COMMUNICATIONS LASER #17
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Author Topic: [Versprengte Notizen zum Krieg... ]  (Read 44226 times)
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« Reply #30 on: October 29, 2006, 11:16:46 AM »

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12 anti-war protestors dressed as clowns from the Clown Army were
arrested today, 15 October 2006, for clowning around outside Neal
Garnett's place, the chairman of the New Zealand Defence Industry
Association (NZDIA) and organiser of the annual Defence Industry
weapons conference convening at Te Papa Tongarewa this coming Tuesday
and Wednesday.

The Clown Army turned up for a home demo at Neal Garnett's home in
Brooklyn (Wellington) at about 1:30pm today Sunday Oct 15th with
drums, banners and loud chanting. On their departure the clowns were
stopped by 4 police cars, and held until a paddy wagon arrived. All
were taken down to the police station and are still in the process of
being released on bail (as at 7pm). Charges so far for three released
are for "unlawfully being on a property."


From: "12 peace protestors arrested now in Wgtn" (12 peace protestors arrested for "clowning around" at arms dealer's home; 15 Oct 2006; indymedia.org.nz/newswire)
Source: http://indymedia.org.nz/newswire/display/71803/index.php

« Last Edit: June 20, 2007, 02:23:26 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #31 on: October 29, 2006, 12:03:26 PM »

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[...] Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit ist das Bundeswehrkrankenhaus Hamburg zu einem düsteren Nebenkriegsschauplatz der Auseinandersetzungen in Afghanistan, Bosnien und Kosovo geworden: In der Abteilung VI für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie wurde und wird ein Großteil jener (offiziell) rund 1550 deutschen Soldaten behandelt, die als Folge ihrer Erlebnisse und Erfahrungen an schweren psychischen Störungen, vor allem an der selbstzerstörerischen Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden.

[...] Fachleute weisen darauf hin, dass die Zahl der PTBS-Opfer sich von 48 im Jahr 2003 (davon 30 in Afghanistan) auf 140 anno 2005 (davon 86 in Afghanistan und 54 auf dem Balkan) verdreifacht hat. Die "Dunkelziffer" sei allerdings "mehr als besorgniserregend".

Schlaflosigkeit, Wutanfälle bis hin zum "Berserker-Syndrom"

Die Krankheit PTBS zerstört Menschen und Existenzen. Sie äußert sich in Schlaflosigkeit, Wutanfällen bis hin zum "Berserker-Syndrom" und tiefen Depressionen und führt häufig zu Ehekrisen, Scheidungen, beruflichen Katastrophen und bis zum sozialen Absturz.

"Patienten berichten, dass sie ihre Kinder bei Hausaufgabenhilfe geschlagen haben, was sie früher nie getan hätten", sagte Oberstarzt Dr. Karl-Heinz Biesold, Leitender Arzt der Abteilung VI, der auf dem Balkan und in Afghanistan im Einsatz war. "In akuten Fällen sind die Männer nicht aggressiv, sondern gefühlsmäßig taub. Sie spüren keine Gefühlsregung, weder Freude noch Trauer."

PTBS (engl. PTSD von Post Traumatic Stress Disorder) war erst 1980 auf Druck von kranken Vietnam-Veteranen in das Handbuch der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung aufgenommen worden. 500 000 von drei Millionen eingesetzten US-Soldaten leiden an den Folgen des mörderischen Dschungelkrieges. Die Israelis entdeckten während des Yom-Kippur-Krieges 1973 mehr als 3000 Soldaten mit "Schlachtfeld-Schocks".

In Hamburg hat es Dr. Biesold mit Opfern wie David Hallbauer zu tun, der am 13. Juni 1999 in Prizren die ersten tödlichen Schüsse eines Bundeswehrsoldaten abgefeuert hatte, als zwei Serben in einem gelben Lada feuernd auf ihn zurasten. Der 22-Jährige hatte, wie befohlen, erst Einzel-, dann Dauerfeuer abgegeben. Am Ende waren die von 27 Kugeln getroffenen Serben tot. Hallbauer hatte die Bedrohung der zivilen Marktplatzbesucher abgewendet, den ersten Schusswechsel seines Lebens aber konnte er nicht verkraften. Er ist seit drei Jahren in der Hamburger Militärpsychiatrie in Behandlung, seine Bewerbung als Berufssoldat wurde abgelehnt, sein Leben ist ruiniert.

[...] Gebraucht werden jetzt mehr Psychologen für die Früherkennung am Einsatzort, damit man die Nachsorge nicht als Rückzugsgefechte betreiben muss. Wenn nicht, wird die Bundeswehr den "Krieg der Seelen" verlieren.


Aus: "KRIEGSTRAUMATA IN HAMBURG WERDEN SOLDATEN PSYCHOLOGISCH BEHANDELT
"Sie sind nicht aggressiv, nur gefühlsmäßig taub"" Von Günter Stiller (29. Oktober 2006)
Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2006/10/29/631491.html?s=1

-.-

Quote
[...] Zu einer größeren Diskussion über dieses Phänomen kam es erst, als sich das amerikanische Vietnam-Desaster nicht nur als Trauma einer Nation, sondern auch als das von Tausenden einzelner junger Männer erwies. Inzwischen, so berichten die Autoren Andrea Mocellin und Udo Rappenberg, mehren sich die einsatzbedingten Nervenzusammenbrüche auch in der Bundeswehr.

Da erzählt ein Minenentschärfer, wie er sich in Bosnien durch einen Fehltritt den Fuß verkrüppelte. Nicht des körperlichen Schadens wegen arbeitet er jetzt im Büro. Als Vorgesetzter sieht er sich einfach nicht mehr in der Lage, seine Untergebenen einer ähnlichen Gefahr auszusetzen. Ein anderer Soldat schildert, wie ihm das Blut eines zerfetzten Afghanen über den Körper spritzte. Er bekommt seitdem diesen Geruch nicht aus der Nase. Ein anderer stand hilflos vor einem sterbenden Kind. Der nächste lag hilflos neben seinen schwer verletzten Kameraden.

Ein Soldat rief lange noch im Schlaf nach Verbandsmaterial. Ein Mann brauchte psychologische Hilfe, um nach der Rückkehr wieder halbwegs normal mit seiner Familie umgehen zu können. Häufig äußert sich der Psychostress durch Schlaf- und Essstörungen oder durch ständig zitternde Hände. Es kommt vor, dass abends beim Bier jemand unvermittelt losheult. Darüber reden die Betroffenen vor der Kamera bemerkenswert offen. Sie sparen nicht aus, wie schwer es gerade unter vermeintlich abgebrühten Kerlen ist, psychische Probleme einzugestehen, wie stark die Angst ist, fortan als Weichei zu gelten.

Die militärische Führung hat reagiert. Es gibt Trauma-Spezialisten, Truppenseelsorger und geschulte Vertrauensleute. Vor dem Einsatz wird die "psychische Robustheit" der Soldaten getestet und trainiert. Da steigen dann schon mal Kunstblutfontänen aus Unterschenkel-Attrappen.

