Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 231437 times)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #855 on: December 23, 2018, 02:41:59 PM »
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[...] Alle klagen über die explodierenden Wohnkosten in Deutschland – so scheint es oft. Aber fliegen wirklich allen diese Kosten um die Ohren? Wohl nicht. Auch bei dieser Entwicklung gibt es Gewinner und Verlierer. Und das trägt offenbar in ganz erheblichem Maße dazu bei, dass die Spaltung zwischen Arm und Reich in Deutschland größer wird. Wie stark der Wohnungsmarkt die Ungleichheit verschärft, zeigt jetzt erstmals eine Studie – mit alarmierenden Ergebnissen.

Danach fielen die armen Haushalte in Deutschland in den vergangenen zwanzig Jahren finanziell immer weiter zurück. Im Jahr 2013 lag das Nettoeinkommen pro Kopf in der Mitte der Gesellschaft fast doppelt so hoch wie im untersten Zehntel der Bevölkerung. Der Abstand zwischen diesen beiden Einkommensgruppen wuchs im Laufe von zwei Jahrzehnten (1993 bis 2013) um beachtliche 22 Prozentpunkte, wie die Ökonomen Christian Dustmann (University College London), Bernd Fitzenberger und Markus Zimmermann (beide Humboldt-Universität zu Berlin) vorrechnen. Doch noch extremer geht die Schere auseinander, wenn man darauf schaut, was diese Haushalte nach den Ausgaben für ihre Wohnung noch zur Verfügung haben. Bei dieser Art des Nettoeinkommens wuchs der Abstand im gleichen Zeitraum um 62 Prozentpunkte. Die Wohnkosten sind offenbar vor allem bei den Armen explodiert.

Tatsächlich zeigt die Untersuchung, dass steigende Mieten insbesondere Geringverdiener belasten. So wuchsen die durchschnittlichen Wohnkosten des untersten Fünftels zwischen 1993 und 2013 um mehr als 30 Prozent – obwohl ihre Einkommen im gleichen Zeitraum um acht Prozent schrumpften. Genau andersherum sieht die Entwicklung beim bestverdienenden Fünftel der Gesellschaft aus: Ihre Wohnkosten sanken um fast zehn Prozent, während ihre Einkommen um etwa acht Prozent wuchsen. Sie sind – zumindest im Durchschnitt – also die Gewinner der aktuellen Trends am Immobilienmarkt.

Als Erklärung weisen die Autoren der Studie darauf hin, dass die meisten Geringverdiener zur Miete wohnen und auch häufiger den Wohnort wechseln. Sie treffen die Mietsteigerungen, die bei Neuvermietungen am höchsten sind, deshalb besonders hart. Dagegen wohnen viele Besserverdiener im Eigenheim. Sie profitieren daher von den niedrigen Zinsen und günstigeren Finanzierungskosten. Daneben spielen weitere Faktoren eine Rolle, etwa dass viele Menschen mit niedrigen Einkommen aus eher ländlichen Gebieten (und speziell aus Ostdeutschland) auf der Suche nach Jobs in die teureren Städte gezogen sind.

Die Studie zeigt, dass nicht nur die Lohnentwicklung, über die schon viel berichtet wurde, für Ungleichheit sorgt. Ein zweiter und ebenfalls starker Faktor kommt hinzu: das Wohnen. Hohe Mieten auf der einen und niedrige Zinsen auf der anderen Seite verbreitern die Kluft zwischen den Gutsituierten und den Besitzarmen. Die Studienautoren geben keine Empfehlung ab, was die Politik nun tun sollte. Aber ihre Ergebnisse zeigen, wie sehr die Wohnkosten die Gesellschaft spalten.

 

Aus: "Wohnen spaltet" Kolja Rudzio (ZEIT Nr. 53/2018, 19. Dezember 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/2018/53/immobilienmarkt-spaltung-wohnen-ungleichheit-arm-reich

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Gulf #13

Bauen und vermieten lohnt sich für keinen Investor mehr aufgrund der vielen und teueren behördlichen Auflagen und nachteiligen Gesetze für Vermieter in diesem Land.


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M. Silenus #13.1

Erzählen sie das bitte den Investoren und grossen Bauträgern, die in Leipzig alles kaufen, was irgendwie geht, für wahnsinns- Preise und Gerüchten nach oft ohne das Objekt oder die Wohnung jemals gesehen zu haben. Um dann die Menschen "herauszusanieren", mit ganz netten Aktionen.


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Jupp_Zupp #18

„Hohe Mieten und niedrige Bauzinsen verschärfen die Ungleichheit in Deutschland. Vor allem Arme leiden unter steigenden Kosten.“

Wie wir wissen, regelt der Markt immer und überall alles zum Besten für alle. Wird also schon wieder.
Glauben Sie nicht? ;-)


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karlmitdembart #21

Fürs Stammbuch : In einer kapitalistischen Konkurrenzgesellschaft gibt es immer Gewinner und Verlierer. Darum ist jedes "Wir" gelogen. "Wir" haben weder einen Nutzen noch einen Schaden, sondern manche haben den Nutzen und andere den Schaden. Gut, dass der Artikel darauf hinweist, weniger gut, dass der Autor das wie eine neue Erkenntnis präsentiert.


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allemeineentchenschwimmenaufdemsee #21.2

Das Konzept Kapitalismus gibt es generell her, dass Gewinner auch mal Verlierer werden und Verlierer zu den Gewinnern wechseln. Leider ist das Konzept aber zu gunsten der Gewinner geändert worden, so dass Gewinner Gewinner bleiben und Verlierer immer weiter verlieren. Wenn beispielsweise die Bankenrettung den normalen kapitalistischen Weg gegangen wäre, würden wir heute andere Verhältnisse haben. Besser? Wer weiß, ...


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similaun1234 #22

Teilweise ist die Wohnungsnot doch hausgemacht.... In D sind über 1 Mio Migranten in den letzten paar Jahren zugezogen, davon 99% Sozialleistungsempfänger oder Geringverdiener, und die zieht es auch alle in die Städte...
Kann mir jemand erklären, warum im Münchner Speckgürtel und München Asylbewerberunterkünfte wie Schwammerl aus dem Boden geschossen sind, während die Krankenschwester oder die Kindergärtnerin keine Bude finden? Stimmt nicht? Aber doch - hier im Ort wurde eine große gemeindeeigene Asylbewerberunterkunft errichtet, die Bewohner zu 90% Afrikaner ohne Chance auf Asyl. Derweil suchen alle Kindergärten im Ort händeringend Personal, das sie wegen der Wohnungsnot nicht finden. Die Asylbewerber hätte man auch in der Oberpfalz ein einem Kaff unterbringen können, wo Wohnungen leer stehen, von denen arbeitet kaum einer, und statt dessen Appartments für Pfelgekräfte oder die Erzieherinnen bauen!


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Thors Hammer #22.2

Also Sie haben es bis hierher geschafft, eindeutig die Migranten als die Sündenböcke für die Wohnungsproblematik heranzuziehen.
Ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich diese Behauptung weiter in der Gesellschaft festsetzt.
Hauptsache, wir haben erst mal den Sündenbock gefunden. [Bei mir in der Stadt wohnen Migranten (als anzuerkennende Asylsuchende oder nicht) in Wohncontainern! und nehmen damit hier Wohnungssuchenden bestimmt keinen Wohnraum weg.]


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coldplay #24

Arm ist relativ. Wie viele von diesen "Armen" haben ein Smartphone, ein Haustier, rauchen, trinken, leben möglicherweise über ihre Verhältnisse bzw. können mit Geld nicht umgehen? Das geht aus dem Artikel nicht hervor. Hier wünsche ich mir eine Tabelle, aus der zumindest hervorgeht, wie hoch die Miete beim jeweiligen Nettoverdienst ist.


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AllesKeinProblem #24.1

An Leuten wie Ihnen sieht man wunderbar, welche verwundbare gesellschaftliche Gruppe als nächstes dran ist, wenn man sich irgendwann mal genug an den Migranten abgearbeitet hat.


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Dundoril #24.3

Wenigstens sind haben Sie nicht direkt auf fox news Niveau angefangen : 95% der "armen" haben einen kuehlschrank...


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Dropisius #24.5

Es ist auch eine Tatsache, dass "Arme" ohne Beschäftigung oft zentral in den Ballungsgebieten der Städte wohnen wollen. Denn man will ja am tollen Leben in der Stadt teilnehmen, was bei einer preiswerten Wohnung auf dem Land nicht möglich wäre.
Und bitte jetzt keine Kommentare, dass diese Menschen leider keine Beschäftigung finden, obwohl sie seit Jahren suchen.


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Ginger_Collins #24.6

Das ist aber schon immer so.
Früher nannte man diese Menschen Gesinde.
Und brachte sie in den Mansardwohnungen unter.
Die sind aber jetzt leider von anderen Gruppen belegt.
Aus der Bezeichnung Gesinde, wurde dann Gesindel.
Ähnlich zu dem Niedergang der Proletarier, Proleten und Prols.
Gesellschaftlich geh es wieder Rückwärts.
Vielleicht bis 1789.
Als Zimmerer und Proletarier, biete ich meine Hilfe, zur Erstellung der Holzstruktur, an.
Falls sich noch ein Schmied oder Messermacher findet, bitte melden.


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laruedieruhe #28

Herrliche Zeiten für Groß Investoren, bei minimalem eingesetzten Kapital bezahlen sich die Immobilien praktisch von selbst. Die Mieteinnahmen liegen dank Herrn Draghi deutlich über den zu zahlenden Zinsen. Irgendwo müssen die 2.500 Milliarden für Anleihenkäufe ja gelandet sein, für die der kleine Mann in den nächsten Jahrzehnten zahlen soll!


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tomm29 #37

Im "besten Deutschland aller Zeiten" wird bei vielen ein Großteil des Gehalts von der Miete aufgefressen und das, obwohl sie 2-3 Jobs haben. Also "bestes Deutschland aller Zeiten" ja, mit Sicherheit, aber höchstens aus Sicht vieler Großunternehmer bzw. Leiharbeitsfirmen.


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Mir_fällt_gerade_kein_Benutzername_ein #38

Mit einer Wohnung kann man einen Menschen erschlagen wie mit einer Axt - so oder so ähnlich sagte es, scharf beobachtend, Heinrich Zille.
Dies gilt nicht nur für die Wohnbedingungen im engeren Sinne, sondern auch für das finanzielle Fallbeil, zu dem das Wohnen mittlerweile für viele Menschen geworden ist.


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yohak #54

Der Vermieter sind zu gierig? Natürlich gibt es gierige Vermieter. Die gab es aber auch schon vor 20 Jahren. Deshalb kann die Gier der Vermieter nicht die Ursache sein, daß die Mieten so stark gestiegen sind.
Für den Mangel an günstigen Mietwohnungen gibt es viele Gründe: 1) mehr Bedarf durch Migration, 2) teurere Baukosten durch immer höhere staatliche Auflagen, insbesondere im energetischen Bedarf, 3) höhere Baukosten durch erhöhte Steuern, insbesondere Grund- und Grunderwerbststeuern 4) Die Nullzinspolitik der EZB, durch die anderen Investitionsmöglichkeiten unattraktiv werden, sodaß mehr spekulatives Kapital in Immobilien investiert wird
u.s.w.
.

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Runkelstoss #54.8

mehr Bedarf durch Migration

natürlich, dieser Blödsinn musste kommen.
Das Immobilien Investitionsobjekte sind, die von großen Immobilien-Firmen aufgekauft werden, kein Thema. Das seit langem günstige Wohnungen vom Bund und den Länder verscherbelt werden, interessiert nicht. Aber Flüchtlinge, keine Bemerkung zu blöd um nicht ein bisschen herumzutrollen.


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Silverhair #54.11

Streichen sie einfach ihre Hetze gegen Migranten , die sind bei diesem Wohnungsproblem vollkommen aussen vor.
Es gab 17 Mio Migranten aus der DDR ,und für die hat man neue Wohnungen gebaut, aber da will keiner Mehr wohnen , also stehen für gut 3 Mio Menschen dort im Land die Wohnungen leer, und die belagern die Städte

Und wir haben eine EU in der Arbeitsplätze von über 5 Mio Menschen in ganz verschiedenen Ländern jetzt sind . und die wollen eben auch wohnen.
Und - je weniger Familien es gibt desto mehr braucht es an wohnraum . fast das doppelte eben - also fehlen alleine durch die Auflösung von den Familien schon gut für 8 Mio Menschen der Raum.

Hören sie auf mit Unsinnigkeits vergleichen zu kommen , diese Menschen nehmen ihnen nichts weg .. Sie selber nehmen sich mit ihren Einstellungen so ziemlich alles weg durch dummheit und Hetze einfach.


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Runkelstoss #54.13

wenn über eine Million Migranten kommen, davon 95% ohne Arbeit oder im unteren Lohnviertel, dann verschärft das sehr wohl die Wohnungskrise!

Die Wohnungskrise gibt es schon ewig und drei Tage. Es gibt immer mehr Menschen die sehr wenig verdienen. Damit geht es schon mal los.
Es gibt große Investoren, die Wohnraum en Masse aufkaufen es gibt niedrige Zinsen. Die Oberschicht investiert in Wohnraum und will Rendite sehen.
Und Sie kommen als erstes mit Flüchtlingen.


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« Reply #856 on: December 26, 2018, 01:12:53 PM »
Quote
[...] Vor knapp zwei Wochen hat der Chef einer grossen Schweizer Versicherung Suizid begangen. Was geht Ihnen als Psychiater und Coach von Führungskräften durch den Kopf, wenn Sie eine solche Nachricht lesen?

Christian Peter Dogs: Ich denke in solchen Fällen: Da hat wieder einer zu lange weggeschaut. Je höher jemand aufsteigt, desto dicker wird sein Fell – und desto weniger weiss er von seinen Gefühlen. Und das, was er wissen könnte, verdrängt er meist aus guten Gründen. Denn der Preis, den die Topmanager für ihre Karriere zahlen, ist enorm. Die meisten verlieren ihre emotionale Identität, existieren als Privatperson gar nicht mehr. Und wer lange Zeit seine Gefühle verleugnet, der tendiert in belastenden Situationen zu Kurzschlussreaktionen. Wer alles dem Erfolg unterordnet, kann mit Niederlagen schlecht umgehen. Viele Manager sind emotionale Krüppel und nehmen gar nicht wahr, welche chronischen Konflikte im Berufs- und vor allem im Privatleben sie mitschleppen. Das ist nicht nur gefährlich für sie selber, sondern auch für die Unternehmen, die sie leiten.

... Sie haben ein Buch geschrieben mit dem Titel «Gefühle sind keine Krankheit». Wird das gut gelesen in Chefetagen?

Vermutlich nicht, aber hilfreich wärs. Gerade Manager in ihrem Steuer- und Kontrollwahn machen einen grossen Bogen um Gefühle und geben sich gerne unerschütterlich. Es gibt aber keine schlechten Gefühle ausser jenen, die man verdrängt. Es würde sich viel verändern, wenn auch Manager sich eingestehen könnten, dass sie manchmal gestresst, unsicher, wütend, ängstlich oder traurig sind. Aber wenn mal einer bei einer Rede umkippt wie vor einiger Zeit BMW-Chef Harald Krüger, dann erklärt man das medizinisch als Kreislaufkollaps. Hätte er zu seiner Unsicherheit stehen können, hätte er kaum von der Bühne geführt werden müssen.

Das klingt jetzt sehr naiv: Der ­BMW-Chef soll sich hinstellen und sagen, er sei unsicher?

Er kann natürlich nicht ausgerechnet auf der Automesse seine Maske ablegen. Er braucht diese berufliche Fassade, wir alle brauchen sie, aber er sollte wenigstens selber ab und zu dahinter blicken und sich eingestehen, dass er nicht ganz so wichtig und grossartig ist, wie es den Anschein macht. Und wenn er ganz mutig ist, spricht er intern nicht nur Sachfragen an, sondern auch Emotionen. Wenn der oberste Chef das macht, kann der Rest auch aufatmen und sich ein wenig aus der Rüstung hervortrauen. Ein Problem vieler Managerkarrieren ist, dass sich der Narzissmus, der sie antreibt, laufend noch verstärkt durch das Amt. Wenn einer so viele Leute um sich hat, die von ihm abhängig sind, dann erwartet er, dass ihn auch die Frau wie einen Sonnenkönig begrüsst, wenn er zwischendurch zu Hause absteigt.

Sie übertreiben. Der durchschnittliche Manager funktioniert doch nicht so.

Ich habe in den letzten 30 Jahren als Psychiater rund 30000 Patienten gesehen und als Coach etwa 120 Manager eng begleitet. Die meisten kommen wegen beruflicher Probleme zu mir, aber das Übel liegt oft im Privaten. Wenn ich nach der privaten Situation frage, erzählen alle gerne von ihrer tollen Frau und den super Kindern. Doch wenn ich die Frau in späteren Sitzungen dazu bitte, wird rasch klar, wie wenig von der Beziehung übrig ist. Ich nenne das die «Bodensee-Ehe»: viel Geld, riesige Villa am See, der Mann stets auf Tournee, die Frau frustriert zu Hause. Und wenn mal beide daheim sind, herrscht emotionale Verarmung. Weil er mit seiner Maske verwachsen ist und weder seine Gefühle wahrnimmt noch die seiner Frau. Und sie sagt nichts aus Angst, er wechsle sie dann aus.

Sie übertreiben. Der durchschnittliche Manager funktioniert doch nicht so.

Ich habe in den letzten 30 Jahren als Psychiater rund 30000 Patienten gesehen und als Coach etwa 120 Manager eng begleitet. Die meisten kommen wegen beruflicher Probleme zu mir, aber das Übel liegt oft im Privaten. Wenn ich nach der privaten Situation frage, erzählen alle gerne von ihrer tollen Frau und den super Kindern. Doch wenn ich die Frau in späteren Sitzungen dazu bitte, wird rasch klar, wie wenig von der Beziehung übrig ist. Ich nenne das die «Bodensee-Ehe»: viel Geld, riesige Villa am See, der Mann stets auf Tournee, die Frau frustriert zu Hause. Und wenn mal beide daheim sind, herrscht emotionale Verarmung. Weil er mit seiner Maske verwachsen ist und weder seine Gefühle wahrnimmt noch die seiner Frau. Und sie sagt nichts aus Angst, er wechsle sie dann aus.

