkennend mit ihm auseinandersetzen wollen oder können. Und was ist mit nun dem Antifeminismus, könnte man fragen? Denn Frauen sind keine gesellschaftliche Minderheit, und schon gar nicht sind sie in den letzten Jahren massenhaft nach Deutschland eingewandert. Aber die Rolle der Frau hat sich seit den letzten vierzig Jahren stark gewandelt, und das viel stärker als in den tausend Jahren zuvor, und ihre Rechte – das Wahlrecht, das Recht, einen Mann ihrer Wahl zu heiraten oder auch nur mit ihm zusammenzuleben, das Recht, sich scheiden zu lassen, und so weiter – werden auch noch immer weiter ausgeweitet. So ist beispielsweise die Vergewaltigung in der Ehe seit 1998 strafbar, und so lange der Anteil an weiblichen Führungskräften in der Politik, vor allem aber in der Wirtschaft, noch unter 50 % liegt und das durchschnittliche Gehalt für Frauen unter dem für Männer, wird es noch viele Veränderungen geben. Das veränderte und sich auch weiterhin verändernde Frauenbild steigert ganz massiv die Verunsicherung von Männern, da es nicht nur Auswirkungen auf die Gesellschaft hat, sondern ganz konkret in das Leben eines jeden (heterosexuellen) Mannes hineinwirkt. Man kann sich zuhause, in seiner Wohnung und im Privatleben den gesellschaftlichen Einflüssen weitgehend entziehen und den modernen Entwicklungen und Zumutungen durchaus verweigern, das zeigen unter anderem Eichenfurnierschrankwand und Hirschgeweih in vielen deutschen Wohnzimmern ebenso wie der Gartenzwerg vor der Haustür, aber man kann sich kaum einem veränderten Rollenverständnis entziehen, will man in einer („normalen“ heterosexuellen) Partnerschaft leben. Das veränderte Rollenmodell und die erweiterten Handlungsmöglichkeiten für Frauen haben zudem zur Folge, daß auch männliche Rollen neu gedacht werden müssen, da sie sich ebenfalls nur als Geschlechterrolle, und damit in direktem Bezug zur Rolle der Frauen, definieren und konstruieren lassen. Doch der Antifeminismus richtet sich, wie der Name schon sagt, nicht gegen Frauen allgemein, und schon gar nicht gegen alle Frauen, sondern gegen den Feminismus, der als existentielle Bedrohung für Männer, für die Familien und die ganze Gesellschaft dargestellt wird. PS: Nach einer klugen Anmerkung von I.D.A. Liszt: Selbstverständlich ist dieser Versuch, Frauen in "Feministinnen", die eine angebliche Bedrohung darstellen, und in "gute, tatsächliche, unverdorbene und feminin gebliebene" Frauen zu unterscheiden, nichts anderes als eine Methode, die Frauenrechtsbewegung, die nichts anderes als das Menschenrecht auf eine freie Persönlichkeitsentfaltung auch und speziell für alle Frauen einfordert, gegen alle Frauen, und damit gegen alle Menschen, gerichtet. Jede Behinderung einer Emanzipationsbewegung ist letztlich eine Menschenrechtsverletzung. Doch der Kampf der Ressentimentbewegungen muß immer gegen vermeintlich Schwächere, gegen Minderheiten, geführt werden und er versteht sich gut darauf, eine vermeintliche Mehrheit zu konstruieren und in diesem Falle eine vermeintliche Mehrheit der "normalen" Frauen in ihr zu subsummieren und in sich zu intergrieren, d.h. dafür zu vereinnahmen, ohne sie nach ihrer Zustimmung gefragt zu haben. 2. Im zweiten Schritt behaupten nun die Vertreter der Ressentimentbewegungen, heißen sie nun Thilo Sarrazin oder Sarah Palin, Holger Apfel, Pater Tadeusz Rydzyk oder wie auch immer, diesen zu großen und für die Mehrheit vermeintlich gefährlichen Einfluß einer gefährlichen Minderheit trotz deren Verschleierungstaktik erkannt zu haben und ihn, im Namen der „schweigenden Mehrheit“, der „Wahrheit“ oder der „Gerechtigkeit“, aufzudecken, zu entlarven und zurückzudrängen. Das heißt, zum einen stilisieren sie sich nun als Verteidiger dieser „schweigenden“ bedrohten Mehrheit gegen die als bedrohlich und gefährlich dargestellte Minderheit, die auf dem besten Wege sei, die Macht völlig an sich zu reißen und damit der Mehrheit ihren letzten Rest an Status, der ihr aufgrund ihrer Zahl zukomme, zu entreißen. Zum anderen unterstellen sie ihren Gegnern eine perfide Doppelstrategie: Der Einfluß dieser kleinen Gruppe wird von ihnen erstens als sehr weitgehend und überproportional dargestellt. Die ganze Gesellschaft, der „Mainstream“, wie es immer wieder heißt, sei von ihnen bereits völlig durchsetzt und sie stünden quasi kurz davor, die Macht völlig an sich zu reißen. Aber diese geschickten Gegner hätten es zweitens auch geschafft, daß kaum jemand diesen Einfluß überhaupt wahrnehme. Durch „eine Art Gehirnwäsche“ der „gleichgeschaltete Mainstrem-Medien“, wie es immer wieder heißt, ist jeder, der ihren Argumenten nicht folgen will, im besten Falle ein naiver Gutgläubiger, der keine Augen im Kopf hat, meist aber ein dogmatischer Dummkopf, der nur nachplappere, was er in der Zeitung läse oder ein nützlicher Idiot der Gegenseite, dem Dogmatismus des Mainstreams verfallen. Daher ist ein Gespräch mit Vertretern von Ressentimentbewegungen auch nicht möglich. Entkräftet man ein einzelnes Argument mit Zahlen und Fakten, dann wird das entweder als „Ausnahme, die die Regel bestätigt“ zugelassen und das nächste auf den Tisch gepackt, oder aber die Argumentationsweise als eine Folge der „Gehirnwäsche“ betrachtet. Dieser verschwörungstheoretische Aspekt bei Ressentimentbewegungen ist nicht zu unterschätzen, denn ohne ihn würde die ganze Argumentation nicht funktionieren und zusammenbrechen. Denn wenn diese kleine, aber äußerst bedrohliche Minderheit nicht schon beinahe alle Zeitungen, Fernsehkanäle und Köpfe beherrschen würde wie unterstellt, dann gäbe es ja auch keine Gehirnwäsche durch die Mainstream-Medien. Und dann könnte auch derjenige, der ihre Argumente ablehnt, auch kein Dogmatiker sein, der sie in eine verschwörungstheoretische Schublade stecke. 3. Ein einzelnes Argument oder Beispiel zu widerlegen funktioniert nicht, wie eben gezeigt. Aber das kann auch nicht das Ziel einer Auseinandersetzung sein. Ob nun ein Beispiel stimmt oder nicht, ist vor allem deswegen nicht von Belang, weil alle Vertreter von Ressentimentbewegungen eine Unzahl von Beispielen parat haben, die man im Gespräch im Einzelnen gar nicht widerlegen kann, weil man sie oft nicht kennt. Aber auch das ist nicht weiter von Bedeutung, denn oft genug sind die Beispiele – wie Sarrazins Buch zeigt – zurechtgebogen, verfälscht oder auch erfunden. Denn sie sollen auch gar nicht eine Realität abbilden und zu einer Debatte beitragen, wie das in einer offenen Diskussion der Fall wäre. Sie haben allein die Funktion, die These, daß „die uns bedrohen“, zu untermauern. Nur hier kann man ansetzen, ansonsten verstrickt man sich in endlose Debatten darüber, wie viele Kopftuchträgerinnen in Berlin leben, wie viele Kinder im letzten Jahr von Homosexuellen mißbraucht wurden, und wie vielen Vätern pro Woche das Sorgerecht entzogen wird. Das ist mühselig und führt nur zu Verstimmung auf beiden Seiten. ... [...] In seiner tieferen Bedeutung handelt es sich bei Ressentimentbewegungen um einen Kampf gegen eine innere Verunsicherung, gegen eine weitere Gefährdung des ohnehin geschwächten Selbstbildes. Zugeben, daß er verunsichert ist, wird ein Vertreter einer Ressentimentbewegung nicht. Im Gegenteil, dieses Argument wird er als gemeingefährliche „Psychologisierung“, als „Pathologisierung“ seines heroischen Kampfes um Gerechtigkeit betrachten. Mit solchen Argumenten kann man sich einen Feind fürs Leben schaffen. Was aber die Richtigkeit einer solchen Diagnose nur bestätigt. Doch der Vertreter einer Ressentimentbewegung wird in einem solchen Argument, das darauf zielt, daß es eigentlich egal ist, gegen welche Minderheit er gerade zu Felde zieht, und daß dieser Stellvertreterkrieg einzig dem Ziel dient, seine bröckelnde Identität vor einem weiteren Verfall zu bewahren, als eine Ablenkung vom eigentlichen Thema – obwohl es sein Grundthema ist – und einen unzulässigen hinterhältigen persönlichen Angriff verstehen. Doch der Kampf gegen die eigene Verunsicherung kann nur erfolgreich sein, wenn man sich ihr stellt, sie zuläßt und sich immer wieder die Frage stellt, wie mit dieser Verunsicherung umzugehen ist. Doch das bedroht Selbstbilder, die auf überkommenen Weltbildern ruhen, und das ahnen die Anhänger von Ressentimentbewegungen – unbewußt – meist ganz genau. Statt dessen bekämpfen sie einen imaginierten und personifizierten Feind, in der Hoffnung, den befürchteten Statusverlust wenigstens zu verzögern, wenn sie ihn schon nicht ganz aufhalten können. Denn noch wähnen sie sich ja einig mit einer schweigenden Mehrheit. Das wird deutlich darin, daß die Ressentimentbewegungen auch stets die Rechte der Mehrheit zu verteidigen vorgeben, und dadurch, daß sie auf eine Verunsicherung in der Mitte der Gesellschaft, verbunden mit dem Unwillen oder der Unfähigkeit, analytisch zu denken, zählen kann, wird sie mit immer wieder mit dem schönen Satz: „Das muß man doch noch mal sagen dürfen!“ aufwarten und immer wieder hohe Zustimmung erfahren. Gegenargumente oder Proteste gegen ihre manichäische Weltsicht und ihre Einteilung in Mitstreiter und Feinde dienen ihnen dann dazu, ihre These der gleichgeschalteten Mainstreamedien zu wiederholen, die nicht richtiger wird, wenn man sie wiederholt. Sarrazins rassistischer Auswurf steht seit Monaten auf Platz 1 der Bestsellerliste, aber er beklagt sich darüber, daß ihn seine Gegner mundtot machen wollten. Woran man sofort einen lupenreinen Vertreter einer Ressentimentbewegung erkennen kann, denn er darf in einer offenen Gesellschaft selbstverständlich jeden Unfug zwischen zwei Buchdeckel schreiben, der ihm einfällt. Niemand hindert ihn daran. Das wird man doch noch mal sagen dürfen… Ernst schrieb am 11.11.2010 um 07:58
... Ressentiments haben ihre ursprüngliche Heimat nach nicht im Intellekt, sondern im Gefühl; von dort aus erobern sie klammheimlich den Intellekt. Sie lähmen ihn und sie mißbrauchen ihn. Wie ein Virus befallen sie den Verstand und machen sich auch die Sinne zu Untertanen.
...
Aus: ""Das wird man doch noch mal sagen dürfen!"" DanielW (10.11.2010) Quelle: http://www.freitag.de/community/blogs/danielw/das-wird-man-doch-noch-mal-sagen-duerfen
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« Reply #106 on: November 23, 2010, 02:55:56 PM » |
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[...] Güvercin: Sind Begriffe wie Multikulturalismus oder Integration längst überholte Begriffe, wie der Migrationsforscher Mark Terkessidis in seinem Buch “Interkultur” ausführt? Sie beispielsweise wurden zu Anfang Ihrer Schriftstellerlaufbahn der “Migrantenliteratur” zugeordnet.