Unter Allergologen heißt dieses Verfahren Desensibilisierung. Allerdings sollte man sich von derart kontrollierter Abstumpfung für den Ernstfall besser nicht zu viel versprechen. Immerhin: Im Falle der Totenschädel-Kaspereien scheint sie viel effektiver funktioniert zu haben als beabsichtigt.



Aus: "Bundeswehr: Nervenzusammenbruch nach dem Auslandseinsatz" Von André Mielke (15.11.2006)
Quelle: http://www.welt.de/data/2006/11/15/1110958.html

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Quote
[...] Der amerikanische Psychologe Albert Rizzo will traumatisierte Soldaten mit einer Art Computerspiel therapieren: Es versetzt sie in einen virtuellen Irak. Nach einer Studie des Walter Reed Army Institute of Research aus dem Jahr 2004 leidet nahezu jeder achte US-Soldat nach seiner Rückkehr aus dem Irak oder aus Afghanistan an einer post-traumatischen Belastungsstörung (PTSD, Post-Traumatic Stress Disorder). Normalerweise versuchen Ärzte diese Störung durch Antidepressiva und eine Psychotherapie zu heilen, in deren Verlauf sich die Patienten die schrecklichen Situationen, denen sie ausgesetzt waren, in ihrer Vorstellung vergegenwärtigen sollen.

"Das Problem ist, dass eines der Symptome von PTSD ist, Schlüsselreize und Erinnerungen an das Ereignis des seelischen Schocks zu vermeiden", erklärte Rizzo, Psychologe an der University of Southern California, gegenüber der BBC. Bei der jährlichen Tagung der American Association for the Advancement of Science (AAAS) in San Francisco stellte Rizzo seinen Ansatz vor: Er setzt auf Konfrontationstherapie. Dabei hilft ihm ein virtueller Irak – erzeugt auf Basis des kommerziellen Kriegsspiels "Full Spectrum Warrior".

Zur Therapie konfrontiert Rizzos Truppe den Patienten in der Welt des Kriegsspiels noch einmal mit der Situation seiner traumatischen Erfahrung. Eine geschlossene Videobrille versetzt ihn in eine dreidimensionale Umgebung von üblicher Videospiel-Qualität, die einer typischen Straßenszene oder der Wüste im Irak nachempfunden ist. Die passenden Umgebungsgeräusche kommen aus Lautsprechern, für zusätzlichen Realismus sorgt der künstliche Geruch von Diesel, Pulverqualm, brennendem Gummi oder Schweiß; Subwoofer lassen den Stuhl des Patienten bei Explosionen erzittern. Ein Therapeut führt in das Szenario nach und nach Elemente ein, die mit den traumatischen Erfahrungen des Patienten zu tun haben. Die Palette reicht von spielenden Kindern über Sandstürme bis hin zu plötzlichen Explosionen. Über ein so genanntes "Wizard of Oz"-Interface kann der Therapeut das Szenario in Echtzeit steuern, direkt verändern und damit unmittelbar auf den Patienten reagieren. Dabei fange man bei einem minimalen Angstniveau an und steigere es allmählich, erläuterte Rizzo sein Konzept.

Rizzos Forschungsprojekt wird durch das US Office of Naval Research (ONR) gefördert. Sein Verfahren wurde bisher in klinischen Studien an zehn Orten in den USA erprobt. Die Behandlung haben bisher allerdings erst vier Patienten abgeschlossen, andere hätten die Therapie nach ein oder zwei Sitzungen abgebrochen. Rizzo zeigt sich dennoch optimistisch und bezeichnet laut BBC die ersten Ergebnisse als "ermutigend": "Direkt nach der Behandlung sehen wir Fortschritte", sagte der Psychologe. Der "virtuelle Irak" helfe insbesondere gegen Alpträume und Flashbacks – und mache die Patienten wieder fit für ein normales Arbeits- und Privatleben.


Aus: "Kriegsspiel soll gegen Kriegstrauma helfen" (20.02.2007)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/85600

Quelle# 2: http://news.bbc.co.uk/2/hi/science/nature/6375097.stm

« Last Edit: February 21, 2007, 11:55:44 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #32 on: October 30, 2006, 10:17:04 AM »

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[...] In seinem letzten Werk Die blinde Elite. Macht ohne Verantwortung zeichnete der amerikanische Soziologe Christopher Lasch kurz vor seinem Tod 1994 eine bemerkenswerte Beobachtung auf. Er schrieb, es bestehe eine "wachsende Unfähigkeit, an die Realität zu glauben - entweder an die Realität der inneren Welt oder die der öffentlichen Welt, entweder an einen stabilen Kern der persönlichen Identität oder an die reale Möglichkeit einer Politik, die sich über das Niveau von Platitüden und Propaganda erhebt" (Hoffmann & Campe 1995, S.208).

[...] Die sogenannte Modernisierung der Politik erweist sich bei näherer Betrachtung als ihre Abkehr von ihrer traditionellen öffentlichen Aufgabe, Konzepte und Argumente vorzutragen, oder für ihr Handeln Rechenschaft abzulegen. Die neue politische Elite neigt statt dessen dazu, die Bürger zum passiven Objekt ihrer Maßgaben und Sprachregelungen zu degradieren.


Aus: "Der Krieg und der moralische Autoritarismus" Von Sabine Reul (Juli/August 1999)
Quelle: http://www.novo-magazin.de/41/novo4110.htm

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Quote
[...] Die linguistische Theorie der Euphemismus-Tretmühle besagt, dass jeder Euphemismus, obwohl er sich im Gebrauch durchgesetzt hat, um einem Sachverhalt eine positiv anklingende Bedeutung zu geben, irgendwann die negative Bedeutung seines Vorgängerausdrucks annimmt, solange sich die tatsächlichen Verhältnisse nicht zum Positiven ändern. Ein Euphemismus wird dann häufig als Ironie oder Zynismus aufgefasst, wird jedoch in der Folge oft durch einen neuen Euphemismus abgelöst (Wortuntergang).


Aus: "Euphemismus-Tretmühle und Wortuntergang" (10/2006)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Euphemismus

-.-

[...] Kontrolle der Kriegsberichterstattung durch Zensurvorschriften und Sprachregelungen...

[...] Doch Begriffe zu besetzen und Sprachregelungen vorzugeben, gehört nun einmal...

[...] Statt dessen wird man über Sprachregelungen streiten, die es den Delegierten erlauben, ihr Gewissen zu beruhigen...

[...] Die Gesetze von Krieg lassen sich nicht durch Konventionen festhalten. Ob das Grauen herunterneutralisierende, „beschönigende Sprachregelungen“....

[...] Sie waren den Weisungen und Sprachregelungen der NATO-Zentrale unterworfen...

[...] Schnell wurden auch Sprachregelungen getroffen, welche die Vorfälle...

[...] So versteckt sie ihre Lebenslügen hinter diplomatischen Sprachregelungen...

[...] einheitliche Sprachregelungen fuer die Medien...

[...] Politisch-mediale Sprachregelungen in einer dem Recht und dem Selbstbild...

[...] Die Sachlage ist so zynisch, wie es sich für einen Krieg gehört...

