COMMUNICATIONS LASER #17
May 21, 2012, 05:00:54 PM *
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Author Topic: [Spurensuche und innere Abgründe... ]  (Read 5854 times)
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« Reply #30 on: November 05, 2009, 12:57:08 PM »

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[...] (RP)  Thomas Schaffeld ist Ansprechpartner der Bundesarbeitsgemeinschaft "Suchtberatung in der Polizei". Seit 19 Jahren kümmert sich der Dienstgruppenleiter um Kollegen, die unter einem Alkoholproblem leiden. "Wir schätzen, dass rund fünf Prozent der 40.000 Polizisten betroffen sind", sagt Schaffeld. Das sind 2000 Beamte.

Am Mittwoch treffen sich in der Paracelsus Bergklinik in Bad Essen Suchtberater, Sozialarbeiter und Ärzte der Polizei zu einer Tagung über den Zusammenhang zwischen den beruflichen Belastungen von Einsatzkräften und der Entstehung von Sucht. Peter Subkowski, der ärztliche Leiter der Klinik, spricht als Spezialist zu dem Thema. "Verkehrsunfälle mit Todesfolge, Suizid eines Kollegen, tödliche Unfälle von Kindern ­die Wahrscheinlichkeit, als Polizist mit solchen Extrembelastungen im Laufe des Berufslebens konfrontiert zu werden, grenzt an hundert Prozent", sagt Subkowski. Oft sei ein unverarbeitetes Trauma die Ursache dafür, dass Beamte zur Flasche griffen.

Fallen Polizeibeamte im Dienst mit einer Alkoholfahne auf, so werden sie zunächst an die "Sozialen Ansprechpartner" (SAP) in den Behörden verwiesen. "Wenn sich der Verdacht erhärtet, dass eine Alkoholkrankheit vorliegt, erstellt der Polizeiarzt ein Gutachten", sagt der Suchtberater Schaffeld. Die Dienstbelastung habe in den vergangenen Jahren durch die steigende Gewaltbereitschaf stark zugenommen. In der Paracelsus-Klinik gibt es mittlerweile spezielle Therapiegruppen, in denen sich suchtkranke Einsatzkräfte austauschen können.

Monika Düker, Innenexpertin der Grünen im Landtag, fordert ein gezieltes Gesundheitsmanagement für die Polizeibeamten in NRW. Das System der "Sozialen Ansprechpartner" sei nicht weitreichend genug. Nicht jede Suchterkrankung komme ans Licht.

Die November-Zeitschrift der Gewerkschaft der Polizei hat das Problem "Alkohol und Dienst" zum Titelthema gemacht. In Berlin wurde ein 47-jähriger zu 16 Monaten Haft verurteilt, der sich im Vollrausch auf der Dienststelle an einer Kollegin vergangen hatte.

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Autor: Zelos1983 / Datum: 04.11.09 11:59

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Die Redaktion


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Autor: a.c.a.b. / Datum: 04.11.09 09:37

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Die Redaktion





Aus: "Trauma ist häufig die Ursache - 2000 Polizisten in NRW sind alkoholkrank"
VON GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 03.11.2009 - 20:44
Quelle: http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/2000-Polizisten-in-NRW-sind-alkoholkrank_aid_778303.html

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« Reply #31 on: November 23, 2009, 10:23:06 AM »

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[...] In der existentialistischen Philosophie des frühen Sartre (L'être et le néant, 1943, dt. Das Sein und das Nichts) offenbart sich in der Scham das grundlegende Faktum des „Für-Andere-Seins“ als der Selbstentfremdung bzw. Verdinglichung, die das „Für-sich“ in der konfliktuösen Begegnung mit dem Anderen erleidet; Scham ist insbesondere Anerkennung der Tatsache, dass ich so bin, wie der Andere mich sieht.

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Aus: „Schamgefühl“. Bearbeitungsstand: 2. November 2009, 22:48 UTC.
(Abgerufen: 23. November 2009, 09:21 UTC)
URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Schamgef%C3%BChl&oldid=66342837

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[...] Vor drei Wochen waren am Gebäude des ehemaligen KZ Spaldingstraße zwei Tafeln eingeweiht worden, die an 800 KZ-Häftlinge erinnern, die dort ums Leben kamen. Ein offizieller Festakt. Schon wenige Tage später ließ der Eigentümer, die Immobilienfirma IVG, sie wieder demontieren und einem dunklen Hinterhof verstecken, der ausdrücklich nicht betreten werden darf. Die Gedenktafeln seien "geschäftsschädigend", so lautet die Begründung. [...]

Es geht um die so genannte "Georgsburg", das Haus Spaldingstraße 152-162. Wer das siebenstöckige Gebäude sieht, kann sich kaum vorstellen, dass dies einmal der Vorhof zur Hölle war. Das größte Außenlager des KZ Neuengamme! 2000 Menschen waren hier eingesperrt. Viele verhungerten. Starben durch Entkräftung. Wurden ermordet.

"20 Jahre haben wir darum gekämpft, dass eine Tafel angebracht wird, die an dieses grauenvolle Kapitel erinnert", sagt Susanne Frischling, die Sprecherin der Kulturbehörde. "Wir waren froh, dass sich die IVG endlich dazu durchringen konnte." Doch schon die feierliche Einweihung, die am 26. Oktober Kulturstaatsrat Dr. Nikolaus Hill vornahm, verlief nicht ohne Zwischenfälle: Mitarbeiter eines Büroeinrichtungshauses ließen mehrfach lautstark Rollläden rauf und runter. Als Detlef Garbe, Chef der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, einschritt, habe ein älterer Mitarbeiter des Ladens gesagt: "Die Tafeln hängen da sowieso nicht lange."

Der Mann sollte recht behalten. In einer Nacht- und Nebelaktion ließ die IVG sie verschwinden. IVG-Sprecher Jens Friedemann zur MOPO: Man habe einen "würdigeren Ort zum Gedenken an die Opfer" ausgesucht. Als die MOPO ihm beschrieb, wie es auf dem Hof aussieht, gab er aber zu, die Örtlichkeit nicht zu kennen. Schließlich gestand Friedemann ein, der wahre Grund seien Beschwerden von Mietern gewesen. Der Eigentümer des Büroeinrichtungshauses, neben dessen Schaufenstern die Tafeln hingen, hätten protestiert. Von Geschäftsschädigung sei die Rede gewesen.

Die MOPO bittet Christian Knigge, den 67-jährigen Senior-Chef, um eine Stellungnahme. Der reitet auf Prinzipien herum. "Die Front des Hauses ist unsere Werbefläche. Man hätte uns ja wenigstens mal fragen können." Außerdem beklagt Knigge allen Ernstes, es hätten zuletzt "so viele" Menschen in seine Schaufenster geguckt - als wäre das nicht deren Zweck. Und dann wären auch noch welche gekommen und hätten Blumen niedergelegt. Mit Mietminderung soll Knigge der IVG gedroht haben. Das bestreitet er allerdings.

IVG-Sprecher Friedemann behauptet, die Umsetzung der Gedenktafeln sei mit der Kulturbehörde abgestimmt gewesen. Behörden-Sprecherin Susanne Frischling ist fassungslos, als sie das hört. Sie kommentiert den ganzen Vorgang so: "Wir sind zutiefst verwundert."

Von einer "Verhöhnung der NS-Opfer" spricht Ruben Herzberg, der Chef der Jüdischen Gemeinde. Die Verlegung der Gedenkplatten sei eine "nachträgliche Schändung der Toten". Dr. Detlef Garbe spricht von einem Skandal und fordert, die Tafeln müssten umgehend wieder dahin, wo sie waren.

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Info:
Die "Georgsburg"

Vernichtung durch Arbeit - das war das Schicksal, das die SS den KZ-Insassen zugedacht hatte. Das KZ Neuengamme hatte insgesamt 87 Außenlager in ganz Norddeutschland. Das Außenlager Spaldingstraße, das 1944 in der "Georgsburg" eröffnet wurde, gilt als eines der schrecklichsten.

Auch der heutige Eigentümer des Gebäudes, die Immobilien Verwertungsgesellschaft (IVG), Deutschlands größte Immobilienfirma, blickt auf eine bewegte NS-Vergangenheit zurück. Sie hätte allen Grund, das Andenken der Nazi-Opfer hochzuhalten. Denn die IVG ist die Nachfolgefirma der so genannten "Verwertungsgesellschaft für Montanindustrie" (Montan), deren Aufgabe es im Dritten Reich war, Rüstungsbetriebe aus dem Boden zu stampfen, in denen Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene schuften mussten. Im Vorstand saßen nur Militärs. Die Montan war eins der Schlüssel-Organisationen in Hitlers Rüstungspolitik. 1951 wurde die Montan in IVG umbenannt. Inzwischen ist sie privatisiert.

Ressort: HH Hamburg





Aus: "Schämen Sie sich nicht?"
OLAF WUNDER" (21.11.2009)
ARCHIV: GEDENKTAFEL AN NAZI-OPFER FIRMEN-CHEF LIESS SIE ENTFERNEN
Quelle: http://archiv.mopo.de/archiv/2009/20091121/hamburg/panorama/schaemen_sie_sich_nicht.html

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[...] Immobilienverwertungsgesellschaft (IVG), versucht gar nicht erst, drum herumzureden. "Natürlich müssen die Tafeln an der Straße hängen, wo sie jeder sieht - und nicht versteckt im Hinterhof. Was geschehen ist, tut uns leid."

