COMMUNICATIONS LASER #17
May 21, 2012, 05:00:20 PM *
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Author Topic: [Spurensuche und innere Abgründe... ]  (Read 5854 times)
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« on: November 13, 2006, 01:47:06 PM »

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[...] Die Beschäftigung mit Serienmördern bestimmt seit 30 Jahren ihre Arbeit als Psychiaterin. Über mehr als 80 Killer hat sie geforscht und sie oft über Jahre hinweg interviewt. In ihrem aktuellen Buch "Mein Leben unter Serienmördern" berichtet die Profilerin Helen Morrison von prominenten Fällen. Zwar gilt sie als Koryphäe auf ihrem Gebiet, ihre Thesen aber sind höchst umstritten.

"Serienmörder sind nicht geistig behindert oder geistig zurückgeblieben, und haben keinen überdurchschnittlich ausgeprägten Sexualtrieb", meint Helen Morrison. "All die Mythen, die die Erklärungsversuche über Serienkiller hervorgebracht haben, sind grundsätzlich falsch." Richtig ist: Serienmörder gibt es - obwohl Medienphänomen - nicht erst im 20. Jahrhundert. Sie sind auch keine US-amerikanische Erfindung. Es ist ein internationales Phänomen. Da sind sich alle Experten einig. Oft sind es eher normale unauffällige Menschen.

"Der Serienmörder hat kein wirkliches Motiv", erklärt die Expertin. "Er tötet um des Tötens Willen. Das wird ein ganz automatischer Teil seines Verhaltens. Ich bin immer noch fasziniert von der Tatsache, dass sie funktionieren wie ein menschliches Wesen, aber sie sind keine menschlichen Wesen." Diese Behauptung ist ungeheuerlich. Ist John Wayne Gacy beispielsweise, den Morrison über 14 Jahre lang interviewt hat, eine Bestie in Menschengestalt ohne Motiv? Er ist eine Bestie, die aussah wie ein Clown. Gacy, der rund 30 seiner Opfer unter seinem Haus bei Chicago verscharrte, ist eine "andere Art" von Mensch, so Morrison: emotional nicht entwickelt, ohne jegliche Persönlichkeitsstruktur. "Da ist nichts, was von einem Serienmörder widergespiegelt wird", so die Profilerin, "absolut nichts". Man begebe sich hinein in diese Person und da sei nichts. "Da kommt nichts zurück, das bei einem selbst ankommt. Nichts!"


Aus: "Zum Töten wird man geboren" (3sat.de; 27.10.2006)
Quelle: http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/kulturzeit/lesezeit/99598/index.html

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[...] Schlagzeilen gaukeln uns vor: Mit uns, den "normalen" Menschen, hat das alles nichts zu tun. Doch stimmt das auch? Psychisch abnorme Täter sind die absolute Ausnahme. Dorothee Frank weiß das heute. Die preisgekrönte Autorin hat ein Sachbuch über das Töten verfasst: "Menschen töten". Zig Täter hat sie interviewt - Angst eingeflößt haben ihr jedoch nicht die, sondern die Erkenntnis: Fast alle könnten wir in die Situation geraten, die uns anfällig macht, zu töten.

[...] "Als ich mich näher darauf eingelassen habe, die Motive, die Beweggründe nachzuvollziehen, war es erschreckend", bekennt sie. Denn man entdecke "emotionale Prozesse bei diesen Menschen, von denen sie erzählen, die man von sich selbst kennt". Bei der Vorstellung gewisser Lebenssituationen habe sie sich auch dabei ertappt, dass da hin und wieder "ein kleiner verkappter Tötungswunsch" sei, bekennt die Autorin. Was die Täter von uns unterscheidet, ist: Sie haben es getan.

[...] Die monströsen Taten von Sexualmördern wie Marc Dutroux sind einfach die "bessere Story". Tatsächlich sind 70 Prozent aller Tötungsdelikte im deutschsprachigen Europa auf ganz normale zwischenmenschliche Konflikte unter Alkoholeinfluss zurückzuführen. Es sei ganz wichtig, so Dorothee Frank, dass man immer weiß: "Man kann über das Töten sprechen, man kann darüber schreiben, sich damit wissenschaftlich auseinandersetzen - aber es gibt immer einen letzten unaussprechlichen Kern." Unsagbar, unvorhersehbar, was Menschen letztendlich zu Tätern macht - auch uns selbst.


Aus: "Die Bestie ist in uns" (3sat.de; 04.07.2006)
Quelle: http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/kulturzeit/lesezeit/93552/index.html

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Quote
[...] Es ist ein bedrückender Befund, dass unbescholtene Bürger zu Verbrechern werden können. Denn die Taten - gerade in der Zeit des Nationalsozialismus - waren so anormal, dass bis heute die Frage bleibt, wie das alles geschehen konnte. Dem geht Harald Welzer in seinem Buch "Täter" nach - es untersucht die Sozialpsychologie des Massenmords. Für alle Täter, so Welzer, existiert der Wunsch als moralisch handelnde Person angesehen zu werden. Ihnen geht es darum, die mörderische Aufgabe von der eigenen Moral zu trennen: "Es war eben Krieg" oder "Es war ein Befehl".

Töten von Menschen war im Dritten Reich akzeptiert, die Täter handelten in Übereinstimmung mit wissenschaftlicher Lehrmeinung, militärischer Pflichtauffassung und Ehrenkodex. Ein Mechanismus auf dem Weg zum Völkermord ist das Ausgrenzen von Personengruppen. Im sozialen Gefüge muss nur eine einzige Koordinate - die der sozialen Zugehörigkeit - verschoben werden, um das Ganze zu verändern.

Die Massenmorde in Vietnam, Ruanda und Ex-Jugoslawien sind auch ethnisch begründet. 1968 töten amerikanische Soldaten in My Lai nicht nur 504 wehrlose, unbewaffnete Vietnamesen, sondern schlachten zudem deren Vieh und brennen die Häuser nieder. Es gibt weder Befehl noch Grund all diese Menschen zu ermorden, von ihnen geht keine Gefahr aus. Zwischen April und Juni 1994 wurden in Ruanda bis zu 800.000 Menschen umgebracht. Es war ein geplanter, administrativ organisierter und höchst effizienter Massenmord mit zuvor angelegten Opfer-Listen und systematischer Bewaffnung der Bevölkerung. Die Tötungsarbeit war geregelt, strukturiert, wie eine x-beliebige Arbeit.

Srebenica 1995: Der Massenmord der Serben an rund 7000 Muslimen mitten in Europa zeigt, welche Bereitschaft selbst in modernen Gesellschaften besteht, sich für das Töten zu entscheiden. Die ausgeübte Gewalt übernimmt für die Täter strukturierende Funktionen. Sie schafft Ordnung. Alles ist möglich, und es gibt keine Grenze für menschliches Handeln, so Harald Welzers Fazit. Es gibt keinen Massenmord, der nicht seine Täter fände.


Aus: "Die Trennung von Mord und Moral" (3sat.de; 01.09.2005)
Quelle: http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/kulturzeit/lesezeit/82894/index.html

« Last Edit: November 24, 2007, 04:33:23 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #1 on: November 22, 2006, 02:05:08 PM »

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[...] Zwei der ungebetenen Gäste standen Schmiere, der Dritte nahm sich den Zellenbewohner vor und vergewaltigte ihn. Die Szene wiederholte sich - an drei verschiedenen Tagen. Erst dann traute sich das eingeschüchterte Opfer einer Beamtin zu melden, was ihm da angetan worden war. Ähnliches geschah vor wenigen Tagen in der Düsseldorfer Justizvollzugsanstalt. Ein junger Straftäter missbrauchte dort seinen 19-jährigen Zellennachbarn. Im Klever Gefängnis wurde kürzlich erst eine Aufseherin mit dem Messer bedroht und stundenlang als Geisel festgehalten. Zwei Jugendliche schlugen vor noch gar nicht langer Zeit im Knast von Hövelhof einen Aufseher nieder. Während sich in der Haftanstalt von Werl vor einer Woche ein Häftling umbrachte - der zwölfte Selbstmord seit Anfang des Jahres in einem nordrhein-westfälischen Gefängnis.

Alltag hinter Gittern. Klaus Jünschke kennt viele solcher schlimmen Geschichten. Seit 13 Jahren leitet der gelernte Pädagoge und Sozialwissenschaftler eine Gesprächsgruppe mit jugendlichen Häftlingen in der Justizvollzugsanstalt Köln Ossendorf. Der Mord an einem 20-Jährigen im Siegburger Gefängnis, den drei Mithäftlinge zwölf Stunden unbemerkt vom Personal misshandelten und anschließend töteten, hat ihn nicht überrascht. "Für alle, die mit wachen Augen beobachten, was im Strafvollzug läuft, lag eine solche Tat sozusagen in der Luft." Denn Vergewaltigungen, schwerste Schlägereien, Abzockerei, dies alles gehört zum Haftalltag.

Jünschke weiß aus eigener Erfahrung wie es hinter Gittern zugeht. 1977 war der damalige RAF-Terrorist zu lebenslanger Haft verurteilt worden. 1988 wurde er begnadigt, nachdem er sich eindeutig vom Terrorismus losgesagt hatte. Seitdem kümmert er sich um junge Menschen im Gefängnis, gibt demnächst ein Buch heraus über "Gespräche mit Jugendlichen in Haft", bereitet eine Ausstellung über den Zellenalltag vor.

Kopfschüttelnd bekommt er mit, wie sich seit dem Mord in der Justizvollzugsanstalt Siegburg plötzlich alle Welt dafür interessiert, wie es hinter Gittern zugeht. Dabei warnen Leute wie er schon seit langem davor, dass "der Alltag im Knast immer rauer wird. Die Jugendlichen bleiben sich mehr und mehr selbst überlassen." So seien weder ausreichend Arbeitsplätze für sie vorhanden noch ausreichend schulische Angebote, kritisiert Jünschke. "Gefängnisbedienstete beklagen, dass die Zahl der Eltern sinkt, die ihre inhaftierten Kinder überhaupt noch besuchen." Und der hinreichend bekannte Personalnotstand ist für Jünschke nur die eine Seite der Medaille: "Worüber nicht geredet wird, ist die Qualität des Personals."

[...] Von den 7000 jungen Menschen, die derzeit bundesweit in Jugendstrafanstalten einsitzen, sind allein 95 Prozent junge Männer. "Das heißt, Kriminalität ist ein Männerphänomen. Es gibt aber so gut wie keine jungenorientierte Pädagogik hinter Gefängnismauern, die sich mit den Männlichkeitsentwürfen und den Männlichkeitsbildern dieser Jugendlichen befasst", sagt Jünschke. Stattdessen werden die Jugendlichen, wie in Siegburg, in Haftanstalten verwahrt, die noch im Kaiserreich erbaut wurden. 1886 war Siegburg als königlich preußische Strafanstalt errichtet worden. Derzeit sind dort 649 Haftplätze vorgesehen, die allerdings mit 715 Häftlingen überbelegt sind.

[...] In Siegburg war es darüber hinaus, wie vielerorts, zu eng geworden. Um alle unterzubringen, waren die dort inhaftierten 187 Jugendlichen zu viert auf gerade mal 20 Quadratmeter großen Zellen untergebracht. Das hat sich nach dem Mord geändert. Nun dürfen die winzigen Zellen nur noch mit höchstens zwei Gefangenen belegt werden.

[...] "In Siegburg", so erzählte er Klaus Jünschke, "stehen im Hof in der einen Ecke die Russen, in der anderen die Araber, dort die Afrikaner, drüben die Türken und da hinten verdrücken sich ein paar Deutsche". Rassismus und Sexismus, das erlebt Jünschke tagtäglich, nimmt in den Haftanstalten zu. Die Schwelle zur Gewalt sinkt.


Aus: "Foltertod in der JVA Siegburg - "Etwas läuft grundsätzlich schief"" VON INGRID MÜLLER-MÜNCH (fr-aktuell.de; 21.11.2006)
Quelle: http://www.fr-aktuell.de/in_und_ausland/hintergrund/?em_cnt=1013440


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[...] Was aber passierte in Siegburg? Zunächst berichtete die Anstaltsleitung von einem Selbstmord. Dann hieß es, der Gefangene sei von den drei Mitgefangenen in der Nacht zum vergangenen Sonntag sexuell missbraucht und zum Selbstmord getrieben worden. Dann fand die Staatsanwalt Hinweise darauf, dass die 17-, 18- und 20-jährigen Mithäftlinge des Opfers am Samstag beschlossen hatten, ihren Zellennachbarn zu töten.

In der Tatnacht haben sie ihn dann offenbar geschlagen, getreten, gezwungen, Urin zu trinken, schließlich dreimal versucht, ihn aufzuhängen, wobei der Kabelstrick jeweils gerissen sein soll, ihn mit Bettlakenstreifen stranguliert, zwischendurch den Strang vor seinem Tod nochmals gelöst und ihn durch erneutes Schlagen wieder zum Bewusstsein gebracht. Man habe "mal einen Menschen sterben sehen wollen", soll einer der Täter gesagt haben. Dem Opfer sei es einmal gelungen, durch den Rufknopf die Aufsicht zu alarmieren. Diese aber ließ sich von den Tätern mit der Erklärung beruhigen, es handele sich um ein Versehen. Später, nachdem sich andere Gefangene wegen des Lärms beschwert hatten, wurde ein Bediensteter noch innerhalb der Zelle hinters Licht geführt.