[...] Es gab Sprachregelungen, politische, pädagogische, die nicht immer bis ins Innere...

[...] Bilder vom Krieg, die gibt es nur vom bösen Feindesstaatssender oder aber von der schlagenden Verbindung - offizielle Sprachregelungen waren äußerst bemüht...

[...] Sprachregelungen: Aus zivilen Opfern wurden gemäß den Vorgaben...

[...] um ja nicht von den offiziellen Sprachregelungen und Phrasen abzuweichen...

[...] Nur wenn sich Risse in der Mauer der ,,Sprachregelungen" zeigen...

[...] Um die offiziellen Sprachregelungen der tschetschenischen Seite handelt es sich auf dieser Internet-Seite jedoch nicht...

[...] Die Einstimmung auf den totalen Krieg gegen den Terrorismus, die Propaganda und die Sprachregelungen kommen subtiler vielleicht als zu NS-Zeiten daher...

[...] Egal wie Sie es nennen, die Erklärung, worum es in diesem Krieg geht...

[...] Jetzt ist Krieg, und deshalb ist das, was wir sehen, auch eine Metapher für...

[...] Unermüdlich wiederholt der Brigadegeneral das halbe Dutzend Sprachregelungen...

[...] sich an gewisse Sprachregelungen und Verhaltensweisen zu halten.

[...] Immer neue Sprachregelungen dienten der Verschleierung...

[...] so gewöhnen sich auch Journalisten an bestimmte Sprachregelungen...

« Last Edit: October 30, 2006, 11:12:11 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #33 on: October 30, 2006, 11:27:38 AM »

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Kriege im 21. Jahrhundert: MEDIEN
######################

Liste der zentralen Begriffe:

Kriegsberichterstattung (Objektivität, Subjektivität, Sensationsmedien,
Einschaltquoten,…)

Information (Falschinformation, militärischen Informationsoperationen, „Pool-Berichte, ..)

Propaganda (Public-Affairs-Operationen, Image –Pflege,..)

Kontrolle (Beeinflussung, Auswahl von ReporterInnen an der Front, Zensurvorschriften, Sprachregelungen, Medienbosse …)

Internet, Fernsehen, Nachrichten, Zeitungen, ..

Kommunikationstechnologie (schnelle Übertragung von Medien weltweit, Satelliten, unmittelbare Fernsehverbindungen von der Front ins Studio)

Psychologische Kriegsführung (Erzeugung von Feindbildern, Videobotschaften,
Demoralisierung des Gegners,… )

Öffentlichkeit (Meinung, Urteilsbildung,..)


Aus: "FoP Kriege im 21. Jahrhundert" Dr. Eva Kreisky (2004)
Quelle: http://evakreisky.at/2004/fop/biblio.gruppe2c.pdf

« Last Edit: October 30, 2006, 11:29:44 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #34 on: November 21, 2006, 10:24:40 AM »

Quote
[...] Im Interview mit der Wochenzeitung "Freitag" warnt das CDU-Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Deutschen Bundestages, Willy Wimmer, vor einem "großen Krieg". "Ich denke", so Wimmer, "wir wissen doch durch die Ereignisse vor dem 1.September 1939 und während des Zweiten Weltkrieges zur Genüge: Das internationale Recht ist die letzte Chance, uns vor einem großen Krieg zu bewahren. Wenn ihn niemand will, muss das auch so deutlich ausgesprochen werden." Das, was der einstige Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium so deutlich aussprach, war, dass der NATO-Gipfel Ende November in Riga sich vornehmlich mit dem Wunsch der USA befassen wolle, das amerikanische Sicherheitssystem im Pazifik stärker mit den Sicherheitsstrukturen der NATO zu verknüpfen. Für Wimmer bedeutet das, dass "ein derart substanzielles Abkommen wie der NATO-Vertrag einfach verändert werden" solle. "Wenn wir dem nicht Einhalt gebieten, verlassen wir endgültig die Ebene des internationalen Rechts". Wimmer hält dann den Einsatz der Bundeswehr auch in Asien für möglich, beispielsweise in Korea oder an der Straße von Taiwan. Das müsse man wissen, um zu erkennen, "in Konflikte welcher Dimensionen man damit geraten kann". Sollte das Vorhaben durchkommen, plädiert Wimmer für einen Austritt aus der NATO. Er kritisiert auch einen möglichen Bundeswehreinsatz im Süden Afganistans.

[...] Vertreter von FDP und Grünen hatten sich unlängst für einen militärischen Beitrag im Sudan stark gemacht und kritisierten, dass für Auslandseinsätze der Bundeswehr zu wenig Soldaten zur Verfügung stünden. FDP-Fraktionsvize Werner Hoyer hatte gesagt, der Anteil der für Auslandseinsätze zur Verfügung stehenden Soldaten sei "deutlich zu gering". "Wenn die Auslandseinsätze unsere vorrangige Aufgabe sind, dann müssen wir mehr als die maximal 10.000 Mann, die heute dafür möglich sind, einsetzen können", so Hoyer.

Grünen-Fraktionsvize Jürgen Trittin hatte gefordert, "dass mehr Soldaten für Auslandseinsätze zur Verfügung stehen müssen, als es die Bundesregierung vorsieht". Wenn Deutschland bei einer Armee von 250.000 Männern und Frauen nicht mehr als 10.000 Soldaten im Ausland einsetzen könne, handele es sich "um gigantische Fehlplanung", so Trittin.

Einst hatten die Grünen den Austritt aus der NATO gefordert, weil sie die Gefahr sahen, dass deutsche Soldaten wieder in den Krieg ziehen müssten. Jetzt fordert dies angesichts der zunehmenden Auslandseinsätze der Bundeswehr und wegen einer Mißachtung des internationalen Rechts ein ehemaliger Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium und Außenexperte der CDU.

Quote
Zu diesem Beitrag gibt es bislang 1 Leser/innen-Brief.

Rainer Karow, Langballigholz, 20.11.06:

Es gehört mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als immer das Selbe zu verkünden oder der Partei oder Fraktion nach dem Munde zu reden. Das gilt für Herrn Wimmer genauso, wie für Herrn Tritin. Was die beschriebene Möglichkeit eines neuen "großen Krieges" angeht, so kommt diese Warnung zur rechten Zeit. Die Zusammenlegung von SEATO und NATO unter amerikanischer Anleitung dient in der Tat einer Klammerbildung des asiatischen Raumes einerseits und einem Driftstemmeisen zwischen Rußland und China, anderseits. Davor kann man nur warnen, ist es in jedem Falle die falsche Politik. Egal unter welchem Ansatz. Für Deutschland kann es nur heißen: raus aus Aufganistan, raus aus dem Irak und rein in die EU. Wir können nicht in der ganzen Welt für Frieden sorgen, aber vor der Haustüre. Und das heißt: stärken wir die EU und machen Sie handlungsfähig. Wir sorgen damit hier für Frieden und soziale Stabilität, für wirtschafltiche Weiterentwicklung und für die Rückführung auf ethische und menschliche Werte. Im Innern wie im nahen Einflußgebiet, die dringend unsere Friedensmöglichkeiten benötigen. Auch kann damit endlich dafür gesorgt werden, daß die Krake der Begehrlichkeiten der Behörden nach lustvoller Überwachung und Unterwerfung des Souveräns zum "gläsernen Bürger" sowie der Totalkontrolle der Finanzämter jeglicher wirtschaftlicher Entscheidungen, um auch die letzte Idee eines Briefes in eine steuerabzockende Größe zu verwandeln, Einhalt geboten werden. Das Ende der Entwicklung wird sonst im Chaos, Bürgerkrieg und Niedergang des Kontinents münden wie einst Griechenland zu Rom. Nur wer wird die Rolle Roms diesesmal ausfüllen? Rußland? Oder werden wir zur Westgrenze Chinas?