Wie berichtet, hatte die IVG nach Protesten von Mietern zwei Gedenktafeln für das KZ-Außenlager gut drei Wochen nach der Einweihung wieder entfernt - und im Hinterhof aufgehängt. Sonnabend, als der MOPO-Bericht über den Skandal erschien, fuhr Flechsig selbst zur Spaldingstraße und schraubte die Tafeln wieder an ihren alten Platz an.

...


Aus: "Gedenktafeln wieder umgehängt" VON OLAF WUNDER  (23.11.2009)
Quelle: http://www.mopo.de/2009/20091123/hamburg/panorama/gedenktafeln_wieder_umgehaengt.html

« Last Edit: November 24, 2009, 02:18:21 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #32 on: November 24, 2009, 02:05:04 PM »

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[...] Wer als Soldat im Krieg straffrei tötet, wird in Friedenszeiten für die gleiche Handlung schuldig gesprochen, was auf eine temporäre oder situative Schuldbewertung verweist. Schuld kann als ein Konstrukt beschrieben werden, also eine Vereinbarung auf Inhalt, Zeit und Raum von Menschen und deren Institutionen.

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Aus: „Schuld (Ethik)“ (Abgerufen: 24. November 2009, 13:16 UTC)
Bearbeitungsstand: 19. November 2009, 15:06 UTC.
URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Schuld_(Ethik)&oldid=67011455


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[...] Der Beginn der „Nachkriegszeit“ wird oftmals mit der suggestiven Behauptung einer „Stunde Null“ verknüpft. Dies führt irre, weil die Metapher „Stunde Null“ zwar einige erfahrungsgesättigte ‚Lehren‘ betont, aber in Bezug auf die mentale Lage der Bevölkerung den völligen Untergang der bis dahin vorherrschenden und von der nationalsozialistischen Propaganda aufgenommenen und umgeprägten Lebensentwürfe suggeriert. Dies war keinesfalls so.

...


„Nachkriegszeit“. Bearbeitungsstand: 17. November 2009, 13:40 UTC.
(Abgerufen: 24. November 2009, 12:49 UTC)
URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Nachkriegszeit&oldid=66926583

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[...] Die Handlung des Films beginnt 1943 in Hamburg. Dr. Rothe ist ein Serumforscher. Für die Nazis ist seine Arbeit geheim und kriegswichtig. Seine Verlobte Inge spioniert seine Forschungen aus. Als er von ihrem Verrat erfährt, ermordet er sie im Affekt. Doch die Nazis schützen den wichtigen Forscher vor der Verurteilung. Sein Kollege Hösch deckt ihn und verhindert damit eine Verurteilung des Täters. Doch Rothe bleibt allein mit den Schuldgefühlen, die er nicht überwinden kann. Nach dem Krieg trifft Rothe seinen ehemaligen Kollegen in einem Lager wieder. Der gesuchte Nazi Hösch nennt sich jetzt Nowack. Rothe glaubt, endlich jemanden gefunden zu haben, der seine psychische Situation verstehen wird, doch Hösch hat sich nicht geändert und empfindet Rothes Schuldgefühle als fehl am Platze. Aus Wut ermordet Rothe nun auch Hösch und richtet anschließend sich selbst.

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Aus: "Der Verlorene" (14. August 2009)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Verlorene

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[...] Nach Abschluss der Dreharbeiten zu Alfred Hitchcocks Der Mann, der zuviel wußte in London zog Lorre im Jahr 1935 in die USA.

Dort traf er zahlreiche frühere Kollegen wieder, die sich ebenfalls im Exil befanden (u. a. Fritz Lang, Bertolt Brecht, Marlene Dietrich und Billy Wilder, mit dem er sich ein Zimmer teilte). Seinen Freund, den jüdischen Schauspieler Kurt Gerron, konnte Lorre jedoch nicht dazu bewegen, Holland, wohin er sich geflüchtet hatte, zu verlassen. Gerron wurde im Jahr 1944 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.

[...] Einen weiteren großen Erfolg konnte Lorre im Jahr 1941 mit dem Film-noir-Klassiker Die Spur des Falken (The Maltese Falcon) von John Huston verbuchen, in dem er neben Humphrey Bogart zu sehen war.

Ebenfalls mit Bogart drehte Lorre im Jahr 1942 das Liebesdrama Casablanca, das allein in den USA rund 4 Millionen Dollar einspielte (bei einem Budget von knapp einer Million Dollar) und mit drei Oscars ausgezeichnet wurde. Im gleichen Jahr wurde er US-amerikanischer Staatsbürger. Mittlerweile war er mit durchschnittlich vier Filmen pro Jahr zu einem vielbeschäftigten und gefragten Schauspieler geworden. Überschattet wurde sein Aufstieg nur durch finanzielle Probleme, die ihn aufgrund seines verschwenderischen Lebensstils ständig begleiteten.

[...] Im September 2007 veröffentlichte die New Yorker Vaudeville-Punk-Band The World/Inferno Friendship Society eine CD/LP unter dem Titel Addicted to Bad Ideas: Peter Lorre's Twentieth Century. Zu diesem Tonträger wurde außerdem ein Musical geschrieben, welches sich mit dem Leben Peter Lorres auseinander setzt. In den Liedern werden Inhalte wie Drogensucht ("M" is for Morphine), verschwenderischer Lebenswandel (With a Good Criminal Heart und Addicted to Bad Ideas), sein Leben in Deutschland (Ich erinnere mich an die Weimarer Republik) bis zu seinem Tod (Heart Attack ´64) thematisiert.

...


Aus: „Peter Lorre“ Bearbeitungsstand: 30. Oktober 2009, 04:25 UTC.
(Abgerufen: 24. November 2009, 12:47 UTC)
URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Peter_Lorre&oldid=66184158

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Quote
Casablanca ist ein US-amerikanischer Spielfilm des Regisseurs Michael Curtiz aus dem Jahr 1942. Vordergründig handelt es sich bei dem Film um eine „Liebesromanze“.

[...] Als Casablanca am 29. August 1952 in die deutschen Kinos kam, enthielt der Film kaum noch Hinweise auf den Zweiten Weltkrieg. Alle Szenen mit Major Strasser und anderen Nazis waren herausgeschnitten worden. Victor László wurde zu Victor Larsen, einem norwegischen Atomphysiker, der die rätselhaften Delta-Strahlen entdeckt hat. Captain Renault wurde in Monsieur Laponte umbenannt und war nun ein Mitglied der Interpol. Casablanca war in dieser um 25 Minuten gekürzten Version eher eine harmlose Romanze als ein Propagandafilm gegen die Nationalsozialisten und das Vichy-Regime. Erst im Oktober 1975 strahlte die ARD die neu synchronisierte Fassung aus, die bis heute bekannt ist.[15]

...

15 # ↑ Dirk Jasper Filmlexikon


Aus: „Casablanca (Film)“.
Bearbeitungsstand: 11. Oktober 2009, 07:01 UTC. (Abgerufen: 24. November 2009, 12:53 UTC)
URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Casablanca_(Film)&oldid=65455062

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[...] Hans Josef Maria Globke (* 10. September 1898 in Düsseldorf; † 13. Februar 1973 in Bonn) war ein Jurist in Staatsdiensten. Als Staatssekretär von Konrad Adenauer nahm er eine wichtige Funktion in der frühen Bundesrepublik Deutschland ein.

[...] 1961 erschien im Rütten & Loening-Verlag, einem Unternehmen der Bertelsmann-Gruppe, das Taschenbuch Dr. Hans Globke – Aktenauszüge, Dokumente. Globke hatte die Veröffentlichung zuvor mittels einer einstweiligen Verfügung zu stoppen versucht. Der Bundesnachrichtendienst, zum damaligen Zeitpunkt unter der Führung des ehemaligen Wehrmachtgenerals Reinhard Gehlen, soll 50.000 Mark investiert haben, um das Buch schnellstmöglich vom Markt zu nehmen. Aufgrund zweier unwesentlicher Fehler erging kurze Zeit später eine einstweilige Verfügung, infolge derer Bertelsmann das Buch zurückzog und sich einverstanden erklärte, auf eine Neuauflage des Buches zu verzichten. Der Einstellung sollen Drohungen Bonns vorausgegangen sein, andernfalls keine Bücher des Bertelsmann-Verlages mehr für amtliche Stellen zu erwerben.[16]

16 ↑ Otto Köhler: Eichmann, Globke, Adenauer. In: Freitag, 16. Juni 2006


Aus: „Hans Globke“. Bearbeitungsstand: 24. November 2009, 03:46 UTC.
URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hans_Globke&oldid=67194331
(Abgerufen: 24. November 2009, 11:21 UTC)

http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Globke


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[...] Seit Gründung der Bundesrepublik war der Kommentator der Nürnberger Rassengesetze aus dem Innenministerium des NS-Staates zunächst als Ministerialdirigent, dann als Staatssekretär die rechte Hand des Kanzlers.

Ohne Globkes umfassende und weitreichende Personalkenntnisse hätte sich Adenauer nicht so lange halten können. Globke nahm die erste offizielle Verbindung zu dem mit seinen Agenten in Pullach für die CIA arbeitenden ehemaligen Hitler-General Reinhard Gehlen auf. Der behielt ihn in bester Erinnerung: "Ich fand sofort einen guten Kontakt und gewann den Eindruck, dass er die Bedeutung meiner Organisation richtig einschätzte."