Zaimoğlu: Es ist mir eine große Freude zu sehen, dass die Technokraten, die das Leben ideologisch verkrümmen, und die Populisten und Hysteriker der Wirklichkeit hinterher hecheln. Man kann es natürlich tun. Man kann in seiner warmen Stube hocken und auf eine bestimmte Klientel schielen, und dann anfangen zu fluchen. Man kann Menschen, die sich zunächst einmal nicht wehren können, denunzieren. Das ist eine Frage des Niveaus und sei jedem freigestellt. ... Man darf einen Fehler nicht begehen: Man darf nicht versuchen, mit den Begriffen aus dem Soziologie-Seminar und den Redaktionsstuben Phänomene der sogenannten Unterschicht begreifen zu wollen. Das ist ein großer Fehler, und ich sehe seit 20 Jahren, dass dieser Fehler bewusst oder unbewusst begangen wird, um zu bestimmten Schlüssen zu kommen. Was sind das für Schlüsse? Die Türken können nichts! Wenn man von Ausländern spricht, dann meint man eigentlich die Türken. In den vergangenen Jahren wurde das Fremde mit dem Begriff “Moslem” kodiert. Also man meint den Türken oder Moslem, wenn man Ausländer sagt. Dann sagt man, diese Leute sind nicht angekommen, diese Leute können nichts, sie seien dumm und wollten sich abschotten. In jeder Szene und Schicht der deutschen Gesellschaft, in jeder Klasse gibt es Menschen, die sich abschotten. Wenn man von Abschottungspolitik spricht, dann sollte man sich nicht an die fremdstämmigen Deutschen halten, sondern eher an die Großbürger, also an die Spitzen der Gesellschaft. Da lernt man, was Abschottungspolitik ist. Auf die einfachen Menschen, das einfache Volk einzudreschen, hat eine lange Tradition. Ich bin nicht willens darauf einzugehen. Tatsächlich sollte man auch nicht mehr versuchen, mit den alten Dickköpfen zu sprechen. Das langweilt mich, und das langweilt vor allem die Menschen da draußen. Es ist so oft gesagt worden: Es ist ein soziales Problem und kein kulturelles. Wenn man, statt auf die eigentlichen ökonomischen und sozialen Probleme Deutschlands hinzuweisen, die Diskussion kulturalisiert, dann ist das lumpig. Deutschland ist viel weiter.
...
Aus: "“Ich bestehe darauf!”" (23. November 2010) Quelle: http://www.migazin.de/2010/11/23/ich-bestehe-darauf/
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« Last Edit: December 12, 2010, 03:43:38 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #107 on: January 08, 2011, 12:49:59 PM » |
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[...] Die Polizei gab Details zu dem Anschlag bekannt: Unbekannte versuchten demnach, die Eingangstür der Moschee anzuzünden. Ein Passant entdeckte gegen 1.45 Uhr das Feuer, alarmierte die Polizei und begann mit dem Löschen des Brandes. Polizisten gelang es, die Flammen mit Autofeuerlöschern zu ersticken. Am Tatort hinterließen die Täter eine Nachricht, wie es weiter heißt. Nähere Einzelheiten zu dieser Nachricht gibt es bisher offenbar nicht.
Die Ahmadiyya-Gemeinschaft ist eine besondere islamische Strömung, die pazifistisch ausgerichtet ist. Die Wilmersdorfer Moschee ist das älteste islamische Gebetshaus in Deutschland. Es wurde 1928 eröffnet.
Schon im vergangenen Jahr hatte eine Serie von Brandanschlägen auf islamische Einrichtungen in Berlin Empörung ausgelöst. Allein die Sehitlik-Moschee am Columbiadamm - Berlins größtes islamisches Gotteshaus - wurde vier Mal angegriffen. Wer hinter den Anschlägen steckt, wissen die Behörden noch nicht.
(sueddeutsche.de/dapd/dpa)
...
Aus: "Brandanschlag auf Berliner Moschee" (08.01.2011) Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/politik-kompakt-brandanschlag-auf-berliner-moschee-1.1043861-.- Berliner Polizei fasst mutmaßlichen Feuerteufel (22.01.2011) http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,741034,00.html
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« Last Edit: January 22, 2011, 04:46:52 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #108 on: January 10, 2011, 05:11:05 PM » |
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[...] Pünktlich zum Ende des Jahres erscheint Gazelle in einer „unisex“ Sonderausgabe mit dem Thema „Muslime in Deutschland“. Der Titel des Heftes im handlichen Pocketformat lautet „Der ewige Muslim“. Kaum eine Gruppe in diesem Land steht derzeit so stark im Fokus der Diskussion. Ob in der Politik, im Kulturbetrieb oder Wissenschaft: alle haben eine wichtige Meinung über Muslime zu äußern. Profund muss sie dabei nicht immer sein. Denn schon der Gedanke, dass es DIE Muslime gibt und dass es sich um eine homogene Gruppe handelt, ist ein großer Trugschluss. Auch die verbreitete Meinung, dass ihre Zugehörigkeit zum Islam ein Integrationshindernis darstellt, entlarvt eine große Wissenslücke.
...
Aus: "Aktuelle Ausgabe - Eine Gazelle Sonderausgabe" (2011) Quelle: http://www.gazelle-magazin.de/newsdetails/article/1/1293539084.html
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« Reply #109 on: January 25, 2011, 09:18:08 AM » |
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[...] Ansgar Heveling, CDU-Berichterstatter für das Urheberrecht und Mitglied der Enquete-Kommission Digitale Gesellschaft des Bundestags, hat den auf der Musikmesse Midem in Cannes versammelten Vertretern der deutschen Musikindustrie Unterstützung im "Kulturkampf" rund um den dritten Korb der Urheberrechtsnovelle zugesagt. Der Politiker sagte zur Eröffnung des deutschen Midem-Gemeinschaftsstands, er habe zuweilen den Eindruck, die "Ideologen der Freiheit arbeiten kräftig daran, unsere Kultur und Wertschöpfungsketten zu zerstören". Eine Gesellschaft, die das geistige Eigentum nicht schütze, sei keine freie Gesellschaft, so Heveling unter Verweis auf den ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog. ... (Monika Ermert) / (anw) 24. Januar 2011 14:09 Jetzt bedrohen Raubmordkopierer schon die Freiheit der Gesellschaft ? Volker Putt (mehr als 1000 Beiträge seit 26.04.07)
Warum tut denn der Staat nix, um uns zu beschützen ? Unter Honecker hätts sowas nicht gegeben.
24. Januar 2011 14:13 Meldung in kurz exil (mehr als 1000 Beiträge seit 31.12.02)
Hallo $INDUSTRIE,
sende $GELD an $POLITIK und Du wirst geholfen.
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24. Januar 2011 14:17 CDU-ideologisches Gefasel mopsfidel, heise2010@verbloggt.de (mehr als 1000 Beiträge seit 01.06.07)
> Heveling habe zuweilen den Eindruck, die "Ideologen der Freiheit arbeiten > kräftig daran, unsere Kultur und Wertschöpfungsketten zu zerstören".
Die Kultur wird kaum durch illegales Filesharing bedroht. Oder ist uns Mozart, Bach, etc. gerade deshalb heute noch bekannt, weil für deren Werke kein Entgeld bezahlt wurde? Die Bedrohung der Wertschöpfungskette ist die eigentliche Kernbotschaft. Aber die verpackt Herr Heveling geschickt mit der Bedrohung der Kultur. Clever. So könnte man den Eindruck gewinnen, Kultur gibt es nur mit Wertschöpfungskette. Das wiederum ist purer Unsinn.
> Eine Gesellschaft, die das geistige Eigentum nicht schütze, > sei keine freie Gesellschaft, sagte Heveling.
Puh! An dem Satz hat ein Referent bestimmt eine halbe Nacht gearbeitet. ...
24. Januar 2011 14:32 Was kostet so ein Statement? FrogmasterL (mehr als 1000 Beiträge seit 02.11.05)
Bzw. was kostet ein Politiker, der so einen Schwachsinn mit dem Brustton der Überzeugung von sich gibt?
...
Aus: "Midem: CDU-Politiker stärkt Musikindustrie den Rücken" (24.01.2011) Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Midem-CDU-Politiker-staerkt-Musikindustrie-den-Ruecken-1175793.html
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« Reply #110 on: March 05, 2011, 09:40:38 AM » |
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[...] Der Islam gehöre nicht zu Deutschland, hatte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) kurz nach der Übergabe seiner Ernennungsurkunde durch Bundespräsident Christian Wulff gesagt. Kabinettskollegin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) reagiert nun: Der Islam gehöre "selbstverständlich zu Deutschland". ... Friedrichs Äußerungen seien ein eher schlechter Start ins Amt, sagte der FDP-Innenexperte Hartfrid Wolff. "Ich bin schon etwas überrascht, dass sich der neue Innenminister gleich mit einer Aussage zu Wort meldet, die ausgrenzt statt zu integrieren." Wolff forderte Friedrich auf, "schnell" von seiner geäußerten Position abzurücken und "im modernen Deutschland 2011" anzukommen. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt hatte Friedrich gesagt, die in der Bundesrepublik lebenden Menschen islamischen Glaubens gehörten zu Deutschland. "Aber dass der Islam zu Deutschland gehört, ist eine Tatsache, die sich auch aus der Historie nirgends belegen lässt." Damit hatte er Bundespräsident Christian Wulff widersprochen. Wulff hatte am Tag der Deutschen Einheit vergangenen Oktober gesagt, "der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland". Regierungssprecher Steffen Seibert sagte hingegen, er sehe keinen Gegensatz zwischen der Position von Wulff und der Friedrichs. Friedrich habe nicht in Abrede gestellt, dass der Islam Teil der Gegenwart sei. Der Kontrast zu Wulff werde überbewertet. Die Geschichte und Kultur des Landes sei aber tatsächlich vom Christentum, vom Judentum und von der Aufklärung geprägt. "Da kann man also von einer historischen Prägung Deutschlands durch den Islam nicht reden", sagte Seibert. Der Regierungssprecher mahnte, sich von "Definitionskämpfen" zu lösen und sich auf die Aufgabe zu konzentrieren, Menschen verschiedener Herkunft in diesem Land zu integrieren. ... * Alarcos * 04.03.2011 um 16:33 Uhr
geballter unsinn realitätsfern und von grund auf idiotisch. drastische fehlbesetzung.
* michaelrenner * 04.03.2011 um 17:07 Uhr
Bayern gehört nicht zu Deutschland
Der Freistaat gibt sich viel Mühe nicht als Teil Deutschlands zu erscheinen. In nahezu allen Medien (ja selbst im Wetterbericht) wird zwischen Bayern und Deutschland streng getrennt (O-Ton B3: die Wolkenfront zieht über Franken nach Deutschland weiter .....). Viele Bayern sprechen kein Deutsch, zum Glück verstehen alle Bayern wenigsens Deutsch! In keinem anderen deutschen Bundesland dürfte es derart viele religiöse Eiferer geben wie in Bayern. Die bayrische Variante der Integrationsverweigerung wird seit 1871 konsequent von jeder Regierung in München mit Billigung der Bevölkerung betrieben. Aber vielleicht hat der CSU-Mann von seiner (rechts-) Aussenposition ja einen besonders guten Blick nach Deutschland und kann wagt deshalb zu beurteilen wer zu uns gehört und wer nicht.
* ASasse * 04.03.2011 um 17:02 Uhr
Kopftuchträgerinnen, Bibel, Fundamentalisten?
In unserem Dorf gibt es auch jede Menge Kopftuchträgerinnen. Ich bin davon überzeugt, dass die zu unserem Dorf gehören. Das Kopftuch ist komisch, aber diese Diakonissen sind eigentlich ganz nett. Leben in unserem Dorf fast wie so eine Hippiekommune, nichts von bürgerlicher Familie und so...
Die Bibel wurde nicht in Deutschland geschrieben, sondern irgendwo anders. Allerdings scheint es an Weihnachten so zu sein, dass einige in christliche Kirchen gehen. Wenn deshalb das Christentum zu Deutschland gehören soll, dann habe ich nicht verstanden weshalb eine andere Religion zu deren Events auch Leute scharenweise hingehen nicht zu Deutschland gehören soll. Vielleicht verwechselt Herr Friedrich seine C-Partei mit Deutschland? Fundamentalisten...
* drxt * 04.03.2011 um 16:25 Uhr
... Dass der Islam zu Deutschland gehört, ist ein unbestreitbarer Fakt - "In Deutschland leben rund vier Millionen Muslime, knapp die Hälfte besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit." Daher bedeutet "Der Islam gehört nicht zu Deutschland." eigentlich "Ich will nicht, dass der Islam zu Deutschland gehört." Darum geht es im Kern und nicht um die scheinheilige "Leitkulturdebatten"...
* Wir * 04.03.2011 um 16:49 Uhr
Epidemie des Kulturkreis-Historismus
„Ohne die Islamische Philosophie hätte es weder Scholastik noch Aufklärung geben können“, Frieder Otto Wolf (Philosoph). Auch Lutz Berger (Islamwissenschaftler) spricht von einem entscheidenden islam-wissenschaftlichen Einfluss auf die europäische Aufklärung.
Über die geschichtliche Rolle des Koran, dem Offenbarungsbuch der Muslime, schreibt Prof. Dr. Paul Schwarzenau einführend in seinem erhellenden Buch: Korankunde für Christen – Ein Zugang zum heiligen Buch der Moslems – (2001): „Der Koran ist zugleich das letzte antike und das erste moderne Buch. Im Zusammenhang damit ist an den mächtigen Geschichtsimpuls zu denken, den der auf dem Koran fußende Islam dem Abendland für die Bildung eines modernen Bewusstsein gegeben hat“. „…Doch sind wir Europäer blind für die kulturelle Schuld, in der wir beim Islam stehen“, schreibt einer der weltweit renommiertesten Islamwissenschaftler W. Montgomery Watt in seinem Meisterwerk: Der Einfluss des Islam auf das europäische Mittelalter, Berlin 1989, S. 13, 14.
Hans Küngs "Islam" sowie Karl-Josef Kuschels "Vom Streit zum Wettstreit der Religionen - Lessing und die Herausforderung des Islam" sind in diesem Zusammenhang auch sehr lesenswert. Nicht zu vergessen ist Sigrid Hunkes "Allah´s Sonne über dem Abendland"!