Andernorts sagten Sie: Nur Menschen mit einer psychopathischen-Persönlichkeitsstruktur können sich in Chefetagen grosser Unternehmen behaupten

Es braucht einen ausgeprägten narzisstischen Antrieb, um ganz nach oben zu kommen und sich dort zu behaupten. Und es ist eher unwahrscheinlich, dass man das ohne Schäden an körperlicher und psychischer Gesundheit durchsteht. Viele der Generation Y, die jetzt nach­rücken sollten, wollen sich das gar nicht antun. Das Gleiche gilt für Frauen, die bekanntlich über eine höher ausgeprägte emotionale Kompetenz verfügen. Und die Männer, die sich der Mission impossible stellen, erliegen dem Irrtum, wenn sie nur fit genug seien, könnten sie es irgendwie schaffen. Die steigen dann um 5 Uhr aufs Laufband, gehen ins Fitnessstudio oder absolvieren im Urlaub einen Ultramarathon im Gebirge, als müssten sie im Beruf Kartoffelsäcke schleppen oder ein Mammut erlegen.

Wozu raten Sie stattdessen?

Etwas, was die Lebensqualität unmittelbar verbessert, ist Reizentzug und mediales Fasten. Oder konkreter: das Smartphone weglegen, besser ausschalten. Wenn ich sehe, wie die meisten Leute jede freie Sekunde auf ihren Geräten rumtippen, macht mich das schon vom Zusehen halb krank. Die meisten Vielbeschäftigen werden nicht krank wegen der vielen Aufgaben, die sie zu bewältigen haben, sondern weil sie nicht mehr aus dem Fenster schauen und keine Pausen machen. Sie sind nicht primär in Hast, sondern auf der Flucht. Mit nichts quälen Sie einen Manager so sehr, wie wenn Sie ihm ein paar Termine aus seinem Kalender streichen.

... Dieser Tage wurde bekannt, dass sich Nissan-Manager Carlos Ghosn ­offenbar Luxusimmobilien und private Reisen geleistet hat auf Konzernkosten. Wie kann es so weit kommen?

Die Gier frisst den Verstand. Von 100 Topmanagern hat höchstens einer das Gefühl, er verdiene unanständig viel, alle anderen wollen mehr. Belohnt wird Skrupellosigkeit, ratsam ist, den Anstand gleich an der Garderobe abzugeben. Die innere Mitte und damit auch die Fähigkeit zur Zufriedenheit haben solche Menschen längst verloren. Ich sass in unzähligen tollen leeren Häusern, trank die besten Rotweine mit den einsamsten Menschen der Welt, die alles hatten ausser Emotionen und Freunden. Denken geht schnell, Fühlen und Freundschaften brauchen Zeit.

Reden Sie hier nur als Experte oder auch als Betroffener?

Ich spreche all diese Dinge nur so schonungslos an, weil ich jeden erdenklichen Fehler selber auch gemacht habe. Ich wollte allen beweisen, dass es meinem Vater nicht gelungen ist, mich fertigzumachen. Gegen aussen war er eine Lichtfigur, der eine psychosomatische Klinik leitete. In der Familie war er ein alkoholabhängiger und morphiumsüchtiger Despot, der mich schon vor der Geburt töten wollte und später verhöhnte und verprügelte. Mich hat das fast kaputt gemacht, aber ich biss mich durch, arbeitete täglich 15 Stunden in der Klinik und gab an den Wochenenden Seminare. 2005 bin ich von diesem Anerkennungstrip runtergekommen und musste mir eingestehen, dass meine Ehe kaputt war und ich meine Tochter nicht hatte aufwachsen sehen. Ich als ausgewiesener Fachmann hätte es besser wissen müssen, aber Einsichten bewirken noch keine Veränderung.

...

Erstellt: 24.11.2018, 08:32 Uhr



Aus: "«Je höher jemand aufsteigt, desto weniger weiss er von seinen Gefühlen»" Mathias Morgenthaler, Redaktor Wirtschaft (24.11.2018)
Quelle: https://www.derbund.ch/schweiz/Je-hoeher-er-aufsteigt-desto-weniger-weiss-er-von-seinen-Gefuehlen/story/18848893

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« Reply #857 on: January 02, 2019, 05:26:18 PM »
Quote
[...] Den ehemaligen Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter kommt die Insiderhandel-Affäre teuer zu stehen. Insgesamt muss er 4,75 Millionen Euro berappen, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Mittwoch mitteilte. Im Gegenzug wird das Ermittlungsverfahren gegen ihn eingestellt. Kengeter zahlte eine Geldstrafe von 250.000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung. Zudem gehen 4,5 Millionen Euro, die er Ende 2015 in Deutsche-Börsen-Aktien investierte, an die Staatskasse. Die Deutsche Börse kostete die Insiderhandel-Affäre 10,5 Millionen Euro, wie sie bereits vor Weihnachten mitgeteilt hatte.

Kengeter wurde vorgeworfen, er habe Aktien der Deutschen Börse erworben, um von Kursgewinnen zu profitieren - als er bereits plante, die Londoner Börse LSE zu übernehmen. Dieses Vorhaben war später gescheitert. Kengeter hatte im Dezember 2015 im Rahmen eines Vergütungsprogramms für 4,5 Millionen Euro Aktien des Börsenbetreibers gekauft - zwei Monate, bevor die Fusionspläne mit der Londoner Börse LSE öffentlich wurden. Das Investment war die Voraussetzung dafür, dass er so genannte "Co-Performance Shares" für ebenfalls 4,5 Millionen Euro von seinem Arbeitgeber erhielt. Die 4,5 Millionen Euro, die Kengeter aus seinem eigenen Vermögen aufbrachte, um Deutsche-Börsen-Aktien zu kaufen, werden nun zugunsten des Staates eingezogen. Damit würden die erlangten Vermögensvorteile aus dem Insidervergehen bei ihm abgeschöpft, erklärte die Staatsanwaltschaft. Kengeter und das Landgericht Frankfurt hätten dem Deal zugestimmt.

Ursprünglich sollte Kengeter glimpflicher davon kommen. Ein Deal mit der Staatsanwaltschaft Frankfurt, wonach Kengeter selbst 500.000 Euro und die Deutsche Börse 10,5 Millionen Euro zahlen sollten, war im Oktober 2017 nach dem Widerspruch des zuständigen Amtsgerichts Frankfurt gescheitert. (Reuters)


Aus: "Ex-Börsen-Chef muss 4,75 Milllionen Euro zahlen" (02.01.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/carsten-kengeter-ex-boersen-chef-muss-4-75-milllionen-euro-zahlen/23821322.html

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« Reply #858 on: January 06, 2019, 01:29:02 PM »
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[...] Vladimir Balzer: Ehrlich gesagt, das klingt fast nach einer Armee, was da in Frankreich am Wochenende aufgeboten werden soll: Fast 90.000 Sicherheitskräfte werden zusammengezogen, der Eiffelturm schließt, zahlreiche weitere Einrichtungen. Ein Land, ja, de facto in einem Ausnahmezustand. Alles wegen der Gelbwesten, die schwer zu kontrollierenden Protestler gegen Macron und seine Reformen. Nach Umfragen unterstützen zwei Drittel der Franzosen diese Proteste, auch immer mehr Intellektuelle, oder zumindest zeigen sie Verständnis dafür – wie zum Beispiel die Autoren Éduard Louis und Didier Eribon. Beide beschäftigen sich ja auch in ihrem Werk mit der sozialen Spaltung ihres Landes, beide wurden von Thomas Ostermeier auf die Bühne gebracht, Intendant der Berliner Schaubühne, gerade in Paris. Schönen guten Abend, Herr Ostermeier!

Thomas Ostermeier: Guten Abend!

Balzer: Wie geht es Ihnen denn selbst mit dieser Bewegung, die Sie ja nun vor Ort auch beobachten können, mit den Gelbwesten, mit dieser rohen Kraft, dieser Unorganisiertheit, auch diesem Hass und auch der Gewaltbereitschaft, die ja viele abschreckt.

Ostermeier: Alles nachvollziehbar. Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, ich habe mich in den Jahren immer gewundert und ich wundere mich in Deutschland auch noch, warum die Leute, die seit zum Beispiel 20 Jahren keine reale Lohnsteigerungsentwicklung haben, wie das in Deutschland der Fall ist, warum die Leute das mit sich machen lassen und warum es noch so wenig ungeleiteten Hass oder ungeleitete Gewalt gibt. Das Problem, was viele westliche Gesellschaften haben, ist natürlich, dass wir erst mal von einer sozialdemokratischen Linken und einer gewerkschaftsnahen Linken oder einer sozialistischen Linken wenig zu erwarten hatten die letzten 20, 30 Jahre, und deswegen diese Bewegungen, weil es die Ungerechtigkeit gibt, weil es den Unmut gibt, weil es soziale Gewalt und Benachteiligung gibt, dass diese Bewegungen jetzt auf einmal ausbrechen und nachvollziehbarerweise ausbrechen. Ich glaube, wir haben uns das selber zuzuschreiben, und unsere Betroffenheit ist dann auch etwas heuchlerisch.

Balzer: Wer ist wir?

Ostermeier: Wir als Linke haben uns selber zuzuschreiben, wenn wir dann erschrocken sind über die rassistischen Töne in diesen Bewegungen und über die, ja doch, in Teilen sehr rechten Ideologien, die dann auf einmal da aufpoppen. Wir haben uns das selber zuzuschreiben, weil wir uns als eine Elite, eine Kulturelite oder auch eine politische Elite nicht mehr für die Anliegen dieser Unterprivilegierten, dieser Ausgebeuteten, nicht mehr zu einem Sprachrohr gemacht haben. Und dann wundert man sich oder dann darf man sich eigentlich nicht wundern, wenn das auf einmal völlig ungefiltert und mit roher Gewalt ausbricht. Das sind Menschen, die einfach nicht mehr können und die auch nicht mehr wollen und die in vielen Teilen, nicht in allen, aber in vielen Teilen, einen legitimen Unmut ausdrücken, der vielleicht uns in Deutschland auch noch begegnen wird.

Balzer: Aber diese Proteste der Gelbwesten, ich habe es schon gesagt, die sind ja sehr roh, sie sind auch unformuliert, unartikuliert, haben eigentlich auch kein konkretes Ziel. Muss man nicht, wenn man protestiert, dennoch ein klares Ziel vor Augen haben?

Ostermeier: Nein, wenn man einen Punkt erreicht hat, wo man sich über Jahrzehnte verarscht gefühlt hat und auch von seinen Gewerkschaftsführern verraten gefühlt hat und auch von seiner parlamentarischen Linken verraten gefühlt hat, kann man jetzt nicht einfordern, Leute, wo sind denn eure Rädelsführer, wo sind denn eure Theorien, wo sind denn eure Anführer, mit denen wir ins Gespräch kommen können. Das hat man oft erlebt, wie diese Anführer dann die Bewegung verraten haben und deswegen sind sie so misstrauisch. Und das ist jetzt eben einfach eine ganz rohe, ungeleitete, soziale Bewegung, wie wir sie historisch schon öfter erlebt haben. Und wir als bürgerliche Klasse sind natürlich damit konfrontiert, dass wir einen Teil der Zielscheibe sind dieser Bewegungen, und da regiert natürlich auch eine gehörige Panik, dass man jetzt in das Schussfeld gerät. Aber Geschichte schreitet voran und hat manchmal eben auch etwas von Naturereignissen und nicht nur von politisch wohlüberlegten, taktischen, strategischen Verhaltensweisen. Aber wie gesagt, dass diese Bewegung so roh und so ungeleitet ist, hat ganz viel damit zu tun, dass da etwas nach vielen, vielen Jahren, auch was Éduard in seinen Büchern beschreibt und was Didier Eribon in seinen Büchern beschreibt, dass nach vielen, vielen Jahren, 20, 30 Jahren von Demütigung und Reformunfähigkeit jetzt etwas ungefiltert hochpoppt.

Balzer: Aber sogar wenn man diese Wut verstehen kann, was ich jetzt aus Ihren Worten auch höre, muss man nicht dennoch auch – oder ist das jetzt spießig, bürgerlich – darauf bestehen, dass zumindest die körperliche Unversehrtheit von anderen Menschen gewahrt wird?

Ostermeier: Ja, natürlich…

Balzer: Soll Blut fließen? Ich meine, das können wir doch nicht wollen, oder?

Ostermeier: Na ja, gut, aber ich weiß nicht, in welchen Kreisen Sie die Diskurse in Ihrer Jugend verfolgt haben. Und in diesen Kreisen, wenn von Rebellion oder gar Revolution die Rede war, war ja nicht von einem Sonntagsspaziergang die Rede.

Balzer: Aber einige Gelbwesten drohen ja schon mit Bürgerkrieg.

Ostermeier: Na ja, überrascht es Sie?

Balzer: Ich möchte keinen Bürgerkrieg auf unseren Straßen haben. Also jeder Protest ist legitim, aber…

Ostermeier: Ja, ich möchte den auch nicht, bloß wir können den Bürgerkrieg nicht dadurch vermeiden, dass wir diese Leute ins Aus stellen, sondern wir können den Bürgerkrieg dadurch vermeiden, dass die Konflikte in unseren Gesellschaften endlich wieder durch eine wirkliche Reform unserer Gesellschaften auf eine neue Basis gestellt werden.

Balzer: Also Sozialreformen meinen Sie zum Beispiel?

Ostermeier: Ja, natürlich! Natürlich! Ich habe neulich eine Untersuchung gelesen, wo es einen Streit Ende der 60er-Jahre gab, ob denn jetzt ein VW-Manager oder ein höherer Leitungsangestellter bei VW sechs- bis achtmal mehr als der Fließbandarbeiter verdienen darf. Heutzutage verdienen diese Menschen bis zu hundertmal mehr. Das ist einfach eine so brutale Entwicklung in unseren Gesellschaften, eine Entwicklung der Umverteilung von unten nach oben. 50 Prozent des Reichtums in Deutschland wird von einem Prozent der Gesellschaft gehalten in Deutschland. Das war nach dem Zweiten Weltkrieg nicht so. Wir haben, wie wir das durch eine andere Untersuchung gehört haben, wir haben Verhältnisse von sozialer Ungleichheit, wie wir sie zuletzt in Deutschland 1913 hatten.

Balzer: Sie sind Intendant, Sie sind Regisseur, Sie sind Künstler. Ästhetische Fragen, kann man die da noch stellen?

Ostermeier: Man kann solche Bewegungen nur begleiten, man kann sie weder beeinflussen, noch provozieren in dem Sinne, dass man sagt, jetzt machen wir mal so Theater, dass sich wieder was bewegt. Die wichtigen Auseinandersetzungen werden auf der Straße geführt und es gibt auch durchaus positive Beispiele. Ich bin seit der Unteilbar-Demo in Berlin wieder sehr viel optimistischer, was zum Beispiel die Zukunft Deutschlands anbelangt. Und die schlichte Tatsache, dass Leute auf der Straße sind, bedeutet zunächst erst mal nicht, dass Gefahr besteht, sondern das bedeutet, dass der Unmut so groß ist, dass man rausgehen muss. Und jetzt müssen wir Angebote machen, dass diese Bewegungen zu emanzipatorischen, progressiven Bewegungen werden und nicht verhaftet bleiben in alten Antworten.

Balzer: Welche Kräfte könnten denn diese Energien jetzt aufnehmen? Wären das die Parteien noch?

Ostermeier: Mélenchon könnte das schon aufnehmen.

Balzer: Und in Deutschland, was ist mit Deutschland? Noch haben wir keine Gelbwesten auf den Straßen, aber ich habe es aus Ihren Worten gehört, auch hier gäbe es genug Grund, um wütend auf die Straße zu gehen.

Ostermeier: Ja, natürlich gäbe es genug Grund, aber es gibt eben auch leider in Deutschland Leute, die noch auf die Straße gehen, bloß für die falsche Sache, weil sie meiner Meinung nach die falschen Antworten geben, wie das im Falle von Pegida ist. Es ist multifaktoriell, warum diese Leute auf die Straße gehen. Aber ein Teil dessen ist auch, weil sie sich in der Politik nicht repräsentiert fühlen, weil sie sich nicht gehört fühlen, weil sie sich abgehängt fühlen und weil sie auch mit einer sozialen Situation zu tun haben, die nicht immer befriedigend ist.
Aber ich glaube schon, dass sich ein Spektrum zwischen Grünen, der Linken und der Sozialdemokratie darum Gedanken machen müsste, wie man diese Kräfte, diese Unzufriedenen, diese sich selber abgehängt fühlenden Menschen wieder einbinden kann und wie man sie zum Beispiel auch wieder repräsentieren kann – in beiden Bedeutungen des Wortes. Das heißt, wie man es hinkriegt, dass die zum einen das Gefühl haben, in einem Parlament repräsentiert zu sein. Und zum anderen, wie wir zum Beispiel auch wieder Erzählungen entwerfen können, die nicht nur von bürgerlichen Mittelschichtsproblemen handeln, sondern wie wir zum Beispiel auch einen sozial engagierten Film, den man aus Großbritannien kennt à la Ken Loach oder Mike Lee oder aus Belgien wie die Brüder Dardenne, wie man solche Wirklichkeiten wieder in den Film bringt und aufhört, Mitglieder dieser Schicht immer nur in Nachmittagstalkshows als alkoholkrank oder verfettet zu zeigen. Es gibt eine ganze Gruppe von Leuten in Europa, die in diesen Welten nicht mehr vorkommen darf, die in fiktionalen Erzählungen nicht mehr vorkommen darf.
Und das ist, glaube ich, auch der entscheidende Schritt von Éduard Louis gewesen, dass er es geschafft hat, qua seiner Begabung, aber auch bestimmt seines jugendlichen Alters, diese Menschen wieder in fiktionale Zusammenhänge, also in Literatur, in engagierter Literatur der Gesellschaft zur Kenntnis zu bringen und nicht so zu tun, als ob die ganzen Menschen, die unsere Klos saubermachen, die unsere Sicherheitsdienste sind, die unsere Dienstleistungsjobs machen, die am Flughafen unser Gepäck checken und die in der gesamten Dienstleistungsgesellschaft, was uns ja immer als Ausweg gezeigt wird, unseren Dreck wegräumen, als würden diese Menschen nicht existieren. Die sind auch Teil dieser Gesellschaft, aber sie sind weder im Fernsehen oder im Kino oder auch im Theater repräsentiert, noch sind sie auf einer politischen Ebene repräsentiert. Und wenn die sozusagen das Gefühl haben, nur zuzuschauen, wie sich eine bürgerliche Gesellschaft als global und aufgeklärt und international verortet und amüsiert und es noch schafft – zum Teil gut, zum Teil auch schlecht, da gibt es natürlich dieselben Abstiegsängste in der bürgerlichen Mittelschicht –, aber nicht beteiligt zu sein an dieser Welt und nichts wert zu sein, das führt dann zu diesen Gärungsprozessen und das kann dann eben auch zu offenen Gewaltausbrüchen führen.