Solche Gesamtumstände verdienen Beachtung, wenn in der vergangenen Woche Professor Naftali ohne Genehmigung des BND in Washington nach dem Studium von CIA-Akten erneut an die Öffentlichkeit ging und erklärte, dass die Regierung Adenauer schon 1958 - zwei Jahre vor den Israelis - wusste, unter welchem Namen sich Adolf Eichmann, der Organisator des Judenmordes, in Argentinien versteckte, und dass auch die vom BND informierte CIA nichts unternahm, um ihn festzunehmen. Beide Dienst hatten schließlich die Gesamtumstände zu würdigen, also entfernte CIA-Chef Allan Dulles aus den Aufzeichnungen Eichmanns einen Hinweis auf Hans Globke.

Wäre dies nicht geschehen, als das US-Magazin Life 1960 die Eichmann-Aufzeichnungen veröffentlichte, wäre es für den unentbehrlichen Globke und vielleicht auch für seinen Dienstherrn schwierig geworden. Ex-BND-Chef Wieck hat Recht, wenn er in seiner Einleitung zu Critchfields Pullach-Memoiren die von Anfang an entwickelte "dauerhafte transatlantische Zusammenarbeit" würdigt. Adenauer wollte und konnte verhindern, dass es zu einer direkten Belastung Globkes durch Eichmann kam. Erst durch einen Hinweis des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer war der Mossad 1960 auf Eichmanns Spur in Argentinien gekommen. Dieser Fritz Bauer, der auch den Auschwitz-Prozess in Gang gesetzt hatte, wurde 1968 tot in seiner Badewanne aufgefunden. Selbstmord hieß es seinerzeit.

...


Aus: "Eichmann, Globke, Adenauer" (16.06.2006)
CIA-Aktenfunde | Warum die rechte Hand des Bundeskanzlers geschont werden musste
Von Otto Köhler
Quelle: http://www.freitag.de/2006/24/06240601.php

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[...] Fritz Bauer (* 16. Juli 1903 in Stuttgart; † 1. Juli 1968 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Richter und Staatsanwalt ...

[...] Er selbst soll einmal gesagt haben: „In der Justiz lebe ich wie im Exil“.

Fritz Bauer starb unter ungeklärten Umständen in der Badewanne seiner Wohnung und wurde am 1. Juli 1968 aufgefunden.

[...] Breite Schichten der Gesellschaft sahen in den [Frankfurter Auschwitz-Prozesse] Verfahren Nestbeschmutzung und folgten den Darstellungen der Beschuldigten, die mehrheitlich angaben, ohne Alternative auf Befehl gehandelt zu haben. Der angeklagte SS-Sturmbannführer Victor Capesius, der an der Selektionsrampe in Auschwitz tätig war, wurde so zum Beispiel zu lediglich neun Jahren Haft verurteilt und bereits 1968 wieder freigelassen. Zurück in seiner Heimatstadt Göppingen, wurde er beim Besuch eines Konzerts mit Beifall begrüßt.[1]

...

1 ↑ Sebastian Beck: Die Banalität des Bösen. In: Süddeutsche Zeitung. 11./12./13. April 2009, S. 11


Aus: „Fritz Bauer“ 7. September 2009, 15:26 UTC.
(Abgerufen: 24. November 2009, 12:04 UTC)
URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Fritz_Bauer&oldid=64244009


« Last Edit: November 24, 2009, 02:17:15 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #33 on: February 10, 2010, 11:45:05 AM »

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[...] In den USA kamen die Missbrauchsfälle 2002 durch eine Reihe von Berichten des "Boston Globe" ans Licht, die den Pulitzerpreis gewann. Zwei Jahre später zog ein Report der US-Bischofskonferenz ein erschütterndes Fazit: Von 1950 bis 2004 bestätigten sich 6700 Missbrauchsvorwürfe gegen 4392 US-Priester. Die Opfer waren zwischen 11 und 17 Jahren alt. 3300 Priester waren bereits verstorben, von den restlichen wurde gegen 384 ermittelt, 252 wurden verurteilt, 100 kamen ins Gefängnis - nur zwei Prozent der insgesamt Beschuldigten.

Die katholische Kirche der USA geriet ins Kreuzfeuer: Sie hatte die fraglichen Priester nicht angezeigt, sondern lange nur versetzt und somit Skandale vertuscht, sie sogar noch verschlimmert - manche Priester setzten ihre Missetaten einfach anderswo fort. Die Bischofskonferenz erklärte das damit, dass Missbrauch früher als "spirituelles Problem" angesehen worden sei, von dem man meinte, es "durch Gebet" lösen zu können.

Das war erst der Anfang. Die Enthüllungen 2002 traten eine Lawine los. Immer neue Opfer meldeten sich zu Wort und zogen vor Gericht. Eine Diözese nach der anderen musste zahlen, bisher eine Summe von mehr als 1,2 Milliarden Dollar Wiedergutmachung. Darunter: Louisville (26 Millionen Dollar), Boston (85 Millionen Dollar), Tucson (22 Millionen Dollar), Orange County (100 Millionen Dollar), San Diego (198 Millionen Dollar). Und eine nach der anderen musste dann Insolvenz anmelden, zuletzt Wilmington (Delaware), Heimatstadt von US- Vizepräsident Joe Biden.

[...] Ein besonders dramatischer Fall war der des Priesters John Geoghan [...]. Geoghan soll über drei Jahrzehnte hinweg mehr als 130 Jungen missbraucht haben, die Diözese schob ihn aber immer nur von einer Gemeinde zur anderen.

2002 wurde Geoghan in einem einzigen Fall zu neun bis zehn Jahren Haft verurteilt. Im August 2003 dann wurde der 68-Jährige von einem Mithäftling in seiner Zelle erwürgt. "Keine Kinder mehr für dich, mein Freund", will der dem Sterbenden noch zugeflüstert haben.

...


Aus: "Missbrauchsskandal in US-Kirchen - Schuldig, reuig, pleite" Von Marc Pitzke, New York (10.02.2010)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,676748,00.html

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« Reply #34 on: October 25, 2010, 10:58:08 AM »

Auswärtiges Amt
Das Auswärtige Amt (abgekürzt AA) ist der traditionelle und amtliche Name für das deutsche Außenministerium. Es ist zuständig für die Außenpolitik sowie die deutsche EU-Politik.
http://de.wikipedia.org/wiki/Ausw%C3%A4rtiges_Amt

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[...] In Vitrinen sind in der Bibliothek die Papiere des bürokratischen Grauens zu sehen, ein Besprechungsprotokoll der Wannsee-Konferenz etwa: Die Teilnehmerliste von 1942 weist Unterstaatssekretär Martin Luther vom Auswärtigen Amt aus. Zu besichtigen ist auch die Reisekostenabrechnung des Legationsrats Frank Rademacher über 195,50 Reichsmark von 1943, in dem die "Liquidation von Juden in Belgrad" als Reisegrund aufgeführt wird. "Das Unfassbare war Realität. In diesem Auswärtigen Amt konnte man Mord als Dienstgeschäft abrechnen", sagt Westerwelle dazu.

Der Außenminister spricht von einer "Institution, die sich selbst als Elite verstand und in Wahrheit tief im Verbrechen versank". Nichts zu rechtfertigen gebe es, nichts zu beschönigen.


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Aus: ""Das Unfassbare war Realität"" Von Daniel Brössler, Berlin (28.10.2010)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/westerwelle-das-auswaertige-amt-und-der-holocaust-das-unfassbare-war-realitaet-1.1017348


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Das Auswärtige Amt (AA) versteht sich als Elite-Institution. Seine Diplomaten haben jahrzehntelang sowohl ihren Korpsgeist gepflegt und an der Legende gestrickt, eben diese Elite sei immun gegen die verbrecherischen Seiten des NS-Regimes gewesen, habe gar Widerstand von innen heraus betrieben. Es musste erst ein Alt-68er an die Spitze des Hauses kommen, um dieser Legende ein Ende zu bereiten. Die von Joschka Fischer nach der „Nachruf-Affäre“ von 2005 eingesetzte Historikerkommission weist nun nach, dass Deutschlands Diplomaten am Holocaust aktiv beteiligt waren: „Das ist in dieser Gesamtschau tatsächlich schockierend“, sagt ihr Leiter Eckart Conze. Nur ganz wenige tickten anders, leisteten inneren Widerstand. Elite schützt vor gar nichts. Das ist für sarkastische Zeitgenossen nichts Überraschendes – erschreckend hingegen, wie professionell das neue, alte AA in der Bundesrepublik vertuschte und verbrämte. Der Korpsgeist aber ist spätestens jetzt gebrochen.

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Aus: "Elite schützt vor gar nichts" (25.10.2010)
Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11923612/63629/Elite-schuetzt-vor-gar-nichts-Jan-Sternberg-ueber.html

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[...] Es ist natürlich einer Reihe von Zufällen geschuldet, dass diese Sache jetzt so rund daherkommt. Dass nun, wo der erschütternde Bericht der Historikerkommission über die Rolle des Auswärtigen Amtes bei der Judenverfolgung und über die reibungslose Reintegration seiner Mitarbeiter in den diplomatischen Dienst der jungen Bundesrepublik vorliegt, gesagt werden kann: Ausgerechnet der frühere 68er Joseph Martin Fischer, der auf den Straßen Frankfurts gegen das Schweigen seiner Vätergeneration ankämpfte, hat mit einer schnellen Anordnung am Schreibtisch diesen Kampf mit 30 Jahren Verzögerung noch einmal geführt - und gewonnen.