...
* Ida Tschichoflos * 04.03.2011 um 17:09 Uhr
Schizophrenie als Modewelle
Die liebe CDU/CSU kultiviert offenbar eine eifrige Vorliebe fürs Sich-Blamieren. Das verbale Aktionsprogramm der entsprechenden Regierungsmitglieder verwandelt sich dabei nachhaltig in potentielles Dissertationsmaterial zum Thema "Über den lebensnotwendigen Einsatz schizophrener Wahrnehmungsstrukturen zum politischen Machterhalt". Erst spaltet Frau Merkel ihren Ex-Verteidigungsminister liebenswürdigerweise auf in eine losgelöste wissenschaftliche(sic!) Teilpersönlichkeit versus die heldisch-begabte Minister-Hauptpersönlichkeit, dann tritt Herr Friedrich baldmöglichst in ihre Fußstapfen, um zwischen zu Deutschland gehörenden Menschen islamischen Glaubens versus nicht zu Deutschland gehörendem islamischem Glauben strikt zu trennen. Möglicherweise finden die Damen und Herren der CDU/CSU-Regierung ja mittlerweile keine Zeit mehr, um auch nur ansatzweise über die naheliegenden gedanklichen Konsequenzen ihrer eigenen postdoktoralen Aussagen nachzudenken. ...
Aus: "Friedrichs Islam-Äußerungen sorgen für Ärger in der Koalition" (4.3.2011) Quelle: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-03/friedrich-islam-kritik
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« Reply #111 on: July 26, 2011, 04:27:57 PM » |
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Anders Behring Breivik (IPA: ['andəʂ 'beːriŋ 'bræɪviːk]; * 13. Februar 1979 in Oslo[1], nach anderen Quellen in London[2]) ist der Täter der Anschläge in Norwegen 2011, bei denen 77 Menschen ums Leben kamen, überwiegend Teilnehmer am Zeltlager einer sozialdemokratischen Jugendorganisation. Er wurde am 22. Juli 2011 festgenommen und gestand am nächsten Tag die Taten umfassend.[3] Als Motiv für die Anschläge gab der zum Tatzeitpunkt 32-jährige Mann an, Norwegen gegen den Islam und den „Kulturmarxismus“ verteidigen zu wollen. Er habe die regierenden Sozialdemokraten „so hart wie möglich“ treffen wollen, da sie zum „Massenimport von Moslems“ nach Norwegen stark beigetragen hätten.[4][5] .... (6. Oktober 2011) http://de.wikipedia.org/wiki/Anders_Behring_Breivik-.- [...] Die mehr als 1.500 Seiten seines Manifestes offenbaren einen guten Einblick in die Weltanschauung des norwegischen Attentäters Anders Behring Breivik. Der Autor verortet sich selbst als Teil einer "Paneuropäischen Patriotischen Widerstandsbewegung". Er bedient sich dabei christlich-fundamentalistischer, rechtspopulistischer und extrem rechter Denkfiguren und Argumentationsmuster.
Neben der biografischen Inszenierung und den organisatorischen und militärischen Anleitungen zum Krieg ziehen sich besonders zwei Perspektiven durch das Manifest. Zum einen: ein apokalyptische Szenarien ausmalender antimuslimischer Rassismus, der sich ausgiebig am Rechtspopulismus bedient.
Zum anderen beschwört Breivik einen "Kulturmarxismus", den er für die Zerstörung traditioneller Familienmodelle und die Einwanderung nach Europa in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verantwortlich macht. Die Dämonisierung der Vertreter der Kritischen Theorie als Zerstörer traditioneller Werte reicht bei ihm so weit, dass er selbst die europäischen christdemokratischen Parteien als deren Apologeten ansieht und zu Feinden im bereits begonnen Krieg erklärt.
Breivik distanziert sich von Hitler und vom Antisemitismus. Seine Warnung an mögliche Sympathisanten vor der Verwendung biologistisch-rassistischer Argumentationsmuster ist auch taktisch motiviert, um eine Stigmatisierung als "Rassist" oder "Nazi" zu vermeiden. In Einklang mit gängigen rechtspopulistischen Denkfiguren bezeichnet er Kultur und Religion als überzeitlich gegebene gesellschaftliche Ordnungsmuster.
Ebenfalls gemäß der rechtspopulistischen Ideologie warnt Breivik vor der Zerstörung angestammter Gemeinschaften durch eine multikulturell globalisierte Gesellschaft. Er beschwört dabei das Szenario einer Fremdherrschaft durch einen als homogen und expansiv gedeuteten Islam. Dieser werde durch einen inneren Feind hofiert, nämlich eben: durch den linken Internationalismus und den Multikulturalismus.
Breivik sieht seine Attentate als Bestandteile eines jahrhundertealten Kampfes, bei dem sich das christliche Europa gegen die islamische Bedrohung und seine Helfer zu wehren habe.
Die historischen Anleihen von Breiviks terroristischem Kulturkampf werden auf dem Deckblatt des Traktats deutlich. Der Bezug auf Symbolik und Ideengut der Tempelritter transportiert nicht nur die Idee eines permanenten Kreuzzugs, sondern auch die Vision von der Aufstellung einer neuen elitären Miliz. Diese dient in seinen Plänen als Vorkämpferin einer elitären und explizit patriarchalen Form der Gemeinschaft, die nicht zuletzt durch eugenische Maßnahmen bevölkerungspolitisch kontrolliert wird.
Dieser Miliz weist Breivik im Rahmen eines auf Jahrzehnte prognostizierten Kampfes eine entscheidende Rolle zu. Durch rücksichtslose und spektakuläre Taten müsse, ganz im Sinne der faschistischen "Tatgemeinschaft", Aufmerksamkeit geschaffen werden: "Um die kulturmarxistische/multikulturelle Medienzensur erfolgreich zu durchbrechen, müssen wir erheblich brutalere und atemberaubende Operationen durchführen, die Opfer fordern werden. Damit der Angriff an Einfluss gewinnt, müssen Attentate und der Gebrauch von Massenvernichtungswaffen hinzugezogen werden", heißt es in Breiviks Traktat.
Breivik selbst sieht sich als Anhänger einer "Wiener Denkschule" – eine direkte Referenz auf den antimuslimischen Blog Gates of Vienna. Auch die Jahreszahl 2083 auf dem Titelblatt seines Manifests beschwört die Wiederkehr der Entscheidungsschlacht gegen den Islam. Entsprechend weist sein Text signifikante Schnittmengen zu Verschwörungstraktaten wie dem Minority Report oder dem Eurasia-Code des skandinavischen Bloggers Fjordman auf, die seit Längerem in der Blogger-Szene zirkulieren.
Breivik bezeichnet seine Weltsicht als "Kreuzzugsnationalismus" und als "Hybrid verschiedener rechter Ansätze", für den er auf die Unterstützung von etwa 35 Prozent der Europäer hofft.
Kaum etwas an Breiviks Botschaften ist neu; die weltanschauliche Rahmung für dieses Traktat stammt zu großen Teilen aus dem virtuell feilgebotenen Selbstbedienungsladen der rechtspopulistischen Bloggerszene und deren parteipolitischen Akteuren sowie von neonazistischen Internetseiten.
Bei Breivik verdichten sich auf ebenso extreme wie profane Weise unterschiedlich gelagerte Feindbilder und Verschwörungstheorien zu einem apokalyptischen und terroristischen Kulturkampf-Szenario.
Aus: "Breiviks profane Apokalypsen" Alexander Häusler | Fabian Virchow (26.7.2011) Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2011-07/norwegen-manifest-breivik-.- [...] Rechtspopulisten in Europa verurteilen die Attentate von Oslo und Utøya als die eines psychopathischen Einzeltäters. Auch der Niederländer Geert Wilders sagt, weder seine Freiheitspartei noch er selbst seien „verantwortlich für einen einsamen Idioten“. ... Natürlich... René Fitzmann
Unheimlich scheinheilig das Ganze. Wenn ich die Kommentare und die Artikel auf einschlägigen Seiten lese, dann kommt es mir so vor als könnte man die Zeit um 80 Jahre zurückdrehen, Muslime mit Juden ersetzen und es hätte den gleichen Sinn. Das ist rassistischer Extremismus in seiner reinsten Form und hat nichts mit einer sachlichen Islamkritik zu tun. Floskeln werden ständig wiederholt, beleidigende und hetzende Bezeichnungen kreiert und man lässt jeglichen Konstruktivismus vermissen.
Aus: "„Schlag ins Gesicht der Anti-Islam-Bewegung“" (26. Juli 2011) Quelle: http://www.faz.net/artikel/C32742/reaktionen-rechtspopulistischer-parteien-schlag-ins-gesicht-der-anti-islam-bewegung-30473716.html-.- [...] Das Massaker von Norwegen ruft Trauer und Bestürzung hervor, auch Tage später noch, begleitet von tiefer Ratlosigkeit. Wie konnte so etwas passieren? ... ... rechte Spinner [bringen] in Internetforen Verständnis für den Mörder auf. Sie gestehen ihm Notwehr zu gegen einen Mainstream, der Überfremdung und Islamisierung Tür und Tor öffne. ... Woher solche Täter kommen, welche Motive und Umfelder sie haben, ist Kern jeder professionellen Analyse. ... es eint [...] die extremistischen Ideologien, vom Kommunismus über den Faschismus bis zum Islamismus, dass sie besondere Umstände geltend machen, in denen auf dem Weg zur vermeintlichen Weltrettung Mord legitim wird. "Schrecklich, aber notwendig" sei der Anschlag, schrieb der mutmaßliche Täter in Norwegen. "Schrecklich, aber notwendig" waren auch die Gulags und ist jeder Anschlag von Bagdad bis Bali. ... Ebenso gefährlich wie die Relativierung ist der Reflex, dem jeweiligen politischen Gegner eine Mitschuld zu geben. Die Bluttat ist ein verführerisches Vehikel für die These, es gäbe eine direkte Linie vom Populisten Geert Wilders über das schwache Buch des Thilo Sarrazin bis nach Oslo - es gäbe gar eine mehrheitsfähige gesellschaftliche Stimmung in Europa, die diesen Massenmord begünstigte. Zugespitzt: Das rechtspopulistische Milieu, dem der irrsinnige Täter angehört, sei mindestens so gefährlich und einflussreich wie das islamistische - und wir sollten unsere Antennen entsprechend justieren. Diese These ist absurd. Denn es gibt keinen Vertreter irgendeiner Regierung in der westlichen Welt, der diese Tat eines Wahnsinnigen offen oder heimlich beklatscht oder relativiert. Aber es gibt Dutzende Beispiele in islamischen Staaten, vom Iran bis Malaysia, in denen Terror und Mord bejubelt und verharmlost wurde und wird. Das Massaker von Norwegen eignet sich nicht für Rechthaberei und ideologische Triumphe. Es ergibt keinen Sinn. ... Bermerkenswerte These- leider aber falsch 26.07.2011, 13.15 Uhr, peterschmitz
Jemand, der wie Sarrazin, Wilders oder Broder Hass und Diskiminierung das Wort redet und solchen Gewalttätern den theoretischen Hintergrund liefert, soll also frei von jeder Schuld sein? Komische Vorstellungen haben sie.
Stimmt 26.07.2011, 12.43 Uhr, Bliesheimer
Der islamische Atttentäter hat offizielle Befürworter und auf der rechten Seite sind die Täter Spinner ohne Rückhalt. Sie bleiben ihrem Weltbild treu. Es gut zu wissen, dass kein Rechtspopulist heimlich Beifall klatscht. Tobias Kaufmann kennt sich aus.
Aus: "Keine Linie zu Wilders und Sarrazin" Tobias Kaufmann (26.07.2011) Quelle: http://www.ksta.de/html/artikel/1311518161944.shtml-.- [...] 26. Juli 2011 2011-07-26 14:43:00 Den bevorstehenden Wahlkampf haben Norwegens Parteien nach den blutigen Attentaten am vergangenen Freitag verschoben. Die Entscheidung dazu fiel ihnen nicht schwer – welches Plakat, welche Kampagne wäre nach der Bombenexplosion in Oslo und dem Massaker auf der Insel Utøya auch angemessen?
Besonders nötig hat diesen Aufschub die rechtspopulistische Fortschrittspartei: Ihr hatte der Attentäter Anders Behring Breivik einige Jahre lang angehört, sie hat seit Ende der achtziger Jahre mit der Warnung vor einer Überfremdung Norwegens stetig Wähler hinzugewonnen. Doch am Dienstag hat ein streitbarer Professor die Schonfrist gebrochen. In einem Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Radiosender NRK sagte Per Fugelli, der an der Osloer Universität den Lehrstuhl für Sozialmedizin innehat und in Norwegen ein häufiger Gast von Talkshows ist, die Fortschrittspartei trage „eine Mitverantwortung“ für die grausamen Geschehnisse.