Aus: "Subkultur hinter Gittern" Eine Analyse des Rechtswissenschaftlers Arthur Kreuzer (ZEIT online  17.11.2006)
Quelle: http://www.zeit.de/online/2006/47/Haeftlingsmord-Kommentar?page=1

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[...] Die drei mutmasslichen Täter, Mithäftlinge aus einer Gemeinschaftszelle im Alter von 17, 19 und 20 Jahren, haben den Angaben zufolge «weitgehende Geständnisse» abgelegt. Zum Motiv habe einer der Beschuldigten gesagt, sie hätten «einen Menschen sterben sehen» wollen.

[...] Während dieser Quälerei gelang es dem Opfer ein Mal, einen Rufknopf in der Zelle zu drücken und das Aufsichtspersonal zu alarmieren. Die Täter beteuerten aber über eine Sprechanlage, dass sie den Schalter nur versehentlich berührt hätten. Später wurde die Zelle dann sogar von einem Aufseher betreten, nachdem sich andere Häftlinge über Lärm beschwert hatten. Der Beamte habe aber keinen Verdacht geschöpft, sagte der ermittelnde Staatsanwalt Robin Faßbender. Der 20-Jährige lag im Bett und «war wohl schon derart misshandelt, dass er nicht mehr zu irgendwelchen rationalen Handlungen fähig war». Das Opfer verbüsste eine Jugendstrafe von sechs Monaten wegen Diebstahls mit Waffen.


Aus: "Zum Selbstmord gezwungen" (16.11.2006)
Quelle: http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/14301100

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[...] Was genau zu diesem Gewaltexzess führte ist noch unklar. Sicher ist: Auch diese Justizvollzugsanstalt (JVA) ist überbelegt. 372 Häftlinge sind hier inhaftiert, 288 sollten es höchstens sein. Die Betreuungssituation ist gerade am Wochenende schlecht. "Das macht auch teilweise aggressiv, weil wenn man gar nichts hat, man weiß nicht, was man mit sich anfangen soll, man hat nichts, was man verlieren kann", erzählt Häftling Sven.
 

Hinter den Gittern vieler Jugendgefängnisse in Deutschland entsteht so aus Langeweile Frust und schließlich Gewalt. Seit Jahren platzt der Jugendstrafvollzug aus allen Nähten. Für viele Häftlinge bedeutet das: Verwahrvollzug, endlose Stunden absitzen, sinnlos, sich selbst überlassen. Zudem mangelt es im Jugendstrafvollzug an qualifiziertem Personal und an Resozialisierungsmaßnahmen für die jungen Straftäter.


Die Folge: Wenn die Jugendlichen wieder in die Freiheit entlassen werden, sind sie ohne Ausbildung, ohne Chancen, werden leicht rückfällig. Das bestätigt der Kriminologe Christian Pfeiffer, der in einer Langzeitstudie zu alarmierenden Ergebnissen kommt. "Für den geschlossenen Jugendstrafvollzug wissen wir, dass die Rückfallquote nach vier Jahren bereits über 80 Prozent liegt, dass zwei Drittel wieder in Haft geraten - nicht gerade ein Ruhmesblatt für die Anstalten", so Pfeiffer.
 

Dabei forderte das Bundesverfassungsgericht bereits vor einem Jahr eine Reform des Jugendstrafvollzugs. "Ausreichende Bildung und Ausbildung, soziales Lernen in der Gemeinschaft, Schutz der Inhaftierten vor Gewalt, pädagogische und therapeutische Betreuung sowie Entlassungsvorbereitung" sollen gesichert sein. Dazu müssen die Länder bis Ende 2007 Gesetze vorlegen.

Jasper von Schlieffen, Geschäftsführer der Strafverteidigervereinigungen, traut den Ländern allerdings nicht zu, die geforderte Neugestaltung des desolaten Jugendstrafvollzugs zu meistern. Es mangelt an Reformwillen und zunächst auch an Geld: "Aus Sicht der Strafverteidigervereinigung ist durch die aktuelle Lage eine Art Wettbewerb der Schäbigkeit in Gang gesetzt worden. In sechzehn Länderministerien wird parallel an Gesetzentwürfen gearbeitet. Und unsere Befürchtung ist, dass sich diese Entwürfe gegenseitig an rechtsstaatlichen Standards unterbieten."

Aus: "Knast macht krimineller: Versagen im Jugendstrafvollzug" von Gesine Enwaldt und Kersten Schüßler (04.06.2007)
Quelle: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/2/0,1872,5547074,00.html

« Last Edit: June 06, 2007, 10:59:09 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #2 on: December 05, 2006, 10:34:52 AM »

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[...] Richards will vor allem Erkenntnisse aus ihrer früheren Arbeit nutzen: Sie hat sich mit häuslicher Gewalt beschäftigt. "Menschen wachen nicht einfach auf und werden zum Verbrecher", sagt sie. Es gebe eine Vorgeschichte, in der sehr häufig Gewalt gegen Ehepartner oder nahestehende Personen vorkomme. Die Psychologin will solche Kriterien sammeln und daraus ein Profil der besonders gefährlichen potentiellen Täter erstellen.

Die Leiterin der Mord-Präventions-Abteilung der Londoner Polizei ist nicht die einzige, welche die Menschheit vor schweren Straftaten bewahren will - ähnlich wie in Stephen Spielbergs Film "Minority Report". Richard Berk, Kriminologe an der University of Pennsylvania, hat sogar eine Statistik-Software geschrieben, die auf Knopfdruck die Namen jener Menschen ausspucken soll, die bald einen Mord begehen könnten.

Erste Untersuchungen hätten ergeben, dass eine solche Software mit einer um den Faktor 40 verbesserten Genauigkeit künftige Morde vorhersagen könne als herkömmliche Methoden, behauptet Berk laut dem "Philadelphia Inquirer". Das Risiko zum Mörder zu werden, sinke mit zunehmendem Alter - besonders bei Menschen zwischen 18 und 30 Jahren. Der Abfall verlaufe nicht stetig, es gebe vielmehr ab einem bestimmten Punkt einen starken Rückgang des Risikos. Berk stützt seine Thesen auf Analysen einer Datenbank von Personen aus Philadelphia, die zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden waren. 30 bis 40 Kriterien würden pro Betroffenen erfasst - als Ergebnis liefere die Software eine Abschätzung für die Wahrscheinlichkeit eines künftigen Mordes.

Unter Deutschlands Kriminologen stoßen die Konzepte von Richards und Berks auf Skepsis. "Die Idee, gefährliche Täter schon zu entdecken, bevor sie zum Täter werden, ist ebenso alt wie verlockend", sagt Hans-Jürgen Kerner, "manche würden auch sagen: fragwürdig".

[...] "Bei Sexualmördern gab es in der Regel eine Verquickung von Sexualität und Gewalt, die als Kind oder Jugendlicher nicht verarbeitet werden konnte", sagt Robertz. Häufig beobachte man auch Tierquälerei, die mangels funktionsfähiger sozialer Kontakte aber nicht thematisiert werde. "Schließlich werden die dunklen Fantasien immer mächtiger und es kann zur Straftat kommen."

[...] Datenbanken, wie sie die Londoner Psychologin Richards aufbauen will, existieren laut Robertz im Prinzip schon. In den USA gebe es eine namens sie VICAP, in Europa VICLASS. Diese Datenbanken hätten genau den Zweck, Informationen über auffällig gewordene Straftäter zu sammeln. In den deutsche Bundesländern und beim Bundeskriminalamt gebe es zudem OFA (steht für Operative Fall-Analyse) - ein System, das Einflüsse des amerikanischen Profilings übernommen und mit stärker wissenschaftlichen Elementen verknüpft habe.

Die Frage ist, was man mit den Informationen aus solchen Datenbanken macht. Man könnte die besonders gefährlichen Menschen einsperren, bevor sie zur Tat schreiten, wie es Richards offenbar in London vorhat. Aber wen genau will man präventiv wegschließen? Die ersten zehn der Liste oder die Top 100? Und für wie lange? Und vor allem: Mit welcher rechtlichen Grundlage?

Robertz sagt, man könne im Vorhinein aktiv werden, etwa indem man solchen Personen sagt: "Hallo, wir haben dich im Blick". Weitere rechtstaatliche Möglichkeiten gebe es aber kaum. "Man kann schon aus rechtsstaatlichen Gründen niemanden festnehmen, der noch keine Straftat begangen hat", betont der Berliner Kriminologe.

Auch beim Bundeskriminalamt (BKA) hält man eine Top-100-Liste der potentiellen Straftäter für keine gute Idee. "Es gab auch in Deutschland Überlegungen in dieser Richtung", berichtet BKA-Sprecher Dietmar Müller im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Es ging um eine Hitliste für Sexualstraftäter. Dies ist jedoch verworfen worden, in erster Linie aus Datenschutzgründen."

Derartige Bedenken spielen in den USA, wo Adressen verurteilter Sexualstraftäter im Internet veröffentlicht werden, nur eine untergeordnete Rolle. Dem Software-Entwickler Berk geht es vor allem um die Frage, wie viele durch solche Präventiv-Maßnahmen fälschlich beschuldigt würden. Unter hundert zur Bewährungsstrafen Verurteilten gebe es statistisch gesehen einen künftigen Mörder. "Angenommen, ich könnte die zehn mit dem höchsten Risiko identifizieren". Wenn darunter tatsächlich der Mörder sei, dann hätte man neun zu Unrecht verdächtigt. Damit könne man womöglich leben - meint Berk. Juristen dürften das anders sehen.


Aus: "PROFILING AUFGEBOHRT: Kriminologen wollen Morde vorhersagen" Von Holger Dambeck (05. Dezember 2006)
Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,452288,00.html

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« Reply #3 on: December 07, 2006, 12:01:37 PM »

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[...] Kröber, der Direktor des Instituts für Forensische Psychiatrie an der Berliner Charité, zeichnete in seinem Gutachten das Bild eines hochintelligenten und durchaus zu differenzierten Gefühlen fähigen Mannes, der sich aber im Lauf seiner Biographie immer mehr in eine von anderen Menschen weitgehend isolierte, nur noch von seinen eigenen Werten bestimmte Welt zurückgezogen habe. In seinen Beziehungen zu Frauen habe es wiederholt impulsive Gewaltausbrüche und zuletzt auch ein zwanghaftes Bedürfnis nach absoluter Kontrolle gegeben.

Andererseits hätten frühere Partnerinnen Mario M. auch als zugewandt, liebevoll und fürsorglich geschildert, sagte Kröber. Aus einer dieser Partnerschaften ging auch eine heute elfjährige Tochter hervor. Seine letzte Partnerin hatte sich von ihm getrennt, nachdem M. im Juni 1999 ein 14-jähriges Mädchen vergewaltigt hatte.

Während der für diese Tat verhängten Haftstrafe sei in ihm die Vorstellung entstanden, sich eine Partnerin zu beschaffen, die ihm bedingungslos und widerstandslos zur Verfügung stehe und die er ganz nach seinen eigenen Vorstellungen formen und erziehen könne.

Macht und Unterdrückung

Es sei ein "Konzept von Liebe, das Verlust und Enttäuschung ausschließen sollte", erläuterte der Sachverständige.

Mario M. sei sich zwar darüber im Klaren gewesen, dass die sexuellen Missbrauchshandlungen schlimm für das Mädchen gewesen seien, er habe aber die Vorstellung gehabt, Stephanie werde im Laufe der Zeit ihren Widerstand aufgeben und anfangen, ihn zu lieben.

Dass es ihm bei der Umsetzung dieses "Projekts" in Wahrheit um Macht, Unterdrückung und "Sex ohne Limitierung" gegangen sei, habe M. vor sich selbst nicht eingestanden. Er habe zwar sein Bedauern über seine Tat ausgedrückt, tatsächlich halte er aber seine Handlungsweise nach wie vor subjektiv für gerechtfertigt, weil er selbst oft ungerecht behandelt worden sei.


Aus: "Stephanie-Prozess - Ein "Konzept von Liebe"" - Das psychiatrische Gutachten attestiert Mario M. "schwere seelische Abartigkeit". Damit kann er lebenslang in Sicherungsverwahrung eingesperrt werden | Von Hans Holzhaider " (SZ vom 7.12.2006)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,kulm3/panorama/artikel/952/93859/

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[...] Die entführte und wochenlang mißbrauchte Schülerin Stephanie hat nach Aussage der Psychologin Angelika Schrot Todesängste durchgemacht und ist schwer traumatisiert. Nach dem was passiert sei, habe das Mädchen große Angst, sagte die Psychologin am Mittwoch im Dresdner Landgericht. Auch die Eltern seien schwer traumatisiert und würden wie Stephanie psychologisch betreut.

Die sexuellen Handlungen seien für das Mädchen ganz entsetzlich gewesen. „Sie ist gefoltert worden - körperlich und psychisch“, sagte die Traumaexpertin. Stephanie sei derzeit den Umständen entsprechend aber stabil, erklärte die Psychologin. Sie habe eine große Selbstdisziplin, gehe zur Schule und versuche, den Alltag zu bewältigen.