Denn was wäre gewesen, wenn der Generalkonsul Dr. Franz Nüßlein nicht 2003 in Fischers Zeit als Außenminister gestorben und mit einem ausführlichen geschichtsklitternden Nachruf bedacht worden wäre, sondern ein paar Jahre vorher oder nachher?

Dann wären der leidenschaftliche Brief der früheren Dolmetscherin Marga Henseler über die Nazi-Vergangenheit des Verstorbenen ans Auswärtige Amt und die Beschwerde an Kanzler Gerhard Schröder über die unbefriedigende Antwort auf das erste Schreiben nicht bei Fischer gelandet, sondern bei Klaus Kinkel oder Frank-Walter Steinmeier. Und der Machtpolitiker Fischer muss sich wohl auch die Frage stellen lassen, ob er mit ähnlichem Eifer bei der Sache gewesen wäre, wenn ihm nicht gerade die Visa-Affäre beharrlich zugesetzt hätte?

Jedenfalls gebührt Joschka Fischer nun das Verdienst, die Aufarbeitung der bis dahin nur unzulänglich bekannten und zusammengefassten Geschichte des Auswärtigen Amtes ins Rollen gebracht zu haben. Denn als ihm Gerhard Schröder den Brief von Marga Henseler zeigte, in dem sich diese sehr enttäuscht darüber äußerte, dass ausgerechnet Joschka Fischer einem alten Nazi mit Blut an den Händen einen Nachruf gewährt habe, erließ er sofort ein Verdikt: Wer in der SA, der SS oder der NSDAP war, sollte keinen Nachruf mehr bekommen.

Doch diese ebenso logisch klingende wie moralisch korrekte Forderung löste mit etwas Verspätung eine große Aufregung aus - die sogenannte Nachrufaffäre. Denn kurz danach, im Jahr 2005, starb Franz Krapf, früher SS-Untersturmführer und Botschaftsmitarbeiter in Japan. Der Nachruf blieb entsprechend Fischers neuer Anweisung aus, doch nach wenigen Wochen zeigten sich einige "Mumien", wie ehemalige Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes genannt werden, erst verwundert und dann empört.

Dass es keine Nachrufe gab, hatte eine große Anzeige in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von 128 früheren Kollegen Krapfs zur Folge, darunter der ehemalige ZDF-Intendant Karl-Günther von Hase oder der als Sachbuchautor bekannte Erwin Wickert. Und auf die Anzeige wiederum reagierte Fischer mit dem Entschluss, eine unabhängige internationale Historikerkommission einzusetzen.

Und was die zu Tage förderte, ist nicht nur mit Blick auf die Weltkriegszeit erschütternd, sondern auch für die Jahrzehnte danach. Denn es geht nicht nur um das Verhalten zur Nazi-Zeit, sondern auch um die Vertuschung in der Zeit danach.

Dank Fischers Auftrag und der Arbeit der Kommission ist nun allgemein bekannt, dass 1938 zur Grundausbildung der Attachés ein Besuch im KZ Dachau gehörte. Dass das Ministerium ein aktiver Unterstützer der NS-Vernichtungspolitik war. Dass manche bundesrepublikanische Diplomaten nur in arabischen Ländern eingesetzt werden durften. Dass das Archiv des Auswärtigen Amtes über all die Jahre ein Instrument blieb, um die gewünschte Geschichtstendenz bloß nicht zu torpedieren. Und dass in der Protokollabteilung des Ministeriums noch zu Fischers Zeiten ein Porträt des Prokollchefs von Hitlers Außenminister Ribbentrop hing.

...


Aus: "Der Muff von 60 Jahren" Von Johannes Aumüller (24.10.2010)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/historikerbericht-zum-auswaertigen-amt-der-muff-von-jahren-1.1015417

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[...] Viele Jahre pflegte man im Auswärtigen Amt den Mythos, die deutsche Diplomatie sei im Dritten Reich ein Hort des Widerstands gewesen. [...] Nach einer neuen Studie wirkten Diplomaten die ganze Nazi-Zeit über aktiv am Holocaust mit.

Aus dem Zweck seiner Reise machte der deutsche Diplomat Franz Rademacher im April 1943 kein Geheimnis mehr. Zurück aus Belgrad füllte der "Juden-Referent" des Auswärtigen Amtes gewissenhaft seine Abrechnung aus. In die Spalte "Art oder Gegenstand der Dienstgeschäfte" schrieb er, von Hand und gut leserlich: "Liquidation von Juden." Selbst der kleinste Buchhalter durfte über seine Tätigkeit Bescheid wissen.

Die Abrechnung ist nur eines von vielen Dokumenten, die eine international besetzte Historiker-Kommission zur NS-Geschichte des Auswärtigen Amtes (AA) in fünfjähriger Arbeit zutage gefördert hat. Die Kommission war 2005 noch vom damaligen Außenminister Joschka Fischer (Grüne) eingesetzt worden, nachdem es Streit um die Nachruf-Praxis für gestorbene Diplomaten gegeben hatte.

Aus ihrem fast 900-seitigen Abschlussbericht ergibt sich nun ein ganz anderes Bild als das, das man in Deutschlands vornehmsten Ministerium so gern von sich pflegte: Die Diplomatie war im Dritten Reich kein "Hort des Widerstands", sondern ein fast reibungslos funktionierender Beamtenapparat aus Gleichgültigen, Mitläufern und Tätern. Widerstand gab es auch, aber er war die große Ausnahme.

Kommissionsleiter Eckart Conze geht sogar noch weiter. Für den Marburger Geschichts-Professor war das gesamte AA eine "verbrecherische Organisation". "Das Auswärtige Amt war an allen Maßnahmen der Verfolgung, Entrechtung, Vertreibung und Vernichtung der Juden von Anfang an aktiv beteiligt", sagte Conze der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Von den mehr als 6000 Diplomaten hätten "die allermeisten" am Holocaust mitgewirkt. Leute wie den Botschaftsrat Gerhart Feine, der in Ungarn viele Juden vor der Deportation rettete, gab es nur wenige.

Bezeichnenderweise fand sich das einzige Protokoll der Wannsee-Konferenz, auf der 1942 die "Endlösung der Judenfrage" besiegelt wurde, im Archiv des AA. Die Kommission entdeckte auch, dass schon 1938 ein Besuch bei Hitler auf dem Obersalzberg und im Konzentrationslager Dachau zur Diplomaten-Ausbildung gehörte. Oder dass 1943 von 706 Angehörigen des Höheren Dienstes nicht weniger als 573 Mitglieder der NSDAP waren.

Auch bei der Ausbürgerung von Hitler-Gegnern spielte das Ministerium eine wichtige Rolle. Der Kommission zufolge kam der entscheidende Anstoß für die Verstoßung des Literatur- Nobelpreisträgers Thomas Mann im Mai 1936 von Ernst von Weizsäcker, dem Vater des späteren Bundespräsidenten. Weizsäcker - damals deutscher Gesandter in der Schweiz, später Staatssekretär - wurde 1949 als einer von wenigen NS-Diplomaten verurteilt.

Trotz brauner Vergangenheit machten dann viele Mitglieder des Auswärtigen Dienstes nach Kriegsende weiter Karriere. Kein Wunder also, dass in Ministeriumsschriften das eigene Verhalten zur Nazi-Zeit immer wieder beschönigt wurde. Damit aber nicht genug: Die Historiker fanden auch heraus, dass aus der "Zentralen Rechtsschutzstelle" des AA heraus Kriegsverbrecher über internationale Haftbefehle informiert und davor gewarnt wurden, in bestimmte Länder zu reisen.

Der einstige Außenminister Fischer nennt dies "einen der größten Skandale". "Tatsächlich scheint es sich um eine Täterschutzstelle gehandelt zu haben." Insgesamt ist der ursprüngliche Auftraggeber mit der Arbeit der Kommission sehr einverstanden. "Das ist der Nachruf, den die Herren verdienen."

...


Aus: "Braune Diplomaten: Kommission räumt mit Mythos auf " Christoph Sator  (24. Oktober 2010)
Quelle: http://www.n-tv.de/politik/Kommission-raeumt-mit-Mythos-auf-article1778161.html

-.-

Quote
[...] Wenn Historiker geschichtliche Prozesse untersuchen, dann kommt das Ergebnis ihrer Arbeit zwangsläufig zu spät. Nichts anders verhält es sich mit dem Bericht über die Rolle des Auswärtigen Amts während der Nazizeit.

Das Ergebnis ist erschreckend und straft die endlos wiederholte Behauptung der Nachkriegsjahrzehnte Lügen, nach der das Amt höchstens am Rand mit dem Holocaust beschäftigt und in Wahrheit ein Hort des stillen Widerstands war. Das Gegenteil ist richtig: Die braunen Diplomaten arbeiteten aktiv an der Politik der Judenvernichtung mit.

... Die Schreibtischtäter sind längst in weichen Federbetten verstorben. Kaum einer von ihnen wurde verurteilt.

[...] Ein einziger Zeitzeuge hat sich bisher zu Wort gemeldet: Richard von Weizsäcker. Dem Altbundespräsidenten fällt zu dem Vorwurf, sein Vater hätte 1936 die Ausbürgerung von Thomas Mann unterstützt, nichts weiter ein, als über die literarischen Qualitäten des Nobelpreisträgers zu salbadern. Man möchte sich gar nicht vorstellen, wie erst die Stellungsnahmen der Täter ausgefallen wären.