Balzer: Der Intendant der Berliner Schaubühne, Thomas Ostermeier, in Paris gerade, über sich radikalisierende soziale Konflikte angesichts der Proteste der Gelbwesten. Vielen Dank für das Gespräch!

Ostermeier: Ja, ich danke!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.


Aus: "Thomas Ostermeier zu Gelbwesten: „Wir als Linke haben uns das selber zuzuschreiben“" Thomas Ostermeier im Gespräch mit Vladimir Balzer (06.12.2018)
Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/thomas-ostermeier-zu-gelbwesten-wir-als-linke-haben-uns-das.1013.de.html?dram:article_id=435279

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« Reply #859 on: January 06, 2019, 02:13:34 PM »
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[...] »In finanzieller Hinsicht«, so hat die Schriftstellerin Eva Demski mal festgestellt, »ist das Schreiben ein so unbeschreiblich demütigender Beruf, dass die meisten Kollegen um ihr Einkommen ein großes Theater machen müssen. Es ist ein so verlogenes Thema, es wird Ihnen keiner die Wahrheit sagen.« Das ist genau die Erfahrung, die ich gemacht habe. Nicht von ungefähr existiert in Autorenkreisen ein regelrechter Hass auf unbedarfte Partygäste, Schülerzeitungsjournalisten oder Schwiegereltern, wenn sie irgendwann mit der Standardfrage rausrücken. »Kann man davon leben?« Die Abneigung ist natürlich nur deshalb so groß, weil diese Frage verdammt noch mal berechtigt ist.

Ich nenne mal Zahlen. 2014 (da gab es die letzte Erhebung meines Wissens) hat der Deutsche Journalistenverband (DJV) 1.350 Freischreiber nach ihren Einkünften befragt. Die freien Zeitungs- und Magazinjournalisten verdienten am wenigsten (von Onlinejournalisten wurde gleich ganz abgesehen, das waren Hobbyautoren für den DJV). Ihr Einkommen lag bei durchschnittlich 1.395 Euro monatlich. Brutto! Als ich einem befreundeten Kollegen die Zahl nannte, zog er die Augenbrauen hoch: »So viel?« Wie gesagt, das sind Durchschnittswerte! Nur mal zum Vergleich: Ein Facharzt verdient mindestens das fünffache, ein Metzger fast das Doppelte, der Lagerist zieht gleich.

Es gibt ein paar Strategien, um das Elend zu minimieren. Mein Rezept, ich will keinesfalls von Erfolgsrezept sprechen, heißt Diversifikation. Ich schreibe für sehr unterschiedliche Zeitungen und Zeitschriften: regelmäßig etwa für NZZ, Rolling Stone, Taz, Zeit online, junge Welt, unregelmäßig für noch ein paar andere. Ich sage das nicht nur, um anzugeben, das auch, vor allem aber, um zu zeigen, dass man sich breit aufstellen muss, und zwar sowohl inhaltlich-thematisch als auch formal. Das heißt, ich produziere nicht nur Kritiken, Interviews, Reportagen zum Thema Musik, sondern beackere das Thema Popkultur insgesamt, schreibe auch und vor allem über Literatur, über den Kulturbetrieb, gelegentlich sogar über Fußball (als Teil der populären Kultur). Nicht zu vergessen literarische Texte, also Satiren, Feuilletons, Glossen, aber eben auch Kurzgeschichten und alle zehn Jahre mal einen Roman.

Auch innerhalb des engeren Bereichs Musikjournalismus sollte man sich um eine gewisse Vielseitigkeit bemühen, so meine Erfahrung. Es ist zwar wichtig, ein gewisses Profil zu haben, damit die Redakteure wissen, was man kann. Aber letztlich muss man Allrounder sein. So kümmere ich mich zwar vornehmlich um härtere Gitarrenmusik, Heavy Metal vor allem. Aber wenn ein neues Album von Neil Young, Springsteen, U2 oder auch Funny van Dannen abgefrühstückt werden muss und die Redakteure das nicht so gern selbst machen wollen, wird man auch mal dafür gebucht. Tatsächlich treten Redakteure gelegentlich mit Artikelangeboten an mich heran. Ich habe zudem ein paar feste Verabredungen, etwa Kolumnen hier und dort, da braucht es dann keine weiteren Absprachen mehr. Man liefert pünktlich, und das war’s. Die meisten Aufträge generiere ich aber dadurch, dass ich selbst Akquise betreibe, mit anderen Worten: hausieren gehe. Ein Thema erscheint relevant, bestenfalls interessiert es einen sogar, also bietet man seinen assoziierten Publikationen einen entsprechenden Artikel an. Irgendein Redakteur findet dann schon Gefallen daran, bisweilen mehrere, dann schreibt man gleich zwei oder drei Artikel.

Bei der eigentlichen Produktion ist vor allem eine Qualität gefragt, und die ist durchaus wichtiger als solche Sekundärtugenden wie stilistische Brillanz, wie ich leider zugeben muss: nämlich Sorgfalt und Präzision. Wenn als Abgabetermin Mittwoch vormittag verabredet wurde, liefert man nicht erst um 13 Uhr. Und wenn 4.500 Zeichen Länge verlangt sind, haut man keine 5.000 raus. Der beste Freischreiber ist einer, der keine Mühe macht. Das heißt natürlich auch, dass gewisse Qualitätsstandards eingehalten werden müssen. Wenn der Redakteur den Text noch aufwendig korrigieren oder gar umschreiben muss, fliegt man bald raus aus seinem Pool.

Zweite Strategie, um monetär nicht völlig auf den Hund zu kommen: Man darf sich nicht zu schade sein für Mehrfachverwertungen. Dabei denke ich nicht in erster Linie an Dubletten, also die etwas halbseidene Methode, wortgleiche Texte verschiedenen Publikationen unterzujubeln (wird online sowieso immer schwieriger und gibt dann auch meistens Ärger, weil Magazine und Zeitungen einen Text natürlich exklusiv für sich beanspruchen). Ich meine vielmehr die Verwendung der eigenen Produktion in unterschiedlichen Medien. Mit anderen Worten, man schreibt ein paar Artikel zu einem Thema, und die bilden dann später die Grundlage für ein Buch. Oder andersherum versucht man, ein paar Kapitel eines Buches vorab auszukoppeln. Wenn das Buch dann erscheint, geht die Verwertungskette weiter. Man wird zu Lesungen, Vorträgen oder Podiumsdiskussionen eingeladen. Gilt dann vielleicht als Spezialist für ein bestimmtes Fachgebiet und bekommt somit weitere Aufträge von der Journaille. Und wenn es läuft, wie es soll, hat man am Ende des Monats 1.395 Euro verdient. Brutto! Fragen Sie also nie einen freien Kulturjournalisten, ob er davon leben kann!


Aus: "1.395 brutto – wenn’s gut läuft" Frank Schäfer (05.01.2019)
Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/346604.journalismus-1-395-brutto-wenn-s-gut-l%C3%A4uft.html


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« Reply #860 on: January 06, 2019, 06:08:55 PM »
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[...] Wer der Krankenpflegerin Levavasseur aus der Normandie in den Wochen der sozialen Revolte in Frankreich zuhörte, der ahnte schnell, dass Präsident Emmanuel Macron den Kampf verlieren würde. Erst im kleinen Kreis der eigenen Familie, dann auf den Autobahnbarrikaden und schließlich im Fernsehen vor der ganzen Nation redete Levavasseur ihren Präsidenten an die Wand, bis der nicht mehr anders konnte, als zusätzliche Sozialausgaben über zehn Milliarden Euro zu verkünden. Vielen Gelbwesten reichte das nicht, aber eine war glücklich: "Lasst uns über die Feiertage einen Waffenstillstand einhalten", schrieb Levavasseur auf ihrer Facebook-Seite.

Gut möglich, dass die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern in Zukunft wieder zurück in ihren Alltag muss. Doch schon heute ist Levavasseur ein Stück französischer Geschichte. Wer später einmal nach einem Gesicht für die "Revolution der Mittelschicht" sucht, wie der französische Weltökonom Élie Cohen den gegenwärtigen Aufstand nennt, wird auf sie stoßen. Wer in einigen Jahren nach den Gründen für die erste große Niederlage des zuvor gefeierten französischen Präsidenten Emmanuel Macron forschen wird, der wird ihre Reden und Auftritte studieren. Vielleicht geht sie dann längst wieder jeden Tag zur Arbeit und hat keine Fernsehauftritte mehr. Aber an Neujahr 2019 ist sie das landesweit bekannte Symbol jener 80 Prozent Franzosen, welche die Revolte der Gelbwesten unterstützen.

"Krankenpflegerin, die 1.250 Euro im Monat bekommt, während sich die Aktionäre die Taschen vollstopfen", steht in blauen Filzbuchstaben auf Levavasseurs gelber Warnweste, die sie jeden Samstag trägt. Sie will damit nicht aufhören. Die Weste ist ihr Programm. Noch ein zweiter, selbst geschriebener Satz steht darauf: "Macron, der König, hält es mit den Adligen, während das Volk mit offenem Maul träumt." Darunter eine Unterschrift: "Widerspenstige, stolze Gallierin." Mit solchen Botschaften hat sie die Franzosen erreicht.

... Die Gelbwesten gibt es seit dem 17. November 2018. ... Immer wieder stand auch Levavasseur auf einer Autobahnbarrikade in der Normandie, um von dort dem Fernsehsender TF1 die Gründe des Gelbwesten-Protests zu erklären. Beim Sender fand man, dass keiner das besser konnte als sie. Levavasseur bekam von allen, die über die Revolte sprachen, die meiste Sendezeit auf TF1. Sie stellte nämlich keine Forderungen. Sie sprach auch nicht zu viel über sich selbst. Die anderen Gelbwesten taten entweder das eine oder das andere. Sie aber erzählte aus ihrem Milieu, der unteren Mittelschicht. Zehn Prozent der Angestellten in Frankreich verdienen den Mindestlohn, und 40 Prozent von ihnen beziehen einen Lohn wie Levavasseur, der den Mindestlohn um nicht mehr als um ein Drittel übersteigt. Für sie alle, die Hälfte der Angestellten, sprach Levavasseur.

...  Die Bewegung der Gelbwesten hat viel erreicht, was mit ein Verdienst von Levavasseur ist. Dieser Meinung schließen sich inzwischen auch intime Kenner des politischen Frankreichs an. "Man kann sie beschimpfen und nennen, wie man will: kleine Weiße, Rednecks, Bauernproleten, Rechts- oder Linksfaschisten. Sie werden nun für lange Zeit Teil unserer politischen Landschaft sein, weil sie dem Land bewiesen haben, dass sie eine reale soziale Kraft sind", schreibt einer der bekanntesten Leitartikler des Landes, Franz-Olivier Giesbert vom Magazin Le Point, über die landesweite Bewegung der Gelbwesten.

Nur was wird für Levavasseur bleiben? Sie geht weiterhin zur Arbeit, seit Ende Dezember hat sie einen neuen Job bei einem Krankenwagenbetrieb. "Wird das jetzt immer so sein, dass dich im Supermarkt jeder kennt?", fragt ihre Tochter. "Ich habe Angst, dass ihr doch noch was passiert", sagt Sylvie Bardor, ihre 57-jährige Mutter. Sie trägt auch eine Gelbweste, mit einer sehr kurzen Aufschrift: "Die Nase gestrichen voll!" Dass es ihre Tochter ist, die versucht, an den Zuständen im Land etwas zu ändern, findet ihre Anerkennung. "Ich war immer schon stolz auf meine vier Kinder, aber jetzt bin ich auf Ingrid besonders stolz", sagt sie.

Vor sechs Wochen war Ingrid Levavasseur nur eine Krankenpflegerin aus der Provinz. Nun ist sie das Symbol dieser Revolte, wie die unendlich oft abgebildete Marianne das Symbol der Französischen Revolution ist.


Aus: "Die neue Marianne" Georg Blume (2. Januar 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/2019/02/ingrid-levavasseur-gelbwesten-frankreich-protest/komplettansicht

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clauren #21

Herr Blume, danke für diesen Artikel. Viele sprechen ja nur noch von einem Mob.
Aber ich kann diese Menschen sehr gut verstehen.


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petitprince #21.1

Von einem Mob kann man nicht sprechen, wenn 75% der Gesamtbevölkerung dahinter steht!


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wunsiedel #10

In Deutschland können ca. 20 % von ihrem Lohn nicht leben und bekommen deshalb staatliche Unterstützung.
Da geht es den Franzosen mit nur 10% Geringverdienern ja viel besser.
Aber in Deutschland wird es eine solche Volksbewegung nicht geben, da das Wort Solidarität hier nicht mehr existiert.


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Marco Slanz #10.2

Naja, die Ausgebeuteten in Deutschland waren ja auch lange einer traditionsreichen, "eltmoralischen" Gehirnwäsche ausgeliefert, dass es ihnen gut ginge, eigentlich viel zu gut, unverdient gut, unverschämt gut, "Jammern auf hohem Niveau", dass sie kein Recht hätten sich zu beklagen, da es Menschen in anderen Ländern und v.a. auf anderen Erdteilen noch viel, viel schlechter ginge; dass die Deutschen zudem demütig und dankbar zu sein hätten für die Gnade, nach zwei Weltkriegen überhaupt weiter existieren zu dürfen; dass der Wohlstand des Landes nicht etwa hart erarbeitet sei, sondern zur einen Hälfte auf Ausbeutung anderer Länder beruhe und zur anderen Hälfte von amerikanischen Marshall-Plan-Dollars großzügig geschenkt sei.

Wenn man das verinnerlicht hat, schämt man sich eben eher, irgendwelche Forderungen zu stellen. Es fehlt in D also nicht unbedingt an Mut, sondern an (individuellem wie kollektivem) Selbstwertgefühl.


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keinguternickeingefallen #13

Ich habe über die Feiertage "Germaine" von Emile Zola gelesen, da geht es um das Elend der Bergleute in Nordfrankreich und deren Versuch, sich gegen die Oberschicht zu organisieren. Das Buch ist ca. 130-140 Jahre alt und geändert hat sich erschreckend wenig.

Die aktuelle Unterschicht muss keine angst mehr haben, trotz Arbeit zu verhungern, aber eine wirkliche Teilhabe am Leben bekommen sie nicht. Diese Perspektivlosigkeit und die ohnmächtige Erkenntnis nur ein Rädchen in der Maschine einiger weniger zu sein treibt dann eben entsprechende Blüten (Populisten, Demos usw.). ...


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atlantik #19

"Krankenpflegerin, die 1.250 Euro im Monat bekommt, während sich die Aktionäre die Taschen vollstopfen", steht in blauen Filzbuchstaben auf Levavasseurs gelber Warnweste.. "

Sie bringt es auf den Punkt.
Arbeit ist nichts mehr wert.
Das kann auf Dauer nicht gut gehen.


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Ihr Schreiben ist in unserem Papierkorb eingegangen #19.3

Und ohne Aktionäre würde viel weniger Geld investiert werden, viele Firmen würden schließen und viele Leute würden ihren Job verlieren.

Und ohne die Arbeitnehmer gäbe es niemanden, der die Vermögenseinkommen der Aktionäre erarbeiten würde.
Auch in Deutschland sieht man die Schieflage schon lange: Von 1992 bis heute stiegen die Reallöhne um nur 7%, während die Arbeitsproduktivität um über 40% anstieg. Die Gewinner: Die Bezieher von Gewinn- und Vermögenseinkommen, deren Einkommen allein von 2000 bis 2015 real, also inflationsbereinigt um etwa 30% anstiegen.


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Kunigunde53 #20

Als Macron in den Medien als Heilsbringer gefeiert wurde, hatte man als Rezipient dieser schlecht recherchierten Berichte das Gefühl, dass die Wahl eines neoliberalen hardliners mit einem etwas freundlicherem Gesicht als das von Volker Bouffier höchst willkommen war, die eigenen ideologischen Überzeugungen zu transportieren.
Wenn man damals anmerkte, dass Europa einen Verfechter von Austerität so wenig brauche wie die Welt den Brexit oder Trump, wurde schnell "Radikalismus" unterstellt.
Mittlerweile hat eine realistischere Einschätzung der Positionen des Franzosen die ursrüngliche Euphorie relativiert. Glückwunsch!


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verveine93 #27

Mir fehlte eine Übersicht darüber, was die Gelbwesten eigentlich fordern. Ich habe dies hier aus ungesicherter Quelle gefunden:
Das Manifest der Gelben Westen - Ein Ende der Austeritäts­politik, Volksentscheide, Begrenzung der Mietpreise – über 40 Forderungen, die weit über den Protest gegen die Erhöhung der Treibstoffpreise hinausgehen, stellten die „Gelben Westen“ in einem Kommuniqué Anfang Dezember [2], welches wir hier unkommentiert auf Deutsch veröffentlichen. Machen Sie sich bitte Ihr eigenes Bild. (13 Dez 2018)
http://www.free21.org/das-manifest-der-gelben-westen/


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fanhuanghua #30

Die Frau hat Glück, in einem Land zu leben, dessen Bürger sich nicht von der Politik und willfährigen, regierungstreuen Medien ein X für ein U vormachen lassen.
In Deutschland wäre die Dame längst in bräsigen talkshows und medialem Dauerfeuer als "Populistin" diffamiert worden, hierzulande bekanntlich das politisch-gesellschaftliche Todesurteil.