Siv Jensen, die Vorsitzende der Partei, kritisierte den Vorwurf umgehend als einen Verstoß gegen die politischen Sitten. Sie hatte schon am Wochenende alle Fortschrittsparteiler symbolisch zu Mitgliedern der Jungsozialisten erklärt, deren Sommerlager der Massenmörder heimgesucht hatte. Doch im sozialen Netzwerk Facebook schicken sich Gegner der Partei schon seit dem Wochenende Links zu den Texten, die nach ihrer Ansicht den wahren Geist der mit 41 Sitzen und knapp 23 Prozent der Stimmen zweitstärksten politischen Kraft im Storting ausmachen.
Sie müssen dazu in den Archiven nur ein knappes Jahr zurückblättern. Damals veröffentlichte Christian Tybring-Gjedde, der die Fortschrittspartei seit sechs Jahren im norwegischen Parlament vertritt, in der Zeitung „Aftenposten“ einen geharnischten Gastbeitrag: Eine ungebremste Zuwanderung werde „Norwegen in Stücke reißen“, heißt es darin; einige Stadtteile im Osten Oslos seien schon jetzt „Enklaven ohne ethnische Norweger“. Weil sie diese Entwicklung befördere, sei die sozialdemokratische Arbeiterpartei „ein Dolch im Rücken der norwegischen Kultur“. ... Später verteidigte sich Tybring-Gjedde damit, seine Überzeugung entspreche der Mehrheitsmeinung, die auf Partys geäußert werde, aber nie in der öffentlichen Debatte.
„Auf die Fortschrittspartei wartet eine deftige Rechnung“, prophezeit nun der Politologe Magnus Marsdal, der mehrere kritische Bücher über den Aufstieg der Partei geschrieben hat. Die Partei vertrete seit einem Vierteljahrhundert die Theorie, dass eine von der Arbeiterpartei repräsentierte Elite die breite Bevölkerung verrate. Spätestens seit den Anschlägen vom 11. September 2001 sei eine Tendenz zur Stigmatisierung des Islam hinzugetreten. Im Wahlkampf vor den Parlamentswahlen 2009 hatte etwa Siv Jensen selbst, die im Gegensatz zu Tybring-Gjedde nicht dem rechten Flügel ihrer Partei zuzurechnen ist, vor einer schleichenden „Islamisierung“ Norwegens gewarnt.
„Verschwörungstheorie und Islamophobie, das ist das Grundgerüst im Weltbild des Terroristen“, sagte Politologe Marsdal am Dienstag dieser Zeitung. „Man darf Handlung und Haltung zwar nicht gleichsetzen. Aber nicht jede Haltung ist unschuldig.“
Aus: "Rechtspopulisten in Norwegen: Haltung, Handlung, Rechnung" Von Sebastian Balzter, Oslo (26. Juli 2011) Quelle: http://www.faz.net/artikel/C32742/rechtspopulisten-in-norwegen-haltung-handlung-rechnung-30473439.html-.- [...] Moskau/Wien/Rom/Prag (dpa) - Der brutale Doppelanschlag von Oslo hat in vielen Ländern eine Diskussion über mögliche geistige Brandstifter ausgelöst. Die Menschen fragen sich, auf welchem Nährboden Hass entstehen kann, wie er sich in Anders Behring Breiviks Bluttat entladen hat. Andere sehen in ihm einen Psychopathen, der auch losgelöst vom politischen Umfeld gemordet hätte.
In RUSSLAND greifen Medien die Sicht des Attentäters auf, dass Europa von einer «islamistischen Eroberung» bedroht werde. Die Boulevardzeitung «Komsomolskaja Prawda» zieht Parallelen zu Adolf Hitler, dessen Rassenideologie in Russland heute viele Anhänger habe. «Breivik hat die geheimsten Wünsche einiger seiner russischen Gefolgsleute erfüllt», kommentiert die Zeitung.
Auch in ÖSTERREICH debattiert man über etwaige geistige Grundlagen des Massakers. Dabei gerät die FPÖ ins Visier, die mit Hetze gegen den Islam für Schlagzeilen sorgt. Denn eines ihrer Wahlkampfcomics zeigt Türken während der Belagerung Wiens mit aufgespießten Kinderköpfen, und eine Kommunalpolitikerin bezeichnet den Propheten Mohammed als «Kinderschänder». Breivik spricht in seinem «Manifest» unter anderm von «Brüdern und Schwestern» in dem Alpenland und nimmt Bezug auf die Belagerung Wiens durch die Türken 1683.
Auch andere Journalisten, Experten und Wissenschaftler werfen den Rechten verbale «Brandstiftung» vor: «Wenn man lange genug hetzt, dann findet man Leute, die zur Tat schreiten», sagt der Politikwissenschaftler Thomas Schmidinger der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Die FPÖ reagiert entrüstet: Es sei unfassbar, dass man nun versuche, so ein grausames Verbrechen politisch zu missbrauchen, erregt sich FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache.
In ITALIEN herrscht in der Presse eher die Idee vor, dass Breivik ein verrückter Einzeltäter sei. So meint etwa die linksliberale römische «La Repubblica»: «Es wäre absurd zu behaupten, dass der Mörder mit einer Bombe und dem Schnellfeuergewehr Ideen herausragender europäischer Politiker ausgedrückt hat.» Jedoch gebe es in Europa extremistische Ideen wie die von Breivik.
Bei der extremistischen Lega Nord stößt Breiviks Gedankengut nicht auf vollständige Ablehnung: Der für polemische Sprüche bekannte Europaparlamentarier Mario Borghezio erklärte im Radio: «100 Prozent der Ideen Breiviks sind richtig, manche sind sogar ausgezeichnet» - nicht ohne vorher das Massaker zu verurteilen.
In den NIEDERLANDEN kreist die Diskussion um die Partei für die Freiheit (PVV). Deren Vorsitzender und Islamkritiker Geert Wilders hat die Terroranschläge in Norwegen verurteilt und den Täter als «Wahnsinnigen» bezeichnet. Zugleich wies er am Dienstag jedwede potenzielle Mitschuld durch seine islamkritischen Reden zurück. Breivik hatte in seinem «Manifest» diese Reden zitiert. «Es erfüllt mich mit Abscheu, dass der Täter in seinem Manifest auf die PVV und mich verweist», erklärte Wilders.
In POLEN schreibt die «Gazeta Wyborcza»: «Das (Attentat) sollte vor allem eine Warnung an rechtsextreme Parteien und Organisationen sein, aus deren Ideologie Breivik mit vollen Händen geschöpft hat - Englische Liga der Verteidigung, niederländische Partei der Freiheit von Geert Wilders, Schwedische Demokraten oder die Partei der echten Finnen».
Die polnische Linke rief die Regierung in Warschau auf, den Kampf gegen rechtsextreme Gruppierungen im Internet zu verstärken. Internetseiten von «Redwatch Polska» oder «Blood and Honour» seien weiterhin zugänglich, obwohl sie längst geschlossen werden sollten.
In FRANKREICH rückt die Front National ins Zentrum der Debatte. Die Partei habe mit ihrer ausländerfeindlichen Politik dazu beigetragen, den Nährboden für den Terror von Oslo zu schaffen, kritisierte die Anti-Rassismus-Initiative Mrap. Eine Gruppe führender Sozialisten schrieb, das Attentat von Norwegen zeige, wohin die «Hassreden» der Rechtsextremen führten. Das linksgerichtete Nachrichtenmagazin «Nouvelle Observateur» sieht in dem Attentäter von Oslo gar die «Verkörperung eines neuen Gespenstes, das in Europa umgeht». Die Front National selbst wehrte sich hingegen vehement gegen alle Vorwürfe, mit ihrer Politik Terroristen Vorschub zu leisten.
Der Außenminister von TSCHECHIEN, Karel Schwarzenberg, hat die Terrorakte als Taten eines psychologisch gestörten Einzeltäters verurteilt. Er sehe aber die Verbreitung verschiedener extremistischer Gruppierungen in der ganzen Welt mit Sorge, sagte er dem Nachrichtenportal «aktualne.cz». Diese Aggressivität trete überall dort auf, wo es zu einer deutlichen Einwanderung aus einem anderen kulturellen Umfeld gekommen sei.
Die Wirtschaftszeitung «Hospodarske Noviny» sieht das anders: «Alles, was wir über Breivik erfahren, beweist, dass er morden würde, auch wenn es in ganz Europa keinen einzigen muslimischen Einwanderer gäbe.»
Aus: "Europa debattiert über geistige Brandstifter" (26. Juli 2011) Quelle: http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/thema_nt/article13508668/Europa-debattiert-ueber-geistige-Brandstifter.html-.- [...] Die Tat des Norwegers ist dermaßen ungeheuerlich, so abseitig und unbegreiflich, dass man versucht ist, irgendeine Erklärung für sie zu finden, um nicht selber irre zu werden. ... Ja, hätte man Hitler damals an der Kunstakademie angenommen, wäre er nicht in die Politik gegangen, wäre der Zweite Weltkrieg ausgefallen, würde Wroclaw noch immer Breslau heißen. Und hätte der blonde und blauäugige Norweger nicht Broder und Sarrazin gelesen, sondern Patrick Bahners und Roger Willemsen, wäre er nicht zum Massenmörder geworden. Ich weiß, ich vereinfache, ich versuche nur, mit der Gegenseite Schritt zu halten, die mit einer Schamlosigkeit sondergleichen versucht, sich einen moralischen Vorsprung zu verschaffen, indem sie die Verantwortung für einen Massenmord „Islamkritikern“ von Ates bis Sarrazin, von Broder bis Wilders in die Schuhe zu schieben versucht. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Breivik ist ein Monster in Menschengestalt, dumm ist er nicht. Er hat seine Tat sorgfältig vorbereitet. Dazu gehört auch jenes „Manifest“, in dem außer mir auch andere bekannte „Islamkritiker“ wie Richard Rorty, Immanuel Kant und Franz Kafka erwähnt werden. Breivik wusste, dass er seine Tat „rational“ begründen muss. Und das hat er nicht bei mir und Thilo Sarrazin gelernt, sondern bei Mohammed Atta und Osama Bin Laden, bei den Attentätern von Madrid, London, Mumbai, Bali; bei Carlos, dem Schakal, und den „Märtyrern“, die ein Video aufnehmen, bevor sie ins Paradies aufbrechen. Und wann immer ein Terroranschlag passiert war oder im Ansatz vereitelt wurde, von den Semiprofis der Hamburger Zelle bis zu den Amateuren der Sauerland-Gruppe, eilten sofort Experten an den Tatort, das heißt in die nächste Ausgabe der „Tagesschau“, um die Mutter aller Fragen in den Raum zu stellen: Wie verzweifelt müssen Menschen sein, die so etwas tun? ... Nach dem Mord an Theo van Gogh mochte sich kein Kommentator den Hinweis verkneifen, der holländische Filmemacher habe viele Muslime „beleidigt“; wie später der dänische Zeichner Kurt Westergaard, der seinen Beinahe-Mörder mit einer Mohammed-Karikatur herausgefordert hatte. Breivik hat das alles mitbekommen. Gut möglich, dass er sich gedacht hat: „Was die können, das kann ich auch.“ Und hätte er sich als Ziel nicht ein Ferienlager der Sozialistischen Jugend ausgesucht, sondern eine amerikanische Einrichtung oder eine israelische Sportlergruppe, wären die Differenzierer und Versteher wieder unterwegs: Schrecklich, diese Tat, aber… Auf Wikipedia findet man eine Liste der „suicide bombings“ im Irak im Jahre 2010. Es sind Dutzende von Anschlägen mit Hunderten von Toten. Ich kann mich an keinen einzigen Bericht erinnern, in dem die Frage gestellt worden wäre, was die Terroristen gelesen hatten, welche Art von Lektüre sie zu ihren Taten animiert hatte. FDGO vor 21 Stunden
Es ist doch gar nicht so schwer: Wer Broder für die Verbrechen in Norwegen verantwortlich macht, der muss auch den Grünen die Schuld an der RAF geben und Muslime für islamistischen Terror zur Verantwortung ziehen. Gerade diese simplifizierten Denkstrukturen sind es, die unsere Gesellschaft zerstören. Was ist eigentlich mit den Biobauern? Der Attentäter war Biobauer! Muss man jetzt den Staatsschutz auf die Biohöfe schicken? Wie ist das mit Patchwork- Familien. Der Attentäter wuchs in solchen Verhältnissen auf. Müssen wir nun Patchwork- Kinder unter Beobachtung stellen?
Pontius Pilatus
vor 21 Stunden Auch ich wusch meine Hände in Unschuld!
Mike vor 21 Stunden Er hat doch vollkommen Recht. Wieviele Menschen mussten eigentlich aufgrund des kommunisitischen Manifestes sterben ? Millionen und Abermillionen. Stalin, Mao , Pol Pot und Jim Kong Il sind nur einige Namen ..... Gast 1 Kommentar eingeklappt Einklappen Ausklappen vor 21 Stunden Antwort auf Mike Sie haben natürlich recht. Dadurch, dass irgendwo anders auch Menschen umgebracht wurden, ist das ganze jetzt nicht mehr so schlimm...
Wie kann man nur so argumentieren? ...
Burschwoi vor 21 Stunden
Ja Potzblitz Herr Broder, Sie differenzieren ja. Was Ihnen am eigenen Beispiel gelingt, das könnten Sie nun ja auch mal spaßeshalber an den anderen, den Moslems, erproben.