Natürlich ist es mehr als nur zu bedauern, dass 60 Jahre vergehen mussten, bis die Wahrheit ans Licht kommt. Die Betonung liegt hier auf mussten: Die Eliten der jungen Bundesrepublik haben die Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Vergangenheit erfolgreich verhindert.

[...] Deserteure waren Verbrecher, Exilanten vaterlandslose Gesellen, Widerstandskämpfer außerhalb von Wehrmacht und Klerus zweifelhafte Gestalten, und das deutsche Volk bestand aus Verführten. Keine dieser perfiden Wertungen hat heute noch Gültigkeit. Der Fortschritt war in der Auseinandersetzung mit der Nazizeit eine Schnecke - aber sie hat sich bewegt. ...


Aus: "Über die braune Geschichte des Außenamtes - Danke, Joschka Fischer!"
KOMMENTAR VON KLAUS HILLENBRAND (24.10.2010)
Quelle: http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/danke-joschka-fischer/

-.-

Quote
[...]

Quote
   * 24.10.2010 um 16:44 Uhr
    * Bunrakunier

So überraschend ist das nun auch wieder nicht!

Schon gar nicht wenn man sich einmal die Geschichte des Bundesnachrichtendienstes genauer ansieht.
Und andererseits ist es doch auch völlig logisch und natürlich, dass man "Fachkräfte", schon gar nicht nach einem verheerenden Krieg, einfach so aus dem Hut zaubern kann!
So verwundert es doch auch niemanden, dass in den neuen Bundesländern heute viele ehemals staatstreuen IMs und Stasimitarbeiter heute wieder in leitenden Funktionen tätig sind - aber wieso denn auch nicht? Schließlich haben diese Menschen eindrucksvoll bewiesen, dass sie jedem noch so unappetitlichen Staatsapparat treu ihre Dienste leisten - ob es nun eine Nazi-, SED- oder Konzerndiktatur ist, spielt dabei doch überhaupt keine Rolle.



Quote
   * 24.10.2010 um 16:57 Uhr
    * spalter

Alle haben mitgemacht.

Die Ämter, die Industrie, die Armeeführung, die Kirchen... es hat immer einzelne gegeben, die dagegen waren, aber die erdrückende Mehrheit hat aktiv mitgemacht. Das ist eigentlich keine neue Erkenntnis und liegt in der Natur der Sache. Nur sollten endlich alle aufhören, ihre Institutionen als Hort des Widerstands zu verbrämen. Das ist jetzt, über 60 Jahre später, einfach nur noch peinlich.


Quote
   * 24.10.2010 um 16:58 Uhr
    * fredbrandi

10. Wer untersucht die Verbrechen der heutigen Zeit?

Das jeden Tag 25.000 Menschen an Hunger sterben und das AA nicht bereit ist für eine Demokratisierung der internationalen Organisationen zu kämpfen sagt doch eigentlich alles.

Eine Behörde im nationalen Interesse.

Ok, es sagt nicht Alles. Diplomatie ist kompliziert, das AA ist nur den Deutschen Rechenschaftspflichtig und die Bürger/Politiker fordern zumindest zur Zeit nicht mehrheitlich eine Demokratisierung internationaler Organisationen, einige Mitarbeiter im AA sind am Wohl aller Erdenbürger interessiert, etc.

ps: Sehr lesenswertes Buch über das Wirtschaftswunder und die NS-Zeit: Die Wundertäter - Netzwerk der deutschen Wirtschaft 1942-1966


Quote
   * 24.10.2010 um 21:47 Uhr
    * jaydudu

Wer heute so überrascht tut

ist ein Heuchler. ...




Kommentare zu "Hitlers Diplomaten" (24.10.2010)
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2010-10/kommission-frei

-.-

Quote
[...] Die liberalen Ex-Außenminister Walter Scheel (1969 bis 1974), Hans-Dietrich Genscher (1974 bis 1992) und Klaus Kinkel (1992 bis 1998) wollen sich bislang nicht zum Kommissionsbericht äußern. Unter den drei FDP-Politikern, die das Auswärtige Amt insgesamt 29 Jahre leiteten, hatte die Behörde darauf verzichtet, die eigene Geschichte aufzuarbeiten, obwohl Scheel dies 1970 angekündigt hatte. Pikanterweise waren sowohl Genscher wie Scheel NSDAP-Mitglieder.

Außenminister Guido Westerwelle nimmt beide in Schutz. Er schaue "mit Respekt und Bewunderung auf die Ergebnisse ihrer mutigen und vorausschauenden Politik".

Das Auswärtige Amt wehrt sich zugleich gegen den Vorwurf, möglicherweise belastende Dokumente aus der Geschichte des Ministeriums zurückgehalten zu haben.

Kommissionsleiter Eckart Conze hatte erklärt, er wisse nicht, ob seine Kommission im Amtsarchiv "alles gesehen" habe, was "wir hätten sehen können". Amtsmitarbeiter verweisen darauf, dass Conze selbst die Kooperation mit dem Archiv des Auswärtigen Amtes Ende 2007 in einem Zwischenbericht als "ausgesprochen konstruktiv" bezeichnet hatte. Tatsächlich hatte es zu Beginn der Kommissionsarbeit zwischen den Historikern und den Archivaren Konflikte gegeben.

...


Aus: "FDP soll Nazi-Aufklärung behindert haben" (29.10.2010)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,725900,00.html

« Last Edit: November 01, 2010, 09:50:28 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #35 on: October 29, 2010, 08:44:24 AM »

Quote
[...] Die katholische Kirche in Bayern steht vor einer schmerzlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms von 1940 bis 1945. Sie wird klären müssen, warum sie bisher zu den Vorgängen in Schönbrunn im Landkreis Dachau, einer der wichtigsten sozialen Einrichtungen der Kirche für Menschen mit geistiger Behinderung, geschwiegen hat. Oder warum sie die historische Forschung verzögerte.

Die Erzdiözese München-Freising benötigte mehr als ein Jahrzehnt, um das Archiv von Schönbrunn zu ordnen. Zu diesem Ergebnis kam am Donnerstag ein wissenschaftliches Symposium in Schönbrunn, das erstmals die Rolle des heute gemeinnützigen Franziskuswerks und der damals kirchlichen Anstalt diskutierte. Generaloberin Benigna Sirl war nach den Vorträgen der Historiker geschockt und ratlos: "Das alles trifft uns hart."

Winfried Süß vom Zentrum für zeithistorische Forschung in Potsdam sieht in Schönbrunn sogar eine der wenigen Einrichtungen für behinderte Menschen, die damals "ihrer Verantwortung nicht gerecht wurden". Andere hätten versucht, Angehörige ihrer Schutzbefohlenen vor Deportationen zu warnen. Die Leitung von Schönbrunn habe dagegen "mutwillig" mit Nationalsozialisten kooperiert.

Diese Zuspitzung teilten die übrigen Historiker nicht. Medizinhistoriker Gerrit Hohendorf von der Technischen Universität München warnte vor allzu plakativen Schlüssen, welche das Bemühen der Franziskanerinnen, beispielsweise ihre Versuche, Krankenakten zugunsten ihrer Zöglinge zu verändern, nicht berücksichtige.

Der Orden feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen in dem kleinen Ort Schönbrunn im Landkreis Dachau, der seit 150 Jahren geistig behinderte Menschen betreut. Zurzeit sind es fast 1000. So viele waren es vermutlich auch 1939. Am 2. Juni 1944 wurden die letzten Bewohner, 44 Kinder, deportiert. Die Franziskanerinnen wollten die beiden Jubiläen voller Stolz und Selbstbewusstsein begehen. Seit Donnerstag wissen sie, dass sie die Forderung von Markus Krischer, Redakteur des Focus und Autor des einzigen Standardwerks über die Deportationen aus Schönbrunn nicht erfüllen können: "Nennen sie mir einen Tag, der diesen 2. Juni 1944 aufwiegt."

Seit der ersten Debatte über die Rolle des Dachauer Arztes und vormaligen Präsidenten der Bundesärztekammer, Hans Joachim Sewering, hat es mehr als 30 Jahre gedauert, bis nun die wesentlichen historischen Fakten vorliegen. Seit 2006 ist durch Krischers Nachforschungen klar, dass der damalige Direktor, Prälat Josef Steininger, mit den Nationalsozialisten kooperierte und gemeinsam mit dem Gesundheitswesen der Stadt München die Deportation der geistig behinderten Menschen vorantrieb. Sie wollten ausreichend Platz für die Auslagerung der Münchner Krankenhäuser schaffen, um sie vor den Bomben zu schützen.

Annemone Christians, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität, hat in einer Doktorarbeit Krischers Einschätzung im Detail untermauert. Demnach wusste Steininger seit 1940, dass die in die staatliche psychiatrische Klinik Haar-Eglfing deportierten Menschen getötet wurden. Tanja Kipfelsberger erforscht bei dem Medizinhistoriker Gerrit Hohendorf das Schönbrunner Archiv. Sie hat bisher 901 Akten ausgewertet. Nur 293 Bewohner von Schönbrunn überlebten die Euthanasie. Soweit der vorläufige Stand der Forschung.