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Die Kommentarfunktion wurde für Ihr Benutzerprofil gesperrt #36

"Die neue Marianne"

Ist nun echt BILD-Niveau. Desweiteren dachte ich die Gesichter der Gelbwesten wären Eric Drouet und Priscilla Ludosky. Naja ZON wirds schon wissen.


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Cioban #36.1

Das dachte ich auch beim Lesen.
Fehlt nur noch ein barbusiges Bild, wie bei der berühmten Darstellung der Marianne :D


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PausD #37

Es wird ja immer behauptet, man könne nicht in die Zukunft schaue.
Doch, das kann man sehr wohl.

In diesem Fall, einfach mal nach Westen sehen, so Richtung Frankreich. Dann kann man sehen, was auch bei uns passieren wird, falls unsere verantwortlichen Politiker in der Regierung nicht endlich der Problematik der Entwertung der Leistung eines Großteils der Bürger unseres Landes entgegenwirken.

Alle 2 Jahre das Kindergeld und Hartz IV zwischen 2-8€/Monat erhöhen wird da wohl nicht so ganz reichen.


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Walpurgis #37.1

@ PausD

Sie scheinen zu vergessen: Beim Wort Revolution erstarrt Deutschland. Beim Wort Mobilmachung kommt Bewegung ins Volk (frei nach Dr. K. Deschner).


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Ernst Bloch würde besser schreiben #38

Die Gelb-Westen im Europa-Parlament wären sicherlich ein wichtiger und guter Schritt um den Belangen der EU-Europäischen-Bevölkerung Gehör zu verschaffen

Allerdings dürfte auch hier die Frage sein, wie Widerstandsfähig gegen die gewöhnliche Alltags-Korruption (Prestige , Einkommen , Alterabsicherung , Medienauftritte , Zugang zu privilegierter Information) der alle Parlamemts- PolitikerInnen ausgesetzt sind, die KämpferInnen um Frau Levavasseur sein werden. ...


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Äußeres Parteimitglied #39

Neoliberalismus = Umverteilung von Fleißig zu Reich, denn irgend jemand muss ja schließlich den Zinseszins für das Kapital erarbeiten.
Und die Aufgabe der Konzernmedien besteht darin dafür zu sorgen das es so bleibt. ...


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Walpurgis #39.1

@ Äußeres Parteimitglied

So ein Blödsinn. Sämtliche Zahlen zu Steuererhebungen belegen das Gegenteil. Und mir sind noch ausreichend genug Menschen persönlich bekannt, die von ganz unten via harte Maloche in die Mittelschicht aufgestiegen sind

Handwerk brummt. Vielleicht sollte es der eine oder andere Abi-Studium-Schreibtisch-Frustrierte es dort mal versuchen --> Ausbildung --> Geselle --> Meister --> Selbständigkeit.


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Äußeres Parteimitglied #39.2

Wenn hier alles so gerecht zugeht, dann können Sie mir doch sicher erklären wieso Großkonzerne wie Apple, Amazon & Co (so gut wie) keine Steuern bezahlen müssen, Sie aber schon. Glauben Sie wirklich das es Niemanden gibt der ausschließlich von (Ertrags) Zinsen lebt?
Sagen wir mal so: ist es denkbar das es Menschen gibt die wesentlich weniger arbeiten als Sie aber gleichzeitig ein wesentlich höheres Einkommen haben als Sie?

P. S.
Ich selbst gehöre eher zum oberen Drittel, habe eine gute Ausbildung einen guten Job und bin auch nicht frustriert.


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Walpurgis #39.3

@ Äußeres Parteimitglied

"Sagen wir mal so: ist es denkbar das es Menschen gibt die wesentlich weniger arbeiten als Sie aber gleichzeitig ein wesentlich höheres Einkommen haben als Sie?"

Das kann gut sein. Bin aber niemandem neidisch deswegen. Hab auch kein Problem damit, Konzernen wie Apple, Google & Co. etwas strenger steuerlich auf die Finger zu klopfen. Deswegen wird aber kein einziger Geringverdiener, Aufstocker oder Transferempfänger mehr Geld in der Tasche haben.

PS:
"Glauben Sie wirklich das es Niemanden gibt der ausschließlich von (Ertrags) Zinsen lebt?"

Doch. Mich zum Beispiel. Meine aktuellen Einkünfte setzen sich zu 85% aus (Miet)Zinsen zusammen (niX geerbt). Und ich behaupte sogar, dass ich mit Einkommen und Vermögen eher zu den oberen 10% gerechnet werden darf ;-)


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Imhotep1111 #68

Leider ist, weder von der Deutschen Politikelite noch von der französischen zu erwarten, sich in das Leben, Befinden und Probleme des "normalen" Bürgers hinein zu versetzen.
Im Gegensatz zu Deutschland requiriert Frankreich seine Amtsträger seit Jahrzehnten von der Eliteschmiede ENA, was Filz und Vetternwirtschaft noch mehr produziert.

Optimistisch : Auch in Demokratien entstehen über Jahrzehnte der Realität entrückte Eliten. Es sollte möglich sein, demokratisch dieses Problem zu beheben.

Pessimistisch : solange jegliche Kritik, ja Erwähnung einer Konservativen, links"liberal"grünen Elite sofort zu Schnappathmung und zum Anwurf des: "Rechtspopulismus" führt, ist der Weg für die wahren Populisten frei.

Bei den französischen Protesten, demonstriert vor allem eine abgehängte untere Mittelschicht.
Sollten sich die Proteste auf die wirklich Armen und Abgehängten der Vorstätte ausweiten, wird Macron nichts übrig bleiben den Ausnahmezustand zu verhängen.


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LIBERATORES #73

Die Menschen wollen weiter nichts als Gerechtigkeit,das man von seiner Arbeit halbwegs gut leben kann und diese krassen Gegensaetze zwischen oben und unten beseitigt werden,den schließlich ist man ja eine Nation. Es kann doch nicht sein,dass die einen in Palästen leben und die anderen nicht genug zum heizen haben. ...


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DanielaBu #73.1

Das werden die Palastbewohner anders sehen und notfalls dafür sorgen, dass die Polizei gegen die Bevölkerung vorgeht.


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AllesKeinProblem #98

So eine Frau ist doch nicht Mittelschicht. Das ist Herr Merz, bitte schön. :-)


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Einhon #99

Es brennt, Scheiben sind wieder zerschlagen, Polizisten werden verprügelt, die Türen eines Ministeriums wurden aufgeschlagen, ein Staatssekretär musste von der Polizei rausbegleitet werden. Die gilets jaunes distanzieren sich nicht ausdrücklich von Gewalt. "Eigentlich sind wir friedfertig, ABER..."
'Die neue Marianne' pfff- was für ein Schwachsinn.


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El Capone #103

Ich verneige mich voller Demut vor dieser Frau!

"Die Menschen um mich herum leiden.
Sie können nicht in den Urlaub fahren.
Sie können ihren Kindern keine neue Kleidung kaufen.
Sie essen oft nur eine richtige Mahlzeit pro Tag.
Sie schalten auch im Winter selten die Heizung an"

Und in Deutschland wird auf diese 50% der Bevölkerung politisch wie auch medial weiter draufgeschlagen, damit diese ja auch auf gar keinen Fall wie in Frankreich aufmucken.


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Relleum #105

Übrigens, gerade von drei Franzosen erfahren: die Berichterstattung geht an der Realität stark vorbei. Da haben gebildete Leute berichtet, dass die Strassen verwüstet waren und das Land GANZ knapp an einer mehr oder weniger gewaltsamen Revolution vorbeigeschlittert ist. Nur deshalb hat Macron nachgegeben.
Sie meinten, dass man von dem, was sie von ihren Verwandten gehört haben, nahezu nichts hier in den Medien stand.

Wir haben dann vermutet, dass man vermeiden wollte, dass von der Wut etwas nach D rüberschwappt.


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Clock DVA #124

Das Erhellende und gleichzeitig traurige an den Gelbwestenprotesten ist, dass die Politik erst nach massiver Gewaltausübung seitens der Protestierenden zu Zugeständnissen bereit war.

Dass dies letztendlich ein Kampf von arm gegen reich ist sollte die Politik langsam begriffen haben.


...

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« Reply #861 on: January 08, 2019, 09:43:05 AM »
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[...] Wenig überraschend ist, dass die Medien, die heute auch Stationen der Proteste der Gelbwesten waren, wie z.B. das AFP-Gebäude in Paris, hier den Interessen der Reichen zugeordnet werden. Ein Punkt aus der Forderungsliste, der zur Abstimmung gestellt wird, lautet "Kampf gegen die Medienkonzentration". Erklärt wird dazu: "Wir akzeptieren nicht länger, dass 90 Prozent der Medien in der Hand einer Handvoll Milliardären sind, die sie als Werkzeug der Propaganda missbrauchen, um ihre Interessen zu schützen."

Die Medienkonzentration fasste Jürg Altwegg, ein immer gut unterrichteter Autor der FAZ, im letzten Sommer sehr anschaulich so zusammen:

    Die führenden Medien befinden sich fast ausnahmslos in den Händen der zehn reichsten Franzosen. Dem kürzlich verstorbenen Flugzeugbauer Dassault gehörte das "Figaro"-Imperium, der Telekomunternehmer Xavier Niel besitzt zusammen mit einem Banker "Le Monde" und "L’Obs", der allerreichste Franzose Bernard Arnault (LVMH) hat sich die führende Wirtschaftszeitung "Les Echos" gekauft und vor dem Wahlkampf zusätzlich das führende Boulevardblatt "Le Parisien" - um Sarkozy zu unterstützen, wie Kritiker munkelten. "Libération" und "L’Express" befinden sich im Besitz von Patrick Drahi, der in den Vereinigten Staaten Kabelnetze betreibt und dem in Frankreich die Telefongesellschaft SFR gehört. Und so weiter.
    Jürg Altwegg

...


Aus: "Frankreich: Protest der Gelbwesten geht weiter" Thomas Pany (05. Januar 2019)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Frankreich-Protest-der-Gelbwesten-geht-weiter-4266164.html

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[...] Als im November 2012 rund hundert Beschäftigte von McDonald's, KFC und Burger King in New York eine Schicht lang streikten, stieß ihre Forderung auf ungläubiges Staunen: ein Mindestlohn von 15 Dollar pro Stunde? Keine Chance, erklärten selbst wohlmeinende Beobachter. Schließlich war der gesetzliche Niedrigstlohn in der Stadt, die nie schläft, damals mit 7,25 Dollar nicht einmal halb so hoch.

Sechs Jahre später hat die Bewegung "Fight for $15" ihr Ziel erreicht: Seit 1. Januar müssen die Fast-Food-Ketten der Stadt ihren Mitarbeitern mindestens 15 Dollar pro Stunde zahlen, und auch die rund 25.000 Flughafenarbeiter profitieren von der Regelung.

New York ist bei Weitem nicht der einzige Ort, an dem der Staat den sogenannten Working Poor beigesprungen ist: 19 Bundesstaaten und 21 Städte haben zu Jahresbeginn die Mindestverdienstgrenze erhöht. In Amerika herrscht nun ein bunter Flickenteppich an Regeln. Denn die Vorgabe des US-Kongresses, der den Mindestlohn 2009 auf 7,25 Dollar festgelegt und seitdem nicht erhöht hat, darf von den Bundesstaaten zwar nicht unter-, aber doch überschritten werden. Und so müssen Unternehmer in Alabama ihrer Belegschaft weiterhin nur 7,25 Dollar zahlen, während es in South Dakota 9,10 Dollar und im Bundesstaat Washington 12 Dollar sind. Die dortige Stadt Seattle, Sitz von Amazon und Starbucks, schreibt sogar ein gesetzliches Minimum von 15 Dollar beziehungsweise 16 Dollar für größere Unternehmen vor.

Den Durchbruch hat "Fight for $15" mit einer geschickten Kampagne geschafft, die lautstarken Graswurzel-Aktivismus mit umtriebiger politischer Lobbyarbeit kombiniert. Dahinter steht vor allem die Dienstleistungsgewerkschaft SEIU.

Die Mindestlohnbewegung hat in den vergangenen Jahren einen Weg beschritten, der sich als Abkürzung zum Ziel erwies: Volksabstimmungen. "Vor 2010 waren Wählerinitiativen in erster Linie ein Instrument der Rechten, um konservative Themen durchzusetzen. Aber plötzlich ist die Linke aufgewacht", sagte Heide Gay, Co-Präsidentin des Dienstleisters National Ballot Access, der "Washington Post".

Und es zeigte sich, dass auch im Kernland des Kapitalismus viele Bürger eine schützende Hand des Staats möchten. In zwölf Bundesstaaten stimmten die Wähler in den vergangenen Jahren dafür, die Mindestlöhne zu erhöhen. Zum Beispiel auch in Arkansas und Missouri, wo der Kandidat der eher markttreuen Republikaner, Donald Trump, bei der Präsidentschaftswahl 2016 solide gesiegt hatte. Auch bei den Zwischenwahlen vergangenes Jahr räumten die Konservativen in Arkansas ab. Einen Sieg aber fuhren die Demokraten am Wahltag immerhin ein: beim Votum über höhere Mindestlöhne.

Der Bundesstaat wird nun den Lohn schrittweise bis auf 11 Dollar im Jahr 2021 anheben - es wird der höchste Mindestsatz aller Staaten sein, wenn man die Zahl in Relation zu Kaufkraft und Durchschnittsverdiensten setzt - Arkansas ist nämlich einer der ärmsten US-Staaten.

Dagegen klingen die 15 Dollar in New York besser, als sie für die Beschäftigten sind. So hat die 33-jährige Theresa Borkowski, Absolventin der American University, im "Wall Street Journal" exemplarisch geschildert, wofür sie das Einkommen ihrer regulären 48-Stunden-Woche mit zwei Jobs aufwendet: Für ihr WG-Zimmer in Brooklyn zahlt sie allein 1050 Dollar im Monat, mit 300 Dollar stottert sie ihren Studienkredit ab, 100 Dollar gibt sie für die U-Bahn zur Arbeit aus und 93 Dollar fürs Handy. Für Obst und Gemüse setzt sie 50 Dollar die Woche an. Nach Berechnung von Ökonomen der renommierten Hochschule MIT benötigt ein vollzeitbeschäftigter Erwachsener 16,14 Dollar pro Stunde, um im Bezirk Manhattan leben zu können. In der Hauptstadt Washington sind es sogar 17,11 Dollar, in Arkansas dagegen nur 10,38 Dollar.

Genauso wie in Deutschland ist auch in den USA unter Ökonomen umstritten, ob und ab welcher Höhe Mindestlöhne der Wirtschaft und den Beschäftigten selbst schaden oder nutzen. Jedenfalls ist der Zeitpunkt für "Fight for $15" so günstig wie lange nicht. Dank der boomenden Konjunktur übersteigt die Zahl der offenen Stellen derzeit die der Jobsuchenden.

Der Onlinegigant Amazon hat im vergangenen Herbst von sich aus einen Mindestlohn für seine US-Belegschaft von 15 Dollar verkündet. Die Discounterkette Target will bis 2020 nachziehen, während der größte Einzelhändler Wal-Mart mit einem Einstiegslohn von 11 Dollar pro Stunde noch hinterherhinkt und deswegen ins Visier der Aktivisten geraten ist. "Die Wal-Mart-Mitarbeiter haben es satt, für Hungerlöhne zu arbeiten. Ich sage der Walton-Familie von Wal-Mart, tun Sie das Richtige und zahlen Sie Ihren Beschäftigten einen Lohn, von dem sie leben können", twitterte der demokratische linke Senator Bernie Sanders. Er will ein Gesetz durchbringen, das den Konzernen den Rückkauf eigener Aktien verbietet, wenn sie ihrem Personal nicht mindestens 15 Dollar pro Stunde zahlen.

So wie Sanders haben viele amerikanische Politiker gemerkt, dass sie mit dem Thema punkten können und ihre Bedenken über die makroökonomischen Folgen über Bord geworfen. Auch Nancy Pelosi, die neue Mehrheitsführerin der Demokraten im Kongress, steht bei ihren Wählern im Wort. 2017 hat sie versprochen, bei einer Machtübernahme ihrer Partei "in den ersten 100 Stunden" einen Gesetzentwurf zu verabschieden, der den Mindestlohn in den USA von 7,25 auf 15 Dollar erhöht.


Aus: "Warum McDonald's und Amazon plötzlich 15 Dollar pro Stunde zahlen" nes Zöttl, Washington (05.01.2019)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/mindestlohn-in-den-usa-wenn-mcdonald-s-und-amazon-15-dollar-pro-stunde-zahlen-a-1246384.html

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Sportzigarette 05.01.2019
34. die alter Leier...
Zitat von Emderfriese: Und in Deutschland schlafen alle Verantwortlichen, die eigentlich für soziale Verbesserungen stehen sollten - gemeint sind Sozialdemokraten und DGB-Gewerkschaften - ihren Schlaf in neoliberalem Dämmerzustand weiter, während im Mutterland des Kapitalismus endlich wohl ganz unten die Arbeitnehmerschaft aufwacht und sogar demokratische Politiker mitreißt.

Jaja, die SPD und die Gewerkschaften sind natürlich Schuld. Scheinbar wissen Sie nicht, dass die SPD den Mindestlohn schon im Zuge der Agenda 2010 einführen wollte, aber damit bei CDU und FDP scheiterte. Dass es den Mindestlohn nun (wenn auch zu gering) Überhaut in Deutschland gibt, haben wir der SPD zu verdanken. Die möchte sogar einen höheren Mindestlohn (momentan fordern wir 12 /h) aber dies scheitert natürlich an der CDU. Heißt es gibt dafür nunmal keine Mehrheit. Der Mindestlohn ist aber nicht alles, die SPD tritt auch für Bürgerversicherung und Verbreiterung der Rentenbasis ein, damit die Rente höher ausfällt. An wem scheitert dies? Richtig, an CDU und FDP. Vielleicht versuchen Sie wenigstens mal zu begreifen, dass man zur Umsetzung jeder Forderung eine parlamentarische Mehrheit haben muß und auch in einer Regierung eben nicht alles umsetzen kann, was man will, weil man mit dem Koalitionspartner Kompromisse schließen muß. Und sorry, "neoliberal" kann ich nicht mehr hören, Neoliberalismus ist etwas Positives, es waren Neoliberale, die das Grundeinkommen erdachten, Also bitte nicht immer wieder diese blöden, alten Palttitüden wiederholen.