Quo Vadis - Dämlichkeit?


Aus: "Austritt aus der NATO gefordert: CDU-Außenexperte Wimmer warnt eindringlich vor einem großen Krieg" (20. Nov. 2006)
Quelle: http://www.ngo-online.de/ganze_nachricht.php?Nr=14771


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« Reply #35 on: November 22, 2006, 11:01:39 AM »

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[...] Der Militärhaushalt soll in den kommenden Jahren massiv erhöht werden. Der Haushaltsentwurf, über den der Bundestag am heutigen Mittwoch debattiert, sieht für 2007 eine Zunahme auf 28,4 Milliarden Euro vor – eine halbe Milliarde mehr als dieses Jahr. Bis zum Jahr 2011 soll der Kriegsetat um eine weitere Milliarde wachsen.

Die erhöhten Mittel kommen fast ausschließlich den »verteidigungsinvestiven Ausgaben« zugute, also der Entwicklung und Beschaffung neuer Waffen und Munition. 6,5 Milliarden werden hierfür ausgegeben. Zu diesem Bereich gehören auch Baumaßnahmen, um die Truppe optimal auf Kriegs­einsätze in aller Welt vorzubereiten. Vor allem Flugplätze und Bundeswehrkrankenhäuser sollen neu- bzw. umgebaut werden.

Die größten Ausgaben kommen der Luftwaffe zugute. Allein für Hubschrauber sind über 800 Millionen Euro vorgesehen, hinzu kommen 1,3 Milliarden Euro für Flugzeuge. Panzerabwehrraketen und Schützenpanzer des Typs Puma runden das Bild ab und kosten weitere 400 Millionen. Für Auslandseinsätze sind im kommenden Jahr 642 Millionen Euro vorgesehen.

Zwei Dinge fallen auf: Zum einen bleiben die laufenden Betriebsausgaben sowie die Versorgungsausgaben für pensionierte Soldaten praktisch stabil, während der Anteil der Beschaffungsmaßnahmen wächst. Zum anderen zielt die Beschaffungspolitik vordringlich darauf, die Angriffskapazitäten zu erhöhen. Waffensysteme wie Eurofighter und Hubschrauber sind für Angriffe auf schwerbewaffnete Gegner geeignet, aber kaum zur Stabilisierung demokratischer Staatswesen oder zur Bekämpfung kleiner, hochmobiler Rebellengruppen, was angeblich das Ziel der Bundeswehr sein soll.


Aus: "Über 30 Milliarden fürs Militär - Verteidigungshaushalt: Bundesregierung will Angriffskraft erhöhen
" Von Frank Brendle (jw; 22.11.2006 / Inland / Seite 1)
Quelle: http://www.jungewelt.de/2006/11-22/007.php

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Quote
[...] Berlin (ddp). Die Bundeswehr kann 2007 mit rund 500 Millionen Euro mehr rechnen als im laufenden Jahr. Das sieht der vom Bundestag geänderte Wehretatentwurf vor, den das Parlament am Mittwoch in Berlin in zweiter Lesung beriet. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) zeigte sich erfreut über die Aufstockung. Damit sei «eine tragfähige und gute Grundlage» für den Modernisierungsprozess der Streitkräfte gelegt worden. Der Verteidigungshaushalt sieht für 2007 Ausgaben in Höhe von 28,4 Milliarden Euro vor und ist damit der zweitgrößte Einzeletat eines Ministeriums.


Aus: "Jung froh über Millionen-Aufstockung des Wehretats" (22. November 2006)
Quelle: http://de.news.yahoo.com/22112006/336/jung-froh-millionen-aufstockung-wehretats.html



« Last Edit: November 23, 2006, 01:09:18 PM by lemonhorse » Logged
lemonhorse
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« Reply #36 on: November 30, 2006, 02:16:05 PM »

Quote
[...]  In Tschetschenien, vor der Haustür Europas, ist mittlerweile eine ganze Generation ohne Kindheit aufgewachsen. Seit Beginn des ersten Tschetschenienkrieges im Jahr 1994 gehören Minendetonationen, Verschleppungen, Vergewaltigungen und Tod zu dem Alltag der tschetschenischen Kinder.

Nach Schätzungen internationaler Menschenrechtsorganisationen sind 42.000 Kinder in den beiden Kriegen getötet worden. 25.000 Kinder haben einen Elternteil verloren, mehr als 1200 sind Vollwaisen; 19.000 Kinder sind Invaliden. Dieser Situation werden drei funktionierende Waisenhäuser und zwei Rehabilitationszentren der Republik nicht annähernd gerecht.

[...] Seit zwölf Jahren leben die Kinder Tschetscheniens in den zerstörten Häusern, häufig ohne Strom und meistens ohne fließendes Wasser. Das normale friedliche Leben mit Spielplätzen und Karussells, mit Urlaubsreisen und fröhlichen Geburtstagsfeiern kennen sie nur aus dem Fernsehen oder aus den Erzählungen ihrer Eltern. "Wir lebten in ständiger Angst und Bedrohung durch den Krieg; wir wohnten in fremden Häusern, die wie durch ein Wunder die Kampfhandlungen heil überstanden hatten; wir gingen nicht zur Schule und feierten keine Feste. Ich wusste als kleines Mädchen nichts von Neujahrsbäumen, hatte keine Ahnung, wer Väterchen Frost und seine Tochter Snegurotschka waren, und meinen Altersgenossen ging es genau so. Unsere Eltern erzählten uns von allen möglichen Feiertagen; wir beneideten sie und stellten uns vor, was sie für eine glückliche Kindheit gehabt haben müssen", sagt die Achtklässlerin Diana Sangarijewa aus dem tschetschenischen Dorf Komsomolskoje.

Auch heute noch, da die offenen Kämpfe und die so genannten "Säuberungen" seltener geworden sind und die Kinder sich ohne die Begleitung von Erwachsenen auf die Straße wagen können, geht der Krieg im Hintergrund weiter. Nach Informationen von UNICEF wurden zwischen den Jahren 1994 und 2004 mindestens 114 Kinder durch Landminen getötet und 603 verletzt. 500.000 Landminen, die überall in der Region noch verstreut sind, fordern ständig neue Opfer. Doch die Weltöffentlichkeit ermüdet schnell angesichts solcher immer weiter auswuchernden Statistiken.