Außerdem haben die beiden Wissenschaftlerinnen belegt, dass Sewering entgegen seiner eigenen Darstellung, die er bis zum Tod im Juli 2010 aufrecht erhielt, in neun nachweisbaren Fällen an den Deportationen beteiligt war. Prälat Steininger dichtete sich zum NS-Widerstandskämpfer um und fälschte somit auch die Geschichte Schönbrunns. Sewering gab den Arzt mit hohen ethischen Grundsätzen. Katholische Kirche oder Bundesärztekammer glaubten ihnen.

Seit Donnerstag stellt sich die dringliche Frage nach dem würdigen Gedenken an die Schönbrunner Opfer. Gerrit Hohendorf sagte: "Wir müssen sie der Marginalisierung durch die Nachkriegsgeschichte entreißen." Den Weg dorthin zeigt Tanja Kipfelsberger mit ihren Biografien der Opfer.

Quote
Kinjk schreibt, 28.10.2010 um 18:12 Uhr

lange verschwiegen

Nun, für einigermaßen sich auf aktuellem Stand befindlichen Bürgern in Dachau und im Landkreis, zu dem ja Schönbrunn gehört, ist das schon immer vermutet und teilweise auch bekannt gewesen.
Natürlich ist das kein Zufall, das erst nach dem Tod (erst kürzlich) von Herrn Sewering sich jetzt getraut wird auch darüber zu schreiben.
Wir haben darauf Wetten abgeschlossen.
Es ist doch immer so.
Und jetzt tun alle plötzlich betroffen und erstaunt.



Aus: "Das lange Schweigen der Kirche" Von Wolfgang Eitler (28.10.2010)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/politik/schoenbrunn-das-lange-schweigen-der-kirche-1.1017326

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« Reply #36 on: October 29, 2010, 08:54:31 AM »

Quote
[...] Berlin - Das Versprechen klang vollmundig. "Wir wollen die Geschichte des BND nicht für uns behalten, sondern jemanden hineinschauen lassen", erklärte der Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Ernst Uhrlau.

Das war vor vier Jahren.

Doch dann tat sich lange nichts. Der Historiker Gregor Schöllgen, der dafür schon federführend ausgesucht worden war, gab vor zwei Jahren auf, nachdem Gespräche zwischen BND und Kanzleramt nicht vorankamen. Es ging um Geld, um den Zugang zu Akten.

Nun aber soll ein zweiter Anlauf gestartet werden. "Bis Ende dieses Jahres wird sich eine unabhängige Historikerkommission konstituieren", erklärt ein BND-Sprecher auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Ziel sei es unter anderem, die "personelle Kontinuität und Diskontinuität nach 1945 unter Berücksichtigung von NS-Bezügen" zu erforschen. Zudem soll auch die außen- und innenpolitische Wirkung der BND-Arbeit und seines Vorläufers, der Organisation Gehlen, bis 1968/69 untersucht werden.

Es dürfte für die Forscher ein heikles Unterfangen werden. Schließlich geht es um einen Geheimdienst - und da sind Akten sakral. Wie schwierig der Umgang mit sensiblen Materialien aus dem Regierungsapparat ist, zeigt sich an der Forschung im Auswärtigen Amt. Die Historikerkommission, die an diesem Donnerstag ihre Studie über die Mitwirkung des Auswärtigen Amtes an der Vernichtungspolitik der europäischen Juden und die personelle Kontinuität nach 1945 vorlegt, konnte zwar alles einsehen. "Wir wissen aber bis heute nicht, ob wir alles gesehen haben, was wir hätten sehen können. Die Standards im Archiv des Auswärtigen Amtes entsprechen nicht denen des Bundesarchivs", sagt im SPIEGEL Eckart Conze, Leiter der Historikerkommission.

[...] Die interne Arbeitsgruppe ist dem Leitungsstab des BND-Präsidenten Uhrlau zugeordnet, sie sichtet bereits Unterlagen. Schließlich müsse entschieden werden, was deklassifiziert - also zu Forschungszwecken freigegeben - werden könne, so ein BND-Sprecher.

Das nährt den Verdacht, die Arbeitsgruppe solle Materialien filtern. Vehement wird diesem Eindruck beim BND widersprochen. Sie diene als "Schnittstelle" zur externen Kommission, "sie soll nicht eine Vorauswahl des Materials treffen", betont der Sprecher. Der BND sei für externe Forscher schließlich eine "Black-Box", da brauche es internen Sachverstand - wenn es etwa um die Erforschung der Personalbestände und Organisationsstruktur gehe. Auch sollten Zugänge zu noch lebenden Zeitzeugen geschaffen werden. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen zudem noch externe Forschungsvorhaben in Auftrag gegeben werden.

Über die Zusammensetzung der externen Historikerkommission hüllt sich der Auslandsgeheimdienst noch in Schweigen. Auch die genaue Summe für das auf vier Jahre angelegte Vorhaben wird bislang nicht genannt - es seien aber "erhebliche Ressourcen", heißt es.

Es dürfte für die Forscher eine interessante Aufgabe werden. Denn die Geschichte des BND ist, zumindest aus eigenen Aktenbeständen, weitgehend unerforscht. Der bundesdeutsche Auslandsdienst, der aus der Organisation Gehlen ihres späteren ersten Präsidenten Reinhard Gehlen hervorgegangen war, stand zunächst unter Obhut der US-Behörden. Erst 1956 wurde der BND von der Bundesregierung übernommen. Er stützte sich von Anbeginn auf zahlreiche Mitarbeiter aus der NS-Zeit, etwa des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) der SS. 1960 stammten rund 200 von insgesamt 2450 Mitarbeitern des BND aus dem Apparat des SS-Reichsführers Heinrich Himmler.

Der brisante Crome-Bericht lagerte 45 Jahre im Panzerschrank

Pikante Details blieben jahrzehntelang der Öffentlichkeit verborgen. Das markanteste Beispiel: Gehlen, der in der Wehrmacht die Abteilung "Fremde Heere Ost" geleitet hatte, ließ intern 1963 eine Untersuchung einleiten, um die Zahl von NS-Tätern im eigenen Apparat zu ermitteln. Anlass war der Prozess gegen den früheren BND-Topmann Heinz Felfe, der für den sowjetischen Geheimdienst KGB spioniert hatte. Im Verlaufe des Verfahrens kam heraus, dass Felfe während des Krieges beim Auslandsnachrichtendienst des Reichssicherheitshauptamtes der SS gearbeitet hatte. Mit der internen Untersuchung wurde Hans-Henning Crome beauftragt, ein junger, unbelasteter BND-Mann. Als dieser zwei Jahre später seinen Bericht an Gehlen übergab, kamen erschreckende Details zutage: Minutiös wurde darin die aktive Mittäterschaft zahlreicher BND-Mitarbeiter während des Dritten Reiches dokumentiert, viele waren aktiv an Massentötungen beteiligt. Von 146 Überprüften mussten 71 den Dienst verlassen. Der Bericht aber wurde nur an die engere BND-Führung versandt und verschwand anschließend im Panzerschrank - für 45 Jahre.

Erst unter dem heutigen BND-Präsidenten Uhrlau, Mitglied der SPD, wurde der sogenannte Crome-Bericht öffentlich gemacht. Heute ist er im Bundesarchiv einzusehen, für jedermann. Eine Politik der kontrollierten Öffnung, die offenbar weitergehen soll. "Neben der Arbeit der externen Historikerkommission", so ein BND-Sprecher, "haben wir vor, in den nächsten Jahren eine Vielzahl von Akten zu deklassifizieren und dem Bundesarchiv zu übergeben."

...


Aus: "BND will eigene Nazi-Verstrickung aufarbeiten" Von Severin Weiland (28.10.2010)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,725689,00.html

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« Reply #37 on: November 09, 2010, 10:29:55 AM »

Quote
[...] Nach den Erkenntnissen der Experten war das Reichsfinanzministerium weitaus mehr als eine neutrale Behörde des NS-Staates. Nach Aussagen des Sprechers der Historiker-Gruppe, Hans-Peter Ullmann, leistete das Ministerium vielmehr einen unverzichtbaren Beitrag zum Funktionieren und zur verbrecherischen Politik des Dritten Reichs.

Das Finanzministerium hat seine Aufgabe nach Worten des Kölner Historikers darin gesehen, "das Unrechtsregime samt seiner Politik der Aufrüstung und Kriegsführung zu finanzieren". Dazu habe es sich nicht alleine der herkömmlichen Mittel bedient, sondern im großen Umfang auf schlichten Raub gesetzt.

"Die Steuergesetze sind nach nationalsozialistischer Weltanschauung auszulegen", so hieß es nach Worten der Münchener Wissenschaftlerin Christiane Kuller schon im "Steueranpassungsgesetz" von 1934. Seit diesem Zeitpunkt seien jüdische Steuerpflichtige systematisch anders behandelt worden als nichtjüdische. Wollten sie das Land verlassen, mussten sie ein Viertel ihres Vermögens abtreten, "Reichfluchtsteuer" wurde diese Teilenteignung bezeichnet. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges behielt der Staat insgesamt 96 Prozent des Vermögens ein.

Von 1941 an wurde jeder Jude automatisch enteignet, sobald er die Reichsgrenze überschritt. "In zynischer Konsequenz wurde die Regelung aber auch bei den inzwischen laufenden Deportationen angewandt", sagte Kuller. Als im November 1941 die Deportationen begannen, mussten die Juden beim Abtransport ihre gesamte Habe bis auf einen Koffer zurücklassen. "Für die Verwaltung und Verwertung dieses Vermögens waren die staatlichen Finanzbehörden zuständig", sagte Kuller. "Sie gerieten dadurch in den unmittelbaren Kontext des Judenmordes."