Aus: "Das Manifest des Anders Behring Breivik und ich" Henryk M. Broder (25.07.2011) Quelle: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article13506649/Das-Manifest-des-Anders-Behring-Breivik-und-ich.html-.- [...] Der norwegische Bombenbastler und Mörder Anders Behring Breivik bezeichnet sich in seinem 1.500 Seiten starken Internet-Manifest als „ Kulturkonservativer“, als christlicher Kämpfer („Tempelritter“) gegen Marxismus und Multikulturalismus. Freilich wäre es ein unzulänglicher Kurzschluss, Breivik wegen seiner Nähe zur „Islamkritik“ oder zum christlichen Fundamentalismus umstandslos als Produkt dieser beiden Ideologiefabriken zu bezeichnen. Die Geschichte anderer Terroristen und Terrorgruppen zeigt, dass es keine linearen Verbindungen gibt zwischen Gewissen, Ideologie und Tat. Mit anderen Worten, „islamkritisches“ Talk-Show-Gerede von Broder-Kelek-Sarrazin und Konsorten ist so wenig eine Keimzelle von Terrorismus, wie die „klammheimliche Freude“ über Terrorakte an linken Stammtischen die Wiege bildete für neue „Generationen“ von Terroristen. ... ... Breivik wählte als Codewort den Namen des Kreuzfahrers Sigurd. Sein Manifest trägt den Titel 2083. Europäische Unabhängigkeitserklärung. Er spielt damit auf das Jahr 1683 an, als die Türken vor Wien standen. Das ganze Manifest Breiviks zeugt weniger von geistiger Verwirrung, Wahnsinn oder Irrsinn als von intellektueller Verhetzung. Breiviks Vorbild ist Theodore Kaczynski, genannt der Unabomber, der zwischen 1976 und 1995 16 Briefbomben verschickte und damit drei Menschen tötete. Er war ein brillanter Mathematiker, bevor er sich aus seiner Karriere in Berkeley zurückzog und in die Berge Montanas ging, wo er in einer kleinen Holzhütte hauste und ein Manifest mit dem Titel Die industrielle Gesellschaft und ihre Zukunft (1995) verfasste, das 2005 als Unabomber-Manifest in der Edition Nautilus auf Deutsch erschien. Vom ersten bis zum 232. und letzten Satz ist das Manifest so wenig ein Dokument des Wahnsinns wie Breiviks Textcollage, in der er sich auf Churchill, Atatürk, Herzl, die Frankfurter Schule, Bismarck und viele andere bezieht. Gefährlich wird Breiviks Pamphlet erst durch seine hermetische Abdichtung und die Imprägnierung mit Parolen rechtskonservativer Parteipolitik zur „kulturellen marxistischen Vergewaltigung seit 1968“, zur „marxistisch-islamischen Allianz“ oder zum „Krieg für das europäische Christentum“. Breivik sog sich förmlich voll mit derlei Gebräu und verdickte es – im rechtspopulistisch geprägten Klima – zum mörderischen Gemisch. Über den langen Weg von der Rede zur Tat kann man nur spekulieren, bevor das Gericht vielleicht Licht ins Dunkel von Breiviks Leben bringt. lebowski schrieb am 26.07.2011 um 15:18 "Vom ersten bis zum 232. und letzten Satz ist das Manifest so wenig ein Dokument des Wahnsinns wie Breiviks Textcollage, in der er sich auf Churchill, Atatürk, Herzl, die Frankfurter Schule, Bismarck und viele andere bezieht."
Ich hab das Manifest des Una-Bombers gelesen. Hochinteressant und intelligent. Aber für die Gesellschaft ist es bequemer, solche Leute als armselige Irre auszuweisen. Wenn Kaczynski schreibt, dass ihm die Morde leidtun, ihm aber keine andere Wahl geblieben ist, um die nötige Aufmerksamkeit für sein Pamphlet zu kriegen, so hat Kaczynski die Mechanik der Medien verstanden. Die Medien urteilen diese Leute von oben herab, obwohl sie selbst nichts anderes als lächerliche Schachfiguren sind, die von Breivik und Co. übers Spielfeld geschoben werden. Wenn ein Doofmann wie Andreas Rosenfeld auf WON schreibt, dass Breiviks Manifest "eine krude Mischung aus zusammenkopierter Theorie, kulturkritischen Aphorismen, romanhaften Tagebuchpassagen und technischen Anleitungen" ist, dann sollte ihn mal jemand darauf aufmerksam machen, dass das Blatt, für das er arbeitet, zu einem Großteil aus nichts anderem besteht.
Aus: "Codewort Sigurd" Rudolf Walther (26.07.2011) Quelle: http://www.freitag.de/politik/1129-codewort-sigurd-.- [...] Als bekannt wurde, dass der Täter kein Islamist sondern ein weißer Norweger ist, redete plötzlich keiner mehr von einem terroristischen Angriff auf unseren Lebensstil.
... Der Terror, den Norwegen am 22. Juli erlebt hat, kam weder von islamischen Extremisten noch von gewaltbereiten Linken, obwohl beide Gruppen immer wieder als innere Bedrohung unseres „Lebensstils“ diffamiert werden. Bis zu den schrecklichen Stunden am Nachmittag des 22. Juli – und diese eingeschlossen – kam das geringe Maß an Terror, das mein Land bis dahin erfahren musste, stets von der extremen Rechten. Jahrzehntelang war politische Gewalt in diesem Land allein Neo-Nazis und anderen rassistischen Gruppen vorbehalten. In den Siebzigern verübten sie Bombenanschläge auf linke Buchläden und Erste-Mai-Demonstrationen. In den achtziger Jahren wurden zwei Neo-Nazis wegen des Verdachts getötet, sie hätten ihre Gruppe verraten. Und seit 1990 wurden zwei nicht-weiße norwegische Jungen bei rassistischen Angriffen umgebracht. Keine ausländische Gruppe hat seit dem II. Weltkrieg auf norwegischem Territorium Menschen verletzt oder getötet. Einzige Ausnahme stellt die versehentliche Tötung eines Mannes durch den israelischen Geheimdienst Mossad 1973 in Lillehammer dar.
Selbst vor diesem Hintergrund haben wir nach dem ersten Anschlag sofort die islamische Welt verdächtigt. Die Jihadisten sind es gewesen. Sie mussten es sein. Sofort wurden die Anschläge als Angriffe auf Norwegen und auf unseren Lebensstil verurteilt. Auf den Straßen von Oslo wurden Hijab tragende Frauen und arabisch aussehende Männer angepöbelt, nachdem sich die Nachricht verbreitet hatte.
Das kann nicht weiter verwundern. Schließlich wird uns seit zehn Jahren erzählt, der Terror komme aus dem Osten und alle Araber seien verdächtig. Regelmäßig sehen wir, wie Menschen mit dunklerer Haut von den Sicherheitskräften am Flughafen in separaten Räumen durchsucht werden; wir haben endlose Debatten über die Grenzen „unserer“ Toleranz geführt. Indem die islamische Welt zu „dem Anderen“ geworden ist, haben wir damit begonnen zu glauben, das, was „die“ von „uns“ unterscheidet, sei die Fähigkeit, kaltblütig Zivilisten abzuschlachten. Es gibt natürlich noch einen anderen Grund, warum alle sofort an al-Qaida gedacht haben. Norwegen beteiligt sich seit zehn Jahren am Krieg in Afghanistan. Wir haben eine Zeitlang beim Irak-Krieg mitgemacht und werfen eifrig Bomben auf Tripolis. Man kann sich nur eine bestimmte Zeit lang an einem Krieg beteiligen, bis der Krieg einen selbst erreicht.
Obwohl wir alle dies wussten, wurde der Krieg nach dem Anschlag kaum erwähnt. Unsere erste Reaktion war irrational: „Sie“ mussten es sein. Ich habe es selbst gespürt. Ich fürchtete, dass der Krieg, den wir im Ausland führen, nach Norwegen gekommen war. Und was dann? Was würde mit unserer Gesellschaft geschehen? Mit unserer Toleranz, der öffentlichen Debatte und mit all den Einwanderern, die sich hier niedergelassen haben, und deren Kindern? Aber es war nicht so. Einmal mehr liegt das Herz der Finsternis tief in uns selbst begraben. Der Terrorist war ein weißer nordischer Mann – kein Muslim, sondern ein Muslim-Hasser. Sobald sich dies durchgesetzt hatte, wurde das Massaker als die Tat eines Verrückten diskutiert und galt nicht mehr länger in erster Linie als Angriff auf unsere Gesellschaft. Die Rhetorik veränderte sich, die Schlagzeilen bekamen einen anderen Fokus. Niemand spricht mehr vom Krieg. Wenn jetzt von „Terrorist“ die Rede ist, wird das Wort meist im Singular benutzt, nicht im Plural – ein besonderes Individuum und nicht so sehr eine undefinierte Gruppe, der leicht auch Sympathisanten zugerechnet werden können. Die schreckliche Tat ist nun offiziell eine nationale Tragödie. Es stellt sich die Frage, ob sie dies auch gewesen wäre, sollte der Mörder ein Verrückter mit islamischem Hintergrund sein.
Ich glaube auch, dass der Mörder verrückt war. Um eine Stunde lang Jagd auf Teenager zu machen und sie regelrecht hinzurichten, dazu muss man wirklich von allen guten Geistern verlassen sein. Aber wie der 11. September 2001 und die Anschläge auf die Londoner U-Bahn hat dieser Wahnsinn sowohl eine klinische wie auch eine politische Seite.
Jeder, der schon einmal einen Blick auf die Internetseiten rassistischer Gruppen geworfen oder die Online-Debatten der norwegischen Zeitungen verfolgt hat, kennt den Furor, mit dem sich die Islamophobie verbreitet. Der vergiftete Hass, mit dem anonyme Schreiber antirassistische Liberale und Linke bedenken, ist nur zu offensichtlich. Der Terrorist vom 22. Juli hat sich an vielen derartigen Debatten beteiligt. Er war bis 2006 aktives Mitglied in einer der größten politischen Parteien Norwegens – der populistischen Fortschrittspartei. Dann trat er aus und verbreitete seine Ideologie stattdessen unter den anti-islamistischen Gruppen im Internet. Würde die Welt die Tat für ein Werk des internationalen islamischen Terrorismus halten, würden Staatsführer von Obama bis Cameron allesamt erklären, sie stehen Norwegen in diesem Kampf zur Seite. Wie wird der Kampf aber jetzt aussehen? Alle Führer westlicher Staaten haben in ihren Ländern das gleiche Problem. Werden sie nun dem Rechtsextremismus den Krieg erklären und gegen Islamophobie und Rassismus zu Felde ziehen?
Ein paar Stunden nach der Explosion der Bombe sagt Norwegens Premier Stoltenberg, die Antwort auf diesen Angriff müsse in mehr Demokratie und mehr Offenheit bestehen. Wenn man dies mit Bushs Reaktion auf die Anschläge vom 11. September vergleicht, kann man darauf stolz sein. Ich würde aber nach der abscheulichsten Erfahrung, die Norwegen nach dem Zweiten Weltkrieg machen musste, weitergehen wollen. Wir müssen diesen Vorfall zum Anlass nehmen, um der Intoleranz, dem Rassismus und dem Hass, der nicht nur in Norwegen und Skandinavien, sondern in ganz Europa wächst, einen entscheidenden Schlag zu versetzen.
Aus: "Unser Herz der Finsternis" Aslak Sira Myhre (25.07.2011) Quelle: http://www.freitag.de/politik/1129-unser-herz-der-finsternis-.- [...] Träfe man Peder Nøstvold Jensen zufällig in Oslo, man würde ihn kaum bemerken. Wie ein netter junger Mann wirkt er, mit seinen kastanienbraunen Locken, die ein rundes Gesicht umrahmen. Tagsüber arbeitet er in einem Behindertenheim. Doch abends, an seinem Computer, verwandelte er sich in "Fjordman", einen der bekanntesten rechtsradikalen Blogger Europas, Vorbild für Anders Behring Breivik, den Massenmörder von Utøya. Kaum einer ahnte es - weder Kollegen noch Familie hatte Jensen in sein Doppelleben eingeweiht.
Den Computer hat die Polizei inzwischen beschlagnahmt und Jensen mehrere Stunden lang verhört. Er trat die Flucht nach vorn an. "Ich verstehe, dass ich ein Hassobjekt geworden bin", sagt der 36-Jährige in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der Zeitung VG, bei dem er erstmals Fjordmans wahre Identität preisgibt. Er sei aber genauso schockiert wie alle anderen. Breivik habe er nie getroffen, obwohl dieser in E-Mails um ein Treffen gebeten hatte. "Ich fand ihn langweilig - wie einen Staubsaugervertreter." Er sei kein Extremist, so Jensen, sondern eine "stille Person", wenn auch "passioniert bei den Dingen, über die ich schreibe".