[...] Stephanie habe immer dann, wenn der Täter seine Wohnung verließ, in die Holzkiste steigen müssen. Sie sei in eine Decke eingehüllt gewesen. Er habe sie geknebelt und ihr ein Band über den Mund geklebt und die Holzkiste mit Schrauben verschlossen, so daß Stephanie sich nicht daraus habe befreien können. Die Kiste wurde vor Gericht als Beweismittel präsentiert.

Nach Angaben der Kommissarin wurde bei der Durchsuchung der Wohnung des vorbestraften Kinderschänders auch eine weiße Tasche mit einem großen Loch gefunden, aus der heraus offensichtlich versteckte Videoaufnahmen gemacht wurden. Die Tasche sollte wohl auch zur unauffälligen Beobachtung dienen, berichtete die Zeugin, denn darin sei ein Fernglas entdeckt worden.


Aus: "Stephanie-Prozeß: „Sie ist gefoltert worden - körperlich und psychisch“" (Text: FAZ.NET; Reuters, dpa, AP; 29.11.2006)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub21DD40806F8345FAA42A456821D3EDFF/Doc~EB930D97D78704FC5BC935A9DCB9530FE~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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« Reply #4 on: January 22, 2007, 11:56:40 AM »

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[...] Freunde und Angehörige der Opfer haben oft darüber geklagt, dass die Polizei nicht energisch genug auf die ersten Vermisstenmeldungen reagiert habe - vielleicht, weil es sich um Prostituierte handelte.

Dass die Kritik der Angehörigen nicht ganz aus der Luft gegriffen ist, kann aus dem Bericht eines Ausschusses des Stadtrats von Vancouver vom November 2002 herausgelesen werden: "Es bedurfte der Beharrlichkeit der Angehörigen dieser Frauen, um die Öffentlichkeit auf die verschwindenden Frauen aufmerksam zu machen. Es bedurfte ihrer Entschlossenheit, dass die Polizei ihnen zuhörte." Die Polizei behandelte die Vermisstenanzeigen lange als Einzelfälle. Erst Ende der 90er-Jahre wurden die Ermittlungen intensiviert und nach einem Serienmörder gesucht. Im Frühjahr 2002 wurde mit Baggern und Planierraupen das Erdreich der vier Hektar großen Farm bis zu zwei Meter Tiefe abgetragen und auf Fließbänder gekippt. Polizisten und Gerichtsmediziner durchwühlten, unterstützt von Studenten der Medizin und Archäologie, die Erde. Immer wieder stießen sie auf menschliche Überreste oder Gegenstände, die einem Opfer gehört haben könnten. Die Liste der Opfer wurde immer länger. Bis Mai 2005 wurde gegen Pickton Mordanklage in 26 Fällen erhoben. In einem Gerichtstermin vor einem Jahr plädierte der jetzt 57-jährige Farmer auf "nicht schuldig".

Die Gesichter der Opfer

Die Künstlerin Zoe Pawlak hat Porträts der getöteten Frauen gemalt. Sie sind jetzt in einer Ausstellung in der Interurban Art Gallery in Downtown Eastside zu sehen. Pawlak wendet sich dagegen, dass man nur den Horror wahrnimmt. Sie möchte den 26 Frauen die Würde geben, die ihnen in ihrem Leben oft verweigert wurde. "Porträtmalerei war immer ein Akt des Erinnern und des Ehrens", sagt die 25-Jährige. Die Porträts sollen die Frauen dort ehren, wo sie lebten - in den Straßen von Downtown Eastside.


Aus: "Die Leichen von der Schweinefarm" Gerd Braune (Berliner Zeitung, 22.01.2007)
Quelle: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/vermischtes/622410.html

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[...] Fakt ist, dass mehr als 60 Frauen, meist Prostituierte, seit den neunziger Jahren aus dem Rotlichtviertel von Vancouver verschwunden sind, dass bisher DNA-Analysen auf 33 der vermissten Frauen hinweisen und dass alle Proben vom Grundstück des Schweinezüchters stammen. In 26 Fällen glaubt die Anklage, Pickton Mord nachweisen zu können. Aufgeteilt wurde das Verfahren, weil der Richter befürchtet, dass die Geschworenen nicht mehr als die grausamen Einzelheiten der ersten sechs Fälle verkraften.

Magie de Vries, die Schwester eines der Opfer, sagt: "Die Namen zu hören, geht über alles hinaus, was mein Kopf verkraftet. Ich kann es nicht ertragen."

[...] Der Täter soll die Frauen zerhäckselt und teils verfüttert haben. Noch gibt es für alles, was über die Anfangsermittlungen auf dem sechs Hektar großen Gelände hinaus geht, eine Nachrichtensperre. Die Details werden erst im Gerichtssaal präsentiert. Sie auszuhalten, dürfte die größte Herausforderung für das Gericht werden.


Aus: "Mutmaßlicher Frauenmörder vor Gericht: Kanadisches Gericht verhandelt grausige Mordserie" Von Rainer Sütfeld, ARD-Hörfunkstudio New York (22.01.2007)
Quelle: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6324986_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html

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[...] Seit 1978 verschwanden Huren zu Dutzenden vom Straßenstrich in der Downtown Eastside, dem verwahrlosten Rotlicht- und Drogenviertel Vancouvers. Und doch brauchte es den Protest der Medien und Familienangehörigen, bis die Polizei endlich einen Serienmörder in Betracht zog.

Dies, obwohl schon lange unheimliche Gerüchte über Picktons Schweinefarm und seinen Partyschuppen "Piggy’s Palace" (Schweinchenpalast) in Port Coquitlam, 45 Autominuten von Vancouver entfernt, die Runde machten.

Pickton war bereits 1997 des versuchten Mordes an einer Prostituierten beschuldigt worden, nachdem er sie mutmaßlich in Handschellen legen wollte und auf sie einstach. Die Anklage wurde fallengelassen, weil die Zeugin, die sich vor Pickton retten konnte, von der Polizei als unzuverlässig eingestuft wurde.

Als Marnie Frey im selben Jahr nicht wie üblich abends ihre Mutter anrief, wollte die Polizei lange nicht an ein Verbrechen glauben. Erst im Februar 2002 wurde Robert Pickton verhaftet. Die Polizei hatte illegale Schusswaffen auf seiner Farm gefunden, und die Beamten fuhren fort, die Gebäude und das Gelände zu durchsuchen.

Was sie dort genau entdeckten, darf von den Medien nicht veröffentlicht werden, weil der Richter, der um einen fairen Prozess fürchtet, ein Publikationsverbot verhängt hat. In den folgenden Monaten gruben mehr als hundert Spezialisten die Erde auf der Farm bis zum letzten Krümel um.


[...] Im März 2004 warnten die Behörden in Vancouver vor dem Verzehr von Schweinefleisch von Picktons Farm, da es mit menschlichen Überresten kontaminiert sein könnte. Offenbar hat er die Leichen den Schweinen zum Fraß vorgeworfen. Pickton hatte viele Schweine geschlachtet und deren Fleisch an Bekannte und andere Abnehmer weitergegeben, möglicherweise lagert es noch heute in einigen Gefriertruhen.

Nach Polizeiangaben wurden DNS-Spuren und Überreste von 26 Opfern auf der Schweinefarm gefunden. Auf der Vermisstenliste der Polizei von Vancouver stehen allerdings insgesamt 68 Frauen [...]

Robert Pickton hatte bei den Vorverhandlungen in einem schusssicheren Glaskäfig gesessen, er hatte mit wässrigen Augen in die Ferne gestarrt, ohne Augenkontakt mit den Menschen im Gerichtssaal aufzunehmen. Manchmal hatte er den Kopf geschüttelt oder gelächelt.


Aus: "Das dunkle Geheimnis von Piggy’s Palace" (SZ vom 22. Januar 2007)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/panorama/artikel/923/98825/1/

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[...]  Gina Houston, eine langjährige Freundin, beschrieb den Schweinefarmer als "netten, fürsorglichen Mann", der gerne Frauen hilft. "Er gab Prostituierten lieber etwas Geld, als sie arbeiten zu sehen." Und Bill Hiscox, ein Alkoholiker, der in den Neunzigerjahren auf der Farm arbeitete, nannte Pickton einen "ziemlich ruhigen Kerl, mit dem man nur schwer ein Gespräch anfangen kann".

Auch sei er öfter in einem umgebauten Bus mit getönten Scheiben durch die Gegend gefahren. Es war Hiscox, der 1998 gegenüber der Polizei die Verbindung zwischen vermissten Prostituierten in der Eastside und der Pickton-Farm herstellte. Er erzählte den Polizisten auch von den Damenhandtaschen in Picktons Wohnwagen und dessen "dauernden Besuchen in der Eastside, wo er Frauen aufgabelte".

Die Fahnder reagierten. Dreimal wurde Picktons Bauernhof durchsucht, ohne Ergebnis. Trotzdem galten er und sein Bruder von nun an als "persons of interest", ein juristisch weicher Ausdruck für Verdächtige. Doch überwacht wurden sie nicht. Währenddessen wurde die Liste der vermissten Frauen länger.

Dass Pickton gewalttätig war und auch Prostituierte angriff, war zu dieser Zeit bereits aktenkundig. Im April 1997 nahm er die Prostituierte Wendy Lyn Eistetter mit auf seine Farm. Im Streit verletzte er die Frau mit einem Küchenmesser. Sie konnte sich vom Gelände retten und Anzeige erstatten. Die Klage wurde im Januar 1998 wieder fallen gelassen, weil sie nicht gegen ihn aussagen wollte.

Fünf Monate nach dem geplatzten Verfahren wegen Wendy Lyn Eistetter erhielten die Ermittler den Hinweis einer anderen Prostituierten, in einem Wohnwagen Picktons lägen Tüten voll blutiger Wäsche und die Pässe von Frauen. Wieder gab es eine Durchsuchung, wieder ohne Erfolg. Den Bauernhof fanden die Ermittler verwahrlost vor, übersät mit Müll und Schrottautos. Über dem von Stacheldraht umrahmten Eingang baumelte eine Tafel, die Eindringlinge vor dem Angriff eines HIV-infizierten Pitbulls warnte.

[...]  Jamie Lee Hamilton, ein Transsexueller, der zuvor als Prostituierte in der Eastside gearbeitet hatte und jetzt ein Frauenhaus leitete, gab eine viel beachtete Pressekonferenz, in der er auf die rasant gewachsene Zahl verschwundener Frauen aufmerksam machte.

Doch erst als die "Vancouver Sun" - eine der beiden großen Tageszeitungen der Stadt - im September 2001 eine Serie über die vermissten Frauen startete, wurde der öffentliche Druck groß genug: Die Fahnder rückten Robert Pickton erneut auf den Leib.

Im Februar 2002 schließlich wurde er verhaftet. Im Juni des Jahres begannen die Ermittler der Bundespolizei mit 80 Experten und Spürhunden sowie Dutzenden von Archäologiestudenten, die auf menschliche Knochen spezialisiert waren, die Farm umzugraben.

Auf einem Fließband wurden die Funde sortiert: Knochenteile, Wimpern, Zähne, Hautfetzen, Fingernägel und Schädelstücke. Nicht eine Leiche soll vollständig gewesen sein. Kanadas Bundespolizei benötigte über ein Jahr, um den sechs Hektar großen Bauernhof von Robert Pickton zu durchkämmen.

Dass es auf Picktons Farm nicht ganz normal zuging, haben Anwohner und Mädchen aus der Eastside schon lange erzählt. Pickton und sein Bruder David feierten wilde Partys in einer Scheune, die sie "Piggy Palace" nannten.

[...] Vor acht Jahren inspizierte der Feuerwehrchef von Port Coquitlam den Piggy-Palast, weil die Brüder Pickton keine Lizenz für Tanzveranstaltungen hatten. Randy Shaw beschrieb die Tanzhalle anschließend als professionellen Vergnügungsort mit industrieller Küche, einer großen Bar, einer Bühne, einem Parkett, einem Sound- und Lichtsystem sowie einer Bestuhlung für mindestens 150 Leute. Und nicht nur Prostituierte tanzten hier. Auch zwei Bürgermeister, zahlreiche Stadträte, lokale Wirtschaftsgrößen und sogar Schüler feierten Bankette, Konzerte und Freizeitveranstaltungen im Piggy-Palast.

Die Tageszeitung "Toronto Star" porträtierte Pickton im März 2004 nach Befragung von Prostituierten, die an seinen ausschweifenden Partys teilgenommen hatten, so: "Er war großzügig, kochte für sie, teilte Drogen aus und gab wilde, nie endende Partys."

[...] In den Kühlschränken, wo Pickton unverkaufte Schweinshaxen aufbewahrte, wurden die Füße, Hände und Köpfe von zwei vermissten Frauen gefunden. Die "Vancouver Sun" berichtete unter Bezugnahme auf forensische Spezialisten, dass einige Opfer auch an die Schweine verfüttert wurden. Den Nachbarn erzählten die Pickton-Brüder, sie sammelten auf den Partys Geld für wohltätige Zwecke.