"In dem arbeitsteiligen Prozess der Vernichtung übernahmen die Finanzbeamten die Aufgabe, alle Reste der bürgerlichen Existenz der Deportierten auszulöschen", so Kuller weiter. Nach ihren Worten hätte die Deportation ohne die professionelle Mitwirkung der Finanzbeamten an zahllosen Stellen der deutschen Gesellschaft unübersehbare wirtschaftliche Komplikationen verursacht. Zudem gebe es Hinweise darauf, dass der Gesamtzusammenhang der Vernichtungspolitik zumindest einem Teil der Behördenmitarbeiter im Reichsfinanzministerium und den Finanzministerien vor Ort bekannt gewesen sei.

Laut Ullmann gilt es für die Kommission nun, diese Erkenntnisse zu vertiefen und erstmals eine genaue Untersuchung der Rolle des Finanzministeriums in der Zeit des Nationalsozialismus vorzulegen. Neben dem Aspekt der Judenverfolgung geht es ferner darum, die Organisation der Behörde unter dem Einfluss der Nazis darzustellen, ihre Steuerpolitik und die Art und Weise, wie sie mit einer immer höheren Verschuldung die Kriegsmaschinerie am Laufen hielt.

Quote
DerMixa schreibt

dieundwir

"Organisation der Behörde unter dem Einfluss der Nazis darzustellen" - Es ist schon beschämend, dass der Sprachgebrauch rund um das Thema Deutschland im "Dritten Reich" immer noch suggeriert, das es auf der einen Seite "Nazis", böse Wesen vom anderen Stern und auf der anderen Seite "unschuldige Bürger", welche allenfalls "verführt" wurden gab. So löblich die Aufarbeitung ist, die daraus resultierende Schuld verbleibt zumindest sprachlich, immer noch bei den "Aliens" und nicht bei uns Deutschen. Solange wir aber in dieser Verfremdung von "denen" sprechen und nicht von unseren Großvätern/-müttern, solange bleibt die Schuld auch an uns kleben.


Quote
Jeeves schreibt . . . Selbstverstandlich

"wie Finanzbehörden im "Dritten Reich" das Regime gestützt und Steuergesetze nach nationalsozialistischer Weltanschauung ausgelegt haben."

Na was denn sonst? Wie denn sonst? Niemand - außer Journalisten? - haben je was anderes geglaubt oder erwartet. Es waren nicht "die Nazis" (vom Mond gefallen?) sondern natürlich "die Deutschen". Auch und gerade deutsche Beamte in allen Ämtern.




Aus: "NS-Zeit: Tatort Finanzministerium: Erst rauben, dann auslöschen" Von Guido Bohsem (08.11.2010)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/geld/finanzbehoerden-in-der-ns-zeit-rauben-und-ausloeschen-1.1021170

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« Reply #38 on: October 04, 2011, 08:43:29 AM »

Quote
[...] In vielen Unternehmen harmonierte das ökonomische Interesse mit der politischen Überzeugung. Dass Firmenangehörige und leitende Unternehmensmitarbeiter KZs besuchten und bisweilen an Mordselektionen mitwirkten, ist aus den Büchern des italienischen Schriftstellers und Holocaust-Überlebenden Primo Levi bekannt.

In manchen Unternehmen versuchte man das Wissen über das systematische Morden auch zu nutzen. Ein makabrer Rechtsstreit der Dresdner Bank mit dem Reich dokumentiert, wie dieses Wissen in die privatwirtschaftliche Handlungslogik übersetzt wurde. Als Anfang 1942 die jüdische Witwe eines 1930 verstorbenen Bankdirektors deportiert worden war, wies das Oberfinanzpräsidium Berlin die Bank an, die von dem Institut gezahlte Rente der Frau nunmehr an das Reich zu überweisen. Bis in das Frühjahr 1945 stritt die Rechtsabteilung des Kreditinstituts für seine Interessen und argumentierte, dass die Rentenansprüche der Frau erloschen seien: Aufgrund der Deportation sei der Tod der Frau anzunehmen, falls nicht eine »Lebensbescheinigung« vorgelegt werde.

Flick, Waldhecker, Bütefisch sowie zwei Vorstandsmitglieder der Dresdner Bank, Emil Meyer und Karl Rasche, gehörten zu einer besonderen Gruppe von Wirtschaftsführern. Zusammen mit mehr als dreißig weiteren Unternehmern und Bankiers – unter ihnen Rudolf Bingel von Siemens, August Rosterg von Wintershall, Richard Kasselowsky von Oetker und Kurt Schmitt von der Allianz – suchten sie auf exklusive Weise die Nähe zur politischen Spitze: im Freundeskreis Heinrich Himmler. Auf Wunsch der Unternehmer hatte der Persönliche Stab des Reichsführers-SS in Berlin Mitte der dreißiger Jahre diesen Herrenklub etabliert. Im »Haus der Flieger«, das Hermann Göring unterstand (heute tagt hier das Berliner Abgeordnetenhaus), kam man zunächst sporadisch, von 1938 an dann allmonatlich in repräsentativen Klubräumen zusammen. Mit Vorträgen und Abendessen währten die Runden oft bis Mitternacht. Wenn Himmler hier redete, sprach er zu »alten Freunden«.

... Schon vor Gründung des Kreises hatten sich die Herren zu unregelmäßigen Begegnungen verabredet, zu Reisen, Abendessen und Spenden an die SS. In der kontinuierlichen Begegnung untereinander und mit der SS-Führung bildeten sich Vertrauens- und Geschäftsbeziehungen. Hier fand beispielsweise Himmler den Vermieter seines Hauses im Grunewald – Friedrich Flick – und die SS ihre Hausbank, die Dresdner Bank. Andere Klubmitglieder verbanden Sympathien und Freundschaften, die das Kriegsende überdauerten. Karl Blessing, im »Dritten Reich« Vorstandsmitglied des in Osteuropa operierenden Raubunternehmens Kontinentale Öl AG, amtierte von 1958 bis 1969 als Präsident der Bundesbank. Noch Anfang der sechziger Jahre empfing er den einstigen »Wirtschaftsbeauftragten des Führers«, Wilhelm Keppler, um ihn bei Privatinvestitionen zu beraten. Keppler war Mitbegründer des Freundeskreises gewesen.

Bis in die Gegenwart wird der Zirkel als ein »Gremium der Funktionslosigkeit« verharmlost, ein Ort eher der Desinformation als der Information. Quellen für diese Einschätzung sind stets die Unternehmer selbst, die sich rückblickend gern als unwissend und verantwortungsfern darstellten. Dabei galten vor 1945 gerade die Mitglieder des Himmler-Kreises in der SS-Führung als besonders vertrauenswürdig, loyal und politisch »sauber«.

... Im Zentrum des Klubs und seiner Treffen stand das informelle Gespräch. Es ging darum, Verlässlichkeit und Vertrauen herzustellen, die auch jenseits der Zusammenkünfte Bestand haben sollten. Hier fand die SS Kooperationspartner, derer sie für ihre Macht-, Wirtschafts- und Gewaltpolitik bedurfte. Bei Kerzenschein und bestem Wein war mit Selbstverständlichkeit von den »asozialen Auswüchsen der menschlichen Gesellschaft«, von »Untermenschen [...], Juden und sonstigen Verbrechern« die Rede.

Heinrich Bütefisch empfand es noch auf der Anklagebank in Nürnberg als eine »besondere Ehre«, dem Freundeskreis angehört zu haben. Einzelne Unternehmer, die dem Kreis weniger aus politischem Fanatismus denn aus kalkuliertem Opportunismus beigetreten waren, ließen von 1941/42 an die Mitgliedschaft ruhen, während zahlreiche andere ihre Zusammenarbeit mit der SS intensivierten. Versteht man Zivilisation als einen Prozess der Gewaltbegrenzung, so offenbart sich, dass gerade in dieser Runde hochgebildeter Männer zivilisatorische Werte einer gemeinschaftlichen Verrohung und einem Diskurs der Inhumanität Platz gemacht hatten. Man sprach über Gewalt, in der Sprache der Zeit.

...

Quote
    flubutjan
    03.10.2011 um 19:14 Uhr

"Zivilisation ein Prozess der Gewaltbegrenzung".

Ja.

Andere sagen: Zivilisierte Menschen sind die, die anderen kein Leid zufügen wollen. Also das Gegenteil von Sadisten, die sich am Leid anderer sogar delektieren.

Die Nazis fanden's schlicht und einfach geil, andere in Angst und Schrecken zu versetzen, sie zu quälen und zu töten. All das erzeugte einen MACHTRAUSCH, der als Kernmotivation dem sadistischen Dominanzwillen zugrundeliegt.


Quote
    hajohans
    03.10.2011 um 17:09 Uhr

Die Fuehrungskraefte der Wirtschaft wussten vom Holocaust
und der kleine Mann wusste es auch! "Bis zur Vergasung" war
eine gaengige Metapher! Die Frage ist, wer was tun konnte.
Die perfekte Ueberwachung und die absolut skrupellose Ver-
folgung der Regimegegner hat bis heute nicht seinesgleichen
gefunden. ...