Wie Jensen seine Passion auslebt, konnten Leser der islamfeindlichen Webseite "Gates of Vienna" zum Beispiel am 22. Juli verfolgen. Fjordman bloggte live aus Oslo, wie viele andere vermutete er zunächst Islamisten hinter den Terroranschlägen. Man solle nicht vergessen, ermahnte Fjordman kurz nach der Attacke, dass die Bombe die "feigste und selbstmörderischste Regierung" getroffen habe, eine, die immer besonders lasch gewesen sei im Kampf gegen den Islam. Dieser erste Kommentar entsprach den Verschwörungstheorien, die Jensen seit 2005 als Fjordman verbreitet. In der Welt, wie er sie sieht, steht Europa kurz davor, von muslimischen Einwanderern übernommen zu werden. Schuld an der "Islamisierung" trügen Politiker und Medien, die ein friedliches Nebeneinander der Kulturen befürworteten.
Diese Gedankengänge hatte Breivik übernommen, um seinen Massenmord zu rechtfertigen. 111-mal zitiert er Fjordman in seinem Manifest. Der fühlt sich missverstanden. Er habe nie zu Gewalt aufgefordert, versichert Jensen. Doch das ist wohl Interpretationssache. Von ihm stammen Sätze wie: "Der Islam, und alle, die ihn praktizieren, müssen total und physisch aus der gesamten westlichen Welt entfernt werden."
Er verpackt solche Hassbotschaften meist in langen Essays, die akademisch anmuten. Jensen hat Medienwissenschaften in Oslo studiert und Arabisch an der American University in Kairo. Seine 2004 eingereichte Magisterarbeit handelt von der Blogger-Szene in Iran. Er hatte also Kontakt zu der ihm verhassten Kultur.
...
Aus: "Vorbild für einen Mörder" Von Gunnar Herrmann (06.08.2011) Quelle: http://www.sueddeutsche.de/digital/blogger-fjordman-deckt-seine-identitaet-auf-vorbild-fuer-einen-moerder-1.1128759
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[...] Die Welt: Die norwegisch-somalische Frau Kadra Yusuf ist eine von vielen, die beschrieben hat, wie norwegische Einwanderer in den Stunden nach dem Bombenanschlag im Regierungsviertel nach dem 22. Juli beschimpft worden sind. Wie denken Sie darüber?
Jens Stoltenberg: Ich habe viele Geschichten darüber gehört, wie Muslime sich verdächtigt und einige sogar verfolgt gefühlt haben an diesem Freitag. Das ist ein Warnzeichen. Das ist eine große Krux. Das zeugt von einem Gruppendenken, das wir bekämpfen müssen. Aber Taten werden nicht von Gruppen begangen, sondern von einzelnen Menschen.
Die Welt: Sind Sie sicher, dass Norwegen auf den Terror mit dieser Umarmung von Liebe und Vielfalt geantwortet hätte, wenn hinter den Anschlägen ein Muslim gestanden hätte?
Jens Stoltenberg: Ich hoffe es, aber ganz sicher bin ich nicht. Es gibt ein Gruppendenken, das gefährlich ist. Wie wichtig es ist, den einzelnen Menschen zu sehen, glaube ich, ist eine der Lehren aus dem 22. Juli.
Die Welt: Viele haben gesagt, dass Sie ein Gefühl der Erleichterung verspürten, dass der Täter ethnisch norwegisch ist. Haben Sie sich auch so gefühlt?
Jens Stoltenberg: Erleichterung ist wohl nicht das richtige Wort. Aber als wir erfuhren, dass es höchstwahrscheinlich ein ethnisch-norwegischer Täter war, wusste ich, dass etwas nicht eintritt, was sonst vielleicht der Fall gewesen wäre, nämlich, dass wir mehr Hass auf die muslimische Minorität in Norwegen bekommen würden.
Die Welt: Sie haben den Namen des Angeklagten Anders Behring Breivik bisher öffentlich nicht erwähnt. Warum nicht?
Jens Stoltenberg: Es ist nicht so, dass ich diesen Namen in allen möglichen Zusammenhängen öffentlich vermieden hätte …
Die Welt: …werden Sie den Namen jetzt in diesem Interview aussprechen?
Jens Stoltenberg: (Stoltenberg macht eine Pause) Ich habe mir kein absolutes Verbot auferlegt, seinen Namen zu verwenden. Ich kann sagen: Anders Behring Breivik. Es wäre zu anstrengend, das zu einem absoluten Verbot zu machen. Aber ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, ihm und das wofür er steht, nicht mehr Aufmerksamkeit als nötig zukommen zu lassen.
...
(Übersetzung aus dem Norwegischen von Per Hinrichs)
Aus: ""Es gibt nur einen, der Schuld hat"" Thomas Boe Hornburg (08/2011) Quelle: http://www.welt.de/politik/ausland/article13555049/Es-gibt-nur-einen-der-Schuld-hat.html
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« Reply #113 on: October 23, 2011, 10:42:55 AM » |
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[...] Richte nie über einen Menschen, solange du nicht zwei Monde lang in seinen Schuhen gelaufen bist, heißt es in einem indianischen Sprichwort. Dieser Satz kommt mir immer in den Sinn, wenn ich den "Integrationsdebatte" genannten täglichen Wahnsinn verfolge. Es fängt schon damit an, mit welcher Selbstverständlichkeit noch von "wir" und "ihr" gesprochen wird. Es sind bald 50 Jahre her, seit meine Mutter nach Deutschland aufbrach. Ich bin hier in Deutschland geboren und aufgewachsen. Ich träume auf Deutsch. Ich habe keine andere Heimat und möchte auch keine andere. Ich bin gerne Deutscher - eigentlich ...
Nicht alle Ur-Deutschen kennen einen echten Ausländer oder Deutschtürken oder einen Deutschen mit Migrationshintergrund - nennt es, wie ihr wollt, ihr wisst, was ich meine. Aber ich finde es problematisch, dass fast alle Ur-Deutschen eine feste, oft von Fakten unbeschwerte Meinung über Neu-Deutsche haben. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn diese Meinung nicht zumeist brutal schlecht ausfallen würde. Früher, vor dem 11. September 2001, musste ich mich immer für die Türkei und ihre wirklichen oder vermeintlichen Missstände rechtfertigen. Was macht "ihr" mit den Kurden? Wieso wird bei "euch" gefoltert? Wieso hat "dein" Militär geputscht? Nach 9/11 wurde alles schlimmer. Anstatt "ihr Ausländer" heißt es jetzt "ihr Moslems". "Ihr" unterdrückt Frauen, "ihr" seid Terroristen, "ihr" seid demokratieunfähig. Zwei Monde lang in den Schuhen eines anderen laufen? Ich kann nur allen eingeborenen Deutschen sagen: Seid heilfroh, dass ihr nicht in unseren Schuhen laufen müsst. Wenn wir über euch so sprechen würden, wie ihr es über uns zu tun pflegt, würde es sich ungefähr so anhören:
Ich kann euer Integrationsgequatsche nicht mehr ertragen. Ihr wisst ja noch nicht einmal, was ihr damit meint. Wenn mit Integration gemeint wäre, Deutsch lernen zu müssen und die Werteordnung des Grundgesetzes halbwegs verinnerlicht zu haben, dann wäre es ja akzeptabel. Aber das reicht vielen von euch nicht. Wir sollen uns auch eurer Leitkultur anpassen. Was ist das denn überhaupt? Wie sieht die aus? Ich lehne es ja nicht grundsätzlich ab, am deutschen Wesen zu genesen. Kommt mir jetzt aber nicht mit dem christlich-jüdischen Erbe des Landes. Das wäre einfach nur schäbig! Erst Millionen Juden in die Gaskammern zu treiben und nur ein paar Jahrzehnte später die Überlebenden zu missbrauchen, um sich gegenüber einer anderen Minderheit abzugrenzen und sich selbst als gut zu definieren.
Solange ihr Ur-Deutschen nicht in der Lage seid, ein Gesellschafts- und Menschenbild zu beschreiben, an dem wir ahnungslosen Schwarzköpfe uns orientieren sollen, sage ich mal, worauf ich keine Lust habe. Der Umkehrschluss hilft vielleicht:
* Wenn Integration bedeutet, euer Familienleben zu übernehmen, sage ich: Nein danke! Bei uns steckt man nicht Oma und Opa bei der erstbesten Gelegenheit ins Altersheim.
* Bei uns sieht man sich nicht nur an den Feiertagen einmal im Jahr, besäuft sich und streitet sich dann unter dem Weihnachtsbaum wie die Kesselflicker.
* Wenn Integration bedeutet, eine durch und durch pornografierte Gesellschaft anzunehmen, in der noch nicht einmal für eine Tüte Milch geworben wird, ohne dass sich eine Frau ausziehen muss, dann sage ich: Nein.
* Wenn Integration bedeutet, dass Tausende und Zehntausende Kinder Opfer sexueller Gewalt durch Priester werden und die Gesellschaft so lange wie möglich die Augen davor verschließt, dann sage ich: Nein danke!
* Wenn Integration bedeutet, ein ungerechtes Bildungssystem zu akzeptieren, das zwar nach außen Chancengleichheit suggeriert, in Wirklichkeit aber genau das Gegenteil befördert, dann sage ich: Nein danke!
* Deutschland ist ein Land, in dem die Krankenkassen Abtreibungen bezahlen, aber kinderlose Paare die hohen Kosten für eine künstliche Befruchtung aus eigener Tasche finanzieren müssen. Im Jahr 2010 gaben die Deutschen dreimal soviel Geld für Haustierfutter aus als für Babynahrung.
* Mein Freund Ernst von Münchhausen und seine Frau sind Eltern von Drillingen geworden. Die einzigen Passanten auf den Straßen Berlins, die sich über den Anblick der drei Babys freuen würden, seien Türken. Die Deutschen würden immer gleich ausrufen: "Oh Gott! Drei auf einmal? Schrecklich!" Eine Gesellschaft, in der viele den Kindersegen als Fluch begreifen, kann kein Vorbild sein.
* Ständig höre ich von deutschen Politikern, Deutschland sei ein weltoffenes und tolerantes Land. Das nervt. Ihr attestiert euch Weltoffenheit und Toleranz, weil ihr einmal im Jahr nach Mallorca fliegt oder beim Italiener an der Ecke eure Pizza esst. Ich verrate euch ein Geheimnis: Es gehört mehr dazu als das. Ein türkischer Mandant führte einen Schnellimbiss in Rostock. Die gleichen Typen, die tagsüber nett und freundlich seine Döner kauften, spuckten ihm des Nachts besoffen ins Gesicht.
* Dass heute viele über Muslime sprechen und urteilen wie vor kurzer Zeit noch über Juden, spricht nicht gerade für eure Lernfähigkeit aus der Geschichte. Nach 60 Jahren Sendepause kategorisiert ihr ganz ungeniert nach "Deutschen" und "Deutschen mit Migrationshintergrund" - oder aber ihr nennt uns gleich Papierdeutsche. Nürnberg lässt grüßen.
* Ihr zeigt euch ganz besorgt über "Ehrenmorde", aber ihr schweigt schamlos über eure eigenen Ehrenmorde. Ja, die gibt es bei euch auch, sogar viel öfter als bei uns! Ihr nennt eure "Ehrenmorde" verniedlichend Familientragödie. Ein weiterer Unterschied: Eure Männer machen kurzen Prozess und knallen nicht nur die Frau, sondern gleich auch die Kinder ab."
Ich weiß, ihr denkt: Mein Urteil ist zu pauschal, ich übertreibe, ich konzentriere mich auf Negativbeispiele, ich ignoriere alles Gute, ich schere alle über einen Kamm, ich nehme es mit der Wahrheit nicht so genau, ich rede nicht mit, sondern nur über euch, ich will gar nicht aufklären, sondern hetzen, kurz: Ich habe tendenziell etwas gegen Deutsche und mir ist jedes Mittel recht, euch schlecht aussehen zu lassen. Was soll ich dazu sagen? Stimmt! Aber, ich sage auch: WILLKOMMEN IN MEINER WELT! Solche Vorurteile begleiten mich schon mein ganzes Leben.
Ich will nicht jammern. Ich hatte großes Glück im Leben, und wie gesagt, ich lebe ja sehr gern in Deutschland. Es ist aber trotzdem ein schlechtes Gefühl, sich ständig wehren zu müssen, immer auf der Hut zu sein. Und es ist auch nicht nur mein eigenes privates Dilemma, dass ich mich so fühle, denn so wie mir geht es vielen Einwanderern. Wenn sich ein Einzelner so fühlt wie ich, ist es persönliches Pech. Wenn sich aber Millionen so fühlen, dann ist das ein gesellschaftliches und sozialpolitisches Problem.
Dabei müsste es gar nicht so sein. Wir haben wesentlich mehr Gemeinsames als Unterschiedliches. Und unsere Differenzen müssen uns nicht zwangsläufig auf immer und ewig trennen. Im Gegenteil. Solange wir eine gemeinsame Basis haben und uns als Gemeinschaft verstehen, ist unsere Unterschiedlichkeit sogar ein Gewinn. Wer möchte schon in einem eintönigen Land leben? Ich vermute, die Nordkoreaner langweilen sich in Nordkorea zu Tode. Die Einwandererquote dort liegt bei null Prozent. Vielfalt ist keine Gefahr für Deutschland, sondern zwingende Voraussetzung für die erfolgreiche gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche, kulturelle und soziale Entwicklung unseres Landes. Wir müssen uns zu ihr bekennen und aufhören, sie als Bedrohung für unsere Zukunft zu fürchten. Daran mangelt es leider. Die Integrationsdebatte ist eine Angstdebatte. Ich finde es fast schon müßig, Sarrazin-Anhänger von der Falschheit seiner Thesen überzeugen zu wollen. Seine Fans glauben ihm, weil sie ihm glauben wollen .