Aus: "Kinder ohne Kindheit" Der Krieg in ihrer Heimat hat vielen tschetschenischen Jugendlichen unbeschwerte Jahre geraubt | Von Vlada Menz (ZEIT online  28.11.2006)
Quelle: http://www.zeit.de/online/2006/48/tschetschenien-kinder?page=all


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« Reply #37 on: December 04, 2006, 12:17:25 PM »

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[...] Die Kämpfe ereigneten sich nach Angaben der Nato gestern in der Provinz Helmand, die ein wichtiges Zentrum des illegalen Opium-Anbaus ist. Eine Aufklärungs-Patrouille auf der Suche nach Taliban-Kämpfer habe eine grosse Zahl von ihnen in vierstündige Kämpfe verwickelt, sagte ein Nato-Sprecher.

Die radikal-islamischen Taliban haben ihre Hochburg im Süden und Osten des Landes. Dort sind vor allem britische und US-Soldaten stationiert. Bei Kämpfen in diesem Jahr, dem verlustreichsten seit dem Sturz der Taliban vor fünf Jahren, sind etwa 4000 Menschen ums Leben gekommen, etwa ein Viertel davon Zivilisten. (sbm/sda)


Aus: "80 Taliban in Afghanistan getötet" (Tages-Anzeiger Online; 04. Dezember 2006)
Quelle: http://www.tages-anzeiger.ch/dyn/news/ausland/695009.html

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[...]  Nach dem Selbstmordanschlag sind schwere Vorwürfe gegen die Nato-geführte Schutztruppe Isaf laut geworden. «Kurz nach dem Anschlag haben die Nato-Kräfte damit begonnen, wahllos auf die Einheimischen zu feuern», sagte der Parlamentsabgeordnete Khalid Paschtun.

Mehrere Zivilisten seien getötet worden. «Das Volk und ich als Parlamentsabgeordneter verurteilen diese Tat.» Die Nato-Truppen «behandeln jeden als Terroristen». Die Schutztruppe Isaf teilte mit, sie untersuche Vorwürfe, wonach Isaf-Soldaten nach dem Anschlag «Warnschüsse» abgegeben und Zivilisten getötet hätten.

Nato-Sprecher Jason Chalk erklärte, die Soldaten hätten Warnschüsse abgegeben, um Passanten vom Ort der Explosion fern zu halten. Dabei könnten einige Zivilpersonen verletzt worden sein. Nato-Sprecher Luke Knittig ergänzte, die Soldaten hätten ein verdächtiges Fahrzeug gesehen und darin einen zweiten Selbstmordattentäter vermutet. In diesem Fahrzeug sass Innenminister Sarar Ahmed Mukbal zufolge das dritte Todesopfer.

[...]  Der Mohnanbau zur Gewinnung von Rohopium in Afghanistan hat in diesem Jahr trotz aller Bemühungen zur Eindämmung einen Rekordstand erreicht. Nach einer Untersuchung der US-Regierung wurden im Laufe der vergangenen elf Monate 5644 Tonnen Opium produziert - ein Anstieg um 26 Prozent.

Zugleich nahm auch die Anbaufläche für Mohnpflanzen um 61 Prozent zu, zitierten US-Medien gestern aus der Studie der Washingtoner Drogenbehörde. Aus Rohopium wird Heroin gewonnen. Das Opium aus Afghanistan macht nach Schätzungen mehr als 90 Prozent des weltweiten Heroin-Aufkommens aus. (ret/ap/sda)


Aus: "Schwere Vorwürfe gegen Nato-Truppen" (03.12.2006; Tages-Anzeiger Online)
Quelle: http://www.tages-anzeiger.ch/dyn/news/ausland/694762.html

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[...] Nach ISAF-Angaben sind in diesem Jahr mindestens 227 afghanische Zivilisten und 17 ISAF-Soldaten bei rund 100 Selbstmordanschlägen im Land getötet worden.


Aus: "Afghanistan: Nato-Soldaten schiessen wahllos auf Zivilisten" (03.12.06)
Quelle: http://www.20min.ch/news/ausland/story/23824727

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Quote
[...] Der Selbstmordanschlag in Kandahar im Viertel Dorahi habe dem NATO-Militärkonvoi gegolten, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Ob es auch Opfer unter den NATO-Soldaten gegeben habe, konnte er nicht sagen. Ein NATO-Sprecher bestätigte den Anschlag. "Es gab eine Explosion nahe einer ISAF-Patrouille", sagte er AFP. Ein AFP-Korrespondent vor Ort berichtete von einem ausgebrannten Fahrzeug, das vermutlich dem Selbstmordattentäter gehörte, der sich in die Luft sprengte. Ein Taliban-Sprecher erklärte am Telefon, der Selbstmordattentäter sei ein Afghane gewesen. Der Anschlag war der siebte innerhalb der vergangenen Tage. Zwei ISAF-Soldaten waren am vergangenen Montag getötet worden.

Die Bundeswehrführung fürchtet laut "Spiegel" eine Zunahme der Taliban-Angriffe in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Laut einem vertraulichen Lagebericht der Bundeswehrführung kündigten "militante Oppositionskräfte" in Afghanistan an, den Kampf "während des Winters auf die großen Städte des Landes zu konzentrieren", heißt es in der jüngsten Ausgabe des "Spiegel". In zwei Bezirken, die nur zehn Kilometer von der Kabuler Stadtgrenze entfernt lägen, verschlechtere sich die Sicherheitslage bereits "zusehends", afghanische Sicherheitskräfte wagten sich dort nachts nicht mehr auf die Straße. Die Distrikte seien "Einfallstor" in Richtung Kabul und der "Vorbereitungs- und Aufstellungsraum" für Angriffe in der Hauptstadt.


Aus: "Afghanistan: Taliban schießen offenbar NATO-Hubschrauber ab" (Sonntag 3. Dezember 2006)
Quelle: http://de.news.yahoo.com/03122006/286/politik-afghanistan-taliban-schie-en-offenbar-nato-hubschrauber.html


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« Reply #38 on: December 05, 2006, 02:05:19 PM »

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[...] Arthur Bernklau, Vorsitzender der Vereinigung „Veteranen für verfassungsmäßiges Recht” in New York hat erklärt, die Anzahl von toten US-Soldaten durch „depleted Uranium“ habe die Marke von 11.000 überschritten. Das abgereicherte Uran ist als Ursache des „Golf-Krieg-Syndroms“ bekannt, an dem nach seinen Angaben im Moment 325.000 der 580.000 Soldaten leiden, die im ersten Golfkrieg 1991 eingesetzt waren.Die Zahl bezieht sich auf Veteranen, die dauernd arbeitsunfähig sind.

Obwohl bekannt war, was die Munition mit abgereichertem Uran den eigenen Soldaten antut, wurde sie auch beim Überfall auf Afghanistan und den Irak verwendet. Sie ist dort weiterhin im Einsatz. Auch Israel hat im kürzlichen zweiten Libanonkrieg diese Munition eingesetzt. Auch in Deutschland ist diese Munition gelagert.