Quote
    Ostdeutschland
    03.10.2011 um 17:28 Uhr

Nicht nur deutsche Unternehmen wussten von den Verbrechen.
Die Volkszählung 1933 u. 1937,die auch die Identifizierung aller Juden zum Ziel hatte, hätte ohne die Lochkarten-Technologie des amerik.Unternehmens IBM und dessen deutschen Tochterunternehmen Dehomag nicht funktioniert.Das Vermögen der Dehomag wurde nach dem Krieg keinesfalls beschlagnahmt,sondern floß ohne große Schwierigkeiten an den amerikanischen Mutterkonzern zurück.



Quote
    Buria
    03.10.2011 um 18:51 Uhr

Unternehmer wie viele andere auch Schon im Jahre 1943 schrieb der Judenretter Wilm Hosenfeld in einem Brief:
"Mit diesem entsätzlichen Judenmord haben wir eine untilgbare Schande auf uns geladen. Ein unauslöschlicher Fluch lastet auf uns. Wir verdienen keine Gnade, wir sind alle mitschuldig."


Quote
    doraemon
    03.10.2011 um 19:31 Uhr

tierisch

ich stimme ihnen zu, dass die meisten deutschen von den judendeportationen wussten. sie wussten auch, dass "dran glauben musste, wer nicht spurt". die ausmasse der gewalt jedoch haette sich die breite masse niemals vorstellen koennen. sie war ja auch bis ins fruehjahr 1945 nicht direkt mit der unmenschlichkeit des krieges konfrontiert. der krieg macht aus menschen tiere. auch heute haben wir wohl behueteten (dank effektiver propaganda) keine vorstellungen von den wahren ausmassen der greueltaten, die z.b. im arabischen raum begangen werden. haette man den aufsehern von abu ghraib mehr freie hand gelassen, waeren wohl noch so einige unfassbare ueberraschungen ans tageslicht gekommen.


Quote
    think.twice
    03.10.2011 um 22:35 Uhr

Familien?

Habt Ihr denn mal in Euren Familien - mit den älteren Generationen - darüber gesprochen?


Quote
    DS23
    04.10.2011 um 8:56 Uhr

Zur Erinnerung

Es geht hier nicht um das Wissen des kleinen Mannes, sondern um die Verquickung von politischer und wirtschaftlicher Macht zur Steigerung derselben. Und im schlimmsten Falle kommt die militärische Macht noch hinzu.

Es geht um das gegenseitige Vergewissern und Teilhabe an massiven Umverteilungen, die immer im Zusammenhang mit radikalen Veränderungen möglich werden. Nicht umsonst ist ja in Wirtschaftskreisen die Floskel der "kreativen Zerstörung" weit verbreitet. Und nachher will man dann nur zum Wohle des Unternehmens gehandelt haben. Wirtschaftlicher Befehlsnotstand sozusagen.
Und auch dieser Schoss ist noch fruchtbar, vielleicht fruchtbarer als je zuvor.

Gruss, DS23





Aus: "Bei Kerzenschein und bestem Wein" Von Tobias Bütow (3.10.2011)
Quelle: http://www.zeit.de/2011/40/NS-Unternehmer

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« Reply #39 on: December 08, 2011, 02:22:54 PM »

Quote
[...] Matthias Kramer und Dominik Schwarzinger forschen gemeinsam mit zwei anderen jungen Wissenschaftlern zur "Dunklen Triade der Unternehmer-Persönlichkeit".

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SPIEGEL ONLINE: Als unangenehme Drillinge beschreiben Sie Narzissten, Machiavellisten, subklinische Psychopathen. Was sind das für Typen, was unterscheidet sie?

Schwarzinger: Die Narzissten zeichnet in erster Linie überzogene Selbstwertschätzung aus; sie halten sich für die Besten, wollen bestätigt und bewundert werden. Eine gewisse Empathielosigkeit und Arroganz vereinen sie mit einer starken Anspruchshaltung: Narzissten glauben, sie hätten mehr verdient als ihre Mitmenschen - zum Beispiel ein höheres Einkommen und generell einen Platz auf der Sonnenseite des Lebens.

Kramer: Machiavellisten sind manipulative Machtmenschen und kennen viele Strategien, um Gegner unter Druck zu setzen. Anders als Narzissten können sie sich selbst eher realistisch einschätzen und gehen pragmatisch vor. Ihre emotionale Distanziertheit lässt Machiavellisten komplett ausblenden, was andere von ihnen halten mögen - in Konflikt- oder Wettbewerbssituationen kann es von Vorteil sein, sich ganz auf den Sieg zu konzentrieren.

Schwarzinger: Subklinische Psychopathen haben, wie Narzissten, ein übermäßiges Selbstwertgefühl. Noch ausgeprägter als bei den Machiavellisten ist ihre emotionale Kälte und Bereitschaft, ohne Rücksicht und Schuldbewusstsein fürs eigene Wohl zu lügen und zu betrügen. Auf andere wirken sie oft intelligent, unterhaltsam, auch charmant. Aber es ist ein glatter, oberflächlicher und oft aggressiver Charme. Robert Hare, führender Psychopathie-Forscher aus den USA, spricht in diesem Zusammenhang auch von "sozialen Raubtieren": Ihnen würden genau die Dinge fehlen, die wichtig sind für ein gutes Zusammenleben in der Gesellschaft - ein Gewissen, Achtsamkeit gegenüber Mitmenschen. Ein dritter Aspekt ist ein Lebensstil, der gekennzeichnet ist von Reizhunger, Impulsivität und dem Fehlen langfristiger Pläne.

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Aus: "Arrogant, machthungrig, skrupellos"  (08.12.2011)
Quelle: http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,800984,00.html

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« Reply #40 on: December 17, 2011, 12:21:34 PM »

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[...] Den Haag - In katholischen Institutionen in den Niederlanden sind seit 1945 Zehntausende Kinder sexuell missbraucht worden. Die Kirche habe zudem versucht, derartige Fälle aus Angst vor Skandalen zu vertuschen, wie aus einem am Freitag veröffentlichten Bericht einer Untersuchungskommission hervorgeht.

Der Erzbischof von Utrecht, Wim Eijk, bat die Opfer um Verzeihung: "Im Namen der Katholischen Kirche in den Niederlanden möchte ich mich aufrichtig entschuldigen." Nach der Veröffentlichung des Berichts sagte Eijk vor Journalisten: "Das erfüllt uns mit Scham und Schmerz." Er kündigte an, die Opfer sollten Entschädigungen aus einem im November eingerichteten Fonds erhalten, die von 5000 bis 100.000 Euro reichen.

In den vergangenen 65 Jahren sind dem Bericht zufolge zwischen 10.000 und 20.000 Kinder missbraucht worden. Die Vergehen reichten dabei von unerwünschten sexuellen Annäherungsversuchen bis zur Vergewaltigung. Es seien Beschwerden gegen 800 Priester, Mönche, Pastoren und Laien in Kircheninstitutionen eingegangen, teilte die Kommission mit. Davon seien noch rund 105 am Leben. Es war aber unklar, wie viele von ihnen noch in ihren Positionen innerhalb der Kirche arbeiteten. Namen nennt der Bericht nicht.

Die unabhängige Kommission unter der Leitung des ehemaligen Ministers Wim Deetman hatte im vergangenen Jahr ihre Arbeit aufgenommen und mehr als 34.000 Menschen befragt - eine bislang einmalige repräsentative Untersuchung. Die Kommission wirft Mitgliedern der katholischen Kirche in den Niederlanden vor, nicht angemessen auf die Fälle von Kindesmissbrauch reagiert und den Opfern Hilfe verwehrt zu haben. Deetman erklärte, es sei undenkbar, dass die Kirchenführung nichts von dem Missbrauch gewusst habe. Dieser sei teilweise auch deswegen weiter gegangen, weil die katholische Kirche in den Niederlanden aufgesplittert sei, so dass Bischöfe und Ordensgemeinschaften sich mit den Missbrauchsfällen eigenständig befassten und nicht "ihre Schmutzwäsche nach draußen hängten".

Das Zölibat sei nicht die einzige Erklärung für die Missbrauchsfälle. Auch die sexuellen Tabus der Zeit und der Versuch, den Ruf der Kirche schützen zu wollen, seien ursächlich für die Vertuschung. Aufmerksamkeit und Hilfe hätten die Opfer erst seit den neunziger Jahren bekommen. Die Kommission habe allerdings befunden, dass es nicht richtig sei, von einer "Kultur des Schweigens" in der Kirche als Ganzem zu reden, sagte Deetman weiter.

Der Bericht betont außerdem, dass in den Niederlanden insgesamt, und nicht nur in der Kirche, weit mehr Kinder als bislang vermutet in irgendeiner Form sexuell missbraucht wurden. Die Zahl wird bei jener Gruppe von Kindern umso größer, die Teile ihrer Kindheit in Waisenhäusern oder Internaten verbracht haben - unabhängig davon, ob sie katholisch waren oder nicht.

Ähnliche Untersuchungen in den USA, Kanada, Irland, Belgien und anderen Ländern haben ebenfalls weit verbreitete Fälle von Kindesmissbrauch durch den katholischen Klerus und andere Mitarbeiter in Kircheninstitutionen aufgezeigt.

In Deutschland sind bislang weitaus weniger Missbrauchsfälle bekannt geworden. Allerdings gab es hierzulande auch noch keine Untersuchung in dem Ausmaß der von Deetman geleiteten Befragung.

hei/AP/dpa


Aus: "Zehntausende Missbrauchsfälle in Hollands katholischer Kirche" (17.12.2011)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,804379,00.html

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