So kann es nicht weitergehen; so kommen wir keinen Schritt weiter. Die Welt dreht und entwickelt sich weiter, auch wenn wir auf der Stelle treten. Und ein weiterer banaler wie starker Fakt: Wir haben keine Alternative. Entweder bekennen wir uns zueinander oder wir sehen dabei zu, wie Deutschland sich abschafft. Es kommt nicht darauf an, woher man kommt und wie lange man schon hier gelebt hat, ob man Hans oder Ali heißt. Dieses Land ist unser gemeinsames Land.
Integration ist keine bloße Aufgabe der Politik. Integration ist die Aufgabe von uns allen. Natürlich müssen Einwanderer integrationsbereit sein. Aber das ist nur die eine Seite. Genauso muss die Mehrheitsgesellschaft integrationsbereit sein. Es ist wahnsinnig frustrierend, wenn man trotz aller Bemühungen vor verschlossenen Türen und vor verschlossenen Herzen stehen muss.
Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig wir voneinander wissen. Ich selber war erst mit Mitte 20 zum ersten Mal auf einer Taufe und mit Ende 20 bei einer kirchlichen Trauung. Ich kenne einige türkischstämmige Landsleute im Rheinland, die noch nie im Kölner Dom waren.
Meine Meinung ist: Einwanderer, die keinen Kontakt zu Deutschen haben wollen, sollten umziehen. Zum Beispiel nach Saudi-Arabien. Ur-Deutsche, die in keiner modernen, vielfältigen Gesellschaft leben wollen, sollten umziehen. Zum Beispiel nach Nordkorea - siehe oben ...
Lasst uns stolz sein auf das gemeinsam Erreichte und nicht immer voller Inbrunst die Probleme wälzen. Probleme sind dazu da, gelöst zu werden, nicht um sich daran aufzugeilen.
Aus: "Ich bin gerne Deutscher, eigentlich" Mehmet Daimagüler (10/2011) Quelle: http://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article13675861/Ich-bin-gerne-Deutscher-eigentlich.html
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« Reply #114 on: November 02, 2011, 04:07:25 PM » |
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[...] Berlin/Paris - Ein Feuer in der Redaktion, durch Hitze und Löschwasser zerstörte Computer, unbrauchbar gewordene Unterlagen: Das ist die vorläufige Bilanz des Brandanschlags, den Unbekannte in der Nacht zum Mittwoch mit Hilfe von Molotow-Cocktails auf das Pariser Satiremagazin "Charlie Hebdo" verübten. "Wir haben keine Zeitung mehr", fasste der Herausgeber mit dem Künstlernamen "Charb" das Geschehen zusammen - versprach aber zugleich, dass "Charlie Hebdo" weiter publizieren werde.
Der Hintergrund des Brandanschlags ist noch nicht geklärt, aber es wird vermutet, dass es einen Zusammenhang zur gerade erschienenen Ausgabe des Magazins gibt - in der befassten sich die Satiriker mit dem Wahlsieg der islamistischen Nahda-Partei im postrevolutionären Tunesien. Aus diesem Anlass ließ man den Propheten Mohammed als Gast-Herausgeber agieren.
Der Schabernack, den Charb und Co. mit dem Gottesgesandten trieben, umfasste beispielsweise eine Titelseite, in der eine Karikatur des Propheten sagt: "100 Peitschenhiebe, wenn ihr euch nicht totlacht." Im Heftinneren werden unter anderem Burka-Späße getrieben. Dem Propheten wird überdies ein Editorial zugeschrieben; ein Bild zeigt ihn außerdem mit Clownsnase.
Das Cover war bereits vor Veröffentlichung des Hefts online gestellt worden. Beim Magazin gingen daraufhin Beschimpfungen und Drohungen via Facebook und Twitter ein, wurde berichtet.
Bei dem Anschlag gab es keine Verletzten, und noch ist nicht gewiss, was die Motive der Angreifer waren. Doch die Tatsache, dass eine Redaktion mit Gewalt attackiert wird, weckt Erinnerungen an die Anschlagsversuche auf jene Karikaturisten, die 2005 für die dänische "Jyllands-Posten" aktiv geworden waren; einige leben seitdem unter permanentem Polizeischutz.
Die Nachricht von dem Brandanschlag in Paris wurde in extremistischen arabischsprachigen Internetforen, in denen sich Anhänger von al-Qaida und Co. austauschen, naturgemäß begrüßt. Am Mittwochmittag wurden aber andere Themen wesentlich stärker diskutiert: der Aufstand in Syrien oder die Lage in Libyen.
In Foren, in denen radikale Islamisten auf moderate Islamisten treffen, war das Bild differenzierter. Ein Hetzer rief dort zwar dazu auf, sofort "die Jungs in den Vororten zu mobilisieren" um Ausschreitungen "wie vor kurzem in London" herbeizuführen, andere User mahnten jedoch zur Besonnenheit: Das Magazin sei zu verurteilen, "aber dafür gibt es Gerichte". Es helfe niemandem, wenn mit Gewalt reagiert werde - im Gegenteil: Unkontrollierte Reaktionen der Radikalen würden dann wie immer den Muslimen insgesamt angerechnet werden.
Ähnlich gemischt waren die ersten Reaktionen auf Facebook-Seiten. Viele User versuchten, die Gemüter zu beruhigen. Doch einer schrieb: "Wir werden Frankreich in Brand setzen".
Bekannte dschihadistische Organisationen haben sich bisher nicht zu Wort gemeldet. Die dänischen Karikaturen sind für al-Qaida ein Dauerthema, das noch immer regelmäßig aufgegriffen wird. Den Terrororganisationen sind Provokationen dieser Art willkommen, denn sie lösen Empörung auch außerhalb des Lagers ihrer eingefleischten Anhänger aus. So war es auch im Fall der dänischen Karikaturen, eine zeigte damals, wie aus einem Turban eine Bombe wächst.
Dieses subtile In-Beziehung-Setzen von islamischem Glauben und terroristischer Tat hatte damals viele fromme Muslime empört. Den Radikalen reichte es schon, dass der Prophet überhaupt bildlich dargestellt wurde - was Muslimen verboten ist und radikale Islamisten als generelles Tabu durchsetzen wollen.
Im Fall der dänischen Karikaturen-Krise konnten damals viele Empörte nicht verstehen, wieso der Staat die Publikation nicht unterband und sich nicht für die Bilder entschuldigte. Anklänge an die Vorstellung, dass auch im Westen der Staat die Presse kontrolliere, fanden sich am Mittwoch in einem Posting auf einer islamischen Website, in dem die Nachricht unter der Überschrift "Frankreich veröffentlicht Mohammed-Zeichnungen - eilig und gefährlich!" verbreitet wurde.
"Charlie Hebdo" ist einer der wichtigsten Satiremagazine Frankreichs, laut Wikipedia beträgt die Auflage 140.000 Hefte wöchentlich. Das Magazin hatte vor Jahren die dänischen Karikaturen nachgedruckt; außerdem wurde in dem Blatt, ebenfalls laut Wikipedia, 2006 ein Aufruf gegen den Islamismus veröffentlicht, den unter anderem der Schriftsteller Salman Rushdie unterzeichnet hatte.
Aus: "Mohammed-Witze erzürnen Radikale" Von Yassin Musharbash (02.11.2011) Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,795421,00.html
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« Reply #115 on: January 08, 2012, 03:11:25 PM » |
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[...] Israels Präsident Schimon Peres hat seine Landsleute aufgerufen, religiöse Fanatiker in die Schranken zu weisen. Hintergrund ist der eskalierende Streit um die von ultra-orthodoxen Juden geforderte Geschlechtertrennung in der Öffentlichkeit. In der Stadt Beit Schemesch westlich von Jerusalem war es am Montag zu gewalttätigen Protesten ultra-orthodoxer Juden gekommen. ...
Aus: "Peres fordert Protest gegen religiöse Fanatiker" (27.12.2011) Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/kulturkampf-in-israel-peres-fordert-protest-gegen-religioese-fanatiker-1.1244772-.- [...] dieses Mal reichte es der jungen israelischen Soldatin. Sie war in der Nähe ihres Militärstützpunktes in den Linienbus gestiegen und schon fast an ihrem Ziel, als ein 45-Jähriger Mann sie anpöbelte, sie solle in den hinteren Busteil gehen. Matalon weigerte sich, wie sie in der Zeitung "Haaretz" sagte, aus Prinzip, und weil es dort stickig und eklig sei. Da begann der militant Religiöse die junge Frau als Hure zu beschimpfen, andere Männer stimmten mit ein. Der Bus wurde gestoppt, die Polizei gerufen.
Der Pöbler, ein Vater von elf Kindern, wurde festgenommen und vom Haftrichter gegen eine Kaution von umgerechnet 4000 Euro wieder auf freien Fuß gesetzt. Bis zu seinem Gerichtstermin darf er nicht mehr mit dem Bus fahren.
Der Vorfall zeigt den wachsenden Riss, der durch die israelische Gesellschaft geht: Ungefähr zehn Prozent der Sechs-Millionen-Bevölkerung sind ultraorthodox, ein Teil von ihnen ist extrem und militant. Den säkularen Israelis steht damit eine Minderheit ultrafrommer Juden gegenüber - klein, aber lautstark. Einzig vereint im Widerstand gegen die Palästinenser, könnten die Gruppen unterschiedlicher nicht sein: Während in Tel Aviv Körperkult und westliche Lebensweisen das Stadtbild bestimmen, wollen die Ultras an immer mehr Orten ihre Vorstellungen von Geschlechtertrennung in der Öffentlichkeit durchsetzen.
Am Donnerstag war zu diesem Zweck eine Kundgebung in Beit Schemesch geplant. Doch die Demo wurde abgesagt. Daraufhin randalierten die Ultrafrommen, zündeten Mülleimer an und warfen mit Steinen um sich. Die Stadt, 25 Autominuten von Jerusalem entfernt, war schon in den vergangenen Tagen zum Symbol für den Streit geworden. Nachdem dort der Schulweg für ein achtjähriges Mädchen, eine orthodoxe Jüdin, zu einem Spießrutenlauf wurde, weil sie aus Sicht der Radikalen nicht angemessen gekleidet war, demonstrierten am Dienstag Tausende Israelis. "Israel ist nicht Teheran", war auf ihren Schildern zu lesen.
... Experten erklären die jüngste Radikalisierung anhand zweier Ursachen. Der Rabbiner Uri Ayalon sieht die Ultraorthodoxie in einer Krise. "Internet, Arbeitsmarkt und Medien setzen die Jugend fremden Einflüssen aus, vor denen die Eltern sie abschirmen wollen. Ihre Schwäche macht sie militanter", so Ayalon. Mordechai Kremnitzer vom Israelischen Institut für Demokratie spricht hingegen vom Machtzuwachs der Orthodoxen, die im Durchschnitt dreimal so viele Kinder haben als andere Paare. Sie stellen zwar nur zehn Prozent der Bevölkerung, aber rund ein Viertel der Erstklässler. Dank dieser Demografie hätten sie in der Koalition von Netanjahu "so viel Einfluss wie noch nie", sagt Kremnitzer.
...