Quote
held_der_arbeit! 05.01.2019

26. Bizarre Argumente der Ökonomen
Wie kann es sein, dass bei einer Vergütung unter der Armutsgrenze tatsächlich immer noch einige Leute zuerst Gefahr für "die Wirtschaft" (lies: Profite und Dividenden) sehen, und nicht für die betroffenen Mitarbeiter. ...


Quote
Darwins Affe 05.01.2019
38. Simples Denken
1) Die Staatsgläubigkeit bei euch Deutschen ist wunderbar: Es brauchen nur Politiker und Behörden einen Mindestlohn verordnen und die Welt ist in Ordnung. 2) Dass der Lohn von Angebot und Nachfrage abhängt, kommt da niemand in den Sinn: Entweder führen überhöhte Mindest-Löhne zu Arbeitslosen (siehe Frankreich) oder die qualifizierten Beschäftigten bekommen weniger. 3) Jetzt hat das »Kernland des Kapitalismus« die niedrigste Arbeitslosigkeit seit 48 Jahren – was die Position der Arbeitnehmer immens stärkt. Nicht das Gelaber von Politikern, sondern der leergefegte Arbeitsmarkt führt zur Lohnerhöhung. ...


Quote
HansGluck 05.01.2019
91. Einsicht

Besser viele verdienen gut als sehr wenige unmoralisch viel. Wobei Geld keine Moral hat. Aber der Mensch sollte Geld eine Moral geben. Wenn jemand Milliarden anhäuft ist das Vermögen aus dem Geldkreislauf das ist wirtschaftlich und gesellschaftlich schädlich und im höchsten Maße moralisch. Verdienen viele dagegen mehr wird dadurch die Wirtschaft stimuliert und die Gesellschaft homogener. Henry Ford: Ein Auto kauft kein Auto. Mehr Wirtschaft -Verständnis geht nicht. Wenn jeder diesen Satz verinnerlicht wäre Kapitalismus moralisch.


Quote
spiegerlguckerl 05.01.2019
100. Was los ist im Kernland des Kapitalismus?
Die Ausgebeuteten haben es satt, weiterhin als Lumpenproletariat missbraucht zu werden. Der "Organisierten Verantwortungslosigkeit" (Rudolf Bahro) des Real Existierenden US-Raub-Kapitalismus wird nun endlich der höchst notwendige Kampf angesagt. De Gegner, allen voran die Gebrüder Koch, werden nichts unversucht lassen, ihren auf rüccksichtsloser Ausbeutung von Mensch und Natur gebauten Wohlstand zu erhalten. Das feuert den Kampf eher an, und heisst nicht, dass er verloren sein wird. Nach dem 15-Dollar-Mindestlohn muss -und wird!- die Krankenversicherung für alle kommen, und ebenso der massive Ausbau des öffentlichen, regionalen, und nationalen Personenverkehrs sowie der gesamten Infrastruktur, inklusive Bildung, unter Berücksichtigung grösster Nachhaltigkeit. In einem Wort: ein "FDR-style New Deal" für das 21. Jahrhundert für eine Neugegründete USA, in der die herrschende Weisse Klasse endgültig von der Nicht-Weissen Bevölkerungsmehrheit in der (bereits anbrechenden) Realität der Minderheit heim- und dadurch zur vollen und läuternden Erkenntnis dessen, was die Idee "USA" überhaupt ist und bedeutet, hingefürt wird. Kurz: es geht um nichts weniger als das Sein oder Nichtsein der USA. Wie Benjamin Franklin bereits vorausgehen hat: "A Republic. If you can keep it"...


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shekina_niko 05.01.2019
102. Kunst

Zitat von draco2007: Ich glaube kaum, dass jemand wirklich Milliarden "hortet". Diese Zahlen, die sie z.B. von Bill Gates kennen, sind vor allem Aktien. Also Geld das bereits wieder in der Wirtschaft investiert wurde.

Wenn man sich die inzwischen völlig durchgeknallten Preise für Kunst ansieht, dann könnten es oft schon Milliarden sein. Niemand weiß, was in diversen Zollfreilagern z.B. in der Schweiz alles so gehortet wird.


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Stäffelesrutscher 05.01.2019
134.
Zitat von Nordstadtbewohner: Viele vergessen das Prinzip der Lohn-Preis-Spirale, das es vor allem in Deutschland während der 70er Jahre gab. Die Löhne wuchsen teilweise um 7% jährlich ohne einen entsprechenden Anstieg der Produktivität. In der Folge stiegen dafür die Preise an. Folglich kam es dann zu einer Lohn-Preis-Spirale: Die Löhne stiegen um durchschnittlich 7% und die Preise dafür auch. Ein Klassiker für jeden, der BWL oder VWL studiert hat. Wer also wie in den USA einen Mindestlohn in Höhe von 15$ oder wie in Deutschland 12 Euro fordert, wird in naher Zukunft lernen, was eine Lohn-Preis-Spirale ist, wenn Löhne einfach so aus dem Bauch heraus festgelegt werden. Dazu kommt, dass zu hohe Mindestlöhne zum Ausschluss von Geringqualifizierten vom Arbeitsmarkt führen, was sich dann in steigenden Hartz-IV-Empfängern widerspiegelt. Die Forderung nach realitätsfernen Mindestlöhnen ist von daher in meinen Augen Populismus.

Ah, der Chicaco-Boys-Fanboy mal wieder. Ihr Beispiel würde stimmen, wenn der Lohnanteil bei 100 % der Herstellungskosten liegen würde und McD nicht für das Fleisch, die Brötchen, die Räume, die Energie usw. zahlen müsste. Jeder, der BWL oder VWL studiert hat, konnte mitbekommen, dass Kapitalisten Lohnerhöhungen zum Vorwand genommen haben, um Extraprofite zu machen. So nach dem Motto »Wir schlagen auf den Einkaufspreis immer 50 Prozent drauf«. Bekannt ist, dass vom Verkaufspreis eines Turnschuhs 0,4 % auf den Lohn im Sweatshop entfallen. 100 Euro im Laden, 40 Cent Lohn in den Slums. 100 Prozent mehr Lohn im Sweatshop würde also heißen: Der Turnschuh wird um 40 Cent (plus Steuern) teurer, sagen wir: um 50 Cent. Das merken Sie in Ihrer Nordstadt gar nicht. Aber die von Ihnen immer wieder hochgelobten Kapitalisten gehen dann ja her und malen eine Preiserhöhung von 10 oder 20 oder - wie bei Ihnen - 100 Prozent an die Wand. Ihnen ist klar, was das für ein demagogischer Unfug ist, oder? Ach übrigens: 13,50 Euro im 100-Euro-Turnschuh entfallen auf den Profit. Da wollen Sie nicht ran?


...

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[...] ... Die Bürgerumfrage 2017 lieferte erstmals auch umfangreiches Material zu der Frage: Wer in Leipzig ist eigentlich arm? Und warum? Vor allem weil eine Frage die Statistiker beschäftigte: Warum fallen die Jahrgänge, die von der „Wende“ besonders heftig betroffen waren, auch 25 Jahre später noch in jeder Statistik zu Einkommen und Armut auf? Kein alleiniges ostdeutsches Thema. „Working poor“ sind ein Ergebnis erzkonservativer Wirtschaftspolitik.

Was dieser Tage ein „Spiegel“-Artikel deutlich macht, der sich mit dem inzwischen erfolgreichen Kampf amerikanischer Angestellter um einen lebenssichernden Mindestlohn beschäftigt. Denn während deutsche Gazetten und Wirtschaftsgurus bis hin zum Möchtegern-Bundeskanzler Olaf Scholz schon wieder wie wild ins Horn „Rezession und Wirtschaftseinbruch“ tuten, haben sich amerikanische Billig-Arbeiter mit Volksentscheiden einen Mindestlohn von 15 Dollar erkämpft. Mit einem Instrument, das vorher – wie der „Spiegel“-Beitrag betont – vor allen die Konservativen genutzt hatten, um ihre Themen durchzusetzen.

„Vor 2010 waren Wählerinitiativen in erster Linie ein Instrument der Rechten, um konservative Themen durchzusetzen. Aber plötzlich ist die Linke aufgewacht“, zitiert der „Spiegel“ Heide Gay, Co-Präsidentin des Dienstleisters National Ballot Access, aus einem Beitrag der „Washington Post“.

Da fällt einem natürlich Deutschland ein, wo die erzkonservative AfD genau das ebenfalls auf die politische Agenda gesetzt hat, ihren Wählern suggerierend, dabei ginge es dieser Partei vor allem um mehr Demokratie.

Aber Demokratie funktioniert nur, wenn die Wahlbürger wissen, worüber wirklich entschieden wird, wer hinter welcher Kampagne steckt und worum es am Ende tatsächlich geht. Volksentscheide brauchen einen enormen Informationsaufwand. Und in Sachsen noch dazu einen enormen personellen und zeitlichen, denn die Hürden für Volksentscheide sind so hoch gesetzt, dass bislang nur ein einziger zu einem winzigkleinen Erfolg führte: der Sparkassen-Entscheid.

Aktuell läuft die Kampagne zu einem Volksentscheid zu längerem, gemeinsamen Lernen. Es sind nicht immer nur erzkonservative Themen, die bei Volksentscheiden eine Rolle spielen. Sie können genauso gut für Themen genutzt werden, die solche Bollwerke sprengen wie das elitäre, ungerechte und vorgestrige Bildungssystem in Sachsen. Noch werden Unterschriften gesammelt.

Aber mit dem Erkämpfen von 15 Dollar Mindestlohn haben die Amerikaner gezeigt, dass es sich lohnt, dieses politische Instrument auch gegen wirtschaftliche Ungerechtigkeiten anzuwenden. Der offizielle Mindestlohn lag vorher nicht einmal halb so hoch.

15 Dollar entsprechen nach aktuellem Umrechnungskurs (1 Dollar = 0,88 Euro) etwa 10,95 Euro.

Nur zum Vergleich: Zum Jahresbeginn 2019 ist der offizielle Mindestlohn in Deutschland auf 9,19 Euro pro Stunde gestiegen. Das ist immer noch lächerlich wenig. Und vor allem fällt auf, dass vier Jahre nach Einführung des Mindestlohns in Deutschland genau das Gegenteil von dem eingetreten ist, was die ganze Gilde der Wirtschaftsexperten (bis hin zum Dresdner ifo Institut) behauptet hatte, dass es eintreten würde.

Und sie haben es allesamt nur behauptet. Denn es ist ein Kernsatz neoliberaler Wirtschaftsmärchen, dass eine Wirtschaft floriert, wenn die Löhne sinken. Löhne werden in dieser Märchenwissenschaft nur als finanzielle Belastung betrachtet, als Hemmnis für das, was diese Leute so gern „Wettbewerbsfähigkeit“ nennen.

Dass genau diese heruntergedrückten Löhne in Wirklichkeit Kaufkraftverlust bedeuten, drastisch sinkenden Konsum, fehlende soziale und kulturelle Teilhabe und im Effekt auch geringere staatliche Einnahmen, das kommt in diesen platten Wirtschaftssichten nicht vor. Im Grunde die gesamte Makroökonomie nicht.

Bis heute hat Deutschland einen riesigen Niedriglohnsektor, in dem Millionen Menschen feststecken, arm trotz Arbeit. Das aber erfasst man nicht nur über Armutsgefährdungsquoten, denn die setzen viel tiefer an als der Mindestlohn. Sie beschreiben auch nicht den Mindeststandard für ein selbstbestimmtes Leben.

Deswegen sind Leipzigs Bürgerumfragen auch so fürchterlich grobschlächtig, als wäre die Leipziger Verwaltungsspitze überhaupt nicht daran interessiert herauszubekommen, wer denn eigentlich in Leipzig alles zu den „working poor“ gehört.

Denn die Grenze dessen, was man in Leipzig „working poor“ nennen muss, liegt nicht bei 863 Euro, wie das Amt für Statistik und Wahlen für 2017 ausgerechnet hat (60 Prozent des Einkommensmedians, der ja in Leipzig bekanntlich eh schon sehr niedrig liegt), auch nicht bei 969 Euro, gemessen am Bundesmedian, auch nicht bei 1.100 Euro, wo die Statistiker die untersten Einkommensgruppen in Leipzig abgrenzen.

Aber schon hier wird sichtbar, dass Leipzig sehr wohl ein Problem hat mit nach wie vor sehr vielen „working poor“, denn 22 Prozent der Befragten haben ein Monatsnettoeinkommen, das unter 1.100 Euro liegt. 2016 waren es noch 24 Prozent – fast jeder Vierte.

Der Verweis auf Studenten und Rentner, die ja auch mit erfasst werden, hilft nicht wirklich weiter, denn selbst unter den Erwerbstätigen bekamen 10 Prozent weniger als diese 1.100.

...  Ein Mindestlohn von 9,19 Euro pro Stunde bedeutet ein Monatseinkommen von 1.470 Euro. Was, wie jeder weiß, noch immer keine vollwertige Rente bedeutet. Die ganzen Abgaben gehen ja auch noch ab. Und jeder weiß auch, dass Löhne erst im Lauf der Betriebszugehörigkeit steigen, dass man in der Regel, wenn man seinen Job verliert, meist wieder ganz unten anfängt.

Was ein Grund dafür ist, dass auch die offizielle Armutsgefährdungsschwelle in Leipzig gerade bei jenen Erwerbstätigen hoch ist, die ab 1990 von den Wirtschaftsumbrüchen besonders betroffenen waren. Haben jüngere Arbeitnehmer (30 bis 49 Jahre) in der Regel Armutsgefährdungsquoten zwischen 10 und 15 Prozent (was immer noch sehr viel ist), schnellt die Kurve bei den 50 bis 65-Jährigen auf 20 bis 25 Prozent hinauf.

...


Aus: "Auswertung zur Bürgerumfrage 2017, Teil 12: Im Grunde gehört jeder zweite Leipziger noch immer zu den working poor" Ralf Julke (7. Januar 2019)
Quelle: https://www.l-iz.de/politik/kassensturz/2019/01/Im-Grunde-gehoert-jeder-zweite-Leipziger-noch-immer-zu-den-working-poor-252608
« Last Edit: January 08, 2019, 09:46:14 AM by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #862 on: January 10, 2019, 09:35:15 AM »
Quote
[...] Investoren auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten haben im vergangenen Jahr nach Zahlen mehrerer Maklerhäuser für einen neuen Rekordumsatz auf dem Frankfurter Immobilienmarkt gesorgt. Nach Angaben von Jones Lang LaSalle (JLL) wechselten allein gewerblich genutzte Gebäude im Wert von mehr als zehn Milliarden Euro die Besitzer. Samt größeren Wohngebäuden und Portfolios ab zehn Wohnungen lag der Umsatz dem Maklerhaus nach sogar bei 11,6 Milliarden Euro. Nach Transaktionsvolumen ist Frankfurt Immobilienhauptstadt. Selbst in Berlin kauften Investoren für eine niedrigere Gesamtsumme ein.

29 Gebäude wechselten nach Zahlen des Maklerhauses im vergangenen Jahr für mehr als 100 Millionen Euro die Eigentümer, so viele wie nie. Die größten Deals waren der Verkauf des im Bau befindlichen Omniturms für 700 Millionen, des Bürohochhauses Trianon für 670 Millionen und des früheren EZB-Sitzes Eurotower für 530 Millionen Euro.

Weltweit gebe es derzeit eine unheimlich große Nachfrage nach deutschen Immobilien, sagte Christian Lanfer, Team Leader Office Investment Frankfurt bei JLL, am Mittwoch bei der Präsentation der Zahlen. Das habe mit den angesichts immer noch niedriger Zinsen mangelnden Alternativen zu tun, aber auch damit, dass Deutschland als sicherer Hafen für Kapitalanleger gelte. Diese Einschätzung habe sich durch den Brexit und jüngst die Gelbwesten-Proteste in Frankreich noch verstärkt.

Speziell für Frankfurt spreche, dass hier, anders als in den meisten anderen Städten, auch Immobilienanlagen im mittleren dreistelligen Millionenbereich möglich seien, also große Summen angelegt werden könnten, sagte Lanfer. Die wachsende Stadt werde von Investoren zudem deutlich positiver wahrgenommen als vor einigen Jahren.

Trotz der deutlich gestiegenen Kaufpreise sieht Lanfer noch keine Überhitzung. Die Stimmung sei nicht so rauschhaft wie vor der Finanzkrise. Zudem sei die Nachfrage nach Büroflächen hoch und die Mieten stiegen.

Bei JLL spricht man vom drittbesten Bürovermietungsjahr aller Zeiten. 633 000 Quadratmeter Fläche wurden neu vermietet. Nur im vergangenen Jahr und im Jahr 2000 lag diese Zahl höher. Die Spitzenmiete sieht man dort inzwischen bei 40 Euro, bei Colliers bei 42, bei BNP Paribas Real Estate sogar schon bei 44 Euro.

Die Nachfrage werde, wie Markus Kullmann, Team Leader Office Leasing Frankfurt bei JLL, sagte, unter anderem von Unternehmen befeuert, die aus dem Umland in die Stadt zögen, um für dringend gesuchte hochqualifizierte Fachkräfte attraktiv zu sein. Eine immer größere Rolle spielten zudem die Betreiber flexibler Arbeitsplätze, also von Business Centern und Co-Working-Spaces. Sie mieteten vergangenes Jahr 58 000 Quadratmeter Fläche an, bevorzugt im Bankenviertel und der City.

Der Leerstand von Büroflächen hat sich laut JLL seit dem Jahr 2010 mehr als halbiert, liegt nun noch bei 727 000 Quadratmetern. Für das kommende Jahr rechnen die Makler mit einem weiteren Rückgang.