Nach Angaben Bernklaus sind im Moment insgesamt 518.739 ehemalige Soldaten wegen des „Golf-Krieg-Syndroms“ arbeitsunfähig, berichtet „American Free Press“ in Washington. Nach den Erfahrungen mit den Veteranen des ersten Golfkriegs wird eine große Zahl von ihnen noch daran sterben.

Abgereichertes Uran ist ein Nebenprodukt der Herstellung von Uran-Atombomben. Munition mit diesem Stoff extrem hoher Dichte statt Blei in den Geschossen hat eine besondere Durchschlagskraft. Das Uran ist aber weiterhin eine radioaktive Substanz mit allen Wirkungen ionisierender Strahlungen wie Krebs, langsamem Dahinsiechen und Tod.



Aus: "11.000 tote US-Soldaten durch abgereichertes Uran - Weitgehendes Schweigen in den Massenmedien" Von Karl Weiss (15. November 2006)
Quelle: http://www.berlinerumschau.com/index.php?set_language=de&cccpage=15112006ArtikelPolitik1

Quelle #2: http://en.wikipedia.org/wiki/Depleted_uranium

"Troops 'not told' about uranium risks" (news.bbc.co.uk; Wednesday, 7 February, 2001, 21:39 GMT)
Quelle #3: http://news.bbc.co.uk/1/hi/uk_politics/1159218.stm

Quelle #4: http://de.wikipedia.org/wiki/Golfkriegssyndrom



« Last Edit: December 05, 2006, 02:19:02 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #39 on: December 11, 2006, 03:04:17 PM »

Quote
[...] [Scheuer]: Unsere grösste Schwierigkeit in den nächsten Jahren wird sein, dass diese Politiker weiterhin glauben, unser Problem mit der islamischen Welt beschränke sich auf einige islamische Extremisten, die Amerika für seine Freiheiten hassten.

Usama bin Ladin und seine Leute kämpfen aber in erster Linie gegen amerikanische und westliche Aussenpolitik in der islamischen Welt. Die kämpfen nicht, weil unsere Frauen zur Schule gehen und arbeiten. Sie kämpfen, weil wir im Irak sind und in Afghanistan. Sie kämpfen, weil wir Putin in Tschetschenien unterstützen. Sie kämpfen, weil wir im letzten halben Jahrhundert Polizeistaaten im Nahen Osten unterstützt haben. Wir mögen das nicht gerne hören, aber bin Ladin ist heute der grösste und wichtigste Held in der islamischen Welt.

Gibt es eine psychologische Erklärung für diese Realitätsverweigerung?

Diese Politiker sind die Architekten der amerikanischen Aussenpolitik, aber sie sind Feiglinge, sie sagen eben nicht: Wir haben 50 Jahre lange die islamische Welt provoziert und zahlen jetzt den Preis dafür, wir müssen entweder unsere Politik ändern, oder wir werden in einen sehr blutigen jahrzehntelangen Krieg hineingezogen.


Aus: "Wir wissen nicht viel von der Welt da draussen" - Michael Scheuer, der für die CIA Usama bin Ladin jagte, über die Arroganz amerikanischer Politiker (10. Dezember 2006, NZZ am Sonntag)
Quelle: http://www.nzz.ch/2006/12/10/al/articleEQFFI.html

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« Reply #40 on: December 11, 2006, 03:20:34 PM »

[...] gibt es ein Menschenrecht auf Realitätsverweigerung?...

[...]  Beide Positionen scheinen eher das Ergebnis kollektiver Realitätsverweigerung zu sein...

[...] Wissensmangel bei Journalisten und Realitätsverweigerung bei Politikern...

[...] Ignoranz, Koketterie und Realitätsverweigerung mitzukriegen und nichts zu sagen...

[...] Der Bundestag muss noch viele blinde Flecken...

[...] einer "Realitätsverweigerung" vieler Abgeordneter gekennzeichnet gewesen seien...

[...]  in der totalen Realitätsverweigerung sowohl der "Finanzexperten" als auch...

[...] Protokolliert wird die Geschichte einer Realitätsverweigerung...

[...] Der Zustand der Verblendung beginnt...

[...] Staat und Terror und Krieg und Recht haben eine lange...

[...] Propaganda, Psychological Operations und Information Operations im Krieg wie im Frieden...

[...]  er hätte den Krieg nicht unterstützt, wenn er gewusst hätte...

[...] Ich spreche hier mehr von Realitätsverweigerung und Ursachen...

[...] In Diktaturen ist die Realitätsverweigerung, wie zahlreiche Beispiele zeigen...

[...] aggressivem und zerstörerischem Charakter finden im Krieg die Möglichkeit ihre sadistischen...

[...] sinnvoller als antikapitalistische Realitätsverweigerung...

[...] die kollektive Realitätsverweigerung auf dem Felde der Wirtschafts- und...

[...] aber auch wo Gefahren der europäischen Realitätsverweigerung...

[...] Als ich dieses Land besucht habe konnte ich keine Realitätsverweigerung erkennen...

[...] eine willentliche und gefährliche Realitätsverweigerung...

[...]  von Machtintrigen und Realitätsverweigerung...

[...] Die religiösen Gemeinschaft bedinge eine totale Realitätsverweigerung...

[...] Die organisierte Realitätsverweigerung hat System....

« Last Edit: December 11, 2006, 03:22:48 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #41 on: December 11, 2006, 03:46:19 PM »

[...] Theorem der Ungleichzeitigkeit zur Aufdeckung von tiefer liegenden Kriegsursachen...

[...] In der Regel werden Kriegsursachen auf drei Ebenen unterschieden...

[...] und brisante Hintergrundberichte zu den Kriegsursachen, die...

[...] Psyche 7.1 Glaube 7.2 Motivation 7.3 Innerer Feind 8. Waffenstillstand...

[...] Es war eine meisterhafte Darstellung der neurotischen Psyche und zugleich eine...

[...] Beim Krieg sind die vordergründigen Kriegsanlässe von den tieferen Kriegsursachen zu unterscheiden. Die meisten Kriege...

[...] Standardtheorien über Kriegsursachen 109. Klinische Studien über menschliche Gewalt...

[...] um das gefühl zu „reparieren“, entwickelt die Psyche u.U. Rachephantasien...

[...] die kollektive Psyche aktiviert, politisch instrumentalisiert und mit...

[...] Dieser Satz stammt nicht von Freud, sondern von dem Arzt - Maler und Goethe-Biographen Carl Gustav Carus, der ihn 1846...

[...] wurden auch die wirklichen Kriegsursachen durch ein Trommelfeuer von Propaganda genau ins Gegenteil verkehrt...

[...] differenzierteres Verständnis von Kriegsursachen, -verläufen und Möglichkeiten...

[...] obwohl die geistige Instabilität des Intellektuellen im Vergleich zur robusten Psyche des...

[...] im Vergleich zur robusten Psyche des Durchschnittsmenschen...

[...] Geld, Macht und die menschliche Psyche; Geldreform und...

[...] wenn man davon mal absieht, dass es auch noch andere Kriegsursachen gibt...

[...] die Traumatisierung zu verkennen, welche...