Aus: "Kulturkampf der Ultrafrommen" Von Lena Greiner und Gil Yaron, Hamburg und Jerusalem (29.12.2011) Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,806246,00.html-.- [...] Nun droht dem Land ein Kulturkampf, den viele so nicht mehr für möglich hielten: Ultraorthodoxe - der Begriff findet auch in Israel selbst inzwischen Verwendung, obwohl man eigentlich nicht orthodoxer als orthodox sein kann - erheben immer stärker und aggressiver Forderungen, wie man sie bisher allenfalls aus Teheran, Afghanistan und anderen Zentren des Islamismus, eines fundamentalistischen Islams, kannte: Männer und Frauen sollen, nicht nur in der Synagoge, in der Öffentlichkeit wieder weitgehend getrennt werden, in Bussen etwa oder an Badestränden. Immer häufiger werden Plakate abgerissen, auf denen Frauen abgebildet sind, keineswegs nur in werblicher Absicht. Sollen Frauen überhaupt singen dürfen?, fragen diese Ultras der Religion. Es erübrigt sich zu sagen, dass der oft libertäre Lebensstil den Frommen missfällt. Ihr Druck ist so stark geworden, dass sich die Säkularen mit Gegendemonstrationen zu Wort melden, Staatspräsident Peres eingeschlossen. Sie fürchten, die Offenheit der israelischen Gesellschaft könnte in Gefahr geraten, abgesehen davon, dass es in Israel auch Muslime, Drusen, Christen, Bahai und andere Religionsgemeinschaften gibt, die Religion des „neuen Atheismus“ nicht zu vergessen. Allzu lange hatte man dem Thema Fundamentalismus nur im Kontext mit dem Islam oder allenfalls den christlichen Evangelikalen Aufmerksamkeit gewidmet. Doch die „Rache Gottes“ (so vor vielen Jahren Gilles Kepel) ist in fast allen Religionen zu beobachten. Selbst der religiös eigentlich tolerante Hinduismus hat im Zusammenstoß mit der modernen Welt hier und da wieder fanatische, politisch-radikale Züge entwickelt. War es nur eine Frage der Zeit, bis auch das stark vom Religionsgesetz geprägte, darin dem Islam nicht unähnliche Judentum solche Tendenzen zeigte? Über die Gründe wird so schnell kein einheitliches Urteil zu finden sein. Sie dürften vom Einfluss politischer Krisen bis hin zu Fragen der Identität im Zeitalter der Globalisierung reichen. In Israel mit seiner engen Verflechtung von jüdischer Religion und Staatsverständnis hat auch die - religiös begründete - Duldung der Siedlungspolitik im biblischen „Judäa und Samaria“ daran ihren Anteil. Klaus Bloemker, 07.01.2012 19:53 Uhr
Judea und Samaria - the Westbank
Wolfgang Lerch trifft den Nagel fast auf den Kopf, wenn er von der "religiös begründeten Siedlungspolitik" in 'Judea und Samaria' (was wir 'Westjordanland' nennen) spricht. Hören wir, was Netanyahu dazu vor dem US Kongress im Sommer 2011 gesagt hat: "In Judea und Samaria ist das jüdische Volk kein fremder Besatzer. Dies ist das Land unserer Väter, das Land Israels, in das Abraham die Idee des einen Gottes brachte." - zitiert in The New Yorker, 6. 6. 2011
Natanyahu argumentiert nicht nur religiös sondern auch historisch stammesmäßig. - Für seine Rede vor dem Kongress bekam er mehrere standing ovations!
... Zvi Zohar, ein Professor für jüdische Studien an der Bar-Ilan Universität in Israel gibt folgende Definition: "In der klassischen Sicht des Judaismus, sind Juden eine große, erweiterte Familie, die einen Bund mit Gott akzeptiert haben. Diejenigen, die den Glauben nicht praktizieren, bleiben Mitglieder der Familie, auch wenn sie traditionell als schwarze Schaafe betrachtet werden. Zum Judentum Konvertierte sind adoptierte Kinder des Clans." - New York Times, 2.3. 2008
In der traditionellen Sicht sind also die säkularen Juden 'die schwarzen Schaafe' - und nicht etwa die streng orthodoxen, so wie es bei uns heute dargestellt wird.
Axel Lüssow, 07.01.2012 11:51 Uhr
Obelix meint: Die spinnen, die Ultras – überall.
"Nun droht dem Land ein Kulturkampf, den viele so nicht mehr für möglich hielten.". Dem Autor sei ein Blick auf die Wikipedia-Guidelines empfohlen, Abschnitt "Weasel-Words": Wer sind denn die vielen?
Meine Wahrnehmung nach Aufenthalt in Israel und Gesprächen mit Israelis ist eher: Diese Eskalation haben "viele" schon lange kommen sehen. Genauso wie die Hamas sich als Sozialhilfe-Ersatz betätigt, arbeiten die Ultraorthodoxen seit Jahrzehnten an der Indoktrination vieler osteuropäischer Immigranten, die vom arroganten Establishment lange ignoriert wurden.
Eine Waffe gegen die Radikalisierung bleibt leider gänzlich ungenutzt: die der Komödie und der Glosse. Warum wird nicht öfter herausgestellt, dass radikale Glaubensauslegungen das Niveau von Ufo-Sekten erreichen? Eine solche Zurückhaltung nutzt denen am wenigsten, die man aus guten Gründen besonders schützt – den israelischen Bürgern und der israelischen Demokratie [...] .
Aus: "Kulturkampf in Israel" Von Wolfgang Günter Lerch (06.01.2012) Quelle: http://www.faz.net/aktuell/politik/wer-ist-jude-kulturkampf-in-israel-11595266.html
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« Reply #116 on: January 13, 2012, 02:53:23 PM » |
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[...] Das Verhältnis zwischen Säkularen und Orthodoxen ist von einer Asymmetrie geprägt. Die Säkularen erkennen an, dass die Orthodoxen einen Anspruch auf einen Platz am großen runden Tisch des Judentums haben. Vielleicht auch zwei oder drei, weil sie das „authentische“, das historische Judentum vertreten. Die Säkularen zwingen niemand, am Schabbat auszugehen, aber sie möchten von niemand daran gehindert werden.
Den Orthodoxen sind solche Überlegungen fremd. Sie bekommen ihre Befehle direkt vom Allmächtigen, und der kann sich weder irren noch Ungehorsam zulassen. Ihre Haltung zur individuellen Freiheit kann man mit der christlicher und moslemischer Fundamentalisten vergleichen, die sich ebenfalls als Vollstrecker göttlichen Willens verstehen.
...
Aus: "Wie Ultraorthodoxe den Judenstaat zerstören" Von Henryk M. Broder (01/2012) Quelle: http://www.welt.de/kultur/article13813401/Wie-Ultraorthodoxe-den-Judenstaat-zerstoeren.html
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« Reply #117 on: February 02, 2012, 10:43:37 AM » |
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[...] Wieso führt die banale Tatsache, dass es auch nicht strenggläubige Muslime gibt, zu schockierten Gesichtern? "Verzerrte Bilder in den Medien", sagt Azra. Manuel räumt ein, dass das auch mit Muslimen zu tun habe, die sich schlicht nicht anpassen wollten. Allerdings gebe es auch Druck von Strenggläubigen, die ihren lockeren Umgang mit Religion nicht akzeptieren würden. Die Muslime seien untereinander weit weniger homogen und stimmig, als man das vielleicht glauben wolle.
Von außen, durch die Mehrheitsgesellschaft scheint etwas aufgetragen worden zu sein, das niemand von den DiskussionsteilnehmerInnen erfüllt. Die Selbst- und die Fremdwahrnehmung würden weit auseinanderklaffen. "Es gibt keinen Prototyp vom Moslem", betont S.K. Viele seien unterschiedlich, auch im Vergleich zueinander. Azra fügt hinzu, dass es verschiedene "Grade" des Glaubens im Islam gebe. Die Strenggläubigen praktizierten den Islam so, wie dieser auch in der medialen Debatte gezeigt werde, dazwischen gebe es aber viele andere, die eher weniger medial behandelt würden - so entstehe ein Bild, das dann für alle Muslime gelte.
... Auf die Frage, ob sie sich durch die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) vertreten fühlen, gibt es ein deutliches Nein - keiner kennt auch nur den Namen des Präsidenten der IGGÖ. S.K. fühlt sich von ihr "absolut nicht vertreten", sie zweifelt an der Sinnhaftigkeit derartiger Organisationen. Sie unterstreicht, dass institutionalisierte Verbände wie die IGGÖ nicht den Anspruch erheben sollten, alle Muslime in Österreich - inklusive der weniger Gläubigen - zu vertreten. Bei Debatten würden dann "komplett falsche Bilder" über alle Muslime transportiert werden, die nur für eine sichtbare Gruppe gelten.
... S.K. sieht sich in der Integrationsdebatte weniger als "Muslimin", lieber als eine Vertreterin der zweiten Generation, "die schon längst in der österreichischen Gesellschaft angekommen ist - ob es die Mehrheitsgesellschaft will oder nicht". Und natürlich sei sie integriert! Sie verkehrt mehr in österreichischen Kreisen als in orientalischen. Die Lebensform, die der westlichen Welt oder den Österreichern zugeschrieben wird, ist für sie die Art von Lebensweise, die ihr am meisten zusagt. Viele Wiener würden das Multikulti-Thema nicht ernst nehmen, das würde seit Jahren so funktionieren, fährt S.K. fort "Die multikulturelle Welt ist schon längst Teil der österreichischen Gesellschaft."
Daran sei aber nicht nur die aggressive Politik der Rechten schuld, wirft Manuel ein: Bei Schwarzen, Türken oder Muslimen würde die Kriminalerichterstattung deutlich negativer ausfallen, als bei anderen Bevölkerungsgruppen was den 23-Jährigen besonders ärgert, weil er sich dann ausdrücklich als "Migrant" oder "Muslim" angesprochen fühlt. Azra stellt fest, dass das "Temperament" auch die Beziehungen zu autochthonen Österreichern beeinflusst: "Ich kann nicht so sein wie ein Roboter, ich gestikuliere viel mit den Händen, bin lauter", sagt die 29-Jährige.
Auf die Frage, ob sich das Bild der "Migranten" in Zukunft ändern wird, fallen die Meinungen nahezu einstimmig aus: Bis "Normalität" einkehrt, wird auch die kommende Generation viele Fremdzuschreibungen und Vorurteile hinnehmen müssen. Die Selbstwahrnehmung ist allerdings eine andere Geschichte: S.K. führt das Beispiel ihrer Neffen und Nichten an. Sie würden nur Deutsch sprechen und sich auch wenig für die Religion interessieren. "Ihre Identität ist größtenteils österreichisch." (Yilmaz Gülüm, Toumaj Khakpour, Olivera Stajić, daStandard.at, 1.2.2012)
Aus: "Muslime in Österreich - Untypisch muslimisch" (01. Februar 2012) Quelle: http://dastandard.at/1326504363423/Muslime-in-Oesterreich-Untypisch-muslimisch
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« Reply #118 on: March 14, 2012, 02:00:56 PM » |
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[...] Ist Kiezdeutsch eine Nachlässigkeit unserer Sprache oder wird es zu Unrecht stigmatisiert? Ein Gespräch mit dem in Griechenland geborenen Linguisten Jannis Androutsopoulos ...
Wieso kommen wir mit der Fremdheit von Anglizismen besser zurecht?
Anglizismen sind viel selbstverständlicher im Alltag. In allen gesellschaftlichen Schichten fließen englische und französische Wörter ein. Lehnwörter im Bereich der Technik sind Gang und Gäbe. Anglizismen sind völlig gesellschaftsfähig, aber bei arabischen und türkischen Lehnwörtern regen sich alle auf. Für mich ist das verlogen, denn man misst hier mit zweierlei Maß.
Aus: "Streitfall Kiezdeutsch: „Man misst hier mit zweierlei Maß“" (13.03.2012) Quelle: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/streitfall-kiezdeutsch-man-misst-hier-mit-zweierlei-mass-11682110.html
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« Reply #119 on: April 19, 2012, 10:18:18 AM » |
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[...] Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hat vor dem Treffen der Islamkonferenz bekräftigt, der Islam sei kein Teil Deutschlands. "Der Islam ist nicht Teil unserer Tradition und Identität in Deutschland und gehört somit nicht zu Deutschland", sagte Kauder der Passauer Neuen Presse. "Muslime gehören aber sehr wohl zu Deutschland. Sie genießen selbstverständlich als Staatsbürger die vollen Rechte." Damit widersprach Kauder erneut der Aussage des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff, der Islam sei ein Teil Deutschlands. ... Horizonte 19.04.2012 um 8:19 Uhr
Kauderdeutsch Für mich gehört Kauder nicht zu Deutschland. Er ist für mich ein Vertreter der konservativen "Christlichen". Vertritt Meinungen und Ansichten, die in die heutige deutsche Zeit nicht mehr passen. Er ist das wahre Gesicht der CDU und grenzt aus, was nicht seiner Meinung ist.
pulviscinisnihil 19.04.2012 um 8:28 Uhr
Kaugummi, CocaCola und MacDonalds sind nicht Teil unserer Tradition und Identität in Deutschland und gehören somit nicht zu Deutschland.
eklipz 19.04.2012 um 8:29 Uhr
Kauder halt... Im Ernst, in welch dichotomen Mustern denkt der Mensch denn bitte? Hier sind "wir" und dort sind die "anderen".
RegineH 19.04.2012 um 8:31 Uhr
Wo immer verschiedene Bevölkerungsgruppen zusammen leben ist es für die Herrschenden ein Leichtes, diese gegeneinander auszuspielen. Schwarze gegen Weiße, Arme gegen Reiche etc. Und am besten funktioniert das mit verschiedenen Völkern. Kroaten gegen Serben, Sunniten gegen Paschtunen usw.
Blumenkohl 19.04.2012 um 8:32 Uhr
Und, was bedeutet das jetzt praktisch für uns? Nix. Der Satz taugt einzig um rechte, frustrierte Pöbler an die Urne holen. Stichwort: "Der Mann hat recht, gut das es mal jemand sagt. Hicks."
Boono 19.04.2012 um 8:55 Uhr
36. Kauder's Mund-Diarrhoe
Es soll ja Parlamentarier geben, die sich gelegentlich auf Zeit Online umsehen...
Also Herr Kauder, was soll diese total überflüssige Spitzfindigkeit, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, die Muslime dagegen schon? Gibt es in Deutschland jetzt eine Staatsreligion, oder was? Und wenn Sie das meinen, wäre das dann die römisch-katholische oder was? ...
... Aus: "Islam gehört für Kauder nicht zu Deutschland" (19.04.2012) Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-04/islamkonferenz-kauder
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