Inzwischen sieht man nicht nur bei JLL die Flächen knapp werden. Zwar verliert die Umwandlung von Büros in Wohnungen an Gewicht. Im vergangenen Jahr aber sind gerade mal 89 000 Quadratmeter neue Fläche fertiggestellt worden, von denen der größte Teil schon vermietet war. Erst 2020 kommen sehr große noch freie Flächen auf den Markt. Trotz des geplanten Hochhausquartiers Four und anderer Projekte müsse die Projekt-Pipeline noch dringend wachsen, um den suchenden Unternehmen ausreichend Raum zu geben, sagte Kullmann.


Aus: "Rekord bei Frankfurter Gewerbeimmobilien" Christoph Manus (09.01.2019)
Quelle: http://www.fr.de/frankfurt/wohnen/neue-zahlen-rekord-bei-frankfurter-gewerbeimmobilien-a-1650991

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« Reply #863 on: January 10, 2019, 09:39:40 AM »
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[...] Wieder gibt es scharfe Kritik an den Bedingungen, unter denen mehr als 10.000 Geflüchtete in den Auffanglagern auf den griechischen Ägäisinseln leben müssen. Diesmal ist es die Hilfsorganisation Oxfam, die Alarm schlägt. Sie beleuchtet in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht die prekäre Lage besonders schutzbedürftiger Migranten. Dazu gehören schwangere Frauen, Kranke, alte Menschen, Folteropfer und unbegleitete Kinder, die in den Insellagern oft sich selbst überlassen sind.

Nach offiziellen Angaben vom Montag halten sich in den fünf sogenannten Insel-Hotspots, in denen die Geflüchteten die Bearbeitung ihrer Asylanträge abwarten müssen, 14.765 Menschen auf. In vielen Fällen warten die Menschen in den Insellagern über ein Jahr auf ihre Asylbescheide.

Oxfam fordert von den griechischen Behörden, besonders schutzbedürftige Asylbewerber aufs Festland zu bringen, wo sie besser betreut werden können als in den überfüllten Insellagern. „Schwangere Frauen und Mütter mit Neugeborenen müssen hier in Zelten schlafen, unbegleitete Kinder werden fälschlich als Erwachsene behandelt und hier gefangen gehalten“, kritisiert Oxfam. „Von Jahr zu Jahr verschlimmern sich die Lebensbedingungen in den Lagern“, heißt es im Oxfam-Bericht.

Ein Flüchtling berichtet: „Ich bin fast blind auf einem Auge, bin nierenkrank und habe Probleme mit meinem Knie. Der Arzt hat mir ein Attest ausgestellt, wonach ich zur medizinischen Behandlung aufs Festland soll. Das war vor fünf Monaten, aber ich bin immer noch hier.“

Weil die Essensausgabe schlecht organisiert ist, müssen die Menschen im Lager Moria nachts in der Kälte für das Frühstück anstehen. „Wenn du zu spät kommst, etwa um drei Uhr früh, bekommst du nichts mehr“, zitiert Oxfam eine 24-jährige Afghanin, die in Moria lebt.


Aus: "Oxfam beklagt katastrophale Zustände" Gerd Höhler (09.01.2019)
Quelle: http://www.fr.de/politik/flucht-zuwanderung/hilfsorganisation-oxfam-beklagt-katastrophale-zustaende-a-1651149

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« Reply #864 on: January 10, 2019, 10:27:39 AM »
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[...] Mit einer Politik für Arbeitnehmer und Beschäftigte will Andrea Nahles ihre Partei aus der Krise führen. Die Perspektive der "tüchtigen, der arbeitenden Mitte unseres Landes" sei ein Dreh- und Angelpunkt, sagte die SPD-Chefin. Die zwei größten SPD-Landesgruppen im Bundestag – Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen/Bremen – beraten derzeit über den Kurs der Partei. Die Politiker stellten Arbeit und Gerechtigkeit, Zusammenhalt und Fragen der öffentlichen Sicherheit in den Mittelpunkt ihrer Debatte.

Nahles räumte ein, die "Grundmelodie" einer Politik für die arbeitende Mitte sei zuletzt nicht deutlich genug geworden, die Partei brauche Klarheit über die eigenen Ziele. "Wir haben uns für 2019 viel vorgenommen, vor allem, dass wir stärker werden, auch als Partei." Die SPD erreichte in jüngsten Umfragen bundesweit nur 14 bis 15 Prozent, die Union als stärkerer Partner in der großen Koalition liegt zwischen 29 und 31 Prozent. Nahles und Vizekanzler Olaf Scholz müssen eine Wende herbeiführen. 

... Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius forderte seine Parteikollegen auf, das Thema Sicherheitspolitik zu einer Kernkompetenz der SPD zu machen. Es sei nötig, die Polizei zu stärken und sich um verwahrloste Orte, das öffentliche Erscheinungsbild in den Städten, zu kümmern. "Das Umfeld, in dem junge Menschen aufwachsen, ist entscheidend für ihre Entwicklung und Karriere." Gerade Sozialdemokraten könnten deswegen sogenannte No-Go-Areas in Städten nicht achselzuckend hinnehmen.

Zudem forderte er einen schnellen Ausbau der Sicherheitskooperation in der EU. Nötig seien eine Stärkung der Grenzschutzagentur Frontex, gemeinsame europäische Datenbanken mit Informationen über Straftäter und Extremisten sowie mehr Kompetenzen für die Polizeiorganisation Europol, die bei sehr schweren Straftaten auch eine operative Zuständigkeit bekommen müsse – wie "ein europäisches FBI" – sagte Pistorius. Wenn einige EU-Staaten, vor allem in Osteuropa, nicht zu mehr Zusammenarbeit bereit seien, müsse es bei dieser Aufgabe eine EU der zwei Geschwindigkeiten geben.


Aus: "Nahles kündigt Politik für "tüchtige Mitte" an" (9. Januar 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-01/spd-andrea-nahles-arbeit-mittelstand-kernklientel

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skepsisahoi #1.1

Nahles-SPD = FDP

"tüchtige Mitte" = "Leistungsträger"


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kaputtmacher #1.2

Allein die Wortwahl "tüchtige Mitte" regt mich schon auf. Soll das eine Abgrenzung sein zur Unterschicht, die dann "faul" ist, oder was?!


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derdasschreibt #1.34

"Es ist eine Abgrenzung zu denen, die faul sind. Diese können sich sowohl in der Oberschicht als auch in der Unterschicht eingerichtet haben."

Ach so. In der Mitte gibt es also keine faulen Menschen.


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Slowenendeutscher #1.7

kann auch zur Abgrenzung der Oberschicht gemeint sein.....


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Slowenendeutscher #1.10


Die tüchtige Mitte arbeitet im Niedriglohnsektor oder auch gerne bei Zeitarbeitsfirmen, zahlt hohe Mieten, parkt ihre Kinder in Ganztagsbetreuungseinrichtungen , um neben dem Job noch einen Nebenjob auszuüben.


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Das Leben ist eine Pralinenschachtel #1.31

Dumm oder faul. Weil es sehr wahrscheinlich auch so ist. Immerhin schafft man eine Menge mit Fleiss und Intelligenz, also dürfte das Gegenteil auch zutreffen.


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IF6WAS9 #1.14

Merz hat die "Agenda für die Fleißigen", Nahles will die "tüchtige Mitte" bedienen ...


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Les r #1.19

> Unterschicht, die dann "faul" ...

Das ist die Kernthese der Neoliberalen. In einer Welt der Eigenverantwortlichkeit gibt es weder Solidarität noch gesellschaftliche Ursachen oder Verantwortlichkeit. Jeder ist selbst verantwortlich für sein Glück und für sein Unglück.
Auch Schröder, Gabriel und andere SPD-Vordere machen seit 30 Jahren explizit Politik für "die Mitte". Soll heißen für die, die schon haben.
Mit dem Wahlspruch "Arbeit muss sich wieder lohnen" lockte die FDP 2009 mit ihrem Frontmann Westerwelle sehr viel in ihr Netz, die nicht verstanden, dass die FDP nicht jene Arbeiter meint, die sich den Buckel für viel zu wenig Lohn krumm arbeiten. ...


Quote
Willy Wusel #1.22

"Und der Therminus" fleißige Mitte" ist derart daneben, dass mir anders wird. Was ist Mitte und was ist fleißig? Ein derartiges Herumgeeiere ist wirklich unwürdig für eine Volkspartei!"

Na haben Sie schon vergessen? Die Mitte, das ist doch da, wohl Wahlen gewonnen werden. Das glaubt die SPD nun schon seit Schröder. Dieser Glaube hat sie von damals 40% auf inzwischen 15% geführt.
Und trotz dieses wirklich elendig langen Abstiegs hat sie es immer noch nicht kapiert.
Wenn sich die SPD mal hinstellen würde und sagen würde: "Wir machen Politik für die wirtschaftlich unteren 50% in Deutschland." Das wäre mal was. Aber das werde ich wohl nicht mehr erleben...


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GlobalTraveler #1.23


"Weil Sie ohnehin dann FDP wählen."

Exakt anders herum: Ökonomisches Grundverständnis wird nicht dadurch falsch, dass die FDP darüber verfügt und es anwendet!
Vielmehr wäre eine SPD deutlich wählbarer, sollte sie im Sinne der modernen Arbeitswirklichkeit ein Ende der teuren Subventionspolitik erkennen.


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Free Dog #18

Als sich die SPD das letzte Mal richtig um die Mitte kümmerte, kam die Agenda 2010 und die Hartz-Gesetze zur Verunsicherung und Einschüchterung der Arbeitnehmer.


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Grünes Gewölbe #3

Das Tüchtige-Mitte-Gesetz ist in Vorbereitung :-)


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Mokribokre #12

Klingt immer lustig, wenn Nahles versucht, von den arbeitenden-Menschen, oder wie diese ihr sehr seltsame Gattung heißt, zu reden...


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1971koepi #16

Liebe Frau Nahles,
nehmen Sie doch den fleißigen Arbeitnehmern erstmal den Druck, den unser SPD per A2010 gesetzt hat. Bei etwas längerer Arbeitslosigkeit quasi erstmal einen Offenbarungseid leisten und das mühsam über Jahrzehnte Erarbeitete versilbern zu müssen bevor überhaupt ein Anspruch auf Unterstützung besteht, treibt die Menschen in prekäre Verhältnisse. Solange Ihre (und auch meine) Partei dafür verantwortlich ist, können wir keinen Blumentopf gewinnen.

Gruß
Ein Genosse


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FreeNordanien #40

Irritierende Wortwahl, irritierende Einseitigkeit, die SPD wird mir immer befremdlicher.


Quote
R2D2 2 #61

Wer ist den die tüchtige Mitte
Andrea?

Meinst du die Leiharbeiter, die
Niedriglöhner, Werksvertragler,
die sub sub sub Arbeiter bei DHL,
in der Gastronomie ect.

Andrea spaltet wieder in tüchtig
und weniger tüchtig.

Ab wann ist man in deinem Weltbild
den tüchtig, ab Studium.

Was ist denn mit den versprochenen
entschärfungen im SGB 2, Andrea.

Was ist denn mit den 12 Euro
Mindestlohn? Hat der Olaf doch gesagt,
du auch Andrea.

Weiss du was Andrea, im Rektum
der CDU lässt sich das alles nicht
umsetzen, und das weißt du auch.

Warum erzählst du so einen Blödsinn?

...


Quote
SilentBob.01 #64


"Nahles und Vizekanzler Olaf Scholz müssen eine Wende herbeiführen."

Ein wichtiger Punkt, warum ich ZON so schätze, ist der feine und gut versteckte Sarkasmus.



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« Reply #865 on: January 10, 2019, 04:47:38 PM »
Quote
[...] Gegen Heinrich Maria Schulte lief von Mai 2014 bis April 2015 vor dem Landgericht Hamburg ein Verfahren wegen Veruntreuung von Anlagegeldern. In Form gewerbsmäßiger Untreue soll Schulte von 2011 bis 2013 in 327 Fällen rund 147 Millionen Euro aus 31 geschlossenen Immobilienfonds mit Vorsatz zweckwidrig verwendet haben. Am 20. April 2015 wurde Schulte zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt, die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftdauer von zwölf Jahren beantragt. Betroffen sind rund 35.000 Anleger. ...


Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Bankhaus_W%C3%B6lbern_%26_Co. (27. April 2018)

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Quote
[...] Der seinerzeitige Wölbern-Inhaber hat laut Urteil vom April 2015 zwischen August 2011 und September 2013 insgesamt mehr als 147 Millionen Euro aus geschlossenen Fonds seines Emissionshauses entnommen und über eine in den Niederlanden ansässige Tochterfirma unrechtmäßig zweckentfremdet. Abzüglich Rückzahlungen von rund 31 Millionen Euro blieben offene Posten von rund 115 Millionen Euro, so die Richter. Rund 50 Millionen Euro davon seien in den privaten Bereich Schultes geflossen.

K. fungierte in der fraglichen Zeit im Hause Wölbern als "rechte Hand" Schultes. Sein Geständnis legte er Prozessbeobachtern zufolge, die namentlich nicht genannt werden wollten, die jedoch als zuverlässig einzustufen sind, am Dienstags dieser Woche vor der 18. Großen Strafkammer des Landgerichts in Hamburg ab. Diese Information sowie der mögliche Strafrahmen von bis zu einem Jahr und zehn Monaten, den der Richter gegenüber K. in Aussicht gestellt hat, wurde manager-magazin.de zudem inzwischen von einer Sprecherin des Gerichts bestätigt.

Bei seinem Geständnis sagte K. den Beobachtern zufolge, ihm sei die aussichtslose Lage der Wölbern-Gruppe bereits seit 2011 bewusst gewesen. Er habe jedoch die Augen davor verschlossen beziehungsweise sich von Beteuerungen Schultes und anderer Beteiligter blenden lassen.

Zudem bat K. offenbar darum, von einer Bestrafung abzusehen, da diese seine aktuelle berufliche Existenz gefährden würde. Diesem Wunsch dürfte das Gericht aller Wahrscheinlichkeit nach aber kaum nachkommen.

Der Prozess soll am Dienstag, den 15. Januar, mit den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung fortgesetzt werden.


Aus: "Letzter Wölbern-Angeklagter steht kurz vor Verurteilung" Christoph Rottwilm (10.01.2019)
Quelle: http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/woelbern-invest-urteil-steht-nach-gestaendnis-kurz-bevor-a-1247348.html

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Quote
[...] Der Geldwäscheskandal hält Behörden in Europa seit Monaten auf Trab: Die dänische Danske Bank steht im Verdacht, über ihre Niederlassung in Estland dubiose Gelder in Höhe von 200 Milliarden Euro transferiert zu haben. Staatsanwälte in Dänemark, Estland und den USA ermitteln, kurz vor Weihnachten wurden Mitarbeiter der estnischen Filiale der Bank festgenommen. Von diesem Geldwäscheskandal sind auch deutsche und österreichische Unternehmen und Banken betroffen. Das ergaben gemeinsame Recherchen der RBB-Redaktion Investigatives und Hintergrund, des ARD-Politikmagazins "Kontraste" und der Wochenzeitung "Die Zeit". Dem STANDARD liegt ein Auszug der Dokumente vor. Allein für Deutschland geht es dabei um einen Betrag von mehr als 32 Millionen Euro in den Jahren 2007 bis 2011. In Österreich beträgt die Summe rund vier Millionen Euro. Aus der Auswertung der vorliegenden Dokumente ergibt sich, dass 64 Überweisungen auf Kundenkonten in Österreich erfolgten. In Deutschland waren es 792 Überweisungen auf 321 Konten bei Banken und Sparkassen.

Der Geldwäscheskandal hält Behörden in Europa seit Monaten auf Trab: Die dänische Danske Bank steht im Verdacht, über ihre Niederlassung in Estland dubiose Gelder in Höhe von 200 Milliarden Euro transferiert zu haben. Staatsanwälte in Dänemark, Estland und den USA ermitteln, kurz vor Weihnachten wurden Mitarbeiter der estnischen Filiale der Bank festgenommen. Von diesem Geldwäscheskandal sind auch deutsche und österreichische Unternehmen und Banken betroffen. Das ergaben gemeinsame Recherchen der RBB-Redaktion Investigatives und Hintergrund, des ARD-Politikmagazins "Kontraste" und der Wochenzeitung "Die Zeit".

Dem STANDARD liegt ein Auszug der Dokumente vor. Allein für Deutschland geht es dabei um einen Betrag von mehr als 32 Millionen Euro in den Jahren 2007 bis 2011. In Österreich beträgt die Summe rund vier Millionen Euro. Aus der Auswertung der vorliegenden Dokumente ergibt sich, dass 64 Überweisungen auf Kundenkonten in Österreich erfolgten. In Deutschland waren es 792 Überweisungen auf 321 Konten bei Banken und Sparkassen.
Warenlieferungen nach Russland

In vielen der Fälle wurden damit wahrscheinlich Warenlieferungen nach Russland bezahlt. Die Empfänger der Handelsgüter waren jedoch nicht immer identisch mit den Firmen, die für die Warenlieferungen bezahlt haben. Auch ließen sich keine unmittelbaren Geschäftsbeziehungen zwischen den beteiligten Firmen nachweisen. Bei den gelieferten Gütern handelt es sich unter anderem um Industrieausrüstungen, Hausgerätetechnik, Stoffe, Aquarientechnik, Ersatzteile oder Autos. In Österreich wurden auch Küchengeräte um tausende Euro gekauft.

Unter Geldwäscheexperten gilt der Güterhandel bis heute als besonders anfällig für Geldwäsche.

Woher die Gelder stammen, die auf diesem Weg in den legalen Wirtschaftskreislauf gelangten, lässt sich nur schwer nachweisen. William Browder, einst einer der größten westlichen Fondsinvestoren in Russland, beschuldig in einem Schreiben an die estnische Staatsanwaltschaft 26 Mitarbeiter der Danske Bank in Estland der Beihilfe zur Geldwäsche. Browder vermutet, dass über die Danske Bank auch 230 Millionen Dollar aus einem Steuerbetrug zulasten des russischen Staates im Jahr 2008 gewaschen wurden. Der Fall erregte als Magnizki-Affäre Aufmerksamkeit, benannt nach Sergej Magnizki, Browders Steuerberater, der im Zuge der Ermittlungen von den russischen Behörden inhaftiert wurde und 2009 im Gefängnis unter ungeklärten Umständen ums Leben kam.