[...] Im 17. und 18. Jahrhundert haben absolutistische Staaten...

[...] Psychokampfstoff: Hier wird die Psyche des Menschen angegriffen, um ihn vorübergehend...

[...] Wie schlecht ist der Mensch?...

[...]  Vgl. dazu [...] Hegemoniestrukturen und Kriegsursachen...

[...] Haß ist ein atavistisches Element der menschlichen Psyche; er signalisiert...

[...] Die Kriegsursachen. Es ist hier nicht der Platz, die Gründe für die...

[...] vieler Phänomene in der Psyche des Einzelnen, der gesellschaftlichen Kollektive...

[...] wer nur die Psyche Hitlers erklärt, nicht aber...

[...] Kulturelle Unterschiede und Macht...



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« Reply #42 on: December 13, 2006, 04:41:15 PM »

Quote
[...] In den vergangenen Monaten haben zivile Opfer bei ISAF-Operationen deutlich zugenommen. Weil die Soldaten vermehrt zum Ziel von Anschlägen werden, eröffnen sie aus Angst immer wieder das Feuer auf Zivilisten, die sie für potenzielle Attentäter halten.


Aus: "ISAF-Soldaten erschiessen erneut Zivilisten in Afghanistan" (baz.ch; 13.12.06)
Quelle: http://www.baz.ch/news/index.cfm?ObjectID=7B0AFCB8-1422-0CEF-70AD3BF6A0299393
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« Reply #43 on: December 13, 2006, 04:48:16 PM »

Quote
[...] Ellsberg weiß, wovon er redet. Der Friedensaktivist, der in Cambridge und Harvard studierte und das in die Wissenschaftsgeschichte eingegangene "Ellsberg-Paradoxon" über Anomalien in der Entscheidungstheorie entwickelte, war zunächst Offizier der US-Marines, dann Analyst bei der mächtigen Denkfabrik Rand Corporation und schließlich Berater von US-Verteidigungsminister McNamara. Zwei Jahre verbrachte er in Vietnam. Als er die hochgeheimen "Pentagon-Papiere" in die Hand bekam, eine Regierungsanalyse über die wahren Ursachen des Vietnam-Kriegs, entschloss er sich 1971 zu einem dramatischen Schritt: Er veröffentlichte die "Pentagon-Papers" - und entfachte einen weltweiten Sturm der Empörung, als bekannt wurde, dass Vietnam ein geplanter Angriffskrieg war.

Daniel Ellsberg musste sich vor Gericht verantworten, wurde aber freigesprochen. Die globale Antikriegsbewegung machte ihn zur Ikone.

Nun zieht der 75-jährige Professor, der nichts von seiner Energie eingebüßt hat, Parallelen zwischen den amerikanischen Militärabenteuern in Vietnam und im Irak - und warnt vor einer atomaren Apokalypse im Iran.

"US-Präsident Richard Nixon und sein Berater Henry Kissinger sagten schon 1969 ganz offen, dass der Krieg militärisch nicht mehr zu gewinnen war - wie jetzt auch der neue US-Verteidigungsminister Robert Gates - dennoch ging er noch sechs Jahre weiter. Warum? Nixon wollte nicht alle Truppen abziehen, er wollte auf jeden Fall die Kontrolle über Saigon und die größeren Städte behalten. Und auch Bush will in seiner Amtszeit nicht die Kontrolle - soweit die Amerikaner sie haben - über Bagdad abgeben."

Ellsberg grinst wie ein Lausbub, als er sagt: "Ich glaube Bush, wenn er sagt, er suche nicht einfach nach einem eleganten Rückzug aus dem Irak. Man kann sich eben nicht darauf verlassen, dass dieser Präsident immer lügt." Auch Ex-Außenminister James Baker, Chef der Irak-Kommission, teile diese Einschätzung. "Ich glaube, die Amerikaner wollen sich für lange Zeit mit Militärbasen im Irak einrichten. Und mit lange meine ich Stationierungen wie in Deutschland oder Japan. Und das geht schon seit 60 Jahren. Baker denkt gar nicht daran, unsere Basen im Irak aufzugeben. Kein einziger demokratischer Führer will das."

Damals habe Nixon Nordvietnam im Geheimen mit Atomangriffen gedroht - "so wie Bush jetzt Iran ganz offen droht". Nixon habe dies nur heimlich getan, weil er Vergeltungsschläge Russlands und Chinas fürchtete. "Aber wer würde heute Vergeltung üben, wenn wir Iran bomdardieren? Niemand." Daher mache sich die amerikanische Öffentlichkeit kaum Sorgen über einen Atomkrieg gegen den Iran.

"Wenn heute einer sagt: Bush plant einen Atomkrieg gegen den Iran, hört man sofort: absurd, unmöglich, total verrückt. Würde ich auch sagen, gebe es nicht Seymour Hersh und seine sehr guten Quellen - darunter aktive Generale und Beamte des Weißen Hauses." Der Historiker und preisgekrönte Enthüllungsjournalist Hersh, eine andere US-Legende, hatte diese Pläne 2005 publik gemacht.


Aus: "Daniel Ellsberg Alternativer Nobelpreisträger in Hamburg: US-Friedensaktivist: Bush will für Jahrzehnte im Irak bleiben" (12. Dezember 2006)
Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2006/12/12/651009.html

-.-

Quote
[...] Im Richtungsstreit um die verschiedenen Optionen der US-Regierung im Irak favorisiert das Pentagon offensichtlich eine Politik der militärischen Stärke: Nach einem Bericht der "Los Angeles Times" unterstützen wichtige Entscheidungsträger im US-Verteidigungsministerium einen Plan, wonach die US-Truppen im Irak deutlich aufgestockt werden sollen. Sie sollen unter anderem verstärkt gegen die Milizen von Schiitenführer Sadr vorgehen.

Vertreter der Streitkräfte hatten in der Vergangenheit argumentiert, nur ein verstärktes Engagement könne die Aufständischen zurückdrängen und den USA die Chance auf einen Erfolg eröffnen.

Derzeit haben die USA 140.000 Soldaten im Irak. In Washington kursiert die Zahl, 40.000 weitere Soldaten könnten hinzukommen.

Diese Strategie widerspricht in zentralen Punkten den Vorschlägen der Baker-Kommission, kommt aber dafür den Vorstellungen von Präsident Bush nahe, der laut "Los Angeles Times" stärker auf Sieg als auf Rückzug setzt.

[...] Allerdings wird die Strategie, die Entscheidung zu suchen, von Pentagon-Offiziellen selbst als hochriskant angesehen. Die "Los Angeles Times" beruft sich auf mehrere Quellen aus dem Pentagon, die sämtlich anonym bleiben wollten.



Aus: "US-STRATEGIESTREIT: Pentagon will bis zu 40.000 Soldaten mehr in den Irak schicken" (SPON; 13. Dezember 2006(jaf/dpa//AFP/AP/Reuters))
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,454223,00.html

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Quote
[...] Bisher sind in dem seit dem 1. Oktober laufenden Haushaltsjahr 70 Mrd. $ für die beiden Einsätze veranschlagt. Es sei damit zu rechnen, dass die US-Regierung die zusätzlichen Gelder Anfang Februar beim Kongress beantragen werde, hieß es in dem von Demokraten erstellten Bericht. Die Summe würde aber dennoch deutlich unter den zusätzlichen 130 Mrd. $ liegen, die das US-Verteidigungsministerium kürzlich angefragt haben soll.