[...] Von manchen der Opfer wurden nur noch Gewebereste gefunden, gerade genug für einen genetischen Fingerabdruck. Die gigantische Suchaktion kostete 40 Millionen Euro und förderte so grausame Funde zu Tage, dass Journalisten, die im vergangenen Jahr der vorgerichtlichen Beweisprüfung beiwohnten, anschließend psychologisch betreut werden mussten.

[...]  Richter Williams hat die Anklage gegen Robert Pickton zweigeteilt. Er fürchtet, die Geschworenen könnten die vielen erschütternden Details aus allen 26 Anklagepunkten nicht auf einmal verkraften. Daher werden im ersten Verfahren gegen ihn zunächst "nur" sechs Morde verhandelt.

Für die Familien der ermordeten Frauen geht das ganze Leid über den Verlust der Angehörigen damit in eine neue Phase. "Da hat sich ein enormer Stress aufgebaut, Schmerz und Leid", sagt etwa Wayne Leng, die in den Neunzigerjahren die Polizei drängte, endlich die Suche nach der wachsenden Zahl verschwundener Frauen zu forcieren. Wayne Lengs Freundin Sarah de Vries war eine von ihnen.

Ihre DNA wurde auf der Pickton-Farm gefunden. Ihr Name steht auf der Liste der Anklage für das Verfahren ab Januar. Sarahs Schwester Maggie hat ihre Geschichte in einem Buch aufgeschrieben. "Missing Sarah" gilt als das detaillierteste Porträt über eine Frau in der Eastside.

Rick Frey, der Vater von Marnie Frey, einer der 26 Frauen, die Pickton auf dem Gewissen haben soll, hat sein Trauma nicht in einem Buch verarbeitet. Er weiß nicht, ob er das anstehende Verfahren durchhalten wird. Im vergangenen Jahr ging er zur Anhörung, als das Gericht prüfte, ob die Beweise für eine Anklage gegen Robert Pickton ausreichend sind. "Als der Anwalt aufstand und erzählte, was sie von unserer Tochter gefunden haben, ist meine Frau kollabiert."

Während Angehörige der Opfer neue Albträume fürchten, rüsten sich Hilfsorganisationen in der Eastside für den Ansturm der Fernsehcrews aus aller Welt, wenn das Verfahren beginnt. "Wenn die ersten Details aus dem Gerichtssaal dringen, wird jede Frau hier in der Eastside - egal wie sehr sie von den Vorgängen betroffen ist - traumatisiert werden", sagt Kate Gibson, die das "Women in Need Safe House", eine Betreuungsstation für Frauen, in Vancouver leitet. Ihr Team hat Fakten über den Handel mit Sexsklaven in Vancouver zusammengetragen und auch einige Videofilme produziert. Sie sollen an Journalisten verteilt werden.

Die Absicht hinter der ungewöhnlichen Vorproduktion: Viele Prostituierte in der Eastside haben ihren Familien nichts von ihrer Tätigkeit erzählt und sollen davor bewahrt bleiben, plötzlich in Fernsehberichten über das Pickton-Verfahren aufzutauchen.

Der Schweinchenpalast, so scheint es, wird seine Schatten noch lange auf die Stadt am Pazifik werfen. Und Robert Pickton, der in Kanada keine Todesstrafe fürchten muss, kann außerdem hoffen. Er hatte laut kanadischem Gesetz die Wahl zwischen einer Jury und einem Berufsrichter und hat sich für die Geschworenen entschieden.

Wenn von den zwölf Juroren und ihren zwei Ersatzleuten nur drei von den anstehenden Enthüllungen traumatisiert werden und aufgeben, dann muss Richter Williams ein "mistrial" erklären, ein Scheitern des Verfahrens. Dann muss der gesamte Prozess neu aufgerollt werden.


Aus: "Massenmörder: Prozess gegen den vermutlich schlimmsten Serienkiller aller Zeiten" Von Markus Gärtner (Artikel erschienen am 22.01.2007)
Quelle: http://www.welt.de/data/2007/01/22/1164691.html?s=3

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Quote
[...] Die kanadische Polizei hat die Kritik an ihrer Arbeit nicht akzeptiert. Ihre Ressourcen seien begrenzt und das Ausmaß des Falles überwältigend, verteidigten sich die Ermittler. Eine Task Force identifizierte 102 verschwundene Frauen, 62 von ihnen galten im vergangenen Dezember noch als vermisst. Auf dem Hof Picktons wurden zudem DNA-Spuren von drei noch nicht identifizierten Menschen gefunden.

Die Mutter eines Opfers, Lynn Frey, äußerte sich bestürzt, dass sie erst in der vergangenen Woche eine Vorladung als Zeugin erhalten habe. "Pickton wurde 2002 angeklagt. Heute haben wir 2007", sagte ihr Mann Rick dem kanadischen Fernsehen. "Brauchen sie fünf Jahre um zu kapieren, dass wir mögliche Zeugen sind?" Lynn Frey will am Montag im Gericht auf den für die Familien der Opfer reservierten Stühlen Platz nehmen. "Ich will wissen, was Marnie passiert ist", sagte sie. Ihre Tochter verschwand 1997 im Alter von 25 Jahren. "Ich weiß nicht, ob ich es ertragen kann, aber ich will es hören."


Aus: "SENSATIONSPROZESS IN KANADA: Schweinezüchter soll 26 Frauen ermordet haben" Von Jeremy Hainsworth, AP (21. Januar 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,461167,00.html
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« Reply #5 on: January 22, 2007, 02:16:49 PM »

Quote
[...] Fritzlar (dpa) - Der 29-Jährige aus dem nordhessischen Fritzlar hatte Geldsorgen. Indem er den Tod seines Bekannten verschwieg, konnte er die Rente des Mannes weiter kassieren, teilte die Polizei am Montag mit. Im Ort erzählte er zunächst, der Rentner sei in ein Pflegeheim gekommen. Als sich Nachfragen häuften, sagte er, der Mann sei gestorben und täuschte eine Urnenbeisetzung vor. Weil es für die Beerdigung keine Genehmigung gab und keine Sterbeurkunde vorlag, schaltete die Friedhofsverwaltung die Polizei ein.

Der Landwirt hatte die Bankvollmacht des Rentners und wickelte eigene Geldgeschäfte über ihn ab, da seine eigenen Konten wegen finanzieller Probleme gesperrt waren. Als der Landwirt den Rentner im Februar 2005 leblos auf dem Hof entdeckte, verbarg er die Leiche, um die Rente weiter zu erhalten.

Zunächst schaffte er den Toten in eine Tiefkühltruhe, kündigte die Mietwohnung des Mannes und bestellte das «Essen auf Rädern» für den Rentner ab. Schließlich taute er den Toten nach eigener Aussage auf, zerschnitt den Körper und gab ihn den Schweinen zum Fraß. Die Überbleibsel verbarg er in der Scheune.


Aus: "Rentenbetrug: Landwirt verfüttert toten Bekannten an Schweine" (06.03.2006)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/landwirt-verfuettert-toten-bekannten-an-schweine/690638.html

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Quote
[...] Brick Top, der missliebige Mitmenschen schlachten und auf seiner Schweinefarm verfüttern lässt, ist nun hinter Tommy und Turkish her.


Aus: "Snatch – Schweine und Diamanten" (01/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Snatch_%E2%80%93_Schweine_und_Diamanten

« Last Edit: July 20, 2011, 02:29:23 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #6 on: February 07, 2007, 02:17:57 PM »

Quote
[...] Berlin (ddp). Ein unsichtbares Netz der Triaden, der China-Mafia, überzieht nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden Deutschland. Alles deutet darauf hin, dass die drei Frauen und vier Männer im China-Restaurant «Lin Yue» im niedersächsischen Sittensen lautlos und brutal von Mitgliedern der Triaden hingerichtet worden sind. Die «Machart», dass die Opfer vorher gefesselt wurden, ist ein «eindeutiges Zeichen für die Handschrift der Triaden», war am Dienstag aus Sicherheitskreisen zu erfahren. «Alle äußeren Tatumstände» sprächen dafür, hieß es. Der Besitzer des Restaurants muss sich nach Einschätzung der Fahnder nachhaltig geweigert haben, weiter seinen festgelegten Schutzgeldbetrag an die Triaden zu zahlen.

Ein Besitzer eines chinesischen Restaurants, der auf keinen Fall genannt werden wollte, schilderte das Vorgehen der Triaden in den Tausenden China-Lokalen in Deutschland. Die Mitglieder der Triaden verständigten sich durch einen Fingercode. Die Triaden-Männer kämen in unregelmäßigen Abständen in sein Lokal zum Essen, meist abends. Sie seien gut gekleidet und hätten tadelloses Benehmen. Zunächst seien sie überhaupt nicht als Angehörige der Triaden zu erkennen. Erst bei der Bezahlung werde der Chef verlangt. «Nach einer bestimmten Handbewegung weiß ich, es ist Zahltag», sagte der Restauranteigentümer. Wie das Geld in welcher Höhe übergeben wird, wollte er nicht verraten. «Das wäre mein sicherer Tod.»

«Das Eintreibungsnetz der Triaden ist nicht zu durchdringen», erläuterte ein Experte. «Wir wissen nur, dass sämtliche China-Restaurants abkassiert werden.» Die Triaden, schon im zweiten Jahrhundert nach Christi Geburt gegründet, erstrecken sich über die ganze Welt. In China gibt es nach Schätzungen etwa 5 000 «Triaden-Brüderschaften». In Europa soll die chinesische Mafia, die wesentlich brutaler als die italienische Mafia agiert, rund 250 000 Mitglieder haben. Sie sollen jährlich 16 Milliarden Dollar mit ihrem kriminellen Vorgehen erwirtschaften.

Einem chinesischen Gastronomen auf der Hamburger Reeperbahn wollten die Triaden einfach die Hand abhacken, weil er nicht zahlen wollte. Die Polizei schätzt, dass so gut wie alle rund 150 chinesischen Restaurantbesitzer in Hamburg Schutzgelder zahlen müssen.

Einige Hauptsitze der Triaden in Europa sind bekannt. Dazu gehört in Großbritannien in Manchester die «Wo»-Gruppe, in den Niederlanden die «Fourteen-K-Bande» und in Paris die «Big Circle». In Deutschland sollen etwa 70 000 chinesische Staatsbürger leben. «Wir haben mit ihnen so gut wie nie Schwierigkeiten. Sie leben eigentlich unauffällig», berichtete ein Polizeiexperte. Die Lokale zahlten offenbar immer pünktlich ihre Schutzgelder. «Das geht im Allgemeinen ohne Aufhebens über die Bühne», sagte der Experte.

Auffällig wurden die Triaden allerdings im Frühjahr 2005. Ihre Schleuser, «Shetous» und «Schlangenköpfe» genannt, schleusten gleich dreimal in kurzen Abständen hintereinander chinesische Landsleute in die Bundesrepublik. Drehscheibe war Bonn. Die Triaden betätigen sich als Menschenschmuggler. Im Raum Bonn konnte die Polizei die eingeschleusten Chinesen befreien. Sie waren in einem erbärmlichen Zustand in Kleinlastern eingepfercht und sollten offensichtlich weiter nach Frankreich und England befördert werden. Die «Shetous» bringen die «Wu Min», die «Namenlosen», die ihr Heil im Ausland als Tellerwäscher, Prostituierte oder Handlanger in Restaurants suchen wollen, von China in alle Welt - gegen ein hohes Honorar.

Die Triaden leiten sich vom Spätlateinischen trias (drei) ab. Modern auf Englisch ausgedrückt: «Triad Society». Es ist die Gesellschaft der «Dreiheit»: Himmel, Erde, Mensch. Mitglieder der Triaden müssen Eide auf absoluten Gehorsam und Verschwiegenheit für Lebenszeit leisten. Rote Gladiolen werden den in Ungnade Gefallenen als Warnung geschickt, «dass ihnen der Tod bevorsteht».


Aus: "Triaden agieren lautlos und brutal" (ddp; Dienstag 6. Februar 2007)
Quelle: http://de.news.yahoo.com/06022007/336/triaden-agieren-lautlos-brutal.html

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Quote
[...] Rise of the Triad oder kurz ROTT ist ein Ego-Shooter für den PC, der am 21. Dezember 1994 von der Firma Apogee Software veröffentlicht wurde. Da in dem Spiel exzessive Gewalt vorkommt, wurde es in Deutschland indiziert.

Das Spiel war ursprünglich als Add-on zu Wolfenstein 3D konzipiert (benutzt auch eine ähnliche Engine) und wurde von Apogee Software als Konkurrenzprodukt zu Doom vermarktet. ROTT ist, in der Entwicklungsgeschichte Apogees/3D Realms', auch der direkte Vorgänger von Duke Nukem 3D.

[...]  Story:
Eine militante Sekte namens „Triad“ will die Weltherrschaft an sich reißen und hat ihr Hauptquartier auf einem Klostergelände. Um den Orden auszuschalten, wird ein Agent eingeschleust, der aber sofort enttarnt und erwartet wird. Dieser muss sich nun in das Herz des Klosters vorkämpfen.