Aus: "Geldwäscheskandal bei der Danske Bank: Spuren führen nach Österreich" Markus Sulzbacher (10.01.2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000095769226/Geldwaescheskandal-bei-der-Danske-Bank-Spuren-fuehren-nach-Oesterreich

Quote
warp.faktor

Bei den Banken ist es wie bei der Mafia.
Schmutzige Geschäfte kommen nur dann ans Licht, wenn es zu Streitigkeiten kommt.


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[...] (Reuters) Ein amerikanischer Pensionsfonds verklagt die von einem Skandal erschütterte Danske Bank. Zudem will der Fonds vier ehemalige Manager des Geldhauses vor Gericht bringen.

Der in New York ansässige Fonds (Plumbers & Steamfitters Local 773 Pension Fund) strebt laut in New York eingereichten Gerichtsunterlagen vom Mittwoch eine Sammelklage gegen Dänemarks grösstes Finanzinstitut an und fordert Schadensatz für Anleger, die zwischen dem 9. Januar 2014 und 23. Oktober 2018 ADS-Scheine des Geldhauses hielten. Die Hinterlegungsscheine hatten nach Bekanntwerden des Skandals an Wert verloren. Gemäss den eingereichten Dokumenten fielen die Papiere um rund 2,5 Mrd. $, als Anlegern die volle Tragweite des Skandals sichtbar wurde.

Die Danske Bank steht im Verdacht, über ihre Niederlassung in Estland zwischen 2007 und 2015 dubiose Gelder in Höhe von 200 Mrd. € transferiert zu haben. Staatsanwälte in Dänemark, Estland und den USA ermitteln. Bei der Danske Bank war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.



Aus: "US-Pensionsfonds verklagt Danske Bank wegen Geldwäscherei-Skandals" (10.1.2019)
Quelle: https://www.nzz.ch/finanzen/us-pensionsfonds-verklagt-danske-bank-wegen-geldwaescherei-skandals-ld.1450319

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« Reply #866 on: January 12, 2019, 01:24:39 PM »
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[....] Eribon: ... Schon in meinem Buch «Rückkehr nach Reims», das vor zehn Jahren erschienen ist, habe ich versucht zu verstehen, weshalb gewisse Mitglieder meiner Familie, die ihr ganzes Leben lang stramm links gewesen waren, angefangen hatten, den Front national oder gar nicht mehr zu wählen – genauso wie Millionen anderer Franzosen aus den unteren Schichten. Ich habe versucht zu verstehen, was im Laufe der dreissig voran­gegangenen Jahre geschehen war, dass im Jahr 2009 die Dinge an diesen Punkt kommen konnten. Und ich habe nach­gezeichnet, wie sich die Linke, die linken Regierungen – die sich darin in keiner Weise von den rechten Regierungen unterschieden – zur neoliberalen Politik bekehrt hatten ... der Kern besteht darin, die Reichen noch reicher zu machen. Das wird ja gerechtfertigt durch die sogenannte Trickle-Down-Theorie, nach der die Gesamt­ökonomie profitiert, wenn die oberen Schichten noch mehr Geld zur Verfügung haben, weil dann auch mehr Investitionen getätigt werden. Diese Hypothese hat sich natürlich als grosser Witz heraus­gestellt: Das sich akkumulierende Kapital fliesst in irgendwelche Steuer­paradiese und wird nicht vor Ort investiert. Wer die Steuer­last der Oberschicht senkt, verfolgt damit nur ein Ziel: Er will die Reichen reicher machen. Und weil man Steuer­ausfälle irgendwie kompensieren muss, nimmt man eben den unteren Schichten das Geld weg, das heisst, die Armen werden ärmer. ... Das bestimmte schon die Politik von François Hollande und wurde von der jetzigen Regierung auf die Spitze getrieben. Aus meiner Sicht verkörpert Macron auf perfekte Weise den Wahnsinn des techno­kratischen Neo­liberalismus. Da ist es nur folge­richtig, dass er die Vermögens­steuer abschaffte und dass er zur Kompensation die Steuern auf den Renten – auch auf den ganz bescheidenen – und dem Benzin erhöhte. Natürlich darf auch das Spar­programm nicht fehlen: Man reduziert die Stellen im öffentlichen Dienst, kürzt das Budget für Bildung. Da kommt ein Moment, wo es den Leuten reicht. ... Wenn man mit den Leuten direkt redet, sagen sie, dass sie den politischen Parteien miss­trauen – was man ja auch verstehen kann. Es handelt sich um eine Revolte gegen das politische und ökonomische System, so wie es heute funktioniert. Die unteren Schichten wollen nicht weiter so behandelt werden. ...  Es gibt eine ganze Kaste von Privilegierten, die den lieben langen Tag Lektionen erteilen und keinen blassen Schimmer haben, was wirklich Sache ist. ... Es herrscht eine völlige Unkenntnis der Lebens­bedingungen an der Basis der französischen Gesell­schaft. Eine völlige Unkenntnis darüber, wie die Menschen leben, denken, politisch ticken. ...


Aus: "«Die Herrschenden haben Angst – und das ist wundervoll»" Daniel Binswanger (12.01.2019)
Quelle: https://www.republik.ch/2019/01/12/die-herrschenden-haben-angst-und-das-ist-wundervoll

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« Reply #867 on: January 12, 2019, 02:58:39 PM »
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[...] Insbesondere die Angehörigen der auf­steigenden Mittelschicht demons­trieren ökologisches Bewusstsein und pflegen eine konsumkritische Haltung als Teil ihrer Selbstvermarktung. ...


Aus: "Konsumkritik als Klassenkampf" Ulrich Schuster (10.01.2019)
Quelle: https://jungle.world/artikel/2019/02/konsumkritik-als-klassenkampf?

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« Reply #868 on: January 12, 2019, 04:39:45 PM »
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[...] Früher hat er sich manchmal eine Karte fürs Reutlinger Fußballstadion geleistet, heute sind 11 Euro für einen Sitzplatz nicht mehr drin. Allein das Rauchen verschlingt fast sein Tagesbudget. Hätte er 2.000 Euro im Monat, wie er sie als Fahrer verdient hat, das wär’s, sagt er. So viel bräuchte er, um in Würde zu altern. Nach einundvierzig Jahren Beitragszahlungen erreicht er nicht einmal die deutsche Durchschnittsrente von 1.076 Euro.

Ein Stockwerk tiefer, in der AWO-Kantine, bestellt Spannenberger Menü 1: gegrilltes Putensteak mit Bandnudeln, dazu eine Cola. An der Kasse weist er sich mit einem gelben Papier und vergilbtem Foto aus. Mit dem Sozialpass, den die Diakonie ausstellt, erhält er Rabatt auf das Essen: 3 statt 6 Euro. Im Speisesaal nickt er einem Gast zu, nimmt aber allein an einem freien Tisch Platz. Während er kaut, schaut er auf sein Tablett oder starrt die Wand an. Man kennt einander, sieht sich jeden Tag und redet kaum. „Eigentlich ist jeder für sich allein“, sagt Spannenberger. Jeder, das sind Hartz-IV-Empfänger und Obdachlose. Er selbst war beides.

Weil er betrunken im Auto erwischt wird, verliert er 2002 zum dritten Mal den Führerschein – und seinen Job. Jahrzehnte ist er Lastwagen gefahren, meist Möbel, lange Zeit auch Getränkekisten. Spannenberger rutscht nach Hartz IV ab. Dann vor fünf Jahren: Er nickt beim Fernsehen auf dem Sofa ein, die Zigarette fällt ihm aus der Hand und auf eine Zeitung am Boden.

Vom Qualm wacht er auf, rettet sich auf die Terrasse, Polizei und Feuerwehr sind schon da, ein Nachbar hat sie gerufen. Als er seine Wohnung Tage später wieder betreten darf, ist alles verkohlt. Möbel, Dokumente, Fotoalben. Nur ein Zinnteller ist unversehrt: eine Fußballtrophäe, in die sein Name eingraviert ist, Meister mit dem FC Urach in der C-Klasse 1972/73. Nach dem Brand übernachtet er sechs Wochen in einer Notunterkunft, bevor ihm die AWO eine neue Wohnung vermittelt, mit ihm Möbel kauft. Der Zinnteller, vom Ruß befreit, thront seitdem auf seinem Wohnzimmerschrank.

Zum ersten Mal stand er mit sechs Jahren auf dem Fußballplatz, wo er die glücklichsten Momente seiner Kindheit verbrachte. Im „Kleinen Bol“ wächst er auf, dem Problemviertel Reutlingens. Seiner Familie fehlt schon immer das Geld. Der Vater Fensterputzer, die Mutter wegen Depressionen und Herzleiden zu krank zum Arbeiten. In der kleinen Wohnung teilt er sich ein Zimmer mit seiner neun Jahre älteren Halbschwester. Ein Badezimmer gibt es nicht, nur eine Toilette, zum Waschen muss die Spüle in der Küche reichen. Vor der Tür leere Bierflaschen und trostlose Gestalten: Nachbarn, die nicht arbeiten, die ihre Sorgen im Alkohol ertränken.

Als er zwölf ist, stirbt seine Mutter an einer Lungenentzündung. Er wächst bei seinem Vater auf, der zu viel trinkt und sich mehr um neue Liebschaften als um den Jungen kümmert. Meistens flüchtet Heinz auf den Fußballplatz. Eine Gegenwelt, in der Mannschaftsgeist zählt, Tore, Aufstieg, gemeinsame Feiern nach einem Sieg. Er kriegt nicht genug davon. „Fußball war mein Leben“, erzählt Spannenberger, der vierzig Jahre als Stürmer auf dem Platz stand.

Mit dem Sport schlich sich der Alkohol in sein Leben. Nach jedem Training, jedem Spiel, trank er mit den Kameraden, manchmal zehn, manchmal fünfzehn Bier. Erst Höchstleistung auf dem Platz, danach Saufen im Vereinsheim, mehrmals die Woche, jahrelang. Wer seinem Körper das antut, muss geübt sein. Beim Trinken war Heinz Spannenberger Profi.

Nach der Hauptschule lässt er sich zum Automechaniker ausbilden. Nicht, weil er besonderen Gefallen an Autos findet, er tut es einfach den meisten Jungs in seiner Klasse gleich. Mit sechzehn Jahren fährt er auf einem Moped, einer schwarzen Hercules, durch die Stadt, er verliebt sich. Im Rausch tätowiert er sich den Namen seiner ersten Freundin auf den linken Unterarm: Janne. Die Buchstaben sind mit den Jahren verblasst, Janne ist längst Geschichte.

Mit zweiundzwanzig Jahren lernt er Renate kennen. Sie arbeitet im Büro der Firma, für die er Lastwagen fährt. Sie ziehen zusammen, heiraten. Zwei Jahre später kommt Silke zur Welt. „Die glücklichste Zeit meines Lebens“, sagt er heute. Doch die Familie leidet von Anfang an unter seiner Sucht. Er ist ständig unterwegs, treibt sich mit den Kameraden herum, kommt spät nach Hause. Sie mache das nicht länger mit, warnt Renate. Er ignoriert ihre Drohungen. „Ich habe mich für unwiderstehlich gehalten.“ Nach vier Jahren Ehe zieht sie mit der Tochter aus, reicht die Scheidung ein. Heinz Spannenberger, mit neunundzwanzig geschiedener Vater, zieht zurück in den „Kleinen Bol“.

Der Alkohol habe ihn nicht aggressiv gemacht, sagt er.

Im Suff sei er ihr gegenüber handgreiflich geworden, sagt seine Exfrau.

Er sei mit Tausenden D-Mark Schulden aus der Ehe gegangen, sagt er.

Sie habe alle Schulden auf sich genommen, weil er nicht zahlen konnte, sagt sie.

Die Geschichte, die mehrere Ver­sio­nen kennt, hat einen gemeinsamen Nenner. „Ich weiß heute, ich war allein daran schuld, dass meine Ehe in die Brüche gegangen ist“, sagt er.

Nach der Scheidung, die Tochter ist knapp zwei Jahre alt, findet seine Ex­frau einen neuen Mann und Silke einen neuen Vater. Ein glückliches Familienleben, bis Spannenberger an der Tür klopft. „Er hielt sich nicht an Termine, aber wenn, dann kam er oft betrunken“, erinnert sich die Exfrau. Sie sagt auch: „Seine Tochter hat er über alles geliebt.“

Die wenigen Kindheitserinnerungen, die Silke mit ihrem leiblichen Vater verbindet, sind keine guten. „Ich habe mich immer in meinem Zimmer versteckt. Ich hatte einen Vater, ich brauchte nicht noch einen.“ Spannenberger ist für sie der Mann, der immer mal wieder in ihr Leben schneit und gleich wieder verschwindet. Nach Jahren ohne Kontakt lädt sie ihn zur Konfirmation ein, später zur Hochzeit. Er kommt, doch wieder bricht der Kontakt ab. 2017 dann das letzte Treffen. Zu ihrem einundvierzigsten Geburtstag besucht er sie und seine vier Enkel. „Er hat keine Frage gestellt, kaum geredet“, erzählt sie. Wenn sie von ihrem leiblichen Vater spricht, nennt sie ihn nur noch EZ, kurz für Erzeuger.

Sie habe ihm lange eine Chance gegeben, aber nun mit dem Thema abgeschlossen, sagt die Tochter.

Am meisten wünsche er sich mehr Kontakt zu ihr, sagt der Vater.

„Der Alkohol hat alles zerstört.“ Die Ehe, die Beziehung zu seiner Tochter, die Gesundheit. Und er hat die Erinnerung an manche Geschichte getrübt.

Kramt Spannenberger in der Vergangenheit, findet er selten Details. Mag sein, dass er sie nicht finden will. Eines Tages vor fünfzehn Jahren sei er in seine Kneipe gegangen und habe sich nicht zu den Kameraden am Tresen gesetzt, sondern an einen Tisch, allein. Er orderte eine Cola, die Kellnerin nahm es als Scherz, von der Bar schallte höhnisches Lachen.

Nach fünfunddreißig Jahren an der Flasche sei er morgens aufgewacht mit dem Gedanken: So kann es nicht weitergehen. Kalter Entzug. Er überlegt, was damals der Auslöser war. Doch eine Antwort fällt ihm nicht ein. Sein Körper entwöhnte sich schnell, der Kopf brauchte zwei Jahre. Vielleicht war es das Größte, das er jemals erreicht hat. Er fragt sich oft, ob er darauf stolz sein darf, wo er in seinem Leben doch nichts mit Stolz verbindet.

Spannenberger zieht seinen Arm aus einem Mülleimer, leert einen Rest Bier auf den Gehweg und legt die Flasche vorsichtig zu den anderen in seine Tüte. Langsam schlurft er weiter, je länger der Weg, desto häufiger die Pausen. Er stoppt an einer Bank am Wegesrand, seinem täglichen Rastplatz, und steckt sich eine Zigarette an, während er Passanten beobachtet. Ein Pärchen schlendert mit Einkaufstüten vorüber, im Café nebenan nippen Gäste an Latte macchiatos. Am Brunnen schleicht ein silberner Sportmercedes vorbei. Spannenberger sitzt wie ein Fremdkörper in dieser Welt. Was ihre Bewohner als Abfall hinterlassen, nimmt er mit in seine.

Drei Jahre ist es her, dass er zum ersten Mal in den Mülleimer fasste. Bei der ersten Flasche stachen ihn noch die Blicke der Passanten in den Rücken. Jede weitere kostete weniger Überwindung, der Griff wurde Routine. Heute erkennt er, wer gleich gläsernes Geld in den Abfall werfen wird, und hält sich bereit. Je nach Art der Flasche variiert das Pfand zwischen 8 und 15 Cent. 2 bis 5 Euro sammelt er pro Tag. An guten Tagen auch mal 9. Am Abend tauscht er an der Supermarktkasse sein Pfandgeld gegen Zigaretten.

Spannenberger nähert sich einer Fanta-Dose, die vor einem Friseursalon am Boden steht. Er hebt sie an und stellt sie sofort wieder ab. Noch fast voll, die gehöre sicher jemandem, stehlen will er nicht. Beim Flaschensammeln zieht er Grenzen: Niemals würde er wühlen und betteln schon gar nicht. Ein bisschen Würde will er sich erhalten.

Vielleicht hat er deshalb seine Tage klar strukturiert. Aufstehen um 6.30 Uhr, um 7 Uhr kommt der Pflegedienst vorbei und stellt ihm seine Medikamente bereit: Metohexal, Nephrotrans, Torasemid. Pillen, die den Blutdruck senken, Gefäße erweitern, Harn treiben. Die meisten schluckt er, um einen dritten Herzinfarkt zu vermeiden. Der erste traf ihn vor zwanzig Jahren, der letzte vor acht. Weil die Beine schmerzen, hinkt er leicht beim Gehen, seine Hände zittern. Wenn Spannenberger hustet, bebt sein Körper. Zweiundfünfzig Jahre Rauchen hinterlassen Spuren. Zwei große Schachteln HB inhaliert er pro Tag, vierundvierzig Zigaretten. Als er noch Lastwagen fuhr, waren es doppelt so viele.

Jeden Morgen spaziert Spannenberger zwanzig Minuten ins Stadtzentrum und verbringt den Tag zwischen AWO und Bahnhofskneipe, unterwegs sammelt er Flaschen. Hauptsache raus. Obwohl er schon lange allein lebt, erträgt er nur schwer die Stille in seiner Wohnung. Sobald er nach Hause kommt, schaltet er den Fernseher ein. Wenn er sich schlafen legt, lässt er die Stimmen weiterreden.

Manchmal ruft er seine Halbschwester in Düsseldorf an. Die Gespräche dauern keine drei Minuten.

„Wie geht’s dir?“

„Mir geht’s gut.“

„Also dann.“

Einmal im Jahr kommt sie zu Besuch nach Reutlingen. Jahrelang herrschte Funkstille, der Alkohol habe das Verhältnis belastet, erzählt sie. „Heinz ist ein seelenguter Mensch, aber er ist labil. Er hatte zu Hause kein Vorbild.“

Zu gern würde Spannenberger noch einmal heiraten. Er hält Ausschau nach der Richtigen, doch es scheitert schon beim Ansprechen, er ist zu schüchtern. Es gab zwar einige Frauen in seinem Leben, doch nichts Beständiges, die längste Beziehung hielt fünf Jahre.