Bush verteidigte unterdessen seine Entscheidung, erst im kommenden Jahr eine neue Irak-Strategie vorzustellen. Der Feind im Irak sei weit davon entfernt, geschlagen zu werden, räumte Bush nach Beratungen mit führenden Generälen und Beamten des Verteidigungsministeriums in Washington ein. Er werde jedoch keine übereilte Entscheidung treffen. Sollten die USA im Irak "die Nerven verlieren", werde das Land an den Feind fallen.

[...] Die USA würden im Irak nicht aufgeben, sagte der Präsident. Dazu seien "die Einsätze zu hoch und die Konsequenzen zu gravierend". Während der Beratungen in den vergangenen Tagen habe er einige interessante Vorschläge gehört und einige, die in eine Niederlage führen würden. "Und solche Ideen lehne ich ab", sagte Bush. Weiter sagte er, er werde der irakischen Regierung nicht die Hilfe verweigern, die sie brauche, um ihre Arbeit zu tun.


Aus: "Bush will 100 Milliarden mehr für Irak und Afghanistan" US-Präsident George W. Bush wird offenbar in Kürze zur Finanzierung der Einsätze im Irak und in Afghanistan zusätzliche 100 Mrd. $ beantragen. (FTD; 14.12.2006 )
Quelle: http://www.ftd.de/politik/international/141560.html



-.-

Quote
[...] Washington (Reuters) - Nicht einmal mehr ein Viertel aller Amerikaner unterstützt den Kurs von US-Präsident George W. Bush im Irak.

Wie eine am Mittwoch vorgelegte Umfrage von "NBC News" und des "Wall Street Journals" zeigte, sprachen sich lediglich 23 Prozent für die Irak-Politik des Präsidenten aus - so wenige wie nie zuvor.


Aus: "Weniger als ein Viertel der Amerikaner für Bushs Irak-Strategie" (de.today.reuters.com; 14.12.2006)
Quelle: http://de.today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=topNews&storyID=2006-12-14T062411Z_01_KOE423039_RTRDEOC_0_USA-IRAK-BUSH-UMFRAGE.xml&archived=False

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« Last Edit: December 14, 2006, 03:01:22 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #44 on: December 16, 2006, 01:42:11 PM »

Quote
[...] Angesichts der zahlreichen Konflikte der Gegenwart und der Verschiebung der Schwerpunkte und Kampfzonen, die mit der neuen Art der Kriegführung, dem Terror, einhergehen, bleibt es auch in Zukunft eine wichtige Aufgabe der Geistes- und Sozialwissenschaften, zu analysieren, in welchen Formen der Kampf auf den Schlachtfeldern in die Imagination eindringt.


Aus: "Jörg Friedrich Vollmer : Imaginäre Schlachtfelder - Kriegsliteratur in der Weimarer Republik ; eine literatursoziologische Untersuchung (Imaginary Battlefields)" [Die Dissertation widmet sich der literatursoziologischen Untersuchung von Kriegsliteratur in der Weimarer Republik. Im Sinne der von Pierre Bourdieu entwickelten Feldtheorie wird ein Korpus von über einhundert kriegsliterarischen Texten analysiert, die in der Zeit zwischen 1915 und 1936 entstanden und sich allesamt auf den Ersten Weltkrieg beziehen - Die Studie wird in zwei Schritten entfaltet: In einem ersten Schritt werden methodische Vorgaben und notwendige Ergänzungen zur Theorie diskutiert; die Beobachtungen zur Ausdifferenzierung der Erzähltechniken, die soziologische Analyse der Autoren und die Untersuchung der Struktur des Verlagswesens in der Weimarer Republik gewähren Überblicke über den Forschungsgegenstand. In einem zweiten Schritt werden dann exemplarische Texte eingehend untersucht. Zu diesem Zweck wurden die Werke in drei Gruppen zusammengefaßt: Die erste Gruppe wird von affirmativen Texten gebildet, die bekannte Militärpersönlichkeiten als Helden inszenieren; da sie ganz im Sinne der doxa des Wilhelminischen Reiches abgefaßt sind, werden sie "orthodoxe" Texte bezeichnet. Die zweite Gruppe von Werken, die "Häretiker I", wird durch kriegskritische Darstellungen gebildet; sie stellen den Sinn des Krieges in Frage, thematisieren das Geschehen aus der Außenseiterperspektive des Abweichlers und zeigen anhand der körperlichen und seelischen Destruktionskraft des Krieges die negativen Folgen für die Gesellschaft auf. Die dritte Gruppe, mit "Häretiker II" benannt, wird durch Texte radikalnationalistischer Provenienz gebildet. In diesen Darstellungen dominiert die Lust am Leiden, das ästhetische Vergnügen an der Verrohung und am Abgleiten des Menschen ins Animalische. Die Helden dieser Texte sind unbekannte Soldaten, deren Opfer für die Nation ins Heroische gewendet wird. Die Abfolge der Oppositionen zwischen den drei genannten Textgruppen läßt sich als Kampf um Deutungsmacht hinsichtlich des Ersten Weltkriegs interpretieren. Die innovative Leistung dieser Dissertation besteht keineswegs nur darin, daß der bislang in der Germanistik gängige Kanon von ca. 30 Texten erheblich ausgeweitet wird und so auf einer breiten Textbasis Darstellungstechniken des zeitgenössischen Genres "Kriegsliteratur" aufgezeigt werden, die als repräsentativ angesehen werden können. Vielmehr begründet sich der Erkenntniszugewinn aus der Verschränkung von soziologischer Untersuchung und ästhetischer Analyse, d.h. der Einsatz bestimmter Metaphern, Erzählmuster und Ästhetiken wird in Bezug zur sozialen Position der Autoren gesetzt und so die Homologie zwischen literarischem, sozialem und ideologisch-politischem Feld aufgezeigt. Darüber hinaus wird eine neue Periodisierung der Genreentwicklung vorgeschlagen: Ab ca. 1925 wird der Bürgerkrieg der frühen Weimarer Republik in einen Kampf im literarischen Feld überführt. Diese Zäsur in der Geschichte des Feldes begründet sich aus der Verwendung eines eschatologischen Deutungsmusters und der Herausbildung komplementär aufeinander bezogener Diskurse der beiden extremen politischen Lager. An der Auseinandersetzung zwischen den kriegskritischen Positionen um Remarque und den radikalnationalistischen Texten um 1929/30 kann schließlich abgelesen werden, daß die symbolische Neuordnung im literarischen Feld die spätere politische Entwicklung vorweggenommen hat.]| C) Ergebnisse: Kapitel 7; Vom Fortwirken der Niederlage"
http://www.diss.fu-berlin.de/2003/232/Ergebnisse.pdf / http://www.diss.fu-berlin.de/2003/232/

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