Spieldesign:
ROTT verband altbewährte Elemente des Genres mit neuen Ideen. Maßstäbe setzte vor allem das revolutionäre Waffensystem. Als erster Ego-Shooter ermöglichte es die Aufnahme einer zweiten Handfeuerwaffe. Die Benutzung der Waffen wurde an reale Gegebenheiten angepasst. So konnte die Spielfigur nicht mehr unbegrenzt viele Waffen transportieren.

Auch im Level-Design setzte es neue Maßstäbe, z. B. durch den Einsatz von Glasscheiben und anderer durchsichtig wirkender Objekte. Erstmalig führte der Beschuss auch zu Spuren im Leveldesign, so waren unter anderem Einschusslöcher in den Wänden erkennbar.

Waffen & Effekte:

Die Waffenauswahl in ROTT war, gemessen an den damaligen Ego-Shootern, wesentlich härter und umfangreicher. So gab es Napalm-Flammenwerfer, deren Feuer am Boden entlanglief und vom Gegner nur ein schwarzes Skelett zurückließ, dessen Knochen dann mit einem Xylophonklang zu Boden fielen. Auch gab es hier erstmals automatische Waffen und aus dem Boden kommende Giftgasquellen, denen man nur mit einer Gasmaske entgehen konnte.

Ein ultimatives Extra war die „Hand of God“, welche nacheinander alle Gegner in einem bestimmten Umkreis durch eine Art Lichtquelle eliminierte.


Aus: "Rise of the Triad" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Rise_of_the_Triad

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« Reply #7 on: February 14, 2007, 12:58:21 PM »

Quote
[...] Nach drei Monaten erst machte die Polizei eine Durchsuchung bei Hausbesitzer Mohinder Singh Pandher, einem häufigen Kunden von Payal. Sie ortete Payals Mobiltelefon - es lag im Haus Pandhers.

Rasch wurde klar, dass dieser - oder sein Angestellter Surender Kohli - nicht nur die Prostituierte ermordet hatte. Plötzlich begann die Polizei auf die vielen Anzeigen über vermisste Kinder aufmerksam zu werden, die sich über zwei Jahre lang angesammelt hatten, und deren Spuren die Polizei nicht ernsthaft verfolgt hatte. Im offenen Abwasserkanal hinter dem Haus wurden die sterblichen Überreste von nicht weniger als 17 Leichen gefunden, meist nur noch Knochen. Im Haus fand sich im Verlauf der letzten Wochen nicht nur pornografisches Material in Überfülle, sondern auch Teile von Körpergliedern und Organen. Kohli bekannte, dass er nicht nur Payal, sondern auch die Kinder erwürgt hatte, nachdem sein Arbeitgeber sie sexuell missbraucht hatte. Er habe sich an den Leichen, bevor er sie zerschnitt - und möglicherweise Teile davon verspeiste -, sexuell befriedigt. Es ist unklar, wie viele Opfer einer oder beide auf dem Gewissen haben - die Zahl neu entdeckter Leichenteile nimmt weiter zu.

Medien und Polizei agierten nun hektisch. Auch die Politiker standen Schlange, um die Opfer zu besuchen, ihnen Schmerzensgeld-Schecks auszustellen und die Regierung der Nachlässigkeit zu bezichtigen. Die Nachrichtenkanäle übten harsche Selbstkritik, um dann auch die Polizei heftig zu kritisieren. Ihr Zustand ist in der Tat problematisch. Die gewöhnlichen Polizeigefreiten sind schlecht bezahlt und können von Wohlhabenden damit leicht mit Schmiergeld zum Schweigen oder Nichtstun gebracht werden.

Polizei-Offiziere widmen sich derweil lieber dem Schutz und den Interessen ihrer politischen Dienstherren, die sie mit Versetzungen und Beförderungen nach Belieben belohnen und strafen können. Ein Beispiel war Subinspektorin Simranjeet Kaur, die ins Dorf des Vaters von Payal gegangen war, um die Leute dort zu überzeugen, dass Payal entlaufen sei und der Vater derweil einen ehrenwerten Mann - Pandher - erpresse. Kaur ist inzwischen aus dem Dienst entlassen worden.

Den Platz an den Schranken vor dem Haus Pandhers füllt inzwischen eine andere, größere Menschenmenge - ebenfalls mit Kinderbildern. Aus ganz Nordindien sind Leute zusammengeströmt, deren Kinder ebenfalls verschwunden sind. Sie wollen die Anwesenheit von TV-Kameras nutzen, um die Fotos einer breiten Öffentlichkeit vor Augen zu bringen, in der verzweifelten Hoffnung, Nachrichten der Vermissten zu erhalten. Die Angst, dass diese ebenfalls den Psychopathen Pandher und Kohli zum Opfer gefallen sein könnten, hat über vierhundert dieser Familien bewogen, bei der Noida-Polizei eine Vermisstenanzeige zu machen.

Die Tragödie von Nithari hat damit eine noch tiefer liegende Malaise offenbart. Jährlich werden über 44.000 Kinder in Indien als vermisst gemeldet. Laut P. M. Nair, der eine Studie über Frauen- und Kinderhandel in Indien geschrieben hat, dürfte die Zahl mindestens doppelt so hoch liegen, da viele Kinder gar nicht als vermisst gemeldet werden. Vikas Sawant, ein Vertreter der NGO Pratham in Bombay, schätzt die Gesamtzahl verschwundener Kinder in Indien auf rund drei Millionen.

Das große Gefälle zwischen Arm und Reich, zwischen prosperierenden und bitterarmen Regionen bewirkt einen Migrationsstrom vom Land in die Städte. Rund hundert Millionen Inder verdingen sich auf Arbeitsplätzen außerhalb ihrer Dorfgemeinschaften. Nithari ist das Beispiel eines solchen "Dorfs": die erste Adresse von Menschen aus Bihar und Bengalen, um in Noida und dem nahen Delhi als Hausangestellte, Wächter, Putzleute, Gärtner Arbeit zu finden. Angesichts des Kommens und Gehens in diesem Slum bestand kaum ein Gemeinschaftsgefühl, und als Bürger ohne Identitätspapiere waren sie für die Polizei ohnehin Verdachtspersonen. Deren Untersuchungen richteten sich, entsprechend dem sozialen Vorurteil, dass Verbrechen von armen Menschen begangen werden, gegen diese Neuankömmlinge.

[...] Pinki Virani, Autorin eines Buchs über sexuelle Kindesmisshandlungen mit dem Titel "Bitter Chocolate" zitierte in einem Beitrag in der Zeitschrift India Today den Ausspruch eines Scotland-Yard-Beamten, wonach Indien im Begriff sei, zum wichtigsten Umschlagplatz für internationale Pädophilie zu werden. Die familiäre und ökonomische Problematik wird verschärft durch den mangelnden Rechtsschutz für Kinder. Es gibt keine verbindliche Definition von "Kind", sexueller Missbrauch ist nur bei Vergewaltigung strafbar. Es kommt nur selten zu Vermisstenanzeigen, weil das Gesetz für solche - im Gegensatz zum Tatbestand der Entführung - kaum polizeiliche Untersuchungsschritte verlangt. Die Polizei, sagte Sagar Hudda, ein hoher Polizeioffizier in Delhi, macht sich eher auf die Suche nach einem gestohlenen Auto als auf die Spur eines vermissten Kinds.


Aus: "Indiens vermisste Kinder" Von  BERNARD IMHASLY (taz vom 13.2.2007, S. 13, 279 Z.)
Quelle: http://www.taz.de/pt/2007/02/13/a0180.1/text

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« Reply #8 on: March 21, 2007, 11:34:14 AM »

Quote
[...] Eine im November aufgedeckte Frauenmordserie könnte sich ausweiten: Ein Lastwagenfahrer aus Hof in Bayern, der fünf Morde an Prostituierten in Spanien und Frankreich sowie die Tötung einer 14-jährigen Mitschülerin vor 33 Jahren gestanden hat, kommt nach Polizeiangaben für weitere 13 Morde in Frage.

Wie die EU-Justizbehörde Eurojust in Den Haag mitteilte, steht der 48-Jährige unter dringendem Verdacht, von 1974 bis 2006 mindestens 19 Frauen ermordet oder zu töten versucht zu haben. Der Lkw-Fahrer war am 17. November 2006 bei Köln festgenommen worden, nachdem ihn die spanische Polizei mit internationalem Haftbefehl gesucht hatte.

Der Fernfahrer stand zunächst im Verdacht, eine 20-jährige Prostituierte in der Nähe von Barcelona ermordet zu haben. Das mit einer Schnur erdrosselte nackte Opfer lag in einem Gebüsch.

Im Laufe der Vernehmungen gestand er, von 1999 bis 2006 fünf Prostituierte umgebracht zu haben, davon drei in Spanien und zwei in Frankreich. Als Motiv erklärte er, er habe Sex nur genießen können, wenn er seinen gefesselten und wehrlosen Opfern beim Todeskampf ins Gesicht habe schauen können. Er habe nicht aufhören können zu töten.

Bei ihren Ermittlungen stellten die Beamten zahlreiche Polaroid-Fotos und Haarteile mehrerer Opfer sicher, die der Serienmörder offenbar als Trophäen gesammelt hatte. Der 48-Jährige hatte die Utensilien eigenen Angaben nach seit Jahren in der Schlafkabine seines Lkws aufbewahrt. Einige Fotos zeigten dabei nach früheren Angaben nicht identifizierte Frauen.

Außerdem gestand er, bereits 1974 im Alter von 15 Jahren eine 14-jährige Mitschülerin in Plauen erwürgt zu haben.

Der Fall war in der damaligen DDR als Selbstmord registriert und daher nicht weiter verfolgt worden. Die EU-Justizbehörde geht nun davon aus, dass weitere ungeklärte Mordfälle in anderen Ländern ebenfalls auf das Konto des Lastwagenfahrers gehen könnten.


Aus: "Lkw-Fahrer wird in 19 Mordfällen verdächtigt" (21.03.2007)
Quelle: http://orf.at/070320-10403/index.html

Quelle #2: http://www.nachrichten.at/weltspiegel/530380?PHPSESSID=26598d5077c77809070c3d71d0ee5948

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« Reply #9 on: March 27, 2007, 10:36:43 AM »

Quote
[...] Sie haben hunderte von Mördern, Psychopathen, Gewalt und Sexualverbrecher untersucht. Nach den vorliegenden Zahlen gibt es laut Jérôme Endrass keinen Zweifel, dass alle bisherigen Vorstellungen von Schuldzusammenhang mit einer "schweren Kindheit" nichts als blanker Unsinn sind. "Kriminelle sind nicht Opfer schwieriger Lebensumstände", so Jérôme Endrass, Leiter des psychatrisch-psychologischen Dienstes des Justizvollzugs Zürich und Spezialist für Risk-Assessment, der Gefährlichkeitsbeurteilung von Gewalt- und Sexualstrattätern und Kriminalprognosen.

[...] Die von dem Psychater Frank Urbaniok und einem Team von Wissenschaftlern durchgeführte Studie räumt mit diversen Vorurteilen auf. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass

    * die Täter nicht schlechter gebildet sind als der Durchschnitt der Bevölkerung. Dies gilt sowohl für Schweizer, als auch bei Ausländern.
    * Ein Drittel aller Gewalt und Sexualstraftäter waren einschlägig vorbestraft.
    * Drei Viertel der Täter stammten aus intakten Mutter-Vater-Kind-Familien.
    * Gewalt und Sexualstraftäter hatten Mühe feste Bindungen einzugehen.
    * Bei Jugendlichen Tätern wurden 9 von 10 Tätern rückfällig, bei denen als Jugendlicher bereits eine Erziehungsmassnahme angeordnet wurde. 38% davon sogar mit einem Gewalt- oder Sexualdelikt.
    * Täter, die während ihres Gefängnisaufenthalts eine Ausbildung absolviert haben werden nicht weniger rückfällig als andere, die keine Ausbildung absolvieren.


Aus: "Kriminalstudie: Resozialisierung von Sexualstraftätern nicht möglich" -  Zürich (cc) - Gewalt- und Sexualstraftäter stammen automatisch aus zerrütteten Familien und schwierigen Lebensumständen und hatten eine schwere Kindheit (Montag, 26. März 2007)
Quelle: http://www.carechild.de/news/aktuelle_news/kriminalstudie_resozialisierung_von_sexualstraftaetern_nicht_moeglich_140_1.html

-.-

Quote
[...] Sie sind also überzeugt, dass es in Zukunft weniger Rückfälle geben wird?
Die Zahlen belegen, dass schon in der Vergangenheit therapierte Straftäter nur selten rückfällig wurden. Spezifische Massnahmen sind erfolgreich. Und die Rückfallquote war früher deutlich höher als heute.

Auf welcher Basis liegen diese Erkenntnisse?
Die Studie umfasst Beobachtungen über die letzten fünf bis sechs Jahre. Von den therapierten Straftätern wurden 5 Prozent rückfällig. Ich bin allerdings vorsichtig mit dieser Zahl, denn sie wird über die nächsten Jahre sicher noch steigen, weil Täter ja auch noch viele Jahre nach der Therapie rückfällig werden können.