Seitdem die letzte Liebschaft in die Brüche ging, heißt seine Familie Al­fred, Roland und Klaus. Mit ihnen sitzt er stundenlang zusammen beim Binokel, einem schwäbischen Kartenspiel, das man entweder schnell begreift oder nie versteht. Mehrmals die Woche trifft sich die Männerrunde im „Sozialen Wohnzimmer“, einer Mischung aus Café und Rumpelkammer unweit des Stadtzentrums.

An der giftgrünen Wand lehnt ein Porträt, das Hemingway zeigt, von der Decke hängen goldene Girlanden, hinter einer Glastür verstauben Gläser im Wohnzimmerschrank. Spannenberger stellt die Tüte mit seinen Flaschen am Eingang ab. Alfred Stähle, ein kleiner Mann mit Schnauzbart und Lachfalten, springt von seinem Stuhl auf, schüttelt ihm die Hand. „Eine Cola, wie immer?“

Früher haben die beiden nach dem Fußballtraining gemeinsam gezecht. Heute sind sie gemeinsam trocken. Wenn man den Entzug hinter sich hat, lässt sich leichter über die Exzesse von damals reden. Die Worte, die sich Spannenberger spart, gibt Stähle großzügig aus. „Am Ende ging es nicht mehr um Fußball, sondern nur noch ums Saufen“, sagt er.

Stähle ist Betreiber des „Sozialen Wohnzimmers“ und ehrenamtlicher Suchtberater. Dass Heinz ohne Therapie gegen den Alkohol gesiegt hat: „Respekt“, sagt er. „Dafür braucht man einen starken Willen.“ Spannenberger lächelt mit gesenktem Blick.

Später, auf dem Weg zurück in die Bahnhofskneipe, die ihn anzieht wie ein Magnet, sagt er: „Wenn’s die Leute so sagen, wird’s auch stimmen.“ Vielleicht ist da doch so etwas wie Stolz in seinen Worten zu hören.

Am Tresen holt er ein Schachbrett und setzt sich zu einem Freund, An­dreas heißt er. Sobald die zweiunddreißig Figuren stehen, bekommt Spannenberger den Tunnelblick, sein Kopf spielt die nächsten vier möglichen Züge durch. Mit seinen beiden Pferden springt er nach vorn, spielt dann die Läufer frei, um den eigenen König zu sichern. Andreas seufzt, wiegt den Kopf hin und her. Während Spannenberger in Ruhe an seiner Zigarette zieht, beobachtet er jede Bewegung seines Gegners.

Das Spiel, das ohne Worte auskommt, ist Spannenbergers neuer Sport nach dem Fußball. Maximale Konzentration statt maximaler Rausch. Für seinen Schachclub tritt er regelmäßig bei Turnieren an. Zwei Tage dauerte seine längste Partie. Die Spielzüge hat ihm sein Vater beigebracht. Was er im Leben nicht geschafft hat, beherrscht Spannenberger bei diesem Spiel: den nächsten Schritt überlegen, Risiken abwägen, die Lage kontrollieren.

Er zieht seine Dame diagonal über das Feld. Ein gewagtes Manöver. Er weiß, er wird sie jetzt verlieren. Aber er weiß auch, er kann immer noch gewinnen.


Aus: "Porträt eines Flaschensammlers: Ein Mann weniger Worte" Christina Fleischmann (12. 1. 2019)
Quelle: http://taz.de/!5559753/

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« Reply #869 on: January 13, 2019, 01:32:14 PM »
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[...] Sollte die SPD ihren Abwärtsstrudel nicht doch noch irgendwie stoppen, sollte sie bald wirklich am Ende sein, marginalisiert, kraftlos, unter zehn Prozent, nicht nur in Ländern, sondern auch im Bund, dann wird es nicht schwer sein, ihre Todesursache zu diagnostizieren, den Hauptgrund für ihr Siechtum: Hartz IV.

Es mag weitere Ursachen geben, aber Hartz IV wiegt am schwersten. Die Zahlen sind da eindeutig. Millionen Menschen haben sich nach den wirtschaftsfreundlichen Reformen der Agenda 2010 enttäuscht von der deutschen Sozialdemokratie abgewendet. Nie zuvor und nie danach hat ein Politikwechsel innerhalb einer Partei zu ähnlich großen Verwerfungen geführt wie Gerhard Schröders Agenda aus dem Jahr 2003.

Konnte die SPD bei den Bundestagswahlen 1998 und 2002 noch rund 40 Prozent der Wähler für sich gewinnen, hat sich deren Zahl bei der Bundestagswahl im Herbst 2017 halbiert. Und das war nicht das Ende der Entwicklung. Glaubt man den aktuellen Umfragen, dann sind es inzwischen nur noch ein Viertel von damals. In nicht mal zwei Jahrzehnten gingen weit mehr als zehn Millionen Wähler verloren. Allein die zeitliche Parallelität zwischen der Einführung von Hartz IV und diesem drastischen Schwund kann kein Zufall sein.

Von der Wirtschaft und vom wohlhabenden Teil der Gesellschaft wird Hartz IV noch heute als richtige Reaktion auf eine schwierige Lage gerühmt. Und es stimmt ja: Die Zahl der Arbeitslosen war damals auf über fünf Millionen Menschen gestiegen, die Wirtschaftszahlen des Landes zählten zu den schlechtesten in Europa. Aus Brüssel drohte ein blauer Brief wegen des zu hohen Haushaltsdefizits.

Und ja: Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist in der Folge stark gesunken. Und der Bundeshaushalt verzeichnet heute fast in jedem Quartal neue Rekordeinnahmen. Diese Entwicklung ist positiv und sie hat viel mit der Agenda und auch mit Hartz IV zu tun.

Aber: Was für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes gut war, hatte verheerende Folgen für die SPD. Sie war plötzlich verantwortlich dafür, dass Menschen, die ihr Leben lang hart geschuftet hatten und dann arbeitslos geworden waren, in kurzer Zeit nur noch das Minimum an staatlicher Unterstützung erhielten. Sie war verantwortlich dafür, dass noch mehr Menschen aus dem Keller der Gesellschaft zu Verdächtigen erklärt wurden. Staatliche Kontrolleure drangen bis ins Badezimmer der Leistungsempfänger vor, um zum Beispiel die dort vorhandenen Zahnbürsten zu zählen. Sie tauchten tief in ihre Privatsphäre ein, um die Angaben zu ihrem sozialen Status zu überprüfen. Mit den Sanktionen wurde zudem der Stresslevel von Millionen Menschen erhöht.

Ähnlich wurde zwar zuvor schon mit den Empfängern der Sozialhilfe umgegangen, aber nun waren es noch viel mehr Betroffene. Mit den Agenda-Reformen ging zudem eine massive Ausweitung der Leiharbeit und eine erhöhte Zahl prekärer Beschäftigungsverhältnisse einher. Für Millionen Menschen, die sich einst von der SPD beschützt gefühlt hatten, waren die Sozialdemokraten so zu Verrätern geworden. Man sollte sich da nichts schönreden: Hartz IV wurde von ihnen wirklich als Verrat empfunden.

Davon hat sich die Partei bis heute nicht erholt. Auch wenn die Agenda inzwischen 15 Jahre alt ist und die SPD, wann immer sie danach an der Regierung war, viele Maßnahmen entschärfte oder zurücknahm, hängt ihr diese Reform noch immer am Hals. Wie ein Mühlstein an einem Ertrinkenden.

Hinzu kommt: Was damals mit Blick auf die Massen an Arbeitslosen vielleicht zu rechtfertigen war, wirkt in der heutigen Lage wie ein Anachronismus. Inzwischen fehlen immer mehr Arbeitskräfte, Fachkräfte sowieso. Die Digitalisierung wird die Arbeitswelt, wie wir sie kannten, künftig noch viel gravierender verändern als alle Veränderungen der jüngsten Vergangenheit. Dann werden nicht unerhebliche Teile der heutigen Mittelschicht ohne Job und damit Hartz-IV-Empfänger sein. In Zeiten wie diesen ist das Hauptproblem gewiss nicht, dass zu wenig Druck auf Arbeitslose ausgeübt wird. Hartz IV wirkt schon jetzt unpassend, nicht mehr zeitgemäß.

Das zu antizipieren, wie es Grüne und, ja, auch die SPD endlich tun, ist richtig. Beide Parteien regierten damals, als Hartz IV beschlossen wurde. Den Grünen hat das bekanntlich nicht geschadet. Der SPD umso heftiger.

Niemand ist gezwungen, an etwas festzuhalten, was ihn umbringt. Und so ist es das gute Recht der SPD, sich von jener Reform zu distanzieren, die sie kaputt gemacht hat. Ob das 15 Jahre nach deren Verkündung noch eine Wiederbelebungsmaßnahme sein kann, ist eine andere Frage. Vermutlich nicht. Dafür ist zu viel kaputtgegangen.


Aus: "Das Hartz-IV-Drama der SPD" Kommentar von Markus Feldenkirchen (25.11.2018)
Quelle: https://www.ndr.de/info/sendungen/kommentare/Das-Hartz-IV-Drama-der-SPD,hartzvier238.html

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[...] Die sechs Millionen Menschen in Deutschland, die von Hartz IV leben müssen, werden oft als "sozial schwach" bezeichnet. Die Bezeichnung ist in dieser Pauschalität eine Beleidigung. Jemand, der keine Arbeit hat, aber eine will und partout keine kriegt und der deshalb jeden Euro dreimal umdrehen muss, der ist arm, aber nicht sozial schwach. Sozial schwach ist allerdings ein Staat, der nicht alles tut, um die Menschen aus der Armut herauszuholen. Und sozial schwach ist der Staat, der den Hilfebedürftigen nicht die Hilfe gibt, die sie brauchen.

Am kommenden Dienstag verhandelt das Bundesverfassungsgericht darüber, ob der Staat die Hilfebedürftigen strafen darf, indem er ihnen das Geld kürzt - das Geld nämlich, von dem das höchste Gericht vor fünf Jahren gesagt hat, dass es sich um das Existenzminimum handele. Darf man ein Existenzminimum kürzen? Darf man es kürzen, um den Hartz-IV-Empfänger zu disziplinieren?

In dem Fall, der zu entscheiden ist, hatte das Jobcenter einem Hartz-IV-Empfänger die Leistungen in zwei Stufen gekürzt: Erst um dreißig Prozent, weil der Mann eine konkrete Vermittlung ablehnte. Dann um sechzig Prozent, als er einen Gutschein zur Erprobung in einem Unternehmen nicht einlöste. "Absenkung der Grundsicherung", heißt das im Behördenjargon.

Etwa eine Million Mal jährlich wird dieses Druckmittel eingesetzt, wird also das Arbeitslosengeld II, auch Hartz IV genannt, gekürzt oder sogar ganz gestrichen. Insgesamt waren 2017 knapp 420.000 Menschen betroffen, ein Teil wurde also mehrmals sanktioniert, darunter einige Tausend junge Menschen. Ihnen wurde das Geld komplett gestrichen; sie hatten dann nur noch Anspruch auf einen Lebensmittelgutschein im Wert von 64 Euro im Monat. Kann und darf das sein? Ist das wirklich der richtige Druck? Ist das nicht eher Beihilfe zur Obdachlosigkeit oder zur Kriminalisierung?

Was ist von einem solchen Hartz IV zu halten? Das Bundesverfassungsgericht muss das entscheiden, weil das Sozialgericht Jena den geschilderten Fall den höchsten deutschen Richtern zur Entscheidung vorgelegt hat. Die Sozialrichter in Jena hatten massive Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit der Hartz-IV-Sanktionen. Sie glauben nicht, dass man ein Existenzminimum minimieren darf, weil der Mensch sich nicht adäquat verhält.

Bei denjenigen, die von Hartz IV nicht betroffen sind, gilt es als ein gutes Gesetz - weil es der angeblichen Vollkasko-Mentalität der betroffenen Menschen entgegenwirkt; weil es als ein Gesetz wahrgenommen wird, das Arbeitslose zu aktivieren versucht und weil das Gesetz sie zwingt, lieber irgendwas Halbsinnloses zu tun als gar nichts. Die Sozialleistung wird so zur Belohnung für ein marktkonformes Verhalten.

Für diejenigen, die mit Hartz IV leben müssen, ist es ganz anders; für sie ist es kein Sicherungsgesetz, sondern ein Verunsicherungsgesetz. Es ist ein Gesetz, das sie überwacht, sie fordert, ja gewiss auch fördert; das aber vor allem ihre Aktivitäten, ja ihren gesamten Lebensstil kontrolliert und sanktioniert. Und wenn sich die Erwerbslosen nicht so verhalten, wie das Gesetz sich das vorstellt, wird die Hartz-IV-Leistung, die ja die "Grundsicherung" sicherstellen soll, also das menschenwürdige Existenzminimum, massiv gekürzt.

Mit Hartz IV haben Elemente des Strafrechts ins Sozialrecht Einzug gehalten. Wie ist das in einem Sozialstaat möglich? Das liegt daran, dass von der sogenannten guten Gesellschaft auf die sogenannten Hartzer heruntergeschaut wird, als handle es sich im Wesentlichen um Missbraucher; der Missbrauch soll bestraft werden.

Gewiss: Es gibt solche Missbraucher - als kleine Minderheit der Leistungsempfänger. Das Gros aber kämpft um Arbeit, Anerkennung und den Respekt der Gesellschaft. Hartz IV macht ihnen das schwer: Es ist ein schikanöses Gesetz, das die Behörden zu Verwaltungsexzessen zwingt und die Lebensleistung auch der Menschen missachtet, die einen Großteil ihres Lebens gearbeitet haben und dann von Arbeitslosigkeit erwischt wurden. Sie alle werden von Hartz IV entmündigt.

Der Sanktionsparagraf 31 des Sozialgesetzbuchs II ist Kern und Zentrum des gesamten Hartz-Gesetzes; es ist dies der ärgste Paragraf und offenbar der wichtigste: Wie kann man die Hartz-IV-Empfänger zwiebeln? Der Paragraf behandelt die Leute als potenzielle Faulpelze, denen man die Faulpelzerei auf Schritt und Tritt austreiben muss. Die schwarze Pädagogik, in der Kindererziehung verpönt, hat Hartz IV also bei erwachsenen Menschen wieder eingeführt. Hartz IV macht den Bürger, wenn er arm ist, zum Untertan. Das darf nicht sein. Das Bundesverfassungsgericht muss diesen unguten staatlichen Paternalismus beenden.


Aus: "Hartz IV macht den Bürger zum Untertan" Ein Kommentar von Heribert Prantl (13.01.2019)
Quelle: https://www.ndr.de/info/sendungen/kommentare/Hartz-IV-macht-Buerger-zum-Untertan,hartz202.html

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U. Bothmer schrieb am 13.01.2019 12:48 Uhr:

Vielen Dank für diesen menschenwürdigen Kommentar. Ich war selbst durch Scheidung und verschiedene andere unglückliche Umstände 3 Jahre von Hartz IV betroffen. Als Kind wurde mir beigebracht, dass es wichtig sei zu arbeiten und nicht faul rumzusitzen und dass man selber Schuld ist, wenn es im Leben nicht läuft. Dann muss man sich eben mehr anstrengen. Während der Hartz IV-Phase hat mir das unglaublich zu schaffen gemacht. Ich habe mich selber als faul und unfähig gesehen. Ich habe mich selbstständig gemacht, weil ich auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr vermittelbar war, wie man mir beim Jobcenter sagte. Jetzt erwirtschafte ich so viel, dass wir ohne Hartz IV leben können. Dafür bin ich sehr dankbar. Doch ohne die Hilfe von lieben Menschen hätte ich das nicht geschafft. Staatliche Unterstützung blieb mir verwehrt. Ich danke Ihnen dafür, dass Sie mir mit Ihrem Artikel noch einmal meine Würde wiedergegeben haben und ich mich nicht mehr als faul und unfähig ansehe. Ich weiß, dass viele Menschen aus unterschiedlichsten Gründen in diese Lage kommen können. Doch in meinem Umfeld gibt es da niemanden. Deshalb habe ich mich als so negativ betrachtet. Das gute an dieser Phase war, dass ich durch dieses Erleben Menschen in meinem jetztigen Beruf viel besser beraten und gegleiten kann. Durch diese Erfahrungen kann ich mich noch besser in die Situation des anderen hineinversetzen.


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Lothar Schwarz schrieb am 13.01.2019 08:51 Uhr:

Als Pflegender Angehöriger mit einer hoch querschnittsgelähmten Pflegebedürftigen, die aber auch arbeitet, wie das Pflegende Angehörige bis oft über die Leistungsfähigkeit auch tun und somit zu zweit arbeiten, trotz widriger Umstände und dann aber noch nicht einmal das verdienen, was als Armutsgrenze in diesem Land gilt noch eine Aussage dazu. Bei der Aufzählung der Bezieher werden Menschen wie wir aber auch viele Behinderte, Kranke etc.auch Kinder einfach mal so übersehen. Wenn also Politiker oder Andere über die Hartzler herziehen, sollte Allen, die da mittun bewußt sein, was sie da auch tun. Man hat es besonders in Deutschland wieder so weit gebracht, dass von dem/den Hartzler|n eine bestimmtes Bild in den Köpfen ist: Rauchend, saufend ungewaschen vor der Klotze hockend...so ungefähr. Das ist die wahre Ungeheuerlichkeit bei der ganzen üblen Geschichte !


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Alex Herr schrieb am 13.01.2019 12:13 Uhr:

Vergessen wir aber bitte auch nicht die Alleinerziehenden. Wenn man sich um Kinder kümmert, der andere Elternteil keinen Unterhalt bezahlt, man aber nicht so viel arbeiten kann wie man müsste um sich znd die Kinder zu versorgen ... dann benötigt man oft HartzIV als Ergänzung. Auch wenn man alles tut, was möglich ist, wird man als Empfänger von Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts zum Bittsteller und Schmarotzer herabgestuft. ...


...