Welche Zahl ist realistischerweise anzustreben?
Wie behandeln stark rückfallgefährdete Gewalt- und Sexualstraftäter, viele davon befinden sich in Freiheit. Wenn es gelingt, die Rückfallquote solcher Täter auf ca. 10% zu drücken, wäre das schon ein grosser Erfolg. Aber: Welches Risiko bzw. welche Rückfallquote vertretbar ist, muss die Gesellschaft entscheiden, wir können das nicht.

Wird es in Zukunft weniger verwahrte Sexualstraftäter geben?
Es ist sicher so, dass auch in Zukunft einige Straftäter verwahrt bleiben müssen. Seit dem Mord in Zollikerberg 1993 ist man mit solchen Tätern viel vorsichtiger geworden. Aber in unserer Gesellschaft wird die Diskussion immer nur auf die kleine Gruppe der Verwahrten gelenkt. Rund 98 Prozent der Gewalt- und Sexualstraftäter werden aber sowieso entlassen und sind irgendwann wieder in Freiheit. Die Frage ist nur: wurden sie vorher therapiert oder nicht.

Welche Programme sehen Sie in Zukunft für welche Täter?
Für Gewalt- und Sexualstraftäter haben sich sogenannte deliktorientierte Therapiemethoden bewährt. Das sind spezielle Therapietechniken, bei denen das Tatverhalten des Täters ganz im Zentrum der Behandlung steht.

Auch die Berufsausbildung in der Strafanstalt wird in der Studie stark angezweifelt. Soll man sich diesen Aufwand in Zukunft ersparen?
Das kommt auf die Klientel drauf an. Aber unsere Erkenntnisse zeigen, dass sie vor allem für schwere Sexual- und Gewaltverbrecher nicht geeignet ist, um die Rückfallgefahr zu senken. Das zeigt: Man kann nicht flächendeckend mit allen Straftätern das gleiche Programm durchführen.

Quote
    Arbeitsbeschaffung
Es geht doch einzig um Arbeitsbeschaffung für die Therapieindustrie.
von: Pat Beasley
am: 26.03.2007 22:29


Quote
    Für immer hinter Gitter
Gewalt- und Sexualstraftäter gehören für immer hinter Gitter, dies ohne Therapie.
von: Clear
am: 26.03.2007 21:13

Quote
    ja genau
und wenn wir schon undifferenziert Kritik üben: die Raser gehören auch lebenslang eingesperrt, die werden auch alle rückfällig. Und die Bankräuber auch und die Diebe auch und die Handtaschenräuber auch und die Schwarzfahrer auch und die Nasengrübler auch...
von: obi wan
am: 26.03.2007 21:13

Quote
Wegsperren
Das Restrisiko ist zu eliminieren - durch konsequentes Wegsperren. Sextäter dürfen nicht mehr raus, basta.
von: Vorname Name
am: 26.03.2007 19:27


Quote
Kinderschänder
Kinderschänder haben auf dieser Welt nichts verloren. Man sollte Sie auf ein Containerschiff verladen und im offenen Meer den Haien verfüttern.
von: Paul Bernasconi
am: 26.03.2007 17:54

Quote
Lieber zu viel wegsperren
Täter werden wieder mal besser geschützt als Opfer. Mir ist es lieber wenn 100'000 Menschen zu viel verwahrt werden als ein einziger zu wenig! Was das für die Täter bedeutet interessiert mich kein bisschen! Die Sicherheit der Allgemeinheit geht vor!
von: Ramona
am: 26.03.2007 18:13


Quote
Die Sicherheitsfanatiker, ...
geben mal wieder Vollgas hier. Risikominimierung ist eine Frage der Verhältnismässigkeit. Es gibt für Kinder wesentlich grössere Risiken, als die Kundschaft von Urbaniok. Verzichtet ihr etwa aufs Autofahren für spielende Kinder? Wäre auch Risikominimierung.(200 Verl. / einige Tote Kinder / Jahr)
von: Philipp Lenherr
am: 26.03.2007 19:34

Quote
Sexualstraftäter gehören verwahrt
Ein Rückfall ist vorprogrammiert. Man muss nicht Psychiater sein um zu wissen, dass Sexschänder nicht therapierbar sind. Kastrieren nützt nichts, da das Problem im Hirn ist. Ich denke, dass im obigen Artikel von nicht schwer psychisch Gestörten die Rede ist. Aber, jede Tat ist eine zuviel!
von: Susanne Münger
am: 26.03.2007 19:05


Quote
In den Familien hat es die meisten Opfer
Das stimjmt so nicht!! 80% der Täter sitzen zuhause bei ihren Familien und wurden (werden) NIE von IHR angezeigt..
von: Die Wahrheit
am: 26.03.2007 17:30

Quote
Therapie ist billiger als Strafe
Lebenslängliches Wegsperren kostet in jedem Falle mehr, als einen Täter zu therapieren. Herr Urbaniok versucht ja das Rückfallrisiko zu senken, dafür sollte man ihm keinen Vorwurf machen. Es gibt ein Restrisiko. Unbestritten. Die Gesellschaft muss lernen, dieses in Kauf zu nehmen.
von: InDecision
am: 26.03.2007 16:58

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super Nachricht :(
Na toll, nur bis ca. 10%  was für ne Riesenzahl! Und wieder einmal denkt niemand an die Opfer die LEBENSLAENLICH leiden!
von: salomee

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Man kann sich ändern... ABER
Sexualstraftäter sollten für immer verwahrt werden!!! Es gibt schon zu viele Geschichten von Kinderschändern und Vergewaltigern, die Rückfällig wurden! Mal einen Ausraster haben und handgreiflich werden, ok., das kann therapiert werden, aber doch nicht sexuelle "Vorlieben"
von: Nixy
am: 26.03.2007 16:25




Aus: "«98 Prozent der Gewalt- und Sexualstraftäter werden entlassen»" Früher wurde oft vergeblich resozialisiert, heute wird - mit grossem Erfolg - therapiert, sagt Chefarzt Frank Urbaniok im Interview mit 20minuten.ch - Von Marius Egger (26.03.07)
Quelle: http://www.20min.ch/news/schweiz/story/12156781
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« Reply #10 on: March 27, 2007, 11:59:56 AM »

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[...] Einmal erzählte ihm ein Vergewaltiger, dass er zwei seiner Opfer habe laufen lassen, weil er in ihren Augen keine Angst gesehen habe - eine der Frauen bat ihn sogar, sie zu küssen: Es war ihre Rettung.


Aus: "Verbrechen: Er ist der Kartograph des Serienmords" Von Melanie Mühl (22.03.2007, Nr. 69 / Seite 42)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E70636457945C4C34872F3AD073C9AE48~ATpl~Ecommon~Scontent.html


« Last Edit: November 02, 2007, 11:25:32 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #11 on: April 04, 2007, 02:27:49 PM »

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[...] Laut Urteil hat die Angeklagte zwischen 1992 und 1998 acht lebend geborene Kinder unversorgt gelassen, bis sie einen qualvollen Tod durch Unterkühlung erlitten. Dann wickelte die 13fache Mutter die Babys in Plastiktüten und verscharrte sie in Gefäßen. Das Motiv der gelernten Zahnarzthelferin war nach Überzeugung der Richter Angst um ihre Ehe.

Aus: "Neun tote Babys - BGH hebt Urteil auf" (Mittwoch, 4. April 2007)
Quelle: http://www.n-tv.de/787234.html

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« Reply #12 on: April 04, 2007, 02:43:15 PM »

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[...] Nach 22 Jahren im Gefängnis ist ein 50-jähriger US-Amerikaner für unschuldig befunden worden. Er war damals wegen schwerer Vergewaltigung verurteilt worden.
Eine DNA-Analyse bewies, dass das Verbrechen von einem anderen Mann begangen wurde, wie die Justizbehörden in Buffalo im US-Staat New York am Montagabend mitteilten. Ein Richter hob daraufhin die Haftstrafe von 35 Jahren auf.

Der Mann, der als schizophren diagnostiziert wurde, befindet sich zurzeit in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt. Ein Antrag auf Freilassung auf Bewährung wurde in den vergangenen zehn Jahren fünf Mal abgelehnt, weil er das ihm zugeschriebene Verbrechen niemals eingestand. Jetzt aber wird er vermutlich noch in dieser Woche entlassen, wie sein Anwalt mitteilte.


Aus: "USA: 22 Jahre unschuldig im Knast" (03.04.2007)
Quelle: http://www.vol.at/news/welt/artikel/usa-22-jahre-unschuldig-im-knast/cn/news-20070403-07572095

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« Reply #13 on: April 12, 2007, 01:03:14 PM »

Quote
[...] Der Mörder der 21 Jahre alten Alexandra aus Sachsen-Anhalt ist am Donnerstag zu lebenslanger Haft mit Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Jens Jan S. ist als Sexualstraftäter einschlägig vorbestraft.

Nach Überzeugung der Richter am Landgericht Halle hat der 39-Jährige seine junge Nachbarin im November 2004 in sein Haus in dem nur 200 Einwohner zählenden Ort Neujanisroda gelockt - unter dem Vorwand, ihr Handy gefunden zu haben. Dort hat er sie vergewaltigt und erdrosselt. Die Leiche vergrub er im Keller. Die Verteidigung hatte auf eine Verurteilung wegen Totschlags und maximal zehn Jahre Haft plädiert.

Alexandra galt monatelang als vermisst. Ihre Leiche war trotz des Einsatzes mehrerer Suchhunde erst im April 2006 in einem nur 60 mal 60 Zentimeter kleinen Loch im Keller des verwahrlosten Hauses des Täters gefunden worden. Die Ermittler stellten in dem Gebäude DNA-Spuren sowie Alexandras Handy, ihr Fußkettchen und einen Schal als Beweismaterial sicher.

Auf die Spur des Vorbestraften war die Polizei erst nach der Anzeige einer Ex-Freundin wegen Vergewaltigung gekommen. Seit Januar 2006 verbüßte der Mann für diese Tat eine viereinhalbjährige Haftstrafe.


Aus: "Alexandras Mörder erhält Höchststrafe" (nz/dpa; 12.04.2007)
Quelle: http://www.netzeitung.de/vermischtes/612271.html

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« Reply #14 on: November 02, 2007, 11:52:42 AM »

Quote
[...] Das Bundeskriminalamt (BKA) ist eine dem Bundesministerium des Innern nachgeordnete Bundesoberbehörde der Bundesrepublik Deutschland mit Standorten in Wiesbaden (Hauptsitz), Berlin und Meckenheim (Rheinland). Zusammen mit der Bundespolizei und der Polizei beim Deutschen Bundestag ist es eine der drei Polizeien des Bundes.

Es hat die Aufgabe, die nationale Verbrechensbekämpfung in Deutschland in enger Zusammenarbeit mit den Landeskriminalämtern zu koordinieren und Ermittlungen in bestimmten schwerwiegenden Kriminalitätsfeldern mit Auslandsbezug durchzuführen.

Darüber hinaus schützt das BKA die Verfassungsorgane des Bundes. Das BKA vertritt die Bundesrepublik Deutschland bei Interpol als nationales Zentralbüro (NZB).

[...] Ende 1945 wurden von den alliierten Besatzungsmächten erste regionale Kriminalämter eingerichtet. Die Landesregierungen fassten in Abstimmung mit den Alliierten die regionalen Kriminalämter zu „Landeskriminalpolizeiämtern“ zusammen. Das Grundgesetz bestätigte, dass die Polizeihoheit nicht beim Bund, sondern bei den Ländern liegt. Dem Bund wurde lediglich die Befugnis zugebilligt, ein zentrales Kriminalpolizeiamt zu unterhalten. Die verfassungsrechtliche Grundlage findet sich in Art. 73, 87 GG. Nachdem am 15. März 1951 das Gesetz über die Einrichtung eines Bundeskriminalpolizeiamtes (Bundeskriminalamtes) (BKAG) in Kraft trat, wurde Wiesbaden im April/Mai des selben Jahres als Sitz des BKA von der damaligen Bundesregierung ausgewählt. Die Behörde wurde zu dieser Zeit unter der Leitung der Kriminalkommissare und ehemaligen SS-Angehörigen Paul Dickopf und Rolf Holle aufgebaut. Sie übernahm dabei die Aufgaben des Kriminalpolizeiamts für die Britische Zone in Hamburg, das mit Schaffung des BKA als Außenstelle in dieses überführt wurde. Eine eigenständige bundesweite Einrichtung zur Verbrechensbekämpfung war zu dieser Zeit sehr umstritten, sowohl aus Sicht der Länder, die ihre Selbstständigkeit beibehalten wollten, als auch wegen der Forderung der drei westlichen Alliierten, in Berücksichtigung der Erfahrungen mit einer zentral geführten Polizei in der nationalsozialistischen Vergangenheit die Polizei möglichst dezentral zu organisieren. Das BKA erhielt anfangs überwiegend Aufgaben der Koordination ohne so genannte Exekutivbefugnisse. Eine Strafermittlungstätigkeit konnte nur auf besondere Anordnung des Bundesinnenministers oder auf Ersuchen der Länder aufgenommen werden.

1952 wurde das BKA in die Internationale Kriminalpolizeiliche Organisation IKPO (Interpol) aufgenommen. Das BKA war sowohl Zentralstelle für die Länderpolizeien als auch für eigene Ermittlungen in einigen festgelegten Deliktsfeldern zuständig. Noch 1959 hatten nur zwei von 47 leitenden Beamten des BKAs keine NS-Vergangenheit, 33 waren ehemalige SS-Führer.[2] Zu diesem SS-Führern zählte auch Theo Saevecke, der stellvertretender Leiter der Sicherungsgruppe wurde.

Anfang der 1970er-Jahre begann der Ausbau des BKA. Der Generalbundesanwalt wurde nun ermächtigt, das BKA mit polizeilichen Ermittlungen zu beauftragen. 1972 wurde das Inpol-Fahndungssystem mit Standort beim BKA installiert.

1973 wurde das BKA-Gesetz so geändert, dass das Bundeskriminalamt neue Zuständigkeiten in der Bekämpfung bestimmter schwerwiegender organisierter Delikte mit internationalem Bezug erhielt, sofern Ermittlungen im Ausland erforderlich waren. Es war nun zuständig bei international organisierten Rauschgift-, Waffen- und Falschgelddelikten, sowie bei terroristischen Anschlägen gegen Verfassungsorgane des Bundes. Wegen der Aktivitäten der Rote Armee Fraktion (RAF) gründete man 1975 am damaligen Standort Bonn-Bad Godesberg die Abteilung zur Bekämpfung des Terrorismus (TE). Das BKA war nun Koordinierungsstelle im Bereich der Bekämpfung politisch motivierter Gewalttaten. Das Bundeskriminalamt erfuhr auch einen starken personellen und materiellen Ausbau. Die Zahl der Beschäftigten, die 1965 noch bei 818 lag, stieg bis 1980 auf 3.339.

Das Bundeskriminalamt ist heute für die Schengenfahndung in Deutschland zuständig, die nach dem Abbau der Grenzkontrollen in der Europäischen Union als Ausgleichsinstrument der „Schengen-Mitgliedsstaaten“ gegründet wurde.


Aus: "Bundeskriminalamt (Deutschland)" (11/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bundeskriminalamt_%28Deutschland%29#Geschichte

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Quote


Kurzvita
[Dieter Schenk]
Jahrgang 1937
Verheiratet, 4 Töchter
Lebt in Schenklengsfeld und in Berlin
 

Polizeilaufbahn:

    1963-1971: Hessisches Landeskriminalamt Wiesbaden: nacheinander Leiter der Ermittlungszentralstelle für Raub, Diebstahl und Hehlerei; der Ermittlungszentralstelle für Rauschgiftbekämpfung und der Ermittlungszentralstelle für Kapitalverbrechen, Vermisste und unbekannte Tote.

    1971-1972: Polizeiführungsakademie
    1973-1979: Leiter der Kriminalpolizei im Polizeipräsidium Gießen

    1980-1988: Kriminaldirektor in der Stabsstelle Interpol des Bundeskriminalamtes Wiesbaden, zuständig als Berater des Auswärtigen Amtes für die Sicherheit des deutschen diplomatischen Dienstes. Dienstreisen in über 60 Staaten.

    1989: Antrag auf vorzeitiges Ausscheiden aus dem Polizeidienst wegen unüberbrückbarer Gegensätze mit dem BKA insbesondere wegen der Ignoranz des BKA gegenüber Menschenrechtsverletzungen in Folterregime.



Quelle: http://www.publizist-schenk.de/persoenlich.html (11/2007)

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Quote
[...] Führende Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) haben in zwei Jahrzehnten nach dem Krieg das Amt aufgebaut und die Verbrechensbekämpfung der Bundesrepublik wesentlich beeinflusst, obwohl sie selbst in der NS-Zeit schwerste Verbrechen begangen hatten. Diese schockierende Behauptung stellt Dieter Schenk in seinem jüngsten Buch auf und belegt dies mit umfangreichen Materialien aus einem Dutzend Archiven in Deutschland, Polen und in der Schweiz. Da das BKA Schenk eine zeitgerechte Akteneinsicht, trotz einer Genehmigung durch den Bundesinnenminister verweigerte, bisher zu keiner Stellungnahme bereit war und nicht erkennen ließ, sich von den ehemaligen Nazi-Kollegen offiziell zu distanzieren, richtete MdB Ulla Jelpke und die Fraktion der PDS im
Deutschen Bundestag eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung
(Bundestags-Drucksache 14/7520).
Aus den Untersuchungen des Autors ergibt sich, dass das Bundes-kriminalamt von Nazi-Tätern aufgebaut wurde – eine Tatsache, die bis heute schwer zu begreifen ist. 1959 bestand der Leitende Dienst des BKA aus 47 Beamten (und nur er ist Gegenstand der Forschungen) – bis auf zwei hatten alle eine braune Weste. Für das rechtsstaatliche Selbstverständnis des BKA ist es rückblickend als moralische Katastrophe zu bewerten, dass fast die Hälfte der 47 BKA-Chefs als NS-Verbrecher im kriminologischen Sinne bezeichnet werden müssen.
Fünf von ihnen waren Schreibtischtäter des Reichskriminalpolizei-amtes (RKPA), die mitwirkten, unzählige Homosexuelle, „Zigeuner“, „Asoziale“ und sogenannte „Berufs- und Gewohnheitsverbrecher“
im Rahmen des Programms der Vorbeugenden Verbrechensbe-kämpfung in ein Konzentrationslager einzuweisen und damit einem fast sicheren Tod auszuliefern.
16 BKA-Führer waren Mitglieder der Einsatzgruppen in Polen und als Vorgesetzte in die Vernichtung der polnischen Intelligenz verstrickt. Oder sie beteiligten sich als Angehörige der SS-Einsatzkommandos oder der Polizeibataillone in der besetzten UdSSR am Völkermord. Sie befehligten die Geheime Feldpolizei in Weißrussland, die an der Ausrottung der jüdischen Bevölkerung beteiligt war und massen-weise Menschen als Partisanen oder politische Kommissare tötete, wenn nur ein fragwürdiger Verdacht vorlag.
Einige BKA-Vorgesetzte hatten bei Exekutionen selbst „Hand angelegt“ oder waren Einsatzführer an der „Grube“, unter den erbarmungswürdigen Opfern waren auch Frauen und Kinder. Zwei BKA-Führer waren Angehörige von Standgerichten oder SS- und Polizeigerichten. Annähernd jeder Dritte gehörte der Gestapo an, womit die in der Fachliteratur überwiegend vertretene Meinung widerlegt ist, dass wenigstens den Angehörigen der Geheimen Staatspolizei – von Einzelfällen abgesehen – der Zugang in Führungspositionen der Nachkriegspolizei versperrt blieb. Zwei dieser späteren BKA-Führer wurden (im Ausland) verurteilt, alle anderen blieben straflos, überstanden schadlos disziplinare Überprüfungen und gingen als Räte oder Direktoren in allen Ehren in Pension. Sie haben sich nie distanziert oder Reue gezeigt, schon gar
nicht Trauer.

Zieht man eine Bilanz, dann gelten die „alten Nazis“ in der Polizei – bis heute – als rehabilitiert. Sie schwuren nie ihrer Gesinnung ab, vielmehr schlüpften sie gleich zu Anfang durch die nicht ernsthaft betriebene „Entnazifizierung“ und wurden als „entlastet“ eingestuft.

Paul Dickopf, der Architekt des BKA und spätere BKA-Chef (1965 bis 1971) und Interpol-Präsident (1968 bis 1972),wurde 1943 von Abwehrchef Canaris als Doppelspion in der Schweiz eingesetzt. Nach dem Krieg gab sich der ehemalige Kriminalkommissar und SS-Untersturmführer als Widerstandskämpfer aus und agierte als CIA-Agent, der das Vertrauen der amerikanischen Besatzungsmacht genoss. Einer seiner Vertreter im BKA war der ehemalige Kriminalrat und SS-Sturmbannführer Dr. Bernhard Niggemeyer. Er hatte während der Kriegsjahre die Funktion eines Leitenden Feldpolizei-direktors in Russland inne, und seine von ihm verfassten Tätigkeitsberichte beweisen, dass unter seiner Dienst- und Fachaufsicht massenhafte Exekutionen begangen wurden.           
Der andere Vertreter des BKA Präsidenten, Rolf Holle, gehörte bereits vor der Machtübernahme dem NS-Schülerbund und danach der SA Standarte Leipzig an. Als er sich 1939 zum polizeilichen Kolonialdienst bewarb, bat der SS-Hauptsturmführer, der offenbar die Weltmachtansprüche des Regimes verinnerlicht hatte, nach seiner Ausbildung in Deutsch-Südwestafrika oder in der Südsee eingesetzt zu werden.
Die Alliierten ermächtigten Dickopf, ab 1951 ausschließlich ehemalige Angehörige der NS-Sicherheitspolizei für das BKA zu rekrutieren, denen er dort Unterschlupf verschaffte. Auf etwas mehr als 300 Planstellen bewarben sich bis Mai 1951 etwa 8000 ehemalige Mitglieder der Gestapo, des Sicherheitsdienstes (SD) oder der NS-Kriminalpolizei. Das waren fast ein Drittel des gesamten Berufsstandes. So gut wie alle waren Angehörige der NSDAP und der SS gewesen und hatten ihr Handwerk unter Himmler und Heydrich gelernt. Auf diese Weise wurde der Cheffahnder des Reichskriminal-polizeiamtes Cheffahnder des BKA, wie u.a. auch der oberste Biologe, der Leiter der Personenfeststellungszentrale oder der führende Kriminaltechniker in ungebrochener Kontinuität ihre Chefsessel tauschten. Ausdrücklich verzichtete damals das Bundesinnenministerium auf eine Ausschreibung aller BKA-Stellen, da man ja über genügend qualifizierten Nachwuchs verfüge, wobei anzumerken ist, dass auch die Ministerialbürokratie von ehemaligen
Nationalsozialisten durchseucht war.
Das Reichskriminalpolizeiamt war identisch mit dem Amt V des Reichssicherheitshauptamtes, der Terrorzentrale in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße. In Organisation und Arbeitsweisen, fachlichen Richtlinien und dem fast identischen Formularwesen machte Dickopf das BKA zum Abklatsch des Reichskriminalpolizeiamtes unter Ausklammerung der Positionen, die in einem Rechtsstaat unmöglich hätten übernommen werden können. Die neu geschaffene „Sicherungsgruppe“ des BKA versuchte schon in den fünfziger Jahren, ihre Kompetenzen auf dem Gebiet der politischen Kriminalität ständig zu erweitern und die Abgrenzung zwischen Polizei, Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst zu verwischen.
Der Geist der alten Nazi-Seilschaften weht in manchen Bereichen noch immer im BKA. Die Führungsstrukturen sind heute oft so autoritär ausgeprägt wie damals: Vorgesetzte behalten Herrschafts-wissen für sich, behandeln Untergebene arrogant und schirmen sich nach außen ab. Die mangelnde Distanz zu Unrechtsstaaten hatte Dickopf aufgebaut, seinem Beispiel folgend werden weltweit begangene Menschenrechtsverletzungen immerfort ignoriert, denn das tabuisierte Wort Folter fällt auf keiner Interpol-Konferenz – stattdessen werden Diktaturen durch BKA-Entwicklungshilfe noch effizienter gemacht.
Der BKA-Nachwuchs lernt von Generation zu Generation, dass der Feind links von der eigen definierten Mitte liegt. So ist es stringent, dass das BKA jahrelang rechtsextreme Gewalt verharmloste, eigenen Personaleinsatz auf ein Minimum beschränkte und Opferzahlen klein redete. Obwohl zwischen 1990 und 2000 durch Rechtsterrorismus 93 Menschen ihr Leben verloren, hatte das BKA aufgrund eingestandener „Erfassungsdefizite“ weder diese Straftaten alle registriert, noch rechtzeitig Bekämpfungsstrategien entwickelt – ein Beweis, wie halbherzig man dieser Kriminalität entgegenarbeitet.
Bereits im April 2000 genehmigte Bundesinnenminister Schily für das Buchprojekt Akteneinsicht im BKA. Autor Dieter Schenk hat jedoch bis zum Abschluss des Buchmanuskriptes kein Blatt eines Schriftstückes aus dem BKA zur Kenntnis nehmen dürfen. Dies verhindert ein Korpsgeist, der innere Demokratie und Transparenz nicht will. Man scheint eine Mauer des Schweigens errichten und sich trotz entgegengesetzter Ankündigungen in falsch verstandener Loyalität schützend vor die ehemaligen Nazi-Kollegen stellen zu wollen.
Das BKA nahm bisher gegenüber Medien zum Buch keine Stellung mit dem Hinweis, es enthalte „im wesentlichen bekannte Tatsachen“. Die Amtsleitung zeigt bisher keine Neigung, sich offiziell von den ehemaligen Nazi-Kollegen zu distanzieren. Und die Beantwortung der Kleinen Bundestags-Anfrage gipfelt in der Behauptung der Bundesregierung: „Das BKA hat keine nationalsozialistische Vergangenheit, weil es 1951 gegründet wurde.“


Aus: "Innere Sicherheit, Rechtspolitik - 21.03.02: Die nationalsozialistische Vergangenheit des Bundeskriminalamtes und die Folgen bis in die Gegenwart" (Mitteilungen Nr. 177, S.16-17) Von: Tobias Baur
Quelle: http://www.humanistische-union.de/themen/rechtspolitik/rechtspolitik_detail/browse/3/back/rechtspolitik/article/die-nationalsozialistische-vergangenheit-des-bundeskriminalamtes-und-die-folgen-bis-in-die-gegenwart/


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[...] "Aus den bisherigen Untersuchungen ergibt sich, dass das Bundeskriminalamt (BKA) von Nazi-Tätern aufgebaut wurde - eine Tatsache, die bis heute schwer zu begreifen ist. 1959 bestand der Leitende Dienst des BKA aus 47 Beamten - bis auf zwei hatten alle eine braune Weste. Für das rechtsstaatliche Selbstverständnis des BKA ist rückblickend als moralische Katastrophe zu bewerten, dass fast die Hälfte der 47 BKA-Chefs als NS-Verbrecher im kriminologischen Sinne bezeichnet werden müssen." Dieses Urteil fällt der frühere Kriminaldirektor beim BKA, Dieter Schenk, in seinem Buch über "Die braunen Wurzeln des BKA".

Es ist die die erste systematische Untersuchung zur Entstehung des Amtes und das dritte Buch von Schenk zum BKA. In dem Tatsachenroman "BKA - Eine Reise nach Beirut" (1990) durchleuchtete er kritisch das internationale Wirken der Bundespolizei, der er immer wieder die polizeiliche Zusammenarbeit mit Folterregimen und Diktaturen vorhielt. Diese Kooperationen in den Achtzigerjahren waren es auch, die ihn zur Kündigung beim BKA veranlasste. In "Der Chef" (1998) widmete sich Schenk der Zeit der Terrorismusbekämpfung in den Siebzigerjahren und der herausragenden Persönlichkeit des damaligen BKA-Chefs Horst Herold.

Das neue Buch will Schenk als Abschluss einer Trilogie verstanden wissen. In der Führungsspitze des BKA wird man diese Ankündigung mit Erleichterung lesen. Kaum ein BKA-Kritiker hat sich den Zorn der Behördenspitze so zugezogen wie Schenk - vor allem, weil er als ehemaliger Insider detailliert Behördeninterna vorlegen konnte.

Vier der frühen BKA-Führungsleute benennt Schenk als "Schreibtischtäter", die an Deportationen von Homosexuellen, Sinti und Roma, und von so genannten Asozialen mitgewirkt hätten. 15 der ersten BKA-Führer waren nach Schenks Recherchen darüber hinaus Mitglieder der Einsatzgruppen in Polen und als Vorgesetzte in die Vernichtung der polnischen Intelligenz verstrickt. Sie hätten die Geheime Feldpolizei in Weißrussland befehligt, "die an der Ausrottung der jüdischen Bevölkerung beteiligt war, und massenweise Menschen als Partisanen oder polnische Kommissare tötete, wenn nur ein fragwürdiger Verdacht vorlag". Einige hätten bei Exekutionen "selbst Hand angelegt". Jeder dritte der leitenden BKA-Beamten sei zudem ein früheres Mitglied der Gestapo gewesen.

Die Gründer des BKA haben nach Schenk nicht nur die Organisationsprinzipien und Strukturen des früheren NS-Kriminalpolizei nachgebildet. Sie blieben auch der von den Nationalsozialisten kreierten Kategorisierung verhaftet, wenn sie intern von "Elementen", "Gewohnheitsverbrechern", "Asozialen" oder "Zigeunern" sprachen, die "auszuschalten" seien. Penibel rekonstruiert er unter anderem die Vita von sieben Absolventen der "Führerschule der Sicherheitspolizei" von 1938, die später im BKA Führungspositionen einnahmen - unter ihnen Paul Dickopf, der 1965 zum BKA-Präsidenten aufstieg und der Schenk zufolge in den letzten Kriegsjahren als Doppelagent sowohl dem NS-Geheimdienst wie auch US-Diensten zuarbeitete. Später habe sich Dickopf mit einigem Geschick die Legende eines Widerstandskämpfers zugelegt.

Die "Alt-Kriminalisten" im BKA um Dickopf, schränkt Schenk ein, "waren keine offen erklärten Nazis, sie fügten sich - nolens volens - den demokratischen Spielregeln des neuen Staates". In ihren Herzen bewegten sie aber weiter die alten Zeiten, wie Briefe an den "lieben Kameraden Dickopf" belegten. Schenk zitiert die Haltung Dickopfs mit dem Satz: "Die sicherste Methode, die Demokratie zu zerstören, besteht darin, sie zu übertreiben." Paul Dickopf wurde 1970 bei seiner Verabschiedung als BKA-Präsident vom damaligen Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher als "Vorbild für die gesamte deutsche Polizei" gewürdigt.

Vor dem Hintergrund der in Schenks Buch erhobenen Vorwürfe gegen Dickopf wollte die PDS-Abgeordnete Ulla Jelpke Ende 2001 in einer kleinen Anfrage wissen, ob die Bundesregierung eine amtliche "Korrektur" der Bewertung der BKA-Entstehungsgeschichte für notwendig erachte. Lapidar heißt es in dem von Staatssekretär Körper verfassten Antwortschreiben vom 3. Dezember: "Das Bundeskriminalamt hat keine nationalsozialistische Vergangenheit. Es ist im Jahre 1951 gegründet worden". Diese Aussage hat Schenk widerlegt. WOLFGANG GAST

Dieter Schenk: "Auf dem rechten Auge blind. Die braunen Wurzeln des BKA", 372 Seiten, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2001, 22,90 Euro

 

Aus: "Ganz die alte "Führerschule"" (taz, 2002/03/05/)
Quelle: http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2002/03/05/a0166

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[...] Zum Abschluss einer Reihe von Kolloquien zur Entstehungsgeschichte des Bundeskriminalamtes hat BKA-Chef Jörg Ziercke angekündigt, dass die Behörde ein Forschungsprojekt zur weiteren Aufarbeitung der BKA-Vergangenheit in Auftrag geben wird. Unter Verweis auf die Auseinandersetzungen um das BKA-Gesetz betonte Ziercke, dass die aktuelle Arbeit wie auch die historische Forschung deutlich machen soll, wie sehr sein Amt sensibilisiert sei, wenn es darum gehe, die Grundrechte in einer Demokratie zu sichern.

Nach drei Tagungen zur Geschichte des BKAs zog der oberste deutsche Polizist sichtlich zufrieden ein Fazit. Es sei ein Stück weit gelungen, die Übergänge aus der Zeit des Nationalsozialismus zu erhellen, ohne dabei nur von Schuld zu reden. Das aber reiche nicht aus, die Position des BKAs zu vertreten, erklärte Jörg Ziercke. "Ich erlebe das ja im Grunde täglich, wenn es darum geht, die Positionen des Bundeskriminalamtes rechtspolitisch zu vertreten. Im Grunde geht es immer darum, die Sorgen derer ernst zu nehmen, die sich um unseren Rechtsstaat Gedanken machen", erläuterte Ziercke die Motiviation zur historischen Aufarbeitung. Einen Schritt weiter ging der Polizeihistoriker Hans-Joachim Heuer in seiner Stellungnahme: Er wertete den Kompetenzzuwachs beim BKA bis hin zum BKA-Gesetz mitsamt den heimlichen Online-Durchsuchungen von Computern als "empirischen Fall", dass die demokratische Gesellschaft einem BKA vertraue, dass seine Geschichte offenlegt.

Als wissenschaftliches Projekt ist diese Aufarbeitung nach Meinung von Zeithistorikern wie Kriminalisten überfällig: Spätestens seit dem 2001 erschienenen Buch "Die braunen Wurzeln des BKA" des ehemaligen BKA-Kriminaldirektors Dieter Schenk ist bekannt, wie Seilschaften des Reichskriminalpolizeiamtes den Aufbau des BKAs formten. Ein erster Versuch zur Ausrichtung einer solchen Tagung wurde vom damaligen Innenminister Otto Schily (SPD) torpediert. Er erklärte schlicht, dass das BKA 1951 gegründet wurde und damit keine nationalsozialistische Vergangenheit haben könne.

Tatsächlich gab es in den ersten Jahren des Amtes nur zwei von 47 Personen in Leitungsfunktionen, die eine weiße Weste hatten. Der Rest kam von der Gestapo, der geheimen Feldpolizei und vom Sicherheitsdienst der SS. Den zweifelhaften Verdienst, das Amt mit Schergen des III. Reiches zu füllen, kann der frühere SS-Mann Paul Dickopf für sich in Anspruch nehmen, der 1965 vierter BKA-Präsident wurde. Dickopf sorgte dafür, dass seine Studienfreunde, die an der SS-Führungsschule der Sicherheitspolizei in Berlin Charlottenburg ausgebildet wurden, beim BKA eine Stelle bekamen. Die im Kriminalamt "Charlottenburger" genannten Bereichsleiter bestimmten bis in die 70er-Jahre das Klima im Polizeidienst. Untersuchungen über Kriegsverbrechen wurden verschleppt und verhindert; Kriminalisten wurde die Beförderung versagt, wenn sie bei der Gewerkschaft der Polizei engagiert waren.

Die mit den Kolloquien begonnene späte Aufarbeitung der BKA-Geschichte lieferte keine neuen Erkenntnisse. Dennoch bezeichnete der Publizist Ralph Giordano seine Teilnahme als ein "bedeutendes Ereignis meines Lebens". Giordano hat mit seinen Werken den Begriff der "zweiten Schuld" der Deutschen geprägt, die darin bestehe, dass sich die Deutschen nicht ihrer Geschichte stellten und die Nazi-Verbrechen verdrängten. Unter den diversen Festansprachen überzeugte die Rede des jungen Kriminalkomissaranwärters Thorben Meier. Er sprach von der Gefahr einer "dritten Schuld", wenn das BKA in seinen Führungsgrundsätzen sich nicht als demokratische Behörde verstehe, in der Minderheiten ihre Meinung vertreten können.

Mit dem vorläufigen Abschluss der Aufräumarbeiten kehrt das BKA zu seiner Alltagsarbeit zurück. Auf der demnächst stattfindenden dreitägigen BKA-Herbsttagung steht der "Tatort Internet" auf dem Programm, wird "das WWW als Fernuniversität und Trainingscamp" für Extremismen aller Art analysiert. (Detlef Borchers) / (jk/c't)

Quote
1. November 2007 10:38
eigentlich okay, wirkt aber in der heutigen Zeit wie PR und Ablenkungsmanöver
Tyler Durden, JensMander@baldmama.de (mehr als 1000 Beiträge seit 26.06.00)

Also grundsätzlich halte ich eine Aufarbeitung der Geschichte immer
für sinnvoll, aber das Timing ist schon beeindruckend.
Bei dem, was alles an Überwachungsmassnahmen durchgesetzt wurde oder
noch ansteht, interessiert mich jetzt eigentlich Gegenwart und
Zukunft des BKA viel mehr.

TD

Quote
1. November 2007 11:09
Das Timing ist ok, der letzte Nazi-Mörder beim BKA ist tot. (kwt)
Theo Phrast, Theo Phrast (46 Beiträge seit 03.01.07)



Quote
1. November 2007 11:30
Grundrechte in einer Demokratie sichern + annalist.noblogs.org
MarcelChemnitz (624 Beiträge seit 07.03.06)

> Unter Verweis auf die Auseinandersetzungen um das BKA-Gesetz betonte Ziercke,
> dass die aktuelle Arbeit wie auch die historische Forschung deutlich machen
> soll, wie sehr sein Amt sensibilisiert sei, wenn es darum gehe, die
> Grundrechte in einer Demokratie zu sichern.

Das BKA vs. Grundrechte, Demokratie, Freiheit. Das passt alles nicht
zusammen.
Am besten zeigt das der aktuelle Fall Andrej.

Quote
1. November 2007 19:03
Neusprech in Reinkultur
/Rak (mehr als 1000 Beiträge seit 26.10.01)

"Unter Verweis auf die Auseinandersetzungen um das BKA-Gesetz betonte
Ziercke, dass die aktuelle Arbeit wie auch die historische Forschung
deutlich machen soll, wie sehr sein Amt sensibilisiert sei, wenn es
darum gehe, die Grundrechte in einer Demokratie zu sichern."

Ja.
Krieg ist Frieden.
Freiheit ist Sklaverei.
Unwissenheit ist Stärke.
Zircke ist ein Demokrat.
Das BKA und insbesondere die politische Polizei des Staatsschutzes
achtet den Rechtsstaat.

Für wie blöd halten die einen eigentlich?

Oder meinen die, dass sich die nachrichtentechnischen Abteilungen und
die Abteilungen für eigentlich illegale Aktionen (das celler Loch
wurde ja z.B. schon erwähnt) jetzt besonders intensiv um diese
Querulanten kümmern wollen, die immer wieder mit dem Grundgesetz in
der Hand wedeln und was von "Das ist doch keine Demokratie mehr!"
rufen....


Aus: "BKA: Geschichte als Vertrauensarbeit" (01.11.2007)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/98305

« Last Edit: November 02, 2007, 12:27:25 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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